Archive for the ‘Antisemitismus’ category

Voreingenommenheit #2: Unausgewogene Berichterstattung

3. Mai 2016

Pesach Benson, HonestReporting, 1. Mai 2016

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Teil 2 einer achtteiligen Serie über die acht Kategorien von Medien-Voreingenommenheit.

Verletzung #2
Unausgewogene Berichterstattung

Nachrichten werden durch unangemessene Berichterstattung verzerrt, nur eine Seite der Story wird präsentiert, oder extreme Meinungen werden als Mehrheitsmeinung dargestellt.

Für die Zwecke des Journalismus wird Ausgewogenheit wie folgt definiert:

Ein Zustand, in dem verschiedene Dinge zu gleichen oder angemessenen Teilen erscheinen oder eine gleiche oder angemessene Wichtigkeit eingeräumt bekommen.

Unausgewogenheit erscheint in vielerlei Gestalt, beispielsweise als Artikel, der mehrere Palästinenser ausführlich zitiert, aber nur einen einzigen Israeli zu Wort kommen lässt (oft nur kurz); als Websites, wo die Meinungsbeiträge, Leserzuschriften und Kommentare überwältigend israelkritisch sind; als einseitige Fotoberichte; oder als die Fehldarstellung extremer Meinungen als Mehrheitsmeinung.

Angemessene Berichterstattung ist ein Aspekt von Ausgewogenheit. Versehen die Redakteure eine bestimmte Story mit zusätzlichen Grafiken, damit in Zusammenhang stehenden Kommentaren, interaktiven Merkmalen und einer Debatte in den sozialen Medien, dann messen sie dem Thema Wichtigkeit bei. Andere Storys sind nur einen kurzen Absatz in einer Punktliste wert.

Ein anderer Aspekt von Ausgewogenheit ist Bedeutung. Nicht jede neue Entwicklung führt zu einer Berichterstattung auf der Titelseite. Wichtige Nachrichten zu vergraben oder zu ignorieren wäre die andere Seite der Medaille, was unausgewogene Berichterstattung betrifft.

Hier ein Video, in dem Steve Linde und Gil Hoffman von der Jerusalem Post sowie Dan Diker vom Jerusalem Center for Public Affairs mit HonestReporting über das Thema „unausgewogene Berichterstattung“ debattieren:

Einige Beispiele für diese Analyse unterstreichen die einzelnen Facetten, die Berichterstattung „ausgewogen“ machen.

BEISPIEL: 2009 brachte Breaking the Silence (eine nichtstaatliche Organisation, die Fehlverhalten von IDF-Soldaten bloßzustellen behauptet) einen Bericht über angeblichen Missbrauch seitens des Militärs während Operation Gegossenes Blei. Die Aussagen der Soldaten wurden als Gerüchte und Hörensagen abgetan. Jeder Journalist, der den Bericht der Organisation gelesen hat, hätte erkennen müssen, dass er problematisch ist — aber die britischen Medien schenkten Breaking the Silence unverhältnismäßig viel Aufmerksamkeit.

Der Independent beispielsweise brachte einen Bericht auf der Titelseite gekoppelt mit einer Doppelseite im Innenteil, und der Leitartikel maß mehr als 48 Spaltenzoll. Der Onlineartikel verlinkte zur Website von Breaking the Silence. Und der Guardian brachte zusätzlich zu seiner Hauptstory auf der Titelseite drei Videos, eine Kolumne und ein Editorial der Redaktion.

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BEISPIEL: BBC News war nach dem Itamar-Massaker im Jahr 2012, bei dem palästinensische Terroristen Udi und Ruth Fogel und drei ihrer Kinder brutal ermordet haben, Kritik ausgesetzt. Die BBC hatte die Story überhaupt nicht erst erwähnt, was ihr den Zorn der damaligen britischen Abgeordneten Louise Bagshawe einbrachte. BBC-Verantwortliche entschuldigten sich.

BEISPIEL: Eine Titelstory im Time Magazine vom September 2010 mit dem Titel „Warum Israel Frieden nicht interessiert“ stellte Israelis als am Frieden uninteressiert und vom Nahostkonflikt unberührt dar. Für eine Story mit solchem Gewicht brauchte Karl Vick, der Chef des Jerusalembüros, einen repräsentativen Querschnitt der israelischen Haltung. Statt dessen fußte der Artikel auf den Ansichten zweier in Russland geborenen Verkäufer, einer älteren Frau und einer mit ihr befreundeten Kellnerin — alle in Aschdod. (Die HonestReporting-Leserschaft prämierte dies mit dem Dishonest Reporter Award für 2010.)

