Posted tagged ‘Heuchelei’

Der Telegraph weigert sich Jerusalem in Israel zu verorten

7. Oktober 2014

Simon Plosker, HonestReporting 2. Oktober 2014 (Übersetzung: Cora)

In der Sparte Reisen des Telegraph wurden in einer Diashow die Fotos der 20 ältesten Städte der Welt publiziert. Sie enthält Orte wie „Athen, Griechenland“, „Beirut, Libanon“, „Larnaca, Zypern“ und „Damaskus, Syrien“.

Aber schaut mal auf die Überschrift zu dem Foto von Jerusalem (zum Vergrößern, klicken)

telegraphjerusalem2

„Jerusalem, Naher Osten“

Ein Leser von HonestReporting kontaktierte den Telegraph um zu fragen, wie man darauf käme. Dies war die Antwort:

„Da es nach internationalem Recht umstritten ist, griffen wir auf Naher Osten zurück um Streit zu vermeiden. Ost Jerusalem ist durch die UN nicht als israelisch anerkannt. Daher zogen wir es vor, neutral zu bleiben und benutzten Naher Osten.“

Geht man davon aus, dass dies eine Diashow ist, die sich eher mit der geografischen Lage denn mit der Politik dieser 20 Städte beschäftigt, ist es da vom Telegraf wirklich zu viel verlangt, das Offensichtliche festzustellen?

Wir haben es schon erlebt, dass sich die Medien absichtlich damit zurückhielten, Jerusalem als Israels Hauptstadt anzuerkennen. Aber auch noch den Standort nicht anerkennen? Das hat weniger mit Neutralität von seitens des Telegraph zu tun, sondern gehört eher zum Bereich krasser Dummheit.

Unterschiedliches Maß für unterschiedliche Raketenangriffe

18. Mai 2014

Simon Plosker, HonestReporting.com, 31. März 2014

Terrorunterstützung, völkermörderisches Regime schießt Raketen auf das Territorium einer liberalen Demokratie. Klingt das bekannt?

Südkorea schießt zurück, nachdem nordkoreanische Granaten in umstrittenen Gewässern einschlagen.

In diesem Fall schießt Südkorea ZURÜCK, als es von seinem Nachbarn nach Angaben der Schlagzeile im Guardian angegriffen wurde. Es ist klar, dass Südkorea auf einen Aggressionsakt reagiert.

Doch was geschieht, wenn Israel zurückschießt, als Reaktion auf palästinensische Raketen aus dem Gazastreifen?

Dies ist eine wahrscheinlichere Schlagzeile, wenn Israel zurückschießt:

Israelische Flugzeug hämmern nach Raketenangriff auf den Gazastreifen ein.

Wie kommt es, dass es die Schlagzeilen, wenn auf Israel geschossen wird, immer noch schaffen Israel als den Aggressor darzustellen? Oder dass mindestens noch eine moralische Gleichsetzung mit den Terroristen geschieht, die die Raketen in einer sogenannten „Gewaltspirale“ schossen:

Opfer auf beiden Seiten, als Israel und der Gazastreifen auf einander schießen

Aber Israel wird auf keinen Fall mit anderem Maß beurteilt als andere Demokratien unter Beschuss. Kann nicht sein, oder?

Alles Teil des Phänomens, das wir so beschreiben: „Alles begann, als Israel zurückschoss.“

Antisemitismus-Definition bedroht

7. Dezember 2013

Simon Plosker, HonestReporting.com, 3. Dezember 2013

Vor nur ein paar Monaten startete HonestReporting eine Petition, mit der die Mainstream-Medien aufgefordert werden anerkannte und überlegte Definitionen des Antisemitismus zu übernehmen, wie sie sowohl im US-Außenministerium als auch von der Europäischen Union anerkannt werden.

Die Petition ist noch aktuell und wir haben vor Ihre mehr als 30.000 Unterschriften den Medien zu schicken. Bevor wir das tun ist jedoch eine bestürzende Entwicklung ans Tageslicht gekommen, die nicht nur die Gültigkeit unserer Petition bedroht, sondern auch den Kampf gegen den Antisemitismus selbst, insbesondere in Europa – die EU-Arbeitsdefinition für Antisemitismus ist als offizielles Dokument entfernt worden, was Antisemiten und Feinden Israels eine Bresche gibt, um den Kampf gegen den Antisemitismus zu diskreditieren und zu delegitimieren.

