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Israel wurde nicht wegen des Holocaust gegründet, sondern wegen jüdischer Wurzeln und moderner Entschlossenheit

26. August 2021

Gidon Ben-Zvi. HonestReporting, 19. August 2021

Ein Artikel von Vanessa Gera bei Associated Press vom 16. August mit der Überschrift „Poland keeps ambassador at home amid dispute with Israel (Polen behält Botschafter wegen Disput mit Israel Zuhause) beschreibt den diplomatischen Streit, der durch Warschaus neues Gesetz verursacht wurde, mit dem praktisch verhindert wird, dass Holocaust-Überlebende und ihre Nachkommen ihr von den Nazis beschlagnahmtes Eigentum zurückfordern können.

Der Text hält fest:

Der Streit ist der jüngste, der wegen der Geschichte zwischen Polen, Heimat von Europas größter jüdischer Gemeinschaft vor dem Zweiten Weltkrieg, und Israel ausbrach, das als Zufluchtsort für vom deutschen Diktator Adolf Hitler und seinen Helfen aus Europa getriebene Juden gegründet wurde.

Dieses Zitat ist ein subtiles Beispiel für eine geläufige Fehlvorstellung; nämlich dass der jüdische Staat in Reaktion auf den Holocaust geschaffen wurde, eine Falschmeldung, die selbst im Westen verbreitet ist und die schon vom ehemaligen US-Präsidenten Barack Obama und danach von der Kongressabgeordneten Rashide Tlaib verbreitet wurde.

Faktencheck: Israel ist nicht das Ergebnis europäischer Schuld wegen des Holocaust

Eindeutig zu erklären, dass Israels Gründung das Ergebnis des Holocaust war, ist ein Trugschluss, auch wenn die Auslöschung von 6 Millionen Juden durch Nazideutschland während des Zweiten Weltkriegs tatsächlich viele Menschen veranlasste mit der Jahrtausende anhaltenden Notlage des jüdischen Volks mitzufühlen. Aber die Vorstellung, dass dies der Hauptauslöser für den schrittweisen Prozess der internationalen Gemeinschaft hin zur Gründung eines jüdischen Staates war, verwechselt Korrelation mit Ursache.

Zu allererst reicht die jüdische Verbindung zum Land Israel mindestens 3.000 Jahre zurück. Das ist keine biblische Mutmaßung, sondern wird von einer Unzahl archäologischer Funde bestätigt.

Im 19. Jahrhundert begann die erste organisierte Welle jüdischer Migration in das, was heute Israel ist. Bereits in den 1880-er Jahren wurde die Grundlage für einen zukünftigen souveränen Staat gelegt. Während des Ersten Weltkriegs, in den letzten Tagen des Osmanischen Reichs, das 400 Jahre lang einen Großteil des Nahen Ostens regiert hatte – darunter des Territorium, das das moderne Israel umfasst – wurde die zionistische Sache von der britischen Regierung akzeptiert.

Um dieselbe Zeit, in der Adolf Hitler als Gefreiter in der Bayrischen Armee diente, gab der damalige britische Premierminister David Lloyd George öffentlich Unterstützung für den Zionismus zum Ausdruck. Am 2. November 1917 wurde mit der vom britischen Außenminister Arthur Balfour ausgegebenen Balfour-Erklärung Londons Politik formell und forderte ausdrücklich die Gründung einer jüdischen Heimstatt.

Es gab eine Vielzahl geopolitischer Überlegungen, die diese historische Entscheidung beeinflussten, darunter die Hoffnung der britischen Regierung, eine solche Erklärung würde während des Ersten Weltkriegs die jüdische Unterstützung der Alliierten in neutralen Ländern einbringen. Zusätzlich begehrte Downing Street 10 das Gebiet, das nur Jahre später das von den Briten regierte Mandat Palästina sein würde, weil es als Landbrücke zwischen den von den Briten beherrschten Territorien Indien und Ägypten diente.

Dennoch war der Glaube an die Gerechtigkeit der zionistischen Sache seitens Lloyd George und vieler anderer Führungskräfte echt.

Das spiegelte sich in dem Abschnitt des sogenannten Beschlusses von San Remo vom 25. April 1920, die offiziell das Mandat Palästina schuf. Der Beschluss wies die „Mandatsmacht“, in diesem Fall die Briten, ausdrücklich an in der neu gebildeten Einheit eine nationale Heimstatt für das jüdische Volk zu schaffen; das basierte im Großen und Ganzen auf der Balfour-Erklärung.

Darüber hinaus wurde der Text der Erklärung als Teil der Grundlage für den Aufbau einer breiten Koalition zur Unterstützung einer jüdischen nationalen Heimstatt in das Mandat des Völkerbundes aufgenommen.

Als diese wichtigen Ereignisse in den frühen 1920-er Jahren stattfanden, war die Nazi-Partei nicht viel mehr als eine unpopuläre Randgruppe.

Den Holocaust nutzen um Israel zu dämonisieren

Die Beförderung der unangebrachten Theorie, der jüdische Staat sei nur ein Nebenprodukt des Völkermords im Zweiten Weltkrieg, hat einen surrealen Bumeraneffekt gehabt und praktisch die Tür für diejenigen geöffnet, die antizionistische Agenden haben, ebenso für Antisemiten, um Holocaust-Sprache und -Symbole zu kapern, um damit Israels Umgang mit den Palästinenser mit dem der Juden durch die Nazis gleichzusetzen.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan hat seinerseits wiederholt die Gaza-Politik des jüdischen Staates mit dem Umgang der Nazis mit den Juden verglichen. Erdoğan hat gesagt: „Wir betrachten den Holocaust auf dieselbe Weise, wie wir die Belagerung des Gazastreifens und die Ausführung der Massaker darin betrachten.“

Am bekanntesten ist vielleicht, dass der ehemalige iranische Präsident und widerwärtige Antisemit Mahmud Ahmadinedschad im Jahr 2007 Israel beschuldigte den Holocaust als Vorwand für „Völkermord“ an den Palästinensern zu nutzen.

Dann gibt es den ehemaligen Londoner Bürgermeister Ken Livingston. 2018 verlängerte die britische Labour Party seine Suspendierung wegen einer Behauptung von 2016, Adolf  Hitler habe in den 1930-er Jahren den Zionismus unterstützt. Livingston behauptete, er habe lediglich „eine historische Tatsache dargelegt“.

Derweil ist die Initiative „Nie wieder, für niemanden“ ein besonders entsetzliches Beispiel, da sie Israel dämonisiert, indem sie dafür eintritt, dass das Mantra „Nie wieder“ – ausdrücklich geschaffen unter Bezugnahme auf die systematische Ermordung von 6 Millionen Juden – auf das palästinensische Volk angewandt wird.

Das große Problem mit cum hoc ergo propter hoc

Die Vereinigung der uralten Verbindung des jüdischen Volks zum Land Israel, die gewaltigen Bemühungen der zionistischen Bewegung einen jüdischen Staat zu gründen und ein komplexes Aufgebot geopolitischer Faktoren sind verantwortlich dafür, dass Israel geschaffen wurde. Und das wäre wahrscheinlich auch geschehen, wenn der Holocaust nie begangen worden wäre.

Mit der fehlenden Erklärung dieser Realität hat Associated Press, deren Arbeit von mehr als 1.300 Zeitungen und Sendern weltweit veröffentlicht wird, ungewollt oder nicht, die beinahe übernatürliche Verwirklichung durch Beharrlichkeit und harte Arbeit des jüdischen Volkes, die Sehnsucht verleumderisch zu einer Art „Trostpreis“ macht –  geschenkt von einer Welt, die vor den Schrecken des Holocaust die Augen verschlossen hat.

Israelische archäologische Schätze sind im Einklang mit der hebräischen Bibel

5. August 2021

Rachel O’Donoghue, HonestReporting, 27. Juli 2021

Nichts hilft uns besser das Leben von Menschen zu verstehen, die in Israel gelebt haben, als die archäologischen Artefakte, die dort ausgegraben werden. Das Studium der Archäologie hat große Bedeutung, weil es hilft uns alle darüber zu informieren, woher wir kommen. Das Feld erhält weitere Bedeutung im Kontext umstrittenen Landes – die im Heiligen Land offengelegten Artefakte und Funde stellen entscheidende Beweise für den Lebensstil von Juden dar, die vor vielen Jahrhunderten hier lebten.

In diesem geheiligten Land sind Zivilisationen aufgestiegen und gefallen und ihre Geschichte ist in den Relikten erhalten geblieben, die sie hinterließen. Einige Schätze jedoch, die unter der Erde Israels gefunden wurden, sind möglicherweise bedeutender als andere. Insbesondere diejenigen, die die Geschichtlichkeit der hebräischen Bibel bekräftigen.

Hier sind einige der wichtigsten archäologischen Funde in Israel.

Der Siegesstein über Haus von David – 1993

Diese auch als Stele vom Tel Dan bekannte Steinplatte wurde 1993 im Norden Israels gefunden und liefert den Beweis für Israels berühmtesten Herrscher. Die in sie gemeißelte aramäische Inschrift liefert den ersten Beleg der Dynastie von König David außerhalb biblischer Quellen.

Sie ist auf das achte oder neunte Jahrhundert v.Chr. datiert worden und scheint den Sieg König Hazaels von Aram-Damaskus in Syrien über König Joram und König Ahasja aus dem Haus David wiederzugeben. Dieser Bericht unterscheidet sich von dem des Buchs der Könige, wo steht, dass Jehu Joram und Ahasja tötete, bevor er den israelischen Thron übernahm. Die bruchstückhafte Inschrift lautet:

Und schnitt […] mein Vater ging hinaus [gegen ihn, als] er in […] kämpfte […] Und mein Vater legte sich nieder, er ging zu seinen [Vorfahren]. Und der König Israels betrat zuvor das Land meines Vaters. [Und] Hadad machte mich zum König. Und Hadad ging vor mir [und] ich verließ die sieben […] meines Königreichs und ich erschlug [sieb]zig Könige, die tausende Streitwagen und tausend Reiter [auch: Pferde] rüsteten. [Ich tötete Jo]ram, den Sohn von König [Ahab] von Israel und [ich] tötete [Ahasja], Son von [Joram Kö]nig ds Hauses David. Und ich macht [ihre Städte zu Ruinen und verwandelte] ihr Land in [Verwüstung …] andere [… und Jehu herr]schte über Is[rael] … und ich] belagerte es …

Die Stele vom Tel Dan liefert unanfechtbaren Beleg für die Herrschaft Davids und ist damit vielleicht das wichtigste Relikt biblischer Bedeutung, das jemals im jüdischen Staat gefunden wurde.

Das „Haus Davids“, eingraviert in einen Siegesstein (Foto: Israelische Antikenbehörde)

König Salomons Mauer – 2010

Eine dreimonatige Ausgrabung in Israels Hauptstadt Jerusalem vor gerade einmal einem Jahrzehnt brachte einen Teil einer Mauer ans Licht, von der vermutet wird, dass sie aus dem 10. Jahrhundert v.Chr. stammt. Die einflussreiche Archäologin Dr. Eilat Mazar von der Hebräischen Universität in Jerusalem leitete die Grabung an einer Stellenahe des Tempelbergs, die als Ophel bekannt ist. Die Mauer – eindrucksvolle 70 Meter lang und sechs Meter hoch – scheint den Bericht aus dem Buch der Könige zu bestätigen, dass König Salomon in Jerusalem eine gewaltige Verteidigungsbarriere baute (1. Könige 3,1).

„Wir haben nicht viele Könige im zehnten Jahrhundert, die solch ein Bauwerk errichtet haben könnten, praktisch nur David und Salomo“, sagte Dr. Mozar 2010. „Dies ist das erste Mal, dass ein aus dieser Zeit gefundenes Bauwerk mit den schriftlichen Beschreibungen von Salomons Bautätigkeit in Jerusalem übereinstimmt.“ Andere an der Stelle gefundene Relikte schienen ihre Aussage zu bestätigen. Dazu gehörten Frauenfiguren, die Fruchtbarkeit symbolisieren, sowie Griffe von Krügen, auf die die Botschaft „für den König“ eingeritzt sind und Siegel, die hebräische Namen tragen.

Hiskias Tunnel – 1867

Charles Warren entdeckte Hiskias Tunnel 1867, nachdem er geschickt wurde, um Ausgrabungen nahe des Tempelbergs durchzuführen. Der Tunnel, der um das achte Jahrhundert v.Chr. gebaut wurde, bildete einen Teil eines Systems, das Wasser aus der Gihon-Quelle nach innerhalb der Stadtmauern brachte. Seine Entdeckung bestätigt auch den biblischen Bericht, dass Hiskia die Stadt auf eine Belagerung durch die Assyrer vorbereitete, nachdem der König von Juda den assyrischen König Sanherib beleidigt hatte. Eine im Tunnel gefundene Inschrift bestätigt, dass dieses Meisterstück der Ingenieurskunst durch zwei Teams möglich gemacht wurde, die Hacken verwendeten, um sich aus entgegengesetzter Richtung durch Felsen und Schotter zu arbeiten, bis sie sich schließlich in der Mitte trafen.

Amulette von Ketef Hinnom – 1979

Ausgrabungsarbeiten an einem Grab in Ketef Hinnom südwestlich von Jerusalems Altstadt, das ins siebte Jahrhundert v.Chr. datiert wird, legten etwas Bemerkenswertes offen: Zwei winzige Silberrollen, die ursprünglich als Amulette getragen wurden. Es dauerte drei Jahre, bis die Rollen sorgfältig entrollt wurden und während der größte Teil des Textes darin wegen des starken Zerfalls nicht zu entziffern war, erkannten Experten schnell ihre Bedeutung.

Sie sind der früheste aufgeschriebene Abschnitt der hebräischen Bibel, gehen selbst den berühmten Schriftrollen vom Toten Meer um etwa 400 Jahre voraus. Teil der Inschrift ist eine Version von 4. Mose 6,24-26: „Der Herr segne dich und behüte dich! Der Herr sei dir freundlich gesinnt und sei dir gnädig! Der Herr sei dir wohlgesonnen und gebe dir Frieden!“

Die Amulette von Ketef Hinnom sind der älteste bekannte Text aus der hebräischen Bibel (Foto: Israelische Antikenbehörde)

Jerusalems Stadtmauer – 2021

Erst diesen Monat [Juli 2021 – heplev] haben Archäologen, die am Nationalpark Davidstadt arbeiten, eine aufregende Ankündigung gemacht, die die biblische Beschreibung des von König Nebukadnezar 586 v.Chr. geführten babylonischen Einmarschs in Jerusalem und dem folgenden Exil des jüdischen Volks bestätigen. Die Entdeckung einer antiken Mauer, die fünf Meter breit ist, bestätigt Berichte der Bibel, dass Jerusalem mit einem gewaltigen Bauwerk befestigt war.

Die Ausgrabungen koordinierte Dr. Filip Vukosavovic vom Ancient Jerusalem Research Center an der Seite von Dr. Joe Uziel und Ortal Chalaf für die israelische Antikenbehörde. „Als wir den ersten Teil der Mauer aufdeckten, ein Bereich von etwa einem Meter mal einem Meter, begriff ich sofort, was wir gefunden hatten“, sagte Dr. Vukosavovic. „Ich weinte beinahe.“

„Ramsch-Wissenschaft“: Aschkenasische Juden sind keine Nachkommen von chasarischen Konvertiten

29. Juli 2021

Akiva Van Koningsveld, HonestReporting, 13. Juli 2021

Was haben Palästinenserführer, weiße Rassisten und Mitglieder der Black Hebrew Israelite-Bewegung gemeinsam? Es ist der Glaube an den sogenannten „Chasaren-Mythos“, der viele Antisemiten aus dem gesamten ideologischen Spektrum eint. Im Juni wiederholte PA-Premierminister Mohammed Schtayyeh diese Behauptung: „Es gibt keine Verbindung zwischen den Israelis und den Juden“, versicherte er. „Ohne in Details zu gehen – sie sind chasarische Juden, die im sechsten Jahrhundert n.Chr. zum Judentum konvertierten“, gab Schtayyeh an.

Versuchen Sie mal, das zu verstehen.

Seine Rede wiederholte frühere Äußerungen von PA-Präsident Mahmud Abbas, der 2018 fälschlich suggerierte, dass osteuropäische Juden – anders als Misrahi-Juden, deren Wurzeln in arabische Länder zurückverfolgt werden können – „keine Semiten sind und sie haben keine Verbindung zum Semitismus oder Abraham, Jakob“, da sie angeblich Nachkommen von Bekehrten aus dem „Königreich der Chasaren“ sind.

Antisemiten wie die ehemalige US-Kongressabgeordnete Cynthia McKinney, der Schütze von Jersey City und ein Moderator von Qatars Al-Jazira haben die Verleumdung ebenfalls verbreitet.

Mit dem Bestehen darauf, dass aschkenasische Juden in Wirklichkeit „Fake-Juden“ sind, versuchen sie die unbestreitbare, tausende Jahre alte Verbindung zwischen dem jüdischen Volk und dem Land Israel zu widerlegen. In Wirklichkeit ist die Theorie um die Chasaren-Konversion zum Judentum von den meisten ernsthaften Wissenschaftlern verworfen worden – es war sogar von „Schrott-Wissenschaften“ die Rede.

Die „Chasaren-Hypothese“ wurde der allgemeinen Öffentlichkeit erstmals 1976 von Arthur Koestler bekannt gemacht, einem in Ungarn geborenen jüdischen Autor und Journalisten. Sein inzwischen widerlegtes Buch Der dreizehnte Stamm: Das Chasaren-Reich und sein Erbe, spekulierte: „Der Hauptteil der osteuropäischen Juden – und daher des Weltjudentums – ist chasarisch-türkischer statt semitischer Abstammung“, was impliziert, dass sie keine Nachkommen Abrahams sind – denen Gott nach Angaben der Bibel das Land Israel versprochen hat.

Das Chasarenreich war ein multiethnisches Königreich in der heutigen Ukraine und Russland, das von etwa 650 bis 969 n.Chr. bestand. Nach Angaben einer weithin für wahr gehaltenen Erzählung nahm die Herrscherklasse des Reichs irgendwann – im achten oder neunten Jahrhundert – das Judentum an; dem folgte eine weit verbreitete Bekehrung im Volk.

Springen wir ein paar Jahrhunderte weiter, in die Mitte des 13. Jahrhunderts. Die Mongolen besiegten das Chasarenreich, was dessen völligen Zusammenbruch zur Folge hatte. Hier kommt Koestlers Theorie ins Spiel: Die Chasaren, argumentierte er, verschwanden nicht einfach. Stattdessen endeten sie in Ländern wie der Ukraine, Polen, Ungarn und Deutschland, wo sie die bestehende jüdische Bevölkerung zahlenmäßig enorm übertrafen. Seine Theorie schlussfolgert, dass die Chasaren-Bevölkerung schließlich so zunahm, dass sie die Mehrheit des Weltjudentums stellte.

Schlecht recherchierte Chasaren-Theorie wird Werkzeug für Antisemiten

Von Anfang an diente diese schlecht recherchierte Hypothese Antisemiten als Werkzeug. Der Ku Klux Klan machte das schon 1926 zur Waffe, als die weiße Rassistengruppe lautstark jüdische Zuwanderung in die Vereinigten Staaten verdammte und behauptete, dass osteuropäische Juden „keine wahren Juden sind, sondern nur judaisierte Mongolen – Chazaren“.

Ironischerweise wollte Koestlers Buch ursprünglich dem Antisemitismus ein Ende setzen. Mit der Unterstellung, dass die meisten modernen Juden nichts mit der biblischen Nation zu tun haben, versuchte er die Rassenbasis für Judenhass zu beseitigen. So schrieb er in Der Dreizehnte Stamm:

Wenn dem so ist, würde das bedeuten, dass ihre Vorfahren nicht vom Jordan kommen, sondern von der Wolga, nicht aus Kanaan, sondern aus dem Kaukasus, von dem man einst annahm, dass er die Wiege der arischen Rasse ist; und dass sie genetisch näher an den Hunnen-, Uiguren- und Magyaren-Stämmen sind am Samen Abrahams, Isaaks und Jakobs. Sollte es sich herausstellen, dass dem so ist, dann würde der Begriff „Antisemitismus“ auf Grundlage einer Verkennung, die von Mördern wie auch ihren Opfern geteilt wird, jegliche Bedeutung verlieren.

Offenkundig schlug seine Mission fehl und Antisemiten wurden weiter ermutigt, als der israelische Molekulargenetiker Eran Elhaik 2012 eine Studie veröffentlichte, die die Theorie angeblich bewies. Elhaik verglich die DNA von Juden mit der von Armeniern und Georgiern, die er als Ersatz für die Chasaren benutzte. „Unsere Untersuchungsergebnisse unterstützen die Chasaren-Hypothese und porträtieren das europäisch-jüdische Genom als Mosaik nahöstlich-kaukasischer, europäischer und semitischer Herkunft“, lautete die Schlussfolgerung der Studie.

Allerdings wurde Koestlers wie auch Elhaiks Forschung von zahllosen anderen schnell widerlegt; einige der Experten verwiesen sogar auf Vertreter der Theorie als „Ausreißer … die eine Minderheitsansicht haben, die wissenschaftlich nicht gestützt wird“. Andere haben die Chasaren-Hypothese als „Ramsch-Wissenschaft“ bezeichnet.

Tatsächlich ist die Chasaren-Hypothese von praktisch jedem Bereich der Wissenschaften widerlegt worden. Historiker z.B. betonen, dass das Königreich höchstwahrscheinlich nie zum Judentum konvertierte. Archäologen fanden in ehemals chasarischem Land fast keine Artefakte, die jüdische Symbole hatten. Darüber hinaus stellen Linguisten heraus, dass Jiddisch – Jahrhunderte lang die von osteuropäischen Juden gesprochene Sprache – nicht einmal ansatzweise der im Chasarenreich verwendeten Sprach ähnelte; auch haben in den letzten 600 Jahren verwendete jüdische Nachnamen keine Verbindung zu dem Königreich.

Experten für jüdische Genetik griffen Elhaiks „Befunde“ an; sie argumentierten, dass er „die Statistik auf eine Art und Weise anzuwenden scheint, die ihm Ergebnisse bringt, die sich von dem unterscheiden, was alle anderen aus den im wesentlichen gleichen Daten holten“. Fakt ist, dass die meisten DNA-Forschung genau das Gegenteil beweist: nämlich dass die europäischen Juden eng mit den Bevölkerungen des Nahen Ostens verwandt sind.

Der größte Teil seiner Forschung ist schon lange offen verfügbar; führende Wissenschaftler haben Elhaiks Schrift innerhalb eines Jahres nach ihrer Veröffentlichung widerlegt. Trotzdem nutzen Judenhasser wie Antizionisten den Chasasren-Mythos, um die Jahrtausende alte jüdische Verbindung zum Land Israel zu leugnen.

Interessanterweise hat Elhaik – der sieben Jahre in der israelischen Armee diente – gesagt, es bereite ihm Sorge, dass Einzelpersonen seine Forschung für verachtenswerten Zwecke benutzen. Koestler seinerseits erklärte, dass das „Problem der Chasaren-Infusion vor tausend Jahren … für das moderne Israel irrelevant ist“, da die Existenz des jüdischen Staates aus seiner Sicht auf Entscheidungen basiert, die von der internationalen Gemeinschaft getroffen wurden.

