Archive for the ‘Geschichte’ category

Der Zermürbungskrieg: der „Krieg zwischen den Kriegen“

3. Oktober 2019

Dov Lipman, HonestReporting, 26. September 2019

Ein Hubschrauber wartet am 23. Januar 1970 während des Zermürbungskriegs darauf nach einer Militäraktion auf der Insel Schadwan südlich von Scharm el-Scheik Truppen und Ausrüstung abzufliegen. (Foto: Mosche Milner; mit freundlicher Genehmigung des GPO)

Israel ist das einzige Land der Welt, das in einem Status lebt, der „Krieg zwischen den Kriegen“ genannt wird. Da es von Feinden umringt ist, die seine Vernichtung anstreben, selbst wenn offiziell kein Krieg herrscht, hat es ständig mit kleinen Angriffen dieser Feinde zu tun. Das größte Beispiel für diesen Status ist der dreijährige Zeitraum von 1967 bis 1970, eine Periode, die heute der „Zermürbungskrieg“ genannt wird.

Man hätte meinen sollen, dass Israels durchschlagender Sieg über alle benachbarten arabischen Länder im Sechstage-Krieg vom Juni 1967 dem jüdischen Staat ein paar Jahre Frieden und Ruhe verschafft hätte.

Das war aber nicht der Fall.

Der ägyptische Präsident Gamal Abdel Nasser war entschlossen alles Mögliche zu tun, um die Sinai-Halbinsel zurückzugewinnen, die Israel während des Krieges eroberte, der am 9. Juni 1967 endete. Der Sechstage-Krieg war zwar vorbei, aber es dauerte nicht lange, bis der Zermürbungskrieg begann.

Die Anfänge des Zermürbungskriegs

Schon am 1. Juli zogen ägyptische Stoßtrupps in nur 16km Entfernung von den israelischen Positionen auf dem Ostufer des Suezkanals. Israel, das gemäß eines Plans agierte, mit dem ägyptische Streitkräfte daran gehindert werden sollten sich in dem Bereich zu sammeln, griff die Stoßtrupp-Soldaten an und verlor selbst einen Soldaten, 13 wurde verwundet. Am nächsten Tag bombardierte die israelische Luftwaffe die ägyptische Artillerie, die den Kommandotruppen Deckung gegeben hatte. Das führt zu einem ägyptischen Luftangriff auf israelische Streitkräfte im Sinai und im Grunde genommen war der Waffenstillstand vom 9. Juni damit nicht mehr passee. Die Geplänkel zwischen den beiden Seiten gingen den Juli hindurch weiter, wobei zahlreiche ägyptische Kampfjets von Israel abgeschossen wurden und Israel zwei ägyptische Torpedoboote versenkte.

Der israelische Zerstörer INS Eilat, den die ägyptischen Marine im Oktober 1967 versenkte; dabei wurden Seeleute getötet. (Bild: Wikimedia Commons)

Im August, September und Oktober war es relativ ruhig, aber am 21. Oktober 1967 versenkte die ägyptische Marine in internationalen Gewässern vor der Küste von Port Said die Eilat, einen Zerstörer der israelischen Marine; dabei wurden 47 Seeleute getötet. Israel schlug mit umfangreichen Bombardierungen ägyptischer Öl-Raffinerien und -Depots in der Region zurück, was erhebliche Artilleriegefechte zwischen den beiden Seiten zur Folge hatte; dabei gab es Oper unter ägyptischen Zivilisten.

Das Hin und Her ging 1968 mit ägyptischen Artillerie-Angriffen auf israelische Positionen weiter, was zu israelischen Vergeltungsangriffen führte. Die israelischen Führungskräfte glaubten, sie müssten handeln, um den ständigen ägyptischen Angriffen ein Ende zu setzen, die von Israel Opfer forderten. Am 30. Oktober 1968 zerstörten IDF-Kommandosoldaten eine ägyptische Trafostation und zwei Dämme sowie eine Brücke am Nil. Der Angriff führte zu einem großräumigen Stromausfall in Ägypten und der Schaden brachte friedliche Monate. Die Pause ermöglichte es Israel sich entlang des Ostufers des Kanals durch den Bau der „Bar-Lev-Linie“ zu stärken.

Ägypten griff Israel am 8. März 1969 wieder an, diesmal mit schwerem Artilleriefeuer und Luftangriffen auf die IDF, was erhebliche israelische Verluste verursachte. Die IDF reagierte entschlossen; sie schickte Truppen tief auf ägyptisches Gebiet, um militärische Ziele anzugreifen. Am nächsten Tag tötete Israel den ägyptischen Generalstabschef, General Abdul Munim Riad, als dieser ägyptische Streitkräfte entlang des Kanals besuchte.

Israel beschloss einmal mehr, dass es ernste militärische Aktivitäten unternehmen müsse, um den Versuch zu unternehmen, die ständigen ägyptischen Angriffe zu stoppen. Am 19. Juli 1969 begann diese Operation mit einem Stoßtrupp-Angriff auf den ägyptischen Militärposten auf Green Island, wobei 80 ägyptische Soldaten getötet wurden; dem folge ein Angriff der israelischen Luftwaffe auf ägyptische Streitkräfte am nördlichen Teil des Suezkanals, der 300 ägyptische Soldaten tötete und die ägyptischen Posten schwer beschädigte. Dem folgten etwa 1.000 Einsatzflüge der israelischen Luftwaffe im August, bei denen ägyptische Raketen-Abschussrampen und mehr als 20 ägyptische Kampfjets zerstört wurden.

Die Supermächte greifen ein

Beginnend im Oktober 1969 fingen die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion an die Seiten in diplomatische Gespräche zur Beendigung der Kämpfe zu verwickeln. Als diese Versuche aber scheiterten, schickte die Sowjetunion beträchtliche Mengen an Waffen und Soldaten, um den Ägyptern zu helfen, was letztlich zu Luftkämpfen zwischen israelischen und ägyptischen Piloten führte, bei der die israelische Luftwaffe zahlreiche russische Flugzeuge abschoss.

Israelische Gegenschläge für ägyptische Angriffe gingen bis zum 8. April 1970 weiter, als Israel versehentlich in dem Glauben, es handele sich um eine ägyptische Militäranlage, eine Schule angriff. Bei dem Angriff wurden 46 ägyptische Kinder getötet und mehr als 59 verletzt. Israel beschloss an diesem Punkt seine Gegenangriffe einzustellen. Diese Veränderung der Politik erlaubte es den ägyptischen und sowjetischen Streitkräften näher an den Kanal zu rücken als Israel das wollte. Die Kombination der Schäden durch die ägyptische Armee, zusammen mit den militärischen Gewinnen und den Opfern, die der israelischen Seite zugefügt wurden sowie der Fähigkeit seine Streitkräfte näher an den Kanal zu bringen erlaubte es am 7. August 1970 eine Feuereinstellung zu erzielen, ohne eine Veränderung der Grenzen des Krieges von 1967 und ohne dass eine Seite sich zu Friedensverhandlungen verpflichtete.

Ein israelischer Soldat blickt über den Suez-Kanal auf ägyptische Dorf Kantara, 26. November 1970. (Foto: Mosche Milner, mit freundlicher Genehmigung durch das GPO)

Sadat legt die Grundlage für den Yom Kippur-Krieg

Der ägyptische Präsident Nasser starb am 28. September 1970 infolge eines Herzinfarkts und sein Nachfolger, Anwar Sadat, hielt sich an den Waffenstillstand; er konzentrierte sich auf den Wiederaufbau und die Vorbereitung der ägyptischen Armee für einen Großangriff auf Israel, der dann mit dem Yom Kippur-Krieg im Oktober 1973 stattfinden sollte.

Es gibt widersprüchliche Berichte dazu, wie viele Israelis zwischen Juni 1967 und August 1970 in diesem Zermürbungskrieg getötet wurden. Die Zahlen reichen von 600 bis 1.400 mit tausenden Verletzten. Israel verlor mehr als 20 Flugzeuge sowie seinen Zerstörer, die Eilat, Auf ägyptischer Seite reichen die Schätzungen von 2.882 Getöteten und 6.285 Verwundeten bis zu 10.000 Getöteten. Zudem verlor Ägypten mehr als 100 Flugzeuge und mehrere Schiffe.

Dieser dreijährige Zermürbungskrieg bereitete den Weg zum Yom Kippur-Krieg drei Jahre später. Er führte Israel in einen Zustand weiterer Selbstgefälligkeit, überzeugt davon es können jeden Angriff abwehren, der von seinen benachbarten Feinden ausgeht. Der Schaden, den Ägypten Israel während dieser drei Jahre zufügen konnte, stärkte Ägypten und Israels andere Nachbarn so weit, dass sie die Zuversicht empfanden, sie könnten letzten Endes ihr gemeinsames Ziel erreichen den jüdischen Staat militärisch zu vernichten.

Der Yom Kippur-Krieg: ein Wendepunkt

19. September 2019

Dov Lipman, HonestReporting, 12. September 2019

Photo: Government Press Office

Die arabischen Staaten versuchten Israel zu vernichten, schon bevor es gegründet wurde, indem sie ihre Leute aufstachelten Juden anzugreifen. Sie versuchten Israel zu vernichten, als sie den UNO-Teilungsplan von 1947 ablehnten und griffen Israel sofort nach dessen Unabhängigkeit 1948 an. Sie versuchten die 1950-er und 1960-er Jahre hindurch Israel mit Terroranschlägen zu vernichten, dazu 1956 mit der Sperrung des Suezkanals. Sie versuchten 1967 Israel über militärischen Angriff von allen Seiten zu vernichten. Nachdem sie mit all diesen Versuchen scheiterten Israel zu vernichten und Israels Ouvertüren für Frieden gegen die Rückgabe von Land, das es im Sechstage-Krieg eroberte, ablehnten, kamen die Araber ihrem Ziel im Oktober 1973 mit dem, was als Yom Kippur-Krieg bekannt wurde, sehr nahe.

