Archive for the ‘Weltmedien und Nahost’ category

Newsweek zerfetzt die Grüne Linie

22. Mai 2015

Simon Plosker, HonestReporting, 20. Mai 2015

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Update: Nach HonestReportings Korrespondenz mit Newsweek wurde dem Artikel folgende Korrektur beigefügt:

Korrektur: Dieser Artikel wurde vom 20. Mai korrigiert, um die Definition der Grünen Linie als Demarkationslinie zwischen israelischen und arabischen Streitkräften nach dem arabisch-israelischen Krieg von 1948 herauszustellen. Die Grüne Linie galt nicht als Grenzziehung eines palästinensischen Staates, wie ursprünglich berichtet.

Korrektur: Dieser Artikel wurde am 20. Mai korrigiert, um die Definition der Grünen Linie als Demarkationslinie zwischen israelischen und arabischen Streitkräften nach dem arabisch-israelischen Krieg von 1948 herauszustellen. Die Grüne Linie galt nicht als Grenzziehung eines palästinensischen Staates, wie ursprünglich berichtet.

* * *

Ein Newsweek-Artikel enthält folgenden Absatz:

Über 350.000 Israelis leben in Siedlungen im Westjordanland und weitere 200.000 in Ost-Jerusalem. Im Sinne der Vierten Genfer Konvention betrachtet es die internationale Gemeinschaft als illegal, wenn Israel auf palästinensisches Land übergreift und Siedlungen außerhalb der Grünen Linie baut, die 1949 zur Demarkation eines Palästinenserstaates gezeichnet wurde, nachdem der arabisch-israelischen Krieg von 1948 beendet war.

Über 350.000 Israelis leben in Siedlungen im Westjordanland und weitere 200.000 in Ost-Jerusalem. Im Sinne der Vierten Genfer Konvention betrachtet es die internationale Gemeinschaft als illegal, wenn Israel auf palästinensisches Land übergreift und Siedlungen außerhalb der Grünen Linie baut. Die Grüne Linie wurde 1949 zur Demarkation eines Palästinenserstaates gezogen, nachdem der arabisch-israelische Krieg von 1948 beendet war.

Die sogenannte Grüne Linie von 1949 demarkierte ganz gewiss keinen Palästinenserstaat. Die “Grüne Linie” sind die Grenzlinien zwischen israelischen und arabischen Streitkräften beim Ende des Unabhängigkeitskrieges von 1948. Diese Waffenstillstandslinien waren niemals als dauerhafte Grenzziehung gedacht. Zudem war das Westjordanland, auf das sich Newsweek bezieht, bis 1967 von Jordanien besetzt.

Der Text des Waffenstillstandsabkommens von 1949 besagt in Artikel V klar:

Die Waffenstillstands-Demarkationslinie ist in keinerlei Hinsicht als politische oder territoriale Grenze auszulegen und wird unbeschadet irgendwelcher Rechte, Ansprüche oder Positionen der Waffenstillstands-Vertragsparteien hinsichtlich der letztendlichen Beilegung der Palästinafrage gezogen.

Newsweeks gänzlich inakkurate Beschreibung der Grünen Linie stimmt mit der Ansicht derer überein, die irrtümlich behaupten, die Schaffung des Staates Israel sei auf Kosten eines vorher dagewesenen palästinensischen Staates geschehen. Niemals hat es einen unabhängigen palästinensischen Staat gegeben, und Newsweeks Beschreibung ist eine Verzerrung der Geschichte.

HonestReporting hat Newsweek eine Bitte um Korrektur geschickt.

Bild: CC BY-NC Darwin Bell via flickr

CNN und der dubiose Behauptungsjournalismus

22. Mai 2015

Pesach Benson, HonestReporting, 19. Mai 2015

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Angesichts der gegen ihn geäußerten Kritik legte Don Melvin, der CNN-Reporter, der eine unbelegte Geschichte über das angebliche Fällen von 800 Olivenbäumen durch israelische Siedler geschrieben hat, auf Twitter mehrfach nach.

Sein Bericht steht ohne jede unabhängige Verifizierung da und ist somit ein Beispiel für das, was Medienspezialisten “Behauptungsjournalismus” nennen. Hierbei handelt es sich um die Vorstellung, dass Reporter eine Story im Zeitalter immer schnellerer Nachrichtenzyklen nicht verifizieren brauchen, wenn sie einfach nur ihre Quellen nennen.

