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Gebrochene Herzen in Gaza: Eine Lektion in nicht-investigativem Journalismus

13. März 2015

Brenda Yablon (kanadis­che Autorin, Jour­nal­istin und Filmkri­tik­erin mit Ausze­ich­nun­gen), 11.3.2015, honestreporting.com (übersetzt von Daniel)

Nicholas Kristof ist ein Jour­nal­ist der New York Times, der eine sehr wichtige Nis­che aus­füllt: Er schreibt über Men­schen­rechtsmiss­bräuche und soziale Ungerechtigkeiten. Er hat zwei Pulitzer­preise gewon­nen, einen für seine jour­nal­is­tis­chen Beiträge zum Tianan­men­platz, und den anderen für Dar­fur. Er gibt jenen eine  Stimme, die nicht für sich sel­ber sprechen kön­nen. Zusam­men mit seiner Frau, Sheryl Wudunn, hat er ein Buch geschrieben mit dem Titel: “Half the Sky: Turn­ing Oppres­sion into Oppor­tu­nity for Women World­wide.” Dabei han­delt es sich um eine einge­hende Unter­suchung der weltweiten Unter­drück­ung der Frauen.

Als also Mr. Kristof sowohl ein Video, als auch einen Artikel für die New York Times pro­duzierte, die am 8. März 2015 erschienen, mit dem Titel “Gebroch­ene Herzen in Gaza”, so inter­essierte mich dieser Bericht sehr.

Er stellt das Stück mit den Worten vor, dass “mein Job als Jour­nal­ist mich nach Gaza gebracht hat, um zu sehen, wie der let­ztjährige Krieg mit Israel die nor­malen Men­schen bee­in­flusst.” Ich erwartete, dass, nebst der grossen Zer­störung, keine Ver­suche des Wieder­auf­baus und dem all­ge­meinen all­ge­gen­wär­ti­gen Elend glück­loser Men­schen es auch ein Porträt der Hamas gäbe, wie sie Gaza regiert und wie die Gazaner von ihrer eige­nen Regierungspoli­tik betrof­fen sind.

Das Video beginnt damit, wie Kristof eine junge Mut­ter und ihren kleinen Sohn inter­viewt. Obwohl sie im Gaza­s­treifen leben, lebt der Ehe­mann und Vater des Jun­gen in der West­bank, und hat nie seinen Sohn gesehen.

Wie ist diese unglück­liche Sit­u­a­tion ent­standen? Das Paar war offen­sichtlich irgend­wann zusam­men, lange genug, um zu heiraten und ein Kind zu zeu­gen. Doch die Frage wird nicht ein­mal angedeutet. Stattdessen fragt Kristof die Mut­ter: “Wie ist es, ein Kind, das seinen Vater nie gese­hen hat, aufzuziehen?” Er bekommt den jun­gen Vater ans Handy und wir sehen und hören, wie er seine Trauer über die Sit­u­a­tion zum Aus­druck bringt.

Die einzige Erk­lärung, die Kristof bietet, ist “Israel ver­bi­etet den meis­ten Gazan­ern, Gaza zu ver­lassen.” Warum kann der Vater nicht wieder nach Gaza? Wurde er von der Hamas deportiert? Von Israel? Ein kri­tis­ches Detail der Geschichte wurde aus­ge­lassen und es wird der Ein­druck erzeugt, dass Israel allein für die Unzufrieden­heit der jun­gen Fam­i­lie voll­ständig ver­ant­wortlich ist.

Dann besucht er eine Keks– und Schoko­laden­fab­rik, die ein blühen­des Unternehmen in Gaza war, vor dem Krieg mit Israel, mit Hun­derten von Angestell­ten. Aber während des Krieges bom­bardierte es Israel. Jetzt funk­tion­iert die Fab­rik kaum noch. Maschi­nen ste­hen still, Ersatzteile kön­nen nicht bestellt wer­den, 150 Men­schen wur­den ent­lassen. Der Besitzer ist deut­lich in bit­terer Verzwei­flung, und das ist auch verständlich.

Doch WARUM hat Israel diese Fab­rik bom­bardiert? War es ein Fehler? Wurde sie von Hamas “Kämpfern” benutzt als Star­trampe für Raketen gegen Israel, wie sie das mit Kranken­häusern, Schulen, UN-Gebäuden und Pri­vathäusern getan haben? Das ist eine kri­tis­che Frage. Kristof behan­delt sie in einem Satz: “Ich weiss nicht, warum diese Fab­rik bom­bardiert wurde.” Was ist mit dem inves­tiga­tiven Jour­nal­is­mus passiert? Die Nicht-Beantwortung der Frage sagt dem Betra­chter, dass sie nicht wichtig ist. Wichtig ist nur, dass Israel die Bom­bardierung durchführte.

Er spricht mit einer Frau, deren Haus beschädigt und deren Mann ver­letzt wurde. “Willst du, dass israelis­che Müt­ter diesel­ben Schmerzen erlei­den, die Sie erlit­ten haben?” fragt er sie, in einem schö­nen Beispiel einer Sug­ges­tivfrage. Sie antwortet, dass israelis­che Müt­ter nicht kämpfen und auch Angst um ihre Kinder haben. Er fragt behar­rlich Leute, bis er zwei 14-jährige Jun­gen findet, von denen einer bereit wäre, sein Leben für den “Wider­stand” hinzugeben.

