Archive for the ‘Antisemitismus’ category

CNNs Journalismus geht vor die Hunde

20. Mai 2015

Simon Plosker, HonestReporting, 18. Mai 2015

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Was ist nur mit CNN los? Hier ein aktueller Bericht:

Die offizielle palästinensische Nachrichtenagentur berichtet, israelische Siedler hätten rund 800 in palästinensischem Besitz befindliche Olivenbäume in der Nähe der Stadt Shuyukh östlich von Hebron gefällt und in Besitz genommen.

Der Bericht von WAFA, der palästinensischen Nachrichten- und Informationsagentur, zitierte eine nicht namentlich benannte “Quelle vor Ort”. Israel hat sich noch nicht zu dem Bericht geäußert.

Die Quelle, die von WAFA als “ein Aktivist vor Ort” bezeichnet wird, teilte der Agentur mit, Bewohner der israelischen Siedlungen Bani Kadim und Asfar seien in einen Olivenhain in der Nähe der Stadt eingebrochen und hätten die Bäume, die den Menschen im Gebiet gehörten, gefällt.

Es ist eine Sache, wenn ein Mainstreammedium anonyme Quellen und unverifizierbare “Augenzeugen” zitiert, was wir in der Berichterstattung über den israelisch-palästinensischen Konflikt nur allzu oft sehen. Es ist aber noch schlimmer, wenn sich eine Nachrichtenorganisation wie CNN auf unverifizierte Berichte einer palästinensischen Nachrichtenagentur wie WAFA verlässt.

Wie Elder of Ziyon korrekt feststellt:

Ok, woran können wir erkennen, dass es sich hier um Müll handelt? Indem wir uns die Formulierung bei Wafa ansehen. Dort steht: “Israelische Siedler fällten laut einer lokalen Quelle rund 800 in palästinensischem Besitz befindliche Olivenbäume nahe der Stadt Shuyukh östlich von Hebron und nahmen diese in Besitz.”

Was bedeutet “gefällt und in Besitz genommen”? 400 gefällt und 400 in Besitz genommen? Oder fällten sie 800 Olivenbäume, verfrachteten sie auf einen Lkw-Konvoi und karrten sie davon?

Es dauert lange, einen ausgewachsenen Olivenbaum zu fällen. Frische Setzlinge, die oft von Palästinensern gepflanzt werden, um öffentliches Land zu stehlen, sind relativ leicht auszureißen, aber hier steht “gefällt und in Besitz genommen”.

Keine Fotos. Keine Videos. Keine namentlichen Quellen. Keine Untermauerung. WAFA schreibt eine Story zusammen, die keinerlei normalem journalistischem Standard entspricht – und CNN plappert es ungeprüft nach unter dem Deckmantel, sie würden ja nur berichten, was antiisraelische arabische Medien sagen.

Und als wäre das nicht schon genug, geht es im CNN-Bericht folgendermaßen weiter:

Auch Vorfall an Aqsa-Moschee berichtet
Ebenfalls am Sonntag betraten über 175 jüdische Rechtsextremisten das Gelände der Aqsa-Moschee in Jerusalem, eskortiert von israelischen Polizisten und Sicherheitsleuten, wie Quellen innerhalb der Moschee berichteten. Die Quellen können aus Sicherheitsgründen nicht benannt werden.

Also wo ist der “Vorfall”, von dem CNN spricht? Angesichts dessen, dass Juden und Touristen den Tempelberg zu bestimmten Zeiten betreten dürfen, ist das dann wirklich ein “Vorfall”? Und wer sind diese unbenannten “Quellen innerhalb der Moschee”?

175 Menschen ist eine weit größere Gruppe, als sie normalerweise auf dem Tempelberg erlaubt würde, und es gibt keine anderen Medienberichte in der ausländischen oder israelischen Presse über irgendwelche ungewöhnlichen Vorgänge auf dem Tempelberg am Sonntag. Ist dem CNN-Reporter klar, dass die Palästinenser jeden Juden, der den Tempelberg besucht, einen “Extremisten” nennen? War es eine Gruppe aus 175 Menschen, oder war das nur die Gesamtzahl aller Besucher, die das Gelände am Sonntag betreten haben?

Das wissen wir nicht. CNN lieferte hier miserablen Journalismus. Leider beschränkt sich der verursachte Schaden nicht auf CNN und hat sich zu anderen Nachrichtenportalen verbreitet, die den Inhalt aufgrund ihres klar fehlinvestierten Vertrauens in CNN reproduziert haben.

Update: Wie antwortete der Journalist Don Melvin auf Twitter, nachdem er mit seiner schlampigen Berichterstattung konfrontiert wurde? Hier klicken.

