Archive for the ‘Weltmedien und Nahost’ category

AP stellt Israels Demokratie infrage

30. März 2015

Simon Plosker, HonestReporting, 24. März 2015

Die israelischen Wähler haben gesprochen, aber Dan Perry von Associated Press kann immer noch nicht mit dem Ergebnis klar kommen. Er scheint aufgebracht zu sein, dass Palästinenser nur ienmal in ihren eigenen Wahlen abstimmen und nicht auch in israelischen. Seine Analyse ist aggressiv überschrieben mit „Ist Israel demokratisch? Nicht ganz klar“ und erklärt:

Doch unter den Israelis selbst gibt es zunehmende Angst wegen der Tatsache, dass ihr Land mit 8 Millionen Menschen auch rund 2,5 Millionen Westbank-Palästinenser kontrolliert, die kein Stimmrecht in ihrem Parlament haben.

Wenn die 2 Millionen Palästinenser des Gazastreifens – einem indirekt von Israel kontrollierten Gebiet – in die Gleichung eingebracht würden, dann würde das Heilige Land zusammen mit den 2 Millionen Arabern in „Kern-Israel“ Heimat für eine Bevölkerung von rund 12 Millionen Menschen werden, die sich zu gleichen Teilen in Araber und Juden aufteilen.

Von den Arabern hat nur ein Drittel Stimmrecht. Da sind die „israelischen Araber“, die in den Gegenden leben, die im Krieg von 1948/49 zu Israel wurden, mit dem die Grenzen des Landes festgelegt wurden.

Perry hat Recht – sowohl der Gazastreifen als auch die Westbank haben kein Stimmrecht für das israelische Parlament. Palästinenser in diesen beiden Gebieten sind keine israelischen Staatsbürger und sollten daher nicht das Recht haben in israelischen Wahlen zu stimmen. Fakt ist, dass sie das Recht haben für ihr eigenes Parlament und ihren eigenen Präsidenten zu stimmen.

Doch Perry erwähnt das nirgendwo in seinem Artikel. Er erwähnt auch nicht, dass der palästinensische Präsident Mahmud Abbas sich aktuell im elften Jahr einer vierjährigen Amtszeit befindet. Er erwähnt ebenfalls nicht, dass palästinensische Legislativwahlen zuletzt 2006 stattfanden und für 2010 geplante Wahlen noch stattfinden müssen. In der Tat fordern Palästinenser ihre eigenen demokratischen Wahlen.

Also Dan Perry: Ist es wirklich Israel, das den Palästinensern das Stimmrecht in Wahlen verweigert? Ist es wirklich Israel, dessen demokratische Legitimation in Frage gestellt werden sollte? Oder ist die AP auf dem Weg zum Eintreten für eine Einstaaten-Lösung, in der Palästinensern die Mittel gegeben werden Israel einfach durch Abstimmung abzuschaffen?

Keine palästinensischen Wahlen? Delegitimieren wir die israelische Demokratie!

27. März 2015

Simon Plosker, HonestReporting, 19. März 2015

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Ein besonders übler Kommentar der britischen Palästinenserin Yara Hawari trifft im Independent die folgende Behauptung über die Wahlen in Israel:

Tatsächlich haben fast 4,5 Millionen Palästinenser in Gaza und Westjordanland kein Mitspracherecht darin, welche israelische Partei jeden Aspekt ihres Lebens bestimmen wird.

Aber warum sollten sie bei einer israelischen Wahl stimmen dürfen? Das wäre nur möglich, wenn es eine Einstaatenlösung gäbe, und dann würden die erwähnten 4,5 Millionen Palästinenser Israel einfach als jüdischen Staat in die Nichtexistenz wählen.

Und was ist mit Israels arabischen Bürgern, die zur Wahl gekommen sind?

Obwohl sie die Staatsbürgerschaft besitzen, ist diese nominell, und eine ganze Batterie aus israelischen Gesetzen wurde geschaffen, um sie zu diskriminieren. Ihre Situation ist diejenige eines intern kolonisierten Volkes, und die Art von Besatzung, der sie ausgesetzt sind, ist zwar subtil, aber sehr real.

