Archive for the ‘Die Welt und Nahost’ category

Freedom Houses verzerrte Bewertung von Israels „Nationalsport“

4. Mai 2016

Daniel Pomerantz, HonestReporting, 2. Mai 2016

05May02-freedom_house-not-free-press-feature-770x400

Was ist passiert?

Freedom House, eine amerikanische Organisation, die sich für Freiheit und Demokratie in der ganzen Welt einsetzt, veröffentlichte ihre jährliche Bewertung der Pressefreiheit in zahlreichen Ländern. Und für alle, die mit Israels lebhafter Kultur öffentlicher Debatten vertraut sind, wirkt die Herabstufung Israels durch die Organisation von „frei“ zu „teilweise frei“ reichlich surreal.

Aber noch surrealer als Israels Bewertung ist Freedom Houses Begründung dafür: „Israel stieg von frei zu teilweise frei herab wegen dem wachsenden Einfluss von Israel Hayom, dessen eigentümersubventioniertes Geschäftsmodell die Stabilität anderer Medien gefährdete, und wegen der ungehinderten Ausbreitung von Bezahlinhalten, einige davon von der Regierung finanziert, deren Natur gegenüber der Öffentlichkeit nicht klar identifiziert wurde.“

israel-partly-free

Das ist schlichtweg verrückt. Ich kann mir kein Land vorstellen, das selbstkritischer und dem freien Argumentieren mehr zugetan wäre als die israelische Presse.

Das Argumentieren gilt sogar als Israels Nationalsport.

Ist das eine faire Analyse der israelischen Medien?

Jonathan Tobin betont, dass eigentümersubventionierte Medien in den USA praktisch einer Tradition gleichkommen, und er vergleicht Yisrael Hayoms Eigentümer Sheldon Adelson mit „…Pressebaronen einer früheren Zeit in den USA, als Zeitungen missionsorientiert waren und noch keine melkbaren Profitmaschinen. [Adelson] ist entschlossen, den meisten Mainstream-Medien Israels, die so links sind wie ihre amerikanischen Entsprechungen, eine Alternative entgegenzusetzen.“ Und die Einstufung der USA? Frei.

Der Erfolg einer Zeitung, die es sich leisten kann, Verluste einzufahren, begrenzt tatsächlich die Möglichkeiten der Marktteilnahme anderer Blätter. Genau das ist das wichtigste Argument gegen die Zwangs-Lizenzgebühr im Vereinigten Königreich, die die BBC finanziert. Aber hat Freedom House das Vereinigte Königreich deswegen herabgestuft? Nein.

Tatsächlich sind im Vereinigten Königreich der kostenlose Evening Standard und die kostenlose Metro die Zeitungen mit der höchsten Zirkulation im Land, wohingegen die Zirkulation der Bezahlblätter zurückgegangen ist: Sun, Daily Mirror, Daily Telegraph. Trotzdem stuft Freedom House die Pressefreiheit im Land als frei ein.

freedom-house-1

Vergleichen wir Israels Einstufung mit anderen „teilweise freien“ Ländern.

Guatemala: teilweise frei. Die Gründe sind u. a. „Angriffe, Verfolgungen oder Festnahmen“ und „Gewalt, die kriminellen Banden und Drogenschiebern zugeschrieben wird.

Kolumbien: teilweise frei. Die Gründe beinhalten, dass Journalisten „unter gefährlichen Umständen arbeiten“ und „Verfolgung von… Paramilitärs, örtlichen Kriminellen, Drogenschieberbanden, Guerilla-Bewegungen und der Regierung ausgesetzt sind.

Polen: frei. Das ist eine höhere Einstufung als Israel, obgleich in Polen „…Aussagen gegen religiösen Glauben kriminelle Vergehen sind, die mit Geldstrafen und Einkerkerung bestraft werden können.

Um es klar zu sagen: Abgesehen von Israel, ergibt sich die Bewertung „teilweise frei“ in anderen Ländern aufgrund von Faktoren wie Gewalt, Einschüchterung und Einkerkerung. Israel weist keinen dieser Faktoren auf, erhielt aber trotzdem dieselbe niedrige Bewertung wie jene anderen Känder, und zwar aus einem einzigen Grund: weil Israel eine beliebte kostenlose Zeitung hat.

