Archive for the ‘Medienwelt’ category

Die PLO lügt noch immer über Arafats Vermächtnis

8. August 2015

Pesach Benson, HonestReporting, 5. August 2015

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Jassir Arafat hätte vor kurzem seinen 86. Geburtstag gefeiert, und die PLO markierte diesen Tag mit einem Tweet, der den verblichenen Palästinenserführer im Grab rotieren lassen muss.

Dabei geht es nicht nur über die Darstellung von Arafats Vermächtnis als heldenhaftem Freiheitskämpfer statt eines blutrünstigen Terroristen (dazu komme ich später noch).

Als Gründervater des palästinensischen Nationalismus steht bei der PLO viel auf dem Spiel, wenn es ums Arafat-Narrativ geht.

Um das klarzustellen: Arafat wurde in Kairo geboren. Aber selbst feurigen Verschwörungstheoretikern, die Obamas Geburtsort in Frage stellen, fällt die Kinnlade herunter, wenn sie lesen:

Präsident Jassir Arafat wurde am 4. August geboren (Jerusalem 1929 – Paris 2004). “Ich bin ein Rebell, und meine Sache ist die Freiheit.”

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Wie wurde er also Jerusalem zugeschrieben?

Die Antwort beginnt mit einem rumänischen Geheimdienstbeamten zur Zeit der Kommunisten, Ion Mihai Pacepa. Bei einem Schuldeingeständnis im Wall Street Journal erklärte er, die Verbindung von Arafat und Jerusalem sei ein Resultat absichtlicher sowjetischer Falschinformationen gewesen.

Der KGB-Vorsitzende Juri Andropow machte sich mir gegenüber im Februar 1972 über die Leichtgläubigkeit der Yankees lustig, was prominente Persönlichkeiten betrifft. Wir hatten die stalinistischen Personenkulte hinter uns gelassen, aber diese verrückten Amerikaner waren noch immer naiv genug, nationale Führer zu verehren. Und Arafat bauten wir zu genau so einer Symbolfigur auf — Schritt für Schritt führten wir die PLO näher an die Macht und an einen Staat. Andropow glaubte, die vietnammüden Amerikaner würden in ihrer Hoffnung auf Frieden auch auf das kleinste Zeichen einer Versöhnung anspringen, und Arafat würde vom Terroristen zum Staatsmann werden.

Unmittelbar nach diesem Treffen erhielt ich die “Personalakte” des KGB über Arafat. Er war ein ägyptischer Bourgeois, der vom KGB-Auslandsgeheimdienst zu einem ergebenen Marxisten gemacht wurde. Der KGB hatte ihn an seiner Schule für Spezialoperationen in Balaschicha östlich von Moskau geschult, und Mitte der 1960er entschied man, ihn zum zukünftigen Führer der PLO aufzubauen. Erst vernichtete der KGB die offiziellen Aufzeichnungen von Arafats Geburt in Kairo, dann ersetzte er sie durch fiktive Dokumente, die sagten, er sei in Jerusalem geboren worden und sei daher ein gebürtiger Palästinenser.

Was die Beschreibung als “Freiheitskämpfer der PLO” betrifft, so ist das ein altbekanntes Spiel. Über Jahre hinweg haben Palästinenser und ihre Apologeten Arafat mit Führern der Amerikanischen Revolution verglichen, z. B. mit George Washington und Thomas Paine, oder was die jüngere Geschichte betrifft auch mit Nelson Mandela. (Marwan Barghouti, der Führer der mit der Fatah verflochtenen Al-Aqsa-Märtyrerbrigaden, der für fünf Morde für schuldig befunden wurde, hat den Mantel des “palästinensischen Mandela” geerbt.)

Es gibt keine Parallelen zwischen Arafat und Washington oder Mandela. Es gibt keine historischen Beweise, dass Washington absichtlich Zivilisten angriff, die England treu ergeben waren. Timothy Noah schrieb 2002 im Slate:

Im amerikanischen Freiheitskampf war ein Radikaler jemand, der Tee in den Bostoner Hafen auskippte. Im palästinensischen Freiheitskampf ist ein Radikaler jemand, der sich eine Bombe umschnallt und israelische Kinder in die Luft jagt.