Bild: CC BY-NC Mitchell Joyce via flickr

BDS-Schlachten strapazieren jüdische Studenten

18. Mai 2015

Alex Margolin, HonestReporting, 14. Mai 2015

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Haaretz-Reporter Ari Shavit besuchte zwei Dutzend US-Universitäten und kam von seiner Reise mit einer ernsten Warnung zurück: “Die Zukunft der Juden gleitet uns durch die Finger”, und damit meint er jene, die Israel und den Zionismus unterstützen.

Auf seiner Reise erlebte er eine belagerte jüdische Gemeinschaft, zusammengepfercht zwischen der extremen BDS-Rhetorik einerseits und ihren eigenen Bedenken hinsichtlich Israels Politik andererseits.

Wir fühlen uns, als seien wir auf dem Schlachtfeld im Stich gelassen worden, sagten mir viele. Die Antizionisten, sagten sie, beschuldigen uns der Kollaboration mit dem Bösen, aber der Zionismus versteht uns nicht und spricht nicht mit uns; statt dessen ist er damit beschäftigt, immer mehr und mehr und mehr Siedlungen zu bauen.

Zionismus, schreibt Shavit, bietet kein “verlässliches, relevantes und inspirierendes Narrativ”, welches dem “beinahe übermächtigen Antisemitismus” der BDS-Offensiven entgegenstehen könnte. “Und wenn sie auf dem Campus eintreffen und dem antiisraelischen Gift ausgesetzt sind, bricht die jüdische und proisraelische Identität vieler Studenten zusammen.”

Anders gesagt, es ist ein Kampf um Legitimität. Und Israel verliert ihn.

Die Zeichen sind klar, selbst ohne Shavits erschütternden Bericht über bedrängte Studenten und tränenreiche Konversationen.

Molly Horwitz, eine Kandidatin bei Stanfords Wahl zum Studenten-Senat letzten Monat, löschte alle Hinweise auf ihre Unterstützung Israels von ihrer Facebookseite. Ihr Wahlkampfmanager sagte der New York Times, Horwitz wolle Israel nicht zum Fokus ihrer Plattform machen.

“Wir haben das nicht gemacht, weil sie nicht stolz wäre – sie ist durchaus stolz -, aber das Klima auf dem Campus war ziemlich feindselig, und politisch wäre es nicht zielführend, hier öffentlich einen Standpunkt einzunehmen”, so der Wahlkampfmanager.

Der Kommentator Shmuley Boteach schrieb diese Woche über den kümmerlichen Protest an der New York University gegen einen Vortrag der lautstarken arabisch-israelischen Knesset-Abgeordneten Hanin Zoabi, die letzten Sommer mit ihrer Weigerung Schlagzeilen machte, die Entführung der drei israelischen Teenager einen terroristischen Akt zu nennen.

“Wie konnte es Zoabi erlaubt sein, an einer Universität mit 8.000 jüdischen Studenten den jüdischen Staat anzugreifen, ohne dass sich der jüdische Stolz und die jüdische Entschlossenheit dagegenstellten?” fragte er.

Die Antwort ist, dass jüdischer Stolz und jüdische Entschlossenheit nur bis zu einem bestimmten Punkt reichen, wenn es um Campuspolitik geht. Was unbedingt vonnöten ist, ist die klare Formulierung von Israels Legitimität.

Das steht in Wirklichkeit bei jeder Begegnung mit BDS auf dem Spiel, heutzutage der Hauptursache für Israels Delegitimierung auf dem Campus. Proisraelische Studenten gewinnen mehr Deinvestitions-Abstimmungen als dass sie diese verlieren, aber selbst wenn sie eine solche Abstimmung mal verlieren, hat bislang noch keine Universitätsverwaltung tatsächlich eine Deinvestitions-Maßnahme gegen Israel durchgeführt. Aber die BDS-Bewegung versteht, dass es bei diesem Kampf nicht um Deinvestition geht. Es geht um den Angriff auf Israels Legitimität und darum, es als rassistischen Staat zu brandmarken, der kein Existenzrecht hat.

Und diese Botschaft wird wieder und wieder auf Campussen im ganzen Land wiederholt. Deshalb muss jede Deinvestitions-Abstimmung auf dem Campus als Chance wahrgenommen werden, Israels Legitimität zu demonstrieren.