Israel ist fraglos in vielerlei Hinsicht unvollkommen, wie man an den eifrigen Argumenten sieht, die wir jeden Tag in Israels bekannter freier Presse lesen können. Sollte Israel je damit anfangen, Journalisten zu verprügeln, einzuschüchtern und zu inhaftieren, wie es andere „teilweise freie“ Länder tun, dann wäre eine solche Einstufung sicherlich angebracht. Bis zu jenem Tag sollte Freedom House Israel jedoch nach denselben Standards bewerten, mit denen es jedes andere Land auf der Erde bewertet.

Freedom House hat eine solche Taktik schon mal 2013 versucht, seine Entscheidung aber letztlich revidiert und Israels wieder als „frei“ eingestuft.

Warum ist das alles wichtig?

Wie die Welt Israels Pressefreiheit wahrnimmt, hat Einfluss darauf, ob die Welt glaubt, was Israel zu sagen hat.

Voreingenommenheit #2: Unausgewogene Berichterstattung

3. Mai 2016

Pesach Benson, HonestReporting, 1. Mai 2016

mediaBias-imbalancedReporting-770x400

Teil 2 einer achtteiligen Serie über die acht Kategorien von Medien-Voreingenommenheit.

Verletzung #2
Unausgewogene Berichterstattung

Nachrichten werden durch unangemessene Berichterstattung verzerrt, nur eine Seite der Story wird präsentiert, oder extreme Meinungen werden als Mehrheitsmeinung dargestellt.

Für die Zwecke des Journalismus wird Ausgewogenheit wie folgt definiert:

Ein Zustand, in dem verschiedene Dinge zu gleichen oder angemessenen Teilen erscheinen oder eine gleiche oder angemessene Wichtigkeit eingeräumt bekommen.

Unausgewogenheit erscheint in vielerlei Gestalt, beispielsweise als Artikel, der mehrere Palästinenser ausführlich zitiert, aber nur einen einzigen Israeli zu Wort kommen lässt (oft nur kurz); als Websites, wo die Meinungsbeiträge, Leserzuschriften und Kommentare überwältigend israelkritisch sind; als einseitige Fotoberichte; oder als die Fehldarstellung extremer Meinungen als Mehrheitsmeinung.

Angemessene Berichterstattung ist ein Aspekt von Ausgewogenheit. Versehen die Redakteure eine bestimmte Story mit zusätzlichen Grafiken, damit in Zusammenhang stehenden Kommentaren, interaktiven Merkmalen und einer Debatte in den sozialen Medien, dann messen sie dem Thema Wichtigkeit bei. Andere Storys sind nur einen kurzen Absatz in einer Punktliste wert.

Ein anderer Aspekt von Ausgewogenheit ist Bedeutung. Nicht jede neue Entwicklung führt zu einer Berichterstattung auf der Titelseite. Wichtige Nachrichten zu vergraben oder zu ignorieren wäre die andere Seite der Medaille, was unausgewogene Berichterstattung betrifft.

Hier ein Video, in dem Steve Linde und Gil Hoffman von der Jerusalem Post sowie Dan Diker vom Jerusalem Center for Public Affairs mit HonestReporting über das Thema „unausgewogene Berichterstattung“ debattieren:

Einige Beispiele für diese Analyse unterstreichen die einzelnen Facetten, die Berichterstattung „ausgewogen“ machen.

BEISPIEL: 2009 brachte Breaking the Silence (eine nichtstaatliche Organisation, die Fehlverhalten von IDF-Soldaten bloßzustellen behauptet) einen Bericht über angeblichen Missbrauch seitens des Militärs während Operation Gegossenes Blei. Die Aussagen der Soldaten wurden als Gerüchte und Hörensagen abgetan. Jeder Journalist, der den Bericht der Organisation gelesen hat, hätte erkennen müssen, dass er problematisch ist — aber die britischen Medien schenkten Breaking the Silence unverhältnismäßig viel Aufmerksamkeit.