Bei Melvin wäre das die Wafa-Nachrichtenagentur, der offizielle Nachrichtendienst der Palästinenserbehörde, deren Aktivitäten direkt von Mahmoud Abbas bestimmt werden. Um Ihnen eine Vorstellung vom journalistischen Standard der Wafa zu vermitteln: Dort nannte man die Terroristen, die letztes Jahr in eine Jerusalemer Synagoge eindrangen, “islamische Märtyrer”.

Obwohl Wafa keinerlei Quellen oder Augenzeugen benennt, ist Melvin journalistisch auf der sicheren Seite, so lange er Wafa “Fakten zuschreiben” kann, richtig?

Mal ganz langsam. Sehen wir uns an, wie die Medienexperten Bill Kovach und Tom Rosentiel die Defizite des Behauptungsjournalismus beschreiben:

Die zweite Implikation ist, dass diese neutrale Stimme ohne Verifizierung einen Anstrich von Wahrhaftigkeit erzeugt. Journalisten, die Quellen wählen, die in Wirklichkeit ihre eigene Sichtweise repräsentieren, und die dann die neutrale Stimme verwenden, um den Anschein von Objektivität zu erzeugen, machen sich einer Form der Täuschung schuldig. Dies schädigt die Glaubwürdigkeit des gesamten Berufsstandes und lässt ihn prinzipienlos, unehrlich und voreingenommen erscheinen. Dies ist ein wichtiger Ruf zur Vorsicht in einer Zeit, in der die Standards der Presse so sehr im Zweifel liegen.

Wenn Melvin seine Quellen und die Einzelheiten seiner Storys nicht überprüft und auch den Lesern gegenüber nicht transparent ist, welchen Nutzen hat er dann für CNN? Oder für uns?

"So viele Leute fordern mich auf, Nachrichten rauszufiltern, die sie nicht mögen. Würde ich allen Forderungen nachkommen, würden wir nichts mehr veröffentlichen."

“So viele Leute fordern mich auf, Nachrichten rauszufiltern, die sie nicht mögen. Würde ich allen Forderungen nachkommen, würden wir nichts mehr veröffentlichen.”

Bild: CC BY flickr/Charles Atkeison mit Beifügungen von HonestReporting

CNNs Journalismus geht vor die Hunde

20. Mai 2015

Simon Plosker, HonestReporting, 18. Mai 2015

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Was ist nur mit CNN los? Hier ein aktueller Bericht:

Die offizielle palästinensische Nachrichtenagentur berichtet, israelische Siedler hätten rund 800 in palästinensischem Besitz befindliche Olivenbäume in der Nähe der Stadt Shuyukh östlich von Hebron gefällt und in Besitz genommen.

Der Bericht von WAFA, der palästinensischen Nachrichten- und Informationsagentur, zitierte eine nicht namentlich benannte “Quelle vor Ort”. Israel hat sich noch nicht zu dem Bericht geäußert.

Die Quelle, die von WAFA als “ein Aktivist vor Ort” bezeichnet wird, teilte der Agentur mit, Bewohner der israelischen Siedlungen Bani Kadim und Asfar seien in einen Olivenhain in der Nähe der Stadt eingebrochen und hätten die Bäume, die den Menschen im Gebiet gehörten, gefällt.

Es ist eine Sache, wenn ein Mainstreammedium anonyme Quellen und unverifizierbare “Augenzeugen” zitiert, was wir in der Berichterstattung über den israelisch-palästinensischen Konflikt nur allzu oft sehen. Es ist aber noch schlimmer, wenn sich eine Nachrichtenorganisation wie CNN auf unverifizierte Berichte einer palästinensischen Nachrichtenagentur wie WAFA verlässt.

Wie Elder of Ziyon korrekt feststellt:

Ok, woran können wir erkennen, dass es sich hier um Müll handelt? Indem wir uns die Formulierung bei Wafa ansehen. Dort steht: “Israelische Siedler fällten laut einer lokalen Quelle rund 800 in palästinensischem Besitz befindliche Olivenbäume nahe der Stadt Shuyukh östlich von Hebron und nahmen diese in Besitz.”

