Archive for the ‘Die Welt und Nahost’ category

„Wasser-Apartheid“ war nur eine geborstene Wasserleitung, aber den Medien ist das egal

25. Juni 2016

Daniel Pomerantz, HonestReporting, 16. Juni 2016

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Angeblich hat Mark Twain gesagt: „Eine Lüge ist bereits dreimal um die Erde gelaufen, ehe sich die Wahrheit die Schuhe anzieht.“ Und das ist genau das, was hier passiert ist.

Der Independent, die International Business Times, Radio New Zealand und die Times of London haben allesamt eine vollkommen falsche Al-Jazeera-Story übernommen.

Speziell der Independent tut sich als herausragendes Beispiel für Fiktion anstelle von Journalismus hervor und stellt Israel fälschlicherweise so dar, als verwehre es den Palästinensern im Westjordanland absichtlich das Wasser.

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Im Artikel steht:

Israel hat die Wasserversorgung für weiträumige Gebiete im Westjordanland unterbrochen, wie palästinensische Behörden behaupten.
Zehntausende Palästinenser stehen während des islamischen heiligen Monats Ramadan, einer Fastenperiode, ohne Zugang zu sicherem Trinkwasser da — zu einer Zeit, zu der die Temperaturen 35°C überschreiten können.

Zwischenzeitlich hat die International Business Times israelische Handlungen zweimal als „Wasser-Apartheid“ bezeichnet und schreibt dieses beleidigende Zitat lediglich vagen und ungenannten „Israelkritikern“ zu, impliziert jedoch, es wäre ein allgemein anerkannter Begriff.

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Doch wie sich herausstellte, war die „Wasser-Unterbrechung“ nichts weiter als eine geborstene Wasserleitung, die israelische Arbeiter bereits gewissenhaft reparierten. COGAT, die israelische Behörde, die Aktivitäten in den Palästinensergebieten koordiniert, postete ein Video der geborstenen Leitung.

Diese Storys stammten ursprünglich von einem Al-Jazeera-Artikel, der anfangs keinerlei Aussagen aus Israel enthielt. Nachdem HonestReporting Al Jazeera kontaktierte, setzte sich die Zeitung endlich mit israelischen Quellen in Kontakt und überarbeitete seinen Text.

Nun sagt Al Jazeera, dass es eine starke Reduktion der Wasserversorgung für das Westjordanland gegeben hat, erwähnt jedoch Israels Aussage, dass dies am Rückgang der verfügbaren Wassermenge lag. Danach wird Israels nationales Wasserunternehmen zitiert:

Alle Anlagen sind aktiv, und die Versorgungsmenge unterschreitet den Verbrauch. Kürzlich genehmigte die Wasserbehörde einen Masterplan für den Wassersektor, und demgemäß bauen wir die Systeme, welche den Verbrauch des Westjordanlands decken.

2015 beschuldigte Al Jazeera Israel der absichtlichen Flutung Gazas durch das Öffnen von Dämmen. Wie sich herausstellte, existierten die fraglichen Dämme erst gar nicht, und die Flut rührte von Regenfällen her. Als dies herauskam, machte Al Jazeera einen Rückzieher.

Wie eine Studie aus dem Jahr 2013 zeigte, ist das Wassermanagement im Westjordanland eine kontroverse und komplexe Angelegenheit, und viele der Probleme entstehen durch die Misswirtschaft der Palästinenserregierung und deren Weigerung, sich mit Israel zusammenzusetzen, um Aktivitäten rund um das Wassermanagement zu koordinieren.

Trotz der Widrigkeiten geht Israel weit über seine vertraglichen Verpflichtungen hinaus und bietet Palästinensern im Westjordanland Trinkwasser. Tatsächlich genießen Palästinenser im Westjordanland heute besseren Zugang zu Wasser als viele ihrer arabischen Nachbarn.

