Archive for the ‘Europa und Nahost’ category

Israelhasser bestätigt aus Versehen: BDS ist antisemitisch

22. Februar 2016

Zahava Raymond, HonestReporting, 17. Februar 2016

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In einem Independent-Artikel beschuldigt Ben White die britische Regierung einer „Fehlrepräsentation der BDS-Bewegung als antisemitisch“, und zwar im Rahmen der neuen Rechtsprechung, welche Kommunen und öffentlichen Einrichtungen einen Boykott Israels verbietet. White führt die Tatsache, dass es auch Juden gibt, welche die Boykotte unterstützen, als Beweis an, dass BDS — und Juden — nicht antisemitisch sein können. Diese „Logik“ führt er nicht weiter aus, und ebensowenig erklärt er, warum es für eine Bewegung nicht antisemitisch sein soll, mit den Boykotten ausschließlich auf Juden zu zielen. Die von ihm erwähnten jüdischen Organisationen sind Randgruppen, die in keinster Weise die jüdische Mainstream-Meinung repräsentieren.

Er behauptet, BDS stelle den „Kolonialismus der israelischen Siedler und die Besatzung“ in Frage, das „Apartheidregime“ der israelischen Regierung und das „willkürliche Töten von Palästinensern“ in Gaza, die laut White alle unschuldig sind, denn in seinem Hirn existiert keine Hamas, und daher gibt es absolut keinen Grund, warum sich Israel je verteidigen müsste. Was er jedoch verschweigt. ist die Delegitimierung Israels und dessen Beendigung als dem jüdischen Staat durch die BDS-Bewegung, beispielsweise durch das Einfordern eines „Rückkehrrechts“ für palästinensische Flüchtlinge von 1948 und 1967 sowie deren Nachkommen.

Zwar gibt es natürlich viele palästinensische Gruppen, die sich für einen Israelboykott einsetzen, aber in Wahrheit schaden diese Boykotte dem durchschnittlichen Palästinenser, der einfach nur ein normales Leben führen will, mehr als sie Israel betreffen. Zum Beispiel verloren Hunderte Palästinenser ihre Jobs, als SodaStream, wo viele tausend Israelis und Palästinenser arbeiteten, zum Verlassen des Westjordanlands gezwungen wurde.

White argumentiert, die BDS-Bewegung würde nicht nur Israel herauspicken, sondern es gebe auch Sanktionen und Waffenembargos gegen Gruppen und Staaten wie Al-Qaida, Nordkorea, Syrien und Iran. Seine absurde Verteidigung besteht darin, dass er eine unmoralische Gleichwertigkeit herstellen will, indem er Israel mit Terrororganisationen und undemokratischen Menschenrechtsverletzern gleichsetzt. Er scheint irrtümlich anzunehmen, dass BDS-Gegner seine Ansichten über Israel zwar teilen würden, aber sagen: „Israel ist nicht das einzige Terror-/Apartheid-Land bzw. nicht die einzige Diktatur, warum also nur wir?“

Was er jedoch richtig hinbekommt, ist das Zitat des BDS-Nationskomiteesprechers Rafeef Ziadah, die neuen Maßnahmen seien ungeeignet, „die wachsende öffentliche Unterstützung für den Kampf der Palästinenser zu vereiteln“. Natürlich war es unvermeidlich, dass BDS-Anhänger gegen die neue Gesetzgebung als Angriff auf die Demokratie protestieren würden. Leider ist das Gesetz in dieser Hinsicht kontraproduktiv, da es den Boykotteuren noch mehr Grund als bisher gibt, das Opfer zu spielen (‚jetzt ist es nicht mehr nur ein Kampf gegen Israel, sondern ein Kampf für die Redefreiheit!‘) — und Aktivisten wie Ben White mehr Grund zu geben, ihre antiisraelischen Verunglimpfungen im Independent auszuspeien.

Die Gesetzgebung ist für Israel gewiss kein PR-Sieg, und die Zeit wird zeigen, ob sie sich wirtschaftlich oder auf andere Weise für Israel vorteilhaft auswirkt. In jedem Fall sollte dies nicht von den realen Gefahren der BDS-Bewegung in anderen Bereichen ablenken. White stellt fest, die BDS-Bewegung würde mehr bewirken als irgendwelche Regierungshandlungen gegen BDS oder für Israel.

