Archive for the ‘Sonstiges’ category

Verschobene Prioritäten in der Times of London

21. Januar 2016

Simon Plosker, HonestReporting, 20. Januar 2016

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Die Times of London war eines der großen Mainstreammedien, welche den brutalen Mord an Dafna Meir und den Anschlag auf die schwangere Michal Froman ignoriert hatten. Es fällt ausgesprochen schwer zu verstehen, warum keiner der beiden grausamen Vorfälle der Times of London eine Erwähnung wert waren.

Und noch schwerer fällt es zu verstehen, warum der Times-Korrespondent Gregg Carlstrom anstelle der palästinensischen Terroranschläge auf israelische Juden hierüber schreibt:

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Ein solcher Artikel wird veröffentlicht, und der Mord an Dafna Meir wird vollkommen verschwiegen? Warum? Was hat diese Story an sich, dass sie Carlstroms Interesse erregt hat? Ist dies ein Beispiel für das fast besessen wirkende Bedürfnis der Medien und anderer, Israels Unvollkommenheiten zu fokussieren und aufzublasen?

Dass diese Story den Holocaust anspricht und unehrliche Israelis zum Thema hat, gibt einer Theorie der europäischen Voreingenommenheit gegenüber Israel Vorschub, die da lautet, Europäer erleichterten ihre Schuld bezüglich des Holocaust, indem sie israelische und jüdische Moral (bzw. deren Fehlen) dem Staate Israel und den Juden vorhalten.

Sagen wir es deutlich — Israel ist nicht kritikbefreit, und seine Unvollkommenheiten sollten nicht vor der Welt verborgen bleiben.

Die Story erschien auch im Daily Telegraph und in der International Business Times. Aber zumindest haben beide genannten Medien über die palästinensischen Messerattacken berichtet.

Dass Gregg Carlstrom und die Times of London die Anschläge ignoriert haben, ihnen die illegale Preisgestaltung israelischer Schulausflüge nach Polen jedoch eine Meldung wert waren, offenbart einfach nur deren verschobene Prioritäten, wenn es um Israel geht.

Palästinensische Hipster mit Tattoos und Piercings?

7. Januar 2016

Yarden Frankl, HonestReporting, 5. Januar 2016

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Einige Journalisten würden die palästinensische Gesellschaft am liebsten so darstellen, als sei sie modern und linksgerichtet, vertrete progressive Werte und sei keineswegs von ihrem Konflikt mit Israel besessen. Beispielsweise beschreibt dieser New-York-Times-Artikel eine Szene, in welcher (sich selbst so bezeichnende) junge Palästinenser in Haifa in Tanzclubs herumhängen, Alkohol trinken und kein Problem mit öffentlichen Zärtlichkeiten homosexueller Pärchen haben. Für sie zählt die Kultur, nicht die Politik.

Sie waren bei den vielen frisierten, gepiercten und tätowierten Frauen und Männern, die Haifas soziale Szene bilden, welche an die finanzstarken Hipster aus Tel Aviv erinnert. Aber hier sind die coolen Kids Palästinenser, und sie haben ein selbstbewusstes Arabermilieu gebildet, das säkular, feministisch und schwulenfreundlich ist.

Keinerlei Erwähnung des Israelkonflikts. Einfach nur progressive Jungs und Mädels, die in Clubs herumhängen.

Aber kurz nach der Veröffentlichung des Artikels schrieb Ayed Fadel, der im Artikel umfangreich zitiert wurde, einen Facebook-Beitrag. Darin beklagte er sich, die New York Times hätte seine Aussagen völlig aus dem Zusammenhang gerissen:

Ich fand den Artikel in Wirklichkeit verstörend. Er beschreibt bestimmte Aspekte und lässt so viele andere aus, die ich beim Interview erwähnt habe, dass er die modernen Palästinenser im Endeffekt in einem “westlichen” Licht darstellt, das weiße Leser glücklich macht und sagen lässt: “Oh, sie sind genau wie wir!” Nein, wir sind überhaupt nicht wie sie, wir sind total anders und stecken tief in der Scheiße, und uns so darzustellen ist beleidigend.