Zudem ist die Zahl der palästinensischen Häuser mit Zugang zur Wasserversorgung von 10% auf 95% gestiegen, seit Israel 1967 die Kontrolle über das Westjordanland errang, aber die Palästinenserbehörde verwaltet ihre Infrastruktur nur mangelhaft, was zu vielen Problemen führt wie zum Beispiel dem in diesem Artikel angeführten. All dies ist wichtiger Kontext, aber sämtliche Zeitungsberichte verschweigen ihn total.

HonestReporting hat Quellenmaterial zur Verfügung gestellt, welches die Vielzahl verbreiteter Mythen und tatsächlicher Fakten über das Wasser in den Palästinensergebieten erklärt.

Sowohl der Independent als auch die International Business Times widmen mehrere emotional suggestive Absätze der palästinensischen Perspektive über die Wassersituation im allgemeinen, aber ohne jegliche technischen Einzelheiten über die exakte Natur der angeblichen Versorgungsunterbrechung oder deren Ursachen.

Zum Ende des Artikels hin schafft es der Independent endlich, einige tatsächliche Fakten rund um die angebliche Versorgungsunterbrechung zu erwähnen:

Ein Sprecher der israelischen Regierung sagte dem Independent, in diesen Behauptungen läge „keine Wahrheit“, die Verknappung läge vielmehr an schadhaften Wasserleitungen.

Man sagte: „Vor einigen Stunden reparierte COGATs Zivilverwaltungsteam eine geborstene Wasserleitung, die die Wasserversorgung der Dörfer Marda, Biddya, Jamma’in, Salfit und Tapuach unterbrach. Der Wasserfluss wurde reguliert und funktioniert aktuell wieder.“

Wer war die Quelle für die Behauptung, Israel habe absichtlich die Wasserversorgung unterbrochen? Ein vager und nicht verifizierbarer Verweis auf eine Behauptung ungenannter „palästinensischer Behörden“.

Kurz: Der Independent kannte die Wahrheit, entschied sich aber trotzdem dafür, ein emotional aufgeladenes Stück verleumderischer Fiktion dahinzuschmieren und es dann zu veröffentlichen, als sei es Journalismus. Und die International Business Times scherte sich erst gar nicht um die Wahrheit.

Titelbild: enthält Elemente von Vectors by Vecteezy!

Des einen Terrorist ist des anderen Clown

23. Juni 2016

Daniel Pomerantz, HonestReporting, 15. Juni 2016

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Eine in hohem Maße irreführende Newsweek-Story begann mit der absurden Schlagzeile „Israel weitet Haftzeit für palästinensischen Clown ohne Anklage aus“. Ja, das ist wirklich die Schlagzeile.

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Der fragliche Palästinenser, Mohammed Abu Saha, 24, tritt als Clown auf. Und es ist durchaus amüsant zu sehen, wie Newsweek die „palästinensische Zirkusschule“ als qualifizierte Quelle über Sicherheitsfragen präsentiert.

Menschen messen Schlagzeilen große Bedeutung zu und lesen oft nur die Schlagzeile und nicht den Artikel. Und wenn man auf Facebook oder Twitter die Schlagzeilen überfliegt, weiß man nicht, dass Saha festgenommen wurde, weil er ebenso ein Mitglied der Volksfront für die Befreiung Palästinas (PFLP) ist, eine international als Terrororganisation eingestufte Gruppierung.

Und trotzdem konnte sich Newsweek nicht dazu durchringen, das Wort „Terrorist“ zu verwenden. Statt dessen nannten sie die PFLP eine „politische Gruppe“ und sagten: „Israel bezeichnet die PFLP als extremistische Organisation.“

Das ist eine grobe Falschdarstellung. Israel bezeichnet die PFLP nicht als „extremistische“ Organisation. Eine extremistische Organisation kann jede beliebige Gruppe am extremen Ende eines politischen Spektrums bedeuten, aber eine Terrororganisation nutzt Gewalt gegen Zivilisten als Mittel zum Zweck.