Dies liegt daran, weil sie Israel durch die Wiederholung der falschen Anschuldigungen gegen Israel in den Medien delegitimieren können. Diese falschen Anschuldigungen wiederum führen zu einer toxischen Atmosphäre, wo sich Juden auf der ganzen Welt an Universitäten bedroht fühlen und für die israelische Regierung und die Aktionen der Armee, die aus Notwehr gegen Palästinenser unternommen werden, verantwortlich gemacht und körperlich attackiert werden.

Ben Whites Artikel befasst sich mit der Frage, ob BDS antisemitisch ist und Antisemitismus befördert. Die Antwort findet man im Artikel, aber es ist nicht die, die er zu geben hoffte.

Bild CC BY-ND claudia gabriela marques viera

Die Times verortet den heiligsten Ort des Judentums ganz woanders

28. Januar 2016

Simon Plosker, HonestReporting, 26. Januar 2016

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Es ist ein nur allzu bekannter Fehler viel zu vieler Medien. Die Times of London hat folgende Bildunterschrift publiziert:

Naftali Bennett an der Klagemauer, der heiligsten Stätte des Judentums, während eines Besuchs von Jerusalems Altstadt

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Die Klagemauer ist nicht die heiligste Stätte des Judentums, sondern der Tempelberg. Die Klagemauer ist der den zerstörten antiken Tempel am nächsten gelegene Ort, an welchem Juden beten dürfen, und war Teil einer Stützmauer der Struktur des zweiten Tempels.

Abgesehen von der faktischen Irrigkeit dieser Bildunterschrift ist es wichtig sicherzustellen, dass „draußen“ korrekte und akkurate Informationen zirkulieren. Dies gilt insbesondere zu einer Zeit, in welcher Israels Feinde die jüdische Verbindung mit Jerusalem und dem Tempelberg zu delegitimieren versuchen.

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UPDATE

HRsuccess2Die Times hat die Bildunterschrift wie folgt geändert:

Naftali Bennett an der Klagemauer während eines Besuchs von Jerusalems Altstadt

Palästinensischer Terrorismus keine Nachricht mehr wert?

19. Januar 2016

Simon Plosker, HonestReporting, 18. Januar 2016

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Selbst nach den haarsträubenden „Standards“ palästinensischer Terroristen war der brutale Mord an einer israelischen Mutter Sonntagnacht in ihrem eigenen Zuhause besonders ruchlos. Dafna Meir, 38, war eine Krankenschwester, Mutter von vier Kindern und Pflegemutter von zwei weiteren.

Dass sie in der Siedlung Otniel in der Nähe von Hebron gelebt hat, sollte die Tat des Palästinensers, der in ihr Haus einbrach und sie erstach, in keinster Weise erklären, entschuldigen oder rechtfertigen. Laut den Berichten setzte sich Meir dem Angreifer tapfer zur Wehr und schützte damit drei ihrer Kinder, die sich zu jenem Zeitpunkt im Haus aufhielten. Die grausame Attacke wurde von ihrer 17jährigen Tochter miterlebt, die der IDF eine Beschreibung des Terroristen gab.

Angesichts der Natur der Attacke, des Tatorts, des relevanten Kontexts und der Tatsache, dass die Tochter Augenzeugin der Tat wurde, ist kristallklar, wer verantwortlich war. Nicht jedoch für die International Business Times:

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Warum steht das Wort „Palästinenser“ in Anführungszeichen? Schon wieder scheint es, als wolle eine Zeitung die palästinensische Verantwortlichkeit für Terror verwässern.

Trotz dieser danebengegangenen Schlagzeile war die IBT eines der wenigen Mainstreammedien, welche den Terroranschlag überhaupt erwähnten. Bei CNN, NPR, Wall Street Journal, Times of London, Daily Telegraph, Guardian, Australian, Sydney Morning Herald und vielen anderen herrschte Schweigen.

Der Independent führte seine Basisdarstellung palästinensischen Opferleids unter der harten Hand Israels weiter und erwähnte den Terroranschlag in zwei Sätzen im 15. Absatz, quasi als Nachgedanke zu einem Bericht über palästinensische Gemeinden, die sich gegen die israelische Zerstörung der Häuser von Terroristen zusammentun.

