Archive for the ‘Weltmedien und Nahost’ category

Schlechte Schlagzeile, noch schlechteres Bild

24. Juni 2015

Yarden Frankl, HonestReporting, 18. Juni 2015

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Es fällt schwer zu entscheiden, was irreführender ist: die Schlagzeile der AFP oder das Bild darunter.

Laut der israelischen Armee warf ein Palästinenser am 14. Juni im Dorf Kfar Malil eine mit brennendem Benzin gefüllte Flasche auf israelische Soldaten, die sich in einem Jeep befanden, wodurch der Fahrer die Kontrolle verlor und den Palästinenser mit seinem Jeep erfasste. Der Mann wurde getötet, und die Soldaten im Jeep wurden verletzt.

Die AFP entschied, die akkurateste Zusammenfassung des Vorfalls in einer Schlagzeile sei diese hier:

Israelische Armee tötet Palästinenser im Westjordanland: palästinensische Sicherheit

Israelische Armee tötet Palästinenser im Westjordanland: palästinensische Sicherheit

Was fehlt, ist jegliche Erwähnung der Tatsache, dass der Mann die Soldaten angegriffen hatte. Aus der Schlagzeile zieht man nur den Schluss, die Soldaten seien die Aggressoren gewesen.

Aber so schlecht die Schlagzeile auch ist, das Begleitbild der AFP zur Illustration der Story ist noch weit schlechter. Offenbar konnten sie keine Bilder eines Palästinensers finden, der einen Molotow-Cocktail wirft, also nahmen sie einfach ein Foto eines Palästinensers mit einer Schleuder. Das Bild zeigt einen anderen Mann, eine andere Waffe, wurde zu einem anderen Zeitpunkt und an einem anderen Ort aufgenommen als der berichtete Vorfall.

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Zusammengenommen malen Schlagzeile und Begleitbild eine unverhältnismäßige Reaktion der israelischen Armee.

Schlagzeilen und Bilder sind nicht einfach nur nebensächliche Anhängsel eines Artikels. Es sind wesentliche Komponenten, und in vielen Fällen sind es die einzigen Elemente eines Artikels, die ein Leser wahrnimmt. Zusammengenommen fallen Schlagzeile und Begleitbild weit mehr ins Gewicht als alles an Text, was daruntersteht.

Bild: Design von Freepik mit Modifikationen von HonestReporting

Der tote Palästinenser der New York Times

18. Juni 2015

Pesach Benson, HonestReporting, 11. Juni 2015

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Journalisten neigen dazu, übermittelte Nachrichtentexte als “Pulp” zu sehen. Entweder editiert man das Material auf die Länge, die man braucht, oder man kopiert Teile davon in eigene Texte (natürlich mit entsprechender Quellennennung).

Lokale Blätter nutzen die Berichte anders, also schnipseln sich die Journalisten die Schlagzeilen so zurecht, dass sie in den zur Verfügung stehenden Raum ihrer Druckausgaben passen. Online sind Raumbeschränkungen jedoch völlig anders.

Und das bringt mich zur New York Times.

Während des IDF-Einsatzes in Jenin töteten Soldaten einen Palästinenser, der ein IED (improvisierter explosiver Apparat) in der Hand hielt. Die New York Times veröffentlichte eine beschnittene Version eines längeren Reuters-Berichts. Weder habe ich ein Problem mit dem Reuters-Text noch mit der Art und Weise, in der die Times ihn zu einem knappen, 98 Wörter langen Absatz zusammenschnitt.

Aber die Schlagzeile der Times lässt mich am Kopf kratzen.

Hier die ursprüngliche Reuters-Schlagzeile:

Israelische Truppen auf Westjordanland-Streifzug töten Hamas-Mann - es heißt, er habe eine Bombe gehabt

Israelische Truppen auf Westjordanland-Einsatz töten Hamas-Mann – es heißt, er habe eine Bombe gehabt

Vergleichen Sie das mit der Schlagzeile der Times:

Westjordanland: Palästinenser getötet

Westjordanland: Palästinenser getötet

Wenn Sie wie die meisten nur die Schlagzeilen überfliegen, ohne die ganzen Artikel zu lesen, kämen Sie auf den Gedanken, Israel sei ein Monster.

