Archive for the ‘Europ. Medien und Nahost’ category

Terrorkollaborateur-Journalist gefeuert

27. September 2016

Daniel Pomerantz, HonestReporting, 8. September 2016

Der italienische Journalist Michele Monni wurde diese Woche wegen Unredlichkeit entlassen, weil er behauptete, er arbeite für die italienische Nachrichtenagentur ANSA, als er in Wirklichkeit für die Terrororganisation Hisbollah arbeitete.

Letzten Monat schrieb HonestReporting über den Vorfall:

Monni gehörte zu den allerlei Reportern, die an Dokumentationen zum Gedenken des 10. Jahrestags des Zweiten Libanonkriegs arbeiten. (Das war der Konflikt, der von der Entführung der IDF-Soldaten Eldad Regev und Ehud Goldwasser ausgelöst wurde.)

Als Teil seiner Dokumentation interviewte Monni die ehemalige Außenministerin Tzipi Livni, den ehemaligen Verteidigungsminister Amir Peretz und zwei ehemalige Soldaten zu ihren Erinnerungen an die Entführung und den folgenden Konflikt 2006.

Nachdem Monni diese scheinbar alltäglichen Interview führte, geschah etwas Seltsames. Wie YNet zuerst berichtete, wurde Monnis Arbeit gesendet, aber nicht vom italienischen Fernsehen, sondern von al-Mayadin, einem libanesischen Fernsehsender, der mit der Hisbollah verbunden ist.

Al-Mayadin ist in der arabischen Welt als Teil der „Achse der Oppositionsmedien“ bekannt, zu der Hisbollahs Fernsehsender Al-Manar gehört. Diese schiitische Medienachse unterstützt unerschütterlich Baschar Assad und den Iran und ist zudem stolz darauf Al-Jaziras sunnitisch orientierte Agenda zu kontern.

Keiner der Israelis hätte dem Interview mit Monni zugestimmt, hätten sie gewusst, dass sie in einer „Dokumentation“ in einem Sprachrohr der Hisbollah erscheinen würden. Danach gefragt, wie seine Arbeit in den Händen von al-Mayadin landen konnte, gab Monni widersprüchliche Erklärungen (mehr dazu unten).

(Al-Mayadins komplette Dokumentation finden sich auf YouTube. Die Gesamtschilderung erfolgt auf Arabsich; die Interviews mit den Israelis und Teile, die Nachrichtenmeldungen der Amerikaner bringen, sind in Hebräisch und Englisch.)

Was geschah als Nächstes?

Israels Regierungspressebüro (GPO) startete eine formelle Ermittlung in dieser Frage, darunter ob der italienische Journalist Monni und die Nachrichtenagentur ANSA mit der Hisbollah konspirierten oder Betrug und Verdrehung von Tatsachen betrieben. Zusätzlich dazu, dass er sagte, er arbeite für ANSA; hatte Monni auch gesagt, er arbeite für Al-Jazira. Doch beide Nachrichtenagenturen stritten gegenüber dem GPO ab, dass sie auf irgendeine Weise  beteiligt waren.

Schließlich entschuldigte sich die italienische ANSA bei Israel und beendete Michele Monnis Vertrag wegen seines unredlichen Handlungsweise in dieser Affäre.

ANSA veröffentlichte die folgende Stellungnahme:

ANSA gab dem freiberuflichen Journalisten Michele Monni nie einen Auftrag irgendjemanden für den Beitrag zu den Ereignissen von 2006 zu interviewen. Monni sagte ANSA nie, dass er diese Interviews durchführt. Darüber hinaus hat ANSA nie irgendewelche von Monni geführte Interviews zu diesen Ereignissen veröffentlicht.

HonestReportings leitender Redakteur Simon Plosker fügt hinzu:

Dass ANSA den Vertrag mit Michele Monni beendete, ist das einzige akzeptable Ergebnis dieses Falls. Monni führte nicht nur einen schockierenden Betrug durch, sondern kollaborierte offen mit einer Terrororganisation. Kein seriöses Medienorgan sollte auch nur überlegen ihn zukünftig zu beschäftigen.

Plosker hat unser Missfallen über Twitter direkt an Monni kommuniziert:

Das einzig akzeptable Ergebnis. Kein seriöses Medienorgan sollte auch nur daran denken @bluemonni in Zukunft zu beschäftigen. https://t.co-YsGegkqQkU
– Simon Plosker (@SimonPlosker) 8. September 2016

Was bringt die Zukunft?

