Archive for the ‘Die Welt und Nahost’ category

Der Social-Media-Aktivist der New York Times für den islamischen Dschihad

1. September 2015

Simon Plosker, HonestReporting, 27. August 2015

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Die New York Times veröffentlichte ein Profil von Mohammad Allan, dem Palästinenser, der mit seinem zweimonatigen Hungerstreik kürzlich für Schlagzeilen sorgte. Allan, ein Mitglied der Terrororganisation Islamischer Dschihad, wird über Zitate und Anekdoten von ihn bewundernden Freunden und Familienmitgliedern beschrieben.

Wenn er mit rivalisierenden bewaffneten Palästinensern konfrontiert ist, die ihm sein Haus wegnehmen wollen, wird Allan als “kühn” beschrieben. Die New York Times schreibt:

Während des Konflikts vor 10 Jahren zeigte Herr Allan etwas von der Tapferkeit, die er auch diesen Sommer an den Tag legte, als er sich während eines zweimonatigen Hungerstreiks beinahe zu Tode hungerte, um gegen seine Einkerkerung ohne Anklage durch israelische Behörden zu protestieren.

Proteste for Mohammad Allan (Screenshot von YouTube)

Proteste for Mohammad Allan (Screenshot von YouTube)

Später hören wir, dass Allan “vom Kampf gegen Israel bei der zweiten Intifada energetisiert” war.

Kühn. Energetisiert. Tapferkeit.

Alles sehr positive Adjektive, um ein Mitglied des Islamischen Dschihad zu beschreiben. Zwar wird erwähnt, dass Allan “von Israel erstmals 2006 ins Gefängnis geworfen wurde, weil er einen Selbstmordbomber für einen Anschlag auf Israel rekrutieren wollte”, aber es wird der Eindruck vermittelt, dies sei in Wirklichkeit eine Ablenkung von Allans wahrem Charakter als Mann mit radikalen Gedanken, denen er jedoch nie Folge leisten würde.

Im Artikel steht:

Herrn Allans Vater sagte, sein Sohn habe auf sozialen Medien den Islamischen Staat als Verteidiger der unterdrückten Sunniten unterstützt, aber das sei nie über Onlinetexte hinausgegangen. Nur aus Gründen der Provokation habe Herr Allan behauptet, die brutale Gruppe von Militanten namens ISIS oder ISIL zu unterstützen, sagte Herr Hussein.

Nur um zu provozieren? In den meisten westlichen Staaten ist eine Unterstützung des Islamischen Staaten auf sozialen Medien mehr als genug, um eine Festnahme durch die Sicherheitsbehörden zu rechtfertigen. Und erinnern wir uns kurz daran, was der Islamische Dschihad ist, obwohl ihn die New York Times einfach als “Gruppe von Militanten” verniedlicht:

Der palästinensische Islamische Dschihad wurde 1980 von radikalen Mitgliedern der Muslimbruderschaft in Gaza gegründet und dient der gewaltsamen Zerstörung Israels und der Vereinigung der muslimischen Welt unter einem Islam, der von modernen westlichen Elementen “befreit” wurde. Anders als die größere und finanziell besser ausgestattete Hamas unterhält der Islamische Dschihad keine Sozialprogramme; statt dessen konzentriert er sich auf spektakuläre Attacken auf israelische Zivilisten und Militärkräfte, wobei manchmal Frauen und Kinder als Selbstmordattentäter eingesetzt werden.

Anders als die Hamas hat der Islamische Dschihad also keinen “politischen Zweig”, “sozialen Zweig” oder irgend etwas anderes als einen “militärischen Zweig”. Ein Mitglied des Islamischen Dschihad hat keinen anderen Grund für seine Mitgliedschaft als das Betreiben von Terrorismus und den Mord an Israelis. Das ist Mohammad Allans Daseinsgrund, und die New York Times verschweigt das komplett.

