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Faktencheck: Wollen die Palästinenser wirklich nur „Ostjerusalem“?

17. Juni 2021

Emanuel Miller, HonestReporting, 10. Juni 2021

Es ist übliche Praxis, dass Nachrichtenorgane Standardklauseln kopieren – geschriebene Texte, die in neuen Kontexten oder Anwendungen ohne wesentliche Änderungen am Original wiederverwendet werden. Im Kontext von Zusammenstößen oder Gewalt in Jerusalem fügen die Medien oft eine Zeile oder einen Absatz am Ende des Berichts ein, so wie in diesen Beispielen:

(Associated Press, June 7, 2021) … während die Palästinenser Ostjerusalem als Hauptstadt ihres zukünftigen Staates haben wollen…
(Reuters, June 7, 2021) … die Palästinenser, dass Ostjerusalem die Hauptstadt eines Staates ist, den sie in der von Israel besetzten Westbank und dem Gazastreifen gründen wollen…
(CNBC, May 10, 2021) … die Palästinenser wollen Ostjerusalem als Hauptstadt eines Staates…

Die Leser sind derart daran gewöhnt diese Worte zu sehen, dass sie anfällig dafür sind solche Absätze nur oberflächlich zu überfliegen. Und aus einer Perspektive der Medieneinseitigkeit scheinen sie harmlos und sogar ausgewogen. Aber sind sie das wirklich?

Zeit für eine Überprüfung.

Die territorialen Ziele der palästinensischen Autonomiebehörde

PA-Präsident Mahmud Abbas hat sich zwar tatsächlich für die Gründung eines „unabhängigen palästinensischen Staates mit Ostjerusalem als seiner Hauptstadt“ ausgesprochen, aber er hat sich wiederholt widersprochen und seine Abneigung preisgegeben das Ziel der Eroberung der gesamten heiligen Stadt nicht aufzugeben.

In einem im August 2019 auf Abbas‘ Facebookseite hochgeladenem Video, das von MEMRI übersetzt wurde, kann man Abbas sagen hören: „Diejenigen, die in diesem Land fremd sind, haben keine Rechte daran… Jerusalem gehört uns, ob sie es ihnen nun gefällt oder nicht.“

Als seine Worte Mitglieder der Menge veranlassten die Parole zu skandieren „Wir marschieren nach Jerusalem, Millonen von Märtyrern“, antwortete Abbas: „Wir werden in Jerusalem einziehen: Millionen von Kämpfern!“

Während Abbas öffentliche Lippenbekenntnisse für die Idee Seite an Seite lebender zweier Staaten abgibt, verrät seine Rhetorik auf Arabisch öfter, als dass sie es nicht tut, seinen Wunsch ganz Jerusalem unter palästinensische Kontrolle zu bringen.

Im Juli 2018 berichtete die palästinensische Nachrichtenagentur WAFA, Abbas habe erklärt, dass Jerusalem die „ewige Hauptstadt der Palästinenser“ sei und dass es „keine Kompromisse“ geben könne. Genauso erklärte er auf einer Pressekonferenz im März 2020 Unterstützung für palästinensische Frauen, die israelische Soldaten drangsalieren; er sagte, das würde helfen „unseren unabhängigen Staat mit Jerusalem als Hauptstadt zu erreichen“. Ostjerusalem wurde nicht erwähnt.

Abbas‘ Worte werden von anderen palästinensischen Politikern, Beratern und religiösen Führern wiederholt, die die „Befreiung“ von Jerusalem und mehr gefordert haben.

Im August 2020 sagte Mahmud Al-Habbasch, ein Berater von Abbas, in einem Fernsehinterview, „Jerusalem und Palästina“ würden von der Besatzung befreit werden und ausschließlich den Palästinensern gehören. „Palästina und Jerusalem werden alleine uns gehören“, sagte Al-Habbasch. Mit Verwies auf Israels Existenz als „Besatzung“ fügte er hinzu: „Diese Besatzung wird verschwinden, wie alle anderen vor ihr.“

In jüngerer Zeit, als im Mai 2021 die Kämpfe zwischen Israel und der Hamas tobten, sagte Musa Al-Rajabi, stellvertretender Sekretär des Fatah-Zweigs Schuafat und Beit Hanina (zwei Viertel in Jerusalem) gegenüber dem PA-Fernsehen: „Jerusalem wird nicht zustimmen zweigeteilt zu werden. Jerusalem gehört uns. Jerusalem ist arabisch, islamisch und christlich“, berichtete Palestinian Media Watch“.

„Wir werden sie weiter konfrontieren … bis zur Befreiung ganz Palästinas; Palästinas vom [Mittel-] Meer bis zu Fluss [Jordan], Palästina, das arabisch und islamisch ist. Es wird unser bleiben“, fügte Al-Rajabi an.

Solche Gesinnungen sind für Fatah-Vertreter normal. Fatahs Zentralratsmitglied Tawfiq Tirawi zum Beispiel postete im Februar 2020 ein Video auf seinem Facebook-Profil, in dem er behauptet: „Unser palästinensisches Land reicht vom Fluss bis zum Meer … das ist alles Waqf-Land.“

Der verstorbene PLO-Chefunterhändler Saeb Erekat sagte gegen über der PA-Tageszeitung Al-Hayat Al-Jadida im Juni 2017: „Wir arbeiten daran die Besatzung zu beenden, um die Souveränität des Staats Palästina zu verwirklichen, dessen Hauptstadt Jerusalem ist.“

Am bemerkenswertesten ist vielleicht, dass Erekat sich im April 2019 im PA-Fernsehen an das erinnerte, was er gegenüber Abbas 2008 während der Verhandlungen mit Israel sagte: „Olmert will dir 20 Quadratkilometer geben, so dass du [den Palästinensern] sagen kannst: ‚Ich habe mehr als die Gebiete von 1967 bekommen.‘“ Dennoch wurde das großzügige Angebot abgelehnt – weiterer Beweis, dass die Palästinenser weniger an einer Rückkehr in die Linien von vor 1967 und letztlich an der totalen Auslöschung Israels interessiert sind.

Hamas

Die offizielle Haltung der Hamas ist von Anfang an klar gewesen. Die Hamas-Charta wurde am 18. August 1988 veröffentlicht. Das Dokument setzt sich aus 36 einzelnen Artikeln zusammen, von denen alle das grundlegende Hamas-Ziel der Vernichtung des Staates Israel durch Jihad (islamischer „Heiliger Krieg“) propagieren. Die folgenden Auszüge veranschaulichen die Sichtweise der Hamas auf die Zweistaatenlösung:

„Die Islamische Widerstandsbewegung ist eine bedeutende palästinensische Bewegung, deren Treue Allah gehört und deren Lebensweise der Islam ist. Sie strebt danach das Banner Allahs über jedem Zentimeter Palästinas zu hissen.“ (Artikel 6)

„Israel wird existieren und das weiter tun, bis der Islam es auslöscht, so wie er andere vor ihm ausgelöscht hat.“ (Präambel)

„Das Land Palästina ist eine islamische Waqf [Heiliger Besitz], zukünftigen muslimischen Generationen geweiht bis zum Tag des Jüngsten Gerichts. Niemand kann es oder irgendeinen Teil davon aufgeben oder es oder einen Teil davon verlassen.“ (Artikel 11)

Diese Äußerungen sind im Lauf der Jahre regelmäßig durch weitere Erklärungen gestützt worden. 2017 zum Beispiel protestierte Hamas-Führer Ismael Haniyeh gegen den damaligen Präsidenten Donald Trumps Ankündigung, die USA würden Jerusalem als Israels Hauptstadt anerkennen. „Diese Entscheidung stellt das offizielle Ende der Verhandlungen dar. Jerusalem ist palästinensisch, arabisch und islamisch“, sagte Haniyeh gegenüber Al-Jazira. „Diese Entscheidung wird die Realität in Jerusalem und an seiner Geschichte nichts ändern.“

Ein jüngeres Beispiel der Nichtbereitschaft der Hamas die Bildung eines Palästinenserstaats an der Seite Israels zu billigen, ist in den Worten des ranghohen Hamas-Vertreters Mahmud Al-Zahar zu finden, der in einem auf Al-Jazira TV (Qatar) am 25. Mai 2021 ausgestrahlten Interview sagte: „Dieses Land ist für eine Zweistaaten-Lösung nicht geeignet. Es heißt entweder – oder.“

In Bezug auf die Existenz Israels als „Besatzung“ fügte Al-Zahar hinzu: „Entweder die Besatzung bleibt für immer, eine Option, die völlig unvorstellbar geworden ist – oder diese Besatzung wird beseitig und jeder [Israeli] wird seiner Wege gehen“, bevor er vorschlug, Netanyhau „sollte nach Amerika gehen“ und Lieberman „sollte nach Russland gehen“.

Der Islamisch Jihad

Ähnliches gab es von anderen palästinensischen Gruppierungen. Im November 2019 sagte zum Beispiel Khader Habib, Führer des Islamischen Jihad, in einer Rede, die im Alghad-TV (VAE/Ägpyten) ausgestrahlt wurde, Israel werde verschwinden und Jerusalem und Palästina gehörten den Palästinensern. „Euer [zionistisches] Gebilde wird verschwinden und wir werden bleiben, so Allah will, Palästina gehört uns. Jerusalem gehört uns.“

Obwohl kleiner als die Hamas, ist der Palästinensische Islamische Jihad sogar die ältere Organisation. Er ist am stärksten im Gazastreifen vertreten, wo er sich regelmäßig an Raketenangriffen auf Israel beteiligt und sich der Vernichtung Israels durch Jihad sowie der Gründung eines islamischen Palästinenserstaats vom Fluss bis zum Meer verschrieben hat.

Die Gründungscharta des Islamischen Jihad erklärt öffentlich seinen „Jihad gegen die jüdische Existenz in Palästina“ und erinnert seine Anhänger: „Der Jihad ist die Verpflichtung eines jeden Muslims und muss sofort ausgeführt werden, ungeachtet der Bildung eines islamischen Staates.“

Religiöse Führer

In einer Rede in der Al-Aqsa-Moschee im Februar 2020 sagte Scheik Mohammed Ayed: „Verkündet die Gründung des Kalifats! Marschiert auf Jerusalem! Marschiert zu Al-Aqsa-Moschee und befreit sie! Nehmt Rache an ihnen, macht euch auf den Weg nach Rom und dann auf den Weg zum Weißen Haus, zu diesem Trump, zu Putin und zu andern. Lasst uns die Erde erobern… das bedeutet die gesamte Welt und wir werden sie alle durch die Gerechtigkeit des Islam erobern und beherrschen!“

Im Mai 2021 sprach Imam Yussuf Makharzah an derselben Stelle in einer Freitagspredigt, die im Al-Waqiyah-TV der Hizb ut-Tahrir (im Libanon) ausgestrahlt wurde; er sagte der versammelten Menge: „Die Juden werden nicht einmal Teil unserer Überlegungen sein, denn sie stehen zu niedrig, sind zu unwürdig und zu erbärmlich. Rom wird erobert werden, so Allah will.“

Seine Worte ähnelten denen des palästinensischen Scheiks Abu Hanifa Awda, der in einer weiteren Ansprache in der Al-Aqsa-Moschee, die am 2. Juni 2019 ins Internet hochgeladen wurde, sagte: „Jerusalem ist dort, wo die Banner des Kalifats wehen werden“. „Von hier werden Armeen ausziehen, um die Welt zu erobern!“, rief Abu Hanifa aus, bevor er auflistete, wie die muslimischen Armeen angreifen werden: „Eine Brigade wird Palästina befreien… eine siebte Brigade wird Rom belagern. Eine achte Brigade wird das Weiße Haus schwarz machen. Eine neunte Brigade wird die Jizya-Kopfsteuer über London verhängen.“

Eine Ansprache des palästinensischen Politologen Scheik Ahmed Al-Khatwani vom Januar 2020 in der Al-Aqsa-Moschee bestätigte diese Sichtweise. „Palästina kann nicht wirklich die Existenz von zwei Staaten unterstützen. Die Realität in Palästina – was Geografie und Bevölkerung angeht – sieht so aus, dass es hier keine zwei Staaten geben kann. Entweder wird es einen jüdischen Staat geben oder einen islamischen. Wir haben für keinen Staat Platz außer für einen islamischen Staat.“

Schluss: Medienwahrheit, nicht tatsächliche Wahrheit

Nach Durchsicht zahlreicher Quellen ist erwiesen, dass viele Palästinenser den klaren Wunsch hegen einen souveränen Palästinenserstaat oder einen muslimischen Staat in dem Gebiet zwischen Jordan und Mittelmeer zu gründen und damit den Staat Israel auszulöschen. Extremisten wie die Mitglieder der Hamas und des Islamischen Jihad sind offen gegen das Konzept eines dauerhaften Friedens mit Israel. Selbst die moderateren Elemente wie die in der Fatah, die von Verpflichtung zum Friedensprozess reden, erklären auch wiederholt, dass das gesamte Land „palästinensisch“ ist. Ihre Ideologie ist die der Vertreibung, nicht des leidenschaftlichen Wunsches Seite an Seite mit ihren jüdischen Nachbarn zu leben.

In einigen Fällen reden religiöse Führer offen in Begriffen, die westliche Beobachter als denen von ISIS-Anhängern ansehen würden: Verweise auf die Gründung eines Kalifats, was bedeutet, dass nicht nur der jüdische Staat bedroht ist, sondern auch Rom, das Zentrum der Christenheit und sogar die Hauptstädte der Welt wie London und Washington.

Von daher ist der oft wiederholte Satz „Die Palästinenser wollen Ostjerusalem als Hauptstadt eines zukünftigen Staates“ stark irreführend und gründet nicht in der Realität. Obwohl er zahllose Male wiederholt worden ist, gibt er schlicht nicht die Fakten wieder und Journalisten, die diesen Satz recyceln, verraten – ungeachtet ihrer Absicht – das Vertrauen ihrer Zuhörer und Leser durch fundamentale Falschdarstellung der wahren Ziele der Palästinenser. Die Resultate dieser Falschinformation sind sehr real: Es wird öffentlich und international Druck auf Israel aufgebaut Frieden mit einem „Friedenspartner“ zu schließen, der den jüdischen Staat von der Landkarte wischen will.

Warum ignorieren die Medien erneute palästinensische Rufe zu den Waffen gegen Israel?

10. Juni 2021

Akiva Van Koningsveld, HonestReporting, 6. Juni 2021

Trotz der aktuellen Waffenstillstandsvereinbarung zwischen den Terrororganisationen im Gazastreifen und Israel setzen Hamas und Fatah ihre Hetze fort die Palästinenser sollen die Waffen gegen den jüdischen Staat aufnehmen. Diese Aufrufe zur Gewalt schüren die Flammen des Konflikts in der Region.

Am 31. Mai drang ein Terrorist aus dem Gazastreifen nach Israel ein. Einmal auf israelischen Territorium, stach er auf einen Wachmann ein. Am selben Tag löste ein aus dem Gazastreifen gestarteter Brandballon ein Feuer aus. Nur Tage später forderte die Hamas zu einem „Tag des Zorns“ auf. Palästinenser in der Westbank folgen dem Aufruf am Freitag, an mehreren Orten gab es gewalttätige Zusammenstöße.

Dennoch erhalten diese beunruhigenden Entwicklungen reichlich wenig Berichterstattung seitens der Mainstream-Medien. Stattdessen legen die weltweit führenden Nachrichtenorgane den Schwerpunkt weiter auf Israel, es müssen die Waffenruhe mit den Terrorgruppen einhalten, die für die Vernichtung des jüdischen Staates eintreten. Derweil werden palästinensische Provokationen, die darauf abzielen die Spannungen zu verschärfen und zu Gewalt aufzustacheln, schlichtweg ignoriert.

AP, Al-Jazira beschweren sich bitter, nachdem die Hamas-Militäreinrichtung, in der sie ihre Zelte aufgeschlagen hatten, von der IDF zerstört wurde

18. Mai 2021

Charles Bybelezer, HonestReporting, 16. Mai 2021

Die israelischen Verteidigungskräfte (IDF) zerstörten am Samstag ein Gebäude im Gazastreifen, in dem die lokalen Büros mehrerer internationaler Medienorgane untergebracht waren, darunter Associated Press (AP) und Al-Jazira. Der israelische Angriff kam während intensiver Kämpfe mit der Hamas – die von den meisten westlichen Ländern als Terrororganisation eingestuft wird, auch von den den Vereinigten Staaten – die im Verlauf der sechs Tage davor mehr als 2.500 Geschosse auf den jüdischen Staat abgefeuert hatten.

Entscheidend ist, das die IDF vorab vor dem Angriff warnte – in Form von Telefonanrufen und später durch eine Rakete, die „auf dem Dach anklopfte“ und praktisch keinen Schaden anrichtete – um den Zivilisten genug Zeit zu geben den zwölfgeschossigen Komplex zu verlassen; und das aus einem Gebäude, von dem die IDF hinterher in einer Erklärung angab, dass Mitglieder des Geheimdienstes der Hamas von dort aus agierten. Der Hamas wurde damit vorgeworfen Journalisten als „menschliche Schutzschilde“ zu benutzen, während die gut belegte Tatsache betont wurde, dass die „Terrorgruppen vorsätzlich ihre Militärbasen in den Kern der [Zivil-] Bevölkerung im Gazastreifen platziert“.

Tatsächlich ist es kaum vorstellbar, dass die Entscheidungsträger, insbesondere bei Al-Jazira, einer Tochter von Qatar, nicht die leiseste Ahnung davon hatten, dass ihr Büro in Gaza sich in demselben Hochhaus befand wie Mitglieder einer von Doha mit dutzenden, wenn nicht hunderten Millionen Dollar jedes Jahr unterstützten Organisation.

Auf jeden Fall sollte es Journalisten nicht überraschen, dass die Hamas ihre Sicherheit dadurch gefährdet, dass sie sie in die Schusslinie bringt.

