Archive for the ‘Europ. Medien und Nahost’ category

Die Irish Times: eine Vielzahl von Verzerrungen und Lügen in drei Teilen

16. Juni 2015

Simon Plosker, HonestReporting, 9. Juni 2015

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Die Irish Times hat eine Serie von drei Artikeln veröffentlicht, die anscheinend eine palästinensische Perspektive bei aktuellen Themen einnehmen. Voreingenommene und einseitige Berichterstattung ist bei der Irish Times die Norm.

Im ersten Artikel mit dem Titel “Palästinenser müssen Politik zur Beendigung des ‘Apartheid-Regimes’ einsetzen” führt Journalistin Michael Jansen ein Interview mit dem “israelischen Friedensaktivisten Jeff Halper“, der auch als “langjähriger Kritiker der israelischen Polizei” beschrieben wird.

Jansen verschweigt, dass Halper alles andere als ein “Friedensaktivist” ist. Tatsächlich geht Halpers Israelkritik viel weiter als nur über die Kritik an seiner Polizei. Halper ist ein radikaler antiisraelischer Aktivist und der Direktor des Israeli Committee Against House Demolitions (ICAHD).

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NGO Monitor schreibt dazu:

– Die Rhetorik von ICAHD umfasst auch Anschuldigungen von “ethnischer Säuberung“, “Völkermord“, “Kollektivbestrafung” und “Apartheid“.
– Aktiver Unterstützer der BDS-Kampagne gegen Israel (BDS = Boykott, Deinvestition und Sanktionen)
Spricht sich ausdrücklich für ein Ende des Staates Israel als Heimatnation des jüdischen Volkes aus und sagt: “Die einzige Option zur Lösung des Konflikts ist eine Einstaatenlösung.”

Halper sagte der Irish Times:

“Die israelische Armee ist überall. Teams, die sich als Palästinenser ausgeben, gehen willkürlich in palästinensische Dörfer und Städte und nehmen Palästinenser fest und erschießen sie.

In Halpers Vorstellungswelt erschießen israelische Soldaten einfach Palästinenser. Wie Halper gut bekannt ist, hat die IDF strenge Verhaltensregeln, und das Eröffnen von Feuer auf Palästinenser, ob sie nun bewaffnet sind oder nicht, wird nicht auf die leichte Schulter genommen.

Es ist jedoch nicht das erste Mal, dass Michael Jansen Halper eine Plattform zur Stimmungsmache gegen Israel zur Verfügung gestellt hat.

Jansen setzt ihre Story mit dem Interview des PA-Außenministers Nabil Shaath fort, der sich für Boykott, Deinvestitionen und Sanktionen (BDS) gegen Israel ausspricht und die palästinensische Kampagne als “Anti-Apartheid-Kampf” beschreibt. Es ist nur allzu leicht, unverifizierte Zahlen zu verbreiten, z. B. Shaaths Behauptung, Israel habe über 92% des Wassers im Westjordanland an sich genommen.

In Wirklichkeit, wie StandWithUs klarstellt, nutzt Israel heute dieselben wasserführenden Bodenschichten wie vor 1967, als seine Verwaltung des Westjordanlands begann. Das Wasser in diesen Schichten fließt von Natur aus in Richtung Meer, nach Israel hinein. Israelische Siedlungen sind an Israels nationales Wassersystem angeschlossen und nutzen nicht das Wassersystem der Palästinenserbehörde. Der palästinensische Wasserverbrauch stieg zwischen 1967 und 2008 um über 300% an.

Trotz der Wasserknappheit stimmte Israel beim Oslo-Abkommen zu, Palästinensern im Westjordanland jährlich 31 Mio. Kubikmeter seines eigenen Wassers zur Verfügung zu stellen, um ihre Wasservorräte zu ergänzen. Tatsächlich hat Israel jedes Jahr immer mehr gegeben. 2008 gab Israel 40% mehr als vereinbart: 51,8 Mio. Kubikmeter.

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Michael Jansen

Das Wasserthema wird auch in Jansens zweitem Artikel “Israelische Expansion zwingt Palästinenser in die antike Stadt Jericho” angesprochen:

Die Siedler verbrauchen 6,6 mal mehr Wasser als die Palästinenser, die jedoch acht- bis neunmal mehr sind. “Palästinenser dürfen keine neuen artesischen Brunnen graben”, sagt der Distriktgouverneur von Jericho, Majed Fityani. “Sie dürfen nur die 200 Brunnen nutzen, die schon bei der jordanischen Herrschaft vor 1967 vorhanden waren. Heute funktionieren noch 67 davon, und ihr Salzgehalt ist hoch. Die Talbewohner pflanzen Palmen wegen dem Salz; Gemüse [vorher eine Haupteinnahmequelle] ist auf einem Minimum.”