Statt dessen steht im Text etwas wie das hier:

Herr Hussein sagte, er erwarte, dass sein Freund [Allan] wieder gesund wird und zu seinem Aktivismus zurückkehrt, sobald er aus dem Krankenhaus entlassen wird, nämlich seinen juristischen Tätigkeiten nachzugehen und seine feurigen Meinungen auf sozialen Medien zu vertreten.

Die New York Times hat Allan letztlich in einen Social-Media-Aktivisten mit einigen radikalen Ansichten verwandelt. Würde Mohammad Allan in den USA leben und nicht in Israel, wäre ihm die New York Times weit weniger wohlgesonnen. Doch nur, wenn ein Terrorist gegen Israel vorgeht, behandelt ihn die New York Times wie einen heldenhaften Widerständler.

BDS Valencia verdoppelt den Einsatz bei Matisyahu-Heuchelei

25. August 2015

Alex Margolin, HonestReporting, 20. August 2015

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Die BDS-Kampagne gegen den Reggaesänger Matisyahu zeigt lebhaft, dass das, was mit einem Israelboykott beginnt, stets mit einer Kampagne gegen Juden endet.

Doch statt dass sie sich auf würdige Weise zurückziehen, wie es das Rototom-Sunsplash-Reggaefestival mit der Rückgängigmachung seiner Absage von Matisyahus Auftritt tat, macht die BDS País Valencià unbeirrt weiter und liefert ein stutzig machendes Statement voller Schuldzuweisungen und oberflächlicher Rechtfertigungen ab.

Die größte Verwunderung auf der Liste der einzelnen Punkte verursacht Nr. 6:

Während die Medien diese Kampagne als Teil der weltweiten BDS-Bewegung dargestellt haben, möchten wir klarstellen, dass unsere Bemühungen außerhalb der Zuständigkeit des kulturellen Boykotts Israels gemäß der Richtlinien der Palestinian Campaign for the Academic and Cultural Boycott of Israel (PACBI) liegen. BDS fordert Boykotte gegen israelische Institutionen, die sich an Israels Verletzungen des internationalen Rechts beteiligen, nicht gegen Individuen. Anders als bei der Kulturboykottbewegung gegen das Südafrika der Apartheidzeit fordert die von den Palästinensern angeführte BDS-Bewegung keinen Boykott einzelner Künstler, Akademiker usw. [Fettdruck wie im Original]

Also wartet mal… laut diesem Text ist die Auffassung, dass es sich hierbei um eine BDS-Kampagne handelt, ein reines Produkt der Medien? Werden die Leute nicht annehmen, dass es sich hier um BDS handelt, weil es von einer Gruppe mit BDS im Namen betrieben wird und einen Künstler mit augenscheinlichen Sympathien für Israel boykottieren soll?

Aber das ist noch nicht einmal der verwirrendste Teil des Statements. Mit einer gehörigen Portion Brezel-Logik behauptet das Statement, diese Aktion sei keine BDS-Kampagne gewesen (bzw. sie geht nicht mit BDS-Standards konform, wenn es so etwas überhaupt gibt), da die BDS-Richtlinien vor genau solchen Aktionen warnen.

Aber das ergibt überhaupt keinen Sinn. Da ist eine BDS-Gruppe, und sie betreibt eine Boykott-Kampagne — welchen Unterschied macht es, was da auf der BDS-Website steht? Wenn diese Worte nicht die Taten der Menschen vor Ort bestimmen, bedeuten sie dann überhaupt etwas? In der wirklichen Welt offenbaren Taten, nicht Worte, die wahren Absichten.

Natürlich ist das nicht der einzige Fall, wo eine Einzelperson boykottiert wurde. Nur wenige Tage bevor Matisyahus Festivalabsage in die Nachrichten kam, wurde ein israelischer Filmemacher von einem Filmfestival in Oslo boykottiert. Und BDS Valencia steht mit der Ansicht nicht allein da, dass Matisyahu ein legitimes Ziel ist.