Trotzdem wurde Mostefa Souag, amtierender Generaldirektor des Senders al-Jazira, hinterher folgendermaßen zitiert:

Wir rufen die internationale Gemeinschaft auf solch barbarisches Handeln zu verurteilen … Wir fordern sofortiges internationale Handeln, um Israel für seine bewusst gegen Journalisten und die Medieneinrichtungen gerichteten Schüsse zur Verantwortung zu ziehen…

Darauf könnte man antworten: „Wie genau beschoss die IDF bewusst Reporter, wenn sie sie vorher über den Angriff informierte – obwohl das zu tun bedeutete, dass auch die Hamas-Agenten die Möglichkeit hatten das Gelände zu verlassen?

Derweil veröffentlichte der Präsident und CEO von Associated Press, Gary Pruitt, folgende Stellungnahme:

Wir sind bestürzt und entsetzt, dass das israelische Militär das Gebäude beschießt und zerstört, in dem APs Büro und andere Nachrichtenorgane in Gaza untergebracht waren. Sie haben seit Langem gewusst, wo unser Büro ist und wussten, dass dort Journalisten waren.

Wir erhielten eine Warnung, dass das Gebäude getroffen werden wird… Ein Dutzend AP-Journalisten und Freischaffende befanden sich im Gebäude und wir konnten sie glücklicherweise rechtzeitig herausbringen.

Jen Psaki, die Sprecherin des Weißen Hauses, fiel auf den sozialen Medien sofort ein:

Wir haben den Israelis direkt kommuniziert, dass die Sicherheit von Journalisten und unabhängigen Medien eine vorrangige Verantwortung darstellt.

Vielleicht hat Psaki Pruitts Presseerklärung nicht gelesen. Darüber hinaus ist HonestReporting nicht bekannt, dass in Gaza seit dem Ausbruch des Konflikts am letzten Montag irgendein Journalist verletzt wurde, ein kleines Wunder, wenn man bedenkt, wie dicht die Bevölkerung in diesem Bereich ist und angesichts der schieren Menge an Projektilen, die von dort nach Israel geschossen wurde.

Jetzt zum einschlägigen Internationalen Recht, das, kurz gesagt, Angriff auf nicht militärische Stellen untersagt, aber auch erklärt, dass eine Stelle nicht mehr als „zivil“ gilt, wenn Kriegsinstrumente dort platziert werden. Ausführlicher sieht man das in Artikel 52 des Zusatzprotokolls I der Vierten Genfer Konvention [S. 40 des PDF-Dokuments – heplev]:

1. Zivile Objekte dürfen weder angegriffen noch zum Gegenstand von Repressalien [Vergeltungsmaßnahmen – heplev] gemacht werden. Zivile Objekte sind alle Objekte, die nicht militärische Ziele im Sinne des Absatz 2 sind.

2. Angriffe sind streng auf militärische Ziele zu beschränken. Soweit es sich um Objekte handelt, gelten als militärische Ziele nur solche Objekte, die auf Grund ihrer Beschaffenheit, ihres Standorts, ihrer Zweckbestimmung oder ihrer Verwendung wirksam zu militärischen Handlungen beitragen und deren gänzliche oder teilweise Zerstörung, deren Inbesitznahme oder Neutralisierung unter den in dem betreffenden Zeitpunkt gegebenen Umständen einen eindeutigen militärischen Vorteil darstellt.

3. Im Zweifelsfall wird vermutet, dass ein in der Regel für zivile Zwecke bestimmtes Objekt, wie beispielsweise eine Kultstätte, ein Haus, eine sonstige Wohnstätte oder eine Schule, nicht dazu verwendet wird, wirksam zu militärischen Handlungen beizutragen.

Zusätzlich bekräftigt das humanitäre Gewohnheits-Völkerrecht dasselbe Konzept: Nämlich dass der Angriff auf zivile Stellen zwar verboten ist, diejenigen, die für Militäroperationen verwendet werden aber nicht als solche gelten.

Insbesondere heißt es dort (Regel 8. Definition militärischer Ziele):

Insofern werden, was Ziele angeht, militärische Ziele auf diejenigen Objekte beschränkt, die durch ihre Natur, Standort, Zweck oder Verwendung einen effektiven Beitrag zum militärischen Handeln leisten und deren teilweise oder komplette Zerstörung, Einnahme oder Neutralisierung unter den gegebenen Umständen des Zeitpunkts einen definitiven militärischen Vorteil bieten.

Von daher kann also kaum argumentiert werden, dass die IDF das Völkerrecht verletzte, indem sie ein Gebäude beschoss, aus dem die Menschen heraus waren und das mutmaßlich von der Hamas für ihren Aggressionskrieg gegen Israel eingesetzt wurde.

Dass einige Medien darüber hinaus vom israelischen Militär Beweise fordern, ist Messen mit zweierlei Maß, das nur in eine Richtung angewandt wird. Beispielsweise verbreiten Nachrichtenagenturen gewohnheitsmäßig Opferzahlen, die vom von der Hamas kontrollierten Gesundheitsministerium in Gaza zur Verfügung gestellt werden, ohne sie faktisch zu überprüfen und ohne anzugeben, dass dieses Gremium eine lange Geschichte der gewollt Irreführung der Öffentlichkeit hat.

Gleichermaßen aufschlussreich ist, dass Nachrichtenorgane, die anscheinend in Bezug auf die Einsatzregeln der IDF voreilige Schlüsse zogen, sich beschwert haben, sie wären hereingelegt worden zu berichten, dass das israelische Militär am letzten Freitag eine Bodenoffensive im Gazastreifen begonnen habe.

Die angebliche Irreführung, eine oft im Kampf verwendete Taktik, kam in Form eines Tweets der IDF nur Stunden, bevor rund 160 Kampfjets losgeschickt wurden, um aus der Luft ein als „Metro“ bezeichnetes, massives unterirdisches Tunnelnetzwerk im Gazastreifen anzugreifen, das voller Hamas-Terroristen war, die eine Bodenoffensive erwarteten, die nicht kam.

IDF Luft- und Bodentruppen greifen derzeit im Gazastreifen an.

AP muss man zugute halten, dass sie – anders als die New York Times und die Washington Post – keinen ungenauen Bericht über die nicht existente Mission brachten; und zwar nach Durchführung grundlegender journalistischer Verfahren. Eigentlich war jeder mit einer allgemeinen Einsicht in Jerusalems politische und militärische Politik und Strategie gegenüber der Hamas von Anfang an skeptisch, was grünes Licht der Regierung für eine voll entfaltete Bodenoffensive so früh in der laufenden Konfrontation angeht.

Dafür brauchte HonestReporting rund fünf Minuten Anfragen an aktuelle und ehemalige Regierungs- und Militärvertreter, um festzustellen, dass die Wahrscheinlichkeit eines solchen Ereignisses bei fast Null lag – und dass israelische Truppen, wären sie im Gazastreifen, den Auftrag gehabt hätten, eine präzise taktische Mission durchzuführen (d.h. mit einer begrenzten Zahl von Spezialkräften eingedrungen wären), wovon niemand – wenn überhaupt – bis zu ihrem Abschluss etwas gehört hätte.

Allerdings wird von vielen Auslandsjournalisten offenbar kein grundlegendes Verständnis der Dynamiken des Konflikts gefordert; stattdessen werden einige auf den letzten Drücker nach Israel eingeflogen, um über ein Aufflammen in einem Jahrzehnte alten Krieg zu berichten, von dem sie anscheinend nur in der oft voreingenommenen Medienindustrie lesen, in der sie arbeiten.

HonestReporting fühlt mit Journalisten, die in einem Kriegsgebiet arbeiten und verstehen, warum der Vorfall von Samstag einen Angst-Nerv getroffen haben kann. Aus diesem Grund betonen wir, dass die Verantwortung direkt auf die Schultern der Hamas gelegt werden sollte, einer Organisation mit wenig, wenn überhaupt Interesse für Menschenleben, wie ihre elende Geschichte der Installation von Militäreinrichtungen in zivilen Bereichen bestätigt.

Das wurde anscheinend leider heute einmal mehr bewiesen.

Medien verpassen die eigentliche Story bei den palästinensischen Krawallen auf dem Tempelberg

13. Mai 2021

Emanuel Miller, HonestReporting, 9. Mai 2021

Am Freitag skandierten tausende Moscheebesucher gewalttätige Parolen, während sie auf dem Tempelberg randalierten, dem heiligsten Ort des Judentums, auch Standort der Al-Aqsa-Moschee, dem drittheiligsten Ort des Islam. Mehr als 200 Palästinenser und 17 israelische Polizisten wurden bei den daraus resultierenden Zusammenstößen verletzt.

Aber das war nicht das, wie die Medien die Geschichte berichteten.

Wenn man irgendeinen Bericht der New York Times, der BBC, des Guardian, der Washington Post oder der Associated Press liest, dann könnte einem vergeben werden zu glauben, dass palästinensische Moscheebesucher von unbarmherzigen israelischen Sicherheitskräften misshandelt wurden.

Eine solche Darstellung ist nicht nur eine Verzerrung der Fakten, sondern trübt auch das Gesamtbild.

In den Berichten ausgelassen: palästinensische Kampfrufe

„Ya Qassam, Ya Habib/Bombardiert, bombardiert Tel Aviv.“                     

Das waren die Worte von den Lippen nicht hunderter, sondern tausender Palästinenser, die sich auf dem Tempelberg versammelt hatten, um den letzten Freitag des Monats Ramadan zu begehen.

Das waren nicht die einzigen Gewaltworte: Der bekannte alte Kehrreim „Mit unserer Seele, mit unserem Blut werden wir dich erlösen, Al-Aqsa“ wurde ebenfalls wiederholt skandiert.

Das vielleicht ungeheuerlichste Beispiel kam in einem Beitrag von NPR, in dem Parolen erwähnt wurden – aber nur die einer kleinen Gruppe jüdischer Extremisten während der letzten Wochen (Minute 2:40 im Audio-Clip). Die auf Arabisch von tausenden muslimischer Moscheebesucher während der Zusammenstöße am Freitagabend gesungenen Parolen wurden hingegen nicht als erwähnenswert betrachtet.

Während dies von den Medien fast nicht berichtet wurde, sollte Reuters als eines der wenigen gelobt Nachrichtenorgane gelobt werden, das die Aufstachelung zu Gewalt erwähnte.

Derweil beschrieb die selbsternannte „Friedens“-Organisation IfNotNow das Hassreden als „inspirierenden … palästinensischen Widerstand“.

Grob vereinfachendes Framing des „Konflikts im Scheik Jarrah um Land“

In den letzten Tagen hat eine juristische Debatte über das Schicksal von ein paar Immobilien im Viertel Schimon HaTzadik/Scheik Jarrah in Ostjerusalem international Schlagzeilen gemacht. Es ist zwar klar, dass dieser Fall von Randalierern in Jerusalem als Sammelruf benutzt wird, aber Medienberichte haben das Narrativ so weit übersimplifiziert, dass die palästinensische Intoleranz praktisch ignoriert wird.

Ein von der BBC nach den Krawallen am Freitagabend veröffentlichter Artikel dient als perfektes Beispiel. Er begann mit der Dokumentation der Zahlen der Verletzten und führte die von jeder Seite eingesetzten Waffen an, womit der Eindruck vom „mutigen“ palästinensischen Underdog entstand, der brutalen israelischen Sicherheitskräften die Stirn bot:

Mindestens 163 Palästinenser und sechs israelische Polizisten sind bei Zusammenstößen in Jerusalem veröffentlicht worden, sagen palästinensische Sanitäter und die israelische Polizei. Die meisten wurden an der Al-Aqsa-Moschee verletzt, wo israelische Polizei mit Gummigeschossen und Blendgranaten schoss, während die Palästinenser Steine und Flaschen warfen.

Der nächste Absatz gestaltet das Thema vor dem Hintergrund eines anderen:

Wegen der möglichen Zwangsräumung von Palästinensern von Land, das jüdische Siedler beanspruchen, haben Spannungen zugenommen.

Heruntergespielt: palästinensische Gewalt

Eine weitere anscheinend unangenehme, von den Medien ignorierte Tatsache ist, dass palästinensische Randalierer große Felsbrocken auf den Tempelberg brachten und in der Al-Aqsa-Moschee versteckten. Videos der Zusammenstöße zeigen auch Palästinenser, die Feuerwerkskörper als Waffen verwenden, was die israelische Grenzpolizei zwang Schilde einzusetzen, um sich zu schützen. Es scheint auch so, dass Laser eingesetzt wurden, um die Beamten abzulenken und zu verwirren. (Das im Original hier gezeigte Video konnte ich leider nicht einbinden.)

Diese von der israelischen Polizei zur Verfügung gestellten Videobilder sind von unschätzbarem Wert, weil sie den Zuschauern hilft sachgemäß zu verstehen, was im von der Washington Post verwendeten Leitbild eingefangen wurde. Die Bildbeschreibung der Post lautete: „Palästinenser reagieren, als israelische Polizei während Zusammenstößen auf dem Gelände, das die Al-Aqsa-Moschee in Jerusalems Altstadt beherbergt, Blendgranaten verschießt.“

Das Bild zeigt hingegen sehr deutlich Feuerwerkskörper, die in der Luft explodieren, am wahrscheinlichsten die von den Palästinensern eingesetzten – mit der Aussicht israelische Sicherheitskräfte zu verletzen – die eine Reaktion auslösten.

Und während Blendgranaten von den Sicherheitskräften tatsächlich manchmal zur Zerstreuung der Menge eingesetzt wurden, sieht es in Wirklichkeit so aus, wenn sie explodieren.

Es scheint daher klar zu sein, dass die Bildbeschreibung der Post falsch ist.

Nicht berichtet: der palästinensische Machtkampf

Vielleicht zum ersten Mal überhaupt wurden am Wochenende auf dem Tempelberg Hamas-Flaggen gehisst. Die Terrororganisation, die den Gazastreifen beherrscht, hat sich Israels Vernichtung verschrieben und zeigt in Jerusalem Wirkung.

Die Flaggen sollten für sich selbst sprechen, schließlich repräsentieren sie eine völkermörderische Gruppe. Aber es gibt einen weiteren Blickwinkel zu diesem Vorfall.

Wie weithin erwartet, sagte PA-Präsident Mahmud Abbas vor kurzem die Parlamentswahlen ab, die ursprünglich für den 22. Mai angesetzt waren. Seitdem haben die Spannungen zwischen Abbas‘ Fatah, die praktisch die Westbank per Erlass regiert, und der Hamas zugenommen. Als Reaktion hat die Hamas die Hetze gegen den jüdischen Staat gesteigert, was viele Analysten als Versuch interpretierten ihr öffentliches Profil durch Demonstration ihrer nationalistischen Aufrichtigkeit zu verbessern.

Leider wird den Lesern regelmäßig detaillierte, nuancierte Berichterstattung zum eineinhalb Jahrzehnte dauernden innerpalästinensischen Konflikt vorenthalten. Das hat fundamentale Fehlwahrnehmungen zur Beziehung zwischen Israel und den Palästinensern wie auch zwischen den Palästinensern selbst zur Folge. In diesem Fall ist die Folge klar: Die Leser bleiben darüber fehlinformiert, was wirklich die jüngste Eskalation der Gewalt in Jerusalem verantwortlich ist.

(Bilder: Getty Images, Emmanuel Dunand)

Presse macht schonmal mobil für Verschiebung der Palästinenserwahlen – indem Israel vorab dafür verantwortlich gemacht wird

27. April 2021

Akiva van Koningsveld, HonestReporting.com, 21. April 2021

Nur wenige Wochen vor den angesetzten palästinensischen Parlamentswahlen am 22. Mai deuten ranghohe Vertreter in Ramallah an, dass PA-Präsident Mahmud Abbas die Abstimmung absagen wird. Es wäre nicht das erste Mal. Die Palästinenser hatten zuletzt 2006 die Gelegenheit ihre Stimmen an der Wahlurne Gehör finden zu lassen, eine Abstimmung, die einen Sieg der Hamas erbrachte, die von Israel, den USA und anderen Ländern zur Terrororganisation erklärt worden ist.

Seitdem sind Palästinenserwahlen mindestens viermal angekündigt und dann abgesagt worden: 2009, 2011, 2018 und 2019.

Immer wieder hat die PA die Palästinenser davon abgehalten ihr vorgebliches demokratisches Recht ihre politischen Repräsentanten zu wählen auszuüben. Folglich wird die Westbank seit mehr als einem Jahrzehnt im Wesentlichen über Abbas‘ Erlasse regiert, während der Gazastreifen weiterhin von der Hamas regiert wird. Obwohl die Mainstream-Medien über Abbas‘ wiederholte Schwüre Wahlen abzuhalten ausführlich berichtet hat (siehe hier, hier und hier), haben die Nachrichten-Organe größtenteils darin versagt hinterher auch genau darüber zu berichten, warum der PA-Führer die Abstimmungen absagte: sprich, infolge einer Kombination interner palästinensischer Kämpfe und der Möglichkeit, dass die Hamas wieder an erster Stelle aus ihnen hervorgehen könnte.

Stattdessen haben die Medien in vielen Fällen Israel für die selbstzugefügte missliche Lage der Palästinenser verantwortlich gemacht.

Es ist zwar immer noch unklar, ob die Wahlen im Mai stattfinden werden, aber zahlreiche Berichte in Israel und palästinensische Medien suggerieren, dass die Aussichten dafür zunehmend unwahrscheinlich sind.

Auftritt der Associated Press(AP), die am Montag einen Artikel mit dem Titel „Jerusalem-Streit könnte palästinensische Wahl scheitern lassen“ veröffentlichte. Der Text macht präventiv Israel für die mögliche Verschiebung oder Absage der Palästinenserwahl verantwortlich, während er die intrapalästinensische Spaltung nur nebenbei erwähnt.

Der ungenaue und aus dem Zusammenhang geschriebene Artikel der Nachrichtenagentur wurde von großen Seiten wie der Washington Post, ABC News und dem Independent übernommen.