Hawari verlinkt die radikale Adalah-Organisation, die eine Datenbank von „50 diskriminierenden Gesetzen“ unterhält. NGO Monitor sagt: „Entgegen Adalahs fortgesetzten Versuchen, Israel als antidemokratisch und rassistisch hinzustellen, einschließlich häufiger Veranstaltungen bei den Vereinten Nationen und anderen internationalen Plattformen, haben viele der angeführten Gesetze nichts mit israelischen Arabern zu tun und können auch nicht als ‘diskriminierend’ beschrieben werden.“

Vielleicht sollte Hawari ihre Aufmerksamkeit der wahren Problematik widmen, der die Palästinenser in Gaza und Westjordanland gegenüberstehen. Evelyn Gordon erklärt im Commentary-Magazin:

Ein erfahrener palästinensischer Journalist aus Ramallah fasste die vorherrschende Meinung prägnant zusammen. „Wir sagen all diese schlimmen Sachen über Israel, aber die Leute dort haben wenigstens das Recht zu wählen, und sie haben eine Demokratie“, sagte er dem Jerusalem-Post-Reporter Khaled Abu Toameh vor der Wahl. „Wir beneiden die Israelis. Unsere Führer wollen keine Wahlen. Sie wollen für immer im Amt bleiben.“

Ghanem Nuseibeh, ein Palästinenser aus Ostjerusalem, der heute in Großbritannien lebt, veröffentlichte am Wahltag eine Reihe erhellender Tweets, u. a.: „Über eine Million Araber nehmen heute an den demokratischsten Wahlen im Nahen Osten teil“; „Die Araber in Israel sind die einzige Gruppe von Arabern im Nahen Osten, die echte Demokratie praktiziert“; und „Israel ist sicher wegen dem, was es heute tut, und nicht weil es Bibi oder Buji wählen wird“. Er unterstützte Isaac Herzog („Buji“) und lehnte Benjamin Netanyahu ab, aber nachdem sein Kandidat verloren hatte, tweetete er trotzdem: „Israel ist die weltweit lebendigste Demokratie“… „Hätte ein arabisches Land dasselbe breite Spektrum politischer Parteien wie Israel, gäbe es dort Bürgerkriege von nie zuvor dagewesenem Ausmaß.“

Nur für den Fall, dass Hawari nicht deutlich genug herausgestrichen hat, wie sehr sie Israel hasst, deutet sie an, Israel habe kein Existenzrecht, da ein „kolonialer Staat“, wo nur Nichtjuden Eingeborene sein können, keine Legitimität besitzt:

Ein Staat, der mittels einer jahrzehntealten illegalen Besatzung Kontrolle über ein Volk ausübt, ist keine Demokratie. Ebenso ist auch ein Staat, der sich nur für Juden offen erklärt und der die Rechte der eingeborenen nichtjüdischen Völker ignoriert, keine Demokratie.

Israel gehört nicht allen seinen Bürgern und denjenigen in seiner Kontrolle. Es ist ein ethnokratischer, kolonialer Siedlerstaat, der das internationale Gesetz täglich missachtet, indem er die Palästinenser in unterschiedlichem Besatzungsausmaß unterdrückt.

Dieser Meinungskommentar wurde vor der Wahl veröffentlicht, was beweist, dass sich der Independent durch die Veröffentlichung weniger um den Wahlausgang kümmert (den er eindeutig nicht mag), sondern mehr an einer Attacke auf die einzige echte Demokratie im Nahen Osten interessiert ist, ganz egal wie sehr Yara Hawari das Gegenteil behauptet.

Gebrochene Herzen in Gaza: Eine Lektion in nicht-investigativem Journalismus

13. März 2015

Brenda Yablon (kanadis­che Autorin, Jour­nal­istin und Filmkri­tik­erin mit Ausze­ich­nun­gen), 11.3.2015, honestreporting.com (übersetzt von Daniel)

Nicholas Kristof ist ein Jour­nal­ist der New York Times, der eine sehr wichtige Nis­che aus­füllt: Er schreibt über Men­schen­rechtsmiss­bräuche und soziale Ungerechtigkeiten. Er hat zwei Pulitzer­preise gewon­nen, einen für seine jour­nal­is­tis­chen Beiträge zum Tianan­men­platz, und den anderen für Dar­fur. Er gibt jenen eine  Stimme, die nicht für sich sel­ber sprechen kön­nen. Zusam­men mit seiner Frau, Sheryl Wudunn, hat er ein Buch geschrieben mit dem Titel: “Half the Sky: Turn­ing Oppres­sion into Oppor­tu­nity for Women World­wide.” Dabei han­delt es sich um eine einge­hende Unter­suchung der weltweiten Unter­drück­ung der Frauen.

Als also Mr. Kristof sowohl ein Video, als auch einen Artikel für die New York Times pro­duzierte, die am 8. März 2015 erschienen, mit dem Titel “Gebroch­ene Herzen in Gaza”, so inter­essierte mich dieser Bericht sehr.