Nicholas Kristof

Kristof ist bereit, anzuerken­nen, dass “Israel legit­ime Sicher­heitsin­ter­essen hat. Tunnel-Einbrüche sind real. Hamas-Raketen wur­den von zivilen Orten abge­feuert… ” Tunnel-Einbrüche? Ein Ein­bruch ist eine geringe Störung. Ist das die Art, wie Kristof die Exis­tenz und den Zweck der Tun­nels inter­pretiert? Wie wäre es damit, zu töten oder so viele Israelis wie möglich als Geiseln zu nehmen? Oder um sich Mate­ri­alien anzueignen, die dazu hät­ten ver­wen­det wer­den kön­nen, ein besseres Leben für die Men­schen in Gaza zu bauen? Und, ja, Hamas hat Raketen von zivilen Orten aus abge­feuert — mehr als 5’000 im Jahr 2014, und mehr als 11’000 seit Israel sich 2005 aus dem Gaza­s­treifen zurück­ge­zo­gen hat.

Kristof fasst seine “Erken­nt­nisse” so zusam­men: “Israel und Hamas haben beide ver­sagt, haben Kriegsrunde um Kriegsrunde geführt.” Israel und Hamas sind also gle­icher­massen für die abgrundtiefe Lage im Gaza­s­treifen ver­ant­wortlich zu machen. Obwohl er für seine lei­den­schaftlich Unter­stützung der Men­schen­rechte bekannt ist, erwähnt er nicht ein einziges Mal die bekan­nten Hin­rich­tun­gen der Hamas von jed­er­mann, von dem sie mut­mawssen, dass er sie nicht unter­stützt, und sicher­lich ohne ordentliches Gerichtsver­fahren; ihrer bru­talen Ent­führung und Ermor­dung israelis­cher Zivilis­ten; ihren erfol­gre­ichen Ver­such, Gaza zu islamisieren, mit allen inhärenten Ein­schränkun­gen, ins­beson­dere für Frauen. Er schlägt vor, dass der Weg, um den Teufel­skreis zu durch­brechen, darin besteht, dass Israel das Embargo aufhebt. Das ist es. So einfach.

Im Druck­erzeug­nis, das das Video “Winde des Krieges” begleitet, macht Kristof ein Zugeständ­nis. “Zwar ist die Hamas’sche Mis­s­wirtschaft von zen­traler Bedeu­tung für das Prob­lem, aber wir haben keinen Ein­fluss auf die Hamas; wir haben dage­gen Ein­fluss auf Israel. ”

Kristof mag ein bril­lanter Jour­nal­ist sein mit Herz und Gewis­sen, doch nichts davon war in seine Berichter­stat­tung aus dem Gaza­s­treifen ersichtlich. Seine Berichter­stat­tung war sehr im Ein­klang mit dem grössten Teil des Jour­nal­is­mus, der während der Oper­a­tion Schutzrand her­auskam, und noch mehr: es ist nach­läs­sig, bequem, gekennze­ich­net durch Aus­las­sun­gen, Man­gel an his­torischem Wis­sen und kon­fusem Denken. Durch den Feis­pruch der Hamas von jeglicher Ver­ant­wor­tung, hilft dieser fehlgeleit­ete Jour­nal­is­mus auf keine Weise, um  das Leid der Palästi­nenser im Gaza­s­treifen zu ver­min­dern. Das einzige, was er tut, ist, die Hamas zu stärken.

Der Guardian elektifiziert die israelische Sicherheitssperre

3. März 2015

Simon Plosker, HonestReporting, 3. März 2015

Es scheint so, als sei Israel nicht der einzige Staat, der Terror durch den Bau einer physischen Sperre verhindert. Der Guardian berichtet, dass Kenia an der Grenze zu Somalia eine Mauer bauen wird, um Al-Schabaab-Terroristen draußen zu halten.

Der Bericht stellt auch Vergleiche mit Israels Sicherheitssperre an:

Kenia wird eine Mauer bauen. Nicht einfach eine Mauer, sondern eine „Trennmauer“, um die beschönigende Umschreibung zu gebrauchen, die von Israel geprägt wurde, um hoch aufragende, sich schlangenartig dahinziehende Bauwerke zu beschreiben, die es heute von der Westbank Palästinas trennen.

Es überrascht nicht sonderlich, dass der Guardian einseitig einem nicht existenten Palästinenserstaat die Eigentumsrecht an der Westbank gibt. Der Bericht beinhaltet jedoch einen eklatanten faktischen Fehler:

Die berühmteste ist allerdings Israels Trennsperre – fast 500 Meilen lang wechselt sie zwischen Stacheldraht-Reihen und elektrischen Zäunen und acht Meter hohen Betonmauern.

„Elektrische Zäune“ impliziert, dass jeder, der das Bauwerk berührt, einen Stromschlag erleidet, vielleicht sogar einen tödlichen. In Wirklichkeit ist diese Sperre jedoch eine elektronische, was bedeutet, dass jeder, der sie berührt oder in sie eingreift, einen Alarm auf einem zentralen Bildschirm auslöst, der IDF-Truppen losschicken kann, um das zu untersuchen.

Israels Sicherheitsbarriere ist kein nicht tödliches Mittel zur Verhinderung von Terrorismus.

Eine Aufforderung zu einer Korrektur ist dem Guardian zugeschickt worden, der bisher nicht geantwortet hat.

