Archive for the ‘Medienwelt’ category

Voreingenommenheit #2: Unausgewogene Berichterstattung

3. Mai 2016

Pesach Benson, HonestReporting, 1. Mai 2016

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Teil 2 einer achtteiligen Serie über die acht Kategorien von Medien-Voreingenommenheit.

Verletzung #2
Unausgewogene Berichterstattung

Nachrichten werden durch unangemessene Berichterstattung verzerrt, nur eine Seite der Story wird präsentiert, oder extreme Meinungen werden als Mehrheitsmeinung dargestellt.

Für die Zwecke des Journalismus wird Ausgewogenheit wie folgt definiert:

Ein Zustand, in dem verschiedene Dinge zu gleichen oder angemessenen Teilen erscheinen oder eine gleiche oder angemessene Wichtigkeit eingeräumt bekommen.

Unausgewogenheit erscheint in vielerlei Gestalt, beispielsweise als Artikel, der mehrere Palästinenser ausführlich zitiert, aber nur einen einzigen Israeli zu Wort kommen lässt (oft nur kurz); als Websites, wo die Meinungsbeiträge, Leserzuschriften und Kommentare überwältigend israelkritisch sind; als einseitige Fotoberichte; oder als die Fehldarstellung extremer Meinungen als Mehrheitsmeinung.

Angemessene Berichterstattung ist ein Aspekt von Ausgewogenheit. Versehen die Redakteure eine bestimmte Story mit zusätzlichen Grafiken, damit in Zusammenhang stehenden Kommentaren, interaktiven Merkmalen und einer Debatte in den sozialen Medien, dann messen sie dem Thema Wichtigkeit bei. Andere Storys sind nur einen kurzen Absatz in einer Punktliste wert.

Ein anderer Aspekt von Ausgewogenheit ist Bedeutung. Nicht jede neue Entwicklung führt zu einer Berichterstattung auf der Titelseite. Wichtige Nachrichten zu vergraben oder zu ignorieren wäre die andere Seite der Medaille, was unausgewogene Berichterstattung betrifft.

Hier ein Video, in dem Steve Linde und Gil Hoffman von der Jerusalem Post sowie Dan Diker vom Jerusalem Center for Public Affairs mit HonestReporting über das Thema „unausgewogene Berichterstattung“ debattieren:

Einige Beispiele für diese Analyse unterstreichen die einzelnen Facetten, die Berichterstattung „ausgewogen“ machen.

BEISPIEL: 2009 brachte Breaking the Silence (eine nichtstaatliche Organisation, die Fehlverhalten von IDF-Soldaten bloßzustellen behauptet) einen Bericht über angeblichen Missbrauch seitens des Militärs während Operation Gegossenes Blei. Die Aussagen der Soldaten wurden als Gerüchte und Hörensagen abgetan. Jeder Journalist, der den Bericht der Organisation gelesen hat, hätte erkennen müssen, dass er problematisch ist — aber die britischen Medien schenkten Breaking the Silence unverhältnismäßig viel Aufmerksamkeit.

Der Independent beispielsweise brachte einen Bericht auf der Titelseite gekoppelt mit einer Doppelseite im Innenteil, und der Leitartikel maß mehr als 48 Spaltenzoll. Der Onlineartikel verlinkte zur Website von Breaking the Silence. Und der Guardian brachte zusätzlich zu seiner Hauptstory auf der Titelseite drei Videos, eine Kolumne und ein Editorial der Redaktion.

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BEISPIEL: BBC News war nach dem Itamar-Massaker im Jahr 2012, bei dem palästinensische Terroristen Udi und Ruth Fogel und drei ihrer Kinder brutal ermordet haben, Kritik ausgesetzt. Die BBC hatte die Story überhaupt nicht erst erwähnt, was ihr den Zorn der damaligen britischen Abgeordneten Louise Bagshawe einbrachte. BBC-Verantwortliche entschuldigten sich.

BEISPIEL: Eine Titelstory im Time Magazine vom September 2010 mit dem Titel „Warum Israel Frieden nicht interessiert“ stellte Israelis als am Frieden uninteressiert und vom Nahostkonflikt unberührt dar. Für eine Story mit solchem Gewicht brauchte Karl Vick, der Chef des Jerusalembüros, einen repräsentativen Querschnitt der israelischen Haltung. Statt dessen fußte der Artikel auf den Ansichten zweier in Russland geborenen Verkäufer, einer älteren Frau und einer mit ihr befreundeten Kellnerin — alle in Aschdod. (Die HonestReporting-Leserschaft prämierte dies mit dem Dishonest Reporter Award für 2010.)

