Archive for the ‘Weltmedien und Nahost’ category

New York Times stellt Israels Sicherheitsbarriere falsch dar

27. Juni 2016

Simon Plosker, HonestReporting, 21. Juni 2016

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Die New York Times publizierte einen Leitartikel mit dem Titel „Schmuggler im Westjordanland öffnen Tür für Jobs in Israel sowie für Gewalt„. Dieser untersucht, wie Palästinenser, die in Israel auf Arbeitssuche sind oder die Terrorakte durchführen möchten, Israels Sicherheitsbarriere überwinden können.

Im gesamten Bericht wird die Sicherheitsbarriere „Mauer“ genannt:

Die Mauer, die Israel vor mehr als einem Jahrzehnt baute, um die Selbstmordattentäter der zweiten Intifada abzuwehren, soll palästinensische Bewohner des besetzten Westjordanlands vom Betreten Israels hindern, mit Ausnahme militärischer Checkpoints, wo ihre Papiere überprüft werden können.

Aber der Palästinenser zwängte sich durch eine Lücke im Stacheldraht, der zuoberst des größten Teils der 650 km langen geschlängelten Mauer befestigt ist.

Die Leserschaft erhält den falschen Eindruck, die Barriere, [[400 Meilen]] davon, sei eine Mauer. In Wirklichkeit ist die Sicherheitsbarriere zu 90% ein Maschendrahtzaun, und Mauerabschnitte gibt es nur an ganz spezifischen Stellen.

Zwar sind jene Bereiche, auf die sich die New York Times konzentriert, Mauerabschnitte, aber das Blatt sollte dennoch klarstellen, dass dies nicht über die gesamte Länge der Barriere der Fall ist.

Weiter unten in der Story bezieht sich die New York Times auf einen Zaun. Trotzdem wiegt das den fehlenden Kontext und die fehlenden Informationen nicht auf.

Warum ist das wichtig? Israels Sicherheitsbarriere wird von antiisraelischen Aktivisten und den Medien regelmäßig als monströse Betonstruktur hingestellt, und es werden unzutreffende und ungerechte Vergleiche z. B. mit der Berliner Mauer mit all ihren negativen Konnotationen gezogen, und auch die New York Times hat hierzu ihren Beitrag geleistet.

Wir haben die New York Times um Korrektur oder Klarstellung gebeten.

„Wasser-Apartheid“ war nur eine geborstene Wasserleitung, aber den Medien ist das egal

25. Juni 2016

Daniel Pomerantz, HonestReporting, 16. Juni 2016

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Angeblich hat Mark Twain gesagt: „Eine Lüge ist bereits dreimal um die Erde gelaufen, ehe sich die Wahrheit die Schuhe anzieht.“ Und das ist genau das, was hier passiert ist.

Der Independent, die International Business Times, Radio New Zealand und die Times of London haben allesamt eine vollkommen falsche Al-Jazeera-Story übernommen.

Speziell der Independent tut sich als herausragendes Beispiel für Fiktion anstelle von Journalismus hervor und stellt Israel fälschlicherweise so dar, als verwehre es den Palästinensern im Westjordanland absichtlich das Wasser.

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Im Artikel steht:

Israel hat die Wasserversorgung für weiträumige Gebiete im Westjordanland unterbrochen, wie palästinensische Behörden behaupten.
Zehntausende Palästinenser stehen während des islamischen heiligen Monats Ramadan, einer Fastenperiode, ohne Zugang zu sicherem Trinkwasser da — zu einer Zeit, zu der die Temperaturen 35°C überschreiten können.

Zwischenzeitlich hat die International Business Times israelische Handlungen zweimal als „Wasser-Apartheid“ bezeichnet und schreibt dieses beleidigende Zitat lediglich vagen und ungenannten „Israelkritikern“ zu, impliziert jedoch, es wäre ein allgemein anerkannter Begriff.