Was bedeutet “gefällt und in Besitz genommen”? 400 gefällt und 400 in Besitz genommen? Oder fällten sie 800 Olivenbäume, verfrachteten sie auf einen Lkw-Konvoi und karrten sie davon?

Es dauert lange, einen ausgewachsenen Olivenbaum zu fällen. Frische Setzlinge, die oft von Palästinensern gepflanzt werden, um öffentliches Land zu stehlen, sind relativ leicht auszureißen, aber hier steht “gefällt und in Besitz genommen”.

Keine Fotos. Keine Videos. Keine namentlichen Quellen. Keine Untermauerung. WAFA schreibt eine Story zusammen, die keinerlei normalem journalistischem Standard entspricht – und CNN plappert es ungeprüft nach unter dem Deckmantel, sie würden ja nur berichten, was antiisraelische arabische Medien sagen.

Und als wäre das nicht schon genug, geht es im CNN-Bericht folgendermaßen weiter:

Auch Vorfall an Aqsa-Moschee berichtet
Ebenfalls am Sonntag betraten über 175 jüdische Rechtsextremisten das Gelände der Aqsa-Moschee in Jerusalem, eskortiert von israelischen Polizisten und Sicherheitsleuten, wie Quellen innerhalb der Moschee berichteten. Die Quellen können aus Sicherheitsgründen nicht benannt werden.

Also wo ist der “Vorfall”, von dem CNN spricht? Angesichts dessen, dass Juden und Touristen den Tempelberg zu bestimmten Zeiten betreten dürfen, ist das dann wirklich ein “Vorfall”? Und wer sind diese unbenannten “Quellen innerhalb der Moschee”?

175 Menschen ist eine weit größere Gruppe, als sie normalerweise auf dem Tempelberg erlaubt würde, und es gibt keine anderen Medienberichte in der ausländischen oder israelischen Presse über irgendwelche ungewöhnlichen Vorgänge auf dem Tempelberg am Sonntag. Ist dem CNN-Reporter klar, dass die Palästinenser jeden Juden, der den Tempelberg besucht, einen “Extremisten” nennen? War es eine Gruppe aus 175 Menschen, oder war das nur die Gesamtzahl aller Besucher, die das Gelände am Sonntag betreten haben?

Das wissen wir nicht. CNN lieferte hier miserablen Journalismus. Leider beschränkt sich der verursachte Schaden nicht auf CNN und hat sich zu anderen Nachrichtenportalen verbreitet, die den Inhalt aufgrund ihres klar fehlinvestierten Vertrauens in CNN reproduziert haben.

Update: Wie antwortete der Journalist Don Melvin auf Twitter, nachdem er mit seiner schlampigen Berichterstattung konfrontiert wurde? Hier klicken.

Bild: CC BY-NC Mitchell Joyce via flickr

Die Medien, nicht der Papst, nannten Abbas einen “Friedensengel”

19. Mai 2015

Alex Margolin, HonestReporting, 18. Mai 2015

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(Update: AP veröffentlicht Korrektur)

Die Begegnung von Papst Franziskus und PA-Präsident Mahmud Abbas ist ein exzellentes Beispiel für das Phänomen, dass eine Lüge manchmal schon den halben Planeten passiert hat, während sich die Wahrheit noch die Schuhe anzieht.

In diesem Fall war die Lüge, der Papst habe Abbas bei ihrem Zusammentreffen am Samstag einen „Friedensengel“ genannt. Einen Tag bevor der Papst zwei Nonnen aus dem Palästina der Ottomanenherrschaft heiligsprechen wollte, trafen sich die beiden Führer und tauschten Geschenke aus. Die New York Times präsentierte die typische Berichterstattung:

Der Papst überreichte Herrn Abbas ein Medaillon und sagte, es zeige einen Friedensengel, der „den bösen Geist des Krieges vernichtet“. Es sei ein passendes Geschenk, fügte der Papst hinzu, denn „Sie sind ein Friedensengel“.

Natürlich stand die Times damit nicht allein da. Dieselbe Fehlinformationen erreichte über AFP, Daily Mail, BBC und viele andere eine große Zahl an Menschen.