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BEISPIEL: Unter dem Deckmantel „ausgewogener Berichterstattung“ zitieren die westlichen Medien besonders gerne Nachrichten und Meinungen des linken israelischen Blattes Haaretz. Natürlich steht der Redaktion und den Autoren des Blattes ihre Meinung zu, aber die westliche Leserschaft erhält ein verzerrtes Bild von Israel, wenn Haaretz als „Mainstream“ dargestellt wird. Seth Frantzman, einer der leitenden Redakteure des Konkurrenzblattes Jerusalem Post, erklärt den Grund:

Amos Schocken richtete im Mai 2014 einen persönlichen Appell an die Leser und bat sie, ihr Abonnement nicht aus patriotischen Gründen zu kündigen. Durch das Abonnement würden die Leser ‚zum Mithelfer der anhaltenden Bemühungen, Israel als liberale und konstitutionelle Demokratie herauszubilden, welche die Werte des Pluralismus und der Bürger- und Menschenrechte wertschätzt‘, so Schockens Behauptung. Als Richard Silverstein ihn im Blog Tikun Olam dafür zur Verantwortung zog, dass er eine Zeitung so darstellte, als sei sie eine Art loyalistische Prawda nach sowjetischem Muster, entgegnete Schocken auf Twitter ‚typisch für die Linken — sie sind mehr damit beschäftigt, ihren eigenen Leuten zu zeigen, wer noch linker ist, als dass sie sich auf die Rechten konzentrieren.‘ Die Essenz der Geschichte war, dass Haaretz wie ein Teil des Kreuzzugs gegen Rechts im Stil der 1930er anmutet, und Haaretz bleibt seiner Linie ähnlich wie die ‚No pasaran‘-Ideologen im spanischen Bürgerkrieg treu…

Das Hauptproblem mit den ausländischen Haaretz-Lesern ist, dass sie die Konversation nicht verstehen, der sie mit dem Lesen von Haaretz beitreten. Sie glauben, sie lesen aus einer Mitte-links-Publikation über Israel, ähnlich wie bei den großen Zeitungen im Ausland wie El Pais, Times, Corriere Della Serra, Le Monde oder Die Welt. Zwar folgen all diese Zeitungen politischen Ideologien und haben eine Leserschaft, die bestimmte sozioökonomische und ethnische Bevölkerungsschichten abdeckt, aber sie sind nicht einmal entfernt so insular wie Haaretz.

Um Haaretz zu begreifen, muss man verstehen, dass sich seine Zirkulationsrate in Israel im einstelligen Prozentbereich befindet (die Druckausgabe hat zwanzig- bis dreißigtausend Leser, wohingegen die größte Tageszeitung, Yediot, von zirka 60% der Israelis gelesen wird) und dass sie von einem engstirnigen, extremistischen Milieu geschrieben und gelesen wird. Hierauf wurde oben mit der Bemerkung Bezug genommen, dass die anfänglichen Besitzer und Autoren von ihrer Kultur her entschieden ‚europäisch‘ waren und die ‚europäische‘ Kultur im ‚Dschungel‘ des Nahen Ostens bewahren wollten.

NYT-logoBEISPIEL: In ihrer Bewertung der Berichterstattung der New York Times über den Nahostkonflikt sagte Public Editor Margaret Sullivan im November 2014, die rigorose Berichterstattung über die palästinensische Gesellschaft und Politik sei für das Blatt ein blinder Fleck, wohingegen Israel selbst übermäßig stark im Rampenlicht steht.

Die Berichterstattung über Palästinenser verstärken. Sie sind mehr als nur Opfer, und ihre Ansichten und ihre Regierung verdienen Berichterstattung und einen genaueren Blick. Realistische Untersuchungen, was in ihren Schulen gelehrt wird und wie die Hamas operiert, sollten Teil davon sein. Wie sieht die Ideologie der Hamas aus; was sind ihre Grundüberzeugungen, ihre Arbeitsweise? Wie sieht der palästinensische Alltag aus? Hierüber habe ich nicht viel in der Times gesehen.

Weitere Beispiele

CNNs übertriebene Berichterstattung über den verschollenen Flug MH 370, etwas, worüber sich Jon Stewart ausgiebig lustig gemacht hat; die übertriebene Belagerung des königlichen Babys der britischen Royals; ungarische Medien, denen gesagt wurde, sie sollen keine Bilder von Flüchtlingskindern in Europa zeigen; und ein Verbot durch das Weiße Haus, über Särge des US-Militärs zu berichten, die aus Irak zurückkamen.

Nächsten Monat folgt das nächste Kapitel dieser Reihe: „Als Nachrichten getarnte Meinungen: Es ist Aufgabe des Journalisten, Fakten wiederzugeben, ohne die eigene Meinung oder Interpretation einzuschieben.“

„Red Lines: The Eight Categories of Media Bias“ ist auf Amazon als E-Book erhältlich.

CNN nennt Bombenterror einen „Busbrand“

22. April 2016

Daniel Pomerantz, HonestReporting, 19. April 2016

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Am Abend des 18. April jagten Terroristen einen israelischen Bus in Jerusalem in die Luft, wobei sie 21 Menschen verletzten, einige davon schwer. Einer befindet sich in kritischem Zustand.

CNNs Schlagzeile? „Mindestens 21 Verletzte bei Busbrand in Jerusalem, sagt Polizei“

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Aber das sagt der Polizeibericht gar nicht. Laut CNNs eigener Twitterbotschaft sagte die Polizei am Abend in Wirklichkeit, es gebe „keinen Zweifelt“, dass die Busexplosion in Jerusalem ein Anschlag gewesen ist.

