Archive for the ‘Europ. Medien und Nahost’ category

Voreingenommenheit #2: Unausgewogene Berichterstattung

3. Mai 2016

Pesach Benson, HonestReporting, 1. Mai 2016

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Teil 2 einer achtteiligen Serie über die acht Kategorien von Medien-Voreingenommenheit.

Verletzung #2
Unausgewogene Berichterstattung

Nachrichten werden durch unangemessene Berichterstattung verzerrt, nur eine Seite der Story wird präsentiert, oder extreme Meinungen werden als Mehrheitsmeinung dargestellt.

Für die Zwecke des Journalismus wird Ausgewogenheit wie folgt definiert:

Ein Zustand, in dem verschiedene Dinge zu gleichen oder angemessenen Teilen erscheinen oder eine gleiche oder angemessene Wichtigkeit eingeräumt bekommen.

Unausgewogenheit erscheint in vielerlei Gestalt, beispielsweise als Artikel, der mehrere Palästinenser ausführlich zitiert, aber nur einen einzigen Israeli zu Wort kommen lässt (oft nur kurz); als Websites, wo die Meinungsbeiträge, Leserzuschriften und Kommentare überwältigend israelkritisch sind; als einseitige Fotoberichte; oder als die Fehldarstellung extremer Meinungen als Mehrheitsmeinung.

Angemessene Berichterstattung ist ein Aspekt von Ausgewogenheit. Versehen die Redakteure eine bestimmte Story mit zusätzlichen Grafiken, damit in Zusammenhang stehenden Kommentaren, interaktiven Merkmalen und einer Debatte in den sozialen Medien, dann messen sie dem Thema Wichtigkeit bei. Andere Storys sind nur einen kurzen Absatz in einer Punktliste wert.

Ein anderer Aspekt von Ausgewogenheit ist Bedeutung. Nicht jede neue Entwicklung führt zu einer Berichterstattung auf der Titelseite. Wichtige Nachrichten zu vergraben oder zu ignorieren wäre die andere Seite der Medaille, was unausgewogene Berichterstattung betrifft.

Hier ein Video, in dem Steve Linde und Gil Hoffman von der Jerusalem Post sowie Dan Diker vom Jerusalem Center for Public Affairs mit HonestReporting über das Thema „unausgewogene Berichterstattung“ debattieren:

Einige Beispiele für diese Analyse unterstreichen die einzelnen Facetten, die Berichterstattung „ausgewogen“ machen.

BEISPIEL: 2009 brachte Breaking the Silence (eine nichtstaatliche Organisation, die Fehlverhalten von IDF-Soldaten bloßzustellen behauptet) einen Bericht über angeblichen Missbrauch seitens des Militärs während Operation Gegossenes Blei. Die Aussagen der Soldaten wurden als Gerüchte und Hörensagen abgetan. Jeder Journalist, der den Bericht der Organisation gelesen hat, hätte erkennen müssen, dass er problematisch ist — aber die britischen Medien schenkten Breaking the Silence unverhältnismäßig viel Aufmerksamkeit.

Der Independent beispielsweise brachte einen Bericht auf der Titelseite gekoppelt mit einer Doppelseite im Innenteil, und der Leitartikel maß mehr als 48 Spaltenzoll. Der Onlineartikel verlinkte zur Website von Breaking the Silence. Und der Guardian brachte zusätzlich zu seiner Hauptstory auf der Titelseite drei Videos, eine Kolumne und ein Editorial der Redaktion.

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BEISPIEL: BBC News war nach dem Itamar-Massaker im Jahr 2012, bei dem palästinensische Terroristen Udi und Ruth Fogel und drei ihrer Kinder brutal ermordet haben, Kritik ausgesetzt. Die BBC hatte die Story überhaupt nicht erst erwähnt, was ihr den Zorn der damaligen britischen Abgeordneten Louise Bagshawe einbrachte. BBC-Verantwortliche entschuldigten sich.

BEISPIEL: Eine Titelstory im Time Magazine vom September 2010 mit dem Titel „Warum Israel Frieden nicht interessiert“ stellte Israelis als am Frieden uninteressiert und vom Nahostkonflikt unberührt dar. Für eine Story mit solchem Gewicht brauchte Karl Vick, der Chef des Jerusalembüros, einen repräsentativen Querschnitt der israelischen Haltung. Statt dessen fußte der Artikel auf den Ansichten zweier in Russland geborenen Verkäufer, einer älteren Frau und einer mit ihr befreundeten Kellnerin — alle in Aschdod. (Die HonestReporting-Leserschaft prämierte dies mit dem Dishonest Reporter Award für 2010.)