Der Independent beispielsweise brachte einen Bericht auf der Titelseite gekoppelt mit einer Doppelseite im Innenteil, und der Leitartikel maß mehr als 48 Spaltenzoll. Der Onlineartikel verlinkte zur Website von Breaking the Silence. Und der Guardian brachte zusätzlich zu seiner Hauptstory auf der Titelseite drei Videos, eine Kolumne und ein Editorial der Redaktion.

guardian230309

BEISPIEL: BBC News war nach dem Itamar-Massaker im Jahr 2012, bei dem palästinensische Terroristen Udi und Ruth Fogel und drei ihrer Kinder brutal ermordet haben, Kritik ausgesetzt. Die BBC hatte die Story überhaupt nicht erst erwähnt, was ihr den Zorn der damaligen britischen Abgeordneten Louise Bagshawe einbrachte. BBC-Verantwortliche entschuldigten sich.

BEISPIEL: Eine Titelstory im Time Magazine vom September 2010 mit dem Titel „Warum Israel Frieden nicht interessiert“ stellte Israelis als am Frieden uninteressiert und vom Nahostkonflikt unberührt dar. Für eine Story mit solchem Gewicht brauchte Karl Vick, der Chef des Jerusalembüros, einen repräsentativen Querschnitt der israelischen Haltung. Statt dessen fußte der Artikel auf den Ansichten zweier in Russland geborenen Verkäufer, einer älteren Frau und einer mit ihr befreundeten Kellnerin — alle in Aschdod. (Die HonestReporting-Leserschaft prämierte dies mit dem Dishonest Reporter Award für 2010.)

Time-cover-resize1

BEISPIEL: Unter dem Deckmantel „ausgewogener Berichterstattung“ zitieren die westlichen Medien besonders gerne Nachrichten und Meinungen des linken israelischen Blattes Haaretz. Natürlich steht der Redaktion und den Autoren des Blattes ihre Meinung zu, aber die westliche Leserschaft erhält ein verzerrtes Bild von Israel, wenn Haaretz als „Mainstream“ dargestellt wird. Seth Frantzman, einer der leitenden Redakteure des Konkurrenzblattes Jerusalem Post, erklärt den Grund:

Amos Schocken richtete im Mai 2014 einen persönlichen Appell an die Leser und bat sie, ihr Abonnement nicht aus patriotischen Gründen zu kündigen. Durch das Abonnement würden die Leser ‚zum Mithelfer der anhaltenden Bemühungen, Israel als liberale und konstitutionelle Demokratie herauszubilden, welche die Werte des Pluralismus und der Bürger- und Menschenrechte wertschätzt‘, so Schockens Behauptung. Als Richard Silverstein ihn im Blog Tikun Olam dafür zur Verantwortung zog, dass er eine Zeitung so darstellte, als sei sie eine Art loyalistische Prawda nach sowjetischem Muster, entgegnete Schocken auf Twitter ‚typisch für die Linken — sie sind mehr damit beschäftigt, ihren eigenen Leuten zu zeigen, wer noch linker ist, als dass sie sich auf die Rechten konzentrieren.‘ Die Essenz der Geschichte war, dass Haaretz wie ein Teil des Kreuzzugs gegen Rechts im Stil der 1930er anmutet, und Haaretz bleibt seiner Linie ähnlich wie die ‚No pasaran‘-Ideologen im spanischen Bürgerkrieg treu…

Das Hauptproblem mit den ausländischen Haaretz-Lesern ist, dass sie die Konversation nicht verstehen, der sie mit dem Lesen von Haaretz beitreten. Sie glauben, sie lesen aus einer Mitte-links-Publikation über Israel, ähnlich wie bei den großen Zeitungen im Ausland wie El Pais, Times, Corriere Della Serra, Le Monde oder Die Welt. Zwar folgen all diese Zeitungen politischen Ideologien und haben eine Leserschaft, die bestimmte sozioökonomische und ethnische Bevölkerungsschichten abdeckt, aber sie sind nicht einmal entfernt so insular wie Haaretz.

Um Haaretz zu begreifen, muss man verstehen, dass sich seine Zirkulationsrate in Israel im einstelligen Prozentbereich befindet (die Druckausgabe hat zwanzig- bis dreißigtausend Leser, wohingegen die größte Tageszeitung, Yediot, von zirka 60% der Israelis gelesen wird) und dass sie von einem engstirnigen, extremistischen Milieu geschrieben und gelesen wird. Hierauf wurde oben mit der Bemerkung Bezug genommen, dass die anfänglichen Besitzer und Autoren von ihrer Kultur her entschieden ‚europäisch‘ waren und die ‚europäische‘ Kultur im ‚Dschungel‘ des Nahen Ostens bewahren wollten.