Was die weitere Berichterstattung betrifft, so brachte Reuters (anders als die Associated Press oder AFP) nicht einmal einen einzeln stehenden Bericht über den Terroranschlag, sondern verpackte ihn als den „jüngsten Vorfall“ in einem Sammelbericht über kürzliche Ereignisse.

Und die Berichterstattung der BBC enthielt praktisch keine Einzelheiten über den Mord, außer dass man Dafna Meir als Mutter Ende dreißig beschrieb. Statt dessen spiegelt die Schlagzeile das wahre Hauptaugenmerk der BBC — nämlich dass Dafna Meir in einer Siedlung lebte:

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Die kurze Schlagzeile auf der Nahost-Website der BBC ist noch übler:

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Die oben angeführte Berichterstattung bzw. Nichtberichterstattung wirft einige ernste Fragen für die Medien auf:

  • Wie blutrünstig muss ein palästinensischer Terroranschlag gegen Israelis denn sein, um einen Bericht zur Folge zu haben?
  • Warum spielen einige Medien noch immer die palästinensische Verantwortlichkeit für mörderischen Terrorismus herunter und stellen Palästinenser statt dessen als Opfer von israelischer Boshaftigkeit dar?
  • Warum sollte der Ort von Dafna Meirs Zuhause vom brutalen Mord an einer israelischen Mutter vor den Augen ihrer Kinder ablenken oder diesen rechtfertigen?

Leider kennen die die Antworten darauf wohl nur allzu gut.

Der Preis eines Israelboykotts

22. September 2015

Alex Margolin, HonestReporting, 3. September 2015

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Der Schlüssel zum Sieg über BDS könnte darin liegen, den Preis von Boykotten für Geschäfte und kulturelle Zentren zu hoch zu machen, als dass sie sich dem BDS-Druck ergeben könnten.

Aber seit kurzem ist dieser Preis fast nicht vorhanden.

Scholars for Peace in the Middle East haben bemerkt, dass „Boykotte oder Auslöschungen Israels durch kommerzielle Entitäten“ im letzten Monat „häufiger geworden sind“, und sie fügten hinzu: „Einzelne Firmen oder einzelne Angestellte halten es für möglich, Israel relativ straflos zu sanktionieren.“

Jüngste Geschehnisse bestätigen diese Einschätzung. Die luxemburgische Supermarktkette Cactus beispielsweise nahm israelische Lebensmittel aus den Regalen, aber der Grund hierfür war laut Ynet nicht Ideologie, sondern Ertrag.

Die Geschäftsführung der Kette sagte, der Ertrag durch israelische Lebensmittel sei minimal und nicht die Verärgerung der Kunden wert, die durch die Proteste verursacht wird.

Die Kette kündigte jedoch an, weiterhin andere israelische Produkte wie z. B. SodaStream vertreiben zu wollen, die signifikantere Profite bieten.

Anders gesagt: Ein Israelboykott kostet Cactus weniger als der Verlust von Profiten durch den Verkauf israelischer Lebensmittel. Trifft diese Formel nicht zu, wie z. B. bei SodaStream-Geräten, dann bleiben die Produkte in den Regalen.

Deshalb zahlt es sich für den Konsumenten aus, israelische Produkte einzukaufen — und am besten öffentlichkeitswirksam. Je stärker die wahrgenommene Nachfrage nach israelischen Waren, desto stärker ist das ein wirksames Gegengewicht gegen die BDS-Aktionen.

Im kulturellen Bereich zahlt es sich aus, israelische Künstler zu unterstützen — auch amerikanische Juden wie Matisyahu, die bei einem spanischen Reggaefestival unter BDS-Beschuss geraten. Anfangs gab das Festival dem BDS-Druck nach und sagte Matisyahus Auftritt ab. Aber als in Form von Artikeln, Statements und massiver Aktivität in den sozialen Medien Gegendruck ausgeübt wurde, gab das Festival umgekehrt auch diesem Druck nach und lud Matisyahu wieder ein.

Die Konzentration auf die Erhöhung des Boykottpreises für den Boykotteur ergibt auch gemäß der Broken-Windows-Theorie Sinn, die ursprünglich auf die Verminderung der Zahl von Verbrechen in Großstädten angewandt wurde.