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BEISPIEL: Unter dem Deckmantel „ausgewogener Berichterstattung“ zitieren die westlichen Medien besonders gerne Nachrichten und Meinungen des linken israelischen Blattes Haaretz. Natürlich steht der Redaktion und den Autoren des Blattes ihre Meinung zu, aber die westliche Leserschaft erhält ein verzerrtes Bild von Israel, wenn Haaretz als „Mainstream“ dargestellt wird. Seth Frantzman, einer der leitenden Redakteure des Konkurrenzblattes Jerusalem Post, erklärt den Grund:

Amos Schocken richtete im Mai 2014 einen persönlichen Appell an die Leser und bat sie, ihr Abonnement nicht aus patriotischen Gründen zu kündigen. Durch das Abonnement würden die Leser ‚zum Mithelfer der anhaltenden Bemühungen, Israel als liberale und konstitutionelle Demokratie herauszubilden, welche die Werte des Pluralismus und der Bürger- und Menschenrechte wertschätzt‘, so Schockens Behauptung. Als Richard Silverstein ihn im Blog Tikun Olam dafür zur Verantwortung zog, dass er eine Zeitung so darstellte, als sei sie eine Art loyalistische Prawda nach sowjetischem Muster, entgegnete Schocken auf Twitter ‚typisch für die Linken — sie sind mehr damit beschäftigt, ihren eigenen Leuten zu zeigen, wer noch linker ist, als dass sie sich auf die Rechten konzentrieren.‘ Die Essenz der Geschichte war, dass Haaretz wie ein Teil des Kreuzzugs gegen Rechts im Stil der 1930er anmutet, und Haaretz bleibt seiner Linie ähnlich wie die ‚No pasaran‘-Ideologen im spanischen Bürgerkrieg treu…

Das Hauptproblem mit den ausländischen Haaretz-Lesern ist, dass sie die Konversation nicht verstehen, der sie mit dem Lesen von Haaretz beitreten. Sie glauben, sie lesen aus einer Mitte-links-Publikation über Israel, ähnlich wie bei den großen Zeitungen im Ausland wie El Pais, Times, Corriere Della Serra, Le Monde oder Die Welt. Zwar folgen all diese Zeitungen politischen Ideologien und haben eine Leserschaft, die bestimmte sozioökonomische und ethnische Bevölkerungsschichten abdeckt, aber sie sind nicht einmal entfernt so insular wie Haaretz.

Um Haaretz zu begreifen, muss man verstehen, dass sich seine Zirkulationsrate in Israel im einstelligen Prozentbereich befindet (die Druckausgabe hat zwanzig- bis dreißigtausend Leser, wohingegen die größte Tageszeitung, Yediot, von zirka 60% der Israelis gelesen wird) und dass sie von einem engstirnigen, extremistischen Milieu geschrieben und gelesen wird. Hierauf wurde oben mit der Bemerkung Bezug genommen, dass die anfänglichen Besitzer und Autoren von ihrer Kultur her entschieden ‚europäisch‘ waren und die ‚europäische‘ Kultur im ‚Dschungel‘ des Nahen Ostens bewahren wollten.

NYT-logoBEISPIEL: In ihrer Bewertung der Berichterstattung der New York Times über den Nahostkonflikt sagte Public Editor Margaret Sullivan im November 2014, die rigorose Berichterstattung über die palästinensische Gesellschaft und Politik sei für das Blatt ein blinder Fleck, wohingegen Israel selbst übermäßig stark im Rampenlicht steht.

Die Berichterstattung über Palästinenser verstärken. Sie sind mehr als nur Opfer, und ihre Ansichten und ihre Regierung verdienen Berichterstattung und einen genaueren Blick. Realistische Untersuchungen, was in ihren Schulen gelehrt wird und wie die Hamas operiert, sollten Teil davon sein. Wie sieht die Ideologie der Hamas aus; was sind ihre Grundüberzeugungen, ihre Arbeitsweise? Wie sieht der palästinensische Alltag aus? Hierüber habe ich nicht viel in der Times gesehen.