Anwar Sadat

Der ägyptische Präsident Nasser starb im September 1970 und sein Nachfolger Anwar Sadat, der Optionen für eine langfristige Friedensvereinbarung mit Israel erkundete, stand unter dem Druck der ägyptischen Straße Ägyptens Ehre nach der Niederlage im Sechstage-Krieg wiederherzustellen.

Außerdem lag die ägyptische Wirtschaft in Trümmern; aber Sadat wusste, dass die tief gehenden Reformen, von denen er fühlte, dass sie nötig waren, bei Teilen der Bevölkerung zutiefst unbeliebt sein würden. Ein militärischer Sieg würde ihm die Popularität geben, die er brauchte um Veränderungen zu schaffen.

Gegen Ende 1972 begann Ägypten seine Streitkräfte aufzurüsten. Es erwarb MiG-21-Kampfjets und fortschrittliche panzerbrechende Lenkwaffen von der Sowjetunion. Zusätzlich wurden Generale, die 1967 versagt hatten, durch kompetentere Offiziere ersetzt und die Armee konzentrierte sich auf die Verbesserung ihrer militärischen Taktiken auf Grundlage der Verfahren des sowjetischen Militärs. Sadat erklärte, er sei vorbereitet „eine Million Soldaten zu opfern“, um das Territorium wiederzugewinnen, das Ägypten 1967 verlor.

Sadat arbeitete hart daran von anderen Ländern Rückhalt für die ägyptischen Bemühungen zur Rückeroberung des Sinai zu gewinnen und im Herbst 1973 behauptete er, er habe mehr als 100 Staaten, die diese Initiative unterstützten – zumeist aus der Arabischen Liga und von afrikanischen Staaten. Er streckte auch Fühler zu europäischen Ländern aus und abgesehen von massiver Militär- und diplomatischer Unterstützung durch die Sowjetunion gewann er die Unterstützung Großbritanniens und Frankreichs im UNO-Sicherheitsrat.

Hafez al-Assad

Der syrische Präsident Hafez al-Assad initiierte ebenfalls eine massive militärische Aufrüstung mit einem Plan die Golanhöhen zurückzuerobern. Auch er hatte Träume Syrien als das dominanteste Militär der arabischen Länder aufzubauen. König Hussein von Jordanien zögerte sich an einem neuen Krieg zu beteiligen. Er fürchtete die Möglichkeit in einem neuen Krieg noch mehr Territorium als die Westbank zu verlieren, die er 1967 verlor. Er war zudem aufgebracht wegen Sadats Versprechen an Yassir Arafat von der PLO, dass diesem die Kontrolle über die Westbank gegeben werde, sobald Israel besiegt sei. König Hussein betrachtete die Westbank als Teil von Jordanien und wollte es wieder unter seine Kontrolle gebracht sehen.

Darüber hinaus brach 1970 ein Beinahe-Bürgerkrieg zwischen Jordanien und der PLO-Führung aus, während der die PLO aus Jordanien vertrieben wurde. Syrien stellte sich auf die Seite der PLO und half dieser sogar militärisch, also fühlte sich Jordanien unbehaglich sich der ägyptisch-syrischen Allianz anzuschließen. Der Irak lehnte es wegen seiner strapazierten Beziehungen zum Iran ab sich einem Angriff anzuschließen und der Libanon wollte nicht involviert werden, weil seine Armee klein und instabil war.

Sadat war zum Krieg entschlossen. Seine geheime Planung begann 1971 – wobei er sogar die höheren Kommandoebenen aus der Planung heraushielt. Der Plan Israel gemeinsam mit Syrien anzugreifen, bekam den Codenamen Operation Badr, nach der Schlacht von Badr, in der Muslime, geführt von Mohammed, den Stamm der Qureish aus Mekka besiegten. Im Oktober 1972 sagte Sadat seinem Obersten Rat der Streitkräfte, dass er vorhabe gegen Israel in den Krieg zu ziehen.

Sadat drohte im April 1973 in einem Interview mit Newsweek öffentlich mit Krieg gegen Israel. Mehrfach in diesem Jahr führten arabische Armen groß angelegte Übungen durch und jedes Mal ging Israel für ein paar Tage auf die höchste Alarmstufe. Aber den Kommandeuren wurde bis weniger als eine Woche vor dem Angriff nichts von den tatsächlichen Kriegsplänen gesagt und die ägyptischen Soldaten erfuhren davon erst ein paar Stunden davor.

Auf der israelischen Seite gab es jede Menge Warnzeichen, die ignoriert wurden. Am 25. September besuchte Jordaniens König Hussein heimlich Israel, um Premierministerin Golda Meir zu warnen, dass die Syrer Israel angreifen und Ägypten sich anschließen würde. Das war eine von elf Warnungen vor dem Krieg, die Israel aus legitimen Quellen erhielt.

Im Oktober sah der IDF-Geheimdienst ägyptische Militärbewegungen nahe des Suezkanals, aber er tat das als reine Manöver ab. Israel sah auch syrische Truppen sich auf die Grenze zu bewegen, gleichzeitig mit einer Einberufung von Reserven und der Streichung allen militärischen Urlaubs. Aber Israels Geheimdienstführung betrachtete all das nicht als Bedrohung und hörte auf keine der Warnungen. Man schätzte korrekt, dass Syrien nicht alleine angreifen würde und das nur in Übereinstimmung mit Ägypten täte. Fälschlicherweise urteilte man auch, dass Ägypten nicht angreifen würde.

Der Schwiegersohn des ehemaligen Präsidenten Nasser, Aschraf Marwan, war ein ranghoher Mossad-Agent und sagte Israel, dass Ägypten nicht angreifen werde, bevor die Sowjetunion ihr mehr MiG-23-Kampfjets und Scud-Raketen liefern würde, die sie auf israelische Städte schießen konnten. Da die Kampfflugzeuge noch nicht angekommen waren und Ägyptens Soldaten nicht genug Zeit für das Training mit den Scuds hatten, nahm Israel fälschlicherweise an, dass Ägypten für einen Angriff nicht bereit war. Israel schickte keine Verstärkungen auf die Golanhöhen, was sich als bedenklicher Schritt erwies.

Am Tag vor dem Krieg sah General Ariel Sharon, ein zukünftiger Premierminister, Geheimdienst-Informationen, die eine viel größere ägyptische Truppenkonzentration entlang des Suezkanals zeigten als für ein Manöver verwendet werden würde, dazu Ausrüstung, die für die Überquerung des Kanals genutzt werden sollte. Er war sicher, dass der Krieg unmittelbar bevor stand und gab diese Information an seine Vorgesetzten weiter.

Die israelischen Geheimdienste sahen, dass sowjetische Berater und ihre Familien Ägypten und Syrien verließen; an den Grenzen zusammengezogene ägyptische und syrische Panzer, Infanterie und Raketen befanden sich auf einem Allzeit-Hoch und Transportflugzeuge voller Militärausrüstung landeten in den Hauptstädten Kairo in Ägypten und Damaskus in Syrien.

Marwan, der israelische Spion in höchsten Ebenen der ägyptischen Regierung, warnte weiterhin vor einem unmittelbar bevorstehenden Angriff, aber seine Warnungen schafften es nie vom Geheimdienst zur Premierministerin. In der Nacht vom 5. auf den 6. Oktober traf sich der Leiter des Mossad, Zvi Zamir, mit Marwan, der ihm sagte, dass ein gemeinsamer syrisch-ägyptischer Angriff bei Sonnenuntergang am nächsten Abend stattfinden würde. Israels Oberkommando forderte daraufhin eine teilweise Einberufung der Reserven.

Am Morgen des 6. Oktober überlegte Israels Führung einen Präventivschlag ähnlich dem gegen die ägyptische Luftwaffe, bevor Ägypten im Juni 1967 angriff. Aber nach Anhörung all der unterschiedlichen Meinungen entschied Premierministerin Meir, dass nicht angegriffen werden sollte. Sie erklärte, Israel würde amerikanische Militärhilfe benötigen, um einen ägyptisch-syrischen Angriff zu überleben und sie fürchtete, wenn Israel zuerst angreift, dann würde es dafür verantwortlich gemacht werden den Krieg angefangen zu haben und diese Hilfe nicht bekommen. Die Angst der Premierministerin war nicht unbegründet. US-Präsident Richard Nixon und Außenminister Henry Kissinger warnten Meir ständig davor einen Krieg zu initiieren. Am 6. Oktober noch betonte Kissinger Israel gegenüber erneut, dass es keinen Präventivschlag führen dürfe.