Und das ist die unvermeidliche zweite Lektion dieser ganzen Sache — was mit einem Boykott gegen israelische Institutionen beginnt, endet mit dem Anzielen von Individuen. Und ihr könnt euch darauf verlassen, dass BDS die Rolle der Gedankenpolizei spielen wird, wo nur eine einzige Ansicht akzeptabel ist.

Palästinensischer Messerangriff löst irrige Schlagzeilen aus

20. August 2015

Simon Plosker, HonestReporting, 18. August 2015

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Im dritten Vorfall dieser Art in dieser Woche wurde ein palästinensischer Terrorist erschossen, nachdem er am Montag einen Grenzpolizisten am Tapuach-Übergang im Westjordanland erstechen wollte. YNet News schreibt:

Die Polizei sagte, der 25jährige Angreifer Mohammed Amsha aus einem Dorf in der Nähe von Jenin kam zum Tapuach-Übergang und sagte den dort stationierten Grenzsoldaten, er fühle sich unwohl.

Die Soldaten wiesen ihn an, näherzukommen, damit sie ihm helfen konnten, aber sobald er bis auf kurze Entfernung herangekommen war, zog er ein Messer und griff einen der Soldaten an, um ihn zu erstechen.

Der Soldat wurde nur leicht verletzt und konnte den Angreifer erfolgreich zurückdrängen, während ihn ein anderer Grenzpolizist erschoss und neutralisierte.

Die New York Times berichtete hierüber mit folgender Schlagzeile:

Palästinenser bei Konfrontation mit israelischer Polizei erschossen

Palästinenser bei Konfrontation mit israelischer Polizei erschossen

Trotz der Tatsache, dass der Vorfall klar durch einen Akt palästinensischer Gewalt ausgelöst wurde, spricht die Schlagzeile von einer “Konfrontation”, was der israelischen Polizei die gleiche Verantwortlichkeit zuschreibt. Die Schlagzeile verschweigt, dass der Palästinenser als Resultat seines Messerangriffs auf einen Polizisten erschossen wurde, und damit ist das eine klare Voreingenommenheit auf Seiten der New York Times.

Hier die Schlagzeile der Irish Times über denselben Vorfall:

Palästinenser an Westjordanland-Checkpoint erschossen Israelische Armee sagt, Mann sei mit den Worten, er fühle sich unwohl, auf Gruppe von Soldaten zugegangen

Palästinenser an Westjordanland-Checkpoint erschossen
Israelische Armee sagt, Mann sei mit den Worten, er fühle sich unwohl, auf Gruppe von Soldaten zugegangen

Schlagzeile und Unterüberschrift entnimmt der flüchtige Leser, ein sich unwohl fühlender Palästinenser habe sich einer Gruppe Soldaten genähert, und sie hätten ihn ohne ersichtlichen Grund einfach erschossen.

Also warum passt die Schlagzeile nicht auf die Wirklichkeit, die im ersten Absatz des Artikels erklärt wird?

Ein Palästinenser wurde von israelischen Polizisten erschossen, nachdem er einen von ihnen an einem militärischen Checkpoint im besetzten Westjordanland mit einem Messer angegriffen und leicht verletzt hatte, wie eine Sprecherin der Polizei mitteilte.

Unterm Strich — der Palästinenser griff einen Soldaten an und stach auf ihn ein, ein unbestreitbar wesentliches Stück Zusammenhang, das in beiden Schlagzeilen (New York Times und Irish Times) einfach fehlt.

Die PLO lügt noch immer über Arafats Vermächtnis

8. August 2015

Pesach Benson, HonestReporting, 5. August 2015

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Jassir Arafat hätte vor kurzem seinen 86. Geburtstag gefeiert, und die PLO markierte diesen Tag mit einem Tweet, der den verblichenen Palästinenserführer im Grab rotieren lassen muss.