Weitere Beispiele

CNNs übertriebene Berichterstattung über den verschollenen Flug MH 370, etwas, worüber sich Jon Stewart ausgiebig lustig gemacht hat; die übertriebene Belagerung des königlichen Babys der britischen Royals; ungarische Medien, denen gesagt wurde, sie sollen keine Bilder von Flüchtlingskindern in Europa zeigen; und ein Verbot durch das Weiße Haus, über Särge des US-Militärs zu berichten, die aus Irak zurückkamen.

Nächsten Monat folgt das nächste Kapitel dieser Reihe: „Als Nachrichten getarnte Meinungen: Es ist Aufgabe des Journalisten, Fakten wiederzugeben, ohne die eigene Meinung oder Interpretation einzuschieben.“

„Red Lines: The Eight Categories of Media Bias“ ist auf Amazon als E-Book erhältlich.

Ist ein „hilfloser“ Terrorist ein unschuldiger Terrorist?

4. April 2016

Simon Plosker, HonestReporting, 3. April 2016

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Ungeachtet der Kontroverse rund um das Erschießen eines entwaffneten palästinensischen Terroristen durch einen IDF-Soldaten in Hebron geht die folgende Schlagzeile der Times of London einfach zu weit:

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Einen Terroristen als „Hilflosen“ zu beschreiben nimmt ihm seine Rolle bei der Sache und erzeugt einen falschen Eindruck über die Taten und die Identität des beteiligten Palästinensers.

Die Handlung des israelischen Soldaten befindet sich jetzt vor Gericht. Der Palästinenser hingegen hatte einen israelischen Soldaten niedergestochen, bevor er neutralisiert wurde. Es gibt viele andere mögliche Beschreibungen, die man in der Schlagzeile hätte transportieren können, entwaffneter Terrorist oder Angreifer zum Beispiel, um dem Vorfall wesentlichen Kontext beizufügen.

Der sogenannte „Hilflose“ war gewiss kein unschuldiger oder zufälliger palästinensischer Zivilist, wie die Schlagzeile suggeriert, und die Handlungen des Soldaten sollten diese Tatsache nicht ändern.

Wir haben die Times of London um Korrektur gebeten.

Palästinensischer Terror-Amoklauf: schockierende Schlagzeilen

10. März 2016

Simon Plosker, HonestReporting, 8. März 2016

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Vorgestern kam es in Israel zu zahlreichen Terrorattacken. Beim schlimmsten Vorfall ging ein Palästinenser in Jaffa regelrecht auf Amoklauf, tötete einen amerikanischen Touristen und verwundete mehrere andere.

Zwei Grenzpolizisten wurden bei einem Schusswaffenangriff nahe Jerusalems Altstadt verletzt, und ein anderer Israeli wurde in Petah Tikva niedergestochen.

Einige der internationalen Medien jedoch sind sehr besorgt um die palästinensischen Terroristen und scheren sich keinen Deut um die Opfer.

Hier die aktuelle Schlagzeile der International Business Times:

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Hier die von One News, die zum neuseeländischen Fernsehen gehören:

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NBC News scheint verwirrt zu sein. „Israelische Messergewalt?“ Wer genau betreibt da bitte diese Messergewalt?

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Für die Irish Times „starb“ einfach ein Amerikaner, und zwar nicht durch einen palästinensischen Terroristen, sondern durch einen „Angreifer in Tel Aviv“, während die Unterüberschrift alles Nötige tat, um den Eindruck zu erwecken, dass Palästinenser einfach erschossen wurden, ohne dass sie auch nur mit einem einzigen Wort als die terroristischen Angreifer bezeichnet wurden.

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Auch die BBC hatte Schwierigkeiten mit der Identifizierung der Angreifer. Wie es bei BBC nur allzu oft der Fall ist, können Palästinenser unmöglich verantwortlich sein.

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Israelische Selbstverteidigung ist „tödliche Vergeltung“?

8. März 2016

Simon Plosker, HonestReporting, 3. März 2016

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Ein Guardian-Artikel beginnt mit dem folgenden Absatz:

Nach einer fünf Monate langen Gewaltwelle gegen israelische Bürger und andere Ziele, die mit tödlicher Vergeltung der Sicherheitskräfte beantwortet wurde, drohte Binyamin Netanyahu mit der Verbannung der Familien palästinensischer Attentäter nach Gaza.