Er stellt das Stück mit den Worten vor, dass “mein Job als Jour­nal­ist mich nach Gaza gebracht hat, um zu sehen, wie der let­ztjährige Krieg mit Israel die nor­malen Men­schen bee­in­flusst.” Ich erwartete, dass, nebst der grossen Zer­störung, keine Ver­suche des Wieder­auf­baus und dem all­ge­meinen all­ge­gen­wär­ti­gen Elend glück­loser Men­schen es auch ein Porträt der Hamas gäbe, wie sie Gaza regiert und wie die Gazaner von ihrer eige­nen Regierungspoli­tik betrof­fen sind.

Das Video beginnt damit, wie Kristof eine junge Mut­ter und ihren kleinen Sohn inter­viewt. Obwohl sie im Gaza­s­treifen leben, lebt der Ehe­mann und Vater des Jun­gen in der West­bank, und hat nie seinen Sohn gesehen.

Wie ist diese unglück­liche Sit­u­a­tion ent­standen? Das Paar war offen­sichtlich irgend­wann zusam­men, lange genug, um zu heiraten und ein Kind zu zeu­gen. Doch die Frage wird nicht ein­mal angedeutet. Stattdessen fragt Kristof die Mut­ter: “Wie ist es, ein Kind, das seinen Vater nie gese­hen hat, aufzuziehen?” Er bekommt den jun­gen Vater ans Handy und wir sehen und hören, wie er seine Trauer über die Sit­u­a­tion zum Aus­druck bringt.

Die einzige Erk­lärung, die Kristof bietet, ist “Israel ver­bi­etet den meis­ten Gazan­ern, Gaza zu ver­lassen.” Warum kann der Vater nicht wieder nach Gaza? Wurde er von der Hamas deportiert? Von Israel? Ein kri­tis­ches Detail der Geschichte wurde aus­ge­lassen und es wird der Ein­druck erzeugt, dass Israel allein für die Unzufrieden­heit der jun­gen Fam­i­lie voll­ständig ver­ant­wortlich ist.

Dann besucht er eine Keks– und Schoko­laden­fab­rik, die ein blühen­des Unternehmen in Gaza war, vor dem Krieg mit Israel, mit Hun­derten von Angestell­ten. Aber während des Krieges bom­bardierte es Israel. Jetzt funk­tion­iert die Fab­rik kaum noch. Maschi­nen ste­hen still, Ersatzteile kön­nen nicht bestellt wer­den, 150 Men­schen wur­den ent­lassen. Der Besitzer ist deut­lich in bit­terer Verzwei­flung, und das ist auch verständlich.

Doch WARUM hat Israel diese Fab­rik bom­bardiert? War es ein Fehler? Wurde sie von Hamas “Kämpfern” benutzt als Star­trampe für Raketen gegen Israel, wie sie das mit Kranken­häusern, Schulen, UN-Gebäuden und Pri­vathäusern getan haben? Das ist eine kri­tis­che Frage. Kristof behan­delt sie in einem Satz: “Ich weiss nicht, warum diese Fab­rik bom­bardiert wurde.” Was ist mit dem inves­tiga­tiven Jour­nal­is­mus passiert? Die Nicht-Beantwortung der Frage sagt dem Betra­chter, dass sie nicht wichtig ist. Wichtig ist nur, dass Israel die Bom­bardierung durchführte.

Er spricht mit einer Frau, deren Haus beschädigt und deren Mann ver­letzt wurde. “Willst du, dass israelis­che Müt­ter diesel­ben Schmerzen erlei­den, die Sie erlit­ten haben?” fragt er sie, in einem schö­nen Beispiel einer Sug­ges­tivfrage. Sie antwortet, dass israelis­che Müt­ter nicht kämpfen und auch Angst um ihre Kinder haben. Er fragt behar­rlich Leute, bis er zwei 14-jährige Jun­gen findet, von denen einer bereit wäre, sein Leben für den “Wider­stand” hinzugeben.

Nicholas Kristof

Kristof ist bereit, anzuerken­nen, dass “Israel legit­ime Sicher­heitsin­ter­essen hat. Tunnel-Einbrüche sind real. Hamas-Raketen wur­den von zivilen Orten abge­feuert… ” Tunnel-Einbrüche? Ein Ein­bruch ist eine geringe Störung. Ist das die Art, wie Kristof die Exis­tenz und den Zweck der Tun­nels inter­pretiert? Wie wäre es damit, zu töten oder so viele Israelis wie möglich als Geiseln zu nehmen? Oder um sich Mate­ri­alien anzueignen, die dazu hät­ten ver­wen­det wer­den kön­nen, ein besseres Leben für die Men­schen in Gaza zu bauen? Und, ja, Hamas hat Raketen von zivilen Orten aus abge­feuert — mehr als 5’000 im Jahr 2014, und mehr als 11’000 seit Israel sich 2005 aus dem Gaza­s­treifen zurück­ge­zo­gen hat.