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Weitere Quellen bestätigten, dass dies ein bewusster Anschlag auf Israelis war, darunter auch der US-Außenminister John Kerry, der den Terroranschlag eine „Greueltat“ nannte, und selbst CNNs eigenes Video bestätigt die Aussage der Polizei:

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Unser leitender Redakteur Simon Plosker sagte in einem Interview mit The Algemeiner: „Die CNN-Schlagzeile impliziert, dass der Bus spontan in Flammen aufging. Aber der Bus fing nicht einfach Feuer — es war eine bewusste Tat, und CNN erkennt das nicht an. Dass die Schlagzeile noch in dieser Form online ist, selbst nachdem Stunden vergangen sind, seit ein Terrorakt als Ursache für die Explosion bestätigt wurde, ist absolut haarsträubend.“

Der Algemeiner-Artikel wurde am Abend des 18. April veröffentlicht, ebenso wie der CNN-Tweet, der bestätigte, dass CNN sich über die vorsätzliche Natur dieses Anschlags bewusst war.

Doch selbst noch während wir diesen Artikel hier schreiben (19. April, Anm.d.Übs.), verkündet die CNN-Schlagzeile der Welt weiterhin, 21 Israelis seien bei einem „Busbrand“ verletzt worden.

Israel trifft Sicherheitsvorkehrungen, um exakt diese Art von Anschlägen zu verhindern. Aber wenn die Nachrichtenleser nicht einmal gesagt bekommen, dass es sich um Terroranschläge handelt, dann können die Medien Israels Bemühungen zum Schutz seiner Bevölkerung sehr leicht als unvernünftig oder unverhältnismäßig hinstellen.

Deswegen ist es so wichtig, CNN zur Verantwortung zu ziehen.

***

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Nach einer Beschwerde durch HonestReporting hat CNN seine Schlagzeile angepasst. Nun lautet sie: „Mindestens 21 Verletzte bei Busanschlag in Jerusalem, sagt Polizei“. Damit bestätigt CNN endlich, dass dieses Ereignis ein Anschlag war.

Bild: Nati Shohat/Flash90

Die New York Times sieht ein halb volles Glas halb leer

21. April 2016

Simon Plosker, HonestReporting, 14. April 2016

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Ist das Glas halb voll oder halb leer? Das fragt man sich, wenn man Diaa Hadids neueste Story in der New York Times liest. Der Titel: „Israel bürdet Westjordanland Kurzzeitcheckpoints und Straßensperrungen auf“.

Trotz der Welle palästinensischer Terroranschläge während der letzten Monate war es die Politik der IDF, die palästinensische Bevölkerung in ihrer Gesamtheit von den israelischen Sicherheitsmaßnahmen weitestgehend unberührt zu lassen.

Hadid schreibt:

Solche Kurzzeitcheckpoints und Sperrungen, die einige Tage bestehen, haben den Tagesablauf palästinensischer Einwohner unterbrochen, deren Fähigkeit, sich durch das besetzte Territorium zu bewegen, ohnehin beeinträchtigt gewesen ist. Aber die zielgenaue Strategie, die sporadisch vor allem auf einzelne Dörfer gerichtet ist, ist eine deutliche Abweichung von den großflächigen Schließungen und Ausgangssperren, die Israel während der zweiten Intifada über Städte im Westjordanland verhängt hat, wodurch die Auswirkungen für die Welt — und selbst für die Nachbarn — schlechter zu sehen und zu spüren waren.

Will Hadid hier andeuten, hinter der israelischen Politik, weniger Sicherheitsmaßnahmen zu implementieren, stecke irgendeine schändliche Motivation? Konzentriert sich die IDF auf ortsgebundene Sicherheitsmaßnahmen, weil sie dem Rest der Welt Scheuklappen aufsetzen will, was eine angeblich böswillige Behandlung der Palästinenser betrifft?

Sie fährt fort:

Palästinensische Beamte und ihre Helfer verurteilen die Straßenschließungen als kollektive Bestrafung. Diese haben jedoch kaum zu Protesten bei der Bevölkerung geführt, da die Einwohner eines Dorfes manchmal keinen Schimmer davon haben, was nur ein paar Kilometer entfernt geschieht, und Ramallah, das Zentrum des politischen und bürgerlichen Lebens im Westjordanland, ist weitgehend verschont geblieben.

Das israelische Militär sagt, die Schließungen dienten lediglich der Aufgreifung von Verdächtigen und der Vermeidung weiterer Anschläge einer Gewaltwelle, die weit weniger schwer, anhaltend oder verbreitet ist als frühere Aufstände. Der fein abgestimmte Ansatz half die Verurteilung des israelischen Durchgreifens durch die Weltöffentlichkeit gering zu halten.

Warum sollte man automatisch annehmen, Israels „Durchgreifen“ hätte die „Verurteilung durch die Weltöffentlichkeit“ zur Folge? Dies impliziert, die israelischen Maßnahmen zur Verhinderung von palästinensischem Terrorismus seien nicht rechtens.

