Archive for the ‘Iran’ category

Dishonest Reporter of the Year 2015: Warum die BBC gewonnen hat

29. Dezember 2015

Simon Plosker, HonestReporting, 28. Dezember 2015

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Als wir unsere Archive für 2015 durchsahen, war klar, welches Medium den diesjährigen Dishonest Reporter Award verdient. Die Ehre gebührt dem ewigen Kandidaten BBC News.

Egal zu welchem Zeitpunkt man die BBC anschaltet, die hinterhältige Natur ihrer antiisraelischen Voreingenommenheit zieht sich wie ein roter Faden durch ihr Programm. Dieses Jahr jedoch lief das Fass über, da die BBC einige ernsthaft schockierende Momente in ihrer Berichterstattung hatte, die zu einem gewaltigen Maß an Zorn und Ärger führten.

Hier sind neun „Highlights“, welche die Stellung der BBC als schlimmster Nachrichtendienst 2015 zementierten.

Hier klicken für die Liste der Nächstplatzierten.

1. Tim Willcox’ “jüdische Hand”

Das besonders üble Jahr der BBC begann im Januar mit der haarsträubenden Berichterstattung über die Pariser Terroranschläge auf Charlie Hebdo und einen koscheren Supermarkt. Reporter Tim Willcox interviewte bei der Solidaritäts-Massenversammlung vom 11. Januar in Paris eine jüdische Frau. Willcox unterbrach sie mit den Worten:

Viele Kritiker von Israels Politik würden sagen, dass auch die Palästinenser sehr unter der jüdischen Hand leiden.

Damit machte er im Grunde das gesamte französische Judentum (und alle Juden) für die Handlungen Israels verantwortlich und bot gleichzeitig eine Rechtfertigung für die Terroranschläge.

Später entschuldigte sich Willcox auf Twitter für eine „schlecht formulierte Frage“. Die BBC hielt das für hinreichend reuevoll und verzichtete daher auf weitere Maßnahmen gegen Willcox und auch auf eine offizielle Anerkenntnis der beleidigenden Natur dieses Interviews.

Hiernach gab es ein langgezogenes und letztlich fruchtloses Beispiel für die Absurdität der Beschwerdeprozedur bei der BBC. Deren Editorial Complaints Unit schmetterte die zahlreichen Beschwerden ab und formulierte nicht nur einmal, sondern gleich doppelt eine Verharmlosung und Reinwaschung des Vorfalls. Nachdem sie den Prozess bereits über Monate gezogen hatten, wurde ein weiteres Gesuch seitens HonestReporting vom redaktionellen Chefberater des BBC Trust zurückgewiesen.

Schlussfolgerung? Die Beschwerdeprozedur der BBC ist eindeutig nicht zweckdienlich.

2. Anschlag auf Charlie Hebdo kein „Terrorismus“

Willcox war nicht das einzige Beispiel der unterirdischen Berichterstattung der BBC über die Pariser Terroranschläge. Es waren unprovozierte Anschläge auf rein zivile Ziele — das Büro eines Magazins und ein koscherer Supermarkt — mit der Absicht, Menschen umzubringen und eine Stadt einzuschüchtern. Jeder vernünftige Mensch würde das Terrorismus nennen.

Nicht aber die BBC. Nehmen wir zum Beispiel den Chef von BBC Arabic, Tarik Kafala. Er sagte dem Independent, Terror sei ein zu stark „geladener“ Begriff für das Geschehene.

„Wir versuchen es zu vermeiden, eine Person als Terrorist oder eine Tat als terroristisch zu bezeichnen“, so der britisch-libysche Kafala, der ein Team aus zirka 200 Personen in den Büros von BBC Arabic im vierten Stock des New Broadcasting House anführt. „Terrorismus ist ein stark geladenes Wort. Die Vereinten Nationen haben sie über ein Jahrzehnt lang schwergetan, das Wort zu definieren, und sie können es nicht. Es ist sehr schwierig.“

In Wirklichkeit wissen wir durchaus, was Terror ist — die BBC will das Wort einfach nur nicht sagen.

3. „Keine Beweise“ für menschliche Schutzschilde

video-BBC-biased-clueless-770x400Die Unfähigkeit der BBC, sich selbst zu überwachen, wurde zu einem Dauerbrenner. Nehmen wir zum Beispiel die vielen Beschwerden über Orla Guerin, die 2014 aus Gaza berichtet hatte, es gebe „keine Beweise“ dafür, dass die Hamas menschliche Schutzschilde benutze. Obwohl es sich um Beschwerden über Berichterstattung aus dem Jahr 2014 handelte, antwortete der BBC Trust nicht vor Mai 2015. Diesmal pflichtete der Trust der Beschwerde bei, dass Guerins Aussage unzutreffend war:

Sich auf die „Beweise“ einer Seite zu beziehen, bedeutet nicht notwendigerweise, dass ihre Version der Ereignisse untermauert werden. Daher würde ich der Einschätzung zustimmen, dass man es hätte besser formulieren können.

Aber weiter ging der BBC Trust nicht; man behauptete, die Zuschauer hätten aus Guerins Bezügen auf Raketen, die in unmittelbarer Nähe zu Wohnvierteln abgefeuert wurden, selbst den Schluss ziehen sollen, dass die Hamas nichts Gutes im Schilde führte.

4. „Würden Sie Ihre Eltern als Terroristen beschreiben?“

Zwar konnte sich die BBC nicht dazu durchringen, die islamistischen Mörder in Frankreich oder die palästinensischen Messerstecher in Israel als Terroristen zu beschreiben, aber dieser Standard wird selbstverständlich sofort ungültig, sobald es um Juden geht.

Bei einem Interview für BBC Newsnight stellte Evan Davis der israelischen Politikerin Tzipi Livni eine Reihe von Suggestivfragen einschließlich der folgenden, die in Bezug auf Livnis Eltern gestellt wurde, die sich im Kampf gegen das britische Militär im Palästina-Mandat der 1940er der Irgun angeschlossen hatten:

Sie waren von den Briten festgenommen worden, sie waren Teil der Irgun, einer Bewegung. Würden Sie Ihre Eltern als Terroristen bezeichnen?

Evan Davis‘ Frage war ein plumper Versuch, dass Livni das Wort „Terrorist“ in den Mund nimmt. Sie stellt ernsthaft seine Unparteilichkeit in Frage und lässt uns fragen, warum bei der BBC nur Juden und Israelis als Terroristen bezeichnet werden können?