Ich hoffe, die noch knapperen Schlagzeilen der Times für Apple Watches sind differenzierter als das.

Rote Karte für die New York Times

5. Juni 2015

Simon Plosker, HonestReporting, 28. Mai 2015

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Mit dem Arrest der ranghohen FIFA-Funktionäre in der Schweiz scheint der Korruptionsskandal nun im Rampenlicht zu stehen und das palästinensische Gesuch, Israel und seine Nationalmannschaft aus der FIFA auszuschließen, zu verdrängen.

Aber hier kommt die New York Times zur heldenhaften Rettung, damit ihre Leser ja nicht das palästinensische Gesuch vergessen! Genau rechtzeitig, um dem palästinensischen Propagandaversuch ein Doping zu verpassen, erhielt der palästinensische Fußballer Iyad Abu Gharqoud eine Meinungskolumne, um auf Israel einzutreten.

Hier seine Worte:

Unsere Spieler werden heutzutage häufig festgenommen und inhaftiert. Letztes Jahr wurden zwei unserer talentiertesten Spieler von israelischen Streitkräften an einem Checkpoint angeschossen und verwundet. Die Grenzpolizei sagte, die beiden jungen Männer seien im Begriff gewesen, eine Bombe zu werfen; in Wirklichkeit waren sie auf dem Nachhauseweg vom Training in unserem nationalen Stadion im Westjordanland. Laut The Nation wurde beiden in den Fuß geschossen, was Verletzungen hervorrief, die ihre Fußballkarriere beendeten.

Israel hat auch versucht, Spieler aus anderen Ländern vom Betreten Palästinas abzuhalten, um gegen uns zu spielen. Und beim letztjährigen Gaza-Konflikt bombardierten israelische Jets unsere Fußballfelder und Freizeitbereiche. Israels Politik war erfolgreich darin, dieses schöne Spiel hässlich zu machen.

Gharqoud führt The Nation als augenscheinlich glaubhafte Quelle für die Story mit den zwei Spielern an, aber diese Story wurde letztes Jahr von Elder of Ziyon umfassend widerlegt und entpuppte sich als Teil der endlosen antiisraelischen Propaganda.

Was die Anschuldigung betrifft, dass israelische Jets Fußballplätze und Freizeitbereiche bombardiert haben, so ist dies kaum überraschend angesichts des Umstands, dass Hamas-Terroristen Raketen von genau diesen Orten auf Israel abgeschossen haben, wie diese IDF-Grafik vom Konflikt 2012 illustriert:

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Gharqoud beklagt, dass Israel die Bewegungsfreiheit palästinensischer Fußballspieler einschränkt. Das liegt jedoch nicht daran, dass man sie etwa vom Fußballspielen abhalten wolle. Tatsächlich wurde erst letzte Woche ein Spieler am Jordan-Grenzübergang festgenommen. Warum? Wie die Times of Israel berichtet:

Eine Quelle aus der israelischen Sicherheit sagte Israel Radio, der Spieler Sameh Marawbe sei aus Sicherheitsgründen festgenommen worden. Vor sechs Monaten war er inhaftiert worden, weil er von Hamas-Vertretern in Katar Geld und Botschaften erhielt und an Hamas-Angehörige in der Stadt Qalqilya im Westjordanland weiterleiten sollte.

Gharqoud erwähnt genügend Einzelheiten, um zu beweisen, dass sein Artikel weniger über Fußball geht und mehr darüber, Israel in der New York Times wieder mal eins draufzugeben:

Fußball ist ein schönes Spiel, aber es kann auch grausam sein – und nicht nur was die Beinahetreffer und Strafstöße betrifft. Eine der Ironien in meiner Profikarriere ist, dass sie mich quälend nah an Beersheba führte, die Stadt in Südisrael, die einmal als Bir Saba bekannt war – eine arabische Gemeinschaft, die 1948 vertrieben wurde, inklusive meiner Familie.

Gharqoud geht nicht auf die israelische Kontrolle über Palästinensergebiete ein. Es geht rein um 1948 und um die Darstellung Israels als Staat, der in Sünde geboren wurde.

