Archive for the ‘Die Welt und Nahost’ category

CNN und der dubiose Behauptungsjournalismus

22. Mai 2015

Pesach Benson, HonestReporting, 19. Mai 2015

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Angesichts der gegen ihn geäußerten Kritik legte Don Melvin, der CNN-Reporter, der eine unbelegte Geschichte über das angebliche Fällen von 800 Olivenbäumen durch israelische Siedler geschrieben hat, auf Twitter mehrfach nach.

Sein Bericht steht ohne jede unabhängige Verifizierung da und ist somit ein Beispiel für das, was Medienspezialisten “Behauptungsjournalismus” nennen. Hierbei handelt es sich um die Vorstellung, dass Reporter eine Story im Zeitalter immer schnellerer Nachrichtenzyklen nicht verifizieren brauchen, wenn sie einfach nur ihre Quellen nennen.

Bei Melvin wäre das die Wafa-Nachrichtenagentur, der offizielle Nachrichtendienst der Palästinenserbehörde, deren Aktivitäten direkt von Mahmoud Abbas bestimmt werden. Um Ihnen eine Vorstellung vom journalistischen Standard der Wafa zu vermitteln: Dort nannte man die Terroristen, die letztes Jahr in eine Jerusalemer Synagoge eindrangen, “islamische Märtyrer”.

Obwohl Wafa keinerlei Quellen oder Augenzeugen benennt, ist Melvin journalistisch auf der sicheren Seite, so lange er Wafa “Fakten zuschreiben” kann, richtig?

Mal ganz langsam. Sehen wir uns an, wie die Medienexperten Bill Kovach und Tom Rosentiel die Defizite des Behauptungsjournalismus beschreiben:

Die zweite Implikation ist, dass diese neutrale Stimme ohne Verifizierung einen Anstrich von Wahrhaftigkeit erzeugt. Journalisten, die Quellen wählen, die in Wirklichkeit ihre eigene Sichtweise repräsentieren, und die dann die neutrale Stimme verwenden, um den Anschein von Objektivität zu erzeugen, machen sich einer Form der Täuschung schuldig. Dies schädigt die Glaubwürdigkeit des gesamten Berufsstandes und lässt ihn prinzipienlos, unehrlich und voreingenommen erscheinen. Dies ist ein wichtiger Ruf zur Vorsicht in einer Zeit, in der die Standards der Presse so sehr im Zweifel liegen.

Wenn Melvin seine Quellen und die Einzelheiten seiner Storys nicht überprüft und auch den Lesern gegenüber nicht transparent ist, welchen Nutzen hat er dann für CNN? Oder für uns?

"So viele Leute fordern mich auf, Nachrichten rauszufiltern, die sie nicht mögen. Würde ich allen Forderungen nachkommen, würden wir nichts mehr veröffentlichen."

“So viele Leute fordern mich auf, Nachrichten rauszufiltern, die sie nicht mögen. Würde ich allen Forderungen nachkommen, würden wir nichts mehr veröffentlichen.”

Bild: CC BY flickr/Charles Atkeison mit Beifügungen von HonestReporting

CNNs Journalismus geht vor die Hunde

20. Mai 2015

Simon Plosker, HonestReporting, 18. Mai 2015

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Was ist nur mit CNN los? Hier ein aktueller Bericht:

Die offizielle palästinensische Nachrichtenagentur berichtet, israelische Siedler hätten rund 800 in palästinensischem Besitz befindliche Olivenbäume in der Nähe der Stadt Shuyukh östlich von Hebron gefällt und in Besitz genommen.

Der Bericht von WAFA, der palästinensischen Nachrichten- und Informationsagentur, zitierte eine nicht namentlich benannte “Quelle vor Ort”. Israel hat sich noch nicht zu dem Bericht geäußert.

Die Quelle, die von WAFA als “ein Aktivist vor Ort” bezeichnet wird, teilte der Agentur mit, Bewohner der israelischen Siedlungen Bani Kadim und Asfar seien in einen Olivenhain in der Nähe der Stadt eingebrochen und hätten die Bäume, die den Menschen im Gebiet gehörten, gefällt.