Hadid kann es nicht glauben, dass Israel tatsächlich versuchen könnte, gewöhnlichen Palästinensern mögliches Leid zu ersparen. Ihr Bild des Konflikts begreift nichts anderes, als dass die israelischen Handlungen Hintergedanken haben. Könnte das Ausbleiben palästinensischer Proteste ein Resultat angemessen dosierter israelischer Sicherheitspolitik sein?

Danach werden die Leser dem angeblichen „Leid“ der Palästinenser durch israelische Sicherheitsmaßnahmen ausgesetzt. Anscheinend bedeutet das auch, dass Palästinenser nicht heiraten können:

Die kontinuierlichste Sperrung wurde einem stets angespannten Konfrontationsbereich in der Altstadt von Hebron auferlegt, Szene vieler Anschläge auf israelische Soldaten, die zum Schutz von jüdischen Siedlern abgestellt waren, die dort im Gebiet leben.

Seit November hat das israelische Militär die meisten Palästinenser vom Betreten dieses Gebietes abgehalten, mit Ausnahme der paar Dutzend Familien, die als im benachbarten Gebiet Tel Rumeida wohnend registriert sind.

„Nicht ein einziges Mädchen hat sich verlobt, und nicht ein einziges Mädchen hatte eine Hochzeit“, sagte Mufid al-Sharabati, zu dessen fünf Kindern auch zwei Töchter im heiratsfähigen Alter zählen. „Unser Leid ist beträchtlich.“

Hält Israel die Palästinenser in Hebron davon ab, sich zu verloben und zu heiraten? Natürlich nicht. Trotzdem entscheidet sich Hadid für ebendieses Zitat, um die angebliche Entbehrung der Palästinenser zu illustrieren.

Zum Thema Straßensperren befragt Hadid einen gewissen Ali Al-Shamy:

Herr Shamy und andere Anwohner fanden die Sperrung besonders rätselhaft, da die fragliche Straße generell nur von Palästinensern benutzt wird, was kaum Risiko übrig lässt, dass mögliche Angreifer sie zur Jagd auf Israelis nutzen.

Palästinensischer Terrorismus beschränkt sich nicht nur auf Straßen. Terroristen, die Anschläge in Israel und im Westjordanland verübt haben, erreichten den Tatort vermutlich von ihrem Zuhause in palästinensischen Dörfern und Städten aus… und zwar per Straße. Und in den Fällen, in denen die Terroristen entkommen sind, könnten sie dieselben Straßen benutzt haben, um zurück nach Hause zu kommen.

Palästinensische Dorfbewohner sind keine Experten über israelische Sicherheitspolitik, und der Zweifel, der über die Hintergründe der Straßensperrung vorgebracht wurde, ist rein spekulativ.

Und dank Hadids Sicherheitsexperten (hier ein palästinensischer Busfahrer) geht die Spekulation weiter:

„Ich schwöre bei Gott, sie schikanieren uns einfach nur“, grummelte Omar Mousa, ein 50jähriger Busfahrer, der am Morgen nach der plötzlichen Aufhebung der Absperrung sein Fahrzeug auf die Hauptstraße lenkte.

Israel „schikaniert“ die Palästinensern also einfach nur. Schon wieder eine Behauptung, Israel habe etwas Finstereres im Sinn als einfach nur seine Sicherheit.

Der Artikel schließt:

Er deutete auf die nahe Route 443, die von Israel gebaute vierspurige Autobahn, die durch das Westjordanland führt und von Begrenzungen umgeben ist, die den Zugang durch palästinensische Gemeinden weitgehend verhindern.

Hadid verschweigt, dass die Route 443 — eine Hauptverkehrsader zwischen Jerusalem und Tel Aviv — für palästinensischen Verkehr in Wirklichkeit offen ist, wenngleich in eingeschränkter Weise, und zwar nachdem ein israelisches Gerichtsurteil im Jahr 2009 dieses entschied. Dort, wo die Straße durchs Westjordanland führt, gibt es eine Reihe von Checkpoints, die palästinensischen Verkehr nach einer gründlichen Prüfung durch israelische Sicherheitskräfte durchlässt.

Die jüngsten tödlichen Messermorde in der Nähe dieser Straße in der israelischen gemeinde Beit Horon sowie in einer Tankstelle auf dieser Straße illustrieren deutlich, warum es zu beiden Seiten der Autobahn Barrieren gibt.

Durch Auslassung von Schlüsselinformationen erhält die Leserschaft den falschen Eindruck, Route 443 könnte eine „israelische bzw. rein jüdische Straße“ sein. Der Zugang zur 443 obliegt unbestreitbarerweise der Sicherheit.

Letzten Endes hat Diaa Hadid eine Situation gefunden, in der das Glas halb voll ist. Natürlich sind normale Palästinenser negativ von den Konsequenzen palästinensischen Terrors betroffen. Aber Israel hat sein möglichstes getan, diese Konsequenzen zu beschränken.

Hadid, der es nicht passte, dass die Story Israels Handlungen weniger verdammte, als sie es gerne hätte, sorgte absichtlich dafür, dass das Glas in den Augen der New-York-Times-Leserschaft halb leer erschien. Und wir sind aufs Neue besorgt darüber, dass Diaa Hadid unfähig oder nicht willens ist, ihre Vorurteile und Voreingenommenheit außer Acht zu lassen, wenn sie über israelisch-palästinensische Themen berichtet.