Die Wahl in Jerusalem: Weitgehend symbolisch

Der erste Satz im Artikel von AP argumentiert: „Ein Streit um Abstimmung in Ostjerusalem droht die ersten Palästinenserwahlen seit mehr als 15 Jahren zu verhindern oder zu verzögern.“ Damit plappert die Nachrichtenagentur unwissentlich oder nicht eine von der PA propagierte, antiisraelische Lüge nach, was einen Tag später von Abbas-Berater Nabil Shaath bewies, der erklärte, es sei „sehr wahrscheinlich“, dass die Wahlen verschoben würden, weil Israel noch nicht auf Ramallahs Anfrage geantwortet hatte in Jerusalem Wahlurnen aufzustellen.

Fakt ist, dass die Offiziellen versuchen die Aufmerksamkeit von der politischen Instabilität in den Palästinensergebieten und seiner eigenen Fatah-Partei abzulenken.

Die Oslo-Vereinbarungen verpflichten Israel einer kleinen Zahl im östlichen Teil dessen, was Israel als seine ungeteilte Hauptstadt betrachtet, lebenden Palästinensern an Palästinenserwahlen teilzunehmen. Die Oslo II-Vereinbarung von 1995 erklärt in Anhang II, Artikel VI, Abschnitt 2: „Eine Reihe Palästinenser Jerusalems werden an den Wahlen über Dienste teilnehmen, die in Postämtern in Jerusalem zur Verfügung gestellt werden, entsprechend den Kapazitäten solcher Postämter.“

Dieselbe Vereinbarung sagt jedoch auch, dass die PA die Kandidatur von Kandidaten verhindern sollte, wenn sie Rassismus propagieren oder ihre Ziele mit gesetzeswidrigen oder undemokratischen Mitteln verfolgen. Bedenkt man, dass sowohl die Hamas als auch der verurteilte Erzterrorist Marwan Barghouti beide eine Kandidatenliste für die Wahl eingereicht haben, dann ist klar, dass die Last ihre Verpflichtungen zu erfüllen bei den Palästinensern liegt.

Darüber hinaus legen die Bestimmungen der Oslo-Vereinbarungen fest, dass nur eine begrenzte Anzahl Palästinenser in Jerusalem wählen können. Bei den letzten Wahlen waren 5.000 berechtigt unter Verwendung israelischer Postämter für das PA-Parlament abzustimmen, was gerade 0,2 Prozent aller 2,5 Millionen registrierter Wähler sind. Sogar The Guardian – Gewinner des DishonstReporting Award 2011 – gestand ein, dass in Jerusalem lebende Palästinenser an den Wahlen zu beteiligen rein symbolisch ist.

„Die meisten Wähler reisen zur Abstimmung in Bereiche außerhalb Ostjerusalems“, schrieb die Zeitung 2006. Tatsächlich bestätigte die palästinensische Wahlkommission vor kurzem, dass dies auch für die anstehenden Wahlen möglich ist. Der Artikel der Associated Press hielt fest, dass der Streit nur „rund 6.000 Einwohner“ betrifft. Warum also lassen es die Schlagzeile wie auch der erste Absatz so aussehen, als sei Israel das Haupthindernis für den demokratischen palästinensischen Prozess?

Tatsache ist, dass der führende Grund dafür, dass Abbas darüber nachdenkt die Wahlen zu verschieben, nur irgendwo in der Mitte der AP-Story erwähnt wird:

Umfragen deuten auf eine Spaltung der Fatah-Stimmen hin, die die geeinte Hamas als größte Partei im Parlament da stehen lässt. Wenn Barghouti beschließt als Präsidentschaftskandidat bei einer für den 31. Juli geplanten Wahl anzutreten, wird erwartet, dass er Abbas leicht besiegt…

Zweifelsohne haben sich die Chancen der Fatah die Wahl zu gewinnen nicht verbessert, seit Abbas am 15. Januar den Erlass ausgab sie abzuhalten. Gespräche über ein gemeinsames Antreten von Fatah und Hamas sind formell beendet worden und eine aktuelle Umfrage stellte fest, dass die Terrorführer des Gazastreifens bei allgemeinen Wahlen 27 Prozent der Stimmen erhalten würden, während 24 Prozent den Kandidaten von Abbas wählen würden.

Und die Hamas ist nicht die einzige Bedrohung der Herrschaft der Fatah in der palästinensischen Autonomie. Nach Angaben einer Meinungsumfrage vom 31. März würde die Partei Barghoutis,  der früher der Fatah treu war, 20 Prozent der Stimmen gewinnen. Wenn darüber hinaus Barghouti – der derzeit wegen der Organisation zahlreicher Terroranschläge während der zweiten Intifada fünf lebenslange Haftstrafen in einem israelischen Gefängnis absitzt – beschließt bei den für den 13. Juli angesetzten Präsidentschaftswahlen anzutreten, wird vorhergesagt, dass er Abbas erdrutschartig besiegen wird.

Zusätzlich kündigten zwei weitere ehemalige Fatah-Offizielle an, dass sie Abbas am 22. Mai herausfordern werden. Nasser al-Qidwa, ehemaliger PA-Botschafter bei der UNO, schloss sich mit Barghouti zusammen, während Mohammed Dahlan, ehemaliger Sicherheitschef der Fatah im Gazastreifen, der von Abbas ins Exil getrieben wurde, eine Wahlliste namens „Die Zukunft“ einreichte.

Tatsächlich haben zunehmende Spannungen zwischen der Fatah und ihren Aussteigern bereits zu mehreren Schießeren geführt, die die Häuser von Kandidaten in der Westbank zum Ziel hatten.

Nachplappern der antiisraelischen Meinungsmache der PA

Infolge dieses Zusammentreffens von Faktoren liegt das Fallenlassen des Wahlplans scheinbar in Abbas‘ Interesse, besonders wenn man bedenkt, dass er vor kurzem das 17. Jahr dessen begann, was eine vierjährige Amtszeit sein sollte. Trotzdem wurde vom 85-jährigen PA-Chef bei vier bisherigen Gelegenheiten, zu denen er angesetzte Wahlen absagte, als Vorwand wiederholt angeführt, dass alle in Jerusalem lebenden Palästinenser nicht abstimmen könnten.

Warum also ermöglicht AP Abbas‘ Manipulation, während sie in ihrem „Erklärstück“ die wichtigsten Gründe für seinen Entscheidungsfindungsprozess unzureichend erklärt?

Der Artikel enthält auch eine Behauptung, die komplett falsch ist. Associated Press gibt an: „Wenige Palästinenser würden dafür argumentieren mit Wahlen weiterzumachen, die Ostjerusalem ausschließen.“ Meinungsumfragen deuten hingegen darauf hin, dass 65 Prozent der Palästinenser es vorziehen Wahlen abzuhalten, auch wenn Israel keine Abstimmung an Orten in der heiligen Stadt zulässt.

Alleine 2021 hat HonestReporting bereits viermal israelfeindliche Einseitigkeit in der Berichterstattung von AP aufgezeigt, was jeweils eine bedeutende Korrektur veranlasste. Erst vor drei Wochen brachte die Nachrichtenagentur einen Text, der Barghouti als „populären und charismatischen Führer“ beschrieb, der „von vielen Palästinensern als revolutionärer Führer vom gleichen Schlag wie Nelson Mandela oder Fidel Castro betrachtet wird“. Im Februar veröffentlichte AP einen Text, der Israel dafür verantwortlich machte, dass die Hamas hart gegen Frauenrechte vorgeht.

AP liefert großen Medienorganisationen weltweit Nachrichten-Artikel. Ihr Jahresbericht 2019 prahlte, dass mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung jeden Tag von AP produzierte Artikel liest. Von daher hat sie großen Einfluss, was eine große Verantwortung mit sich bringt.

HonestReporting fordert von Associated Press ihren Artikel zu ergänzen, indem alle Elemente und Tatsachen einbezogen werden – mit Abwägung der Sachverhalte entsprechend ihrer Bedeutung – die die Absage der palästinensischen Parlamentswahlen zur Folge haben könnten.

Wir ermutigen unsere Leser AP zu kontaktieren, um zu fordern, dass der Artikel ergänzt wird, um die wahre Realität vor Ort wiederzugeben.

Verkehrte Wirklichkeit: Reuters stellt Israel als Aggressor gegen die Terrororganisation Hisbollah dar

25. Februar 2021

Akiva van Koningsveld, HonestReporting, Feb. 18, 2021

Israels Militär führte vor kurzem im Norden des Landes ein überraschendes Manöver der Luftwaffe durch, als Vorbereitungen für eine mögliche zukünftige Konfrontation mit der im Libanon sitzenden Hisbollah, die von den USA, Israel und mehreren europäischen Nationen als Terrororganisation ausgewiesen wurde. Die „Rose von Galiläa“ genannte Übung testete die Möglichkeit der israelischen Luftwaffe die Luftüberlegenheit zu behalten und Informationen zu sammeln.

Die Übung erfolgte zwei Wochen, nachdem die Hisbollah Raketen auf eine israelische Drohne schoss und nur Tage, nachdem ein israelischer Geheimdienstbericht warnte, die Hisbollah werde wahrscheinlich zum ersten Mal seit dem Zweiten Libanonkrieg im Jahr 2006 eine „beschränkte Offensive“ gegen Israel beginnen.

Hassan Nasrallah, der Führer der iranischen Stellvertretergruppe, reagierte auf die Übung einmal mehr mit der Drohung Israel zu vernichten. Reuters hingegen berichtete in einem kurzen Artikel mit dem Titel „Libanons Hisbollah-Chef warnt Israel nach der Übung ‚Kampftage‘“ über die Ereignisse von dieser Woche wie folgt:

Hisbollah-Chef Sayyed Hassan Nasrallah aus dem Libanon warnte Israel am Dienstag vor Drohungen unter Hinweis auf Übungen der israelischen Luftwaffe, die Anfang des Monats stattfanden; er warnte, ein Angriff würde erwidert.

Die 200 Worte lange Meldung lässt nicht nur wichtige Teile der Drohungen Nasrallahs aus, sondern auch die Basisfakten zur Hisbollah und dringend benötigten Kontext zu ihrem Jahrzehnte alten Konflikt mit dem jüdischen Staat. Damit spielt Reuters – eine der größten Nachrichtenagenturen weltweit – die Gefahr herab, die für Israel von der Terrororganisation für Israel ausgeht.

Unsichtbare Blockade: Medien schweigen zu Gaza-Sanktionen der PA

11. Februar 2021

Gidon Ben-Zvi, HonestReporting, 27. Januar 2021

Seit PA-Präsident Mahmud Abbas einen Erlass ausgab, dass zum ersten Mal seit 15 Jahren Parlaments- und Präsidentschaftswahlen stattfinden sollen, haben große Medien die Tatsache ignoriert, dass Ramallah schon vor langem lähmende Sanktionen gegen den Gazastreifen verhängte.

Und das zum gravierenden Nachteil seiner 1,8 Millionen Einwohner.

Stattdessen werden die heiklen Zustände in der palästinensischen Küstenenklave weiter reflexartig der gemeinsamen israelisch-ägyptischen Blockade der Enklave zugeschrieben. Die von Abbas veranlassten, Zwangskürzungen der Sozialleistungen und die Kürzung der Gelder für Strom sowie weitere Strafmaßnahmen im Gazastreifen sind von der gewaltigen Mehrheit der internationalen Medien überwiegend nicht berichtet worden.

Abbas: Auf die Hamas zielen, die Palästinenser bestrafen

Anders ist es für einige lokale Journalisten wie Khaled Abu Toameh, der diese Woche eine Erinnerung an den wahren Stand der Dinge twitterte:

(Palästinenservertreter: Präsident Mahmud Abbas überlegt die dem Gazastreifen von ihm auferlegten Wirtschaftssanktionen aufzuheben, um allgemeine Wahlen zu ermöglichen.)

Aber Abbas ist praktisch ein Freifahrtschein gegeben worden, obwohl fast zwei Millionen Palästinenser den Preis für die politische Rivalität zwischen seiner regierenden Fatah-Bewegung in der Westbank und der islamistischen Terrororganisation Hamas im Gazastreifen bezahlen. Seine Blutfehde geht auf 2006/2007 zurück, als Abbas in einem internen Krieg aus der Enklave vertrieben wurde.

In Reaktion darauf begann die palästinensische Autonomiebehörde den wirtschaftlichen Druck auf die Hamas zu verschärfen, indem den Gazanern das Leben schwieriger gemacht wurde; zum Beispiel wurde Banken in der Westbank verboten Geld an Einwohner des Streifens zu überweisen. Tatsächlich haben Menschenrechtsgruppen Verhaftungen wegen solch „illegaler“ Aktivitäten dokumentiert.

Genauso hat Abbas es abgelehnt für Gaza bestimmte internationale Hilfen auszuliefern.

Derweil bezahlte die PA weiter zehntausende ihrer Beschäftigten im Gazastreifen, obwohl die meisten davon keine Arbeit hatten, weil die Hamas 2007 die Kontrolle des Gebiets übernahm. Dann wurden diese Gehälter 2018 plötzlich gestrichen. Um dieselbe Zeit reduzierte Abbas auch die Gehälter tausender öffentlicher Angestellter im Gazastreifen und forderte viele weitere auf ihre Arbeit zu verlassen.

Das hat logischerweise zur astronomisch hohen Arbeitslosigkeit und Armutsrate im Gazastreifen beigetragen.

Nicht berichtet: Palästinensische Proteste gegen PA-Sanktionen

Im März 2018 organisierte der US-Sondergesandte Jason Greenblatt eine Konferenz im Weißen Haus, um mögliche Lösungen zur Entschärfung der Lage im Gazastreifen zu diskutieren. Aber Abbas ging der Initiative aus dem Weg und wies eine Anfrage des damaligen UNO-Sonderkoordinator für den Nahost-Friedensprozess Nikolai Mladenow nach einem Zwiegespräch ab.

Drei Monate später brach in Städten überall in der Westbank eine Reihe Demonstrationen aus, die ein Ende der Sanktionen der PA gegen den Gazastreifen forderten. Während das harte Vorgehen der PA gegen die Demonstranten in palästinensischen und arabischen Medien weithin verurteilt wurde, waren die internationalen Nachrichtenmedien wieder relativ still, insbesondere bezüglich der von den palästinensischen Truppen einsetzte Gewalt.

Das „Macht Israel verantwortlich“-Narrativ geht zu Lasten der Palästinenser des Gazastreifens

Mahmud Abbas‘ zynische Taktik besteht darin im Gazastreifen über wirtschaftliche Strangulation Unruhe zu schüren. Trotzdem ist in der aktuellen Berichterstattung zu in Aussicht stehenden palästinensischen Wahlen die fortgesetzte Politik der kollektiven Bestrafung durch die PA unter den Teppich gekehrt worden.

De facto stellen die internationalen Medien Abbas weiter als einen „Moderaten“ und damit Israels bestmöglichen potenziellen Friedenspartner dar. Das Gesamtbild ist aber, wie es allgemein der Fall ist, weit komplexer. Dass der PA-Präsident seinem eigenen Volk Schaden zugefügt hat, läuft dem anerkannten, allerdings höchst fehlerhaften Narrativ zuwider.

Indem einzig Israel für das Leid der Gazaner verantwortlich gemacht wird, ist eine wichtige Story über den Mann, der immer noch das palästinensische Volk führen will, begraben worden.

Nicht auf dem Radar der Medien: Wie Israel hilft die globale Coronavirus-Pandemie zu bekämpfen

4. Februar 2021

Gidon Ben-Zvi, HonestReporting, 2. Februar 2021

HonestReporting ist erfolgreich verschiedene falsche Medien-Narrative zu Israels anhaltendem Kampf gegen den Coronavirus entgegengetreten (s. hier, hier und hier). Das vielleicht beherrschende ist die Anschuldigung gewesen, Jerusalem verhindere, dass die Palästinenser Impfstoff erwerben. Diese Woche wurde der jüdische Staat jedoch zum ersten Staat der Welt, der Impfungen mit einer externen Bevölkerung teilt. Darüber hinaus hat der Premierminister der palästinensischen Autonomiebehörde angekündigt, dass bald zehntausende zusätzlich Injektionen in Ramallah ankommen werden.

In der Mischung verloren geht die Vielzahl der Arten, wie israelischer Einfallsreichtum der Welt in der Pandemie profitiert.

Zum Studium und zur BekämpfungIsraelische von COVID-19 gehen Krankenhäuser Partnerschaften mit nationalen Gesundheitseinrichtungen ein

Letzten April kündigte das Sheba Medical Center in Tel Haschomer die Unterzeichnung einer „Notfall-Vereinbarung“ mit den National Institutes of Health (NIH) aus Maryland an, um angewandte wissenschaftliche und klinische Forschungsstudien zur Entwicklung Coronavirus-bezogener Behandlungen durchzuführen.

Das Krankenhaus verpflichtete sich dem NIH-Impfforschungszentrum von infizierten Patienten in Israel Blutproben, Plasma und das COVID-19-Virus selbst zu liefern. Das alles wurde durch eine Reihe klinischer Versuche möglich, die das Krankenhaus zu möglichen Behandlungen durchführte, einschließlich derer die von wichtigen Pharmazeutika-Firmen entwickelt wurden.

MDA hilft Afrika im Kampf gegen den Coronavirus

Im Juni kündigte der Magen David Adom (MDA – Roter Davidstern) an, dass er Software entwickelt hatte um eine mobile Coronavirus-Testeinrichtung zum Durchfahren in der Demokratischen Republik Kongo (DRC) zu verwalten.

Die Zahl der Durchfahr-Zentren in der DRC hat in der Folge zugenommen und heute gehört ein Trainingsprogramm mit Video- und schriftlichen Verfahren, die vom MDA entwickelt und mit medizinischen Profis des zentralafrikanischen Landes geteilt wurden.

