Archive for the ‘Palästinenser’ category

Gaza Konflikt Tag 6. Hat die Hamas bewusst Ramallah angegriffen?

14. Juli 2014

Pesach Benson, HonestReporing, 13.07.14 (übersetzt von Cora)

Nachdem eine Rakete letzte Nach in Ramallah einschlug, vermutete Patrick Martin vom Globe & Mail, dass die Hamas bewusst auf die PA gefeuert hat.

Der Gedanke, dass militante Palästinenser aus Gaza auf die palästinensischen Behörden in Ramallah feuert, ist sicher eine neue Wendung in dem 6 tägigen Raketenkrieg zwischen Israel und den militanten von der Hamas angeführten Gruppen im Gazastreifen.

Aber es ist nicht unwahrscheinlich. Palästinenserpräsident Abbas hat die Hamas-Führung in dieser Woche zweimal wegen ihrer unverantwortlichen Raketenangriffe auf Israel heftig attackiert.

Der palästinensische Vertreter im UN-Menschenrechtsrat sagte, es gäbe keine Chance für die PLO, erfolgreich irgendwelche Anklagen wegen Kriegsverbrechen gegen Israel vor dem internationalen Gerichtshof vorzubringen. Der Grund dafür sei, dass der Raketenbeschuss der Hamas viel schlimmer sei. Laurie Blank argumentierte in The Hill genauso, aber es ist wirkungsvoller, wenn es Ibrahim Khreishah feststellt. Hier ist großartige Hingucker von MEMRI.

Nach Angaben eines UN Berichts (pdf–Format) über den Gaza–Konflikt, sind 77% der palästinensischen Opfer Zivilisten. Was die Berichterstattung von AFP, BBC und The Independent aber nicht erzählt: Dieses Dokument stellt deutlich fest, dass die meisten der Opfer aus Gaza hätten zuvor eine Warnung erhielten.

In den meisten Fällen wurden die Einwohner von den Israelis entweder durch Anrufe oder durch Warnschüsse kurz vor den Angriffen gewarnt.

Flächenbombardement auf Gaza. Wenn man France24-Korrespondenten glauben würde, müsste die Anzahl an palästinensischen Opfer wesentlich höher sein.

Israel ist nicht schuld! Falsche Fotobechreibung wurde korrigiert. HonestReporting sorgte für die Korrektur.

Punkt für die päpstliche palästinensische Propagandamaschine

26. Mai 2014

Pesach Benson, HonestReporting.com, 25. Mai 2014

Punkt für die palästinensische Propagandamaschine: Die Messes des Papstes auf dem Krippenplatz in Bethlehem wurde vor dem Hintergrund eines Wandbildes gehalten, das ein Jesus-Baby zeigt, das in das traditionelle Keffiyeh-Muster gewickelt ist. Das Bild ist vom Livestream der Jerusalem Post abfotografiert.

Wieder einmal behauptet die PLO, dass Jesus einer der ihren ist.

Papst Franziskus auf dem Krippenplatz in Bethlehem

Übrigens würde das den Behauptungen seiner Unheiligkeit Saeb Erekat widersprechen, dass die Palästinenser von den Kanaanitern abstammen.

Ich frage mich, ob Papst Franz die Luft reinigen wird…

Video: Palästinensische Christin offenbart die Realität hinter der Propaganda

6. Mai 2014

Simon Plosker, HonestReporting.com, 27. April 2014 (Beitrag von Cora)

Im April 2012 verbreitete CBS eine der einseitigsten Reportagen dieses Jahres (und Anwärter auf den „Dishonest Reporter“-Preis) zum Status der Christen im Heiligen Land. Bob Simon präsentierte ein unausgewogenes Bild, indem er Israel die Schuld für nahezu alle Schwierigkeiten gab, die palästinensische Christen erleiden müssen.

Der Ausschnitt beinhaltete ein Interview mit Christy, einer jungen Palästinenserin aus Bethlehem, deren Zuhause von drei Seiten von der israelischen Sicherheitsmauer eingeschlossen ist. Christy war gezwungen nach England zu fliehen um der Verfolgung durch jene Palästinenser zu entgehen, die mit ihren Ansichten und ihrer Sympathie für Israel nicht einverstanden waren. Bei einem Treffen in London 2013 erklärte mir Christy, wie Bob Simon, durch selektive Textbearbeitung, ihre Ansichten über die Sicherheitsmauer und die Situation der Christen in Bethlehem verfälscht hatte.

Christy hat mich tief beeindruckt, sowohl mit ihrer couragierten Haltung als auch durch ihre intelligente Art, wie sie ihre Seite des palästinensischen Falls im starken Kontrast zu der Anti-Israel Propaganda, der sonst den Diskurs beherrscht, darstellt.

Leider konnten wir zu jener Zeit den Fall auf Grund der gefährlichen Situation, in der sich Christy und ihre Familie zu jener Zeit befand, nicht auf HonestReporting veröffentlichen.

Jetzt hat Christy, trotz aller Todesdrohungen aus Bethlehem und England, mutig ihre Geschichte auf Youtube veröffentlicht; in Form einer Vorlesung, die sie an einer schwedischen Universität gegeben hat, und als persönlichen Appell an den Unterhändler Saeb Erekat, das Versprechen, das er ihr einst gab, dass ein palästinensischer Staat die fundamentalen Menschenrechte respektieren und demokratisch würde, endlich einzulösen.

Christy gibt uns einen Einblick in das Leben unter der palästinensischen Autonomiebehörde, den Mangel an Freiheiten und die internen Gewalttätigkeiten in der palästinensischen Gesellschaft, der selten gezeigt wird und von den Medien allzu oft heruntergespielt oder komplett ausgeblendet wird.

(Es gilt immer das gesprochene Wort)
VIDEO Teil 1: (Zusammenfassung)

Saeb Erekat Christy in Oxford, bei einer Diskussion, veranstaltet vom Sender Al Djaseera, das Versprechen, dass es in einem palästinensischen Staat frei Rede, Transparenz und Frauenrechte geben würde. Aufgrund dieses Versprechens begann Christiy ihre Meinung öffentlich mit zu teilen. Ihre Rede, gehalten an der schwedischen Universität zu Uppsala wurde von ihr in Youtube veröffentlicht. Als Ergebnis erlebt ihre Familie in Bethlehem nun Bedrohungen, Verleumdungen und ist jede Menge Druck ausgeliefert. Von wem diese Bedrohungen ausgehen, weiß sie nicht, aber sie ruft Saeb Erekat als Ehrenmann auf, ihre Familie zu schützen und sein Wort zu halten.

Als Palästinenserin, die selbst von der Besatzung betroffen ist, Freunde verloren hat und deren Haus von der israelischen Schutzmauer von drei Seiten eingeschlossen ist, weiß sie um die Gefühle, die einen bewegen. Sie fragt Erekat, ob er als Unterhändler in der Lage ist, sich nicht von diesen Gefühlen überwältigen zu lassen.

Erekat ist gerührt, vergleicht sie mit seinen Töchtern und erzählt, dass er Klassenkameraden hat, die im Gefängnis sitzen oder gestorben sind und er verhandelt mit Schmerz und Frust im Herzen. Aber es sei besser mit Schmerz und Frust zu verhandeln, als das, was vorher gewesen sei. Die Palästinenser seien Menschen des Friedens und so brächte man Palästina wieder auf die Landkarte zurück. Palästina müsste die Brücke zur Zivilisation und für den Frieden zwischen den Religionen stehen. Es gäbe keine andere Möglichkeit außer für ein Palästina, das für Demokratie, Menschenrechte und freie Meinungsäußerung steht. Das verspricht er öffentlich.
VIDEO Teil 2 (Youtube):

Die 2. Intifada begann und die Palästinenser griffen von unserem Haus aus, das in der Nähe eines jüdischen Heiligtums liegt, die Israelis an. Tags warfen sie Steine und Molotowcocktails und nachts schossen sie, obwohl sie wussten, das in diesem Haus auch Palästinenser lebten. Auch Kinder warfen Steine – Kinder wurden als Kämpfer benutzt. Diese Kinder waren indoktriniert.

Es war furchtbar zu sehen, wie diese Kinder angeschossen und erschossen wurden. Doch diese Kinder glaubten, sie kämpften für die Ehre und ihre Eltern bekamen finanzielle Zuwendungen nach ihrem Tod. Saddam Hussein, als er noch an der Regierung im Irak war, gab jeder Märtyrerfamilie $ 10.000 und für Selbstmordattentäter gab er $ 20.000. Und bis heute zahlte die palästinensische Regierung $ 74 Mill. an die Familien der Märtyrer. Wird damit nicht die Gewalt gefördert?

Ist das nicht ein Grund dafür, dass sich Menschen, dass sich diese Kinder in Gefahr begeben?

Ein weiterer Grund sind die 72 Jungfrauen, die sie nach ihrem Tod treffen. …

Das Ergebnis war, dass die israelischen Soldaten auf die Kinder schossen, und die palästinensische Regierung, die – laut dem Oslo-Abkommen – diese Kinder zu schützen und von der Gewalt abhalten sollte, tat nichts dergleichen. …

Es wurde immer schlimmer. … Meine Freundin Christine Saadeh wurde 2002 irrtümlich von israelischen Soldaten erschossen. Sie war zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort und im falschen Auto.

Eine Gruppe Soldaten wartete auf ein Auto in dem sich gesuchte Terroristen befanden. Christines Familie fuhr direkt vor diesem gesuchten Auto. Und ihr Auto sah genauso aus, es hatte die selbe Farbe, es war die gleiche Automarke und es hatte das gleiche Nummernschild. Die Soldaten waren verwirrt und schossen auf beide Autos – und erschossen Christine. Diese Geschichte wurde weit verbreitet, auch meine Kirche machte sie öffentlich. Aber in der gleichen Zeit passierte noch etwas anderes. Mein Onkel, der wie alle Christen im Palästinensergebiet die „Jiziya“ bezahlte, eine Steuer, die alle Nicht-Muslime zu ihrem Schutz bezahlen müssen, sah, dass eben diese Leute, die regelmäßig bei ihm diese Steuer eintrieben, sie nennen sich „Freiheitskämpfer“, ich nenne sie „Mafia“, ihre Raketen grundsätzlich von oder neben christlichen Häusern abschossen. Wohl wissend, dass die Antwort eben diese Christen treffen würden. Also entschied er sich, diese „Schutzsteuer“ nicht weiter zu bezahlen. So wurde er beschuldigt, ein Verräter zu sein, sie steckten ihn ins Gefängnis und folterten ihn. Doch sie hatten nichts gegen ihn in der Hand. So schossen sie ihm direkt vor seinem Haus in den Kopf. Palästinenser töten Palästinenser. Sein Freund, der das bei der Beerdigung laut aussprach, wurde ebenfalls angeschossen. Israelische Ärzte retteten sein Leben, aber er ist jetzt blind.