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BEISPIEL: Unter dem Deckmantel „ausgewogener Berichterstattung“ zitieren die westlichen Medien besonders gerne Nachrichten und Meinungen des linken israelischen Blattes Haaretz. Natürlich steht der Redaktion und den Autoren des Blattes ihre Meinung zu, aber die westliche Leserschaft erhält ein verzerrtes Bild von Israel, wenn Haaretz als „Mainstream“ dargestellt wird. Seth Frantzman, einer der leitenden Redakteure des Konkurrenzblattes Jerusalem Post, erklärt den Grund:

Amos Schocken richtete im Mai 2014 einen persönlichen Appell an die Leser und bat sie, ihr Abonnement nicht aus patriotischen Gründen zu kündigen. Durch das Abonnement würden die Leser ‚zum Mithelfer der anhaltenden Bemühungen, Israel als liberale und konstitutionelle Demokratie herauszubilden, welche die Werte des Pluralismus und der Bürger- und Menschenrechte wertschätzt‘, so Schockens Behauptung. Als Richard Silverstein ihn im Blog Tikun Olam dafür zur Verantwortung zog, dass er eine Zeitung so darstellte, als sei sie eine Art loyalistische Prawda nach sowjetischem Muster, entgegnete Schocken auf Twitter ‚typisch für die Linken — sie sind mehr damit beschäftigt, ihren eigenen Leuten zu zeigen, wer noch linker ist, als dass sie sich auf die Rechten konzentrieren.‘ Die Essenz der Geschichte war, dass Haaretz wie ein Teil des Kreuzzugs gegen Rechts im Stil der 1930er anmutet, und Haaretz bleibt seiner Linie ähnlich wie die ‚No pasaran‘-Ideologen im spanischen Bürgerkrieg treu…

Das Hauptproblem mit den ausländischen Haaretz-Lesern ist, dass sie die Konversation nicht verstehen, der sie mit dem Lesen von Haaretz beitreten. Sie glauben, sie lesen aus einer Mitte-links-Publikation über Israel, ähnlich wie bei den großen Zeitungen im Ausland wie El Pais, Times, Corriere Della Serra, Le Monde oder Die Welt. Zwar folgen all diese Zeitungen politischen Ideologien und haben eine Leserschaft, die bestimmte sozioökonomische und ethnische Bevölkerungsschichten abdeckt, aber sie sind nicht einmal entfernt so insular wie Haaretz.

Um Haaretz zu begreifen, muss man verstehen, dass sich seine Zirkulationsrate in Israel im einstelligen Prozentbereich befindet (die Druckausgabe hat zwanzig- bis dreißigtausend Leser, wohingegen die größte Tageszeitung, Yediot, von zirka 60% der Israelis gelesen wird) und dass sie von einem engstirnigen, extremistischen Milieu geschrieben und gelesen wird. Hierauf wurde oben mit der Bemerkung Bezug genommen, dass die anfänglichen Besitzer und Autoren von ihrer Kultur her entschieden ‚europäisch‘ waren und die ‚europäische‘ Kultur im ‚Dschungel‘ des Nahen Ostens bewahren wollten.

NYT-logoBEISPIEL: In ihrer Bewertung der Berichterstattung der New York Times über den Nahostkonflikt sagte Public Editor Margaret Sullivan im November 2014, die rigorose Berichterstattung über die palästinensische Gesellschaft und Politik sei für das Blatt ein blinder Fleck, wohingegen Israel selbst übermäßig stark im Rampenlicht steht.

Die Berichterstattung über Palästinenser verstärken. Sie sind mehr als nur Opfer, und ihre Ansichten und ihre Regierung verdienen Berichterstattung und einen genaueren Blick. Realistische Untersuchungen, was in ihren Schulen gelehrt wird und wie die Hamas operiert, sollten Teil davon sein. Wie sieht die Ideologie der Hamas aus; was sind ihre Grundüberzeugungen, ihre Arbeitsweise? Wie sieht der palästinensische Alltag aus? Hierüber habe ich nicht viel in der Times gesehen.

Weitere Beispiele

CNNs übertriebene Berichterstattung über den verschollenen Flug MH 370, etwas, worüber sich Jon Stewart ausgiebig lustig gemacht hat; die übertriebene Belagerung des königlichen Babys der britischen Royals; ungarische Medien, denen gesagt wurde, sie sollen keine Bilder von Flüchtlingskindern in Europa zeigen; und ein Verbot durch das Weiße Haus, über Särge des US-Militärs zu berichten, die aus Irak zurückkamen.

Nächsten Monat folgt das nächste Kapitel dieser Reihe: „Als Nachrichten getarnte Meinungen: Es ist Aufgabe des Journalisten, Fakten wiederzugeben, ohne die eigene Meinung oder Interpretation einzuschieben.“

„Red Lines: The Eight Categories of Media Bias“ ist auf Amazon als E-Book erhältlich.