Dammbruch, Teil 2: Weitere Damm-Lügen

25. Februar 2015

Simon Plosker, HonestReporting, 24. Februar 2015

Verlogene Vorwürfe von Palästinensern, dass Israel im Süden Dämmer geöffnet hatte, die Gaza überfluteten, erschienen in einer Reihe von Medienorganen, darunter AFP, Al-Jazira, RT, Ma‘an, und Xinhua. Es wurde durch die auf von den israelischen Behörden gegenüber HonestReporting bestätigte Tatsache, dass es in Israels Süden keine Staudämme gibt, nachgewiesen, dass die Story eine Lüge war. (Siehe Dammbruch: Palästinensische Lüge entlarvt)

AFP als eine der Mainstream- und angeblich glaubwürdigen Medienorgane, entfernte sein Video zum Bericht. Die anderen Internetseiten gehören Nachrichtenorganisationen, deren Glaubwürdigkeit fragwürdig ist und an die Ränder des professionellen Journalismus gehören. Es war daher extrem enttäuschend zu sehen, dass die Daily Mail (Version im Cache kann hier angesehen werden), eine der meist gelesenen Internet-Nachrichtenseiten der Welt, die Story auf Grundlage eines Berichts von Al-Jazira veröffentlichte.

Daily Mail online: Hunderte Palästinenser obdachlos, nachdem Israel Staudamm öffnet und Häuser flutet… Stunden bevor die Elektrizitätsfirma des jüdischen Staates Städten in der Westbank den Strom abdreht.

- Fast 80 Familien evakuiert und in nahe gelegene Flüchtlingslager geschickt.
– Gaza-Verteidigungschef Said al-Saudi sagte: „Wir haben keine Warnung erhalten.“
– Nicht das erste Mal, dass Israel beschuldigt wird Dämme entlang des Flusses geöffnet zu haben.
– Nur Stunden später kappt israelische Elektrizitätsfirma wegen Schulden 45 Minuten lang Strom.

HonestReporting informierte die Daily Mail am Montagabend und forderte sie auf die Story als Ganzes zu entfernen Stattdessen nahm die Daily Mail einige Stunden später in einem Taschenspielertrick Veränderungen an der Story vor, ohne diese oder den ursprünglich angerichteten Schaden zuzugeben. Vergleichen Sie die angepasste Schlagzeile und Untertitel mit dem oben gezeigten Original:

Hunderte Palästinenser obdachlos durch schwere Flut nachdem der Wasserpegel im Gaza-Tal um 3m steigt.

- Fast 80 Familien evakuiert und in nahe gelegene Flüchtlingslager geschickt.
– Pferdewagen genutzt, um Familienmitglieder durch braunen Schlamm zu evakuieren.
– Stunden später kappt israelische Elektrizitätsfirma wegen Schulden 45 Minuten lang Strom.
– Israel weist Vorwürfe zurück es habe einen Damm geöffnet: „Wir konnten keinen Stausee ablassen, weil es keine gibt.“

Während die Schlagzeile Israel nicht länger der Öffnung nicht existierender Staudämme beschuldigt, bleibt der palästinensische Vorwurf drin und wird von einer israelischen Erklärung „ausgeglichen“, die die Verantwortung bestreitet. Statt die Story zu entfernen, hat die Daily Mail der israelischen Wahrheit und der palästinensischen Lüge gleiches Gewicht gegeben, was die Sache praktisch in einen Streit mit Aussage gegen Aussage verwandelt.

Die Öffentlichkeits-Redakteurin der New York Times, Margaret Sullivan, hat diese Form des fehlerbehafteten Journalismus in einer ihrer Kolumnen angesprochen:

Einfach ausgedrückt: Falsche Ausgewogenheit ist die journalistische Praxis beiden Seiten einer Story gleiche Gewichtung zu geben, ohne Rücksicht auf die festgestellte Wahrheit einer Seite. Und viele Leute haben davon die Nase voll. Sie wollen nicht hören, dass Lügen oder Halbwahrheiten auf einer Seite Glauben geschenkt und die andere abgeschossen wird. Sie wollen echte Antworten.

Die Daily Mail hat Text im Artikel verändert. Zum Beispiel den einleitenden Satz:

Hunderte Palästinenser wurden gestern Morgen evakuiert, nachdem israelische Behörden eine Reihe Staudämme öffneten, was weithin Überflutungen verursachte.

Dieser lautet jetzt:

Hunderte Palästinenser wurden aus ihren Häusern evakuiert, nachdem starke Überschwemmungen den Wasserpegel im Gaza-Tal um bis zu 3 Meter ansteigen ließen.

Das Folgende blieb im Artikel stehen:

Brigadegeneral Said Al-Saudi, der Leiter der Zivilverteidiung im Gazastreifen, sagte, die Staudämme seien ohne Warnung geöffnet worden.

„Israel öffnete die Staudämme gestern Abend ohne Warnung, was schwere Schäden in Dörfern des Gazastreifens nahe der Grenze verursachte“, sagte er gegenüber Al-Jazira.

Da wurde hierdurch „ausgeglichen“:

Die Fluten führten zu Beschuldigungen seitens der Palästinenser, Israel habe Staudämme entlang des Flusses abgelassen, um gezielt Überflutungen zu verursachen – etwas, das israelische Beamte vehement bestreiten.

Ein Sprecher des Koordinators für Regierungsaktivitäten in den Palästinensergebieten (COGAT) sagte gegenüber VICE News: „Ich weiß nicht wer mit diesen Behauptungen angefangen hat, aber sie sind völlig abwegig. Es gibt im südlichen Teil Israels keine Staudämme, also konnten wir keine öffnen, denn sie existieren nicht. Ich weiß nicht, wie dazu kommen diese Gerüchte in die Welt zu setzen.“

Beschuldigungen erhebende Fotobeschreibungen sind ebenfalls geändert worden, damit sie Israel nicht unverblümt anklagen:

Man glaubt, dass israelische Behörden Dämme entlang des Flusses öffneten, was dafür sorgte, dass Wasser in eine Reihe Dörfer rauschte.