… Es fehlen so viele wichtige Punkte, dass dieser Artikel seicht, beleidigend und entwürdigend wirkt. Und es fehlen 90% des Interviews, wo wir darüber gesprochen haben, wie die Kultur des kulturellen Widerstands wächst…

Ich weiß nicht, ob das, was ich jetzt schreibt, alles im Artikel Geschriebene ansprechen kann, aber ich kann hoffentlich die Situation erklären und zeigen, dass es eine Falle der weißen Medien war. Die wollen uns immer als coole Hipster voll mit Tattoos und Piercings darstellen — weit entfernt von der Realität, in der wir uns befinden und gegen die wir jeden Tag kämpfen!

Wie denkt Ayed wirklich? Hier einige Beiträge von seiner Facebook-Seite:

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Aus irgendeinem seltsamen Grund schafften es Fadels Ansichten über Israel nicht in den Artikel. Vielleicht kamen sie ja in den 90% des Interviews zur Sprache, die laut ihm ausgelassen wurden?

Diaa Hadid ist die Times-Korrespondentin, die den Artikel geschrieben hat. Folgendes stammt vom Blog Israellycool (“New York Times Employs Veteran of Anti-Semitic Website“):

Trotz einiger Artikel über das Versagen der Palästinenserbehörde, seine Stromrechnung zu bezahlen, und über die palästinensischen Araberinnen, die Juden auf dem Tempelberg belästigen, ist Hadid einfach nur ein Teil des Hamas-Propagandateams namens “Jerusalembüro der New York Times”. Das sollte nicht überraschen, wenn man ihre Vergangenheit bei Electronic Intifada und bei der Palästinensischen Gesellschaft für den Schutz der Menschenrechte und der Umwelt betrachtet.

Electronic Intifada ist eine Hass-Seite, welche die Hamas unterstützt. Der Antisemitismus seines Gründers Ali Abunimah ist gut dokumentiert. Abunimahs Unterstützung für die Hamas wurde auf einem YouTube-Video verewigt. Eine andere EI-Reporterin erklärt stolz auf Twitter: “Objektivität ist Bullshit”. Hadid schrieb zwischen 2002 und 2003 mindestens sieben Artikel für EI.

Es überrascht nicht, dass Hadid nur das wahrnahm, was sie wahrnehmen wollte, und dass sie nur das schrieb, was sie über die Leute schreiben wollte. Aber wenn eine ihrer Hauptquellen sagt, dass 90% des Gesagten ausgelassen wurde, ist das eine schrillende Alarmglocke, dass den Lesern nicht alles gesagt wird.

Daily Mail korrigiert “Siedlungs”-Fehler

23. Dezember 2015

Simon Plosker, HonestReporting, 21. Dezember 2015

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Die Berichterstattung der Daily Mail über den Tod des bekannten Terroristen Samir Kuntar enthielt in den Unterüberschriften einen groben Fehler:

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Wie im Artikel selbst bestätigt, verübte Kuntar seine grausamen Morde in der nördlichen Küstenstadt Naharija und nicht “in einer Siedlung”, wie in den Unterüberschriften zu lesen stand.

HonestReporting hat Mail Online kontaktiert, und der Fehler wurde beseitigt.

Video: Israel nicht länger dämonisieren, sondern von Israel lernen

26. November 2015

Yarden Frankl, HonestReporting, 19. November 2015

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Auf Fox News interviewte Megyn Kelly die unverblümte Kritikerin des Islam Ayaan Hirsi Ali über die Reaktion des Westens auf die Terroranschläge in Frankreich. Ihre wichtigste Botschaft war:

Wir sollten mit der Dämonisierung von Israel aufhören und anfangen, von Israel zu lernen.

Ihre schlüssige Argumentation ist, dass Israel gelernt hat, wie man islamischen Terrorismus bekämpft und Massenanschläge wie diejenigen in Paris verhindert. Zwar gibt es keine Garantien, aber Israel hat gelernt, dass der Schlüssel zur Verhinderung dieser Art von Anschlägen in nachrichtendienstlichen Erkenntnissen, beständiger Aufmerksamkeit und schnellen und tatkräftigen Reaktionen liegt.