Am Yom Kippur, dem heiligsten Tag im jüdischen Kalender, an dem die meisten Juden einen großen Teil des Tages in der Synagoge verbringen, nur sechs Stunden, nachdem Israel beschloss keinen Präventivschlag zu führen, griffen ägyptische und syrische Streitkräfte Israel an – sie überschritten die Waffenstillstandslinien von 1967 im Sinai im Süden und auf den Golanhöhen im Norden. Ägypten griff mit 100.000 Soldaten und 1.350 Panzern an. Zur Zeit des Angriffs hatte Israel am Kanal 450 Soldaten und um die 100 Panzer. Israels fehlende Vorbereitung ermöglichte der ägyptischen Armee mit relativer Leichtigkeit auf den Sinai vorzudringen. Auch Syrien machte große Fortschritte und eroberte einen beträchtlichen Bereich des von Israel kontrollierten Territoriums auf den Golanhöhen.

Ägyptische Militärlaster überqueren am 7. Oktober 1973 eine über den Suezkanal gelegte Brücke.

Israel fand sich in einer fatalen Lage wieder, was die USA veranlasste über eine Luftbrücke Militärausrüstung zu schicken. Dies wurde auch gemacht, um den massiven Nachschub zu kontern, den die Sowjetunion nach Ägypten schickte. Als die israelische Armee fast schon die Außenbezirke der syrischen Hauptstadt Damaskus erreichte, befahl der ägyptische Präsident Anwar Sadat, der erkannte, dass der fehlgeschlagene arabische Feldzug bald zu Ende sein könnte, seinen Streitkräften in die Offensive zu gehen. Israel wehrte nicht nur diesen ägyptischen Vormarsch ab, sondern drängte die ägyptischen Streitkräfte so weit zurück, dass die IDF den Suezkanal überquerte, nach Ägypten vordrang und begann auf ägyptische Städte, einschließlich Kairo zu marschieren. Dieses Vordringen wurde allerdings gestoppt, als am 25. Oktober unter Druck der USA ein von der UNO vermittelter Waffenstillstand in Kraft trat.

Die Grenzen von Syrien und Ägypten waren nicht die einzigen Fronten, an der sich Israel in diesem Krieg verteidigen musste. Palästinensische Milizen schossen Katjuscha-Raketen und panzerbrechende Flugkörper aus dem Libanon auf israelische Städte nahe der libanesisch-israelischen Grenze. Sie schafften es einige Israelis leicht zu verletzen und es gab Schaden an israelischen Gebäuden. Die israelische Führung beschloss, dass sie keine weitere Kampfzone öffnen konnte und entschied, keine Streitkräfte in den Südlibanon zu schicken, um die Quelle des Raketenfeuers auszuräumen.

(Ägypten brach den Waffenstillstand schon am nächsten Morgen und trotz der Vereinbarung gingen die Kämpf bis Mitte Januar 1974 weiter.)

Israel verlor in dem Krieg mehr als 2.500 Soldaten und rund 8.000 wurden verletzt. 293 israelische Soldaten wurden gefangen genommen. Die Arabischen Armeen, denen sich der Irak anschloss, verloren zwischen 8.000 und 18.000 Soldaten (Ägypten und Syrien veröffentlichten nie offizielle Zahlen) und zwischen 18.000 und 35.000 Verwundete.

Israelische Kriegsgefangene wurden von ihren syrischen und ägyptischen Fängern furchtbar gefoltert. IDF-Soldaten wurden tot aufgefunden, nachdem sie mit verbundenen Augen und hinter dem Rücken gefesselten Händen hingerichtet wurden. Einige wurden mit Äxten geköpft und eine hohe Anzahl wurde mit Elektroschocks am ganzen Körper, einschließlich der Genitalien gefoltert, mit Zigaretten verbrannt und ihnen wurden die Fingernägel ausgerissen. Viele wurden noch lange nach Kriegsende gefangen gehalten.

Abgesehen von den horrenden Verlusten auf beiden Seiten hatte der Krieg für beide Seiten beträchtliche Folgen. Der Fehler nach Geheimdienst-Warnungen vor dem Krieg nicht zu handeln führte dazu, dass Premierministerin Meir und Verteidigungsminister Mosche Dayan zurücktraten. Israel schuf schließlich einen Nationalen Sicherheitsrat, um die Kommunikation und die Koordination zwischen dem Sicherheits/Geheimdienst-Apparat und der Regierung zu verbessern.

Die Auswirkungen des Krieges gingen aber weit darüber hinaus. Die Araber hatten nach dem Krieg widersprüchliche Emotionen und beide zogen in dieselbe Richtung. Einerseits hatten die Araber das Gefühl, sie hatten zwar ihr Ziel der Vernichtung Israels verfehlt, aber sie hatten Israel auch beträchtlichen Schaden zugefügt und das stellte ihre Ehre nach der vernichtenden Niederlage im Sechstage-Krieg sechs Jahre zuvor wieder her. Das gab ihnen die Fähigkeit Frieden mit Israels als „Gleichberechtigte“ auszuloten.

Andererseits sahen die Araber Israels militärische Stärke, wie es seine anfänglichen Verluste wegsteckte und dann in die Offensive ging, wobei es tief in die eigenen Länder eindrang. Diese Angst vor der Stärke Israels drängte sie dahin Frieden zu erkunden. Die israelische Seite erlitt einen schweren psychologischen Schlag, als sie plötzlich erkannte, dass sie nicht unbesiegbar war und es keine Garantie gab die arabischen Nachbarn im Krieg immer zu besiegen. Das verschob Israel zu einer stärkeren Entschlossenheit in Richtung Frieden zu arbeiten.

Die Sowjetunion und die Vereinigten Staaten luden Israel, Ägypten, Syrien und Jordanien zu einem Treffen zu einer Friedenskonferenz im Dezember 1973 in Genf ein. Der Versuch scheiterte wegen Syriens Weigerung daran teilzunehmen. Durch die Bemühungen der USA unterzeichneten Israel und Ägypten am 18. Januar 1974 das Sinai I-Abkommen, mit dem Israel sich aus einigen seiner vorgeschobenen Positionen zurückzog, während es fast den gesamten Sinai behielt.

Das Sinai II-Abkommen wurde am 4. September 1975 unterzeichnet; mit ihm zog Israel von mehr Land im Sinai ab und UNO-Kräfte zogen dort ein, um das Gebiet zwischen Israel und Ägypten zu patrouillieren. Israel kontrollierte immer noch mehr als zwei Drittel des Sinai, die zu halten entscheidend war, während beide Seiten eine langfristige Übereinkunft ausloteten, ein Prozess, der letztlich 1979 im Friedensabkommen zwischen Israel und Ägypten gipfelte.

Die syrische Front war komplizierter; militärische Aktivitäten zwischen beiden Seiten setzten sich bis zum 31. Mai 1974 fort, als die USA eine „Entflechtungsvereinbarung“ vermittelten, in der Israel sich aus Syrien auf die Golanhöhen zurückzog, Syrien zustimmte seine Kriegsgefangenen in einem Gefangenenaustausch freizulassen und die UNO eine Entflechtungs- und Beobachtertruppe einrichtete, die den Frieden in einer Pufferzone bewahren sollte, die zwischen den beiden Ländern geschaffen wurde.

Der Yom Kippur-Krieg kennzeichnet das letzte Mal, dass die arabischen Nachbarländer Israels sich militärisch zusammenschlossen, um den Versuch zu unternehmen den jüdischen Staat zu vernichten.

Das Wunder der Wiederbelebung des Hebräischen

5. September 2019

Dov Lipman, HonestReporting, 15. August 2019

Die Geschichte der Wiederbelebung des Hebräischen geht tausende Jahre zurück in die Vergangenheit. Vor Jahrtausenden sprach das jüdische Volk untereinander antikes Hebräisch, betrieb Hebräisch sprechend Handel und verehrte Gott in Hebräisch – alles im Land Israel.

Auch die Bibel wurde in Hebräisch geschrieben.

Vor mehr als 3.000 Jahren hat das jüdische Volk in Synagogen aus handgeschriebenen Thora-Rollen gelesen und aus Druckausgaben in Studiersälen und in ihren Häusern gelernt – alles auf Hebräisch. Es gibt zudem Beispiele dafür, dass Hebräisch die gesamte jüdische Geschichte hindurch in Literatur verwendet wurde, was im 19. Jahrhundert eine besondere Renaissance erfuhr.

Aber bei der Vertreibung aus dem Land Israel vor 2.000 Jahren hörte Hebräisch auf die gesprochene Sprache des jüdischen Volkes zu sein. Sogar die kleine Anzahl Juden, die in Israel verblieb, begann die Sprache ihrer Eroberer zu sprechen und verlor das Hebräische.

Und heute ist Hebräisch wieder zum Leben erweck worden – wird im ganzen Land Israel gesprochen und sogar unter Juden an anderen Orten der Welt.

Es gibt Weltgeschichte nichts zu berichten, in keinem  Glauben, Land oder Nation, wo eine antike Sprache wiederbelebt wurde, um eine gesprochene Sprache zu werden.

Die Wiederbelebung des Hebräischen: Wie fand das statt?

Der Prozess begann in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, als Juden begannen ins Land Israel zurückzukehren, sich wieder mit der kleinen, das ganze Exil hindurch dort verbliebenen jüdischen Gemeinschaft und mit in früheren Generationen zurückgekehrten Juden zu verbinden.

Um eine gemeinsame Sprache unter den verschiedenen jüdischen Gruppen in Israel zu ermöglichen, die Jiddisch, Ladino oder Aramäisch sprachen, fingen sie an Hebräisch zu sprechen.

Etwa um dieselbe Zeit führte der Traum von einer Rückkehr nach Israel bei europäischen Juden zu einem Schub der Wiederbelebung des Hebräischen – besonders in zionistischen Bildungsprogrammen und in Treffen, die mit der zionistischen Bewegung in Verbindung standen.

