Archive for the ‘Geistesgrößen’ category

Ist Jerusalem in Israel?

23. Mai 2016

Yarden Frankl, HonestReporting, 18. Mai 2016

05May15-AU-jerusalem-in-israel-feature-770x400

Ist die Altstadt Jerusalems in Israel?

Nicht wenn man der jüngsten Entscheidung der New Zealand Broadcasting Standards Authority (BSA) folgt.

ONE News New Zealand brachte im Oktober eine Sendung über die palästinensische Terrorwelle in Israel. Der Korrespondent schuf den Rahmen, indem er sagte:

Straßenblockaden wurden errichtet, und Tausende Polizisten und Soldaten patrouillieren durch Israel, während es eine Gewaltwelle aufzuhalten versucht. Beim jüngsten Angriff erstach ein Palästinenser eine 70jährige Frau, bevor er erschossen wurde.

Danach zeigte der Bericht Videomaterial, wie ein Terrorist nahe dem Damaskustor erschossen wurde. Die Texteinblendung im Video lautete „Jerusalem“.

Die Sendung führte zu einer Beschwerde der Wellington Palestine Group bei der BSA. Dort war man der Ansicht, die Leser würden zum Glauben verleitet werden, der Tatort und tatsächlich die ganze Stadt Jerusalem könnte womöglich in Israel liegen.

Die WPG behauptete:

Das Unvermögen von TVNZ [Television New Zealand], simple Geographie bei diesem Thema richtig darzustellen, lässt die Zuschauer die israelische Version glauben, Ostjerusalem sei rechtmäßiger Teil Israels und somit sei jeder Widerstand gegen die Besatzung illegitim.

Lassen wir mal beiseite, dass sie hier im Grunde das Einstechen auf eine 70jährige Frau als legitimen „Widerstand gegen die Besatzung“ bezeichnen — „simple Geographie“ zeigt, dass Jerusalem eine einzige Stadt ist. Es existiert keine separate geographische Bezeichnung „Ost“-Jerusalem. Die alte Waffenstillstandslinie von 1949, die die Stadt damals teilte, ist schon lange weg, und heute hätten Araber und Juden alle Mühe, genau aufzuzeigen, wo diese Trennung denn nun verlief.

Zudem ist die Behauptung, die Altstadt Jerusalems, das nationale, spirituelle und historische Herz des jüdischen Volkes, sei kein Teil Israels, völlig absurd.

Doch statt diese unverfrorene Behauptung sofort abzuschmettern, wurde sie von der BSA tatsächlich weitertransportiert: Dort instruierte man den Sender, künftig besser aufzupassen und nicht mehr anzudeuten, Jerusalem wäre ein Teil Israels.

Abschließend sagte die BSA:

Es existiert ein großes öffentliches Interesse, dass geographische Beschreibungen korrekt sind, wenn Vorfälle und der Konflikt in der Region beschrieben werden.

Dem stimmen wir zu.

Aber wir glauben, die BSA schlug der Realität ins Gesicht und tat das exakte Gegenteil, indem sie sich komplett auf die Seite einer Gruppierung schlug, die eine israelfeindliche Agenda verfolgt.

UNICEF und AFP: Israel der „Kindermörder“

18. Mai 2016

Simon Plosker, HonestReporting, 15. Mai 2016

UNICEF_AFP_Child_Killer_B

Bitte unterzeichnen Sie unseren Brief an Emmanuel Hoog, dem Geschäftsführer der AFP, den Sie in diesem Link ganz unten im Artikel finden!

Die unheilige Allianz zwischen antiisraelischen nichtstaatlichen Organisationen (NGOs) und der Presse ist in der AFP-Story mit dem Titel „Israelische Sicherheitskräfte ‚töteten 25 Palästinenserkinder‘ in drei Monaten, sagt UNICEF“ offenkundig.

Die Kinderbehörde der UN sagt, 25 palästinensische Kinder seien in den letzten drei Monaten des Jahres 2015 während einer Gewaltwelle getötet worden.

Ein UNICEF-Bericht sagte, man sei besorgt wegen der exzessiven Gewaltanwendung bei Vorfällen, in denen Palästinenserkinder, die angeblich Messerangriffe durchführten, von israelischen Sicherheitskräften erschossen wurden.