Und dem folgt das klassische Propagandawerkzeug der Palästinenser, sich für den Boykott des “Apartheidstaates” Israel auszusprechen:

Für unsere Forderung nach Fußball-Sanktionen gegen Israel gibt es einen wesentlichen Präzedenzfall. FIFA führte das Prinzip einer solchen Aktion vor fast 40 Jahren ein, als es Südafrika nach dem Soweto-Aufstand 1976 per Votum ausschloss. Die Diskriminierung und Verfolgung, der wir Palästinenser uns ausgesetzt sehen, erinnert an die Apartheid-Politik.

Letztlich nutzen die Palästinenser den Fußball für politische Ziele gegen Israel. Aktuell ist Fußball auf den Titelseiten der Weltmedien. Die New York Times jedoch hat sich dazu entschieden, ein Sprachrohr für palästinensische Propaganda zu sein, und sollte dafür die rote Karte gezeigt bekommen.

Newsweek zerfetzt die Grüne Linie

22. Mai 2015

Simon Plosker, HonestReporting, 20. Mai 2015

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Update: Nach HonestReportings Korrespondenz mit Newsweek wurde dem Artikel folgende Korrektur beigefügt:

Korrektur: Dieser Artikel wurde vom 20. Mai korrigiert, um die Definition der Grünen Linie als Demarkationslinie zwischen israelischen und arabischen Streitkräften nach dem arabisch-israelischen Krieg von 1948 herauszustellen. Die Grüne Linie galt nicht als Grenzziehung eines palästinensischen Staates, wie ursprünglich berichtet.

Korrektur: Dieser Artikel wurde am 20. Mai korrigiert, um die Definition der Grünen Linie als Demarkationslinie zwischen israelischen und arabischen Streitkräften nach dem arabisch-israelischen Krieg von 1948 herauszustellen. Die Grüne Linie galt nicht als Grenzziehung eines palästinensischen Staates, wie ursprünglich berichtet.

* * *

Ein Newsweek-Artikel enthält folgenden Absatz:

Über 350.000 Israelis leben in Siedlungen im Westjordanland und weitere 200.000 in Ost-Jerusalem. Im Sinne der Vierten Genfer Konvention betrachtet es die internationale Gemeinschaft als illegal, wenn Israel auf palästinensisches Land übergreift und Siedlungen außerhalb der Grünen Linie baut, die 1949 zur Demarkation eines Palästinenserstaates gezeichnet wurde, nachdem der arabisch-israelischen Krieg von 1948 beendet war.

Über 350.000 Israelis leben in Siedlungen im Westjordanland und weitere 200.000 in Ost-Jerusalem. Im Sinne der Vierten Genfer Konvention betrachtet es die internationale Gemeinschaft als illegal, wenn Israel auf palästinensisches Land übergreift und Siedlungen außerhalb der Grünen Linie baut. Die Grüne Linie wurde 1949 zur Demarkation eines Palästinenserstaates gezogen, nachdem der arabisch-israelische Krieg von 1948 beendet war.

Die sogenannte Grüne Linie von 1949 demarkierte ganz gewiss keinen Palästinenserstaat. Die “Grüne Linie” sind die Grenzlinien zwischen israelischen und arabischen Streitkräften beim Ende des Unabhängigkeitskrieges von 1948. Diese Waffenstillstandslinien waren niemals als dauerhafte Grenzziehung gedacht. Zudem war das Westjordanland, auf das sich Newsweek bezieht, bis 1967 von Jordanien besetzt.

Der Text des Waffenstillstandsabkommens von 1949 besagt in Artikel V klar:

Die Waffenstillstands-Demarkationslinie ist in keinerlei Hinsicht als politische oder territoriale Grenze auszulegen und wird unbeschadet irgendwelcher Rechte, Ansprüche oder Positionen der Waffenstillstands-Vertragsparteien hinsichtlich der letztendlichen Beilegung der Palästinafrage gezogen.