Die europäische Definition wurde ursprünglich 2005 vom EU-Beobachtungszentrum für Rassismus und Fremdenfeindlichkeit (EUMC) veröffentlicht, das seitdem durch eine Nachfolgeorganisation, die Fundamental Rights Agency (Agentur für Fundamentalrechte, FRA) ersetzt wurde. Die Antisemitismus-Definition steht demonstrativ nicht mehr auf der Internetseite der FRA.

[Es ist nicht zu spät die Petition zu unterschreiben und Ihre Unterstützung für die Befürwortung der Antisemitismus-Definitionen zu zeigen – klicken Sie auf das folgende Banner.]

Shimon Samuels vom Simon-Wiesenthal-Zentrum erklärt in der Times of Israel:

Am 6. November protestierte ich bei der Hohen außenpolitischen Repräsentantin der EU, Catherine Ashton, gegen das derzeitige Verschwinden der „Arbeitsdefinition“ von der Internetseite der FRA und forderte die sofortige Wiedereinstellung.

Die Antwort des für fundamentale Rechte zuständigen juristischen Generaldirektorats der Europäischen Kommission vom 29. November war erstaunlich, denn darin insistierte man: „Anfangs hatten weder die speziell Kommission noch die Union haben eine Definition des Antisemitismus eingeführt und es gibt keine Politik eine zu schaffen. Darüber hinaus sollte herausgestellt werden, dass die FRA eine unabhängige Einrichtung ist.“

Der Brief erklärte: „2005 hatte das EU-Beobachtungszentrum zu Rassismus und Fremdenfeindlichkeit (EUMC) ein Dokument mit dem Titel Arbeitsdefinition für Antisemitismus online gestellt… Seitdem habe verschiedene Akteure, hauptsächlich NGOs dieses Dokument als die Antisemitismus-Definition der EU bezeichnet… In aller Autonomie behielt die FRA dieses Dokument bis vor kurzem online, als sie zusammen mit anderen nicht offiziellen Dokumenten entfernt wurde.“

In der Tat hat auch HonestReporting auf die Definition als die der EU verwiesen. Das Verschwinden und Verleugnung der Definition lässt ein unverzichtbares Mittel im Kampf gegen Antisemitismus wegfallen und gibt den europäischen Medien eine gebrauchsfertige Ausrede der Definition nicht beizupflichten. Zu diesem Zeitpunkt hat das die Definition des US-Außenministeriums noch nicht beeinflusst, die auf der europäischen gründet.

Dennoch stimmen wir mit Shimon Samuels* überein:

Die Entfernung kann die Antisemiten nur erfreuen und ermutigen. Ihre Rückkehr auf die Internetseite der FRA würde als erster Schritt für die Begrüßung dessen, was eine entscheidende Waffe im Arsenal gegen Hass geworden ist, geschätzt.

—–
* Samuels zeigt auch auf, dass die Behauptung der EU, sie habe quasi nichts mit der Arbeitsdefinition zu tun genauso fadenscheinig ist wie die, die FRA sei eine unabhängige Institution.

Die unbelehrbare NY Times liefert einseitige Bilder

30. November 2013

Alex Margolin, HonestReporting.com, 26. November 2013

Obwohl die Redaktion zugegeben hat, dass es falsch von der Zeitung war einen Artikel über den Mord an einem IDF-Soldaten mit einem Foto der Mutter des Mörders zu illustrieren und trotz zahlloser Beschwerden von Lesern, dass dieses Eingeständnis bei weitem nicht ausreicht, schaltet die New York Times auf stur und ersetzt das verletzende Foto nicht.

Damit hat die Zeitung ein bleibendes Monument der Gefahren falscher „Ausgewogenheit“ und ihrer eigenen moralischen Mehrdeutigkeit geschaffen.