ANSA hat sich entschuldigt und seine Beziehung zu Monni beendet. Doch Monni sagte auch, dass er für Al-Jazira und die BBC arbeitet. Wird eine dieser Organisationen gegen Monni vorgehen? Werden Nachrichtenagenturen im Allgemeinen daran arbeiten sicherzustellen, dass solche Übertretungen zukünftig nicht stattfinden?

Eines ist gewiss: Es gibt ernste Brüche des professionellen Verhaltens zumindest bei einigen Mitgliedern der Auslandspresse, die in Israel arbeiten.

Und das beklagenswerte Endergebnis war Terrorpropaganda, nicht Journalismus.

HonestReportings CEO Joe Hyams sagte:

Das ist ein massiver Bruch der Medientransparenz. Es ist einer der wenigen Bereiche in der Medieneinseitigkeit, den die Öffentlichkeit nicht zwangsläufig von Berichterstattung unterscheiden kann und genau das ist der Grund, warum Medien-Watchdogs wie HonestReporting die Nachrichtenindustrie nicht nur Ruhe kommen lassen und die Öffentlichkeit vor Manipulation schützen müssen.

Voreingenommenheit #6: Nutzung von Fakten für falsche Schlussfolgerungen

9. September 2016

Teil 6 einer achtteiligen Serie über die acht Kategorien von Medien-Voreingenommenheit.

Verletzung #6
Nutzung von Fakten für falsche Schlussfolgerungen

Medienberichte führen oft Fakten ins Feld, aus denen sie falsche Schlussfolgerungen ziehen

Selbst wenn alle Fakten stimmen, ist es Journalisten immer noch möglich, falsche Schlüsse zu ziehen. Irren ist menschlich, richtig?

In diesem Video diskutieren Haviv Rettig Gur von der Times of Israel und Michelle Chabin von USA Today und anderen Blättern mit HonestReporting darüber, wie Reporter Fakten einsetzen können, um falsche Schlüsse zu ziehen:

APlogoBEISPIEL: Als Premierminister Benjamin Netanyahu im März 2015 wiedergewählt wurde, machte der Associated-Press-Reporter Dan Perry abfällige Bemerkungen über die Resultate, weil Palästinenser nicht wählen durften.

Doch unter den Israelis gibt es die zunehmende Angst vor der Tatsache, dass ihr aus 8 Mio. Menschen bestehendes Land auch um die 2,5 Mio. Palästinenser im Westjordanland kontrolliert, die kein Stimmrecht für ihr Parlament haben.

Fügt man der Gleichung die 2 Mio. Palästinenser im Gazastreifen hinzu, einem indirekt von Israel dominierten Gebiet, dann wäre das Heilige Land zusammen mit den 2 Mio. arabischen Bürgern Israels Heimat einer Bevölkerung von um die 12 Millionen Menschen, gleichmäßig aufgeteilt in Araber und Juden.

Von den Arabern hat nur ein Drittel Stimmrecht. Das sind die „israelischen Araber“, die in den Gebieten leben, die im israelischen Unabhängigkeitskrieg, der die Grenzen des Landes festlegte, zum Land Israel geworden sind.

Die Fakten sind absolut zutreffend: Palästinenser im Westjordanland sind keine israelischen Staatsbürger und können bei Wahlen in Israel nicht wählen. Das bedeutet aber nicht, dass Israel ihnen das Wahlrecht entzogen hätte.

Der Grund, warum die bei der Palästinensischen Autonomiebehörde lebenden Palästinenser nicht wählen, ist, weil sie bei Wahlen der Palästinensischen Autonomiebehörde ihre eigenen Führer wählen. Seit 2006 haben sie dies allerdings nicht mehr getan; für 2010 angesetzte Wahlen wurden wegen der Fehde zwischen Hamas und Fatah niemals abgehalten, aber das ist ein internes palästinensisches Problem.

BEISPIEL: Während Operation Wolkensäule im Jahr 2012 sagten Kritiker, Israels Raketenabwehrsystem Eiserne Kuppel sei so erfolgreich, dass es Militäreinsätze der IDF unnötig und unverhältnismäßig mache. Ein Beispiel hierfür war ein Tweet von Anthony De Rosa, damals ein Social-Media-Redakteur für Reuters. Die Antwort eines Lesers beendete diese Konversation schlagartig.

