Archive for the ‘Israel’ category

CNNs Akkuratesse-Blockade

4. Juli 2015

Yarden Frankl, HonestReporting, 1. Juli 2015

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Ein CNN-Videobericht über den kürzlichen Versuch, die Gaza-Seeblockade zu umgehen, enthält eine erschreckende Unwahrheit. Gegen Ende des Berichts sagt die Korrespondentin Paula Hancocks:

Eine UN-Untersuchungsmission zog 2011 den Schluss, die Blockade sei unrechtmäßig, aber Israel verteidigt sein Recht, seine Grenzen zu schützen.

Dies ist falsch. Der von der UN 2011 in Auftrag gegebene Palmer-Bericht fand heraus, dass die israelische Blockade internationalem Recht entspricht. Hier ein Auszug aus dem Bericht:

Das Grundprinzip der Freiheit der Schiffahrt auf hoher See ist im internationalen Recht nur bestimmten begrenzten Ausnahmen unterworfen. Israel sieht sich einer echten Bedrohung seiner Sicherheit durch militante Gruppen in Gaza ausgesetzt. Die Seeblockade wurde als legitime Sicherheitsmaßnahme verhängt, damit keine Waffen übers Meer nach Gaza gelangen, und ihre Implementierung entsprach den Erfordernissen des internationalen Rechts.

Die Rechtmäßigkeit der Blockade ist für Zuschauer ein Schlüsselpunkt, damit sie die gegenwärtige Situation verstehen, und dieser Fehler muss sofort korrigiert werden. Eugene Kontorowitsch, Professor für internationales Recht, schreibt in der Washington Post (und im Commentary), dass es nicht nur die Palmer-Kommission 2011 gewesen ist, die die Rechtmäßigkeit der Blockade bezeugte. Der relative Mangel an gegen die Blockade gerichtete Kritik deutet darauf hin, dass eingeräumt wird, ja, Israel kann Schiffe stoppen und durchsuchen, die auf dem Weg ins Hamas-regierte Gaza sind.

Natürlich gibt es noch eine weitere Situation, in welcher nichtfeindliche Schiffe auf hoher See gestoppt werden können – nämlich Schiffe, welche die Blockade zu durchbrechen versuchen… Anbetrachts dessen, dass Israels bewaffnete Aktionen von der internationalen Gemeinschaft gewiss keine Billigung der Rechtmäßigkeit genießen, kommt dieses Schweigen praktisch einer Anerkenntnis der Rechtmäßigkeit der Blockade gleich.

CNN muss klarstellen, dass Israels Position rechtmäßig ist.​

Die New York Times redet den UN-Menschenrechtsrat schön

3. Juli 2015

Yarden Frankl, HonestReporting, 28. Juni 2015

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Eine der Kritiken gegen den kürzlichen UNHRC-Bericht über den Gaza-Konflikt letzten Sommer ist, dass der UNHRC eine bewiesenermaßen voreingenommene und einseitige Bilanz gegen Israel aufweist. Die New York Times sagt:

Premierminister Benjamin Netanyahu nannte das Schriftstück “mängelbehaftet und einseitig” und sagte, der Menschenrechtsrat habe eine “einzigartige Besessenheit mit Israel”.

Aber dann fügt die Times folgende Anmerkung hinzu, um die Aussage des Premierministers zu unterminieren:

(In Wirklichkeit stehen dort auch Eritrea, Sri Lanka, Syrien und andere Länder auf der Agenda.)

Und das ist alles, was die New York Times ihren Lesern über Israel und den UNHRC verrät.

Hier ein Aspekt, den die New York Times als nicht wichtig erachtete, um ihn ihren Lesern gegenüber zu erwähnen (von UN Watch):

Genf, 25. Juni 2015 — In den neun Jahren seiner Existenz hat der UN-Menschenrechtsrat Israel öfter verurteilt als den gesamten Rest der Welt zusammengenommen…

Die Resolution in Folge des jüngsten Gaza-Berichts… wird ausschließlich Israel verurteilen und die 62. Resolution gegen Israel darstellen, seit der neue und verbesserte Rat im Jahr 2006 ins Leben gerufen wurde – und die Anzahl aller anderen verurteilenden UNHRC-Resolutionen für den Rest der Welt beträgt 55…

Und was ist mit den Ländern, die von der Times erwähnt wurden, um die “Ausgeglichenheit” der UN nachzuweisen?