Der Schlüssel bei der Gründung einer jeden Gemeinschaft ist Schulung. In ihren Versuchen wieder einen souveränen jüdischen Staat im Land Israel zu gründen, erkannten die frühen Zionisten die Bedeutung Schulen einzurichten, in denen eine gemeinsame Sprache gelehrt wird. Das erste hebräische Internat, in dem jüdische Studien auf Hebräisch gelehrt wurden und in dem Lehrer und Schüler auf Hebräisch kommunizierten, wurde 1884 von Aryeh Leib Frumkin gegründet.

Die Haviv-Schule wurde zur ersten hebräischen Grundschule moderner Zeiten, als sie 1886 in Rischon LeZion gegründet wurde. Allmählich begannen alle Schulen in den landwirtschaftlichen Siedlungen ihren Sachunterricht auf Hebräisch zu lehren. Versuche aus Hebräisch die einzige gesprochene Sprache in den Siedlungen und Städten zu machen, schlugen fehl, weil Eltern Hebräisch als unpraktische Sprache betrachteten, der die Worte fehlten, um Alltagsaktivitäten zu beschreiben. Ja, die Leute kannten das antike Hebräisch, weil sie die Bibel kannten, aber das half ihnen nicht bei ihrem Bedürfnis in einer modernen Welt zu kommunizieren.

Der Mann hinter der Wiederbelegung des Hebräischen: Eliezer Ben-Yehuda

Eliezer Ben Yehuda

Dann kam Eliezer Ben-Yehuda, die historische Person, die die Wiederherstellung des Hebräischen als gesprochener Sprache zugeschrieben wird.

Da jüdischer Nationalismus im Europa des 19. Jahrhunderts zunahm, glaubten Ben Yehuda und andere, damit die Nation nationaler Rechte wert ist, müsse sie in einer gemeinsamen, nationalen Sprache sprechen. Ihm wird zugeschrieben der erste gewesen zu sein, der sich auf Hebräisch verständigte, nachdem er 1881 beschloss, er werde in der Familie und mit Freunden ausschließlich Hebräisch sprechen, zuerst in Paris und dann in Jerusalem, wohin er Ende des Jahres zog.

Ben-Yehudas erstes Kind, Itamar Ben-Avi, wurde am 31. Juli 1882 geboren und wurde als Hebräisch Sprechender aufgezogen – der erste Muttersprachler des modernen Hebräisch. Im Versuch andere Familien zu überzeugen ihren Teil an der Wiederbelegung des Hebräischen zu spielen, veröffentlichte er eine hebräische Zeitung namens „HaZvi“ und gründete Vereine zum Sprechen von Hebräisch. Dieser Anstrengung wurde mit großem Frust begegnet, da sehr wenige Familien der ausschließlichen Verwendung des Hebräischen zustimmten.

Unbeeindruckt gründete Ben-Yehuda 1889 die Gesellschaft für klare Sprache, die das Ziel hatte Hebräisch überall auf Hebräisch zu lehren. Und 1890 gründete der das Komitee für Hebräische Sprache, das den Bedarf für neue hebräische Wörter für die moderne Konversation anging. Das Komitee veröffentlichte Bücher, Wörterbücher, Berichte und Zeitschriften, erfand tausende neuer Wörter mit Projektion auf antike Quellen und Wurzeln, um moderne hebräische Wörter zu schaffen.

Beispielsweise bedeutet chaschmal Elektrizität und leitet sich aus Hesekiel 1,4 ab, wo chaschmal das Wort ist, mit dem eine Farbe in der Mitte eines Feuers beschrieben wird. Dasselbe wurde für moderne Lebensmittel gemacht, die es in der Thora nicht gab, so tapuz für Orange und glida für Eiskrem. Weil eine Orange einem „goldenen Orange“ ähnelt, ist tapuz eine Kombination aus tapuach, dem antiken hebräischen Wort für „Apfel“ und zahav, das ein antikes hebräisches Wort für „Gold“ ist. Die Mischna verwendete das Wort galid, um auf eine gefrorene Substanz zu verweisen, die für ein spirituelles Bad verwendet wurde. Onkelos, der eine Übersetzung/einen Kommentar zur Thora schrieb, verwendete das Wort „glida“ für das Thora-Wort kerach, das „Eis“ bedeutet. (Genesis 31,9)

1903 wurde die Gewerkschaft hebräischer Lehrer gegründet. Zur Gründungsgruppe gehörten nur 60 Lehrer, aber die Gerwerkschaft führte zu hunderten Hebräischsprachigen, die demonstrierten, dass Hebräisch in Alltagsgesprächs-Kontext verwendet wird.

Vervollständigung der Wiederbelebung: Die neue Realität des Hebräischen

Immigranten in einem Jerusalemer Ulpan (Foto: Nai Shohat/Flasch90)

Als Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts die zweite Aliyah begann, verbreitete sich die Verwendung des Hebräischen in Israel als die Kommunikationssprache. Die meisten dieser neuen Immigranten kannten die hebräische Literatur des Europas des 19. Jahrhunderts und glaubten, dass Hebräisch für die Entwicklung einer offiziellen nationalen Heimstatt für das jüdischen Volk in Israel notwendig sei.

Das Hebräische Sprachkomitee wurde mit einem Auftrag wieder eingerichtet „die hebräische Sprache zur Verwendung als gesprochene Sprache in allen Lebensbereichen vorzubereiten“ und konzentrierte sich auf die Bildung einheitlicher grammatischer Regelungen. Rein hebräischsprachige Schulen begannen eigene Familien zu schaffen, Hebräisch wurde schnell die gängige Konversationssprache sowohl Zuhause als auch auf der Straße.

Der letzte Schritt bei der Wiederherstellung des Hebräischen und seiner Etablierung als offizielle Sprache des sich entwickelnden Staates kam 1913, als ein Vorschlag Deutsch als offizielle Sprache der Ingenieursschule Technion – die voller umfangreichem Technik-Vokabular ist – von den Studenten, dem Lehrkörper und der weiteren Gemeinschaft wütend abgelehnt wurde.

Alles oben Beschriebene schuf vor Ort in Israel eine Realität, die als Grundlage für die britische Entscheidung diente in Palästina drei offizielle Sprachen zu etablieren, als sie nach dem Ersten Weltkrieg die Kontrolle über die Region übernahmen – Arabisch, Englisch und … Hebräisch!

Als Israel 1948 seine Unabhängigkeit erklärte, berichteten trotz des hohen Immigranten-Anteils in der Bevölkerung mehr als 80 Prozent der Juden in Israel, dass Hebräisch die einzige Sprache sei, die in sie in ihren täglichen Gesprächen verwendeten.

Trotz der tiefen Verbindung der israelischen Gründergeneration zum Hebräischen stellten sie sicher, dass Arabisch als neben Hebräisch als eine offizielle Sprache des neuen Staates etabliert wurde, um sicherzustellen, dass die Minderheitsbevölkerung im jüdischen Staat das Gefühl hat als Staatsbürger willkommen zu sein.

Und jetzt ist diese antike, biblische Sprache wiederbelebt worden und auf den Straßen Israels kann man heute ein Volk in derselben Sprache reden hören wie König David in genau demselben Land vor über 2.500 Jahren.

Fotos: CC BC-NC-ND anefixus21 mit Ergänzungen durch SeekClipArt.

Begann die arabische Gewalt mit der „Besatzung“?

29. August 2019

Dov Lipman, HonestReporting, 20. August 2019

Eine Gruppe bewaffneter Araber bei Haifa, 1937

Arabische Gewalt wird regelmäßig mit der „Naqba“ von 1948 und der „Besatzung“ von 1967 gerechtfertigt.

Immerhin, darauf bestehen sie, zwangen Juden Araber aus ihren Heimen und Dörfern, also haben die Araber ein Recht um die Rückkehr in ihr angestammtes Eigentum zu kämpfen.

Aber wenn dies das ist, wogegen die Palästinenser wirklich kämpfen, wie sollen wir die arabische Gewalt gegen Juden verstehen, bevor die Kriege von 1948 und 1967 stattfanden?

Wie sieht ihre Erklärung für die arabische Gewalt gegen Juden in den 1920-er Jahren aus?

Ja, in den 1920-er Jahren!

Der Mufti stachelt zu arabischer Gewalt auf

1919 begann Haddsch Amin al-Husseini, Führer eines der prominentesten arabischen Clans in Jerusalem, „Fedayyin“ (wörtlich: „einer, der sich selbst opfert“) zu organisieren – kleine Gruppen Terroristen, die bereit waren beim Töten von Juden zu sterben. Das erklärte Ziel war die Juden zur Flucht aus Palästina zu zwingen. Sie griffen im Januar zuerst Tel Hai an, ein jüdisches Wohnviertel im Norden, nahe der syrischen Grenze und dann erneut am 1. März. Diese Terroristen töteten acht Juden und verletzten 200.

Im März und April wurden mehr als ein Dutzend jüdische landwirtschaftliche Siedlungen im Galiläa von arabischen Terroristen angegriffen, darunter Kfar Tabor, Degania, Rosh Pina, Ayelet Haschahar, Mischmar HaYarden, Kfar Giladi und Metula. An Pessah in diesem Jahr hetzte der Mufti die Massen so auf, dass sie die jüdische Bevölkerung der Altstadt von Jerusalem angriffen; dabei töteten sie fünf Juden und verletzten mehr als 100.