NYT-logoBEISPIEL: In ihrer Bewertung der Berichterstattung der New York Times über den Nahostkonflikt sagte Public Editor Margaret Sullivan im November 2014, die rigorose Berichterstattung über die palästinensische Gesellschaft und Politik sei für das Blatt ein blinder Fleck, wohingegen Israel selbst übermäßig stark im Rampenlicht steht.

Die Berichterstattung über Palästinenser verstärken. Sie sind mehr als nur Opfer, und ihre Ansichten und ihre Regierung verdienen Berichterstattung und einen genaueren Blick. Realistische Untersuchungen, was in ihren Schulen gelehrt wird und wie die Hamas operiert, sollten Teil davon sein. Wie sieht die Ideologie der Hamas aus; was sind ihre Grundüberzeugungen, ihre Arbeitsweise? Wie sieht der palästinensische Alltag aus? Hierüber habe ich nicht viel in der Times gesehen.

Weitere Beispiele

CNNs übertriebene Berichterstattung über den verschollenen Flug MH 370, etwas, worüber sich Jon Stewart ausgiebig lustig gemacht hat; die übertriebene Belagerung des königlichen Babys der britischen Royals; ungarische Medien, denen gesagt wurde, sie sollen keine Bilder von Flüchtlingskindern in Europa zeigen; und ein Verbot durch das Weiße Haus, über Särge des US-Militärs zu berichten, die aus Irak zurückkamen.

Nächsten Monat folgt das nächste Kapitel dieser Reihe: „Als Nachrichten getarnte Meinungen: Es ist Aufgabe des Journalisten, Fakten wiederzugeben, ohne die eigene Meinung oder Interpretation einzuschieben.“

„Red Lines: The Eight Categories of Media Bias“ ist auf Amazon als E-Book erhältlich.

CNN nennt Bombenterror einen „Busbrand“

22. April 2016

Daniel Pomerantz, HonestReporting, 19. April 2016

f140418ns37

Am Abend des 18. April jagten Terroristen einen israelischen Bus in Jerusalem in die Luft, wobei sie 21 Menschen verletzten, einige davon schwer. Einer befindet sich in kritischem Zustand.

CNNs Schlagzeile? „Mindestens 21 Verletzte bei Busbrand in Jerusalem, sagt Polizei“

CNN-headline-for-insert

Aber das sagt der Polizeibericht gar nicht. Laut CNNs eigener Twitterbotschaft sagte die Polizei am Abend in Wirklichkeit, es gebe „keinen Zweifelt“, dass die Busexplosion in Jerusalem ein Anschlag gewesen ist.

cropped-cnn-twitter

Weitere Quellen bestätigten, dass dies ein bewusster Anschlag auf Israelis war, darunter auch der US-Außenminister John Kerry, der den Terroranschlag eine „Greueltat“ nannte, und selbst CNNs eigenes Video bestätigt die Aussage der Polizei:

CNN-bus-fire-video-screen

Unser leitender Redakteur Simon Plosker sagte in einem Interview mit The Algemeiner: „Die CNN-Schlagzeile impliziert, dass der Bus spontan in Flammen aufging. Aber der Bus fing nicht einfach Feuer — es war eine bewusste Tat, und CNN erkennt das nicht an. Dass die Schlagzeile noch in dieser Form online ist, selbst nachdem Stunden vergangen sind, seit ein Terrorakt als Ursache für die Explosion bestätigt wurde, ist absolut haarsträubend.“

Der Algemeiner-Artikel wurde am Abend des 18. April veröffentlicht, ebenso wie der CNN-Tweet, der bestätigte, dass CNN sich über die vorsätzliche Natur dieses Anschlags bewusst war.

Doch selbst noch während wir diesen Artikel hier schreiben (19. April, Anm.d.Übs.), verkündet die CNN-Schlagzeile der Welt weiterhin, 21 Israelis seien bei einem „Busbrand“ verletzt worden.

Israel trifft Sicherheitsvorkehrungen, um exakt diese Art von Anschlägen zu verhindern. Aber wenn die Nachrichtenleser nicht einmal gesagt bekommen, dass es sich um Terroranschläge handelt, dann können die Medien Israels Bemühungen zum Schutz seiner Bevölkerung sehr leicht als unvernünftig oder unverhältnismäßig hinstellen.

Deswegen ist es so wichtig, CNN zur Verantwortung zu ziehen.