Hier die Zahl der UNHRC-Verurteilungen gegen jene Länder:

Eritrea: 3
Sri Lanka: 3
Syrien: 15
Israel: 61

Die New York Times könnte sagen, dass sie sich nur auf die Länder bezogen hätte, die auf der UNHRC-Agenda diskutiert werden. In diesem Fall hätte sie vielleicht sagen sollen, dass Israel das einzige Land der Welt ist, das einen permanenten Punkt auf der Agenda darstellt. Jede UNHRC-Sitzung diskutiert über Israel. Jede. Kein anderes Land der Welt hat diese “Ehre”. Weder Eritrea noch Sri Lanka noch Syrien erfahren eine solche Behandlung.

Wie sieht es bei den “Dringlichkeitssitzungen” des UNHRC über spezifische Länder aus? Diese Information wäre für die Times-Leser bedeutsamer gewesen als dieser kurze Kommentar:

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Mehr als 200.000 Menschen wurden in Syrien getötet, aber der UNHRC hielt nur 4 Dringlichkeitssitzungen über Syrien ab, verglichen mit den 7 Sitzungen über Israel. Diese Fakten beweisen, dass der israelische Premierminister recht hat, wenn er sagt, der UNHRC sei von Israel “besessen”.

Drusen in den Nachrichten

25. Juni 2015

Pesach Benson, HonestReporting, 23. Juni 2015

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Als ich die Frage im Betreff beantwortet hatte, fiel mir auf, dass diese E-Mail eine gute Gelegenheit darstellte, das Thema Juden und Drusen in den Nachrichten näher zu beleuchten.

Von: …@gmail.com
Datum: Samstag, 20. Juni 2015
Betreff: Stimmt dieses “Die meisten lehnten sie ab”?

Israel nahm die Golanhöhen im Nahostkrieg von 1967 von Syrien ein und annektierte sie, was international nicht anerkannt wurde. Die dortigen Drusen, etwa 20.000 an der Zahl, erhielten die Option auf Staatsbürgerschaft. Die meisten lehnten sie ab.

http://mobile.reuters.com/article/worldNews/idUSKBN0OZ0VP20150619?irpc=932

Soweit ich weiß, lehnten viele der Drusen auf dem Golan (womöglich sogar die meisten) Israels Angebot der Staatsbürgerschaft nach dem Sechstagekrieg ab, weil sie glaubten, Syrien würde sich die Golanhöhen irgendwann wieder zurückholen. Und dann würde jeder Druse mit israelischer Staatsbürgerschaft als Verräter betrachtet werden und sich in großer Gefahr befinden.

Mit der Zeit fühlten sich die Drusen auf dem Golan sicherer und begannen (zumindest die jüngere Generation) nach und nach mit der Bewerbung um Staatsbürgerschaft und erhielten Sozialhilfe, dienten in der Armee und bekleideten öffentliche Ämter. Aber denkt daran: Bevor der Bürgerkrieg in Syrien ausbrach, war es für Golan-Drusen normal, an syrischen Schulen zu lernen, syrische Drusinnen zu heiraten und sie zum Golan zu holen, um sich dort häuslich niederzulassen.

Auch in Galiläa und beim Berg Carmel gibt es drusische Ansiedlungen. Sie setzten sich im israelischen Unabhängigkeitskrieg für die Juden ein, wurden bei der Staatsgründung zu Staatsbürgern, und das sind die drusischen Persönlichkeiten, von denen man in politischen, militärischen und öffentlichen Sphären hört.

Ich sage das, weil viele (und bis vor kurzem auch ich) dazu neigen, die drusischen Gemeinschaften über einen Kamm zu scheren. Sie sind alle Drusen, aber sie haben unterschiedliche Hintergrundgeschichten. Die einen kamen durch eigene Entscheidung in den Einflussbereich Israels, die anderen umständehalber.