Die Theorie besagt: „Ein zerbrochenes Fenster in einem Gebäude, das nicht repariert wird, zieht innerhalb kurzer Zeit die Zerstörung weiterer Fenster nach sich.“ Der Grund ist gemäß der Theorie: „Ein nicht repariertes zerbrochenes Fenster ist ein Signal, dass es niemanden kümmern, also kostet das Zerbrechen weiterer Fenster nichts.“

Kleine BDS-Siege könnten angesichts des Ausmaßes der Kampagne gegen Israel unvermeidlich sein. Aber eine generelle Strategie, die sich darauf konzentriert, es den Boykotteuren so oft wie möglich so schwer wie möglich zu machen, wird sich langfristig auszahlen.

Terror erkennen — Wenn die Tatverdächtigen Juden sind

4. August 2015

Pesach Benson, HonestReporting, 3. August 2015

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Die großen Medien beäugen Israels Maßnahmen im Kampf gegen jüdischen Extremismus und die Anstrengungen, die für den Brandbombenanschlag auf die Wohnung der Familie Dawabsha verantwortlichen Terroristen zu finden. Der 18 Monate alte Ali Dawabsha kam in den Flammen um; seine Eltern und sein vierjähriger Bruder kämpfen um ihr Leben.

Bei einem anderen Vorfall einen Tag zuvor wurde auf sechs Menschen eingestochen, die in Jerusalems LGBTI-Parade mitmarschierten. Eines der Opfer, Shira Banks, erlag gestern ihren Wunden. Dramatische Fotos zeigen den Israeli Yishai Shlissel, wie er mit dem Messer gegen eine Menschenmenge stößt, bevor er von der Polizei überwältigt wird.

Bei dem Brandanschlag gibt es noch keine Verdächtigen, aber die zeitliche Abfolge der beiden Vorfälle hat eine innerisraelische Selbstprüfung ausgelöst. Ein Teil der Debatten in Israel dreht sich um den Gebrauch des Wortes „Terror“. Wie David Graham in den Seiten des Atlantic erklärt, gibt es rechtliche und finanzielle Verästelungen, wenn ein Angriff als „Terror“ bezeichnet wird.

Leider scheuten sich die Mainstreammedien, Wörter wie Terror oder Terroristen zu benutzen, wenn es um palästinensische Selbstmordattentate, Schüsse aus vorbeifahrenden Fahrzeugen, Messermorde, Brandanschläge usw. ging und Israelis die Opfer waren. Der Umgang mit dem T-Wort wurde nach dem Anschlag auf das World Trade Center von Stephen Jukes, damals der Weltnachrichten-Redakteur von Reuters, in einem internen Memo zusammengefasst.

Wir alle wissen, der Terrorist des einen ist der Freiheitskämpfer des anderen, und Reuters hält sich an das Prinzip, dass wir das Wort Terrorist nicht gebrauchen.

Daher haben Zeitungen Wörter wie „Militante“ oder „Aktivisten“ benutzt. Oder in seltenen Fällen, wo Terror in der Schlagzeile genannt wird, steht das Wort in Anführungszeichen — als wollten die Autoren klarstellen, dass sie bei diesem Wort die Nase rümpfen oder dem Anschlag eine gewisse Skepsis entgegenbringen.

HonestReporting hat sich jahrelang dafür eingesetzt, dass die Mainstreammedien den Terror beim Namen nennen.

Die meisten westlichen Zeitungen haben für die Dawabsha-Brandbombenattacke nicht das Wort Terror benutzt.

Einerseits ist es moralisch falsch, den Angriff auf das Heim der Dawabshas nicht als Terror zu bezeichnen. Andererseits jedoch blieb der behutsame Umgang der Journalisten mit dem Wort durchgehend konsistent. Nehmen wir zum Beispiel die folgende Schlagzeile der Washington Post, die das Wort Terror in Anführungszeichen setzt:

Israelische Führer beabsichtigen harsche neue Maßnahmen im Kampf gegen 'jüdischen Terrorismus'

Israelische Führer beabsichtigen harsche neue Maßnahmen im Kampf gegen ‚jüdischen Terrorismus‘

Interessanterweise war nicht nur das T-Wort in Anführungszeichen, sondern „jüdischer Terrorismus“. Vielleicht ist die Post noch nicht bereit anzunehmen, dass die Täter Juden waren?