Aber laut National Review lagen die Medien daneben:

Sie könnten nicht fälscher liegen. Hier ist der Bericht über die Bemerkungen von Papst Franziskus vom Vatikan-Reporter der italienischen Zeitung La Stampa:

Wie es bei Staats- oder Regierungschefs Tradition ist, überreichte Franziskus dem Palästinenserführer ein Geschenk mit der Bemerkung: „Möge der Friedensengel den bösen Geist des Krieges vernichten. Ich habe an Sie gedacht: Mögen Sie ein Friedensengel sein.“ Papst Franziskus hatte Abu Mazen einen „Mann des Friedens“ genannt, als er im Mai 2014 Bethlehem besuchte, ähnlich wie er den damaligen israelischen Premierminister Shimon Peres bei seinem darauffolgenden Besuch in Jerusalem einen „Mann des Friedens“ genannt hatte. Der argentinische Papst hatte danach beide Führer zu einer Gebetswache in den Gärten des Vatikan geladen, was am 8. Juni desselben Jahres stattfand und dem auch der ökomenische Patriarch von Konstantinopel, Bartholomäus, beiwohnte.

Mit anderen Worten, der Papst hat Abbas keineswegs „Friedensengel“ genannt. Ganz im Gegenteil. Er drängte ihn, zukünftig zu einem Friedensengel zu werden.

Die Version der National Review wurde von der Washington Post bestätigt, die ihre Berichterstattung ebenfalls auf der offiziellen Verlautbarung des Vatikans fußen ließ:

Bei einem Treffen im Vatikan am Sonntag überreichte Franziskus Abbas ein Bronzemedaillon mit der Darstellung eines Friedensengels und ermutigte ihn, sich dem Frieden zu verschreiben, wie eine Verlautbarung des Heiligen Stuhls aussagte.

Was ist also die Ursache für die rapide Verbreitung falscher Informationen? Laut dem National Review:

Dies zeigt, wie erpicht manche in den Medien sind, Seine Heiligkeit als einen heroischen Fürsprecher für die Sache der Progressiven darzustellen und somit als Verbündeten Palästinas gegen Israel. Hätte der Papst Abbas tatsächlich einen Engel genannt, wäre dies in ihren Augen einfach ein weiteres Beispiel dafür, wie er konservative Katholiken, von denen viele wahrscheinlich proisraelisch sind, in die Schranken weist.

Tatsächlich vertreten die Medien seit langem die Position, Abbas sei die letzte und beste Hoffnung für den Frieden in der Region, und zwar trotz des Versagens der von Abbas geführten jahrelangen Friedensverhandlungen. Ist Abbas jedoch ein Mann des Friedens, anerkannt von einer Autorität wie dem Papst, dann muss das Versagen der Verhandlungen Israels Schuld sein.

Bild: CC BY-NC-SA Jared Rodriguez/Truthout via flickr, modifiziert von HonestReporting

BDS-Schlachten strapazieren jüdische Studenten

18. Mai 2015

Alex Margolin, HonestReporting, 14. Mai 2015

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Haaretz-Reporter Ari Shavit besuchte zwei Dutzend US-Universitäten und kam von seiner Reise mit einer ernsten Warnung zurück: “Die Zukunft der Juden gleitet uns durch die Finger”, und damit meint er jene, die Israel und den Zionismus unterstützen.

Auf seiner Reise erlebte er eine belagerte jüdische Gemeinschaft, zusammengepfercht zwischen der extremen BDS-Rhetorik einerseits und ihren eigenen Bedenken hinsichtlich Israels Politik andererseits.

Wir fühlen uns, als seien wir auf dem Schlachtfeld im Stich gelassen worden, sagten mir viele. Die Antizionisten, sagten sie, beschuldigen uns der Kollaboration mit dem Bösen, aber der Zionismus versteht uns nicht und spricht nicht mit uns; statt dessen ist er damit beschäftigt, immer mehr und mehr und mehr Siedlungen zu bauen.

Zionismus, schreibt Shavit, bietet kein “verlässliches, relevantes und inspirierendes Narrativ”, welches dem “beinahe übermächtigen Antisemitismus” der BDS-Offensiven entgegenstehen könnte. “Und wenn sie auf dem Campus eintreffen und dem antiisraelischen Gift ausgesetzt sind, bricht die jüdische und proisraelische Identität vieler Studenten zusammen.”