Was den Rest des Interviews betrifft, so versuchte Davis beständig, Livni mit Fragen in die Ecke zu drängen, die auf der Annahme beruhten, Israel sei ein Apartheidstaat. Er fragte sie sogar, ob sie Sanktionen gegen Südafrika zur Apartheidzeit zustimmte — ein Versuch, eine moralische Entsprechung zwischen dem südafrikanischen Apartheitregime und Israel herzustellen und Livni als potentielle Scheinheilige darzustellen.

Einfach nur ein weiteres Beispiel für die feindselige Haltung der BBC, wenn sie es mit einem israelischen Politiker zu tun hat — völlig gleich, wo dieser im politischen Spektrum steht.

5. Schockierender Holocaust-Tweet

Nur Wochen nach dem Willcox-Vorfall kam von Seiten der BBC etwas vielleicht noch Krasseres, Unsensibles und schlichtweg Beleidigendes. Anlässlich des internationalen Holocaustgedenktags und dem 70. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz tweetete „The Big Question“, eine BBC-Debattiershow über moralische, ethische und religiöse Fragen Folgendes:

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Was oder wen genau will die BBC zur Ruhe betten? Holocaustüberlebende? Die Erinnerung an sechs Millionen jüdische Opfer des Nazi-Völkermords?

Wieder einmal hat die BBC ein Thema von immenser Wichtigkeit für das jüdische Volk mit Füßen getreten.

6. Immer weiter draufprügeln

Wer immer noch nicht glaubt, dass die BBC an einer ungesunden Israelbesessenheit leidet, kann sich das Foto ansehen, das sie als Begleitbild ihrer Berichterstattung über ein Fußballspiel zwischen Israel und Wales bei der Qualifikation für die Europameisterschaften 2016 genommen hat.

Die Politik hinter dem Spiel wäre für einen BBC-Nachrichtenbericht passend gewesen, aber was erwartete die Besucher der BBC-Sportseite vor und während des Spiels? Dieses Bild:

BBC-Sport

7. Die alternative Realität der BBC

Bei der Verkündung des Atomdeals mit dem Iran interviewte das Radio BBC World Service Israels damaligen Wissenschafts-, Technologie- und Weltraumminister Danny Danon.

Danon sagte, Israel halte sich „alle Möglichkeiten offen“. Als die Moderatorin Razia Iqbal Danon um eine Erläuterung bat, war ihre Reaktion schockierend und verstörend zugleich:

Aber Sie werden vom Iran gar nicht bedroht. Für sehr lange Zeit hat niemand im Iran Sie bedroht. Sie greifen auf eine Zeit zurück, in der Präsident Mahmoud Ahmadinedschad Israel direkt bedroht hat.

Hier der Radiobeitrag: https://soundcloud.com/honestreporting/bbc-world-service-radio-newshour-july-14-2015

In welcher Realität lebt die BBC-Moderatorin eigentlich? Nur ein paar Tage vor dem Interview beging der Iran den „Al-Quds-Tag“, wo zahlreiche Drohungen gegen Israel ausgesprochen wurden. Und wiederum einige Tage davor hatte ein bekannter iranischer Führer Israel die Zerstörung angedroht:

„Die Präsenz des israelischen Regimes ist zeitweilig“, sagte der iranische Ayatollah Akbar Haschemi Rafsandschani der mit der Hisbollah verknüpften Nachrichtenseite Al Ahd. „Schlussendlich wird dieses fremdartige geformte Gebilde, das dem Körper einer uralten Nation und einer historischen Region aufgezwungen wurde, eines Tages von der Weltkarte gewischt werden.“

Am Ende des Jahres akzeptierte die Editorial Complaints Unit der BBC eine Beschwerde.

Obgleich die Frage nur dazu dienen sollte, dem Interviewpartner seine Sichtweise über die Natur der Bedrohungen zu entlocken, denen Israel gegenübersteht, erweckte die Formulierung den Eindruck, es wäre eine unbestrittene Tatsache gesagt worden. Die vom Beschwerdeführer angeführten Aussagen aus iranischen Quellen genügten, um dies in Frage zu stellen.

8. Entgleisung von BBC Panorama

BBC Panorama, die wichtigste Sendung der BBC zu aktuellen Themen, brachte im Juli einen Beitrag namens „Die Bahn, die Jerusalem spaltet“. Was für eine Entgleisung dieser Beitrag doch war.

Der selbsternannte jüdische Filmemacher Adam Wishart konzentrierte sich auf Jerusalems Straßenbahn, um Jerusalems Palästinenser als Opfer eines bösartigen Plans darzustellen, die Stadt auf ihre Kosten zu „verjuden“. Und das alles würde von der Entwicklung von Jerusalems Transportnetzwerk vorangetrieben.

Hier das Video: https://vimeo.com/136422517

HonestReporting nahm eine gründliche Widerlegung des halbstündigen Beitrags vor, der selbst nach BBC-Standards als derart voreingenommen angesehen wurde, dass er in jüdischen Zeitungen des Vereinigten Königreichs sowie auch in der Jerusalem Post Schlagzeilen machte. Die JP schrieb:

Die BBC hatte keine Antwort auf die Frage der Post, welche Mechanismen zum Einsatz kamen, um sicherzustellen, dass der Beitrag ausgewogen war, und ob man einen Folgebeitrag in Betracht zog, der die andere Seite des Streits um Jerusalem zeigt. Die Sprecherin sagte nur, der Beitrag habe „die Spannungen in Jerusalem durch die Augen eines britisch-jüdischen Filmemachers erforscht und wiedergegeben, was er in der Stadt bezeugt und von einer Anzahl von Stimmen mit unterschiedlichen Ansichten gehört hat.“

Yiftach Curiel, Sprecher der israelischen Botschaft in London, sagte der Post, dieser Beitrag sei einer der voreingenommensten in jüngster Zeit gewesen. „Er errichtet ein weitestgehend fiktives Narrativ, indem er marginale Meinungen in der israelischen Gesellschaft nahm und als Mainstream präsentierte, während er gleichzeitig palästinensischen Terrorismus und palästinensische Aufstachelung in den Hintergrund schiebt.“

9. Terroranschlag in Jerusalem: irreführende BBC-Schlagzeile

Zwei Israelis wurden zu Beginn der palästinensischen Terrorwelle im Oktober in Jerusalems Altstadt erstochen. Der palästinensische Attentäter wurde von Sicherheitskräften erschossen, nachdem er das Feuer auf sie eröffnete. Die Frau eines der Opfer und ihr zweijähriges Kind wurden leicht verletzt.