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Doch wie sich herausstellte, war die „Wasser-Unterbrechung“ nichts weiter als eine geborstene Wasserleitung, die israelische Arbeiter bereits gewissenhaft reparierten. COGAT, die israelische Behörde, die Aktivitäten in den Palästinensergebieten koordiniert, postete ein Video der geborstenen Leitung.

Diese Storys stammten ursprünglich von einem Al-Jazeera-Artikel, der anfangs keinerlei Aussagen aus Israel enthielt. Nachdem HonestReporting Al Jazeera kontaktierte, setzte sich die Zeitung endlich mit israelischen Quellen in Kontakt und überarbeitete seinen Text.

Nun sagt Al Jazeera, dass es eine starke Reduktion der Wasserversorgung für das Westjordanland gegeben hat, erwähnt jedoch Israels Aussage, dass dies am Rückgang der verfügbaren Wassermenge lag. Danach wird Israels nationales Wasserunternehmen zitiert:

Alle Anlagen sind aktiv, und die Versorgungsmenge unterschreitet den Verbrauch. Kürzlich genehmigte die Wasserbehörde einen Masterplan für den Wassersektor, und demgemäß bauen wir die Systeme, welche den Verbrauch des Westjordanlands decken.

2015 beschuldigte Al Jazeera Israel der absichtlichen Flutung Gazas durch das Öffnen von Dämmen. Wie sich herausstellte, existierten die fraglichen Dämme erst gar nicht, und die Flut rührte von Regenfällen her. Als dies herauskam, machte Al Jazeera einen Rückzieher.

Wie eine Studie aus dem Jahr 2013 zeigte, ist das Wassermanagement im Westjordanland eine kontroverse und komplexe Angelegenheit, und viele der Probleme entstehen durch die Misswirtschaft der Palästinenserregierung und deren Weigerung, sich mit Israel zusammenzusetzen, um Aktivitäten rund um das Wassermanagement zu koordinieren.

Trotz der Widrigkeiten geht Israel weit über seine vertraglichen Verpflichtungen hinaus und bietet Palästinensern im Westjordanland Trinkwasser. Tatsächlich genießen Palästinenser im Westjordanland heute besseren Zugang zu Wasser als viele ihrer arabischen Nachbarn.

Zudem ist die Zahl der palästinensischen Häuser mit Zugang zur Wasserversorgung von 10% auf 95% gestiegen, seit Israel 1967 die Kontrolle über das Westjordanland errang, aber die Palästinenserbehörde verwaltet ihre Infrastruktur nur mangelhaft, was zu vielen Problemen führt wie zum Beispiel dem in diesem Artikel angeführten. All dies ist wichtiger Kontext, aber sämtliche Zeitungsberichte verschweigen ihn total.

HonestReporting hat Quellenmaterial zur Verfügung gestellt, welches die Vielzahl verbreiteter Mythen und tatsächlicher Fakten über das Wasser in den Palästinensergebieten erklärt.

Sowohl der Independent als auch die International Business Times widmen mehrere emotional suggestive Absätze der palästinensischen Perspektive über die Wassersituation im allgemeinen, aber ohne jegliche technischen Einzelheiten über die exakte Natur der angeblichen Versorgungsunterbrechung oder deren Ursachen.

Zum Ende des Artikels hin schafft es der Independent endlich, einige tatsächliche Fakten rund um die angebliche Versorgungsunterbrechung zu erwähnen:

Ein Sprecher der israelischen Regierung sagte dem Independent, in diesen Behauptungen läge „keine Wahrheit“, die Verknappung läge vielmehr an schadhaften Wasserleitungen.

Man sagte: „Vor einigen Stunden reparierte COGATs Zivilverwaltungsteam eine geborstene Wasserleitung, die die Wasserversorgung der Dörfer Marda, Biddya, Jamma’in, Salfit und Tapuach unterbrach. Der Wasserfluss wurde reguliert und funktioniert aktuell wieder.“

Wer war die Quelle für die Behauptung, Israel habe absichtlich die Wasserversorgung unterbrochen? Ein vager und nicht verifizierbarer Verweis auf eine Behauptung ungenannter „palästinensischer Behörden“.