MDA-Generaldirektor Eli Bin gibt an: „Angesichts der Kampfs gegen den Coronavirus haben wir umfangreiche Erfahrung beim effizienten und sicheren Gewinn tauender Proben pro Tag gewonnen, und heute sind wir froh das Wissen mit anderen medizinischen Einrichtungen rund um die Welt zur Rettung menschlichen Lebens zu teilen.“

IAI schließt Partnerschaft mit den VAE, um Lösungen für COVID-19 zu finden

Vor der Unterzeichnung der Normalisierungsvereinbarung zwischen Israel und den Vereinigten Arabischen Emiraten startete Israel Aero Industries im Juli ein historisches Projekt mit Group 2, einer Firma mit Sitz in Dubai. Die Partnerschaft will Möglichkeiten entwickeln künstlicher Intelligenz und anderen fortschrittlichen Technologien für die Bekämpfung von COVID-19 zum Durchbruch zu verhelfen, darunter Laser und Sensoren.

Die Lösungen wie auch die gemeinsamen medizinischen und technologischen Initiativen sollen nicht nur den Bevölkerungen Israels und der VAE helfen, sondern auch denen des gesamten Nahen Ostens.

Google gewährt der Universität Tel Aviv einen Zuschuss einen Wettbewerbszuschuss für weltweite Coronavirus-Forschung

Im September wurde ein Zuschuss eines Google-Fonds, der „KI für soziales Wohl“ wirbt, an die Universität Tel Aviv (TAU) vergeben.

Unter Verwendung von Daten aus Ministerien der Regierung und dem zentralen Statistikbüro Israels schaffen Forscher an der Universität eine hochauflösendes Modell der Verbreitung des Coronavirus, um die Planung und Testung verschiedener Methoden zur Eindämmung der Pandemie zu ermöglichen.

Das interdisziplinäre Forscherteam bringt TAU-Wissenschaftler der Porter School of the Environment and Earth Sciences, der School of Public Health, des Department of Statistics and Operations Research, der Blavatnik School of Computer Science, der School of Electrical Engineering und des Gertner Institute for Epidemiology and Health Policy Research zusammen.

App des Gesundheitsministeriums hilft der Welt COVID-19 zu bekämpfen

Israelische Behörden entwickelten in Zusammenarbeit mit Technikern eine Handy-App namens „HaMagen“ (Das Schild). HaMagen kann genutzt werden, um den Aufenthaltsort von Menschen aus der Datenbank des Gesundheitsministeriums herauszufinden, die mit dem Coronavirus infiziert sind. Die App informiert dann User, wenn sie in der Nähe von Infizierten waren.

Die persönlichen und Standortdaten des Users werden nicht hochgeladen, auch nicht auf einem Server oder in einer Cloud gespeichert und man kann die Lieferung von Informationen jederzeit stoppen.

Das Gesundheitsministerium hat Regierungen weltweit ermöglicht HaMagens Open-Code-Technologie kostenlos zu nutzen. Die App ist bereits in Arabisch, Russisch, Französisch und Englisch übersetzt worden.

An Perspektivfehlern erkrankte Medien

Die oben erwähnten Initiativen sind nur ein kleines Beispiel der vielen Möglichkeiten, mit denen Israel hilft den Coronavirus zu bekämpfen. Sie werden außerhalb der lokalen Medien weitgehend nicht berichtet. Währenddessen haben viele internationale Nachrichtenorganisationen ein falsches, wenn nicht gar böswillige Narrativ über den jüdischen Staat verbreitet.

Damit haben sie ihre Leser im Dunkeln gelassen, indem sie nicht betonen, dass selbst während einer Krise des Ausmaßes von COVID-19 israelische Projekte, die Leben retten sollen, mit Volldampf weiter vorangetrieben werden.

Evolution eines falschen Medien-Narrativs: Die Lüge über die Corona-Impfung der Palästinenser

21. Januar 2021

Emanuel Miller, HonestReporting, 14. Januar 2021

Obwohl HonestReporting wiederholt auf ungeheuerliche Hinweise aufmerksam machte, Israel habe versagt den Coronavirus-Impfstoff für in der Westbank und dem Gazastreifen lebende Palästinenser sicherzustellen, haben zahllose Medien weiter diese Fehlinformation bezüglich Israels Verantwortung verbreitet.

Am 21. Dezember dokumentierte HonestReporting, dass Schlagzeilen der Internetseiten von Medienorganen wie Reuters, Associated Press, Washington Post und ABC News sowie anderen während Israels Beginn einer großen Initiative die Bevölkerung des Landes gegen COVID-19 zu impfen fälschlich unterstellten, Jerusalem sei für die „schlimme Lage“ der Palästinenser verantwortlich.

Damals machten offizielle Vertreter der palästinensischen Autonomiebehörde klar, dass sie Israel nicht um Hilfe bei der Beschaffung von Impfstoffen gebeten hatte und solche Hilfe weder wollten noch erwarteten. Offizielle hatten zu diesem Punkt unzweideutig erklärt, dass die PA andere Impfstoffquellen in Aussicht hätte.

Das hätte das Ende der Geschichte sein müssen. War es aber nicht.

Wie eine Medienlüge palästinensische Äußerungen beeinflusste

Mitte Dezember war also die offizielle palästinensische Linie klar. Khaled Abut Toameh von der Jerusalem Post dokumentierte in einem Artikel mit dem Titel Palestinians: We Didn’t Ask Israel for COVID-19 Vaccine (Palästinenser: Wir haben Israel nicht um COVID-19-Impfstoff gebeten):

Ein ranghoher Offizieller des PA-Gesundheitsministeriums sagte, die Palästinenser erwarteten von Israel nicht ihnen Impfstoff zu verkaufen oder für sie bei einem anderen Land zu kaufen.

Der Offizielle sagte gegenüber der Jerusalem Post, dass die Palästinenser bald fast vier Millionen in Russland hergestellte Impfstoffdosen gegen COVID-19 erhalten werden…

Ein weiterer Vertreter des PA-Gesundheitsministeriums sagte, er erwarte die Impfdosen in der Westbank und dem Gazastreifen im nächsten Monat. Auch er stellte klar, dass die PA Israel nicht gebeten hat die Palästinenser mit Impfstoff zu versorgen.

Da der Angriff der Medien weiterging, schwenkte die PA jedoch um und bat Israel tatsächlich um Hilfe. Israel lieferte sofort eine kleine Menge Impfstoff, während es gleichzeitig internationale Gespräche mit der Weltgesundheitsorganisation mit der Aussicht begann, die Lieferung weiterer Dosen an Ramallah und Gaza über internationale Vermittler zu ermöglichen.

Derweil werden in den kommenden Wochen Impfstoffe aus verschiedenen Quellen, darunter aus Russland und vom britischen Pharmagiganten AstraZeneca in der Westbank erwartet.

Trotzdem haben in den letzten Tagen der Guardian, die Los Angeles Times und die Washington Post allesamt zu der fortgesetzten Medienlüge beigetragen, Israel müsse den Palästinensern Impfstoffe zur Verfügung stellen. In einigen Fällen implizieren die Berichte in den Medien weiterhin, dass Israel, aus unklar bleibenden Gründen und trotz der geografischen Nähe und der Überschneidung von Bewegung zwischen Israelis und Palästinensern eine nicht existent verachtenswerte Politik betreibt.

Ist Israel verpflichtet den Palästinensern Coronvirus-Impfstoffe zu geben?

Auch wenn Kritiker unterstellen, Israel sei rechtlich verpflichtet den Palästinensern den Coronavirus-Impfstoff zu liefern, ist der Fall extrem komplex, wie detailliert in einer weiteren Analyse von HonestReporting diskutiert wurde.

Von Anfang an war das von den Medien ausgegebene Narrativ wüst falsch. Am Anfang behaupteten Berichte in den Medien irreführend, Israel lehne die Hilfe der Palästinenser ab. Und jetzt, obwohl Israel handelt, erwarten Nachrichtenorgane offenbar, dass Israel Millionen überschüssiger Impfdosen herbeizaubert und an die Palästinenser übergibt, die nicht einfach verfügbar sind – und das auf Kosten des eigenen Volks.

Bild: Shutterstock

Das „Israel-Problem“ der Medien breitet sich aus. Hier der Grund.

10. Dezember 2020

Daniel Pomeranz, HonestReporting, 18. November 2020

2016 schrieb ich meine erste Kritik als Redakteur für HonestReporting. Unter dem Titel „Ist das Ermorden von Israelis einfach ‚menschliche Natur‘?“ wurde darin eine Äußerung des damaligen UNO-Generalsekretärs Ban Ki-moon zerlegt:

Angriffe von Palästinensern auf israelische Zivilisten mit Messern, Autos und Schusswaffen haben weiterhin Leben gekostet… Wie es unterdrückte Völker jedoch im Lauf der Weltgeschichte bewiesen haben, ist es menschliche Natur, auf Besatzung zu reagieren, die oft als mächtige Brutstätte für Hass und Extremismus wirkt. (Hervorhebung hinzugefügt)

Ban ließ dieser Äußerung ein Op-Ed in der New York Times folgen, in der er eine ähnliche Behauptung aufstellte. In meinem Artikel untersuchte ich Besatzungen im Verlauf der Zeit und legte offen, dass es objektiv nicht der menschlichen Natur entspricht so zu reagieren, wie Ban nahelegte und darüber hinaus, dass Ban gegenüber keinem der andern 189 Länder solche Behauptungen aufstellte, die damals in territoriale Dispute involviert waren.

Er schoss einzig gegen Israel.

Auftritt Charlie Hebdo

Am 7. Januar 2015 stürmten islamistische Fundamentalisten die Pariser Büros des Satire-Magazins Charlie Hebdo und eröffneten das Feuer, töteten 12 Personen und verletzten 11 weitere. Der Grund? Weil das Magazin Karikaturen veröffentlicht hatte, die den Propheten Mohammed darstellten. Um das klar zu stellen: Die Klage eines Großteils der muslimischen Welt kam nicht gerade daher, dass Mohammed auf eine bestimmte beleidigende Weise dargestellt wurde, sondern dass sein Bild überhaupt wiedergegeben wurde: Wie jede visuelle Wiedergabe Mohammeds wird das vom islamischen Recht verboten.

Größtenteils zeigte die Welt – wie auch die Medien – einen Ausbruch an Mitgefühl und Unterstützung für Frankreich, was in starkem Gegensatz zu dem steht, was wir oft sehen, wenn Terrorismus sich gegen Israelis richtet.

Protest gegen die Schüsse bei Charlie Hebdo, Strasbourg, Frankreich

Schnellvorlauf zur Gegenwart: Der französische Lehrer Samuel Paty (47) zeigte seinen Schülern die Karikaturen von Charlie Hebdo in einer Stunde zu Koexistenz, Toleranz und freier Meinungsäußerung. Mehrere Tage später, am 16. Oktober 2020, spürte ein muslimischer Fundamentalist, der ursprünglich aus Tschetschenien stammende 18-jährige Abdullakh Anzorov, Paty auf und köpfte ihn auf offener Straße. Das war nur der letzte und grausamste einer langen Reihe solcher Angriffe: Seit 2015 starben in Frankreich 250 Menschen bei Terroranschlägen, die meisten in allen westlichen Ländern.

Aber das Frankreich von 2020 sonnt sich nicht mehr in der Wärme globalen Mitgefühls. Stattdessen titelte die New York Times mit der Schlagzeile: „Französische Polizei erschießt Mann nach tödlichem Messerangriff auf der Straße“. Das ist ein Spracheinsatz, der Leuten wie den Mitarbeitern von HonestReporting, die der internationalen Berichterstattung über die „Messer-Intifada“ gegen Israelis verfolgen, verstörend vertraut ist. Die Schlagzeile der NYT wurde später nachgebessert, um Worte einzuschließen, die etwas weniger grausig sind, aber ein Großteil der Weltmedien machte weiter Paris statt der Angreifer verantwortlich, was sich auf die Theorie stützt, dass Anschläge dieser Sorte eine Art natürliche Reaktion auf Rassismus sei.

Macron äußert sich

Diese Woche äußerte sich Frankreichs Präsident Emmanuel Macron öffentlich, wobei er einiges derselben Frustration und persönlichen Schmerz wiederholte, die wir so oft von Israelis und ihren Unterstützern hören. In einem Artikel der New York Times – Der Präsident gegen die amerikanischen Medien – wurde der französische Präsident so zitiert:

Als Frankreich vor fünf Jahren angegriffen wurde, wurde es von jedem Staat der Welt unterstützt … Wenn ich also in diesem Zusammenhang Zeitungen sehe, die meines Wissens aus Ländern sind, die unsere Werte teilen – Journalisten, die in einem Land schreiben, das der Erbe der Aufklärung und der französischen Revolution ist – wenn ich sehe, wie sie diese Gewalt legitimieren und sagen, dass der Kern des Problems darin besteht, dass Frankreich rassistisch und islamophob ist, dann sage ich, dass die Gründungsprinzipien verloren gegangen sind.

Israel ist auf viele Weisen lange ein „Kanarienvogel in einer Kohlemine“ gewesen; es litt unter neuen Formen von Anschlägen, die sich später in den Rest der freien Welt ausbreiteten: Flugzeugentführungen in den 1970-er Jahren; Selbstmord-Bombenanschläge in den 1980-ern; und die andauernde Nutzung von Autos und Küchenmessern als Waffen. Und jetzt ist die jüngste Form des Anschlags – eine, die Frankreich schockiert hat, aber für Israel alte Kamelle ist – das Bestehen der Medien darauf die Opfer zu beschuldigen.

Warum konnte das passieren? Die neuen Akademiker

Warum in aller Welt sollten westliche Medien westliche Länder dafür verantwortlich machen Opfer von Anschlägen zu sein? Das ist zumindest in Teilen der Popularisierung einer neuen akademischen Philosophie zuzuschreiben, die im Bereich des Journalismus Fuß gefasst hat; sie heißt „postkoloniale Theorie“. Kurz gesagt erklärt diese Theorie, dass alle oder fast alle Aspekte der modernen westlichen Kultur einzig durch die Linse des europäischen Imperialismus des 18. Und 19. Jahrhunderts und die folgende Unterdrückung von jedem verstanden werden können, der, na ja, halt nicht Europäer ist. (Im Sinne dieser Theorie werden die Vereinigten Staaten und Israel typischerweise mit europäischen Imperien zusammengeworfen, obwohl Amerika in der betreffenden Periode noch keine Weltmacht war und Israel gar nicht existierte.)

Das knüpft an die kritische Rassentheorie an, der Vorstellung, dass das Recht und die damit verbundenen Institutionen von Natur aus rassistisch sind und dass Rasse an sich, statt biologisch begründet zu sein, ein soziales Konstrukt ist, das von Weißen benutzt wird, um ihre wirtschaftlichen und politischen Interessen auf Kosten von jedem, der nicht „weiß“ ist voranzutreiben. (Juden und Israelis werden ungeachtet ihrer Abstammung oder Hautfarbe typischerweise als „weiß“ definiert.“

Schließlich verbindet sich das alles mit einer Theorie namens „Intersektionalität“, die behauptet, dass alle Beziehungen durch die Linse einer „Unterdrücker-Unterdrückte“-Dynamik“ verstanden werden müssen und dass alle „marginalisierten Menschen“ praktisch dieselben sind. Kommt zum Beispiel ein Anhänger von Black Lives Matter (BLM), der „Intersektionalität“ propagiert, zu dem Schluss, dass die Palästinenser „dieselben“ sind wie Afroamerikaner und daher Rassen-Gleichberechtigung in Amerika unterstützt, kann das manchmal Gegnerschaft zu Israel erfordern.

Das ist der Grund, warum z.B. die Bewegung Black Lives Matter in Amerika eine Plattform angenommen hat, zu der eine antiisraelische Komponente gehört. Das spiegelt nicht die Ansicht aller Amerikaner wider, die die Sache unterstützen, aber es ist nach Angaben ihrer Internetseite die offizielle Haltung der Bewegung. Das ist auch der Grund, dass BLM-bezogene Beschlüsse, die im Herbst von den Studentengremien an der Columbia  University und der University of Illinois getroffen wurden, israelfeindliche Sprache beinhaltete.

Die meisten akademischen Theorien haben in der einen oder anderen Form seit mehreren Jahrzehnten existiert, aber in den letzten Jahren sind sie in den Mainstream-Medien zunehmend einflussreicher geworden – sie lieferten Journalisten ein Grundkonstrukt, mit dem sie komplexe Themen ohne die Erfordernis von viel Recherche oder unabhängigem Denken erklärten können. So wird ein Terroranschlag auf Israelis als „menschlich natürlich“ betrachtet und eine religiös motivierte Enthauptung in Frankreich wird als natürliches Ergebnis von Islamophobie erklärt.

Dass Israel und das jüdische Volk nicht mehr alleine einer neuen Art von Anschlag gegenüber stehen, ist wenig tröstlich. Dass diese neue Methode in der internationalen Presse Wurzeln geschlagen hat, macht es umso heimtückischer, denn das unterstützt Gewalt und macht es schwieriger Terrorismus zu bekämpfen.

Bei HonestReporting nehmen wir unsere Verantwortung ernster denn je: nicht nur, um Israel gegen Medieneinseitigkeit zu verteidigen, sondern um Wahrheit und Fairness in der gesamten freien Welt zu verteidigen.

(Bild via Shutterstock)

Schäbige Israel-Berichterstattung von CNN, BBC, CBS führt zu Beschuldigungen von “ethnischer Säuberung”

12. November 2020

Gidon Ben-Zvi, 9. November 2020

Globale Nachrichtenorganisationen haben fast gleichförmig über die Verurteilung des Abrisses „eines großen Teils einer palästinensischen Gemeinde in der Westbank, die 73 Menschen, darunter 41 Kinder, obdachlos machte“ berichtet.

Mit Vereinnahmung des palästinensischen Narrativs haben CNN, BBC und CBS sowie weitere Medien und ihresgleichen eine allem Anschein nach von einer Agenda getriebenen Geschichte ohne den Kontext verbreitet, was effektiv dazu dient den jüdischen Staat zu delegitimieren.