Unter Bezug auf eine Studie des Begin-Sadat Center for Strategic Studies sagt David Weinberg:

[Professor Haim Girtzman] zeigt auf, dass die gegenwärtige Einteilung der natürlichen Süßwasservorräte zwischen Israel und den Palästinensern gerecht ist. Israels Bevölkerung zählt 7,2 Millionen Menschen, fünfmal so viel wie die palästinensische Bevölkerung des Westjordanlands, die 1,4 Millionen zählt. Anteilsmäßig kontrolliert Israel 1.200 Mio. m³ des verfügbaren natürlichen Süßwassers, und die PA kontrolliert 220 Mio. m³. Pro Kopf sind das ca. 160 m³ Wasser pro Jahr sowohl in Israel als auch bei der Palästinenserbehörde.”

Was den Wasserverbrauch von Siedlern betrifft, so schickt Israel weit mehr Wasser für die Palästinenser ins Westjordanland, als was die Siedlergemeinden nutzen.

Zudem zeigt die Studie, dass die Palästinenser widerrechtlich über 250 nicht genehmigte Brunnen gegraben und damit ihre eigenen (sowie Israels) Wasservorräte verschmutzt haben. Überdies weigern sie sich, Kläranlagen zu bauen oder die existierende Wasser-Infrastruktur richtig handzuhaben.

Hier können Sie mehr darüber lesen, wie die Palästinenser das Wasser zum Einschlagen auf Israel nutzen.

Aber es sind nicht nur Sprecher der Palästinenser, die die Wahrheit verdrehen. Michael Jansen selbst erfindet Folgendes:

Israels 700 km lange graue Westjordanland-Mauer schlängelt sich durchs Westjordanland nahe an Jerusalem auf dem Gipfel der Bergkette.

Da Israels Sicherheitsbarriere zu über 90% aus Maschendrahtzaun besteht, ist Jansens Beschreibung einer durchgehenden Mauer schlicht falsch. Und nicht nur das, sondern der geplante Verlauf der Barriere wurde noch immer nicht fertiggestellt.

Das ist nicht die einzige Lüge im Artikel, der hinsichtlich der palästinensischen Wohnhäuser auch Folgendes behauptet:

In Jericho verlangt Israel hohe Gebühren für Baugenehmigungen, die Jahre brauchen, bis sie überstellt werden, und für die auch Rechtsanwaltsgebühren anfallen, und nach Fertigstellung des Baus werden hohe Steuern erhoben.

Israel ist tatsächlich verantwortlich für die Erteilung von Baugenehmigungen in Area C des Westjordanlands, welches sich vollständig unter israelischer Sicherheits- und Verwaltungskontrolle befindet. Jericho jedoch ist in Area A, welches unter voller Verwaltungskontrolle der Palästinenserbehörde steht. Israel erteilt schlichtweg keine Baugenehmigungen für palästinensische Wohnungen oder andere Strukturen in großen palästinensischen Städten in Area A wie z. B. Jericho.

Und wie verteidigt Jansen diese schamlose Lüge?

Israels Gesamtkonzept für die Jahre 2010 bis 2020 zielt darauf ab, ein Verhältnis von 60% jüdischen zu 40% palästinensischen Einwohnern Jerusalems zu garantieren, das 1967 von Israel annektiert wurde. Das angesprochene Verhältnis wird über Deportationen nach Jericho, in andere Städte im Westjordanland sowie ins Ausland erreicht.

Das Gesamtkonzept 2010-2020 ist nichts Finsteres, wie Jansen behauptet. Es behandelt die Langzeitplanung für alle Einwohner Jerusalems, sowohl der jüdischen als auch der arabischen. Neben einer Vielzahl von Themen betreffs der städtischen Bauplanung behandelt es die illegale Errichtung von Gebäuden auf der Ostseite der Stadt sowie die Genehmigung des Baus Tausender Wohneinheiten für palästinensische Einwohner Jerusalems.

Zwar kann dies einige Umzüge innerhalb des Jerusalemer Stadtgebiets beinhalten, aber es gibt keine Pläne, Palästinenser aus verwaltungstechnischen Gründen in Städte im Westjordanland oder gar ins Ausland zu deportieren.