Dabei geht es nicht nur über die Darstellung von Arafats Vermächtnis als heldenhaftem Freiheitskämpfer statt eines blutrünstigen Terroristen (dazu komme ich später noch).

Als Gründervater des palästinensischen Nationalismus steht bei der PLO viel auf dem Spiel, wenn es ums Arafat-Narrativ geht.

Um das klarzustellen: Arafat wurde in Kairo geboren. Aber selbst feurigen Verschwörungstheoretikern, die Obamas Geburtsort in Frage stellen, fällt die Kinnlade herunter, wenn sie lesen:

Präsident Jassir Arafat wurde am 4. August geboren (Jerusalem 1929 – Paris 2004). “Ich bin ein Rebell, und meine Sache ist die Freiheit.”

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Wie wurde er also Jerusalem zugeschrieben?

Die Antwort beginnt mit einem rumänischen Geheimdienstbeamten zur Zeit der Kommunisten, Ion Mihai Pacepa. Bei einem Schuldeingeständnis im Wall Street Journal erklärte er, die Verbindung von Arafat und Jerusalem sei ein Resultat absichtlicher sowjetischer Falschinformationen gewesen.

Der KGB-Vorsitzende Juri Andropow machte sich mir gegenüber im Februar 1972 über die Leichtgläubigkeit der Yankees lustig, was prominente Persönlichkeiten betrifft. Wir hatten die stalinistischen Personenkulte hinter uns gelassen, aber diese verrückten Amerikaner waren noch immer naiv genug, nationale Führer zu verehren. Und Arafat bauten wir zu genau so einer Symbolfigur auf — Schritt für Schritt führten wir die PLO näher an die Macht und an einen Staat. Andropow glaubte, die vietnammüden Amerikaner würden in ihrer Hoffnung auf Frieden auch auf das kleinste Zeichen einer Versöhnung anspringen, und Arafat würde vom Terroristen zum Staatsmann werden.

Unmittelbar nach diesem Treffen erhielt ich die “Personalakte” des KGB über Arafat. Er war ein ägyptischer Bourgeois, der vom KGB-Auslandsgeheimdienst zu einem ergebenen Marxisten gemacht wurde. Der KGB hatte ihn an seiner Schule für Spezialoperationen in Balaschicha östlich von Moskau geschult, und Mitte der 1960er entschied man, ihn zum zukünftigen Führer der PLO aufzubauen. Erst vernichtete der KGB die offiziellen Aufzeichnungen von Arafats Geburt in Kairo, dann ersetzte er sie durch fiktive Dokumente, die sagten, er sei in Jerusalem geboren worden und sei daher ein gebürtiger Palästinenser.

Was die Beschreibung als “Freiheitskämpfer der PLO” betrifft, so ist das ein altbekanntes Spiel. Über Jahre hinweg haben Palästinenser und ihre Apologeten Arafat mit Führern der Amerikanischen Revolution verglichen, z. B. mit George Washington und Thomas Paine, oder was die jüngere Geschichte betrifft auch mit Nelson Mandela. (Marwan Barghouti, der Führer der mit der Fatah verflochtenen Al-Aqsa-Märtyrerbrigaden, der für fünf Morde für schuldig befunden wurde, hat den Mantel des “palästinensischen Mandela” geerbt.)

Es gibt keine Parallelen zwischen Arafat und Washington oder Mandela. Es gibt keine historischen Beweise, dass Washington absichtlich Zivilisten angriff, die England treu ergeben waren. Timothy Noah schrieb 2002 im Slate:

Im amerikanischen Freiheitskampf war ein Radikaler jemand, der Tee in den Bostoner Hafen auskippte. Im palästinensischen Freiheitskampf ist ein Radikaler jemand, der sich eine Bombe umschnallt und israelische Kinder in die Luft jagt.