Ist Australien schuldig im Sinne der Anklage?

18. April 2016

Yarden Frankl, HonestReporting, 12. April 2016

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Ein kürzlicher Meinungsbeitrag im Sydney Morning Herald von Paul Duffill, ein australischer Akademiker und BDS-Unterstützer, beschuldigt Australien einer Doppelmoral in puncto Menschenrechte, weil das Land es versäumt, israelische Siedlungen durchgängig zu verurteilen.

Im Artikel werden der Leserschaft folgende Hintergrundinformationen geboten:

Israels Siedlungen werden auf Land erbaut, das den Palästinensern 1967 weggenommen wurde.

Kein Wort darüber, dass Israels Kontrolle über diese Gebiete ein Resultat des Angriffs auf Israel im Jahre 1967 war. Kein Wort darüber, dass die umstrittenen Gebiete auch die Altstadt Jerusalems und Gush Etzion umfassen, also Orte, die bis 1948 historisch jüdische Gebiete waren — 1948 kam es zu einem Massaker an vielen der jüdischen Einwohner, und die Überlebenden wurden von den Arabern aus ihrem Zuhause vertrieben.

Und was noch beunruhigender ist: Der Artikel stellt die Siedlungen als Alleinschuldige für den mangelnden Fortschritt hin zu einem Friedensvertrag dar. Er ignoriert die Terrorwelle — Terror, der sich in keinster Weise nur auf die umstrittenen Gebiete beschränkt — und die unablässige Aufwiegelung und die Lobpreisung des Terrors seitens der Palästinenserbehörde.

Duffill hätte Israels zahlreiche Angebote erwähnen können, sich mit den Palästinensern zusammenzusetzen und direkte Friedensverhandlungen abzuhalten. Selbst als Premierminister Benjamin Netanyahu vor kurzem sagte, er würde seine Termine absagen, um sich jederzeit mit PA-Präsident Abbas zusammensetzen zu können, wurde dieses Angebot ignoriert.

Lieber stellte Duffill ein paar unzutreffende Behauptungen über die israelische Sicherheitsbarriere auf. Die Barriere — keine „Mauer“ — wurde weitestgehend entlang oder nahe der Waffenstillstandslinie von 1949 gebaut und nicht „quer durch das besetzte palästinensische Westjordanland“. Ebensowenig ist die Barriere „integraler Bestandteil von Israels Besatzung und Siedlungsaktivität“. Sie ist integraler Bestandteil von Israels Bemühungen, den aus den Palästinensergebieten überbordenden Terrorismus einzudämmen.

Noch schlimmer: Duffill vergleicht das demokratische Israel mit einigen der übelsten Menschenrechtsverletzer der Welt — einschließlich der Terrororganisation Hamas. Das ist jene Hamas, die nicht nur israelische Männer, Frauen und Kinder ermorden will, sondern die palästinensische Einwohner Gazas als menschliche Schutzschilde missbrauchte und Waffen in Schulen, Moscheen und Krankenhäusern lagerte.

Duffill ignoriert den Terror, die Aufhetzung und die Uneinsichtigkeit auf palästinensischer Seite und beschuldigt Israel, das einzige Friedenshindernis zu sein.

Wer ist hier also einer Doppelmoral schuldig?

Regenten der University of California verurteilen antisemitischen Antizionismus, und die Medien missbilligen das

5. April 2016

Cherryl Smith, HonestReporting, 4. April 2016

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Cherryl Smith, PhD ist Professor Emerita für Satzbau und Rhetorik an der California State University in Sacramento. Sie schreibt für Framing Israel.

Die University of California unternahm diese Woche einen bedeutsamen ersten Schritt zur Bekämpfung von Antisemitismus auf ihrem Campus. Die Prinzipienerklärung der Regenten verurteilt „antisemitische Formen des Antizionismus“ und erklärt, solche Verhaltensformen hätten „keinen Platz an der University of California“.

„Es steht zweifelsfrei fest, dass Antizionismus die treibende Kraft hinter dem alarmierendem Ausmaß von Antisemitismus an der UC und an Schulen im ganzen Land ist“, so Tammi Rossman-Benjamin, Fakultätsmitglied der UC Santa Cruz und Kopf der AMCHA-Initiative, welche den Antisemitismus auf dem Campus nachverfolgt.

Die meiste Berichterstattung über die Regentenerklärung unterschlägt jedoch diese Verbindung von Antizionismus und Antisemitismus: die Schlagzeilen sprechen von Antisemitismus, nicht aber von Antizionismus, und die Artikel suggerieren, es bestehe keine echte Notwendigkeit für diese Erklärung und die Redefreiheit sei nicht in Gefahr.

