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Dem Iran vertrauen?

23. Juli 2015

HonestReporting Canada (Facebook), 21. Juli 2015

HRCanada_Iran-Atomdeal(crossposted mit abseits vom mainstream)

Breaking the Silence: Mittelsmann für anonyme Quellen

8. Mai 2015

Simon Plosker, HonestReporting, 5. Mai 2015

Zu oft sind, wenn es um Berichterstattung zu Israel und den Palästinensern geht, unbestätigte „Augenzeugen“ oder nicht genannte Quellen ein Merkmal der Medienveröffentlichungen, besonders derjenigen, die sich negativ auf Israel auswirken.

Und so verhält es sich mit einer Story, die die Organisation Breaking the Silence betrifft, die eine Sammlung Soldaten-Zeugenaussagen über den Gaza-Krieg des letzten Jahres veröffentlicht hat. Er wird von internationalen Medien weithin berichtet, darunter CNN, BBC, NPR, The Guardian, Daily Telegraph, Syndey Morning Herald, The Independent (Links eins und zwei), Financial Times (click via Google News) und die London Review of Books (hier vom linksradikalen israelischen Professor Neve Gordon). Reuters schreibt zum Beispiel:

Israel fügte palästinensischen Zivilisten im Gaza-Krieg von 2014 mit willkürlichem Feuer und laschen Einsatzregeln „massiven und beispiellosen Schaden“ zu, sagte am Montag ein Bericht, der anonyme Zeugenaussagen Dutzender Soldaten zitiert.

Der 237 Seiten starke Bericht der israelischen Interessenvertretungsgruppe Breaking the Silence beschrieb, wie die Israel Defence Forces (IDF) Schneisen der Verwüstung hinterließen, nachdem sie letzten Juli in den Gazastreifen mit dem erklärten Ziel einfielen, das Raketenfeuer der Hamas aus der Enklave zu stoppen.

„Wir schießen den ganzen Tag ohne Sinn herum. Die Hamas war nirgendwo zu sehen“, wurde ein Panzer-Feldwebel zitiert.

Die Gruppe sagte, ihre Befunde werfen „schwere Zweifel über die Ethik der IDF“ auf.

Aber was ist mit der verzerrten journalistischen Ethik, die hinter der Berichterstattung zu dieser Story steckt? Der Bericht von Breaking the Silence gründet in Gänze klar auf anonymen Aussagen. Im Wesentlichen nutzen die Medien Breaking the Silence als Mittelsmann, um die gebührende Sorgfalt in Sachen quellen zu vermeiden.

Der Bericht von Breaking the Silence erfüllt die akzeptierten Standards nicht, die Journalisten für ihre eigenen Berichte selbst anwenden.

Und wie wäre es damit die Motivation von Breaking the Silence zu hinterfragen? Der Journalist Jake Wallis Simons erzählte schon 2013, als der Interviews mit BtS-Mitarbeitern führte:

Zuerst war es nur eine Vermutung. Doch später wurde die Befangenheit der Organisation klarer. Während einer Interviewpause fragte ich Yehuda Shaul, einen der Gründer der Organisation, wie die Gruppe sich finanziert. Ich erfuhr zu meiner Überraschung, dass 45 Prozent von europäischen Ländern gespendet werden, darunter Norwegen und Spanien und die Europäische Union. Zu weiteren Spendern gehören UNICEF, Christian Aid und Oxfam GB. Mir scheint das potenziell problematisch.

Wie in allen Demokratien ist die IDF ein Organ des Staates, kein politischer Entscheidungsträger. Wenn das Ziel von Breaking the Silence einfach war das israelische Militär zu reinigen, wäre das kein solches Problem. Stattdessen besteht das Ziel darin „die Besatzung zu beenden“ – und auf dieser Grundlage stellt es seine Finanzierung sicher.

Es erschien daher so, dass diese ehemaligen Soldaten, von denen einige Gehälter von Breaking the Silence beziehen, von finanziellen und politischen Anliegen zur Förderung einer propalästinensischen Agenda motiviert waren. Sie erzählten nicht nur nicht die Wahrheit über ihre Erfahrungen. Sie standen unter Druck zu liefern.