Reuters liegt also nicht falsch, aber ich kann nachvollziehen, warum der Mailschreiber glaubte, dass Reuters sich irrt.

Bild: “Karte der drusischen Gemeinschaften” CC BY-SA HonestReporting.com

Schlechte Schlagzeile, noch schlechteres Bild

24. Juni 2015

Yarden Frankl, HonestReporting, 18. Juni 2015

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Es fällt schwer zu entscheiden, was irreführender ist: die Schlagzeile der AFP oder das Bild darunter.

Laut der israelischen Armee warf ein Palästinenser am 14. Juni im Dorf Kfar Malil eine mit brennendem Benzin gefüllte Flasche auf israelische Soldaten, die sich in einem Jeep befanden, wodurch der Fahrer die Kontrolle verlor und den Palästinenser mit seinem Jeep erfasste. Der Mann wurde getötet, und die Soldaten im Jeep wurden verletzt.

Die AFP entschied, die akkurateste Zusammenfassung des Vorfalls in einer Schlagzeile sei diese hier:

Israelische Armee tötet Palästinenser im Westjordanland: palästinensische Sicherheit

Israelische Armee tötet Palästinenser im Westjordanland: palästinensische Sicherheit

Was fehlt, ist jegliche Erwähnung der Tatsache, dass der Mann die Soldaten angegriffen hatte. Aus der Schlagzeile zieht man nur den Schluss, die Soldaten seien die Aggressoren gewesen.

Aber so schlecht die Schlagzeile auch ist, das Begleitbild der AFP zur Illustration der Story ist noch weit schlechter. Offenbar konnten sie keine Bilder eines Palästinensers finden, der einen Molotow-Cocktail wirft, also nahmen sie einfach ein Foto eines Palästinensers mit einer Schleuder. Das Bild zeigt einen anderen Mann, eine andere Waffe, wurde zu einem anderen Zeitpunkt und an einem anderen Ort aufgenommen als der berichtete Vorfall.

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Zusammengenommen malen Schlagzeile und Begleitbild eine unverhältnismäßige Reaktion der israelischen Armee.

Schlagzeilen und Bilder sind nicht einfach nur nebensächliche Anhängsel eines Artikels. Es sind wesentliche Komponenten, und in vielen Fällen sind es die einzigen Elemente eines Artikels, die ein Leser wahrnimmt. Zusammengenommen fallen Schlagzeile und Begleitbild weit mehr ins Gewicht als alles an Text, was daruntersteht.

Bild: Design von Freepik mit Modifikationen von HonestReporting

Der tote Palästinenser der New York Times

18. Juni 2015

Pesach Benson, HonestReporting, 11. Juni 2015

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Journalisten neigen dazu, übermittelte Nachrichtentexte als “Pulp” zu sehen. Entweder editiert man das Material auf die Länge, die man braucht, oder man kopiert Teile davon in eigene Texte (natürlich mit entsprechender Quellennennung).

Lokale Blätter nutzen die Berichte anders, also schnipseln sich die Journalisten die Schlagzeilen so zurecht, dass sie in den zur Verfügung stehenden Raum ihrer Druckausgaben passen. Online sind Raumbeschränkungen jedoch völlig anders.

Und das bringt mich zur New York Times.

Während des IDF-Einsatzes in Jenin töteten Soldaten einen Palästinenser, der ein IED (improvisierter explosiver Apparat) in der Hand hielt. Die New York Times veröffentlichte eine beschnittene Version eines längeren Reuters-Berichts. Weder habe ich ein Problem mit dem Reuters-Text noch mit der Art und Weise, in der die Times ihn zu einem knappen, 98 Wörter langen Absatz zusammenschnitt.

Aber die Schlagzeile der Times lässt mich am Kopf kratzen.