Die LA Times machte ihre Position per Redaktionsbeitrag explizit klar: „In Wirklichkeit ist es sehr wohl möglich, gegen den Zionismus zu sein oder sich für einen säkularen Staat im heutigen Israel und Westjordanland einzusetzen, ohne antijüdisch zu sein.“

Wenn wir mal außer Acht lassen, dass das jüdische Israel zuallererst säkular ist und von islamischen Ländern umgeben ist, die anders als Israel keine Religionsfreiheit besitzen, und wenn wir ebenso die säkularen zionistischen Gründer des jüdischen Staates außer Acht lassen, so bleibt immer noch die höchst beunruhigende Formulierung „heutiges Israel und Westjordanland“.

Irgendwie kann die LA Times, das auflagenstärkste Blatt der Stadt mit der zweitgrößten jüdischen Bevölkerung in den USA, deren Redaktion Antizionismus als „Gegner der Idee eines jüdischen Staates“ definiert, nicht begreifen, dass Universitätsstudenten von Ausgrenzung und Verfolgung berichten, weil sie (auf dem Campus) die Minderheitenmeinung vertreten, der einzige jüdische Staat der Welt solle weiterbestehen. Die Studenten erleben den altbekannten Antisemitismus in derartigem Ausmaß, dass selbst die Regenten der University of California, die wirklich ganz andere Sorgen haben, dies bemerkten.

Ich gebe zu, ich habe Schwierigkeiten zu verstehen, welche Formen des Antizionismus nicht antisemitisch sind. Die Definition der LA Times, Antizionismus stelle sich gegen die Idee eines jüdischen Staates, suggeriert eine unmittelbare Antijüdischkeit des Antizionismus. Antizionismus ist jedoch auch eine eigene Form von Fanatismus. Die Forderung nach legalistischer Sprache zum Schutz jüdischer Studenten entspringt der Realität, dass Antizionismus auf dem Campus sehr akzeptabel geworden ist und Juden gleichzeitig keine „geschützte Minderheit“ sind.

Die von AMCHA erfassten vielen hundert antisemitischen Vorfälle sind verknüpft mit der weithin hörbaren Campus-Position, Israel solle nicht als jüdischer Staat existieren. Zudem wird der Zionismus verteufelt. Vielsagenderweise stellten Berichte der Associated Press, die in vielen kalifornischen Blättern einschließlich dem San Francisco Chronicle abgedruckt wurden, „Israelunterstützer“ in Kontrast zu „Unterstützern der Rechte von Palästinensern“, obgleich der Zionismus das Konzept des jüdischen Selbstbestimmungsrechts ist. Kein einziger Bericht, den ich finden konnte, beschrieb proisraelische Studenten als „Unterstützer der Rechte von Juden“.

Tatsächlich betitelte die LA Times ihren Redaktionsbeitrag mit „Ein Gleichgewicht zwischen Redefreiheit und Bigotterie finden“, als sei Antizionismus keine Form der Bigotterie und als seien antizionistische Aussagen nicht durch den ersten Verfassungszusatz geschützt.

Niemand legt die Situation so klar dar wie der UCLA-Professor Judea Pearl:

Die UC-Richtlinien gegen Antisemitismus sind grob unzureichend bei der Zügelung der aktuellen Welle antijüdischer Feindseligkeiten auf den Campussen, die im Großen und Ganzen nicht auf jene abzielt, die ihre Religion praktizieren, sondern auf jene, von denen man glaubt, sie würden Israel unterstützen…

…die UC-Regenten haben antisemitische, islamophobe und weißrassistische Reden nicht verboten und wollen auch keine antizionistischen Reden verbieten; vielmehr möchten die Regenten es berechtigterweise klarstellen, dass Letzteres den Rahmen des zivilen Diskurs überschreitet.

Legen die Regenten also die Prinzipien gegen Intoleranz fest, beschränken sie die Redefreiheit nicht offiziell. Aber, und das ist eine wichtige Unterscheidung, sie schicken der Gemeinschaft eine Botschaft, dass Antizionismus ähnlich wie Islamophobie und andere Hassideologien kulturell „keinen Platz an der University of California“ haben.

BDS: Was schürt den Hass?

31. März 2016

Joe Hyams, HonestReporting / Times of Israel, 28. März 2016

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Folgender Meinungsbeitrag des HonestReporting-Geschäftsführers Joe Hyams erschien in der Times of Israel:

Warum die BDS-Bewegung von mehr als Antisemitismus, Geld und Böswilligkeit lebt.

Vor einigen Jahren erhielt ich eine Flugstunde zum Geburtstag. Mitten unter dem Flug fragte der Pilot, der mir vorher die Kontrollen überlassen hatte, eine einfache Frage: „Joe, was glauben Sie, ist die wichtigste Komponente des Flugzeugs, die uns hier und jetzt am Leben erhält?“

„Der Motor“, so meine intuitive Antwort, denn ich glaubte, dass uns nur anhaltende Fluggeschwindigkeit in der Luft hielt.