UNO und EU verreißen Israel nach Abriss in Westbank mit 73 obdachlos Gemachten

Der Weg zu zwei Staaten verläuft über Oslo

Am 3. November berichtete CNN, dass die Europäische Union Israels Schritt „scharf kritisierte“:

„Solche Entwicklungen stellen ein Hindernis für die Zweistaatenlösung dar“, sagte ein Sprecher in einer Stellungnahme. „Die EU betont erneut ihren Aufruf an Israel, alle solchen Abrisse einzustellen, einschließlich der von durch die EU finanzierte Bauten.“

An diesem Zitat ist seltsam, dass es den genauen Ort dieser „palästinensischen Gemeinde in der Westbank“ zu identifizieren versäumt. Fakt ist, dass Khirbet Humsa im Jordantal liegt. Das ist von Bedeutung, weil Israel und die PLO in den 1990-er Jahren die Oslo-Vereinbarungen unterschrieben, die eine friedliche Zweistaatenlösung vorsahen. Gemäß der Vereinbarung wurde die Westbank in drei getrennte Zonen aufgeteilt: die Areas A, B und C.

Das Jordantal liegt in Area C, die unter voller israelischer Sicherheits- und Zivilkontrolle steht. Jerusalem ist damit dort für die Planung und Genehmigung von Bautätigkeiten verantwortlich, für Juden wie für Araber. Die israelischen Behörden reißen regelmäßig Bauten in Area C ab, die als illegal errichtet eingeordnet werden.

Besonders bezüglich Khirbet Husma vermittelte Israels Militär-Kontakt den Palästinensern eindeutig, dass die zerstörten Bauten in einer Zone für scharfe Schussübungen gebaut waren. Tatsächlich verbot Israel den Zutritt zu der Gegend schon 1972. Humsas Beduinen-Einwohner appellierten vorher bei Israels Oberstem Gerichtshof, damit der bevorstehende Abriss widerrufen wird. 2019 lehnte das Gericht den Antrag ab und entschied, dass die Bewohner nicht dort bleiben konnten.

Aber diese entscheidenden Informationen wurden von den Medien insgesamt ignoriert. Während große Nachrichtenorgane wie CNN unkritisch Brüssels Ansicht brachten, dass israelische Politik ein Hindernis für eine Zweistaatenlösung ist, erfüllt der jüdische Staat in Wirklichkeit seine Verpflichtungen unter dem Oslo-Prozess.

EU finanziert Bau illegaler Siedlungen

Mehrere Nachrichtenorganisationen haben berichtet, dass die Beseitigung illegal gebauter Gebäude in der Westbank alarmierende Raten erreicht hätte:

Israel gerügt wegen „größtem Abriss palästinensischer Häuser in Jahren“

Diese Behauptung wirft die Frage auf: Was, wenn überhaupt etwas, hat diese Steigerung verursacht? Hätten die BBC und die anderen Organe haben sich darum gekümmert die Sache angemessen zu recherchieren, hätten sie entdeckt, dass illegale palästinensische Bautätigkeit in der Westbank ein nie da gewesenes Niveau erreicht hat.

Im Verlauf der letzten fünf Jahre sind auf rund 9 Quadratkilometern Territorium verteilt an mehr als 250 Stellen in Area C palästinensische Siedlungen und Infrastruktur gebaut worden. Dabei sind die mehr als 600 Kilometer illegal gebauter Zugangsstraßen zu diesen Stellen nicht eingerechnet.

Im Juli 2020 unterschrieben die Europäische Union, Dänemark und die palästinensische Autonomiebehörde eine Vereinbarung zum Bau von 16 Infrastrukturprojekten für die Palästinenser in Area C. Das war die fünfte Vereinbarung dieser Art. Weder beantragten die an den Projekten Beteiligten Genehmigungen, noch erhielten sie sie von der israelischen Zivilverwaltung.

Die israelische Regierung hat schon lange den Verdacht, dass dies integraler Bestandteil eines PA-Plans zur Schaffung von zusammenhängenden palästinensischen Bevölkerungszentren in der Region ist. Die EU kündigte ihre Unterstützung für die Initiative in einem Dokument namens „Landentwicklung und Zugang zu grundlegender Infrastruktur in Area C“ an.

Es stellt sich heraus: Um ohne weitere Verhandlungen oder gar diplomatische Konsultationen mit den Israelis einen De-facto-Palästinenserstaat zu schaffen, haben die europäischen Länder – einzeln und über die Europäische Union – hunderte Millionen Euro pro Jahr in jede Menge illegaler Initiativen gepumpt.

UNO sagt, Israels „rechtswidriger Abriss“ von Palästinenserdorf hinterlässt 41 obdachlose KInder

Von daher behauptet zwar CBS News, dass Israel selten Baugenehmigungen in Area C erteilt, aber die Palästinenser scheinen mit Hilfe europäischer Großzügigkeit schalten und walten zu können, wie sie wollen.

Ungeprüfte Unwahrheiten: Die Straße zur ethnischen Säuberung

Ohne die dazu gehörigen Fakten haben die unvollständigen und dadurch verzerrten Berichte der Medien die Tendenz in den Mainstream abzufärben, was im Gegenzug zu öffentlicher Verbreitung weiterer Verleumdungen gegen Israel führt:

Wenn Israel handelt, um das Gesetz durchzusetzen, wird nur allzu oft mit irreführenden Informationen auf es eingeprügelt, womit diejenigen ermutigt werden, die nur allzu froh sind die schiefe Botschaft zu verstärken.

Sechs Herausforderungen für die Berichterstattung zum Nahost-Konflikt

5. November 2020

Tracy Alexander, HonestReporting, 25. August 2019

Photo by Ruben Salvadori/Flash 90

Jahre des Betrachtens der Berichterstattung über den israelisch-palästinensischen Konflikt im australischen Fernsehen ließen mich frustriert zurück. Als Journalistin war mir das beliebte Sprachbild vertraut: „Wenn es blutet, ist es eine Nachricht.“ Das hat oft verzerrte Schlagzeilen und die Verbreitung irreführender Informationen zu Folge.

Von daher informieren in diesem Kontext grausame Bilder und unverhältnismäßige Opferzahlen die öffentliche Meinung über eine außergewöhnliche und vielschichtige Realität.

Der Nachrichtenkonsum in 12.000 Kilometer Entfernung zeigt als allgemeine Darstellung Israel als den Aggressor gegen eine entrechtete palästinensische Bevölkerung.

Da ich früher etwas Zeit in Israel verbracht habe, weiß ich, dass es eine viel breitere Realität gab.

Wie ich es erlebte schien die Art, wie der israelisch-palästinensische Konflikt in den Mainstream-Medien dargestellt wurde, das Fehlen eines tieferen Verständnisses der Situation zu zeigen. Ich sah mich gezwungen mich eingehend damit zu beschäftigen, warum solch unvollständige Narrative an ein internationales Publikum ausgestrahlt werden.

War es Medien-Voreingenommenheit? Oder ging da etwas anderes vor?

Das war ein Teil von dem, was mich veranlasste mit Berichterstattung aus Israel zu beginnen. Aber nachdem ich einige Zeit in dem verbrachte, was eine Konfliktzone darstellt, erkannte ich, dass es selbst für einen eifrigen und entschlossenen Geist bereits eingewurzelte Herausforderungen und Einschränkungen aufgrund der Natur der Industrie und des Konflikts gibt. Die Schichten gehen tief, der Zeitgeist ist komplex und es ist schwierig in Anbetracht der Einschränkungen und zeitkritischen Natur des modernen Journalismus, verbunden mit einer Öffentlichkeit, die oft ihre „Nachrichten“ in 280 Buchstaben erhält, für ein Auslandspublikum ein komplettes Bild zu zeichnen.

1. Die auf den Konflikt angewandte westliche Mentalität

Meine erste Offenbarung war, dass ich nicht erwarten kann, eine Demokratie im Nahen Osten im Einklang würde mit westlichen Idealen funktionieren. Die komplizierten Realitäten für ein Land wie Israel, umgeben von unerbittlichen Feinden und „Freinden“, verändern das Spiel und wir können daher nicht westliches Denken anwenden, wenn wir Nachrichten von hier analysieren – der Kontext ist schlicht nicht vergleichbar.

Ich erinnere mich zum Beispiel an eine Geschichte ein paar Wochen nach Beginn meiner Arbeit bei einem internationalen Nachrichten-Sender in Israel, wo palästinensische Jugendliche Steine auf Fahrzeuge auf der Straße 60 geworfen hatten – einer Schnellstraße in Israel, die von Jerusalem nach Beer Sheva führt und dabei auch durch die Westbank verläuft.

Die israelische Armee war sofort in den Einsatz geschickt worden und im Prozess die Täter aufzuspüren wurde ein 15-jähriger Palästinenser erschossen. Aufgrund meiner Erfahrung schien dies unberechtigt zu sein, stellte einen Missbrauch von Macht und Missachtung menschlichen Lebens dar.

Mir fiel sofort eine Geschichte ein, über die ich berichtete; australische Teenager warfen Felsbrocken von einer Brücke über eine Autobahn – ich konnte mir nicht vorstellen, dass die lokale Polizei weiter gegangen wäre als einen Trupp „Hooligans“ festzunehmen. Das australische Militär zu beauftragen war unvorstellbar.

Deshalb nahm ich es auf mich direkt mit einem israelischen Verteidigungskorrespondenten zu sprechen, einem Experten für den israelisch-palästinensischen Konflikt. Er sah die Schwere des Vorfalls in der Westbank nicht, zu dem er mir in weiteren Erklärungen die Fallstricke verdeutlichte, die entstehen, wenn man versucht zu verstehen, was man nicht tagtäglich erlebt.

Palästinenser liefern sich nördlich von Ramallah am 28. April 2017 Zusammenstöße mit israelischen Soldaten. (Foto: Flash90)

Was der Korrespondent mir erzählte: Die beschuldigten Palästinenser waren nicht nur störende Teenager, die Sachen machten, die störende Teenager tun, sondern sie hatten die Absicht israelische Pendler zu töten. Felsbrocken waren in diesem Fall tödliche Waffen – nur eines der Mittel in einer Reihe anderer (wie Molotowcocktails und Schusswaffengebrauch), die von Palästinensern bei früheren Anschlägen in derselben Gegend üblicherweise eingesetzt wurden. Insofern wurde mir nach weiterem Graben bewusst, dass in den vorhergehenden acht Monaten mindestens fünf israelische Zivilisten auf demselben 16 km langen Abschnitt der Straße 60 getötet worden waren. Ich verstand nun, dass dies kein isolierter Vorfall, sondern integraler Bestandteil des Konflikts war – das war keine Straftat, sondern ein Kriegsakt.

Entsprechend lässt die Formulierung der Story als „Israel tötet palästinensischen Steinewerfer“ den Knackpunkt komplett weg; es bedarf eines entschlossenen Journalisten, um die Verwirrung zu beseitigen.

2. Kontext verringert die Verwirrung

Die Debatte des „Wer war zuerst hier“ und „Wer nahm wem was weg“ geht bis in die 1920-er Jahre zurück und kann in einem einminütigen Sprachbeitrag nicht adäquat vermittelt werden. Angesichts der Zwänge moderner Berichterstattung der Sender, geregelt von Wortökonomie und zeitlicher Beschränkung, ist es oft unmöglich den notwendigen historischen Kontext eines aktuellen Vorfalls zu liefern. Darin liegt die Herausforderung, denn der angemessene Kontext erlaubt dem Einzelnen aktuelle Ereignisse vollständiger zu verstehen. Er bietet Tiefe, deren Fehlen zu Fehlinterpretationen führt.

Israelis wie auch Palästinenser haben ihren Anteil an Fehlern gemacht, aber Kontext ist wichtig, wenn man versucht das Handeln jeder Seite zu verstehen. Man darf z.B. den Einfluss von Jahren palästinensischen Terrorismus auf die israelische Psyche nicht unterschätzen. Man kann auch nicht behaupten in den Fußstapfen eines Israelis aus dem Süden zu laufen, der Ziel von abertausenden von Raketenangriffen der Hamas ist, die übrigens begannen, nachdem Israel 2005 einseitig den Gazastreifen verließ. Das soll aber auch nicht heißen, dass alle dieser Einwohner den Konflikt gleich sehen. Einige, die an der Front des Konflikts leben, sind stramme Linke – andere vertreten einen weit härteren außenpolitischen Kurs – ebenfalls etwas, das der Kontext liefern würde.

Darüber hinaus geht in der Gleichung oft verloren, dass Israel im Verlauf der letzten zwei Jahrzehnte der palästinensischen Autonomiebehörde zahlreiche umfassende Friedensvorschläge angeboten hat, von denen jeder einzelne abgelehnt wurde.

Die Palästinenser ihrerseits verbleiben in Teilbereichen der Westbank, wo rund 500.000 Juden leben,  unter israelischer Militärherrschaft. Das reduziert Möglichkeiten für Wirtschaftswachstum, schränkt die Bewegungsfreiheit ein, hat die Trennung von Familien verursacht und im Fall des Gazastreifens hat die Hamas-Ideologie Israel und Ägypten veranlasst eine Blockade über die Küstenenklave zu verhängen.

Daher haben zwar beide Seiten ihre Beschwerden, es ist aber unmöglich den vollen Kontext in ein paar wenigen Sätzen zu liefern, die für Rundfunkjournalismus zum Standardformat geworden sind. Das erklärt im Gegenzug, warum das Publikum oft ohne die volle Geschichte auskommen muss.

3. Bilder vermitteln nicht immer die Wahrheit

In Rundfunkmedien herrschen Bilder und können die Erzählung oft trüben. Je überzeugender die Bilder sind, desto mehr Sendezeit erhalten sie und die Bilder können auch den mildernden Faktor für Gewalt überschatten.

Bei einem Besuch auf Bali machte ich vor kurzem die Erfahrung, dass Fotografie und Video bestimmen können, wie Menschen eine Geschichte interpretieren. Als ich mit einer hoch gebildeten und fähigen Australierin über den Konflikt sprach, drückte sie Mitgefühl für die Gaza-Araber aus, wobei sie Israelis militärische Überlegenheit als Grund anführte. „Die Palästinenser haben nur Steine, um gegen israelische Panzer und Flugzeuge zu kämpfen“, behauptete sie. Diese Sichtweise wird von vielen Westlern aufgrund der Macht der Bilder Meinungen zu formen geteilt.

Ich fragte, was sie über die 700 Raketen weiß, die in der Woche zuvor auf Israel geschossen wurden, was zu israelischen Todesopern führte. Sie war schockiert, dass sie nichts von Raketen und israelische Opfern wusste. Obwohl die Hamas manchmal erbarmungslos Raketen verschießt, werden die meisten von fortschrittlichen israelischen Verteidigungssystemen abgefangen, ganz besonders von der Eisernen Kuppel – die zufälligerweise hunderte, wenn nicht tausende palästinensischer Lebens gerettet hat, weil sie die Zahl israelischer Opfer beträchtlich reduziert hat, die ansonsten viel heftigere militärische Reaktionen ausgelöst hätten.

Israelische Sicherheitskräfte inspizieren die Szene eines Hauses, das am 25. März 2019 von einer aus dem Gazastreifen in den Moschaw Mischmeret in Zentralisrael geschossenen Rakete getroffen wurde. (Foto: Noam Revkin Fenton/Flash 90)

Dennoch muss Israel zurückschlagen und die daraus resultierenden, um die Welt geschickten Bilder  zerstörter palästinensischer Infrastruktur sind das, woran sich die Leute erinnern.

Im weiteren Gespräch verriet sie, dass sie von den gewalttätigen, seit einem Jahr laufenden „Marsch der Rückkehr“-Protesten entlang der gemeinsamen Grenze wusste, aber nichts von den tausenden Sprengsätzen, die derzeit nach Israel flogen und massive Umweltverheerung anrichteten.

Sie wusste auch nichts von den Terrortunneln, die in den Hinterhöfen von Israelis im Norden entdeckt wurden, die die Hisbollah aus dem Libanon grub. Diese Bilder machen keine Schlagzeilen, genauso wenig wie eine Geschichte von der Absicht Israelis zu entführen oder zu toten internationale Aufmerksamkeit wachrüttelte.

Das macht die Arbeit eines Reporters noch schwieriger, wenn es darum geht den Konflikt auf faire Weise darzustellen und das GESAMTE BILD zu schildern.

4. Vorfälle zum Status quo sind unauffällig

Der andauernde Status quo des Konflikts – definiert von gescheiterten Initiativen und periodischer Gewalt – hat „Erschöpfung“ zur Folge, die sich oft in Apathie zeigt. Vorfälle, die alltäglich sind, werden von den internationalen Medien als unauffällig betrachtet, wenn sie allerdings im Westen auftreten sollten, würden für gewaltiges Interesse und Berichterstattung sorgen.

Entsprechend wird über die tagtäglichen Geschehnisse in Israel zu wenig berichtet. In israelischen Grenzstädten im Süden heulen zum Beispiel allzu regelmäßig die Sirenen, um vor einfliegenden Raketen zu warnen, was die Einwohner in Bunker schickt. Die meisten Gebäude und selbst Wohnungen in Israel haben einen „Sicherheitsraum“, besonders im Süden, wo Kindergarten-Spielplätze gleichzeitig als Luftschutzunterstände dienen.

Wegen meiner Verantwortung als Journalist habe ich eine App auf meinem Handy installiert, die mir jedes Mal eine Botschaft schickt, wenn irgendwo im Land eine Sirene ertönt. Es muss gar nicht erst gesagt werden, dass ich meistens, wenn die App sich meldet, nicht erwarte, dass die Medien, insbesondere die Auslandsmedien, die Story aufnehmen.

So machen nur große Ausbrüche Schlagzeilen, was weder die Wirklichkeit zeigt noch Informationen zu Standardabläufen des israelischen Militärs oder der Moral liefert, die die Armee versucht bei Gegenschlägen einzuhalten.

Es sind jedoch diese kleinen Details, die erklären, warum Israels Entscheidungen eingeschränkt sind, warum viele die Hoffnung auf einen dauerhaften Frieden verloren haben sowie das hohe Niveau des Misstrauens gegenüber den Medien in Jerusalems Korridoren der Macht erklären.