Arafat war der Großvater des modernen Terror. Seine Anhänger perfektionierten die Praxis der Entführung von Flugzeugen. Seine Frau Suha bestätigte, dass die blutrünstige zweite Intifada von ihrem nobelpreistragenden Ehemann vorab geplant worden war. Und er fand stets Wege, sich von den durch ihn finanzierten, autorisierten oder einfach nur geduldeten Terroranschlägen nach außen hin distanziert zu geben.

Jassir Arafats Vermächtnis kann man in neun Buchstaben zusammenfassen: Terrorist.

Bild: Public-Domain-Bilder von Jassir Arafat und Emanuel Gottlieb Leutzes Gemälde “Washington überquert den Delaware” via Wikimedia Commons, vermischt durch HonestReporting

Terror erkennen — Wenn die Tatverdächtigen Juden sind

4. August 2015

Pesach Benson, HonestReporting, 3. August 2015

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Die großen Medien beäugen Israels Maßnahmen im Kampf gegen jüdischen Extremismus und die Anstrengungen, die für den Brandbombenanschlag auf die Wohnung der Familie Dawabsha verantwortlichen Terroristen zu finden. Der 18 Monate alte Ali Dawabsha kam in den Flammen um; seine Eltern und sein vierjähriger Bruder kämpfen um ihr Leben.

Bei einem anderen Vorfall einen Tag zuvor wurde auf sechs Menschen eingestochen, die in Jerusalems LGBTI-Parade mitmarschierten. Eines der Opfer, Shira Banks, erlag gestern ihren Wunden. Dramatische Fotos zeigen den Israeli Yishai Shlissel, wie er mit dem Messer gegen eine Menschenmenge stößt, bevor er von der Polizei überwältigt wird.

Bei dem Brandanschlag gibt es noch keine Verdächtigen, aber die zeitliche Abfolge der beiden Vorfälle hat eine innerisraelische Selbstprüfung ausgelöst. Ein Teil der Debatten in Israel dreht sich um den Gebrauch des Wortes “Terror”. Wie David Graham in den Seiten des Atlantic erklärt, gibt es rechtliche und finanzielle Verästelungen, wenn ein Angriff als “Terror” bezeichnet wird.

Leider scheuten sich die Mainstreammedien, Wörter wie Terror oder Terroristen zu benutzen, wenn es um palästinensische Selbstmordattentate, Schüsse aus vorbeifahrenden Fahrzeugen, Messermorde, Brandanschläge usw. ging und Israelis die Opfer waren. Der Umgang mit dem T-Wort wurde nach dem Anschlag auf das World Trade Center von Stephen Jukes, damals der Weltnachrichten-Redakteur von Reuters, in einem internen Memo zusammengefasst.

Wir alle wissen, der Terrorist des einen ist der Freiheitskämpfer des anderen, und Reuters hält sich an das Prinzip, dass wir das Wort Terrorist nicht gebrauchen.

Daher haben Zeitungen Wörter wie “Militante” oder “Aktivisten” benutzt. Oder in seltenen Fällen, wo Terror in der Schlagzeile genannt wird, steht das Wort in Anführungszeichen — als wollten die Autoren klarstellen, dass sie bei diesem Wort die Nase rümpfen oder dem Anschlag eine gewisse Skepsis entgegenbringen.

HonestReporting hat sich jahrelang dafür eingesetzt, dass die Mainstreammedien den Terror beim Namen nennen.

Die meisten westlichen Zeitungen haben für die Dawabsha-Brandbombenattacke nicht das Wort Terror benutzt.

Einerseits ist es moralisch falsch, den Angriff auf das Heim der Dawabshas nicht als Terror zu bezeichnen. Andererseits jedoch blieb der behutsame Umgang der Journalisten mit dem Wort durchgehend konsistent. Nehmen wir zum Beispiel die folgende Schlagzeile der Washington Post, die das Wort Terror in Anführungszeichen setzt:

Israelische Führer beabsichtigen harsche neue Maßnahmen im Kampf gegen 'jüdischen Terrorismus'

Israelische Führer beabsichtigen harsche neue Maßnahmen im Kampf gegen ‘jüdischen Terrorismus’

Interessanterweise war nicht nur das T-Wort in Anführungszeichen, sondern “jüdischer Terrorismus”. Vielleicht ist die Post noch nicht bereit anzunehmen, dass die Täter Juden waren?