„Falsch“, sagte der Pilot und schaltete den Motor aus. „In diesem Augenblick sind die Flügel der Grund, dass wir hier oben bleiben. Wir können einige Zeit weitergleiten, ohne dass wir Treibstoff verbrauchen.“ Sobald ich den Schock der plötzlichen unheimlichen Stille verarbeitet hatte, begriff ich sein Argument.

Das Flugzeug schlingerte, fiel aber nicht vom Himmel.

Es war eine wichtige Lektion, und zwar nicht nur über das Fliegen, sondern auch über Instinkt, Wahrnehmung und Intuition. Wenn es um die BDS-Bewegung geht, dann sehen wir Fanatismus und Antisemitismus als den Motor und vielleicht Geld und politische Doppelzüngigkeit als Treibstoff. Natürlich treiben diese Dinge die hässliche BDS-Maschinerie vorwärts und nach oben.

Aber diese Dinge sind nicht die „Flügel“, die BDS in der Luft halten.

Ich habe das Privileg, diesen Beitrag von der Jerusalemer Anti-BDS-Konferenz von Ynet und Yedioth Ahronoth zu schreiben, wo ich über HonestReportings einzigartige Erfahrungen beim Kampf gegen BDS sprach. Präsident Reuven Rivlin hatte die Eröffnungsworte dieser Konferenz gesprochen, und es steht dem Staat Israel und den Organisatoren von Ynet und ihrem Partner StandWithUs gut zu Gesicht, dass so viele Menschen zusammengekommen sind, um einer gemeinsamen Sache ernsthaft Gedanken zu widmen: gegen eine Hassbewegung zurückzuschlagen, die weiterhin in der Luft ist und von der viele den Eindruck haben, dass sie im Lauf der Zeit immer höher fliegt.

Präsident Reuben Rivlin eröffnet die Anti-BDS-Konferenz in Jerusalem

Präsident Reuben Rivlin eröffnet die Anti-BDS-Konferenz in Jerusalem (Foto: Joe Hyams)

Mein heutiger Vortrag konzentrierte sich auf zwei oft übersehene Komponenten, die hasserfüllte Bewegungen am Leben halten: a) die zunehmend visuelle Natur sozialer Medien und b) die elegante Leichtigkeit, mit welcher Freunde und Kollegen die Meinungen und Ansichten von Freunden übernehmen, ohne dass sie die Integrität jener Vorstellungen bezweifeln.

Neu im Zusammenhang mit BDS ist der große Sturm, den ein simplifiziertes und emotional anrührendes Narrativ in Kombination mit hochvisuellen Kommunikationskanälen wie Facebook, Twitter und YouTube entfacht. Die inhärente Falschheit des Narrativs, die Israel als Unterdrücker brandmarkt, entgeht dem Beobachter anfangs, da die ikonischen Repräsentationen machtvoll und oft emotional nahegehend sind.

Medienvoreingenommenheit ist nichts Neues und befeuert die Ausbreitung und den Einfluss von BDS nicht unmittelbar. Heutzutage können mehr Menschen andere in Echtzeit beeinflussen als jemals zuvor — und zwar professionell mit billigen und kostenlosen Mitteln, die noch vor 20 Jahren nur einer eng begrenzten nachrichtenproduzierenden Gemeinschaft vorbehalten waren.

BDS-Social-Media-Workshop mit den Sprechern Amit Cotler, Ynet; Ido Daniel, Israeli Students Combating Anti-Semitism; Evyatar Gat; Mark Halawa; Joe Hyams, HonestReporting; Hen Mazzig & Emily Schrader, StandWithUs (Foto: Simon Plosker)

BDS-Social-Media-Workshop mit den Sprechern Amit Cotler, Ynet; Ido Daniel, Israeli Students Combating Anti-Semitism; Evyatar Gat; Mark Halawa; Joe Hyams, HonestReporting; Hen Mazzig & Emily Schrader, StandWithUs (Foto: Simon Plosker)

Der zweite unterschätzte Faktor, der BDS beflügelt, ist die kognitive Einfachheit, mit welcher wir hervorstechende Ideen akzeptieren und verinnerlichen. Wir alle lesen Nachrichten und neigen dazu, dem zu schnell Konsumierten zu vertrauen, wobei uns beim ersten Aufnehmen Voreingenommenheit und Falschaussagen entgehen. Es benötigt eine große Menge geistiger Arbeit, um gegen den Strom zu schwimmen und die uns vorgesetzten Ideen in Frage zu stellen, aber wir müssen uns solches Verhalten aneignen und andere dazu ermutigen. Wir wissen, dass unsere Kinder zu viel fernsehen und zu wenig lesen. Und es ist nicht weniger wichtig, sich für größere Beschäftigung mit den Kernthemen einzusetzen, die BDS diffamieren und damit Israel und das jüdische Volk beschämen will.