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BEISPIEL: Die Behauptung von Menschen wie dem BBC-Reporter Jeremy Bowen oder dem politischen Kommentator Peter Beinart, Israel „besetze“ Gaza. Der Gedanke hinter dieser Behauptung ist, dass Israel (und Ägypten) die Land- und Seegrenzen des Gazastreifens sowie auch dessen Luftraum kontrollieren. Aber ein genauerer Blick auf die Logik hinter den Argumenten zeigt, dass Israel Gaza nicht besetzt hält.

Beim Abzug aus Gaza im Jahr 2005 brach Israel alle Siedlungen ab, evakuierte alle Siedler und zog alle IDF-Soldaten aus dem Gazastreifen ab. Die Blockade erfolgte zwei Jahre später, und zwar als Antwort auf die gewaltsame Machtübernahme der Hamas.

Grenzcheckpoints sind keine Funktion einer „Besatzung“, und Militäreinsätze entsprechen dem Selbstverteidigungsrecht gegen feindliche Terrorhandlungen. Was Gazas Luftraum betrifft, so haben international sanktionierte Koalitionen Flugverbotszonen in Bosnien und Herzegowina, Iraq und Libyen beschlossen, ohne dass es zu irgendwelchen Rechtsfragen über „Besatzung“ gekommen wäre. Ebensowenig gab es Behauptungen, die USA habe Kuba „besetzt“, als sie die Insel während der Kubakrise 1962 blockierte.

Nächsten Monat folgt das nächste Kapitel dieser Reihe: „Verzerrung von Tatsachen: Fakten werden als falsch dargestellt.“

„Red Lines: The Eight Categories of Media Bias“ ist auf Amazon als E-Book erhältlich.

Autoramm-Attacken: AFP nennt das überall „Terror“ außer in Israel

19. Juli 2016

Daniel Pomerantz, HonestReporting, 17. Juli 2016

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UPDATE

Die AFP hat ihre Story überarbeitet. Diese enthält nun folgenden Abschnitt:

In Israel und den Palästinensergebieten gab es einen hohen Anteil von Autoramm-Attacken bei der Gewaltwelle, der seit Oktober letzten Jahres wenigstens 215 Palästinenser, 34 Israelis, zwei Amerikaner, ein Eritreer und ein Sudanese zum Opfer fielen.

Dieses Update ist so problematisch wie der Originalartikel, denn nirgendwo steht, dass die Palästinenser ihre Autos zum Rammen von Israelis und anderen unschuldigen Opfern benutzt haben.

In Wirklichkeit beträgt die Zahl der Israelis, die Autoramm-Attacken gegen Palästinenser verübt haben, null. Aber der Leser erfährt das nicht. Im Gegenteil, die Ausdrucksweise der AFP erweckt den Eindruck, mehr Palästinenser seien von Autoramm-Attacken angezielt worden als Israelis.

Indem nur auf eine abstrakte „Gewaltwelle“ Bezug genommen wird (statt spezifisch auf palästinensische Attacken einzugehen), schafft die AFP ein moralisches Gleichgewicht zwischen palästinensischem Terror und israelischer Verteidigung, etwas, was sie mit keinem anderen Land tun, das in ihrem Artikel erwähnt wird. Warum das zweierlei Maß?

****

Agence France-Presse (AFP), eine der weltgrößten Nachrichtenagenturen, brachte eine Story mit dem Titel „Wenn Fahrzeuge zu Waffen werden„.

Der erste Satz lautet: „Ein Fahrzeug in eine einfache, aber tödliche Terrorwaffe zu verwandeln…“ Das identifiziert sie klar als Terroranschläge, nicht Anschläge von „Militanten“, nicht Anschläge von „Aktivisten“, nicht Anschläge von „Extremisten“ — nein, es heißt Terror, klar und deutlich.

Die AFP zählte eine Reihe von Beispielen aus aller Welt auf: Kanada, England, Schottland und Androhungen ähnlichen Terrors gegen Amerika und Frankreich.

Und was sagte die AFP über Israel, das Land, das nicht weniger als 45 Fahrzeug-Terroranschläge seit September 2015 erlitt?

Kein Wort.

Nehmen wir zum Beispiel diesen Anschlag in Israel, der auf Video aufgezeichnet wurde: Der Terrorist ermordete den 59jährigen Rabbi Yeshayahu Krishevsky. (Warnung: Das Video ist furchtbar anzusehen.)