Husseini begann 1921 größere Angriffe zu organisieren und der britische Hochkommissar für Palästina; in der Hoffnung, dass er ihn beeinflussen könnte die arabische Gewalt einzustellen, ernannte Herbert Samuel Husseini zum Mufti von Jerusalem. Die beiden trafen sich sogar am 11. April 1921 und Husseini versprach, er werde „die Eifrigen zur Ruhe bringen“.

Adolf Hitler empfing Großmufti Haddsch Amin al-Husseini 1941.

Doch nur drei Wochen später, am 1. Mai 1921, stachelte der Mufti die Araber auf sich zu bewaffnen und Juden in Jaffa anzugreifen. Terroristen kamen mit Messern, Pistolen und Gewehren bewaffnet in die Straßen von Jaffa und begannen Juden zu verprügeln und zu ermorden, während sie jüdische Geschäfte und Häuser plünderten; sie töteten 27 Juden und verletzten 150.

Die Anschläge breiteten sich auf die jüdischen Gemeinschaften in Petach Tikva, Rehovot, Hadera und Haifa aus.

Das Jahr 1924 führte zu einer neuen Welle arabischer Gewalt. Der Mufti verbreitete Gerüchte, die Juden würden planen die Kontrolle über die islamischen heiligen Stätten zu übernehmen. Das führte dazu, dass die Araber jüdischen Grundbesitz plünderten, die sie stark beschädigten und Juden überall in Palästina angriffen. Die sporadischen Angriffe wurden viel stärker organisiert und der Terror richtete sich gegen jüdische Gemeinschaften bei Jerusalem, Hebron, Safed und Kfar Darom. Insgesamt wurden 135 Juden getötet und mehr als 300 verletzt.

Die arabische Gewalt eskaliert

Die Araber lernten, dass diese Terroranschläge ein effektives Mittel waren. Dem war so, weil die britische Obrigkeit auf die Anschläge mit Appeasement der Araber reagierte – indem sie die Zahl der Juden einschränkte, denen erlaubt wurde nach Palästina zu immigrieren und indem sie Juden aus den angegriffenen Bereichen wegschafften, insbesondere aus Hebron, wo Juden seit Jahrhunderten gelebt hatten.

Der Mufti fand im September 1928 eine Basis die arabischen Massen weiter aufzustacheln. Eine kleine Gruppe Juden beschloss am Yom Kippur an der Westmauer zu beten und bauten eine kleine Abtrennung, um Männer und Frauen zu teilen, wie es während jüdischen Gebeten üblich ist. Die Briten waren gegen diesen Schritt und bauten die Abtrennung ab. Der Mufti deutete auf die jüdische „Baumaßnahme“ an der Westmauer als Zeichen, dass sie versuchen würden die Kontrolle der Al-Aqsa-Moschee auf dem Tempelberg direkt an der Westmauer an sich zu reißen. Er rief zum „Jihad“ – heiligem Krieg – auf, was zu Steinwürfen führte und dazu, dass Juden verprügelt wurden, die versuchten an der Westmauer zu beten.

Die arabische Gewalt verbreitete sich über die Westmauer hinaus und am 23. August 1929, griffen mehr 1.000 arabische Terroristen Juden überall in Jerusalem an; sie töteten 47 mit dem Schlachtruf „Verteidigt die heiligen Orte!“

Das Massaker von Hebron

Die Angriffe weiteten sich auf andere Städte aus. Der schlimmste fand in Hebron statt, wo Araber mit Äxten, Messern und Metallstangen in das Rabbiner-Seminar einbrachen, alle Schüler ermordeten und das Gebäude zerstörten. Der mörderische Mob massakrierte dann die Juden der Stadt, in der Juden und Araber seit Jahren Seite an Seite in Frieden lebten. Rabbi Yaakov Slonim, der Rabbiner der Stadt, rief die Juden auf in seinem Haus Sicherheit zu suchen. Weil der Rabbi gute Beziehungen zur örtlichen arabischen Geistlichkeit hatte, nahm er an, dass ihnen nichts zustoßen würde.

Rabbi Slonim irrte sich tragisch.

Die Araber stürmten sein Haus und töteten ihn, seine Familie und alle, die dort Zuflucht gesucht hatten. Insgesamt wurden in Hebron 67 Juden abgeschlachtet. Die jüdische Gemeinde, die dort seit Jahrhunderten existierte, wurde vernichtet.

Ein paar Tage nach dem Hebron-Massaker erlitten die Juden von Safed, wo Juden ebenfalls Jahrhunderte lang lebten, ein ähnliches Pogrom. Örtlichen Arabern schlossen sich solche aus Nachbardörfern an; sie ermordeten 18 Juden, verletzten 40 und brannten 200 Häuser nieder.

Insgesamt wurden bei Angriffen in anderen Städten innerhalb weniger Tage 133 Juden getötet und 339 verletzt.

Die Beerdigung eines der Juden, die beim Massaker in Hebron 1929 getötet wurden.

Die Terroranschläge gingen weiter und nahmen 1936 zu; die Araber töteten von April bis Juli mehr als 40 Juden, daneben brannten sie tausende Morgen jüdischer Felder und Ernten nieder. Die Gewalt ging weiter, führte am 2. Oktober 1938 zu einem Massaker in Tiberias, bei der Araber 21 Juden erschossen und verbrannten, darunter 10 Kinder im Alter von unter 12 Jahren.

Die New York Times beschrieb das vorsätzliche Massaker von Tiberias:

Seit den Krawallen von 1929, als Araber in den Städten Hebron und Safed über jüdische Männer, die meisten davon Rabbiner-Studenten, sowie Frauen und Kinder herfielen, hat es in Palästina solches Abschlachten gegeben, wie den Angriff von letzter Nacht. … Der Angriff war offenbar gut organisiert, da die arabische Bande, bevor sie über Tiberias herfiel, alle Telefonleitungen kappten. Sie kamen in zwei Gruppen aus unterschiedlichen Richtungen auf ein bestimmtes Signal hin; auf einen Pfiff aus den die Stadt umgebenden Hügeln hin begann gleichzeitig in allen Vierteln das Feuer… Die Banditen machten sich auf den Weg zum Haus von Joschua Ben Arieh, wo sie Joschua, seine Frau und einen Sohn erstachen und verbrannten und erschossen dann seinen kleinen Sohn im Babyalter. Im selben Haus wurden drei Kinder von Schlomo Leimer im Alter von 8, 10 und 12 Jahren erstochen und verbrannt. Im Weiteren brachen die Araber ins Haus von Schimon Mizrahi ein, wo sie seine Frau und fünf Kinder im Alter von 1 bis 12 Jahren töteten; dann setzten sie das Haus in Brand.

Warum die arabische Gewalt?

In den 1920-er und 1930-er Jahren hatten keine Araber die Notwendigkeit empfunden aus ihren Häusern zu fliehen. Es gab damals keinen jüdischen Staat und die Juden hatten keine Armee, um palästinensisches Land zu „besetzen“.

Warum also griffen die Araber in diesen Jahren an und massakrierten Juden?

Ist es möglich, dass die „Naqba“ und die „Besatzung“ Vorwände sind, einfach um arabische Gewalt zu rechtfertigen?

Ist es möglich, dass die Araber es einfach ablehnten, dass irgendein Jude im heiligen Land lebt?

Bilder via Wikimedia Commons

Die jüdische Verbindung zum Land Israel

9. August 2019

Dov Lipman, HonestReporting, 30. Juli 2019

Auf die spätbyzantinische Zeit datiertes antikes Medaillon; abgebildet sind u.a. ein Schofar und eine Thora-Rolle. (Foto: Flash90)

Die jüdische Verbindung zum Land Israel begann nicht erst nach dem Holocaust oder mit dem Zionismus des späten 19. Jahrhunderts.

Das jüdische Volk hat seit 3.000 Jahren im Land Israel gelebt. Wer für diese Wahrheit die Bibel als Quelle nicht anerkennen will, für den hat die Archäologie die Tatsache bewiesen.

Und während die meisten des jüdischen Volks von den Römern erbarmungslos ins Exil getrieben wurden, haben die Juden seit 2.000 Jahren an den heiligsten Momenten des jüdischen Kalenders – am Versöhnungstag und an Pessah – „nächstes Jahr in Jerusalem“ gesagt, das Gebet darum wieder mit den Juden vereint zu sein, die in Israel geblieben waren.

Wo immer in der Welt Juden waren, sie wandten sich dreimal am Tag Jerusalem zu, wenn die Zeit für das Gebet war.

Und während des gesamten Exils setzten sich Juden oft großen Gefahren aus, um ins Land Israel zurückzukehren.

Die Geschichten

Das jüdische Volk baute sein Leben nach der römischen Vertreibun gin Babylon (dem modernen Irak) wieder auf und gedieh dort. Aber trotzdem berichten der Jerusalemer Talmud und der Babylonische Talmud, dass von 200 bis 500 n.Chr. große Anzahlen der führenden Rabbiner ihr bequemes und sicheres Leben aufgaben und sich entschieden nach Israel zu ziehen, das voller Chaos und Unsicherheit war.

