Archive for the ‘Israel’ category

Warum fürchtet die BDS-Bewegung das State Department?

29. Mai 2015

Alex Margolin, HonestReporting, 25. Mai 2015

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Die Antisemitismusdefinition des State Department bewegte sich diese Woche einen Schritt näher hin zu einer allgemeinen Übernahme, als die Präsidentin der University of California, Janet Napolitano, die Definition übernahm.

“Ich habe meine eigene persönliche Sicht, und diese lautet, dass wir sie übernehmen sollten”, sagte Napolitano zu Bostons Radiosendung “Hear and Now“. Über diese Angelegenheit wird laut Napolitano im Juli von der Universitätsleitung abgestimmt.

Da die Campusdebatte über Israel immer mehr in den Antisemitismus abrutscht, ganz besonders an einigen Schulen der University of California, ist eine Antisemitismusdefinition, die eine klare Grenze zwischen legitimer und illegitimer Kritik zieht, für alle Beteiligten wesentlich.

Die Definition des State Department umfasst auch einen Abschnitt namens “Was ist Antisemitismus hinsichtlich Israel?”, der darlegt, wann Kritik die Grenzen überschreitet.

Gemäß der Definition ist eine Aussage antisemitisch, wenn sie Israel dämonisiert, Israel einer Doppelmoral unterwirft, die auf keine andere demokratische Nation angewendet wird, oder Israel durch Verneinung seines Existenzrechts delegitimiert.

Natürlich haben BDS-Unterstützer – von denen viele Israels Existenzrecht verneinen – eine Offensive gegen die Übernahme der Definition gestartet.

In einem Brief an Napolitano, der von einer ganzen Schar BDS-unterstützender Akademiker unterzeichnet wurde, behauptet die BDS-unterstützende Vereinigung Jewish Voice for Peace (JVP), die Abschnitte über Israel in der Definition “könnten zum Ersticken jeder Kritik an Israels Politik herangezogen werden (und wurden dies bereits)”. Der Brief forderte vom State Department, “seine Antisemitismusdefinition zu revidieren, um seiner Verpflichtung den Widerstand gegen Hass und Diskriminierung betreffend nachzukommen, ohne jedoch die von der Verfassung geschützte Redefreiheit zu beschneiden.”

Es überrascht kaum, dass keiner der über 250 Israelkritiker, die den Brief unterzeichnet haben, Vorschläge für eine annehmbare Revision vorzubringen hatte. Es gab auch keinerlei Anerkenntnis der wachsenden Zahl antisemitischer Vorfälle auf den Campussen einschließlich Bedrohungen und Gewalthandlungen gegen Israelunterstützer.

In Wirklichkeit ist der JVP-Brief nichts anderes als ein Spiegelbild exakt derjenigen Sache, die er angeblich kritisiert. Der Brief behauptet, der Vorwurf des Antisemitismus sei zu allgemein und diene dem Ersticken jeglicher Israelkritik. Doch der Brief selbst sucht die Stimme jener zu ersticken, die gegen Antisemitismus (auch in Form der Dämonisierung und Delegitimierung Israels) kämpfen möchten.

Wäre JVP und den unterstützenden Akademikern wie z. B. Richard Falk und Neve Gordon der Kampf gegen Diskriminierung in allen ihren Formen (einschließlich Antisemitismus) wichtiger als der Kampf gegen Israels Legitimität, würden sie eine allgemeine Definition von Antisemitismus begrüßen und ihn verurteilen, sobald sie ihn wahrnehmen – also auch bei anderen BDS-Unterstützern. Das ist der einzige Weg, um den öffentlichen Diskurs über Israel zu klären.

So wie der Brief formuliert ist, fällt es schwer, ihn als etwas anderes zu sehen denn als Versuch, Reden gegen Israel zu “legitimieren”, die bei anderen Themen inakzeptabel wären.

Eine klare Definition von Antisemitismus, akzeptiert von allen Beteiligten, ist die beste Garantie, dass die Campusdebatte aus legitimer Israelkritik besteht, frei von Antisemitismus und von Vorwürfen des Antisemitismus. Bis eine Definition feststeht, besteht der Diskurs nurmehr aus Schuldzuweisungen und Gegenschuldzuweisungen, was zu wenig gegenseitigem Verständnis führt und wodurch Debatten über die wirklich wichtigen Dinge versäumt werden.