In einer zweiten Kolumne der Öffentlichkeits-Redakteurin Margaret Sullivan sowie in einer persönlichen E-Mail an HonestReporting sagte Philip B. Corbett, Mitherausgeber und Manager für Standards, das Foto zu ersetzen sei eine Verletzung der Politik der Zeitung gegen Veränderungen veröffentlichten Materials, nachdem dieses veröffentlicht wurde. Das zu tun, behauptete Corbett, würde die Archive der Zeitung schädigen:

Erstens ist unsere Korrekturkolumne in erster Linie dazu gedacht faktische Fehler zu korrigieren. Es gibt hier keine Problem eines faktischen Fehlers.

Andere haben die Idee aufgebracht die Präsentation des Fotos nach der Tatsache zu ändern. Doch außer, um Faktenfehler zu korrigieren, ändern oder löschen wir selten veröffentlichte Inhalte. Die Artikel, die über unsere Internetseite zugänglich bleiben, stellen unser elektronisches Archiv dessen da, was die Times tatsächlich veröffentlichte, parallel zu Print- und Mikrofilm-Versionen unseres Archivs, das wir immer geführt haben.

Meine Kollegen und ich erhalten regelmäßig Aufforderungen veröffentlichtes Material aus unserem Archiv zu verändern oder zu löschen, aus einer großen Bandbreite an Gründen. Wenn wir außer bei Faktenfehlern regelmäßig hingingen und einen vor Tagen, Wochen oder Jahren veröffentlichten Artikel verändern würden – indem wir ihn umschreiben, neu editieren, Fotos oder andere Elemente hinzufügen oder löschen – würde unser Archiv sehr bald aufhören überhaupt ein Archiv zu sein.

Corbett antwortete damit auf eine E-Mail von HonestReporting mit dem Vorschlag, dass die Zeitung einen Link zum Originaleintrag legen sollte, der die Leser zur Äußerung der Öffentlichkeits-Redakteurin führt, dass die Verwendung des Fotos falsch war.

Seine Erklärung enthält zwei Dinge, über die nachgedacht werden muss. Als erstes ist das seine Äußerung, dass keine Richtigstellung nötig ist, weil Richtigstellungen nur auf Faktenfehler anzuwenden sind. Er führt im Wesentlichen einen Unterschied zwischen Fakt und Sinn an. Das eine sagt dem Leser, was stattfand, das andere erlaubt es ihm diese Information passend einzuordnen.

Es wurden zwar keine Faktenfehler gemacht, aber selbst die Redakteure der Zeitung geben zu, dass das Foto zu nutzen falsch war. Wenn aber die Fakten eine Korrektur erfordern, was war dann falsch? Der Sinn. Der Leser wird von dem Foto in die Irre geführt Mitgefühl für die Mutter eines Mörders auf Kosten des Mitgefühls zu haben, das man dem Opfer und seiner Familie gegenüber haben sollte.

Wenn die Fehlleitung der Emotionen des Lesers keine Richtigstellung erfordert, dann kann man kaum glauben, dass die Zeitung ehrlich darum besorgt ist die Story überhaupt richtig zu schreiben. Und das sie das Wesen von Einseitigkeit.

Das Zweite, was es wert ist betrachtet zu werden, ist die Behauptung, dass einen Link zu einer digitalen Version des Artikels hinzuzufügen die digitalen Archive der Zeitung erodieren würde, die „parallel zu den Print- und Mikrofilm-Versionen sind“. In Wirklichkeit unterscheidet sich aber digitale Medium, das fließend ist, fundamental von Druck- und Mikrofilm-Versionen, die statisch sind. Nahezulegen, dass es keine Möglichkeit gibt eine Notiz eines anderen Redakteurs hinzuzufügen, die wichtige Entwicklungen erklärt, damit diesem Leser ermöglicht wird zu verstehen, was veröffentlicht wurde, spiegelt einen fehlenden Willen und Vorstellungskraft, nicht fehlende technische Möglichkeiten.

Wie die Dinge stehen bleiben aber der Artikel und das begleitende Bild als klassische Illustration der Einseitigkeit gegen Israel online bleiben, die in der Mainstream-Presse allgemein verbreitet ist.