***

HRsuccess2UPDATE

Nach einer Beschwerde durch HonestReporting hat CNN seine Schlagzeile angepasst. Nun lautet sie: „Mindestens 21 Verletzte bei Busanschlag in Jerusalem, sagt Polizei“. Damit bestätigt CNN endlich, dass dieses Ereignis ein Anschlag war.

Bild: Nati Shohat/Flash90

Ist Australien schuldig im Sinne der Anklage?

18. April 2016

Yarden Frankl, HonestReporting, 12. April 2016

03Mar17-Australian_newspapers_A

Ein kürzlicher Meinungsbeitrag im Sydney Morning Herald von Paul Duffill, ein australischer Akademiker und BDS-Unterstützer, beschuldigt Australien einer Doppelmoral in puncto Menschenrechte, weil das Land es versäumt, israelische Siedlungen durchgängig zu verurteilen.

Im Artikel werden der Leserschaft folgende Hintergrundinformationen geboten:

Israels Siedlungen werden auf Land erbaut, das den Palästinensern 1967 weggenommen wurde.

Kein Wort darüber, dass Israels Kontrolle über diese Gebiete ein Resultat des Angriffs auf Israel im Jahre 1967 war. Kein Wort darüber, dass die umstrittenen Gebiete auch die Altstadt Jerusalems und Gush Etzion umfassen, also Orte, die bis 1948 historisch jüdische Gebiete waren — 1948 kam es zu einem Massaker an vielen der jüdischen Einwohner, und die Überlebenden wurden von den Arabern aus ihrem Zuhause vertrieben.

Und was noch beunruhigender ist: Der Artikel stellt die Siedlungen als Alleinschuldige für den mangelnden Fortschritt hin zu einem Friedensvertrag dar. Er ignoriert die Terrorwelle — Terror, der sich in keinster Weise nur auf die umstrittenen Gebiete beschränkt — und die unablässige Aufwiegelung und die Lobpreisung des Terrors seitens der Palästinenserbehörde.

Duffill hätte Israels zahlreiche Angebote erwähnen können, sich mit den Palästinensern zusammenzusetzen und direkte Friedensverhandlungen abzuhalten. Selbst als Premierminister Benjamin Netanyahu vor kurzem sagte, er würde seine Termine absagen, um sich jederzeit mit PA-Präsident Abbas zusammensetzen zu können, wurde dieses Angebot ignoriert.

Lieber stellte Duffill ein paar unzutreffende Behauptungen über die israelische Sicherheitsbarriere auf. Die Barriere — keine „Mauer“ — wurde weitestgehend entlang oder nahe der Waffenstillstandslinie von 1949 gebaut und nicht „quer durch das besetzte palästinensische Westjordanland“. Ebensowenig ist die Barriere „integraler Bestandteil von Israels Besatzung und Siedlungsaktivität“. Sie ist integraler Bestandteil von Israels Bemühungen, den aus den Palästinensergebieten überbordenden Terrorismus einzudämmen.

Noch schlimmer: Duffill vergleicht das demokratische Israel mit einigen der übelsten Menschenrechtsverletzer der Welt — einschließlich der Terrororganisation Hamas. Das ist jene Hamas, die nicht nur israelische Männer, Frauen und Kinder ermorden will, sondern die palästinensische Einwohner Gazas als menschliche Schutzschilde missbrauchte und Waffen in Schulen, Moscheen und Krankenhäusern lagerte.

Duffill ignoriert den Terror, die Aufhetzung und die Uneinsichtigkeit auf palästinensischer Seite und beschuldigt Israel, das einzige Friedenshindernis zu sein.

Wer ist hier also einer Doppelmoral schuldig?

Magazin „Foreign Policy“ bezeichnet die Hamas als palästinensische Widerstandsgruppe

11. April 2016

Simon Plosker, HonestReporting, 10. April 2016

terror-is-770x400featured

Die Hamas ist eine Terrororganisation. Leider fällt es zahlreichen Medien schwer, dies akkurat beim Namen zu nennen — lieber spricht man von „Militanten“ oder „Extremisten“.