Legitime Kritik an Israels Politik ist kein Antisemitismus. Aber Israel einen Nazi-Staat zu nennen ist keine Kritik; es ist Dämonisierung, welche keine Veränderung herbeiführen soll, sondern Antipathie gegenüber Israel. Die Antisemitismusdefinition des State Department macht diesen Unterschied klar.

Zeit, dass auch die BDS diesen Unterschied begreift.

Hier der betreffende Abschnitt aus der Definition des State Department:

Was ist Antisemitismus hinsichtlich Israel?

BEISPIELE der Art und Weise, in welcher sich Antisemitismus hinsichtlich Israel unter Berücksichtigung des Gesamtkontext manifestiert, könnten z. B. sein:

ISRAEL DÄMONISIEREN:
– Benutzung der Bilder und Symbole, die mit klassischem Antisemitismus einhergehen und die Israel oder die Israelis charakterisieren sollen
– Vergleiche der aktuellen Politik Israels mit jener der Nazis
– die Beschuldigung, Israel trage Schule an allen interreligiösen bzw. politischen Spannungen

DOPPELMORAL BEI ISRAEL:
– die Anwendung von Doppelmoral, indem von Israel ein Verhalten erwartet wird, das von keiner anderen demokratischen Nation erwartet oder gefordert wird
– die Konzentration multilateraler Organisationen auf Israel bei ihren Friedens- oder Menschenrechts-Ermittlungen

DELEGITIMIERUNG ISRAELS:
– Verwehrung des Rechts auf Selbstbestimmung für das jüdische Volk und Verneinung des Existenzrechts Israels

Kritik an Israel, wenn sie ähnlich ist wie die Kritik, die gegen jedes andere Land hervorgebracht wird, kann jedoch nicht als antisemitisch betrachtet werden.​

Newsweek zerfetzt die Grüne Linie

22. Mai 2015

Simon Plosker, HonestReporting, 20. Mai 2015

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Update: Nach HonestReportings Korrespondenz mit Newsweek wurde dem Artikel folgende Korrektur beigefügt:

Korrektur: Dieser Artikel wurde vom 20. Mai korrigiert, um die Definition der Grünen Linie als Demarkationslinie zwischen israelischen und arabischen Streitkräften nach dem arabisch-israelischen Krieg von 1948 herauszustellen. Die Grüne Linie galt nicht als Grenzziehung eines palästinensischen Staates, wie ursprünglich berichtet.

Korrektur: Dieser Artikel wurde am 20. Mai korrigiert, um die Definition der Grünen Linie als Demarkationslinie zwischen israelischen und arabischen Streitkräften nach dem arabisch-israelischen Krieg von 1948 herauszustellen. Die Grüne Linie galt nicht als Grenzziehung eines palästinensischen Staates, wie ursprünglich berichtet.

* * *

Ein Newsweek-Artikel enthält folgenden Absatz:

Über 350.000 Israelis leben in Siedlungen im Westjordanland und weitere 200.000 in Ost-Jerusalem. Im Sinne der Vierten Genfer Konvention betrachtet es die internationale Gemeinschaft als illegal, wenn Israel auf palästinensisches Land übergreift und Siedlungen außerhalb der Grünen Linie baut, die 1949 zur Demarkation eines Palästinenserstaates gezeichnet wurde, nachdem der arabisch-israelischen Krieg von 1948 beendet war.

Über 350.000 Israelis leben in Siedlungen im Westjordanland und weitere 200.000 in Ost-Jerusalem. Im Sinne der Vierten Genfer Konvention betrachtet es die internationale Gemeinschaft als illegal, wenn Israel auf palästinensisches Land übergreift und Siedlungen außerhalb der Grünen Linie baut. Die Grüne Linie wurde 1949 zur Demarkation eines Palästinenserstaates gezogen, nachdem der arabisch-israelische Krieg von 1948 beendet war.

Die sogenannte Grüne Linie von 1949 demarkierte ganz gewiss keinen Palästinenserstaat. Die “Grüne Linie” sind die Grenzlinien zwischen israelischen und arabischen Streitkräften beim Ende des Unabhängigkeitskrieges von 1948. Diese Waffenstillstandslinien waren niemals als dauerhafte Grenzziehung gedacht. Zudem war das Westjordanland, auf das sich Newsweek bezieht, bis 1967 von Jordanien besetzt.