Wie berichtete die BBC anfangs über den Anschlag?

Palästinenser erschossen, nachdem Jerusalemanschlag zwei tötete

Der Fokus der Schlagzeile liegt auf dem Tod des palästinensischen Attentäters, der „erschossen“ wurde, was den Terroristen effektiv zum Opfer macht.

Und was ist eine „Jerusalem-Attacke“? Städte greifen keine Menschen an. Die BBC konnte sich nicht dazu durchringen, einem Palästinenser Verantwortlichkeit zuzugestehen. Ebenso verschwieg sie, dass die tatsächlichen Opfer des Anschlags israelische Juden waren.

Die haarsträubende Schlagzeile erzeugte so viel Zorn, dass selbst Israels normalerweise passives Regierungs-Pressebüro einen scharf formulierten Brief an den Chef des BBC-Büros in Jerusalem, Richard Palmer, schickte, in dem die Schlagzeile als „unethisch“ bezeichnet wird.

Die Schlagzeile wurde später mehrfach verändert, aber es ist verstörend, dass ein solcher Artikel überhaupt erst erscheinen konnte.

* * *

Die gesamte Zukunft der BBC wird dank einer Satzungsprüfung Ende 2016 seitens der britischen Regierung neu diskutiert. Es wäre übertrieben zu behaupten, die voreingenommene Israelberichterstattung der BBC spiele bei der Neuordnung bzw. Umstrukturierung des enormen Nachrichtenapparats der BBC eine wesentliche Rolle.

Dennoch ist die Behandlung Israels durch die BBC Teil eines tieferen institutionellen Problems ihrer Nachrichtenabteilung, der man weithin Voreingenommenheit nachsagt, wenn es um Themen geht, die nicht ins linke BBC-Weltbild passen.

Zumindest kann sich die BBC im Ruhm des Dishonest Reporter Awards suhlen, und zwar dank eines äußerst bemerkenswerten Jahres, selbst nach den hohen antiisraelischen Standards der BBC.

Simon Plosker, geschäftsführender Redakteur von HonestReporting, fügt hinzu:

Dieser Preis ist absolut verdient, denn die BBC hat dieses Jahr wirklich einen neuen Tiefstand in seiner Israelberichterstattung erreicht. Sie erkennt keinen Antisemitismus und nicht einmal Terrorismus. Es ist über zehn Jahre her, seit der Balen-Report die Israelberichterstattung der BBC untersuchte und hiernach von der BBC vertuscht wurde.

Die lange Reihe haarsträubender Vorfälle in diesem Jahr ist ein weiterer Beweis, dass die institutionelle Voreingenommenheit der BBC immer noch tief verankert ist. Dieses Jahr hat ebenfalls gezeigt, dass der Mangel an Verantwortlichkeit innerhalb der BBC und ihre Unfähigkeit, sich effektiv zu überwachen, dringend einer Abhilfe bedarf. Die Beschwerdeprozedur der BBC ist schlichtweg nicht zweckdienlich.

Als einer der einflussreichsten Sender der Welt hat die BBC die Verantwortung, eine Story korrekt zu berichten. Im Falle Israels hat sie grenzenlos versagt.

Hier klicken für die Liste der Nächstplatzierten.

Wenn Eilmeldungen zu eilig sind

26. Dezember 2015

Yarden Frankl, HonestReporting, 24. Dezember 2015

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Die Nachrichtenwelt ist rasant. In der Eile, die ersten zu sein, die eine wichtige Meldung bringen, knallen Medien Schlagzeilen auf ihre Websites, ohne Faktencheck zu betreiben und ohne sicherzustellen, dass die Story auch wirklich stimmt. Selbst wenn der nachfolgende Artikel dann alle relevanten Informationen bietet, verbiegt eine falsche Schlagzeile die ganze Story.

Hier ein Beispiel:

Zwei Israelis wurden bei einem palästinensischen Terroranschlag am Eingang zu Jerusalems Altstadt getötet. Es sollte nicht schwerfallen, diese Tatsache in einer Überschrift wiederzugeben — wer waren die Opfer, wer waren die Täter?

Hier aber eine der ersten erschienenen Schlagzeilen, in diesem Fall von der Associated Press:

2 Palästinenser nach Messerangriff in Jerusalem getötet

2 Palästinenser nach Messerangriff in Jerusalem getötet

Warum wurden diese Palästinenser getötet? Waren sie etwa diejenigen, die erstochen wurden? Diese Schlagzeile vermittelt den Lesern nicht einmal den grundlegenden Sachverhalt des Vorfalls.

Viele weitere Medien wie die New York Times oder das Time Magazine nutzten die AP-Schlagzeile und verbreiteten die Falschinformation in der ganzen Welt:

2 Palästinenser nach Messerangriff in Jerusalem getötet

2 Palästinenser nach Messerangriff in Jerusalem getötet

2 Palästinenser nach Messerangriff getötet

2 Palästinenser nach Messerangriff getötet

Und CNN ließ nicht nur das Wort „Palästinenser“ aus der Schlagzeile raus. Während AP etc. zumindest im Artikel Opfer und Täter benannten, entschied man bei CNN offenbar, die Identität der Täter sei nicht wichtig, und so kam der komplette Artikel ohne eine einzige Erwähnung von „Palästinensern“ aus. Die Terroristen werden nur als „Angreifer“ beschrieben. Zwar sind „Terroristen“ durchaus auch „Angreifer“, aber dieses Wort verwässert den Sachverhalt und vorenthält den Lesern wichtige Informationen.

2 Tote bei Angriff in Jerusalems Altstadt

2 Tote bei Angriff in Jerusalems Altstadt

Nach Beschwerden über die irreführende und einseitige Schlagzeile korrigierte AP diese, und die Times und andere Medien übernahmen die neue Version:

2 palästinensische Angreifer getötet, 2 Israelis sterben in Jerusalem

2 palästinensische Angreifer getötet, 2 Israelis sterben in Jerusalem

Aber: Da hat man sich die Zeit genommen und etwas Klarheit in die Schlagzeile gebracht, aber trotzdem entschied irgendein Redakteur, dass die Palästinenser „getötet“ wurden, die Israel aber einfach nur „starben“? Das ist also ein Unterschied, ja? Die Israelis wurden also nicht „getötet“?