Das antizionistische Argument ist aus weiteren wichtigen Gründen fehlerhaft: Heißt, die meisten jüdischen Israelis sind nicht europäischer Herkunft. 2018 identifizierten sich nach Angaben von Recherche der Universität Tel Aviv nur 31,8 Prozent der israelischen Juden als aschkenasisch (osteuropäisch). Ein beträchtlich größerer Anteil – rund 45 Prozent – identifizieren sich als Mizrahi – ein Oberbegriff für die Juden, die aus arabischen Ländern ins werdende Israel flohen. Israelis jemenitischer Herkunft z.B. verfolgen ihre Wurzeln in der Region bis in biblische Zeiten zurück.

Die Tatsache, dass Millionen israelischer Mizrahim im Nahen Osten indigen sind, ist nicht zu bestreiten.

„Das Historische Palästina“ – ein irreführender Anachronismus

8. April 2021

Aslo Aizenberg, HonestReporting, 29. März 2021

Das „historische Palästina“ ist ein landläufig verwendter Begriff, wenn der arabisch-israelische Konflikt diskutiert wird. Die Wendung suggeriert, dass in der Vergangenheit eine als Palästina bekannte Nation existierte, wobei das Wort „historisch“ den Eindruck vermittelt, dass diese Nation in der Region tief verwurzelt ist und damit einen natürlichen Anspruch hat in Form eines modernen Staats namens Palästina wiederbelebt zu werden. Indem auf das Land so ohne Erwähnung jüdischer Geschichte verwiesen wird, wird auch subtil angedeutet, dass jüdische Präsenz in der Region fremd ist.

Dieser Artikel diskutiert die Herkunft und Evolution der Verwendung von „Palästina“ als Ortsname und dass aktuelle Vorstellungen des „historischen Palästina“ allesamt auf einem falschen Verständnis der geografischen und politischen Historie der Region beruhen.

Das historische Palästina im heutigen Gebrauch bezieht sich auf das Territorium, das jetzt Israel, die Westbank und den Gazastreifen umfasst. Hier sind mehrere markante Beispiele der Verwendung des Begriffs.

  • Saeb Erekat, Chefunterhändler der palästinensischen Autonomiebehörde, erkärte in einem im Mai 2019 in der New York Times veröffentlichten Kommentarartikel, die Palästinenser würden Israel in den „Grenzen von 1967, gleichbedeutend mit 78 Prozent des historischen Palästina“ anerkennen.[i] Auf welches „historische Palästina“ bezog sich Erekat und umfasst Israel wirklich 78% dieses „historischen“ Territoriums?
  • Die Columbia Journalism Review veröffentlichte im Januar 2019 einen Artikel mit der Überschrift „Palstinensische Bürger Israels kämpfen darum ihre Geschichte zu erzählen“, in der der Autor behauptete: „Das historische Palästina unter osmanischer und britischer Kontrolle hatte eine blühende arabische Presse.“[ii] War Palästina jemals ein Territorium unter osmansicher Kontrolle?
  • Ein Artikel im The Washington Report vom Juni 2019 zu Nahost-Angelegenheiten über Trumps „Deal des Jahrhunderts“ für den Frieden im Nahen Osten erklärt, dass der Deal dem „neue Palästina“ die Verantwortung „über 12 Prozent des historischen Palästina“ überlassen könnte.[iii] Welches Gebiet des Landes wurde verwendet, um bei dieser Zahl anzugelangen?
  • Präsident Abbas stellte im November 2012 in seiner Rede vor den Vereinten Nationen Folgendes fest: „Die Zweistaatenlösung, d.h. der an der Seite des Staates Israel koexistierende Staat Palästina, repräsentiert den Geist und das Wesen des historischen Kompromisses, der in der Prinzipienerklärung von Oslo verkörpert wird, der vor 19 Jahren zwischen der Palästinenesischen Befreiungsorganisation (PLO) und der Regierung Israels unter der Schirmherrschaft der USA auf dem Rasen des Weißen Hauses unterschriebenen Vereinbarung, ein Kompromiss, bei dem das palästinensische Volk um des Friedensschlusses willen akzeptierte seinen Staat auf nur 22% des Territoriums des historischen Palästina zu gründen.“[iv] Ist diese Zahl von 22% akkurat?

Geografische Geschichte des Heiligen Landes

Palästina, oder offiziell „Provinica Syria Palaestina“, war ein von den Römern 135 n.Chr. erfundener Name als Ersatz für „Judäa“, im Versuch, nach der Niederlage Bar Kohbas bei der jüdischen Rebellion gegen das römische Reich alle Bezeichnungen des Judentums in der Region zu verdrängen. Ebenso wurde Jerusalem offiziell in Aelia Capitolina umbenannt. Im vierten Jahrhundert wurde die Provinz in drei kleinere Einheiten aufgeteilt: Palaestina Prima, Palaestina Secunda und Palaestina Tertia (s. Karte A). Beachten Sie, dass die neuen Provinzen horizontal organisiert waren und Gebiete auf beiden Seiten des Jordan umfassten.

Karte A. Das römische Palästina

Im frühen siebten Jahrhundert kam in Arabien der Islam auf und muslimische Armeen begannen große Teile des Nahen Ostens zu erobern, darunter im Jahr 640 n.Chr. die drei „Palaestinas“. Die muslimischen Eroberer behielten die römisch-byzantinische Teilung der Region weitgehend bei: Paleastina Prima wurde in „Jund Filastin“ (Militärdistrikt Filastin) umbenannt und Palaestina Secunda wurde nach dem Jordan in „Jund Al-Urdunn“ umbenannt. Palaestina Tertia hörte auf ein eigener Distrikt zu sein und wurde Teil des Wüstenterritoriums im Süden. Jund Filastin und Jund Al-Urdunn umfassten zwei von fünf Provinzen (dazu gab es Jund Dimaschk, Jund Hims und Jund Kinnasrin), die eine größere geografische Region bildeten, die auf Arabisch als „Esch-Scham“ oder „Bilad al-Scham“ bekannt war. Bilad al-Scham bedeutete „Land der linken Hand“, im Gegensatz zu „Bilad al-Yaman“, was „Land der rechten Hand“ bedeutete. Wenn man in Mekka oder Medina stand und nach Osten schaute, lag Bilad al-Scham zur Linken oder im Norden, während Bilad al-Yaman rechts oder im Süden lag. „Esch-Scham“ bezog sich auch auf die Stadt Damaskus und seine weitere Bedeutung war, dass die gesamte Region von Damaskus aus regiert wurde. Esch-Scham wurde später mit „Syrien“ und dem Konzept von „Großsyrien“ assoziiert, was weiter unten diskutiert wird.

Esch-Scham und die Jud-Distrikte bleiben bis zur Eroberung durch die christlichen Kreuzritter 1099 in Kraft. Das neu geformte Lateinische Königreich Jerusalem begann als kleines Territorium, weitete sich dann allmählich aus, um ein Gebiet zu umfassen, das sich in seiner größten Ausdehnung von einem Punkt nördlich von Beirut bis zur Wüste Sinai und auf beiden Seiten des Jordan erstreckte, wie Karte B zeigt. Die christlichen Herrscher nannten keine Provinz oder Bezirk Palästina. Im Verlauf der nächsten zwei Jahrhunderte führte eine Serie von miltärischen Aktionen mit einem Hin und Her zwischen Muslimen und Christen zu fließenden Grenzen, aber am Ende des dreizehnten Jahrhunderts wurden die Kreuzritter von den Mameluken komplett vertrieben. Die Kreuzritter-Periode und die Gründung des Lateinischen Königreichs Jerusalem flößten innerhalb der christlichen Welt ein Bewusstsein des heiligen Landes als einer geografischen Einheit ein und verstärkten religiöse Zuordnungen mit der Region, die bis ins 19. und 20. Jahrhundert weitergetragen wurden.

Karte B: das Lateinische Königreich Jerusalem

Die Mameluken blieben die nächsten Jahrhunderte in Kontorolle und führten neue geografische Einteilungen ein; sie benannten Provinzen entsprechend ihrer Hauptstädte. Die meiste Zeit dieser Periode war das Land beiderseits des Jordan in sechs Distrikte eingeteilt, deren Hauptstädte in Gaza, Hebron, Jerusalem, Ludd, Nablus und Qaqun (eine Stadt nördlich von Jaffa) waren. Wie bei früheren muslimischen Reichen wurden diese Distrikte als Teil eines größeren Territoriums Esch-Scham/Bilad al-Scham betrachtet, deren Zentrum Damaskus war. Die Mameluken nannten keinerlei Territorium Palästina/Filastin, das inzwischen wenig andere Bedeutung hatte als der frührere Name einer Provinz des lange untergegangenen christlichen, römisch-byzantinischen Imperiums zu sein.

1516 wurden die Mamluken von einem weiteren muslimischen Imperium abgelöst, dem der osmanischen Türken, die aus Kleinasien kamen. Die Türken führten neue gegrafische Bezeichnungen für ihre Eroberungen ein; sie teilten das Territorium in Verwaltungsprovinzen ein, die als Eyalets bekannt waren. Anfangs wurde der größte Teil des Territoriums, das heute Syrien, den Libanon, Jordanien, Israel, die Westbank und den Gazastreifen ausmacht (die als die „modernen Staaten“ bezeichnet werden können) in das einzelne Eyalet Sam eingegliedert, das allgemein der armen Region entsprach, die man als „Esch-Scham“ kannte. Einmal mehr war es so, dass die Osmanen keinerlei Territorium als Palästina/Filastin bezeichneten, obwohl die Osmanen natürlich die Geschichte der Region und ihre alten Namen kannten. Palästina war zudem für Juden ein irrelevanter Name geworden, sie zogen “Eretz Israel” (Land of Israel) vor; gleiches gilt für die Araber und Muslime, die weiterhin von Esch-Scham sprachen. Selbst bei Christen war Palsätina ein verlorener Name für den Großteil des osmanischen Gebiets, da sie es vorzogen die Region das „Heilige Land“ oder „Judäa“ zu nennen.

Die Verwaltungsgrenzen und Namen der Eyalets veränderten sich im Verlauf der Jahrhunderte mehrmals und im frühen 19. Jahrhundert wurde das Eyalet Sam in drei neue Eyalets aufgeteilt: Aleppo, Sidon und Damaskus. Die Gegend, die üblicherweise mit dem Heiligen Land assoziiert wird, bestand im Großen und Ganzen aus den Eyalets Sidon und Damaskus, also wurde die Verwaltung vom heutigen Libanon und Syrien aus gehandhabt. 1864 verfügten die Osmanen eine weitere Neuorganisation der Verwaltung, die die alten Eyalets zugunsten neuer Provinzen abschaffte, die Vilayets hießen, die dann weiter in Unterbezirke aufgeteilt wurden, die Sanjaks hießen. Jedes Vilayet wurde von einem Vali oder Generalgouverneur und jeder Sanjak wurde von einem Mutesarrif regiert. Die Neuorganisation schuf ein neues Vilayet Suriya (die arabische Form von Syrien), das im Wesentlichen eine Union der früheren Eyalts Sidon und Damaskus war, wobei der Vali in Damaskus saß, das den Großteil des Territoriums dser modernen Staaten umfasste. Die Gründung dieser Provinz war das erste Mal, dass der Name „Syrien“ von den Osmanen offiziell verwendet wurde, um ein Gebiet zu benennen.

Weniger als ein Jahrzehnt später, 1873, führten die Osmanen eine weiterte Verwaltungsänderung bei den Bezirken ein, indem ein Teil des Vilalyet Suriya genommen wurde, um daraus eine Provinz namens „Mutasarrifiya Jerusalem“ zu machen. Eine Mutasarrifiya (oder Mutessariflik) war eine Provinz ähnlich einem Vilayet mit einem Gouverneur, der direkt dem Sultan unterstand. Der Sultan schuf diese Provinz mit Hauptquartier in Jerusalem, das ihm direkt unterstand, weil die heilige Stadt in der Weltpolitik immer wichtiger wurde, hauptsächlich infolge des zunehmenden europäischen Interesses an der Region. 1888 wurde das Vilayet Suriya mit der Schaffung eines neuen Vilayets Beirut weiter verkleinert; das Vilayet Beirut enthielt fünf Sanjaks: Latakia, Tripoli, Beirut, Akko und Nablus. Diese Verwaltungstrukturt, wie Karte C sie zeigt, blieb bis zum Ersten Weltkrieg allgemein stabil.[v] Der lila Bereich zeigt das verkleinerte VIlayet Syrien, die neue Mutasarrifiya Jerusalem ist rosa. Das neue Vilayet Beirut liegt nördlich der Mutasarrifiya Jerualem in orange. Mit dieser Organisation waren Bereiche, die normalerweise als Teil Palästinas gelten – z.B. Nablus, Haifa und Akko – Teil der Provinz Beirut, was nicht ungewöhnlich ist, weil die Osmanen zwischen Bereichen im heutigen Norden Israels und dem Süden des Libanon keinen Unterschied machten. Die einzige Gemeinsamkeit durch die ganzen Verwaltungsänderungen unter osmanischer Kontrolle hindurch besteht darin, dass Palästina als Ortsname niemals in Betracht kam, nicht einmal für eine kleinere Verwaltungseinheit wie einen Sanjak. Als der Erste Weltkrieg ausbrach, war „Palästina“ als Ort fast ein Jahrtausend lang nicht mehr existent, ein Überbleibsel antiker römischer Herrschaft.[vi]

Karte C: Osmanische Verwaltungseinheiten (Vilayets) 1903
Karte C (2)

Palästina: Pflege eines antiken Namens

Selbst unter den osmanischen Türken, die die Region Jahrunderte lang kontrollierten und ihre eigenen politischen Grenzen unterhielten, die den lange ausgestorbenen Ort namens „Palästina“ nicht enthielten, und obwohl niemand in der Region sich als „Palästinenser” betrachtet hätte, kam der Begriff im 19. Jahrhundert wieder in Gebrauch – aber nicht durch die Araber oder jüdische Einwohner der Region oder die herrschenden Osmanen, sondern durch Christen aus dem Ausland. Irgendwann in der europäischen Renaissance mit ihrem erneuerten Interesse an der klassischen Welt, kam wieder christliches Interesse an dem römischen Namen „Palaestina“ auf, später gestärkt durch Napoleons Vorstoß in den Nahen Osten im Jahr 1799. Obwohl er von den Osmanen, Juden, Muslimen, Arabern und sogar den meisten Christen lange schon ausrangiert wurde, wurde der Jahrhunderte alte Name für das alte römische Land Jesu und der Bibel wieder aktuell.[vii]

Der erste Versuch ein eingenes Gebiet namens „Palästina“ präzise zu kartieren und abzugrenzen wird normalerweise Pierre Jacotin, einem Mitglied der Entourage Napoleons, zugeschrieben und kurz nach der Expedition veröffentlicht. Im 19. Jahrhundert wurden viele weitere Landkarten produziert, aber die Version mit der höchsten Qualität wurde 1878 vom Palestine Exploration Fund veröffentlicht. Diese Landkarten hatten wenig mit der Wirklickeit der tatsächlichen politischen Grenzen gemein, die von der türkischen Obrigkeit etabliert wurden und gründeten stattdessen auf Vorstellungen eines Gebiets, das in der Bibel umrissen war. Ein Gelehrter der Geografie der Region  des 19. Jahrhunderts erklärte: „… diese Kartographen waren vielleicht mehr damit beschäftigt das Buch Josua zu illustrieren als daran, zukünftigen Historikern des osmanischen Reiches zu helfen…“[viii] Wie man erwarten konnte, varriierten die Karten zudem beträchtlich, da die Kartografen unsicher waren, wie das Territorium auf Grundlage von nur verbalen Beschreibungen in antiken Texten gezeigt werden sollte. Ein Beispiel findet sich in Karte D, die 1892 in Deutschland veröffenlicht wurde. Sie zeigt Palästina sowie eingeklinkt die antiken Stämme Israels und das Hochland von Judäa.[ix] Die Encyclopedia Britannica von 1911 beschreibt die Unklarheit dieses schwammigen Ortes namens Palästina:

PALÄSTINA, ein geografischer Name, der eher lose verwendet wird. Etymologische Genauigkeit würde erfordern nur den schmalen Küstenstreifen so zu bezeichnen, der einst von den Philistern besetzt war, von denen der Name abgeleitet ist. Er wird jedoch herkömmlicherweise als Name für ein Territorium verwendet, das im Alten Testament als Erbteil der Hebräer vor dem Exil angegeben wird; somit könnte allgemein gesagt werden, dass es sich um das südliche Drittel der Provinz Syrien handelte. Außer im Westen, wo das Land ans Mittelmeer grenzt, kann die Grenze des Landes auf der Karte nicht als definitive Linie festgelegt werden. Die modernen Unterteiliungen unter der Zuständigkeit des osmanischen Reichs sind keineswegs deckungsgleich mit denen der Antike und bieten daher keine Grenze, nach der Palästina genau vom Rest Syriens im Norden oder von der Sinai bzw. der Arabischen Wüste im Süden und Osten getrennt werden kann; es gibt auch keine Aufzeichnungn antiker Grenzen, die ausreichen, um die vollen und eindeutigen Grenzen angeben, um die komplette Grenzziehung für das Land möglich macht… Nimmt man als Anhaltspunkt die natürlichen Gegebenheiten, die diesen Gegebenheiten am besten entsprechen, dann können wir Palästina als den Streifen Land beschreiben, der sich entlang des Ostufers des Mittelmeers von der Mündung des Flusses Litani oder Kasimiya (33° 20‘ N) nach Süden bis zur Mündung des Wadi Ghuzza erstreckt; Letzteres stößt bei 31° 28‘ N, etwas südlich von Gaza, ans Meer und verläuft dann in südöstlicher Richtung, so dass es an seiner nörldichen Seite den Ort Beersheba einschließt. Nach Osten gibt es eine solche Grenze nicht. Es stimmt, dass der Jordan eine Abgrenzungslinie zwischen dem westlichen und dem östlichen Palästina bildet; aber es praktisch nicht zu sagen, wo letzteres endet und die Arabische Wüste beginnt. Vielleicht ist die Linie der PIlgerstraße von Damaskus nach Mekka die geeignetste mögliche Grenze.

Wie in dieser maßgeblichen, in Großbritannien veröffentlichten Enzyklopädie veröffentlicht, gehörten zu Palästina Teile des heutigen Südliblllanon und Territorium östlich des Jordan, aber wenig von der Wüste Negev.

Karte D: In Deutschlanad veröffentlichte Landkarte Palästinas, 1892

Das historische Palästina: ein Anachronismus

Die tatsächliche politische Geografie der Region wurde in den meisten Weltatlanten akkurat dargestellt, korrekt in Karten des osmanischen Reichs der Türkei einbezogen oder genauer der „asiatischen Türkei“ (wie schon in Karte C gezeigt), gegenüber der „europäischen Türkei“. Diese Landkarten zeigen korrekt die osmanischen Einteilungen, ohne dass Palästina zu finden war, weil es nicht existierte. Seltsamerweise, aber entsprechend dem biblischen Interesse am Heiligen Land seitens Christen in Europa und Amerika, beinhalteten dieselben modernen Weltatlanten neben der der osmanischen Türkei zusätzlich eine Karte von „Palästina“, wie man an disem Beispiel von Rand, McNallys „Geschäftsatlas“ sehen kann, der 1892 veröffentlicht wurde (s. Karte E, ähnlich dem deutschen Beispiel in Karte D).[x] Diese kuriose Entscheidung wäre ähnlich einem Weltaltas von 2019, der zum Beispiele eine Landkarte des modernen Irak wiedergibt und dann auf einer anderen Seite eine Landkarte des antiken Sumer zeigt – ohne dass eine andere antike Landkarte oder untergeganger Geograife irgendeines anderen Landes angeboten wird. Warum gaben diese zeitgenössischen Atlas-Verlage eine Karte Palästinas an, die auf die Römerzeit zurückging? Wegen des Glaubens, dass das Land Jesu ein Lese-Muss war, selbst in einem Atlas, der sich der Darstellung der modernen Welt widmete.

Karte E: In den USA veröffentlichte Lankarte Palästinas, 1892

Viele moderne Historiker haben diesen Anachronismus übernommen, beschreiben oder zeigen manchmal Palästina, wie es angeblich während der Zeit der Osmanen erschien.[xi] All diese Darstellungen sind allerings fehlerhaft, da die Osmanen kein einziges Gebiet als Palästina bezeichneten oder den Namen in irgendeiner offiziellen Funktion verwendeten.[xii] Leider ist es Brauch geworden die heutige typische Definition des „historischen Palästina“ (d.h. des Gebiets, das das heutige Israel, die Westbank und dne Gazastreifen umfasst) über die Landkarten des osmanischen Reichs zu legen, womit der falsche Eindruck vermittelt wird, die Definition von heute gründe auf irgendeine Weise auf osmanischer Geografie.

Die Briten und Franzosen sollten später das osmanische Vilayet-System ebenfalls ignorieren; stattdessen zerstückelten sie die Region einzig auf Grundlage der Bedürfnisse der beiden Mächte. Bemerkenswert ist: Als die Briten nach dem Ersten Weltkrieg mit den Franzosen über die Grenzen des neuen Mandats Palästina verhandelten, gründete die ursprüngliche britische Haltung auf der vagen biblischen Benennung des Landes Israels als „von Dan bis Beersheva“ (1. Samuel 24,2) liegend. Gideon Berger, ein bekannter Erforscher der Geografie der Region, erklärt: „Diese biblische Formel, die von den die Bibel kennenden Briten vorgetragen wurde, ist schnell zur zentralen Formel bei der Festlegung der zukünftigen Grenzen Palästinas geworden.“[xiii]

Diese in der heutigen Diskussion über den Konflikt beschworenen, von oden Europäern des zwanzigsten Jahrhunderts geschaffenen Grenzen werden heute als langjährig und heilig behandelt, während die osmanischen Benennungen eine lange zurückliegende Erinnerung. Ein weiterer Kernfehler in der heutigen Verwendung von „historisches Palästina“ ist, dass die gebräuchliche Definition Gebiete östlich des Jordan ausschließt, obwohl die ganze Geschichte hindurch, von der römisch-byzantinischen Zeit bis ins 19. Jahrhundert, Landkarten bis zur ursprünglichen Bildung des britischen Mandats Palästina, Teile des modernen Jordanien IMMER als Teil Palästinas betrachtet wurden.