* * *

Luftbild von Rawabi, April 2015

Luftbild von Rawabi, April 2015

Michael Jansens dritter Artikel in ihrer Serie, “Palästinensische Hügel lebendig mit Baulärm” beginnt wie folgt:

So lange man sich zurückerinnern kann, ist Rawabi die erste neue Stadt, die von Palästinensern auf palästinensischem Boden errichtet wird. Zweifelnde Palästinenser, dem Projekt gegenüber abgeneigte Israelis sowie skeptische Beobachter sehen es alle als teure Anomalie auf der gequälten Landschaft des von Israel besetzten Westjordanlands.

Palästinenser nennen Rawabi einen 1 Milliarde Dollar teuren weißen Elefanten und einen Versuch, die israelische Besatzung zu “normalisieren”, da Israel für seine Schaffung und Errichtung die Erlaubnis geben musste und israelische Firmen die Rohmaterialien zur Verfügung stellten.

Rawabi ist vielleicht eine der positivsten Entwicklungen für die Palästinenser in den letzten Jahren. Trotzdem kriegt es Jansen ganz klar nicht in den Kopf, dass Palästinenser irgend etwas anderes sein können als die ewigen Opfer Israels. Daher strengt sie sich doppelt an, Rawabi niederzumachen, sogar bevor es überhaupt fertiggestellt ist. Die entstehende Stadt beschreibt sie als illegitimes und negatives Projekt.

Für Jansen ist jeder potentiell positive Punkt in der palästinensischen Gesellschaft ein Verlust des Narrativs palästinensischen Leides unter dem Joch Israels. Dieses Narrativ zieht sich wie ein roter Faden durch ihre dreiteilige Serie, ein Narrativ, das von BDS-Unterstützung, Antinormalisierung der israelisch-palästinensischen Beziehungen und schamlosen Verzerrungen und Lügen geprägt ist.

Bild: CC BY-SA Victor Grigas via Wikimedia Commons; CC BY Elisa via flickr; mit Modifikationen CC BY-SA von HonestReporting

Die Medien, nicht der Papst, nannten Abbas einen “Friedensengel”

19. Mai 2015

Alex Margolin, HonestReporting, 18. Mai 2015

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(Update: AP veröffentlicht Korrektur)

Die Begegnung von Papst Franziskus und PA-Präsident Mahmud Abbas ist ein exzellentes Beispiel für das Phänomen, dass eine Lüge manchmal schon den halben Planeten passiert hat, während sich die Wahrheit noch die Schuhe anzieht.

In diesem Fall war die Lüge, der Papst habe Abbas bei ihrem Zusammentreffen am Samstag einen „Friedensengel“ genannt. Einen Tag bevor der Papst zwei Nonnen aus dem Palästina der Ottomanenherrschaft heiligsprechen wollte, trafen sich die beiden Führer und tauschten Geschenke aus. Die New York Times präsentierte die typische Berichterstattung:

Der Papst überreichte Herrn Abbas ein Medaillon und sagte, es zeige einen Friedensengel, der „den bösen Geist des Krieges vernichtet“. Es sei ein passendes Geschenk, fügte der Papst hinzu, denn „Sie sind ein Friedensengel“.

Natürlich stand die Times damit nicht allein da. Dieselbe Fehlinformationen erreichte über AFP, Daily Mail, BBC und viele andere eine große Zahl an Menschen.

Aber laut National Review lagen die Medien daneben:

Sie könnten nicht fälscher liegen. Hier ist der Bericht über die Bemerkungen von Papst Franziskus vom Vatikan-Reporter der italienischen Zeitung La Stampa:

Wie es bei Staats- oder Regierungschefs Tradition ist, überreichte Franziskus dem Palästinenserführer ein Geschenk mit der Bemerkung: „Möge der Friedensengel den bösen Geist des Krieges vernichten. Ich habe an Sie gedacht: Mögen Sie ein Friedensengel sein.“ Papst Franziskus hatte Abu Mazen einen „Mann des Friedens“ genannt, als er im Mai 2014 Bethlehem besuchte, ähnlich wie er den damaligen israelischen Premierminister Shimon Peres bei seinem darauffolgenden Besuch in Jerusalem einen „Mann des Friedens“ genannt hatte. Der argentinische Papst hatte danach beide Führer zu einer Gebetswache in den Gärten des Vatikan geladen, was am 8. Juni desselben Jahres stattfand und dem auch der ökomenische Patriarch von Konstantinopel, Bartholomäus, beiwohnte.

Mit anderen Worten, der Papst hat Abbas keineswegs „Friedensengel“ genannt. Ganz im Gegenteil. Er drängte ihn, zukünftig zu einem Friedensengel zu werden.