Der Text des Waffenstillstandsabkommens von 1949 besagt in Artikel V klar:

Die Waffenstillstands-Demarkationslinie ist in keinerlei Hinsicht als politische oder territoriale Grenze auszulegen und wird unbeschadet irgendwelcher Rechte, Ansprüche oder Positionen der Waffenstillstands-Vertragsparteien hinsichtlich der letztendlichen Beilegung der Palästinafrage gezogen.

Newsweeks gänzlich inakkurate Beschreibung der Grünen Linie stimmt mit der Ansicht derer überein, die irrtümlich behaupten, die Schaffung des Staates Israel sei auf Kosten eines vorher dagewesenen palästinensischen Staates geschehen. Niemals hat es einen unabhängigen palästinensischen Staat gegeben, und Newsweeks Beschreibung ist eine Verzerrung der Geschichte.

HonestReporting hat Newsweek eine Bitte um Korrektur geschickt.

Bild: CC BY-NC Darwin Bell via flickr

CNNs Journalismus geht vor die Hunde

20. Mai 2015

Simon Plosker, HonestReporting, 18. Mai 2015

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Was ist nur mit CNN los? Hier ein aktueller Bericht:

Die offizielle palästinensische Nachrichtenagentur berichtet, israelische Siedler hätten rund 800 in palästinensischem Besitz befindliche Olivenbäume in der Nähe der Stadt Shuyukh östlich von Hebron gefällt und in Besitz genommen.

Der Bericht von WAFA, der palästinensischen Nachrichten- und Informationsagentur, zitierte eine nicht namentlich benannte “Quelle vor Ort”. Israel hat sich noch nicht zu dem Bericht geäußert.

Die Quelle, die von WAFA als “ein Aktivist vor Ort” bezeichnet wird, teilte der Agentur mit, Bewohner der israelischen Siedlungen Bani Kadim und Asfar seien in einen Olivenhain in der Nähe der Stadt eingebrochen und hätten die Bäume, die den Menschen im Gebiet gehörten, gefällt.

Es ist eine Sache, wenn ein Mainstreammedium anonyme Quellen und unverifizierbare “Augenzeugen” zitiert, was wir in der Berichterstattung über den israelisch-palästinensischen Konflikt nur allzu oft sehen. Es ist aber noch schlimmer, wenn sich eine Nachrichtenorganisation wie CNN auf unverifizierte Berichte einer palästinensischen Nachrichtenagentur wie WAFA verlässt.

Wie Elder of Ziyon korrekt feststellt:

Ok, woran können wir erkennen, dass es sich hier um Müll handelt? Indem wir uns die Formulierung bei Wafa ansehen. Dort steht: “Israelische Siedler fällten laut einer lokalen Quelle rund 800 in palästinensischem Besitz befindliche Olivenbäume nahe der Stadt Shuyukh östlich von Hebron und nahmen diese in Besitz.”

Was bedeutet “gefällt und in Besitz genommen”? 400 gefällt und 400 in Besitz genommen? Oder fällten sie 800 Olivenbäume, verfrachteten sie auf einen Lkw-Konvoi und karrten sie davon?

Es dauert lange, einen ausgewachsenen Olivenbaum zu fällen. Frische Setzlinge, die oft von Palästinensern gepflanzt werden, um öffentliches Land zu stehlen, sind relativ leicht auszureißen, aber hier steht “gefällt und in Besitz genommen”.

Keine Fotos. Keine Videos. Keine namentlichen Quellen. Keine Untermauerung. WAFA schreibt eine Story zusammen, die keinerlei normalem journalistischem Standard entspricht – und CNN plappert es ungeprüft nach unter dem Deckmantel, sie würden ja nur berichten, was antiisraelische arabische Medien sagen.

Und als wäre das nicht schon genug, geht es im CNN-Bericht folgendermaßen weiter:

Auch Vorfall an Aqsa-Moschee berichtet
Ebenfalls am Sonntag betraten über 175 jüdische Rechtsextremisten das Gelände der Aqsa-Moschee in Jerusalem, eskortiert von israelischen Polizisten und Sicherheitsleuten, wie Quellen innerhalb der Moschee berichteten. Die Quellen können aus Sicherheitsgründen nicht benannt werden.

Also wo ist der “Vorfall”, von dem CNN spricht? Angesichts dessen, dass Juden und Touristen den Tempelberg zu bestimmten Zeiten betreten dürfen, ist das dann wirklich ein “Vorfall”? Und wer sind diese unbenannten “Quellen innerhalb der Moschee”?