Das Magazin Foreign Policy hat jedoch einen neuen Tiefpunkt erreicht, indem es ein Bild von Getty Images mit folgendem Begleittext versah:

Unterstützer der palästinensischen Widerstandsgruppe Hamas halten am 24. März einen Aufmarsch in Gaza-Stadt ab.

foreignpolicy250316

Wir haben das Originalfoto lokalisiert. Dort steht:

Hamas-Mitglieder tragen symbolische Särge während der Veranstaltung zur Unterstützung des Aufstands in Jerusalem und Westjordanland. Die Veranstaltung fand am 24. März 2016 in Gaza-Stadt statt.

Dies scheint zu bedeuten, dass es Foreign Policy selbst waren, die plötzlich mit der Bezeichnung „Widerstandsgruppe“ anfingen.

Ist das willkürliche Abfeuern Tausender Raketen nach Israel „Widerstand“? Ist die Ermordung israelischer Zivilisten „Widerstand“? Ist der Missbrauch des eigenen Volkes als menschlichem Schutzschild „Widerstand“?

Nein. Es ist Terrorismus, und es ist höchste Zeit, dass Foreign Policy die Hamas nicht länger mit einem Heiligenschein versieht.

Hamas eine „Widerstandsgruppe“ zu nennen legitimiert ihren Terrorismus.

Mehr über irreführende Terminologie (einschließlich von Beschreibungen und Beispiele, wie die Medien den Terror falsch bezeichnen) gibt es in HonestReportings Buch „Rote Linien: Die 8 Kategorien von Medienvoreingenommenheit“ (in Kürze auch in deutscher Sprache erhältlich).

BDS: Was schürt den Hass?

31. März 2016

Joe Hyams, HonestReporting / Times of Israel, 28. März 2016

BDS-stop-sign-fightingBDS-770x400

Folgender Meinungsbeitrag des HonestReporting-Geschäftsführers Joe Hyams erschien in der Times of Israel:

Warum die BDS-Bewegung von mehr als Antisemitismus, Geld und Böswilligkeit lebt.

Vor einigen Jahren erhielt ich eine Flugstunde zum Geburtstag. Mitten unter dem Flug fragte der Pilot, der mir vorher die Kontrollen überlassen hatte, eine einfache Frage: „Joe, was glauben Sie, ist die wichtigste Komponente des Flugzeugs, die uns hier und jetzt am Leben erhält?“

„Der Motor“, so meine intuitive Antwort, denn ich glaubte, dass uns nur anhaltende Fluggeschwindigkeit in der Luft hielt.

„Falsch“, sagte der Pilot und schaltete den Motor aus. „In diesem Augenblick sind die Flügel der Grund, dass wir hier oben bleiben. Wir können einige Zeit weitergleiten, ohne dass wir Treibstoff verbrauchen.“ Sobald ich den Schock der plötzlichen unheimlichen Stille verarbeitet hatte, begriff ich sein Argument.

Das Flugzeug schlingerte, fiel aber nicht vom Himmel.

Es war eine wichtige Lektion, und zwar nicht nur über das Fliegen, sondern auch über Instinkt, Wahrnehmung und Intuition. Wenn es um die BDS-Bewegung geht, dann sehen wir Fanatismus und Antisemitismus als den Motor und vielleicht Geld und politische Doppelzüngigkeit als Treibstoff. Natürlich treiben diese Dinge die hässliche BDS-Maschinerie vorwärts und nach oben.

Aber diese Dinge sind nicht die „Flügel“, die BDS in der Luft halten.

Ich habe das Privileg, diesen Beitrag von der Jerusalemer Anti-BDS-Konferenz von Ynet und Yedioth Ahronoth zu schreiben, wo ich über HonestReportings einzigartige Erfahrungen beim Kampf gegen BDS sprach. Präsident Reuven Rivlin hatte die Eröffnungsworte dieser Konferenz gesprochen, und es steht dem Staat Israel und den Organisatoren von Ynet und ihrem Partner StandWithUs gut zu Gesicht, dass so viele Menschen zusammengekommen sind, um einer gemeinsamen Sache ernsthaft Gedanken zu widmen: gegen eine Hassbewegung zurückzuschlagen, die weiterhin in der Luft ist und von der viele den Eindruck haben, dass sie im Lauf der Zeit immer höher fliegt.