Daher stuft Israel die PFLP als „Terror“-Organisation ein, ebenso wie Kanada, die EU und die USA. Und Großbritannien stuft das „Generalkommando“ der PFLP als solche ein.

Kurz: Fast die gesamte westliche Welt führt die PFLP als „Terrororganisation“ und nennt seine Mitglieder „Terroristen“. Aber Newsweek war so erpicht, das T-Wort zu vermeiden, dass das Blatt klare journalistische Voreingenommenheit an den Tag legt und irreführende Terminologie verwendet.

Warum verbiegt sich Newsweek derart, um Terrorismus nicht beim Namen zu nennen? Warum wird der Eindruck erweckt, Israel habe einfach irgendeinen zufälligen Clown festgenommen? Fast scheint es, als habe Newsweek den Plan, Mohammed Abu Saha zu verteidigen, und zwar auf Kosten der Fakten. So können die Newsweek-Leser jedoch nicht zu einer informierten Schlussfolgerung kommen.

Saha ist nicht der einzige Clown bei dieser Story — aber Newsweeks Possen sind leider nicht lustig.

Hier unser Video über irreführende Terminologie:

Das Titelbild beinhaltet die „Illustrated circus magician“-Vektorgrafik von Freepik

MSNBC schiebt Israel die Schuld für Terroranschlag zu

15. Juni 2016

Daniel Pomerantz, HonestReporting, 9. Juni 2016

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In einer wie wahnsinnig anmutenden Tirade entschuldigten Ayman Mohyeldin und Martin Fletcher von MSNBC die palästinensischen Terroristen, die vier Israelis in einer Einkaufsmeile ermordet haben, und beschuldigten statt dessen Israel.

Hier das Video (klick mich!).

Newsbusters ging sehr schnell auf diesen Vorfall ein und bemerkte, dass sowohl Mohyeldin als auch Fletcher über Israels „rechte Regierung“ und „palästinensische Frustration“ wetterten, selbst als die palästinensische Terrororganisation Hamas weitere Anschläge ankündigte und Palästinenser die Morde mit Jubelgeschrei, Feuerwerk und offenbar sogar Süßigkeiten feierten.

In Wirklichkeit sind Mohyeldins und Fletchers Behauptungen simplistisch und inkorrekt: die Zusammensetzung einer demokratisch gewählten Regierung rechtfertigt keinen Terrorismus gegen die Bevölkerung, und die Hamas hat mittlerweile klar gesagt, dieser Anschlag rühre von falschen Behauptungen israelischer Verletzungen der Al-Aqsa-Moschee her und nicht von „Frustration“ oder der Zusammensetzung der israelischen Regierung. Hamas hat diese Ausrede für Terrorismus in der Vergangenheit häufig benutzt.

Aber was wichtiger ist: Wo auf dieser Welt ist es akzeptabel, Terroropfer dafür verantwortlich zu machen, dass sie angegriffen wurden? Und warum wird der palästinensische Jubel über die erfolgreichen Ermordungen verschleiert? Ist MSNBC wirklich so versessen darauf, Israel die Schuld zuzuschieben?

Ayman Mohyeldin ist bekannt für seine falschen Aussagen über Israel und für seine Rechtfertigungen terroristischer Akte: letzten Oktober erklärte er mehrere Minuten lang live im Fernsehen, ein palästinensischer Attentäter sei „unbewaffnet“ gewesen, als die israelischen Sicherheitskräfte ihn erschossen, aber die neben Mohyeldin eingeblendeten Videoaufnahmen zeigten den Mann, wie er mit hoch erhobenem Messer rannte. Hier in diesem Video können Sie miterleben, wie Mohyeldins eigener Moderator ihn live korrigieren muss.

Nur kurze Zeit nach diesem Bericht vom letzten Oktober forderte eine Onlinepetition Moyheldins Entlassung. Die Petition erhielt über 30.000 Unterschriften, aber es scheint, als arbeite er immer noch für MSNBC und verhalte sich so unprofessionell wie eh und je.