In der Vergangenheit hat die AFP Fahrzeugterroristen in Israel einfach nur „Angreifer“ genannt, und die Terrorakte selbst hießen bei der AFP nur „Angriffe“.

Hat die AFP etwa ein Problem damit, das Wort „Terror“ in den Mund zu nehmen?

Nein.

Denn laut der AFP sind ideologisch motivierte Fahrzeuganschläge in der ganzen Welt „Terror“ — nur nicht in Israel.

Warum das zweierlei Maß?`

Bild: Yonatan Sindel/Flash90

Palästinensisches Hassfest stärkt die Hamas

18. Juli 2016

Zahava Raymond, HonestReporting, 10. Juli 2016

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Der irische Stückeschreiber und Schauspieler Donal O’Kelly schreibt in der Irish Times: „Warum wir uns an die Toten aus dem Gazastreifen erinnern müssen“. In seinem Meinungsbeitrag mag er den Anschein erwecken, die Palästinenser kümmerten ihn, aber indem er die Fakten außen vor lässt, zeigt er in Wirklichkeit nur, dass er antiisraelisch ist.

Er schreibt über Israels Krieg mit der Hamas im Jahr 2014 und erwähnt die Terrororganisation nicht einmal. Er beschwert sich: „In den meisten Medien wurde das als Konflikt zwischen zwei Seiten dargestellt.“ In seinem Kopf — erkennbar zumindest anhand der Art und Weise seiner Darstellung — existiert keine Hamas, und Israel tötet unschuldige Palästinenser völlig ohne jeden Grund. Irish Artists in Support of Palestine wurde damals ins Leben gerufen, weil: „Dies wird erneut geschehen, falls wir nicht handeln.“

O’Kelly bewirbt das Kunstfestival „PalFest Ireland“, das aus „Solidarität mit den Palästinensern“ veranstaltet wird, und erwähnt Dr. Mads Gilbert als einen der Gäste im letzten Jahr — einen norwegischen Chirurgen am Al-Shifa-Krankenhaus in Gaza. HonestReporting und andere haben Gilbert bereits als radikal antiisraelischen Propagandisten bloßgestellt, der seine Unterstützung des Terrors unverhohlen äußert, Hamas-Lügen hilft und weiterverbreitet und sagt, die Hamas habe das Gaza-Krankenhaus nie als Militärstützpunkt benutzt — trotz Beweisen für das Gegenteil.

Indem O’Kelly die Rolle der Hamas bei dem Konflikt ignoriert, so wie viele antiisraelische Aktivisten und andere Realitätsverweigerer, stärkt und ermutigt er die Hamas in Wirklichkeit, ihre Taktik weiterzuführen und das falsche Narrativ wahlloser israelischer Angriffe zu verbreiten. Damit kann die Hamas ihr Terror- und Korruptionsregime weiterführen. Man ignoriert Hamas-Terroranschläge auf unschuldige israelische Zivilisten und dass die Hamas Kriege mit Israel provoziert, Kinder aufhetzt und zu ebensolchem Handeln erzieht, das Geld und die Materialien der Menschen in Gaza stiehlt und sie für Terrortunnels und Waffen gebraucht und während eines Konflikts alles Menschenmögliche unternimmt, damit die maximale Anzahl palästinensischer Zivilisten zu Tode kommt.

O’Kelly hat recht damit, dass wir die Toten aus dem Gazastreifen nicht vergessen dürfen. Ebenso dürfen wir nicht vergessen, dass die Hamas für die Opfer verantwortlich ist. Wenn die Hamas dann den nächsten Krieg vom Zaun bricht, muss sie zur Verantwortung gezogen werden. Die Palästinenser leiden sehr unter der Hamas und können nicht einmal negativ über sie sprechen, weil es Vergeltungsmaßnahmen gibt. Wäre O’Kelly wirklich an den Einwohnern des Gazastreifens gelegen, würde er sich gegen die Wurzel ihres Leides stark machen und die Hamas bloßstellen. Wäre ihm an den Gaza-Kindern gelegen, würde er gegen diese Kindesmisshandlung protestieren:

O’Kelly stellt die BDS-Kampagne als „attackiertes“ Opfer dar und sagt: „In Irland wollen wir das Leuchtfeuer des Boykotts am Brennen halten, und zwar durch Kunst.“ Ein Leuchtfeuer ist nicht wirklich das Wort, das man für gewöhnlich mit einer fanatischen Bewegung assoziiert, die den einzigen jüdischen Staat dieser Welt vernichten will. Aber Donal O’Kelly tut das, der seinen Israelhass über jeden Missbrauch und jede Hirnwäsche an palästinensischen Kindern stellt.