Anders gesagt, es ist ein Kampf um Legitimität. Und Israel verliert ihn.

Die Zeichen sind klar, selbst ohne Shavits erschütternden Bericht über bedrängte Studenten und tränenreiche Konversationen.

Molly Horwitz, eine Kandidatin bei Stanfords Wahl zum Studenten-Senat letzten Monat, löschte alle Hinweise auf ihre Unterstützung Israels von ihrer Facebookseite. Ihr Wahlkampfmanager sagte der New York Times, Horwitz wolle Israel nicht zum Fokus ihrer Plattform machen.

“Wir haben das nicht gemacht, weil sie nicht stolz wäre – sie ist durchaus stolz -, aber das Klima auf dem Campus war ziemlich feindselig, und politisch wäre es nicht zielführend, hier öffentlich einen Standpunkt einzunehmen”, so der Wahlkampfmanager.

Der Kommentator Shmuley Boteach schrieb diese Woche über den kümmerlichen Protest an der New York University gegen einen Vortrag der lautstarken arabisch-israelischen Knesset-Abgeordneten Hanin Zoabi, die letzten Sommer mit ihrer Weigerung Schlagzeilen machte, die Entführung der drei israelischen Teenager einen terroristischen Akt zu nennen.

“Wie konnte es Zoabi erlaubt sein, an einer Universität mit 8.000 jüdischen Studenten den jüdischen Staat anzugreifen, ohne dass sich der jüdische Stolz und die jüdische Entschlossenheit dagegenstellten?” fragte er.

Die Antwort ist, dass jüdischer Stolz und jüdische Entschlossenheit nur bis zu einem bestimmten Punkt reichen, wenn es um Campuspolitik geht. Was unbedingt vonnöten ist, ist die klare Formulierung von Israels Legitimität.

Das steht in Wirklichkeit bei jeder Begegnung mit BDS auf dem Spiel, heutzutage der Hauptursache für Israels Delegitimierung auf dem Campus. Proisraelische Studenten gewinnen mehr Deinvestitions-Abstimmungen als dass sie diese verlieren, aber selbst wenn sie eine solche Abstimmung mal verlieren, hat bislang noch keine Universitätsverwaltung tatsächlich eine Deinvestitions-Maßnahme gegen Israel durchgeführt. Aber die BDS-Bewegung versteht, dass es bei diesem Kampf nicht um Deinvestition geht. Es geht um den Angriff auf Israels Legitimität und darum, es als rassistischen Staat zu brandmarken, der kein Existenzrecht hat.

Und diese Botschaft wird wieder und wieder auf Campussen im ganzen Land wiederholt. Deshalb muss jede Deinvestitions-Abstimmung auf dem Campus als Chance wahrgenommen werden, Israels Legitimität zu demonstrieren.

Bei Legitimität geht es auch um die Forderung nach einem dauerhaften Frieden auf der Grundlage gegenseitigen Verständnisses und Respekts anstelle von Israels Zerstörung. Es geht um Israels lebhafte Demokratie und um seine Freiheit. Es geht darum zu zeigen, dass Menschenrechte für Israelis und Palästinenser nur durch Kooperation, Diskussion und Handlung verbessert werden können, nicht durch Boykotte, Deinvestition und Sanktionen.

Und letztlich geht es bei Legitimität um die Rechtmäßigkeit Israels als Heimatland des jüdischen Volkes, selbst wenn einige politische Entscheidungen keinen Konsens finden. Doch im Gegensatz zu Gesellschaften, welche abweichende Meinungen unterdrücken, ist Israel eine offene Gesellschaft, welche die Meinungsvielfalt begrüßt und es zulässt, dass eine Idee Unterstützer gewinnt und zu Veränderungen führt.

Bild: CC BY-NC Kent Landerholm via flickr

Breaking the Silence: Mittelsmann für anonyme Quellen

8. Mai 2015

Simon Plosker, HonestReporting, 5. Mai 2015

Zu oft sind, wenn es um Berichterstattung zu Israel und den Palästinensern geht, unbestätigte „Augenzeugen“ oder nicht genannte Quellen ein Merkmal der Medienveröffentlichungen, besonders derjenigen, die sich negativ auf Israel auswirken.