Kurz: Der Independent kannte die Wahrheit, entschied sich aber trotzdem dafür, ein emotional aufgeladenes Stück verleumderischer Fiktion dahinzuschmieren und es dann zu veröffentlichen, als sei es Journalismus. Und die International Business Times scherte sich erst gar nicht um die Wahrheit.

Titelbild: enthält Elemente von Vectors by Vecteezy!

Des einen Terrorist ist des anderen Clown

23. Juni 2016

Daniel Pomerantz, HonestReporting, 15. Juni 2016

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Eine in hohem Maße irreführende Newsweek-Story begann mit der absurden Schlagzeile „Israel weitet Haftzeit für palästinensischen Clown ohne Anklage aus“. Ja, das ist wirklich die Schlagzeile.

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Der fragliche Palästinenser, Mohammed Abu Saha, 24, tritt als Clown auf. Und es ist durchaus amüsant zu sehen, wie Newsweek die „palästinensische Zirkusschule“ als qualifizierte Quelle über Sicherheitsfragen präsentiert.

Menschen messen Schlagzeilen große Bedeutung zu und lesen oft nur die Schlagzeile und nicht den Artikel. Und wenn man auf Facebook oder Twitter die Schlagzeilen überfliegt, weiß man nicht, dass Saha festgenommen wurde, weil er ebenso ein Mitglied der Volksfront für die Befreiung Palästinas (PFLP) ist, eine international als Terrororganisation eingestufte Gruppierung.

Und trotzdem konnte sich Newsweek nicht dazu durchringen, das Wort „Terrorist“ zu verwenden. Statt dessen nannten sie die PFLP eine „politische Gruppe“ und sagten: „Israel bezeichnet die PFLP als extremistische Organisation.“

Das ist eine grobe Falschdarstellung. Israel bezeichnet die PFLP nicht als „extremistische“ Organisation. Eine extremistische Organisation kann jede beliebige Gruppe am extremen Ende eines politischen Spektrums bedeuten, aber eine Terrororganisation nutzt Gewalt gegen Zivilisten als Mittel zum Zweck.

Daher stuft Israel die PFLP als „Terror“-Organisation ein, ebenso wie Kanada, die EU und die USA. Und Großbritannien stuft das „Generalkommando“ der PFLP als solche ein.

Kurz: Fast die gesamte westliche Welt führt die PFLP als „Terrororganisation“ und nennt seine Mitglieder „Terroristen“. Aber Newsweek war so erpicht, das T-Wort zu vermeiden, dass das Blatt klare journalistische Voreingenommenheit an den Tag legt und irreführende Terminologie verwendet.

Warum verbiegt sich Newsweek derart, um Terrorismus nicht beim Namen zu nennen? Warum wird der Eindruck erweckt, Israel habe einfach irgendeinen zufälligen Clown festgenommen? Fast scheint es, als habe Newsweek den Plan, Mohammed Abu Saha zu verteidigen, und zwar auf Kosten der Fakten. So können die Newsweek-Leser jedoch nicht zu einer informierten Schlussfolgerung kommen.

Saha ist nicht der einzige Clown bei dieser Story — aber Newsweeks Possen sind leider nicht lustig.

Hier unser Video über irreführende Terminologie:

Das Titelbild beinhaltet die „Illustrated circus magician“-Vektorgrafik von Freepik

AFP/Getty Images macht Israel zum Vorwurf, dass es den Sechstagekrieg überlebt hat

17. Juni 2016

Daniel Pomerantz, HonestReporting, 14. Juni 2016

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In einem atemberaubenden Beispiel totaler Ignoranz grundlegender Geschichte veröffentlichte AFP/Getty, eine der weltgrößten Bilderbanken für Nachrichtenfotos, die folgende Bildbeschreibung, die von Zeitungen weltweit übernommen wurde:

Ein israelischer Soldat betet sonntags an der Westmauer in der Altstadt während der Jerusalem-Tages, der Israels Einnahme der palästinensisch dominierten Osthälfte der Stadt im Jahre 1967 markiert. Israel besetzte Ostjerusalem im Sechstagekrieg und annektierte es später, was von der Weltgemeinschaft nie anerkannt wurde.