Kristof fasst seine “Erken­nt­nisse” so zusam­men: “Israel und Hamas haben beide ver­sagt, haben Kriegsrunde um Kriegsrunde geführt.” Israel und Hamas sind also gle­icher­massen für die abgrundtiefe Lage im Gaza­s­treifen ver­ant­wortlich zu machen. Obwohl er für seine lei­den­schaftlich Unter­stützung der Men­schen­rechte bekannt ist, erwähnt er nicht ein einziges Mal die bekan­nten Hin­rich­tun­gen der Hamas von jed­er­mann, von dem sie mut­mawssen, dass er sie nicht unter­stützt, und sicher­lich ohne ordentliches Gerichtsver­fahren; ihrer bru­talen Ent­führung und Ermor­dung israelis­cher Zivilis­ten; ihren erfol­gre­ichen Ver­such, Gaza zu islamisieren, mit allen inhärenten Ein­schränkun­gen, ins­beson­dere für Frauen. Er schlägt vor, dass der Weg, um den Teufel­skreis zu durch­brechen, darin besteht, dass Israel das Embargo aufhebt. Das ist es. So einfach.

Im Druck­erzeug­nis, das das Video “Winde des Krieges” begleitet, macht Kristof ein Zugeständ­nis. “Zwar ist die Hamas’sche Mis­s­wirtschaft von zen­traler Bedeu­tung für das Prob­lem, aber wir haben keinen Ein­fluss auf die Hamas; wir haben dage­gen Ein­fluss auf Israel. ”

Kristof mag ein bril­lanter Jour­nal­ist sein mit Herz und Gewis­sen, doch nichts davon war in seine Berichter­stat­tung aus dem Gaza­s­treifen ersichtlich. Seine Berichter­stat­tung war sehr im Ein­klang mit dem grössten Teil des Jour­nal­is­mus, der während der Oper­a­tion Schutzrand her­auskam, und noch mehr: es ist nach­läs­sig, bequem, gekennze­ich­net durch Aus­las­sun­gen, Man­gel an his­torischem Wis­sen und kon­fusem Denken. Durch den Feis­pruch der Hamas von jeglicher Ver­ant­wor­tung, hilft dieser fehlgeleit­ete Jour­nal­is­mus auf keine Weise, um  das Leid der Palästi­nenser im Gaza­s­treifen zu ver­min­dern. Das einzige, was er tut, ist, die Hamas zu stärken.

Ein Fall von Kulturvandalismus gegen Israel

4. März 2015

Alex Margolin, HonestReporting, 2. März 2015

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Eines der heimtückischsten Elemente der BDS-Strategie ist die Forderung nach kulturellem Boykott. Es schadet Israels Image, von Kulturveranstaltungen in der ganzen Welt ausgeschlossen zu werden, und es schadet israelischen Künstlern, Schriftstellern und anderen, wenn sie von Menschen, die angeblich nur nicht mit Israels Politik einverstanden sind, wie Aussätzige behandelt werden.

Aber was passiert, wenn ein BDS-Unterstützer bzw. ein Israelgegner von einer Mainstream-Zeitung eine Plattform zur Verfügung gestellt bekommt, um eine israelische Produktion zu kritisieren, so wie Martha Schabas in der Globe and Mail? Das könnte noch schlimmer sein als kultureller Boykott – es könnte eine Form des Kulturvandalismus sein.

Schabas, freischaffende Tanzkritikerin für die Zeitung, kritisierte vor kurzem ein israelisches Tanztheaterstück namens Marathon, einen einstündigen Kommentar über das Leben in Israel, in welchem die drei Hauptfiguren stets in Bewegung sind. Auf ihrem Twitter-Feed hatte sich Schabas zuvor über Israels „Kriegsverbrechen“ und die SodaStream-Fabrik in „illegalen Siedlungen im Westjordanland“ geäußert. So ist es nicht verwunderlich, dass Schabas von der israelischen Produktion nicht beeindruckt war.