Es ist in Wirklichkeit „das historische Syrien“

Während sich die Begrifflichkeiten des heiligen Landes oft auf Palästina konzentirerten, ist es für das Verständnis der geografischen Geschichte der Region wichtig die Verwendung und Geografie von Syrien zu verstehen. Genau genommen übernahmen die Osmanen „Syrien“ als den Namen für eines ihrer Vilayets, das die Jahrhunderte alte Bezeichnung der Region als „Esch-Scham“ ersetzte. Über den Einfluss der christlich-arabischen Literatur und westeuropäischer Verwendung während des 19. Jahrhunderts kam es dazu, dass die moderne arabische Form von Syrien (oder „Suriya“) in regelmäßigen Gebrauch kam und Ende des Jahrhunderts ersetzte er selbst im muslimisch-arabischen allgemeinen Gebrauch Esch-Sham oder Bilad al-Scham. Die modernen Staaten, einschließlich Israls, waren eigentlich alle Teil dessen, was besser als das „historische Syrien“ oder seinem früheren Gegenstück Esch-Scham beschrieben würde, nicht als „historisches Palästina“, eine Tatsache, die in der heutigen Diskussion über den Nahen Osten komplett verloren gegangen ist. Eine ausgezeichnete Darstellung davon, wie die Region allgemein als Syrien bekannt war, findet sich in Karte F, veröffentlicht vom französischen Geografen Vital Cuinet im Jahr 1896, die das Vilayet Syrien und die osmanischen Verwaltungseinheiten zeigt.

Karte F: Das osmanischei Syrien

Die damalige lokale arabische Bevölkerung hätte ebenfalls allgemein die gesamte Region als Syrien und sich selbst als „Syrer“ (oder nach dem früheren Namen Esch-Scham/Bilad al-Scham) bezeichnet, wie sie es in den aufeinander folgenden muslimischen Reichen viele Jahrhunderte lang gemacht hatten. Diese präzise Erinnerung an „Groß-Syrien“ dauerte Jahrzehne lang, wie es Faiz El-Khouri, Minister der syrischen Gesandtschaft in Washington in seiner Rede vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen am 14. Mai 1947 zur Palästina-Frage ausdrückte:

… Ich möchte der Vollversammlung gerne erklären, wie die Position Syriens in Bezug auf Palästina aussieht. Ich denke, die meisten von Ihnen, wenn nicht alle, wissen, dass Palästina eine syrische Provinz war. Es gibt dort geografische, historische, rassische und religiöse Verbindungen. Es gibt nicht einen einzigen Unterschied zwischen den Palästinensern und den Syrern und ohne die Balfour-Erklärung und die Bestimmungen des Mandats wäre  Palästina heute eine syrische Provinz, wie sie das früher immer war.[xiv]

Ein früheres Beispiel der Verbindungen zu Syrien ist in einer Resolution des Ersten Kongresses der Muslimisch-Christlichen Gesellschaft zu finden, der im Januar 1918 in Jerusalem stattfand. Er wurde zusammengerufen, um arabische Delegierte für die erste Friedenskonferenz nach dem Ersten Weltkrieg auszuwählen. In der Resolution hieß es: „Wir betrachten Palästina als Teil des arabischen Syrien, da es von diesem zu keiner Zeit getrennt war. Wir sind mit ihm durch nationale, religiöse, sprachliche, natürliche, wirtschaftliche und geografische Bande verbunden.“[xv] Es gab eine deutliche Anerkenntnis, dass Palästina eine künstliche Schöpfung des christlichen Europa war und der Kongress es vorzog sich auf die lange bestehende Benennung der Region als Syrien zu konzentrieren.

Natürlich sind all diese Fakten im heutigen Diskurs verloren gegangen, mit einer Verschleierung der historischen Wirklichkeit, es habe ein eigenständiges sowohl ethnisches als auch geografisches palästinensisches Bewusstsein gegeben, das aber erst im 20. Jahrhundert aufkam. Syrien ist der bei weitem genauere Begriff, der auf die Menschen und die Geografie der Region angewendet werden sollte, wenn das Wort „historisch“ verwendet wird.

Die Bildung des modernen Palästina

Palästina als formell-politische Einheit entstand als Ergebnis von Handeln, das von den wichtigsten Alliierten Mächte nach dem Ersten Weltkrieg auf der im April 1920 abgehaltenen Konferenz von San Remo unternommen wurde. Die Resolution von San Remo mit Datum vom 25. April 1920 war das Dokument, das offiziell ein Mandat für Palästina schuf und den Briten die Kontrolle über das Gebiet übertrug. Die Resolution wies die „Mandatsmacht“, also die Briten, an, eine nationale Heimstatt für das jüdische Volk in der neuen Entität einzurichten; die Grundlage dafür war die zuvor ausgegebene Balfour-Erklärung.

Am 1. Juli 1920 setzten die Briten die in der Resolution von San Remo umrissenen Vereinbarungen um und beendeten die Militärverwaltung des Territoriums, das offiziell „Occupied Enemy Territory Administration“ (OETA) hieß. Palästina war geboren. Die ursprünglichen Grenzen des Mandats Palästina, wie sie von den Hauptmächten in der Region – Großbritannien und Frankreich – vereinbart waren, einschließlich des gesamten Territoriums, das heute Israel, Jordanien, die Westbank und den Gazastreifen beinhaltet. Die Briten wählten den Namen „Palästina“ in Übereinstimmung mit christlich-europäischer Tradition, wobei sie wiederum lokale Terminologie und osmanische Benennungen ignorierten. Als Zugeständnis an die jüdische Bevölkerung und in Bestätigung der Balfour-Erklärung fügten sie der hebärischen Form des Namens Palästina die Initialen „aleph“ und „yud“ (die für Eretz Israel standen, das „Land Israel“) hinzu. Im Verlauf der nächsten drei Jahre sollten ständige Verhandlungen mit den Franzosen und andere regionale Ereignisse zu beträchtlichen Veränderungen der Grenzen des Mandats Palästina führen. Diese modifizierten Grenzen sollten schließlich die Grenzlinien für die Staaten des heutigen Nahen Ostens und wiederum als scheinbar heilige historische Grenzen kanonisiert werden.

Während dieser Diskussionen zwischen den Mächten beschlossen die Briten aus Gründen, die über den Umfang dieses Artikels hinausgehen, einseitig 77% des den Briten in San Remo bewilligten Mandats Palästina herauszunehmen und unter die Kontrolle Abdallahs zu stellen, den sie den neuen Emir von Transjordanien nannten (siehe Karte G). Diese neue arbische Gebilde, das in Wirklichkeit Teil des „historischen Palästina“ war, wurde offiziell am 11. April 1921 aus der Taufe gehoben. Wie so oft wird dieses entscheidende Ereignis in der geografischen Geschichte der Region heute normalerweise ignoriert. Die meisten Diskussionen über den Konflikt erkennen nicht an, dass das moderne Jordanien ethnisch und geografisch immer das gleiche Gebiet gewesen ist wie Bereiche westlich des Jordan.

Karte G: das britische Mandat Palästina

Schlussfolgerung

Es ist schwer die alte Realität von unserer modernen Terminologie zu trennen und die sich ständig ändernden Ortsnamen zu organisieren. Zur Verwirrung trägt die Tatsache bei, dass christliche Fremde im 19. und frühen 20. Jahrhundert beschlossen antike Gebiete und Ortsnamen mit Grenzen wiederzubeleben und aufrechtzuerhalten, obwohl weder die aktuellen politischen Herrscher des Territoriums noch die örtlichen Einwohner für diese Ortsnamen eine Verwendung hatten. Hier sind die Schlüsselfolgerungen, die Teil des Diskurses zur Geschichte der Region werden sollten:

  • Palästina war ein Provinzname, der von den Römern im Jahr 135 n.Chr. eingeführt wrude, um „Judäa“ zu ersetzen und nach der Niederwerfung der jüdischen Rebellion alle anderen Spuren jüdischen Lebens in der Region zu ersetzen. Die muslimischen Eroberer im 7. Jahrhundert behielten den Namen „Filastin“, um eine Provinz zu bezeichnen, aber ab der christlichen Eroberung wurde der Name nicht mehr verwendet.
  • Die muslimischen Mameluken, die die Christen besiegten, bezeichneten keinerlei Territorium als Palästina/Filastin und genauso wenig machten es die osmanischen Türken, die die Region ab dem frühen 16. Jahrhundert bis zum Ersten Weltkrieg kontrollierten. Fast ein Jahrtausend lang wurde der Ortsname „Palästina“ nicht verwendet, ein lange vergessenes Überbleibsel römischer Herrschaft in der Antike.
  • Der Begriff „Palästina“ wurde von christlichen Europäern im 19. Jahrhundert wieder aufgrund seiner Verbindung zur Bibel und zum Land Jesu wieder regelmäßig verwendet. Weder die osmanischen Türken noch die örtlichen Bewohner verwendeten zu dieser Zeit den Begriff „Palästina“.
  • Europäer zeichneten im 19. und frühen 20. Jahrhundert Landkarten von „Palästina“auf Grundlage antiker biblischer Vorstellungen von dieser Region und steckten sie anachronistisch in moderne Atlanten des Gebiets, obwohl ein solches Gebilde nicht existierte. Die tatsächlichen Ortsnamen und Grenzen der Region waren in denselben Atlanten unter dem korrekten Titel „asiatische Türkei“ zu finden. Das wäre so, als würden Westler heute darauf bestehen den irak als historisches Sumer zu bezeichnen und Landkarten des antiken Sumer in zeitgenössischen Atlanten einbinden, ohne uralte Karten für irgendeinen anderen Staat.
  • Das Palästina während der Römerzeit, wie sie in von Europäern im 19. Jahrhundert erstlelten Landkarten und der Bildung des Mandats Palästina 1920 gezeigt wurden, schlossen immer Gebiet östlich und westlich des Jordan ein. Auch der südliche Libanon gehörte dazu, der sich historisch nicht von Bereichen in Nordisrael unterschied. Das wird von zahlreichen geografischen Studien der Region bestätigt, die im 19. Jahrhundert, von britischen Geografen geleitet durchgeführt wurden (z.B. veröffentlichte der Palestine Exploration Fund 1881 „An Introduction to the Survey of Western Palestine“, wo Westpalästina am Jordan endet und Ostpalästina auf der anderen Seite).
  • Das nach dem Ersten Weltkrieg unter britische Kontrolle gestellte Mandat Palästina entsprach der Tatsache, dass Palästina in all seinen Verkörperungen immer Territorium auf beiden Seiten des Jordan beinhaltete.
  • Als die Briten 1921 eigenmächtig beschlossen auf 77% des Territoriums des Originalmandats Transjordanien zu schaffen, behielten sie nur 23%, den Teil westlich des Jordan, unter dem Namen „Palästina“. Irgendwie wurde in den Jahrzehnten nach dieser Trennung die Vorstellung von „Palästina“ und dem „historischen Palästina“ nur auf Teile westlich des Jordan eingeschränkt.
  • Der Teilungsplan von 1947, der die Aufteilung des Mandats Palästina in einen jüdischen Staat und einen arabischen Staat empfahl, gewährte dem jüdischen Staat etwa 56% des Territoriums – aber das waren nur 13% des ursprünglichen Mandats Palästina. Fakt ist, dass der Teilungsplan den Arabern pratisch zwei Staaten auf dem Mandat Palästina einräumte, die 87% des Originalmandats umfassten.
  • Nach dem Unabhängigkeitskrieg von 1948 weitete der neue Staat Israel sein Territorium auf etwa 78% des reduzierten Mandats Palästina aus, während die Westbank und der Gazastreifen sich auf 22% des Gebiets beliefen.
  • Als Abbas sagte, das palästinensische Volk werde um des Friedens willen einen Staat auf nur 22% des Territoriums des „historischen Palästina“ akzeptieren, lag er grob falsch. Da das historische Palästina notwendigerweise Gebiete östlich und westlich des Jordan einschließt, wie das ursprüngliche Mandat Palästina es akkurat widerspiegelte, beläuft sich das Land, das Jordanien, die Westbank und den Gazastreifen umfasst, heute 82% des Gesamtgebiets. Israel ist ein Staat, der am Ende einen Anteil von weniger als 15% des Mandats Palästina hatte.
  • Die meisten Leute verwenden heute die Grenzen des Mandats Palästina nach 1921 als ihre Definition des „historischen Palästina“, obwohl diese künstlich geschaffenen Grenzen in Wirklichkeit ahistorisch, neuer und künstlich geschaffen sind. „Mandat Palästina“ wäre ein genauerer Begriff gewesen und sollte von den Medien anstelle von „historisches Palästina“ verwendet werden.
  • In den heutigen Diskussionen wird vergessen, dass es weit genauer wäre die Region „historisches Syrien“ zu nennen, da die allgemeine Region des heutigen Israel, der Westbank, des Gazastreifens, Jordaniens, Syriens und des Libanon geografisch und ethnisch Teil einer politischen Einheit waren, die als Esch-Scham und später Syrien bekannt waren. Die lokale Bevölkerung hätte sich zudem nicht als Teil dieses Territoriums betrachtet. Ohne die Wiederbelebung des Namens Palästina durch das christliche Europa irgendwann im 19. Jahrhundert hätte sich sicher Syrien als Name der Region durchgesetzt, so wie es Jahrhunderte lang gewesen war. Das oben angeführte Zitat durch den Minister der syrischen Gesandtschaft in Washington von 1947 macht das deutlich.


Quellen:

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Doumani, Beshara B: Rediscovering Palestine: Merchants and Peasants in Jabal Nablus (1700-1900, University of California Press, Berkeley, 1995).

Dowty, Alan: Israel/Palestine (Polity Press, Cambridge, 2005).

Hopkins, I.W.J.: Nineteenth-Century Maps of Palestine: Dual-Purpose Historical Evidence, Imago Mundi (Bd. 22., 1968, S. 30-36).

Kark, Ruth(Hg.): The Land that Became Israel, Studies in Historical Geography (Yale University Press, New Haven, 1989). Eintrag von Gideon Biger: The Names and Boundaries of Eretz-Israel (Palestine) as Reflections of Stages in its History, S. 1-22.

Le Strange, Guy: Palestine Under the Moslems, A Description of Syria and the Holy Land from A.D. 650 to 1500 (Alexander P. Watt, London, 1890).

Lewis, Bernard: Islam in History (Second Edition; verwendetes Kapitel: Palestine: On the History and Geography of a Name, S. 153-165) (Open Court, Chicago, 1993)

Mandel, Neville J.: The Arabs and Zionism Before World War I (University of California Press, Berkeley, 1976).

Ma’oz, Moshe (Hg.): Studies on Palestine During the Ottoman Period (Magnes Press, Jerusalem, 1975). Eintrag von: Porath, Yehoshua: The Political Awakening of the Palestinian Arabs and their Leadership Towards the End of the Ottoman Period, S. 351-381.

MacCoun, Townsend: The Holy Land in Geography and in History, Bd. II (MacCoun, New York, 1897).

Parkes, James: History of Palestine From 135 A.D. to Modern Times (Oxford University Press, New York, 1949).

Pitcher, Donald Edgar: An Historical Geography of the Ottoman Empire (E.J. Brill, Leiden, Netherlands, 1972).

Porath, Yehoshua: The Emergence of the Palestinian-Arab National Movement 1918-1929 (Frank Cass, London, 1974).

Richter, Julius: A History of Protestant Missions in the Near East (Fleming H. Revell Company, New York, 1910).

Zachs, Fruma: The Making of A Syrian Identity, Intellectuals and Merchants in Nineteenth Century Beirut (Brill, Leiden, 2005).


[i] Erekat, Saeb: Trump Doesn’t Want Peace. He Wants Palestinian Surrender. New York Times, 22. Mai 2019. https://www.nytimes.com/2019/05/22/opinion/trump-israel-palestinian-peace-plan.html

[ii] Berger, Miriam: Palestinian citizens of Israel struggle to tell their stories. Columbia Journalism Review, 11. Januar  2019. https://www.cjr.org/analysis/palestinian-citizens-of-israel-musawa.php

[iii] Cook, Jonathan: The ‘Deal of the Century’ Would Force Palestinians to Swallow a Bitter Pill. Washington Report on Middle East Affairs. Juni/Juli 2019, S. 8-10. https://www.wrmea.org/2019-june-july/the-deal-of-the-century-would-force-palestinians-to-swallow-a-bitter-pill.html

[iv] (29. November 2012) Erklärung von Präsident Abbas vor der Verabschiedung der Resolution 67/19 zum Status Palästinas bei den Vereinten Nationen. http://palestineun.org/29-november-2012-statement-of-president-abbas-before-the-adoption-of-resolution-6719-on-the-status-of-palestine-in-the-united-nations/

[v] Dodd, Mead & Company, 1903

[vi] Zu den Quellen für diesen Teil gehröt Kark (Biger-Artikel); s. 15-18; Parkes, S. 87-88; Le Strange (S. 5 und 27), MacCoun, S. 107-109; Pitcher, S. 128 und 141; Zachs, S. 95-102;  Lewis, S. 158.

[vii] Biger (Kark), p. 19.

[viii] Hopkins, p. 30, 36.

[ix] F.A. Brockhaus, Leipzig, 1892.

[x] Rand, McNally & Cos Enlarged Business Atlas, Chicago, 1892.

[xi] siehe z.B. Dowty, S. 19.

[xii] Doumani, S. 261.

[xiii] Biger, S. 68

[xiv] Achte Plenarsitzung der Vollversammlung der Vereinten Nationen (A/2/PV.78) in der Vollversammlungshalle in Flushing Meadow, New York, 14. Mail 1947 um 15 Uhr.

[xv] Porath, S. 82.

Hitlers palästinensischer Verbündeter: der Großmufti Amin Al-Husseini

18. Februar 2021

Akiva van Koningsveld, HonestReporting, 10. Februar 2021

Obwohl weniger bekannt ist als sein entfernter Cousin, der PLO-Gründer Yassir Arafat, spielte Jerusalems Großmufti Haddsch Amin al-Husseini (1897 – 1974) eine herausragende Rolle im Palästina vor 1948. Als einer der „Gründerväter“ des palästinensischen Nationalismus bleibt Al-Husseini eine in der palästinensischen Gesellschaft respektierte Persönlichkeit.

Der Großmufti – von PA-Präsident Mahmud Abbas als „Held“ und „Pionier“ gepriesen – gewann den Großteil seines berüchtigten Rufs allerdings als Nazi-Kollaborateur. Während des Zweiten Weltkriegs diente der Kleriker als arabischer Verbündeter und Propagandist des Dritten Reichs in Berlin; dort setzte er seine Kampagne antisemitischer Hetze fort, die er in Palästina begonnen hatte.

Amin al-Husseini: Schüren der Flammen judenfeindlicher Stimmung

Mohammed Amin al-Husseini wurde während der osmanischen Herrschaft über Palästina in eine wohlhabende und einflussreiche Familie geboren und sollte eine bedeutende Persönlichkeit in der palästinensischen Geschichte werden. Männliche Mitglieder seiner Familie hatten seit dem 18. Jahrhundert religiöse Schlüsselposten in Jerusalem inne. Die Familie hatte großen politischen Einfluss: Mehr als ein Drittel der Bürgermeister Jerusalems von 1877 bis 1914 waren Mitglieder des Husseini-Clans.

Amins Vater, der Mufti Mohammed Tahir al-Husseini, war einer der frühen lautstarken Gegner des Zionismus. Seine Bemühungen überzeugten 1897 den örtlichen Vertreter Konstantinopels den Verkauf von Land an Juden mehrere Jahre einzustellen. Im selben Jahr schlug er vor, dass die jüdischen Zuwanderer „vor der Vertreibung aller ausländischen Juden, die sich seit 1891 in Palästina neiderließen, terrorisiert“ werden.

Amin al-Husseini trat in die Fußstapfen seines Vaters und wurde im Alter von 20 Jahren in den arabischen Widerstand gegen den Zionismus involviert. Nachdem die Briten nach dem Ersten Weltkrieg die Kontrolle über Palästina übernahmen, organisierte er Kundgebungen gegen die Balfour-Erklärung. Eine seiner Reden schürte am 4. April 1920 die Flammen judenfeindlicher Stimmung, was in gewalttätigen Krawallen mündete. Als der Staub sich nach vier Tagen legte, waren fünf Juden und vier Araber tot. Weitere 211 Juden und 33 Araber blieben verletzt zurück.

Aus Angst vor Verhaftung für seinen Anteil an der Initiierung der Krawalle floh al-Husseini nach Syrien. Tatsächlich verurteilte ihn ein britisches Militärgericht zu zehn Jahren Gefängnis. Die Briten begnadigten ihn allerdings, was den Weg für seine Rückkehr nach Jerusalem ebnete. Nur wenige Monate später, nach dem Tod seines Bruders, krönte der britische Hochkommissar Sir Herbert Samuel Amin al-Husseini zum Mufti von Jerusalem. Als ein Jahr später der oberste Muslimrat gegründet wurde, wurde er dessen Präsident, was ihm den Titel des Großmuftis einbrachte.

Die Briten glaubten, die Ernennung des jungen al-Husseini zum Großmufti, dem höchsten religiösen Amt, sei ein Weg in Jerusalem den Frieden zu erhalten. In einem Memorandum mit Datum vom 11. April 1921 berichtete Sir Herbert Samuel von einem Gespräch mit dem vorgeschlagenen Mufti:

„Er versicherte, dass der Einfluss seiner Familie und er selbst sich der Beibehaltung der Ruhe in Jerusalem verpflichtet seien und er fühle sich sicher, dass dieses Jahr keine Störungen zu befürchten seien. Er sagte, dass die Krawalle des letzten Jahres spontan und nicht vorbereitet gewesen seien.“

Geschichtsbücher zeigen, dass der Großmufti es versäumte seine Versprechen einzuhalten. Während seiner 15-jährigen Amtszeit stachelte al-Husseini zu gewalttätigen Kampagnen gegen jüdische Zivilisten und britische Beamte auf, die heftigsten waren die Krawalle von 1929 (zu denen das Massaker von Hebron gehörte) und der arabische Aufstand von 1936 bis 1939.

Der letzte Aufstand ließ die britische Polizei im Juli 1937 einen Haftbefehl für den Großmufti ausgeben. Nachdem er drei Monate lang im Felsendom Zuflucht gesucht hatte, floh al-Husseini erneut aus Palästina, diesmal in den Libanon. Seine Titel wurden ihm von den Briten aberkannt, bei den Arabern war er aber immer noch beliebt; von Exil in Beirut aus ermutigte der Rebellenführer weiter zu judenfeindlicher und britenfeindlicher Gewalt.

Der Mufti und Adolf Hitler

Allerdings gewann Amin al-Husseini den größten Teil seines berüchtigten Rufs, nachdem er das  Mandat Palästina verließ. Auf die Geschichte des relativ unbekannten Palästinenserführers wurde die internationale Presse 2015 aufmerksam, als der israelische Premierminister Netanyahu in einer Rede behauptete, al-Husseini habe Hitler zur Planung des Holocaust inspiriert.