5. Drama, Drama, Drama

Ich kam aus einem Land nach Israel, das sich wenig Sorgen machen muss, vergleicht man es mit denen im Nahen Osten. Von daher sind die australischen Medien ziemlich darauf geschult Storys aufzubauschen, um überzeugendes Fernsehen zu schaffen. Hier in Israel trifft das Gegenteil zu. Ereignisse, die mich als Australier schockieren würden, erschüttern meine israelischen Kollegen kaum, so normal sind Messeranschläge in Jerusalem oder Auto-Rammanschläge in der Westbank geworden. Obwohl sie Terrorakte darstellen, reagieren Israelis auf diese Vorfälle weniger leidenschaftlich als es australische Journalisten es beim Sammeln der Einzelheiten eines tödlichen Autounfalls tun würden.

Ich arbeitete für einen internationalen Sender mit Sitz in Israel – also würden wir diese Art von Storys vielleicht berichten – und wenn sie nur kurz in den Nachrichten erwähnt würden. Aber in der internationalen Presse bekommen diese Geschichten überhaupt keine Erwähnung, womit das internationale Publikum daran gehindert wird das volle Bild des Alltagslebens in einem Land zu erhalten, in dem der Status quo aus dem Konflikt besteht.

6. Internationale Spaltungen führen zu polarisierender Berichterstattung

Abhängig von einem Interviewten kann es sein, dass ich unterschiedliche Antworten auf dieselbe Frage erhalte. „8 Millionen Bürger, 8 Milliarden Meinungen“, ist in Israel eine übliche Redewendung. Daher muss ein Journalist, um ein realistisches Bild zu liefern, durch dieses Gemenge an Ansichten und Perspektiven waten, um Ausgewogenheit zu liefern, um sicherzustellen, dass allen Elementen der Gleichung gleiches Gewicht gegeben wird. Das Ideal besteht darin sachkundige Englisch sprechende Quellen aufzuspüren, die die Geschichte einigermaßen zusammenfassen können.

Die innewohnende Natur einer von Redaktionsschluss getriebenen Umgebung bläht die Herausforderung weiter auf. Mit dem aktuellen Appetit für Berichterstattung auf die Minute über Weltereignisse kann die Notwendigkeit Talent zu gewinnen, das eine Story auf ausgewogene Weise darstellt, sich als schwierig erweisen. Fügen Sie dem noch Ressourcenprobleme hinzu – zunehmend schwindende Nachrichtenredaktionen, ist die für die Verfolgung angemessenen Talentes einfach nicht vorhanden. Man muss auch die Agenda der interviewten Personen bedenken und in Betracht ziehen, außerdem das Niveau der Indoktrination, Repression oder Angst sich ehrlich zu äußern.

In den Palästinensergebieten kann dies eine besonders schwierige Aufgabe sein, angesichts des das aktuelle Klimas, sind diejenigen, die bereit sind einer in Israel sitzenden Nachrichtenorganisation Einsichten zu liefern, manchmal dünn gesät. Selbst diejenigen, die bereit sind zu kommentieren, tun das sehr zurückhaltend.

Unter dem Strich

Insgesamt besteht der Job eines Reporters darin die Fakten zu vermitteln, einschließlich Kontext, und mit Einzelnen von allen Seiten des Gangs zu reden, damit die Menschen ausreichend mit den notwendigen Informationen bewaffnet sind, um sie in die Lage zu versetzen ihre eigenen Schlüsse zu ziehen.

Um die Feinheiten des Jahrzehnte alten Konflikts zu vermitteln, muss man unparteiisch daran herangehen, ganz zu schweigen von der Motivation sich selbst zu bilden, um weitere Fragen zu stellen und kritisch zu analysieren. Tut man das nicht, dann führt das zu eindeutigen Missverständnissen des Wesens der Ereignisse.

Das ist bedauerlicherweise eine der größten Schlachten von heute – und eine, die zu schlagen es wert ist.

Zeit, dass die Medien die Antisemitismus-Definition übernehmen

22. Oktober 2020

Pesach Benson, HonestReporting, 13. März 2019

Da der Antisemitismus zunimmt, ist es äußerst wichtig eine respektierte Definition dessen zu haben, was antijüdischen Hass und Intoleranz ausmacht. In den letzten Jahren hat eine Antisemitismus-Definition Fuß gefasst. Erstellt von der Internationalen Holocaust-Gedenkallianz (IHRA) in Berlin ist diese Definition von einer zunehmenden Zahl von Regierungen übernommen und bestätigt worden. Die Antisemitismus-Definition der IHRA finden sie (auf Deutsch) hier; schauen Sie sich selbst an.

Mit der Anleitung durch eine schlüssige Definition können Abgeordnete eine nuanciertere Politik entwickeln, Polizei und Staatsanwaltschaften können effektiver auf Hassverbrechen reagieren und Universitäten können angemessen mit dem Antisemitismus auf dem Campus umgehen. Lokale Aktivisten müssen sich nicht mehr mit dem dürftigen Argument „Ich erkenne es, wenn ich es sehe“ abstrampeln.

Auch die Medien sollten auf eine klare Definition dessen festgelegt werden, was auf inakzeptable Weise judenfeindlich ist.

Die Definition hat schon als machtvolles Mittel für öffentliche Rechenschaftpflicht gedient: Als die britische Labour Party eine verwässerte Version der Definition übernehmen wollte, erwies sich die davon ausgelöste Kontroverse als zu peinlich. Labour übernahm die volle Definition – aber über der Partei hängt immer noch eine dunkle Wolke.

Die von Labours Geschwätz aufgepeitsche Kontroverse hob einen Aspekt der IHRA-Definition  heraus, den viele Israel-Basher nicht akzeptieren können. Zu den von der IHRA aufgeführten Beispielen für Antisemitismus gehört „Leugnung des Rechts des jüdischen Volks auf Selbstbestimmung“, „zu behaupten, die Existenz Israels sei ein rassistisches Unterfangen“ und „die Anwendung von zweierlei Maß, indem von ihm ein Verhalten gefordert wird, dass man von anderen demokratischen Staaten weder erwartet noch fordert“. Antizionismus ist eine Form von Antisemitismus. Menschen, die diese Grenze überschreiten, können nicht länger sagen: „ich bin antizionistisch, nicht antisemitisch.“

Man kann die Politik der Regierung Israels kritisieren, ohne die Grenze zum Antisemitismus zu überschreiten und die IHRA erkennt an, dass „Kritik an Israel, die der ähnelt, die gegen jedes andere Land gerichtet wird, nicht als antisemitisch betrachtet werden kann“.

Die IHRA-Definition ist zwar rechtlich nicht bindend, aber weitere Länder werden sich hoffentlich dem Vereinten Königreich, Deutschland, Frankreich, Holland, dem Europaparlament und dem US-Außenministerium und Bildungsministerium, dem griechischen Bildungsministerium (und HonestReporting) und anderen anschließen, die bereits an Bord sind.

Wo die Medien hereinkommen

Über die Regierungsebene hinaus gibt es einen weiteren Sektor, der die IHRA-Definition für Antisemitismus übernehmen muss: die Medien.

Mit der Entscheidung, über was sie berichten und wie sie darüber berichten legen die Nachrichtemedien die Agenda für den öffentlichen Diskurs fest. Geleitet von der IHRA würden Journalisten besser informierte Entscheidungen zur Berichterstattung über Hassverbrechen treffen. Die Berichterstattung über die Bewegung Boykott, De-Investitionen und Sanktionen (BDS), besonders an lokalen Standorten, wären nuancierter. Mit einem einheitlichen Standard würden Redakteure in der Lage sein Op-eds und Briefe besser zu beurteilen, während Moderatoren Kommentare im Internet zivilisierter halten könnten.

Das ist natürlich eine Win-win-Situation.

Und in einer Zeit, in denen in der Öffentlichkeit stehende Personen rechts wie links unterschiedliche Grade antisemitischer Rhetorik betreiben, wird die Presse besser in der Lage sein ihre Rolle zu erfüllen die Führungskräfte zur Verantwortung zu ziehen.

Israelis werden angegriffen, in den Medien finden wir – nichts

13. Februar 2020

Daniel Pomerantz, HonestReporting, 6. Februar 2020

Israelische Polizisten inspizieren den Ort eines Auto-Ramm-Anschlags. (Foto: Oren ben HaKoon/AFP via Getty Images)

Bei mindestens drei Terroranschlägen innerhalb von 24 Stunden haben Israelis gerade Leid erfahren. Die Einzelheiten kommen noch weiter herein, aber hier ist, was wir bisher wissen:

  1. In den frühen Morgenstunden vor Sonnenaufgang am Donnerstag [6. Februar 2020] rammte ein unbekannter Angreifer sein Auto in eine Gruppe Soldaten der Golani-Brigade, die vor Jerusalems Altem Bahnhof standen, einem beliebten Ort zum Ausgehen. Die Truppen besuchten Jerusalem vor einer frühmorgendlichen Vereidigungsfeier an der Westmauer. Zwölf [später: 14] Soldaten wurden bei dem Anschlag verletzt, einer davon schwer, der Rest leicht. Neun sind wieder aus dem Krankenhaus entlassen. Der schwer verwundete Soldat erlitt Verletzungen am ganzen Körper und musste operiert werden. Das Auto des Terroristen, das israelische Nummernschilder trug, wurde verlassen im Palästinenserdorf Beit Jala außerhalb von Bethlehem gefunden. [Der Täter konnte später noch gefasst werden. – heplev]
  2. Ein Grenzpolizist wurde bei einem Anschlag in der Altstadt von Jerusalem, außerhalb des Tempelbergs nahe des Löwentors durch Schüsse leicht verletzt. Reagierendes Sicherheitspersonal schoss auf den Angreifer und tötete ihn; er wurde als arabischer Israeli aus Haifa in seinen Vierzigern identifiziert, der vor kurzem vom Christentum zum Islam konvertierte.
  3. Auf einer Westbank-Autobahn wurde nahe der Siedlung Dolev aus einem fahrenden Auto heraus geschossen. Ein Soldat wurde leicht verletzt.

Als die Associated Press schließlich einen Artikel veröffentlichte, begann dieser mit den Worten:

Israelische Streitkräfte töteten zwei Palästinenser…

Reuters begann mit dem Satz:

Mindestens zwei Palästinenser wurden getötet und16 Israelis verletzt…

Sie stellten nicht klar, dass die Palästinenser Berichten zufolge getötet worden waren, während sie Gewaltakte verübten und dabei auf sie geschossen wurde: Mindestens einer war gerade dabei einen Molotowcocktail auf israelische Soldaten zu werfen.

Ein AFP-Artikel war ähnlich aufgebaut wie die Storys von AP und Reuters.

Da dies Nachrichtenagenturen sind, erwarten wir, dass ihre Berichte von vielen Medienorganen weltweit in den kommenden Stunden wiedergegeben werden.

Ist das normal? Ist das angemessen? Ist es noch zu früh, um aussagefähige und  ordentlich recherchierte Berichterstattung zu erwarten?

Nein.

Allein in den letzten Wochen wurden Storys von Anschlägen in Streathem in London bis Burkina Faso fast sofort international berichtet, die die fürchterlichen Auswirkungen von Terrorismus auf unschuldige Zivilisten betonten.

Doch obwohl die Anschläge auf Israelis in der israelischen und jüdischen Presse weithin berichtet werden und obwohl alle relevanten Informationen den Tag über weithin verfügbar waren, hat die internationale Presse sehr wenig gebracht und das, was sie brachte, war schrecklich irreführend. Das steht in heftigen Kontrast zur Berichterstattung über andere Terroranschläge weltweit.

Beispiele:

  • Letzten Donnerstag kündigte das Weiße Haus seinen lange erwarteten Friedensplan an, der in der internationalen Presse weithin kritisiert wurde, insbesondere bezüglich seiner Vorkehrungen für israelische Sicherheit und Entmilitarisierung eines Palästinenserstaats.
  • Später am selben Tag gab ein erboster Präsident Abbas grünes Licht für einen palästinensischen nationalen „Tag des Zorns“, der sich am Mittwoch in der Form von Krawallen, dem Verbrennen von Reifen und Raketenfeuer aus dem Gazastreifen auf israelische Gemeinden ausdrückte.
  • Die Ereignisse der Wut von Mittwoch eskalierten im Verlauf der Stunden: Und heute, am Donnerstag, werden Israelis hastig in Krankenhäuser gebracht – das Ergebnis davon mit Autos gerammt oder beschossen zu werden.
  • Der nächste Schritt, der der Aufmerksamkeit der internationalen Presse fast immer entgeht, besteht darin, dass die Palästinenserregierung den Angreifer und ihren Familien Belohnung in bar zahlt – in Mengen, die das Mehrfache des palästinensischen Lohns betragen und den Rest ihres Lebens. Wir wissen, dass das passieren wird, denn das palästinensische Gesetz schreibt es vor: Es heißt „Märtyrerfonds“ und wird oft als „Geld für Mord“ bezeichnet.

Jeder, der sich wirklich um Frieden kümmert, darum die Welt zu verstehen oder auch nur um die grundlegendsten Dinge von ethischem Journalismus, muss absolut Zugang zu diesen Informationen haben, zu diesem Kontext und zur kompletten Story.

Während ich dies schreibe, arbeitet unser gesamtes Team von HonestReporting heftig daran die Botschaft in die Öffentlichkeit zu bringen und die in Israel stationierte internationale Presse zu ermutigen ihren professionellen Verpflichtungen gerecht zu werden und über diese entscheidende Story zu berichten.

Berichte zu den Raketen aus dem Gazastreifen: Israelische Verletzte werden regelmäßig verharmlost

28. November 2019

Emanuel Miller, HonestReporting, 18. November 2019

Der Zweck des Journalismus besteht darin Fakten zu berichten. Im Fall eines Ausbruchs von Gewalt müssen Journalisten berichten, wer zuerst schoss, warum, auf wen auf der jeweiligen Seite geschossen wurde, wer auf jeder Seite starb und wie viele im Ergebnis verletzt wurden. Zwar wird es immer ein Element der Interpretation und Selektivität bei der Entscheidung geben, welche Fakten hervorstechen und Aufmerksamkeit verdienen, aber die Kernaufgabe bleibt dieselbe: Berichtet in erster Linie die Fakten.

Bei der letzten Steigerung der Gewalt zwischen Israel und den Terroristen im Gazastreifen wurden zahlreiche Terroristen und Zivilisten im Gazastreifen getötet. Das war berichtenswert. Zu großen Teilen dank des Raketenabwehrsystems Eiserne Kuppel wurde aber kein einziger Israeli getötet, obwohl der Islamische Jihad buchstäblich hunderte Raketen auf israelische Dörfer und Städte schoss. Auch das war berichtenswert.

Genauso sorgt jede Rakete, ob sie ein Ziel trifft oder nicht, für echte Panik, was regelmäßig zu Folgeverletzungen führt, darunter Stürze und stressbedingte Symptome.

Hier versagen die Medien nur allzu häufig.

Es ist zwar nicht realistisch zu erwarten, dass jeder einzelne Artikel die Verletzten erwähnt – kurze Texte lassen natürlich Einzelheiten aus – aber in ausführlicheren Berichten hätte natürlich Platz sein müssen die verschiedenen Kategorien Israelis anzuführen, die medizinische Versorgung benötigten.

Allein Todesfälle zu dokumentieren schneidet israelisches Leid weg

In zahlreichen Berichten zählten Opferzählungen einzig die Toten. Als Ergebnis erschienen die bereits schiefen Zahlen komplett einseitig bis zu dem Punkt, dass Israelis überhaupt nicht litten. Nehmen Sie zum Beispiel diesen Bericht der New York Times vom 15. November von Iyad Abuheweila und David Halbfinger über einen israelischen Angriff, bei dem zahlreiche Mitglieder einer Familie getötet wurden.

Gaza-Gesundheitsbeamte sagten, unter den 34 getöteten Palästinensern der zweitätigen Kämpfe waren 16 Zivilisten; diese begannen, als Israel Dienstagfrüh einen Kommandeur des Islamischen Jihad tötete und eskalierte, als die militante Gruppe mit hunderten Raketen auf Dörfer und Städte im Süden und Zentrum Israels reagierte. Es gab keine israelischen Toten.

Todesfälle ausführlich zu beschreiben erzählt nur einen Teil der Geschichte. Während Reporter das Recht haben Einzelheiten auszulassen, hat das zu tun hier den Effekt einzig palästinensisches Leid herauszuheben, was dem Leser gegenüber den falschen Eindruck hinterlässt, dass Israelis keinerlei Folgen der Gewalt ertragen müssen.

Angesichts der gewählten Parameter ist es bizarr, dass der Artikel mit einem Verweis auf ein verwundetes Opfer der Gewalt endet:

Ismail al-Swarka sagte, sein Schwager sei ebenfalls Ziegenhirte und habe einige Hühner und einen Eselskarren. Die kleineren Tiere hat es zerfetzt. Der Esel wurde verletzt, überlebte aber.

Ja, ein Esel. Es gab in diesem Bericht der New York Times Platz für einen Esel, aber keinen, um die verletzten Menschen auf beiden Seiten dieses Konflikts zu erwähnen. Ziemlich bizarr.

Wohl noch schlimmer war Bel Trews Berichterstattung im The Independent einen Tag davor, der Einzelheiten dazu weitergab, wie viele Verletzte es auf der palästinensischen Seite gab, aber irreführend damit fortfuhr: „Es wurden keine Opfer in Israel gemeldet.“

Wenn „Opfer“ Todesopfer bedeutet, dann ist diese Beschreibung korrekt. Soll es Verwundete plus Tote bedeuten, dann ist sie falsch. Egal wie, damit wird auf jeden Fall ausgelassen, was die meisten anderen Medien zu drucken bereit sind: dass zahlreiche Israelis als Resultat des Raketenfeuers verletzt wurden.

Die New York Times und der Independent sind nur größten Ungeheuerlichkeiten auf einer Liste von Gelegenheiten, bei denen anerkannte Pressekanäle es schafften die vom Raketenfeuer aus dem Gazastreifen Verletzten zu ignorieren oder herunterzuspielen.

Sind nur schwere Verletzungen es wert angeführt zu werden?