Die Beschreibung für das obige Foto lautet jetzt:

Palästinenser behauptetem, dass israelische Behörden Dämme entlang des Flusses öffneten, wodurch Wasser in eine Reihe Dörfer rauschte – aber Israel sagte, es gäbe keine Dämmer, die man öffnen könnte.

Als wolle man den stattfindenden lausigen Journalismus demonstrieren, erscheint auch die folgende Aussage in der Story, sowohl im Original als auch in der angepassten Version:

Die Überschwemmung von heute wurde verschlimmert, als eine israelische Elektrizitätsfirma den Strom für zwei Städte im Gazastreifen kappte.

Bedenkt man, dass der Gazastreifen und die Westbank zwei getrennte geografische Einheiten sind, ist nicht zu erkennen, wie die Flutung im Gazastreifen von einer 45-minütigen Stromsperre in der Westbank verschlimmert werden könnte.

Letztlich ist der Schaden verschlimmert worden, der Israel durch das unethische Versagen der Daily Mail zugefügt wurde zuzugeben, dass ihr Reporter dabei erwischt wurde, dass er Outsourcing von Inhalten an unzuverlässige und von einer Agenda getriebene Nachrichtenorganen betrieben hat. Die Daily Mail hat den Editors‘ Code of Practice (Kodex journalistischen Verhaltens) verletzt, den sie unterschrieben hat und dem von der Independent Press Standard Organisation (IPSO – Unabhängige Organisation für Pressestandards) Geltung verschafft wird.

Absatz 1 zu Genauigkeit legt dar:

  1. Die Presse muss aufpassen, dass sie keine ungenauen, fehlleitenden oder verzerrten Informationen veröffentlicht, einschließlich Bildern.
  2. Eine beträchtliche Ungenauigkeit, fehlleitende Äußerungen oder Verdrehungen, einmal festgestellt, müssen korrigiert werden, sofort und mit gebührender Hervorhebung; und sie müssen – wo dazugehörig – veröffentlicht werden. In Fällen, die den Regulator involvieren, sollte die Hervorhebung mit dem Regulator vorab abgestimmt werden.

Die Daily Mail veröffentlicht, indem sie die palästinensische Behauptung immer noch als glaubwürdig behandelt, immer noch ungenaue und fehlleitende Informationen. Ähnlich sind die von der Daily Mail aufgrund dessen, dass sie über die Fehler informiert wurde, vorgenommenen Änderungen nicht gebührend hervorgehoben worden und eine Entschuldigung ist angebracht.

Die vernichtende Kritik eines Forbes-Journalisten an AP

22. Februar 2015

HonestReporting, 16. Februar 2015 (übersetzt von Cora)


Das Folgende wurde mit Erlaubnis von Richard Behars Facebookseite entnommen. Er ist teilhabender Herausgeber und Rechercheur für das Forbes Magazin und arbeitet derzeit an einem Buch über Bernie Madoff.

Die israelfeindliche Presse mal wieder: Beachten Sie den vor kurzem erschienenen Artikel, der behauptet, dass bei der Bombardierung der Häuser im Gazastreifen durch die IDF während des Krieges gegen die Hamas im letzten Sommer hauptsächlich Zivilisten getötet worden seien. Der Artikel – überschrieben „AP Exklusiv: Die Bombardierung der Häuser tötet vor allem Zivilisten“ – wurde von Karin Laub, Fares Akram und Mohammed Daraghmeh geschrieben.

Man lese ihn und bedenke dann folgendes:

1. Angesichts dessen, was ich über APs Bericht über zivile Opfer WÄHRND des Krieges – in meinem „Medien Intifada Enthüllungen auf Forbes.com – herausgefunden habe, habe ich kein Vertrauen in ihre jetzigen Untersuchungen der 247 Luftangriffe. Ich glaube ihnen schlicht nicht und Sie sollten es auch nicht. Sie verletzten ihre Verantwortlichkeit gegenüber den Lesern während des Krieges und haben niemals gestanden, dass hier Journalismus schlampig und unanständig (wenn nicht schlimmer) gewesen ist. In dem vorangegangenen Artikel plapperten AP und alle anderen großen Pressekanäle (einschließlich die New York Times und Reuters) einfach die Behauptungen der Hamas nach, die meisten Kriegstoten seien Zivilisten gewesen. Manchmal schrieben sie es der UNO zu, die ihre Zahlen von der Hamas erhielt. Warum das eine Rolle spielt? Weil jedes Mal, wenn die Pressekanäle berichteten, dass eine „Mehrheit“ oder „eine überwiegende Mehrheit“ oder „ die überwältigende Mehrheit“ der Opfer Zivilisten gewesen seien, dies um den Globus schoss wie eine Rakete – und antiisraelische oder gar antisemitische Gefühle befeuerte (und damit Gewalt gegen Juden in Europa und sonst wo).

Welche Methode wendet also AP nun für ihre derzeitige „Untersuchung“ der 274 Luftangriffe auf Häuser an? Das werden wir nie erfahren, denn die Nachrichtenagentur erzählt uns das nicht. Auf welche Probleme sind sie gestoßen, die ihre Untersuchungen verdreht oder beeinflusst haben könnten? Wir werden es niemals erfahren, denn AP erzählt uns nichts darüber.