Es könnte natürlich noch schlimmer sein. Hier die Schlagzeile von Press TV, dem Propagandakanal des Iran:

Israelische Kräfte erschießen 2 Palästinenser in al-Quds

Israelische Kräfte erschießen 2 Palästinenser in al-Quds

Press TV kann absolut nicht als glaubwürdiges Medium betrachtet werden, aber wenn man sich die Schlagzeilen in der Mainstream-Presse anschaut, dann muss man sich fragen, ob die Versuche der Vermischung und Undeutlichmachung von Opfer und Täter in diesem Konflikt bereits gewirkt haben.

Die „Dishonest Reporting Awards“ 2015

25. Dezember 2015

Pesach Benson, HonestReporting, 23. Dezember 2015

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Das Jahr begann mit islamischem Terror in Paris, wurde aber von den iranischen Atomverhandlungen und den strapazierten US-israelischen Beziehungen dominiert. Eine Welle palästinensischer Messer- und Autoramm-Angriffe begann mit dem jüdischen Neujahr. Als sich 2015 seinem Ende zuneigt, hat der islamische Terror wieder im Westen zugeschlagen, und Paris erlitt neuerliche Gewalt.

Die „Dishonest Reporting Awards“ 2015

1. Der beste Grund, palästinensische Quellen mit Vorsicht zu behandeln: die Hochwasser-in-Gaza-Verleumdung

2. Voreingenommenster Journalist: Kitty Holland

3. Schlimmster Missbrauch anonymer Quellen: Haaretz

4. Verleumdung des Jahres: Fareed Zakaria

5. Übelste Verkettung: New York Times

6. Große Momente der Selbstbeweihräucherung: Brian Williams

7. Dümmste Twitter-Tirade: Jim Clancy

8. Verstörendste falsche Landkarte: MSNBC

Und wer ist insgesamt der unehrlichste Reporter 2015? Das verkünden wir nächste Woche, behaltet also diesen Blog im Auge! Und jetzt ohne große Umschweife… hier sind die Nächstplatzierten!

DRA-silhouette-25x2531. Der beste Grund, palästinensische Quellen mit Vorsicht zu behandeln: die Hochwasser-in-Gaza-Verleumdung

Nach schweren Unwettern im Februar beschuldigten Palästinenser Israel, Gaza überflutet zu haben, indem sie Dämme im Süden geöffnet hätten. Die Anschuldigungen erschienen in einer Reihe von Medien wie AFP, Al-Jazeera, Russia Today, Xinhua und den palästinensischen Maan News.

Quellen für diese Beschuldigung waren u. a. der Chef der Zivilschutzbehörde im Hamas-geführten Gazastreifen, Brigadegeneral Said Al-Saudi, während Russia Today schrieb: „Fast jedes Jahr öffnet Israel ohne vorherige Ankündigung die Fluttore ihrer Dämme in Richtung Gaza und setzt große Mengen überschüssigen Wassers frei, das sich bei schweren Regen- oder Schneefällen in der Region Naqab angesammelt hat.“

Bei dieser Story gab es jedoch ein großes Problem — es existieren keine Dämme in Südisrael. Das Hochwasser in Gaza lag einfach am schweren Regen und an den miserablen Abwasserkanälen. Als dies klar wurde, entfernte AFP sein Video über die Story, und Al-Jazeera nahm seinen Artikel zurück und veröffentlichte sogar eine Entschuldigung.

Die Daily Mail aber ignorierte das alles und veröffentlichte die Story sogar ein zweites Mal.

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Nach einem langen E-Mail-Austausch mit HonestReporting machte Mail Online einen erbärmlich anmutenden Versuch, den Artikel zu berichtigen. Man änderte die Schlagzeile, entfernte Zitate von Palästinensern und belastende Fotounterschriften, bevor man schlussendlich zugab, dass die Story erschwindelt war.

Eine frühere Version dieses Artikels besagte, Israel habe im Süden des Landes Flussdämme geöffnet und eine Überschwemmung des Gaza-Streifens verursacht. In Wirklichkeit gibt es keine Dämme in Südisrael, und die Überflutung wurde von Regen und Ableitungsproblemen verursacht. Wir freuen uns, das klarstellen zu können.

DRA-silhouette-25x2532. Voreingenommenster Journalist: Kitty Holland

Einige Journalisten bedanken sich und korrigieren ihre Story, wenn man sie auf einen Fehler hinweist. Andere lehnen freundlich ab und liefern Gegenargumente.

Aber als HonestReportings leitender Redakteur Simon Plosker eine Twitter-Konversation mit der Irish-Times-Journalistin Kitty Holland begann, wurde es übel.

Statt auf ein ernstes Problem bei ihrem fragwürdigen Bericht über die Anschuldigung von Amnesty International einzugehen, Israel habe „Kriegsverbrechen“ begangen, tweetete Holland:

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Hollands haarsträubender Tweet spricht Bände über ihre Haltung nicht nur gegenüber Israel, sondern auch gegenüber der Mehrheit der Juden, die sich als Zionisten betrachten. Aber wie konnte die Irish Times das akzeptabel finden? Die Antwort kam einige Monate später als Antwortmail an HonestReporting. Diese E-Mail wurde vom Chefredakteur der Zeitung geschrieben, Kevin O’Sullivan, und betraf andere einseitig gegen Israel gerichtete Artikel:

Die Irish Times war immer einer unvoreingenommenen Berichterstattung gegenüber verpflichtet und wird dies auch weiterhin bleiben. Wo angebracht, werden faktische Fehler korrigiert. Normalerweise treten wir diesbezüglich gerne in einen Dialog mit unseren Lesern, aber ich ziehe die Grenze bei einer Organisation, deren Website rassistisches, islamophobes und sexistisches Material bietet…

Schon wieder schlägt jemand bei der Irish Times berechtigte Kritik als unrechtmäßiges Produkt von „Zionisten“ in den Wind — oder wie im letzten Fall aufgrund einer Organisation, welche der Chefredakteur einfach nicht mag.

DRA-silhouette-25x2533. Schlimmster Missbrauch anonymer Quellen: Haaretz

Erasmus von Rotterdam

Erasmus von Rotterdam

Ein berühmter Kommentar des niederländischen Philosophen der Renaissance, Erasmus von Rotterdam, der von vielen Blues-Musikern übernommen wurde, passt auch auf anonyme Quellen: Man kann nicht mit ihnen leben, man kann nicht ohne sie leben.

Journalisten brauchen anonyme Quellen, da deren Informationen den Reportern ein besseres Verständnis des Geschehens vermitteln. Aber wenn die Leser nicht wissen, wer der unidentifizierte Sprecher ist, müssen sie den Vertrauensvorschuss leisten, dass die Quelle glaubwürdig ist und keine eigenen ideologischen bzw. politischen Hintergedanken verfolgt.