Zufällig ist es nicht das erste Mal, dass die New York Times sich auf Mütter von Terroristen konzentriert hat. Sehen Sie sich dazu das folgende Video an:

Die unglaubliche Antwort des Independent auf eine Leser-Beschwerde

7. August 2013

Alex Margolin, HonestReporting.com, 6. August 2013

Jede Mainstream-Publikation berichtete über die israelische Entscheidung, palästinensische Häftlinge freizulassen, die langjährige Haftstrafen für Gewaltverbrechen verbüßen. Doch der Independet wies als einzige Veröffentlichung einen Unterschied auf, indem er sie in seiner Schlagzeile als „politische Gefangene“ bezeichnete (inzwischen ist das das geändert worden).

Eine Leserin beschwerte sich beim Verlag über die unangemessene Nutzung des Begriffs. Sie erhielt die folgende Antwort von Will Gore, dem stellvertretenden Chefredakteur und gab sie an HonestReporting weiter.

Ich widerspreche zwar nicht dem, was Sie über den Ernst der von den Freizulassenden begangenen Verbrechen sagen, aber ich stimme nicht mit Ihnen überein, dass der Begriff „politische Häftlinge“ falsch ist. Es gibt keinen Zweifel, dass die Taten sehr vieler der fraglichen Individuen, so schrecklich sie auch sind, durch das motiviert waren, was als politische Ziele bezeichnet werden kann. Sie werden sich bewusst sein, dass es keine festgesetzte Definition für „politischer Gefangener“ gibt und dass zum Beispiel die von Amnesty International genutzte Definition jeden Gefangenen einschließt, „dessen Fall ein beträchtliches politisches Element hat: ob die Motivation hinter den Taten des Gefangenen, die Tat selbst oder die Motivation der Behörden ist“. Selbst wenn man die Motivation für die Verbrechen beiseite lässt, sind die Gefangenen derzeit ein Druckmittel für Verhandlungen in einem größeren politischen Spiel, ihre Freilassung ist eine Sache der Politik, nicht einfach eines juristischen Prozesses.

Wir haben in dem Artikel klar auseinandergesetzt, warum die Gefangenenfrage so umstritten ist, und wir haben einige der von den Freizulassenden begangenen Verbrechen aufgezählt. Ich glaube nicht, dass unsere Berichterstattung zu dieser Sache irreführend ist, weder in ihren Worten noch mit den begleitenden Bildern.

Der Begriff „politischer Gefangener“ wird weithin falsch so verstanden, dass er eine Person beschreibt, die wegen ihrer Überzeugungen inhaftiert ist, nicht wegen ihrer Taten. Wenn jemand einen unschuldigen Zivilisten für eine politische Sache tötet – mögen das Tierrechte, Abtreibungsrechte oder die palästinensische Unabhängigkeit sein – dann sollte diese Person wegen des Mordes ins Gefängnis kommen, nicht wegen der politischen Sache, die sie unterstützt. Diese Unterscheidung ist wichtig. Einen Mörder als politischen Gefangenen zu bezeichnen, gewährt dem Verbrechen Legitimität. Damit erweist man den echten politischen Gefangenen und den Opfern der gewalttätigen Kriminellen einen Bärendienst.

Gores Hinweise auf ein „größeres politisches Spiel“ ist noch irreführender. Seiner Ansicht nach hat die Kennzeichnung als politischer Gefangener weder mit dem Verbrechen noch mit der Motivation dafür zu tun. Stattdessen wird sie davon bestimmt, ob eine dritte Partei glaubt, sie könne politisch davon profitieren, indem sie die Freilassung der Häftlinge fordert.

Wenn die Redakteure des Independent es ablehnen, jegliche Palästinenser als Terroristen zu bezeichnen, ist es dann ein Wunder, dass sie versuchen, ihren Verweis auf einen Mörder als politischen Gefangener zu verteidigen? Der Independent gibt den Palästinensern weiterhin einen Freifahrtschein für ihr gewalttätiges Verhalten. Selbst wenn Palästinenser töten werden sie über ihre Motivation definiert, nicht über ihre Taten.

Es scheint also so, als habe der Independent seine eigenen politischen Beweggründe.