2. Vergangenen Monat veröffentlichte das hoch angesehene Meir Amit Intelligence and Information Center seinen jüngsten Bericht über die zivilen Opfer. Seine Experten nahmen sich die Zeit die Listen der Toten einen nach dem anderen durchzugehen und ihr Abschlussbericht wird erst in ein paar Monaten, wenn nicht sogar erst in ein paar Jahren erhältlich sein. Tatsächlich berichtete ich, nach der Operation Gegossenes Blei (2008/09) „vergingen fast zwei Jahre, bis einem palästinensischen Minister unbeabsichtigt entschlüpfte, dass die IDF Zahlen richtig gewesen sind“, übereinstimmend mit Eado Hecht, einem unabhängigen Verteidigungsanalysten, der militärische Theorie und Geschichte am IDF Offiziers- und Kommandocollege unterrichtet. (Heute arbeitet Hecht im Begin-Sadat Zentrum, einem der führenden israelischen Think-Tanks).

Im Report des Meir Amit Centers vom Januar wird jedenfalls festgestellt, dass 1600 von den getöteten 2140 Einwohnern Gazas wie folgt identifiziert wurden: 55% waren Kämpfer, 45% Nicht-Kämpfer. Bei 540 Menschen sind sie sich nicht sicher, in welche Kategorie diese fallen. Außerdem sagt das Center, dass die Hamas die aktuellen Listen und Zugehörigkeiten verschleiert, teilweise wegen objektiver technischer Schwierigkeiten (schlechte Verwaltungsarbeit und fehlender Zugriff auf einige der Toten), teilweise aber auch absichtlich als Teil ihrer Propagandakampagne gegen Israel.

Der Artikel der AP ist vor allem auf „ eine spezielle Untergruppe“ fokussiert, „ – jene, die in den Häusern umkamen, die von den Israelis `angeblich´ gezielt angegriffen wurden“, erzählte mir der Verteidigungsanalyst Hecht heute. „Ich schreibe `angeblich´ gezielt von den Israelis angegriffen, da (um die) 2600 palästinensische Raketen und Mörser absichtlich (die meisten) oder aus Versehen in palästinensische Wohngebiete gefeuert wurden. Der bewusste Beschuss richtete sich gegen israelische Soldaten in jenem Gebiet – allerdings ohne Warnung an die lokalen Zivilisten, sich von dort zu entfernen. Wie viele der 247 getroffenen Häuser wurden also eindeutig von Israel getroffen und wie viele von palästinensischem Feuer?“

Richard Behar

3. Ihr werdet nichts von dem, was ich in Punkt 2 geschrieben habe, in der AP Geschichte lesen. Vielleicht dachten ihre Reporter und Herausgeber, es würde das Salz aus der Suppe nehmen. Sie zitieren Meir Amit diesmal – aber nur die Feststellung des Centers, dass sie keine Beweise für weibliche Kämpfer hätten, ebenso die Frage des Centers nach der Glaubwürdigkeit der Zeugen aus Gaza (mit nur einigen Worten). AP glaubt dann den „vorläufigen“ Zahlen der UNO, die ausrechnete, dass mindestens 66% der toten Zivilisten gewesen seien. Wirklich? Und woher bekommt die UNO ihre Zahlen? Wir kennen die Antwort. Warum tut AP seinen Lesern nicht den Gefallen und schreibt wenigstens die 45% vom Meir Amit Center dazu, die der UNO/Hamas widersprechen?

Es gibt einige Journalisten in meinem Bereich, die glauben, dass es keine gute Idee ist, wenn Reporter wie ich unseresgleichen derart entlarven. Es ist die „Glashaus“-Angst und es fördert ganz sicher nicht die Karriere. Aber ich möchte sie an den Ethikcode der Gesellschaft professioneller Journalisten erinnern, der festschreibt: „Journalisten sind ihren Lesern, Hörern, Zuschauern UND JEDEM ANDEREN (Hervorhebungen durch mich) gegenüber verantwortlich.“ Der Kodex sagt außerdem, dass die Journalisten „unethische Praktiken von Journalisten und Nachrichtenmedien aufdecken sollen“ Zudem sollen Journalisten „die Richtigkeit ihrer Informationen mit Hilfe aller Quellen prüfen.“

4. Es ist wert festzustellen, dass einer der Mitautoren der heutigen AP Geschichte Fares Akram ist. In meinem Artikel im letzten Sommer stellte ich Fares Akram heraus – damals der in Gaza stationierte Top-Journalist der New York Times – weil er auf Facebook ein Foto von Yasser Arafat als Profilfoto benutzt hatte. Ich merkte ebenfalls an, dass er sich in der Überschrift zu einem zweiten Foto höchst poetisch über Arafat ausließ, im Kontext über „die Höhepunkte eines großen Mannes“. Dazu kommt noch, dass er schrieb, als sein Vater und sein Cousin bei einem israelischen Luftangriff 2009 tragischerweise umkamen: „Ich finde es schwer, einen Unterschied zwischen denen zu finden, die die Israelis Terroristen nennen und jenen israelischen Piloten und Panzerbesatzungen, die in Gaza einfallen.“ Sollte das nicht die Frage aufwerfen, ob es nicht besser wäre, wenn er stattdessen über andere Konflikte berichten würde? Gehe ich von meinen eigenen starken (und offenen) Gefühlen und meinen Untersuchungen zu Israel aus, könnte ich niemals für AP über einen Krieg in Gaza berichten. Oder doch – wenn Akram es kann?