Joe Hyams und Roseanne Barr auf der Anti-BDS-Konferenz

Joe Hyams und Roseanne Barr auf der Anti-BDS-Konferenz (Foto: Joe Hyams)

Diejenigen von uns, die eine visuelle, kraftvolle und prägnante Gegenbotschaft formulieren wollen, müssen Überstunden machen und haben oft nur begrenzte Ressourcen zur Verfügung. Wir müssen zusammenarbeiten, Erkenntnisse teilen und uns gegenseitig unterstützen. Medium für Medium, Trend für Trend, Partnerschaft für Partnerschaft — wir lernen, in ihrem unglückseligen Spiel der vernünftige Feind zu sein.

Doch die kraftvollen Bilder im Verbund mit einem willigen Publikum sind eine echte Herausforderung, die man nicht einfach beiseiteschieben kann, nur weil es sich hier um eine asymmetrische Bedrohung handelt. Wir müssen uns bemühen sicherzustellen, dass die Bürger und Gemeinschaften auf der ganzen Welt hinter den moralischen und intellektuellen Abgrund sehen können, in welchem diese seichten Ideen letztlich ihr Ende finden werden. Unsere Arbeit soll den Hasskampagnen die heiße Luft verwehren, die sie zum Funktionieren brauchen, und wir brauchen strategisches Denken, um ihnen scharfen, kalten Gegenwind gegen ihre antifriedlichen, antifortschrittlichen Absichten zu bescheren.

Die von BDS vorgebrachten Aussagen sind falsch und verleumderisch. Die sozialen und psychologischen Faktoren anzuerkennen, die BDS am Laufen halten, ist der erste Schritt, diese Bewegung schnell wieder auf den Erdboden zurückzubringen.

Journalistengruppe verteidigt Aufstachelung zum Mord

21. März 2016

Daniel Pomerantz, HonestReporting, 17. März 2016

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Was ist passiert?

Während einer Welle von Messer-, Schusswaffen- und Auto-Ramm-Anschläge auf Israelisschloss die IDF „Palestine Today“, einen Radio- und Fernsehsender des palästinensischen Islamischen Dschihad, der Aufstachelung zu Gewalt gesendet hat. Die International Federation of Journalists hatte Folgendes zu sagen:

Die International Federation of Journalists (IFJ), die 600.000 Journalisten auf der ganzen Welt repräsentiert, steht zu ihrem Vertragspartner, der Palestinian Journalists Union (PJS), und verurteilt diese brutale Attacke auf die Pressefreiheit und fordert die UN zu einer sofortigen Reaktion auf die Eskalation der Attacken auf die Presse in den besetzten Gebieten auf.

Weiters beschuldigte die IFJ Israel einer „Welle der Gewalt gegen Journalisten“.

Was hat die IFJ dabei bewusst ignoriert?

Eine Journalistenorganisation sollte die Wichtigkeit von Kontext und Ausgewogenheit kennen. Und deshalb ist es ganz besonders ärgerlich, dass die IFJ in ihrem Statement verschweigt, dass der palästinensische Islamische Dschihad von Australien, Kanada, der EU, der UK und den USA als Terrororganisation aingestuft wird.

Bezüglich Kontext hätte die IFJ auch erwähnen können, dass das dieselbe Einstufung ist, die diese Länder auch auf Gruppen wie ISIS, Al-Qaida und Boko Haram anwenden.

Eine Journalistenorganisation sollte auch die Wichtigkeit von Nachforschungen kennen, weswegen es besonders scheinheilig ist, dass die IFJ verschweigt, dass der Sender den Mord an Israelis glorifiziert und zu weiterem Morden ermutigt. Hier ein Beispiel für den „Journalismus“ von Palestine Today:

Yair Lapid, Mitglied der israelischen Knesset und langjähriger professioneller Journalist, erklärte IFJ in einem Statement:

Die Pressefreiheit erstreckt sich nicht auf terroristische Propaganda und auch nicht auf Leute, die zum Mord aufrufen. Die Inhalte von Palestine Today würden den redaktionellen Leitlinien vieler Ihrer Mitglieder nicht genügen. Ich war mehr als 30 Jahre lang Journalist; und das ist kein Journalismus. Das ist keine Redefreiheit, es sind Hassreden. Sie verteidigen hier nicht die Pressefreiheit; sie verteidigen Aufrufe zum Mord.