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Hier ist, was AFP/Getty vor dem Nachrichtenpublikum verbirgt:

  1. Der Sechstagekrieg war ein Verteidigungskrieg, in dem Israel gegen mehrere Armeen ums Überleben kämpfte. Jene Armeen hatten ihre Absicht erklärt, „Israel von der Weltkarte zu fegen„.
  2. Juden lebten lange vor 1967 in Ostjerusalem, bis Jordanien einfiel und es 1948 besetzte. Jordaniens Besatzung umfasste das historische „jüdische Viertel“ und jüdische heilige Stätten wie die Westmauer.
  3. Jordanien ignorierte die israelischen Bitten, sich aus dem Krieg herauszuhalten, und nutzte seine Besatzung Ostjerusalems statt dessen als Basis für die Geißelung Israels mit Raketenbeschuss und Bodentruppen. Hätte Jordanien Israel nicht gezwungen, ums blanke Überleben zu kämpfen, wäre Jordanien sehr wahrscheinlich noch heute im Besitz Ostjerusalems.

Zudem warf Jordanien Tausende jüdischer Bewohner hinaus, als es 1948 Ostjerusalem eroberte, und viele von ihnen wurden zu obdachlosen Flüchtlingen. In dieser fünfminütigen Mini-Doku erzählt HonestReporting die Geschichte einer Familie:

AFP/Getty jedoch hat diese Geschehnisse absurderweise in nichts weiter als eine israelische „Einnahme palästinensisch dominierten“ Landes verwandelt. Das ist, als spräche man über die Invasion der Alliierten im 2. Weltkrieg in Deutschland, ohne die Nazis zu erwähnen oder den Krieg, den sie begonnen haben. Oder in zeitgemäßeren Begriffen wäre das so, als würde man über die Angriffe der USA und der Weltgemeinschaft in Syrien reden, ohne ISIS und deren Krieg zur Eroberung des Nahen Ostens zu erwähnen.

Selbst eine kurze Bildunterschrift wäre lang genug, um den absolut grundlegenden Kontext zu liefern: nämlich dass Israel 1967 einen verzweifelten Überlebenskampf kämpfte und den Ostteil Jerusalems Invasionsarmeen abnahm, die es in eine Kriegszone verwandelt hatten.

Von professionellen Journalisten erwarten wir Besseres. Falls auch Sie dieser Ansicht sind, klicken Sie bitte auf diesen Link, um AFP eine Mitteilung zu machen, und auf diesen Link für Getty. Beziehen Sie sich dabei auf Getty-Foto #538272816.

Bild „The Jordan Salient“ via Wikimedia Commons

MSNBC schiebt Israel die Schuld für Terroranschlag zu

15. Juni 2016

Daniel Pomerantz, HonestReporting, 9. Juni 2016

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In einer wie wahnsinnig anmutenden Tirade entschuldigten Ayman Mohyeldin und Martin Fletcher von MSNBC die palästinensischen Terroristen, die vier Israelis in einer Einkaufsmeile ermordet haben, und beschuldigten statt dessen Israel.

Hier das Video (klick mich!).

Newsbusters ging sehr schnell auf diesen Vorfall ein und bemerkte, dass sowohl Mohyeldin als auch Fletcher über Israels „rechte Regierung“ und „palästinensische Frustration“ wetterten, selbst als die palästinensische Terrororganisation Hamas weitere Anschläge ankündigte und Palästinenser die Morde mit Jubelgeschrei, Feuerwerk und offenbar sogar Süßigkeiten feierten.