***

UPDATE

Die Druckausgabe der New York Times brachte die Story auf der Titelseite, aber mit einer anderen Schlagzeile („Im Westjordanland: Razzia Straße für Straße“).

Bild: Design von Freepik

Die New York Times und das jüdische Heimatland

13. April 2016

Simon Plosker, HonestReporting, 11. April 2016

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Der Magazinteil der New York Times brachte einen Artikel von James Traub, in dem es um das Konzept von „Heimatland“ ging und warum dieses Wort im amerikanischen Kontext manchmal negative Konnotationen aufweist. Dort steht auch folgender Absatz:

Was genau hat das Wort „Heimatland“ an sich, dass es sich mehr wie eine Verletzung als wie eine Affirmation der amerikanischen Identität anfühlt? In der herkömmlichen Verwendung ruft das Wort die Verbindung zwischen einem Volk und einem Staat, der ihm gehört oder dessen Besitz es sich wünscht, herauf. Mit Israels Gründung im Jahr 1948 erhielten die Juden ein Heimatland. Die Palästinenser haben eines verloren. „Heimatland“ ist durchsättigt mit den Urkräften der Staatsbildung. Das Wort deutet auf eine Welt der Solidarität, geschmiedet durch Blutsbande, durch uralte Rituale und Legenden.

Haben die Palästinenser 1948 ein Heimatland verloren, wie James Traub vorbringt? Falls er argumentieren will, Heimatland und Eigenstaatlichkeit seien wesenhaft aneinandergekoppelt, dann besaßen Palästinenser nie ein Heimatland, das sie verlieren hätten können. Niemals in der Geschichte hat es je einen souveränen Palästinenserstaat gegeben. Getreu Traubs eigener Definition waren es die Juden, die ein Heimatland verloren haben, als sie 70 n. Chr. von den Römern aus ihrem biblischen Königreich vertrieben wurden — und welches sie später zurückerhielten.

In jedem Fall haben die Juden mit der Gründung Israels zwar einen unabhängigen Staat erhalten, aber das jüdische Heimatland existiert seit über 3.000 Jahren, und zwar ungeachtet dessen, wer zu irgendeinem Zeitpunkt in der Geschichte die Herrschaft über das Land innehatte.

Traubs Israel/Palästina-Beispiel versagt also. Und das lässt uns fragen, warum er es überhaupt angeführt hat. Zugegeben, die amerikanische Identität ist eher eine zivile als eine ethnische oder nationalistische. Aber zweifellos gibt es viele Amerikaner, die ein jüdisches Heimatland als positives Konzept sehen und nicht so negativ wie Traub.

Newsweeks Apartheid-Schlagzeile und die Reaktion eines Journalisten

12. April 2016

Simon Plosker, HonestReporting, 10. April 2016

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Bei Newsweek erscheint eine regelmäßige Kolumne namens „Tel Aviv Diary“ von Marc Schulman, der seine persönlichen Ansichten über das Leben in Israel beschreibt. In seinem jüngsten Beitrag schreibt er über die aktuelle Kontroverse, ausgelöst durch einen israelischen Untersuchungsbericht, dass jüdische Mütter in israelischen Krankenhäusern ein separates Zimmer bekommen, wenn sie nicht mit israelischen Arabern zusammenliegen wollen.

Das Thema wurde durch Kommentare von Knessetmitglied Bezalel Smotrich und seiner Frau verschärft, die von Politikern sowohl aus dem linken wie aus dem rechten Spektrum zurückgewiesen wurden, darunter auch von Bildungsminister Naftali Bennett, dem Vorsitzenden von Smotrichs Partei HaBayit haYehudi.

Angesichts der unangenehmen Natur der Thematik und des möglichen Schadens für Israels Ansehen in der Welt formulierte Marc Schulman seinen Beitrag auf faire und ausgewogene Weise — was sehr für ihn spricht.

Leider gilt das nicht für die Schlagzeile:

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Im zweiten Absatz stellt Schulman klar, die Trennung von Juden und Arabern habe „stattgefunden, obgleich es der offiziellen Politik des Gesundheitsministeriums und der offiziell verkündeten Politik der Geschäftsführung jedes der betroffenen Krankenhäuser entgegensteht“.

Dies und die anschließende öffentlichte Entrüstung reicht, um zu zeigen, dass „Apartheid“ ganz gewiss keine offizielle Staatspolitik ist und auch nicht vom israelischen Volk gestützt wird.