Hier die ursprüngliche Reuters-Schlagzeile:

Israelische Truppen auf Westjordanland-Streifzug töten Hamas-Mann - es heißt, er habe eine Bombe gehabt

Israelische Truppen auf Westjordanland-Einsatz töten Hamas-Mann – es heißt, er habe eine Bombe gehabt

Vergleichen Sie das mit der Schlagzeile der Times:

Westjordanland: Palästinenser getötet

Westjordanland: Palästinenser getötet

Wenn Sie wie die meisten nur die Schlagzeilen überfliegen, ohne die ganzen Artikel zu lesen, kämen Sie auf den Gedanken, Israel sei ein Monster.

Ich hoffe, die noch knapperen Schlagzeilen der Times für Apple Watches sind differenzierter als das.

Die Irish Times: eine Vielzahl von Verzerrungen und Lügen in drei Teilen

16. Juni 2015

Simon Plosker, HonestReporting, 9. Juni 2015

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Die Irish Times hat eine Serie von drei Artikeln veröffentlicht, die anscheinend eine palästinensische Perspektive bei aktuellen Themen einnehmen. Voreingenommene und einseitige Berichterstattung ist bei der Irish Times die Norm.

Im ersten Artikel mit dem Titel “Palästinenser müssen Politik zur Beendigung des ‘Apartheid-Regimes’ einsetzen” führt Journalistin Michael Jansen ein Interview mit dem “israelischen Friedensaktivisten Jeff Halper“, der auch als “langjähriger Kritiker der israelischen Polizei” beschrieben wird.

Jansen verschweigt, dass Halper alles andere als ein “Friedensaktivist” ist. Tatsächlich geht Halpers Israelkritik viel weiter als nur über die Kritik an seiner Polizei. Halper ist ein radikaler antiisraelischer Aktivist und der Direktor des Israeli Committee Against House Demolitions (ICAHD).

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NGO Monitor schreibt dazu:

– Die Rhetorik von ICAHD umfasst auch Anschuldigungen von “ethnischer Säuberung“, “Völkermord“, “Kollektivbestrafung” und “Apartheid“.
– Aktiver Unterstützer der BDS-Kampagne gegen Israel (BDS = Boykott, Deinvestition und Sanktionen)
Spricht sich ausdrücklich für ein Ende des Staates Israel als Heimatnation des jüdischen Volkes aus und sagt: “Die einzige Option zur Lösung des Konflikts ist eine Einstaatenlösung.”

Halper sagte der Irish Times:

“Die israelische Armee ist überall. Teams, die sich als Palästinenser ausgeben, gehen willkürlich in palästinensische Dörfer und Städte und nehmen Palästinenser fest und erschießen sie.

In Halpers Vorstellungswelt erschießen israelische Soldaten einfach Palästinenser. Wie Halper gut bekannt ist, hat die IDF strenge Verhaltensregeln, und das Eröffnen von Feuer auf Palästinenser, ob sie nun bewaffnet sind oder nicht, wird nicht auf die leichte Schulter genommen.

Es ist jedoch nicht das erste Mal, dass Michael Jansen Halper eine Plattform zur Stimmungsmache gegen Israel zur Verfügung gestellt hat.

Jansen setzt ihre Story mit dem Interview des PA-Außenministers Nabil Shaath fort, der sich für Boykott, Deinvestitionen und Sanktionen (BDS) gegen Israel ausspricht und die palästinensische Kampagne als “Anti-Apartheid-Kampf” beschreibt. Es ist nur allzu leicht, unverifizierte Zahlen zu verbreiten, z. B. Shaaths Behauptung, Israel habe über 92% des Wassers im Westjordanland an sich genommen.

In Wirklichkeit, wie StandWithUs klarstellt, nutzt Israel heute dieselben wasserführenden Bodenschichten wie vor 1967, als seine Verwaltung des Westjordanlands begann. Das Wasser in diesen Schichten fließt von Natur aus in Richtung Meer, nach Israel hinein. Israelische Siedlungen sind an Israels nationales Wassersystem angeschlossen und nutzen nicht das Wassersystem der Palästinenserbehörde. Der palästinensische Wasserverbrauch stieg zwischen 1967 und 2008 um über 300% an.