Die Version der National Review wurde von der Washington Post bestätigt, die ihre Berichterstattung ebenfalls auf der offiziellen Verlautbarung des Vatikans fußen ließ:

Bei einem Treffen im Vatikan am Sonntag überreichte Franziskus Abbas ein Bronzemedaillon mit der Darstellung eines Friedensengels und ermutigte ihn, sich dem Frieden zu verschreiben, wie eine Verlautbarung des Heiligen Stuhls aussagte.

Was ist also die Ursache für die rapide Verbreitung falscher Informationen? Laut dem National Review:

Dies zeigt, wie erpicht manche in den Medien sind, Seine Heiligkeit als einen heroischen Fürsprecher für die Sache der Progressiven darzustellen und somit als Verbündeten Palästinas gegen Israel. Hätte der Papst Abbas tatsächlich einen Engel genannt, wäre dies in ihren Augen einfach ein weiteres Beispiel dafür, wie er konservative Katholiken, von denen viele wahrscheinlich proisraelisch sind, in die Schranken weist.

Tatsächlich vertreten die Medien seit langem die Position, Abbas sei die letzte und beste Hoffnung für den Frieden in der Region, und zwar trotz des Versagens der von Abbas geführten jahrelangen Friedensverhandlungen. Ist Abbas jedoch ein Mann des Friedens, anerkannt von einer Autorität wie dem Papst, dann muss das Versagen der Verhandlungen Israels Schuld sein.

Bild: CC BY-NC-SA Jared Rodriguez/Truthout via flickr, modifiziert von HonestReporting

Breaking the Silence: Mittelsmann für anonyme Quellen

8. Mai 2015

Simon Plosker, HonestReporting, 5. Mai 2015

Zu oft sind, wenn es um Berichterstattung zu Israel und den Palästinensern geht, unbestätigte „Augenzeugen“ oder nicht genannte Quellen ein Merkmal der Medienveröffentlichungen, besonders derjenigen, die sich negativ auf Israel auswirken.

Und so verhält es sich mit einer Story, die die Organisation Breaking the Silence betrifft, die eine Sammlung Soldaten-Zeugenaussagen über den Gaza-Krieg des letzten Jahres veröffentlicht hat. Er wird von internationalen Medien weithin berichtet, darunter CNN, BBC, NPR, The Guardian, Daily Telegraph, Syndey Morning Herald, The Independent (Links eins und zwei), Financial Times (click via Google News) und die London Review of Books (hier vom linksradikalen israelischen Professor Neve Gordon). Reuters schreibt zum Beispiel:

Israel fügte palästinensischen Zivilisten im Gaza-Krieg von 2014 mit willkürlichem Feuer und laschen Einsatzregeln „massiven und beispiellosen Schaden“ zu, sagte am Montag ein Bericht, der anonyme Zeugenaussagen Dutzender Soldaten zitiert.

Der 237 Seiten starke Bericht der israelischen Interessenvertretungsgruppe Breaking the Silence beschrieb, wie die Israel Defence Forces (IDF) Schneisen der Verwüstung hinterließen, nachdem sie letzten Juli in den Gazastreifen mit dem erklärten Ziel einfielen, das Raketenfeuer der Hamas aus der Enklave zu stoppen.

„Wir schießen den ganzen Tag ohne Sinn herum. Die Hamas war nirgendwo zu sehen“, wurde ein Panzer-Feldwebel zitiert.

Die Gruppe sagte, ihre Befunde werfen „schwere Zweifel über die Ethik der IDF“ auf.

Aber was ist mit der verzerrten journalistischen Ethik, die hinter der Berichterstattung zu dieser Story steckt? Der Bericht von Breaking the Silence gründet in Gänze klar auf anonymen Aussagen. Im Wesentlichen nutzen die Medien Breaking the Silence als Mittelsmann, um die gebührende Sorgfalt in Sachen quellen zu vermeiden.

Der Bericht von Breaking the Silence erfüllt die akzeptierten Standards nicht, die Journalisten für ihre eigenen Berichte selbst anwenden.

Und wie wäre es damit die Motivation von Breaking the Silence zu hinterfragen? Der Journalist Jake Wallis Simons erzählte schon 2013, als der Interviews mit BtS-Mitarbeitern führte:

Zuerst war es nur eine Vermutung. Doch später wurde die Befangenheit der Organisation klarer. Während einer Interviewpause fragte ich Yehuda Shaul, einen der Gründer der Organisation, wie die Gruppe sich finanziert. Ich erfuhr zu meiner Überraschung, dass 45 Prozent von europäischen Ländern gespendet werden, darunter Norwegen und Spanien und die Europäische Union. Zu weiteren Spendern gehören UNICEF, Christian Aid und Oxfam GB. Mir scheint das potenziell problematisch.