Ganz anders der Guardian, der endlich entdeckt hat, dass Terror auch ohne Anführungszeichen existieren kann.

Aber irgendwo muss ich den Herausgebern des Blattes auch zu ihrem Mut gratulieren.

Israel wird jüdische Terrorverdächtige ohne Gerichtsverhandlung festnehmen

Israel wird jüdische Terrorverdächtige ohne Gerichtsverhandlung festnehmen

Dieser Mut ist erwähnenswert, da er die Richtlinien des Guardian bezüglich des Wortes Terror zu verletzten scheint. Diese Richtlinien klingen ganz ähnlich wie die von Jukes:

Trotzdem müssen wir mit diesem Begriff sehr vorsichtig sein: Er ist noch immer ein subjektives Urteil — der Terrorist des einen mag der Freiheitskämpfer des anderen sein, und es gibt ehemalige „Terroristen“, die in vielen Teilen der Welt nun in Amt und Würden stehen.

Ich möchte glauben, dass ein neues Zeitalter für das Blatt angebrochen ist. Aber ich würde nicht darauf wetten.

Mir fallen keine palästinensischen Terroranschläge auf, die der Guardian je als Terror bezeichnet hätte. Ali Dawabsha war ein Opfer von Terror, aber ich würde gerne sehen, wie das Blatt erklärt, warum Israelis wie Danny Gonen keine Opfer von Terror sind — um nur ein einziges Beispiel zu nennen.

Der Guardian wird palästinensische Gewalttaten ebensowenig „Terror“ nennen, wie ich die Leute, die für Ali Dawabshas Tod verantwortlich sind, „Freiheitskämpfer“ nennen würde.

Bild: CC BY southtyrolean/flickr und flickr/Ryan Brunsvold mit Modifikationen von HonestReporting

Britische Kolumnistin: „Israel jetzt bösartiger und gefährlicher als die Hamas“

6. April 2015

Simon Plosker, HonestReporting, 30. März 2015

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Yasmin Alibhai-Brown, eine Kolumnistin für den Independent, ist Urheberin einer langen Reihe giftiger Hetzschriften gegen Israel und gegen Juden, die Israel unterstützen. Regelmäßig beschreibt sie Israel als „rassistischen“ Staat und als „Apartheid“-Staat, behauptet aber, einige ihrer besten Freunde seien Juden.

Ihre jüngste Tirade schlägt in dieselbe Kerbe und enthält einige besonders verstörende Aussagen, die selbst für ihren ohnehin sehr niedrigen Standard bemerkenswert sind. Von diesen Aussagen sticht besonders die Folgende ins Auge:

Hamas ist eine bösartige und gefährliche Macht im Nahen Osten. Aber Israel ist jetzt bösartiger und gefährlicher.

Ein Blick auf die teuflische und antisemitische Charta der Hamas, von dem absichtlichen Anzielen israelischer Zivilisten wie im letzten Sommer durch die Hamas ganz zu schweigen, genügt als Beweis, dass die wahre Bösartigkeit in Alibhai-Browns abscheulicher Behauptung liegt, Israel sei bösartiger als eine brutale Terrororganisation.

Aber das ist nur eines der vielen Probleme mit Alibhai-Browns Schmierentext. Sie beginnt mit einem Lob für die Israelkritik des Time-Kolumnisten Joe Klein, obgleich dieser laut Alibhai-Brown „sein ganzes Leben lang ein loyaler Zionist“ war. Sie schreibt:

Es erfordert Mut, mit solcher Ehrlichkeit zu schreiben. Es brauchte einen scharfsinnigen und nachdenklichen Juden, um zu formulieren, was Millionen von Menschen weltweit empfinden. Und mittlerweile wird er die Schlingen und Pfeile zorniger Eiferer zu spüren bekommen haben.

Und weiter:

Es ist nicht leicht, ein prinzipienfester und aufmerksamer Diaspora-Jude zu sein. Man wird von Insidern des Verrats bezichtigt und Außenstehende misstrauen einem, und so kann man nicht gewinnen.

Einige tadeln noch immer den rassistischen israelischen Staat, aber mit Vorsicht. Viele schweigen, da Israelkritik den defensiven Zorn von Zionisten provoziert und unerschütterliche Antisemiten stärkt.

