Archive for the ‘Antisemitismus’ category

CBS News verpasst Israel ein blaues Auge

8. Februar 2016

Pesach Benson, HonestReporting, 3. Februar 2016

02Feb03-CBS_news

Update: CBS News änderte die Schlagzeile ab. Sie lautet nun wie folgt:

Palästinenser greifen 2 israelische Beamte an, bevor sie getötet werden

* * *

Drei mit Messern, Schusswaffen und Rohrbomben bewaffnete Palästinenser gingen zum Damaskustor in Jerusalem, um Israelis zu ermorden.

Als sie von Polizisten aufgehalten wurden, die an ihnen verdächtiges Verhalten bemerkten, griffen die Palästinenser sie an. Die schnelle Reaktion der Polizisten hat heute eine Menge Blutvergießen verhindert.

Wenn ich durch die Schlagzeilen auf Twitter, Facebook, Google News usw. blättere, sehe ich Schlagzeilen wie diese hier:

Reuters: Israelische Polizistin stirbt bei Anschlag durch Palästinenser, drei Angreifer getötet

AFP: Bei Anschlag in Jerusalem Polizistin getötet, Angreifer erschossen

BBC: Anschlag in Jerusalem: israelische Grenzpolizistin stirbt nach Schüssen

Leider ragt eine vollkommen unprofessionelle Schlagzeile von CBS News aus den anderen Schlagzeilen hervor wie ein hässliches blaues Auge.

x

3 Palästinenser getötet, während die tägliche Gewalt weitergeht

Es ist dieselbe müde alte Story: Israelis sind Mörder. “Während die tägliche Gewalt weitergeht” ist unpersönlich und unentschuldbar.

Es ist ein blaues Auge für Israel und ein blaues Auge für die Leser, die Besseres verdienen als das.

Der HonestReporting-Geschäftsführer Joe Hyams sagte:

CBS versagte nicht nur bei der Erfüllung ihrer Journalistenpflichten, sondern haben sich anderen kläglich gescheiterten Schlagzeilenmachern angeschlossen, die Terroristen zu Opfern machten. Die Medien müssen für den nicht wiedergutzumachenden Schaden, den sie anrichten, zur Rechenschaft gezogen werden. Terror ist Terror, und die Gewalt in Jerusalem, Paris und San Bernardino mit anderen Maßstäben zu messen ist nicht hinnehmbar. Es ist Zeit, sich gegen den institutionellen Antiisraelismus aufzulehnen, der die Büros viel zu vieler Medien weltweit befallen hat.

Hierzu gibt es einen Brief an den Präsidenten von CBS News, David Rhodes — bitte unterzeichnet ihn mit Namen und E-Mail-Adresse; je mehr mitmachen, desto wirksamer ist er.

New-York-Times-Korrespondentin (erneut) von Redaktion korrigiert

1. Februar 2016

Yarden Frankl, HonestReporting, 26. Januar 2016

bart-simpson-chalkboard-770x400

Diaa Hadid, Korrespondentin der New York Times, begann ihren Artikel über die Zwangsräumung von Palästinenserwohnungen in Jerusalems Altstadt mit einigen bewegenden Zeilen:

Nazira Maswadis neuer Vermieter versucht sie mit der Behauptung loszuwerden, ihr Noch-Ehemann Tawfiq, der ursprüngliche Mieter, sei verstorben. “Er ist nicht tot”, insistiert sie. “Er hat 10 Kinder mit mir. Wäre er tot, müssten sie ihn begraben.”

So beunruhigend die Behauptung auch ist, sie wird durch die Fakten nicht gestützt. Ausgelöst durch eine Untersuchung durch die Organisation CAMERA erklärt eine Redaktionsnotiz der Times vom 26. Januar, dass Gerichtsdokumente zeigen, dass sie wegen Nichtzahlung der Miete vor die Tür gesetzt wurde. Nicht ganz so emotional oder Sympathie erzeugend.

Die Anerkenntnis des wahren Grundes für die Zwangsräumung würde Hadids Meinung (die in einer Nachrichtenstory nichts zu suchen hat) unterminieren. Dies wird klar, als sie Folgendes schreibt:

Die palästinensischen Familien und ihre Unterstützer behaupten, die oft mit scheinbar obskuren Verletzungen ihrer Mietverträge begründeten Zwangsräumungen seien Teil einer übergeordneten Agenda, jüdische Enklaven innerhalb des historischen muslimischen Viertels zu erzeugen.

Will sie die Leser glauben machen, eine Nichtzahlung der Miete sei eine “obskure Verletzung eines Mietvertrags”?

In Wirklichkeit war das nur eines von drei Problemen mit dem Artikel, welche die Autorin korrigieren musste. Alle aufgrund desselben grundlegenden journalistischen Versagens.

Wie die Times-Redaktion schreibt:

Die Beschreibungen beruhten auf den Aussagen der Mieterin; der Artikel hätte weitere Informationen aus Gerichtsunterlagen oder von den Vermietern enthalten sollen.

Anders gesagt, Hadid hatte sich mit den Gekündigten zusammengesetzt und ihre Aussagen aufgeschrieben, ohne sich die Mühe zu machen, nach anderen Aussagen oder Hinweisen zu forschen.

Es ist nicht das erste Mal, dass Hadid einen Artikel für die Times geschrieben hat, in welchem sie wesentliches Material, das nicht auf ihre Agenda passte, einfach ausgelassen hat. Wie wir bereits berichtet haben, beschwerten sich vier der Leute, die sie als Hauptquelle für ihren Artikel über die arabische Szene in Haifa interviewt hatte, Hadid habe ihre Aussagen aus dem Zusammenhang gerissen.

Nachdem sie von ihrer Redaktion zweimal öffentlich korrigiert wurde, können wir uns nur fragen, ob Hadids Auslassungen das Ergebnis schlampigen Journalismus sind oder ob es sich um Absicht handelt. Natürlich ist ihre Vergangenheit bei der berüchtigten antiisraelischen Seite Electronic Intifada (“New York Times Employs Veteran of Anti-Semitic Website“) äußerst beunruhigend.

Wir waren ermutigt, als Margaret Sullivan, Public Editor der Times, auf Kritik an der Israel-Berichterstattung des Blattes reagierte und sagte, die New York Times müsse das Leben der Palästinenser und ihre Ansichten stärker dokumentieren und sie nicht nur als Opfer darstellen. Aber Hadid macht die Berichterstattung der Times schlechter und nicht besser.