Keine dieser Geschichten wird von ihnen der Welt erzählt.

Während und nach der Intifada sank die Zahl der Christen im palästinensischen Gebiet. Alle behaupten, das läge an der Besatzung. Ich glaube an Fakten und Statistiken. Bethlehem hatte ursprünglich eine christliche Bevölkerung von 82%, nach der Besetzung sogar 85%. Sie wuchs also. Nach den beiden Intifadas und der Machtübernahme der PLO und der Hamas fiel die Bevölkerungsanzahl. Wenn es tatsächlich an der israelischen Besatzung liegt, warum betrifft es nur die Christen? Die palästinensische Bevölkerung wächst jedes Jahr um 2.2%.

Ramallah war ursprünglich 90% christlich, heute ist es 95% muslimisch. Bethlehem, der Geburtsort Jesu, war 85 – 89% christlich, heute sind es nur noch 7%, mit sinkender Tendenz.

Alles wurde schlechter durch die Intifada.

Die zunehmenden Selbstmordattentate, die traurig erweise von meinen Landsleuten ausgeführt wurden und Israelis töteten, israelische Zivilisten, töteten auch Palästinenser. Jene Menschen, die sich die Bombengürtel umschnallten und sich und andere umbrachten. Es war schrecklich. Und was geschah?

Nach dem Attentat in einem Hotel in Netanjah 2002, bei dem viele Menschen starben – ich weiß nicht mehr, wie viele, entschied sich Israel eine Mauer zu errichten.

Ich war damals sehr jung und ich erinnere mich, als ich von der Schule heim kam, dass innerhalb eines Tages die Mauer unser Haus von drei Seiten umschloss. Das machte unser Haus in der ganzen Westbank und in Gazah einzigartig.

Wir verloren unsere Geschäfte unser Leben; von allen Seiten hatten wir die Mauer vor Augen und vier Kameras filmten uns 24 Stunden sieben Tage die Woche …

(Zeigt Bilder vom Haus mit der Mauer)

Die Mauer stand zu 8,5% auf palästinensischem Land, vor allem rund um Bethlehem und sie nahm vor allem den Christen ihr Land.

Aber, wenn Sie mir die einfache Frage stellen: Wenn du der Premierminister des Landes Israel wärst, würdest du die Mauer errichten? Dann wäre meine Antwort: Ja.

Auch wenn ich zu jenen gehöre, die von der Mauer am meisten betroffen sind. Denn sie hält meine Leute davon ab, sich selber zu töten.

Ich sorge mich um Menschen und nicht um Länder.

Danach endete die 2. Intifada und ich entschied mich, Jura zu studieren. Ich war zuhause Jurastudentin und ich lernte Internationales Recht, hörte von Redefreiheit und Menschenrechte. Und zur gleichen Zeit lernte ich unser Rechtssystem kennen, das eine interessante Mischung ist. Es basiert hauptsächlich auf dem, was wir „Al´a Urf“ nennen, ein Mischung von Sharia (islamisches Recht) und Stammesrecht. Und dieses Stammesrecht basiert vor allem auf dem, was man eine `Aggressionskultur` nennen kann. Es wurzelt in den drei „W´s“: Frauen (woman); Reichtum (wealth) und Krieg (war).

Als ich davon erfuhr, trat ich einen Schritt zurück um das große Ganze als Araberin zu erkennen. Traurigerweise folgen meine Leute, ich bin entsetzt das sagen zu müssen, diesem Recht, wenn wir nur auf das Regime und das Wort „Frau“ schauen.

Männer können bis zu vier Frauen heiraten.

Reichtum: Ich habe eine korrupte Regierung, die alle finanzielle Zuwendungen in die eigenen Taschen steckt. Sie ertrinken im Geld. Mit all den Zuwendungen, von denen ich gehört habe, müsste ich reich sein, müsste jeder Palästinenser reich sein.

Krieg: Wenn wir keinen Feind zu bekämpfen haben, so wie im israelisch-palästinensischen Konflikt, dann töten wir uns gegenseitig, wie 2006 in Gaza die Hamas gegen die Fatah. Palästinenser ermorden Palästinenser.

Tunesien, Algerien, Libyen, Irak, Libanon, Syrien, Ägypten – überall finden sich die Werte meiner Leute, sie wurden erweitert und es wird darauf aufgebaut.

Wir haben eine Verfassung, eine sehr gute Verfassung, doch sie wird nicht angewandt, denn wir haben eine korrupte Regierung.

Saeb Erekat, unser Unterhändler, sagt, dass Palästinenser starben für die Regierung, für die Waffe, für einen kleines bisschen Boden. Wir haben Zeit und Kraft dafür gegeben.

Ja, haben sie – vor allem um Palästinenser zu töten, unsere Leute. Es ist widerlich. Traurigerweise ist es mein Regime: es gibt keine Ordnung, kein Gesetz.

Eines der größten Probleme, das wir haben, sind die Ehrenmorde. Frauen haben dort überhaupt keine Rechte.

Auf einem Marktplatz wurde vor 10 Jahren eine junge Frau von ihrem Mann zusammengeschlagen. Nach 10 Jahren fand sie den Mut zu Gericht zu gehen, und die Scheidung einzureichen. Kaum hatte sie das gemacht, folgte ihr ihr Mann und schnitt ihr auf demselben Marktplatz die Kehle durch.

Frauen werden dort wie Besitz behandelt. Frauen, wie ihr, werden dort nicht als Menschen gesehen, denn du hast dort kein Recht auf eine Meinungsäußerung oder irgendein Recht.

Ich könnte so viele Geschichten von Frauen erzählen, die von ihrer eigenen Familie ermordet wurden. Allein im Jahr 2013 haben die Ehrenmorde um 300% zugenommen. 300% in einem Jahr!

Frauen werden auf den Straßen sexuell belästigt. Auch ich wurde auf dem Weg zur Universität mehrfach sexuell belästigt. Es war ekelhaft. Ich fühlte mich wie in einem Zoo, zwischen lauter wilden Tieren. Manchmal drehte ich um und ging nach Hause. In einem Minibus erlebte ich, wie ich angegrabscht wurde. Das sind die Rechte, die wir Frauen dort haben.

Das andere Problem, dem wir uns gegenüber sehen, ist der Landraub. Seitdem die Mauer errichtet wurde, die so viel Land genommen hatte, stehlen Palästinenser anderen Palästinensern Land, vor allem christliches Land.

Ich habe vier Onkel, die die Hälfte ihres Landes an Leute aus Hebron verloren. Einfach so. Sie gingen vor Gericht um ihr Recht einzuklagen. Dummerweise war der Richter auch aus Hebron und er sagte ihnen: Ich kann es gar nicht erwarten, euch tot zu sehen.

Übrigens, unsere Richter arbeiten an fünf Tagen in der Woche von 10 bis 13 Uhr.

Sie haben ein gutes Leben, drei Stunden Arbeit am Tag.

Doch wie kam ich nach England?

Auch wenn ich in eine christliche Familie hineingeboren wurde, war ich nie sehr religiös.

Was geschah, war, dass ich über einen Vers stolperte – als Christin, die aber nicht genau wusste, was in der Bibel stand – und dieser Vers erschütterte mich bis ins Mark. Und ich fand heraus, dass eben dieser Vers auch im Koran steht. Das ist nun wirklich seltsam, dachte ich. Wenn es einen G´tt gibt und dieser Vers wahr ist, dann muss es einen Beweis geben – ich habe ein juristisches Denken.

Also begann ich die Kriege gegen Israel und alle Kriege in die Israel verwickelt war zu erforschen. Mein „Lieblingskrieg“ ist der Yom Kippur Krieg. Aus militärischer Sicht ist jeder Krieg, der mehr als eine Front hat, verloren.

Israel wurde im Norden vom Libanon und Syrien angegriffen, vom Osten von Jordanien und vom Süden von Ägypten. Der Libanon hatte kaum Panzer, Israel hatte 150 Panzer und Syrien 1400 Panzer; im Süden hatte Israel 500 Soldaten kampfbereit, Ägypten dagegen 80.000. Israel gewann und eroberte mehr Land. Das war keine Schlacht mit einem Superhelden, das war G´ttes Hand für mich. Das war der Beweis.

Nachdem ich das begriffen hatte, entschied ich mich dafür, meine Gedanken laut zu äußern. Wir haben ja Meinungsfreiheit und Menschenrechte, dachte ich.

Was geschah, war folgendes:

Als ich anfing in einer kleinen Gruppe Gleichaltriger meine Gedanken zu äußern, einfach sagte, dass ich glaube, dass G´tt den Juden als ewiges Versprechen dieses Land gegeben habe, als ich sagte, dass wir hier sind und sie dort, lasst uns zwei Staaten haben und endlich leben, und wenn ihr meine Meinung nicht teilt, dann seht mal, wie viel christliche Staaten es gibt und wie viel muslimische. Warum dürfen die Juden nicht ein einziges Land haben. Es waren einfache Gedanken.

Nach dem ersten Treffen mit Menschen in eurem Alter bekam ich 24 Stunden später einen Anruf von einem Familienmitglied, der mich treffen wollte. Das erste, was er sagte, als wir uns sahen, war: „Ich habe Kugeln, ich habe ein Gewehr. Es braucht nur eine einzige Kugel in deinem Kopf, um dein Leben zu beenden. Du spielst mit dem Feuer und es wird erst deine Familie und dann dich verbrennen. Ich wurde geschickt, dich aufzuhalten.“

Danach wurde ich, weil ich meine Meinung öffentlich äußerte, weiter bedroht. Israel verfolgt und bedroht uns nicht, wenn wir unsere Meinung äußern, Palästinenser tun das!

Ich war schockiert, verängstigt, wütend. Aber ich konnte nicht aufhören, meine Meinung laut zu sagen, ich bin ein Mensch. Ich ging sogar nach Yad Va Shem, dem Holocaustmuseum, um besser zu verstehen was die Israelis bewegt. Und als ich mich hineinversetzte, war ich in der Lage zu verstehen, nicht beurteilen, nur zu verstehen, warum sie so aggressiv sind, warum sie so handeln. Es gibt immer einen Grund. Noch einmal, ich beurteile nicht, ich verstehe es.

Sie sind Sicherheitsfanatiker, warum? Jetzt verstand ich, warum.

Danach wurde ich verfolgt, angeklagt eine Verräterin zu sein und es wurde für mich zu gefährlich, zu bleiben. Ich musste meine Heimat verlassen und floh nach England – wo ich genau drei Tage politisch stumm blieb.

Das ist meine Geschichte.
VIDEO Teil 3:

Nachdem Sie das gesehen haben, beide Videos, und meinen Standpunkt über die derzeitige Situation in den palästinensischen Gebieten gehört haben, wird es sich sicher interessieren, dass ich auch hier in England Todesdrohungen erhalte.