Ganz im Gegenteil – es erfordert alles andere als Mut, um Israels Politik zu kritisieren. Viele Juden in der Diaspora tun dies, und sie haben das Recht dazu. Wenn sie dies „vorsichtig“ tun, dann weil sie sich nicht an der Dämonisierung und Delegitimierung beteiligen, die so viele von den hasserfüllten Schimpftiraden charakterisieren, die heutzutage gegen Israel gerichtet werden. Und auch viele Israelis kritisieren ihre Regierung, was zu einer gesunden Demokratie gehört, die erst kürzlich eine intensiv ausgefochtene Wahl abgehalten hat. Natürlich kann Alibhai-Brown der Versuchung nicht widerstehen, das Adjektiv „rassistisch“ einzufügen und Zionismus als schmutzige Ideologie hinzustellen.

Alibhai-Brown schreibt weiter:

Viele von uns Moslems sind derselben Problematik ausgesetzt: Verurteilen wir islamistische Ideologien, werden defensive Moslems wütend, und der antimuslimische Hass wird gestärkt.

Es gibt jedoch keine moralische Entsprechung zwischen Juden, welche Israels Handlungen kritisieren, und Moslems, die islamistischen Terror kritisieren. Zionisten, die Israel verteidigen, sind nicht gleichzusetzen mit „defensiven Moslems“, welche die Ideologie oder Handlungen von Al-Qaida oder ISIS-Terroristen rechtfertigen.

Dann spricht Alibhai-Brown über die Opposition gegen eine einseitig antiisraelische Konferenz an der Southampton University. Wie Petra Marquardt-Bigman schreibt:

Die offizielle Ankündigung beschreibt die Konferenz als „bahnbrechendes historisches Ereignis auf dem Weg zu Gerechtigkeit und dauerhaftem Frieden im historischen Palästina“. Die Konferenz ist angeblich „einzigartig, weil sie die Legitimität des jüdischen Staates Israel im internationalen Recht betrifft“; doch wie Menschen, die sich mit Antisemitismus auskennen, wissen, gibt es beim Herausgreifen des weltweit einzigen jüdischen Staates zu seiner alleinigen Delegitimierung nichts „Einzigartiges“.

Laut Alibhai-Brown jedoch sind die vielen tausend Menschen, die ihre Opposition gegen diese Konferenz zum Ausdruck gebracht haben, „Agitatoren“ gegen die „gelehrten Erwägungen“ bei der Infragestellung von Israels Existenzrecht.

Und dann wird es Zeit für Holocaust-Missbrauch:

Jüdische Denker und Autoren in den USA, dem Vereinten Königreich und Israel stellen nun die Art und Weise in Frage, wie der Holocaust verwässert und benutzt wurde, um unmenschliche Politik und Handlungen zu rechtfertigen.

Die einzige Verwässerung des Holocaust wird von Menschen wie Alibhai-Brown erwirkt, die behaupten, es gebe eine moralische Entsprechung zwischen dem Dahinschlachten von sechs Millionen Juden und der israelischen Behandlung der Palästinenser. Danach vergöttert sie eine Auswahl antizionistischer britischer Juden, die eine sehr lautstarke Randgruppe von Israelhassern darstellen, die nur deswegen Glaubwürdigkeit einfordern, weil sie „als Juden“ sprechen.

Alibhai-Brown schließt:

Ich wünschte mir, mehr von uns Moslems würden jüdische Männer und Frauen anerkennen, die trotz untolerierbaren Drucks für Palästina kämpfen, für ein ethisches und gerechtes Israel und für die Gleichheit aller Menschen. Ich wünschte mir, mehr Moslems wären so unparteiisch und ehrenhaft wie diese jüdischen Widerständler.

In Alibhai-Browns hasserfüllter Weltsicht gibt es gute Juden und böse Juden. Die guten Juden stellen sich Israel entgegen, und die bösen Juden sind Zionisten.

Gastkommentar in der New York Times: Europas moralische Gleichsetzung auf dem Tiefpunkt

16. Dezember 2014

Simon Plosker, HonestReporting, 15. November 2014
(Übersetzung: Yvaine de Winter)

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Ein Gastkommentar in der New York Times von Vincent Fean, Großbritanniens Generalkonsul in Jerusalem von 2010 bis 2014, veranschaulicht einige der eklatanten moralischen Unzulänglichkeiten in der Art und Weise, wie europäische Diplomaten den israelisch-palästinensischen Konflikt sehen.