//

//

Türkei bestätigt Gaza-Blockade durch Blockade Syriens

25. September 2011

HonestReporting Media Backspin, 25. September 2011

Die Türkei verkündete ihr eigenes Waffenembargo gegen Syrien und sagte, sie habe bereits ein unter syrischer Flagge fahrendes Schiff abgefangen. Ich bin voll und ganz dafür, dass sie so handelt.

Aber wenn man Premierminister Erdogans Vorgehensweise gegenüber Syrien und der Hamas vergleicht, dann kratzt man sich verwundert den Kopf. Erdogan zum Umgang mit Assad, der 2007 wieder gewählt wurde:

„Ich habe alle Kontakte zur syrischen Administration gekappt“, sagte Erdogan. „Wir wollten nie, dass die Dinge an diesem Punkt ankommen, aber unglücklicherweise hat die syrische Administration uns gezwungen, diese Entscheidung zu treffen.“

Erdogan zum Umgang mit der Hamas:

„Wo ist der Terrorismus? Sie stellten sich zur Wahl und nach den Wahlen reagierte man dann auf sie so, ich meine, dass man sie als Terroristen bezeichnete; das heißt, dass man den Willen des palästinensischen Volks nicht respektiert“, fügte Erdogan hinzu.

Erdogan zu den Rechten der Türkei Waffenlieferungen abzufangen:

Recep Tayyip Erdogan sagte, die Türkei hat im Marmara-Meer in der Vergangenheit ein unter syrischer Flagge fahrendes Schiff gestoppt, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Anatolia. Er sagte nicht, wann das Schiff gestoppt wurde oder ob an Bord Waffen gefunden wurden. „Wenn es Flugzeuge gibt, die Waffen transportieren oder solche Lieferungen auf dem Landweg gibt, dann sollten wie sie wie in der Vergangenheit stoppen und konfiszieren“, zitierte Anatolia Erdogan.

Erdogan zu Israels Recht Waffenlieferungen abzufangen:

„Das ist ein Grund für Krieg. Das ist etwas, das man in internationalen Gewässern nicht tun kann.“

Fazit: Die Blockade Syriens durch die Türkei legitimiert Israels Blockade des Gazastreifens.*


* Im Original steht hier „Syrien“, aber die Überschrift zeigt, dass das ein Tippfehler ist, daher hier schon „Gazastreifen“, was sicherlich bei HR bald korrigiert wird.

Türkische Luftschläge: Wo bleibt die Empörung?

24. August 2011

HonestReporting Media BackSpin, 24. August 2011

Nahezu versteckt im Nachrichtenteil weniger Medien, darunter dem Independent, kann man diese Geschichte lesen:

Und nun stellen Sie sich vor, Israel hätte das Territorium eines souveränen Staates überflogen [wie in diesem Fall das des Irak (bd)] und dort 100 Menschen getötet, darunter etliche Zivilisten.

Groß aufmachende Titelseiten, Empörung allerseits, Forderung nach einer UN-Kommission á la Goldstone wären die Folge gewesen. Na, Sie wissen schon.

Aber dann wird Israel an anderen Standards gemessen als der Rest der Welt.

Wer ist Goldstone, dass er über Israel urteilen darf?

6. Mai 2010

HonestReporting Media BackSpin, 6. Mai 2010

Die hebräischsprachige Ausgabe von Yediot Ahronoth berichtet, dass Richter Richard Goldstone 28 schwarze Südafrikaner in den sicheren Tod schickte, als sie während der Apartheid-Ära vor ihm im Gerichtssaal erscheinen mussten.

Und nun, da Yediot und die Blogosphäre Fragen aufwerfen, „was Goldstone eigentlich dazu berechtigt, mit seinem einseitigen Bericht über den Gazakrieg Israel zu verurteilen“, gießt der Jurist mit seiner Replik weiteres Öl ins Feuer.

Zunächst zu Yediots Nachforschungen, die in der morgigen Printausgabe (Freitag) komplett veröffentlicht werden. Jerusalem Central (via Israel Matzav) mit Details vorab:

Yediots Ermittlungen zufolge bestätigte Goldstone die Todesurteile an mindestens 28 angeklagten Schwarzen, die Einspruch gegen ihre Strafen eingelegt hatten (die meisten wegen Mord), und er bekräftigte seine Beihilfe für die Todesurteile in seinen Entscheidungen so, wie er es im Falle eines jungen schwarzen Mannes, der wegen der Erschießung eines weißen Restaurantbesitzers zum Tode verurteilt worden war, schriftlich begründete: „Die Todesstrafe muss den Forderungen der Allgemeinheit genügen, dass Vergeltung für Verbrechen geübt wird, die die Menschen mit Fug und Recht als grauenhaft ansehen“.