Wie man Israel verleumden kann: eine Fallstudie

12. September 2013

Simon Plosker, HonestReporting.com, 11. September 2013

Es ist leicht eine antiisraelische Verleumdung zu schaffen, die dann erst widerlegt wird, wenn der Schaden angerichtet ist. Das wurde in den letzten Tagen anschaulich demonstriert.

Ben Phillips, Campagins and Policy Director der Antiarmuts-Organisation Oxfam tweete Folgendes:

Die Blockade des Gazastreifens verhinderte Oxfams öffentlichem Gesundheitsprogramm einen Chlormesser hinzubringen, der helfen sollte die Chlorlevel zur Reinigung von Wasser richtig zu halten.

Es gibt eine symbiotische Beziehung zwischen Nichtregierungsorganisationen (NGOs), den Medien und Antiisrael-Aktivisten. Phillips Tweet weckte das Interesse des Ali Abunimah, der die verbreitete antiisraelische Propaganda-Website Electronic Intifada führt. Dort betrieb man einen Dialog, in dem Phillips erklärte, warum er Israel dafür verantwortlich macht, dass die Wasser-Ausrüstung den Gazastreifen nicht erreichte:

- Sie sollte von einem deutschen Hersteller versandt werden. Dieser nutzt nur diese Route, ja.
– Wir stellten einen Einfuhrantrag. Nach 8 Monaten ohne Vereinbarung mussten wir stattdessen weniger effektive Prozesse nutzen.

Von hier ist es nur ein kleiner Schritt, dass Electronic Intifada einen Story veröffentlicht, mit dem Israel beschuldigt wird zu verhindern, dass Ausrüstung zur Wasserbehandlung im Gazastreifen ankommt und der Phillips‘ Tweets beinhaltet:

Israel hat die internationale Entwicklungshilfeorganisation Oxfam daran gehindert lebenswichtige Ausrüstung in den Gazastreifen zu bringen, die helfen würde Wasser sicher zu machen.

„Die Blockade des Gazastreifens verhinderte, dass Oxfams Programm für öffentliche Gesundheit ein Chlormessgerät hinbringt, das helfen würde die richtigen Chlorwerte zur Reinigung von Wasser einzustellen“, tweetete Ben Phillips, der Campaigns and Policy Director der Organisation heut aus Gaza.

Mehr als 90 Prozent des im Gazastreifen zur Verfügung stehenden Wassers ist für menschlichen Verbrauch nicht geeignet, weil Israel Jahre lang die Abwasser- und Wasser-Infrastruktur bewusst zerstört, weil es die Einfuhr von Ausrüstung verhindert und wegen Verschmutzung und überzogenen Förderung des Grundwassers.

Als Folge davon sind durch das Wasser verursachte Krankheiten weit verbreitet.

Phillips sagte, Oxfam „stellte [in Israel] einen Antrag zur Einfuhr“ dieser Ausrüstung, aber „nach 8 Monaten ohne Vereinbarung mussten wir stattdessen weniger effektive Prozesse nutzen“.

Diese funktionierten offenbar nicht. Die Ausrüstung sollte von einem deutschen Hersteller über Israel geliefert werden, fügte Phillips hinzu.

NGOs und so genannte humanitäre Organisationen profitieren vom „Heiligenschein-Effekt“, durch den sie als jenseits aller Vorwürfe stehend betrachtet werden. Einfach ausgedrückt wird alles, was eine Organisation wie Oxfam gebracht wird, als vertrauenswürdige Information angesehen.

Es dauerte nicht lange und die antiisraelischen Blogs und Internetseiten sich auf die Story stürzten. Ein Screenshot der ersten Seite einer Google-Suche illustriert, wie weit und schnell eine antiisraelische Kampagne sich tatsächlich verbreiten kann:

Zu spät also, um die Story zu löschen, sobald bestätigt war, dass sie völlig unwahr war. Einen Tag später gab Electronic Intifada die folgende Richtigstellung aus:

Eine Story, die Electronic Intifada gestern veröffentlichte, zitierte einen hochrangigen Vertreter von Oxfam damit, Israel habe verhindert, dass Ausrüstung zur Desinfektion von Wasser in den Gazastreifen geliefert wurde.

Electronic Intifada erhielt heute die folgende E-Mail von Alun McDonald, Media and Communications Officer bei Oxfam, die den Fehler erklärte (Hervorhebung hinzugefügt):

Danke, dass Sie die extrem wichtige Frage der Wasserknappheit im Gazastreifen weiter aufbringen. Der Tweet eines Oxfam-Mitglieds allerdings, der zu dem Posting gehörte, war nicht zutreffend.

Ben besuchte den Gazastreifen und es gab eine Fehlübersetzung oder ein Missverständnis in einem seiner Treffen mit Gemeinden vor Ort. In diesem bestimmten Fall lag die Verspätung bei der Lieferung des Chlormessers an Verzögerungen beim Hersteller und Zulieferern, nicht an einer Verzögerung bei der Lieferung über Israel oder an der Blockade.

Der Fehler und das Durcheinander tun mir aufrichtig leid. Ich wäre dankbar, wenn wir eine Richtigstellung der Story bringen könnten.

Die Knappheit an sicherem Wassser ist eine extrem reale und ernste Sache und Oxfam führt weiter seine Kampagne für ein Ende der Blockade, von der wir glauben, dass sie das internationale Recht verletzt und das Leben der Menschen im Gazastreifen verheert hat und die Bewegung von Waren und Menschen gravierend einschränkt. In diesem Fall liegt die Verzögerung beim Empfang der Ausrüstung allerdings nicht an der Blockade.

Eine solche Richtigstellung gibt es selten. Wir können nur spekulieren, was geschehen wäre, hätte Oxfam den eigenen Fehler nicht eingestanden.

Wie lang hätte es gedauert, bevor Journalisten der Mainstream-Medien sich entschieden hätten sich eine Story darüber genauer anzusehen, dass Israelis den Palästinensern wichtige Ausrüstung zur Lieferung von sauberem Wasser verweigern? Hätten die Journalisten sich die Mühe gegeben etwas elementares Faktenchecken zu unternehmen, das darüber hinaus geht sich auf Zitate von – in ihren Augen – einer verlässlichen Quelle von Oxfam zu verlassen?

Doch Millionen waren der Story über antiisraelische Internetseiten und sozialen Medien ausgesetzt, unabhängig davon, ob die Story von Mainstream-Medien veröffentlicht wurde oder nicht. Tweets wie diese gingen zu Tausende an Follower, von denen einige die Story re-tweeteten:


Israel blockiert Lieferung entscheidender Wasser-Desinfektionsausrüstung nach Gaza.


Israel blockiert Lieferung entscheidender Wasser-Desinfektionsausrüstung nach Gaza.

Dieser Vorfall macht auch auf die Beziehung zwischen Oxfam und einer antiisraelischen Hass-Seite aufmerksam. Dank des Internets wird eine Israel verleumdende Story für immer von antiisraelischen Aktivisten recycelt, die entweder keine Richtigstellung gesehen haben oder sie ignorieren.

Das ist seiner der Gründe, dass HonestReportings Material so wichtig ist. Es ist entscheidend, dass ein Gegengewicht geschaffen wird, das ebenfalls online die Wahrheit zugänglich macht und mit dem die regelmäßig gegen Israel gerichteten Anschuldigungen widerlegt werden. Wir hoffen, dass dieser Eintrag von HonestReporting schlussendlich auch in einer Google-Sucher auftaucht, wenn das nächste Mal jemand nach der gefälschten Story sucht, Israel habe den Palästinensern des Gazastreifens Zugang zu sauberem Wasser verweigert.

Palästinensische „Augenzeugen“ erweisen sich als unzuverlässig – mal wieder

28. August 2013

Simon Plosker, HonestReporting.com, 27. August 2013

Jeder Filmfan weiß, wenn eine Bande Krimineller von den Gesetzeskräften festgenommen wird, dann ist das erste, was sie tun müssen, ihre Geschichte auf die Reihe zu bekommen. Unter Befragung durch die Polizei wird dann an Fall rund um die Löcher und Widersprüchlichkeiten in den Geschichten der einzelnen Kriminellen aufgebaut.

Die Geschichten der sogenannten palästinensischen „Augenzeugen“ auseinanderzunehmen ist ein Luxus, den die IDF nicht hat. Auch viele Journalisten können nicht damit belästigt werden sich darum zu kümmern, bevor sie einen Artikel schreiben.

Wie verlässlich (oder unzuverlässig) sind also palästinensische Augenzeugen?

Die Geschichte rund um den Tod dreier Palästinenser während einer israelischen Aktion vor Morgengrauen zur Verhaftung im Flüchtlingslager Qalandiya bei Ramallah illustriert das Problem.

Bedrohung des Lebens von IDF-Soldaten

Die Bedrohung durch Steine oder Schlimmeres werfende Palästinenser wird von den Medien oft heruntergespielt, die erpicht darauf sind, eine vereinfachte Story der Art des David gegen Goliath zu fördern, wobei die Palästinenser die Rolle des David spielen. Einmal mehr vermieden die meisten Medien in dieser Story jegliche grafischen Beschreibungen der palästinensischen Ausschreitungen, wodurch der Eindruck hinterlassen wurde, die IDF habe unverhältnismäßig und willkürlich reagiert.

Zur Berichterstattung der meisten Medien gehörte nur ein kurzes Zitat von IDF-Sprecher Oberstleutnant Peter Lerner: „Scharf geschossen wurde erst, nachdem Soldaten das Gefühl hatten, dass ihre Selbstverteidigung das erfordert“, sagte er. „Mit der großen Zahl an Menschen und der Art, wie Situation sich entwickelte, hatte die Soldaten das Gefühl, dass sie keine andere Wahl hatten als scharf zu schießen.“

Anerkennung daher für den Daily Telegraph und die New York Times, dass sie Beschreibungen der Szene brachten, die ein weit detaillierteres und alarmierenderes Bild zeichneten.

Der Daily Telegraph:

Der Lärm und Tumult brachte eine große Zahl Einwohner aus ihren Häusern, von denen viele auf die Dächer niedriger Häuser kletterten und Wurfgeschosse zu schleuderten, sagten Zeugen dem Telegraph.

Zahlenmäßig unterlegen, forderte die Polizei Hilfe durch die israelische Armee an, die Soldaten in gepanzerten Fahrzeugen und Jeeps einsetzte.

„Es war wie auf einem Schlachtfeld“, sagte Ahmed Lafi (25), ein Journalismus-Student an der Bir Zeit-Universität von Ramallah. „Niemand auf den Dächern sah einfach nur zu.“

Die Leute warfen Steine, Molotowcocktails, Eisenstangen, sogar Satellitenschüsseln.