In der Tat entdeckte ich später, dass es in der Vergangenheit viele Anschuldigungen gegeben hatte, Mitglieder der Organisation hätten ihre Aussagen gefälscht oder übertrieben.

NGO Monitor vermerkt zudem, dass die Spenden ausländischer Regierungen und NGOs, die die jüngsten Veröffentlichungen von Breaking the Silence finanzierten und legt dar:

Entgegen der Behauptungen von BtS, dass „die Inhalte und Meinungen in diesem Heft nicht die Haltung der Finanziers zum Ausdruck bringen“, offenbart Recherche von NGO Monitor, dass eine Reihe Geldgeber ihre Fördergelder unter dem Vorbehalt gaben, dass die NGO eine Mindestzahl an negativen „Zeugenaussagen“ erhält. Das widerspricht den Erklärungen von BtS und macht sie zu einer Organisation, die die Interessen ihrer Auslandsspender repräsentiert, was die Glaubwürdigkeit der NGO und ihre Fähigkeit zur Analyse komplizierter Kampfsituationen ernsten Schaden zufügt.

Die anfängliche Analyse von NGO Monitor zur Veröffentlichung von Breaking the Silence ist hier zu lesen; sie hebt einige ernste Fehler hervor.

Das hat aber die Medien nicht davon abgehalten sich auf anonyme Aussagen zu verlassen, um israelische Schuld zu bestätigen. HonestReporting hat früher schon zu anonymen Quellen festgestellt, dass ein Mangel an Transparenz Zweifel zur Qualität des Journalismus und zum Vertrauen in die Reporter aufwirft. Das ist ein Sinneswandel.

In diesem jüngsten Fall schient journalistische Ethik zweitrangig zu sein.

„Hätte besser formuliert werden können“

4. Mai 2015

Yarden Frankl, HonestReporting, 4. Mai 2015

Während des Gaza-Konflikts im letzten Sommer reichte Orla Guerin von der BBC einen Video-Bericht aus dem Gazastreifen ein. Wir waren davon schockiert, dass sie in diesem auf BBC Ones „News at Ten“ und auf der BBC-Internetseite ausgestrahlten Bericht erklärte, trotz israelischer Vorwürfe, dass die Hamas menschliche Schutzschilde nutzte, habe es „keine Belege“ für ein solches Tun gegeben.

Wir veröffentlichten unsere eigenes Video („Shocking Claim by Biased and Clueless BBC Journalist“), das zeigt, dass es in der Tat massive Belege dafür gibt, dass die Hamas diese Taktik nutzte. Wir drängten Zuschauer, sie sollten formelle Beschwerden bei der BBC einreichen, dass Guerin die Zuschauer durch ihre Äußerung getäuscht hatte.

Nun, der BBC Trust hat die Beschwerden geprüft. Dort stimmte man zu, dass ihre Äußerung über „keine Beweise für menschliche Schutzschilde“ unrichtig war. Hier ist das, was man dort sagte:

Auf die „Beweise“ zu verweisen, die eine Seite vorlegte, hätte nicht notwendigerweise deren Version der Ereignisse bestätigt und insofern würde ich zustimmen, dass dies hätte besser formuliert werden können.

So weit würden sie gehen. Der BBC Trust behauptet, dass sie in dem Bericht auf das Abschießen von Raketen sehr nahe an Wohnvierteln Bezug nahm. Sie behaupten, dass Zuschauer in der Lage hätten sein müssen herauszufinden, dass die Hamas in der Tat menschliche Schutzschilde nutzte.

Sorry, aber „hätte besser formuliert werden können“ reicht einfach nicht.

Wenn eine Korrespondentin in die Kamera schaut und die Vorwurf „menschliche Schutzschilde“ als einen „israelischen Vorwurf“ bezeichnet und dann noch sagt, es habe „keine Beweise“ gegeben, die das untermauern, dann täuscht sie die Zuschauer vollkommen. Hätte sie auch Bilder gezeigt, die das zu widerlegen schienen, was sie sagte, hätte das nur verwirrt, statt etwas zu klären.