Es ist eine Sache, wenn ein Mainstreammedium anonyme Quellen und unverifizierbare “Augenzeugen” zitiert, was wir in der Berichterstattung über den israelisch-palästinensischen Konflikt nur allzu oft sehen. Es ist aber noch schlimmer, wenn sich eine Nachrichtenorganisation wie CNN auf unverifizierte Berichte einer palästinensischen Nachrichtenagentur wie WAFA verlässt.

Wie Elder of Ziyon korrekt feststellt:

Ok, woran können wir erkennen, dass es sich hier um Müll handelt? Indem wir uns die Formulierung bei Wafa ansehen. Dort steht: “Israelische Siedler fällten laut einer lokalen Quelle rund 800 in palästinensischem Besitz befindliche Olivenbäume nahe der Stadt Shuyukh östlich von Hebron und nahmen diese in Besitz.”

Was bedeutet “gefällt und in Besitz genommen”? 400 gefällt und 400 in Besitz genommen? Oder fällten sie 800 Olivenbäume, verfrachteten sie auf einen Lkw-Konvoi und karrten sie davon?

Es dauert lange, einen ausgewachsenen Olivenbaum zu fällen. Frische Setzlinge, die oft von Palästinensern gepflanzt werden, um öffentliches Land zu stehlen, sind relativ leicht auszureißen, aber hier steht “gefällt und in Besitz genommen”.

Keine Fotos. Keine Videos. Keine namentlichen Quellen. Keine Untermauerung. WAFA schreibt eine Story zusammen, die keinerlei normalem journalistischem Standard entspricht – und CNN plappert es ungeprüft nach unter dem Deckmantel, sie würden ja nur berichten, was antiisraelische arabische Medien sagen.

Und als wäre das nicht schon genug, geht es im CNN-Bericht folgendermaßen weiter:

Auch Vorfall an Aqsa-Moschee berichtet
Ebenfalls am Sonntag betraten über 175 jüdische Rechtsextremisten das Gelände der Aqsa-Moschee in Jerusalem, eskortiert von israelischen Polizisten und Sicherheitsleuten, wie Quellen innerhalb der Moschee berichteten. Die Quellen können aus Sicherheitsgründen nicht benannt werden.

Also wo ist der “Vorfall”, von dem CNN spricht? Angesichts dessen, dass Juden und Touristen den Tempelberg zu bestimmten Zeiten betreten dürfen, ist das dann wirklich ein “Vorfall”? Und wer sind diese unbenannten “Quellen innerhalb der Moschee”?

175 Menschen ist eine weit größere Gruppe, als sie normalerweise auf dem Tempelberg erlaubt würde, und es gibt keine anderen Medienberichte in der ausländischen oder israelischen Presse über irgendwelche ungewöhnlichen Vorgänge auf dem Tempelberg am Sonntag. Ist dem CNN-Reporter klar, dass die Palästinenser jeden Juden, der den Tempelberg besucht, einen “Extremisten” nennen? War es eine Gruppe aus 175 Menschen, oder war das nur die Gesamtzahl aller Besucher, die das Gelände am Sonntag betreten haben?

Das wissen wir nicht. CNN lieferte hier miserablen Journalismus. Leider beschränkt sich der verursachte Schaden nicht auf CNN und hat sich zu anderen Nachrichtenportalen verbreitet, die den Inhalt aufgrund ihres klar fehlinvestierten Vertrauens in CNN reproduziert haben.

Update: Wie antwortete der Journalist Don Melvin auf Twitter, nachdem er mit seiner schlampigen Berichterstattung konfrontiert wurde? Hier klicken.

Bild: CC BY-NC Mitchell Joyce via flickr

Die Medien, nicht der Papst, nannten Abbas einen “Friedensengel”

19. Mai 2015

Alex Margolin, HonestReporting, 18. Mai 2015

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(Update: AP veröffentlicht Korrektur)

Die Begegnung von Papst Franziskus und PA-Präsident Mahmud Abbas ist ein exzellentes Beispiel für das Phänomen, dass eine Lüge manchmal schon den halben Planeten passiert hat, während sich die Wahrheit noch die Schuhe anzieht.