Obwohl Holocaust-Forscher Netanyahus Version der Geschichte  widerlebten und Deutschland eine scharfe Rüge zu Netanyahus Anmerkungen ausgab, stimmen Experten zu, dass der Mufti bereits Unterstützung von ranghohen Vertretern des Dritten Reichs erhielt, als er sich noch in Jerusalem befand. Seine Kontakte zu Nazideutschland reichten bis 1933 zurück. Kaum zwei Monate, nachdem Hitler die Macht übernahm, traf sich Amin al-Husseini mit dem deutschen Konsul in der Heiligen Stadt. Bei dem Treffen sprach er beifällig von der judenfeindlichen Politik der Nazis und übermittelte seine Sorgen über die Zunahme der jüdischen Einwanderung aus Deutschland nach Palästina. Der deutsche Konsul fasste das Treffen wie folgt zusammen:

„Der Mufti machte mir gegenüber detaillierte Angaben dahingehend, dass Muslime innerhalb und außerhalb Palästinas das neue Regime in Deutschland begrüßen und auf die Verbreitung der faschistischen, antidemokratischen Führung in andere Länder hoffen.“

1939, nach einer weiteren Flucht, zog der Mufti vom Libanon in den Irak. Als der Zweite Weltkrieg ausbrach, stellte er sich eindeutig auf die Seite der Nazis, hoffte ihre Unterstützung für arabischen Nationalismus und die Vertreibung von Juden aus dem Nahen Osten sicherzustellen. In Bagdad unterstützte er im April 1941 einen deutschenfreundlichen Staatsstreich. Er zettelte auch ein Pogrom gegen die lokale jüdische Gemeinde an (den Farhud, von einigen „Iraks Kristallnacht“ genannt), während er gleichzeitig Nazi-Propaganda verbreitete. Im Gegenzug erhielt er finanzielle Unterstützung aus Berlin sowie Gelder aus dem faschistischen Italien.

Der Putsch scheiterte und al-Husseini zog weiter, ins von den Nazis besetzte Europa. Nach einem Zwischenstopp in Italien kam er im November 1941 in Berlin an. Einmal in Deutschland angekommen, boten die Nazis dem Großmufti mehrere Residenzen und ein monatliches Gehalt von 90.000 Reichsmark (zu einer Zeit, als die meisten Deutschen Berichten zufolge ein Jahreseinkommen von weniger als 1.500 Reichsmark hatten). „Die gewaltige Höhe von Husseinis Monatsgehalt deutet die Bedeutung an, die das Nazi-Regime ihm und seinem Gefolge zumaß“, machen Forscher geltend.

Während seines vierjährigen Aufenthalts in Berlin arbeitete der Mufti eng mit höchsten Vertretern des Dritten Reichs zusammen. Unter anderem traf er sich mit Außenminister von Ribbentrop und Adolf Eichmann, der für die Deportation der Juden in Vernichtungslager zuständig war. Al-Husseini hatte zudem mehrere Treffen mit SS-Chef Heinrich Himmler, dem Hauptarchitekten des Holocaust. 1943 schrieb der SS-Reichsführer al-Husseini einen Brief, in dem er die „jüdischen Eindringlinge“ beklagte und ihm seine „herzlichsten Grüße für die glückliche Durchführung Ihres Kampf [bis zum Endsieg]“ schickte.

Am 28. November 1941, nur wenige Wochen nach seiner Ankunft in der deutschen Hauptstadt, lud Adolf Hitler Haddsch Amin al-Husseini in sein Büro ein. Dieser erklärte dem Führer, dass die Araber Deutschlands „natürliche Freunde“ seien, weil sie dieselben Feinde wie Deutschland hätten: „die Engländer, die Juden und die Kommunisten“.

Die offizielle Mitschrift des Treffens besagt, dass Hitler dem Mufti versicherte, er werde „den Kampf zur totalen Vernichtung des jüdisch-kommunistischen Imperiums in Europa“ fortführen. Schließlich, wenn die deutsche Armee den Südausgang des Kaukasus erreichten würde, würde der Führer „der arabischen Welt zusichern, dass seine Stunde der Befreiung gekommen sei“ und dass „das unter dem Schutz der britischen Macht im arabischen Bereich hausende jüdische Element“ vernichtet wird.

Haddsch Amin al-Husseini inspiziert eine Einheit muslimischer Bosniaken im Dienst der Nazis (Fotoarchiv von Yad Vashem)

In seinen Jahren in Berlin trug al-Husseini sogar noch stärker zu den Kriegsanstrengungen der Nazis bei. Er rekrutierte und organisierte bosnisch-muslimische Bataillone für die Waffen-SS und versuchte die Achsenmächte zu überzeugen Tel Aviv zu bombardieren. Der Nazijäger Simon Wiesenthal unterstellt, dass der Mufti auch die Todeslager Auschwitz und Majdanek besuchte, aber Historiker haben diese Behauptung bestritten. Ein niederländischer Augenzeuge beschrieb jedoch, dass er den Mufti 1943 in Monowitz sah, einem Arbeitslager, das Teil von Auschwitz war.

Darüber hinaus setzte der Mufti seine rabiate antisemitische Hetze über Sendungen von Radio Berlin bis zum Ende des Krieges fort: „Araber, erhebt euch wie ein Mann und kämpft für eure heiligen Rechte. Tötet die Juden, wo immer ihr sie findet; das gefällt Allah, der Geschichte und der Religion. Das rettet eure Ehre. Allah ist mit euch“, hatte er Zitaten zufolge am 1. März 1944 gesagt.

„Als Held, der mit Hitlers Hilfe den Zionismus bekämpfte“

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs floh Amin al-Husseini nach Ägypten. In Kairo wurde ihm ein Heldenempfang bereitet. Hassan al-Banna, der Gründer der Muslimbruderschaft, bejubelte ihn als einen „Helden, der ein Imperium herausforderte und den Zionismus mit der Hilfe Hitlers und Deutschlands bekämpfte“. Al-Banna verkündete: „Deutschland und Hitler sind Vergangenheit, aber Amin al-Husseini wird den Kampf fortsetzen.“

Al-Husseini wurde zum Führer des Hohen Arabischen Rates und der Volkspartei Palästina gewählt und er sammelte Unterstützung gegen die Teilung des Mandats Palästina in einen jüdischen und einen arabischen Staat. Nach Israels Sieg 1948 nahm der politische Einfluss des Muftis allerdings stark ab. Er starb 1974 in Beirut, ohne jemals wegen seiner Verbrechen vor Gericht gestanden zu haben. Obwohl allein schon seine Propaganda-Sendungen eine Anklage bei den Nürnberger Prozessen gerechtfertigt hätte, entging er der Gerechtigkeit.

„Während Husseinis Einfluss auf die Entscheidungsfindung der Nazis beschränkt war, war seine Bedeutung für das Nazi-Regime beachtlich“, schlossen Experten zu deutscher Geschichte. Als einflussreicher arabischer Führer und Nazi-Propagandist war ein Komplize beim systematischen Mord an Juden während des Zweiten Weltkriegs. Trotzdem bleibt er bei den Palästinensern eine verehrte Persönlichkeit. Der Großmufti wird in Schulbüchern immer noch positiv dargestellt und Kinder werden gelehrt zu ihm als Held aufzuschauen.

„Die Beweise für seine Kollaboration mit den Nazis wurde entweder vergessen, ignoriert oder als eine Form gerechtfertigten Antikolonialismus im Verbund mit Nutzen, nicht gemeinsamer ideologischer Leidenschaft gegen einen gemeinsamen Feind gerechtfertigt“, schrieb Prof. Jeffrey Herf, führender Wissenschaftlicher in diesem Bereich, 2014.

Bild: Heinrich Hoffmann Collection/Wikipedia

Wenn Israel Juden Rettet: Die Operationen Moses und Yachin

3. Dezember 2020

Galia Palmer, HonestReporting, 23. November 2020

Seit seiner Gründung sind Juden aller Couleur nach Israel immigriert. Zu den häufigsten Gründen gehört das Gefühl der Zugehörigkeit, religiöse Gebote, sich Familienmitgliedern anzuschließen, vor Tyrannei, Konflikt, wirtschaftlicher Not zu fliehen oder Antisemitismus zu entkommen.

Vor 36 Jahren, am 21. November 1984, begann Operation Moses – eine Mission, die erfolgreich tausende bedürftiger äthiopischer Juden nach Israel brachte. Ihr auf dem Fuß folgt der Jahrestag der Operation Yachin, die am 28. November 1961 begann und Juden aus Marokko in den jüdischen Staat brachte.

Von Hungersnot in die Freiheit: Operation Moses

Obwohl dieses Datum ihre erste Massen-Aliyah (Einwanderung nach Israel) kennzeichnet, haben äthiopische Juden eine lange und tief verwurzelte Verbindung zum Heiligen Land. Historiker glauben, dass Juden aus dem antiken Israel zwischen dem 1. und 6. Jahrhundert nach Äthiopien emigrierten. Sie wurden im 19. und 20. Jahrhundert gezwungen zum Christentum zu konvertieren, behielten aber heimlich ihre jüdischen Traditionen bei. Sie haben lange für die Rückkehr nach Israel gebetet.

Eine Hungersnot in Äthiopien in den 1980-er Jahren bedrohte das Überleben der lokalen jüdischen Gemeinschaft. Tausende äthiopischer Juden reisten durch die Wüste in den Sudan; sie hatten den Traum aus Flüchtlingslagern per Luftbrücke nach Israel gebracht zu werden. Die Reise bedeutete für viele Verhungern, Dehydration und Angriffe durch Milizen. Mehr als 4.000 Äthiopier starben unterwegs und in den Lagern.

In Reaktion darauf organisierten die IDF, die US-Botschaft in Khartoum und staatliche Vertreter des Sudan die Operation Moses, um äthiopischen Flüchtlingen zu helfen nach Israel zu kommen. Die nach Moses, der in der Bibel das jüdische Volk aus der Gefangenschaft in Ägypten führte, benannte Operation wurde sorgfältig geplant, um bei Flughafenbehörden keinen Verdacht zu erregen. Es war eine derartige Geheimhaltung erforderlich, dass die äthiopischen Migranten unter Nutzung der Trans European Airways aus dem Sudan ausgeflogen wurden, die regelmäßig Pilger nach Mekka brachte.

Diese Geheimhaltung wurde zerschlagen, als Israelis Premierminister Shimon Peres auf einer Pressekonferenz im Januar 1985 trotz ihrer Vertraulichkeit die Operation Moses erwähnte. Als Reaktion darauf stoppte der Sudan sofort die Flüge, um seine arabischen Verbündeten nicht zu verärgern. Als Ergebnis davon wurden mehr als 1.000 „Waisen der Umstände“, die in Israel angekommen waren von ihren Familien getrennt, die in Afrika bleiben mussten. Diese Situation wurde schließlich behoben, als Operation Salomo 1991 weitere 14.324 Juden nach Israel brachte, was Israel $26 Millionen kostete.

Trotz öffentlicher Empörung der Öffentlichkeit des Sudan wurde später verraten, dass die Geheimpolizei des Landes und Mitglieder seiner muslimischen Gemeinschaft immens dabei geholfen hatten Operation Moses zu ermöglichen.

Von November 1984 bis Januar 1985 schafften es mehr als 8.000 Juden auf rund 30 Flügen in den jüdischen Staat zu kommen. Vor Operation Moses lebten nur etwa 250 äthiopische Juden in Israel. Heute zählt die Gemeinschaft ungefähr 140.000.

Mehrere äthiopische Juden sind für die israelische Gesellschaft zu Schlüsselfiguren geworden. Beylanesh Zevadia z.B. kam nach Israel, als sie 17 war. Sie kehrte 2012 als israelische Botschafterin nach Äthiopien zurück; Avraham Yitzhak war 2016 der erste Oberst der IDF mit äthiopischer Herkunft; und Yityish Aynaw war 2013 die erste Äthiopierin, die Miss Israel wurde.

Von Massaker zum Mossad: Operation Yachin

Im November jährt sich auch Operation Yachin, die am 28. November 1961 begann. Das Massaker an 44 Juden in der nordostmarokkanischen Städten Oujda und Jerada im Jahr 1948 war der Auslöser für die Emigration hundertausender Juden. Derweil gab der Sultan von Marokko, Mohammed V., eine öffentliche Erklärung ab, die davor warnte „in Solidarität mit der zionistischen Aggression“ zu demonstrieren.

Lokale Juden fürchteten, wenn Marokko seine Unabhängigkeit von kolonialer französischer Herrschaft gewinnt, dann würde Verfolgung einsetzen. Marokko gewann 1956 seine Unabhängigkeit und den Juden wurden volle Rechte und Status gewährt. Trotzdem blieb die Gemeinschaft extrem besorgt und viele Juden flohen aus dem Land.

Jüdische Emigration aus Marokko war von 1948 bis 1956 offiziell verboten, ein Ergebnis des Drucks der Arabischen Liga auf die Regierung in Rabat. Trotzdem verließen 110.000 der in Marokko lebenden 250.000 Juden das Land. Das formelle Verbot der Emigration endete im Februar 1961 mit der Thronbesteigung König Hassans II. Trotzdem wurde weiterhin stark von ihr abgeraten und Emigrationshilfen aus dem Ausland blieben verboten.

Am 28. November 1961 beschloss der Mossad sich an den Bemühungen zu beteiligen Juden nach Israel zu bringen. Mit der neuen Führung durch König Hassan II. handelte der israelische Premierminister David Ben-Gurion die Bedingungen aus, unter denen Marokko Juden erlauben würde nach Israel auszuwandern.

Sie beschlossen einen Vorschuss von $500.000, $100 pro Emigrant für die ersten 500.000 marokkanischen Juden und danach $250 pro Emigrant. Die Hebrew Immigrant Aid Society aus New York zahlte dafür $50 Millionen.

Mit Operation Yachin wurden erfolgreich 97.000 Juden mit Flugzeugen und Schiffen aus Casablanca und Tanger über Frankreich und Italien abtransportiert. Die meisten zogen zwar nach Israel, aber einige beschlossen nach Kanada, Frankreich oder in die Vereinigten Staaten von Amerika zu ziehen.

Endlich Zuhause

Israel ist das einzige Land in der Geschichte, das Menschen afrikanischer Herkunft ins Land bringt, nicht damit sie Sklaven sind, sondern um als freie, gleichberechtigte Bürger dort zu leben. Israel ist in der Tat im Kern ein Land der Immigranten. Während die äthiopischen und marokkanischen Gemeinschaften ihre eigenen Herausforderungen hatten, sind viele andere aus den verschiedensten Gründen nach Israel gekommen. Die Geschichte der Aliyah der letzten 300 Jahre, zusätzlich zu den Juden, die Israel nie verließen, ist der Grund für das breite Spektrum an Kulturen und Traditionen, die die israelische Gesellschaft absolut einzigartig machen.

Und mit fast sechs Millionen in Ländern rund um die Welt lebenden Juden geht die Aliyah weiter.

(Bild: Getty Images und Israeled.org)

Die UNO-Resolution „Zionismus ist Rassismus: Von der Verabschiedung bis zu ihrer Aufhebung und darüber hinaus

19. November 2020

Dov Lipman, HonestReporting, 10. November 2020

10. November 1975: Vor 45 Jahren war das ein sehr vielsagender Moment, was die Haltung der Vereinten Nationen – und der internationalen Gemeinschaft – zu Israel angeht.

Fünfundzwanzig Staaten unterstützten die Resolution 3379, die „festlegt[e], dass Zionismus eine Form von Rassismus und Rassendiskriminierung ist“. 72 Staaten stimmten dafür, 32 enthielten sich und 35 waren gegen den Antrag. Die Resolution verwies auf die UNO-Erklärung zur Eliminierung aller Formen von Rassendiskriminierung aus dem Jahr 1963; die Resolution von1973, die „die unheilige Allianz zwischen Südafrikanischem Rassismus und Zionismus“ verurteilte; und die Konferenz der Blockfreien Länder zu Außenangelegenheiten vom August 1975, die Zionismus als „eine Bedrohung des Weltfriedens und der Sicherheit“ bezeichnete und die Hauptstädte der Welt drängte „gegen diesen Rassismus und imperialistische Ideologie Widerstand zu leisten“.

Vor der Abstimmung sagte Israels Botschafter Chaim Herzog der Vollversammlung:

Ich kann mit Stolz auf die arabischen Minister verweisen, die in meiner Regierung gedient haben; auf den arabischen stellvertretenden Parlamentspräsidenten; auf arabische Offiziere und Mannschaften, die aus eigenem Antrieb in unseren Grenz- und Polizeikräften dienen, regelmäßig jüdische Truppen kommandieren; auf die hunderttausende Araber aus dem gesamten Nahen Osten, die sich jedes Jahr in den Städten Israels drängeln; auf die tausende Araber aus dem gesamten Nahen Osten, die zu medizinischer Behandlung nach Israel kommen; auf die friedliche Koexistenz, die sich entwickelt hat; auf die Tatsache, dass Arabisch in Israel eine Amtssprache ist, gleichberechtigt neben Hebräisch; auf die Tatsache, dass es für einen Araber selbstverständlich ist in Israel ein öffentliches Amt zu bekleiden, so wie es unpassend ist zu glauben, dass ein Jude irgendwo in einem arabischen Land ein öffentliches Amt bekleidet, in viele überhaupt hereingelassen zu werden. Ist das Rassismus? Ist es nicht! Das … ist Zionismus.

Herzog holte dann eine Kopie des Textes der Resolution heraus, hielt sie hoch und erklärte: „Für uns, das jüdische Volk, gründet diese Resolution auf Hass, Lüge und Arroganz, ihr fehlt jegliche Moral oder rechtlicher Wert. Für uns, das jüdische Volk, ist das nicht mehr als ein Stück Papier und wir werden es als solches behandeln.“

Dann zerriss Herzog das Dokument.

US-Botschafter Daniel Moynihan bezeichnete die Resolution als „ein großes Übel“ und klassifizierte sie als unverblümten Antisemitismus.

1991: Annullierung von „Zionismus ist Rassismus“ – irgendwie

Man muss ihr zugutehalten, dass die UNO die Resolution am 16. Dezember 1991 widerrief – aber erst, nachdem Israel zustimmte sich bei der Friedenskonferenz von Madrid mit der PLO einzulassen. Die Resolution zum Widerruf der Erklärung von 1975 wurde von 90 Staaten unterstützt; 111 Staaten stimmten dafür. Derweil enthielten sich dreizehn Staaten und 25 stimmten dagegen. Bemerkenswerterweise entkräftete die angenommene Resolution die Vorstellung nicht, dass Zionismus Rassismus ist, sondern besagte schlicht: „Die Vollversammlung beschließt die Entscheidung zu widerrufen, die in ihrer Resolution 3379 vom 10. November 1975 enthalten ist.“

Die Rücknahme war weitgehend wegen des Zusammenbruchs der Sowjetunion Anfang der 1990-er Jahre möglich geworden. Die UdSSR hatte die ursprüngliche Resolution angeführt, weil sie versuchte bei den arabischen Ländern zu punkten und gleichzeitig das Ansehen der USA zu schädigen. Tatsächlich stimmten alle Länder des ehemaligen Sowjetblocks, einschließlich der neu geschaffenen Litauen, Lettland und Estland, für die Rücknahme.

Aber die Entwicklung demonstrierte auch den diplomatischen Fortschritt, den Israel in gerade etwas mehr als 15 Jahren gemacht hatte. Afrikanische und asiatische Länder wie Nigeria, Indien, die Philippinen und Singapur, die die Resolution 1975 stützten, wechselten die Seiten. Brasilien und Mexiko änderten ihr ursprünglich antiisraelisches Votum ebenfalls.

Hardliner wie Khalil Makkawi, ehemaliger Botschafter des Libanon, der im Namen der arabischen Staaten sprach, suggerierte, die Rücknahme sei ein Geschenk für die „israelischen Extremisten, die ihre Politik der schleichenden Annexion verfolgen“ und bestand darauf, sie würde „die Leidenschaften der Araber schüren“, die glauben, der gesamte Friedensprozess sei vergebliche Mühe, die Israel mehr Zeit verschafft zu expandieren und sein revisionistisches zionistisches Projekt zu erreichen“.

Im Nahen Osten beginnen Verschiebungen

Das Ereignis demonstrierte jedoch – in einigen Fällen vorab angedeutet – sich verschiebende Einstellungen einiger arabischer Länder gegenüber Israel.

Während zum Beispiel einige arabische Staaten nicht für die Rücknahme stimmten, ist es wichtig festzuhalten, dass Vertreter aus Ägypten, Oman, Kuwait, Marokko, Tunesien und Bahrain an der Abstimmung 1991 nicht teilnahmen.

Und obwohl die Rücknahme Zionismus nicht formell als legitime Bewegung des jüdischen Volks zur Gründung und Sicherung seines eigenen Staates in seiner angestammten Heimat beschreibt, wurde sie von Israel als großer Schritt vorwärts bei seinen Bemühungen gefeiert größere internationale Akzeptanz zu gewinnen.

Als vielleicht stärkster Beweis dafür, wie weit Israel gekommen ist und für die Hoffnung, dass die Region sich auf friedlichere Zeiten zu bewegt, stimmten die Vereinigten Arabischen Emirate und der Sudan 1975 für die Resolution „Zionismus ist Rassismus“ und stimmten 1991 gegen die Rücknahme, haben sich jetzt aber entschlossen volle diplomatische Beziehungen zu Israel aufzunehmen.

Es kann keine deutlichere Aussage zur Unterstützung des jüdischen Staates geben, als dass Zionismus KEIN Rassismus ist.

Was passierte wirklich beim Camp David II-Gipfel?

29. Oktober 2020

Dov Lipman, HonestReporting, 29. Juli 2019

„Warum gibt Israel nicht einfach den Palästinensern, was sie haben wollen und bringt den Konflikt zu Ende?“

„Was wollt ihr von den Palästinensern? Israel lehnt es ab ihnen den eigenen Staat zu geben, also greifen die Palästinenser natürlich auf Terrorismus und bewaffneten Konflikt zurück!“

Diese beiden Kehrreime sind ständig aus dem propalästinensischen Lager in Parlamenten und an Universitäten in aller Welt zu hören.

Das Problem mit dieser Art Fragestellung lautet: Sie ignoriert die Tatsache, dass Israel versucht hat Frieden zu schließen und den Palästinenser so viel anzubieten, wie es kann. Der Camp David II-Gipfel im Jahr 2000 ist ein Paradebeispiel.

Camp David II

Der letzte große Versuch die Dinge zwischen Israel und den Palästinensern zu lösen, wurde im Juli 2000 unternommen. US-Präsident Bill Clinton lud den israelischen Premierminister Ehud Barak und den PA-Vorsitzenden Yassir Arafat zu einem Treffen in Camp David ein, den Rückzugsort des Präsidenten im westlichen Maryland.

Jahre zuvor, 1979, war Camp David der Ort, wo US-Präsident Jimmy Carter Gastgeber des israelischen Premierministers Menachem Begin und des ägyptischen Präsidenten Anwar Sadat für Gespräche war, die schließlich zum israelisch-ägyptischen Friedensvertrag führten. Es bestand die Hoffnung, dass die entspannte Stimmung von Camp David einen ähnlichen Durchbruch für die Israelis und die Palästinenser ermöglichen würde. Daher der Name: Camp David II.

Die Oslo-Vereinbarungen, 1993 von Arafat und dem getöteten israelischen Premierminister Yitzhak Rabin unterschrieben, forderte ein Endstatus-Abkommen zwischen den beiden Seiten innerhalb von fünf Jahren ab dem Zeitpunkt, an dem den Palästinensern ihre Autonomie gegeben wurde.

Die Palästinenser waren nicht glücklich damit zum Camp David II zu kommen; sie fürchteten, sie würden unter Druck gesetzt Zugeständnisse zu machen. Aber Arafat akzeptierte die Einladung und am 11. Juli kamen die israelische und die palästinensische Delegation in Camp David an.