In Wirklichkeit sind Mohyeldins und Fletchers Behauptungen simplistisch und inkorrekt: die Zusammensetzung einer demokratisch gewählten Regierung rechtfertigt keinen Terrorismus gegen die Bevölkerung, und die Hamas hat mittlerweile klar gesagt, dieser Anschlag rühre von falschen Behauptungen israelischer Verletzungen der Al-Aqsa-Moschee her und nicht von „Frustration“ oder der Zusammensetzung der israelischen Regierung. Hamas hat diese Ausrede für Terrorismus in der Vergangenheit häufig benutzt.

Aber was wichtiger ist: Wo auf dieser Welt ist es akzeptabel, Terroropfer dafür verantwortlich zu machen, dass sie angegriffen wurden? Und warum wird der palästinensische Jubel über die erfolgreichen Ermordungen verschleiert? Ist MSNBC wirklich so versessen darauf, Israel die Schuld zuzuschieben?

Ayman Mohyeldin ist bekannt für seine falschen Aussagen über Israel und für seine Rechtfertigungen terroristischer Akte: letzten Oktober erklärte er mehrere Minuten lang live im Fernsehen, ein palästinensischer Attentäter sei „unbewaffnet“ gewesen, als die israelischen Sicherheitskräfte ihn erschossen, aber die neben Mohyeldin eingeblendeten Videoaufnahmen zeigten den Mann, wie er mit hoch erhobenem Messer rannte. Hier in diesem Video können Sie miterleben, wie Mohyeldins eigener Moderator ihn live korrigieren muss.

Nur kurze Zeit nach diesem Bericht vom letzten Oktober forderte eine Onlinepetition Moyheldins Entlassung. Die Petition erhielt über 30.000 Unterschriften, aber es scheint, als arbeite er immer noch für MSNBC und verhalte sich so unprofessionell wie eh und je.

Bild: Moti Karlelitz/Flash90

Französische Medien erobern Jerusalem

14. Juni 2016

Yarden Frankl, HonestReporting, 8. Juni 2016

Jerusalem

Unter der Schlagzeile „Starke Sicherheitsvorkehrungen, während Israelis die Einnahme Ostjerusalems aus dem Jahr 1967 feiern“ brachte die französische Nachrichtenagentur AFP einen Artikel, der durch das Weglässen kritischer historischer Zusammenhänge über Jerusalem die Leser in die Irre führt:

Viele israelische Polizisten wurden am Sonntag in Jerusalem für einen alljährlichen Marsch abgestellt, der anlässlich der Beschlagnahme der palästinensisch dominierten Osthälfte der Stadt im Jahr 1967 veranstaltet wird.

Die ursprüngliche französische Version des Artikels trug den Titel „Tausende feiern Israels Eroberung Ostjerusalems“ und enthielt den folgenden Absatz, den wir aus dem Französischen übersetzt haben:

Die Besatzung und Annexion Ostjerusalems durch Israel wurde mehrfach von den Vereinten Nationen verurteilt. Die Palästinenser wollen den orientalischen Teil Jerusalems zur Hauptstadt ihres angezielten Staates machen, aber die israelischen Führer verweigern das.

Der 49. Jahrestag des Sechstagekrieges, in dessen Verlauf Israel Ostjerusalem erobert hat, findet statt, während palästinensische Moslems den Ramadan beginnen, die muslimische Fastenzeit.

War Jerusalem eine Palästinenserstadt, die Israel vor 49 Jahren „erobert“ hat?

Nein. Jerusalems Geschichte begann nicht erst vor 49 Jahren, sondern vor 3.000 Jahren, als König David die Stadt zu seiner Hauptstadt erklärte. Juden haben über Tausende von Jahren in der Stadt gelebt. Tatsächlich war eines der wenigen Male, dass es keine jüdischen Bewohner der Altstadt gab, als sie nach ihrem Fall im Jahr 1948 vertrieben wurden und Jerusalem bis 1967 geteilt blieb.