In diesem Fall war die Lüge, der Papst habe Abbas bei ihrem Zusammentreffen am Samstag einen „Friedensengel“ genannt. Einen Tag bevor der Papst zwei Nonnen aus dem Palästina der Ottomanenherrschaft heiligsprechen wollte, trafen sich die beiden Führer und tauschten Geschenke aus. Die New York Times präsentierte die typische Berichterstattung:

Der Papst überreichte Herrn Abbas ein Medaillon und sagte, es zeige einen Friedensengel, der „den bösen Geist des Krieges vernichtet“. Es sei ein passendes Geschenk, fügte der Papst hinzu, denn „Sie sind ein Friedensengel“.

Natürlich stand die Times damit nicht allein da. Dieselbe Fehlinformationen erreichte über AFP, Daily Mail, BBC und viele andere eine große Zahl an Menschen.

Aber laut National Review lagen die Medien daneben:

Sie könnten nicht fälscher liegen. Hier ist der Bericht über die Bemerkungen von Papst Franziskus vom Vatikan-Reporter der italienischen Zeitung La Stampa:

Wie es bei Staats- oder Regierungschefs Tradition ist, überreichte Franziskus dem Palästinenserführer ein Geschenk mit der Bemerkung: „Möge der Friedensengel den bösen Geist des Krieges vernichten. Ich habe an Sie gedacht: Mögen Sie ein Friedensengel sein.“ Papst Franziskus hatte Abu Mazen einen „Mann des Friedens“ genannt, als er im Mai 2014 Bethlehem besuchte, ähnlich wie er den damaligen israelischen Premierminister Shimon Peres bei seinem darauffolgenden Besuch in Jerusalem einen „Mann des Friedens“ genannt hatte. Der argentinische Papst hatte danach beide Führer zu einer Gebetswache in den Gärten des Vatikan geladen, was am 8. Juni desselben Jahres stattfand und dem auch der ökomenische Patriarch von Konstantinopel, Bartholomäus, beiwohnte.

Mit anderen Worten, der Papst hat Abbas keineswegs „Friedensengel“ genannt. Ganz im Gegenteil. Er drängte ihn, zukünftig zu einem Friedensengel zu werden.

Die Version der National Review wurde von der Washington Post bestätigt, die ihre Berichterstattung ebenfalls auf der offiziellen Verlautbarung des Vatikans fußen ließ:

Bei einem Treffen im Vatikan am Sonntag überreichte Franziskus Abbas ein Bronzemedaillon mit der Darstellung eines Friedensengels und ermutigte ihn, sich dem Frieden zu verschreiben, wie eine Verlautbarung des Heiligen Stuhls aussagte.

Was ist also die Ursache für die rapide Verbreitung falscher Informationen? Laut dem National Review:

Dies zeigt, wie erpicht manche in den Medien sind, Seine Heiligkeit als einen heroischen Fürsprecher für die Sache der Progressiven darzustellen und somit als Verbündeten Palästinas gegen Israel. Hätte der Papst Abbas tatsächlich einen Engel genannt, wäre dies in ihren Augen einfach ein weiteres Beispiel dafür, wie er konservative Katholiken, von denen viele wahrscheinlich proisraelisch sind, in die Schranken weist.

Tatsächlich vertreten die Medien seit langem die Position, Abbas sei die letzte und beste Hoffnung für den Frieden in der Region, und zwar trotz des Versagens der von Abbas geführten jahrelangen Friedensverhandlungen. Ist Abbas jedoch ein Mann des Friedens, anerkannt von einer Autorität wie dem Papst, dann muss das Versagen der Verhandlungen Israels Schuld sein.

Bild: CC BY-NC-SA Jared Rodriguez/Truthout via flickr, modifiziert von HonestReporting

BDS-Schlachten strapazieren jüdische Studenten

18. Mai 2015

Alex Margolin, HonestReporting, 14. Mai 2015

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Haaretz-Reporter Ari Shavit besuchte zwei Dutzend US-Universitäten und kam von seiner Reise mit einer ernsten Warnung zurück: “Die Zukunft der Juden gleitet uns durch die Finger”, und damit meint er jene, die Israel und den Zionismus unterstützen.

Auf seiner Reise erlebte er eine belagerte jüdische Gemeinschaft, zusammengepfercht zwischen der extremen BDS-Rhetorik einerseits und ihren eigenen Bedenken hinsichtlich Israels Politik andererseits.