Akram, ein palästinensischer Einwohner Gazas hat außerdem während des Krieges im Sommer mehr als ein Dutzend Kriegsberichte bei Al Jazira (das dem die Hamas unterstützenden Katar gehört) veröffentlicht – parallel zu den Times-Artikeln. Im Herbst verließ Akram die Times und AP holte ihn direkt zu sich.

5. Eine weitere Sache, die ich in meinem Artikel im letzten Sommer beschrieb (welcher, darüber bin ich höchst erfreut, von 114.000 Menschen für Wert befunden wurde, gelesen zu werden – diese Unterstützung ist auch eine Art Medienkritik): Eine bahnbrechende Studie, die von meinen Kollegen ignoriert wurde, kam im Juni 2014 heraus, einen Monat bevor der Israel-Hamas Krieg losging. Eine prominente Gruppe amerikanischer Gesundheitsexperten fand heraus, dass Zivilisten 85% bis 90% aller Opfer der 248 bewaffneten Konflikte in der Welt seit dem 2. Weltkrieg ausmachen. Auch wenn jedes zivile Opfer in Gaza eine Tragödie ist, hat die IDF, bedenkt man die Komplexität und die zivilen Schutzschilde in Gaza, etwas vollbracht, was ein Modell für die zukünftigen Kriege sein wird. Sollte AP nicht derlei Statistiken beachten, wenn sie Artikel wie den letzten schreiben? Betrachtet man den Anstieg des Antisemitismus auf der ganzen Welt nur allein seit dem Krieg im Sommer, könnten solche Statistiken einen historischen Zusammenhang darstellen und das könnte den Hass auf Juden verringern – oder zumindest verhindern, dass er sich nicht weiter verbreitet.

6. Ich möchte heute meine Botschaft mit dem Verteidigungsexperten Hecht schließen: „UNO-Zahlen sind nicht wirklich UNO-Zahlen,“ sagte er, wie ich schon im August berichtete, „es sind von der Hamas kontrollierte Zahlen, die der UNO übergeben wurden.“

Außerdem weiß niemand, wie viele Häuser genau von den Israelis angegriffen wurden, aber UNO-Studien (diesmal wirklich UNO-Studien, denn es wurden Satellitenbilder verwendet) sagen aus, dass tausende von Gebäuden zerstört wurden (eine Zahl spricht von 20.000 zerstörten oder schwer beschädigten Gebäuden). Die Prozentzahl von getöteten Zivilisten in 247 Häusern zeigt einzig, dass jemand bestimmte Häuser zur Zählung auswählte, während er andere Häuser ausließ, die nicht seiner Neigung entsprachen, die er dem Ganzen geben wollte. Besonders seit die gesamte Anzahl an Kindern, Frauen und älteren Männern von den Palästinensern selber mit 943 angegeben wurde. Mit anderen Worten; in etwas mehr als 1% von etwa 20.000 zerstörten oder schwer beschädigten Gebäuden waren 508 der gesamt 943 (also unter 54%) der von den Palästinenser behaupteten Kinder, Frauen und ältere Männer betroffen.

„Selbst wenn jeder der übrigen getöteten 435 Kinder, Frauen und älteren Männer einzeln in einem anderen Haus getötet wurde,“ fährt Hecht fort, „bedeutet das, dass höchstens 682 Häuser mit Kindern, Frauen und älteren Männern darin von den Israelis getroffen wurden – das sind 3,5% der Häuser, die getroffen wurden. Selbst wenn wir von einer sehr viel niedrigeren Anzahl von zerstörten oder schwer beschädigten Häusern ausgehen, die von anderen Quellen genannt werden – etwa 10.000 zerstörte und schwer beschädigte Häuser – würde das die Prozentzahl von zerstörten Gebäuden mit Zivilisten darin auf etwa 7% erhöhen. Natürlich verteilen sich die zivilen Opfer nicht auf eines pro Haus, dem entsprechen ist die Prozentzahl wesentlich niedriger. Es scheint mir – auch wenn ich, der Debatte zuliebe, annehmen würde, dass all diese Zahlen stimmen und alle Zerstörungen von den Israelis verursacht wurden – dass die Israelis außerordentlich umsichtig bei ihren Angriffen waren und große Anstrengungen unternahmen, um zivile Opfer zu vermeiden.

„Kurz gefasst,“ schließt Hecht, „machen Leute, die mit den Zahlen spielen, das, damit sie zu ihrer Phantasie (politischen Ausrichtung) passen.“

Mitglieder der AP-Ableger optimieren hin und wieder die ursprünglichen AP-Überschriften. In diesem Fall haben das mehrere Publikationen getan – sie verzerrten den Artikel selber und ließen Israel noch schlechter aussehen. Ein Paradebeispiel: Stars and Stripes, das die Gemeinschaft der US Militärs mit Informationen und Nachrichten versorgt. Ihre Überschrift eines Artikels war: „AP-Bericht: Israelische Luftangriffe töten hauptsächlich Zivilisten.“ Damit wird der Leser rasch dazu verführt zu glauben, die Untersuchungen der AP gelten nicht nur den Häusern, sondern dem ganzen Gazastreifen. Ähnlich ist die Überschrift des Idaho Statesman, die sich wie folgt liest: „Luftangriffe auf Gaza töteten im letzten Sommer hunderte von Zivilisten.“ (Der Artikel im Internet wurde inzwischen auf den neuesten Stand gebracht, aber, ach, nicht die Überschrift.)