„Die israelischen Soldaten gerieten in Panik und einige schrien wie Frauen. Einer ihrer Jeeps blieb liegen und ein anderer wurde beinahe abgebrannt. Eine Gruppe Soldaten saß in der Falle. Dann glauben sie, sie hätten einen Soldaten verloren und begangen in Häuser einzudringen, um nach ihm zu suchen.“

Die New York Times:

Herr Lafi beschrieb Menschen, die Soldaten mit Brandbomben, Steinen, Ziegeln, Satellitenschüsseln angriffen – mit allem, was sie in die Hände bekamen. „Wenn die Armee jedesmal auf Widerstand trifft, wenn sie versucht in der Westbank Aktivisten zu verhaften“, sagte er, „dann wird die Armee es nicht wagen weiter Razzien und Verhaftungen durchzuführen.

Wundert es, dass die IDF-Soldaten sich hinreichend bedroht fühlten, um scharf zu schießen?

Wie viel Uhr war es?

Die meisten Medien, einschließlich der BBC, verließen sich auf einen Bericht der Associated Press:

Hatim Khatib, dessen Bruder Yussef bei der Razzia verhaftet wurde, sagte der Associated Press, dass verdeckte Streitkräfte in ziviler Kleidung um 4.30 Uhr morgens an ihrem Haus ankamen und zu seinem Bruder wollten.

„Nach einer halben Stunde begannen wir Schüsse der Soldaten in unserem Haus zu hören und dann begannen die Leute Steine auf sie zu werfen“, sagte er.

Nach Angaben der Los Angeles Times allerdings sagten

palästinensische Zeugen, die Razzia begann um 3 Uhr morgens als Undercover-Operation zur erneuten Verhaften eines Fatah-Militanten, der erst vor kurzem aus einem israelischen Gefängnis freigelassen wurde.

In starkem Gegensatz dazu schrieb die Washington Post:

Auf der Beerdigung der drei Toten sagten hochrangiger Palästinenserführer und wütende Einwohner, Israel provozierte den Angriff, indem es am Morgen im Flüchtlingslager ankam, als die Menschen zur Arbeit, Schule oder Moschee gingen.

Wie viele Leute gehen um 4.30 Uhr morgens zur Arbeit oder zur Schule? Es ist absolut unwahrscheinlich, dass die IDF erwägen würde eine Undercover-Verhaftungsoperation zu einer Zeit durchzuführen, wenn gewöhnliche Palästinenser sich auf den Straßen bewegen. Das wird nicht gemacht, um sowohl zu vermeiden, dass man entdeckt wird, als auch wegen des Risikos einer Konfrontation. In der Tat – fürs Protokoll – erklärte die IDF, dass die Operation gegen 5 Uhr morgens begann.

Die Festnahme

Der schon erwähnte AP-Bericht, auf den sich zahlreiche Medien verließen, beschreibt aufgrund der Aussage seines Bruders Hatim, wie Yussef Khatib verhaftet wurde.

„Nach einer halben Stunde begannen wird Schüsse der Soldaten in unserem Haus zu hören und dann begannen die Leute Steine auf sie zu werfen“, sagte er.

Yussef wurde verhaftet, als er um 7 Uhr vom Morgengebet zurückkam, sagte er.

Die New York Times zitiert allerdings einen anderen Palästinenser, der behauptet Yussefs Bruder zu sein:

Amer Khatib (27) sagte, israelische Undercover-Kräfte waren gekommen, um seinen Bruder Yusef zu verhaften, der vor zwei Jahren aus einem israelischen Gefängnis entlassen wurde. Yusef entkam in ein Nachbarhaus, doch die Kräfte holten ihn ein und schlugen ihn, sagte sein Bruder.

Offenbar können sich zwei Brüder derselben palästinensischen Familie nicht einigen, was geschah. Was stimmt jetzt? Wurde Yussef Khatib verhaftet, als er von den Morgengebeten kam oder war er bereits Zuhause als die israelischen Sicherheitskräfte kamen, um ihn zu verhaften?

Bedenkt man, dass um 7 Uhr ein groß angelegter Krawall im Lager stattfand, dann erscheint es unwahrscheinlich, dass Khatib lässig von der Moschee zurück zu seinem Haus ging, nur um festzustellen, dass israelische Truppen auf ihn warteten.

Der Daily Telegraph berichtet folgendermaßen:

Nachdem die Polizei Sprengstoff benutzte, um die Tür seines Hauses aufzusprengen, entkam Khattib anfangs in das Obergeschoss, bevor auf die Dächer zweier angrenzender Gebäude sprang. Er wurde schließlich in einem Lagerraum gefasst, nachdem Beamte sich den Zugang zu einem der Gebäude erzwangen.

Tötungsabsicht?

Sehen Sie sich das hier im Guardian an:

Robin al-Abed (32) wurde in die Brust geschossen, als er versuchte von seinem Haus zu seinem Arbeitsplatz zu kommen. Jihad Asslan (20) wurde für hirntot erklärt, nachdem er auf dem Dach seines Hauses angeschossen wurde, wohin er gegangen war, um sich die Zusammenstöße anzusehen, sagte ein Nachbar der Männer, Abu Omar Hammad. Der dritte Tote war Yunis Jahjouh (22), dem ebenfalls in die Brust geschossen wurde.

Hammad (46), der im Lager Süßigkeiten verkauft, sagte, er sei von seinen Kindern um 6 Uhr aufgeweckt worden und stellte fest, dass „Soldaten das Viertel erdrückten“. Er sagte, er sah wie al-Rabed angeschossen wurde, als der versuchte zur Arbeit bei der palästinensischen UNO-Flüchtlingsorganisation UNRWA zu kommen.

„Er warf keine Steine. Die Soldaten öffneten die Hintertür ihres Jeeps und schossen ihm in die Brust. Die Kugel kam aus seinem Rücken heraus und er spuckte Blut. Ich rief einen Krankenwagen, aber es wurde verhindert, dass der in das Lager einfuhr“, sagte er.

Ich habe viele Einfälle in dieses Lager gesehen, aber dieser war anders. Sie kamen, um zu töten.“

Nach Angaben anderer Zeitungen und einem Statement der UNRWA selbst ist „Robin al-Abed“ in Wirklichkeit Rubin Zayed. Vielleicht kann man dem Guardian diesen Fehler vergeben, aber nicht, dass er eine Darstellung vorantreibt, Zayed sei absichtlich ins Visier genommen wordne.

Unter Bezugnahme auf die während des Vorfalls drei getöteten Palästinenser berichtet die New York Times:

Zeugen in Qalandiya sagten, zwei der Toten hätten bei den Ausschreitungen mitgemacht, aber dass Herr Zayed, ein vierfacher Vater, der für die United Nations Relief and Works Agency arbeitete, die palästinensische Flüchtlinge unterstützt, auf dem Weg zur Arbeit zwischen die Steinewerfer und das israelischen Militär geriet.

Diese Darstellung wird auch vom Daily Telegraph wiedergegeben: „auf dem Weg zur Arbeit zwischen die Steinewerfer und das israelische Militär geraten“.

Während sich also die New York Times und der Daily Telegraph auf zahlreiche Zeugen beziehen, entschied sich der Guardian für einen, der behauptet, die IDF „kam um zu töten“.

Schlussfolgerung

Die Vorgänge in Qalandiya bieten uns ein gutes Fallbeispiel dafür, wie palästinensische Augenzeugenberichte zu einer Vielzahl an Versionen einer Geschichte führen können; außerdem dafür, wie unterschiedlich Journalisten und Medienorganisationen sich die Geschichte darzustellen entscheiden.

Eines ist allerdings klar: Die Medien sollten die Unzuverlässigkeit der sogenannte palästinensischen „Augenzeugen“ und Sprecher einkalkulieren, bevor sie ihre Darstellung ohne nachzufragen akzeptieren.

Mitgefühl für die Teufel

19. August 2013

HonestReporting Media BackSpin, 19. August 2013

Abbildung: Mahmoud Abbas feiert Freilassung palästinensischer Terroristen.

Der Economist meint, dass Israel bei der Freilassung von Gefangenen letzte Woche zu knauserig gewesen sei.

Als Maßstab für die Ernsthaftigkeit der Verhandlungen zwischen Israelis und Palästinensern offenbart die Zahl der palästinensischen Gefangenen, die am Vorabend der Gespräche veröffentlicht wurde, düstere Aussichten, so Pessimisten. Als sich beide Seiten vor zwei Jahrzehnten zu Verhandlungen zusammensetzten, entließ Israel nach der Unterzeichnung des Osloer Abkommens im Jahr 1993 in einem einzigen Jahr 2.000 Palästinenser. In den folgenden Jahren ließ Israel durchschnittlich 1.000 Häftlinge pro Jahr frei. Danach sank die Zahl auf ein paar Hundert ab. Und nun, angesichts der neu aufgenommenen Gesprächsrunde, die am 14. August in Jerusalem begann, ließ Israels Ministerpräsident Benyamin Netanyahu nur 26 frei.

Und selbst dies hat in Israel Empörung ausgelöst.

Überrascht, dass sich der Economist so desinteressiert für den Schmerz israelischer Terroropfer zeigt?

Vielleicht ein wenig. Wie man weiß, begab sich das Blatt in genau die gleiche Kalamität, als es Abdelbaset al Megrahis Freilassung aus der Haft im Jahr 2009 verurteilte. Schottische Behörden hatten den Lockerbie-Bomber aus “humanitären Gründen” freigelassen, nachdem bei ihm Krebs diagnostiziert worden war. Megrahi wurde bei seiner Ankunft in Libyen als Held empfangen und lebte noch drei Jahre.

Abbildung: Lockerbie-Attentäter Abdelbaset al-Megrahi als Held empfangen.

Was der Economist dann von sich gab, passt zu den 26 Mördern, die nun ihre unverdiente Freiheit genießen:

Der Grund, Herrn Megrahi aus der Haft zu entlassen, war weniger praktisch als symbolisch – die Gräueltaten, (270 Menschen getötet; 189 von ihnen Amerikaner), deren er schließlich im Jahr 2001 für schuldig befunden wurde. Terrorismus wird manchmal unscharf mit einer Art intellektueller Seriosität in Verbindung gebracht, die bei banaler Gewaltanwendung fehlt. Aber beim Lockerbie-Bombenanschlag handelte es sich um kaltblütigen Massenmord; Megrahis Verbrechen war schlimmer als das jedes anderen Häftlings in Großbritannien. Der Zweck der Haft besteht darin, die Ächtung der Gesellschaft zu bekunden, die Opfer zu rehabilitieren und potentielle Täter abzuschrecken; und aus moralischen Gründen hätte Megrahi bis zu seinem Tod eingesperrt bleiben müssen.

Wie kann man sich das neu entdeckte Mitleid des Economist für die Teufel erklären?