Das Stück, das „die Wunden der modernen israelischen Gesellschaft“ zu enthüllen vorgibt, zeígt drei weiße jüdische Künstler, die in einem Kreis herumrennen und Platitüden über ihre jeweiligen Schwierigkeiten ausrufen. Ich könnte versucht sein zu bemängeln, dass Marathon eine unerhört einseitige Sicht der israelischen Wunden bietet, aber ich fürchte, diese Beschwerde wäre irreführend – denn selbst die privilegierte Perspektive erfährt eine seichte Behandlung.

Schabas scheint an den Wunden der Israelis völlig desinteressiert. Was sie an dem Stück stört, ist, dass es die politischen Fragen auslässt, die ihr wichtig sind.

Wenn es so klingt, als sei Marathon zu unintelligent, um beleidigend zu sein, so bin ich noch nicht bereit, es vom Haken zu lassen. Natürlich muss nicht jedes Theaterstück über die israelische Gesellschaft die zwei Millionen Araber erwähnen, die ein Viertel seiner Einwohner ausmachen (über die vier Millionen in den besetzten Gebieten spreche ich gar nicht), oder über die 60.000 afrikanischen Asylbewerber, denen die Arbeitserlaubnis und der Flüchtlingsstatus verwehrt wird und die oft auf unbestimmte Zeit festgehalten werden. Aber ein Stück, das laut dem Pressematerial „die Tiefen des israelischen Bewusstseins“ auslotet und die Themen Land, Sicherheit und den existenziellen Überlebenskampf berührt, macht mit dem, was es auslässt, ein recht vorbelastetes Statement.

Das gleiche kann man von Schabas und ihrer Kritik sagen. Natürlich wird nicht jede Kritik einer Theaterproduktion die Fragen behandeln, die vom fraglichen Stück angesprochen werden. Aber eine Kritik, die im Grunde eine politische Attacke auf Israel durch das Medium einer Kritik an einer israelischen Tanzproduktion ist, hat keinen Platz im Feuilleton einer Mainstream-Zeitung.

Die Kritik hatte so viele Leserbeschwerden zur Folge, dass der Public Editor der Zeitung, Silvia Stead, prüfte, ob Schabas überhaupt mit dieser Theaterkritik beauftragt hätte werden sollen. Nach Rücksprache mit dem Kulturredakteur der Zeitung, Jared Bland, dem es offenbar nichts ausmacht, dass jemand mit antiisraelischer Haltung eine israelische Produktion kritisiert, zieht Stead die zahme Schlussfolgerung: „Die Autorin sollte ihre Kommentare zügeln, jetzt da sie für The Globe arbeitet.“

Diese Schlussfolgerung lässt Schabas für die Nutzung ihrer Position zu einem Angriff auf Israel vom Haken. Leider ist die Theatertruppe das eigentliche Opfer, denn sie wird in den Medien verrissen, weil sie nicht auf die politische Ausrichtung der Autorin passt. Zu schade, dass sie die Aufführung nicht einfach nur boykottierte.

Der Guardian elektifiziert die israelische Sicherheitssperre

3. März 2015

Simon Plosker, HonestReporting, 3. März 2015

Es scheint so, als sei Israel nicht der einzige Staat, der Terror durch den Bau einer physischen Sperre verhindert. Der Guardian berichtet, dass Kenia an der Grenze zu Somalia eine Mauer bauen wird, um Al-Schabaab-Terroristen draußen zu halten.

Der Bericht stellt auch Vergleiche mit Israels Sicherheitssperre an:

Kenia wird eine Mauer bauen. Nicht einfach eine Mauer, sondern eine „Trennmauer“, um die beschönigende Umschreibung zu gebrauchen, die von Israel geprägt wurde, um hoch aufragende, sich schlangenartig dahinziehende Bauwerke zu beschreiben, die es heute von der Westbank Palästinas trennen.

Es überrascht nicht sonderlich, dass der Guardian einseitig einem nicht existenten Palästinenserstaat die Eigentumsrecht an der Westbank gibt. Der Bericht beinhaltet jedoch einen eklatanten faktischen Fehler:

Die berühmteste ist allerdings Israels Trennsperre – fast 500 Meilen lang wechselt sie zwischen Stacheldraht-Reihen und elektrischen Zäunen und acht Meter hohen Betonmauern.

„Elektrische Zäune“ impliziert, dass jeder, der das Bauwerk berührt, einen Stromschlag erleidet, vielleicht sogar einen tödlichen. In Wirklichkeit ist diese Sperre jedoch eine elektronische, was bedeutet, dass jeder, der sie berührt oder in sie eingreift, einen Alarm auf einem zentralen Bildschirm auslöst, der IDF-Truppen losschicken kann, um das zu untersuchen.

Israels Sicherheitsbarriere ist kein nicht tödliches Mittel zur Verhinderung von Terrorismus.