Noch mehr Beispiele, wenn ihr noch nicht genügend angewidert seid: Die Überschrift der San Angelo Standard Times ist „Zivilisten trugen die Hauptlast der israelischen Luftangriffe“. The Independent (UK): „Fast ausschließlich Zivilisten wurden bei dem Überfall auf Gaza getötet.“

Zurück zu AP selber. Ich verlange nicht, dass die Nachrichtenagentur Israel mag (Artikel ehemaliger AP Korrespondenten wie Matti Friedman machen mehr als deutlich, dass der Nachrichtendienst gegen das Land voreingenommen ist). Ich verlange auch nicht, dass Fares Akram Israel wenigstens respektiert. Ich fürchte, das wird nie passieren. Was ich aber erwarte – was von den hunderten von Nachrichtenablegern, die AP gehören, zu erwarten ist – ist eine faire Berichterstattung. Dazu wurde ich vor Jahrzehnten als Student des Journalismus erzogen. Es bräuchte in diesem einen Artikel nur einige wenige Sätze, um fair zu sein, aber das ist nicht geschehen.

Früher hätte die Überprüfungsstelle des Journalismus der Columbia dem Beachtung geschenkt. Doch ich fürchte, diese Zeiten sind vorbei.

International Business Tribune vervielfacht palästinensische Opferzahlen um 100

20. Februar 2015

Simon Plosker, HonestReporting, 19. Februar 2015

Man kann wohl nur annehmen, dass es ein ernster Tippfehler war: In einem Artikel in der International Business Tribune zur fehlenden Wiederaufbauhilfe für den Gazastreifen fand sich der folgende Absatz:

Der Gazastreifen wurde während des einen Monat dauernden Krieges mit der Hamas im Juli vergangenen Jahres schwer bombardiert; dabei wurden nach Angaben der UNO fast 100.000 Häuser zerstört und mehr als 200.000 Personen getötet, die meisten von ihnen palästinensische Zivilisten.

Es schlimme genug, dass die meisten Medien die Opferzahlen zum Krieg von 2014 im Gazastreifen ohne Hinterfragen der Richtigkeit übernehmen. In diesem Fall wird das durch die Vervielfachung der Zahl um den Faktor 100 verschlimmert.

Die Zahl der Opfer im Gazastreifen, einschließlich der Terroristen, wird weithin als um 2.000 berichtet, nicht die 200.000, die die IBT geschrieben hat.

Eine E-Mail wurde geschickt, mit der eine sofortige Korrektur gefordert wurde.

UPDATE

Dank an die IBT dafür, dass sie die Opferzahlen umgehend abänderte; jetzt heißt es dort „2.200 Personen“. Es ist aber immer noch bedauerlich, dass die IBT wie die meisten Mainstream-Medien weiter Opferzahlen aus dem Gazastreifen anführt, die von der UNO mit freundlicher Genehmigung des von der Hamas kontrollierten Gesundheitsministeriums des Gazastreifens zur Verfügung stellt.

Was die Universitäten über Israels Status auf ihrem Campus lernen können

17. Februar 2015

Gastautor, HonestReporting 9. Februar 2015 (übersetzt von Cora)

Cherryl Smith, PhD, ist emeritierte Professorin für Rhetorik und Gestaltung an der California State University, Sacramento. Ihr Blog ist Framing Israel.

In den postmodernen Universitäten, zumindest in den Sozial- und Geisteswissenschaften, sind Fakten, nun ja, nicht mehr faktisch, dem Staat Israel ergeht es dort übel. Statt Informationen über das Land ist über die letzten dutzenden von Jahren auf den College-Campus eine abstrakte Idee von Israel entstanden. Der jüdische Staat scheint die einzige Nation der Welt zu sein, die einen Boykott ihrer (derzeitigen) Produkte und akademischen Institutionen verdient. Die palästinensische Darstellung herrscht vor, aber es ist eine besondere, monolithisch palästinensische Darstellung, die zum Beispiel völlig außen vor lässt, dass die Palästinenser gegen den Boykott Israels sind.

Diese abstrakte Wahrnehmung Israels zeigt sich in unzähligen Foren auf dem Campus, in Vorlesungen, Protestdemonstrationen, zugehörigen Wahlkampagnen; hinzu kommen an vielen Universitäten jedes Jahr zwei Wochen Performance- Aktivismus, der die Studenten mit inszenierten „Checkpoints“, Photos von blutigen Opfern und emporragenden Pappen als „Apartheid“-Mauern konfrontiert.

32 Wissenschaftler haben in ihrer neuesten Sammlung „The Case Against Academic Boycotts of Israel“ die Kluft zwischen dem Status Israels und der Realität untersucht. Unter verschiedenen Themen sprechen sie auch die Verletzung der akademischen Freiheit an, die auftritt, wenn Akademiker nur auf Grund ihrer Nationalität boykottiert werden (R. Berman, G. Brahm und A. Romirowski; D. Hirsh, M. Nussbaum.), ebenso die Absurdität., die darin liegt israelische Institutionen zu verleumden, die nicht nur als Beispiel für multikulturelles Lernen und Lehren stehen können, sondern auch selber Bastionen der akademischen Freiheit sind; die Gründer der Bewegung des Israelboykotts bekamen ihr Abschlussdiplom von der Universität Tel Aviv noch während sie sich für den Boykott stark machten (S. Wolosky, I. Troen). Das Buch bietet außerdem eine prägnante, hochwertige Geschichte Israels (C. Nelson, R. Harris und K. Stein), die sehr nötig ist, da die Boykottbewegungen und ihre Agitationen gegen Israel einen erschreckenden Mangel an Interesse an nachprüfbaren Belegen, Dialog und die üblichen Erwartungen an eine akademische Debatte aufzeigt.