Nicht alle „Journalisten“ sind wirklich Journalisten.

Es ist nicht das erste Mal, dass die IFJ versucht hat, Terroristen wie anständige Journalisten zu behandeln. Das Newseum in Washington, D.C., ein Medien-Museum, gedenkt Journalisten, die „bei der Ausübung ihrer Pflichten“ umgekommen sind. 2013 gedachte das Newseum anfangs Mahmoud Al-Kumi und Hussam Salama, die sich offiziell als Journalisten ausgegeben hatten. Als herauskam, dass die zwei in Wirklichkeit Hamas-Mitglieder waren und in Terrorismus verstrickt waren, ignorierte das Newseum den Druck seitens IFJ und anderen und entfernte die zwei Terroristen aus der Gedenkliste.

Terroristen werden verteidigt und Journalisten verraten.

Wenn Terrororganisationen die Bezeichnung „Journalist“ für ihre eigenen ruchlosen Zwecke missbrauchen, beschädigen sie den Berufsstand als ganzes. Die IFJ hätte gegen diese Praxis sein können — aber nein, sie entschieden sich dazu, sie zu verteidigen. Bei ihrer fehlgeleiteten Unterstützung von Terroristen erweist die IFJ den vielen hundert israelischen Opfern aus jüngster Zeit sowie auch den vielen tausend tatsächlichen Journalisten, die sie angeblich repräsentieren, einen Bärendienst.

Newsweek gibt antiisraelischem Extremisten eine Bühne

14. März 2016

Simon Plosker, HonestReporting, 9. März 2016

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Ben White hat schon sehr lange seinen Ruf als besessener antiisraelischer Extremist weg. Er ist Autor von „Israeli Apartheid: A Beginner’s Guide“ und hat behauptet: „Ich betrachte mich nicht als Antisemiten, ich kann aber Leute verstehen, die welche sind.“ Er hat sich rassistisch geäußert und unterstützt rassistische Aussagen Dritter. White setzt sich für eine Einstaatenlösung und das Ende Israels als jüdischem Staat ein.

Was uns zu der Frage führt, warum eine scheinbar glaubwürdige Mainstreampublikation wie Newsweek White eine Bühne gibt, um sein Gift zu verspritzen.

Der Twitter-Feed von Newsweek Middle East bewirbt Whites Artikel mit einem kurzen eingebetteten Video, in dem von einer „israelischen Besatzungsmacht“ die Rede ist — eine Vorverurteilung einer laufenden und komplexen Gebietsstreitigkeit, die sich für eine professionelle und angeblich unparteiische Nachrichtenorganisation schlichtweg nicht ziemt.

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Man muss sich fragen, warum Newsweek Middle East die Frage tweetete: „Verletzt Israels Praxis einer Verwaltungshaft das Völkerrecht?“ Da White der Autor ist, ist es unmöglich, dass er diese „Frage“ irgendwie anders darstellt als die Präsentation einer Tatsache.

Tatsächlich redet White mehrere Absätze lang über nichts anderes. In Wirklichkeit gibt es signifikante Beweise für das Gegenteil, von denen White keinen einzigen erwähnt und die Newsweek-Leser damit aufs Neue in die Irre führt, indem er ihnen die Möglichkeit vorenthält, zu informierten Schlussfolgerungen zu gelangen. Ein professioneller Journalist hat die Verpflichtung, die Argumente zur Stützung der Rechtmäßigkeit der Verwaltungshaft ebenso deutlich und lang zu diskutieren wie die Argumente dagegen.

Aber White ist kein professioneller Journalist.

Sein Artikel regt sich über die Verhaftung und Inhaftierung eines gewissen Muhammad al-Qeq auf, aber die Gründe für dessen Inhaftierung erwähnt er mit keiner Silbe. Die Associated Press berichtete: „Der israelische Geheimdienst Shin Bet sagt, al-Qeq sei an terroristischen Aktivitäten in Verbindung mit der militanten Hamas-Bewegung beteiligt gewesen.“ Und AFP berichtete: „Shin Bet, der israelische Inlandsgeheimdienst, sagte, Qiq sei wegen ‚Terroraktivitäten‘ als Teil der islamistischen Gruppe Hamas, die den Gazastreifen kontrolliert, festgenommen worden.“ Selbst wenn der Autor den Aussagen von Shin Bet keinen Glauben schenkt, hat ein neutraler Journalist dennoch die Verpflichtung, diese Information mitzuerwähnen und dem Leser eine umfassend informierte Schlussfolgerung zuzugestehen.