Laut dem Bericht sind über 1.300 palästinensische Kinder während der größten Zunahme der Attacken verletzt worden, fast alle davon im Westjordanland und in Ostjerusalem, während drei israelische Kinder im Westjordanland und in Westjerusalem verletzt wurden.

Zwar wird der Bericht der UNICEF zugeschrieben, aber die AFP versäumt zu erwähnen, dass es sich um das Vierteljahres-Mitteilungsblatt einer von der UNICEF geführten Arbeitsgruppe handelt, die ein wahrhaftiges Stelldichein von NGOs mit politisierten Aktivitäten gegen Israel darstellt:

Weder der Bericht selbst noch AFPs einseitige Berichterstattung geben vor, in irgendeiner Weise ausgewogen sein zu wollen. Statt dessen wird Israel als Mörder palästinensischer Kinder hingestellt:

Von den 23 getöteten Palästinenserkindern wurden 22 von israelischen Sicherheitskräften mit scharfer Munition getötet und eines durch israelische Siedler; es gab bislang keinerlei Festnahmen oder Anklagen in Bezug auf diese Morde.

Festnahmen oder Anklagen gibt es nur bei kriminellen Handlungen. Der UNICEF-Bericht macht hier also die pauschale Annahme, jeder Israeli, der einen Palästinenser im Alter zwischen 12 und 17 getötet hat, sei kriminell.

AFP schreibt:

UNICEF zitierte das Beispiel eines 17jährigen Mädchens, das am 25. Oktober in Hebron im Westjordanland „von IDF-Soldaten für eine Durchsuchung festgehalten, mit wenigstens fünf Kugeln erschossen und getötet wurde“.

„Die israelischen Behörden sagten, sie habe einen Polizisten zu erstechen versucht, aber ein Augenzeuge sagte aus, sie habe zum fraglichen Zeitpunkt keine Gefahr dargestellt, als sie erschossen wurde, und sie habe gerufen, dass sie kein Messer bei sich trage“, steht darin.

Hier ist die Implikation, ein hilfloses Palästinensermädchen sei aufgefasst und dann erschossen worden, während sie sich in der Obhut der IDF befand. Das ganze auf der Grundlage einer „Augenzeugen“-Aussage (vermutlich ein Palästinenser).

Hier die Art und Weise, wie am fraglichen Tag in der israelischen Presse über den Vorfall berichtet wurde:

Am Sonntag versuchte eine Terroristin Grenzpolizisten am Eingang zum Grab der Patriarchen in Hebron zu erstechen, nachdem sie den Argwohn der Beamten erregte.

Die Frau wartete darauf, die heilige Stätte zu betreten, verhielt sich aber auffällig. Sie wurde gebeten, sich auszuweisen, nahm aber plötzlich ein Messer heraus und lief schreiend auf die Polizisten zu.

Die Beamten schossen auf sie, und sie wurde getötet. Sie konnte niemanden verletzen.

Ist eine 17jährige mit einem Messer wirklich ein „Kind“ im reinsten Wortsinn? Hatten die israelischen Sicherheitskräfte ein unschuldiges Kind vor sich, als sie das Feuer eröffneten? Natürlich nicht, und ebensowenig wäre von ihnen erwartet worden, dass sie das Alter der Angreiferin berücksichtigen, während diese einen Terrorakt ausführt.

AFP fährt fort:

Ebenso zeigte sich die UNICEF besorgt über die Anzahl der palästinensischen Kinder im Alter zwischen 12 und 17, die von der israelischen Armee festgehalten werden.

Laut dem israelischen Gefängnisdienst stand die Zahl Ende Dezember bei 422, die höchste Zahl seit März 2009.

Vielleicht sollte die Zahl der palästinensischen Jugendlichen, die sich in Terroranschlägen oder in Gewalt gegen israelische Soldaten und Zivilisten betätigen, die wirkliche Besorgnis erregen. Sollte die UNICEF nicht ihre Besorgnis über die palästinensische Aufstachelung in sozialen Medien wie Facebook und Twitter ausdrücken, die bewirkt, dass solche jungen Menschen ihr eigenes und das Leben anderer gefährden?