Eine Aufforderung zu einer Korrektur ist dem Guardian zugeschickt worden, der bisher nicht geantwortet hat.

Dammbruch, Teil 2: Weitere Damm-Lügen

25. Februar 2015

Simon Plosker, HonestReporting, 24. Februar 2015

Verlogene Vorwürfe von Palästinensern, dass Israel im Süden Dämmer geöffnet hatte, die Gaza überfluteten, erschienen in einer Reihe von Medienorganen, darunter AFP, Al-Jazira, RT, Ma‘an, und Xinhua. Es wurde durch die auf von den israelischen Behörden gegenüber HonestReporting bestätigte Tatsache, dass es in Israels Süden keine Staudämme gibt, nachgewiesen, dass die Story eine Lüge war. (Siehe Dammbruch: Palästinensische Lüge entlarvt)

AFP als eine der Mainstream- und angeblich glaubwürdigen Medienorgane, entfernte sein Video zum Bericht. Die anderen Internetseiten gehören Nachrichtenorganisationen, deren Glaubwürdigkeit fragwürdig ist und an die Ränder des professionellen Journalismus gehören. Es war daher extrem enttäuschend zu sehen, dass die Daily Mail (Version im Cache kann hier angesehen werden), eine der meist gelesenen Internet-Nachrichtenseiten der Welt, die Story auf Grundlage eines Berichts von Al-Jazira veröffentlichte.

Daily Mail online: Hunderte Palästinenser obdachlos, nachdem Israel Staudamm öffnet und Häuser flutet… Stunden bevor die Elektrizitätsfirma des jüdischen Staates Städten in der Westbank den Strom abdreht.

- Fast 80 Familien evakuiert und in nahe gelegene Flüchtlingslager geschickt.
– Gaza-Verteidigungschef Said al-Saudi sagte: „Wir haben keine Warnung erhalten.“
– Nicht das erste Mal, dass Israel beschuldigt wird Dämme entlang des Flusses geöffnet zu haben.
– Nur Stunden später kappt israelische Elektrizitätsfirma wegen Schulden 45 Minuten lang Strom.

HonestReporting informierte die Daily Mail am Montagabend und forderte sie auf die Story als Ganzes zu entfernen Stattdessen nahm die Daily Mail einige Stunden später in einem Taschenspielertrick Veränderungen an der Story vor, ohne diese oder den ursprünglich angerichteten Schaden zuzugeben. Vergleichen Sie die angepasste Schlagzeile und Untertitel mit dem oben gezeigten Original:

Hunderte Palästinenser obdachlos durch schwere Flut nachdem der Wasserpegel im Gaza-Tal um 3m steigt.

- Fast 80 Familien evakuiert und in nahe gelegene Flüchtlingslager geschickt.
– Pferdewagen genutzt, um Familienmitglieder durch braunen Schlamm zu evakuieren.
– Stunden später kappt israelische Elektrizitätsfirma wegen Schulden 45 Minuten lang Strom.
– Israel weist Vorwürfe zurück es habe einen Damm geöffnet: „Wir konnten keinen Stausee ablassen, weil es keine gibt.“

Während die Schlagzeile Israel nicht länger der Öffnung nicht existierender Staudämme beschuldigt, bleibt der palästinensische Vorwurf drin und wird von einer israelischen Erklärung „ausgeglichen“, die die Verantwortung bestreitet. Statt die Story zu entfernen, hat die Daily Mail der israelischen Wahrheit und der palästinensischen Lüge gleiches Gewicht gegeben, was die Sache praktisch in einen Streit mit Aussage gegen Aussage verwandelt.

Die Öffentlichkeits-Redakteurin der New York Times, Margaret Sullivan, hat diese Form des fehlerbehafteten Journalismus in einer ihrer Kolumnen angesprochen:

Einfach ausgedrückt: Falsche Ausgewogenheit ist die journalistische Praxis beiden Seiten einer Story gleiche Gewichtung zu geben, ohne Rücksicht auf die festgestellte Wahrheit einer Seite. Und viele Leute haben davon die Nase voll. Sie wollen nicht hören, dass Lügen oder Halbwahrheiten auf einer Seite Glauben geschenkt und die andere abgeschossen wird. Sie wollen echte Antworten.

Die Daily Mail hat Text im Artikel verändert. Zum Beispiel den einleitenden Satz:

Hunderte Palästinenser wurden gestern Morgen evakuiert, nachdem israelische Behörden eine Reihe Staudämme öffneten, was weithin Überflutungen verursachte.