Fean fordert die Parlamente Europas zur Anerkennung „Palästinas“ auf, und zwar als Belohnung für „die gewaltlose Politik des Präsidenten der Palästinenserbehörde, Mahmud Abbas“. Dies ungeachtet von Abbas’ Aufwiegelung, die ihren Teil zu den jüngsten Terroranschlägen auf Israelis beigetragen hat.

Aber was schert das Fean, der palästinensischen Terror auf dieselbe moralische Stufe stellt wie israelische Handlungen?

Der Status quo ist schlecht und wird noch schlechter. Europa verurteilt den Raketenbeschuss Israels durch die Hamas, israelische Schläge gegen UN-Gebäude in Gaza und die jüngsten Morde in Jerusalem. Alles Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

Während die Hamas mit ihren Raketen absichtlich auf israelische Zivilisten zielt, verfolgt Israel keine solch bösartigen Absichten gegen UN-Gebäude in Gaza. Doch Feans Ansicht zufolge sind sowohl palästinensischer Terror als auch die Bemühungen Israels, seine Bürger zu schützen, „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“.

Und hier kommt noch mehr moralische Gleichsetzung:

Leben ist heilig, ungeachtet der Nationalität – das eines drei Monate alten Kindes in Jerusalem und das eines 55jährigen Ministers im Westjordanland.

Wie kann der Tod eines drei Monate alten israelischen Babys, das voller Absicht von einem palästinensischen Terroristen umgebracht wurde, der sein Auto an einer Straßenbahnhaltestelle in eine Menschenmenge lenkte, mit dem Tod eines Palästinensers verglichen werden, an dessen Händen israelisches Blut klebt und der einen Herzanfall erlitt, während er israelische Soldaten konfrontierte?

Es überrascht kaum, wenn Fean so schreibt, als seien Palästinenser nur passive Akteure ohne Verantwortung für ihre Situation. Statt dessen dreht sich alles nur um Israel, denn:

Die Zweistaatenlösung ist gefährdet durch Gewaltakte, systematischen israelischen Siedlungsbau, die Trennungsmauer, die Zerstörung palästinensischer Häuser und die siebenjährige Abriegelung Gazas.

Was ist mit palästinensischem Terror, Aufwiegelung und der sturen Weigerung, Kompromisse zu billigen, die für den Frieden notwendig sind?

Fean fährt auf gleiche Weise fort:

In Oslo wurde den Palästinensern bis 1999 ein eigener Staat versprochen. Der Mord an Premierminister Jitzchak Rabin im Jahr 1995 vereitelte das.

Zwar darf durchaus spekuliert werden, was geschehen wäre, wäre Rabin nicht ermordet worden, aber Fean misst diesem Ereignis viel zu große Bedeutung bei und ignoriert dabei palästinensischen Terror und palästinensische Gewalt, die mehr als alles andere zur Aufhebung aller Zugewinne der Palästinenser im Oslo-Prozess geführt haben.

Dann stellt Fean Israels Wertesystem und Moralität in Frage, wobei er eine selektive Interpretation „internationalen Rechts“ bemüht:

Diese israelische Regierung teilt die Werte nicht, die sie mit dem Westen gemein zu haben behauptet, und bricht das Gesetz mit der Fortführung seiner 47jährigen Besatzung. Für eine Besatzungsmacht ist es ein Verbrechen, seine eigenen Bürger in Gebiete zu transferieren, die sie im Krieg besetzt hat. Doch das ist genau das, was die Siedlungsunternehmung tut.

Gleich ob man mit den Siedlungen übereinstimmt oder nicht, ist es völlig unaufrichtig zu behaupten, alle in Judäa und Samaria lebenden israelischen Bürger seien dort aus anderen Gründen gelandet als aus dem eigenen individuellen Bestreben heraus, und es ist nur eine Interpretation der Vierten Genfer Konvention, die Israel ablehnt.

Letztendlich ist Vincent Feans Gastkommentar ein verstörender Einblick in das europäische Denken in Bezug auf Israel und die Palästinenser. Dass die New York Times einer Ansicht, die ihrer eigenen Redaktionspolitik stark ähnelt, eine Plattform gibt, überrascht nicht.