Es ist natürlich viel einfacher, Häftlingsentlassungen zu befürworten, wenn die Terroranschläge nicht in der eigenen Nachbarschaft stattgefunden haben. Falls man noch einen weiteren Beweis dafür braucht, denke man an die Empörung, als ein Diplomat die palästinensischen Häftlinge mit Anders Breivik verglich, der im Jahr 2011 in Norwegen bei einem Amoklauf 77 Menschen getötet hatte.

Entweder so, oder es braucht 270 tote Israelis, um die Aufmerksamkeit des Economist zu bekommen.

Fotojournalist inszeniert Nachrichten für Profit und Ideologie

1. August 2013

Pesach Benson, HonestReporting.com, 31. Juli 2013

Fadi Arouri ist einer der größten Gegner der Normalisierung der israelisch-palästinensischen Beziehungen. Er ist außerdem ein Fotograf, der nicht an der Trennung seines professionellen Journalismus und politischen Aktivismus interessiert ist.

Das wirft Fragen zu seiner Verbindung mit der Nachrichtenagentur Reuters und der chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua auf. HonestReporting hat erfahren, dass Reuters Arour feuerte, offenbar wegen seiner außerberuflichen Aktivitäten, aber die Agentur nutzt seine Arbeit weiterhin als Freiberufler.

Antinormalisierung infiziert die palästinensischen Medien

Die Antinormalisierungskampagne verurteilt israelisch-palästinensische Veranstaltungen, seine diese nun politischer, geschäftlicher oder akademischer Art. Selbst Sportveranstaltungen für Kinder sind tabu. Alle diese Art von Aktivitäten, heißt es, „legitimieren die israelische Besatzung“.

Auch im Palestinian Journalists Syndicate (PJS) hat diese Verweigerung die das Ruder übernommen. Deshalb haben sich in den letzten Wochen in der Westbank arbeitende israelische Reporter und Beschäftigte israelischer Nachrichtenmedien zunehmender Feindseligkeit ausgesetzt gesehen. Das PJS behauptet, es kämpfe für Reisefreiheit in Israel.

Reisefreiheit rür Journalisten ist gewiss vernünftig – aber wenn die Forderung von dieser Truppe kommt, dann ist es ein Argument, dem man nur schwer zuhören mag. Genau die Journalisten, die gegen Normalisierung sind, fordern israelische Reisegenehmigungen und israelische Presseausweise, damit sie innerhalb Israels arbeiten und genau die Israelis interviewen können, denen sie sogar das Fußball spielen mit ihren Kindern verweigern.

Fadi Arouri überschritt die Grenze

Fadi Arouri

HonestReporting hat erfahren, dass Fadi Arouris Aktivitäten bei der Antinormalisierungskampagne über legitimen Aktivismus hinausgehen und in seine professionelle Arbeit Eingang gefunden haben. Er arbeitet für Xinhua und hat eine freiberufliche Beziehung zu Reuters. Seine Fotos sind bei AP, Apollo Images, Ma’an News und Al-Ayyam erschienen.

Ein palästinensischer Journalist sprach unter der Bedingung anonym zu bleiben mit HonestReporting über Arouri; er wollte nicht, dass seine Kritik als persönlich ausgelegt wird. Er beschrieb mehrere beunruhigende Vorfälle, in die der Fotograf direkt involviert war:

1. Am 17. Juli „organisierten Arouri und seine Freunde einen Marsch palästinensischer Journalisten zum Checkpoint Qalandiya, wo sie eine Konfrontation mit israelischen Soldaten inszenierten“, wurde HonestReporting gesagt. „Sie brüllten die Soldaten an, damit sie die Fotos verkaufen konnten. Wenn man sich die Fotos ansieht, dann scheint es, als hätten Arouri und seine Freunde sich dabei abgewechselt die Soldaten zu konfrontieren, damit sie einander fotografieren konnten. Das ist kein echter Protest. Das ist Zirkus.

Die Nachrichtenagentur Ma’an aus Bethlehem veröffentlichte etwas, das so etwas wie ein Foto-Essay ergab.

Und der internationale Journalisten-Verband (IFJ) verurteilte die IDF wegen ihrer „harschen Einschränkungen“ und ihres „brutalen Verhaltens“. Nach Angaben des IFJ wurden sieben Journalisten verletzt. Hier das Beispiel eines von Arouri geschossenen und auf Facebook eingestellten Fotos:

#IOF Soldiers Attacks Dozens of #Palestinian Journalists As they attempt to cross to #Jerusalem #Right_of_Movement #ifj @IFJGlobal #Qalandiya Checkpoint

2. Im Mai 2012 “organisierte das US-Konsulat eine Veranstaltung zum Internationale Tag der Pressefreiheit in Ramallah und Arouri führte die Kampagne gegen die Amerikaner an“, wurde HonestReporting erzählt. „Er wollte nicht, dass Palästinenser an der Veranstaltung teilnahmen, weil diese von den Amerikanern organisiert wurde. Arouris betrachtete Amerika als den Feind. Das hat nichts mit Israel zu tun. Über die Veranstaltung wurde von den internationalen Medien berichtet. Es war ein Fall dafür, dass ein Journalist ein Ereignis inszenierte und dann darüber berichtete.“

In der Tat zitierte die mit der Fatah verbundene Al-Aqsa Press Arouri als einen der Organisatoren des Protests:

Fadi Arouei, einer der palästinensischen Journalisten, sagte, die Journalisten hätten vereinbart einen Sit-in-Protest gegen die vom US-Konsulat organisiert Veranstaltung zu inszenieren. Er merkte an, dass das Palästinian Journalists Syndicate, das alle Journalisten verschiedener Hintergründe repräsentiert, zum Boykott der Veranstaltung aus Solidarität mit den palästinensischen Häftlingen aufgerufen hatte.

Trotz dieses Hasses auf die USA bekam Arouri später einen Traumauftrag. Im März 2013 wählte das von der PA betriebene Palestinian Press Office Arouri als Pool-Fotograf für den Besuch von Außenminister John Kerry in Ramallah aus. (Um sperrige Horden Fotografen bei herausgehobenen Ereignissen zu vermeiden, wird gewöhnlich reihum ein Poo-Fotograf ausgesucht, der über das Ereignis berichtet und seine Bilder weltweit ohne Exklusivrechte verteilt.)

Mohammed Najib
3. Letzten Sonntag arbeitete Mohammed Najib, ein altgedienter palästinensischer Journalist, der für den israelischen Fernsehsender I24 News arbeitet, „interviewte in der Innenstadt von Ramallah Menschen auf der Straße, als Arouri auftauchte und begann die Leute gegen ihn aufzuhetzen. Arouri sagte den Leuten, sie sollten nicht mit Najib reden, weil er für eine israelische Propagandaorganisation arbeiten würde. Die Menschen scharten sich um ihn und er konnte nicht weiterarbeiten ohne um sein Leben fürchten zu müssen.“

HonestReporting hörte, dass Najib vor hat eine offizielle Beschwerde bei den palästinensischen Sicherheitskräften und dem PJS einzureichen. Er kann nur auf „traditionelle Stammesjustiz“ zurückgreifen und selbst das dürfte keinen großen Unterschied machen, hieß es gegenüber HonestReporting. „Sie kommen aus dem Dorf Aroura, also müssen die Dorfältesten um Vermittlung gebeten werden. Doch eine Entschuldigung wird nichts bewirken, denn der Schaden ist bereits angerichtet. Und eine Entschuldigung wird dem nächsten in der Westbank angegriffenen israelischen Journalisten nicht helfen.“

4. Der israelische Journalist Yoram Cohen war in Ramallah bei einer Pressekonferenz, als palästinensische Journalisten gegen seine Anwesenheit protestierten. Damals schrieb die Jerusalem Post:

Cohens Versuch zu erklären, dass er die Genehmigung des stellvertretenden Informationsministers der PA hatte über die Pressekonferenz zu berichten, überzeugte die Journalisten nicht; sie verlangen, dass er auf der Stelle geht. Der PA-Vertreter hat Cohen seitdem eine Genehmigung verweigert.

HonestReporting wurde gesagt, „Arouri war einer der Initiatoren“.

5. Arouri ist vor kurzem gegen die Eröffnung eines israelischen Bekleidungs-geschäfts in Ramallah zu Felde gezogen. Die Jerusalem Post berichtete:

Fadi al-Arouri, ein an der Antinormalisierungskampagne beteiligter palästinensischer Journalist, sagte, die Eröffnung eines Ladens von Fox in Ramallah sei ein „Schandfleck angesichts der Forderung nach Boykottierung des Besatzerstaates und seiner Produkte“.

Arouri beschuldigte das PA-Wirtschaftsministerium den Einzug israelischer Produkte auf den palästinensischen Markt zu ermöglichen, indem israelischen Firmen und Händlern Genehmigungen zur Arbeit in den Palästinensergebieten gegeben wird.

Gegenüber HonestReporting hieß es: „Arouri hat ein Recht auf seine Ansichten, aber sobald er ein echter Aktivist wird, wird für Xinhua und Reuters oder jede andere Medienorganisation sehr unmoralisch sich auf ihn zu verlassen. Wenn er in politische Aktivitäten involviert ist, handelt es sich um ein ethisches Problem. Würde Reuters jemals einen Siedler als Jerusalem-Korrespondenten beschäftigen?“

Ethische Fragen

Arouri hat die Grenze zwischen Journalismus und Aktivismus unverantwortlich verwischt, was wichtige Fragen für die das Gemeinwesen der Journalisten aufwirft.

Warum setzten Xinhua und Reuters ihre Verbindung mit ihm fort?

Was ist der wahre Grund, dass palästinensische Journalisten gegen die Normalisierung in Israel arbeiten wollen?

Wer waren die anderen Fotografen, die auf den Checkpoint Qalandiya marschierten? Und von welchen Nachrichtenagenturen wurden sie beschäftigt?

Ist der Internationale Journalisten-Verband bereit Arouri und die anderen Fotografen so rasch zu verurteilen, wie er Israel verurteilt?

Ist die Journalistengemeinschaft bereit ihre Stimme gegen Arouri zu erheben?

Wie sollten israelische Journalisten auf die Einschüchterung durch ihre palästinensischen Kollegen reagieren?

Wie verlässlich sind palästinensische Pool-Fotografen? Können US-Vertreter gegen die Auswahl der Palästinenser Einspruch einlegen?

Ähnliche Einträge:

Wessen Recht auf ein Referendum?

23. Juli 2013

HonestReporting Media BackSpin, 23. Juli 2013

Auch wenn es nicht allzu viel Optimismus rund um die Ankündigung der Friedensgespräche gibt, scheint die Times of London (Kostenpflichtige Registrierung nötig) mit dieser Schlagzeile – gelinde gesagt – zu früh dran zu sein:


Dort heißt es:

Benjamin Netanjahu, der israelische Premierminister, schien letzte Nacht die Hoffnung auf einen Durchbruch im Nahost-Friedensprozess zu dämpfen, als er sagte, dass jede Vereinbarung Gegenstand einer Volksabstimmung sei…

Vorschläge für Referenden zu Friedensabkommen wurden bisher in der Regel von den israelischen Hardlinern unterlaufen, weil diese nach Hürden Ausschau hielten, um jegliche Konzession bezüglich der Abtretung der von Israel im Krieg annektierten palästinensischen Gebiete zu verhindern.