Trotz der Wasserknappheit stimmte Israel beim Oslo-Abkommen zu, Palästinensern im Westjordanland jährlich 31 Mio. Kubikmeter seines eigenen Wassers zur Verfügung zu stellen, um ihre Wasservorräte zu ergänzen. Tatsächlich hat Israel jedes Jahr immer mehr gegeben. 2008 gab Israel 40% mehr als vereinbart: 51,8 Mio. Kubikmeter.

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Michael Jansen

Das Wasserthema wird auch in Jansens zweitem Artikel “Israelische Expansion zwingt Palästinenser in die antike Stadt Jericho” angesprochen:

Die Siedler verbrauchen 6,6 mal mehr Wasser als die Palästinenser, die jedoch acht- bis neunmal mehr sind. “Palästinenser dürfen keine neuen artesischen Brunnen graben”, sagt der Distriktgouverneur von Jericho, Majed Fityani. “Sie dürfen nur die 200 Brunnen nutzen, die schon bei der jordanischen Herrschaft vor 1967 vorhanden waren. Heute funktionieren noch 67 davon, und ihr Salzgehalt ist hoch. Die Talbewohner pflanzen Palmen wegen dem Salz; Gemüse [vorher eine Haupteinnahmequelle] ist auf einem Minimum.”

Unter Bezug auf eine Studie des Begin-Sadat Center for Strategic Studies sagt David Weinberg:

[Professor Haim Girtzman] zeigt auf, dass die gegenwärtige Einteilung der natürlichen Süßwasservorräte zwischen Israel und den Palästinensern gerecht ist. Israels Bevölkerung zählt 7,2 Millionen Menschen, fünfmal so viel wie die palästinensische Bevölkerung des Westjordanlands, die 1,4 Millionen zählt. Anteilsmäßig kontrolliert Israel 1.200 Mio. m³ des verfügbaren natürlichen Süßwassers, und die PA kontrolliert 220 Mio. m³. Pro Kopf sind das ca. 160 m³ Wasser pro Jahr sowohl in Israel als auch bei der Palästinenserbehörde.”

Was den Wasserverbrauch von Siedlern betrifft, so schickt Israel weit mehr Wasser für die Palästinenser ins Westjordanland, als was die Siedlergemeinden nutzen.

Zudem zeigt die Studie, dass die Palästinenser widerrechtlich über 250 nicht genehmigte Brunnen gegraben und damit ihre eigenen (sowie Israels) Wasservorräte verschmutzt haben. Überdies weigern sie sich, Kläranlagen zu bauen oder die existierende Wasser-Infrastruktur richtig handzuhaben.

Hier können Sie mehr darüber lesen, wie die Palästinenser das Wasser zum Einschlagen auf Israel nutzen.

Aber es sind nicht nur Sprecher der Palästinenser, die die Wahrheit verdrehen. Michael Jansen selbst erfindet Folgendes:

Israels 700 km lange graue Westjordanland-Mauer schlängelt sich durchs Westjordanland nahe an Jerusalem auf dem Gipfel der Bergkette.

Da Israels Sicherheitsbarriere zu über 90% aus Maschendrahtzaun besteht, ist Jansens Beschreibung einer durchgehenden Mauer schlicht falsch. Und nicht nur das, sondern der geplante Verlauf der Barriere wurde noch immer nicht fertiggestellt.

Das ist nicht die einzige Lüge im Artikel, der hinsichtlich der palästinensischen Wohnhäuser auch Folgendes behauptet:

In Jericho verlangt Israel hohe Gebühren für Baugenehmigungen, die Jahre brauchen, bis sie überstellt werden, und für die auch Rechtsanwaltsgebühren anfallen, und nach Fertigstellung des Baus werden hohe Steuern erhoben.

Israel ist tatsächlich verantwortlich für die Erteilung von Baugenehmigungen in Area C des Westjordanlands, welches sich vollständig unter israelischer Sicherheits- und Verwaltungskontrolle befindet. Jericho jedoch ist in Area A, welches unter voller Verwaltungskontrolle der Palästinenserbehörde steht. Israel erteilt schlichtweg keine Baugenehmigungen für palästinensische Wohnungen oder andere Strukturen in großen palästinensischen Städten in Area A wie z. B. Jericho.