Newsweeks gänzlich inakkurate Beschreibung der Grünen Linie stimmt mit der Ansicht derer überein, die irrtümlich behaupten, die Schaffung des Staates Israel sei auf Kosten eines vorher dagewesenen palästinensischen Staates geschehen. Niemals hat es einen unabhängigen palästinensischen Staat gegeben, und Newsweeks Beschreibung ist eine Verzerrung der Geschichte.

HonestReporting hat Newsweek eine Bitte um Korrektur geschickt.

Bild: CC BY-NC Darwin Bell via flickr

CNN und der dubiose Behauptungsjournalismus

22. Mai 2015

Pesach Benson, HonestReporting, 19. Mai 2015

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Angesichts der gegen ihn geäußerten Kritik legte Don Melvin, der CNN-Reporter, der eine unbelegte Geschichte über das angebliche Fällen von 800 Olivenbäumen durch israelische Siedler geschrieben hat, auf Twitter mehrfach nach.

Sein Bericht steht ohne jede unabhängige Verifizierung da und ist somit ein Beispiel für das, was Medienspezialisten “Behauptungsjournalismus” nennen. Hierbei handelt es sich um die Vorstellung, dass Reporter eine Story im Zeitalter immer schnellerer Nachrichtenzyklen nicht verifizieren brauchen, wenn sie einfach nur ihre Quellen nennen.

Bei Melvin wäre das die Wafa-Nachrichtenagentur, der offizielle Nachrichtendienst der Palästinenserbehörde, deren Aktivitäten direkt von Mahmoud Abbas bestimmt werden. Um Ihnen eine Vorstellung vom journalistischen Standard der Wafa zu vermitteln: Dort nannte man die Terroristen, die letztes Jahr in eine Jerusalemer Synagoge eindrangen, “islamische Märtyrer”.

Obwohl Wafa keinerlei Quellen oder Augenzeugen benennt, ist Melvin journalistisch auf der sicheren Seite, so lange er Wafa “Fakten zuschreiben” kann, richtig?

Mal ganz langsam. Sehen wir uns an, wie die Medienexperten Bill Kovach und Tom Rosentiel die Defizite des Behauptungsjournalismus beschreiben:

Die zweite Implikation ist, dass diese neutrale Stimme ohne Verifizierung einen Anstrich von Wahrhaftigkeit erzeugt. Journalisten, die Quellen wählen, die in Wirklichkeit ihre eigene Sichtweise repräsentieren, und die dann die neutrale Stimme verwenden, um den Anschein von Objektivität zu erzeugen, machen sich einer Form der Täuschung schuldig. Dies schädigt die Glaubwürdigkeit des gesamten Berufsstandes und lässt ihn prinzipienlos, unehrlich und voreingenommen erscheinen. Dies ist ein wichtiger Ruf zur Vorsicht in einer Zeit, in der die Standards der Presse so sehr im Zweifel liegen.

Wenn Melvin seine Quellen und die Einzelheiten seiner Storys nicht überprüft und auch den Lesern gegenüber nicht transparent ist, welchen Nutzen hat er dann für CNN? Oder für uns?

"So viele Leute fordern mich auf, Nachrichten rauszufiltern, die sie nicht mögen. Würde ich allen Forderungen nachkommen, würden wir nichts mehr veröffentlichen."

“So viele Leute fordern mich auf, Nachrichten rauszufiltern, die sie nicht mögen. Würde ich allen Forderungen nachkommen, würden wir nichts mehr veröffentlichen.”

Bild: CC BY flickr/Charles Atkeison mit Beifügungen von HonestReporting

CNNs Journalismus geht vor die Hunde

20. Mai 2015

Simon Plosker, HonestReporting, 18. Mai 2015

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Was ist nur mit CNN los? Hier ein aktueller Bericht:

Die offizielle palästinensische Nachrichtenagentur berichtet, israelische Siedler hätten rund 800 in palästinensischem Besitz befindliche Olivenbäume in der Nähe der Stadt Shuyukh östlich von Hebron gefällt und in Besitz genommen.

Der Bericht von WAFA, der palästinensischen Nachrichten- und Informationsagentur, zitierte eine nicht namentlich benannte “Quelle vor Ort”. Israel hat sich noch nicht zu dem Bericht geäußert.