AFP1948 fielen arabische Nationen in den jungen frisch gegründeten Staat ein. Bei Kriegsende befand sich der Ostteil Jerusalems einschließlich der Altstadt unter jordanischer Besatzung. Als die israelischen Kräfte 1967 also die Kontrolle über die von Jordanien kontrollierten Gebiete Jerusalems übernahmen, stellten sie die frühere Einigkeit der Stadt wieder her. Es hat niemals eine palästinensische Herrschaft über Jerusalem gegeben, wie von AFP impliziert.

Die englische Version unterscheidet sich von der französischen in noch einem weiteren interessanten Detail: In der englischen Version erklärt der Artikel wenigstens, dass Israel einen Anspruch auf die Stadt hat und dass das Thema kontrovers ist:

Die Palästinenser sehen Ostjerusalem als die Hauptstadt ihres zukünftigen unabhängigen Staates, wohingegen die Israelis ganz Jerusalem als ihre Hauptstadt sehen.

Der zukünftige Status Jerusalems ist einer der strittigsten Punkte im israelisch-palästinensischen Konflikt.

Die französische Version jedoch lässt die obenstehende Schlussfolgerung aus und präsentiert ausschließlich die palästinensische Sicht:

Die Palästinenser wollen den orientalischen Teil Jerusalems zur Hauptstadt ihres angezielten Staates machen, aber die israelischen Führer verweigern das.

Eine Seite will etwas, die andere verweigert es: Ist das ausgewogene Berichterstattung?

Ebenso beharrt die Nachrichtenagentur auf dem scheinbar geteilten Charakter der Stadt, indem sie insgesamt fünf Mal von „Ostjerusalem“ spricht. Eine geographische Entität „Ostjerusalem“ existiert jedoch nicht.

Wie unser Video „Jerusalem: The Media Myth of Two Cities“ erklärt, gibt es keine Trennung oder Grenzen zwischen Ost und West in der Stadt. Nicht nur das, sondern wir haben zwei israelische Frauen interviewt, die in der Altstadt gelebt haben und die 1948 vertrieben wurden, als sie an die Jordanier fiel. Bis die Stadt 1967 wiedervereinigt wurde, konnten die Israelis nur aus der Weite auf die Häuser schauen, in denen sie aufgewachsen waren. Soviel zu der Vorstellung, Israel habe 1967 eine palästinensische Stadt „erobert“.

Die Palästinenser mögen die Ereignisse von 1967 als Eroberung darstellen, aber für die Israelis war dies die Befreiung ihrer Hauptstadt — in welcher, wie AFP zugibt, die Araber noch immer im muslimischen Viertel der Altstadt und an anderen Orten leben. Nur eine Seite zu präsentieren bietet französischen Lesern leider kein echtes Verständnis der komplexen Situation.

Bild: CC BY-NC David Ortmann

Voreingenommenheit #3: Als Nachrichten getarnte Meinungen

9. Juni 2016

Pesach Benson, HonestReporting, 2. Juni 2016

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Teil 3 einer achtteiligen Serie über die acht Kategorien der Medienvoreingenommenheit.

Voreingenommenheit #3
Als Nachrichten getarnte Meinungen

Es ist Aufgabe des Journalisten, Fakten wiederzugeben, ohne die eigene Meinung oder Interpretation einzuschieben.

Journalisten steht ihre eigene Meinung zu, und erfahrene Journalisten haben Erkenntnisse gemacht, die das Verständnis der Öffentlichkeit über aktuelle Entwicklungen bereichern kann und auch soll. Aber der richtige Ort für die Meinung oder Interpretation eines Journalisten ist der Kommentarbereich oder in Artikeln und Seitenspalten, die klar als Analyse gekennzeichnet sind.