Bild: Moti Karlelitz/Flash90

Voreingenommenheit #3: Als Nachrichten getarnte Meinungen

9. Juni 2016

Pesach Benson, HonestReporting, 2. Juni 2016

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Teil 3 einer achtteiligen Serie über die acht Kategorien der Medienvoreingenommenheit.

Voreingenommenheit #3
Als Nachrichten getarnte Meinungen

Es ist Aufgabe des Journalisten, Fakten wiederzugeben, ohne die eigene Meinung oder Interpretation einzuschieben.

Journalisten steht ihre eigene Meinung zu, und erfahrene Journalisten haben Erkenntnisse gemacht, die das Verständnis der Öffentlichkeit über aktuelle Entwicklungen bereichern kann und auch soll. Aber der richtige Ort für die Meinung oder Interpretation eines Journalisten ist der Kommentarbereich oder in Artikeln und Seitenspalten, die klar als Analyse gekennzeichnet sind.

Den Unterschied zwischen Fakten und Meinungen verschwimmen zu lassen, unterläuft die Aufgabe des Journalisten, die Fakten zu berichten und das Publikum sich sein eigenes Bild machen zu lassen.

Selbst korrekt als solche bezeichneten Kommentare erfordern ein gewisses Maß an Objektivität. Meinungen müssen auf akkuraten Informationen und gesunder Logik beruhen und respektvoll vorgebracht werden. Sind Kolumnisten, Sprechern oder Bloggern die Fakten egal, verdrehen sie die Logik oder lassen sich zu persönlichen Angriffen herab, wird der öffentliche Diskurs toxisch.

Hier ein Video mit Steve Linde und Gil Hoffman von der Jerusalem Post, Ruthie Blum von The Algemeiner und Dan Diker vom Jerusalem Center for Public Affairs, wie sie mit HonestReporting das Thema „Als Nachrichten getarnte Meinungen“ diskutieren:

BEISPIEL: Beim Interview einer Jüdin bei einem Pariser Solidaritätsmarsch nach dem Anschlag auf Charlie Hebdo unterbrach sie der BBC-Reporter Tim Willcox und sagte:

Viele Kritiker an Israels Politik würden sagen, dass auch die Palästinenser sehr unter der jüdischen Hand leiden.

Es ist wichtig zu bemerken, dass Willcox „jüdisch“ sagte und nicht „israelisch“, womit er im Grunde das französische Judentum (und alle Juden) für die Taten Israels verantwortlich machte.

BEISPIEL: Am Wahltag 2009 erschienen die Gesichter von Ehud Barak, Tzipi Livni und Benjamin Netanyahu im Nachrichtenbereich des Evening Standard mit folgender (nachher veränderter) Schlagzeile:

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BEISPIEL: folgende Behauptung von Journalisten: „Israelische Siedlungen sind völkerrechtswidrig.“ (Zuweilen folgt dieser Aussage die bezeichnende Bemerkung: „Aber Israel bestreitet das.“) In Wirklichkeit ist die Meinung des Völkerrechts zur Rechtmäßigkeit der Siedlungen nicht ganz so klar und eindeutig. Eugene Kontorovich, Mitchell Bard, Eugene Rostow, Moshe Dann und Jeffrey Helmreich (und viele andere) erläutern den Grund. Helmreich schreibt zum Beispiel:

„Gaza und Westjordanland sind umstritten, nicht besetzt, und sowohl Israel wie auch die Palästinenser hegen legitime historische Ansprüche. Vor 1967 existierte keine palästinensische Souveränität in Gazastreifen und Westjordanland. Juden haben eine tiefe historische und emotionale Verbindung mit dem Land, und, da ihre Rechtsansprüche denjenigen der Palästinenser mindestens gleichkommen, ist es für Juden völlig natürlich, Häuser in Gemeinden in jenen Gebieten zu bauen, genauso wie die Palästinenser in ihren Gebieten bauen.“