Der Ansatz für diesen Gipfel war „alles oder nichts“. Beide Seiten sollten danach streben eine Vereinbarung zu Territorium und dem Status von Siedlungen, Jerusalem und dem Tempelberg, den Flüchtlingen und der palästinensischen Forderung des Rückkehrrechts sowie Sicherheitsarrangements zu erzielen. Es sollte keine Teil- oder Zwischenergebnisse geben.

Von links nach rechts: Israels Premierminister Ehud Barak, US-Präsident Bill Clinton und Palästinenserführer Yassir Arafat beim Camp David II-Gipfel im Jahr 2000.

Die Positionen

Territorium: Die Palästinenser forderten die gesamte Westbank und den Gazastreifen, waren aber bereit Landtausch aus Israel für jeden Teil dieser Territorien zu akzeptieren, die Israel behalten würde. Premierminister Barak bot den Palästinensern 73% der Westbank und 100% des Gazastreifens mit einem Plan an, der ihnen letztlich 91% der Westbank mit einer angehobenen Schnellstraße und Eisenbahnlinie als Verbindung der beiden Territorien geben würde.

Die Palästinenser sollten auch einen Ausgleich für das eine Prozent der Westbank erhalten, indem sie die Kontrolle über die Region Halutza Sand direkt neben dem Gazastreifen übernehmen. Der Plan hätte erfordert, dass Israel zwangsweise Menschen aus ihren Häusern in 63 Siedlungen evakuiert, während Israel die Siedlungen des Gush Etzion und Ma’ale Adumim annektiert, wo ein paar hunderttausend Israelis wohnen.

Jerusalem: Israel schlug vor den Palästinenser die „Aufsicht“ über den Tempelberg und die „Verwaltung“ über die muslimischen und christlichen Viertel der Altstadt und alle israelischen und christlichen heiligen Stätten zu geben. Ihnen würde erlaubt sein die palästinensische Flagge an all diesen Orten zu hissen.

Israel hatte das Gefühl, es könnte seine Souveränität über diese Bereich nicht aufgeben; Grund waren Sicherheitsbedenken. Die israelischen Viertel in Ostjerusalem sollten unter israelischer Souveränität bleiben und den Palästinensern würde in ihren Bereichen zivile Autonomie gegeben werden. Die Palästinenser würden die Stadt Al-Quds als Hauptstadt Palästinas schaffen. Zu dieser Stadt sollten kleine Städte und Dörfer am Rand von Jerusalem gehören.

Flüchtlinge: Die palästinensische Forderung nach einem „Rückkehrrecht“ für mehr als 700.000 Flüchtlinge aus dem israelischen Unabhängigkeitskrieg n 1948 sowie ihren Nachkommen, die Millionen zählen, war keine, der Israel zustimmen konnte. Der Zustrom von Millionen Palästinensern würde auf das Ende des demokratischen jüdischen Staates Israel hinauslaufen.

Stattdessen schlug Israel vor, dass maximal 100.000 Flüchtlingen erlaubt sein sollte für Familienzusammenführungen und aus anderen humanitären Überlegungen heraus nach Israel zu kommen. Alle übrigen palästinensischen „Flüchtlinge“ würden im neuen Palästinenserstaat oder in dritten Ländern angesiedelt werden. Ein internationaler Fonds mit $30 Milliarden, in den auch Israel einzahlen würde, sollte Ansprüche palästinensischer Flüchtlinge für verlorenen Landbesitz und angemessenen Ausgleich bieten.

Sicherheit: Die größte Sorge überhaupt für israelische Unterhändler gab es in Sachen Sicherheit. Israel forderte, dass der Palästinenserstaat entmilitarisiert sein sollte und dass er sich dazu verpflichtet alle Terrororganisationen zu entwaffnen.

Israel schlug vor, dass eine internationale Streitmacht im Jordantal stationiert wird, wobei die Palästinenser den Grenzübergang kontrollieren, wenn auch unter israelischer Beobachtung; außerdem sollte Israel eine permanente Sicherheitspräsenz entlang 15% der Grenze zwischen Jordanien und Palästina unterhalten. Israel bat auch darum, dass ihm erlaubt wird Radarstationen innerhalb des Palästinenserstaate aufzubauen und dass es in der Lage sein würde im Notfall Truppen im Palästinenserstaat zu stationieren.

Ein endgültiger Friede: Israels wichtigste Forderung lautete, dass Arafat, damit es all diese Zugeständnisse macht, das Ende des Konflikts erklären muss und in der Zukunft keine weiteren Forderungen an Israel stellt.

Bei Camp David II anwesende Berater des Weißen Hauses waren überrascht, wie weit Barak zu gehen bereit war und hatten das Gefühl, dass sein Angebot den Großteil dessen erfüllte, was die Palästinenser forderten.

Aber Arafat lehnte das israelische Angebot ab.

Statt einer Vereinbarung gaben die Seiten eine Erklärung ab, in der es hieß: „Die beiden Seiten stimmen überein, dass das Ziel ihrer Verhandlungen darin besteht, dem Jahrzehnte alten Konflikt ein Ende zu setzen und einen gerechten und dauerhaften Frieden zu erzielen.“ Und: „Die beiden Seite verpflichten sich ihre Bemühungen zum Abschluss einer Vereinbarung zu allen Fragen des permanenten Status so bald wie möglich fortzusetzen.“

Clintons Vorschläge nach Camp David II

US-Präsident Bill Clinton

Präsident Clinton gab die Mission nicht auf, eine tatsächliche Vereinbarung zu erzielen und nach Monaten des Hin und Her legte er beiden Seiten im Dezember 2000 einen neuen Vorschlag vor, in dem er Israel dazu drängte noch mehr Zugeständnisse zu machen.

Territorium: Der Vorschlag von Clinton bot den Palästinensern 94 bis 96 Prozent der Westbank sowie Landtausch bis zu 3% in Israel, um den Palästinenser beinahe zu 100% der Landmasse zu geben, die sie anstrebten.

Sicherheit: Um Israels Sicherheitsbedürfnisse zu erfüllen, sollte die israelische Armee sich im Verlauf von drei Jahren schrittweise aus den Palästinensergebieten zurückziehen, während eine internationale Truppe schrittweise in der Region eingesetzt wird. Israel würde weitere drei Jahre eine kleine Präsenz im Jordantal behalten, allerdings unter Kontrolle der internationalen Truppe.

Israel würde erlaubt werden eine „Frühwarn“-Station in der Westbank zu betreiben, allerdings mit der Präsenz einer palästinensischen Kontaktperson und für den Fall einer „drohenden und nachweisbaren Bedrohung für Israelis Sicherheit“ würde ein Arrangement getroffen, damit die IDF auf Dringlichkeitsbasis in der Westbank stationiert werden kann. Und schließlich wäre der Staat Palästina „nicht militarisiert“, sondern würde eine starke Sicherheitstruppe haben.

Jerusalem: Clinton schlug vor, dass die arabischen Viertel in Palästina liegen, die jüdischen Viertel israelisch sein würden, das die Palästinenser Souveränität über den Tempelberg und die Israelis die Souveränität über die Westmauer und den „heiligen Bereich“ behalten, von der die Westmauer ein Teil ist. Um die Mauer herum oder unter dem Tempelberg würden ohne gegenseitiges Einverständnis keine archäologischen Grabungen stattfinden.

Flüchtlinge: Clinton schlug vor, um die Flüchtlingsfrage anzugehen solle der neue Staat Palästina die Heimat für im Krieg von 1948 und danach heimatlos gewordenen Flüchtlinge sein. Zusätzlich sollte eine internationale Anstrengung unternommen werden die Flüchtlinge zu entschädigen und für sie Häuser im neuen Staat Palästina, in ihren aktuellen Gastgeberländern, in anderen bereitwilligen Staaten oder in Israel zu finden.

Ein endgültiger Frieden: Clinton stimmte mit der israelischen Forderung überein, dass die Vereinbarung eindeutig das Ende des Konflikts markieren und aller Gewalt ein Ende setzen sollte.

Die israelische Regierung stimmt am 27. Dezember 2000 dafür den Vorschlag zu akzeptieren. Arafat gab Clinton nie ein offizielles „Nein“, aber er sagte nie „Ja“, was auf eine Ablehnung des Vorschlags hinauslief – kurzerhand da Ende von Camp David II und Clintons Bemühungen Frieden zu schaffen.

Gemäß den von Vertretern des Weißen Hauses während der Camp David II-Treffen angefertigten Notizen, mit denen der Palästinenserführer überzeugt werden sollte die Vereinbarung zu akzeptieren, wurde Arafat wie folgt zitiert:

Der Palästinenserführer, der Jerusalem aufgeben will, ist noch nicht geboren worden. Ich werde weder mein Volk betrügen noch das Vertrauen, das sie in mich gesetzt haben, verraten. Erwarten Sie nicht von mir die Besatzung zu legitimieren. Niemand kann weiter auf unbestimmte Zeit Dominierung mit militärischer Gewalt anordnen – sehen Sie sich Südafrika an. Unser Volk wird nicht weniger akzeptieren als seine Rechte, wie sie von internationalen Resolutionen und internationale Rechtmäßigkeit erklärt sind.

Manche sagten, dass die Palästinenser das Gefühl hatten, der ihnen angebotene Landtausch sei gegenüber dem, was sie in der Westbank aufgaben, minderwertig, dass sie völlige Souveränität über ganz Ostjerusalem einschließlich der Westmauer und die Anerkennung des vollen Rückkehrrechts für die palästinensischen Flüchtlinge haben müssen.

Die zweite Intifada beginnt

Palästinenserführer Yassir Arafat

Die Palästinenser lehnten nicht nur das israelische Angebot ab, sondern begannen kurz darauf die zweite Intifada, einen gewalttätigen palästinensischen Aufstand. Mehr als 1.000 unschuldige israelische Zivilisten wurden bei einer palästinensischen Kampagne an Selbstmord-Bombenanschlägen und durch Schüsse getötet.

Präsident Clinton machte Arafat für das Scheitern der beiden Seiten beim Erzielen einer Vereinbarung verantwortlich.

Ich bedaure, dass Arafat im Jahr 2000 die Gelegenheit vergehen ließ diese Nation ins Leben zu rufen.

Dennis Ross, der US-Chefunterhändler, kam zu dem Schluss, dass Arafat nie wirklich offen für eine Zweistaatenlösung war. Stattdessen klammerten sich Arafat und die Palästinenser an ihr Verlangen nach

einer Einstaatenlösung. Keine unabhängigen, nebeneinander liegenden israelischen und palästinensischen Staaten, sondern ein einzelner arabischer Staat, der das ganze historische Palästina umfasst.

Palästinensische Offizielle bestätigten, dass die zweite Intifada auf ganzer Linie geplant war. Im palästinensischen Flüchtlingslager Ein Al-Hilweh sagte der PA-Kommunikationsminister Imad Al-Faluji bei einer Rede:

Wer immer glaubt, dass die Intifadas wegen des Besuchs des verachteten Sharon in der Al-Aqsa-Moschee ausbrachen, liegt falsch, selbst wenn dieser Besuch der Tropfen war, der das Fass zum Überlaufen brachte. Diese Intifada war im Vorhinein geplant, seit Präsident Arafat von den Verhandlungen aus Camp David zurückkam, wo er gegenüber Präsident Clinton alles auf den Kopf stellte. [Arafat] blieb standhaft und forderte [Clinton] heraus. Er lehnte die amerikanischen Bedingungen ab und er machte das im Herzen der USA.

Traurigerweise für die Israelis wie für die Palästinenser setzte die Palästinenserführung ihre Quertreiberei fort, indem sie auf ein noch großzügigeres Angebot des israelischen Premierministers Ehud Olmert im Jahr 2008 nicht antworteten sowie mit der Blockade von Verhandlungen, selbst als Premierminister Benjamin Netanyahu einen zehnmonatigen Stopp aller Siedlungsaktivitäten verhängte, die damals eine Schlüsselvoraussetzung für Gespräche seitens der Palästinenser wie der Administration Obama waren.

Wenn man also fragt, warum Israel den Konflikt nicht beendet und den Palästinensern gibt, was sie wollen, ist nicht die richtige Frage. Hier ist eine bessere Frage:

Warum weichen die Palästinenser weiter einem Friedensschluss mit Israel aus?

Bilder: Führer via YouTube/clintonlibrary42; Jerusalem CC BY-NC-ND Maggie & Rick; Clinton via YouTube/clintonlibrary42; Arafat via Wikimedia Commons

Die israelische Aliyah-Geschichte

23. April 2020

Dov Lipman, HonestReporting, 24. März 2020

Französische Juden kommen bei ihrer Aliyah am 17. Juli 2019 in Israel an. (Foto: Jack Guez/AFP via Getty Images)

Das hebräische Wort für jüdische Immigration nach Israel ist aliyah, was wörtlich „hinaufgehen“ bedeutet. Dies bezieht sich nicht nur auf die Topografie Israels im Vergleich mit anderen Ländern, sondern auch und mehr auf die spirituelle Erhebung, die man durch den Umzug ins Heilige Land erhält.

Es hat im Heiligen Land seit tausenden von Jahren eine ständige jüdische Präsenz gegeben – schon bevor das Christentum und der Islam entstanden.

Aber im Jahr 70 n.Chr. wurden die meisten Juden vom römischen Imperium aus ihrer Heimat ins Exil getrieben. Verstreut und ständig auf der Wanderung in der Welt hielten Juden immer an dem Traum der Rückkehr dorthin fest, was die Römer „Palästina“ nannten und von dem die Juden wussten, dass es „das Land Israel“ ist. Seither haben Juden am Versöhnungstag und zu Pessah inbrünstig erklärt: „Nächstes Jahr in Jerusalem!“

Die früheste religiöse Aliyah

Die Jahrtausende hindurch versuchten immer Einzelne und kleine Gruppen ihren Weg zurück nach Israel zu finden, aber die erste „Aliyah“ von Bedeutung fand im späten 17. Jahrhundert statt. 1697 verließ Rabbi Judah HaHassid Polen mit 31 Familien aus seinen Anhängern Richtung Israel. Sie verbrachten ein Jahr mit der Reise durch Deutschland und Mähren; dabei versuchten sie andere dazu zu inspirieren sich ihnen anzuschließen. Als sie in Italien ankamen, zählte die Gruppe 1.500 Personen. Fast ein Drittel starb unterwegs, aber als sie schließlich am 14. Oktober 1700 in Israel ankamen, ließen sie sich in Jerusalem nieder.

Die nächste große Gruppe zog zwischen 1740 und 1750 nach Israel, als tausende religiöser Juden dorthin zogen, darunter zwei der größten Rabbiner der Zeit – Rabbi Mosche Chaim Luzatto aus Italien und Rabbi Chaim Ben Attar aus Marokko, besser als Or Hachaim bekannt.


Jerusalem, dargestellt von David Roberts, einem Maler des 19. Jahrhunderts.

Ihnen folgten in den letzten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts hunderte Schüler des Gründers der chassidischen Bewegung, Baal Schem Tov. Diese Chassidim, die aus der heutigen Ukraine kamen, wollten keinen Staat aufbauen. Sie betrachteten sich eher als die spirituellen Abgesandten des jüdischen Volks rund um die Welt und konzentrierten sich auf religiöse Studien und Gebet.

Die nächste große Gruppe dieser religiösen Aliyah waren die Schüler des Rabbi Eliyahu von Wilna (der Wilna Gaon), die zu hunderten während des ersten Jahrzehnts des 19. Jahrhunderts ankamen. Diese Gruppe konzentrierte sich zwar auch auf das Spirituelle, aber sie kauften auch Boden für Landwirtschaft. Sie betrachteten das Wiedererblühen des Landes durch das Objektiv der biblischen Prophetien und das Kommen des Messias.

Die fünf Wellen der modernen Aliyah

Der Ausbruch von Pogromen in Russland und zunehmender Antisemitismus überall in Europa führte zu fünf eigenständigen Aliyah-Wellen von 1882 bis 1939. Diese Zuströme waren viel größer als die vorhergehende religiöse Aliyah.

Die Erste Aliyah (1882 – 1903): Die Immigranten dieser Periode arbeiteten an der Gründung eines jüdischen Staats im Heiligen Land. 60.000 Mitglieder der beiden Bewegungen – Chibat Zion, die eine stärker religiöse Perspektive hatte, und Bilu, die sich mehr auf die Landwirtschaft konzentrierte – zogen nach Israel.

Die Immigranten der Ersten Aliyah gründeten neue Siedlungen, aus denen Städte wurden – wie z.B. Rischon Letzion, Rechovot, Hadera, Gedera und andere – indem Arabern 90.000 Morgen Land abgekauft wurden. Sie richteten sich auch in Städten wie Jaffa ein, wohin 3.000 dieser neuen Zuwanderer zogen. Diese Aliyah-Welle war für die Wiederbelebung des Hebräischen als gesprochene Sprache verantwortlich und hebräische Schulen wurden gegründet.

Die Zweite Aliyah (1904 – 1914): Diese war von jüngeren säkularen russischen Immigranten mit sozialistischen Idealen geprägt. Sie wollten ein Arbeiter-Gemeinwesen in Israel schaffen und arbeiteten als Lohnarbeiter. Diese Gruppe, etwa 40.000, gründete die ersten Kibbuzim.

Diese Gruppe begann auch den Prozess des Aufbaus einer jüdischen Armee mit ihrem Verteidigungsbund HaSchomer. David Ben Gurion, Yitzchak Ben Zvi und andere idealistische zukünftige Führungspersönlichkeiten des Staates waren Teil dieser Aliayah.

Halutzim (Pioniere) in Migdal, 1912

Die Dritte Aliyah (1919 – 1923): Die Immigration nach Israel pausierte während des Ersten Weltkriegs, nahm aber 1919 wieder zu. Angespornt von der Balfour-Erklärung von 1917 kamen 35.000 Juden mit einem stärkeren zionistischen Geist aus Russland, Polen und Litauen, dazu weitere 1.000 aus anderen europäischen Ländern. Die zumeist jungen Pioniere dieser Aliyah gründeten die Histadrut, die landesweite Gewerkschaft; sie brachten die Arbeiter für den Bau von Häusern und Straßen.

Die Vierte Aliya (1924) erlebte die Ankunft neuer Typen von Immigranten: Ladeninhaber der Mittelklasse und Handwerker, zumeist aus Polen, die vor harten wirtschaftlichen Einschränkungen flohen. Die 67.000 Juden der Vierten Aliyah ließen sich in Städten wie Tel Aviv nieder und eröffneten Fabriken, Geschäfte, Restaurants und kleine Hotels.

Die Fünfte Aliyah (1929 – 1939) brachte mehr als 250.000 Juden nach Israel und war der erste große Zustrom mittel- und westeuropäischer Juden. Viele waren bestens ausgebildete Fachkräfte, darunter Ärzte und andere akademische Berufe, dazu Musiker und andere kulturell Kompetente. Sie ließen sich in Städten wie Tel Aviv, Haifa und Jerusalem nieder.

Diese Fünfte Aliyah fiel zeitlich mit geheimen Bemühungen zusammen Juden nach Israel zu bringen, was man auch als „Aliyah Bet“ kannte. 1934 charterte die HeHalutz-Bewegung ein griechisches Schiff, die „Vellos“, um 350 „illegale“ Immigranten nach Israel zu bringen, während die Briten versuchten die jüdische Zuwanderung ins Heilige Land zu reduzieren. Von 1937 bis 1939 kamen, organisiert von Betar und revisionistischen Gruppen, tausende weitere. Nach dem Holocaust gingen diese Bemühungen trotz britischer Einschränkungen für jüdische Zuwanderung weiter. Von 1934 bis 1948 erreichten 115.000 Juden Israel. 51.000 wurden von den Briten inhaftiert und erst befreit, um nach Israel einzureisen, als der jüdische Staat 1948 gegründet wurde.

Die Exodus im Hafen von Haifa, 1947.

Sammlung

Entsprechend seines Auftrags die jüdische nationale Heimstadt zu sein, erließ Israel das Rückkehr-Gesetz, um es Juden zu ermöglichen so einfach wie möglich „nach Hause“ zu kommen. Seit seiner Gründung hat Israel jüdische Immigranten in drei weiteren Wellen aufgenommen. Diese drei Zuströme kamen von unterschiedlichen Enden der Welt und brachten ausgeprägte Herausforderungen mit sich.

Mizrahi-Aliyah: Israels jüdische Bevölkerung stieg mit der Immigration von 820.000 Juden aus arabischen Ländern ab 1948 sprunghaft an. Jüdische Flüchtlinge aus arabischen Ländern waren gezwungen angesichts von antisemitischen Pogromen, Unterdrückung und Diskriminierung aus ihren Heimen zu fliehen.

Von 1948 bis 1951 kam der erste Zustrom von 256.000 Menschen aus dem Irak, dem Jemen, Libyen und der Türkei. Die Juden des Irak und des Jemen wurden in den Operationen Esra und Nehemia bzw. Fliegender Teppich per Luftbrücke nach Israel gebracht. Zehntausende machten Mitte der 1950-er Jahre Aliyah aus Ägypten und Marokko und hunderttausende zogen während der 1960-er aus anderen nordafrikanischen Ländern nach Israel.

Die meisten dieser Immigranten wurden zeitweise in Einwanderungslagern unter- und dann nach Ma’abarot gebracht – Transitlager aus Blechhütten. Diese Immigranten tendierten dazu religiös traditioneller zu sein als die Staatsgründer und sie zogen schließlich in ihre eigenen Viertel in Israels Entwicklungsstädten in der nördlichen und südlichen Peripherie.

Die Russische Aliyah: Es gab zwar in den 1970-er und 1980-er Jahren einen ständigen Zufluss von Juden nach Israel aus aller Welt, der nächste große Zustrom kam dann in den 1990-ern, als die Sowjetunion zerfiel. Als die Juden zu Beginn dieser Welle erst einmal zu Transitpunkten in Europa fliegen mussten, stellte Israel jedes Flugzeug der El Al zur Verfügung, um sie nach Hause zu fliegen. Fast eine Million machten Aliyah und Israel stellte 430 Wohnwagen zur Verfügung, um sie vorübergehend unterzubringen.

Diese russische Aliyah trug enorm zu Israel bei, weil 60% dieser Immigranten über höhere Schulbildung verfügten – doppelt so viele wie bei den Israelis damals. Dazu gehörten 57.000 Ingenieure, gegenüber 30.000, die es damals in Israel gab, und 12.000 Ärzte, wobei ganz Israel bis dahin gerade 15.000 Ärzte hatte.

Die Russen hatten Probleme mit der Integration in die israelische Gesellschaft; sie tendierten dazu in eigenen Vierteln zu leben. Zusätzlich wurden die russischen Berufsabschlüsse oft nicht anerkannt, was die Immigranten zwang in Jobs zu arbeiten, die ihrer Erfahrung nicht entsprachen. Aber bis 2012 entsprachen ihre Gehälter denen der ursprünglichen israelischen Juden und ihre Kinder integrierten sich als vollentwickelte Israelis.

Äthiopische Immigranten 1991 nach der  Operation Solomon ein einem Eingliederungszentrum.