Den Angaben zufolge stammt der Artikel von der Guardian-Redaktion und von Agenturen. Da wir keine große Presseagentur wie z. B. Associated Press, Reuters, AFP usw. finden können, die derartige Sprache benutzt, können wir getrost annehmen, dass es sich bei der „tödlichen Vergeltung“ um eine bewusste Formulierungsentscheidung des Guardian handelt.

Die einfache Wörterbuchdefinition von Vergeltung lautet: „jemandem, der einen verletzt oder schlecht behandelt hat, etwas antun — sich an jemandem rächen“.

„Vergeltung“ impliziert bösartige Absichten. Israel betreibt gegenüber Palästinensern keine Vergeltung. Und wenn israelische Sicherheitskräfte zur Verteidigung israelischer Bürger vor palästinensischen Terroristen oder Aufständischen aktiv werden, ist das nicht „bösartig“, sondern legitime Selbstverteidigung.

Ausdrucksweise ist wichtig. Palästinensische Taten werden als „Gewaltwelle“ bezeichnet, israelische Gegenmaßnahmen als „tödliche Vergeltung“. Es ist genau diese Art von Sprache, welche die gegenwärtige palästinensische Terrorwelle verzerrt, Attentäter zu Opfern macht und Israelis zu Tätern.

Verirrte IDF-Soldaten von Randalierern und der Presse angegriffen

4. März 2016

Daniel Pomerantz, HonestReporting, 2. März 2016

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Was ist passiert?

Zwei israelische Soldaten fuhren versehentlich ins Qalandiya-Flüchtlingslager, weil ihr Waze-Navigationssystem gesponnen hat. Im Lager anwesende Palästinenser griffen die verirrten Soldaten an — mit Schusswaffen, Molotowcocktails und Felsbrocken. Die Soldaten verließen ihr Fahrzeug und flohen zu Fuß vor der potentiell tödlichen Attacke, bevor IDF-Kräfte zur Rettung eintrafen.

Dann griffen die Palästinenser die Rettungskräfte an und verletzten zehn. Zehn Palästinenser wurden beim Angriff auf die IDF-Soldaten verletzt, und ein Palästinenser wurde getötet, während er auf israelische Soldaten feuerte.

Wie sehen die Schlagzeilen aus?

Einige Schlagzeilen mit den dazugehörenden Fotos waren irreführend bis absolut surreal.

Die International Business Times beispielsweise titelte „Palästinenser getötet“, wobei sie verschwieg, dass der fragliche Palästinenser getötet wurde, während er aktiv IDF-Soldaten konfrontierte. Weiters sagt die Schlagzeile, die Soldaten hätten einen Aufstand verursacht, weil sie ihrem Navi gefolgt sind. In Wirklichkeit „verursachten“ die Soldaten überhaupt nichts, sondern hatten sich einfach verirrt. Bewaffnete Palästinenser begannen dann mit dem Angriff.

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Der Guardian implizierte, die App-Nutzung der Soldaten sei der Grund für einen tödlichen Kampf gewesen. In Wirklichkeit führte die unprovozierte Attacke seitens bewaffneter Palästinenser unmittelbar zu diesem tödlichen Gefecht.

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Was ist die Hannibal-Prozedur und warum ist sie wichtig?

Die Rettungskräfte implementierten „Hannibal„, eine Prozedur zur Vermeidung von Kidnappings israelischer Soldaten, selbst wenn die Rettung das Leben des Soldaten gefährdet. Fliehen Entführer beispielsweise mit einem Auto, ist es den Rettungskräften laut den Regeln von Hannibal erlaubt, auf das Fahrzeug zu schießen, obwohl sich auch ein IDF-Soldat darin befindet.

Hannibal hat in der israelischen Gesellschaft zu Kontroversen geführt, weil die Prozedur israelische Soldaten möglicherweise der Lebensgefahr aussetzt.

Einige Medien wie z. B. Newsweek beschrieben Hannibal als „kontrovers“ und „todbringend“, aber ohne richtigen Kontext, womit sie andeuteten, Hannibal sei besonders gefährlich für Zivilisten (statt für die angegriffenen Soldaten), und dass die Prozedur außerhalb der israelischen Gesellschaft für beträchtliche Kontroversen gesorgt hätte (was schlichtweg nicht stimmt).

(Anmerkung: Der Codename „Hannibal“ wurde zufällig gewählt und hat nichts mit „Hannibal Lecter“ oder dem karthagischen Feldherrn Hannibal zu tun.)