175 Menschen ist eine weit größere Gruppe, als sie normalerweise auf dem Tempelberg erlaubt würde, und es gibt keine anderen Medienberichte in der ausländischen oder israelischen Presse über irgendwelche ungewöhnlichen Vorgänge auf dem Tempelberg am Sonntag. Ist dem CNN-Reporter klar, dass die Palästinenser jeden Juden, der den Tempelberg besucht, einen “Extremisten” nennen? War es eine Gruppe aus 175 Menschen, oder war das nur die Gesamtzahl aller Besucher, die das Gelände am Sonntag betreten haben?

Das wissen wir nicht. CNN lieferte hier miserablen Journalismus. Leider beschränkt sich der verursachte Schaden nicht auf CNN und hat sich zu anderen Nachrichtenportalen verbreitet, die den Inhalt aufgrund ihres klar fehlinvestierten Vertrauens in CNN reproduziert haben.

Update: Wie antwortete der Journalist Don Melvin auf Twitter, nachdem er mit seiner schlampigen Berichterstattung konfrontiert wurde? Hier klicken.

Bild: CC BY-NC Mitchell Joyce via flickr

BDS-Schlachten strapazieren jüdische Studenten

18. Mai 2015

Alex Margolin, HonestReporting, 14. Mai 2015

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Haaretz-Reporter Ari Shavit besuchte zwei Dutzend US-Universitäten und kam von seiner Reise mit einer ernsten Warnung zurück: “Die Zukunft der Juden gleitet uns durch die Finger”, und damit meint er jene, die Israel und den Zionismus unterstützen.

Auf seiner Reise erlebte er eine belagerte jüdische Gemeinschaft, zusammengepfercht zwischen der extremen BDS-Rhetorik einerseits und ihren eigenen Bedenken hinsichtlich Israels Politik andererseits.

Wir fühlen uns, als seien wir auf dem Schlachtfeld im Stich gelassen worden, sagten mir viele. Die Antizionisten, sagten sie, beschuldigen uns der Kollaboration mit dem Bösen, aber der Zionismus versteht uns nicht und spricht nicht mit uns; statt dessen ist er damit beschäftigt, immer mehr und mehr und mehr Siedlungen zu bauen.

Zionismus, schreibt Shavit, bietet kein “verlässliches, relevantes und inspirierendes Narrativ”, welches dem “beinahe übermächtigen Antisemitismus” der BDS-Offensiven entgegenstehen könnte. “Und wenn sie auf dem Campus eintreffen und dem antiisraelischen Gift ausgesetzt sind, bricht die jüdische und proisraelische Identität vieler Studenten zusammen.”

Anders gesagt, es ist ein Kampf um Legitimität. Und Israel verliert ihn.

Die Zeichen sind klar, selbst ohne Shavits erschütternden Bericht über bedrängte Studenten und tränenreiche Konversationen.

Molly Horwitz, eine Kandidatin bei Stanfords Wahl zum Studenten-Senat letzten Monat, löschte alle Hinweise auf ihre Unterstützung Israels von ihrer Facebookseite. Ihr Wahlkampfmanager sagte der New York Times, Horwitz wolle Israel nicht zum Fokus ihrer Plattform machen.

“Wir haben das nicht gemacht, weil sie nicht stolz wäre – sie ist durchaus stolz -, aber das Klima auf dem Campus war ziemlich feindselig, und politisch wäre es nicht zielführend, hier öffentlich einen Standpunkt einzunehmen”, so der Wahlkampfmanager.

Der Kommentator Shmuley Boteach schrieb diese Woche über den kümmerlichen Protest an der New York University gegen einen Vortrag der lautstarken arabisch-israelischen Knesset-Abgeordneten Hanin Zoabi, die letzten Sommer mit ihrer Weigerung Schlagzeilen machte, die Entführung der drei israelischen Teenager einen terroristischen Akt zu nennen.

“Wie konnte es Zoabi erlaubt sein, an einer Universität mit 8.000 jüdischen Studenten den jüdischen Staat anzugreifen, ohne dass sich der jüdische Stolz und die jüdische Entschlossenheit dagegenstellten?” fragte er.

Die Antwort ist, dass jüdischer Stolz und jüdische Entschlossenheit nur bis zu einem bestimmten Punkt reichen, wenn es um Campuspolitik geht. Was unbedingt vonnöten ist, ist die klare Formulierung von Israels Legitimität.