Bei Legitimität geht es auch um die Forderung nach einem dauerhaften Frieden auf der Grundlage gegenseitigen Verständnisses und Respekts anstelle von Israels Zerstörung. Es geht um Israels lebhafte Demokratie und um seine Freiheit. Es geht darum zu zeigen, dass Menschenrechte für Israelis und Palästinenser nur durch Kooperation, Diskussion und Handlung verbessert werden können, nicht durch Boykotte, Deinvestition und Sanktionen.

Und letztlich geht es bei Legitimität um die Rechtmäßigkeit Israels als Heimatland des jüdischen Volkes, selbst wenn einige politische Entscheidungen keinen Konsens finden. Doch im Gegensatz zu Gesellschaften, welche abweichende Meinungen unterdrücken, ist Israel eine offene Gesellschaft, welche die Meinungsvielfalt begrüßt und es zulässt, dass eine Idee Unterstützer gewinnt und zu Veränderungen führt.

Bild: CC BY-NC Kent Landerholm via flickr

Bietet der Kampf gegen den Antisemitismus einen Deckmantel für BDS-Aktivitäten?

5. Mai 2015

Gastbeitrag, HonestReporting, 16. April 2015

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Der folgende Gastbeitrag wurde von Elijah Granet verfasst, HonestReportings Gewinner des Blankfeld Award 2014. Momentan studiert Elijah Politikwissenschaften an der Columbia University und den Talmud am Jewish Theological Seminary in New York City.

In der schulischen „Debatte“ über Israel gibt es eine verstörende Tendenz, und für gewöhnlich wird diese nicht von Students for Justice in Palestine und ihren Sympathisanten vorangetrieben, sondern von jüdischen Studenten.

Ich weiß, wie seltsam sich das anhört, und was ich in diesem Artikel sagen werde, hört sich vielleicht noch seltsamer an: der verstörende Trend sind Resolutionen zur Verurteilung von Antisemitismus.

Es sollte außer Frage stehen, dass ich Antisemitismus persönlich aufs schärfste verurteile, und zwar insbesondere als jemand, der ihm auf dem Universitätsgelände ausgesetzt war. Als gleichermaßen offensichtlich erachte ich, dass weltweit und auch an Universitäten zuwenig gegen Antisemitismus getan wird. Warum also bin ich so dagegen, dass jüdische Studenten Resolutionen zur Verurteilung von Antisemitismus auf den Weg bringen?

Diese Resolutionen wurden u. a. von UC Berkeley und UCLA beschlossen, und die malerische UC Santa Barbara beschloss jüngst eine parallel zu einer Divestment-Resolution. Sie wurden von studentischen Aktivitäten innerhalb der jüdischen Gemeinschaft auf den Weg gebracht und wurden bei erfolgreichem Beschluss wie ein Sieg behandelt. Sie wurden mit den besten Absichten verabschiedet, und viele Freunde von mir waren am Beschluss der UC Berkeley beteiligt.

Das größte und hervorstechendste Problem bei diesen Resolutionen ist, dass sie von exakt denselben Gremien diskutiert und beschlossen werden, welche die BDS-Resolutionen beschließen. Im Falle der UCSB wurden beide gleichzeitig beschlossen. Ich hatte früher bereits geschrieben, dass es ein großer Fehler ist, diese Resolutionen vor Studentenräten zu debattieren oder zu bekämpfen zu versuchen, da dies ihre falsche und voreingenommene Position legitimiert. Die Antisemitismusresolutionen bewirken etwas weit Schlimmeres als den Eindruck eines falschen Gleichgewichts – sie verschaffen der Dämonisierung Israels und den Angriffen auf Israel einen Deckmantel.

ucsbwave_144Zweifellos atmete der Studentenrat an der UCSB erleichtert auf, als jüdische Studenten ihn um die Verabschiedung einer Resolution zur Verurteilung von Antisemitismus baten, denn dies verschaffte dem Senat den perfekten Deckmantel zur Verabschiedung einer Resolution, welche vor Antisemitismus und extremem Israelhass nur so tropfte.

Diese Resolutionen erreichen absolut nichts, außer dass sie gute PR für die leeren Worte des Studentenrats darstellen. Alle „wissen“, dass Antisemitismus schlecht ist. Das ist keine mutige Aussage gegen irgendwas. Aber der Studentenrat kann jetzt behaupten: „Die Antipathie der BDS-Leute gegenüber Israel hat absolut nichts mit Antisemitismus zu tun. Dagegen haben wir eine Resolution verabschiedet!“ Werden jüdische Studenten gefragt, ob ihr ethnisch-religiöser Hintergrund sie von der Bekleidung bestimmter Positionen ausschließt, werden Studentenräte sagen, sie hätten sich dem Antisemitismus stets entgegengestellt. Jeder kann ein öffentliches Tabu verurteilen – aber Taten sind wichtig.