Und so verhält es sich mit einer Story, die die Organisation Breaking the Silence betrifft, die eine Sammlung Soldaten-Zeugenaussagen über den Gaza-Krieg des letzten Jahres veröffentlicht hat. Er wird von internationalen Medien weithin berichtet, darunter CNN, BBC, NPR, The Guardian, Daily Telegraph, Syndey Morning Herald, The Independent (Links eins und zwei), Financial Times (click via Google News) und die London Review of Books (hier vom linksradikalen israelischen Professor Neve Gordon). Reuters schreibt zum Beispiel:

Israel fügte palästinensischen Zivilisten im Gaza-Krieg von 2014 mit willkürlichem Feuer und laschen Einsatzregeln „massiven und beispiellosen Schaden“ zu, sagte am Montag ein Bericht, der anonyme Zeugenaussagen Dutzender Soldaten zitiert.

Der 237 Seiten starke Bericht der israelischen Interessenvertretungsgruppe Breaking the Silence beschrieb, wie die Israel Defence Forces (IDF) Schneisen der Verwüstung hinterließen, nachdem sie letzten Juli in den Gazastreifen mit dem erklärten Ziel einfielen, das Raketenfeuer der Hamas aus der Enklave zu stoppen.

„Wir schießen den ganzen Tag ohne Sinn herum. Die Hamas war nirgendwo zu sehen“, wurde ein Panzer-Feldwebel zitiert.

Die Gruppe sagte, ihre Befunde werfen „schwere Zweifel über die Ethik der IDF“ auf.

Aber was ist mit der verzerrten journalistischen Ethik, die hinter der Berichterstattung zu dieser Story steckt? Der Bericht von Breaking the Silence gründet in Gänze klar auf anonymen Aussagen. Im Wesentlichen nutzen die Medien Breaking the Silence als Mittelsmann, um die gebührende Sorgfalt in Sachen quellen zu vermeiden.

Der Bericht von Breaking the Silence erfüllt die akzeptierten Standards nicht, die Journalisten für ihre eigenen Berichte selbst anwenden.

Und wie wäre es damit die Motivation von Breaking the Silence zu hinterfragen? Der Journalist Jake Wallis Simons erzählte schon 2013, als der Interviews mit BtS-Mitarbeitern führte:

Zuerst war es nur eine Vermutung. Doch später wurde die Befangenheit der Organisation klarer. Während einer Interviewpause fragte ich Yehuda Shaul, einen der Gründer der Organisation, wie die Gruppe sich finanziert. Ich erfuhr zu meiner Überraschung, dass 45 Prozent von europäischen Ländern gespendet werden, darunter Norwegen und Spanien und die Europäische Union. Zu weiteren Spendern gehören UNICEF, Christian Aid und Oxfam GB. Mir scheint das potenziell problematisch.

Wie in allen Demokratien ist die IDF ein Organ des Staates, kein politischer Entscheidungsträger. Wenn das Ziel von Breaking the Silence einfach war das israelische Militär zu reinigen, wäre das kein solches Problem. Stattdessen besteht das Ziel darin „die Besatzung zu beenden“ – und auf dieser Grundlage stellt es seine Finanzierung sicher.

Es erschien daher so, dass diese ehemaligen Soldaten, von denen einige Gehälter von Breaking the Silence beziehen, von finanziellen und politischen Anliegen zur Förderung einer propalästinensischen Agenda motiviert waren. Sie erzählten nicht nur nicht die Wahrheit über ihre Erfahrungen. Sie standen unter Druck zu liefern.

In der Tat entdeckte ich später, dass es in der Vergangenheit viele Anschuldigungen gegeben hatte, Mitglieder der Organisation hätten ihre Aussagen gefälscht oder übertrieben.

NGO Monitor vermerkt zudem, dass die Spenden ausländischer Regierungen und NGOs, die die jüngsten Veröffentlichungen von Breaking the Silence finanzierten und legt dar:

Entgegen der Behauptungen von BtS, dass „die Inhalte und Meinungen in diesem Heft nicht die Haltung der Finanziers zum Ausdruck bringen“, offenbart Recherche von NGO Monitor, dass eine Reihe Geldgeber ihre Fördergelder unter dem Vorbehalt gaben, dass die NGO eine Mindestzahl an negativen „Zeugenaussagen“ erhält. Das widerspricht den Erklärungen von BtS und macht sie zu einer Organisation, die die Interessen ihrer Auslandsspender repräsentiert, was die Glaubwürdigkeit der NGO und ihre Fähigkeit zur Analyse komplizierter Kampfsituationen ernsten Schaden zufügt.