Wir fühlen uns, als seien wir auf dem Schlachtfeld im Stich gelassen worden, sagten mir viele. Die Antizionisten, sagten sie, beschuldigen uns der Kollaboration mit dem Bösen, aber der Zionismus versteht uns nicht und spricht nicht mit uns; statt dessen ist er damit beschäftigt, immer mehr und mehr und mehr Siedlungen zu bauen.

Zionismus, schreibt Shavit, bietet kein “verlässliches, relevantes und inspirierendes Narrativ”, welches dem “beinahe übermächtigen Antisemitismus” der BDS-Offensiven entgegenstehen könnte. “Und wenn sie auf dem Campus eintreffen und dem antiisraelischen Gift ausgesetzt sind, bricht die jüdische und proisraelische Identität vieler Studenten zusammen.”

Anders gesagt, es ist ein Kampf um Legitimität. Und Israel verliert ihn.

Die Zeichen sind klar, selbst ohne Shavits erschütternden Bericht über bedrängte Studenten und tränenreiche Konversationen.

Molly Horwitz, eine Kandidatin bei Stanfords Wahl zum Studenten-Senat letzten Monat, löschte alle Hinweise auf ihre Unterstützung Israels von ihrer Facebookseite. Ihr Wahlkampfmanager sagte der New York Times, Horwitz wolle Israel nicht zum Fokus ihrer Plattform machen.

“Wir haben das nicht gemacht, weil sie nicht stolz wäre – sie ist durchaus stolz -, aber das Klima auf dem Campus war ziemlich feindselig, und politisch wäre es nicht zielführend, hier öffentlich einen Standpunkt einzunehmen”, so der Wahlkampfmanager.

Der Kommentator Shmuley Boteach schrieb diese Woche über den kümmerlichen Protest an der New York University gegen einen Vortrag der lautstarken arabisch-israelischen Knesset-Abgeordneten Hanin Zoabi, die letzten Sommer mit ihrer Weigerung Schlagzeilen machte, die Entführung der drei israelischen Teenager einen terroristischen Akt zu nennen.

“Wie konnte es Zoabi erlaubt sein, an einer Universität mit 8.000 jüdischen Studenten den jüdischen Staat anzugreifen, ohne dass sich der jüdische Stolz und die jüdische Entschlossenheit dagegenstellten?” fragte er.

Die Antwort ist, dass jüdischer Stolz und jüdische Entschlossenheit nur bis zu einem bestimmten Punkt reichen, wenn es um Campuspolitik geht. Was unbedingt vonnöten ist, ist die klare Formulierung von Israels Legitimität.

Das steht in Wirklichkeit bei jeder Begegnung mit BDS auf dem Spiel, heutzutage der Hauptursache für Israels Delegitimierung auf dem Campus. Proisraelische Studenten gewinnen mehr Deinvestitions-Abstimmungen als dass sie diese verlieren, aber selbst wenn sie eine solche Abstimmung mal verlieren, hat bislang noch keine Universitätsverwaltung tatsächlich eine Deinvestitions-Maßnahme gegen Israel durchgeführt. Aber die BDS-Bewegung versteht, dass es bei diesem Kampf nicht um Deinvestition geht. Es geht um den Angriff auf Israels Legitimität und darum, es als rassistischen Staat zu brandmarken, der kein Existenzrecht hat.

Und diese Botschaft wird wieder und wieder auf Campussen im ganzen Land wiederholt. Deshalb muss jede Deinvestitions-Abstimmung auf dem Campus als Chance wahrgenommen werden, Israels Legitimität zu demonstrieren.

Bei Legitimität geht es auch um die Forderung nach einem dauerhaften Frieden auf der Grundlage gegenseitigen Verständnisses und Respekts anstelle von Israels Zerstörung. Es geht um Israels lebhafte Demokratie und um seine Freiheit. Es geht darum zu zeigen, dass Menschenrechte für Israelis und Palästinenser nur durch Kooperation, Diskussion und Handlung verbessert werden können, nicht durch Boykotte, Deinvestition und Sanktionen.