„Wasser-Apartheid“ war nur eine geborstene Wasserleitung, aber den Medien ist das egal

25. Juni 2016

Daniel Pomerantz, HonestReporting, 16. Juni 2016

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Angeblich hat Mark Twain gesagt: „Eine Lüge ist bereits dreimal um die Erde gelaufen, ehe sich die Wahrheit die Schuhe anzieht.“ Und das ist genau das, was hier passiert ist.

Der Independent, die International Business Times, Radio New Zealand und die Times of London haben allesamt eine vollkommen falsche Al-Jazeera-Story übernommen.

Speziell der Independent tut sich als herausragendes Beispiel für Fiktion anstelle von Journalismus hervor und stellt Israel fälschlicherweise so dar, als verwehre es den Palästinensern im Westjordanland absichtlich das Wasser.

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Im Artikel steht:

Israel hat die Wasserversorgung für weiträumige Gebiete im Westjordanland unterbrochen, wie palästinensische Behörden behaupten.
Zehntausende Palästinenser stehen während des islamischen heiligen Monats Ramadan, einer Fastenperiode, ohne Zugang zu sicherem Trinkwasser da — zu einer Zeit, zu der die Temperaturen 35°C überschreiten können.

Zwischenzeitlich hat die International Business Times israelische Handlungen zweimal als „Wasser-Apartheid“ bezeichnet und schreibt dieses beleidigende Zitat lediglich vagen und ungenannten „Israelkritikern“ zu, impliziert jedoch, es wäre ein allgemein anerkannter Begriff.

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Doch wie sich herausstellte, war die „Wasser-Unterbrechung“ nichts weiter als eine geborstene Wasserleitung, die israelische Arbeiter bereits gewissenhaft reparierten. COGAT, die israelische Behörde, die Aktivitäten in den Palästinensergebieten koordiniert, postete ein Video der geborstenen Leitung.

Diese Storys stammten ursprünglich von einem Al-Jazeera-Artikel, der anfangs keinerlei Aussagen aus Israel enthielt. Nachdem HonestReporting Al Jazeera kontaktierte, setzte sich die Zeitung endlich mit israelischen Quellen in Kontakt und überarbeitete seinen Text.

Nun sagt Al Jazeera, dass es eine starke Reduktion der Wasserversorgung für das Westjordanland gegeben hat, erwähnt jedoch Israels Aussage, dass dies am Rückgang der verfügbaren Wassermenge lag. Danach wird Israels nationales Wasserunternehmen zitiert:

Alle Anlagen sind aktiv, und die Versorgungsmenge unterschreitet den Verbrauch. Kürzlich genehmigte die Wasserbehörde einen Masterplan für den Wassersektor, und demgemäß bauen wir die Systeme, welche den Verbrauch des Westjordanlands decken.

2015 beschuldigte Al Jazeera Israel der absichtlichen Flutung Gazas durch das Öffnen von Dämmen. Wie sich herausstellte, existierten die fraglichen Dämme erst gar nicht, und die Flut rührte von Regenfällen her. Als dies herauskam, machte Al Jazeera einen Rückzieher.

Wie eine Studie aus dem Jahr 2013 zeigte, ist das Wassermanagement im Westjordanland eine kontroverse und komplexe Angelegenheit, und viele der Probleme entstehen durch die Misswirtschaft der Palästinenserregierung und deren Weigerung, sich mit Israel zusammenzusetzen, um Aktivitäten rund um das Wassermanagement zu koordinieren.

Trotz der Widrigkeiten geht Israel weit über seine vertraglichen Verpflichtungen hinaus und bietet Palästinensern im Westjordanland Trinkwasser. Tatsächlich genießen Palästinenser im Westjordanland heute besseren Zugang zu Wasser als viele ihrer arabischen Nachbarn.

Zudem ist die Zahl der palästinensischen Häuser mit Zugang zur Wasserversorgung von 10% auf 95% gestiegen, seit Israel 1967 die Kontrolle über das Westjordanland errang, aber die Palästinenserbehörde verwaltet ihre Infrastruktur nur mangelhaft, was zu vielen Problemen führt wie zum Beispiel dem in diesem Artikel angeführten. All dies ist wichtiger Kontext, aber sämtliche Zeitungsberichte verschweigen ihn total.