WEITERE BEISPIELE beinhalten eine Kolumne von David Leonhardt über die US-Gesundheitsreform, die 2010 auf der Titelseite der New York Times erschien. Leser beschwerten sich bei Public Editor Arthur Brisbane, die Platzierung auf der Titelseite lasse die Grenze zwischen Nachricht und Kommentar in unangemessener Weise verschwimmen. Und die in Toronto ansässige Globe & Mail war Gegenstand einer Kontroverse, als der Reporter Jan Wong einen Amoklauf an einer Schule in Montréal dem in Quebec vorhandenen Rassismus sowie Sprachgesetzen zuschrieb.

Nächsten Monat folgt das nächste Kapitel dieser Reihe: „Fehlender Zusammenhang: Der Kontext beschreibt die Situation, in der etwas geschieht. Ohne einen Bezugsrahmen für die Leser können Journalisten das wahre Bild erheblich verzerren.“

„Red Lines: The Eight Categories of Media Bias“ ist auf Amazon als E-Book erhältlich.

Financial Times: Nur Israel wird für den Fehlschlag der 2014er Friedensverhandlungen verantwortlich gemacht

20. Mai 2016

Zahava Raymond, HonestReporting, 17. Mai 2016

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Die Financial Times berichtet über die französischen Pläne für eine internationale Konferenz über den israelisch-palästinensischen Konflikt, um „neuen Schwung“ hineinzubringen und Direktverhandlungen zwischen beiden Seiten anzuregen.

Im Artikel blickt die FT auf die von den USA im Jahr 2014 geleiteten Gespräche zurück und warum diese fehlschlugen:

Die letzte von den USA geleitete Gesprächsrunde kollabierte im April 2014 nach Verzögerungen bei der geplanten Freilassung palästinensischer Gefangener durch Israel, palästinensischem Ärger über israelische Bauten in illegalen Siedlungen, und der israelischen Forderung, dass der Staat als jüdischer Staat anerkannt wird.

Und das ist wirklich die ganze Geschichte? War nur Israel für den Kollaps der Gespräche verantwortlich, und das gleich dreimal? Was ist mit der Gegenseite, auf die der Artikel gar nicht eingeht? Könnte es sein, dass die Palästinenser beim Kollaps der Gespräche eine Rolle gespielt haben?

Zum Beispiel:

  • Abbas stimmte einer Verlängerung des Gespräche nicht zu, und durch den bevorstehenden Kollaps wurde die Freilassung des Gefangenen verzögert.
  • In einem klaren Bruch der Vereinbarungen mit den USA und Israel bemühte sich Abbas um die palästinensische Mitgliedschaft in 15 UN- und internationalen Behörden.
  • Die Fatah verkündete ein Abkommen mit der Hamas — der völkermordenden Terrororganisation — über eine gemeinsame palästinensische Regierung.

Warum also berichtete die Financial Times nur über eine Seite — nämlich die, die die Schuld gänzlich Israel zuschob?

Der palästinensische Märtyrer vom Internationalen Tag der Pressefreiheit

9. Mai 2016

Pesach Benson, HonestReporting, 3. Mai 2016

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Israel hat eine viermonatige Verwaltungshaft von Omar Nazzal angeordnet. Bis vor kurzem war er Chef von Palestine Today, einem mit dem Islamischen Dschihad in Verbindung stehenden Fernsehsender, der auch mit der Volksfront zur Befreiung Palästinas (PFLP) zusammenarbeitete. Laut dem Shin Bet wurde Nazzal für seine „Involvierung in Aktivitäten von Terrorgruppen“ inhaftiert.

Aus der Berichterstattung von AFP erfährt man jedenfalls nicht das Ausmaß von Nazzals Terrorverbindungen. Nirgendwo steht „Islamischer Dschihad“ oder „PFLP“.

Warum die Auslassung?

Ich schätze mal, diese lästigen Details hätten AFPs lustvollere Perspektive kaputtgemacht, dass die Verwaltungshaft am Vorabend des Internationalen Tages der Pressefreiheit verhängt wurde.