Werden BDS-Resolutionen und Resolutionen gegen Antisemitismus gleichzeitig auf den Weg gebracht, bietet dies eine Entlastung für die Mitglieder des Studentenrats, die letzten Endes normale Studenten sind und die nicht Teil irgendwelcher Kontroversen sein wollen. Sie werden glauben, die Juden mit ihren leeren Worten besänftigt zu haben und die BDS-Betreiber durch ihre Unterstützung von Divestment. Jeder Studentenrat, der eine Resolution gegen Antisemitismus verabschiedet, ist weit geneigter, direkt im Anschuss eine Divestmentstrategie gegen Israel einzuführen.

Das ist nicht einfach nur hypothetisch. Erinnern wir uns an die UCSB, wo der studentische Senat exakt dieses betreibt. Zum einen stand vor kurzem auf der Facebookseite „Against UCSB Divestment from Israel“:

Ein Senator (dessen Name unerwähnt bleiben woll) sagte vor kurzem, die jüdische Gemeinschaft sei „scheinheilig“, weil sie sowohl Antisemitismus als auch Divestment verurteilt.

Genau das stand dort. Sehen wir uns nun die Tragödie an, die in einem kurzen Auszug eines Beitrags in der öffentlichen Facebookgruppe „Santa Barbara Hillel“ durch dessen Direktor Rabbi Evan Goodman zum Ausdruck kommt:

Vielen Dank an den Senat, dass er zugehört und gehandelt hat. Der Senat entschied ebenfalls, dem Ausschuss eine antiisraelische BDS-Resolution zu übersenden.

BDS1Normalerweise würde ich mich nicht so aufregen. In Wahrheit können die Studentenräte nicht viel an der Politik im Nahen Osten ändern (obwohl sie sehr wohl etwas gegen Antisemitismus tun könnten, wenn sie sich dazu durchringen könnten), und es liegt nichts Falsches darin, einer allgemein anerkannten Wahrheit zuzustimmen (z. B. dass Antisemitismus schlecht ist). Das Problem ist, dass im Hintergrund kein Kampf gegen BDS stattfindet. Die Medien berichten eifrig über diese Geschehnisse, und das Ergebnis dieser Debatten beeinflusst nicht nur ein paar Studenten, sondern die amerikanische Sicht Israels insgesamt. Die Resolutionen gegen Antisemitismus bieten einen bequemen Deckmantel, und die Tatsache, dass diese Resolutionen von der jüdischen Gemeinschaft getragen werden, macht es umso schlimmer. Bald wird „ich habe jüdische Freunde“ ersetzt durch „ich habe zugestimmt, dass Antisemitismus schlecht ist“. Vielleicht wäre meine Reaktion anders ausgefallen, wenn diese Resolutionen zu toleranzfördernden Programmen oder zu Aktionen gegen Antisemitismus auf dem Campus geführt hätten, aber Resolutionen, die den Antisemitismus einfach nur „verurteilen“, sind weniger als bedeutungslos – sie sind Munition in den Händen der Feinde der jüdischen Gemeinschaft.

Es schmerzt mich sehr, öffentlich meinen Freunden und Mitangehörigen der jüdischen Gemeinschaft entgegentreten zu müssen, aber es ist überaus wichtig, dass die jüdische Campusgemeinschaft erkennt, dass es bei der Debatte über das öffentliche Image Israels und über die giftige BDS-Kampagne keine harmlosen Handlungen gibt. Man muss nur ein bisschen auf dieser Seite (HonestReporting) herumklicken, und man sieht überall, wie fast alles, was ein Israelunterstützer sagt, aus dem Kontext gerissen, verdreht und gegen ihn selbst gerichtet wird. HonestReporting macht ausgezeichnete Arbeit, indem sie diese groben Verzerrungen ans Tageslicht bringt, aber auch wir in der jüdischen Gemeinschaft haben die Verantwortung, dass unsere Bemühungen uns am Ende dienlich sind und nicht gegen uns benutzt werden.

Ich werde mich weiter gegen die Geißel des Antisemitismus einsetzen und bin froh zu sehen, dass sich Studenten und unsere Verbündeten gegen die Dämonisierung Israels stellen. Ich hoffe nur, dass wir das nutzen können, um echte Veränderungen herbeizuführen und nicht nur zum öffentlichen Bild unserer Gegnerschaft beitragen.