Am selben Tag brachte Associated Press einen Text von Fares Akram und Joseph Krauss, der die 450 auf Israel gefeuerten Raketen als „keine Toden oder ernsthaft Verletzten“ verursachend beschrieben.

… gezielte Tötung eines Kommandeurs des Islamischen Jihad. Bei den Kämpfen wurden 34 Palästinenser getötet, darunter 15 Zivilisten. Palästinensische Militante schossen mehr als 450 Raketen nach Israel, womit sie einen Großteil des südlichen Israel lähmten ohne Tote oder ernsthaft Verletzte zu verursachen…

In einem anderen Bericht vom selben Tag schrieben Akram und Josef Federman einfach: „Drei Israelis wurden durch Granatsplittern oder zerbrochenes Glas leicht verletzt.“

Die Berichterstattung des Guardian nahm dank Oliver Holmes und Hazem Balouha eine ähnliche Stimmung an; sie erwähnten nur, dass es „keine israelischen Toten“ gab, sondern „[nur] drei Personen, die von Granatsplittern oder Trümmern verletzt wurden“.

Israels Militär sagte, sein Verteidigungssystem Eisene Kuppel, das einfliegende Projektile abfängt, eine Erfolgsquote von 90% beim Abschuss von Raketen hatte, die auf Wohngebiete zuflogen. Es gab keine israelischen Toten, obwohl drei Personen durch Granatsplitte oder Trümmer verletzt wurden. Eine Rakete verpasste knapp Autos auf einer belebten Fernstraße.

The Daily Mail schrieb von Angriffen, „die einen Großteil des südlichen Israel lähmte, ohne irgendwelche Toten oder ernst Verletzten zu verursachen“.

Immer wieder beschreiben die Berichte nur einen Teil der Geschichte, wohingegen Dutzende andere als Ergebnis der Panik verletzt wurden, ausgelöst durch Raketen, die ungefähr in ihre Richtung geschossen wurden.

Das soll nicht heißen, dass es irgendein Anzeichen für eine gewollte Entscheidung gibt israelisches Leid zu minimieren, ganz zu schweigen von Vorsatz. Es gibt gewiss keinen Grund an eine Medien-Verschwörung zu glauben israelisches Leid reinzuwaschen. Stattdessen ist das aufkommende Gesamtmuster eines, bei dem von Raketen betroffene Israelis untertrieben und regelmäßig nicht erwähnt werden.

Stattdessen sollen sie kollektiver als Beweis genommen werden, dass das Nettoergebnis einiger Berichte zur Eskalation der Gewalt darin bestand, dass israelisches Leid nicht in vollen Einzelheiten beschrieben wird. Diesbezüglich stellen wir fest, dass die Messlatte scheinbar willkürlich gesetzt wird, was auf Kosten der Vollständigkeit und Gewissenhaftigkeit des Berichts geht.

Unabhängig davon, ob Raketen einschlagen oder nicht: Wann immer sie sich israelischen Bevölkerungszentren nähern, plärren die Alarmsirenen des Code Rot, um die Bürger wissen zu lassen, dass sie nur noch Sekunde haben, um in Deckung zu rennen. In der Eile den nächsten Bunker oder relativ sicheren Ort zu erreichen wurden letzte Woche Dutzende Israelis verletzt, manche durch Sturz, andere durch Ohnmachten, während wieder andere unter Posttraumatischen Belastungsstörungen und damit verbundenen Symptomen litten. Sie mögen zwar keine direkten Opfer des Raketenfeuers sein, aber die Zunahme an Israelis, die medizinische Versorgung benötigten, war ein nachrichtenwerter Aspekt der größeren Geschichte und verdiente Berichterstattung.

Den Auswirkungen des Terrors des Islamischen Jihad und seiner Auswirkungen auf die israelische Gesellschaft zu wenig Gewicht zu geben dient dem Leser nicht, der darum kämpft diesen kompletten und störrischen Konflikt zu verstehen. Wer gelegentlich Nachrichten konsumiert und , mit dem Ernst der tiefen Feindseligkeit Israel gegenüber noch nicht vertraut sind, wird zweifellos im Unklaren dazu gelassen, wie tiefgehend die Gruppe es schaffte das Leben einer gesamten Nation zu zerrütten, wie nahe sie an dem Erfolg war Israelis zu töten und dass selbst abgefangene Raketen die Fähigkeit haben zu Verletzungen und dem Zufügen von heftigen Stress-Symptomen zu führen.

Schuldig durch falsche Assoziation: Israel „besonders vermerkt“

28. Oktober 2019

Simon Plosker, HonestReporting, 23. Oktober 2019

Antiisrael-Aktivisten werden jede Gelegenheit nutzen Israel als schuldig durch bestehende Verbindung zu Staaten dazustellen, die umstrittenes Verhalten an den Tag legen. Chile erlebt aktuell gewalttätige Straßenproteste, die bisher zu 15 berichteten Toten geführt haben.

Was hat das mit Israel zu tun?

Jede Menge, laut The Independent.

Haben Sie von der Gewalt in Chile gehört? Sie haben wahrscheinlich nicht gehört, dass das Militär dort seine Vorgehensweise von Israel lernt. In den letzten Jahren hat die IDF anscheinend eine Taktik eingesetzt palästinensische Demonstranten zu verstümmeln statt sie zu töten – und das ist etwas, das wir diese Woche in Chile gesehen haben.

Wer ist Benjamin Zinevich?

Benjamin Zinevich

Aber zuerst: wer ist Benjamin Zinevich, der Autor dieser Stellungnahme?

Ist er Akademiker? Experte für israelisch-chilenische Beziehungen?

Nein.

Der Independent versäumt es uns irgendwelche Daten zu Zinevich zu liefern, aber eine einfache Google-Suche offenbart, dass er Student an der New York University ist; dort ist er ein prominente Anti-Israel-Aktivist und Mitglieder der Organisation Students for Justice in Palestine (SJP). Die Anti-Defamation League beschreibt diese als „ein Netzwerk propalästinensischer Studentengruppen aus den gesamten USA, die antiisraelischer Propaganda verbreiten, oft in Verbindung mit aufhetzerischer und manchmal aggressiver Rhetorik. Sie sind eine führende Campus-Organisation von Kampagnen für Boykott, De-Investition und Sanktionen (BDS) gegen Israel und spezialisieren sich auf den Einsatz konfrontatorischer Taktiken wie das Stören von durch proisraelische Studenten betriebene Veranstaltungen und den Bau von Pseudo-„Apartheidmauern“ sowie die Verteilung fingierter „Zwangsräumungs-Anordnungen“, um zu dramatisieren, was sie als israelische Misshandlungen von Palästinensern betrachten.

Zinevich war gerade erst Co-Sponsor einer Resolution seiner NYU-Universität, die einen Boykott des Auslands-Studienprogramms seiner eigenen Schule in Tel Aviv forderte.

Israel „sollte besonders vermerkt werden“

Zinevich schreibt im Independent:

Während das [chilenische] Militär sich brutal gegen Zivilisten durchsetzt, wie man es seit der Diktatur nicht mehr gesehen hat, die Anfang der 1990-er Jahre endete, ist es wichtig die internationalen Verbindungen dieser Brutalität herauszugeben. Die auf  taktischen und Ressourcen basierende militärische Unterstützung durch den Staat Israel für Chile in der Vergangenheit und Gegenwart sollte besonders vermerkt werden.

Warum sollte diese angebliche militärische Unterstützung „besonders vermerkt werden“?

The Global Arms Trade: A Handbook (Handbuch weltweiter Waffenhandel) vermerkt, dass Chile seit 2005 Waffen aus den USA, den Niederlanden, Großbritannien, der Schweiz, Deutschland, Frankreich und Spanien in Besitz genommen hat, ebenso aus Israel.

Es gibt keinen glaubwürdigen Grund dafür, dass Israel „besonders vermerkt“ werden sollte außer die hasserfüllte Agenda von Zinevch und dem Independent.

Dürftige Verbindungen

Zinevich schreibt:

Heute unternehmen weder die Streitkräfte Chiles noch die Israels Versuche ihre Allianzen zu verstecken, zitiert man aus der Internetseite der chilenische Botschaft in Israel die  Ziele der „zunehmenden Verbindungen … mit Israel, um den Austausch von Wissen, Ausbildung und Erfahrungen möglich zu machen.“ Chile und Israel unterzeichneten 2018 eine Vereinbarung, die während des Besuchs des israelischen Generals Yaacov Barak in Chile in dem Jahr von der Ermutigung weiterer „Kooperation in militärischer Bildung, Ausbildung und Doktrin“ sprach.

Tatsächlich gibt es keinen Grund Allianzen zwischen Ländern zu verbergen, die diplomatische Beziehungen haben, insbesondere von zwei Demokratien. Die oben verwendete Wortwahl der Internetseite der chilenischen Botschaft in Israel ist das, was man auf jeder Botschaftsseite des Auslands erwarten würde, die für positive Beziehungen wirbt.

ZInevich ingorierte weitere Beispiele positiver israelisch-chilenischer Kooperation wie die ranghohen Vertreter des Magen David Adom, Israels nationaler Notfall- und Blutspende-Netzwerk, das der Stadtverwaltung Providencia in Chiles Hauptstadt Santiago hilft städtisches Sicherheitspersonal als Ersthelfer für medizinische Notfälle auszubilden.

Wir kommen dann zu der dürftigen Verbindung, die Zinevich zu propagieren versucht:

In den letzten Jahren haben die Israelischen Verteidigungskräfte (IDF) anscheinend eine Taktik verwendet palästinensische Demonstranten zu verstümmeln statt tödlich Schüsse auf sie abzugeben. Seit inzwischen mehr als einem Jahr sind palästinensische Zivilisten in Protest gegen die israelische Besatzung auf die Gaza-Mauer marschiert und die IDF hat mehr als 60 Prozent dieser 10.511 Zivilisten in die unteren Gliedmaßen geschossen, wobei mehr als 90 Prozent der Opfer durch scharfe Schüsse entstanden.

Während der letzten Woche ist diese israelische Taktik bei zahlreichen berichteten Gelegenheiten gegen chilenische Zivilisten eingesetzt worden. Eine Frau ist in den Oberschenkel geschossen worden; es heißt, sie befindet sich aufgrund hohen Blutverlustes in kritischem Zustand. Bei einem anderen Vorfall wurde ein 23-jähriger Mann ins Bein geschossen, bevor ein Militärfahrzeug ihn zerquetschte.

Diese ähnlichen Taktiken sind kein Zufall und international ein Teil dessen, was Aktivistengruppen wie die Jewish Voice for Peace „den tödlichen Austausch“ genannt haben.

Zinevich ist zufälligerweise Mitglied der Jewish Voice for Peace (Jüdische Stimme für den Frieden), einer Organisation, die die ADL als „eine radikal antiisraelische Aktivistengruppe“ beschreibt, „die für einen vollständigen wirtschaftlichen, kulturellen und akademischen Boykott des Staates Israel wirbt. JVP lehnt die Ansicht ab, dass der israelisch-palästinensische Konflikt ein tragischer Disput um Land ist, der von einer Gewaltspirale, Angst und Misstrauen auf beiden Seiten perpetuiert worden ist; sie favorisieren die Überzeugung, dass israelische Politik und Handeln von tief verwurzeltem jüdischen Rassenchauvisnismus und religiösem Herrenmenschentum motiviert sind.“

Es scheint so, als habe Zinevich Komponenten des „Der tödliche Austausch“-Kampagne der JVP genommen und auf Chile angewandt. Nach Angaben von Miriam F. Elman von der Syracuse University ist „The Deadly Exchange“ antisemitisch und macht Israel und seine jüdisch-amerikanischen Anhänger fälschlicherweise für das Schüren von diskriminierenden politischen Praktiken gegen Minderheiten in Amerika und die Militarisierung des Herangehens an Verbrechen und öffentliche Proteste verantwortlich. Im Fathom Journal schreibt Elman:

An seiner Wurzel agiert die Kampagne mit antisemitischen Sprachbildern zu jüdischer Macht, um Israel und die amerikanischen jüdischen Organisationen der Verschwörung gegen die farbigen Amerikaner zu beschuldigen. Die Kampagne radikalisiert den Nahost-Konflikt, indem sie Israel und seine jüdisch-amerikanischen Unterstützer als Feinde aufstellt, die amerikanische (und palästinensische) „schwarze und braune Körper“ direkt bedrohen.

Zinevich hat einfach amerikanische „schwarze und braune Körper“ ersetzt durch chilenische „Gruppen der Arbeiterklasse und indigenen Völker wie den Mapuche, die Jahrhunderte kolonialer Unterdrückung erfahren haben“.

So sehen wir, dass Zinevichs gesamte Hypothese auf nichts anderem gründet als seinem eigenen, von Ideologie getriebenen Fanatismus.

Wie traurig, dass der Independent, höchstwahrscheinlich ebenfalls von seiner antiisraelischen Agenda getrieben, Zinevich eine Plattform für seinen Hass geboten hat.

Bitte schicken Sie Ihre durchdachten Kommentare über sein Beschwerde-Formular an den Independent.

Reuters verbockt Bildbeschreibung: Israel „bombardiert“ palästinensische Gebäude

24. Juli 2019

Simon Plosker, HonestReporting, 23. Juli 2019

Die israelische Operation zur Beseitigung einer Reihe nicht genehmigter palästinensischer Gebäude im Dorf  Sur Baher am Rand von Ostjerusalem, direkt an Israels Sicherheitsbarriere, hat den Palästinensern bereits einen PR-Coup geliefert.

Der Abriss fand erst nach einer langwierigen Verhandlung vor dem Obersten Gerichtshof statt, der schließlich zugunsten der israelischen Behörden entschied, die – aus Sicherheitsgründen – wünschten die Bauten zu beseitigen, die zu nahe an der Sicherheitsbarriere standen.

Auf Stichwort hin gibt es Proteste der Palästinenser, der Europäischen Union, Nichtregierungs-Organisationen und einen Medizienzirkus aus Berichten über die Abrisse, die unter Verwendung von Bulldozern und Munition ausgeführt wurden.

Einige der Bildbeschreibungen zu Reuters-Fotos von der Szene lassen den Kontext weit dramatischer erscheinen. Zum Beispiel:

Ein palästinensisches Gebäude im Dorf Sur Baher wird von israelischen Streitkräften bombardiert; es befindet sich auf beiden Seiten der israelischen Sperre in Ostjerusalem und der israelischen Westbank. 22. Juli 2019. (Reuters/Mussa Qawasama)

„Ein palästinensisches Gebäude wird von israelischen Streitkräften bombardiert“?!!!

Ein Leser müsste glauben, dass Israel die Luftwaffe gegen ein palästinensisches Dorf losgeschickt hat. Kampfjets und –hubschrauber sind etwas ganz anderes als Bulldozer. Die Explosionen beim Abriss der Gebäude waren das Ergebnis kontrollierter Sprengungen, nicht von Luftangriffen. Sogar Reuters‘ eigene Foto-Diashow zeigte IDF-Techniker in den Gebäuden (von denen viele nicht einmal fertig gebaut waren) bei der Vorbereitung der Sprengsätze zum Abriss.

Aber spielt das wirklich eine Rolle, wenn diese Fotos einen Artikel begleiten, der den Hintergrund erklärt?

Das tut es, wenn man Beispiele dieser Reuters-Fotos sieht, die mit anderen Bildbeschreibungen, aber ohne jeglichen Kontext erscheinen. Nehmen wir die Facebook-Seite des Independent:

Das Foto wird in einem eigenständigen Textinhalt präsentiert. Die Bildbeschreibung ist wichtig.

HonestReporting hat bei Reuters eine Beschwerde eingereicht, aber es ist nicht möglich quantitativ zu bestimmen, wie weit diese irreführenden Bildbeschreibungen verbreitet worden sind.

AP gibt Hamas-Definition von „gewaltfrei“ preis

29. April 2018

Simon Plosker, HonestReporting, 26. April 2018

Associated Press könnte wegen seiner Story über die anscheinende Begrüßung von „Gewaltfreiheit“ Anerkennung verdienen, aber hat die Nachrichtenagentur überhaupt erkannt, welche alternative Realität seine Journalisten aufgedeckt haben?

Die Story beginnt folgendermaßen:

In einem Sit-in-Zelt nahe der Gaza-Grenze zu Israel beantwortete ein Lehrender Fragen von Aktivisten, die mit dem Konzept der gewaltfreien Proteste zu kämpfen haben.

Sie fragten, was erlaubt ist und führten unterschiedliche Aktionen au. Steine werfen und Kundgebungen veranstalten ist erlaubt, sagte er. Brandsätze zu werfen ist ein „Vielleicht“ und Messer einzusetzen ist ein definitives „Nein“.

Es erscheint also so, als ob alles, das keine Selbstmord-Bombenanschläge, Raketenangriffe, Schüsse oder Stechen involviert, jetzt von der Hamas und palästinensischen Aktivisten als „gewaltfrei“ eingestuft wird.

Das Oxford English Dictionary definiert Gewalt als ein Verhalten, als physische Stärke, die darauf abzielt jemanden oder etwas zu verletzen, zu schädigen oder zu töten.

Es definiert sie auch als ungesetzliche Ausübung physischer Kraft oder Einschüchterung durch die Zurschaustellung solcher Kraft.

Bei beiden dieser Definitionen würde Steine oder Brandsätze zu werfen als Gewalttat betrachet. In jeder zivilisierten Gesellschaft würde dieses Tun sowohl inakzeptabel als auch gesetzwidrig sein.

Warum haben dann die Medien die Hamas-Definition von Gewaltlosigkeit übernommen, die Palästinensern einfach erlaubt vom Lexikon als Gewalttaten definiere Taten zu verüben, wenn sie ohne die Unterstützung einer Schusswaffe oder eines Messer ausgeübt werden.

AP gibt an:

Die Hamas hat den Druck auf Israel aufrecht erhalten, indem sie zumindest eine Begrüßung von Gewaltfreiheit „telegrafieren“. Der oberste Chef Ismail Haniyeh zum Beispiel sprach vor dem Hintergrund von Poster solcher Ikonen wie Nelson Mandela dn Martin Luther King.