Die New York Times lässt das Messer fallen

25. Januar 2016

Yarden Frankl, HonestReporting, 24. Januar 2016

drop-knife-770x400

Hier die Schlagzeile, mit welcher die New York Times anfangs einen Artikel über das Ergebnis eines fehlgeschlagenen palästinensischen Terroranschlags begann:

originalnyt

Selbst die NYT erkannte irgendwann, wie komplett irreführend diese Schlagzeile war. Also fügten sie zwei Wörter ein, die einen großen Unterschied machen — obwohl sie auch “sagt Polizei” schreiben, um Zweifel zu wecken, ob das palästinensische Mädchen überhaupt ein Messer in der Hand gehalten hat. Die ursprüngliche Schlagzeile hatte keinen solchen Vorbehalt.

Screen-Shot-2016-01-24-at-11.56.28-AM

Aber reicht dies aus? Zugegeben, es ist wichtig, dass die Times (im Nachhinein!) das Gefühl hatte, die Leser sollten wissen, dass das Mädchen ein Messer in der Hand hatte. Es wirft jedoch die Frage auf, warum der für die Schlagzeile Verantwortliche nicht klarstellte, dass sie getötet wurde, als sie das Messer gegen eine israelische Wache einsetzen wollte. Es steht ja im ersten Absatz: Sie wurde getötet, “nachdem sie mit einem Messer auf ihn zurannte”.

Aber wie viele Leute sahen die ursprüngliche Schlagzeile und schlossen aus ihr, ein Israeli hätte ein unschuldiges Mädchen erschossen?

Womöglich sollten wir der Times dankbar sein, dass sie wenigstens diesen schwachen Versuch zur Verbesserung der Schlagzeile unternommen hat. Bei Sky News Australia und auch im Australian sieht die bislang unveränderte Schlagzeile so aus:

Screen-Shot-2016-01-24-at-11.43.36-AM-768x165

Weiter unten im Artikel nennt Sky folgende Einzelheiten:

Sie hielt ein Messer in der Hand, rannte auf einen Sicherheitsmann am Zugang zur Siedlung Anatot zu, und er eröffnete das Feuer.

Aber kein Mensch, der einfach nur die Schlagzeile liest, hätte auch nur den Schimmer einer Ahnung, was sich wirklich zugetragen hat.

Leider sind das einfach nur zwei weitere Beispiele der Bemühungen vieler Medien, die wahre Natur palästinensischen Terrorismus, dem Israel ausgesetzt ist, herunterzuspielen.

“Mein Kampf” zum Angriff auf Israel benutzt

13. Januar 2016

Simon Plosker, HonestReporting, 12. Januar 2016

mein_kampf_attack_Israel

Paul Mason vom britischen Channel 4 hat im Guardian einen Meinungsbeitrag mit dem Titel “Während Mein Kampf nach Deutschland zurückkehrt, spült neuer Hass über die Welt” veröffentlicht. Während Hitlers “Mein Kampf” nach dem Wegfall des Copyrights in Deutschland neu veröffentlicht wird (obgleich der Text mit kritischen Ausführungen versehen ist), erscheint es für Mason überaus vernünftig, einen Blick zurück in die Geschichte zu werfen und zu beurteilen, wie Hitler in sehr kurzer Zeit nach dem Verfassen seiner rassistischen Hetzschrift von einer extremistischen Randerscheinung zum Nazi-Führer aufstieg, der einen Weltkrieg entfesselte und einen Völkermord betrieb.

Ebenso ist es völlig legitim, dies auch mit aktuellen Geschehnissen zu verknüpfen. Mason schreibt:

Seit 1945 wurden jeder Generation der aufgeklärten Welt “die Lektionen” des Sich-Erhebens des Nazitums gelehrt. Wenn man sich jedoch die Welt ansieht, wie sie sich Anfang 2016 präsentiert, stellt man fest, dass wir scheinbar die falschen Lektionen gelernt haben. Die Welt ist voller Hass. Und da zirka ein Viertel ihrer Bewohner mobile Konten in den sozialen Medien haben, hinterlassen wir eine äußerst detaillierte Hinweisspur über deren Ausmaß und Verbreitung.

Aber dann kommt die böse Überraschung:

Israelische soziale Medien beispielsweise quellen seit dem Gazakonflikt von 2014 mit Rassenhass gegenüber Arabern über. Dies wiederum hat Attacken auf israelisch-jüdische Menschenrechtsorganisationen befeuert; die Regierung zwingt diese, ihre “ausländischen Geldgeber” offenzulegen. Und vor kurzem gingen unter den wachsenden Hassreden die Jerusalembüros der bekannten Menschenrechtsgruppe B’Tselem in Flammen auf — das Resultat von Brandstiftung, wie die Gruppe mitteilt.

Ist es Zufall, dass Mason Israel als erstes Beispiel für den laut ihm “wachsenden Hass und Rassismus” herausgepickt hat? Es ist eine gewöhnliche rhetorische Waffe der Israelhasser, das jüdische Volk herauszupicken und ihm vorzuwerfen, es habe die Lektionen aus dem Holocaust nicht gelernt, weil es Palästinenser in derselben Weise oder sogar schlimmer behandle als die Nazis die Juden behandelt haben.

Ob bewusst oder unbewusst, jedenfalls vertritt Mason exakt jene Ansicht, jüdische Israelis hätten nichts aus den Lektionen des Sich-Erhebens des Nazitums gelernt.

Trotz der Situation, dass die Palästinenser ständig zu Hass auf Juden und zu Terrorismus angestachelt werden, und zwar sowohl in den sozialen Medien als auch durch ihre eigene Führungsriege bei der Palästinenserbehörde und der Hamas, sind es in Masons Augen die Israelis, die Hass und Rassismus repräsentieren. Und ist ein Gesetz über die Offenlegung der ausländischen Geldgeber nichtstaatlicher Organisationen wirklich mit den Auswüchsen des Naziregimes vergleichbar?

Was das Feuer bei B’Tselem betrifft: Hätte Mason da nicht voreilig etwas dahingeschrieben, wäre ihm bekannt, dass das Feuer offenbar durch einen elektrischen Defekt im Gebäude verursacht wurde und nicht durch einen politisch motivierten Brandstifter. [Der Meinungsbeitrag wurde seither verändert, und der Satz mit B’Tselem wurde entfernt.]

Danach führt Mason echte Menschenrechtsverletzungen in der Türkei und in Saudi-Arabien an, z. B. Massenexekutionen und Regierungsschläge gegen moderate Oppositionsparteien. Das sind zwei Länder, mit denen das demokratische Israel nicht in die gleiche Schublade werden sollte.

Mason hat recht, wenn er den sich in sozialen Medien verbreitenden Hass anprangert und auch die Konsequenzen von Hassreden anspricht, wie man sie in “Mein Kampf” verkörpert sieht. Aber indem Mason fälschlicherweise Israel als bestes Beispiel hierfür herauspickt, zeigt, wo der wirkliche Hass verborgen liegt.