HonestReporting hat Quellenmaterial zur Verfügung gestellt, welches die Vielzahl verbreiteter Mythen und tatsächlicher Fakten über das Wasser in den Palästinensergebieten erklärt.

Sowohl der Independent als auch die International Business Times widmen mehrere emotional suggestive Absätze der palästinensischen Perspektive über die Wassersituation im allgemeinen, aber ohne jegliche technischen Einzelheiten über die exakte Natur der angeblichen Versorgungsunterbrechung oder deren Ursachen.

Zum Ende des Artikels hin schafft es der Independent endlich, einige tatsächliche Fakten rund um die angebliche Versorgungsunterbrechung zu erwähnen:

Ein Sprecher der israelischen Regierung sagte dem Independent, in diesen Behauptungen läge „keine Wahrheit“, die Verknappung läge vielmehr an schadhaften Wasserleitungen.

Man sagte: „Vor einigen Stunden reparierte COGATs Zivilverwaltungsteam eine geborstene Wasserleitung, die die Wasserversorgung der Dörfer Marda, Biddya, Jamma’in, Salfit und Tapuach unterbrach. Der Wasserfluss wurde reguliert und funktioniert aktuell wieder.“

Wer war die Quelle für die Behauptung, Israel habe absichtlich die Wasserversorgung unterbrochen? Ein vager und nicht verifizierbarer Verweis auf eine Behauptung ungenannter „palästinensischer Behörden“.

Kurz: Der Independent kannte die Wahrheit, entschied sich aber trotzdem dafür, ein emotional aufgeladenes Stück verleumderischer Fiktion dahinzuschmieren und es dann zu veröffentlichen, als sei es Journalismus. Und die International Business Times scherte sich erst gar nicht um die Wahrheit.

Titelbild: enthält Elemente von Vectors by Vecteezy!

Scheinheiligkeit: Robert Fisk beklagt Berichterstattung über „gefälschte Gräueltaten“

16. Juni 2016

Simon Plosker, HonestReporting, 9. Juni 2016

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Der berüchtigte antiisraelische Polemiker Robert Fisk ist schon sehr lange dafür bekannt, dass er israelische Militäreinsätze als Gräueltaten und Kriegsverbrechen beschreibt, also lohnt sich ein genauerer Blick auf seine Aussagen über die Berichterstattung über „gefälschte Gräueltaten“ in seinem letzten Meinungsbeitrag für den Independent, wo er folgende Frage stellt:

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Unter Bezugnahme auf „gefälschte Gräueltaten“ schreibt er:

1982 behaupteten israelische Journalisten zum Beispiel, sie hätten Beweise dafür gefunden, dass palästinensische Guerillas im Südlibanon eine Klinik eingerichtet hätten, in welcher Zivilisten getötet wurden, damit ihr Blut entnommen werden konnte — und zwar um verwundeten palästinensischen Guerillas Bluttransfusionen geben zu können.

Die Story kollabierte innerhalb weniger Tage. Sie taucht aber immer noch von Zeit zu Zeit unter den Mythen des Libanonkriegs von 1975-1990 auf und vernebelt die grässlichen Wahrheiten echter Gräueltaten wie z. B. dem Massaker von Sabra und Schatila im Jahr 1982, bei dem 1.700 palästinensische Zivilisten von Israels libanesischen Verbündeten ermordet wurden. Jede gefälschte Gräueltat färbt auf den Beweiskörper anderer, echter Verbrechen ab und beschmutzt die Wahrheit auf Jahrzehnte hinaus.

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Robert Fisk

Eine Story über eine angebliche Gräueltat, die innerhalb weniger Tage widerlegt wurde, erscheint weiterhin als Tatsache? Das vielleicht beste Beispiel für einen solch ernsthaften Bruch journalistischer Ethik in jüngster Zeit wurde verfasst von… Robert Fisk. Und ganz klar erkennt Robert Fisk nicht die Ironie in seinem jüngsten Meinungsbeitrag.

Im Oktober 2006 bekam Fisk die Titelseite des Independent zur Verbreitung der Verleumdung, Israel habe im Südlibanon Waffen auf Uranbasis eingesetzt. Diese Anklage wurde direkt widerlegt, aber Fisk hat seine Verleumdung niemals zurückgenommen, und sie taucht online immer und immer wieder auf, wegen antiisraelischen Aktivisten.