Die äthiopische Aliyah: 1984 wurden rund 7.000 äthiopische Juden per Luftbrücke in der Operation Moses nach Israel geflogen, nachdem sie durch eine sudanesische Wüste wanderten, um ein geheimes Flugfeld zu erreichen. Weitere 500 wurden von den Vereinigten Staaten in der Operation Josua nach Israel geflogen. Und dann setzte Israel 1991 die Operation Solomon in Bewegung – schickte 34 Flugzeuge, viele davon mit ausgebauten Sitzen, um die Kapazität zu erhöhen; 14.000 äthiopische Juden wurden im Verlauf von 36 Stunden nach Israel gebracht.

Heute leben etwa 140.000 Juden äthiopischer Herkunft in Israel. Die Integration dieser Bevölkerung, die nicht an einen westlichen Lebensstil gewöhnt ist, ist eine besondere Herausforderung für Israel gewesen. Die äthiopische Gemeinschaft sah sich leider Rassismus und Diskriminierung ausgesetzt. Darüber hinaus versuchen rund 8.000 Äthiopier, die manchmal auch Falasch Mura oder Beta Israel genannt werden und nahe Verwandte in Israel haben, ebenfalls zu immigrieren, aber das Innenministerium erkennt sie nicht als Juden an.

Aber Fortschritt spiegelt sich in der neuen Generation äthiopischer Israelis. Nachkommen der Immigranten sind in großer Zahl in die höhere Bildung gegangen und haben hohe Ebenen in IDF, Politik, Kultur und Medien erreicht.

* * *

Bei fast sechs Millionen in Ländern der ganzen Welt lebenden Juden geht die Aliyah weiter. Das erste Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts erlebte mehr als 250.000 neue Immigranten aus 150 Ländern. Die höchste Anzahl kam aus Russland (66.800), der Ukraine (45.670), Frankreich (38.000) und den USA (32.000).

Israel ist bekannt als Land der Immigranten. Die Geschichte der Aliyah der letzten 300 Jahre zu den Juden, die Israel nie verließen, macht das breite Spektrum an Kulturen, Traditionen, Bräuchen und Akzenten aus, die Israel seine einzigartige Gesellschaft geben.

 

 

Der Ursprung des Land für Frieden

2. April 2020

Paul Schindman, HonestReporting, 25. März 2020

Land für Frieden ist das zentrale Mantra in der Jahrzehnte dauernden Suche nach der Lösung des Konflikts zwischen Israel und seinen arabischen Nachbarn gewesen.

Im Kontext des israelisch-arabischen Konflikts kam das Konzept erstmals 1947 in der diplomatischen Arena der Vereinten Nationen auf. UNO-Resolution 181, besser bekannt als der Teilungsplan, forderte die Zuteilung von Land für die friedliche Gründung zweier Länder – eines jüdischen und eines arabischen.

Die Resolution 181 wurde von den Juden akzeptiert, aber von den Arabern abgelehnt, die den Krieg erklärten, um die Gründung des jüdischen Staates zu verhindern. Obwohl die UNO damit scheiterte 181 in Kraft zu setzen, war diese erste diplomatische Lösung für den Konflikt die ursprüngliche Zweistaaten-Lösung, ein Konzept, das erst wieder in der Folge des Sechstage-Kriegs von 1967 in Mode kam.

Diplomatische Schlüsselsemantik

In den 1960-er Jahren tendierte die Welt dazu vom „arabisch-israelischen“ Konflikt in Begriffen des winzigen jüdischen Staates zu sprechen, der von seinen arabischen Nachbarn umgeben und zahlenmäßig gewaltig unterlegen war. Dieser Konflikt kulminierte 1967, als arabische Länder es nicht schafften ihr Ziel die Juden ins Meer zu treiben zu verwirklichen. Das Ergebnis des Sechstage-Kriegs war ein militärischer Sieg Israels und die Eroberung der Westbank von Jordanien, der Sinai-Halbinsel von Ägypten und der Golanhöhen von Syrien.

Sir Hugh Foot, alias Lord Caradon, der britische US-Botschafter, der die Resolution 242 schrieb

Nach dem Krieg gab es große diplomatische Anstrengungen, deren Ergebnis was die Schaffung eines neuen Standards war, als die UNO einstimmig die Resolution 242 des Sicherheitsrats beschloss. Ihre Formulierung wurde sorgfältig gestaltet, um die Resolution für alle Seiten annehmbar zu machen und beinhaltete den Schlüsselsatz: „Abzug israelischer bewaffneter Kräfte aus Gebieten, die es im jüngsten Konflikt besetzte.“

Das kurze, aber sehr bedeutende Dokument wurde zum Grundstein zukünftiger Verhandlungen. Diejenigen, die mit den semantischen Nuancen der Resolution 242 nicht vertraut sind, ändern die Formulierung in „die Gebiete“ und kommen fälschlich zu dem Schluss, dass das alle Gebiete bedeutet. Der Autor der Resolution, der britische Diplomat Sir Hugh Foote, auch bekannt als Lord Caradon, betonte jedoch ausdrücklich, dass die Mitglieder des Sicherheitsrats Resolution 242 in genauer Kenntnis der gezielten Formulierung einstimmig verabschiedeten.

Es wäre falsch gewesen zu fordern, dass Israel auf seine Positionen vor dem 4. Juni 1967 zurückkehrte, weil diese Positionen nicht wünschenswert und künstlich waren“, sagte Caradon.

Land für Frieden in der Praxis

Seit 1967 hat es mehrere israelische Rückzüge von Land gegeben, das von seinem Militär besetzt war; die bemerkenswertesten waren:

  1. Der Friedensvertrag mit Ägypten (1979): Nach dem historischen ersten Friedensvertrag mit einem arabischen Nachbarn beseitigte Israel über drei Jahre hinweg seine 18 Siedlungen und drei IDF-Basen in einem stufenweisen Abzug aus der strategisch wichtigen Sinai-Halbinsel, die im Krieg von 1967 erobert worden war. Die zwei Länder haben seitdem in Frieden gelebt, was sogar bis zu militärischer Kooperation im Kampf gegen islamischen Terrorismus im Sinai ging.
  2. Friedensvertrag mit Jordanien (1994): Die zwei Seiten lösten einige unwichtige Grenzprobleme und Jordanien entband sich selbst von jeglichen Souveränitätsansprüchen an der Westbank. Israel pachtete einige Bereiche im Jordantal, aber die beiden lösten alle Ansprüche auf Land. Das endete Ende 2019, als Amman es ablehnte, die Pacht zu verlängern.

Die Verträge mit Ägypten wie auch Jordanien erwähnen ausdrücklich, dass Resolution 242 die Grundlage des Friedens ist.

Ägpytens Präsident Anwar Sadat, US-Präsident Jimmy Carter und der israelische Premierminister Menachem Begin feiern nach er Unterzeichnung des israelisch-ägyptischen Friedensvertrags 1979.

Einseitiger Abzug führt nicht zu Frieden

Friedensaktivisten und Diplomaten haben wiederholt das Argument angeführt, Frieden zwischen Israel und den Palästinenser könnte erreicht werden, „wenn nur Israel einfach die besetzten Gebiete verlässt“.

Ähnliche Argumente wurden Ende des 20. Jahrhunderts mit Aufforderungen an Israel erhoben sich aus dem Libanon zurückzuziehen, in der „Hoffnung“, dass das Ergebnis darin bestehen würde „bei der Verhandlung von Friedensverträgen voran zu kommen“.

Zwei schlichte Beispiele beweisen den Trugschluss des Arguments:

Bewaffnete Kräfte der IDF kehren 1985 nach Israel zurück. (Foto: Nati Harnik über das GPO)

1. Rückzug aus dem Südlibanon (2000): Als die zweite Intifada tobte, befahl Premierminister Ehud Barak den Rückzug der IDF aus dem Libanon. Israels Krieg im Libanon begann 1982 in Reaktion auf Terroranschläge von libanesischem Territorium aus und ein Versagen von Recht und Ordnung, als der Bürgerkrieg im Libanon tobte.

Statt des Ziels der UNO, dass die Regierung im Libanon „ihre Streitkräfte im gesamten Südlibanon stationiert“ wurde das Land von der vom Iran bewaffneten und finanzierten Terrororganisation Hisbollah übernommen. Die Hisbollah lehnte es in der Folge ab die zahnlose Resolution 1701 des UNO-Sicherheitsrats umzusetzen, die ihre Entwaffnung und Übernahme in die libanesische Armee forderte.

Gestärkt von Israels Abzug sollte die Hisbollah Jahre später eine Schlüsselrolle dabei spielen, dem syrischen Diktator Bashar Assad zu helfen den Bürgerkrieg brutal niederzuschlagen, der damit begann, dass unbewaffnete syrische Zivilisten demonstrierten, um mehr Menschenrechte zu fordern.

„Der einseitige Abzug aus dem Libanon gab dem Image Israels tatsächlich einen Schub in der internationalen Arena, schadete aber Israels Image in der Region stark“, schrieb Schmuel Even vom Institute for National Security Studies (INSS) in Tel Aviv. Ohne Verhandlungen zwischen beiden Seiten, sagt Even, wurde erwartet, dass „der Rückzug eine neue politische Realität schaffen würde, die den Friedensprozess vorantreibt“. Die neu geschaffene Realität jedoch „stärkte die Gegner des Friedens in der Region“.

2. Der Abzug aus dem Gazastreifen (2005): Unter der Regierung von Premierminister Ariel Sharon, bekannt als entschiedener Rechter und der „Bulldozer“, der den Siedlungsbau vorantrieb, zog Israel eigenmächtig seine Siedlungen und Armeebasen aus dem Gazastreifen ab und übergab der palästinensischen Autonomiebehörde die volle Kontrolle. Sharon erklärte: „Es gibt keinen palästinensischen Partner, mit dem man friedlich einer Regelung näher kommen kann“ und daher muss Israel einseitig handeln, um den Konflikt mit den Palästinensern anzugehen.

Innerhalb von zwei Jahren vollführte die Terrororganisation Hamas einen Militärputsch und übernahm die Macht. Die Hamas bleibt ihrem Ziel verpflichtet militärische Gewalt anzuwenden, um Israel durch einen islamisch-palästinensischen Staat zu ersetzen. Der Gazastreifen steht wegen der Bedrohung durch Waffenschmuggel unter Blockade.

Israels Rückzug aus dem Land im Gazastreifen hatte das Gegenteil von Frieden zur Folge: Es hat mehrere von der Hamas initiierte Kriege gegeben. Die Hamas machte sich nicht nur das Konzept des „Land für Frieden“ nicht zu eigen, die Militärdiktatur, die den Gazastreifen mit eiserner Faust führt, lehnt den Friedensprozess entschieden ab und wird vom Iran gestützt, der wiederholt die „totale Auslöschung“ Israels fordert.

Auf der Klos C gefundene Waffen in Eilat am 10. Mai 2014 ausgestellt.

Die israelischen Abzüge aus dem Libanon und dem Gazastreifen beweisen den Denkfehler, ein einfacher Abzug Israels würde die „Hoffnung“ von Diplomaten erfüllen und zum Frieden führen. Bislang erfordert erfolgreiches Land für Frieden staatliche Akteure, ohne Anzeichen dafür, dass nichtstaatliche Akteure die Möglichkeit haben das Konzept zu erfüllen.

Land für Frieden und die Zweistaatenlösung

Es ist wichtig festzuhalten, dass „Land für Frieden“ 1967 Frieden mit Jordanien, Ägypten und Syrien bedeutete, aber nicht mit einem unabhängigen Palästinenserstaat. Damals war die Palästinensische Befreiungsorganisation kein staatlicher Akteur; sie rief zur Vernichtung Israels auf sowie es durch einen Palästinenserstaat zu ersetzen. Die Resolution 242 forderte lediglich eine „gerechte Regelung des Flüchtlingsproblems“. Es gab nichts von einer Zweistaatenlösung, von der erst wieder geredet wurde, als Geheimgespräche zu den Oslo-Vereinbarungen führten.

Die Realität des 21. Jahrhunderts sieht so aus, dass der arabisch-israelische Konflikt verblasst. Das Konzept Land für Frieden war ein integraler Teil des Friedens, den Israel mit seinen zwei vormals kriegslüsternen Nachbarn hat. Die dritte Schlüsselpartei, Syrien, verbleibt in einem Zustand des Chaos und der Instabilität, verzehrt von seinen internen Problemen – Frieden mit Israel steht nicht auf der Tagesordnung. 1981 beschloss Israel in Anerkennung der Ablehnung vor Frieden durch Syriens Diktator Hafez Assad ein Gesetz, dass auf den Golanhöhen israelisches Recht angewendet werden soll. Das ist noch keine Annexion, aber für Land für Frieden mit Syrien war die Tür durch die Kombination aus dem Zusammenbruch Syriens und der Anerkennung israelischer Souveränität durch die Vereinigten Staaten dort zugeschlagen.

Andere arabische Länder einschließlich Marokko und vieler Golfstaaten haben informelle Verbindungen zu Israel. Sei drängen offen auf Kooperation, womit sie selbst anerkennen, dass Land für Frieden angesichts der gegenwärtigen Situation mit den Palästinensern nicht funktionieren wird. Die meisten arabischen Länder haben ihre antiisraelische Rhetorik erheblich zurückgeschraubt und legen nur Lippenbekenntnisse zur Standardaufforderung nach „israelischem Rückzug aus besetzten Gebieten“ ab.

Während ehemalige Feinde sich Israel annähern verwandelt sich der Konflikt von einem regionalen in einen, der regelmäßiger der israelisch-palästinensische genannt wird. Ein größeres Hindernis für Frieden ist nicht Israels Bockigkeit gegenüber Land für Frieden, sondern die eingegrabene Trennung zwischen der von der Fatah kontrollierten palästinensischen Autonomiebehörde in der Westbank und dem von der Hamas beherrschten Gazastreifen. Geteilte palästinensische Herrschaft macht Fortschritte bei Friedensbemühungen unmöglich.

„Die Ereignisse der letzten Jahre haben die Bedeutung territorialen Abzugs als einen eine Vereinbarung voranbringenden Schritt erodiert“, schrieb Zaki Shalom vom INSS. „Die Formel ‚Land für Frieden‘, seit den Oslo-Vereinbarungen im Staat Israel ein Mantra, verlor bei vielen seine Wirkung und Praktikabilität…“

Schlussfolgerung

Angesichts der komplexen Natur des Konflikts kann der Friedensprozess nicht auf ein simples Mantra „Land für Frieden“ heruntergeschraubt werden.

Das Konzept gilt, wenn zwei Seiten in gutem Glauben verhandeln, wie es mit Ägypten und Jordanien der Fall war. Aber Friedensbemühungen benötigen auch einen Verhandlungspartner, der sowohl in der Westbank als auch dem Gazastreifen Schritte zum Frieden machen und umsetzen kann.

Wie sah das Land Israel vor 1948 aus?

2. April 2020

David Brummer, HonestReporting 27. Februar 2020

Blickt man auf die geografische und geopolitische Landschaft im 21. Jahrhundert, dann ist das Land Israel vor 1948 fast nicht zu erkennen.

Wenn wir das moderne Israel sehen – ein ultramodernes Land mit mehr als 9 Millionen Bürgern – dann ist es oft schwer in Begriffe zu fassen, wie das Land vor 1948 aussah. Blickt man auf die Skylines vieler der Städter Israels mit ihren schimmernden, funkelnden, vielstöckigen Bürogebäuden, Wohnhäusern – und zunehmend Wolkenkratzern (zumindest in Tel Aviv) – dann ist die Landschaft räumlich nicht mehr zu erkennen.

Die Veränderungen und Unterschiede enden hier aber nicht. Bevor David Ben Gurion, der erste Premierminister Israels, am 14. Mai 1948 Israels Unabhängigkeitserklärung verlas, lebten 600.000 Juden im Land. Gemäß Schätzungen lebten in Jerusalem – der neu erklärten Hauptstadt des entstehenden Staates – etwa ein Fünftel oder bis zu 120.000 Juden. Rund 2.000 Juden lebten– wie sie es Jahrhunderte lang legitim getan hatten – innerhalb der 500 Jahre alten Stadtmauern Jerusalems, sicherlich seit der Rückkehr aus dem Exil in Babylon im 6. Jahrhundert v.Chr.

Außerhalb von Jerusalem waren Juden weithin über das Mandat Palästina verstreut. Etwa die Hälfte der übrigen 480.000 im Land lebenden Juden – 244.000 Menschen – lebten im Raum Tel Aviv. Das erste jüdische Viertel – Never Tzedek – wurde erst 1887 gegründet, das Ergebnis einer Lotterie von anfänglich 60 Familien und eine Notwendigkeit in Jaffa Raum zu schaffen, einer damals mehrheitlich arabischen Stadt. Tel Aviv selbst wurde 1909 gegründet. Vor dem Bürgerkrieg zwischen den Juden und Araber Palästinas 1947/48 und dann dem internationalen Konflikt, der Israels Unabhängigkeitserklärung folgte, war das Land spärlich besiedelt.

Israel Zangwill, ein jüdisch-britischer Roman- und Theaterautor (und jemand, der stark in die Frauenrechtsbewegung involviert war) schrieb früh in seiner Karriere eine Artikelserie; darin beschrieb er Palästina als „Wildnis … eine Verwüstung … ein verlassenes Heim“ und ein Land das „zerstört war“.

Eine damals beliebte Sicht auf das Land lautete, Palästina sei ein „Land ohne Volk, das auf ein Volk ohne Land wartet“. Das ist nicht ganz richtig – da es offensichtlich Menschen gab, die Palästina bevölkerten, aber sie waren nicht so organisiert, dass der Eindruck eines funktionierenden Landes entstand. Es war ein verwaltungsmäßig rückständiger Landstrich des rasch zerfallenden osmanischen Reiches, das die Region 400 Jahre lang beherrschte und kaum etwas zu seiner Entwicklung tat.

Die Araber im Heiligen Land

Aber was ist mit der lokalen arabischen Bevölkerung?

Gegen Ende der osmanischen Herrschaft lebten mehrere tausend in Jerusalem; und was den Rest angeht – größtenteils waren sie weit verteilt – zumeist in Dörfern und Kleinstädten – über Judäa und Samaria sowie Galiläa verteilt. Während der osmanischen Zeit lebten die meisten als Pachtbauern in einem ziemlich feudalen System mit Landbesitzern, aber einige auch in Städten wie Gaza, Hebron, Haifa und anderen Orten.

Am Ende des 19. Jahrhunderts gab es erste Anzeichen arabischen Nationalismus, wobei wohlhabendere palästinensische Araber die türkische Obrigkeit drängten jüdischen Flüchtlingen und Pionieren die Siedlung im Land nicht zu erlauben.

Eine der heute am meisten irritierenden Fragen – oder Themen – ist die Vorstellung, dass irgendwie alle palästinensischen Araber ohne viel Federlesen  von ihrem Land vertrieben wurden – oder dass ihnen zumindest angemessene Entschädigung verweigert wurde. Das ist schlicht nicht so. Erst 1856 hatten die Osmanen ein Gesetz erlassen, das es Ausländern erlaubte Land im Reich zu kaufen; das geschah mit den tanzimat-Reformen, die ein verspäteter und irgendwie halbherziger Versuch waren Menschen zu erlauben sich als Teil des Staates zu fühlen, indem man ihnen Rechte gab.

1881 begannen die Osmanen Landverkauf an Juden und Christen zu verbieten; sie erklärten zudem, dass Juden noch erlaubt sei ins osmanische Reich einzuwandern – allerdings mit der Ausnahme Palästinas. Wie mit so vielen Funktionen türkischer Herrschaft wurden offizielle Erklärungen aus Konstantinopel verwässert, wenn sie in Palästina ankamen.

Der legale Weg zu jüdischem Landerwerb in Palästina blieb offen und der Jischuw machte das Beste aus der Gelegenheit. Araber waren bereit an wohlhabende Juden – wie Moses Montefiore oder Baron Edmond de Rothschild – zu oft überhöhten Preisen [Land] zu verkaufen. Der Jüdische Nationalfond war zudem in der Lage große Landstücke von den Osmanen zu kaufen und viel davon wurde durch ein dauerhaftes Erbe der Zweiten Aliyah (1904-1914) genutzt – die Kibbuz-Bewegung. Die Aufzeichnungen sind für diejenigen eindeutig, die bereit sind die Augen zu öffnen.

Palästinas Haupthafen war Jaffa, vor 1948 der wichtigste Einreiseort ins Land Israel. Ende der 1920-er Jahre entwickelten die Briten Haifa als Tiefseehafen im Versuch einen Vorteil aus dem Öl zu ziehen, das vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs in Persien gefunden wurde.

Es erscheint ironisch, dass die arabische Revolte von 1936 bis 1939 – ein gewalttätiger nationalistischer Aufstand der palästinensischen Araber, der zum Teil Protest gegen die zunehmende jüdische Einwanderung war – zur Entwicklung von Tel Aviv als neuem Hafen führte. Jaffa zu nutzen wurde als zu unsicher betrachtet; und ein Versuch systematische Veränderung im Land zu bewirken, schlug nicht zum ersten Mal massive auf die zurück, zu deren Gunsten er angeblich erfolgte. Palästinas Juden bauten derweil weiter die Infrastruktur eines potenziellen Staates auf, erwarben Land, investierten in Wassertechnologie, entwickelten die hebräische Sprache weiter und versuchten eine Zivilgesellschaft zu schaffen, die in der Zukunft nötig sein würde.

Die Zivilgesellschaft im jüdischen Teil des Mandats Palästina, als Jischuw bekannt, beinhaltete das Funktionieren von Quasi-Regierungsinstitutionen. Die Position des Jischuw war komplex – er hatte ständig mit veränderlichen Schicksalen zu ringen, die die Briten und deren Versuche, die palästinensischen Araber und Juden gegen einander auszuspielen, betrafen.

Ein entscheidender Moment kam im November 1917 mit der Balfour-Erklärung; eine hart gewonnene Anerkennung der langen historischen Verbindung der Juden  zum Land Israel durch eine imperiale Supermacht, die trotz ihrer (möglicherweise beabsichtigten) Zweideutigkeit dem jüdischen Volk eine Heimat zu garantieren schien. Andere imperiale Mächte diskutierten das Schicksal des Jischuw ebenfalls, besonders im April 1920 in der italienischen Stadt San Remo. Großbritannien, Frankreich, Italien und Japan kamen zusammen, um die Teilung des Landes zu diskutieren, das früher vom osmanischen Reich gehalten worden war.

Die palästinensischen Araber waren wütend, dass die Juden als Ergebnis davon eine nationale Heimstatt in Palästina haben würden. Ihre Reaktion – wie es so oft der Fall war – und ein Muster, das sich mehr als ein Jahrhundert lang wiederholt hat – bestand darin mit Gewalt zu reagieren. Die Krawalle in Jaffa 1921 begannen eine koordiniertere Verteidigung zu begegnen, die in der Gründung der Haganah sichtbar wurde.

1922 erhielt der Jischuw einen weiteren Schlag, als Winston Churchill, der bis dahin als Freund er zionistischen Sache betrachtet wurde, beschloss die Landkarte des Nahen Ostens neu zu zeichnen. Er schnitt den Teil Palästinas ab, der östlich des Jordan lag und schuf das Land Transjordanien (später als Jordanien bekannt).