Aber nur allzu oft geißeln die Medien Israel für angeblich “unverhältnismäßige” Reaktionen auf Terrorismus. Unzählige Artikel in den großen westlichen Medien haben gefordert, dass Israel bei der Bekämpfung von Terror Mäßigung beweist. Einige haben den Terror wegen ihrer Ansicht nach “rechtmäßigem Groll” gerechtfertigt, so als wollte man sagen, Israel müsse nur die Forderungen der Terroristen erfüllen, und schon würden die Angriffe aufhören.

Aber wie Ali sagt: Israel weiß, dass Terrorismus vor allem anderen auf Hass beruht. Da kann man nicht diskutieren und argumentieren. Man muss ihn aggressiv bekämpfen und besiegen.

Wenn doch nur mehr Journalisten auf Ali hören würden:

Amerikanische und russische Luftanschläge rücken israelische Handlungen in die richtige Perspektive

8. Oktober 2015

Simon Plosker, HonestReporting, 4. Oktober 2015

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In jüngster Zeit kam es in Afghanistan und Syrien zu amerikanischen bzw. russischen Luftanschlägen. Können wir Vergleiche zwischen diesen und den israelischen Handlungen in Gaza 2014 und davor ziehen?

Eine der gravierendsten Anschuldigungen gegen Israel war im Goldstone-Bericht zu lesen und besagte, Israel habe bei Operation Gegossenes Blei 2008/09 absichtlich Zivilisten aus Gaza angegriffen. Richter Richard Goldstone nahm das später zurück, aber die falsche Anschuldigung wird weiterhin gegen Israel vorgebracht, um das Land für jegliche zivilen Opfer bei Militäroperationen zur Verantwortung zu ziehen.

RUSSLAND FÜHRT LUFTSCHLAG GEGEN SYRIEN

Israel greift Zivilisten nicht absichtlich an. Aber was ist mit Russland? Die Durchführung von Luftschlägen gegen syrische Ziele hat zu Anschuldigungen geführt, Präsident Putins Luftstreitkräfte bombardiere unterschiedslos.

Eine Analyse russischen Videomaterials durch die Washington Post ergab:

… dass die ersten zwei Bilder die tatsächlichen Schläge nur ausschnittsweise zeigen. Die weißen Wölkchen am Boden sind Fragmentationseinschläge von den Bomben, die außerhalb des Sichtfelds explodieren.

Zwar scheint der dritte Luftschlag das Ziel getroffen zu haben, aber die anderen beiden scheinen ihre Ziele verfehlt zu haben, was nahelegt, dass die Russen “dumme” Kampfmittel verwenden und keine präzisionsgelenkte Munition.

Und laut dem britischen Verteidigungsminister Michael Fallon:

Unsere Daten zeigen an, dass sie ungelenkte Munition über Zivilgebieten abwerfen, dass sie Zivilisten töten, und dass sie diese Munition auf die Freie Syrische Armee abwerfen, die Assad bekämpft.

Und Reuters berichtet:

Wenigstens 39 Zivilisten, darunter acht Kinder und acht Frauen, wurden in den letzten vier Tagen bei russischen Luftangriffen getötet, wie das Syrian Observatory for Human Rights am Samstag mitteilte.

Zudem sagte es, 14 Kämpfer seien getötet worden — 12 von der Milizgruppe Islamischer Staat im östlichen Stadtbereich von Raqqa und zwei von der mit al-Qaida verflochtenen al-Nusra-Front. Der Direktor des Observatory, Rami Abdulrahman, sagte, die Zahlen setzten sich nur aus den verifizierten Opfern zusammen.

Von den 53 bestätigten Opfern scheint es, dass fast 74%, also fast drei Viertel, Zivilisten waren und nur 26% tatsächliche Kombattanten.