Die Wahrheit reicht nicht aus

3. Januar 2016

Elijah Granet, HonestReporting, 3. Januar 2016

truth-scrabble-770x400

Der folgende Gastbeitrag wurde von Elijah Granet verfasst, HonestReportings Gewinner des Blankfeld Award 2014/15. Momentan studiert Elijah Politikwissenschaften an der Columbia University und den Talmud am Jewish Theological Seminary in New York City.

Die Wahrheit über Israel ist selbstverständlich von enormer Wichtigkeit. Das meine ich nicht philosophisch, sondern in dem Sinne, dass die hartnäckigen Lügen über Israel dem Land schaden können, wohingegen die Wahrheit überzeugende Argumente für das Land Israel liefert. Diskussionen über Israel sollten ehrlich, gerecht und akkurat sein, und das gilt insbesondere für die Medien, da sie enormen Einfluss besitzen.

Um die BDS-Bewegung und andere eingefleischte antiisraelische Gruppen zu überwinden, reicht die Wahrheit jedoch nicht aus.

Die BDS-Bewegung wärmt viele abgedroschene Lügen über Israel immer wieder auf, verfolgt damit aber ein bestimmtes Ziel: Sie möchte die öffentliche Meinung nicht nur gegen Israel wenden, sondern erreichen, dass die Leute sogar Angst bekommen, Israel in einer Diskussion überhaupt zu erwähnen.

Die große Mehrheit der Weltbevölkerung kümmert sich nicht sonderlich um Israel und weiß recht wenig über das Land. Tatsächlich verfolgen nur wenige die Feinheiten der politischen Situation ihres eigenen Landes, vom Nahen Osten ganz zu schweigen. Ich würde sogar soweit gehen zu sagen, dass die große Mehrheit Israel nicht einmal auf der Landkarte finden würde.

Genau aus diesem Grund reicht die Wahrheit nicht aus. In einer Zeit, in welcher alles, was mit Israel zu tun hat, “kontrovers” ist, und alles, was auch nur am Rande mit Israel zu tun hat, Protesten und Boykotten unterworfen ist, ignorieren die meisten vernünftigen, uninformierten Leute israelbezogene Themen einfach. Denn wenn man weder mit Israel vertraut ist noch sich sonderlich darum kümmert, ist es am besten, das Thema gänzlich zu meiden und die Unmengen an Gehässigkeit zu vermeiden, die mit diesem “irrelevanten” Thema verknüpft sind.

Und das hat sehr reale Konsequenzen, wenn die BDS ihre üblichen Tricks versucht. Wird gegen einen Laden protestiert, wird er boykottiert und belästigt, weil er israelische Produkte verkauft, ist die Wahrheit dessen Inhabern nicht wichtig. Was wirklich zählt, ist, dass der Laden unbehelligt weiterbesteht, und am besten und schnellsten geschieht das, indem man dem BDS-Druck nachgibt. BDS ist durchweg lauter und aggressiver als die Freunde Israels, und daher gewinnt BDS.

Ich will nicht sagen, dass die Freunde Israels so laut und zerstörerisch wie die BDS-Horde werden sollten. Uninteressierten gilt die Wahrheit über Israel nichts. Was zählt, ist, was mit ihnen geschieht, wenn sie es mit Israel bzw. Israelthemen zu tun haben. Interessierte, die sich die Fakten über Israel genau angeschaut haben, werden jedoch für ihre Sichtweise aufstehen, egal wieviel Krach die BDS-Bewegung macht. Leider leben wir jedoch in einer Welt gleichgültiger Menschen, und daher gewinnt meist der Krach und nicht die Wahrheit.

Wie kriegt man dann die Menschen dazu, die Wahrheit wahrzunehmen? Indem man sie an Israel und seinen Themen interessiert macht.

Zuallererst — und am wichtigsten überhaupt — müssen wir Uninteressierte in Interessierte verwandeln. Öffentliche Aufklärung über alle Aspekte Israels einschließlich allem, was überhaupt nicht mit dem Nahostkonflikt zusammenhängt, ist einer der besten Wege, um emotionale und intellektuelle Verbindungen zu Israel zu fördern. Und was noch besser ist: BDS-Proteste gegen solche Versuche, Informationen über Israel zu vermitteln, sind vollkommen ineffektiv. Zum einen zeigen diese Proteste, wie launenhaft die BDS-Bewegung ist. Beispielsweise verteilten Pro-Boykott-Gruppen an der Columbia University, wo ich studiere, den Campus mit Flyern, in welchen sie gegen einen Versuch protestierten, Israels humanitäre Bemühungen im Ausland bekannt zu machen. Selbst ein Uninteressierter und Uninformierter kann sehen, wie komplett lächerlich solche “Proteste” sind. Zum anderen ist die Reaktion von Leuten, die von der öffentlichen Debatte bzw. “Kontroverse” über Israel angeregt werden, nach dem Stichwort “Israel” zu googeln. Auch hier wird die Wahrheit wieder wichtig, und HonestReportings Bemühungen haben hier große Auswirkungen. Unser hypothetischer Googler wird zweifellos über viele verschiedene Artikel über Israel stolpern, und es ist sehr wichtig, dass er dann Fakten findet und keine Voreingenommenheit.

Natürlich wird es Leute geben, die man durch solche Informationsbemühungen nicht erreicht, aber auch sie können umgestimmt werden. Da wir Israel für diese Leute nicht in den Vordergrund bringen können, müssen wir es eben in den Hintergrund bringen und so normal machen, dass Boykotte oder Dämonisierungen Israels befremdend wirken und nicht die Normalität darstellen. Drücken wir es anders aus: Kein Ladenbesitzer würde Menschen nachgeben, die einen Boykott portugiesischer Produkte fordern, egal wieviel Krach sie auch machen. Uninteressierte müssen Israel als ein normales, hochentwickeltes, westliches Land sehen, bevor BDS seine aggressiven Dämonisierungen veranstaltet. BDS will Israel “besonders” machen; wir müssen uns bemühen, Israel normal zu halten. Das ist eine subtile und schwierige Bemühung, die von einer Sicherstellung der breiten Verfügbarkeit von Produkten made in Israel bis hin zu subtilen Dingen gehen kann wie z. B. dass eine israelische Flagge in jeder Anreihung von Flaggen oder Hebräisch in jeder Aufzählung von Sprachen vorkommt. So albern und seltsam sich das vielleicht anhört, aber diese Art Hintergrundbotschaft ist vielleicht der einzige Weg, Uninteressierte nicht von den lauten Lügen umstimmen zu lassen.