Ganz anders der Daily Telegraph:

Herr Netanjahu glaubt, dass die Ratifizierung in einer nationalen Volksabstimmung ihm die Möglichkeit eröffnet, den Widerstand der Rechtskonservativen zu überwinden, wenn er einem Friedensvertrag Legitimität durch die Bevölkerung verleiht.

“Der Gedanke dahinter ist der, dass es nicht um die Hinterfragung der Legitimität oder mangelnder Legitimität [eines Abkommens] geht, weil man die Stimme des Volkes berücksichtigt haben wird”, sagte ein hoher israelischer Offizieller aus dem näheren Umfeld des Ministerpräsidenten. “Unter der Prämisse, dass jegliches Abkommen komplizierte Wahlmöglichkeiten und Kompromisse für Israel beinhaltet, braucht man diese Form der Legitimität, um sie umsetzen zu können.

“Der Premierminister ist auch der Ansicht, dass er als Mann der konservativen Mitte und als Garant für Sicherheit gesehen wird, der in der Lage ist, die Öffentlichkeit auf seine Seite zu ziehen, wenn er ein Abkommen erzielt, hinter dem er steht.”

Ich neige zur zweiten Analyse. Wie kam Catherine Philp von der Times of London zu ihrer Schlussfolgerung? Glaubt sie, dass ein Referendum zu einem Friedensabkommen von israelischen “Hardlinern” [nur] deshalb bevorzugt wird, weil die israelische Öffentlichkeit keinen Frieden wolle?

Obwohl alle Umfragen über viele Jahre hinweg darauf verweisen, dass eine überwiegende Mehrheit der Israelis sich für ein Friedensabkommen und die Zweistaatenlösung ausspricht,  ist dies nicht das erste Mal, dass jemand in den Medien zu Unrecht unterstellt, Israel sei nicht an Frieden interessiert.

In diesem neuesten Beispiel hat Philp gezeigt, dass sie offensichtlich sehr wenig Ahnung von der Komplexität der israelischen Politik und Gesellschaft hat.

Begreif’ das mal

2. Juli 2013

HonestReporting Media BackSpin, 2. Juli 2013

In einem Beitrag über die letzte Nahost-Reise des US-Außenministers John Kerry bringt Harriet Sherwood vom Guardian folgende Formulierung unter:

Israel erklärt seine Bereitschaft für Verhandlungen ohne Vorbedingungen, hat aber bisher palästinensische Forderungen zurückgewiesen.

Ich versuche immer noch, diesen Satz zu begreifen. Macht er überhaupt Sinn?

Fall „Mohammed al-Dura“: Französisches Gericht spricht Philippe Karsenty schuldig

28. Juni 2013

HonestReporting Media BackSpin, 28. Juni 2013

Ein Pariser Gericht erklärte den französischen Medienanalysten Philippe Karsenty schuldig der Verleumdung des TV-Senders France 2, weil er dessen umstrittene Videoaufnahmen zu  Mohammed Duras Tod penibel untersucht hatte.

Karsenty hatte France 2-Redakteur Charles Enderlin nachgewiesen, dass dieser Rohmaterial eines Videos gefälscht hatte, das beim Tod eines 12-jährigen Jungen während eines Schusswechsels an der Kreuzung Netzarim in Gaza im Jahr 2001 aufgenommen worden war. Das Video wurde damals weltweit ausgestrahlt, und das Bild des an der Seite seines Vaters kauernden Jungen avancierte zur Ikone der zweiten Intifada.

Die Anwälte von France 2 erklärten AP (Associated Press [bd]) gegenüber, dass das Urteil ein Sieg für den Journalismus sei. Karsenty teilte seine Meinung zur Entscheidung gegenüber Algemeiner mit und sprach eine mögliche Anrufung des obersten französischen Gerichtshofes an.

“Ich denke, das ist ein schwarzer Tag für die französische Demokratie und darüber hinaus ein schwarzer Tag für die Wahrheit“, äußerte Karsenty zum Urteil, und er fügte optimistisch hinzu, dass “letztlich die Wahrheit obsiegen wird; ich weiß nicht wann, ich weiß nicht wie, aber ich weiß, dass sie sich durchsetzen wird.”

Hintergrundinformationen zu Karsenty und dazu, wie er zu einer zentralen Figur im Kampf gegen das Filmmaterial von France 2 wurde, kann man bei Q&A mit Karsenty aus dem Jahr 2006 finden. Und Tom Gross nimmt Stellung zum Fragenkomplex, was die Glaubwürdigkeit des Videos zu Mohammed al-Duras Tod betrifft.*

Hier ein Video, das die Situation beim Schusswechsel von damals rekonstruiert und auch deutlich die Winkel anzeigt, aus denen geschossen wurde – und von wem. Zum Abspielen des Videos von Tom Gross alternativ auf die Abbildung klicken. Hinweis: Der israelische Militärposten ist ganz unten rechts zu sehen. Die Schrift (weiß auf hellblau) ist etwas verdeckt.

cast1_al_dura_karsenty_cast2
——
*Möglicherweise wird vielen Lesern das Thema nicht so geläufig sein, oder sie können den englisch gesprochenen Text im Video nicht richtig verstehen. Deshalb haben wir auf unserer deutschsprachigen Ausgabe von HonestReporting Medien Backspin etliche Texte zu diesem sich schon über etliche Jahre hinweg kontrovers diskutierten Fall übersetzt. Am Ende der Seite – falls erforderlich – bitte auf „ältere Beiträge“ klicken (bd): http://backsp.wordpress.com/?s=al-dura

Der Independent ignoriert Raketen….außer Israel feuert zurück

26. Juni 2013

HonestReporting Media BackSpin, 25. Juni 2013

In einer Geschichte des Independent, in der es hauptsächlich um die Reaktion des israelischen Außenministers Avigdor Lieberman auf eine Raketensalve geht, die aus dem Gazastreifen nach Israel abgefeuert worden war, ist zu lesen (Hervorhebung von mir):

Seine [Liebermans] Kommentare wurden abgegeben, als die israelische Luftwaffe Ziele im Gazastreifen angriff, nachdem von dort am Montagmorgen 6 Raketen auf den Süden Israels abgefeuert worden waren. Niemand wurde verletzt. Es war die erste Verletzung der Waffenruhe seit April.

Abgesehen davon, dass es nicht die erste Verletzung der Waffenruhe seit April war:

Tatsächlich verweist der Independent in seiner Kolumne „Related Stories“ zur gleichen Geschichte mit einen Link (siehe roter Pfeil) auf einen Report, der auf den 19. Juni datiert ist und über drei von Gaza auf Ashkelon abgefeuerte Raketen berichtet!

Und selbst wenn man ignorieren würde, dass es im April eine Serie von Raketen- und Granatenangriffen aus Gaza gab, bleiben immer noch zwei Angriffe mit Mörsergranaten am 2. Mai und 15. Mai, die beide im Bereich der Regionalverwaltung von Eschkol niedergingen.

Selbst wenn diese Raketen glücklicherweise im offenen Gelände gelandet waren und keine Verletzungen oder Schäden verursacht hatten, ist das dann keine Verletzung des Waffenstillstandes? Oder wird ein Waffenstillstand nur dann gebrochen, wenn Israel auf Raketenbeschuss reagiert?

Das glaubte der Independent offensichtlich, wenn man sich auf seine ursprüngliche Headline bezieht, die auf die heftigen Raketenangriffe Bezug nimmt, von denen Avigdor Lieberman gesprochen hatte:

Die Überschrift wurde später geändert, um sie etwas schmackhafter zu machen, aber das Original ist in der Box “Related Artikel“ (markiert mit dem blauen Pfeil) zur Lieberman-Geschichte immer noch zu finden.

In der Vorstellungswelt des Independent bedeuten palästinensische Raketenangriffe „relative Ruhe”, also etwas, das nur durch israelische Gegenschläge gebrochen wird.

Kein Wunder also, dass nur Israel als Aggressor wahrgenommen wird. Man kann Medien wie dem Independent dafür nur konsterniert danken.

BBC gibt Gummi für palästinensische Stänkereien

16. Juni 2013

HonestReporting Media BackSpin, 16. Juni 2013

Man kann immer davon ausgehen, dass jede positive Entwicklung in Jerusalem, ob in den Bereichen Verkehr, Tourismus oder ähnlichem, mit einer negativen palästinensischen Antwort kommentiert wird. Und man kann stets mit der BBC rechnen, wenn es gilt, aus einer positiven Geschichte eine negative zu machen, um palästinensischen Beschwerden Auftrieb zu geben.

So auch bei einer zweitägigen Veranstaltung in Jerusalem, bei der Formel-1-Rennwagen während ihrer Fahrt durch die Straßen von Jerusalem präsentiert wurden, zur Freude von tausenden Zuschauern. Angekündigt als “Peace Road Show” bot es die Chance, Politik einmal als Nebensache zu sehen und Israelis, Palästinensern in Ostjerusalem und Touristen aus aller Welt Gelegenheit zur Entspannung zu geben.

Diese BBC-Schlagzeile erzählt jedoch eine andere Geschichte:


Tatsächlich gab es einige Kontroversen – vor allem wegen der Bedenken weniger Jerusalemer Einwohner bezüglich der Auswirkungen der Sperrung von Hauptverkehrsstraßen im Zentrum, zusammen mit Kosten- und Umweltfragen.

Für die BBC jedoch stellte sich die Kontroverse so dar: “Palästinensische Offizielle betrachteten es [das Formel-1-Event] als israelischen Versuch, die Herrschaft über die umstrittene Stadt zur Schau zu tragen.”

Nach einem Interview mit dem Jerusalemer Bürgermeister Nir Barkat kam die BBC dann zu folgendem Schluss:

“Die Israelis versuchen alles, um ihre eigene Agenda durchzuziehen, unter anderem auch mittels Sport”, sagte der PA-Gouverneur von Jerusalem, Adnan Husseini.

“Sie wollen damit zeigen, dass die Jerusalem-Frage gelöst ist und Frieden sowie Stabilität herrschen. Aber in Wirklichkeit stimmt das nicht. Das ist keine Tatsache.”

Da es sich in Nir Barkat um den gewählten Bürgermeister mit Haushaltsrecht für ganz Jerusalem handelt, stellt sich die Frage, wer dieser „PA-Gouverneur von Jerusalem“ eigentlich ist.