Ooh.

Der Name Palestine Today war jüngst in den Medien, weil die IDF im März dessen Fernseh- und Radiosender abgeschaltet hat, weil dort zu Terroranschlägen auf Israelis aufgerufen wurde.

Ifj-2Nachdem die Internationale Journalisten-Föderation kritisierte, die Schließung verletze die Pressefreiheit, antwortete der israelische Abgeordnete Yair Lapid, ein ehemaliger Nachrichtensprecher, mit folgender bitterer Aussage:

„Der Islamische Dschihad benutzte Palestine Today zur Aufstachelung gegen Israel und zur Ermutigung zu Terroranschlägen. Der Senderleiter wurde der Mitgliedschaft des Palästinensischen Islamischen Dschihad überführt. Die Verbindung ist derart offensichtlich, dass es Ihre Motive in Frage stellt, warum Sie hier überhaupt die Handlung Israels verurteilen.“

Er fügte hinzu: „Die Pressefreiheit erstreckt sich nicht auf terroristische Propaganda und auch nicht auf jene, die zum Mord aufrufen. Die Inhalte von Palestine Today würden die redaktionellen Richtlinien keines einzigen Ihrer Mitglieder erfüllen. Ich war über 30 Jahre lang Journalist; und das ist kein Journalismus. Es ist keine Redefreiheit, es sind Hassreden. Sie verteidigen hier keine Pressefreiheit; sie verteidigen den Aufruf zum Mord.“

Seien Sie nicht allzu überrascht, dass Nazzal auch Mitglied des Sekretariats des Palästinensischen Journalistenverbands ist.

Und ebenso nicht, dass er gut mit einer Kamera umgehen konnte, so wie Hussam Salama und Mahmoud Al-Kumi, zwei Kameraleuten der Hamas, die bei einem israelischen Luftangriff getötet wurden. 2013 wurden die beiden beinahe als gefallene Journalisten geehrt.

Wer für Zeitungen, Websites, Fernseh- oder Radiosender arbeitet, die mit Terrorgruppen in Verbindung stehen, der praktiziert Propaganda und keinen Journalismus.

Bild: Vektoren von Vecteezy

Antiisraelische Tirade oder antisemitische Verleumdung?

5. Mai 2016

Yarden Frankl, HonestReporting, 3. Mai 2016

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Israelische Handlungen oder Politik zu kritisieren ist nicht antisemitisch.

Israel jedoch in einer hasserfüllten Tirade voller Wörter, die bei keinem anderen Land dieser Welt außer dem jüdischen Staat benutzt werden, zu dämonisieren, könnte sehr wohl antisemitisch sein.

Und das ist genau das, was Rachel Smalley, eine bekannte neuseeländische Journalistin, vor einigen Jahren beim 2014er Gaza-Krieg getan hat. (Dazu komme ich noch.) Jetzt behauptet sie, Beschuldigungen des Antisemitismus würden aus dem Rahmen fallen.

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Rachel Smalley

Sie gab einen Kommentar zu Naz Shah ab, einer britischen Abgeordneten, die vor kurzem für einen antiisraelischen Facebookbeitrag aus der Labour-Partei ausgeschlossen worden war. Und Smalley fragte im New Zealand Herald nach dem Grund:

Warum ist es so, dass Israelkritik so oft als Kritik am jüdischen Glauben ausgelegt wird? Man kann jede Regierung der ganzen Welt kritisieren, jedes Regime, jeden Staat, und es ist ganz normal — außer Israel. Man kann Israel nicht kritisieren, ohne dass man dafür angegriffen wird.

2014 war ich sehr kritisch mit der IDF, als sie eine UN-Schule in Gaza bombardierte, in der 3.000 Zivilisten Zuflucht gesucht hatten — und zwar trotz der Tatsache, dass die UN der IDF die Koordinaten viele, viele Male übermittelt hatte, um sicherzustellen, dass sie nicht zum Ziel wurde.