Scheinbar beschwor die Schlagzeile einen Sturm auf den Autor Marc Schulman herauf, der auf seinem persönlichen Blog wie folgt darauf reagierte (Hervorhebungen von uns):

Ich glaube, ich habe recht gute Arbeit geleistet, indem ich die Fakten dargelegt habe, ohne gegenüber den meisten Akteuren übermäßig kritisch zu sein, und ich habe Bildungsminister Naftali Bennett sogar in ein relativ schmeichelhaftes Licht gerückt. Daher war ich von den Kommentaren sehr überrascht, die der Artikel hervorgebracht hat. Aber ich hätte gar nicht überrascht sein brauchen, nachdem ich die Schlagzeile gesehen habe. Vielleicht sollte ich anmerken: Ich habe keinerlei Kontrolle über die Schlagzeile, etwas, was einzelne Kritiker nicht zu erkennen scheinen. Wir schreiben eine Story, und die Redakteure oder die Schlagzeilenschreiber formulieren die Schlagzeile. Hierfür suchen sie nach etwas, das eine Verbindung mit der Story hat und die Leute zum Anklicken und Lesen des Artikels bewegen soll. In jenen Tagen, in welchen die Medien vor allem auf Papier verbreitet wurden, wurde die Schlagzeile als wichtig betrachtet, als ein Weg, die Aufmerksamkeit des Lesers zu erregen. Heute ist sie noch weit wichtiger — denn die Leser lesen in den Medien nicht mehr linear wie früher, sondern überfliegen die Schlagzeilen und suchen sich dann die Storys aus, die ihr Interesse erweckt haben.

Zwar war ich mit der Schlagzeile „Apartheid in der Entbindungsstation“ nicht einverstanden, aber es ist eine wirksame Schlagzeile und spiegelte zumindest bestimmte Aspekte der Story. Natürlich ist Wirksamkeit eine Funktion der Resultate, und dieser Artikel führte gewiss zu dem Ausmaß an Leserschaft und Interaktion, die sich eine webbasierte Nachrichtenorganisation wünscht. Mein Redakteur und der Chef von Newsweek schrieben mir sogar ein E-Mail und dankten mir darin für den Artikel. Ist die Schlagzeile hundertprozentig zutreffend? Nein. Israel innerhalb der Grenzen von 1967 ist kein Apartheid-Staat. Araber können jeden Beruf ergreifen, überall hingehen, überall leben. Gibt es in der israelischen Gesellschaft Rassismus und Diskriminierung? Ja, so wie in praktisch jeder Gesellschaft. Sind Apartheid, Rassismus und Diskriminierung im Gesetz kodifiziert? Nein. Natürlich ist die Lage im Westjordanland ganz anders, aber das gehört in einen anderen Artikel. Was jedoch stimmt, ist, dass es in unserer Situation eines immerwährenden Krieges viel zu leicht ist, in die Falle zu laufen und ein Apartheidstaat zu werden.

Zwar ist Schulman nicht für die Handlungen der Newsweek-Redakteure verantwortlich, aber er hat im Grunde zugegeben, dass trotz der im Artikel erwähnten Fakten die Prioritäten des Blattes darin lagen, das Wort „Apartheid“ in der Schlagzeile zum Generieren möglichst vieler Leser zu missbrauchen. Der Gebrauch dieses Wortes ist beleidigend und ein kruder Versuch (wie Schulman selbst zugibt), auf Kosten der Akkuratesse Traffic zu generieren.

HonestReporting weist diese unethische und unprofessionelle Praxis zurück und vertritt die Ansicht, die Newsweek-Schlagzeile solle abgeändert werden.

Voreingenommenheit #1: irreführende Terminologie

7. April 2016

 

Pesach Benson, HonestReporting, 4. April 2016

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Teil 1 einer achtteiligen Serie über die acht Kategorien von Medien-Voreingenommenheit.

Verletzung #1
Irreführende Definitionen und Terminologie

Den Lesern werden durch die verwendete Sprache Vorurteile vermittelt.

Sprache wird viel zu oft zur Beförderung einer Agenda benutzt. Die Medien müssen sorgfältig abwägen, welche Begriffe, Wendungen oder fremdsprachige Wörter sie benutzen (oder vermeiden). George Orwell beschrieb die möglichen Probleme dabei wie folgt:

Doch wenn Gedanken die Sprache korrumpieren, kann Sprache auch die Gedanken korrumpieren.

In diesem Video diskutieren Steve Linde und Gil Hoffman von der Jerusalem Post, Ruthie Blum von The Algemeiner und Dan Diker vom Jerusalem Center for Public Affairs mit HonestReporting über irreführende Terminologie:

BEISPIEL: Nach den Anschlägen vom 11. September verschickte Stephen Jukes, der damalige Reuters-Redakteur für globale Nachrichten, ein Memo, mit dem er die Reuters-Redakteure anwies das Wort „Terror“ zu vermeiden. Seine Erklärung wurde später zum geflügelten Wort für die moralische Mehrdeutigkeit der Nachrichtenindustrie:

Wir alle wissen: Des einen Terrorist ist des anderen Freiheitskämpfer; und Reuters hält an dem Prinzip fest das Wort Terrorist nicht zu verwenden.

Nicht zufrieden mit Reuters „terrorfreier“ Ausdrucksweise begann der kanadische Medienkonzern CanWest das Wort in seine Texte einzufügen. Reuters-Verantwortliche erhoben Einspruch und behaupteten, dieses Wort würde die Leserschaft verwirren und die Reporter Gefahren aussetzen. Scott Anderson von CanWest antwortete wie folgt (Hervorhebung von uns):

Führt man eine verbrämende Sprache ein, um die Leute zu schützen, sagt man dann noch die Wahrheit?