Vergleichen Sie das mit Israels Zahlen von Operation Schutzrand. Die eigenen Untersuchungen der IDF, welche sich von den Zahlen der UN unterschieden, ergaben, dass 44% der palästinensischen Opfer Terroristen waren. Anders gesagt, die zivilen Opfer bei den russischen Opferzahlen sind gegenwärtig ca. 1,7 mal so hoch wie die Kombattanten, also fast doppelt so hoch wie bei Israels Militäreinsatz.

Zugegeben, es ist schwierig, Statistiken eins zu eins zu vergleichen, da die russischen Zahlen nur von insgesamt vier Tagen stammen. Trotzdem, wenn man berücksichtigt, dass sich Russland ganz offensichtlich kaum um die Vermeidung ziviler Opfer bemüht, so darf man annehmen, dass diese Zahlen weiter zunehmen werden.

DIE USA TRIFFT EIN AFGHANISCHES KRANKENHAUS

Anders als im Falle von Russland wird von den amerikanischen Streitkräften erwartet, dass sie sich an weit höhere Standards halten, wenn es um die Vermeidung ziviler Opfer geht.

Dennoch sieht sich die USA der Anschuldigung eines möglichen “Kriegsverbrechens” beschuldigt, nachdem sie einen Luftschlag gegen ein Krankenhaus im nordafghanischen Kunduz geführt hat.

Die Organisation Ärzte ohne Grenzen bestritt, dass Taliban von diesem Krankenhaus aus geschossen oder das Gebäude als eine Form von “menschlichem Schutzschild” benutzt hätten.

Laut internationalem Gesetz ist ein Krankenhaus ein illegitimes Ziel, außer wenn es für militärische Zwecke eingesetzt wird. Und selbst dann steht die Frage der Verhältnismäßigkeit im Raum. Wenn Terroristen der Taliban tatsächlich vom Krankenhaus aus geschossen haben, wäre ein Bombardement des Gebäudes mit dem inhärenten Risiko der Verursachung hoher ziviler Opferzahlen dann verhältnismäßig?

Luis Moreno-Ocampo, Chefankläger vom Internationalen Strafgerichtshof, sagt:

Im internationalen humanitären Recht und dem Römischen Statut stellt der Tod von Zivilisten während eines bewaffneten Konflikts, egal wie ernst und bedauerlich, kein Kriegsverbrechen dar… selbst wenn vorher bekannt ist, dass es einige zivile Opfer geben wird. Ein Verbrechen besteht dann, wenn es einen bewussten Angriff auf Zivilisten gibt (Prinzip der Unterscheidung) oder ein militärisches Ziel angegriffen wird in dem Wissen, dass es weitaus höhere zivile Opferzahlen geben wird in Relation zu dem erhofften militärischen Vorteil (Prinzip der Verhältnismäßigkeit).

Es ist eindeutig zu früh, genau zu bestimmen, wie die USA es schaffte, einen scheinbar tragischen Fehler auf dem Schlachtfeld oder in der Beurteilung zu begehen. Trotzdem können wir diesen Vorfall nutzen, um die israelischen Handlungen in den Kontext zu stellen.

Der Gebrauch von menschlichen Schutzschilden in Gaza seitens der Hamas, die von innerhalb eines dicht besiedelten zivilen Gebietes arbeitet, ist eine Tatsache, mit der sich Israel auseinandersetzen muss. Dass die Hamas menschliche Schutzschilde als effektive Politik betrachtet, ist ein Beweis für die Tatsache, dass die Terrororganisation sehr genau weiß, dass die IDF palästinensisches ziviles Leben wertschätzt, selbst wenn die Hamas dieses nicht tut.

Das ist der Grund, warum Luftschläge abgebrochen wurden, wenn sich Zivilisten in der unmittelbaren Umgebung befanden. Ebenso hat Israel Flugblätter abgeworfen und hat palästinensischen Zivilisten SMS-Nachrichten geschickt, um sie zu warnen, zu Zielen gewordene Gebiete zu verlassen. Und es gibt das “Anklopfen auf dem Dach“, wo die IDF einen kleinen Mörser auf das Ziel schießt, um den bevorstehenden Angriff anzukündigen und den drinnen Befindlichen das Signal zur Flucht zu geben, bevor mit voller Wucht angegriffen wird.