Goldstone „erklärte, dass der Galgen die einzige abschreckende Bestrafung in solchen Fällen gewesen ist“, und er schrieb: „Zorn ist ein relevanter Faktor bei der Auferlegung einer angemessenen Strafe“.

Wow! Ein international prominenter Jurist sagt, dass Zorn ein „relevanter Faktor“ bei der Entscheidung für eine angemessene Bestrafung ist? Oh, das klingt wirklich unangemessen, oder nicht? Wenn ein israelischer Richter so eine Behauptung von sich gäbe, könnten Sie sich dann nicht lebhaft vorstellen, welche Empörung dies beim UN-Menschenrechtsrat oder bei Human Rights Watch auslösen würde?

Goldstone antwortete im Gespräch mit Haaretz, dass er nur ein braver Junge gewesen sei, der sich an die Vorschriften gehalten habe:

„Damals ging das Gesetz davon aus, dass bei  strafverschärfenden Umständen die Todesstrafe obligatorisch sei“, so Goldstone. „Mein Bedauern bezüglich der Vorgänge damals gilt genauso wie heute und meine Haltung dazu hat sich nicht geändert. Es war [für mich] unangenehm, an einem Prozess mit Todesstrafe beteiligt zu sein – damals wie heute. Und ich war immer gegen dieses Strafmaß. Aber als ich mein Richteramt annahm war ich dem Amtseid verpflichtet.“

Das stinkt ganz gewaltig nach Heuchelei. Erst gestern schaltete Goldstone in der Comment is Free-Rubrik* (CiF) des Guardian auf stur:

“Meiner Meinung nach würde ich heucheln, wenn ich mich weiterhin gegen Verletzungen des Internationalen Rechts und für die Straffreiheit bei Kriegsverbrechen weltweit ausspräche, gleichzeitig aber den Mund hielte, wenn es um Israel ginge, nur weil ich Jude bin.“

Entschiedener Widerspruch!

Goldstones Heuchelei bestand in der aktiven Teilnahme – und das auch noch sehr penibel – in einem Prozess, der in sehr unfairer Weise Schwarze zum Tode verurteilte, und darüber hinaus darin, dass er scheinheilig Israel dafür verurteilte, dass es sich gegen 8 Jahre Raketenbeschuss wehrte.

Yediots morgen (vollständig) erscheinender Bericht wird die Leser sicher nachdenklich stimmen. Bleiben Sie also bitte dran.

————
*Hinweis [bd]: bei CiF treiben jede Menge übler Antisemiten ihr Unwesen. Und der Guardian denkt nicht im Traum daran, diese Rubrik endlich auszumisten. Warum sollte er auch, passt es doch in sein Konzept.

Stellen Sie sich die Empörung vor, wenn Israel beteiligt wäre

3. November 2009

HonestReporting Media BackSpin, 3. November 2009

Aus der Globe & Mail heute:

Wegen der heftigen Gewaltausbrüche im vergangenen Juli in der westchinesischen Stadt Urumqi griffen die chinesische Behörden zu radikalen Maßnahmen: Sperrung aller Internetzugriffe sowie SMS- und internationalen Telefonverbindungen in Xinjiang, einer widerspenstigen Provinz mit 21 Millionen Einwohnern.

Fast vier Monate später – und trotz der amtlichen Beteuerungen, dass sich die Lage in Xinjiang nach den ethnischen Konflikten, denen annähernd 200 Menschen zum Opfer gefallen waren, wieder entspannt habe – wird die Abschaltung nicht aufgehoben und schneidet die vorwiegend von muslimischen Ujguren bewohnte Region faktisch vom Rest des Planeten ab.

„Kollektivbestrafung“ nennt man es nur, wenn Israel beteiligt ist.