Da der öffentliche Diskurs nicht mit bzw. ohne anonyme Quellen leben kann, hat der Journalismus ethische Richtlinien formuliert. Zwei Richtlinien wurden von Haaretz grob verletzt, als das Blatt eine Story auf der Aussage zweier „hoher Regierungsbeamter in Washington“ gründete, die Schmutz auf die israelischen Einwände gegen die Nuklear-Vereinbarung mit dem Iran warfen.

1. Berichte müssen wenigstens eine namentlich genannte Quelle beinhalten. Keine Story sollte je ausschließlich auf anonymen Quellen fußen.
2. Bei den Meinungen und Ansichten eines unidentifizierten Individuums muss man Vorsicht walten lassen. Es ist unethisch, jemand im Schutz der Anonymität jemand anderen attackieren zu lassen.

Die unangemessene Nutzung anonymer Quellen wie im vorliegenden Fall kann das öffentliche Misstrauen gegenüber der Nachrichtenindustrie nur weiter anheizen. Was würden Erasmus und die Blues-Musiker dazu sagen?

DRA-silhouette-25x2534. Verleumdung des Jahres: Fareed Zakaria

So spaltend es für das amerikanische Judentum war, gab es viele gute Gründe pro und contra dem iranischen Atomabkommen. Zwar sind persönliche Angriffe unglückseligerweise ein Bestandteil des öffentlichen Diskurs, aber es ist umso bedauerlicher, wenn Persönlichkeiten aus den Nachrichten an der Schlammschlacht teilnehmen.

Ein besonders hervorstechendes Beispiel war, als CNN-Analyst Fareed Zakaria Kritiker des Atomdeals ungerechtfertigt eines Loyalitätskonflikts beschuldigte. Hier (bitte klicken) ein Video, in dem man miterleben kann, was Zakaria der Moderatorin Brooke Baldwin sagte.

Ein Stabsredakteur des Tablet antwortete wie folgt:

Was wir immer weniger gut vertragen — und wozu wir uns im Augenblick verpflichtet fühlen, etwas zu sagen –, ist die Verwendung von Judenhetze und anderen eklatanten und rückschrittlichen Formen rassischer und ethnischer Vorurteile als Werkzeug, um einem politischen Deal Vorschub zu leisten oder die Opposition schlecht zu machen. Senator Schumer Loyalität zu einer ausländischen Regierung zu unterstellen ist schlichtweg Bigotterie. Senatoren und Kongressabgeordnete, deren Kritik am Iran-Deal von der Mehrheit der US-Wählerschaft geteilt wird, zu beschuldigen, im Interesse einer ausländischen Macht zu handeln oder ihre Stimmen zwielichtigen Lobbyisten zu verkaufen oder gegen die Interessen der Vereinigten Staaten zu handeln, ist die Art nackte Bigotterie und Vorurteile, die für die Politik der Südstaaten vor der Zeit der Bürgerrechtsbewegung so prägnant waren.

Dieser Gebrauch antijüdischer Hetze als politisches Instrument ist eine verstörende neue Entwicklung im politischen Diskurs der USA, und wir haben in letzter Zeit wirklich zuviel davon gehört — und einiges davon kam unheilverheißenderweise sogar aus dem Weißen Haus und von dessen Repräsentanten. Beschönigen wir es nicht: Das Gemurmel über „Geld“ und „Lobbying“ und „ausländische Interessen“, die Amerika in einen Krieg ziehen wollen, ist ein direkter Versuch, die Loyalitätskonflikts-Karte auszuspielen. Das ist die Art dunkler, bösartiger Aussagen, die man vielleicht von White-Power-Kundgebungen erwarten würde, aber nicht vom Präsidenten der Vereinigten Staaten — und es wird mittlerweile derart unverhohlen betrieben, dass selbst viele von uns, die der Regierung und selbst diesem Abkommen wohlwollend gegenüberstehen, dadurch erschüttert wurden.

DRA-silhouette-25x2535. Übelste Verkettung: New York Times

Als die Palästinenserbehörde Israel beschuldigte, den Status quo auf Jerusalems Tempelberg zu verändern, trumpfte die New York Times mit einem Artikel auf, der in Frage stellte, ob die antiken jüdischen Tempel überhaupt je auf dem fraglichen Gebiet standen. Die Times ignorierte, dass führende Historiker darin übereinstimmen, dass der Tempelberg natürlich genau dieser Ort war (daher auch der heutige Name „Tempelberg“), und schien den Schaden, den das Timing dieses unzutreffenden Artikels verursachte, völlig gleichgültig hinzunehmen.

Als Araber die jüdische Verbindung zum Tempelberg leugneten und die New York Times scharfer jüdischer Kritik ausgesetzt war, brachte sie erstmal eine kleine Korrektur zur Begrenzung des Schadens und veröffentlichte dann eine nicht damit in Zusammenhang stehende zweite Korrektur über die islamische Waqf, die den Tempelberg verwaltet.

Doch selbst die im ursprünglichen Artikel zitierte Historikerin Jodi Magness schrieb letztendlich einen Brief an die Times und beschwerte sich, ihre Worte seien aus dem Zusammenhang gerissen worden. Sie stellte klar, dass die jüdischen Tempel tatsächlich auf dem Tempelberg gestanden haben. Danach brachte die Times eine redaktionelle Bemerkung, der Artikel in seinem Originalwortlaut sei inkorrekt gewesen — und kein glaubwürdiger Historiker würde die Existenz der Tempel an jenem Ort leugnen noch dass der Tempelberg die heiligste Stätte des Judentums ist.

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DRA-silhouette-25x2536. Große Momente der Selbstbeweihräucherung: Brian Williams

Der NBC-Nachrichtensprecher Brian Williams verlor Glaubwürdigkeit und seine angesehene Position, als er im Fernsehen damit angab, in einem abgeschossenen Helikopter der US-Armee im Irak mitgeflogen zu sein. Nachdem er sich selbst eine Auszeit gönnte, damit NBC-Führungskräfte den Fall untersuchen konnten, kamen weitere Fälle übertriebener Selbstbeweihräucherung ans Licht.

Williams Geschichten klangen dramatisch, aber es kam u. a. heraus, dass er während Hurrikan Katrina keine Leichen gesehen hatte, die an seinem Hotelzimmer in New Orleans vorbeischwammen. Auch seine Geschichte über eine Katyusha der Hisbollah, die unter einem israelischen Helikopter vorbeiflog, in dem er sich befand, war ebenfalls nicht so dramatisch, da sich die Rakete in ziemlicher Entfernung von dem Helikopter befand.