Wie in allen Demokratien ist die IDF ein Organ des Staates, kein politischer Entscheidungsträger. Wenn das Ziel von Breaking the Silence einfach war das israelische Militär zu reinigen, wäre das kein solches Problem. Stattdessen besteht das Ziel darin „die Besatzung zu beenden“ – und auf dieser Grundlage stellt es seine Finanzierung sicher.

Es erschien daher so, dass diese ehemaligen Soldaten, von denen einige Gehälter von Breaking the Silence beziehen, von finanziellen und politischen Anliegen zur Förderung einer propalästinensischen Agenda motiviert waren. Sie erzählten nicht nur nicht die Wahrheit über ihre Erfahrungen. Sie standen unter Druck zu liefern.

In der Tat entdeckte ich später, dass es in der Vergangenheit viele Anschuldigungen gegeben hatte, Mitglieder der Organisation hätten ihre Aussagen gefälscht oder übertrieben.

NGO Monitor vermerkt zudem, dass die Spenden ausländischer Regierungen und NGOs, die die jüngsten Veröffentlichungen von Breaking the Silence finanzierten und legt dar:

Entgegen der Behauptungen von BtS, dass „die Inhalte und Meinungen in diesem Heft nicht die Haltung der Finanziers zum Ausdruck bringen“, offenbart Recherche von NGO Monitor, dass eine Reihe Geldgeber ihre Fördergelder unter dem Vorbehalt gaben, dass die NGO eine Mindestzahl an negativen „Zeugenaussagen“ erhält. Das widerspricht den Erklärungen von BtS und macht sie zu einer Organisation, die die Interessen ihrer Auslandsspender repräsentiert, was die Glaubwürdigkeit der NGO und ihre Fähigkeit zur Analyse komplizierter Kampfsituationen ernsten Schaden zufügt.

Die anfängliche Analyse von NGO Monitor zur Veröffentlichung von Breaking the Silence ist hier zu lesen; sie hebt einige ernste Fehler hervor.

Das hat aber die Medien nicht davon abgehalten sich auf anonyme Aussagen zu verlassen, um israelische Schuld zu bestätigen. HonestReporting hat früher schon zu anonymen Quellen festgestellt, dass ein Mangel an Transparenz Zweifel zur Qualität des Journalismus und zum Vertrauen in die Reporter aufwirft. Das ist ein Sinneswandel.

In diesem jüngsten Fall schient journalistische Ethik zweitrangig zu sein.

Jeremy Bowen (BBC): palästinensische Christen von dem bedroht, „was die israelische Regierung möglicherweise tun könnte“

16. April 2015

Simon Plosker, HonestReporting, 15. April 2015

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Kurz nach seinem überaus zahmen und nachsichtigen Interview mit Hamas-Führer Khaled Meshaal richtet der Nahost-Redakteur der BBC, Jeremy Bowen, seine Aufmerksamkeit auf die Not der Christen im Nahen Osten.

In einem Beitrag vom 14. April auf BBC Radio 4 spricht Bowen darüber, wie die Zunahme des radikalen Islam, insbesondere in Form des Islamischen Staates und ähnlicher Organisationen, zu einem christlichen Exodus aus der Region geführt hat.

Ganz am Ende seiner Analyse sagt Bowen:

Auch palästinensische Christen fühlen sich bedroht, und zwar nicht nur durch den extremen Islam, sondern auch durch das, was die israelische Regierung möglicherweise tun könnte.

Was genau könnte die israelische Regierung denn möglicherweise tun? Der Programmbeitrag endet, und man bleibt uns diese Information schuldig, aber Bowen hat einen Samen des Vorurteils gepflanzt, der gerade groß genug ist, um Israel beim uninformierten Hörer mit Christenverfolgung in Verbindung zu bringen.

Dies könnte nicht weiter von der Wahrheit entfernt sein, aber seit wann kümmert das einen Jeremy Bowen, wenn es um Israel geht?

Britische Kolumnistin: „Israel jetzt bösartiger und gefährlicher als die Hamas“

6. April 2015

Simon Plosker, HonestReporting, 30. März 2015

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Yasmin Alibhai-Brown, eine Kolumnistin für den Independent, ist Urheberin einer langen Reihe giftiger Hetzschriften gegen Israel und gegen Juden, die Israel unterstützen. Regelmäßig beschreibt sie Israel als „rassistischen“ Staat und als „Apartheid“-Staat, behauptet aber, einige ihrer besten Freunde seien Juden.