Und nach den Terroranschlägen auf das Charlie-Hebdo-Büro und einen koscheren Supermarkt in Paris im Jahr 2015 erklärte Tarik Kafala, der Leiter von BBC Arabic, seine Zurückhaltung bezüglich des T-Wortes wie folgt:

„Wir versuchen zu vermeiden, irgendjemanden als Terroristen oder irgendeine Tat als Terrorismus zu bezeichnen. Was wir statt dessen zu sagen versuchen, ist: ‚Zwei Männer töteten 12 Menschen bei einem Anschlag auf das Büro eines Satiremagazins.‘ Das ist genug. Wir wissen, was das bedeutet und was das ist.“

Wertneutrale Worte wie Militante, Extremisten, Aktivisten etc. verharmlosen bewusst ausgeführte Gewalttaten, die Angst auslösen sollen und einem politischen Ziel dienen, und beschönigen sie.

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BEISPIEL: Die palästinensische Autonomiebehörde reichte beim portugiesischen Journalistenverband eine formelle Beschwerde ein. Anlass war ein Bericht des israelisch-portugiesischen Reporters Henrique Cymerman von Dezember 2015, dessen Ausdrucksweise von der PA bemängelt wurde. Insbesondere beschwerte man sich, dass in der Texteinblendung des auf dem portugiesischen Sender Sociedade Independente de Comunicação (SIC) gesendeten Beitrags von „Mord“ die Rede war, um die bei palästinensischen Messer- und Autorammangriffen getöteten Israelis zu beschreiben, die ums Leben gekommenen palästinensischen Angreifern hingegen einfach nur „getötet“ wurden.

Laut der PA stellt diese Formulierung „Besatzer und Besetzte gleich und geht einen Schritt weiter, indem es den kaltblütigen Mord an palästinensischen Kindern und Jugendlichen durch die israelische Besatzungsmacht rechtfertigt.“ Der Verband wies die Beschwerde zurück, indem er im Wesentlichen sagte, die Aussage, getötete palästinensische Angreifer seien ermordet worden, sei unzutreffend. Die vollständige Entscheidung kann man auf der Verbandswebsite nachlesen.

Henrique Cymermans Texteinblendung: "22 Israelis wurden ermordet und rund 100 palästinensische Angreifer getötet."

Henrique Cymermans Texteinblendung: „22 Israelis wurden ermordet und rund 100 palästinensische Angreifer getötet.“

BEISPIEL: Zirka dreitausend Jahre lang war Jerusalem eine einheitliche Stadt, die keine Unterscheidungen zwischen Ost und West treffen musste. Das Konzept von Ost- und Westjerusalem kam erst 1948 auf, nämlich am Ende des israelischen Unabhängigkeitskriegs, wo die Waffenruhe dazu führte, dass Israel die westlichen Viertel kontrollierte und Jordanien die östlichen.

Jordanien vertrieb alle Juden aus den jordanisch kontrollierten Bereichen, womit der Zeitraum von 1948 bis 1967 der einzige war, in dem Ostjerusalem glaubhaft als arabisch bezeichnet werden konnte. Jerusalem wurde 1967 wiedervereinigt und Juden und Araber können seither überall in der Stadt frei leben, so wie zuvor.

Trotzdem lesen wir Beschreibungen der Ostbereiche der Stadt als „traditionell arabisches Ostjerusalem“ (Associated Press) oder „arabisches Ostjerusalem“ (z. B. Daily Telegraph, BBC oder Los Angeles Times). Aber „arabisches Ostjerusalem“ ist als Bezeichnung nicht zutreffender als wenn man z. B. Harlem als „schwarzes Nord-Manhattan“ bezeichnen würde.*

BEISPIEL: Der BBC-Dokumentarbeitrag „Children of the Gaza War“ aus dem Jahr 2015, in welchem die Übersetzer das Wort Yahud absichtlich falsch mit „Israeli“ übersetzten (Yahud ist das arabische Wort für Jude). Beispielsweise sagte ein Gaza-Kind der Reporterin Lyse Doucet, die „Yahud“ würden Palästinenser massakrieren, und die dazugehörige Schrifteinblendung lautete „Israel massakriert uns“.

Das arabische Wort für Israeli ist „Yisraili“.

Weitere Beispiele

Sind die Asylsuchenden, die das Mittelmeer in Richtung Europa überqueren, Migranten oder Flüchtlinge? Sollten Angehörige des Islamischen Staates als „islamische Extremisten“ oder „gewalttätige Extremisten“ bezeichnet werden?

Nach den Krawallen in Baltimore im April 2015 lagen sich die Redaktionen darüber in den Haaren, ob man „Plünderer“ oder „Protestler“ sagen sollte. Nachdem im Juni 2015 ein weißer Rassist in einer Kirche in Charleston neun Afroamerikaner getötet hatte, rangen die Journalisten mit der Frage, ob man die Worte „schwarz“ und „weiß“ groß schreiben sollte. Und sollte man die an einer Auseinandersetzung in Oregon beteiligten Männer als „Militante“ oder als „bewaffnete Farmer“ bezeichnen?