Die AP erwähnt nicht, dass dieser Hintergrund an Postern auch Gandhi einschloss.

Hamas-Chef Ismail Haniyeh hält eine Rede unter den Antlitzen von Ghandi, King und Mandela. Enn er tatsächlich ihrem Vorbild folgen würde, würde seie Terrororganisation sich entwaffnen – für das allgemeine Wohl aller Gazaner.

Mandela und seine Partei ANC wandten im Kampf gegen die Apartheid Südafrikas Gewalt an, aber es ist sowohl für Gandhi als auch für Martin Luther King eine Beleidigung, wenn die Hamas irgendeinen Vergleich zwischen sich und den Vertretern echter Gewaltlosigkeit zieht.

Gemäß des Martin Luther King Jr. Research and Education Institute an der Standford University hatte Kings Vorstellung von Gewaltlosigkeit sechs Schlüsselprinzipien, darunter:

  • Man kann dem Bösen Widerstand leisten ohne zu Gewalt Zuflucht zu nehmen.
  • Gewaltlosigkeit strebt an die „Freundschaft und Verständnis“ des Gegners zu gewinnen, nicht ihn zu demütigen.
  • Diejenigen, die sich der Gewaltlosigkeit verschrieben haben, müssen bereit sein ohne Vergeltung zu leiden, weil Leiden selbst erlösend sein kann.
  • Der Widerstand Leistende sollte von Liebe im Sinn von „Verständnis“ oder „gutem Willen für alle Menschen“ motiviert sein.

Klingt das wirklich wie die Hamas-Definition von gewaltfreiem Protest?

So sieht die Realität der Proteste an der Gaza-Grenze aus:

Warum ist es gewaltlos, wenn Palästinenser Steine und Brandbomben werfen, aber jeder andere in jedem anderen Land würde dafür verhaftet und vor Gericht gestellt werden? Ist es die Bigotterie der niedrigen Erwartungen, die die Palästinenser mit viel niedrigeren Standards dessen messen, was gewaltfreie Aktivitäten darstellen?

Warum lassen die Medien der Hamas und den palästinensischen Randalierern durchgehen, wie sie Gewaltlosigkeit definieren?

Die Associated Press hat einen anständigen Artikel geschrieben. Es ist aber so aus, dass die Agentur das nicht zu Ende gebracht und die offensichtlichen Folgerungen gezogen hat: Hamas und Gewaltlosigkeit sind keine im Himmel geschlossene Ehe.

(Bild: freevector.com und Flash90/SlimanKhader, bearbeitet)

EXKLUSIV: Wie das Berichten aus Israel meine Weltsicht für immer veränderte

10. Juli 2017

Hunter Stuart, HonestReporting 22.06.2017

In einem exklusiven Artikel für HonestReporting berichtet der Auslandskorrespondent Hunter Stuart, wie er die Realitäten der Berichterstattungen über Israel erlebte und sich seine pro palästinensische Sicht dramatisch veränderte.

Seit ich denken kann, wollte ich Journalist werden. Journalismus schien eine ungemein wichtige Arbeit zu sein um die Vorurteile der Menschen herauszufordern, harte Fakten an die Öffentlichkeit zu bringen um diese damit ehrlich und informiert zu halten.

Seit ich als Teenager zwei Wochen in Ägypten verbrachte – das war im Januar 2001, weniger als ein Jahr vor 9/11 – habe ich davon geträumt, freiberuflicher Reporter im Nahen Osten zu sein. Ich war fasziniert vom Terrorismus, von der Idee, dass irgend jemand an etwas derart glaubte, dass er bereit war, dafür sein Leben zu opfern. Jeder Journalist will die große Story aufdecken und ich dachte, der Nahe Osten sei die größte Story auf der ganzen Welt. Also entschied ich mich dahin zu gehen. 2015, mit 32 Jahren, schauten meine Frau und ich auf die Landkarte des Nahen Ostens und wir wählten Jerusalem zu unserem neuen Zuhause. Nicht nur, weil die Stadt westlich orientiert und relativ sicher war, sie war auch nur einen Steinwurf vom meist beachteten Konflikt der Erde entfernt. In jenem Sommer kündigten wir unsere Jobs in New York City und zogen nach Jerusalem um.

Da die Gier der Öffentlichkeit auf Nachrichten über den Israel – Palästina Konflikt nahezu unendlich ist, war es für mich nicht schwer Arbeit zu finden, nachdem ich nach Jerusalem umgezogen war. Rasch begann ich Berichte an die Nachrichten Agenturen in den Vereinigten Staaten und Australien ebenso wie an Al Jazeera – Englisch, das in Katar beheimatet ist, zu verkaufen.

Es war mir rasch klar, dass die meisten dieser Organisationen Nachrichten haben wollten, die vor allem das Leiden der Palästinenser hervorhoben und die Schuld daran den Israelis zuschob. So wie Matti Friedmann, der ehemalige Büroleiter der Associated Press, es 2014 im „Atlantic“ beschrieben hatte, sehen die Nachrichtenagenturen die „Israel – Story“ vor allem als Geschichte über das moralische Versagen der Juden. Ereignisse, die diese Sicht nicht untermauern, werden schlicht ignoriert.

In den ersten Monaten in Israel war auch ich bereit, diese Geschichten zu erzählen, denn ich glaubte auch daran. Wie ich vor kurzem im Magazin des Jerusalem Reports beschrieben habe, hatte ich ein tief sitzendes negatives Bild des jüdischen Staates. Ich wuchs in einer weißen, angelsächsisch – protestantischen Kleinstadt in Neuengland auf, wo jeder ein liberaler Demokrat war. Und aus irgendeinem Grund ist die Feindschaft gegenüber Israel eine reflexhafte liberale Haltung in den Vereinigten Staaten (ebenso wie in Europa). Als Teil dieser Umgebung glaubte auch ich, dass Israel der Tyrann ist und das größte Hindernis für den Frieden im Nahen Osten.

Doch auswärtigen Geschehnisse sehen immer etwas anders aus, wenn man selber drinsteckt – und das trifft nirgendwo mehr zu, als in Israel. Das begriff ich an einem sonnigen Nachmittag. Kurz nachdem ich nach Jerusalem umgezogen war. An diesem Tag war ich auf dem Weg um über einen palästinensischen Protest vor einem israelischen Gefängnis in der Nähe von Ramallah zu berichten. Ein Reporter des „Independent“ und ich fuhren dorthin und trafen auf eine Gruppe von etwa 100 palästinensischer Demonstranten, die zum Gefängnis marschierten.

Als sie dort ankamen, kamen etwa ein halbes Dutzend israelische Soldaten heraus, um sie aufzuhalten. Rasch bauten die Palästinenser Straßensperren aus brennenden Reifen auf, um den Israelis den Fluchtweg abzuschneiden. Immer mehr Demonstranten erschienen – keine Ahnung von wo – bald sah ich sie über die Hügel oberhalb des Gefängnisses schwärmen, die Gesichter mit Masken und Keffiyes verhüllt. Es war wie eine Szene aus Game of Thrones. Manche hatten Messer in ihren Gürteln, andere brachten Zutaten für Molotowcocktails. Sie positionierten sich auf den Hügeln über dem Gefängnis und begannen mit starken Schleudern Steine und Zementbrocken auf die etwa sechs israelischen Soldaten unter ihnen zu feuern. Die Israelis waren derart in der Unterzahl, dass ich unwillkürlich die Geschichte hinterfragte, in der Israel der Goliath und die Palästinenser David sind. Was ich vor mir sah, war das genaue Gegenteil.

Fotografen dokumentieren palästinensische Unruhen im arabischen Viertel Silwan – Ostjerusalem, als Teil eines Bildberichts in dem dargestellt wird, was die Hauptmedien vermeiden darzustellen: Die Anwesenheit von Fotografen und ihr Einfluss auf die Ereignisse.

Als ich einige Monate später den Gaza – Streifen besuchte, sah ich erneut den Unterschied zwischen dem, wie die Journalisten einen Ort beschreiben und der Realität. Wenn man in der Zeitung über Gaza liest, möchte man glauben, der ganze Ort sei ein einziger Schutthaufen, der mehr oder weniger aussieht wie Homs oder Aleppo. Tatsächlich ist das Erscheinungsbild Gazas genauso wie überall in der arabischen Welt. Während der acht Tage in Gaza sah ich kein einziges vom Krieg zerstörtes Haus, bis ich meinen Begleiter (Fixer – einheimischer Begleiter, der Kontakt zur Bevölkerung herstellt und dolmetscht. Anm. d. Übersetzers) darum bat, mir eines zu zeigen. Dazu fuhr er mich nach Shujaya, einem Nachbarort von Gaza – Stadt, der als Hamashochburg bekannt ist und bis heute vom 2014er Krieg sichtbar beschädigt ist.

War die Zerstörung von Shujaya schockierend? Ja! Aber es war örtlich begrenzt und ist nicht bezeichnend für den Rest von Gaza. Dieser Rest von Gaza ist kaum von so vielen Entwicklungsländern zu unterscheiden: Die Menschen sind arm, aber sie schaffen es, sich zu versorgen, sich sogar gut zu kleiden und die meiste Zeit glücklich zu sein. Tatsächlich sind einige Teile von Gaza richtig schön. Ich ging in Restaurants essen, deren Tische aus Marmor waren und die Kellner Fräcke und Krawatten trugen. Ich sah riesige Villen am Strand die auch nach Malibu gepasst hätten und – genau gegenüber dieser Villen – besuchte ich eine neue 4 Millionen $ Moschee.

Ist das Leben in Gaza sehr schwer? Jede Wette! Leben die meisten in zerstörten Häusern, schutzlos den Elementen ausgeliefert, wie es in den Nachrichten oft dargestellt wird? Absolut nicht. Ich missgönnen ihnen weder ihre Marmortische noch ihre Villen am Strand. Wie jeder andere Mensch wollen sie es gemütlich, wollen das Leben genießen. Aber ich finde es seltsam, dass ausländische Nachrichtenorganisationen es nicht wenigstens ab und zu angebracht finden, einen Artikel über die Viertel der Reichen in Gaza oder Millionen Dollar Moscheen zu berichten. Nein – stattdessen ziehen sie es vor, über die kleine Minderheit des Gaza – Streifens zu berichten, der nach wie vor in dem Teil haust, der 2014 im Krieg gegen Israel zerstört wurde (ein Krieg, der im übrigen von der Hamas begonnen wurde), denn das ist es, das die Erzählung untermauert, in der Israel eine Supermacht ist, die die Araber für die eigenen Zwecke brutalisiert, und diese Geschichten wollen allzu viele Menschen hören.

Hunter Stuart (Foto: Damon Dahlen/HuffPost)

Es wird nicht wahrgenommen, dass es so etwas wie Pressefreiheit weder in Gaza noch sonst wo in der arabischen Welt gibt. Der Versuch, aus Gaza zu berichten war ein absurdes und gefährliches Unterfangen. Innerhalb einer einzigen Woche bekam ich in Gaza bei zwei verschiedenen Gelegenheiten Ärger mit der Hamas, weil ich ihre strikten Regeln für die Presse nicht beachtet hatte.

Bei der ersten Gelegenheit befand ich mich mit meinem Begleiter (Fixer) auf der Strandpromenade von Gaza – Stadt und befragte die Passanten zu den bevorstehenden Wahlen (die später abgesagt wurden, was nicht wirklich erstaunt, denn die meisten arabischen Herrscher hassen die Demokratie). Nach etwa 15 Minuten erschien ein junger Kerl in T-Shirt und Cargo Hose vor uns und hatte ein, sich unschön anhörendes, Gespräch auf arabisch mit meinem Begleiter, der mir hinterher erzählte, dass wir augenblicklich zu verschwinden hätten. Der Kerl war Geheimdienstoffizier der Hamas und die hatten etwas dagegen, dass wir den Menschen politische Fragen stellten.

Beim zweiten Mal fotografierte ich mit meiner Begleiterin (Fixer) zerstörte Gebäude in Shujaya, als zwei Hamassoldaten, keiner von ihnen war auch nur einen Tag älter als 25, unser Auto regelrecht überrannten, unsere ID-Karten schnappten, die Kamera konfiszierten und uns in eine Militärbaracke verbrachten, wo wir von einer Gruppe Hamasvertretern intensiv darüber befragt wurden, weshalb wir fotografierten. Sie schauten sich jedes einzelne Foto in meiner Kamera an, bevor sie uns wieder gehen ließen. Meine Begleiterin zittere danach wie Espenlaub. Ich konnte sie gut verstehen: Allzu oft verhaftet, schlägt, ja foltert die Hamas Journalisten, wenn diese etwas sagen, was die Hamas in einem schlechten Licht erscheinen lässt.

Während meiner Zeit in Israel stellte ich fest, dass sich viele Berichterstatter anscheinend selber als Fürsprecher sehen. Sie sprachen über Journalismus als einen Weg, den Unterdrückten eine Stimme zu geben; und für allzu viele von ihnen sind die Palästinenser die Unterdrückten. Guter Journalismus darf natürlich keine Partei ergreifen. Er erzählt die Wahrheit – ungeachtet dessen, wer darin gut oder schlecht wegkommt. Denn die Wahrheit hat keine Gefühle.

In Anbetracht dessen ist es natürlich nicht überraschend dass die Reporter in Israel und den palästinensischen Gebieten dazu tendieren sich mit den Mitarbeitern der verschiedenen Menschenrechtsorganisationen zu verbinden. Diese bewegen sich in den gleichen sozialen Gruppen, man geht zusammen essen oder trinken. Vielleicht ist das der Grund, warum beinahe so gut wie jeder Artikel über Israel im Internet Verweise auf die Vereinten Nationen, Amnesty International, Humans Rights Watch oder andere ähnliche NGOs aufweist. Als Reporter ist es einfach, diese Gruppen zu zitieren, denn sie haben alle Informationen, die man braucht, frei zugänglich und gut verständlich.

Ich habe die größte Hochachtung vor der Arbeit dieser NGOs. Doch es ist ein Problem, dass sie in ihrer Arbeit oft Vorurteile gegenüber Israel haben. Allzu oft geben sie Israel die Schuld am Leid der Palästinenser anstatt über die Herzlosigkeit und Korruptheit der palästinensischen Führungsriege zu sprechen, die tatsächlich den größten Teil am Leid ihres Volkes tragen. Jede dieser Gruppen hat seine eigene Agenda, aber seitdem sich die öffentlich bekannten Personen dazu äußern, seitdem sie sich als Fürsprecher der Unterdrückten aufführen, glauben ihnen die meisten Liberalen und den Vereinigten Staaten und Europa jedes Wort.

Meine eineinhalbjährige Arbeit als Reporter in Israel hat meinen Glauben an den Journalismus nicht zerstört. Aber es hat meine Skepsis genährt, damit die Welt verbessern zu können. Ich bin nach acht Jahren Arbeit für Nachrichtenagenturen zunehmend darüber alarmiert, wie parteiisch sie geworden sind. Die Herausgeber zielen vor allem auf die Millenials in den sozialen Medien, die vor allem ihre eigene Meinung bestätigt bekommen wollen statt einen ausgewogenen und objektiven Artikel. Dieses Publikum will seine Vorurteile nicht widerlegt bekommen.

Wenn die Medien nur dazu existieren, das zu belegen, was wir zu wissen glauben, dann wird die Gesellschaft noch tiefer gespalten und es wird mehr und mehr Konflikte in der Welt geben.

Hunter Stuart ist Journalist und Schreiber mit mehr als acht Jahren professioneller Erfahrung. Derzeit arbeitet er als Mitherausgeber bei „Dose Media“ in Chaicago. Er war von 2010 – 2015 angestellter Reporter und Schriftleiter bei „The Huffington Post“ ist New York. Erst kürzlich verbrachte er 1,5 Jahre als freier Reporter im Nahen Osten, von wo er für Vice, The Jerusalem Post, Al Jazeera English, International Business Times und andere berichtete. Seine Berichte erschienen auch bei CNN, Pacific Standard, Daily Mail, Yahoo News, Slate, Talking Points Memo und The Atlantic Wire.

Die Demokraten von der Hamas?

13. November 2016

Simon Plosker, HonestReporting, 25. Oktober 2016

UPDATE:
Nach einer Aufforderung von HonestReporting hat der Independent den ungenauen Absatz korrigiert und die fehlende Information hinzugefügt; er lautet jetzt:


Die Hamas gewann 2006 die Lokalwahlen im Gazastreifen und übernahm nach Kämpfen mit der palästinensischen Fatah-Partei im Juni 2007 die komplette Kontrolle des Gebiets. Es hat seitdem vier kurze, aber blutige Konflikte zwischen dem Gazastreifen und Israel gegeben.

* * *

The Independent berichtet über ein Interview, das vom israelischen Verteidigungsminister Avigdor Lieberman einer palästinensischen Zeitung gegeben wurde; darin droht er mit der „völligen Vernichten“ der Hamas, sollte diese einen weiteren Krieg mit Israel anfangen.

Der Independent schreibt:


Die Hamas gewann 2006 die Lokalwahlen, was ihr die Kontrolle über den Gazastreifen gab. Es hat seitdem vier kurze, aber blutige Konflikte zwischen dem Gazastreifen und Israel gegeben.

Die Hamas gewann zwar 2006 die Lokalwahlen, aber die Terrororganisation übernahm 2007 den Gazastreifen als Ergebnis eines gewalttätigen Staatsstreichs, zu dem es gehörte Fatah-Mitglieder von Dächern zu werfen und die PA aus dem Gazastreifen zu vertreiben.

Stattdessen wird den Lesern des Independent der falsche Eindruck vermittelt, dass die Hamas den Gazastreifen über die Wahlurne kontrolliert, nicht mit der Gewehrkugel. Ergo könnte Lieberman als jemand betrachtet werden, der ein demokratisch gewähltes Regime im Gazastreifen bedroht, was gewiss nicht der Fall ist.

Wir haben den Independent kontaktiert und aufgefordert die fehlenden Kontext und die selektiven Auslassungen anzugehen.