Die BBC unterschlägt den Hinweis, dass es sich bei Adnan Husseinis Titel allein um eine Beifügung handelt, mehr nicht. Die PA übt in Jerusalem keine Macht aus und sein Titel dient lediglich dazu, den Mythos eines palästinensischen Jerusalem weiter zu pflegen.

Die Familienmitglieder des Autors dieses Artikels (Simon Plosker / HonestReporting) waren bei dem Formel-1-Event in den Straßen Jerusalems als Zuschauer anwesend. Während sie die Fahrzeuge fotografierten, machten sie keine Aufnahmen von den vielen Arabern ringsum. Warum nicht? Da es für Israelis offensichtlich ganz normal ist, zusammen mit Arabern in Jerusalem zu leben.

Auch wenn die BBC das gemischte Publikum nicht ausließ: wäre das nicht eher die Aussage einer Wohlfühl-Story gewesen statt eines weiteren Versuchs, alles in der Region durch das schmale Prisma des Konflikts zu sehen?

News zu Israel und Nahost am 6. Juni 2013

6. Juni 2013

HonestReporting Media BackSpin, 6. Juni 2013

Alles, was Sie über die heutige Berichterstattung zu Israel und Nahost wissen sollten. Auch bei Facebook.

Die heutigen Top-Themen

1. Syrische Soldaten und Rebellen kämpfen um die Kontrolle beim israelischen Grenzübergang Kuneitra. Heute Morgen übernahmen die Rebellen die Kontrolle, aber die Armee eroberte den Grenzübergang zurück. Dort wurden die UN-Truppen abgezogen. Die Schlacht hielt während dieses Postings noch an. Kuneitra ist der einzige Grenzübergang zwischen Israel und Syrien.

2. Die IDF stellte eine neue Kompanie auf, die israelische Soldaten beim Kampfeinsatz filmen soll. Die Jerusalem Post zitierte IDF-Sprecher und Brigadegeneral Yoav Mordechai anlässlich einer Ansprache an die Soldaten bei einer Zeremonie, in der er das Ziel für die Bedeutung ihrer Arbeit herausstellte:

“Neben den militärischen Erfolgen spielt die Wahrnehmung eine entscheidende Rolle. Man kann den Kampf gewinnen, ihn aber auch [im Kampf um die öffentliche Wahrnehmung] verlieren.”

3. Präsident Obama ernannte Samantha Power zur Botschafterin bei den Vereinten Nationen. The Lede nimmt Bezug auf eine israelische Leiche in ihrem Keller, aber einige schwergewichtige Unterstützer Israels, darunter Senator John McCain, Joe Lieberman und Alan Dershowitz, gaben The Cable gegenüber an, dass sie sich [zum Positiven (bd)] gewandelt habe, und dass Powers Ansichten zu Menschenrechten und Interventionen eine sehr gute Chance bedeuteten, die UN wachzurütteln.

Israel und die Palästinenser

JTA: In der südfranzösischen Stadt Belfort soll ein Platz nach Yasser Arafat benannt werden:

Belforts Bürgermeister Etienne Butzbach bemerkte in einem am Montag in der Online-Ausgabe der Lokalzeitung L’alsace veröffentlichten Artikel, dass die Hommage an Arafat “im Zusammenhang mit dessen Unterzeichnung der Osloer Abkommen erfolgt.”

Butzbach, ein Sozialist, reagierte damit auf Proteste jüdischer Vertreter der Stadt, die anmerkten, dass die Ehrung Arafats einer Zustimmung für Terror gleichzusetzen wäre. Belfort hat bereits einen seiner öffentlichen Plätzen nach dem ermordeten israelischen Premierminister Yitzhak Rabin benannt.

• Lesenswert: Happy Israel: Warum die Zeit für den jüdischen Staat arbeitet.

• Kolumnistin Trudy Rubin im Philadelphia Inquirer mit Überlegungen zum Friedensprozess.

Arabischer Winter

• US-Geheimdienste gehen davon aus, dass nun drei russische Kriegschiffe im Mittelmeer mit Waffen für Syrien unterwegs sind, darunter wahrscheinlich S-300-Raketen. CNN mit Details.

Will sich die Hisbollah auf den syrischen Golanhöhen breitmachen?

Saudi Gazette mit einem demaskierenden Leitartikel zur Rolle der Hisbollah.

Die Hisbollah wird nicht mehr überzeugend als Verfechter der arabischen Sache darstellen können. Sie wird nicht mehr vorgeben können, dass ihre Leute für den Rest der arabischen Welt sterben.

Irland führt eine Gruppe von EU-Ländern an, die sich gegen eine Listung der Hisbollah als terroristische Vereinigung stellen.

• Weitere Kommentare und Analysen siehe NY Times, McClatchy News, Tablet und Daily Star.

Palästinensische Brandbombenwerfer nutzen Journalisten als menschliche Schutzschilde

27. Mai 2013

HonestReporting Media BackSpin, 27. Mai 2013

Unten ein sehr aufschlussreiches Video, das Palästinenser dabei zeigt, wie sie Brandbomben auf israelische Soldaten werfen und sich dann hinter Reportern verstecken.

Man kann nicht genau erkennen, wann und wo das Video gedreht wurde, aber The Commentator hat es gestern auf YouTube eingestellt.

Diese Brandbomben werfenden Palästinenser nutzen eindeutig die Anwesenheit der Reporter aus. Man könnte es auch “Kollateralschäden sind zu erwarten” nennen.

Wir alle wissen, wem man die Schuld zuschreiben wird, wenn ein ausländischer Reporter verletzt wird, der solch einen Zusammenstoß filmt.*

———
*Abgesehen davon scheinen sich die Reporter nicht so ganz unfreiwillig bei den radikalen Palästinensern aufzuhalten: von ihrer Position aus gesehen geht es ihnen allein darum, die Reaktion der IDF-Soldaten zu dokumentieren. Würden sie von der gegenüberliegenden Seite aus filmen, sähe man noch besser, wie viele Palästinenser an diesen Gewaltakten beteiligt sind, was wahrscheinlich nicht im Interesse dieser Journalisten ist.

Die meisten der hier agierenden Reporter sind Palästinenser und dienen als so genannte Stringer (Freie Mitarbeiter) für westliche Medien/Nachrichtenagenturen (bd).

Fall „Al-Dura“: Lügt CNN?

23. Mai 2013

HonestReporting Media BackSpin, 23. Mai 2013

Unter den vielen Beiträgen, die diese Woche anlässlich des Untersuchungsberichts der israelischen Regierung erschienen, der definitiv feststellt, dass die IDF im Jahr 2000 Muhammad al-Dura nicht getötet hat, heben sich Schlagzeile und Video von CNN besonders ab.

Die Schlagzeile “Log Israel zum Tod des Kindes?” bestimmt den Grundton. Aber der Clou kommt mitten im Video, wenn niemand anders als Kameramann Talal Abu Rahma auftritt – ausgerechnet derjenige, der die obskuren Aufnahmen von al-Dura und dessen Vater gemacht hat, als diese hinter einem Betonfass kauerten – das Ganze danach ausgestrahlt vom Sender France 2 im Jahr 2000.

Jetzt stellt sich heraus, dass er für CNN arbeitet.

Speziell Rahma stand im Zentrum von Vorwürfen, die darauf verwiesen, dass das Bildmaterial weniger glaubwürdig ist als es zu sein schien. Auch der gesamte israelische Untersuchungsbericht ist im Grunde ein Armutszeugnis für Rahmas Arbeit – insbesondere für dessen Glaubwürdigkeit.

Wir sind also angesichts der CNN-Headline mit einer Geschichte konfrontiert, in der die Arbeit eines ihrer Angestellten Hauptgegenstand der Diskussion ist oder sein sollte. Statt aber Rahma genau unter die Lupe zu nehmen, gibt CNN ihm eine Plattform, die eigene Verstrickung in die Affäre zu vertuschen.

Die eigentliche Frage sollte also lauten: Stellt CNN die Belange seines Kameramanns über die Interessen der Zuschauer, die eine ehrliche Berichterstattung erwarten?

In der Zwischenzeit sehen Sie sich bitte die von HonestReporting erstellte Kurzzusammenfassung zum Fall „Al-Dura“ an:

Al-Dura-Report: Zeitung druckt kritisches Zitat eines linken israelischen Medien-Watchdogs mit Verbindungen zu Charles Enderlin*

21. Mai 2013

HonestReporting Media BackSpin, 21. Mai 2013

Bildtext rechts: Eine große Lüge sagt mehr aus über die Größe des Schadens als über das Ausmaß der Unwahrheit

Die Berichterstattung des Daily Telegraph über den Al-Dura-Report der israelischen Regierung beinhaltet sicherlich zu Recht eine Stellungnahme des France2-Korrespondenten Charles Enderlin, einem der Hauptprotagonisten und Journalisten, der wegen seiner Rolle in der ursprünglichen Geschichte zu al-Dura am meisten im Blickpunkt stand.

Der Telegraph-Artikel beinhaltet auch folgende Kritik am israelischen Regierungsbericht:

Yizhar Be’er, Direktor von Keshev, einem israelischen Medien-Watchdog, der den Fall untersucht hatte, tat den Regierungsbericht als “Verschwörungstheorie” ab und sagte, dass  Mohammad al-Dura tatsächlich ums Leben gekommen sei.

“Ich glaube, dass das, was wir auf der Nachrichtenseite von France 2 sahen, exakt das war, was passiert ist und die Kamera genau das eingefangen hatte”, äußerte er gegenüber dem Daily Telegraph. “Es ist eine Mission Impossible, ein solch großes Ereignis zu fälschen. Niemand, am allerwenigsten die Palästinenser, kann so etwas erfinden.

Ein Blick auf Keshevs Website zeigt ein prominentes Vorstandsmitglied der Organisation – Charles Enderlin.

Unabhängig von Keshevs Glaubwürdigkeit oder ihrer sonstigen Kommentierung der Geschichte gibt es einen klaren Interessenkonflikt für die Organisation, wenn sie wegen eines Ereignisses zitiert wird, in das eines ihrer Vorstandsmitglieder stark involviert ist. Dass der Telegraph nicht in der Lage war, dies offenzulegen, ist absolut unprofessionell.

Der Telegraph sollte bezüglich dieser Information die Hosen runterlassen oder die Keshev-Zitate aus der Geschichte entfernen.

Schicken Sie Ihre Kommentare (bitte in Englisch) an den Telegraph: dtletters@telegraph.co.uk

———
*Über den Fall Al-Dura und die Verstrickung des France2-Moderators Charles Enderlin darin wurde von Media BackSpin über Jahre hinweg sorgfältig recherchiert:

http://backsp.wordpress.com/?s=al-dura

Medienmuseum will Hamas-Terroristen ehren

12. Mai 2013

HonestReporting Media BackSpin, 12. Mai 2013

Das in Washington DC ansässige Newseum, ein Museum für Medien, will zu Ehren der Journalisten, die letztes Jahr während ihrer Nachrichtenberichterstattung getötet worden waren, eine Zeremonie abhalten. Auf der Auszeichnungsliste mit 84 Namen befinden sich auch Mahmoud Al-Kumi und Hussam Salama. Während der Operation Pillar of Defense [Säule der Verteidigung, (bd)] im November 2012 hatte die IDF Mahmoud Al-Kumi und Hussam Salama getötet.