Was soll eine Nachrichtenagentur tun, wenn vulgäre Ausdrucksweise Teil der Story wird, wie es beispielsweise während des US-Präsidentschaftswahlkampfs 2016 der Fall ist?

Und die Columbia Journalism Review fragt: An welchem Punkt wird Jargon zu allgemeinem Sprachgebrauch, bei dem die Redakteure davon ausgehen können, dass jedermann ihn versteht?

Nächsten Monat folgt das nächste Kapitel dieser Reihe: „Unausgewogene Berichterstattung: Nachrichten werden durch unverhältnismäßige Berichterstattung verzerrt.“

„Red Lines: The Eight Categories of Media Bias“ ist auf Amazon als E-Book erhältlich.

* Anmerkung d. Übers.: Ein deutsches Pendant ist Ulrich Sahms entsprechend provozierende Formulierung „traditionell kommunistisches Ostberlin“.

Die acht Kategorien der Medienvoreingenommenheit

6. April 2016

Pesach Benson, HonestReporting, 4. April 2016

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Medienmanipulation ist einer der unglückseligsten Aspekte des israelisch-palästinensischen Konflikts.

Wir haben Texte gesehen, welche kein Journalismus mehr sind, sondern verhüllte Parteinahme. Es werden fatale Fehler beim Faktencheck gemacht, Fotografen und Palästinenser verbiegen in wechselseitig nutzbringenden Beziehungen die Realität, die Wortwahl wird politisch, und Nachrichtenverantwortliche vertuschen Nachrichten, um den Zugang dazu zu erschweren. Wir haben sogar gesehen, dass Journalisten sich vereinzelt mit Lesern anlegten, die ihnen zu widersprechen gewagt hatten.

Nichts davon liegt im öffentlichen Interesse. Nachrichtendienste, welche die Nahost-Berichterstattung verzerren, sind ebenso fähig, auch andere Bereiche ihrer Berichterstattung zu vermurksen.

  1. Von Journalisten erwarten wir professionelle Unabhängigkeit und Objektivität.
  2. Wir erwarten relevante, informative, verhältnismäßige und verbindliche Nachrichten.
  3. Wir erwarten Transparenz.

Soll sich die Wahrheit durchsetzen, müssen wir anspruchsvollere Nachrichtenkonsumenten sein. Ansonsten werden wir zum passiven Objekt der Agenda bestimmter Leute. Wie Matti Friedman, ehemaliger Korrespondent der Associated Press, sagte:

Die Welt reagiert nicht auf Geschehnisse in diesem Land, sondern auf die Beschreibung dieser Geschehnisse durch Nachrichtenorganisationen. Der Schlüssel zum Verstehen der eigenartigen Natur dieser Reaktionen liegt somit in der Praxis des Journalismus und insbesondere in einer ernsten Fehlfunktion bei jenem Berufsstand — meinem Berufsstand — hier in Israel.

Wir werden rund um die Uhr mit Nachrichten bombardiert, aber es mangelt an Bewusstheit über die objektiven Standards, die wir vom Journalismus erwarten sollten. Verstehen wir die acht Verletzungen medialer Objektivität, dann können wir zwischen Glaubwürdigem und Unglaubwürdigem unterscheiden sowie zwischen dem, was zum öffentlichen Diskurs beiträgt und dem, was ihn vernebelt.

Joe Hyams, der Geschäftsführer von HonestReporting, sagt: „Wir haben detailliertes Wissen zusammengetragen, wie die Überwachung von Nachrichten funktioniert, und zwar auf eine Art und Weise, die für Gemeinschaften an der gesellschaftlichen Basis leicht anzuwenden ist. Indem wir Medienvoreingenommenheit definieren, geben wir der ständig wachsenden Zahl von Nachrichtenkonsumenten die Werkzeuge an die Hand, um zu erkennen, wie destruktiv schlechte Berichterstattung sein kann und wie mächtig sie selbst sind, wenn sie wirksame Antworten hierauf finden können.“

Wie Sie sehen werden, sind diese Prinzipien auf alle Bereiche der Berichterstattung anwendbar — also nicht nur auf den Nahostkonflikt. Jeden Monat bringen wir ein neues Kapitel — und den Anfang machen wir gleich morgen.

Die acht Verletzungen der Medien-Objektivität

  1. Irreführende Definitionen: Über die Sprache werden den Lesern Vorurteile vermittelt.
  2. Unausgewogene Berichterstattung: Nachrichten werden durch unverhältnismäßige Berichterstattung verzerrt.
  3. Als Nachrichten getarnte Meinungen: Das unangebrachte Einschieben von Meinungen oder Interpretationen in die Berichterstattung.
  4. Fehlende Zusammenhänge: Der Bezugsrahmen wird den Lesern verschwiegen.
  5. Selektive Auslassungen: Bestimmte Ereignisse werden berichtet, andere ausgelassen — oder es werden Schlüsseldetails unterschlagen.
  6. Nutzung von Fakten für falsche Schlussfolgerungen: Nachrichten werden mit hinkender Logik verfremdet.
  7. Verzerrung von Tatsachen: Fakten werden falsch dargestellt.
  8. Mangelnde Transparenz: keine Offenheit und keine Rechenschaft gegenüber den Lesern.

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