Eine Anzahl von Autoren in „Case Against Academic Boycott of Israel“ bestätigen die einseitige Präsentation des Vorhabens und Verfahren, wie andersdenkende Stimmen unterdrückt werden (S. Musher, J. Robbins). Außerdem werden Einwände von Studenten und Fakultäten gegen die Aussonderung des israelischen Staates, nur um Beifall zu bekommen, oftmals ignoriert (D. Divine, M Kotzin). Während Sprach-Codes und Empfindlichkeiten schon bei kleinsten Aggressionen an den Universitäten Mainstream sind, stellen etliche Autoren fest, dass jüdische Besorgnis über Antisemitismus abgewiesen oder schlimmer, lediglich als Wege betrachtet werden die Debatte abzuwürgen (R. Fine, K. Marcus).

Wenn wir unsere Aufmerksamkeit auf die Stellung Israels auf dem Campus richten, erkennen wir, dass eine Diskussion über dieses Thema nicht wirklich möglich ist. Die Richtigkeit der Behauptungen über Israel in den Boykott Planungen ist absolut nicht diskutierbar. Die einzige Frage, die gestellt wird, ist, ob oder ob nicht boykottiert wird und ob oder ob nicht die akademische Freiheit oder die professionelle Organisation, die den Boykott durchführt, Schade nehmen könnte. Bezeichnungen wie „Apartheid“ und „Kolonialisten“, die auf Israel angewandt werden, werden in den meisten akademischen Umgebungen nicht kontrovers betrachtet. Was bei den Diskussionen über Israel auf dem Campus fehlt, ist Israel selbst: seine Geschichte, seine Menschen, die derzeitige Situation, das alltägliche Leben und sein Platz im Nahen Osten.

Antizionismus an den Universitäten, so stellt die Mitherausgeberin Cary Nelson fest, wird so gesehen, als sei es für eine progressive Politik unerlässlich – unabhängig von Israels tatsächlichem Progressivismus, der alltäglichen Demokratie, der lebendigen Redefreiheit der Presse, der Religion und der Verpflichtung für die Rechte der Frauen, Homosexuellen, Minderheiten und all seiner Bürger.

Die Weigerung, die Realitäten in Israel anzuerkennen und daran festzuhalten die einzige Demokratie im Nahen Osten für einen Boykott auszusondern, sagt mehr über die Universitäten aus, als über das Thema Israel.

Die Vereinigung amerikanischer Studenten nennt ihren Israelboykott einen Lackmustest für die „Grundhaltung der Organisation zu Palästina“. Dabei wäre der derzeitige Status Israels möglicherweise nur in einem akademischen Umfeld ein Lackmustest, in dem die progressiven Qualifikationen des Einzelnen darauf beruhen an der Parteilinie festzuhalten und wo Fakten nicht bloß dehnbar, sondern nur dann akzeptiert werden, wenn sie in die vorherrschende Ideologie passen.

Israel fällt auf dem Campus auf, weil es unter den Studenten und einigen Professoren Widerstand gegen den Antiisraelismus der Universitäten gibt. Möglicherweise ist das die einzige große Veränderung im Mainstream der Campus-Politik. Als solches kann der Status Israels auf dem Campus als Warnung vor dem sich unkontrolliert ausbreitenden Dogmatismus und dem Mangel an Raum für gedankliche Vielfalt in dem Bereich dienen, den wir als Marktplatz der Ideen bezeichnen.

Foto: CC BY-NC-SA Xurxo Martínez via flickr mit Ergänzungen von HonestReporting

Wie wäre es damit, Israels Sicht eine Chance zu geben?

5. Februar 2015

Alex Margolin, HonestReporting, 5. Februar 2015

In einem der empörendsten Intereview-Sendungen der jüngeren Erinnerung unterbrach ein britischer Reporter, der über die Antiterror-Demonstration in Paris berichtete, seinen Gast, eine in Paris lebende Israelin, mit der Behauptung, Palästinenser hätten durch die Hände der Juden enormes Leid erfahren. Als die Frau gegen die Verschmelzung des Terrors in Paris mit den Leid der Palästinenser protestiert, diente der BBC-Reporter Tim Willcox diese herablassen Antwort an: „Sie werden verstehen, dass jeder aus unterschiedlichen Perspektiven gesehen wird.“

Es schockiert, einen scheinbar glaubwürdigen Reporter zu hören, wie er folgert, dass die Terrortaten in Paris irgendwie ihre Wurzel in Israel haben und dass er damit sagt, das sei eine legitime „Perspektive“. Was noch mehr schockiert: Das beschränkt sich nicht nur auf einen der Reporter.

„Willcox ist kein isolierter und abirrender Rassist; seine Sichtweisen sind die Standardmeinung der linken europäischen Mittelklasse“, schrieb Nick Cohen in The Spectator nach dem Interview. „Ich taf sie Tag für Tag in meinem politischen Viertel.“

Lesen Sie mehr in der New York Jewish Week (in Englisch)

Bild: CC BY-SA opensourceway via flickr mit Ergänzungen durch HonestReporting.


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