Das steht in Wirklichkeit bei jeder Begegnung mit BDS auf dem Spiel, heutzutage der Hauptursache für Israels Delegitimierung auf dem Campus. Proisraelische Studenten gewinnen mehr Deinvestitions-Abstimmungen als dass sie diese verlieren, aber selbst wenn sie eine solche Abstimmung mal verlieren, hat bislang noch keine Universitätsverwaltung tatsächlich eine Deinvestitions-Maßnahme gegen Israel durchgeführt. Aber die BDS-Bewegung versteht, dass es bei diesem Kampf nicht um Deinvestition geht. Es geht um den Angriff auf Israels Legitimität und darum, es als rassistischen Staat zu brandmarken, der kein Existenzrecht hat.

Und diese Botschaft wird wieder und wieder auf Campussen im ganzen Land wiederholt. Deshalb muss jede Deinvestitions-Abstimmung auf dem Campus als Chance wahrgenommen werden, Israels Legitimität zu demonstrieren.

Bei Legitimität geht es auch um die Forderung nach einem dauerhaften Frieden auf der Grundlage gegenseitigen Verständnisses und Respekts anstelle von Israels Zerstörung. Es geht um Israels lebhafte Demokratie und um seine Freiheit. Es geht darum zu zeigen, dass Menschenrechte für Israelis und Palästinenser nur durch Kooperation, Diskussion und Handlung verbessert werden können, nicht durch Boykotte, Deinvestition und Sanktionen.

Und letztlich geht es bei Legitimität um die Rechtmäßigkeit Israels als Heimatland des jüdischen Volkes, selbst wenn einige politische Entscheidungen keinen Konsens finden. Doch im Gegensatz zu Gesellschaften, welche abweichende Meinungen unterdrücken, ist Israel eine offene Gesellschaft, welche die Meinungsvielfalt begrüßt und es zulässt, dass eine Idee Unterstützer gewinnt und zu Veränderungen führt.

Bild: CC BY-NC Kent Landerholm via flickr

…nachdem sie mit Messern auf Polizeibeamte losgingen…

8. Mai 2015

Yarden Frankl, HonestReporting, 26. April 2015

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Millionen von Leuten, die sich nur einige Sekunden mit dem Lesen von Schlagzeilen aufhalten, lasen kürzlich in der New York Times:

Bildtext: Naher Osten – Israelische Polizeibeamte töten zwei Palästinenser

Bildtext: Naher Osten – Israelische Polizeibeamte töten zwei Palästinenser

Zugegeben, es ist nicht so leicht, eine Nachricht in wenigen Worten zusammenzufassen, aber hier hat die Times miserabel gearbeitet. Schlenderten etwa zwei israelische Polizisten durch ein Café und erschossen zwei unschuldige Palästinenser, die einfach nur an ihrem Kaffee nippten? Natürlich nicht! Wie der Artikel zeigt, haben die Männer die Polizisten mit Messern angegriffen. Die israelischen Polizeibeamten handelten wie jeder andere Polizist auf der ganzen Welt, wenn es um einen Angriff mit einer tödlichen Waffe geht.

Aber aus irgendeinem unerfindlichen Grund entschied die Person, die für die Schlagzeile verantwortlich war, dass die Leserschaft unbedingt erfahren musste, dass zwei israelische Polizisten Palästinenser umgebracht hatten.

Und was noch seltsamer ist: Zuvor hatte die New York Times auf ihrer Website eine ältere Version der Story veröffentlich, die von Reuters stammte und die eine ähnliche Schlagzeile aufwies – aber dort stand noch das Wort „messerschwingend“ vor dem Wort „Palästinenser“. Einen Tag später erscheint die Story unter einer Times-Schlagzeile ohne das Wort „messerschwingend“.

Bildtext: Naher Osten – Israelische Truppen töten zwei messerschwingende Palästinenser – Polizei

Bildtext: Naher Osten – Israelische Truppen töten zwei messerschwingende Palästinenser – Polizei

Doch die übelste Schlagzeile fand sich in der Druckausgabe der Times. Am Ende des Onlineartikels lesen wir den Hinweis:

Eine Version dieses Artikels erscheint am 26. April 2015 auf Seite A10 der Druckausgabe der New-York-Edition unter der Schlagzeile: Palästinensischer Teenager von israelischer Polizei getötet.