Es mag sich herausstellen, dass das afghanische Krankenhaus nicht das beabsichtigte Ziel war und versehentlich getroffen wurde. Es lohnt, sich in Erinnerung zu rufen, dass Israel unter dem Prinzip der Verhältnismäßigkeit sehr wohl berechtigt gewesen wäre, Gazas Shifa-Krankenhaus anzugreifen, welches damals das De-facto-Militärhauptquartier der Hamas im Krieg von 2014 war.

Aber Israel griff Shifa nicht an, und zwar exakt weil es nicht auf [to countenance] der signifikanten zivilen Opferzahlen vorbereitet war, die eine solche Attacke unausweichlich verursacht hätte.

MEDIEN-BERICHTERSTATTUNG

Es wird gewiss interessant werden, die Medienberichterstattung über russische und amerikanische Luftangriffe mit den Berichten zu vergleichen, die Israel zugemutet wurden. Nur allzu oft schreiben die Medien israelischen Militärhandlungen Bösartigkeit zu.

Zum Beispiel schrieb die Schlagzeile der New York Times vom Juli 2014 aktiv Israel die Verantwortung für den angeblichen Beschuss einer UN-Schule zu, die entsprechende Schlagzeile über den Vorfall mit dem afghanischen Krankenhaus bezieht sich jedoch nur passiv auf den Luftschlag statt auf jene, die ihn ausführten.

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Israelische Geschosse sollen UN-Schule getroffen haben

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Luftschlag trifft Krankenhaus der Ärzte ohne Grenzen in Afghanistan

Letztlich haben Israel und die USA gemeinsame Werte, wenn es um Kriegsethik geht. Es fällt schwer zu glauben, die USA habe Zivilisten in einem Krankenhaus absichtlich angegriffen. Im Vergleich zeigt dies jedoch, wieviel Einsatz Israel zeigt, um Szenarien wie das mit dem afghanischen Krankenhaus zu vermeiden.

Es ist eine tragische Unvermeidbarkeit, dass in einem Krieg auch Zivilisten sterben. Russland scheint sich von Moral und Ethik jedoch nicht stören zu lassen. Und in der Zwischenzeit könnte die USA erkannt haben, dass sie etwas von Israel lernen kann, wenn es um Ethik auf dem Schlachtfeld geht.

Bild: CC0 H. Michael Miley via Flickr mit Beifügungen von HonestReporting

In eigener Sache

20. September 2015

Ich muss mich entschuldigen; die letzten zwei Wochen war ich im Urlaub. Neue Artikel kommen ab morgen (22. September) wieder!

Wenn anonyme Quellen aus Washington Israel mit Dreck bewerfen

28. Juli 2015

Pesach Benson, HonestReporting, 23. Juli 2015

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Ob man sie nun mag oder nicht, die Nachrichtenindustrie braucht anonyme Quellen. Manchmal kann man Informationen von nirgendwo sonst herbekommen.

Das verstehe ich.

Aber ein Journalist muss anonyme Quellen nur vorsichtig verwenden. Sie machen Nachrichten weniger transparent — die Leser müssen dem Reporter weit stärker vertrauen, dass die Quelle glaubwürdig ist, dass er weiß, wovon er spricht, und dass er das Blatt nicht für seine eigene Agenda benutzt. Deshalb haben die meisten Nachrichtendienste Richtlinien hinsichtlich Anonymität. Zwei davon möchte ich hier anführen:

  1. Berichte müssen wenigstens eine namentlich genannte Quelle haben. Keine Story sollte sich gänzlich auf anonyme Quellen verlassen.
  2. Während es zulässig ist, eine anonyme Quelle mit Informationen zu zitieren, muss man vorsichtig sein, wenn sie eine Meinung oder eine Interpretation bietet. Es ist unethisch, einer Quelle zu erlauben, jemanden aus der Deckung der Anonymität heraus zu attackieren.

Und das bringt uns zu den “hohen Regierungsbeamten in Washington”, die eine Quelle für Haaretz waren.