Und letztlich geht es bei Legitimität um die Rechtmäßigkeit Israels als Heimatland des jüdischen Volkes, selbst wenn einige politische Entscheidungen keinen Konsens finden. Doch im Gegensatz zu Gesellschaften, welche abweichende Meinungen unterdrücken, ist Israel eine offene Gesellschaft, welche die Meinungsvielfalt begrüßt und es zulässt, dass eine Idee Unterstützer gewinnt und zu Veränderungen führt.

Bild: CC BY-NC Kent Landerholm via flickr

…nachdem sie mit Messern auf Polizeibeamte losgingen…

8. Mai 2015

Yarden Frankl, HonestReporting, 26. April 2015

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Millionen von Leuten, die sich nur einige Sekunden mit dem Lesen von Schlagzeilen aufhalten, lasen kürzlich in der New York Times:

Bildtext: Naher Osten – Israelische Polizeibeamte töten zwei Palästinenser

Bildtext: Naher Osten – Israelische Polizeibeamte töten zwei Palästinenser

Zugegeben, es ist nicht so leicht, eine Nachricht in wenigen Worten zusammenzufassen, aber hier hat die Times miserabel gearbeitet. Schlenderten etwa zwei israelische Polizisten durch ein Café und erschossen zwei unschuldige Palästinenser, die einfach nur an ihrem Kaffee nippten? Natürlich nicht! Wie der Artikel zeigt, haben die Männer die Polizisten mit Messern angegriffen. Die israelischen Polizeibeamten handelten wie jeder andere Polizist auf der ganzen Welt, wenn es um einen Angriff mit einer tödlichen Waffe geht.

Aber aus irgendeinem unerfindlichen Grund entschied die Person, die für die Schlagzeile verantwortlich war, dass die Leserschaft unbedingt erfahren musste, dass zwei israelische Polizisten Palästinenser umgebracht hatten.

Und was noch seltsamer ist: Zuvor hatte die New York Times auf ihrer Website eine ältere Version der Story veröffentlich, die von Reuters stammte und die eine ähnliche Schlagzeile aufwies – aber dort stand noch das Wort „messerschwingend“ vor dem Wort „Palästinenser“. Einen Tag später erscheint die Story unter einer Times-Schlagzeile ohne das Wort „messerschwingend“.

Bildtext: Naher Osten – Israelische Truppen töten zwei messerschwingende Palästinenser – Polizei

Bildtext: Naher Osten – Israelische Truppen töten zwei messerschwingende Palästinenser – Polizei

Doch die übelste Schlagzeile fand sich in der Druckausgabe der Times. Am Ende des Onlineartikels lesen wir den Hinweis:

Eine Version dieses Artikels erscheint am 26. April 2015 auf Seite A10 der Druckausgabe der New-York-Edition unter der Schlagzeile: Palästinensischer Teenager von israelischer Polizei getötet.

Könnte die Schlagzeile überhaupt noch schlimmer sein?

Die AP-Story in der Washington Post und anderswo nutzte folgende Schlagzeile:

Israelische Polizei: 2 Palästinenser erschossen nach Messerattacke

Das ist besser, aber es wäre noch akkurater gewesen, wenn sie klargestellt hätten, dass die Palästinenser die Polizisten mit Messern angegriffen hatten. Einfach um jedes eventuelle Missverständnis auszuschließen.

Mit nur sieben Wörtern („nachdem sie mit Messern auf Polizeibeamte losgingen“) hätten auch diejenigen Bescheid gewusst, die einfach nur die Schlagzeilen überfliegen.

Wäre das so schwer gewesen?

Bild: CC BY-NC-SA Ardail Smith via flickr mit Beifügungen CC BY-NC-SA Lauren Michell Rabaino und HonestReporting

Bietet der Kampf gegen den Antisemitismus einen Deckmantel für BDS-Aktivitäten?

5. Mai 2015

Gastbeitrag, HonestReporting, 16. April 2015

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Der folgende Gastbeitrag wurde von Elijah Granet verfasst, HonestReportings Gewinner des Blankfeld Award 2014. Momentan studiert Elijah Politikwissenschaften an der Columbia University und den Talmud am Jewish Theological Seminary in New York City.