Ganz anders der Guardian, der endlich entdeckt hat, dass Terror auch ohne Anführungszeichen existieren kann.

Aber irgendwo muss ich den Herausgebern des Blattes auch zu ihrem Mut gratulieren.

Israel wird jüdische Terrorverdächtige ohne Gerichtsverhandlung festnehmen

Israel wird jüdische Terrorverdächtige ohne Gerichtsverhandlung festnehmen

Dieser Mut ist erwähnenswert, da er die Richtlinien des Guardian bezüglich des Wortes Terror zu verletzten scheint. Diese Richtlinien klingen ganz ähnlich wie die von Jukes:

Trotzdem müssen wir mit diesem Begriff sehr vorsichtig sein: Er ist noch immer ein subjektives Urteil — der Terrorist des einen mag der Freiheitskämpfer des anderen sein, und es gibt ehemalige “Terroristen”, die in vielen Teilen der Welt nun in Amt und Würden stehen.

Ich möchte glauben, dass ein neues Zeitalter für das Blatt angebrochen ist. Aber ich würde nicht darauf wetten.

Mir fallen keine palästinensischen Terroranschläge auf, die der Guardian je als Terror bezeichnet hätte. Ali Dawabsha war ein Opfer von Terror, aber ich würde gerne sehen, wie das Blatt erklärt, warum Israelis wie Danny Gonen keine Opfer von Terror sind — um nur ein einziges Beispiel zu nennen.

Der Guardian wird palästinensische Gewalttaten ebensowenig “Terror” nennen, wie ich die Leute, die für Ali Dawabshas Tod verantwortlich sind, “Freiheitskämpfer” nennen würde.

Bild: CC BY southtyrolean/flickr und flickr/Ryan Brunsvold mit Modifikationen von HonestReporting

Wenn anonyme Quellen aus Washington Israel mit Dreck bewerfen

28. Juli 2015

Pesach Benson, HonestReporting, 23. Juli 2015

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Ob man sie nun mag oder nicht, die Nachrichtenindustrie braucht anonyme Quellen. Manchmal kann man Informationen von nirgendwo sonst herbekommen.

Das verstehe ich.

Aber ein Journalist muss anonyme Quellen nur vorsichtig verwenden. Sie machen Nachrichten weniger transparent — die Leser müssen dem Reporter weit stärker vertrauen, dass die Quelle glaubwürdig ist, dass er weiß, wovon er spricht, und dass er das Blatt nicht für seine eigene Agenda benutzt. Deshalb haben die meisten Nachrichtendienste Richtlinien hinsichtlich Anonymität. Zwei davon möchte ich hier anführen:

  1. Berichte müssen wenigstens eine namentlich genannte Quelle haben. Keine Story sollte sich gänzlich auf anonyme Quellen verlassen.
  2. Während es zulässig ist, eine anonyme Quelle mit Informationen zu zitieren, muss man vorsichtig sein, wenn sie eine Meinung oder eine Interpretation bietet. Es ist unethisch, einer Quelle zu erlauben, jemanden aus der Deckung der Anonymität heraus zu attackieren.

Und das bringt uns zu den “hohen Regierungsbeamten in Washington”, die eine Quelle für Haaretz waren.

Hohe Regierungsbeamte in Washington sagten am Mittwoch, sie seien zu dem Schluss gelangt, Premierminister Benjamin Netanyahu sei an keinerlei Atomabkommen mit dem Iran interessiert — außer an einem, in dem Teheran vollständig kapituliert, aber im Gegenzug keinerlei Sanktionserleichterungen bekommt.

“Das ist die Logik in Israels Kritik”, sagten sie bei einer Unterredung mit Haaretz . . .