Titelbild: CC BY Bruce Krasting via flickr, modifiziert durch HonestReporting

Britische Kolumnistin: „Israel jetzt bösartiger und gefährlicher als die Hamas“

6. April 2015

Simon Plosker, HonestReporting, 30. März 2015

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Yasmin Alibhai-Brown, eine Kolumnistin für den Independent, ist Urheberin einer langen Reihe giftiger Hetzschriften gegen Israel und gegen Juden, die Israel unterstützen. Regelmäßig beschreibt sie Israel als „rassistischen“ Staat und als „Apartheid“-Staat, behauptet aber, einige ihrer besten Freunde seien Juden.

Ihre jüngste Tirade schlägt in dieselbe Kerbe und enthält einige besonders verstörende Aussagen, die selbst für ihren ohnehin sehr niedrigen Standard bemerkenswert sind. Von diesen Aussagen sticht besonders die Folgende ins Auge:

Hamas ist eine bösartige und gefährliche Macht im Nahen Osten. Aber Israel ist jetzt bösartiger und gefährlicher.

Ein Blick auf die teuflische und antisemitische Charta der Hamas, von dem absichtlichen Anzielen israelischer Zivilisten wie im letzten Sommer durch die Hamas ganz zu schweigen, genügt als Beweis, dass die wahre Bösartigkeit in Alibhai-Browns abscheulicher Behauptung liegt, Israel sei bösartiger als eine brutale Terrororganisation.

Aber das ist nur eines der vielen Probleme mit Alibhai-Browns Schmierentext. Sie beginnt mit einem Lob für die Israelkritik des Time-Kolumnisten Joe Klein, obgleich dieser laut Alibhai-Brown „sein ganzes Leben lang ein loyaler Zionist“ war. Sie schreibt:

Es erfordert Mut, mit solcher Ehrlichkeit zu schreiben. Es brauchte einen scharfsinnigen und nachdenklichen Juden, um zu formulieren, was Millionen von Menschen weltweit empfinden. Und mittlerweile wird er die Schlingen und Pfeile zorniger Eiferer zu spüren bekommen haben.

Und weiter:

Es ist nicht leicht, ein prinzipienfester und aufmerksamer Diaspora-Jude zu sein. Man wird von Insidern des Verrats bezichtigt und Außenstehende misstrauen einem, und so kann man nicht gewinnen.

Einige tadeln noch immer den rassistischen israelischen Staat, aber mit Vorsicht. Viele schweigen, da Israelkritik den defensiven Zorn von Zionisten provoziert und unerschütterliche Antisemiten stärkt.

Ganz im Gegenteil – es erfordert alles andere als Mut, um Israels Politik zu kritisieren. Viele Juden in der Diaspora tun dies, und sie haben das Recht dazu. Wenn sie dies „vorsichtig“ tun, dann weil sie sich nicht an der Dämonisierung und Delegitimierung beteiligen, die so viele von den hasserfüllten Schimpftiraden charakterisieren, die heutzutage gegen Israel gerichtet werden. Und auch viele Israelis kritisieren ihre Regierung, was zu einer gesunden Demokratie gehört, die erst kürzlich eine intensiv ausgefochtene Wahl abgehalten hat. Natürlich kann Alibhai-Brown der Versuchung nicht widerstehen, das Adjektiv „rassistisch“ einzufügen und Zionismus als schmutzige Ideologie hinzustellen.

Alibhai-Brown schreibt weiter:

Viele von uns Moslems sind derselben Problematik ausgesetzt: Verurteilen wir islamistische Ideologien, werden defensive Moslems wütend, und der antimuslimische Hass wird gestärkt.

Es gibt jedoch keine moralische Entsprechung zwischen Juden, welche Israels Handlungen kritisieren, und Moslems, die islamistischen Terror kritisieren. Zionisten, die Israel verteidigen, sind nicht gleichzusetzen mit „defensiven Moslems“, welche die Ideologie oder Handlungen von Al-Qaida oder ISIS-Terroristen rechtfertigen.

Dann spricht Alibhai-Brown über die Opposition gegen eine einseitig antiisraelische Konferenz an der Southampton University. Wie Petra Marquardt-Bigman schreibt:

Die offizielle Ankündigung beschreibt die Konferenz als „bahnbrechendes historisches Ereignis auf dem Weg zu Gerechtigkeit und dauerhaftem Frieden im historischen Palästina“. Die Konferenz ist angeblich „einzigartig, weil sie die Legitimität des jüdischen Staates Israel im internationalen Recht betrifft“; doch wie Menschen, die sich mit Antisemitismus auskennen, wissen, gibt es beim Herausgreifen des weltweit einzigen jüdischen Staates zu seiner alleinigen Delegitimierung nichts „Einzigartiges“.