Keiner dieser Versuche lenkt von der Tatsache ab, dass die Wahrheit über Israel, wie bereits erwähnt, von immenser Wichtigkeit ist. Ehrlichkeit, Akkuratesse und Gerechtigkeit in Diskussionen über Israel sind wichtig für den Schutz des Landes vor den bösartigen und hartnäckigen Versuchen, sein Image in der Öffentlichkeit zu zerstören, und ohne die Wahrheit kann keine Bemühung Israel vor seinen Feinden schützen. Gleichermaßen reicht die Wahrheit in einer Welt, die sich zum größten Teil nicht um ein winziges Land mit geringer Bevölkerung schert, nicht aus. Nur wenn die Freunde Israels die Wahrheit mit Aufklärung und Normalisierung koppeln, können sie die Welle der Dämonisierung und der Verleumdungen gegen den jüdischen Stadt stoppen.

Dishonest Reporter of the Year 2015: Warum die BBC gewonnen hat

29. Dezember 2015

Simon Plosker, HonestReporting, 28. Dezember 2015

DRA2015-BBCwon-770x400

Als wir unsere Archive für 2015 durchsahen, war klar, welches Medium den diesjährigen Dishonest Reporter Award verdient. Die Ehre gebührt dem ewigen Kandidaten BBC News.

Egal zu welchem Zeitpunkt man die BBC anschaltet, die hinterhältige Natur ihrer antiisraelischen Voreingenommenheit zieht sich wie ein roter Faden durch ihr Programm. Dieses Jahr jedoch lief das Fass über, da die BBC einige ernsthaft schockierende Momente in ihrer Berichterstattung hatte, die zu einem gewaltigen Maß an Zorn und Ärger führten.

Hier sind neun “Highlights”, welche die Stellung der BBC als schlimmster Nachrichtendienst 2015 zementierten.

Hier klicken für die Liste der Nächstplatzierten.

1. Tim Willcox’ “jüdische Hand”

Das besonders üble Jahr der BBC begann im Januar mit der haarsträubenden Berichterstattung über die Pariser Terroranschläge auf Charlie Hebdo und einen koscheren Supermarkt. Reporter Tim Willcox interviewte bei der Solidaritäts-Massenversammlung vom 11. Januar in Paris eine jüdische Frau. Willcox unterbrach sie mit den Worten:

Viele Kritiker von Israels Politik würden sagen, dass auch die Palästinenser sehr unter der jüdischen Hand leiden.

Damit machte er im Grunde das gesamte französische Judentum (und alle Juden) für die Handlungen Israels verantwortlich und bot gleichzeitig eine Rechtfertigung für die Terroranschläge.

Später entschuldigte sich Willcox auf Twitter für eine “schlecht formulierte Frage”. Die BBC hielt das für hinreichend reuevoll und verzichtete daher auf weitere Maßnahmen gegen Willcox und auch auf eine offizielle Anerkenntnis der beleidigenden Natur dieses Interviews.

Hiernach gab es ein langgezogenes und letztlich fruchtloses Beispiel für die Absurdität der Beschwerdeprozedur bei der BBC. Deren Editorial Complaints Unit schmetterte die zahlreichen Beschwerden ab und formulierte nicht nur einmal, sondern gleich doppelt eine Verharmlosung und Reinwaschung des Vorfalls. Nachdem sie den Prozess bereits über Monate gezogen hatten, wurde ein weiteres Gesuch seitens HonestReporting vom redaktionellen Chefberater des BBC Trust zurückgewiesen.

Schlussfolgerung? Die Beschwerdeprozedur der BBC ist eindeutig nicht zweckdienlich.

2. Anschlag auf Charlie Hebdo kein “Terrorismus”

Willcox war nicht das einzige Beispiel der unterirdischen Berichterstattung der BBC über die Pariser Terroranschläge. Es waren unprovozierte Anschläge auf rein zivile Ziele — das Büro eines Magazins und ein koscherer Supermarkt — mit der Absicht, Menschen umzubringen und eine Stadt einzuschüchtern. Jeder vernünftige Mensch würde das Terrorismus nennen.

Nicht aber die BBC. Nehmen wir zum Beispiel den Chef von BBC Arabic, Tarik Kafala. Er sagte dem Independent, Terror sei ein zu stark “geladener” Begriff für das Geschehene.

“Wir versuchen es zu vermeiden, eine Person als Terrorist oder eine Tat als terroristisch zu bezeichnen”, so der britisch-libysche Kafala, der ein Team aus zirka 200 Personen in den Büros von BBC Arabic im vierten Stock des New Broadcasting House anführt. “Terrorismus ist ein stark geladenes Wort. Die Vereinten Nationen haben sie über ein Jahrzehnt lang schwergetan, das Wort zu definieren, und sie können es nicht. Es ist sehr schwierig.”

In Wirklichkeit wissen wir durchaus, was Terror ist — die BBC will das Wort einfach nur nicht sagen.

3. “Keine Beweise” für menschliche Schutzschilde

video-BBC-biased-clueless-770x400Die Unfähigkeit der BBC, sich selbst zu überwachen, wurde zu einem Dauerbrenner. Nehmen wir zum Beispiel die vielen Beschwerden über Orla Guerin, die 2014 aus Gaza berichtet hatte, es gebe “keine Beweise” dafür, dass die Hamas menschliche Schutzschilde benutze. Obwohl es sich um Beschwerden über Berichterstattung aus dem Jahr 2014 handelte, antwortete der BBC Trust nicht vor Mai 2015. Diesmal pflichtete der Trust der Beschwerde bei, dass Guerins Aussage unzutreffend war:

Sich auf die “Beweise” einer Seite zu beziehen, bedeutet nicht notwendigerweise, dass ihre Version der Ereignisse untermauert werden. Daher würde ich der Einschätzung zustimmen, dass man es hätte besser formulieren können.

Aber weiter ging der BBC Trust nicht; man behauptete, die Zuschauer hätten aus Guerins Bezügen auf Raketen, die in unmittelbarer Nähe zu Wohnvierteln abgefeuert wurden, selbst den Schluss ziehen sollen, dass die Hamas nichts Gutes im Schilde führte.

4. “Würden Sie Ihre Eltern als Terroristen beschreiben?”

Zwar konnte sich die BBC nicht dazu durchringen, die islamistischen Mörder in Frankreich oder die palästinensischen Messerstecher in Israel als Terroristen zu beschreiben, aber dieser Standard wird selbstverständlich sofort ungültig, sobald es um Juden geht.

Bei einem Interview für BBC Newsnight stellte Evan Davis der israelischen Politikerin Tzipi Livni eine Reihe von Suggestivfragen einschließlich der folgenden, die in Bezug auf Livnis Eltern gestellt wurde, die sich im Kampf gegen das britische Militär im Palästina-Mandat der 1940er der Irgun angeschlossen hatten:

Sie waren von den Briten festgenommen worden, sie waren Teil der Irgun, einer Bewegung. Würden Sie Ihre Eltern als Terroristen bezeichnen?