Präsident Reuben Rivlin eröffnet die Anti-BDS-Konferenz in Jerusalem

Präsident Reuben Rivlin eröffnet die Anti-BDS-Konferenz in Jerusalem (Foto: Joe Hyams)

Mein heutiger Vortrag konzentrierte sich auf zwei oft übersehene Komponenten, die hasserfüllte Bewegungen am Leben halten: a) die zunehmend visuelle Natur sozialer Medien und b) die elegante Leichtigkeit, mit welcher Freunde und Kollegen die Meinungen und Ansichten von Freunden übernehmen, ohne dass sie die Integrität jener Vorstellungen bezweifeln.

Neu im Zusammenhang mit BDS ist der große Sturm, den ein simplifiziertes und emotional anrührendes Narrativ in Kombination mit hochvisuellen Kommunikationskanälen wie Facebook, Twitter und YouTube entfacht. Die inhärente Falschheit des Narrativs, die Israel als Unterdrücker brandmarkt, entgeht dem Beobachter anfangs, da die ikonischen Repräsentationen machtvoll und oft emotional nahegehend sind.

Medienvoreingenommenheit ist nichts Neues und befeuert die Ausbreitung und den Einfluss von BDS nicht unmittelbar. Heutzutage können mehr Menschen andere in Echtzeit beeinflussen als jemals zuvor — und zwar professionell mit billigen und kostenlosen Mitteln, die noch vor 20 Jahren nur einer eng begrenzten nachrichtenproduzierenden Gemeinschaft vorbehalten waren.

BDS-Social-Media-Workshop mit den Sprechern Amit Cotler, Ynet; Ido Daniel, Israeli Students Combating Anti-Semitism; Evyatar Gat; Mark Halawa; Joe Hyams, HonestReporting; Hen Mazzig & Emily Schrader, StandWithUs (Foto: Simon Plosker)

BDS-Social-Media-Workshop mit den Sprechern Amit Cotler, Ynet; Ido Daniel, Israeli Students Combating Anti-Semitism; Evyatar Gat; Mark Halawa; Joe Hyams, HonestReporting; Hen Mazzig & Emily Schrader, StandWithUs (Foto: Simon Plosker)

Der zweite unterschätzte Faktor, der BDS beflügelt, ist die kognitive Einfachheit, mit welcher wir hervorstechende Ideen akzeptieren und verinnerlichen. Wir alle lesen Nachrichten und neigen dazu, dem zu schnell Konsumierten zu vertrauen, wobei uns beim ersten Aufnehmen Voreingenommenheit und Falschaussagen entgehen. Es benötigt eine große Menge geistiger Arbeit, um gegen den Strom zu schwimmen und die uns vorgesetzten Ideen in Frage zu stellen, aber wir müssen uns solches Verhalten aneignen und andere dazu ermutigen. Wir wissen, dass unsere Kinder zu viel fernsehen und zu wenig lesen. Und es ist nicht weniger wichtig, sich für größere Beschäftigung mit den Kernthemen einzusetzen, die BDS diffamieren und damit Israel und das jüdische Volk beschämen will.

Joe Hyams und Roseanne Barr auf der Anti-BDS-Konferenz

Joe Hyams und Roseanne Barr auf der Anti-BDS-Konferenz (Foto: Joe Hyams)

Diejenigen von uns, die eine visuelle, kraftvolle und prägnante Gegenbotschaft formulieren wollen, müssen Überstunden machen und haben oft nur begrenzte Ressourcen zur Verfügung. Wir müssen zusammenarbeiten, Erkenntnisse teilen und uns gegenseitig unterstützen. Medium für Medium, Trend für Trend, Partnerschaft für Partnerschaft — wir lernen, in ihrem unglückseligen Spiel der vernünftige Feind zu sein.

Doch die kraftvollen Bilder im Verbund mit einem willigen Publikum sind eine echte Herausforderung, die man nicht einfach beiseiteschieben kann, nur weil es sich hier um eine asymmetrische Bedrohung handelt. Wir müssen uns bemühen sicherzustellen, dass die Bürger und Gemeinschaften auf der ganzen Welt hinter den moralischen und intellektuellen Abgrund sehen können, in welchem diese seichten Ideen letztlich ihr Ende finden werden. Unsere Arbeit soll den Hasskampagnen die heiße Luft verwehren, die sie zum Funktionieren brauchen, und wir brauchen strategisches Denken, um ihnen scharfen, kalten Gegenwind gegen ihre antifriedlichen, antifortschrittlichen Absichten zu bescheren.