Laut Alibhai-Brown jedoch sind die vielen tausend Menschen, die ihre Opposition gegen diese Konferenz zum Ausdruck gebracht haben, „Agitatoren“ gegen die „gelehrten Erwägungen“ bei der Infragestellung von Israels Existenzrecht.

Und dann wird es Zeit für Holocaust-Missbrauch:

Jüdische Denker und Autoren in den USA, dem Vereinten Königreich und Israel stellen nun die Art und Weise in Frage, wie der Holocaust verwässert und benutzt wurde, um unmenschliche Politik und Handlungen zu rechtfertigen.

Die einzige Verwässerung des Holocaust wird von Menschen wie Alibhai-Brown erwirkt, die behaupten, es gebe eine moralische Entsprechung zwischen dem Dahinschlachten von sechs Millionen Juden und der israelischen Behandlung der Palästinenser. Danach vergöttert sie eine Auswahl antizionistischer britischer Juden, die eine sehr lautstarke Randgruppe von Israelhassern darstellen, die nur deswegen Glaubwürdigkeit einfordern, weil sie „als Juden“ sprechen.

Alibhai-Brown schließt:

Ich wünschte mir, mehr von uns Moslems würden jüdische Männer und Frauen anerkennen, die trotz untolerierbaren Drucks für Palästina kämpfen, für ein ethisches und gerechtes Israel und für die Gleichheit aller Menschen. Ich wünschte mir, mehr Moslems wären so unparteiisch und ehrenhaft wie diese jüdischen Widerständler.

In Alibhai-Browns hasserfüllter Weltsicht gibt es gute Juden und böse Juden. Die guten Juden stellen sich Israel entgegen, und die bösen Juden sind Zionisten.

Keine palästinensischen Wahlen? Delegitimieren wir die israelische Demokratie!

27. März 2015

Simon Plosker, HonestReporting, 19. März 2015

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Ein besonders übler Kommentar der britischen Palästinenserin Yara Hawari trifft im Independent die folgende Behauptung über die Wahlen in Israel:

Tatsächlich haben fast 4,5 Millionen Palästinenser in Gaza und Westjordanland kein Mitspracherecht darin, welche israelische Partei jeden Aspekt ihres Lebens bestimmen wird.

Aber warum sollten sie bei einer israelischen Wahl stimmen dürfen? Das wäre nur möglich, wenn es eine Einstaatenlösung gäbe, und dann würden die erwähnten 4,5 Millionen Palästinenser Israel einfach als jüdischen Staat in die Nichtexistenz wählen.

Und was ist mit Israels arabischen Bürgern, die zur Wahl gekommen sind?

Obwohl sie die Staatsbürgerschaft besitzen, ist diese nominell, und eine ganze Batterie aus israelischen Gesetzen wurde geschaffen, um sie zu diskriminieren. Ihre Situation ist diejenige eines intern kolonisierten Volkes, und die Art von Besatzung, der sie ausgesetzt sind, ist zwar subtil, aber sehr real.

Hawari verlinkt die radikale Adalah-Organisation, die eine Datenbank von „50 diskriminierenden Gesetzen“ unterhält. NGO Monitor sagt: „Entgegen Adalahs fortgesetzten Versuchen, Israel als antidemokratisch und rassistisch hinzustellen, einschließlich häufiger Veranstaltungen bei den Vereinten Nationen und anderen internationalen Plattformen, haben viele der angeführten Gesetze nichts mit israelischen Arabern zu tun und können auch nicht als ‘diskriminierend’ beschrieben werden.“

Vielleicht sollte Hawari ihre Aufmerksamkeit der wahren Problematik widmen, der die Palästinenser in Gaza und Westjordanland gegenüberstehen. Evelyn Gordon erklärt im Commentary-Magazin:

Ein erfahrener palästinensischer Journalist aus Ramallah fasste die vorherrschende Meinung prägnant zusammen. „Wir sagen all diese schlimmen Sachen über Israel, aber die Leute dort haben wenigstens das Recht zu wählen, und sie haben eine Demokratie“, sagte er dem Jerusalem-Post-Reporter Khaled Abu Toameh vor der Wahl. „Wir beneiden die Israelis. Unsere Führer wollen keine Wahlen. Sie wollen für immer im Amt bleiben.“