Welchen zusätzlichen Kontext sollte ich kennen?

Das Qalandiya-Flüchtlingslager liegt in „Area A“ des Westjordanlandes, das sich unter palästinensischer Verwaltung und Sicherheitskontrolle befindet.

Die Palästinenserbehörde ist auch für die Polizei und die Sicherheit in der ganzen Area A verantwortlich. Das Qalandiya-Flüchtlingslager hat einen gewalttätigen, ungesetzlichen und terroristischen Ruf, und die palästinensische Polizei schert sich für gewöhnlich nicht im geringsten darum.

Unbewusste Voreingenommenheit beim Guardian? Aber nicht doch…

2. März 2016

Simon Plosker, HonestReporting, 1. März 2016

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Kurz nach unserer Kontaktaufnahme korrigierte der Guardian die Beschreibung von Im Tirtzu und nennt die Gruppe jetzt eine „außerparlamentarische politische Gruppe“.

* * *

Ein Guardian-Artikel über den sogenannten „Kulturkrieg“ in Israel beschreibt Im Tirtzu wie folgt:

…die rechtsgerichtete extra-paramilitärische politische Gruppe Im Tirtzu…

Die Wörterbuchdefinition von paramilitärisch lautet: „in Bezug auf oder charakteristisch für eine nach militärischem Vorbild formierte Streitmacht, insbesondere als potentielle militärische Hilfsstreitmacht.

Die rechtsgerichtete Interessensgruppe Im Tirtzu hat sich durch ihre Kampagnen zwar einen kontroversen Ruf erworben und hat sicherlich einige Leute beleidigt. Ihre Mitglieder sind jedoch ganz gewiss nicht bewaffnet und betätigen sich nicht paramilitärisch.

Da sich Im Tirtzu selbst als „außerparlamentarische politische Gruppe“ beschreibt, ist es wahrscheinlich, dass die Beschreibung des Guardian von einem Kopierfehler herrührt.

Trotzdem müssen wir fragen, ob da irgendeine unbewusste Voreingenommenheit existiert, die dazu führte, dass ein Autor und seine Redaktion eine israelische rechtsgerichtete Gruppe fälschlicherweise als Haufen Schwarzhemden darstellen.

Voreingenommenheit beim Guardian? Aber nicht doch…

Der Guardian behauptet, das israelische Militär habe eine Palästinenserin vergewaltigt

2. März 2016

Simon Plosker, HonestReporting, 26. Februar 2016

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UPDATE

HRsuccess2Kurz nach Veröffentlichung dieses Beitrags reagierte der Guardian und änderte die Unterüberschrift:

Gericht sagt, PTBS-Aussage hätte im Falle von Odeh zugelassen werden sollen. Odeh sagt, ihr Geständnis bzgl der Bombenlegung von 1969 sei das Resultat von Vergewaltigung und Folter durch das israelische Militär gewesen.

Zwar stehen die Behauptungen der Frau immer noch in gedruckter Form da, aber immerhin werden sie nicht mehr als Tatsache hingestellt.

* * *

Eine Reuters-Story im Guardian über eine palästinensische Aktivistin, der Einwanderungsbetrug zur Last gelegt wird, da sie den US-Behörden nicht mitteilte, dass sie wegen einer Bombenlegung in einem Supermarkt im Jahr 1969 mit zwei Todesopfern im israelischen Gefängnis saß, enthält folgende Passage:

Die 68jährige Rasmieh Yousef Odeh sagte, ihr Geständnis über die Bombenlegung war das Resultat schrecklicher Folter durch das israelische Militär, einschließlich Vergewaltigung und Elektroschocks.

Es stimmt — es ist Odeh, die diese Behauptungen aufstellt. Aber über diese blanken Behauptungen hinaus gibt es keinerlei Beweise.

Die Unterüberschrift des Guardian stellt diese Behauptungen jedoch als Tatsache dar:

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Das sind ernste Anschuldigungen, aber das ist eben alles, was sie sind: Anschuldigungen. Und als solche sollten sie nicht so dargestellt werden, als handle es sich um erwiesene Tatsachen.

Das ist nicht nur unprofessionelle Redaktionsarbeit auf Seiten des Guardian — zu behaupten, die IDF habe vergewaltigt, kommt einer Verhetzung gleich.

Wir haben den Guardian aufgefordert, diese Unterüberschrift abzuändern.


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