Evan Davis’ Frage war ein plumper Versuch, dass Livni das Wort “Terrorist” in den Mund nimmt. Sie stellt ernsthaft seine Unparteilichkeit in Frage und lässt uns fragen, warum bei der BBC nur Juden und Israelis als Terroristen bezeichnet werden können?

Was den Rest des Interviews betrifft, so versuchte Davis beständig, Livni mit Fragen in die Ecke zu drängen, die auf der Annahme beruhten, Israel sei ein Apartheidstaat. Er fragte sie sogar, ob sie Sanktionen gegen Südafrika zur Apartheidzeit zustimmte — ein Versuch, eine moralische Entsprechung zwischen dem südafrikanischen Apartheitregime und Israel herzustellen und Livni als potentielle Scheinheilige darzustellen.

Einfach nur ein weiteres Beispiel für die feindselige Haltung der BBC, wenn sie es mit einem israelischen Politiker zu tun hat — völlig gleich, wo dieser im politischen Spektrum steht.

5. Schockierender Holocaust-Tweet

Nur Wochen nach dem Willcox-Vorfall kam von Seiten der BBC etwas vielleicht noch Krasseres, Unsensibles und schlichtweg Beleidigendes. Anlässlich des internationalen Holocaustgedenktags und dem 70. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz tweetete “The Big Question”, eine BBC-Debattiershow über moralische, ethische und religiöse Fragen Folgendes:

TBQ

Was oder wen genau will die BBC zur Ruhe betten? Holocaustüberlebende? Die Erinnerung an sechs Millionen jüdische Opfer des Nazi-Völkermords?

Wieder einmal hat die BBC ein Thema von immenser Wichtigkeit für das jüdische Volk mit Füßen getreten.

6. Immer weiter draufprügeln

Wer immer noch nicht glaubt, dass die BBC an einer ungesunden Israelbesessenheit leidet, kann sich das Foto ansehen, das sie als Begleitbild ihrer Berichterstattung über ein Fußballspiel zwischen Israel und Wales bei der Qualifikation für die Europameisterschaften 2016 genommen hat.

Die Politik hinter dem Spiel wäre für einen BBC-Nachrichtenbericht passend gewesen, aber was erwartete die Besucher der BBC-Sportseite vor und während des Spiels? Dieses Bild:

BBC-Sport

7. Die alternative Realität der BBC

Bei der Verkündung des Atomdeals mit dem Iran interviewte das Radio BBC World Service Israels damaligen Wissenschafts-, Technologie- und Weltraumminister Danny Danon.

Danon sagte, Israel halte sich “alle Möglichkeiten offen”. Als die Moderatorin Razia Iqbal Danon um eine Erläuterung bat, war ihre Reaktion schockierend und verstörend zugleich:

Aber Sie werden vom Iran gar nicht bedroht. Für sehr lange Zeit hat niemand im Iran Sie bedroht. Sie greifen auf eine Zeit zurück, in der Präsident Mahmoud Ahmadinedschad Israel direkt bedroht hat.

Hier der Radiobeitrag: https://soundcloud.com/honestreporting/bbc-world-service-radio-newshour-july-14-2015

In welcher Realität lebt die BBC-Moderatorin eigentlich? Nur ein paar Tage vor dem Interview beging der Iran den “Al-Quds-Tag”, wo zahlreiche Drohungen gegen Israel ausgesprochen wurden. Und wiederum einige Tage davor hatte ein bekannter iranischer Führer Israel die Zerstörung angedroht:

“Die Präsenz des israelischen Regimes ist zeitweilig”, sagte der iranische Ayatollah Akbar Haschemi Rafsandschani der mit der Hisbollah verknüpften Nachrichtenseite Al Ahd. “Schlussendlich wird dieses fremdartige geformte Gebilde, das dem Körper einer uralten Nation und einer historischen Region aufgezwungen wurde, eines Tages von der Weltkarte gewischt werden.”

Am Ende des Jahres akzeptierte die Editorial Complaints Unit der BBC eine Beschwerde.

Obgleich die Frage nur dazu dienen sollte, dem Interviewpartner seine Sichtweise über die Natur der Bedrohungen zu entlocken, denen Israel gegenübersteht, erweckte die Formulierung den Eindruck, es wäre eine unbestrittene Tatsache gesagt worden. Die vom Beschwerdeführer angeführten Aussagen aus iranischen Quellen genügten, um dies in Frage zu stellen.

8. Entgleisung von BBC Panorama

BBC Panorama, die wichtigste Sendung der BBC zu aktuellen Themen, brachte im Juli einen Beitrag namens “Die Bahn, die Jerusalem spaltet”. Was für eine Entgleisung dieser Beitrag doch war.

Der selbsternannte jüdische Filmemacher Adam Wishart konzentrierte sich auf Jerusalems Straßenbahn, um Jerusalems Palästinenser als Opfer eines bösartigen Plans darzustellen, die Stadt auf ihre Kosten zu “verjuden”. Und das alles würde von der Entwicklung von Jerusalems Transportnetzwerk vorangetrieben.

Hier das Video: https://vimeo.com/136422517

HonestReporting nahm eine gründliche Widerlegung des halbstündigen Beitrags vor, der selbst nach BBC-Standards als derart voreingenommen angesehen wurde, dass er in jüdischen Zeitungen des Vereinigten Königreichs sowie auch in der Jerusalem Post Schlagzeilen machte. Die JP schrieb:

Die BBC hatte keine Antwort auf die Frage der Post, welche Mechanismen zum Einsatz kamen, um sicherzustellen, dass der Beitrag ausgewogen war, und ob man einen Folgebeitrag in Betracht zog, der die andere Seite des Streits um Jerusalem zeigt. Die Sprecherin sagte nur, der Beitrag habe “die Spannungen in Jerusalem durch die Augen eines britisch-jüdischen Filmemachers erforscht und wiedergegeben, was er in der Stadt bezeugt und von einer Anzahl von Stimmen mit unterschiedlichen Ansichten gehört hat.”

Yiftach Curiel, Sprecher der israelischen Botschaft in London, sagte der Post, dieser Beitrag sei einer der voreingenommensten in jüngster Zeit gewesen. “Er errichtet ein weitestgehend fiktives Narrativ, indem er marginale Meinungen in der israelischen Gesellschaft nahm und als Mainstream präsentierte, während er gleichzeitig palästinensischen Terrorismus und palästinensische Aufstachelung in den Hintergrund schiebt.”

9. Terroranschlag in Jerusalem: irreführende BBC-Schlagzeile

Zwei Israelis wurden zu Beginn der palästinensischen Terrorwelle im Oktober in Jerusalems Altstadt erstochen. Der palästinensische Attentäter wurde von Sicherheitskräften erschossen, nachdem er das Feuer auf sie eröffnete. Die Frau eines der Opfer und ihr zweijähriges Kind wurden leicht verletzt.