Aber weder der UNICEF-Bericht noch AFP sind bereit, eine Alternative zu der Ritualmordlegende anzubringen, Israel würde palästinensische Kinder einfach auf verbrecherische Weise totschießen.

AFP kann über das Kontaktformular angeschrieben werden — https://www.afp.com/en/contact. Und UNICEF erreicht man für Beschwerden unter jerusalem@unicef.org

Bild: Messer-Vektor von Vecteezy

Charlie Hebdo und der bizarre antiisraelische Twitter-Ausbruch eines CNN-Moderators

8. Januar 2015

Simon Plosker, HonestReporting, 8. Januar 2015

Jim Clancy ist für CNN-Zuschauer ein bekanntes Gesicht. Aber war hat er sich nur gedacht, als er sich zu einem bizarren antiisraelischen Twitter-Ausbruch aufmachte?

Es begann damit, dass Clancy in Bezug auf den entsetzlichen Terroranschlag in Paris auf das Büro des Satiremagazins Charlie Hebdo twitterte.

HR_CNNClancy1Die Karikaturen machten sich NIE über den Propheten lustig. Sie machten sich darüber lustig, wie die FEIGLING versuchten sein Wort zu verdrehen. Passt auf.

Als Clancy von Oren Kessler deswegen zur Rede gestellt wurde, war seine Antwort unangemessen zu implizieren, Kesser mache das aus Gründen der „Hasbara“.

HR_CNNClancy2Oren Kessler: Absolut unwahr. Das Magazin wurde in der Vergangenheit schon wegen einer Ausgabe angegriffen, in der Mohammed als Gastautor zitiert wurde.
Clancy: Hasbara?

Von da an ging es rasch bergab, weil Clancy jegliche legitime Kritik als Teil eines organisierten proisraelischen Angriffs auf sich auffasste, besonders als der respektierte Blogger Elder of Ziyon Fakten als Belege vorlegte, die Clancys ursprünglichen Tweet anfochten.

HR_CNNClancy3_EOZMan sollte sich die Karikaturen ansehen, bevor man darüber twittert. Ich habe eine Sammlung: http://t.co/QSvVFHKqwM

Das Team Hasbara (israelische Erklärung der Widersprüche der Menschenrechte) hat den Sieg über @ClancyCNN erklärt – als nächstes kommt der #ICC – Jim Clancy (@clancycnn) 8. Januar 2015

Der offen antisemitische Twitter-Account „Jews Making News“ (Juden machen Nachrichten) schaltete sich dann mit einem Angriff auf Elder ein, was Clancy veranlasste mit der bizarren Behauptung zu antworten, dass sowohl Elder als auch die antisemitische Jews Making News Teil einer antimuslimsichen und proisraelischen PR-Kampagne seien.

Inzwischen hat Clancy die folgenden zwei Tweets von seinem Account gelöscht – ich habe Screenshots gemacht – vermutlich, nachdem er erkannte, wie schädlich sie für seine Glaubwürdigkeit sind.

HR_CNNClancy4Jews Making News: Schaut mal, wer von Rassismus und Antisemitismus redet. Werde vor LACHEN über dich platzen. Der war gut, ZioNazi.
Jim Clancy: Hier liegt der Hase im Pfeffer: Jews Making News, Elder of Ziyon sind Konten mit rund 50 Folgenden… die auch Teil einer PR-Kampagne sind, die antimuslimisch ist.

HR_CNNClancy5Jews Making News: Schaut mal, wer von Rassismus und Antisemitismus redet. Werde vor LACHEN über dich platzen. Der war gut, ZioNazi.
Jim Clancy: Diese Konten sind Teil einer Kampagne für #Israel @JewsMakingNews @elderofziyon Nichts Illegales – aber PR, nicht HR: Menschenrechte

Was sagte es über Clancys Geisteszustand, dass er nicht zwischen einer authentischen, pro-israelischen Blogseite und einer anderen unterscheiden kann, die ausdrücklich für antisemitische Verschwörungstheorien wirbt? Als er mit seinen erlogenen Behauptungen konfrontiert wurde, diejenigen, die ihn auf Twitter kritisierten, seien Teil einer antimuslimischen Kampagne zugunsten Israels, hatte Clancy noch die Zeit seine bizarre Neurose mit einem Verweis auf ein „Team Hasbara“ zu demonstrieren.