  • 1211 immigrierte eine Gruppe von 300 Rabbinern aus Frankreich und England nach Israel. Sie zogen mit absolut keine finanziellen Unterstützung und ohne Aussicht darauf ihren Lebensunterhalt zu verdienen ins Heilige Land. Die meisten wurden von den Kreuzrittern ermordet, die dort nur acht Jahre später ankamen. Den wenigen Überlebenden wurde erlaubt in der Stadt Akko zu leben. Die Mameluken eroberten Akko 1291 und töteten die gesamte jüdische Bevölkerung, einschließlich der Frauen und Kinder, wobei viele abgeschlachtet wurden, als sie in der Synagoge waren.
  • Rabbi Ovadiah von Bartenura, einer der führenden rabbinischen Weise im Italien des 15. Jahrhunderts, unternahm einen herkulianischen Verusch in einer Zeit nach Israel zu ziehen, als viele die Reise von Italien und Sizilien versuchten und im Mittelmeer ertranken. Er brauchte drei anstrengende Jahre mit vielen Rückschlägen unterwegs, aber 1488 kam Rabbi Ovadiah im Land Israel an und machte es zu seinem Zuhause.

  • Rabbi >Menachem Mendel aus Witebsk war ein Jünger des berühmten Rabbi von Mezhrich, der die der Hauptschüler des Baal Shem Tov war, des Gründers der chassidischen Bewegung. 1777 verließ er Galatz in Rumänien mit ein paar hundert anderen, alle in kleinen Booten. Zuerst segelten sie nach Konstantinopel und dann nach Akko ins Land Israel. Für die relativ kurze Distanz im Mittelmeer brauchten sie vier Monate und der Konvoi durchlitt auf der Reise furchtbare Härten durch, darunter Piraten, die Passagiere ermordeten oder sie in die Sklaverei verkauften. Die Gruppe stand nach der Ankunft in Israel vor großen Herausforderungen und Rabbi Menachem Mendel musste Emissäre nach Russland entsenden, um Gelder für ihren Unterhalt zu sammeln.

Jüngere Beispiele

Und selbst als der Staat Israel gegründet wurde und sogar schon gegründet war, gingen Juden durch große Schwierigkeiten, um es ins Heilige Land zu schaffen. Nur ein paar Beispiele:

  • Mitte 1947 schlossen sich Mosche Frumin (6), Yaakov Schwartz (5), die einjährige Margalit Fried-Weinberg und die achtmonatige Yaffa Levy fünfzig anderen an, die Österreich zu Fuß über die Alpen verließen, über die italienische Grenze gingen, damit ein wartendes Schiff sie in den Hafen von Haifa im Land Israel bringt. Schwartz erinnert sich: „Die meiste Zeit über trug mein Vater mich auf seinen Schultern.“ Frumin hatte keinen Vater und ging mit seiner Mutter und Großmutter. Levys Mutter erzählte ihr, wie sie den Mund der klienen Yaffa zuhalten musste, damit ihr Weine nicht gehört und die Gruppe entdeckt wurde. Sie verließen das Lager für Vertriebene in Saalfelden gegen zehn Uhr abends, reiste in versiegelten LKWs in dem Versuch der Entdeckung durch die Behörden zu entgehen und waren auf dem Weg nach Krimml, wo sie gegen zwei Uhr morgens ankamen. Dort stiegen sie aus den LKWs und liefen einen weiteren Tag lang durch die tückischen Berge zum Krimml-Pass.Fast jede Nacht von April bis Oktober 1947 verließen ein paar Dutzend LKW das Lager und schickten Juden auf den Weg. Insgesamt machten rund 5.000 Juden diesen Treck.
  • Gegen Mitternacht am 10. Januar 1961 fuhr das Schiff Egoz vom Hafen Al-Hoceima in Marokko mit 44 Juden an Bord ab, die Hälfte davon Kinder. Das war die zwölfte Reise des Schiffs, nachdem es 334 Juden aus Marokko nach Gibraltar und dann nach Israel brachte. Um 3 Uhr morgens sank das Schiff und alle Passagiere an Bord kamen ums Leben.

Das Jerusalemer Denkmal für die äthiopischen Juden, die beim Versuch Israel zu erreichen starben.

  • Daniel Sahalo war Mitte der 1980-er Jahre fünf Jahre alt, als er und seine Eltern ihr Haus im nördlichen Äthiopien mitten in der Nacht verließen. Sie ließen bis zum Morgengrauen, um die Grenze des Sudan zu erreichen und marschierten dann neun Wochen durch die Wüsten des Sudan. „Ich hörte, wie Menschen davon redeten nach Jerusalem zu gehen“, erinnert er sich. Auf dem Weg starb seine Schwester an Malaria. „Wir begruben sie und gingen weiter.“ Zwölftausend Menschen machten diesen Treck und etwa viertausend Menschen starben auf dem Weg in den Sudan. Nach mehr als zwei Monaten Wanderung errichte die Familie ein Flüchtlingslager, in dem sie neun Monate lang lbten. Daniel war dort derart unterernährt, dass ein Bauch anschwoll. Dann wurden sie nach Brüssel und anschließend nach Israel geflogen. Rund achttausend äthiopische Juden überlebten diesen Marsch, das Warten und den Flug.

Warum das Risiko eingehen?

Diese Geschichten werfen eine Menge Fragen auf.

  • Warum waren jüdische Familien bereit die Gefahren durch Räuber, Wüsten und Berge einzugehen, um Israel zu erreichen?
  • Warum sollte ein Rabbiner seine Schüler in kleinen Booten wegbringen und sie Piraten aussetzen, um nach Israel zu ziehen?
  • Warum sollte einer der größten Gelehrten seiner Zeit drei Jahre seines Lebens auf den Versuch verschwenden ins Land Israel zu kommen?
  • Warum verließen diese Rabbiner in Babylonien und Europa ihre Gemeinden für ein Lben ohne Lebensunterhalt und mit nur begrenzter Sicherheit in Israel?

Die Antwort auf diese Fragen wurde von Israels erstem PremierministerPremierminister David Ben-Gurion 1936 aufgegriffen, 12 Jahre bevor der Staat Israel gegründet wurde. Damals wurde das Land Palästina genannt – aufgrund eines griechischen Namens, den die Römer verwendeten, um die gesamte Gegend Israels zu beschreiben, nachdem sie den Tempel zerstörten und die Juden ins Exil trieben – und alle Einwohner des Landes, einschließlich der Juden, wurden als „Palästinenser“ bezeichnet. Araber wurden zunehmend gewalttätig und die Briten setzten die Peel-Kommission ein, um die Gewalt zu untersuchen und besser die arabisch-jüdischen Spannungen zu verstehen. Ben-Gurion, ein säkularer Jude, sagte vor dem Komitee aus und erklärte:

Unser Recht auf das Land Israel ist nicht von der britischen Regierung noch der Balfour-Erklärung gegeben; es ist viel älter. Die Bibel ist unser Mandat auf das Land.

Analysiert man den israelisch-arabischen Konflikt und versucht ihn zu verstehen, kann man diese Dimension nicht ignorieren. Die Bibel steckt voller hunderter Bezüge zu Israel und Jerusalem – einschließlich Beschreibungen seiner geografischen Grenzen – als Orte, die Gott dem jüdischen Volk gegeben hat. Und selbst wenn andere das nicht glauben, die jüdischen Menschen tun es. Das ist der Grund dafür, dass sie seit Tausenden von Jahren beteten und sich danach sehnten in dieses Land zurückzukehren und das ist der Grund, dass sie ihr Leben riskierten und verloren, um nach Israel zurückzukehren.

Dr. Qanta Ahmed

Das steht in starkem Widerspruch zu jedem Anspruch des muslimischen Glaubens an Israel. In Wirklichkeit ist es genau umgekehrt. Der Koran erwähnt Jerusalem nicht ein einziges Mal.

Die Ärztin Qanta Ahmed, Lehrbeauftragte für Medizin an der State University von New York und Honorarprofessorin an der Glasgow Caledonian University School of Public Health, schreibt:

Aber als gläubig Muslima, die den Islam befolgt, bin ich vom Koran veranlasst Israels Alleinanspruch auf das Heilige Land zu bekräftigen; der Koran sagt das.

Das 80.000 Wörter lange Dokument, das 1,6 Millionen Muslime als von Gott offenbarte Wort akzeptieren, der Koran, ist kategorisch, was das Schicksal Israels und das Volk angeht, das sein Eigentumsrecht daran beanspruchen kann…

Der Koran erwähnt nirgendwo den Anspruch der Muslime auf das Heilige Land. Stattdessen offenbart Gott im Koran, dass das Heilige Land für die Anhänger des Mose vorgesehen ist… das Verheißene Land ist gemäß dem Koran das ihre.

Das ist der Grund, dass es keinerlei Beweise dafür gibt, dass Muslime ihr Leben riskierten, um in Israel zu leben. Oder dass der Koran nirgendwo das Land Israel als Fokus ihrer Religion vorstellt. Wenn Muslim in Israel beten – und sogar in Jerusalem – dann richten sie sich nach Mekka aus, das in ihrem Glauben der heiligste Ort. Auf dem Tempelberg legen sie ihr Gesicht auf den Boden, kehren der Stelle des Tempels die Rückseite zu.

Natürlich müssen Lösungen für die Palästinenser gefunden werden, die auch ihren eigenen Staat innerhalb der Grenzen Israels anstreben. Aber wenn sie den Konflikt im Heiligen Land ansprechen, kann der Gesichtspunkt der vier Jahrtausende jüdischer physischer und spiritueller Verbindung zum Land Israel nicht ignoriert werden, sondern muss an der Spitze der Diskussion und Überlegungen stehen, wenn man versucht den Konflikt zu lösen.