Dieser lautet jetzt:

Hunderte Palästinenser wurden aus ihren Häusern evakuiert, nachdem starke Überschwemmungen den Wasserpegel im Gaza-Tal um bis zu 3 Meter ansteigen ließen.

Das Folgende blieb im Artikel stehen:

Brigadegeneral Said Al-Saudi, der Leiter der Zivilverteidiung im Gazastreifen, sagte, die Staudämme seien ohne Warnung geöffnet worden.

„Israel öffnete die Staudämme gestern Abend ohne Warnung, was schwere Schäden in Dörfern des Gazastreifens nahe der Grenze verursachte“, sagte er gegenüber Al-Jazira.

Da wurde hierdurch „ausgeglichen“:

Die Fluten führten zu Beschuldigungen seitens der Palästinenser, Israel habe Staudämme entlang des Flusses abgelassen, um gezielt Überflutungen zu verursachen – etwas, das israelische Beamte vehement bestreiten.

Ein Sprecher des Koordinators für Regierungsaktivitäten in den Palästinensergebieten (COGAT) sagte gegenüber VICE News: „Ich weiß nicht wer mit diesen Behauptungen angefangen hat, aber sie sind völlig abwegig. Es gibt im südlichen Teil Israels keine Staudämme, also konnten wir keine öffnen, denn sie existieren nicht. Ich weiß nicht, wie dazu kommen diese Gerüchte in die Welt zu setzen.“

Beschuldigungen erhebende Fotobeschreibungen sind ebenfalls geändert worden, damit sie Israel nicht unverblümt anklagen:

Man glaubt, dass israelische Behörden Dämme entlang des Flusses öffneten, was dafür sorgte, dass Wasser in eine Reihe Dörfer rauschte.

Die Beschreibung für das obige Foto lautet jetzt:

Palästinenser behauptetem, dass israelische Behörden Dämme entlang des Flusses öffneten, wodurch Wasser in eine Reihe Dörfer rauschte – aber Israel sagte, es gäbe keine Dämmer, die man öffnen könnte.

Als wolle man den stattfindenden lausigen Journalismus demonstrieren, erscheint auch die folgende Aussage in der Story, sowohl im Original als auch in der angepassten Version:

Die Überschwemmung von heute wurde verschlimmert, als eine israelische Elektrizitätsfirma den Strom für zwei Städte im Gazastreifen kappte.

Bedenkt man, dass der Gazastreifen und die Westbank zwei getrennte geografische Einheiten sind, ist nicht zu erkennen, wie die Flutung im Gazastreifen von einer 45-minütigen Stromsperre in der Westbank verschlimmert werden könnte.

Letztlich ist der Schaden verschlimmert worden, der Israel durch das unethische Versagen der Daily Mail zugefügt wurde zuzugeben, dass ihr Reporter dabei erwischt wurde, dass er Outsourcing von Inhalten an unzuverlässige und von einer Agenda getriebene Nachrichtenorganen betrieben hat. Die Daily Mail hat den Editors‘ Code of Practice (Kodex journalistischen Verhaltens) verletzt, den sie unterschrieben hat und dem von der Independent Press Standard Organisation (IPSO – Unabhängige Organisation für Pressestandards) Geltung verschafft wird.

Absatz 1 zu Genauigkeit legt dar:

  1. Die Presse muss aufpassen, dass sie keine ungenauen, fehlleitenden oder verzerrten Informationen veröffentlicht, einschließlich Bildern.
  2. Eine beträchtliche Ungenauigkeit, fehlleitende Äußerungen oder Verdrehungen, einmal festgestellt, müssen korrigiert werden, sofort und mit gebührender Hervorhebung; und sie müssen – wo dazugehörig – veröffentlicht werden. In Fällen, die den Regulator involvieren, sollte die Hervorhebung mit dem Regulator vorab abgestimmt werden.

Die Daily Mail veröffentlicht, indem sie die palästinensische Behauptung immer noch als glaubwürdig behandelt, immer noch ungenaue und fehlleitende Informationen. Ähnlich sind die von der Daily Mail aufgrund dessen, dass sie über die Fehler informiert wurde, vorgenommenen Änderungen nicht gebührend hervorgehoben worden und eine Entschuldigung ist angebracht.

Dammbruch: palästinensische Lüge entlarvt

24. Februar 2015

Simon Plosker, HonestReporting, 23. Februar 2015 / Übs: YdW

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Das kürzliche stürmische Wetter in Israel und angrenzenden Gebieten hat in Gaza zu weiten Überflutungen geführt. Den Palästinensern und ihren Medienunterstützern genügt es jedoch nicht, den starken Regen dafür verantwortlich zu machen – nein, Israel muss irgendwie beschuldigt werden.