Hohe Regierungsbeamte in Washington sagten am Mittwoch, sie seien zu dem Schluss gelangt, Premierminister Benjamin Netanyahu sei an keinerlei Atomabkommen mit dem Iran interessiert — außer an einem, in dem Teheran vollständig kapituliert, aber im Gegenzug keinerlei Sanktionserleichterungen bekommt.

“Das ist die Logik in Israels Kritik”, sagten sie bei einer Unterredung mit Haaretz . . .

Die Beamten zeigten sich konsterniert und enttäuscht über die Tatsache, dass Netanyahu und andere israelische Irangegner dem Wiener Übereinkommen nichts Gutes abgewinnen konnten — obgleich viele israelische Standpunkte in das finale Dokument eingeflossen sind. Die Beamten merkten an, das Übereinkommen erfülle auch die “roten Linien”, die Netanyahu im Lauf der letzten Jahre gezeichnet hatte — “und noch einiges mehr.”

Unter solchen Umständen sei es “schwierig, vernünftige Diskussionen” mit Israel zu führen, ergänzten sie.

HaaretzFür sich alleingenommen hätte diese Unterredung nicht in dieser Form veröffentlicht werden sollen. Die Sorgfaltspflicht auf Seiten von Haaretz hätte bedeutet, irgend jemanden in Washington ausfindig zu machen, der zu einem namentlichen Zitat bereit gewesen wäre, und Jerusalem hätte ein Antwortrecht bekommen müssen. Da all dies fehlt, hätte diese Unterredung einfach als Hintergrundinfo für die Haaretz-Belegschaft abgelegt werden müssen.

Die Sorgfaltspflicht auf Seiten von Haaretz hätte auch bedeutet, jene anonymen Beamten zu hinterfragen. Israel will keinen Krieg. Weder wünschen noch erwarten die Israelis Irans völlige Kapitulation. Und trotz der “Bester Deal, den wir herausschlagen konnten”-Rhetorik gab es eine Alternative. Hier kann man nachlesen, wie ein guter Iran-Deal ausgesehen hätte.

Unsere “hohen Regierungsbeamten in Washington”, die israelische Bedenken diskreditieren wollen, während sie sich für den Iran-Deal einsetzen, haben mit Haaretz eine gute Wahl getroffen. Jüngste Haaretz-Editorials nannten den Deal “eine unglaubliche diplomatische Leistung“, während Premierminister Netanyajus Einwände als “Hysterie” zurückgewiesen wurden.

Dies ist weit entfernt vom israelischen Mainstream. Öffentliche Umfragen unter Israelis ergaben, dass 71% glauben, das Übereinkommen rücke den Iran näher an die Atombombe, 51% würden Obama übergehen, um das Übereinkommen zu brechen, und 47% würden einen unabhängigen israelischen Militäreinsatz gegen den Iran befürworten.

Wenn man es also mit einer anonymen Quelle zu tun hat, sollte man sich sechs Fragen stellen:

  1. Wer ist die Quelle?
  2. Befindet sich die Quelle wirklich in einer Position, dass sie weiß, was sie behauptet? Hat der Reporter genügend Hintergrundinformationen über die Quelle bereitgestellt, damit wir uns ein eigenes Urteil bilden können?
  3. Warum kann die Quelle nicht namentlich für die Story genannt werden? Gibt es eine plausible Erklärung für die Leser?
  4. Was sind die möglichen Motive der Quelle, dass sie mit dem Reporter spricht?
  5. Erfindet die Quelle etwas?
  6. Hätte man die Informationen auch auch von nichtanonymen Quellen bekommen können?

Wollen die Vereinigten Staaten die öffentliche Meinung Israels für sich gewinnen, werden sie den Israelis mit “vernünftigen Debatten” kommen müssen und sich der Tatsache stellen müssen, dass die Israelis jenseits der Haaretz-Seifenblase nichts Gutes über das Übereinkommen zu sagen haben. Anonymes Dreckwerfen in einer außer Tritt geratenen Zeitung wird das nicht schaffen.

Bild: CC BY flickr/Zaheer Mohiuddin mit Modifikationen von HonestReporting; Zeitungen CC BY Wikimedia Commons/Hmbr


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