Arafat war der Großvater des modernen Terror. Seine Anhänger perfektionierten die Praxis der Entführung von Flugzeugen. Seine Frau Suha bestätigte, dass die blutrünstige zweite Intifada von ihrem nobelpreistragenden Ehemann vorab geplant worden war. Und er fand stets Wege, sich von den durch ihn finanzierten, autorisierten oder einfach nur geduldeten Terroranschlägen nach außen hin distanziert zu geben.

Jassir Arafats Vermächtnis kann man in neun Buchstaben zusammenfassen: Terrorist.

Bild: Public-Domain-Bilder von Jassir Arafat und Emanuel Gottlieb Leutzes Gemälde “Washington überquert den Delaware” via Wikimedia Commons, vermischt durch HonestReporting

Terror erkennen — Wenn die Tatverdächtigen Juden sind

4. August 2015

Pesach Benson, HonestReporting, 3. August 2015

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Die großen Medien beäugen Israels Maßnahmen im Kampf gegen jüdischen Extremismus und die Anstrengungen, die für den Brandbombenanschlag auf die Wohnung der Familie Dawabsha verantwortlichen Terroristen zu finden. Der 18 Monate alte Ali Dawabsha kam in den Flammen um; seine Eltern und sein vierjähriger Bruder kämpfen um ihr Leben.

Bei einem anderen Vorfall einen Tag zuvor wurde auf sechs Menschen eingestochen, die in Jerusalems LGBTI-Parade mitmarschierten. Eines der Opfer, Shira Banks, erlag gestern ihren Wunden. Dramatische Fotos zeigen den Israeli Yishai Shlissel, wie er mit dem Messer gegen eine Menschenmenge stößt, bevor er von der Polizei überwältigt wird.

Bei dem Brandanschlag gibt es noch keine Verdächtigen, aber die zeitliche Abfolge der beiden Vorfälle hat eine innerisraelische Selbstprüfung ausgelöst. Ein Teil der Debatten in Israel dreht sich um den Gebrauch des Wortes “Terror”. Wie David Graham in den Seiten des Atlantic erklärt, gibt es rechtliche und finanzielle Verästelungen, wenn ein Angriff als “Terror” bezeichnet wird.

Leider scheuten sich die Mainstreammedien, Wörter wie Terror oder Terroristen zu benutzen, wenn es um palästinensische Selbstmordattentate, Schüsse aus vorbeifahrenden Fahrzeugen, Messermorde, Brandanschläge usw. ging und Israelis die Opfer waren. Der Umgang mit dem T-Wort wurde nach dem Anschlag auf das World Trade Center von Stephen Jukes, damals der Weltnachrichten-Redakteur von Reuters, in einem internen Memo zusammengefasst.

Wir alle wissen, der Terrorist des einen ist der Freiheitskämpfer des anderen, und Reuters hält sich an das Prinzip, dass wir das Wort Terrorist nicht gebrauchen.

Daher haben Zeitungen Wörter wie “Militante” oder “Aktivisten” benutzt. Oder in seltenen Fällen, wo Terror in der Schlagzeile genannt wird, steht das Wort in Anführungszeichen — als wollten die Autoren klarstellen, dass sie bei diesem Wort die Nase rümpfen oder dem Anschlag eine gewisse Skepsis entgegenbringen.

HonestReporting hat sich jahrelang dafür eingesetzt, dass die Mainstreammedien den Terror beim Namen nennen.

Die meisten westlichen Zeitungen haben für die Dawabsha-Brandbombenattacke nicht das Wort Terror benutzt.