Ihre jüngste Tirade schlägt in dieselbe Kerbe und enthält einige besonders verstörende Aussagen, die selbst für ihren ohnehin sehr niedrigen Standard bemerkenswert sind. Von diesen Aussagen sticht besonders die Folgende ins Auge:

Hamas ist eine bösartige und gefährliche Macht im Nahen Osten. Aber Israel ist jetzt bösartiger und gefährlicher.

Ein Blick auf die teuflische und antisemitische Charta der Hamas, von dem absichtlichen Anzielen israelischer Zivilisten wie im letzten Sommer durch die Hamas ganz zu schweigen, genügt als Beweis, dass die wahre Bösartigkeit in Alibhai-Browns abscheulicher Behauptung liegt, Israel sei bösartiger als eine brutale Terrororganisation.

Aber das ist nur eines der vielen Probleme mit Alibhai-Browns Schmierentext. Sie beginnt mit einem Lob für die Israelkritik des Time-Kolumnisten Joe Klein, obgleich dieser laut Alibhai-Brown „sein ganzes Leben lang ein loyaler Zionist“ war. Sie schreibt:

Es erfordert Mut, mit solcher Ehrlichkeit zu schreiben. Es brauchte einen scharfsinnigen und nachdenklichen Juden, um zu formulieren, was Millionen von Menschen weltweit empfinden. Und mittlerweile wird er die Schlingen und Pfeile zorniger Eiferer zu spüren bekommen haben.

Und weiter:

Es ist nicht leicht, ein prinzipienfester und aufmerksamer Diaspora-Jude zu sein. Man wird von Insidern des Verrats bezichtigt und Außenstehende misstrauen einem, und so kann man nicht gewinnen.

Einige tadeln noch immer den rassistischen israelischen Staat, aber mit Vorsicht. Viele schweigen, da Israelkritik den defensiven Zorn von Zionisten provoziert und unerschütterliche Antisemiten stärkt.

Ganz im Gegenteil – es erfordert alles andere als Mut, um Israels Politik zu kritisieren. Viele Juden in der Diaspora tun dies, und sie haben das Recht dazu. Wenn sie dies „vorsichtig“ tun, dann weil sie sich nicht an der Dämonisierung und Delegitimierung beteiligen, die so viele von den hasserfüllten Schimpftiraden charakterisieren, die heutzutage gegen Israel gerichtet werden. Und auch viele Israelis kritisieren ihre Regierung, was zu einer gesunden Demokratie gehört, die erst kürzlich eine intensiv ausgefochtene Wahl abgehalten hat. Natürlich kann Alibhai-Brown der Versuchung nicht widerstehen, das Adjektiv „rassistisch“ einzufügen und Zionismus als schmutzige Ideologie hinzustellen.

Alibhai-Brown schreibt weiter:

Viele von uns Moslems sind derselben Problematik ausgesetzt: Verurteilen wir islamistische Ideologien, werden defensive Moslems wütend, und der antimuslimische Hass wird gestärkt.

Es gibt jedoch keine moralische Entsprechung zwischen Juden, welche Israels Handlungen kritisieren, und Moslems, die islamistischen Terror kritisieren. Zionisten, die Israel verteidigen, sind nicht gleichzusetzen mit „defensiven Moslems“, welche die Ideologie oder Handlungen von Al-Qaida oder ISIS-Terroristen rechtfertigen.

Dann spricht Alibhai-Brown über die Opposition gegen eine einseitig antiisraelische Konferenz an der Southampton University. Wie Petra Marquardt-Bigman schreibt:

Die offizielle Ankündigung beschreibt die Konferenz als „bahnbrechendes historisches Ereignis auf dem Weg zu Gerechtigkeit und dauerhaftem Frieden im historischen Palästina“. Die Konferenz ist angeblich „einzigartig, weil sie die Legitimität des jüdischen Staates Israel im internationalen Recht betrifft“; doch wie Menschen, die sich mit Antisemitismus auskennen, wissen, gibt es beim Herausgreifen des weltweit einzigen jüdischen Staates zu seiner alleinigen Delegitimierung nichts „Einzigartiges“.

Laut Alibhai-Brown jedoch sind die vielen tausend Menschen, die ihre Opposition gegen diese Konferenz zum Ausdruck gebracht haben, „Agitatoren“ gegen die „gelehrten Erwägungen“ bei der Infragestellung von Israels Existenzrecht.