Ghanem Nuseibeh, ein Palästinenser aus Ostjerusalem, der heute in Großbritannien lebt, veröffentlichte am Wahltag eine Reihe erhellender Tweets, u. a.: „Über eine Million Araber nehmen heute an den demokratischsten Wahlen im Nahen Osten teil“; „Die Araber in Israel sind die einzige Gruppe von Arabern im Nahen Osten, die echte Demokratie praktiziert“; und „Israel ist sicher wegen dem, was es heute tut, und nicht weil es Bibi oder Buji wählen wird“. Er unterstützte Isaac Herzog („Buji“) und lehnte Benjamin Netanyahu ab, aber nachdem sein Kandidat verloren hatte, tweetete er trotzdem: „Israel ist die weltweit lebendigste Demokratie“… „Hätte ein arabisches Land dasselbe breite Spektrum politischer Parteien wie Israel, gäbe es dort Bürgerkriege von nie zuvor dagewesenem Ausmaß.“

Nur für den Fall, dass Hawari nicht deutlich genug herausgestrichen hat, wie sehr sie Israel hasst, deutet sie an, Israel habe kein Existenzrecht, da ein „kolonialer Staat“, wo nur Nichtjuden Eingeborene sein können, keine Legitimität besitzt:

Ein Staat, der mittels einer jahrzehntealten illegalen Besatzung Kontrolle über ein Volk ausübt, ist keine Demokratie. Ebenso ist auch ein Staat, der sich nur für Juden offen erklärt und der die Rechte der eingeborenen nichtjüdischen Völker ignoriert, keine Demokratie.

Israel gehört nicht allen seinen Bürgern und denjenigen in seiner Kontrolle. Es ist ein ethnokratischer, kolonialer Siedlerstaat, der das internationale Gesetz täglich missachtet, indem er die Palästinenser in unterschiedlichem Besatzungsausmaß unterdrückt.

Dieser Meinungskommentar wurde vor der Wahl veröffentlicht, was beweist, dass sich der Independent durch die Veröffentlichung weniger um den Wahlausgang kümmert (den er eindeutig nicht mag), sondern mehr an einer Attacke auf die einzige echte Demokratie im Nahen Osten interessiert ist, ganz egal wie sehr Yara Hawari das Gegenteil behauptet.

Das jämmerliche Geheul über eine Werbebeilage mit israelischen Speisen

20. März 2015

Alex Margolin, HonestReporting, 19. März 2015

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Für diejenigen, die Israel zu delegitimieren versuchen, lauern Verschwörungen an jeder Ecke. Völlig gleich was Israel tut, der wahre Zweck dahinter ist für diese Leute immer die Ablenkung der Menschen von Israels wahrem Ziel der Unterdrückung der Palästinenser.

Jüngstes Beispiel ist das Theater rund um eine Werbebeilage im Monatsmagazin der britischen Lebensmittel-Handelskette Waitrose.

Eine Ausgabe des Magazins enthielt jüngst eine 32seitige Hochglanzbeilage. Der Independent schreibt:

Taste of Israel, geschrieben vom Fremdenverkehrsbüro des betreffenden Staates, erschien in der Februarausgabe des monatlichen Waitrose Kitchen Magazine. Die Publikation bietet Informationen über die Geschichte der Speisen in Israel, übliche Zutaten und Gerichte, einen Beitrag über Marktbesuche sowie Rezepte für Speisen wie Shakshuka, Falafel und Hummus.

Rezepte? Übliche Zutaten? Geschichte der Speisen? Nun, das will Israel euch glauben machen! Die Palestine Solidarity Campaign kennt den wahren Hintergrund:

Die Broschüre ist ein Paradebeispiel für israelische Regierungspropaganda. Sie ist Zeugnis ihrer Bemühungen, die ausländische Öffentlichkeit von ihrer brutalen militärischen Besetzung palästinensischen Landes abzulenken, indem es das Bild eines Apartheidregimes mit dem eines touristenfreundlichen, kulturliebenden Landes ersetzt.

Angesichts des gegenwärtigen antiisraelischen Klimas im Vereinigten Königreich überrascht es kaum, dass die antiisraelische Version der Ereignisse bei einem Teil der Waitrose-Kunden einen empfindlichen Nerv getroffen hat, und sie haben geschworen, Waitrose zu boykottieren, da die Werbebeilage nicht auf die Nöte der Palästinenser eingeht.

William Sitwell, Herausgeber des Waitrose Kitchen Magazine, bestreitet, dass er eine Agenda bei der Veröffentlichung der Beilage gehabt habe: „Waitrose Kitchen ist nicht politisch – wir drucken Anzeigen von einer großen Bandbreite unterschiedlicher Geschäfte und Organisationen“, sagte er.

Aber vielleicht protestiert die Palestinian Solidarity Campaign zuviel. Vielleicht ist die Gruppe in Wirklichkeit nur eine Front, um harmlose israelische Werbeanzeigen zu attackieren, um die Menschen von der Unterdrückung des palästinensischen Volkes durch die Hamas abzulenken.