Einerseits ist es moralisch falsch, den Angriff auf das Heim der Dawabshas nicht als Terror zu bezeichnen. Andererseits jedoch blieb der behutsame Umgang der Journalisten mit dem Wort durchgehend konsistent. Nehmen wir zum Beispiel die folgende Schlagzeile der Washington Post, die das Wort Terror in Anführungszeichen setzt:

Israelische Führer beabsichtigen harsche neue Maßnahmen im Kampf gegen 'jüdischen Terrorismus'

Israelische Führer beabsichtigen harsche neue Maßnahmen im Kampf gegen ‘jüdischen Terrorismus’

Interessanterweise war nicht nur das T-Wort in Anführungszeichen, sondern “jüdischer Terrorismus”. Vielleicht ist die Post noch nicht bereit anzunehmen, dass die Täter Juden waren?

Ganz anders der Guardian, der endlich entdeckt hat, dass Terror auch ohne Anführungszeichen existieren kann.

Aber irgendwo muss ich den Herausgebern des Blattes auch zu ihrem Mut gratulieren.

Israel wird jüdische Terrorverdächtige ohne Gerichtsverhandlung festnehmen

Israel wird jüdische Terrorverdächtige ohne Gerichtsverhandlung festnehmen

Dieser Mut ist erwähnenswert, da er die Richtlinien des Guardian bezüglich des Wortes Terror zu verletzten scheint. Diese Richtlinien klingen ganz ähnlich wie die von Jukes:

Trotzdem müssen wir mit diesem Begriff sehr vorsichtig sein: Er ist noch immer ein subjektives Urteil — der Terrorist des einen mag der Freiheitskämpfer des anderen sein, und es gibt ehemalige “Terroristen”, die in vielen Teilen der Welt nun in Amt und Würden stehen.

Ich möchte glauben, dass ein neues Zeitalter für das Blatt angebrochen ist. Aber ich würde nicht darauf wetten.

Mir fallen keine palästinensischen Terroranschläge auf, die der Guardian je als Terror bezeichnet hätte. Ali Dawabsha war ein Opfer von Terror, aber ich würde gerne sehen, wie das Blatt erklärt, warum Israelis wie Danny Gonen keine Opfer von Terror sind — um nur ein einziges Beispiel zu nennen.

Der Guardian wird palästinensische Gewalttaten ebensowenig “Terror” nennen, wie ich die Leute, die für Ali Dawabshas Tod verantwortlich sind, “Freiheitskämpfer” nennen würde.

Bild: CC BY southtyrolean/flickr und flickr/Ryan Brunsvold mit Modifikationen von HonestReporting

Wenn anonyme Quellen aus Washington Israel mit Dreck bewerfen

28. Juli 2015

Pesach Benson, HonestReporting, 23. Juli 2015

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Ob man sie nun mag oder nicht, die Nachrichtenindustrie braucht anonyme Quellen. Manchmal kann man Informationen von nirgendwo sonst herbekommen.

Das verstehe ich.

Aber ein Journalist muss anonyme Quellen nur vorsichtig verwenden. Sie machen Nachrichten weniger transparent — die Leser müssen dem Reporter weit stärker vertrauen, dass die Quelle glaubwürdig ist, dass er weiß, wovon er spricht, und dass er das Blatt nicht für seine eigene Agenda benutzt. Deshalb haben die meisten Nachrichtendienste Richtlinien hinsichtlich Anonymität. Zwei davon möchte ich hier anführen:

  1. Berichte müssen wenigstens eine namentlich genannte Quelle haben. Keine Story sollte sich gänzlich auf anonyme Quellen verlassen.
  2. Während es zulässig ist, eine anonyme Quelle mit Informationen zu zitieren, muss man vorsichtig sein, wenn sie eine Meinung oder eine Interpretation bietet. Es ist unethisch, einer Quelle zu erlauben, jemanden aus der Deckung der Anonymität heraus zu attackieren.

Und das bringt uns zu den “hohen Regierungsbeamten in Washington”, die eine Quelle für Haaretz waren.

Hohe Regierungsbeamte in Washington sagten am Mittwoch, sie seien zu dem Schluss gelangt, Premierminister Benjamin Netanyahu sei an keinerlei Atomabkommen mit dem Iran interessiert — außer an einem, in dem Teheran vollständig kapituliert, aber im Gegenzug keinerlei Sanktionserleichterungen bekommt.