Nach seiner sechsmonatigen Suspendierung gewöhnt sich Williams gerade an seine neue Rolle innerhalb von MSNBC, und Lester Holt hat seinen alten Job als Sprecher der NBC Nightly News übernommen. Hat Williams seine Lektion gelernt? Die Zeit wird es zeigen.

DRA-silhouette-25x2537. Dümmste Twitter-Tirade: Jim Clancy

Dank der sozialen Medien können die Leute der Welt mitteilen, was sie wirklich denken. Und das scheint exakt das zu sein, was CNN-Nachrichtenmann Jim Clancy bei einem bizarren Twitter-Wutausbruch im Januar gemacht hat. Das kostete ihn seinen Job und seine Glaubwürdigkeit, und viele Leser hatten das Gefühl, sie seien gerade Zeuge eines besonders grauenhaften Autobahnunfalls geworden.

Es begann recht harmlos. Clancy tweetete seine Ansicht über den schockierenden Terroranschlag auf das Pariser Charlie-Hebdo-Büro. Oren Kessler, ein Kommentator zu Israel-Angelegenheiten, widersprach ihm. Dann ging es richtig zur Sache…

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Clancys erster Antworttweet war einfach „Hasbara?“, so als sei jeglicher Kommentar eines Israelexperten nichts weiter als ein Versuch, Israel in ein gutes Licht zu stellen. Danach schaltete der erfahrene Nachrichtenmann auf stur und schlug in einer Reihe von Tweets, von denen er einige später löschte, wild auf alle ein, die nicht seiner Meinung waren. Erstaunlicherweise warf er sogar den proisraelischen Blogger Elder of Ziyon und den antisemitischen Twitteraccount Jews Making News als Teil des „Hasbara-Teams“ in einen Topf.

Simon Plosker von HonestReporting sagte hierzu:

Auf Twitter zeigt sich oft die wahre Gedankenwelt prominenter Nutzer, so auch die von Medienpersönlichkeiten. Jim Clancy hat uns Einblick in seine Weltsicht gewährt, und die sieht nicht gut aus. Und sie passt auch nicht zu einem CNN-Nachrichtensprecher.

CNN muss das genauso gesehen haben, denn zehn Tage später verkündete der Sender, das seit 30 Jahre bestehende Angestelltenverhältnis mit Clancy sei nun beendet. Zwar wurde kein Grund für Clancys Abschied angegeben, aber es fällt schwer, nicht den Schluss zu ziehen, dass Clancys ungeheuerlicher und unpassender Wutausbruch bei Twitter etwas mit seiner Entlassung zu tun hatte.

DRA-silhouette-25x2538. Verstörendste falsche Landkarte: MSNBC

Als die palästinensische Gewaltwelle im Oktober Fahrt aufnahm, sahen die Medien plötzlich die Notwendigkeit einer plausiblen Perspektive, um die Messerangriffe, Autoramm-Attacken und Schießereien zu „erklären“.

MSNBC fand einen neuen Weg, die schamlose palästinensische Aggression als vernünftig und angemessen hinzustellen — und zwar indem sie sich propalästinensischer Propaganda in Form einer Aufeinanderfolge von Karten anschlossen, welche die Geschichte in der Region falsch wiedergeben.

Selbst kleinste Nachforschungen hätten die Falschdarstellungen der Karten offengelegt, also dauerte es nicht lang, bevor sich MSNBC entschuldigte.

Die Lektion daraus ist jedoch weit heimtückischer: Medien sind weit mehr mit einer künstlichen „Ausgewogenheit“ in ihrer Berichterstattung über Attacken auf Israel beschäftigt, als dass sie ihren Lesern bzw. Zuschauern ein klares Bild des Geschehens vermitteln.

Hätten die Journalisten die palästinensischen Absichten auf einer Karte darstellen wollen, hätten sie natürlich mit Leichtigkeit ein Exemplar gefunden, welches Israel komplett auslöscht. Und das würde ausnahmsweise mal zeigen, was der wirkliche Kern der aktuellen Gewaltwelle ist.

Bild des Tempelbergs CC BY-NC flickr/marielinden4, flickr/Jeremy Piehler und CC BY-SA-NC HonestReporting

„Iran keine Bedrohung für Israel“: BBC akzeptiert Beschwerde

16. Dezember 2015

Simon Plosker, HonestReporting, 15. Dezember 2015

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Im Juli hatte der BBC World Service ein Interview mit dem damaligen Wissenschafts-, Technologie- und Weltraumminister Danny Danon gebracht.

Bezüglich der Ankündigung eines Nukleardeals mit dem Iran sagte Danon, Israel halte sich „alle Optionen offen“. Die Moderatorin Razia Iqbal bat Danon um Erklärung. Ihre Reaktion war schockierend und verstörend zugleich:

Aber Sie werden vom Iran gar nicht bedroht. Für sehr lange Zeit hat niemand im Iran Sie bedroht. Sie greifen auf eine Zeit zurück, in der Präsident Mahmoud Ahmadinedschad Israel direkt bedroht hat.

Daraufhin haben wir eine Vielzahl von Beweisen für iranische Drohungen gegen Israel zusammengestellt, um zu zeigen, wie ignorant das Interview war, und haben eine Unterschriftenpetition gestartet.

HRsuccess2Jetzt hat die BBC Editorial Complaints Unit über den Fall entschieden, und das Ergebnis fiel zu unseren Gunsten aus:

Ergebnis
Obgleich die Frage nur dazu dienen sollte, dem Interviewpartner seine Sichtweise über die Natur der Bedrohungen zu entlocken, denen Israel gegenübersteht, erweckte die Formulierung den Eindruck, es wäre eine unbestrittene Tatsache gesagt worden. Die vom Beschwerdeführer angeführten Aussagen aus iranischen Quellen genügten, um dies in Frage zu stellen.
Akzeptiert

Folgemaßnahmen
Die Redaktion hat den Sachverhalt mit Moderatorin und Team besprochen und deutlich die Notwendigkeit betont, dass Fragen sorgfältig formuliert werden müssen.

Zwar ist dies nur ein Tropfen im Ozean, wenn es um die BBC geht, aber es ist dennoch ein begrüßenswertes Ergebnis. Wir danken unseren Lesern und den mehr als 13.000 Unterzeichnern unserer Petition.