Und wie verteidigt Jansen diese schamlose Lüge?

Israels Gesamtkonzept für die Jahre 2010 bis 2020 zielt darauf ab, ein Verhältnis von 60% jüdischen zu 40% palästinensischen Einwohnern Jerusalems zu garantieren, das 1967 von Israel annektiert wurde. Das angesprochene Verhältnis wird über Deportationen nach Jericho, in andere Städte im Westjordanland sowie ins Ausland erreicht.

Das Gesamtkonzept 2010-2020 ist nichts Finsteres, wie Jansen behauptet. Es behandelt die Langzeitplanung für alle Einwohner Jerusalems, sowohl der jüdischen als auch der arabischen. Neben einer Vielzahl von Themen betreffs der städtischen Bauplanung behandelt es die illegale Errichtung von Gebäuden auf der Ostseite der Stadt sowie die Genehmigung des Baus Tausender Wohneinheiten für palästinensische Einwohner Jerusalems.

Zwar kann dies einige Umzüge innerhalb des Jerusalemer Stadtgebiets beinhalten, aber es gibt keine Pläne, Palästinenser aus verwaltungstechnischen Gründen in Städte im Westjordanland oder gar ins Ausland zu deportieren.

* * *

Luftbild von Rawabi, April 2015

Luftbild von Rawabi, April 2015

Michael Jansens dritter Artikel in ihrer Serie, “Palästinensische Hügel lebendig mit Baulärm” beginnt wie folgt:

So lange man sich zurückerinnern kann, ist Rawabi die erste neue Stadt, die von Palästinensern auf palästinensischem Boden errichtet wird. Zweifelnde Palästinenser, dem Projekt gegenüber abgeneigte Israelis sowie skeptische Beobachter sehen es alle als teure Anomalie auf der gequälten Landschaft des von Israel besetzten Westjordanlands.

Palästinenser nennen Rawabi einen 1 Milliarde Dollar teuren weißen Elefanten und einen Versuch, die israelische Besatzung zu “normalisieren”, da Israel für seine Schaffung und Errichtung die Erlaubnis geben musste und israelische Firmen die Rohmaterialien zur Verfügung stellten.

Rawabi ist vielleicht eine der positivsten Entwicklungen für die Palästinenser in den letzten Jahren. Trotzdem kriegt es Jansen ganz klar nicht in den Kopf, dass Palästinenser irgend etwas anderes sein können als die ewigen Opfer Israels. Daher strengt sie sich doppelt an, Rawabi niederzumachen, sogar bevor es überhaupt fertiggestellt ist. Die entstehende Stadt beschreibt sie als illegitimes und negatives Projekt.

Für Jansen ist jeder potentiell positive Punkt in der palästinensischen Gesellschaft ein Verlust des Narrativs palästinensischen Leides unter dem Joch Israels. Dieses Narrativ zieht sich wie ein roter Faden durch ihre dreiteilige Serie, ein Narrativ, das von BDS-Unterstützung, Antinormalisierung der israelisch-palästinensischen Beziehungen und schamlosen Verzerrungen und Lügen geprägt ist.

Bild: CC BY-SA Victor Grigas via Wikimedia Commons; CC BY Elisa via flickr; mit Modifikationen CC BY-SA von HonestReporting

Filmemacher: Islamischer Staat ist näher an Israel, als viele glauben

7. Juni 2015

Alex Margolin, HonestReporting, 3. Juni 2015

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Laut dem Journalisten und Dokumentationsfilmer Itai Anghel hat der Islamische Staat (IS) in nur vier Monaten Gebiete größer als Großbritannien eingenommen, ein in der Geschichte noch nie dagewesener Durchmarsch.

Und IS-Kämpfer sind näher an Israel, als viele glauben, so Anghel. “Ich rede über die Halbinsel Sinai”, sagte er. “Ein Großteil des Sinai nennt sich IS. Und Ägypten hat Angst, dort hineinzugehen.”