In der schulischen „Debatte“ über Israel gibt es eine verstörende Tendenz, und für gewöhnlich wird diese nicht von Students for Justice in Palestine und ihren Sympathisanten vorangetrieben, sondern von jüdischen Studenten.

Ich weiß, wie seltsam sich das anhört, und was ich in diesem Artikel sagen werde, hört sich vielleicht noch seltsamer an: der verstörende Trend sind Resolutionen zur Verurteilung von Antisemitismus.

Es sollte außer Frage stehen, dass ich Antisemitismus persönlich aufs schärfste verurteile, und zwar insbesondere als jemand, der ihm auf dem Universitätsgelände ausgesetzt war. Als gleichermaßen offensichtlich erachte ich, dass weltweit und auch an Universitäten zuwenig gegen Antisemitismus getan wird. Warum also bin ich so dagegen, dass jüdische Studenten Resolutionen zur Verurteilung von Antisemitismus auf den Weg bringen?

Diese Resolutionen wurden u. a. von UC Berkeley und UCLA beschlossen, und die malerische UC Santa Barbara beschloss jüngst eine parallel zu einer Divestment-Resolution. Sie wurden von studentischen Aktivitäten innerhalb der jüdischen Gemeinschaft auf den Weg gebracht und wurden bei erfolgreichem Beschluss wie ein Sieg behandelt. Sie wurden mit den besten Absichten verabschiedet, und viele Freunde von mir waren am Beschluss der UC Berkeley beteiligt.

Das größte und hervorstechendste Problem bei diesen Resolutionen ist, dass sie von exakt denselben Gremien diskutiert und beschlossen werden, welche die BDS-Resolutionen beschließen. Im Falle der UCSB wurden beide gleichzeitig beschlossen. Ich hatte früher bereits geschrieben, dass es ein großer Fehler ist, diese Resolutionen vor Studentenräten zu debattieren oder zu bekämpfen zu versuchen, da dies ihre falsche und voreingenommene Position legitimiert. Die Antisemitismusresolutionen bewirken etwas weit Schlimmeres als den Eindruck eines falschen Gleichgewichts – sie verschaffen der Dämonisierung Israels und den Angriffen auf Israel einen Deckmantel.

ucsbwave_144Zweifellos atmete der Studentenrat an der UCSB erleichtert auf, als jüdische Studenten ihn um die Verabschiedung einer Resolution zur Verurteilung von Antisemitismus baten, denn dies verschaffte dem Senat den perfekten Deckmantel zur Verabschiedung einer Resolution, welche vor Antisemitismus und extremem Israelhass nur so tropfte.

Diese Resolutionen erreichen absolut nichts, außer dass sie gute PR für die leeren Worte des Studentenrats darstellen. Alle „wissen“, dass Antisemitismus schlecht ist. Das ist keine mutige Aussage gegen irgendwas. Aber der Studentenrat kann jetzt behaupten: „Die Antipathie der BDS-Leute gegenüber Israel hat absolut nichts mit Antisemitismus zu tun. Dagegen haben wir eine Resolution verabschiedet!“ Werden jüdische Studenten gefragt, ob ihr ethnisch-religiöser Hintergrund sie von der Bekleidung bestimmter Positionen ausschließt, werden Studentenräte sagen, sie hätten sich dem Antisemitismus stets entgegengestellt. Jeder kann ein öffentliches Tabu verurteilen – aber Taten sind wichtig.

Werden BDS-Resolutionen und Resolutionen gegen Antisemitismus gleichzeitig auf den Weg gebracht, bietet dies eine Entlastung für die Mitglieder des Studentenrats, die letzten Endes normale Studenten sind und die nicht Teil irgendwelcher Kontroversen sein wollen. Sie werden glauben, die Juden mit ihren leeren Worten besänftigt zu haben und die BDS-Betreiber durch ihre Unterstützung von Divestment. Jeder Studentenrat, der eine Resolution gegen Antisemitismus verabschiedet, ist weit geneigter, direkt im Anschuss eine Divestmentstrategie gegen Israel einzuführen.

Das ist nicht einfach nur hypothetisch. Erinnern wir uns an die UCSB, wo der studentische Senat exakt dieses betreibt. Zum einen stand vor kurzem auf der Facebookseite „Against UCSB Divestment from Israel“:

Ein Senator (dessen Name unerwähnt bleiben woll) sagte vor kurzem, die jüdische Gemeinschaft sei „scheinheilig“, weil sie sowohl Antisemitismus als auch Divestment verurteilt.