“Das ist die Logik in Israels Kritik”, sagten sie bei einer Unterredung mit Haaretz . . .

Die Beamten zeigten sich konsterniert und enttäuscht über die Tatsache, dass Netanyahu und andere israelische Irangegner dem Wiener Übereinkommen nichts Gutes abgewinnen konnten — obgleich viele israelische Standpunkte in das finale Dokument eingeflossen sind. Die Beamten merkten an, das Übereinkommen erfülle auch die “roten Linien”, die Netanyahu im Lauf der letzten Jahre gezeichnet hatte — “und noch einiges mehr.”

Unter solchen Umständen sei es “schwierig, vernünftige Diskussionen” mit Israel zu führen, ergänzten sie.

HaaretzFür sich alleingenommen hätte diese Unterredung nicht in dieser Form veröffentlicht werden sollen. Die Sorgfaltspflicht auf Seiten von Haaretz hätte bedeutet, irgend jemanden in Washington ausfindig zu machen, der zu einem namentlichen Zitat bereit gewesen wäre, und Jerusalem hätte ein Antwortrecht bekommen müssen. Da all dies fehlt, hätte diese Unterredung einfach als Hintergrundinfo für die Haaretz-Belegschaft abgelegt werden müssen.

Die Sorgfaltspflicht auf Seiten von Haaretz hätte auch bedeutet, jene anonymen Beamten zu hinterfragen. Israel will keinen Krieg. Weder wünschen noch erwarten die Israelis Irans völlige Kapitulation. Und trotz der “Bester Deal, den wir herausschlagen konnten”-Rhetorik gab es eine Alternative. Hier kann man nachlesen, wie ein guter Iran-Deal ausgesehen hätte.

Unsere “hohen Regierungsbeamten in Washington”, die israelische Bedenken diskreditieren wollen, während sie sich für den Iran-Deal einsetzen, haben mit Haaretz eine gute Wahl getroffen. Jüngste Haaretz-Editorials nannten den Deal “eine unglaubliche diplomatische Leistung“, während Premierminister Netanyajus Einwände als “Hysterie” zurückgewiesen wurden.

Dies ist weit entfernt vom israelischen Mainstream. Öffentliche Umfragen unter Israelis ergaben, dass 71% glauben, das Übereinkommen rücke den Iran näher an die Atombombe, 51% würden Obama übergehen, um das Übereinkommen zu brechen, und 47% würden einen unabhängigen israelischen Militäreinsatz gegen den Iran befürworten.

Wenn man es also mit einer anonymen Quelle zu tun hat, sollte man sich sechs Fragen stellen:

  1. Wer ist die Quelle?
  2. Befindet sich die Quelle wirklich in einer Position, dass sie weiß, was sie behauptet? Hat der Reporter genügend Hintergrundinformationen über die Quelle bereitgestellt, damit wir uns ein eigenes Urteil bilden können?
  3. Warum kann die Quelle nicht namentlich für die Story genannt werden? Gibt es eine plausible Erklärung für die Leser?
  4. Was sind die möglichen Motive der Quelle, dass sie mit dem Reporter spricht?
  5. Erfindet die Quelle etwas?
  6. Hätte man die Informationen auch auch von nichtanonymen Quellen bekommen können?

Wollen die Vereinigten Staaten die öffentliche Meinung Israels für sich gewinnen, werden sie den Israelis mit “vernünftigen Debatten” kommen müssen und sich der Tatsache stellen müssen, dass die Israelis jenseits der Haaretz-Seifenblase nichts Gutes über das Übereinkommen zu sagen haben. Anonymes Dreckwerfen in einer außer Tritt geratenen Zeitung wird das nicht schaffen.