Warum erlaubt die BBC überhaupt einer Reporterin weiter falsche Äußerungen abzugeben? Es ist nicht so, als wäre das das erste Mal gewesen, dass Guerin dabei erwischt wurde, wie sie falsche Äußerungen abgab (s. hier, hier und hier), die sich letztlich als unwahr erwiesen.

Wir loben alle, die der BBC schrieben und Beschwerden einreichten; und obwohl der Petitionsausschuss sie diesmal abgewiesen hat, ist es wichtig den Druck aufrecht zu erhalten. Nachrichtenorganisationen sollten sich nie mit Berichten zufrieden geben, die „hätten besser formuliert werden können“, die von Millionen gesehen werden.

Und Sie sollten das auch nicht.

The Independent – Entschuldigt die Kriegsverbrechen der Hamas

4. April 2015

Simon Plosker, Honest Reporting, 26. März 2015 (Übersetzung: Cora)

In einem seltenen Anflug von Kritik an den Palästinensern veröffentlichte Amnesty International einen Bericht, in dem die Hamas beschuldigt wird während des Gaza-Konflikts 2014 Kriegsverbrechen begangen zu haben.

Wie der Independent die Reportage verpackt erweckt dagegen den Eindruck eines Mediums, das sich nicht damit klarkommen kann den Konflikt einfach wiederzugeben, wenn die Palästinenser nicht als einzige unschuldige Opfer der israelischen Bösartigkeiten dargestellt werden können.

Die Hauptgeschichte des Blattes über den Amnesty–Bericht von Ben Lynfield wird mit einem Artikel von Kim Sengupta aus Gaza verbunden, der wirklich alles tut um Zweifel an der Schlussfolgerung Amnestys zu säen, der Tod von 13 Palästinensern im Flüchtlingslager al-Shati sei auf eine fehlgeleitete Hamasrakete zurückzuführen.

Die meisten der Getöteten waren sehr jung, die letzten Opfer einer Reihe von Explosionen, von denen einige ganze Familien ausgelöscht haben. Die Hamas beschuldigt die Israelis den Angriff auf Shati durchgeführt zu haben, die Israelis behaupten, Raketen der Hamas seien dafür verantwortlich. Wir Reporter versuchen Tag für Tag die unbarmherzige Gewalt dieses Konflikts aufzuzeichnen und haben daher kaum Zeit, die Beweise zu prüfen.

Gibt der Journalist Sengupta etwa zu, dass die Medien sich einfach auf palästinensische „Augenzeugen“ verlassen und Behauptungen der Hamas nutzen ohne sich damit abzugeben sie ordentlich zu überprüfen?

Der übrige Artikel gibt den Palästinensern die absolute Freiheit die Israelis für den Angriff zu beschuldigen auch, wenn die Interviewten keinerlei Kompetenz aufweisen derartige Urteile zu fällen – abgesehen von ihren antiisraelischen Vorurteilen.

Gar nicht zu sprechen von der fehlenden Freiheit der Gazaner, die Hamas ohne mögliche Konsequenzen zu kritisieren, etwas, das in diesem Artikel nicht berücksichtigt wird und damit eine Verletzung des Mindestmaßes an Journalismus ist.

Ich habe davon gehört, dass es vielleicht die Hamas gewesen ist, aber ich glaube nicht, dass sie so große Raketen haben. Ich denke, es waren die Israelis.

Die Trümmer der Überreste wurden am selben Tag erstaunlich schnell entfernt und einige Fotografen beschwerten sich, dass sie daran gehindert wurden Bilder zu machen. „Das beweist gar nichts.“ erklärt Yasser Abu-Shaqfa, 46, der Cousin von Mohammed. „Die Israelis bombardieren jeden Tag, jedes Alter wird ermordet. Warum soll es an diesem Platz anders sein? Wir möchten Beweise sehen, bevor wir entscheiden, ob die Hamas involviert war.