Wie berichtete die BBC anfangs über den Anschlag?

Palästinenser erschossen, nachdem Jerusalemanschlag zwei tötete

Der Fokus der Schlagzeile liegt auf dem Tod des palästinensischen Attentäters, der “erschossen” wurde, was den Terroristen effektiv zum Opfer macht.

Und was ist eine “Jerusalem-Attacke”? Städte greifen keine Menschen an. Die BBC konnte sich nicht dazu durchringen, einem Palästinenser Verantwortlichkeit zuzugestehen. Ebenso verschwieg sie, dass die tatsächlichen Opfer des Anschlags israelische Juden waren.

Die haarsträubende Schlagzeile erzeugte so viel Zorn, dass selbst Israels normalerweise passives Regierungs-Pressebüro einen scharf formulierten Brief an den Chef des BBC-Büros in Jerusalem, Richard Palmer, schickte, in dem die Schlagzeile als “unethisch” bezeichnet wird.

Die Schlagzeile wurde später mehrfach verändert, aber es ist verstörend, dass ein solcher Artikel überhaupt erst erscheinen konnte.

* * *

Die gesamte Zukunft der BBC wird dank einer Satzungsprüfung Ende 2016 seitens der britischen Regierung neu diskutiert. Es wäre übertrieben zu behaupten, die voreingenommene Israelberichterstattung der BBC spiele bei der Neuordnung bzw. Umstrukturierung des enormen Nachrichtenapparats der BBC eine wesentliche Rolle.

Dennoch ist die Behandlung Israels durch die BBC Teil eines tieferen institutionellen Problems ihrer Nachrichtenabteilung, der man weithin Voreingenommenheit nachsagt, wenn es um Themen geht, die nicht ins linke BBC-Weltbild passen.

Zumindest kann sich die BBC im Ruhm des Dishonest Reporter Awards suhlen, und zwar dank eines äußerst bemerkenswerten Jahres, selbst nach den hohen antiisraelischen Standards der BBC.

Simon Plosker, geschäftsführender Redakteur von HonestReporting, fügt hinzu:

Dieser Preis ist absolut verdient, denn die BBC hat dieses Jahr wirklich einen neuen Tiefstand in seiner Israelberichterstattung erreicht. Sie erkennt keinen Antisemitismus und nicht einmal Terrorismus. Es ist über zehn Jahre her, seit der Balen-Report die Israelberichterstattung der BBC untersuchte und hiernach von der BBC vertuscht wurde.

Die lange Reihe haarsträubender Vorfälle in diesem Jahr ist ein weiterer Beweis, dass die institutionelle Voreingenommenheit der BBC immer noch tief verankert ist. Dieses Jahr hat ebenfalls gezeigt, dass der Mangel an Verantwortlichkeit innerhalb der BBC und ihre Unfähigkeit, sich effektiv zu überwachen, dringend einer Abhilfe bedarf. Die Beschwerdeprozedur der BBC ist schlichtweg nicht zweckdienlich.

Als einer der einflussreichsten Sender der Welt hat die BBC die Verantwortung, eine Story korrekt zu berichten. Im Falle Israels hat sie grenzenlos versagt.

Hier klicken für die Liste der Nächstplatzierten.

Die “Dishonest Reporting Awards” 2015

25. Dezember 2015

Pesach Benson, HonestReporting, 23. Dezember 2015

DRA2015-770x400

Das Jahr begann mit islamischem Terror in Paris, wurde aber von den iranischen Atomverhandlungen und den strapazierten US-israelischen Beziehungen dominiert. Eine Welle palästinensischer Messer- und Autoramm-Angriffe begann mit dem jüdischen Neujahr. Als sich 2015 seinem Ende zuneigt, hat der islamische Terror wieder im Westen zugeschlagen, und Paris erlitt neuerliche Gewalt.

Die “Dishonest Reporting Awards” 2015

1. Der beste Grund, palästinensische Quellen mit Vorsicht zu behandeln: die Hochwasser-in-Gaza-Verleumdung

2. Voreingenommenster Journalist: Kitty Holland

3. Schlimmster Missbrauch anonymer Quellen: Haaretz

4. Verleumdung des Jahres: Fareed Zakaria

5. Übelste Verkettung: New York Times

6. Große Momente der Selbstbeweihräucherung: Brian Williams

7. Dümmste Twitter-Tirade: Jim Clancy

8. Verstörendste falsche Landkarte: MSNBC

Und wer ist insgesamt der unehrlichste Reporter 2015? Das verkünden wir nächste Woche, behaltet also diesen Blog im Auge! Und jetzt ohne große Umschweife… hier sind die Nächstplatzierten!

DRA-silhouette-25x2531. Der beste Grund, palästinensische Quellen mit Vorsicht zu behandeln: die Hochwasser-in-Gaza-Verleumdung

Nach schweren Unwettern im Februar beschuldigten Palästinenser Israel, Gaza überflutet zu haben, indem sie Dämme im Süden geöffnet hätten. Die Anschuldigungen erschienen in einer Reihe von Medien wie AFP, Al-Jazeera, Russia Today, Xinhua und den palästinensischen Maan News.

Quellen für diese Beschuldigung waren u. a. der Chef der Zivilschutzbehörde im Hamas-geführten Gazastreifen, Brigadegeneral Said Al-Saudi, während Russia Today schrieb: “Fast jedes Jahr öffnet Israel ohne vorherige Ankündigung die Fluttore ihrer Dämme in Richtung Gaza und setzt große Mengen überschüssigen Wassers frei, das sich bei schweren Regen- oder Schneefällen in der Region Naqab angesammelt hat.”

Bei dieser Story gab es jedoch ein großes Problem — es existieren keine Dämme in Südisrael. Das Hochwasser in Gaza lag einfach am schweren Regen und an den miserablen Abwasserkanälen. Als dies klar wurde, entfernte AFP sein Video über die Story, und Al-Jazeera nahm seinen Artikel zurück und veröffentlichte sogar eine Entschuldigung.

Die Daily Mail aber ignorierte das alles und veröffentlichte die Story sogar ein zweites Mal.

1-DailyMailBig

Nach einem langen E-Mail-Austausch mit HonestReporting machte Mail Online einen erbärmlich anmutenden Versuch, den Artikel zu berichtigen. Man änderte die Schlagzeile, entfernte Zitate von Palästinensern und belastende Fotounterschriften, bevor man schlussendlich zugab, dass die Story erschwindelt war.

Eine frühere Version dieses Artikels besagte, Israel habe im Süden des Landes Flussdämme geöffnet und eine Überschwemmung des Gaza-Streifens verursacht. In Wirklichkeit gibt es keine Dämme in Südisrael, und die Überflutung wurde von Regen und Ableitungsproblemen verursacht. Wir freuen uns, das klarstellen zu können.