Trotzdem wurde die Schule bombardiert und Leute wurden getötet.

Und als ich Israel dafür kritisierte, war die Antwort außerordentlich. Die Briefe, die E-Mails, die Beleidigungen sprengten den Rahmen dessen, was ich vorher gekannt hatte — offenbar war ich Antisemitin!

Warum in aller Welt sollte man also denken, dass Smalleys Bemerkungen aus dem Jahr 2014 antisemitisch waren?

Fangen wir mit einem damaligen Facebookbeitrag ihrer Show an:

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Darüber hinaus zitierte das neuseeländische Blog Whale Oil Smalley mit den Worten:

Ich kann über die Lage in Gaza nicht mehr ausgewogen berichten, weil es dort einfach keine Ausgewogenheit mehr gibt. Israels Handlungen sind abscheulich. Das Morden, das Zielen auf Zivilisten, die Kleinkinder und Babys, die jeden Tag sterben. Es zeigt das israelische Regime, wie es wirklich ist — eine herzlose antipalästinensische Mordmaschine.

Israels Konflikt sollte mit der Hamas sein, ist es aber nicht. Der Konflikt besteht mit den Palästinensern. Fast zwei Millionen Menschen leben im Gazastreifen, gefangen und eingesperrt in einem 40 km langen und 10 km breiten Areal. Das Bombardement des Gazastreifens kommt dem Jagen eingesperrter Löwen in Südafrika gleich. Es gibt kein Entrinnen — es gibt nur Terror, während es Bomben und Kugeln regnet.

Die Israelis sagen, sie „bedauern“ es, wenn ein Zivilist getötet wird. Schwachsinn! Sie bedauern nichts. Palästinensisches Leben ist für sie bedeutungslos.

Das ist mehr als Kritik an einem Militärangriff, bei welchem leider auch Zivilisten getötet wurden. Das ist eine wutschäumende Dämonisierung Israels. Die vielsagendste Aussage ihrer gesamten Tirade ist vielleicht ihre Frage:

Gibt es in der heutigen Welt eine arrogantere und feindseligere Regierung?

Trotzdem ist Smalley erstaunt, dass einige Reaktionen auf ihren gehässigen Angriff sich des Antisemitismus beschuldigten.

Vergleichen wir es mit Smalleys Bericht über ein anderes Auslandsthema vor einigen Wochen: über den Konflikt in Syrien („Syrian Conflict Changing Our World„).

Nichts darüber, dass der Islamische Staat oder irgendeine der anderen Gruppen, die für Hunderttausende tote Zivilisten verantwortlich sind, „Mordmaschinen“ wären. Nichts darüber, dass Assads mordlüsternes Regime das „arroganteste und feindseligste der Welt“ wäre. Nichts davon, dass die Akteure in diesem vernichtenden Konflikt „syrisches Leben als bedeutungslos“ sehen würden.

Es ist nicht antisemitisch, dass Smalley Berichte ignoriert hat, wie die Hamas Schulen, Krankenhäuser, Privatwohnungen und Moscheen als Waffenlager missbraucht hat, von dort Raketen verschoss und die genannten Gebäude als Deckung für ihre Tunnel nutzten — dem wahren Grund für die große Zahl palästinensischer Opfer. Das zeigt einfach nur, dass sie schlampig arbeitet.

Aber wenn sie einseitigen, faktisch unwahren Journalismus mit Worten und Phrasen kombiniert, die sie nirgendwo sonst verwenden — das ist es, was den Menschen einen Grund gibt zu hinterfragen, ob sie nicht in Wirklichkeit Antisemitin ist.

Ob Smalley nun die Grenze zum Antisemitismus überschritten hat oder nicht, ihr wie ein Taschenspielertrick anmutender Versuch, ihre irreführenden Anschuldigungen in den Mantel „legitimer Kritik“ zu kleiden, ist unaufrichtig und hinterhältig.


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