Genau das stand dort. Sehen wir uns nun die Tragödie an, die in einem kurzen Auszug eines Beitrags in der öffentlichen Facebookgruppe „Santa Barbara Hillel“ durch dessen Direktor Rabbi Evan Goodman zum Ausdruck kommt:

Vielen Dank an den Senat, dass er zugehört und gehandelt hat. Der Senat entschied ebenfalls, dem Ausschuss eine antiisraelische BDS-Resolution zu übersenden.

BDS1Normalerweise würde ich mich nicht so aufregen. In Wahrheit können die Studentenräte nicht viel an der Politik im Nahen Osten ändern (obwohl sie sehr wohl etwas gegen Antisemitismus tun könnten, wenn sie sich dazu durchringen könnten), und es liegt nichts Falsches darin, einer allgemein anerkannten Wahrheit zuzustimmen (z. B. dass Antisemitismus schlecht ist). Das Problem ist, dass im Hintergrund kein Kampf gegen BDS stattfindet. Die Medien berichten eifrig über diese Geschehnisse, und das Ergebnis dieser Debatten beeinflusst nicht nur ein paar Studenten, sondern die amerikanische Sicht Israels insgesamt. Die Resolutionen gegen Antisemitismus bieten einen bequemen Deckmantel, und die Tatsache, dass diese Resolutionen von der jüdischen Gemeinschaft getragen werden, macht es umso schlimmer. Bald wird „ich habe jüdische Freunde“ ersetzt durch „ich habe zugestimmt, dass Antisemitismus schlecht ist“. Vielleicht wäre meine Reaktion anders ausgefallen, wenn diese Resolutionen zu toleranzfördernden Programmen oder zu Aktionen gegen Antisemitismus auf dem Campus geführt hätten, aber Resolutionen, die den Antisemitismus einfach nur „verurteilen“, sind weniger als bedeutungslos – sie sind Munition in den Händen der Feinde der jüdischen Gemeinschaft.

Es schmerzt mich sehr, öffentlich meinen Freunden und Mitangehörigen der jüdischen Gemeinschaft entgegentreten zu müssen, aber es ist überaus wichtig, dass die jüdische Campusgemeinschaft erkennt, dass es bei der Debatte über das öffentliche Image Israels und über die giftige BDS-Kampagne keine harmlosen Handlungen gibt. Man muss nur ein bisschen auf dieser Seite (HonestReporting) herumklicken, und man sieht überall, wie fast alles, was ein Israelunterstützer sagt, aus dem Kontext gerissen, verdreht und gegen ihn selbst gerichtet wird. HonestReporting macht ausgezeichnete Arbeit, indem sie diese groben Verzerrungen ans Tageslicht bringt, aber auch wir in der jüdischen Gemeinschaft haben die Verantwortung, dass unsere Bemühungen uns am Ende dienlich sind und nicht gegen uns benutzt werden.

Ich werde mich weiter gegen die Geißel des Antisemitismus einsetzen und bin froh zu sehen, dass sich Studenten und unsere Verbündeten gegen die Dämonisierung Israels stellen. Ich hoffe nur, dass wir das nutzen können, um echte Veränderungen herbeizuführen und nicht nur zum öffentlichen Bild unserer Gegnerschaft beitragen.

Titelbild: CC BY Bruce Krasting via flickr, modifiziert durch HonestReporting

Keine palästinensischen Wahlen? Delegitimieren wir die israelische Demokratie!

27. März 2015

Simon Plosker, HonestReporting, 19. März 2015

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Ein besonders übler Kommentar der britischen Palästinenserin Yara Hawari trifft im Independent die folgende Behauptung über die Wahlen in Israel:

Tatsächlich haben fast 4,5 Millionen Palästinenser in Gaza und Westjordanland kein Mitspracherecht darin, welche israelische Partei jeden Aspekt ihres Lebens bestimmen wird.