Bild: CC BY flickr/Zaheer Mohiuddin mit Modifikationen von HonestReporting; Zeitungen CC BY Wikimedia Commons/Hmbr

CNN: Jerusalems Altstadt “kurz vor der Vernichtung”

11. Juli 2015

Simon Plosker, HonestReporting, 5. Juli 2015

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Besuchen Sie sie jetzt, bevor es zu spät ist: Bedroht durch Vernachlässigung, den Elementen, neuen architektonischen Trends oder rücksichtslosen Stadtplanern, kämpfen diese herausragenden Gebäude alle einen schweren Kampf ums Überleben.

So drückt sich CNN bei seiner Foto-Slideshow mit “25 großartige Gebäude kurz vor der Vernichtung” aus. Worum könnte es sich da handeln? Um unbezahlbare antike Gebäude etwa, die in Syrien von ISIS-Fanatikern zerstört werden, z. B. bei der Zerstörung von Artefakten in Palmyra?

Nein.

Das hier ist das erste Foto, das Leser auf CNNs Website begrüßt:

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Gemäß CNN ist die Altstadt Jerusalems “kurz vor der Vernichtung”. Dass die Altstadt auf der UNESCO-Liste des gefährdeten Erbes der Welt steht, ist keine Entschuldigung für ihren Miteinschluss in die CNN-Slideshow. Wie bei vielen UN-Körperschaften kann dieser Status antiisraelischer Politik zugeschrieben werden und nicht der Wirklichkeit.

CNN hatte keinen Grund, sich diesem haarsträubenden Nonsens anzuschließen, insbesondere weil die Altstadt die vielleicht am besten geschützte Welterbe-Stätte im Nahen Osten ist. Alle religiösen Stätten werden von Gesetz und Religionsfreiheit geschützt. Selbst die umstrittenste von ihnen, der Tempelberg, steht unter der Kontrolle der muslimischen Waqf im Rahmen einer Vereinbarung, den Status quo zu wahren.

Tatsächlich besteht die größte Bedrohung des Welterbes der Altstadt in den Palästinensern selbst, die unbeaufsichtigte Ausgrabungen auf dem Tempelberg vorgenommen haben und dabei viele unbezahlbare Antiquitäten zerstörten.

Auf jeden Fall ist es niemandes “letzte Chance”, Jerusalems Altstadt zu sehen, und sie ist ganz gewiss nicht “kurz vor der Vernichtung”, und es steht CNN schlichtweg nicht zu, solches zu behaupten.

Bild: aus dem Film World War Z, © 2013 Paramount Pictures, ein fiktives Werk, das die Zerstörung von Jerusalems Altstadt beinhaltet – nicht weniger fiktiv wie CNNs Behauptungen.

Drusen in den Nachrichten

25. Juni 2015

Pesach Benson, HonestReporting, 23. Juni 2015

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Als ich die Frage im Betreff beantwortet hatte, fiel mir auf, dass diese E-Mail eine gute Gelegenheit darstellte, das Thema Juden und Drusen in den Nachrichten näher zu beleuchten.

Von: …@gmail.com
Datum: Samstag, 20. Juni 2015
Betreff: Stimmt dieses “Die meisten lehnten sie ab”?

Israel nahm die Golanhöhen im Nahostkrieg von 1967 von Syrien ein und annektierte sie, was international nicht anerkannt wurde. Die dortigen Drusen, etwa 20.000 an der Zahl, erhielten die Option auf Staatsbürgerschaft. Die meisten lehnten sie ab.

http://mobile.reuters.com/article/worldNews/idUSKBN0OZ0VP20150619?irpc=932

Soweit ich weiß, lehnten viele der Drusen auf dem Golan (womöglich sogar die meisten) Israels Angebot der Staatsbürgerschaft nach dem Sechstagekrieg ab, weil sie glaubten, Syrien würde sich die Golanhöhen irgendwann wieder zurückholen. Und dann würde jeder Druse mit israelischer Staatsbürgerschaft als Verräter betrachtet werden und sich in großer Gefahr befinden.