HR_CNNClancy6Human Rights New: Äh, Jim Clancy, keine “pro-israelische Stimme” sagte das oder impliziert es auch nur. Haben Sie Leseverständnisprobleme?
Jim Clancy: Reiß dich am Riemen, Kleiner. Es ist mein Freitagabend. Du und das Team Hasbara müsst sich schon auf einem Krüppel am Rande der Herde herumhacken.

Eine detailliertere Zusammenstellung von Clancys Tweets und der verschiedenen Antworten sind auf der Internetseite Twitchy zu finden. Das Fazit ist jedoch, dass Jim Clancy sich nicht einfach selbst eine Grube grub. Er grub weiter, indem er ein eingebildetes Team proisraelischer Aktivisten hervorzauberte, die per Definition antimuslimische Fanatiker sind, um alternative Sichtweisen zu seinem ursprünglichen Tweet wegzuerklären, die überhaupt nichts mit Israel zu tun hatten. Verschlimmert wurde das noch durch die Werbung für ein antisemitisches Twitterkonto als Beweis für seine alberne Theorie.

Twitter entlarvt oft die wahren Gedanken prominenter User, einschließlich Persönlichkeiten der Medien. Jim Clancy hat uns ein Fenster in seine Weltsicht geboten und die ist nicht angenehm. Genauso wenig angemessen ist sie für einen Moderator von CNN.

——

Nachtrag von heplev: Elder of Ziyon schreibt, dass Clancy wohl erkannt hat, dass ihm seine Hasstiraden zu viel Ärger einhandeln und hat viel Tweets gelöscht. Außerdem blockiert er alle, die ihn auf seine Tweets ansprechen. Das veranlasst Elder ein kleines Poster zu erstellen (hier eingedeutscht):

ClancyCNN

Chomsky ist nicht sicher, dass es BDS gibt

30. April 2014

Alex Margolin, HonestReporting.com, 28. April 2014

Bring Noah Chomsky auf deinen Campus und du weißt, dass es nur eine Frage der Zeit ist, das die BDS-Frage aufkommt.

Und genau das geschah letzte Woche an der Brown University, wo Chomsky eine lebhafte Debatte über den Nahen Osten mit Dennis Ross führte, dessen Beteiligung an den Friedensgesprächen bis zu den Oslo-Vereinbarungen in den 1990er-Jahren zurückgeht.

Als sie zur Boykott-, De-Investitions- und Sanktions-Bewegung gefragt wurden, waren Ross und Chomsky von Anbeginn an unterschiedlicher Meinung zur Natur der Frage; sie übertönten sich gegenseitig und ließen den anderen kaum zu Wort kommen.

Ross sagte, er unterstütze die Bewegung allgemein nicht; sie fordere weltweite Wirtschaftsmaßnahmen gegen Israel, um das Land zu zwingen eine Menge palästinensischer Ziele zu akzeptieren. Dieses Herangehen ist falsch, denn es schafft eine Verbindung zu einer Einstaaten-Lösung, sagte er. Chomsky wich der Frage aus und sagte, die Bewegung existiert in der Praxis nicht, also sei darüber zu reden „totale Zeitveschwendung“.

Chomsky sagte aber, er unterstützt bestimmte Byokott-Bemühungen, darunter die, die Unternehmen ins Visier nehmen, die in der Westbank bauen.

Nach Chomsky gibt es also keine BDS-Bewegung, so wie es den Löffel im Film Matrix nicht gibt.

Was ist mit akademischen Boykotten?

Vor der Veranstaltung sagte Chomsky gegenüber The Herald, dass er die Boykottierung israelischer Universitäten nicht unterstützt. Er fügte hinzu, dass die USA auch an internationalen Verbrechen beteiligt sind und er würde nicht vorschlagen das MIT oder Harvard zu boykottieren.

Boykotte müssten „von Prinzipien geleitet“ und „zielgerichtet“ sein, um effektiv sein zu können, sagte er dem Herald.