Bild: CC BY-SA HonestReporting.com und freestock.ca

Wenn anonyme Quellen aus Washington Israel mit Dreck bewerfen

28. Juli 2015

Pesach Benson, HonestReporting, 23. Juli 2015

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Ob man sie nun mag oder nicht, die Nachrichtenindustrie braucht anonyme Quellen. Manchmal kann man Informationen von nirgendwo sonst herbekommen.

Das verstehe ich.

Aber ein Journalist muss anonyme Quellen nur vorsichtig verwenden. Sie machen Nachrichten weniger transparent — die Leser müssen dem Reporter weit stärker vertrauen, dass die Quelle glaubwürdig ist, dass er weiß, wovon er spricht, und dass er das Blatt nicht für seine eigene Agenda benutzt. Deshalb haben die meisten Nachrichtendienste Richtlinien hinsichtlich Anonymität. Zwei davon möchte ich hier anführen:

  1. Berichte müssen wenigstens eine namentlich genannte Quelle haben. Keine Story sollte sich gänzlich auf anonyme Quellen verlassen.
  2. Während es zulässig ist, eine anonyme Quelle mit Informationen zu zitieren, muss man vorsichtig sein, wenn sie eine Meinung oder eine Interpretation bietet. Es ist unethisch, einer Quelle zu erlauben, jemanden aus der Deckung der Anonymität heraus zu attackieren.

Und das bringt uns zu den „hohen Regierungsbeamten in Washington“, die eine Quelle für Haaretz waren.

Hohe Regierungsbeamte in Washington sagten am Mittwoch, sie seien zu dem Schluss gelangt, Premierminister Benjamin Netanyahu sei an keinerlei Atomabkommen mit dem Iran interessiert — außer an einem, in dem Teheran vollständig kapituliert, aber im Gegenzug keinerlei Sanktionserleichterungen bekommt.

„Das ist die Logik in Israels Kritik“, sagten sie bei einer Unterredung mit Haaretz . . .

Die Beamten zeigten sich konsterniert und enttäuscht über die Tatsache, dass Netanyahu und andere israelische Irangegner dem Wiener Übereinkommen nichts Gutes abgewinnen konnten — obgleich viele israelische Standpunkte in das finale Dokument eingeflossen sind. Die Beamten merkten an, das Übereinkommen erfülle auch die „roten Linien“, die Netanyahu im Lauf der letzten Jahre gezeichnet hatte — „und noch einiges mehr.“

Unter solchen Umständen sei es „schwierig, vernünftige Diskussionen“ mit Israel zu führen, ergänzten sie.

HaaretzFür sich alleingenommen hätte diese Unterredung nicht in dieser Form veröffentlicht werden sollen. Die Sorgfaltspflicht auf Seiten von Haaretz hätte bedeutet, irgend jemanden in Washington ausfindig zu machen, der zu einem namentlichen Zitat bereit gewesen wäre, und Jerusalem hätte ein Antwortrecht bekommen müssen. Da all dies fehlt, hätte diese Unterredung einfach als Hintergrundinfo für die Haaretz-Belegschaft abgelegt werden müssen.

Die Sorgfaltspflicht auf Seiten von Haaretz hätte auch bedeutet, jene anonymen Beamten zu hinterfragen. Israel will keinen Krieg. Weder wünschen noch erwarten die Israelis Irans völlige Kapitulation. Und trotz der „Bester Deal, den wir herausschlagen konnten“-Rhetorik gab es eine Alternative. Hier kann man nachlesen, wie ein guter Iran-Deal ausgesehen hätte.

Unsere „hohen Regierungsbeamten in Washington“, die israelische Bedenken diskreditieren wollen, während sie sich für den Iran-Deal einsetzen, haben mit Haaretz eine gute Wahl getroffen. Jüngste Haaretz-Editorials nannten den Deal „eine unglaubliche diplomatische Leistung„, während Premierminister Netanyajus Einwände als „Hysterie“ zurückgewiesen wurden.

Dies ist weit entfernt vom israelischen Mainstream. Öffentliche Umfragen unter Israelis ergaben, dass 71% glauben, das Übereinkommen rücke den Iran näher an die Atombombe, 51% würden Obama übergehen, um das Übereinkommen zu brechen, und 47% würden einen unabhängigen israelischen Militäreinsatz gegen den Iran befürworten.

Wenn man es also mit einer anonymen Quelle zu tun hat, sollte man sich sechs Fragen stellen:

  1. Wer ist die Quelle?
  2. Befindet sich die Quelle wirklich in einer Position, dass sie weiß, was sie behauptet? Hat der Reporter genügend Hintergrundinformationen über die Quelle bereitgestellt, damit wir uns ein eigenes Urteil bilden können?
  3. Warum kann die Quelle nicht namentlich für die Story genannt werden? Gibt es eine plausible Erklärung für die Leser?
  4. Was sind die möglichen Motive der Quelle, dass sie mit dem Reporter spricht?
  5. Erfindet die Quelle etwas?
  6. Hätte man die Informationen auch auch von nichtanonymen Quellen bekommen können?

Wollen die Vereinigten Staaten die öffentliche Meinung Israels für sich gewinnen, werden sie den Israelis mit „vernünftigen Debatten“ kommen müssen und sich der Tatsache stellen müssen, dass die Israelis jenseits der Haaretz-Seifenblase nichts Gutes über das Übereinkommen zu sagen haben. Anonymes Dreckwerfen in einer außer Tritt geratenen Zeitung wird das nicht schaffen.

Bild: CC BY flickr/Zaheer Mohiuddin mit Modifikationen von HonestReporting; Zeitungen CC BY Wikimedia Commons/Hmbr

Der iranische Deal und Doppeldenke

23. Juli 2015

Cherryl Smith, HonestReporting, 21.07.2015

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Dr. Cherryl Smith ist emerierte Professorin in Rhetorik und Satzbau an der California State University, Sacramento. Sie schreibt für Framing Israel.

Was mit dem Iran-Deal falsch läuft (siehe hier und hier), kann man auch an Gebrauch und Missbrauch der Sprache ablesen, die rund um den Deal verwendet wird.

Es fällt schwer, es unter einen Hut zu bringen, dass die Führer der Islamischen Republik Iran unverblümt sagen, wir sollten nicht erwarten, dass sie sich in irgendeiner Weise ändern, und das von der USA geführte Verhandlungsteam dennoch die Bedeutung der Taten und Worte dieser Führer zu ignorieren scheint. Zwar mag es nicht unbedingt George Orwells „Doppeldenke“ aus dem Buch 1984 gleichkommen:

Wissen und Nichtwissen . . . gleichzeitig zwei Meinungen vertreten können, die sich widersprechen, und trotzdem an beide glauben . . . Logik gegen Logik verwenden . . .