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Das ist derselbe Robert Fisk, der 2002 fröhlich die Lüge des Jenin-„Massakers“ verbreitet hatte. Und vergessen wir nicht, dass der Independent im August 2011 zu Schadenersatzzahlungen an den saudischen Innenminister gezwungen war, nachdem eine Fisk-Story als falsch widerlegt wurde.

Fisk beendet seinen Meinungsbeitrag mit den Worten: „Somit müssen wir Journalisten jede Gräueltat mit semantischen Skalpellen unter die Lupe nehmen, die unseren Weg kreuzt, für gewöhnlich im Nahen Osten.“

Simon Plosker, der leitende Redakteur von HonestReporting, antwortet:

Robert Fisk ist der letzte, der über ethische und professionelle Berichterstattung über vorgebliche Gräueltaten predigen sollte. Die wahre Gräueltat ist die andauernde Bühne, die der Independent einem Polemiker mit Hang zur Beschmutzung der Wahrheit bietet. Fisks Scheinheiligkeit ist wahrlich atemberaubend.

Der Herald Scotland und sein grober Sprachmissbrauch

13. Juni 2016

Yarden Frankl, HonestReporting, 2. Juni 2016

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Manchmal ist antiisraelische Voreingenommen in den Medien subtil und nur dann offenkundig, wenn man die Berichterstattung eines bestimmten Mediums über lange Zeit hinweg analysiert.

Manchmal aber fällt die Verachtung, die ein Journalist für Israel hat, direkt ins Auge. So ist es zum Beispiel bei einem Artikel im Herald Scotland der Fall, geschrieben von Martin Williams.

Der Artikel über den palästinensischen Fotografen Hamde Abu Rahama, dem vom Vereinigten Königreich ein Visum verweigert wurde, dämonisiert die IDF:

Laut Aktivisten, die Geld für die Reise einwarben, schwor der Journalist, seine Kamera als Waffe einzusetzen, nachdem ein Cousin und eine Cousine von der israelischen Besatzungsmacht ermordet worden waren.

Die beiden starben nach ihrer Beteiligung an separaten gewalttätigen Zusammenstößen als Protest gegen Israels Sicherheitsbarriere. Bassem Abu Rahma wurde bei einem Zusammenstoß 2009 in Bilin getötet; die IDF schloss eine Ermittlung über die Todesursache aus Mangel an Beweisen.

Die andere Cousine, Jawaher Abu Rahma, starb durch palästinensische medizinische Scharlatanerie, und das hatte also nichts mit einem Zusammenstoß im Jahr 2011 zu tun, ebenfalls in Bilin. Palästinenser schoben ihren Tod auf einen „exzessiven Einsatz von Tränengas seitens der IDF“.

Medizinische Unterlagen, in deren Besitz die IDF gelangt ist, zeigen, dass Abu Rahma ungewöhnlich hohe Dosen Atropin verabreicht bekam, eine Medizin, die gemeinhin als Gegenmittel für z. B. Nervengase benutzt wird. Israelische Gasmasken mit einer Atropindosis darinnen wurden einst an die Bevölkerung verteilt.

Laut den Erkenntnissen der IDF starb Abu Rahma an Komplikationen aus medizinischer Behandlung, die nicht mit Tränengas in Verbindung stand.

Ebenso fand die IDF Unterlagen, dass Abu Rahma an Krebs gelitten haben könnte und dass sie einige Wochen vor ihrem Tod ins Krankenhaus kam.

(Ein Guardian-Artikel, der Israel für Jawaher Abu Rahmas Tod verantwortlich machte, war einer der Gründe, warum wir dem Guardian den Dishonest Reporting Award 2011 zuerkannt haben.)

Der Herald Scotland lässt all diese gegenläufigen Informationen einfach weg und bezeichnet beide Tode als „Morde„.

Sogar noch widerlicher ist die Nutzung des Begriffs „israelische Besatzungsmacht“ in der Stimme des Reporters zur Beschreibung der IDF. Dieser Begriff wird ausschließlich von den erbittertsten Gegnern Israels benutzt. Für ein theoretisch objektives Nachrichtenunternehmen ist der Gebrauch dieses Begriffes schlichtweg gewissenloser Journalismus.

Wie schaffte es diese beleidigende Bezeichnung durch die redaktionelle Prüfung?