Während Chomsky nicht ausdrücklich erklärte, dass er gegen die BDS ist, scheinen seine Worte „von Prinzipien geleitet“ und „zielgerichtet“ der BDS-Bewegung entgegenzustehen, die eine völlige wirtschaftliche, politische, kulturelle und sportliche Boykottierung Israels fordert. Sie hat außerdem kein Interesse an den internationalen Standards, die Israel das Existenzrecht einräumen. Sie ist also weder von Prinzipien geleitet noch zielgerichtet und damit ineffektiv.

Doch Chomskys Abneigung unverblümt seine Gegnerschaft zu BDS zu erklären, legt nahe, dass er versuchen könnte sich beiden Seiten anzudienen. Immerhin ist Chomsky für die Israel-Basher seit Jahren ein Held. Was würden die denken, würden sie erkennen, dass Chomsky er mit Israel nachsichtig ist?

Keine Religionsfreiheit für Juden auf dem Tempelberg

17. September 2013

Simon Plosker, HonestReporting.com, 15. September 2013

Während Juden rund um die Welt den Yom Kippur begingen, den heiligsten Tag des jüdischen Kalenders, können Sie sich darauf verlassen, dass der Guardian einen Kommentar veröffentlicht, der gegen die freie Religionsausübung an der heiligsten Stätte des Judentums plädiert.

Dr. Giles Fraser von der St. Mary’s Newington Church in Südlondon erklärt in „An Israeli claim to Temple Mount would trigger unimaginable violence“ (Ein israelischer Anspruch auf den Tempelberg würde unvorstellbare Gewalt auslösen) die orthodoxe Theologie, die postuliert, dass es religiösen Juden verboten ist über den Tempelberg zu gehen. Er gibt an: „Jüdischer Zugang zum Tempelberg ist religiösen Juden [durch religiöses, nicht säkulares Gesetz] seit Jahrhunderten strengstens verboten“, als wäre dies durchgängig repräsentativ für das Judentum als Ganzes.

Er wiederholt ebenfalls das Märchen, dass es „Ariel Sharons gewollt provokativer Besuch auf dem Tempelberg am 28. September 2000, der die zweite Intifada entzündete“. Das trotz der Tatsache, dass selbst prominente Palästinenser zugegeben haben, dass die Gewalt vorsätzlich ausgelöst wurde und kein direktes Ergebnis des Besuchs Sharons war.

Fraser fährt fort:

Aber während Israel weiter nach rechts driftet, kommen diese gefährlichen Stimmen jetzt in den politischen Mainstream. Noch im März besuchte Wohnungsbauminister Uri Ariel, der für den Neubau des Tempels eintritt, die Stätte als „Tourist“. Im April betonte Knessetmitglied Miri Regev: „Ich verstehe nicht, warum einem Juden nicht erlaubt wird am für ihn heiligsten Ort zu beten – dem Tempelberg.“ Religionsminister  Naftali Bennett hat angekündigt, er werde an Gesetzen arbeiten, die den Juden den Zugang garantieren. Und der berüchtigte politische Likud-Hardliner, Siedler und Knessetabgeordnete Moshe Feiglin – der glaubt Israel sollte die gesamte Westbank und den Gazastreifen annektieren – verstärkte den Druck auf Benjamin Netanyahu letzte Woche in einer Rede in New York; er forderte den Premier auf die jüdische Souveränität über die Stätte wiederherzustellen.

Erstens: Wie Israels letzte Wahlergebnisse zeigten, ist das Land nicht „weiter nach rechts gedriftet“. Fakt ist, das die Linke und die Rechte bei der letzten Wahl praktisch gleichauf lagen.

Zweitens: Fraser versucht rechte Politiker zu nutzen, um hart zu kritisieren, was praktisch eine Frage der freien Religionsausübung und Gebet ist. Viele mögen Miri Regevs Politik nicht zustimmen, aber warum genau hat er Einwände gegen ihr Zitat? Was Moshe Feiglin angeht, so ist schwer erkennbar, wie ein Außenseiter-Politiker innerhalb des Likud den Druck auf Benjamin Netanyahu erhöhen könnte.