Könnte die Schlagzeile überhaupt noch schlimmer sein?

Die AP-Story in der Washington Post und anderswo nutzte folgende Schlagzeile:

Israelische Polizei: 2 Palästinenser erschossen nach Messerattacke

Das ist besser, aber es wäre noch akkurater gewesen, wenn sie klargestellt hätten, dass die Palästinenser die Polizisten mit Messern angegriffen hatten. Einfach um jedes eventuelle Missverständnis auszuschließen.

Mit nur sieben Wörtern („nachdem sie mit Messern auf Polizeibeamte losgingen“) hätten auch diejenigen Bescheid gewusst, die einfach nur die Schlagzeilen überfliegen.

Wäre das so schwer gewesen?

Bild: CC BY-NC-SA Ardail Smith via flickr mit Beifügungen CC BY-NC-SA Lauren Michell Rabaino und HonestReporting

Jeremy Bowen (BBC): palästinensische Christen von dem bedroht, „was die israelische Regierung möglicherweise tun könnte“

16. April 2015

Simon Plosker, HonestReporting, 15. April 2015

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Kurz nach seinem überaus zahmen und nachsichtigen Interview mit Hamas-Führer Khaled Meshaal richtet der Nahost-Redakteur der BBC, Jeremy Bowen, seine Aufmerksamkeit auf die Not der Christen im Nahen Osten.

In einem Beitrag vom 14. April auf BBC Radio 4 spricht Bowen darüber, wie die Zunahme des radikalen Islam, insbesondere in Form des Islamischen Staates und ähnlicher Organisationen, zu einem christlichen Exodus aus der Region geführt hat.

Ganz am Ende seiner Analyse sagt Bowen:

Auch palästinensische Christen fühlen sich bedroht, und zwar nicht nur durch den extremen Islam, sondern auch durch das, was die israelische Regierung möglicherweise tun könnte.

Was genau könnte die israelische Regierung denn möglicherweise tun? Der Programmbeitrag endet, und man bleibt uns diese Information schuldig, aber Bowen hat einen Samen des Vorurteils gepflanzt, der gerade groß genug ist, um Israel beim uninformierten Hörer mit Christenverfolgung in Verbindung zu bringen.

Dies könnte nicht weiter von der Wahrheit entfernt sein, aber seit wann kümmert das einen Jeremy Bowen, wenn es um Israel geht?

Britische Kolumnistin: „Israel jetzt bösartiger und gefährlicher als die Hamas“

6. April 2015

Simon Plosker, HonestReporting, 30. März 2015

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Yasmin Alibhai-Brown, eine Kolumnistin für den Independent, ist Urheberin einer langen Reihe giftiger Hetzschriften gegen Israel und gegen Juden, die Israel unterstützen. Regelmäßig beschreibt sie Israel als „rassistischen“ Staat und als „Apartheid“-Staat, behauptet aber, einige ihrer besten Freunde seien Juden.

Ihre jüngste Tirade schlägt in dieselbe Kerbe und enthält einige besonders verstörende Aussagen, die selbst für ihren ohnehin sehr niedrigen Standard bemerkenswert sind. Von diesen Aussagen sticht besonders die Folgende ins Auge:

Hamas ist eine bösartige und gefährliche Macht im Nahen Osten. Aber Israel ist jetzt bösartiger und gefährlicher.

Ein Blick auf die teuflische und antisemitische Charta der Hamas, von dem absichtlichen Anzielen israelischer Zivilisten wie im letzten Sommer durch die Hamas ganz zu schweigen, genügt als Beweis, dass die wahre Bösartigkeit in Alibhai-Browns abscheulicher Behauptung liegt, Israel sei bösartiger als eine brutale Terrororganisation.

Aber das ist nur eines der vielen Probleme mit Alibhai-Browns Schmierentext. Sie beginnt mit einem Lob für die Israelkritik des Time-Kolumnisten Joe Klein, obgleich dieser laut Alibhai-Brown „sein ganzes Leben lang ein loyaler Zionist“ war. Sie schreibt:

Es erfordert Mut, mit solcher Ehrlichkeit zu schreiben. Es brauchte einen scharfsinnigen und nachdenklichen Juden, um zu formulieren, was Millionen von Menschen weltweit empfinden. Und mittlerweile wird er die Schlingen und Pfeile zorniger Eiferer zu spüren bekommen haben.