DRA-silhouette-25x2532. Voreingenommenster Journalist: Kitty Holland

Einige Journalisten bedanken sich und korrigieren ihre Story, wenn man sie auf einen Fehler hinweist. Andere lehnen freundlich ab und liefern Gegenargumente.

Aber als HonestReportings leitender Redakteur Simon Plosker eine Twitter-Konversation mit der Irish-Times-Journalistin Kitty Holland begann, wurde es übel.

Statt auf ein ernstes Problem bei ihrem fragwürdigen Bericht über die Anschuldigung von Amnesty International einzugehen, Israel habe “Kriegsverbrechen” begangen, tweetete Holland:

KittyHolland

Hollands haarsträubender Tweet spricht Bände über ihre Haltung nicht nur gegenüber Israel, sondern auch gegenüber der Mehrheit der Juden, die sich als Zionisten betrachten. Aber wie konnte die Irish Times das akzeptabel finden? Die Antwort kam einige Monate später als Antwortmail an HonestReporting. Diese E-Mail wurde vom Chefredakteur der Zeitung geschrieben, Kevin O’Sullivan, und betraf andere einseitig gegen Israel gerichtete Artikel:

Die Irish Times war immer einer unvoreingenommenen Berichterstattung gegenüber verpflichtet und wird dies auch weiterhin bleiben. Wo angebracht, werden faktische Fehler korrigiert. Normalerweise treten wir diesbezüglich gerne in einen Dialog mit unseren Lesern, aber ich ziehe die Grenze bei einer Organisation, deren Website rassistisches, islamophobes und sexistisches Material bietet…

Schon wieder schlägt jemand bei der Irish Times berechtigte Kritik als unrechtmäßiges Produkt von “Zionisten” in den Wind — oder wie im letzten Fall aufgrund einer Organisation, welche der Chefredakteur einfach nicht mag.

DRA-silhouette-25x2533. Schlimmster Missbrauch anonymer Quellen: Haaretz

Erasmus von Rotterdam

Erasmus von Rotterdam

Ein berühmter Kommentar des niederländischen Philosophen der Renaissance, Erasmus von Rotterdam, der von vielen Blues-Musikern übernommen wurde, passt auch auf anonyme Quellen: Man kann nicht mit ihnen leben, man kann nicht ohne sie leben.

Journalisten brauchen anonyme Quellen, da deren Informationen den Reportern ein besseres Verständnis des Geschehens vermitteln. Aber wenn die Leser nicht wissen, wer der unidentifizierte Sprecher ist, müssen sie den Vertrauensvorschuss leisten, dass die Quelle glaubwürdig ist und keine eigenen ideologischen bzw. politischen Hintergedanken verfolgt.

Da der öffentliche Diskurs nicht mit bzw. ohne anonyme Quellen leben kann, hat der Journalismus ethische Richtlinien formuliert. Zwei Richtlinien wurden von Haaretz grob verletzt, als das Blatt eine Story auf der Aussage zweier “hoher Regierungsbeamter in Washington” gründete, die Schmutz auf die israelischen Einwände gegen die Nuklear-Vereinbarung mit dem Iran warfen.

1. Berichte müssen wenigstens eine namentlich genannte Quelle beinhalten. Keine Story sollte je ausschließlich auf anonymen Quellen fußen.
2. Bei den Meinungen und Ansichten eines unidentifizierten Individuums muss man Vorsicht walten lassen. Es ist unethisch, jemand im Schutz der Anonymität jemand anderen attackieren zu lassen.

Die unangemessene Nutzung anonymer Quellen wie im vorliegenden Fall kann das öffentliche Misstrauen gegenüber der Nachrichtenindustrie nur weiter anheizen. Was würden Erasmus und die Blues-Musiker dazu sagen?

DRA-silhouette-25x2534. Verleumdung des Jahres: Fareed Zakaria

So spaltend es für das amerikanische Judentum war, gab es viele gute Gründe pro und contra dem iranischen Atomabkommen. Zwar sind persönliche Angriffe unglückseligerweise ein Bestandteil des öffentlichen Diskurs, aber es ist umso bedauerlicher, wenn Persönlichkeiten aus den Nachrichten an der Schlammschlacht teilnehmen.

Ein besonders hervorstechendes Beispiel war, als CNN-Analyst Fareed Zakaria Kritiker des Atomdeals ungerechtfertigt eines Loyalitätskonflikts beschuldigte. Hier (bitte klicken) ein Video, in dem man miterleben kann, was Zakaria der Moderatorin Brooke Baldwin sagte.

Ein Stabsredakteur des Tablet antwortete wie folgt:

Was wir immer weniger gut vertragen — und wozu wir uns im Augenblick verpflichtet fühlen, etwas zu sagen –, ist die Verwendung von Judenhetze und anderen eklatanten und rückschrittlichen Formen rassischer und ethnischer Vorurteile als Werkzeug, um einem politischen Deal Vorschub zu leisten oder die Opposition schlecht zu machen. Senator Schumer Loyalität zu einer ausländischen Regierung zu unterstellen ist schlichtweg Bigotterie. Senatoren und Kongressabgeordnete, deren Kritik am Iran-Deal von der Mehrheit der US-Wählerschaft geteilt wird, zu beschuldigen, im Interesse einer ausländischen Macht zu handeln oder ihre Stimmen zwielichtigen Lobbyisten zu verkaufen oder gegen die Interessen der Vereinigten Staaten zu handeln, ist die Art nackte Bigotterie und Vorurteile, die für die Politik der Südstaaten vor der Zeit der Bürgerrechtsbewegung so prägnant waren.

Dieser Gebrauch antijüdischer Hetze als politisches Instrument ist eine verstörende neue Entwicklung im politischen Diskurs der USA, und wir haben in letzter Zeit wirklich zuviel davon gehört — und einiges davon kam unheilverheißenderweise sogar aus dem Weißen Haus und von dessen Repräsentanten. Beschönigen wir es nicht: Das Gemurmel über “Geld” und “Lobbying” und “ausländische Interessen”, die Amerika in einen Krieg ziehen wollen, ist ein direkter Versuch, die Loyalitätskonflikts-Karte auszuspielen. Das ist die Art dunkler, bösartiger Aussagen, die man vielleicht von White-Power-Kundgebungen erwarten würde, aber nicht vom Präsidenten der Vereinigten Staaten — und es wird mittlerweile derart unverhohlen betrieben, dass selbst viele von uns, die der Regierung und selbst diesem Abkommen wohlwollend gegenüberstehen, dadurch erschüttert wurden.