Es scheint so, dass Fraser der Politik in Israel nicht allzu genau folgt. Täte er das, dann würde er wissen, dass Neganyahu Feigling sogar das Betreten des Tempelbergs verbot, was dazu führte, dass Feiglin sich aus der Regierungskoalition zurückzog. Das sollte Fraser sagen, dass Feiglin nicht nur in keiner Position ist Druck auf Netanyahu auszuüben, sondern dass der israelische Premier offenbar entschlossen ist jegliches Handeln auf dem Tempelberg zu vermeiden, das Konflikt auslösen könnte.

Fraser schließt, wobei sich er Aufrufe die jüdische Souveränität über den Tempelberg wiederherzustellen berief:

Es wäre schwer die Gefährlichkeit dieser Idee zu übertreiben. Die riesige Mehrheit der orthodoxen Rabbiner haben ihre Opposition dazu betont. Doch die Siedler-Mentalität konzentriert sich jetzt zunehmend auf das, was politisch der explosivste Ort des Planeten ist. Wenn sie Erfolg haben, würde eine Milliarde Muslime weltweit ausrasten.

Was genau ist „die Siedler-Mentalität“? Der Tempelberg ist für alle Juden die heiligste Stätte, ungeachtet ihrer politischen oder religiösen Orientierung. Was eine Milliarde ausrastender Muslime angeht, sollte Fraser sich vielleicht fragen, warum diese Drohung mit Gewalt seitens der Muslime verziehen oder den Juden in die Schuhe geschoben werden sollte. Die Machpela-Höhle in Hebron, die sowohl Juden als auch Muslimen heilig ist, hat Regelungen für geteiltes Gebet beider Gemeinschaften. Aber es sind nur die von Muslimen verwalteten heiligen Stätten, für die es als akzeptabel gilt, dass Nichtmuslimen dort das Gebet verboten wird.

Fraser demonstriert zudem krasse Heuchelei, indem er sich offenbar aus jüdischen religiösen Theologien herauspickt, was ihm gerade in den Kram passt. Während er also eine orthodoxe Haltung zum Tempelberg vertritt, unterstützt er scheinbar religiöse Inklusion, wie dieser Tweet illustriert:

Ich und die staunenswerte Anat Hoffman von den „Frauen der Mauer“. Außergewöhnliche Aktivistin für religiöse Inklusion.

Giles Fraser kann nicht beides haben. Ist er wirklich an Theologie oder an Politik interessiert?

Das Thema jüdisches Gebet auf dem Tempelberg ist kompliziert. Es ist möglich jüdischem Zugang zum Tempelberg prinzipiell zuzustimmen und in der Praxis dennoch dagegen zu sein, um die Erzeugung von politischen Spannungen und potenzieller Gewalt zu vermeiden. Fraser jedoch scheint sich an eine theologische Haltung gehängt zu haben, um seine politische Meinung zu stützen. Damit hat er ein religiöses und politisches Kuddelmuddel geschaffen, mit dem er politische Souveränität mit freier Religionsausübung durcheinander bringt.

Al Jazeera America startet mit Judenhasser

23. August 2013

HonestReporting Media BackSpin, 232. August 2013

So viel zum ersten. Nach dem lange erwarteten Start war der Verschwörungstheoretiker Professor Stephen Walt allererster Gast bei Al Jazeera Amerika (AJA).

Er ist weithin bekannt durch seine Co-Autorenschaft bei The Israel Lobby, einem in Misskredit geratenen Buch, das Juden beschuldigt, die amerikanische Außenpolitik zu steuern. (Ohne Osama Bin Ladens Empfehlung wäre das Buch wohl nicht so populär diskutiert worden.) Walts Beobachtungen zum prä-arabischen Frühling gehören zu den drei doofsten Stücken, die intellektuelle Libyen-Besucher geschrieben haben. Und seine Reaktion auf das Itamar Massaker im Jahr 2011 war eiskalt und schockierend.

Walt fasste seine Überlegungen über die Unruhen in Ägypten so zusammen, dass er den AJA-Zusehern verklickerte, die US-Hilfe für Kairo sei nicht wirklich von bedeutendem strategischem Interesse für die USA, sondern solle Israel besänftigen. Hier das Video.