Anghel sprach am Dienstag vor der HonestReporting-Mission darüber, wie sich der IS formiert hat und wie er operiert. Er lernte diese Lektionen aus erster Hand, da er aus Syrien und dem Irak berichtete und gefangene IS-Kämpfer und kurdische Soldaten interviewte. Letztere sind die einzige Gruppe, welche bislang das Vorrücken der IS eindämmen konnte.

Während einem seiner Streifzüge durch Syrien letztes Jahr gab es plötzlich die Nachricht, einer seiner Kollegen, James Foley, sei vom IS gefangengenommen und enthauptet worden.
Zu der Zeit war Anghel nur ca. anderthalb Kilometer weg. Später interviewte er einen gefangenen IS-Kämpfer, der sagte, er habe absichtlich stumpfe Messer für die Enthauptungen benutzt, um den Schmerz zu vergrößern. Anghel sagte, er habe das Interview einige Minuten unterbrechen müssen, da er an die Tragödie seines Freundes Foley denken musste.

Anghel sagte, der IS habe jede Absicht, bis weit über Syrien hinaus vorzudringen – in den Libanon, nach Jordanien und Israel, auch als die Levante bekannt, um in der gesamten Region ein Kalifat zu errichten. Für Israel besteht die rote Linie laut Anghel im Fall Jordaniens vor dem IS. “Sobald Jordanien zum IS wird, wird es zu Israels Problem”, sagte er.

Gemäß Anghel kann der Aufstieg des IS auf die amerikanische Invasion des Irak und das Versagen der USA, eine funktionierende Armee als Ersatz für die US-Soldaten aufzustellen, zurückgeführt werden. Er merkte an, die Angehörigen der Baathisten-Streitkräfte Saddam Husseins seien aus der neuen Armee ausgeschlossen worden, und ihre Verärgerung – gemeinsam mit Rivalitäten zwischen den verblieben sunnitischen, schiitischen und kurdischen Streitkräften – habe zum Versagen der irakischen Armee beigetragen.

Er zeigte ein Bild der IS-Streitkräfte, wie sie eine große Zahl Araber in Zivilkleidung exekutierten. Er sagte, die Hingerichteten seien Angehörige der irakischen Armee gewesen, die zu entfliehen hofften, indem sie ihre Uniformen ablegten und sich unter die Ortsansässigen mischten.

“Als sie auf den IS trafen, rannten sie davon. Sie sagten, warum soll ich als Sunnit kämpfen, wenn alle davonrennen? Und das Unglück ist, dass sie nicht nur wegrennen, sondern dass sie all die hochentwickelten schweren Waffen zurücklassen, welche die USA ihnen gegeben hatte, damit sie die stärkste Macht in der Region darstellen. Alle diese Waffen fallen dem IS in die Hände. Und der IS ist ausgesprochen reich, da sein Eroberungsfeldzug mit voller Absicht in jener Region stattfand, in welcher es im Irak das meiste Öl gibt.”

Und was den Nahen Osten betrifft: Dieser befindet sich in einem irreversiblen Zustand der Veränderung. “Den Irak gibt es nicht mehr, Syrien gibt es nicht mehr. Niemand wird diese Territorien vollständig kontrollieren können, selbst wenn Assad durchhält”, so Anghel.

Itai Anghel ist einer der Sprecher der HonestReporting-Mission, die vom 2. bis 8. Juni in Israel stattfindet. Andere Sprecher sind z. B. Oberst i.R. Miri Eisin, die über die Herausforderungen spricht, denen Israel bald gegenüberstehen wird, dann der Jerusalem-Post-Reporter Lahav Harkov, der über die neue Knesset spricht, und Neil Lazarus, der Training für Aktivisten bietet. Zudem untersucht die Gruppe die Thematik der Beduinen im Negev und macht eine Reise durch den Gush-Etzion-Block.

Anghels Vortrag wurde in den Studios von i24 News in Tel Aviv gehalten. Die Gruppe machte eine Führung durch diesen topmodernen Sender, welcher auf Englisch, Französisch und Arabisch sendet und das öffentliche Bild von Israel in der Welt verändern will.


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