 

Bilder: Ahmed via YouTube/Kurdistan24 Englisch; Denkmal CC durch Wikimedia Commons

Die Kibbuz-Bewegung: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft

2. August 2019

Margo Dickstein, HonestReporting, 22. Juli 2019

Die Kibbuz-Bewegung ist eine der Säulen des Staates Israel. Sie ist eine einzigartige israelische Institution, die von vielen geliebt wird. Was aber sind die Ursprünge des Kibbuz und hat er eine Zukunft im modernen Staat Israel?

Die Ursprünge der Kibbuz-Bewegung

Juden, die zur Jahrhundertwende das osmanische Palästina aus Osteuropa kommend erreichten, waren von revolutionären sozialistischen Idealen ihrer Heimatländer beeinflusst. Sie lehnten frühere jüdische Siedlungen ab, die arabische Arbeitskräfte nutzten; sie strebten eine „Eroberung der Arbeit“ an, in dem Glauben, dass nur jüdische Arbeitskraft dazu führen würde, dass das Land erlöst und ein jüdischer Staat gegründet wird.

Während diese frühen Pioniere das Land selbst bearbeiten wollten, konnten sie nicht mit erfahrenen arabischen Arbeitern konkurrieren, die für weniger Geld arbeiteten. Um den Bedürfnissen der neuen Pioniere gerecht zu werden, richtete das zionistische Siedlungsbüro Landwirtschaftsschulen ein.

Eine Gruppe aus der Schule wurde zur Arbeit auf dem Land in der Nähe des Sees Genezareth geschickt, das damals Um Juni genannt wurde. Sie verließen es aber nach weniger als einem Jahr. Eine neue Gruppe Pioniere, die erfolgreich Land bei Hadera bestellten, wurde nach Um Juni geschickt, in der Hoffnung auf ähnlichen Erfolg. Sie sahen sich vielen Herausforderungen ausgesetzt, darunter verfallender Infrastruktur, die die vorherige Gruppe hinterlassen hatte, sowie Angriffen seitens der lokalen Araber.

Diese Gruppe Pioniere war die erste, die an einem Ort blieb und nicht in eine andere Siedlung zog, wie andere sozialistische Juden es zu der Zeit taten. Sie beschlossen die Siedlung Degania zu nennen, nach dem Wort dagan, Hebräisch für die Getreide, die sie anbauten und nach degania, den Kornblumen, die in der Gegend wuchsen. Der Kibbuz Degania wurde 1910 der erste Kibbuz in Israel.

Das Leben in Degania und anderen frühen Kibbuzim im Allgemeinen, war schwierig. Das Land war schwer zu bearbeiten und zu kultivieren, zudem hatten die meisten aus Europa kommenden Neueinwanderer wenig bis keine Erfahrung in der Landwirtschaft. Araber, die nahe neuen jüdischen Siedlungen lebten, verübelten ihnen ihre Anwesenheit weitgehend und Plünderungen waren üblich. Deswegen schufen die frühen jüdischen Siedler die Hashomer-Verteidigungskräfte.

Kibbuzim dienten als Zentren zur Eingliederung von neuen Immigranten und stellten der Haganah während der Mandatszeit Verteidigungskämpfer.

Ein Mitglied des Kibbuz Degania-B pflügt 1945 ein Feld.

Veränderungen

Ursprünglich waren Kibbuzim fast gänzlich landwirtschaftlich und vollständig sozialistisch. Familien lebten in bescheidenen, gleichen Häusern und alle Mahlzeiten wurden gemeinsam im Speisesaal eingenommen. In einigen Kibbuzim schliefen Kinder nachts in einem Kinderhaus statt bei ihren Eltern. Alles verdiente Einkommen ging an den Kibbuz und wurde dann gemeinschaftlich und gleichmäßig verteilt. Es gab keine Verbindung zwischen individuellen Beiträgen für die Gemeinschaft und Einkommen.

In den 1960-er Jahren lebten nur vier Prozent der Israelis in Kibbuzim, aber Mitglieder der Kibbuz-Bewegung stellten 15% der Knesset-Abgeordneten.

Aber in den 1980-er Jahren sah sich Israel einer Wirtschaftskrise gegenüber und die Kibbuzim waren besonders davon betroffen. Infolge steigender Schulden, Inflation und Menschen, die in die Städte zogen, beschloss die Kibbuz-Bewegung, dass die Beibehaltung eines kompletten sozialistischen Rahmens unmöglich sein würde. Die meisten bewegten sich in Richtung Teil-Privatisierung.

2015 kamen nur zwei Mitglieder der Knesset aus einem Kibbuz. Die Schwächung der politischen Macht der Kibbuzim korrelierte mit einer Schwächung der Arbeits-Zionismus-Bewegung als Ganzem.

Kühe in einem Kibbuz.

Der Kubbuz heute

Die heutigen Kibbuzim folgen einem von drei Wirtschaftsmodellen:

  • Der Gemeinschaftskibbuz: Die Aufteilung des Einkommens erfolgt gemeinschaftlich und zu gleichen Teilen, unabhängig vom individuellen Beitrag zur Gemeinschaft.
  • Der integrierte Kibbuz: Das individuelle Einkommen eines Mitglieds gründet auf einer anfänglichen, gleichen Summe, die von jedem Kibbuz-Mitglied geleistet wird, einer zusätzlichen Summe, die darauf basiert, wie lange sie im Kibbuz gelebt haben und einer weiteren Summe auf Grundlage des Gehalts/Beitrags zum Kibbuz.
  • Der erneuerte Kibbuz: Die Aufteilung des Einkommens ist unterschiedlich. Je mehr jemand verdient, desto mehr erhält er. Es wird jedoch ein gewisser Prozentsatz vom Gehalt eines jeden Kibbuz-Mitglieds abgezogen, um Gemeinschaftsausgaben und Einkommen von Mitgliedern, deren Verdienst unter das vom Kibbuz festgesetzte Mindestgehalt fällt, abzudecken.

Die überwiegende Mehrheit der heutigen Kibbuzim, fast 190, entschieden sich „erneuerte Kibbuzim“ zu werden; sie betrachten sich selbst als „Reformer“ und passten die Kibbuz-Methoden an die wirtschaftlichen und sozialen Veränderungen des 21. Jahrhunderts an. Etwa 60 Kibbuzim operieren mit der Gemeinschafts-Methode, 20 sind integriert.

Alle Kibbuzim funktionieren als Demokratien, in denen Mitglieder bei der Formulierung der Politik, der Wahl von leitenden Vertretern, der Autorisierung des Kibbuz-Budgets und der Bestätigung neuer Mitglieder abstimmen. Kibbuz-Mitglieder wählen Mitglieder in Komitees, die die Entscheidungen zu Dingen wie Unterkünften, Finanzen, Produktion, Planung, Gesundheit und Kultur treffen.

Produktion von Kibbuzim macht 5,2% des israelischen Bruttosozialprodukts aus und 9,2% der Industrieproduktion aus. Während Kibbuzim weniger starke landwirtschaftliche Produzenten sind als früher, hinterlassen sie immer noch einen enormen Einfluss auf den Staat; 34% der gesamten Landwirtschaftprodukte kommen aus Kibbuzim. Kibbuzim gehören 10% des Landes innerhalb des Staates.

Die Zukunft der Kibbuz-Bewegung

Heute haben Kibbuzim weit über die kleinen, sozialitischen Kommunen hinaus expandiert, die sie einst waren. Viele Industrien, die in Kibbuzim arbeiten, werden in Tel Aviv und an Börsen im Ausland gehandelt.

Israelis tragen diese Ideale in 100 sogenannte „Stadt-Kibbuzim“, in denen geschätzte 2.000 Israelis leben. Die Bewegung der Stadt-Kibbuzim keimt auch im Ausland, besonders in den USA, Australien und Deutschland.

Viele glauben, dass die Kibbuz-Bewegung eine Wiederbelebung erfährt; Kibbuzim expandieren und Menschen ziehen aus Städten in die Peripherie, um den ländlichen Kibbuz-Lebensstil zu erfahren. Die meisten argumentieren, dass diese Expansion nur infolge der Evolution der Kibbuzim möglich ist.

Es ist zu klar, dass dieser Expansion nicht von einer politischen Expansion der Arbeiterbewegung geholfen wird. Es ist etwas tiefer Gehendes – etwas ruft Menschen, den leichten Lebensstil der Stadt aufzugeben und in Kibbuzim zu leben, die 100 Jahre alte Bewegung ins 21. Jahrhundert zu tragen.

Kurz gesagt: Der Kibbuz ist im modernen Staat Israel da um zu bleiben.

Sind Namen Schall und Rauch? Die Herkunft von Judäa, Philistäa, Palästina und Israel

24. Juli 2019

Griffin Judd, HonestReporting, 16. Juli 2019

Das Land zwischen dem Jordan und dem Mittelmeer ist Jahrtausende lang bewohnt worden, so viel ist unbestritten. Jericho, Jerusalem, Jenin und Jaffa gehören alle zu den ältesten Städten der Welt und sind seit der Zeit vor dem Jahr 2000 v.Chr. kontinuierlich besiedelt gewesen.

Aber wie so ziemlich alles andere zu diesem Land kontinuierlich ist, so ist das auch mit dem Namen der Fall. Palästinensische Historiker wie Nur Masalha und Schlüsselmitglieder der Palästinenserführung bis hinauf zu Mahmud Abbas haben behauptet, dass die Palästinenser die Nachkommen antiker Völker wie der Kanaaniter und Philister sind und dass der Name „Palästina“ dieser Verbindung entstammt.