Und dann wird es Zeit für Holocaust-Missbrauch:

Jüdische Denker und Autoren in den USA, dem Vereinten Königreich und Israel stellen nun die Art und Weise in Frage, wie der Holocaust verwässert und benutzt wurde, um unmenschliche Politik und Handlungen zu rechtfertigen.

Die einzige Verwässerung des Holocaust wird von Menschen wie Alibhai-Brown erwirkt, die behaupten, es gebe eine moralische Entsprechung zwischen dem Dahinschlachten von sechs Millionen Juden und der israelischen Behandlung der Palästinenser. Danach vergöttert sie eine Auswahl antizionistischer britischer Juden, die eine sehr lautstarke Randgruppe von Israelhassern darstellen, die nur deswegen Glaubwürdigkeit einfordern, weil sie „als Juden“ sprechen.

Alibhai-Brown schließt:

Ich wünschte mir, mehr von uns Moslems würden jüdische Männer und Frauen anerkennen, die trotz untolerierbaren Drucks für Palästina kämpfen, für ein ethisches und gerechtes Israel und für die Gleichheit aller Menschen. Ich wünschte mir, mehr Moslems wären so unparteiisch und ehrenhaft wie diese jüdischen Widerständler.

In Alibhai-Browns hasserfüllter Weltsicht gibt es gute Juden und böse Juden. Die guten Juden stellen sich Israel entgegen, und die bösen Juden sind Zionisten.

Keine palästinensischen Wahlen? Delegitimieren wir die israelische Demokratie!

27. März 2015

Simon Plosker, HonestReporting, 19. März 2015

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Ein besonders übler Kommentar der britischen Palästinenserin Yara Hawari trifft im Independent die folgende Behauptung über die Wahlen in Israel:

Tatsächlich haben fast 4,5 Millionen Palästinenser in Gaza und Westjordanland kein Mitspracherecht darin, welche israelische Partei jeden Aspekt ihres Lebens bestimmen wird.

Aber warum sollten sie bei einer israelischen Wahl stimmen dürfen? Das wäre nur möglich, wenn es eine Einstaatenlösung gäbe, und dann würden die erwähnten 4,5 Millionen Palästinenser Israel einfach als jüdischen Staat in die Nichtexistenz wählen.

Und was ist mit Israels arabischen Bürgern, die zur Wahl gekommen sind?

Obwohl sie die Staatsbürgerschaft besitzen, ist diese nominell, und eine ganze Batterie aus israelischen Gesetzen wurde geschaffen, um sie zu diskriminieren. Ihre Situation ist diejenige eines intern kolonisierten Volkes, und die Art von Besatzung, der sie ausgesetzt sind, ist zwar subtil, aber sehr real.

Hawari verlinkt die radikale Adalah-Organisation, die eine Datenbank von „50 diskriminierenden Gesetzen“ unterhält. NGO Monitor sagt: „Entgegen Adalahs fortgesetzten Versuchen, Israel als antidemokratisch und rassistisch hinzustellen, einschließlich häufiger Veranstaltungen bei den Vereinten Nationen und anderen internationalen Plattformen, haben viele der angeführten Gesetze nichts mit israelischen Arabern zu tun und können auch nicht als ‘diskriminierend’ beschrieben werden.“

Vielleicht sollte Hawari ihre Aufmerksamkeit der wahren Problematik widmen, der die Palästinenser in Gaza und Westjordanland gegenüberstehen. Evelyn Gordon erklärt im Commentary-Magazin:

Ein erfahrener palästinensischer Journalist aus Ramallah fasste die vorherrschende Meinung prägnant zusammen. „Wir sagen all diese schlimmen Sachen über Israel, aber die Leute dort haben wenigstens das Recht zu wählen, und sie haben eine Demokratie“, sagte er dem Jerusalem-Post-Reporter Khaled Abu Toameh vor der Wahl. „Wir beneiden die Israelis. Unsere Führer wollen keine Wahlen. Sie wollen für immer im Amt bleiben.“

Ghanem Nuseibeh, ein Palästinenser aus Ostjerusalem, der heute in Großbritannien lebt, veröffentlichte am Wahltag eine Reihe erhellender Tweets, u. a.: „Über eine Million Araber nehmen heute an den demokratischsten Wahlen im Nahen Osten teil“; „Die Araber in Israel sind die einzige Gruppe von Arabern im Nahen Osten, die echte Demokratie praktiziert“; und „Israel ist sicher wegen dem, was es heute tut, und nicht weil es Bibi oder Buji wählen wird“. Er unterstützte Isaac Herzog („Buji“) und lehnte Benjamin Netanyahu ab, aber nachdem sein Kandidat verloren hatte, tweetete er trotzdem: „Israel ist die weltweit lebendigste Demokratie“… „Hätte ein arabisches Land dasselbe breite Spektrum politischer Parteien wie Israel, gäbe es dort Bürgerkriege von nie zuvor dagewesenem Ausmaß.“