Die Quelle, die von WAFA als “ein Aktivist vor Ort” bezeichnet wird, teilte der Agentur mit, Bewohner der israelischen Siedlungen Bani Kadim und Asfar seien in einen Olivenhain in der Nähe der Stadt eingebrochen und hätten die Bäume, die den Menschen im Gebiet gehörten, gefällt.

Es ist eine Sache, wenn ein Mainstreammedium anonyme Quellen und unverifizierbare “Augenzeugen” zitiert, was wir in der Berichterstattung über den israelisch-palästinensischen Konflikt nur allzu oft sehen. Es ist aber noch schlimmer, wenn sich eine Nachrichtenorganisation wie CNN auf unverifizierte Berichte einer palästinensischen Nachrichtenagentur wie WAFA verlässt.

Wie Elder of Ziyon korrekt feststellt:

Ok, woran können wir erkennen, dass es sich hier um Müll handelt? Indem wir uns die Formulierung bei Wafa ansehen. Dort steht: “Israelische Siedler fällten laut einer lokalen Quelle rund 800 in palästinensischem Besitz befindliche Olivenbäume nahe der Stadt Shuyukh östlich von Hebron und nahmen diese in Besitz.”

Was bedeutet “gefällt und in Besitz genommen”? 400 gefällt und 400 in Besitz genommen? Oder fällten sie 800 Olivenbäume, verfrachteten sie auf einen Lkw-Konvoi und karrten sie davon?

Es dauert lange, einen ausgewachsenen Olivenbaum zu fällen. Frische Setzlinge, die oft von Palästinensern gepflanzt werden, um öffentliches Land zu stehlen, sind relativ leicht auszureißen, aber hier steht “gefällt und in Besitz genommen”.

Keine Fotos. Keine Videos. Keine namentlichen Quellen. Keine Untermauerung. WAFA schreibt eine Story zusammen, die keinerlei normalem journalistischem Standard entspricht – und CNN plappert es ungeprüft nach unter dem Deckmantel, sie würden ja nur berichten, was antiisraelische arabische Medien sagen.

Und als wäre das nicht schon genug, geht es im CNN-Bericht folgendermaßen weiter:

Auch Vorfall an Aqsa-Moschee berichtet
Ebenfalls am Sonntag betraten über 175 jüdische Rechtsextremisten das Gelände der Aqsa-Moschee in Jerusalem, eskortiert von israelischen Polizisten und Sicherheitsleuten, wie Quellen innerhalb der Moschee berichteten. Die Quellen können aus Sicherheitsgründen nicht benannt werden.

Also wo ist der “Vorfall”, von dem CNN spricht? Angesichts dessen, dass Juden und Touristen den Tempelberg zu bestimmten Zeiten betreten dürfen, ist das dann wirklich ein “Vorfall”? Und wer sind diese unbenannten “Quellen innerhalb der Moschee”?

175 Menschen ist eine weit größere Gruppe, als sie normalerweise auf dem Tempelberg erlaubt würde, und es gibt keine anderen Medienberichte in der ausländischen oder israelischen Presse über irgendwelche ungewöhnlichen Vorgänge auf dem Tempelberg am Sonntag. Ist dem CNN-Reporter klar, dass die Palästinenser jeden Juden, der den Tempelberg besucht, einen “Extremisten” nennen? War es eine Gruppe aus 175 Menschen, oder war das nur die Gesamtzahl aller Besucher, die das Gelände am Sonntag betreten haben?

Das wissen wir nicht. CNN lieferte hier miserablen Journalismus. Leider beschränkt sich der verursachte Schaden nicht auf CNN und hat sich zu anderen Nachrichtenportalen verbreitet, die den Inhalt aufgrund ihres klar fehlinvestierten Vertrauens in CNN reproduziert haben.

Update: Wie antwortete der Journalist Don Melvin auf Twitter, nachdem er mit seiner schlampigen Berichterstattung konfrontiert wurde? Hier klicken.