Aber warum sollten sie bei einer israelischen Wahl stimmen dürfen? Das wäre nur möglich, wenn es eine Einstaatenlösung gäbe, und dann würden die erwähnten 4,5 Millionen Palästinenser Israel einfach als jüdischen Staat in die Nichtexistenz wählen.

Und was ist mit Israels arabischen Bürgern, die zur Wahl gekommen sind?

Obwohl sie die Staatsbürgerschaft besitzen, ist diese nominell, und eine ganze Batterie aus israelischen Gesetzen wurde geschaffen, um sie zu diskriminieren. Ihre Situation ist diejenige eines intern kolonisierten Volkes, und die Art von Besatzung, der sie ausgesetzt sind, ist zwar subtil, aber sehr real.

Hawari verlinkt die radikale Adalah-Organisation, die eine Datenbank von „50 diskriminierenden Gesetzen“ unterhält. NGO Monitor sagt: „Entgegen Adalahs fortgesetzten Versuchen, Israel als antidemokratisch und rassistisch hinzustellen, einschließlich häufiger Veranstaltungen bei den Vereinten Nationen und anderen internationalen Plattformen, haben viele der angeführten Gesetze nichts mit israelischen Arabern zu tun und können auch nicht als ‘diskriminierend’ beschrieben werden.“

Vielleicht sollte Hawari ihre Aufmerksamkeit der wahren Problematik widmen, der die Palästinenser in Gaza und Westjordanland gegenüberstehen. Evelyn Gordon erklärt im Commentary-Magazin:

Ein erfahrener palästinensischer Journalist aus Ramallah fasste die vorherrschende Meinung prägnant zusammen. „Wir sagen all diese schlimmen Sachen über Israel, aber die Leute dort haben wenigstens das Recht zu wählen, und sie haben eine Demokratie“, sagte er dem Jerusalem-Post-Reporter Khaled Abu Toameh vor der Wahl. „Wir beneiden die Israelis. Unsere Führer wollen keine Wahlen. Sie wollen für immer im Amt bleiben.“

Ghanem Nuseibeh, ein Palästinenser aus Ostjerusalem, der heute in Großbritannien lebt, veröffentlichte am Wahltag eine Reihe erhellender Tweets, u. a.: „Über eine Million Araber nehmen heute an den demokratischsten Wahlen im Nahen Osten teil“; „Die Araber in Israel sind die einzige Gruppe von Arabern im Nahen Osten, die echte Demokratie praktiziert“; und „Israel ist sicher wegen dem, was es heute tut, und nicht weil es Bibi oder Buji wählen wird“. Er unterstützte Isaac Herzog („Buji“) und lehnte Benjamin Netanyahu ab, aber nachdem sein Kandidat verloren hatte, tweetete er trotzdem: „Israel ist die weltweit lebendigste Demokratie“… „Hätte ein arabisches Land dasselbe breite Spektrum politischer Parteien wie Israel, gäbe es dort Bürgerkriege von nie zuvor dagewesenem Ausmaß.“

Nur für den Fall, dass Hawari nicht deutlich genug herausgestrichen hat, wie sehr sie Israel hasst, deutet sie an, Israel habe kein Existenzrecht, da ein „kolonialer Staat“, wo nur Nichtjuden Eingeborene sein können, keine Legitimität besitzt:

Ein Staat, der mittels einer jahrzehntealten illegalen Besatzung Kontrolle über ein Volk ausübt, ist keine Demokratie. Ebenso ist auch ein Staat, der sich nur für Juden offen erklärt und der die Rechte der eingeborenen nichtjüdischen Völker ignoriert, keine Demokratie.

Israel gehört nicht allen seinen Bürgern und denjenigen in seiner Kontrolle. Es ist ein ethnokratischer, kolonialer Siedlerstaat, der das internationale Gesetz täglich missachtet, indem er die Palästinenser in unterschiedlichem Besatzungsausmaß unterdrückt.

Dieser Meinungskommentar wurde vor der Wahl veröffentlicht, was beweist, dass sich der Independent durch die Veröffentlichung weniger um den Wahlausgang kümmert (den er eindeutig nicht mag), sondern mehr an einer Attacke auf die einzige echte Demokratie im Nahen Osten interessiert ist, ganz egal wie sehr Yara Hawari das Gegenteil behauptet.


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