Nur für den Fall, dass Hawari nicht deutlich genug herausgestrichen hat, wie sehr sie Israel hasst, deutet sie an, Israel habe kein Existenzrecht, da ein „kolonialer Staat“, wo nur Nichtjuden Eingeborene sein können, keine Legitimität besitzt:

Ein Staat, der mittels einer jahrzehntealten illegalen Besatzung Kontrolle über ein Volk ausübt, ist keine Demokratie. Ebenso ist auch ein Staat, der sich nur für Juden offen erklärt und der die Rechte der eingeborenen nichtjüdischen Völker ignoriert, keine Demokratie.

Israel gehört nicht allen seinen Bürgern und denjenigen in seiner Kontrolle. Es ist ein ethnokratischer, kolonialer Siedlerstaat, der das internationale Gesetz täglich missachtet, indem er die Palästinenser in unterschiedlichem Besatzungsausmaß unterdrückt.

Dieser Meinungskommentar wurde vor der Wahl veröffentlicht, was beweist, dass sich der Independent durch die Veröffentlichung weniger um den Wahlausgang kümmert (den er eindeutig nicht mag), sondern mehr an einer Attacke auf die einzige echte Demokratie im Nahen Osten interessiert ist, ganz egal wie sehr Yara Hawari das Gegenteil behauptet.

Das jämmerliche Geheul über eine Werbebeilage mit israelischen Speisen

20. März 2015

Alex Margolin, HonestReporting, 19. März 2015

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Für diejenigen, die Israel zu delegitimieren versuchen, lauern Verschwörungen an jeder Ecke. Völlig gleich was Israel tut, der wahre Zweck dahinter ist für diese Leute immer die Ablenkung der Menschen von Israels wahrem Ziel der Unterdrückung der Palästinenser.

Jüngstes Beispiel ist das Theater rund um eine Werbebeilage im Monatsmagazin der britischen Lebensmittel-Handelskette Waitrose.

Eine Ausgabe des Magazins enthielt jüngst eine 32seitige Hochglanzbeilage. Der Independent schreibt:

Taste of Israel, geschrieben vom Fremdenverkehrsbüro des betreffenden Staates, erschien in der Februarausgabe des monatlichen Waitrose Kitchen Magazine. Die Publikation bietet Informationen über die Geschichte der Speisen in Israel, übliche Zutaten und Gerichte, einen Beitrag über Marktbesuche sowie Rezepte für Speisen wie Shakshuka, Falafel und Hummus.

Rezepte? Übliche Zutaten? Geschichte der Speisen? Nun, das will Israel euch glauben machen! Die Palestine Solidarity Campaign kennt den wahren Hintergrund:

Die Broschüre ist ein Paradebeispiel für israelische Regierungspropaganda. Sie ist Zeugnis ihrer Bemühungen, die ausländische Öffentlichkeit von ihrer brutalen militärischen Besetzung palästinensischen Landes abzulenken, indem es das Bild eines Apartheidregimes mit dem eines touristenfreundlichen, kulturliebenden Landes ersetzt.

Angesichts des gegenwärtigen antiisraelischen Klimas im Vereinigten Königreich überrascht es kaum, dass die antiisraelische Version der Ereignisse bei einem Teil der Waitrose-Kunden einen empfindlichen Nerv getroffen hat, und sie haben geschworen, Waitrose zu boykottieren, da die Werbebeilage nicht auf die Nöte der Palästinenser eingeht.

William Sitwell, Herausgeber des Waitrose Kitchen Magazine, bestreitet, dass er eine Agenda bei der Veröffentlichung der Beilage gehabt habe: „Waitrose Kitchen ist nicht politisch – wir drucken Anzeigen von einer großen Bandbreite unterschiedlicher Geschäfte und Organisationen“, sagte er.

Aber vielleicht protestiert die Palestinian Solidarity Campaign zuviel. Vielleicht ist die Gruppe in Wirklichkeit nur eine Front, um harmlose israelische Werbeanzeigen zu attackieren, um die Menschen von der Unterdrückung des palästinensischen Volkes durch die Hamas abzulenken.


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