Und weiter:

Es ist nicht leicht, ein prinzipienfester und aufmerksamer Diaspora-Jude zu sein. Man wird von Insidern des Verrats bezichtigt und Außenstehende misstrauen einem, und so kann man nicht gewinnen.

Einige tadeln noch immer den rassistischen israelischen Staat, aber mit Vorsicht. Viele schweigen, da Israelkritik den defensiven Zorn von Zionisten provoziert und unerschütterliche Antisemiten stärkt.

Ganz im Gegenteil – es erfordert alles andere als Mut, um Israels Politik zu kritisieren. Viele Juden in der Diaspora tun dies, und sie haben das Recht dazu. Wenn sie dies „vorsichtig“ tun, dann weil sie sich nicht an der Dämonisierung und Delegitimierung beteiligen, die so viele von den hasserfüllten Schimpftiraden charakterisieren, die heutzutage gegen Israel gerichtet werden. Und auch viele Israelis kritisieren ihre Regierung, was zu einer gesunden Demokratie gehört, die erst kürzlich eine intensiv ausgefochtene Wahl abgehalten hat. Natürlich kann Alibhai-Brown der Versuchung nicht widerstehen, das Adjektiv „rassistisch“ einzufügen und Zionismus als schmutzige Ideologie hinzustellen.

Alibhai-Brown schreibt weiter:

Viele von uns Moslems sind derselben Problematik ausgesetzt: Verurteilen wir islamistische Ideologien, werden defensive Moslems wütend, und der antimuslimische Hass wird gestärkt.

Es gibt jedoch keine moralische Entsprechung zwischen Juden, welche Israels Handlungen kritisieren, und Moslems, die islamistischen Terror kritisieren. Zionisten, die Israel verteidigen, sind nicht gleichzusetzen mit „defensiven Moslems“, welche die Ideologie oder Handlungen von Al-Qaida oder ISIS-Terroristen rechtfertigen.

Dann spricht Alibhai-Brown über die Opposition gegen eine einseitig antiisraelische Konferenz an der Southampton University. Wie Petra Marquardt-Bigman schreibt:

Die offizielle Ankündigung beschreibt die Konferenz als „bahnbrechendes historisches Ereignis auf dem Weg zu Gerechtigkeit und dauerhaftem Frieden im historischen Palästina“. Die Konferenz ist angeblich „einzigartig, weil sie die Legitimität des jüdischen Staates Israel im internationalen Recht betrifft“; doch wie Menschen, die sich mit Antisemitismus auskennen, wissen, gibt es beim Herausgreifen des weltweit einzigen jüdischen Staates zu seiner alleinigen Delegitimierung nichts „Einzigartiges“.

Laut Alibhai-Brown jedoch sind die vielen tausend Menschen, die ihre Opposition gegen diese Konferenz zum Ausdruck gebracht haben, „Agitatoren“ gegen die „gelehrten Erwägungen“ bei der Infragestellung von Israels Existenzrecht.

Und dann wird es Zeit für Holocaust-Missbrauch:

Jüdische Denker und Autoren in den USA, dem Vereinten Königreich und Israel stellen nun die Art und Weise in Frage, wie der Holocaust verwässert und benutzt wurde, um unmenschliche Politik und Handlungen zu rechtfertigen.

Die einzige Verwässerung des Holocaust wird von Menschen wie Alibhai-Brown erwirkt, die behaupten, es gebe eine moralische Entsprechung zwischen dem Dahinschlachten von sechs Millionen Juden und der israelischen Behandlung der Palästinenser. Danach vergöttert sie eine Auswahl antizionistischer britischer Juden, die eine sehr lautstarke Randgruppe von Israelhassern darstellen, die nur deswegen Glaubwürdigkeit einfordern, weil sie „als Juden“ sprechen.

Alibhai-Brown schließt:

Ich wünschte mir, mehr von uns Moslems würden jüdische Männer und Frauen anerkennen, die trotz untolerierbaren Drucks für Palästina kämpfen, für ein ethisches und gerechtes Israel und für die Gleichheit aller Menschen. Ich wünschte mir, mehr Moslems wären so unparteiisch und ehrenhaft wie diese jüdischen Widerständler.

In Alibhai-Browns hasserfüllter Weltsicht gibt es gute Juden und böse Juden. Die guten Juden stellen sich Israel entgegen, und die bösen Juden sind Zionisten.


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