Die Berichterstattung des Independent beinhaltet auch einen redaktionellen Beitrag, der feststellt:

Es ist unangebracht von einer Gleichheit zwischen israelischen und palästinensischen Aggressionen in Gaza zu sprechen.

Beinahe 1500 palästinensische Zivilisten starben nach Angaben der UN beim israelischen Angriff im letzten Jahr und von den meisten Städten blieben nur Trümmer, wie der Independent in der letzten Woche berichtet hat. Die Zerstörung, die über diese palästinensische Enklave kam, übertrifft die der Raketen, welche von den Palästinensern über die Grenze geschossen wurden, bei weitem.“

Natürlich gibt es keine moralische Gleichheit zwischen Israel und der Hamas. Der Independent versucht allerdings anzudeuten, dass Israel derzeit schlimmer als die Hamas ist, weil sie in Gaza eine größere Zerstörung angerichtet hat.

Während der Independent dann doch feststellt dass es „Schuld auf beiden Seiten gibt“, kann er sich nicht dazu durchringen über die Kriegsverbrechen der Hamas zu berichten, selbst wenn das eigentlich das zentrale Thema der Ursprungsgeschichte der Zeitung gewesen ist. Stattdessen zieht er es vor eine weichere Aussage aus dem Amnesty-Bericht zu zitieren:

Es sollte nicht vergessen werden, dass die Schuld auf beiden Seiten liegt. Die rücksichtslose Nutzung ferngesteuerter Raketen durch die Hamas „zeigt eine flagrante Missachtung der internationalen Menschenrechte“, schließt ein Bericht von Amnesty International.

Insgesamt zeigt die Berichterstattung des Independent über den Bericht von Amnesty International eine verstörenden Gesinnung, die nur versucht Zweifel am Wahrheitsgehalt von ernsten Anschuldigungen gegen die Hamas zu säen. Dieses Benehmen gehört aber eher zu einer Interessenvertretung denn zu einem Presseorgan.

Würde der Independent den gleichen Skeptizismus zeigen, wenn es um einen Bericht einer Nichtregierungs-Organisation geht, der Israel der „Kriegsverbrechen“ anklagt? Nach der Berichterstattung über den letzten Amnesty Bericht, der feststellt, dass „Kriegsverbrechen“ von den Israelis begangen worden sein könnten, kennen wir die Antwort.

Sie können Ihre durchdachten Kommentare an den Independent schicken – letters@independent.co.uk – aber vergessen Sie bitte nicht, Ihre Postadresse und Ihre Telefonnummer anzugeben. Nur so gibt es eine Chance auf Veröffentlichung auf der Leserbriefseite.

AP stellt Israels Demokratie infrage

30. März 2015

Simon Plosker, HonestReporting, 24. März 2015

Die israelischen Wähler haben gesprochen, aber Dan Perry von Associated Press kann immer noch nicht mit dem Ergebnis klar kommen. Er scheint aufgebracht zu sein, dass Palästinenser nur ienmal in ihren eigenen Wahlen abstimmen und nicht auch in israelischen. Seine Analyse ist aggressiv überschrieben mit „Ist Israel demokratisch? Nicht ganz klar“ und erklärt:

Doch unter den Israelis selbst gibt es zunehmende Angst wegen der Tatsache, dass ihr Land mit 8 Millionen Menschen auch rund 2,5 Millionen Westbank-Palästinenser kontrolliert, die kein Stimmrecht in ihrem Parlament haben.

Wenn die 2 Millionen Palästinenser des Gazastreifens – einem indirekt von Israel kontrollierten Gebiet – in die Gleichung eingebracht würden, dann würde das Heilige Land zusammen mit den 2 Millionen Arabern in „Kern-Israel“ Heimat für eine Bevölkerung von rund 12 Millionen Menschen werden, die sich zu gleichen Teilen in Araber und Juden aufteilen.

Von den Arabern hat nur ein Drittel Stimmrecht. Da sind die „israelischen Araber“, die in den Gegenden leben, die im Krieg von 1948/49 zu Israel wurden, mit dem die Grenzen des Landes festgelegt wurden.