Ein Fall von Kulturvandalismus gegen Israel

4. März 2015

Alex Margolin, HonestReporting, 2. März 2015

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Eines der heimtückischsten Elemente der BDS-Strategie ist die Forderung nach kulturellem Boykott. Es schadet Israels Image, von Kulturveranstaltungen in der ganzen Welt ausgeschlossen zu werden, und es schadet israelischen Künstlern, Schriftstellern und anderen, wenn sie von Menschen, die angeblich nur nicht mit Israels Politik einverstanden sind, wie Aussätzige behandelt werden.

Aber was passiert, wenn ein BDS-Unterstützer bzw. ein Israelgegner von einer Mainstream-Zeitung eine Plattform zur Verfügung gestellt bekommt, um eine israelische Produktion zu kritisieren, so wie Martha Schabas in der Globe and Mail? Das könnte noch schlimmer sein als kultureller Boykott – es könnte eine Form des Kulturvandalismus sein.

Schabas, freischaffende Tanzkritikerin für die Zeitung, kritisierte vor kurzem ein israelisches Tanztheaterstück namens Marathon, einen einstündigen Kommentar über das Leben in Israel, in welchem die drei Hauptfiguren stets in Bewegung sind. Auf ihrem Twitter-Feed hatte sich Schabas zuvor über Israels „Kriegsverbrechen“ und die SodaStream-Fabrik in „illegalen Siedlungen im Westjordanland“ geäußert. So ist es nicht verwunderlich, dass Schabas von der israelischen Produktion nicht beeindruckt war.

Das Stück, das „die Wunden der modernen israelischen Gesellschaft“ zu enthüllen vorgibt, zeígt drei weiße jüdische Künstler, die in einem Kreis herumrennen und Platitüden über ihre jeweiligen Schwierigkeiten ausrufen. Ich könnte versucht sein zu bemängeln, dass Marathon eine unerhört einseitige Sicht der israelischen Wunden bietet, aber ich fürchte, diese Beschwerde wäre irreführend – denn selbst die privilegierte Perspektive erfährt eine seichte Behandlung.

Schabas scheint an den Wunden der Israelis völlig desinteressiert. Was sie an dem Stück stört, ist, dass es die politischen Fragen auslässt, die ihr wichtig sind.

Wenn es so klingt, als sei Marathon zu unintelligent, um beleidigend zu sein, so bin ich noch nicht bereit, es vom Haken zu lassen. Natürlich muss nicht jedes Theaterstück über die israelische Gesellschaft die zwei Millionen Araber erwähnen, die ein Viertel seiner Einwohner ausmachen (über die vier Millionen in den besetzten Gebieten spreche ich gar nicht), oder über die 60.000 afrikanischen Asylbewerber, denen die Arbeitserlaubnis und der Flüchtlingsstatus verwehrt wird und die oft auf unbestimmte Zeit festgehalten werden. Aber ein Stück, das laut dem Pressematerial „die Tiefen des israelischen Bewusstseins“ auslotet und die Themen Land, Sicherheit und den existenziellen Überlebenskampf berührt, macht mit dem, was es auslässt, ein recht vorbelastetes Statement.

Das gleiche kann man von Schabas und ihrer Kritik sagen. Natürlich wird nicht jede Kritik einer Theaterproduktion die Fragen behandeln, die vom fraglichen Stück angesprochen werden. Aber eine Kritik, die im Grunde eine politische Attacke auf Israel durch das Medium einer Kritik an einer israelischen Tanzproduktion ist, hat keinen Platz im Feuilleton einer Mainstream-Zeitung.

Die Kritik hatte so viele Leserbeschwerden zur Folge, dass der Public Editor der Zeitung, Silvia Stead, prüfte, ob Schabas überhaupt mit dieser Theaterkritik beauftragt hätte werden sollen. Nach Rücksprache mit dem Kulturredakteur der Zeitung, Jared Bland, dem es offenbar nichts ausmacht, dass jemand mit antiisraelischer Haltung eine israelische Produktion kritisiert, zieht Stead die zahme Schlussfolgerung: „Die Autorin sollte ihre Kommentare zügeln, jetzt da sie für The Globe arbeitet.“

Diese Schlussfolgerung lässt Schabas für die Nutzung ihrer Position zu einem Angriff auf Israel vom Haken. Leider ist die Theatertruppe das eigentliche Opfer, denn sie wird in den Medien verrissen, weil sie nicht auf die politische Ausrichtung der Autorin passt. Zu schade, dass sie die Aufführung nicht einfach nur boykottierte.


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