Mit der Zeit fühlten sich die Drusen auf dem Golan sicherer und begannen (zumindest die jüngere Generation) nach und nach mit der Bewerbung um Staatsbürgerschaft und erhielten Sozialhilfe, dienten in der Armee und bekleideten öffentliche Ämter. Aber denkt daran: Bevor der Bürgerkrieg in Syrien ausbrach, war es für Golan-Drusen normal, an syrischen Schulen zu lernen, syrische Drusinnen zu heiraten und sie zum Golan zu holen, um sich dort häuslich niederzulassen.

Auch in Galiläa und beim Berg Carmel gibt es drusische Ansiedlungen. Sie setzten sich im israelischen Unabhängigkeitskrieg für die Juden ein, wurden bei der Staatsgründung zu Staatsbürgern, und das sind die drusischen Persönlichkeiten, von denen man in politischen, militärischen und öffentlichen Sphären hört.

Ich sage das, weil viele (und bis vor kurzem auch ich) dazu neigen, die drusischen Gemeinschaften über einen Kamm zu scheren. Sie sind alle Drusen, aber sie haben unterschiedliche Hintergrundgeschichten. Die einen kamen durch eigene Entscheidung in den Einflussbereich Israels, die anderen umständehalber.

Reuters liegt also nicht falsch, aber ich kann nachvollziehen, warum der Mailschreiber glaubte, dass Reuters sich irrt.

Bild: “Karte der drusischen Gemeinschaften” CC BY-SA HonestReporting.com

Der tote Palästinenser der New York Times

18. Juni 2015

Pesach Benson, HonestReporting, 11. Juni 2015

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Journalisten neigen dazu, übermittelte Nachrichtentexte als “Pulp” zu sehen. Entweder editiert man das Material auf die Länge, die man braucht, oder man kopiert Teile davon in eigene Texte (natürlich mit entsprechender Quellennennung).

Lokale Blätter nutzen die Berichte anders, also schnipseln sich die Journalisten die Schlagzeilen so zurecht, dass sie in den zur Verfügung stehenden Raum ihrer Druckausgaben passen. Online sind Raumbeschränkungen jedoch völlig anders.

Und das bringt mich zur New York Times.

Während des IDF-Einsatzes in Jenin töteten Soldaten einen Palästinenser, der ein IED (improvisierter explosiver Apparat) in der Hand hielt. Die New York Times veröffentlichte eine beschnittene Version eines längeren Reuters-Berichts. Weder habe ich ein Problem mit dem Reuters-Text noch mit der Art und Weise, in der die Times ihn zu einem knappen, 98 Wörter langen Absatz zusammenschnitt.

Aber die Schlagzeile der Times lässt mich am Kopf kratzen.

Hier die ursprüngliche Reuters-Schlagzeile:

Israelische Truppen auf Westjordanland-Streifzug töten Hamas-Mann - es heißt, er habe eine Bombe gehabt

Israelische Truppen auf Westjordanland-Einsatz töten Hamas-Mann – es heißt, er habe eine Bombe gehabt

Vergleichen Sie das mit der Schlagzeile der Times:

Westjordanland: Palästinenser getötet

Westjordanland: Palästinenser getötet

Wenn Sie wie die meisten nur die Schlagzeilen überfliegen, ohne die ganzen Artikel zu lesen, kämen Sie auf den Gedanken, Israel sei ein Monster.

Ich hoffe, die noch knapperen Schlagzeilen der Times für Apple Watches sind differenzierter als das.

CNNs Journalismus geht vor die Hunde

20. Mai 2015

Simon Plosker, HonestReporting, 18. Mai 2015

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Was ist nur mit CNN los? Hier ein aktueller Bericht:

Die offizielle palästinensische Nachrichtenagentur berichtet, israelische Siedler hätten rund 800 in palästinensischem Besitz befindliche Olivenbäume in der Nähe der Stadt Shuyukh östlich von Hebron gefällt und in Besitz genommen.

Der Bericht von WAFA, der palästinensischen Nachrichten- und Informationsagentur, zitierte eine nicht namentlich benannte “Quelle vor Ort”. Israel hat sich noch nicht zu dem Bericht geäußert.