Perry hat Recht – sowohl der Gazastreifen als auch die Westbank haben kein Stimmrecht für das israelische Parlament. Palästinenser in diesen beiden Gebieten sind keine israelischen Staatsbürger und sollten daher nicht das Recht haben in israelischen Wahlen zu stimmen. Fakt ist, dass sie das Recht haben für ihr eigenes Parlament und ihren eigenen Präsidenten zu stimmen.

Doch Perry erwähnt das nirgendwo in seinem Artikel. Er erwähnt auch nicht, dass der palästinensische Präsident Mahmud Abbas sich aktuell im elften Jahr einer vierjährigen Amtszeit befindet. Er erwähnt ebenfalls nicht, dass palästinensische Legislativwahlen zuletzt 2006 stattfanden und für 2010 geplante Wahlen noch stattfinden müssen. In der Tat fordern Palästinenser ihre eigenen demokratischen Wahlen.

Also Dan Perry: Ist es wirklich Israel, das den Palästinensern das Stimmrecht in Wahlen verweigert? Ist es wirklich Israel, dessen demokratische Legitimation in Frage gestellt werden sollte? Oder ist die AP auf dem Weg zum Eintreten für eine Einstaaten-Lösung, in der Palästinensern die Mittel gegeben werden Israel einfach durch Abstimmung abzuschaffen?

Gebrochene Herzen in Gaza: Eine Lektion in nicht-investigativem Journalismus

13. März 2015

Brenda Yablon (kanadis­che Autorin, Jour­nal­istin und Filmkri­tik­erin mit Ausze­ich­nun­gen), 11.3.2015, honestreporting.com (übersetzt von Daniel)

Nicholas Kristof ist ein Jour­nal­ist der New York Times, der eine sehr wichtige Nis­che aus­füllt: Er schreibt über Men­schen­rechtsmiss­bräuche und soziale Ungerechtigkeiten. Er hat zwei Pulitzer­preise gewon­nen, einen für seine jour­nal­is­tis­chen Beiträge zum Tianan­men­platz, und den anderen für Dar­fur. Er gibt jenen eine  Stimme, die nicht für sich sel­ber sprechen kön­nen. Zusam­men mit seiner Frau, Sheryl Wudunn, hat er ein Buch geschrieben mit dem Titel: “Half the Sky: Turn­ing Oppres­sion into Oppor­tu­nity for Women World­wide.” Dabei han­delt es sich um eine einge­hende Unter­suchung der weltweiten Unter­drück­ung der Frauen.

Als also Mr. Kristof sowohl ein Video, als auch einen Artikel für die New York Times pro­duzierte, die am 8. März 2015 erschienen, mit dem Titel “Gebroch­ene Herzen in Gaza”, so inter­essierte mich dieser Bericht sehr.

Er stellt das Stück mit den Worten vor, dass “mein Job als Jour­nal­ist mich nach Gaza gebracht hat, um zu sehen, wie der let­ztjährige Krieg mit Israel die nor­malen Men­schen bee­in­flusst.” Ich erwartete, dass, nebst der grossen Zer­störung, keine Ver­suche des Wieder­auf­baus und dem all­ge­meinen all­ge­gen­wär­ti­gen Elend glück­loser Men­schen es auch ein Porträt der Hamas gäbe, wie sie Gaza regiert und wie die Gazaner von ihrer eige­nen Regierungspoli­tik betrof­fen sind.

Das Video beginnt damit, wie Kristof eine junge Mut­ter und ihren kleinen Sohn inter­viewt. Obwohl sie im Gaza­s­treifen leben, lebt der Ehe­mann und Vater des Jun­gen in der West­bank, und hat nie seinen Sohn gesehen.

Wie ist diese unglück­liche Sit­u­a­tion ent­standen? Das Paar war offen­sichtlich irgend­wann zusam­men, lange genug, um zu heiraten und ein Kind zu zeu­gen. Doch die Frage wird nicht ein­mal angedeutet. Stattdessen fragt Kristof die Mut­ter: “Wie ist es, ein Kind, das seinen Vater nie gese­hen hat, aufzuziehen?” Er bekommt den jun­gen Vater ans Handy und wir sehen und hören, wie er seine Trauer über die Sit­u­a­tion zum Aus­druck bringt.