Ich kann’s kaum noch erwarten, wer sonst noch auf der Einlistungsliste der AJA-Experten erscheint. Henry Siegman? Abdel Bari Atwan? Geneive Abdo?

Wie wäre es mit Neve Gordon, dem israelischen Professor, der für Walt zu extrem ist?

Und was wird Al Jazeera Amerika als Draufgabe bringen?

(Hat tip: Washington Free Beacon)

Mitgefühl für die Teufel

19. August 2013

HonestReporting Media BackSpin, 19. August 2013

Abbildung: Mahmoud Abbas feiert Freilassung palästinensischer Terroristen.

Der Economist meint, dass Israel bei der Freilassung von Gefangenen letzte Woche zu knauserig gewesen sei.

Als Maßstab für die Ernsthaftigkeit der Verhandlungen zwischen Israelis und Palästinensern offenbart die Zahl der palästinensischen Gefangenen, die am Vorabend der Gespräche veröffentlicht wurde, düstere Aussichten, so Pessimisten. Als sich beide Seiten vor zwei Jahrzehnten zu Verhandlungen zusammensetzten, entließ Israel nach der Unterzeichnung des Osloer Abkommens im Jahr 1993 in einem einzigen Jahr 2.000 Palästinenser. In den folgenden Jahren ließ Israel durchschnittlich 1.000 Häftlinge pro Jahr frei. Danach sank die Zahl auf ein paar Hundert ab. Und nun, angesichts der neu aufgenommenen Gesprächsrunde, die am 14. August in Jerusalem begann, ließ Israels Ministerpräsident Benyamin Netanyahu nur 26 frei.

Und selbst dies hat in Israel Empörung ausgelöst.

Überrascht, dass sich der Economist so desinteressiert für den Schmerz israelischer Terroropfer zeigt?

Vielleicht ein wenig. Wie man weiß, begab sich das Blatt in genau die gleiche Kalamität, als es Abdelbaset al Megrahis Freilassung aus der Haft im Jahr 2009 verurteilte. Schottische Behörden hatten den Lockerbie-Bomber aus „humanitären Gründen“ freigelassen, nachdem bei ihm Krebs diagnostiziert worden war. Megrahi wurde bei seiner Ankunft in Libyen als Held empfangen und lebte noch drei Jahre.

Abbildung: Lockerbie-Attentäter Abdelbaset al-Megrahi als Held empfangen.

Was der Economist dann von sich gab, passt zu den 26 Mördern, die nun ihre unverdiente Freiheit genießen:

Der Grund, Herrn Megrahi aus der Haft zu entlassen, war weniger praktisch als symbolisch – die Gräueltaten, (270 Menschen getötet; 189 von ihnen Amerikaner), deren er schließlich im Jahr 2001 für schuldig befunden wurde. Terrorismus wird manchmal unscharf mit einer Art intellektueller Seriosität in Verbindung gebracht, die bei banaler Gewaltanwendung fehlt. Aber beim Lockerbie-Bombenanschlag handelte es sich um kaltblütigen Massenmord; Megrahis Verbrechen war schlimmer als das jedes anderen Häftlings in Großbritannien. Der Zweck der Haft besteht darin, die Ächtung der Gesellschaft zu bekunden, die Opfer zu rehabilitieren und potentielle Täter abzuschrecken; und aus moralischen Gründen hätte Megrahi bis zu seinem Tod eingesperrt bleiben müssen.

Wie kann man sich das neu entdeckte Mitleid des Economist für die Teufel erklären?

Es ist natürlich viel einfacher, Häftlingsentlassungen zu befürworten, wenn die Terroranschläge nicht in der eigenen Nachbarschaft stattgefunden haben. Falls man noch einen weiteren Beweis dafür braucht, denke man an die Empörung, als ein Diplomat die palästinensischen Häftlinge mit Anders Breivik verglich, der im Jahr 2011 in Norwegen bei einem Amoklauf 77 Menschen getötet hatte.

Entweder so, oder es braucht 270 tote Israelis, um die Aufmerksamkeit des Economist zu bekommen.


Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 12.982 Followern an