Al-Jazeera:

Überschrift: Gazabewohner fliehen vor Überflutungen durch Öffnung israelischer Dämme Unterüberschrift: Palästinenser wurden aus ihren Häusern evakuiert, nachdem israelische Behörden eine Reihe von Dämmen geöffnet haben, welche das Gaza-Tal überfluteten

Überschrift: Gazabewohner fliehen vor Überflutungen durch Öffnung israelischer Dämme
Unterüberschrift: Palästinenser wurden aus ihren Häusern evakuiert, nachdem israelische Behörden eine Reihe von Dämmen geöffnet haben, welche das Gaza-Tal überfluteten

Wenigstens 80 palästinensische Häuser wurden überflutet, nachdem der Wasserpegel nach der Öffnung mehrere Dämme durch israelische Behörden im Gaza-Tal (Wadi Gaza) fast drei Meter erreichte und Familien zur Evakuierung zwang…

Brigadegeneral Said Al-Saudi, Leiter der Zivilschutzbehörde in Gaza, sagte zu Al Jazeera: „Letzte Nacht öffnete Israel ohne Vorwarnung Wasserdämme, was zu schweren Schäden an Dörfern in Gaza nahe der Grenze führte. Über 40 Häuser wurden überflutet, und 80 Familien befinden sich als Folge davon derzeit in Notunterkünften.“

Er fügte hinzu, dass sich die Dammöffnung negativ auf die lokale Landwirtschaft auswirken würde, da die Überschwemmungs auch Geflügel– und Tierfarmen in Gaza in Mitleidenschaft gezogen hat.

„Wir appellieren an Menschenrechtsorganisationen und internationale Rechtsorganisationen, dass sie intervenieren, um ähnliche Aktionen in Zukunft zu verhindern.“

RT (Russia Today):

Israel öffnet Dämme und zwingt Hunderte Gazabewohner aus ihren überfluteten Häusern (Fotos)

Israel öffnet Dämme und zwingt Hunderte Gazabewohner aus ihren überfluteten Häusern (Fotos)

Es ist nicht das erste Mal, dass israelische Behörden die Dämme zum Gaza-Tal geöffnet haben. Fast jedes Jahr öffnet Israel ohne Vorwarnung die Schleusentore ihrer Dämme in Richtung Gaza, um massive Mengen überschüssigen Wassers abzulassen, das sich während schwerer Regen– oder Schneefälle in der Naqab-Region angesammelt hatte.

Maan News:

Hunderte Palästinenser fliehen, nachdem Israel Dämme in Richtung Gaza-Tal öffnete

Hunderte Palästinenser fliehen, nachdem Israel Dämme in Richtung Gaza-Tal öffnete

Der Sprecher der Zivilschutzbehörde in Gaza, Muhammad al-Midana, warnte, es könne weiteres Leid geben, wenn Israel weitere Dämme in diesem Gebiet öffnen würde. Er sagte, das Wasser fließe aktuell mit hoher Geschwindigkeit von der israelischen Grenze durch das Tal ins Mittelmeer.

Natürlich hat diese Story in antiisraelischen sozialen Medien die Runde gemacht. Man kann sie jedoch leicht widerlegen, da es sich um eine schamlose Lüge handelt. Das Büro des COGAT-Sprechers (COGAT = Coordination of Government Activities in the Territories) teilte HonestReporting mit:

Die Behauptung ist völlig falsch, denn in Südisrael gibt es keinerlei Dämme. Aufgrund der jüngsten Regenfälle wurden die Wasserströme in der Region überflutet ohne jegliche Verbindung zu irgendwelchen Aktionen seitens des Staates Israel.

Vor dem Sturm genehmigte COGAT die Überführung von vier Wasserpumpen der palästinensischen Wasserbehörde von Israel nach Gaza zur Verstärkung der 13 bereits im Gazastreifen befindlichen Pumpen, um möglichen Überflutungen im Gebiet Herr zu werden.

Das ist nicht das erste Mal, dass die Palästinenser diese Lüge verbreitet haben. Zuletzt geschah dies 2013 während einer ähnlichen Schlechtwetterperiode.

UPDATE

Sogar die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua hat diese Lüge nachgeplappert. Xinhuas Jerusalembüro wurde informiert.

Israel öffnet Dämme, überflutet Gaza

Israel öffnet Dämme, überflutet Gaza

Bild: CC BY-SA HonestReporting, Hintergrunddesign von Freepik


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