Die einzige Erk­lärung, die Kristof bietet, ist “Israel ver­bi­etet den meis­ten Gazan­ern, Gaza zu ver­lassen.” Warum kann der Vater nicht wieder nach Gaza? Wurde er von der Hamas deportiert? Von Israel? Ein kri­tis­ches Detail der Geschichte wurde aus­ge­lassen und es wird der Ein­druck erzeugt, dass Israel allein für die Unzufrieden­heit der jun­gen Fam­i­lie voll­ständig ver­ant­wortlich ist.

Dann besucht er eine Keks– und Schoko­laden­fab­rik, die ein blühen­des Unternehmen in Gaza war, vor dem Krieg mit Israel, mit Hun­derten von Angestell­ten. Aber während des Krieges bom­bardierte es Israel. Jetzt funk­tion­iert die Fab­rik kaum noch. Maschi­nen ste­hen still, Ersatzteile kön­nen nicht bestellt wer­den, 150 Men­schen wur­den ent­lassen. Der Besitzer ist deut­lich in bit­terer Verzwei­flung, und das ist auch verständlich.

Doch WARUM hat Israel diese Fab­rik bom­bardiert? War es ein Fehler? Wurde sie von Hamas “Kämpfern” benutzt als Star­trampe für Raketen gegen Israel, wie sie das mit Kranken­häusern, Schulen, UN-Gebäuden und Pri­vathäusern getan haben? Das ist eine kri­tis­che Frage. Kristof behan­delt sie in einem Satz: “Ich weiss nicht, warum diese Fab­rik bom­bardiert wurde.” Was ist mit dem inves­tiga­tiven Jour­nal­is­mus passiert? Die Nicht-Beantwortung der Frage sagt dem Betra­chter, dass sie nicht wichtig ist. Wichtig ist nur, dass Israel die Bom­bardierung durchführte.

Er spricht mit einer Frau, deren Haus beschädigt und deren Mann ver­letzt wurde. “Willst du, dass israelis­che Müt­ter diesel­ben Schmerzen erlei­den, die Sie erlit­ten haben?” fragt er sie, in einem schö­nen Beispiel einer Sug­ges­tivfrage. Sie antwortet, dass israelis­che Müt­ter nicht kämpfen und auch Angst um ihre Kinder haben. Er fragt behar­rlich Leute, bis er zwei 14-jährige Jun­gen findet, von denen einer bereit wäre, sein Leben für den “Wider­stand” hinzugeben.

Nicholas Kristof

Kristof ist bereit, anzuerken­nen, dass “Israel legit­ime Sicher­heitsin­ter­essen hat. Tunnel-Einbrüche sind real. Hamas-Raketen wur­den von zivilen Orten abge­feuert… ” Tunnel-Einbrüche? Ein Ein­bruch ist eine geringe Störung. Ist das die Art, wie Kristof die Exis­tenz und den Zweck der Tun­nels inter­pretiert? Wie wäre es damit, zu töten oder so viele Israelis wie möglich als Geiseln zu nehmen? Oder um sich Mate­ri­alien anzueignen, die dazu hät­ten ver­wen­det wer­den kön­nen, ein besseres Leben für die Men­schen in Gaza zu bauen? Und, ja, Hamas hat Raketen von zivilen Orten aus abge­feuert — mehr als 5’000 im Jahr 2014, und mehr als 11’000 seit Israel sich 2005 aus dem Gaza­s­treifen zurück­ge­zo­gen hat.