Den Unterschied zwischen Fakten und Meinungen verschwimmen zu lassen, unterläuft die Aufgabe des Journalisten, die Fakten zu berichten und das Publikum sich sein eigenes Bild machen zu lassen.

Selbst korrekt als solche bezeichneten Kommentare erfordern ein gewisses Maß an Objektivität. Meinungen müssen auf akkuraten Informationen und gesunder Logik beruhen und respektvoll vorgebracht werden. Sind Kolumnisten, Sprechern oder Bloggern die Fakten egal, verdrehen sie die Logik oder lassen sich zu persönlichen Angriffen herab, wird der öffentliche Diskurs toxisch.

Hier ein Video mit Steve Linde und Gil Hoffman von der Jerusalem Post, Ruthie Blum von The Algemeiner und Dan Diker vom Jerusalem Center for Public Affairs, wie sie mit HonestReporting das Thema „Als Nachrichten getarnte Meinungen“ diskutieren:

BEISPIEL: Beim Interview einer Jüdin bei einem Pariser Solidaritätsmarsch nach dem Anschlag auf Charlie Hebdo unterbrach sie der BBC-Reporter Tim Willcox und sagte:

Viele Kritiker an Israels Politik würden sagen, dass auch die Palästinenser sehr unter der jüdischen Hand leiden.

Es ist wichtig zu bemerken, dass Willcox „jüdisch“ sagte und nicht „israelisch“, womit er im Grunde das französische Judentum (und alle Juden) für die Taten Israels verantwortlich machte.

BEISPIEL: Am Wahltag 2009 erschienen die Gesichter von Ehud Barak, Tzipi Livni und Benjamin Netanyahu im Nachrichtenbereich des Evening Standard mit folgender (nachher veränderter) Schlagzeile:

eveningstandard100209

BEISPIEL: folgende Behauptung von Journalisten: „Israelische Siedlungen sind völkerrechtswidrig.“ (Zuweilen folgt dieser Aussage die bezeichnende Bemerkung: „Aber Israel bestreitet das.“) In Wirklichkeit ist die Meinung des Völkerrechts zur Rechtmäßigkeit der Siedlungen nicht ganz so klar und eindeutig. Eugene Kontorovich, Mitchell Bard, Eugene Rostow, Moshe Dann und Jeffrey Helmreich (und viele andere) erläutern den Grund. Helmreich schreibt zum Beispiel:

„Gaza und Westjordanland sind umstritten, nicht besetzt, und sowohl Israel wie auch die Palästinenser hegen legitime historische Ansprüche. Vor 1967 existierte keine palästinensische Souveränität in Gazastreifen und Westjordanland. Juden haben eine tiefe historische und emotionale Verbindung mit dem Land, und, da ihre Rechtsansprüche denjenigen der Palästinenser mindestens gleichkommen, ist es für Juden völlig natürlich, Häuser in Gemeinden in jenen Gebieten zu bauen, genauso wie die Palästinenser in ihren Gebieten bauen.“

WEITERE BEISPIELE beinhalten eine Kolumne von David Leonhardt über die US-Gesundheitsreform, die 2010 auf der Titelseite der New York Times erschien. Leser beschwerten sich bei Public Editor Arthur Brisbane, die Platzierung auf der Titelseite lasse die Grenze zwischen Nachricht und Kommentar in unangemessener Weise verschwimmen. Und die in Toronto ansässige Globe & Mail war Gegenstand einer Kontroverse, als der Reporter Jan Wong einen Amoklauf an einer Schule in Montréal dem in Quebec vorhandenen Rassismus sowie Sprachgesetzen zuschrieb.

Nächsten Monat folgt das nächste Kapitel dieser Reihe: „Fehlender Zusammenhang: Der Kontext beschreibt die Situation, in der etwas geschieht. Ohne einen Bezugsrahmen für die Leser können Journalisten das wahre Bild erheblich verzerren.“

„Red Lines: The Eight Categories of Media Bias“ ist auf Amazon als E-Book erhältlich.


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