White behauptet, al-Qeqs Festnahme sein ein Beleg für die „Unterminierung der Pressefreiheit“, womit er andeuten will, al-Qeq sei aufgrund seines Status als palästinensischer Journalist festgenommen worden. Aber al-Qeq stand auch mit Terrorhandlungen in Verbindung — absolut wesentlicher Kontext, den White einfach verschweigt und es den Newsweek-Lesern damit unmöglich macht, akkurat einzuschätzen, ob Whites Beschuldigungen wirklich der Wahrheit entsprechen.

White erwähnt mehrfach, dass Gefangene „ohne Gerichtsverhandlung“ festgehalten werden, verschweigt aber, dass die Verwaltungshaft-Prozeduren die Möglichkeit bieten, vor Gericht gegen den Arrest vorzugehen. Indem er diese Prozedur verheimlicht, führt White die Newsweek-Leser zu der falschen Schlussfolgerung, die Verwaltungshaft habe keinen Regress. Und das ist schlicht falsch.

Dass Ben White einen irreführenden und voreingenommenen Text schreiben würde, war zu erwarten. Dass Newsweek ihn akzeptierte, ist nicht hinnehmbar.

AFP zelebriert Mord und Totschlag am Weltfrauentag

9. März 2016

Daniel Pomerantz, HonestReporting, 8. März 2016

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Am gestrigen Weltfrauentag brachte der Nachrichtendienst AFP einen Artikel, der die Frauen verurteilter palästinensischer Terroristen pries. Natürlich nicht von allen Terroristen, sondern nur von denen, die Israelis angegriffen haben.

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AFP beginnt mit der Feststellung: „Mehr als 7000 Palästinenser sitzen aktuell in israelischen Gefängnissen, 600 davon lebenslang.“ Ein bezeichnendes Beispiel schamloser Medienvoreingenommenheit, denn AFP verschweigt, warum diese Insassen verurteilt wurden. Ebenso verschweigt AFP den Terror, den viele veranstaltet haben, und auch die Zahl der Todesopfer, die sie auf dem Gewissen haben.

Nichts über die israelischen Opfer oder ihre Familien, nichts darüber, dass die Palästinenserbehörde eingekerkerten Terroristen Summen zahlt, die sich weit jenseits dessen bewegen, was diese in Freiheit verdienen können, was einen starken wirtschaftlichen Anreiz zum Töten von Israelis bringt.

Danach schreitet AFP zu einer emotional aufgeladenen Fallstudie eines gewissen Ahed Abu Golmi, wobei nur ganz am Ende erwähnt wird, dass er für seine Rolle bei der Ermordung des israelischen Tourismusministers Rehavam Ze’evi im Jahr 2001 verurteilt wurde. (Existiert überhaupt ein Land auf dieser Erde, wo der Mörder eines Regierungsministers nicht im Gefängnis landet?) Wenig überraschend wird Ze’evis Familie im Artikel weder interviewt noch überhaupt erwähnt: Hinterbliebene waren seine Frau Yael und ihre fünf Kinder.

Auch über Khalida Muslih wird rührselig die Tränendrüse gedrückt, Ehefrau von Mohammed Muslih, der „neunmal lebenslänglich für tödliche Angriffe auf Israelis bekam“. Natürlich erfahren wir auch hier weder über die Anschläge noch über die Opfer irgend etwas. Statt dessen lesen wir:

Laut ihrer Aussage ist die Frau eines Gefangenen, der wegen eines Angriffs auf Israelis im Gefängnis sitzt, etwas, auf das man stolz sein kann, und sie wird ihre Haltung diesbezüglich niemals ändern.

Als ihr Mann 2002 verurteilt wurde, nur anderthalb Jahre nach ihrer Heirat, heulte sie vor Freude.

„All diese Jahre habe ich nicht das geringste bereut“, so Muslih, deren Sohn erst vier Monate alt war, als sein Vater ins Gefängnis kam.

„Ich war stolz darauf, die Frau eines Kämpfers zu sein, selbst wenn dies bedeutet, dass mir viele Dinge vorenthalten werden und mein Herz gebrochen wird.“

AFP verschweigt ebenfalls, dass 7.000 Gefängnisinsassen bei einer Palästinenserbevölkerung von 6,08 Mio. Menschen eine Quote von 1,15 pro 100.000 ergibt; eine der niedrigsten Quoten weltweit. Angesichts des Ausmaßes des Terrorismus, dem Israel ausgesetzt ist, ist dies ein erstaunlicher Wert. (Die mittlere Quote in Europa beträgt 98 pro 100.000, und die USA haben die weltweit höchste Quote mit 716 pro 100.000, über 600x höher als die Einkerkerungsquote der Palästinenser in Israel.)

Doch am unbegreiflichsten an diesem Artikel bleibt, wie es einem Journalisten in den Sinn kommen kann, die Lobpreisung der Frauen von Terroristen sei eine passende Art und Weise, den Weltfrauentag zu begehen.


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