Aber es ist durchaus beunruhigend.

Der beste Deal, den wir herausschlagen konnten

Seit Franklin D. Roosevelt verstand, dass er das Erfordernis einer Zweidrittelmehrheit im Kongress umgehen konnte, indem er einen Vertrag einfach nicht als Vertrag bezeichnete, haben Präsidenten Verträge seither zuweilen „Regierungsübereinkommen“ genannt. Der Vertrag mit dem Iran läuft unter der Bezeichnung „Deal„.

Und obwohl sich die Debatte darauf konzentrierte, ob das nun ein guter oder ein schlechter Vertrag ist, hat die Bezeichnung „Deal“ es sich so anhören lassen, als handle es sich nicht wirklich um eine gewichtige Vereinbarung, und scheint auch verschleiert zu haben, warum wir (d. h. der Westen, vertreten durch die USA, die EU und Großbritannien) überhaupt verhandelt haben.

Ziel des „Dealens“ mit dem Iran war, ihn vom Bau von Atomwaffen abzuhalten. Die Aufhebung von Sanktionen galt dem Stopp von Irans nuklearem Aufbau. Da der Deal dies nicht erwirkt, melden die Saudis, Jordanier, Ägypter und Israelis, iranische Exilanten und 77% der Amerikaner ihren Protest an.

Es ist nicht so, als ob die USA, Großbritannien, Deutschland und Frankreich einen Deal mit dem Iran bräuchten. (Vielleicht freuen sich China und Russland aus wirtschaftlichen Gründen über den Deal.) Aber der Westen und der Nahe Osten dürfen nicht zulassen, dass Iran, der weltgrößte Terrorsponsor, seinem Arsenal keine Atomwaffen hinzufügt.

War dies wirklich der beste Deal, den wir herausschlagen konnten, dann wäre die logische Alternative überhaupt kein Deal — zumindest noch nicht.

Zentrifugen und Ausflüchte

US-Staatssekretärin Wendy Sherman

US-Staatssekretärin Wendy Sherman

Die Konzentration auf das Zustandekommen eines Deals — im Gegensatz zur Beeinflussung des Verhaltens des Iran — führte zu seltsamen Verschleierungen.

Selbst wenn Irans Atomprogramm während der nächsten Jahre etwas entschleunigt wird, existieren die für den Bau von Atomwaffen notwendigen Materialien und Maschinen noch immer. Die versprochenen „Immer und überall“-Inspektionen sind nicht nur verschwunden, sondern wurden durch einen 24-Tage-Vorausbescheid ersetzt und — noch bizarrer — mit der Vorgabe, dass die Iraner detaillierte Erklärungen über den Grund für die Inspektion erhalten müssen.

Und US-Staatssekretärin Wendy Sherman sagte, die Forderung nach „Immer und überall“-Inspektionen sei nur „Rhetorik“ gewesen.

Die nichtmoderate Republik

Alles andere als die Sanktionen und das Atomprogramm war „vom Tisch“. Der Deal hebt die Sanktionen auf und behält das Atomprogramm im Großen und Ganzen bei. Die Menschenrechte der Iraner, das Verprügeln oder Töten von Vergewaltigungsopfern, das Hängen von Homosexuellen, der Mangel an Freiheiten, all das wurde nicht diskutiert. Ebenfalls vom Tisch war die Diskussion über die illegal im Gefängnis sitzenden vier Amerikaner im Iran.

Ebenfalls wurde der Iran im Gegenzug für die Aufhebung von Wirtschaftssanktionen nicht dazu aufgefordert, mit der Bedrohung Israels aufzuhören, den Terror der Hisbollah im Libanon, von Assads Streitkräften in Syrien oder der Hamas in Gaza nicht weiter zu unterstützen. Statt dessen verkündete Ayatollah Ali Khamenai einen Tag nach Abschluss des „Deals“, dieser „Sieg“ ändere nichts an der „Politik gegenüber der arroganten USA“ oder an Irans Agenda, einer in einer sehr deutlichen Sprache ausgedrückten Agenda.

Während der Verhandlungsmonate leiteten Irans Führer Sprechchöre mit „Tod Amerika“ und „Tod Israel“ an und bekräftigten ihr Ziel, zur beherrschenden Macht im Nahen Osten zu werden — das Schicksal der Islamistischen Republik Iran, wie sie glauben.

Der Versuch, sich diesen Deal im Kopf begreiflich zu machen, scheint Orwells Doppeldenke zu erfordern.

Sherman CC BY-ND flickr/US-Botschaft in Kiew, Ukraine

Achse des Bösen heftet Hurrikan Sandy an ihre Fahnen

2. November 2012

HonestReporting Media BackSpin, 2. November 2012

Rechts: Verrazano-Narrows-Brücke während des Horrorsturms

Mir war klar, dass irgendwelche Verschwörungstheoretiker Israel für Hurrikan Sandy verantwortlich machen würden. Israel ist schuld an Tsunamis, Hai-Attacken im Roten Meer, der Vogelgrippe und etlichem mehr, sodass lächerliche Anschuldigungen mich nicht mehr überraschen.

Wider Erwarten kamen die Unterstützer der Achse des Bösen dieser Annahme zuvor, indem sie sich den Horrorsturm an ihre Fahnen hefteten. Dazu CNN:

Stunden, nachdem Supersturm Sandy sich heulend seinen Weg entlang der Ostküste diese Woche gebahnt hatte und eine Schneise tödlicher Verwüstung hinterlassen hatte, waren die Reaktionen weltweit von Mitgefühl und Hilfsmaßnahmen geprägt.

Aber nicht in Syrien, wo einige Regierungstreue den am Montag einsetzenden Supersturm begrüßten und behaupteten, dass die Naturkatastrophe das Ergebnis von geheimer und hochintelligenter Ingenieurskunst sei

„Quellen bestätigten uns, dass Hurrikan Sandy, der die USA heimsucht, in HighTech-Labors des heroischen iranischen Regimes entwickelt worden war, das den Widerstand zusammen mit unserem syrischen Regime koordiniert“ behauptete ein regierungstreues Netzwerk der syrischen Streitkräfte in einem Facebook-Posting.

„Dies ist die Strafe für jeden, der es wagt, Syriens (Bashar) al-Assad anzugreifen und Frieden und Stabilität zu bedrohen.“

Was könnten sie sonst noch ausgelöst haben?

(Foto via Flickr/MTAPhotos)


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