Abbildung: Hamas-Agenten Mahmoud Al-Kumi (links) und Hussam Salama. Quelle: http://alresalah.ps

Der IDF Blog erklärt, wer sie waren:

Hamas-Aktivisten und Kameraleute für das Al-Aqsa Television Network der Hamas, das regelmäßig Programme zur Aufstachelung und Huldigungen für Anschläge auf israelische Zivilisten ausstrahlt […]. Palästinensische Medien berichteten, dass die beiden Männer mit Sicherheit Agenten der Hamas gewesen sind.

Konfrontiert mit schweren Vorwürfen wegen der Verbindungen von ’Al-Aqsa TV’ zum Terrorismus, bestritt Mohammad Thouraya, Chef des Kanals, dass Al-Aqsa die Stimme der Hamas sei – eine schwer zu leugnende Tatsache, da der Sender von der Hamas finanziert und kontrolliert wird -, aber er räumte ein, dass die dort angestellten Mitarbeiter “alle Teil des Widerstands sind.”

“Teil des Widerstands” kann mit anderen Worten auch bedeuten, dass diejenigen, die tagsüber mit der Kamera unterwegs sind, nachts Raketen mit sich befördern.

Trotz heftiger Kritik blieb das Newseum stur und veröffentlichte eine Erklärung, die folgenden Wortlaut enthielt:

Hussam Salama und Mahmoud Al-Kumi waren als Kameraleute in einem Auto unterwegs, das deutlich mit der Aufschrift “TV” gekennzeichnet war. Sowohl das Committee to Protect Journalists als auch Reporters Without Borders und The World Association of Newspapers und andere Nachrichtenmedien meinten, dass die beiden Journalisten während ihrer Berufsausübung getötet worden sind.

Viele Kommentatoren haben darauf hingewiesen, dass Hamas und Al-Aqsa TV von der US-Regierung als terroristische Organisationen eingestuft werden. Warum sollten Terroristen schon allein deshalb Schutz genießen, weil sie auf ihrem Fahrzeug ein „TV“ aufkleben oder mit einer Kamera herumlaufen? Ein echter Journalist berichtet über einen Konflikt und nimmt nicht aktiv daran teil. Und kann eine Propaganda-Bande, die Antisemitismus und Gewalt gegen Juden und Israelis postuliert, wirklich als legitimes Medienmitglied durchgehen?

Wir glauben das nicht. Die Ehrung dieser beiden Terroristen ist eine Ohrfeige für die ehrlichen Journalisten, die für die Sache der sauberen Berichterstattung ihr Leben verloren haben. Falls Sie das auch so sehen, schicken Sie Ihre Beschwerde (Bitte in Englisch) an das Newseum und bestehen Sie darauf, dass zwischen der Ehrung von Journalisten und der Huldigung von Terroristen ein Unterschied besteht: info@newseum.org

Terror schönreden: Die Ausflüchte der BBC

6. Mai 2013

HonestReporting Media BackSpin, 6. Mai 2013

Als Reaktion auf die Kritik von HonestReporting an der BBC-Berichterstattung über den tödlichen Messerangriff eines palästinensischen Terroristen auf einen Israeli hat das für Nahost zuständige Redaktionsbüro der BBC einem unserer Abonnenten folgende Antwort zukommen lassen:

Wir verwendeten das Wort “Siedler”, weil es in erster Linie der Terminus ist, der möglichst exakt und vollständig das Attentatsopfer vom [letzten] Dienstag beschreibt. Selbstverständlich lieferten wir im Bericht weiter unten mehr Details zum Opfer.

“Israeli” ist hier falsch, weil damit nicht deutlich wird, dass Eviatar Borovzky im Westjordanland gelebt hatte. Nach Internationalem Recht handelt es sich beim Westjordanland um besetzte Gebiete, und Israelis, die dort leben, sind demzufolge Siedler. Dies schmälert oder rechtfertigt in keiner Weise einen Mord. Da zuständig für Informationen für ein internationales Nachrichten-Publikum versuchen wir so transparent wie möglich darüber zu berichten, wer wen und wo getötet hat. Alle drei führenden internationalen Nachrichtenagenturen – Reuters, Associated Press [AP] und AFP – verwendeten exakt die gleiche Formulierung wie wir.

Die englischsprachige News-Website “Ynet“ gebrauchte das Wort “Siedler” in diesem Zusammenhang so wie wir. Die Schlagzeile zu einem Bericht vom 30. April lautet: “Nach Terroranschlag werfen Siedler mit Steinen und brennen Felder ab.” Und weiter: “Wenige Stunden nach der Ermordung des jüdischen Siedlers Eviatar Borovsky durch einen palästinensischen Terroristen im nördlichen Westjordanland am Dienstagmorgen schleuderten nahe dem Dorf Hawara dutzende Siedler Steine auf  palästinensische Fahrzeuge.” (http://www.ynetnews.com/articles/0,7340,L-4374261,00.html)

Mehrere Leser beschwerten sich darüber, dass wir den palästinensischen Angreifer nicht als Aktivisten, Militanten oder Terroristen bezeichnet hatten. Uns ist nicht bekannt, dass der Angreifer zu einer politischen oder bewaffneten palästinensischen Gruppe gehörte.

Vier Richtigstellungen dazu:

1) Warum sollte [ausgerechnet; bd] Eviatar Borovskys Wohnort als bestimmendes Indiz dafür herhalten, dass er Opfer eines Terroranschlages wurde?

2) Die BBC hat noch immer nicht kapiert, dass ihre Auslegung zum Status von Siedlungen nur eine von mehreren Interpretationen des Völkerrechts ist.

3) Seit wann richtet sich die BBC an israelischen Medien aus, wenn es um Begriffsbestimmungen geht? Auch wenn YNet Borovsky als Siedler bezeichnete (worauf die von BBC zitierte Schlagzeile jedoch keinerlei Bezug nimmt) verwies die Jerusalem Post in der Überschrift  auf ihn als “israelischen Mann“, und The Times of Israel bezeichnet ihn lediglich als “Israeli”.

4) Seit wann muss ein Terrorist ein von einer Organisation bezahltes Mitglied sein, um als Terrorist bezeichnet werden zu können? Die Attentäter beim Boston-Marathon wurden von keiner islamistischen Organisation als Mitglieder geführt, und dennoch wurden sie als Terroristen bezeichnet.

Sorry BBC – diese Antwort ist einfach nicht gut genug.

Miese Rider-Schlagzeilen

1. Mai 2013

HonestReporting Media BackSpin, 1. Mai 2013

Durch einen israelischen Luftangriff wurde ein islamischer Jihadist getötet. Hithem Ziad Ibrahim Masshal war an einem Raketenangriff auf den Ort Eilat vor wenigen Tagen beteiligt. Die Geschosse waren aus der ägyptischen Halbinsel Sinai abgefeuert worden. Masshal hatte den Konflikt also mit Sicherheit internationalisiert.

Deshalb amüsierte ich mich über diese Headline von Sky News. Die gelbe Hervorhebung akzentuiert die Beschreibung von Masshal, der – sagen wir mal – sicher niemanden an Peter Fonda, Dennis Hopper und Jack Nicholson im Kult-Film Easy Rider erinnert. Der Jerusalem Post zufolge war der Salafist Masshal „an der Herstellung, Entwicklung und dem Handel mit Schusswaffen, insbesondere Raketen und Bomben beteiligt…”


Motorradfahrer?

Trug er einen Helm?

So also hatte Israel Masshal beschrieben?

Sicher nicht.

Dann möchte ich als Jerusalems Top Bus Surfer in Erinnerung bleiben.

UPDATE: Beim Guardian hat auch jemand einen Trip geschluckt.


UPDATE: So auch beim Independent.

Leserbriefe und das Getöse der Massen

8. April 2013

HonestReporting Media BackSpin, 8. April 2013

Pesach Benson, Honest Reporting (HR) Jerusalem

Eine Auswahl von E-Mails in meinem Postfach heute Morgen:

1. Diese Fragestellung von G.

Wurde irgendwo in den internationalen Medien berichtet, dass die “Israelis, die all’ die armen Palästinenser unterdrücken, einen arabischen Mediziner zum neuen Leiter der Notaufnahme im ’Hadassah Ein Kerem’-Krankenhaus ernannt haben?”

Meines Wissens berichtete nur die Jerusalem Post über die Ernennung von Dr. Aziz Darawshe. Seine Vita ist beeindruckend, und seine Ansichten zum Verhältnis zwischen Juden und Arabern in Israel sind freimütig.

Es würde mich nicht überraschen, wenn einige Kommentare Darawashes Ernennung dazu nutzten, um gegen Israel zu argumentieren. Die “Logik” bestünde darin, dass Darawashe ein Feigenblatt für ein größeres Muster böser und systematischer israelischer Diskriminierung sei und dass Israels Unterstützer heuchelten, wenn sie das groß herausstellen. Ähnliche Argumentationen verbergen sich hinter dem Homo-Pinkwashing, der Heuchelei wegen einer schwarzen Miss Israel etc. Unterm Strich: Israel kann es niemandem recht machen.

2. Von MK aus Großbritannien:

Ist es nicht merkwürdig, dass Israel weiterhin von einer iranischen Atombombe bedroht wird und kaum jemand mit der Wimper zuckt? Aber nun droht Nordkorea, und schon läuft die Welt Sturm – allen voran die USA?

Das überrascht nicht. Meine unbedeutende Meinung dazu: eine Nebenerscheinung zur allgemeinen Fokussierung auf Pjöngjang ist, dass wir mehr erfahren über die Involvierung des Iran in das nordkoreanische Nuklearprogramm. Das wenige, das wir wissen, zeigt nur die Spitze des Eisberges.

3. von B. in Jerusalem, der Fragen stellt zu dem unheilbar an Krebs erkrankten schottischen Schriftsteller Iain Banks, der sich in einem Gastbeitrag im Guardian der BDS-Bewegung angeschlossen hatte:

Guter Test für Diplomaten auf israelischer Seite – inwiefern könnte dies Banks beeinflussen?

Ich kann mir nicht vorstellen, dass Banks zu beeinflussen ist. Er ist unheilbar an Krebs erkrankt, und er hat sich entschieden, seine verbleibende Zeit auf dieser Welt auf diese Weise zu verbringen? Das ist Hardcore-Feindseligkeit.

(Abbildung via Flickr/RambergMediaImages)


Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 356 Followern an