Die Quelle, die von WAFA als “ein Aktivist vor Ort” bezeichnet wird, teilte der Agentur mit, Bewohner der israelischen Siedlungen Bani Kadim und Asfar seien in einen Olivenhain in der Nähe der Stadt eingebrochen und hätten die Bäume, die den Menschen im Gebiet gehörten, gefällt.

Es ist eine Sache, wenn ein Mainstreammedium anonyme Quellen und unverifizierbare “Augenzeugen” zitiert, was wir in der Berichterstattung über den israelisch-palästinensischen Konflikt nur allzu oft sehen. Es ist aber noch schlimmer, wenn sich eine Nachrichtenorganisation wie CNN auf unverifizierte Berichte einer palästinensischen Nachrichtenagentur wie WAFA verlässt.

Wie Elder of Ziyon korrekt feststellt:

Ok, woran können wir erkennen, dass es sich hier um Müll handelt? Indem wir uns die Formulierung bei Wafa ansehen. Dort steht: “Israelische Siedler fällten laut einer lokalen Quelle rund 800 in palästinensischem Besitz befindliche Olivenbäume nahe der Stadt Shuyukh östlich von Hebron und nahmen diese in Besitz.”

Was bedeutet “gefällt und in Besitz genommen”? 400 gefällt und 400 in Besitz genommen? Oder fällten sie 800 Olivenbäume, verfrachteten sie auf einen Lkw-Konvoi und karrten sie davon?

Es dauert lange, einen ausgewachsenen Olivenbaum zu fällen. Frische Setzlinge, die oft von Palästinensern gepflanzt werden, um öffentliches Land zu stehlen, sind relativ leicht auszureißen, aber hier steht “gefällt und in Besitz genommen”.

Keine Fotos. Keine Videos. Keine namentlichen Quellen. Keine Untermauerung. WAFA schreibt eine Story zusammen, die keinerlei normalem journalistischem Standard entspricht – und CNN plappert es ungeprüft nach unter dem Deckmantel, sie würden ja nur berichten, was antiisraelische arabische Medien sagen.

Und als wäre das nicht schon genug, geht es im CNN-Bericht folgendermaßen weiter:

Auch Vorfall an Aqsa-Moschee berichtet
Ebenfalls am Sonntag betraten über 175 jüdische Rechtsextremisten das Gelände der Aqsa-Moschee in Jerusalem, eskortiert von israelischen Polizisten und Sicherheitsleuten, wie Quellen innerhalb der Moschee berichteten. Die Quellen können aus Sicherheitsgründen nicht benannt werden.

Also wo ist der “Vorfall”, von dem CNN spricht? Angesichts dessen, dass Juden und Touristen den Tempelberg zu bestimmten Zeiten betreten dürfen, ist das dann wirklich ein “Vorfall”? Und wer sind diese unbenannten “Quellen innerhalb der Moschee”?

175 Menschen ist eine weit größere Gruppe, als sie normalerweise auf dem Tempelberg erlaubt würde, und es gibt keine anderen Medienberichte in der ausländischen oder israelischen Presse über irgendwelche ungewöhnlichen Vorgänge auf dem Tempelberg am Sonntag. Ist dem CNN-Reporter klar, dass die Palästinenser jeden Juden, der den Tempelberg besucht, einen “Extremisten” nennen? War es eine Gruppe aus 175 Menschen, oder war das nur die Gesamtzahl aller Besucher, die das Gelände am Sonntag betreten haben?

Das wissen wir nicht. CNN lieferte hier miserablen Journalismus. Leider beschränkt sich der verursachte Schaden nicht auf CNN und hat sich zu anderen Nachrichtenportalen verbreitet, die den Inhalt aufgrund ihres klar fehlinvestierten Vertrauens in CNN reproduziert haben.

Update: Wie antwortete der Journalist Don Melvin auf Twitter, nachdem er mit seiner schlampigen Berichterstattung konfrontiert wurde? Hier klicken.

Bild: CC BY-NC Mitchell Joyce via flickr


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