Der jüdische Staat, von dem der Jischuw glaubte, er würde ihn am Ende des Mandats bekommen, sollte jetzt 75% kleiner sein als man sie hatte glauben lassen. Er würde in den folgenden Jahrzehnten weiter schrumpfen, obwohl sie das damals noch nicht hätten wissen können. Doch trotz dieser massiven Rückschläge war das übergeordnete Ziel einen Staat zu erringen weiter zentrales Element der zionistischen Sache. Ben-Gurion und andere waren pragmatisch genug zu begreifen, was das bedeuten und was es kosten würde.

Die rapide Entwicklung Israels vor 1948

Das Land Israel vor 1948 war eine eigentümliche Mischung aus uralten, sich langsam bewegenden und traditionellen Lebensstilen und zudem eine Ort, der vor Pioniergeist explodierte. Während des frühen 20. Jahrhunderts, einer Periode, in der das erstarrte osmanische Reich immer noch dominierte, veränderten jüdische Zuwanderung und Landkäufe zunehmend einen vergessenen Ort. Jüdische Zuwanderer belebten rapide ein Land, das während 400 Jahren Herrschaft kaum Infrastruktur und Modernisierung erlebt hatte.

Die physische Landschaft veränderte sich durch die Fortschritte in der Wassertechnologie – die während der Periode des britischen Mandats weiter entwickelt wurde – insbesondere Bewässerung und die Fähigkeit selbst Brackwasser für die Landwirtschaft zu verwenden, zeigte, dass sogar in der Wüste menschliches Leben erhalten werden konnte.

Zusätzlich begannen kleine Städte in große zu wachsen und neue Viertel begannen aus bestehenden Ballungszenten heruaszuschwappen. In dieser Atmosphäre entwickelte sich die hebräische Sprache weiter, wurde in Büchern, Zeitungen, Radio und Theater verwendet – eine fortgesetzte Auferstehung von den Toten. Politische Organisationen waren ebenfalls entscheidend, da die Hebel des Staates – bevor es überhaupt einen Staat gab – auf täglicher Grundlage angewandt wurden. Sie schufen die Bausteine für den blühenden, modernen Staat Israel, den wir heute sehen.

Jesus war Jude, nicht Palästinenser

12. März 2020

Emmanuel Miller, honestReporting, 5. September 2019

 

Bis vor gar nicht so langer Zeit war die Auffassung, dass Jesus Jude war, allgemein unbestritten. In den letzten Jahren versucht jetzt aber eine neue Generation von Antiisrael-Aktivisten und -Akademikern jetzt geltend zu machen, dass Jesus in Wirklichkeit nicht nur Jude war, sondern Palästinenser.

Lassen Sie uns erst einmal etwas zurückgehen. Das letzte Jahrhundert hat viele Denkschulen erlebt, die uns zwingen wollten unsere grundlegenden Überzeugungen infrage zu stellen. Einige davon haben zu großen Fortschritten geführt: die Überzeugung, dass Frauen gleiche Rechte haben sollten, dass Schwarze gleiche Rechte haben sollten, dass Homophobie in der modernen Gesellschaft keinen Platz hat. Alles wertvoll. Andere haben lange vertretene Konzeptionen infrage gestellt, so „trinken ist männlich“ oder dass Frauen weniger gezahlt wird als Männern.

Eine der infrage gestellten Konzeptionen der letzten Jahre ist die fast universale Darstellung von Jesus als Weißem. In Anbetracht dessen, dass Jesus als im Heiligen Land lebend beschrieben wurde, würde ihn das zu einem Einheimischen des Nahen Ostens machen. Mit anderen Worten, es gibt alle Gründe sich Sorgen zu machen, dass Darstellungen Jesu als hellhäutig falsch sind.

Wenn es doch nur damit enden würde. Ein radikaler Kern an Aktivisten scheint jetzt ganz erpicht darauf zu sein „braune“ Identität zu vereinnahmen und Juden auszugrenzen, womit sie die historische Wahrheit bestreiten, dass Jesus in der Tat Jude war.

Also… war Jesus Jude oder war er Palästinenser?

Zugunsten aller, die dieser falschen Behauptung ausgesetzt sind, ist eine kurze Rekapitulation angebracht:

Jesus wurde in Judäa geboren, einem Satellitenstaat des römischen Imperiums und bezeichnete sich als Jude. Damals dort lebende Juden hätten sich höchstwahrscheinlich als im Land Israel lebend beschrieben. Jeder, der im ersten Jahrhundert n.Chr. etwas von „Palästina“ gesagt hätte, hätte sich einen seltsamen Blick geerntet, besonders von den indigenen, Aramäisch sprechenden Juden. Das Land unterlag allen religiösen Gesetzen des Judentums, die im Land Israel galten.

Ein Jahrhundert später wurde das Gebiet umbenannt. Nachdem im zweiten Jahrhundert eine jüdische Revolte niedergeschlagen wurde, wurde die überwiegende Mehrheit der Juden ins Exil geschickt und der römische Kaiser Hadrian ließ die Region in der Folge in „Syria Palestina“ umbenennen, nach den antiken Feinden der Juden, den Philistern; es handelte sich um einen feindseligen Zug, der demonstrieren sollte, dass das Land nicht länger den Juden gehörte.

Einfach ausgedrückt: Ein Aramäisch sprechender Jude, der ein Jahrhundert vor diesem Namenswechsel lebte, hätte sich niemals selbst als Palästinenser bezeichnet.

Tatsächlich wird Palästina, während das Neue Testament Israel und die Juden wiederholt anführt, nicht ein einziges Mal erwähnt. Nehmen wir zum Beispiel das zweite Kapitel des Matthäus-Evangeliums, das so beginnt:

Jesus wurde in Betlehem in Judäa* geboren, zur Zeit, als König Herodes das Land regierte. Bald nach seiner Geburt kamen Sterndeuter aus dem Osten nach Jerusalem und fragten: »Wo finden wir den neugeborenen König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, um uns vor ihm niederzuwerfen.« „Es wird durchaus geglaubt, dass am Kreuz über Jesu Kopf das Schild ‚INRI‘ befestigt war – Iesvs Nazarenvs Rex Ivdaeorum‘, Lateinisch für: Jesus von Nazareth, König der Juden.

Was Jesu Auftauchen angeht, ist es zwar schwierig sicher festzustellen, wie eine bestimmte Person aufgetreten ist, aber etwas Dokumentation gibt es zu dem, wie die Zeitgenossen von Jesus ausgesehen haben können. Die jüdische Mischna (Negaim 2,1) verzeichnet einen Rabbiner, der sie so beschreibt: „Die Kinder Israels – möge ich für sie büßen – sind wie Zedernholz, weder schwarz noch weiß, sondern dazwischen.“

Der Einzug von Arabern ins Heilige Land geschah erst rund 700 Jahre nach der Kreuzigung Jesu, als arabische Eroberer die Gegend an sich brachten. Die Leute, die sich heute als Palästinenser bezeichnen, sind Araber und daher ist klar, dass Jesus, ganz einfach, kein Palästinenser oder Araber war, sondern Jude.

Wen kümmert es, ob Jesus Jude oder Palästinenser war?

Juden tendieren als Ganzes nicht dazu allzu viel Gedanken an Jesus zu verwenden. Aber Fakten sind wichtig. Geschichte ist wichtig. Wenn Jesus kein Jude war, sondern Palästinenser, dann dient das als politisches Mittel, weil es die Legitimität der jüdischen Verbindung zum Heiligen Land in Frage stellt, während es unterstellt, dass die Palästinenser dort antike Wurzeln haben.

Weit davon entfernt eine unschuldige Behauptung zu sein, dient die Aussage Jesus WAR Palästinenser dazu; jüdische Geschichte für nichtig zu erklären. Das ist besonders für politische Aktivisten und Politiker nützlich, die die Verbindung des jüdischen Volks zum Land Israel zu aushöhlen wollen.

Genau das brach 2013 aus, als eine von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas veröffentlichte Weihnachtsbotschaft auf Jesus als „palästinensischen“ Botschafter der Hoffnung zu sprechen kam. Die Behauptung wurde 2019 wieder bekannt, als im Abstand von ein paar Monaten sowohl die Kongressabgeordnete Ilhan Omar also auch die Aktivistin Linda Sarsour behaupteten, Jesus sei Palästinenser gewesen.

Im April teilte die demokratische Abgeordnete Ilhan Omar einen Tweet, in dem es hieß: „Wissen sie [die amerikanischen Christen] nicht, dass auch wir Christen sind? Betrachten sie uns überhaupt als Menschen? Wissen sie nicht, dass Jesus Palästinenser war?“

Am folgenden Tag zog ein von Eric Copage, einem ehemaligen Redakteur des New York Times Magazine und Reporter der NYT, in einem Op-Ed in der New York Times in Zweifel, ob Jesus weiß war, wie er allgemein dargestellt wird. In Copages mehr als 600 Worten fand er es nicht für nötig die grundlegende Wahrheit anzuerkennen, dass Jesus Jude war. Er hatte jedoch Platz dafür Jesus als Palästinenser zu bezeichnen.

Lassen Sie uns das klarstellen: Der Autor fragt, wie Jesus aussah, dann bezeichnet er ihn als Palästinenser und lässt die Tatsache komplett weg, dass Jesus Jude war?
Offenbar geht dieses Gelaber bei der New York Times als legitime Qualitätsmeinung durch.

Ein paar Monate später schloss Linda Sarsour sich Omar und Copage an. In einem Twitter-Austausch versicherte Sarsour: „Jesus war Palästinenser aus Nazareth“, behauptete, er wurde „im Koran als mit braun-kupferner Haut mit wolligem Haar beschrieben“.

Bischof Talbert Swan:
Wenn also jemand sagt, Hitler oder Mussolini waren weiß, würden sie ihm gegenüber argumentieren „Hitler war deutsch und Mussolini war Italiener?“
Es gab im Nahen Osten keinen solchen Ort, an dem Christus lebte; das ist ein Wort aus den 1850 Jahren.
Was zur Hölle hat Geografie mit ihrem Schwarz sein zu tun?

Als zahlreiche Menschen sie darauf hinwiesen, dass Jesus Jude war, legte Sarsour mit ihrer Antwort nach: „Palästinenser ist eine Nationalität, keine Religion. Ihr Punkt wird nicht bestritten. Juden lebten mit Palästinensern in friedlicher Koexistenz, bevor es einen Staat Israel gab.“

Kapiert. Konnte also Jesus sowohl Jude als auch Palästinenser sein?

Das ist ein zentraler Punkt ist für das Argument „Jesus war Palästinenser“. Diejenigen, die behaupten Jesus sei Palästinenser, geben im Allgemeinen zu, dass Jesus Jude war oder zumindest versuchen sie nicht das zu bestreiten. Stattdessen versuchen sie zu behaupten, weil Nationalität und Religion nichts miteinander zu tun haben, gebe es keine Notwendigkeit von der Äußerung beleidigt zu sein, dass Jesus palästinensischer Nationalität war.

Ganz abgesehen von der Tatsache, dass über Jahrhunderte vor der Gründung Israels im Land lebende Juden und Araber nicht einfach in „friedlicher Koexistenz“ lebten, ist der Hinweis, dass ein Mensch sich vor 2.000 Jahren als Palästinenser sowie als Jude identifiziert haben könnte, schlicht und einfach falsch.

Angesichts solcher Attacken sind Juden rund um die Welt schnell dabei gewesen, gegen diejenigen, die behaupten, Jesus sei Palästinenser gewesen, Stellung zu beziehen. Nach der Veröffentlichung von Copages Text twitterte Jeremy Burton, der verantwortlicher Direktor des Jewish Community Relations Council von Boston seine Antwort: „Wichtig darauf hinzuweisen: Nein, Jesus identifizierte sich nicht als Palästinenser. Er war ein judäischer Jude und der Begriff Palästina war der des römischen Besatzers.“

Als er über Sarsours Tweets schrieb, beschrieb Seth Frantzman von der Jerusalem Post die Behauptung als „einen modernen Versuch von Ersetzungstheologie: um die historischen jüdischen Verbindungen zum Land vor 2.000 Jahren zu ersetzen, eine eingebildete Geschichte der Palästinenser anstatt der der Juden nachzubauen“.

Die Tatsache, dass Orte, an die Jesus Berichten nach gereist ist und wohnte, u.a. Bethlehem und Nazareth, heute palästinensische oder arabische Städte sind, wird nicht bestritten. Aber auch die Tatsache wird nicht bestritten, dass diese Orte jüdisch waren, als Jesus lebte.

Seth Franzmann schrieb: „Es gibt keinen Grund Jesus als Palästinenser neu zu verpacken. Er kann eine historische Person aus Bethlehem oder Nazareth sein, ohne dass er ‚Palästinenser‘ ist. Sarsours Versuch den Koran als Referenz zu verwenden ist interessant, weil sie keine anderen Aspekte erwähnt, wie Jesus in islamischer Theologie beschrieben wird. Er wird z.B. als Botschafter für die ‚Kinder Israels‘ und Anhänger der Gesetze Moses betrachtet. Er wird mit der Abstammungslinie von Abraham, Isaak, Jakob und den Stämmen Israels verbunden, ebenso mit den Königen David und Salomo.“

Nein, Jesus war auch kein Philister…

Eine Variation dieser Behauptung, dass Jesus tatsächlich Philister war, dient auch eine Klammer antiisraelischer Propaganda, darunter der rundweg widerlegte Gedanke, dass Palästinenser eigentlich Kanaaniter sind.

Die Vorstellung, dass Palästinenser Philister sind, ist genauso falsch.

Anders als moderne Juden und Palästinenser waren die Philister ein antikes, nicht semitisches Seefahrer-Volk, dessen Art des Gottesdienstes keine Verbindung zu den abrahamitischen Religionen Judentum, Christentum und Islam hatte.

Mit anderen Worten: Die Ethnie, Kultur und Religion der Philister unterscheiden sich allesamt völlig von denen der modernen Palästinenser.

Die Verbindung der Philister zu den Israeliten begann, als erstere etwa 1000 v.Chr. in einen Teil des Königreichs Israel eindrangen und besetzten, aber später von Israels antikem König David besiegt wurden.

Etwa im siebten Jahrhundert v.Chr. wurden die Philister vom Königreich Babylon erobert und in der Folge als eigenständige Kultur ausgelöscht.

Mit anderen Worten: Abgesehen davon, dass sie kulturell, ethnisch und religiös keine Verbindung zu Juden oder Palästinensern hatten, gab es die Philister nicht mehr.

Wie auch immer man das betrachtet, lautet die Wahrheit zweifelsohne: Jesus war Jude.

Das historische Palästina – ein anachronistischer Begriff

2. Januar 2020

Salo Aizenberg, HonestReporting, 18. Dezember 2019

Landkarte des Heiligen Landes, veröffentlicht in Florenz um 1480; sie war Teil von Francesco Berlinghieris erweiterter Ausgabe der Geographia von Ptolemäus.

Das „historische Palästina“ ist in der Diskussion des arabisch-israelischen Konflikts ein allgemein verwendeter Begriff. Der Ausdruck legt nahe, dass es in der Vergangenheit eine als Palästina bekannte Nation gegeben hat, wobei das Wort „historisch“ den Eindruck vermittelt, dass diese Nation tiefe Wurzeln in der Region hat und damit einen natürlichen Anspruch darauf, als neuer Staat Palästina wiederbelebt zu werden. Indem darauf so und ohne Erwähnung der jüdischen Geschichte Bezug genommen wird, suggeriert man auch subtil, dass eine jüdische Präsenz in der Region etwas Fremdes ist.

Dieser Artikel diskutiert die Herkunft und Evolution des Gebrauchs von „Palästina“ als Ortsname und dass aktuelle Ideen des „historischen Palästina“ allesamt auf einem falschen Verständnis der geografischen und politischen Geschichte der Region gründen.

Das historische Palästina in der heutigen Verwendung bezieht sich typischerweise auf das Gebiet, das heute Israel, die Westbank und den Gazastreifen umfasst. Hier sind mehrere bekannte aktuelle Beispiele der Verwendung des Begriffs:

  • Saeb Erekat, Chefunterhändler für die palästinensische Autonomiebehörde, erkärte in einer Stellungnahme in der New York Times im Mai 2019, dass die Palästinenser Israel in den „Grenzen von 1967 anerkannten, was 78 Prozent des historischen Palästina entspricht“.[1] Auf welches „historische Palästina“ bezieht sich Erekat und besteht Israel wirklich aus 78% dieses „historischen“ Gebiets?
  • Die Columbia Journalism Review veröffentlichte im Januar 2019 einen Artikel mit dem Titel „Palästinensische Bürger Israels kämpfen darum ihre Geschichten zu erzählen“, in dem der Autor behauptet, das „historische Palästina unter osmanischer und britischer Kontrolle hatte eine blühende arabische Presse“.[2] War Palästina je ein Territorium unter osmanischer Kontrolle?
  • Ein Artikel im The Washington Report on Middle East Affairs vom Juni 2019 über Trumps „Deal des Jahrhunderts“ für den Frieden im Nahen Osten erklärt, dass der Deal das „neue Palästina“ verantwortlich für „rund 12 Prozent des historischen Palästina“ zurücklassen würde.[3] Welches Gebiet des Landes wurde verwendet um zu dieser Zahl zu kommen?
  • Präsident Abbas in seiner Ansprache vom Novmeber 2012 vor den Vereinten Nationen merkte das Folgende an: „Die Zweistaatenlösung, d.h. der Staat Palästina in Koexistenz neben dem Staat Israel, repräsentiert den Geist und den Kern des historischen Kompromisses, den die Prinzipienerklärung von Oslo verkörperte, die vor 19 Jahren zwischen der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) und der Regierung Israels unter Schirmherrschaft der Vereinigten Staaten von Amerika auf dem Rasen des Weißen Hauses unterzeichnet wurde; ein Kompromiss, durch den das palästinensische Volk akzeptierte seinen Staat um des Friedens willen auf nur 22% des Gebiets des historischen Palästina zu gründen.“[4] Ist diese Zahl von 22% genau?

Gegrafische Geschichte des Heiligen Landes

Palästina – oder offiziell die „Provincia Syria Palaestina“ – war der Name, den die Römer 135 n.Chr. als Ersatz für „Judäa“ erfanden; das war ein Versuch nach der Bar Kochba-Rebellion gegen das römische Reich alle Bezeichnungen des Judentums in der Regionzu beseitigen. Genauso wurde Jerusalem offizuiell in Aelia Capitollina umbenannt. Im vierten Jahrhundert wurde die Provinz in drei kleinere Einheiten aufgeteilt: Palaestina Prima, Palaestina Secunda und Palaestina Tertia (s. Karte A). Beachten Sie, dass die neuen Provinzen horizontal auf beiden Seiten des Jordan angeordnet waren.

Karte A: das römische Palästina

Im frühen siebten Jahrhundert kam in Arabien der Islam auf und muslimische Armeen begannen große Teile des Nahen Ostens zu erobern, einschließlich im Jahr 640 n.Chr.der drei „Palästinas“. Die muslimischen Eroberer behielten die römisch-byzantinischen Teilung der Region weitgehen bei: Palaestina Prima wurde in „Jund Filastin“ (militärischer Distrikt Filastin) umbenannt und Palaestina Secunda in „Jund Al-Urdunn“, nach dem Fluss. Palaestina Tertia hörte auf als eigener Distrikt zu bestehen und wurde Teil des Wüstenterritoriums im Süden. Jund Finalstin und Jund Al-Ardunn bildeten zwei von fünf Provinzen (zusammen mit Judn Dimaschk, Jund Hims und Jund Kinnasrin), die eine größere geografische Region bildeten, die im Arabischen als „Esch-Scham“ oder „Bilad al-Scham“ bekannt waren. Bilad al-Scham bedeutete „Land der linken Hand“, im Gegensatz zu „Bilad al-Yaman“, was „Land der rechten Hand“ bedeutet. Wenn man in Mekka oder Medina stand und nach Osten blickte, lag Bilad al-Scham zur Linken oder im Norden, während Bilad al-Yaman zur Rechten oder im Süden lag. „Esch-Scham“ bezog sich ebenfalls auf die Stadt Damaskus; seine weitere Bedeutung war die gesamte Region, die von Damaskus aus regiert wurde. Esch-Scham wurde später mit „Syrien“ und dem Konzept des „Großsyrien“ assoziiert, was unten weiter diskutiert wird.

Esch-Scham und die Jund-Distrikte blieben bis zur Eroberung durch die christlichen Kreuzfahrer 1099 n.Chr. bestehen. Das neu gebildete Lateinische Königreich Jeruslaem begann als kleines Territorium, das dann langsam ausgedehnt wurde, um ein Gebiet zu umfassen, das in seiner Höhezeit von einem Punkt nördlich von Beirut bis in die Wüste Sinai auf beiden Seiten des Jordan reichte, wie Karte B zeigt. Die christlichen Herrscher kennzeichneten keine Provinz und keinen Disktrikt als Palästina. Im Verlauf der nächsten beiden Jahrhunderte fühte ein Hin und Her miltiärischer Aktionen zwischen Christen und Muslimen zu schwankenden Grenzen, aber gegen Ende des dreizehnten Jahrhunderts wurden die Kreuzritter von den Mameluken komplett vertrieben. Die Kreuzfahrer-Periode und die Gründung des Lateinischen Königreichs Jerusalem flößten in der christlichen Welt des Heiligen Landes ein Bewusstsein als geografische Einheit ein und erhöhte die religiösen Assoziierungen mit der Region, die bis ins neunzehnte und zwanzigste Jahrhundert bestehen blieben.

Karte B: das Lateinische Königreich Jerusalem

Die Mameluken blieben die nächsten Jahrhunderte in Kontrolle und führten neue geografische Einteilungen ein, mit denen sie Provinzen entsprechend ihrer wichtigsten Städte benannten. Den größten Teil dieser Periode war das Land auf beiden Seiten des Jordan in sechs Distrikte mit den Hauptstädten Gaza, Hebron, Jeruslaem, Ludd, Nablus und Qaqun (eine Stadt nördlich von Jaffa) aufgeteilt. Wie in früheren muslimischen Reichen wurden diese Distrikte als Teil enes größeren Esch-Scham/Bilad al-Scham-Territorium betrachtet, dessen Zentrum in Damaskus lag. Die Mameluken nannten keinerlei Palästina/Filastin, das inzwischen kaum eine andere Bedeutung hatte als der frühere Name einer Provinz im lange untergegangenen christlichen römisch-byzantinischen Reich.