DRA-silhouette-25x2535. Übelste Verkettung: New York Times

Als die Palästinenserbehörde Israel beschuldigte, den Status quo auf Jerusalems Tempelberg zu verändern, trumpfte die New York Times mit einem Artikel auf, der in Frage stellte, ob die antiken jüdischen Tempel überhaupt je auf dem fraglichen Gebiet standen. Die Times ignorierte, dass führende Historiker darin übereinstimmen, dass der Tempelberg natürlich genau dieser Ort war (daher auch der heutige Name “Tempelberg”), und schien den Schaden, den das Timing dieses unzutreffenden Artikels verursachte, völlig gleichgültig hinzunehmen.

Als Araber die jüdische Verbindung zum Tempelberg leugneten und die New York Times scharfer jüdischer Kritik ausgesetzt war, brachte sie erstmal eine kleine Korrektur zur Begrenzung des Schadens und veröffentlichte dann eine nicht damit in Zusammenhang stehende zweite Korrektur über die islamische Waqf, die den Tempelberg verwaltet.

Doch selbst die im ursprünglichen Artikel zitierte Historikerin Jodi Magness schrieb letztendlich einen Brief an die Times und beschwerte sich, ihre Worte seien aus dem Zusammenhang gerissen worden. Sie stellte klar, dass die jüdischen Tempel tatsächlich auf dem Tempelberg gestanden haben. Danach brachte die Times eine redaktionelle Bemerkung, der Artikel in seinem Originalwortlaut sei inkorrekt gewesen — und kein glaubwürdiger Historiker würde die Existenz der Tempel an jenem Ort leugnen noch dass der Tempelberg die heiligste Stätte des Judentums ist.

NYTtemplemount

DRA-silhouette-25x2536. Große Momente der Selbstbeweihräucherung: Brian Williams

Der NBC-Nachrichtensprecher Brian Williams verlor Glaubwürdigkeit und seine angesehene Position, als er im Fernsehen damit angab, in einem abgeschossenen Helikopter der US-Armee im Irak mitgeflogen zu sein. Nachdem er sich selbst eine Auszeit gönnte, damit NBC-Führungskräfte den Fall untersuchen konnten, kamen weitere Fälle übertriebener Selbstbeweihräucherung ans Licht.

Williams Geschichten klangen dramatisch, aber es kam u. a. heraus, dass er während Hurrikan Katrina keine Leichen gesehen hatte, die an seinem Hotelzimmer in New Orleans vorbeischwammen. Auch seine Geschichte über eine Katyusha der Hisbollah, die unter einem israelischen Helikopter vorbeiflog, in dem er sich befand, war ebenfalls nicht so dramatisch, da sich die Rakete in ziemlicher Entfernung von dem Helikopter befand.

Nach seiner sechsmonatigen Suspendierung gewöhnt sich Williams gerade an seine neue Rolle innerhalb von MSNBC, und Lester Holt hat seinen alten Job als Sprecher der NBC Nightly News übernommen. Hat Williams seine Lektion gelernt? Die Zeit wird es zeigen.

DRA-silhouette-25x2537. Dümmste Twitter-Tirade: Jim Clancy

Dank der sozialen Medien können die Leute der Welt mitteilen, was sie wirklich denken. Und das scheint exakt das zu sein, was CNN-Nachrichtenmann Jim Clancy bei einem bizarren Twitter-Wutausbruch im Januar gemacht hat. Das kostete ihn seinen Job und seine Glaubwürdigkeit, und viele Leser hatten das Gefühl, sie seien gerade Zeuge eines besonders grauenhaften Autobahnunfalls geworden.

Es begann recht harmlos. Clancy tweetete seine Ansicht über den schockierenden Terroranschlag auf das Pariser Charlie-Hebdo-Büro. Oren Kessler, ein Kommentator zu Israel-Angelegenheiten, widersprach ihm. Dann ging es richtig zur Sache…

OrenKessler

Clancys erster Antworttweet war einfach “Hasbara?”, so als sei jeglicher Kommentar eines Israelexperten nichts weiter als ein Versuch, Israel in ein gutes Licht zu stellen. Danach schaltete der erfahrene Nachrichtenmann auf stur und schlug in einer Reihe von Tweets, von denen er einige später löschte, wild auf alle ein, die nicht seiner Meinung waren. Erstaunlicherweise warf er sogar den proisraelischen Blogger Elder of Ziyon und den antisemitischen Twitteraccount Jews Making News als Teil des “Hasbara-Teams” in einen Topf.

Simon Plosker von HonestReporting sagte hierzu:

Auf Twitter zeigt sich oft die wahre Gedankenwelt prominenter Nutzer, so auch die von Medienpersönlichkeiten. Jim Clancy hat uns Einblick in seine Weltsicht gewährt, und die sieht nicht gut aus. Und sie passt auch nicht zu einem CNN-Nachrichtensprecher.

CNN muss das genauso gesehen haben, denn zehn Tage später verkündete der Sender, das seit 30 Jahre bestehende Angestelltenverhältnis mit Clancy sei nun beendet. Zwar wurde kein Grund für Clancys Abschied angegeben, aber es fällt schwer, nicht den Schluss zu ziehen, dass Clancys ungeheuerlicher und unpassender Wutausbruch bei Twitter etwas mit seiner Entlassung zu tun hatte.

DRA-silhouette-25x2538. Verstörendste falsche Landkarte: MSNBC

Als die palästinensische Gewaltwelle im Oktober Fahrt aufnahm, sahen die Medien plötzlich die Notwendigkeit einer plausiblen Perspektive, um die Messerangriffe, Autoramm-Attacken und Schießereien zu “erklären”.

MSNBC fand einen neuen Weg, die schamlose palästinensische Aggression als vernünftig und angemessen hinzustellen — und zwar indem sie sich propalästinensischer Propaganda in Form einer Aufeinanderfolge von Karten anschlossen, welche die Geschichte in der Region falsch wiedergeben.

Selbst kleinste Nachforschungen hätten die Falschdarstellungen der Karten offengelegt, also dauerte es nicht lang, bevor sich MSNBC entschuldigte.

Die Lektion daraus ist jedoch weit heimtückischer: Medien sind weit mehr mit einer künstlichen “Ausgewogenheit” in ihrer Berichterstattung über Attacken auf Israel beschäftigt, als dass sie ihren Lesern bzw. Zuschauern ein klares Bild des Geschehens vermitteln.

Hätten die Journalisten die palästinensischen Absichten auf einer Karte darstellen wollen, hätten sie natürlich mit Leichtigkeit ein Exemplar gefunden, welches Israel komplett auslöscht. Und das würde ausnahmsweise mal zeigen, was der wirkliche Kern der aktuellen Gewaltwelle ist.

Bild des Tempelbergs CC BY-NC flickr/marielinden4, flickr/Jeremy Piehler und CC BY-SA-NC HonestReporting


Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 12.979 Followern an