Bild: CC BY-NC Mitchell Joyce via flickr

Die Medien, nicht der Papst, nannten Abbas einen “Friedensengel”

19. Mai 2015

Alex Margolin, HonestReporting, 18. Mai 2015

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(Update: AP veröffentlicht Korrektur)

Die Begegnung von Papst Franziskus und PA-Präsident Mahmud Abbas ist ein exzellentes Beispiel für das Phänomen, dass eine Lüge manchmal schon den halben Planeten passiert hat, während sich die Wahrheit noch die Schuhe anzieht.

In diesem Fall war die Lüge, der Papst habe Abbas bei ihrem Zusammentreffen am Samstag einen „Friedensengel“ genannt. Einen Tag bevor der Papst zwei Nonnen aus dem Palästina der Ottomanenherrschaft heiligsprechen wollte, trafen sich die beiden Führer und tauschten Geschenke aus. Die New York Times präsentierte die typische Berichterstattung:

Der Papst überreichte Herrn Abbas ein Medaillon und sagte, es zeige einen Friedensengel, der „den bösen Geist des Krieges vernichtet“. Es sei ein passendes Geschenk, fügte der Papst hinzu, denn „Sie sind ein Friedensengel“.

Natürlich stand die Times damit nicht allein da. Dieselbe Fehlinformationen erreichte über AFP, Daily Mail, BBC und viele andere eine große Zahl an Menschen.

Aber laut National Review lagen die Medien daneben:

Sie könnten nicht fälscher liegen. Hier ist der Bericht über die Bemerkungen von Papst Franziskus vom Vatikan-Reporter der italienischen Zeitung La Stampa:

Wie es bei Staats- oder Regierungschefs Tradition ist, überreichte Franziskus dem Palästinenserführer ein Geschenk mit der Bemerkung: „Möge der Friedensengel den bösen Geist des Krieges vernichten. Ich habe an Sie gedacht: Mögen Sie ein Friedensengel sein.“ Papst Franziskus hatte Abu Mazen einen „Mann des Friedens“ genannt, als er im Mai 2014 Bethlehem besuchte, ähnlich wie er den damaligen israelischen Premierminister Shimon Peres bei seinem darauffolgenden Besuch in Jerusalem einen „Mann des Friedens“ genannt hatte. Der argentinische Papst hatte danach beide Führer zu einer Gebetswache in den Gärten des Vatikan geladen, was am 8. Juni desselben Jahres stattfand und dem auch der ökomenische Patriarch von Konstantinopel, Bartholomäus, beiwohnte.

Mit anderen Worten, der Papst hat Abbas keineswegs „Friedensengel“ genannt. Ganz im Gegenteil. Er drängte ihn, zukünftig zu einem Friedensengel zu werden.

Die Version der National Review wurde von der Washington Post bestätigt, die ihre Berichterstattung ebenfalls auf der offiziellen Verlautbarung des Vatikans fußen ließ:

Bei einem Treffen im Vatikan am Sonntag überreichte Franziskus Abbas ein Bronzemedaillon mit der Darstellung eines Friedensengels und ermutigte ihn, sich dem Frieden zu verschreiben, wie eine Verlautbarung des Heiligen Stuhls aussagte.

Was ist also die Ursache für die rapide Verbreitung falscher Informationen? Laut dem National Review:

Dies zeigt, wie erpicht manche in den Medien sind, Seine Heiligkeit als einen heroischen Fürsprecher für die Sache der Progressiven darzustellen und somit als Verbündeten Palästinas gegen Israel. Hätte der Papst Abbas tatsächlich einen Engel genannt, wäre dies in ihren Augen einfach ein weiteres Beispiel dafür, wie er konservative Katholiken, von denen viele wahrscheinlich proisraelisch sind, in die Schranken weist.

Tatsächlich vertreten die Medien seit langem die Position, Abbas sei die letzte und beste Hoffnung für den Frieden in der Region, und zwar trotz des Versagens der von Abbas geführten jahrelangen Friedensverhandlungen. Ist Abbas jedoch ein Mann des Friedens, anerkannt von einer Autorität wie dem Papst, dann muss das Versagen der Verhandlungen Israels Schuld sein.

Bild: CC BY-NC-SA Jared Rodriguez/Truthout via flickr, modifiziert von HonestReporting


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