Die anfängliche Analyse von NGO Monitor zur Veröffentlichung von Breaking the Silence ist hier zu lesen; sie hebt einige ernste Fehler hervor.

Das hat aber die Medien nicht davon abgehalten sich auf anonyme Aussagen zu verlassen, um israelische Schuld zu bestätigen. HonestReporting hat früher schon zu anonymen Quellen festgestellt, dass ein Mangel an Transparenz Zweifel zur Qualität des Journalismus und zum Vertrauen in die Reporter aufwirft. Das ist ein Sinneswandel.

In diesem jüngsten Fall schient journalistische Ethik zweitrangig zu sein.

…nachdem sie mit Messern auf Polizeibeamte losgingen…

8. Mai 2015

Yarden Frankl, HonestReporting, 26. April 2015

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Millionen von Leuten, die sich nur einige Sekunden mit dem Lesen von Schlagzeilen aufhalten, lasen kürzlich in der New York Times:

Bildtext: Naher Osten – Israelische Polizeibeamte töten zwei Palästinenser

Bildtext: Naher Osten – Israelische Polizeibeamte töten zwei Palästinenser

Zugegeben, es ist nicht so leicht, eine Nachricht in wenigen Worten zusammenzufassen, aber hier hat die Times miserabel gearbeitet. Schlenderten etwa zwei israelische Polizisten durch ein Café und erschossen zwei unschuldige Palästinenser, die einfach nur an ihrem Kaffee nippten? Natürlich nicht! Wie der Artikel zeigt, haben die Männer die Polizisten mit Messern angegriffen. Die israelischen Polizeibeamten handelten wie jeder andere Polizist auf der ganzen Welt, wenn es um einen Angriff mit einer tödlichen Waffe geht.

Aber aus irgendeinem unerfindlichen Grund entschied die Person, die für die Schlagzeile verantwortlich war, dass die Leserschaft unbedingt erfahren musste, dass zwei israelische Polizisten Palästinenser umgebracht hatten.

Und was noch seltsamer ist: Zuvor hatte die New York Times auf ihrer Website eine ältere Version der Story veröffentlich, die von Reuters stammte und die eine ähnliche Schlagzeile aufwies – aber dort stand noch das Wort „messerschwingend“ vor dem Wort „Palästinenser“. Einen Tag später erscheint die Story unter einer Times-Schlagzeile ohne das Wort „messerschwingend“.

Bildtext: Naher Osten – Israelische Truppen töten zwei messerschwingende Palästinenser – Polizei

Bildtext: Naher Osten – Israelische Truppen töten zwei messerschwingende Palästinenser – Polizei

Doch die übelste Schlagzeile fand sich in der Druckausgabe der Times. Am Ende des Onlineartikels lesen wir den Hinweis:

Eine Version dieses Artikels erscheint am 26. April 2015 auf Seite A10 der Druckausgabe der New-York-Edition unter der Schlagzeile: Palästinensischer Teenager von israelischer Polizei getötet.

Könnte die Schlagzeile überhaupt noch schlimmer sein?

Die AP-Story in der Washington Post und anderswo nutzte folgende Schlagzeile:

Israelische Polizei: 2 Palästinenser erschossen nach Messerattacke

Das ist besser, aber es wäre noch akkurater gewesen, wenn sie klargestellt hätten, dass die Palästinenser die Polizisten mit Messern angegriffen hatten. Einfach um jedes eventuelle Missverständnis auszuschließen.

Mit nur sieben Wörtern („nachdem sie mit Messern auf Polizeibeamte losgingen“) hätten auch diejenigen Bescheid gewusst, die einfach nur die Schlagzeilen überfliegen.

Wäre das so schwer gewesen?

Bild: CC BY-NC-SA Ardail Smith via flickr mit Beifügungen CC BY-NC-SA Lauren Michell Rabaino und HonestReporting


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