Behält man im Kopf, dass Nationalismus, wie wir ihn verstehen, an und für sich ein Phänomen des 19. Jahrhunderts ist, lohnt es sich zu fragen, ob die palästinensischen Behauptungen wahr sind.

Kommt der Name Palästina von dem Volk oder entnahm da Volk seinen Namen dem Ort?

Die Herkunft des Namens „Palästina“

Die antiken Königreiche Israel, Judah und Philistäa

Es gibt zwei Hauptquellen für die Region, die heute unter wechselnden Bezeichnungen wie Israel, Palästina, die Levante und Kanaan bekannt ist: die Archäologie und die Bibel. Es gibt zwar Unterschiede zwischen den beiden, aber Archäologen und Historiker stimmen überein, dass das allgemeine Narrativ der Bibel stimmt: Kanaaniter herrschten in der Levante, bevor sie von den antiken Hebräern verdrängt wurden, die dann mit den Philistern kämpften, bis eindringende Imperien beide Stämme vertrieben.

Der Name „Palästina“ taucht erstmals in den Historien von Herodot im 5. Jahrhundert v.Chr. auf, um den Küstenbereich der Levante zu beschreiben, wo die Philister lebten, bevor die Römer ihn nach der Unterdrückung des Bar Kochba-Aufstands von 132 n.Chr. auf die gesamte Gegend anwandten. Danach galt das Wort Palästina für das ganze Land und folgende Herrscher bezeichneten es so.

Herkunft des palästinensischen Volks

Die osmanische Provinz Syrien

Es ist wichtig sich daran zu erinnern, dass das Land zwar im Jahr 134 n.Chr. Palästina genannt wurde, der Islam aber erst weitere 500 Jahre später in der Region ankam.

634 begannen die Führer des ersten muslimischen Kalifats eine Reihe von Invasionen, die die Eroberung der ehemals oströmischen Provinzen der Levante zur Folge hatte, einschließlich der Gegend, die damals als Palästina bekannt war. Der Eroberung folgte die Massenkonversion der Bevölkerung zum Islam und die gleichzeitige Migration arabischer Menschen aus ihrer heimischen Halbinsel in ihre neu eroberten Territorien, wo sie sich rasch in Gesellschaften integrierten und mit den Einwohnern vermischten; sie schufen ausgeprägt eigne Gruppen, die eng mit der arabischen Kultur übereinstimmte.

Die Levante wurde nach der islamischen Eroberung von einer Reihe von Reichen und Kalifaten beherrscht, zuerst von den Raschidun-, den Omajjaden-, den Abassiden- und Fatimiden-Kalifaten, dann vom Königreich Jerusalem (gegründet von den Kreuzrittern), denen die ajubidischen und Mameluken-Sultanate folgen, bevor sie schließlich von den Osmanen erobert wurden, die die Levante von 1516 bis 1917 beherrschten. Obwohl sie von den Türken beherrscht wurden, waren die Osmanen sehr erfolgreich darin die Araber zu integrieren. Erst 1908 begannen die Araber über den politischen Arabismus für mehr Rechte und Unabhängigkeit zu agitieren.

Die Große Arabische Revolte von 1916, gestützt vom britischen Empire, beendete die osmanische Kontrolle über das Gebiet. Die Revolte war ein Produkt arabischen Nationalismus, den Nachfolger des politischen Arabismus und die arabische Antwort auf türkischen Nationalismus.

Aber nicht alle Araber glaubten an die Bewegung und es gab keinen weit verbreiteten Aufstand in den Gebieten Palästinas. Trotzdem wurde nach dem Ende des Ersten Weltkriegs die Region Palästina Teil des Arabisch Königreichs Syrien, als dieses ausgerufen wurde; dazu gehörten das gesamte moderne Syrien, der Libanon und Teile von Jordanien. Erst als das Königrich 1920 auseinanderfiel, begann in Reaktion auf den Zionismus und die steigenden Pegel jüdischer Immigration in das, was jetzt das britischen Mandat für Palästina war, eine Art einer eigener palästinensischer nationaler Identität aufzukommen.

Die Herkunft des Namens „Judäa“

Die Hasmonäer-Dynastie

Der Name „Judäa“ kommt vom Königreich Juda, einem der Nachfolgestaaten der biblischen vereinten Monarchie, die das gesamte antike Israel beherrschte. 934 v.Chr. gegründet, herrschte das Königreich über das Land von Jerusalem bis Beer Sheva, bis es 586 v.Chr. von den Neo-Babyloniern erobert wurde.

Obwohl das Königreich zerstört wurde, überlebte der Name mit dem jüdischen Volk und als ein unabhängiges Königreich im Jahr 140 v.Chr. wieder unabhängig wurde, wurde das Land als Judäa bezeichnet. Dieser Name überlebte sogar die römische Eroberung des Königreichs und die römische Provinz, die aus einem großen Teil des ehemaligen Königreichs beschaffen wurde, trug den Namen Judea (in seiner lateinischen Form Iudaea).

Die Menschen in Judäa begrüßten die römische Herrschaft jedoch nicht und die jüdischen Einwohner rebellierten mehrfach, was die Stationierung riesiger Armeen notwendig machte. Nach dem dritten und letzten davon (der bereits erwähnte Bar Kochba-Aufstand) änderten die Römer den Namen dieser Provinz als Teil ihrer Bemühungen den jüdischen Nationalismus zu unterdrücken und danach blieb der Name Palästina hängen.

Herkunft des Namens „Israel“

Israel ist ein Name, der noch älter ist als Judäa; er ist in der Bibel zu finden (Genesis/1. Mose 32,29):

Da sprach der Mann: Nicht mehr Jakob wird man dich nennen, sondern Israel (Gottesstreiter); denn mit Gott und Menschen hast du gestritten und hast gewonnen.

Der Name Israel wurde danach mit den Stämmen und dem Königreich Israel identifiziert, das Jakobs Nachfahren gründeten und wurde zum Synonym mit Juda, bevor er diesen schließlich ersetzte.

Das erste Beispiel für weit verbreitete Verwendung des Namens in der modernen Zeit findet sich während des britischen Mandats: Während der offizielle Name in Englisch „Mandate for Palestine“ (Mandat Palästina) lautete, enthielten auf Hebräisch geschriebene offizielle Dokumente die Initialen für Eretz Yisrael.

Britisches Mandat Palästina

Das zusammen mit der Tatsache, dass der Name Juda mit Landstrichen assoziiert wurde, die zumeist im Teilungsplan von 1947 inbegriffen waren, hatten den Namen des neuen jüdischen Staates zum Ergebnis: Medinat Yisrael, der Staat Israel.

Warum ist das wichtig?

In einer anderen Situation wäre das lediglich eine Debatte über Semantik: Levante, Kanaan, Judäa, Philistäa, Palästina, Israel – das wären alles unterschiedliche Namen für denselben Landstrich.

Leider ist ein Schlüsselmerkmal des palästinensischen Nationalismus das Auslöschen jüdischer Geschichte und deshalb spielt es sehr wohl eine Rolle, wie das Land genannt wird. Die palästinensische Autonomiebehörde verurteilt regelmäßig archäologische Funde in der Stadt Jerusalem als Fälschung oder illegitim (siehe hier, hier und hier). Es ist heutzutage üblich Behauptungen zu hören wie „Jesus war Palästinenser“, aber das ist irreführend: Jesus wurde höchstwahrscheinlich in Bethlehem geboren, das heute innerhalb der Westbank liegt, aber er war Jude und zur Zeit seiner Geburt war Bethlehem Teil der herodianischen Tetrarchie, eines jüdischen Satellitenstaats Roms. Darüber hinaus ist die Behauptung Jesus sei Palästinenser gewesen (oder Israeli oder Araber oder Nahostler usw.) inhärent falsch, denn keiner dieser Begriffe existierte damals. Jesus hätte sich gewiss nicht als Palästinenser bezeichnet, denn dieses Konzept existierte damals nur als Ortsbezeichnung [zur Zeit Jesu nicht einmal das – d.Ü.] und war nicht einmal in weit verbreitetem Gebrauch.

Selbstverständlich lautet die zu ziehende Schlussfolgerung nicht, dass palästinensische Araber keine nationale Geschichte oder Erbe haben, denn die haben sie ganz gewiss. Das palästinensische Narrativ ihrer Abstammung aus Kanaan, die kontinuierlich bis heute verläuft, ist jedoch bestenfalls unredlich und schlimmstenfalls falsch, denn sie impliziert, dass die Vorstellung Palästinas als Nation genauso lange bestanden hat und das ist nachweislich falsch.

Zusammengefasst hatte der Name Palästina ursprünglich nichts mit dem palästinensischen Volk zu tun, aber stattdessen wurde es mit den Philistern verknüpft und dann mit der Gegend, in der sie gelebt hatten, während das palästinensische Volk eine Mischung aus indigener und arabischer Bevölkerungen ist, die das Etikett des Beispiels des britischen Mandats angenommen hat.

Im Gegensatz dazu ist das jüdische Volk historisch mit den Namen Judäa/Juda und Israel verbunden. Das macht den palästinensischen Anspruch auf Volkstum keineswegs ungültig, aber es ist wichtig anzuerkennen, wie die Wahrheit aussieht und wie nicht.