Die von BDS vorgebrachten Aussagen sind falsch und verleumderisch. Die sozialen und psychologischen Faktoren anzuerkennen, die BDS am Laufen halten, ist der erste Schritt, diese Bewegung schnell wieder auf den Erdboden zurückzubringen.

Journalistengruppe verteidigt Aufstachelung zum Mord

21. März 2016

Daniel Pomerantz, HonestReporting, 17. März 2016

palestine-today-rock-trow

Was ist passiert?

Während einer Welle von Messer-, Schusswaffen- und Auto-Ramm-Anschläge auf Israelisschloss die IDF „Palestine Today“, einen Radio- und Fernsehsender des palästinensischen Islamischen Dschihad, der Aufstachelung zu Gewalt gesendet hat. Die International Federation of Journalists hatte Folgendes zu sagen:

Die International Federation of Journalists (IFJ), die 600.000 Journalisten auf der ganzen Welt repräsentiert, steht zu ihrem Vertragspartner, der Palestinian Journalists Union (PJS), und verurteilt diese brutale Attacke auf die Pressefreiheit und fordert die UN zu einer sofortigen Reaktion auf die Eskalation der Attacken auf die Presse in den besetzten Gebieten auf.

Weiters beschuldigte die IFJ Israel einer „Welle der Gewalt gegen Journalisten“.

Was hat die IFJ dabei bewusst ignoriert?

Eine Journalistenorganisation sollte die Wichtigkeit von Kontext und Ausgewogenheit kennen. Und deshalb ist es ganz besonders ärgerlich, dass die IFJ in ihrem Statement verschweigt, dass der palästinensische Islamische Dschihad von Australien, Kanada, der EU, der UK und den USA als Terrororganisation aingestuft wird.

Bezüglich Kontext hätte die IFJ auch erwähnen können, dass das dieselbe Einstufung ist, die diese Länder auch auf Gruppen wie ISIS, Al-Qaida und Boko Haram anwenden.

Eine Journalistenorganisation sollte auch die Wichtigkeit von Nachforschungen kennen, weswegen es besonders scheinheilig ist, dass die IFJ verschweigt, dass der Sender den Mord an Israelis glorifiziert und zu weiterem Morden ermutigt. Hier ein Beispiel für den „Journalismus“ von Palestine Today:

Yair Lapid, Mitglied der israelischen Knesset und langjähriger professioneller Journalist, erklärte IFJ in einem Statement:

Die Pressefreiheit erstreckt sich nicht auf terroristische Propaganda und auch nicht auf Leute, die zum Mord aufrufen. Die Inhalte von Palestine Today würden den redaktionellen Leitlinien vieler Ihrer Mitglieder nicht genügen. Ich war mehr als 30 Jahre lang Journalist; und das ist kein Journalismus. Das ist keine Redefreiheit, es sind Hassreden. Sie verteidigen hier nicht die Pressefreiheit; sie verteidigen Aufrufe zum Mord.

Nicht alle „Journalisten“ sind wirklich Journalisten.

Es ist nicht das erste Mal, dass die IFJ versucht hat, Terroristen wie anständige Journalisten zu behandeln. Das Newseum in Washington, D.C., ein Medien-Museum, gedenkt Journalisten, die „bei der Ausübung ihrer Pflichten“ umgekommen sind. 2013 gedachte das Newseum anfangs Mahmoud Al-Kumi und Hussam Salama, die sich offiziell als Journalisten ausgegeben hatten. Als herauskam, dass die zwei in Wirklichkeit Hamas-Mitglieder waren und in Terrorismus verstrickt waren, ignorierte das Newseum den Druck seitens IFJ und anderen und entfernte die zwei Terroristen aus der Gedenkliste.

Terroristen werden verteidigt und Journalisten verraten.

Wenn Terrororganisationen die Bezeichnung „Journalist“ für ihre eigenen ruchlosen Zwecke missbrauchen, beschädigen sie den Berufsstand als ganzes. Die IFJ hätte gegen diese Praxis sein können — aber nein, sie entschieden sich dazu, sie zu verteidigen. Bei ihrer fehlgeleiteten Unterstützung von Terroristen erweist die IFJ den vielen hundert israelischen Opfern aus jüngster Zeit sowie auch den vielen tausend tatsächlichen Journalisten, die sie angeblich repräsentieren, einen Bärendienst.


Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 12.982 Followern an