Kristof fasst seine “Erken­nt­nisse” so zusam­men: “Israel und Hamas haben beide ver­sagt, haben Kriegsrunde um Kriegsrunde geführt.” Israel und Hamas sind also gle­icher­massen für die abgrundtiefe Lage im Gaza­s­treifen ver­ant­wortlich zu machen. Obwohl er für seine lei­den­schaftlich Unter­stützung der Men­schen­rechte bekannt ist, erwähnt er nicht ein einziges Mal die bekan­nten Hin­rich­tun­gen der Hamas von jed­er­mann, von dem sie mut­mawssen, dass er sie nicht unter­stützt, und sicher­lich ohne ordentliches Gerichtsver­fahren; ihrer bru­talen Ent­führung und Ermor­dung israelis­cher Zivilis­ten; ihren erfol­gre­ichen Ver­such, Gaza zu islamisieren, mit allen inhärenten Ein­schränkun­gen, ins­beson­dere für Frauen. Er schlägt vor, dass der Weg, um den Teufel­skreis zu durch­brechen, darin besteht, dass Israel das Embargo aufhebt. Das ist es. So einfach.

Im Druck­erzeug­nis, das das Video “Winde des Krieges” begleitet, macht Kristof ein Zugeständ­nis. “Zwar ist die Hamas’sche Mis­s­wirtschaft von zen­traler Bedeu­tung für das Prob­lem, aber wir haben keinen Ein­fluss auf die Hamas; wir haben dage­gen Ein­fluss auf Israel. ”

Kristof mag ein bril­lanter Jour­nal­ist sein mit Herz und Gewis­sen, doch nichts davon war in seine Berichter­stat­tung aus dem Gaza­s­treifen ersichtlich. Seine Berichter­stat­tung war sehr im Ein­klang mit dem grössten Teil des Jour­nal­is­mus, der während der Oper­a­tion Schutzrand her­auskam, und noch mehr: es ist nach­läs­sig, bequem, gekennze­ich­net durch Aus­las­sun­gen, Man­gel an his­torischem Wis­sen und kon­fusem Denken. Durch den Feis­pruch der Hamas von jeglicher Ver­ant­wor­tung, hilft dieser fehlgeleit­ete Jour­nal­is­mus auf keine Weise, um  das Leid der Palästi­nenser im Gaza­s­treifen zu ver­min­dern. Das einzige, was er tut, ist, die Hamas zu stärken.

Der Guardian elektifiziert die israelische Sicherheitssperre

3. März 2015

Simon Plosker, HonestReporting, 3. März 2015

Es scheint so, als sei Israel nicht der einzige Staat, der Terror durch den Bau einer physischen Sperre verhindert. Der Guardian berichtet, dass Kenia an der Grenze zu Somalia eine Mauer bauen wird, um Al-Schabaab-Terroristen draußen zu halten.

Der Bericht stellt auch Vergleiche mit Israels Sicherheitssperre an:

Kenia wird eine Mauer bauen. Nicht einfach eine Mauer, sondern eine „Trennmauer“, um die beschönigende Umschreibung zu gebrauchen, die von Israel geprägt wurde, um hoch aufragende, sich schlangenartig dahinziehende Bauwerke zu beschreiben, die es heute von der Westbank Palästinas trennen.

Es überrascht nicht sonderlich, dass der Guardian einseitig einem nicht existenten Palästinenserstaat die Eigentumsrecht an der Westbank gibt. Der Bericht beinhaltet jedoch einen eklatanten faktischen Fehler:

Die berühmteste ist allerdings Israels Trennsperre – fast 500 Meilen lang wechselt sie zwischen Stacheldraht-Reihen und elektrischen Zäunen und acht Meter hohen Betonmauern.

„Elektrische Zäune“ impliziert, dass jeder, der das Bauwerk berührt, einen Stromschlag erleidet, vielleicht sogar einen tödlichen. In Wirklichkeit ist diese Sperre jedoch eine elektronische, was bedeutet, dass jeder, der sie berührt oder in sie eingreift, einen Alarm auf einem zentralen Bildschirm auslöst, der IDF-Truppen losschicken kann, um das zu untersuchen.

Israels Sicherheitsbarriere ist kein nicht tödliches Mittel zur Verhinderung von Terrorismus.

Eine Aufforderung zu einer Korrektur ist dem Guardian zugeschickt worden, der bisher nicht geantwortet hat.


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