Die Beamten zeigten sich konsterniert und enttäuscht über die Tatsache, dass Netanyahu und andere israelische Irangegner dem Wiener Übereinkommen nichts Gutes abgewinnen konnten — obgleich viele israelische Standpunkte in das finale Dokument eingeflossen sind. Die Beamten merkten an, das Übereinkommen erfülle auch die “roten Linien”, die Netanyahu im Lauf der letzten Jahre gezeichnet hatte — “und noch einiges mehr.”

Unter solchen Umständen sei es “schwierig, vernünftige Diskussionen” mit Israel zu führen, ergänzten sie.

HaaretzFür sich alleingenommen hätte diese Unterredung nicht in dieser Form veröffentlicht werden sollen. Die Sorgfaltspflicht auf Seiten von Haaretz hätte bedeutet, irgend jemanden in Washington ausfindig zu machen, der zu einem namentlichen Zitat bereit gewesen wäre, und Jerusalem hätte ein Antwortrecht bekommen müssen. Da all dies fehlt, hätte diese Unterredung einfach als Hintergrundinfo für die Haaretz-Belegschaft abgelegt werden müssen.

Die Sorgfaltspflicht auf Seiten von Haaretz hätte auch bedeutet, jene anonymen Beamten zu hinterfragen. Israel will keinen Krieg. Weder wünschen noch erwarten die Israelis Irans völlige Kapitulation. Und trotz der “Bester Deal, den wir herausschlagen konnten”-Rhetorik gab es eine Alternative. Hier kann man nachlesen, wie ein guter Iran-Deal ausgesehen hätte.

Unsere “hohen Regierungsbeamten in Washington”, die israelische Bedenken diskreditieren wollen, während sie sich für den Iran-Deal einsetzen, haben mit Haaretz eine gute Wahl getroffen. Jüngste Haaretz-Editorials nannten den Deal “eine unglaubliche diplomatische Leistung“, während Premierminister Netanyajus Einwände als “Hysterie” zurückgewiesen wurden.

Dies ist weit entfernt vom israelischen Mainstream. Öffentliche Umfragen unter Israelis ergaben, dass 71% glauben, das Übereinkommen rücke den Iran näher an die Atombombe, 51% würden Obama übergehen, um das Übereinkommen zu brechen, und 47% würden einen unabhängigen israelischen Militäreinsatz gegen den Iran befürworten.

Wenn man es also mit einer anonymen Quelle zu tun hat, sollte man sich sechs Fragen stellen:

  1. Wer ist die Quelle?
  2. Befindet sich die Quelle wirklich in einer Position, dass sie weiß, was sie behauptet? Hat der Reporter genügend Hintergrundinformationen über die Quelle bereitgestellt, damit wir uns ein eigenes Urteil bilden können?
  3. Warum kann die Quelle nicht namentlich für die Story genannt werden? Gibt es eine plausible Erklärung für die Leser?
  4. Was sind die möglichen Motive der Quelle, dass sie mit dem Reporter spricht?
  5. Erfindet die Quelle etwas?
  6. Hätte man die Informationen auch auch von nichtanonymen Quellen bekommen können?

Wollen die Vereinigten Staaten die öffentliche Meinung Israels für sich gewinnen, werden sie den Israelis mit “vernünftigen Debatten” kommen müssen und sich der Tatsache stellen müssen, dass die Israelis jenseits der Haaretz-Seifenblase nichts Gutes über das Übereinkommen zu sagen haben. Anonymes Dreckwerfen in einer außer Tritt geratenen Zeitung wird das nicht schaffen.

Bild: CC BY flickr/Zaheer Mohiuddin mit Modifikationen von HonestReporting; Zeitungen CC BY Wikimedia Commons/Hmbr

Dem Iran vertrauen?

23. Juli 2015

HonestReporting Canada (Facebook), 21. Juli 2015

HRCanada_Iran-Atomdeal(crossposted mit abseits vom mainstream)


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