1516 wurden die Mameluken durch ein weiteres muslimisches Reich abgelöst, das der osmanischen Türken, die aus Kleinasien kamen. Die Türken führten neue geografische Bezeichnungen für ihre Eroberungen ein; sie teilten das Territorium in Verwaltungsprovinzen ein, die man als Eyalets kannte. Anfangs wurde der größte Teil des Gebiets, das heute Syrien, den Libanon, Jordanien, Israel, die Westbank und den Gazastreifen umfasst (die als die „modernen Staaten“ bezeichnet werden können) in das einzige Eyalet Sam zusammengefasst, das allgemein der früher als „Esch-Scham“ bekannten Region entsprach. Karte C aus dem 1803 von den Osmanen veröffentlichten Cedid Atlas zeigt die Verwaltungsgebiete des Reichs in Asien, wobei das große, gelbe Gebiet im unteren Zentrum der Einheit alle modernen Staaten umfasste, die damals einfach Teil der Türkei waren. Einmal mehr identifizierten die Osmanen kein Territorium als Palästina/Filastin. Palästina war auch für die Juden zu einem bedeutungslosen Namen geworden; sie bevorzugten „Eretz Israel“ (das Land Israel); Gleiches gilt für für die Araber und Muslime, die es weiter als Esch-Scham bezeichneten. Selbst bei Chirsten war Palästina der verloren gegangene Name für einen Großteil des osmansichen Gebiets, da sie es vorzogen die Region „Heiliges Land“ oder „Judäa“ zu nennen.

Karte C: Osmanische Verwaltungseinheiten (Eyalets), Cedid Atlas 1803

Die Verwaltungsgrenzen und Namen der Eyalets änderten sich im Verlauf der Jahrhunderte mehrfach und im frühen 19. Jahrhundert wurde das Eyalet Sam in drei neuen Eyalets aufgeteilt: Aleppo, Sidon und Damaskus. Der Bereich, der üblicherweise mit dem Heiligen Land assoziiert wird, bestand zumeist aus den Eyalets Sidon und Damaskus, also wurde die Verwaltung aus dem heutigen Libanon und Syrien gehandhabt. 1864 führten die Osmanen eine weitere Umorganisation der Verwaltung durch, die die alten Eyalets zugunsten neuer Provinzen abschafften und Vilayets hießen, die wiederum in Unterdistrikte aufgeteilt waren, die Sanjaks hießen. Jedes Vilayet wurde von einem Vali – Generalgouverneur – regiert und jedes Sanjak von einem Mutesarrif. Die Neuorganisation schuf ein neues Vilayet Suriya, die arabische Form von Syrien, die praktisch eine Union der ehemaligen Eyalets Sidon und Damaskus waren mit einem Vali in Damaskus, der den größten Teil des Territoriums der modernen Staaten umfasste. Die Gründung dieser Provinz war das erste Mal, dass der Name „Syrien“ von den Osmanen offiziell für die Benennung eines Territoriums verwendet wurde.

Weniger als ein Jahrzehnt später, 1873, führten die Osmanen eine weitere Veränderung in der Verwaltung des Distrikts ein, indem sei einen Teil des Vilayets Suriya nahmen, um eine Provinz namens „Mutasarrifiya von Jeruslaem“ zu schaffen. Eine Mutasarrifiya war eine Provinz ähnlich einem Vilayet mit einem Gouverneur, der direkt dem Sultan unterstand. Der Sultan schuf diese Provinz mit Hauptsitz in Jerusalem, die ihm direkt unterstellt war, weil es eine wachsende Bedeutung der heiligen Stadt in der Weltpolitk gab, hauptsächlich infolge eines zunehmenden europäischen Interesses an der Region. 1888 wurde das Vilayet Suriya mit der Gründung des neuen Vilayet Beirut weiter verkleinert; dieses hatte fünf Sanjaks: Latakia, Tripolis, Beirut, Akko und Nablus. Dieses Verwaltungssystem, wie es Karte D zeigt, blieb bis Ende des Ersten Weltkriegs allgemein stabil erhalten.[5] Der lila Bereich repräsentiert das reduzierte Vilayet oder Syrien, während die neue Mutasarrifiya Jerusalem rosa gefärbt ist. Das neue Vilayet Beirut liegt nörlich der Mutasarrifiya Jeruslaem (diese ist orange eingefärbt). In dieser Organisation waren Bereiche, die normalerweise als Teil Palästinas assoziiert werden (wie Nablus, Haifa, Akko) Teil der Provinz Beirut, was nicht ungewöhnlich ist, weil die Osmanen nicht zwischen Bereichen im heutigen nördlichen Israel und dem südlichen Libanon unterschieden. Die einzige Gemeinsamkeit durch die verschiedenen Verwaltungsänderungen unter osmanischer Kontrolle besteht darin, dass Palästina als Ortsname nie in Betracht gezogen wurde, nicht einmal für ein kleineres Verwaltungsgebiet wie einen Sanjak. Als der Erste Weltkrieg ausbrach, hatte „Palästina“ als Ort fast ein Jahrtausend lang nicht existiert, ein Überbleibsel antiker römischer Herrschaft.[6]

Karte D: osmanische Verwaltungseinheiten (Vilayets) im Jahr 1903

Karte D (2)

Palästina: Aufrechterhaltung eines antiken Namens

Obwohl die osmanischen Türken, die die Region Jahrhunderte lang beherrschten und ihre eigenen politischen Grenzen bewahrten, zu denen der lange untergegangene Ortsname „Palästina“ nicht gehörte und owohl niemand in der Region sich als „Palästinenser“ betrachtet hätte, kam der Begriff im 19. Jahrhundert wieder in Gebrauch – aber nicht durch die arabischen oder jüdischen Einwohner der Region oder die herrschenden Osmanen, sondern duch Christen des Auslands. Manchmal tauchte während der europäischen Renaissance mit ihrem erneuerten Interesse an der klassischen Welt das christliche Interesse am römischen Namen „Palästina“ wieder auf, später verstärkt durch Napoleons Vorstoß in den Nahen Osten 1799. Obwohl er von den Osmanen, Juden, Muslimen, Arabern und selbst den meisten Christen lange ausrangiert war, wurde der Jahrhunderte alte Name für das alte römische Land von Jesus und der Bibel wieder wichtig.[7]

Der erste Versuch ein eigenständiges Territorium namens „Palästina“ akkurat zu kartografieren wird in der Regel Pierre Jacotin zugeschriebgen, einem Mitglied von Napoleons Entourage, veröffentlicht kurz nach der Expedition. Im 19. Jahrhundert wurden viele andere Landkarten produziert, aber die qualitativ Beste wurde 1878 vom Palestina Exploration Fund publiziert. Diese Landkarten hatten wenig mit den tatsächlichen politischen Grenzen gemein, die von der türkischen Obrigkeit festgelegt wurden und gründeten stattdessen auf Vorstellungen eines Territoriums, das in der Bibel umrissen war. Ein Forscher der Geografie der Region des 19. Jahrhunderts erklärte: „… diese Kartografen waren vielleicht mehr damit beschäftigt das Buch Josua zu illustrieren als zukünftigen Historikern des Osmanischen Reichs zu helfen…“[8] Wie wohl erwartet werden konnte, variierten die Karten beträchtlich, da die Kartografen sich unsicher waren, wie ein Territorium nur auf Grundlage verbaler Beschreibungen in antiken Texten einzutragen sei. Ein Beispiel ist in Karte E zu sehen, die 1892 in Deutschland veröffentlicht wurde. Sie zeigt Palästina sowie eine Einfügung der antiken Stämme Israels und des jüdischen Hochlands.[9] Die Encyclopedia Britannica von 1911 beschreibt die Unklarheit dieser nebulösen Stelle namens Palästina:

PALÄSTINA, ein geografischer Name, der eher locker angewandt wird. Etymologische Genauigkeit würde erfordern, ausschließlich den schmalen Streifen des Küstenlandes zu kennzeichnen, der einst von den Philistern besetzt war, von denen der Name abgeleitet wird. Er wird jedoch konventionell als Name für das Territorium verwendet wird, das im Alten Testament als Erbe der Hebräer vor dem Exil beansprucht wird; damit kann allgemein gesagt werden, dass er das südliche Drittel der Provinz Syrien kennzeichnet. Außer im Westen, wo das Land ans Mittelmeer stößt, kann die Grenze dieses Territoriums auf der Landkarte nicht als eindeutige Linie festgelegt werden. Die modernen Unterteilungen unter der Zuständigkeit des osmanischen Reiches sind in keinem Sinn gleichbedeutend mit denen der Antike und daher brauchen sie keine Grenze, durch die Palästina genau vom Rest Syriens im Norden oder den Wüsten Sinai und Arabien im Süden und Osten getrennt wird; genauso wenig sind die Aufzeichnungen antiker Grenzen voll ausreichend und eindeutig, um die komplette Abgrenzung des Landes möglich zu machen… Nimmt man die natürlichen Merkmale als Leitlinie, die am nächsten mit diesen abgelegenen Punkten korrespondieren, können wir Palästina als den Streifen Land beschreiben, der sich entlang der Ostküste des Mittelmeers von der Mündung des Litani oder Kasimiya (33° 20‘ N) nach Süden zur Mündung des Wadi Ghuzza verläuft; dieses trifft bei 31° 28‘ N auf das Meer, etwas südlich von Gaza; dann verläuft er in südöstlicher Richtung, um im Norden den Ort Beer Sheva einzuschließen. Nach Osten gibt es keine so eindeutige Grenze. Der Jordan, das stimmt, markiert eine Abgrenzungslinie zwischen dem westlichen und dem östlichen Palästina; aber es ist praktisch unmöglich zu sagen, wo Letzteres endet und die arabische Wüste beginnt. Vielleicht ist die Pilgerstraße von Damaskus nach Mekka die geeignetste mögliche Grenze.

Wie diese maßgebliche, in Britannien publizierte Enzyklopädie es definiert, umfasst Palästina einen Teil des heutigen südlichen Libanon und Gebiete östlich des Jordan, klammerte aber den größten Teil der Wüste Negev aus.

Karte E: In Deutschland veröffentlichte Landkarte von Palästina, 1892

Das historische Palästina: Ein Anachronismus

Die tatsächliche politische Geografie der Region wurde in den meisten Weltatlanten akkurat dargestellt; dazu gehörten richitgerweise Landkarten des osmanischen Reiches oder der Türkei oder genauer der „Türkei in Asien“ (wie schon in Karte D gezeigt) gegenüber der „Türkei in Europa“. Diese Landkarten zeigen korrekt die osmanischen Unterteilungen, ohne dass Palästina irgendwo zu finden ist, denn es existierte nicht. Seltsamerweise, aber dem biblischen Interesse am Heiligen Land seitens Christen in Europa und Amerika geschuldet, schlossen diese sehr modernen Weltatlanten zusammen mit der Karte der osmanischen Türkei eine getrennte Landkarte von „Palästina“ ein, wie man in diesem Beispiel des von Rand, McNallys 1892 veröffentlichten „Business Atlas“ sehen kann (s. Karte F, ähnlich dem deutschen Beispiel in Karte E).[10] Diese kuriose Entscheidung würde einem Weltatlas von 2019 gleichen, der zum Beispiel eine Landkarte des modernen Irak zeigt und dann auf einer weiteren Seite eine Karte des antiken Sumer zeigt – ohne dass eine andere antike Karte oder untergegangene Geografie irgendenies anderen Landes dabei ist. Warum druckten diese zeitgenössichen Atlanten-Verleger eine Landkarte Palästinas, die auf die Römerzeit zurückgeht? Wegen des Glaubens, dass das Land Jesu ein Muss zum Lesen ist, selbst in einem Atlas, der der Darstellung der modernen Welt gewidmet ist.

Karte F: in den USA veröffentlichte Landkarte Palästinas, 1892

Viele moderne Historiker haben diesen Anachronismus übernommen, wobei sie manchmal Landkarten Palästinas beschreiben oder zeigen, wie es angeblich während der Zeit der Osmanen erschien.[11] All diese Darstellungen sind jedoch fehlerhaft, da die Osmanen weder irgendein Territorium als Palästina auswiesen noch den Namen in einer offizellen Funktion verwendeten.[12] Leider ist es zum Brauch geworden die typische Definition des „historischen Palästina“ (d.h. das Territorium, das das heutige Israel, die Westbank und den Gazastreifen umfasst) über Landkarten des osmanischen Reichs zu legen, womit der falsche Eindruck vermittelt wird, die heutige Definition gründe irgendwie auf osmanischer Geografie.

Die Briten und Franzosen sollten später ebenfalls das osmanische Vilayet-System ignorieren; stattdessen zerstückelten sie die Region einzig auf Grundlage der strategischen Bedürfnisse dieser beiden Mächte. Bemerkenswerterweise gründete, als die Briten mit den Franzosen nach dem Ersten Weltkrieg zu den Grenzen des neuen Mandats Palästina verhandelten, die britische Haltung auf der vagen biblischen Benennung des Landes Israels als „zwischen Dan und Beer Sheva“ (1. Samuel 24,2). Gideon Biger, ein bekannter Forscher zur Geografie der Region, erklärt: „Diese biblische Formel, verkündet von britischen Bibelkennern, ist schnell zu einer zentralen Formel zur Bestimmung der zukünftigen Grenzen Palästinas geworden.“[13]

Diese von Europa gezogenen Grenzen des 20. Jahrhunderts, in der heutigen Diskussion des Konflikts weiter beschworen, werden heute irgendwie als langjährig und heilig behandelt, während die osmanischen Bezeichnungen nur noch in verblassender Erinnerung existieren. Ein weiterer Schlüsselfehler in der heutigen Verwendung des „historischen Palästina“ lautet, dass die konventionelle Definition Bereiche östlich des Jordan ausschließt, obwohl die gesamte Geschichte hindurch, von der römisch-byzantinischen Ära bis ins 19. Jahrhundert, Landkarten und die ursprüngliche Bildung des britischen Mandats Palästina, Teile des modernen Jordanien immer als Teil Palästinas betrachtet worden waren.

In Wirklichkeit ist alles das „historische Syrien“

Während man die Terminologie zum heiligen Land oft auf Palästina konzentriert, ist es zum Verständnis der geografischen Geschichte der Region wichtig den Gebrauch und die Geografie Syriens zu begreifen. Die Osmanan übernahmen „Syrien“ als Namen für eine ihre Vilayets, mit dem sie die Jahrhunderte alte Bezeichnung der Region als „Esch-Scham“ ersetzten. Durch den Einfluss christlich-arabischer Literatur und westeuropäischen Gebrauch während des 19. Jahrhunderts kam die modern-arabsiche Form von Syrien (oder „Suriya“) in regelmäßigen Gebrauch; Ende des Jahrhunderts ersetzte dieser Begriff dann Esch-Scham oder Bilad al-Scham selbst in muslimisch-arabischem Sprachgebrauch. Die modernen Staaten, einschließlich Israels, waren in der Realität alle Teil dessen, was besser als „historisches Syrien“ oder dessen früheres Äquivalent Esch-Scham beschrieben wäre, nicht das „historisch Palästina“ – eine Tatsache, die im heutigen Diskurs des  Nahen Ostens komplett verloren gegangen ist.

Die lokale arabische Bevölkerung damals hätte auch allgemein die gesamte Region als Syrien und sich selbst als „Syrer“ (oder mit dem früheren Namen Esch-Scham/Bilad al-Sham) bezeichnet, wie sie es viele Jahrhunderte lang in aufeinander folgenden muslimischen Reichen gemacht hatten. Diese genaue Erinnerung an „Großsyrien“ dauerte Jahrzehnte lang an, wie es Faiz el-Khouri, Minister der syrischen Gesandschaft in Washington in einer Rede zum Ausdruck brachte, die er am 14. Mai 1947 zur Palästina-Frage vor der UNO-Vollversammlung hielt:

… ich möchte der Vollversammlung erklären, wie die Position Syriens mit Blick auf Palästina aussieht. Ich denke, die meisten von Ihnen, wenn nicht alle, wissen, dass Palästina eine syrische Provinz war. Es bestehen dort geografische, historische, rassische und religiöse Verbindungen. Es gibt keinerlei Unterscheidung zwischen den Palästinensern und den Syrern und gäbe es die Balfour-Erklärung und die Mandatsbedingungen nicht, dann wäre Palästina heute eine syrische Provinz, wie sie es immer war.[14]

Ein früheres Beispiel für die Verbindung zu Syrien ist in einer Resolution zu finden, die vom ersten Kongress der Muslimisch-Christlichen Vereinigung in Jerusalem im Januar 1919 ausgegeben wurde; sie war zusammengetreten, um arabische Delegierte für die Friedenskonferenz nach dem Ersten Weltkrieg zu wählen. Die Resolution erklärte: „Wir betrachten Palästina als Teil des arabischen Syrien, da es zu keiner Zeit von ihm getrennt gewesen ist. Wir sind mit ihm durch nationale, religiöse, sprachliche, natürliche, wirtschaftliche und geografische Bande verbunden.“[15] (Porath, S. 82) Es war eine klare Anerkennung, dass Palästina vom christlichen Europa künstlich geschaffen war und der Kongress es vorzog sich auf die lange bestehende Benennung der Region als Syrien zu konzentrieren.

Natürlich gehen all diese Fakten im heutigen Diskurs verloren, mit einer Verdunkelung der historischen Realität, dass ein ausgeprägt palästinensisches Bewusstsein – ethnisch wie geografisch – erst im zwanzigsten Jahrhundert aufkam. Syrien ist bei weitem der korrekteste Begriff, der auf die Menschen und die Geografie der Region angewandt werden sollte, wenn das Wort „historisch“ verwendet wird.

Die Entstehung des modernen Palästina

Palästina als formale politische Einheit kam als Ergebnis des Handelns der Hauptalliierten des Ersten Weltkriegs auf der Konferenz von San Remo im April 1920 zustande. Die Resolution von San Remo trägt das Datum vom 25. April 1920, war das Dokument, das offiziell ein Mandat für Palästina schuf; den Briten wurde die Kontrolle über das Territorium übertragen. Die Resolution wies den „Mandatsträger“, in diesem Fall die Briten, ausdrücklich an in der neu gebildeten Einheit eine nationale Heimstatt für das jüdische Volk zu schaffen, die auf der früher ausgegebenen Balfour-Erklärung fußt.

Am 1. Juli 1920 setzten die Briten die Vereinbarungen um, die in der Resolution von San Remo umrissen wurden und beendeten die Militärverwaltung des Territoriums, das offiziell als „Occupied Enemy Territory Administration“ (OETA – Verwaltung besetzten Feindlandes) bekannt war. Palästina war geboren. Die ursprünglichen Grenzen des Mandats Palästina, auf die sich die Hauptmächte in der Region – Britannien und Frankreich – geeindigt hatten, schloss das gesamte Territorium ein, das heute Israel, Jordanien, die Westbank und den Gazastreifen umfasst. Die Briten wählten den Namen „Palästina“ in Übereinstimmung mit christlich-europäischer Tradition; damit ignorierten sie einmal mehr die lokale Terminologie oder osmanische Benennungen. Als Zugeständnis an die jüdische Bevölkerung und in Anerkennung der Balfour-Erklärung fügten sie die Anfangsbuchstaben „Aleph“ und „Yud“ (die für Eretz Yisrael standen, das „Land Israel“) der hebräischen Form des Namens Palästina hinzu. Im Verlauf dern nächsten drei Jahre sollten fortgesetzte Verhandlungen mit den Franzosen und andere regionale Ereignisse zu beträchtlichen Veränderungen der Grenzen des Mandats Palästina führen. Diese modifizierten Grnezen sollten schließlich die Genzen der Staaten des heutigen Nahen Ostens werden und einmal mehr scheinbar als heilige historische Grenzen kanonsiert werden.

Während dieser Diskussionn zwischen den Mächten entschieden die Briten aus Gründen, die über den Rahmen dieses Artikels hinaus gingen, 77% des Mandats Palästina, wie es den Briten in San Remo erteilt worden war, herauszuschneiden und unter die Kontrolle von Abdallah zu geben, den sie den neuen Emir von Transjordanien nannten (s. Karte G). Dieses neue arabische Gebilde, das tatsächlich immer Teil des „historischen Palästina“ war, wurde offiziell am 11. April 1921 aus der Taufe gehoben. Wie es oft der Fall ist, wird dieses kritische Ereignis in der geografischen Geschichte der Region heute typischerweise ignoriert. Die meisten Diskussionen des Konflikts gestehen nicht zu, dass das moderne Jordanien ethnisch und geografisch immer dasselbe gewesen ist, wie die Bereiche westlich des Jordan.

Karte G: das britische Mandat Palästina

Schlussfolgerung

Es ist schwer die alte Realität von unserer modernen Terminologie zu trennen und die ständige Veränderung der Ortsnamen zu organisieren. Was zur Konfusion beiträgt, ist die Tatsache, dass christliche Ausländer im 19. und frühen 20. Jahrhundert beschlossen antike Territorien und Ortsnamen mit Grenzen anzugeben, obwohl weder die aktuellen politischen Herrscher des Territoriums noch die lokalen Einwohner irgendeinen Gebrauch für diese Ortsnamen hatten. Hier sind die Schlüsselfolgerungen, die Teil des Diskurses der Geschichte der Region sein sollten:

  • Palästina war der Ortsname einer Provinz, die von den Römern im Jahr 135 n.Chr. gegründet wurde, um „Judäa“ und alle anderen Spuren jüdschen Lebens in der Region nach der Niederschlagung der jüdischen Rebellion zu ersetzen. Die muslimischen Eroberer im siebten Jahrhundert behielten den Namen „Filastin“ bei, um eine Provinz zu bezeichnen, aber nach der Eroberung durch die Christen wurde der Name nicht mehr benutzt.
  • Die muslimischen Mameluken, die die Christen besiegten, bezeichneten keinerlei Territorium als Palästina/Filastin und genauso wenig machten es die osmanischen Türken, die die Region ab dem frühen 16. Jahrhundert bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs kontrollierten. Fast ein Jahrtausend lang war die Ortsbezeichnung „Palästina“ nicht in Gebrauch, ein lange vergessenes Überbleibsel antiker römischer Herrschaft.
  • Der Begriff „Palästina“ wurde im 19. Jarhhundert wegen seiner Verbindung zur Bibel und dem Land Jesu von christlichen Europäern in regelmäßigen Gebrauch zurückgebracht. Weder die osmanischen Türken noch die lokalen Einwohner der Region verwendeten damals den Begriff „Palästina“.
  • Europäer erstellten im 19. Und 20. Jahrhundert Landkarten von „Palästina“ auf Grundlage antiker biblischer Erzählungen über diese Region und ordneten sie anachronistisch in moderne Atlanten der Zeit ein, obwohl kein solches Gebilde existierte. Die tatsächlichen Ortsnamen und Grenzen der Region sind in denselben Atlanten unter der korrekten Überschrift „Türkei in Asien“ zu finden. Das ist so, als ob Westler heute darauf bestehen den Irak als das historische Sumer zu bezeichnen und Landkarten des antiken Sumer in zeitgenössischen Atlanten einbinden, ohne antike Landkarten für irgendeine andere Nation.
  • Palästina während der Römerzeit, wie es in den von den Europäern im 19. Jahrhundert erstellten Landkarten und mit der Bildung des Mandats Palästina 1920 gezeigt wird, bestand immer aus Territorium sowohl östlich als auch westlich des Jordan. Auch Teile des südlichen Libanon gehörten dazu, der historisch nicht von Bereichen im nördlichen Israel getrennt war. Das ist leicht durch zahlreiche geografische Übersichten der Region zu beweisen, die im 19. Jahrhundert, angeführt von britischen Geografen, vorgenommen wurden. (Z.B. veröffentlichte der Palestine Exploration Fund 1881 „An Introduction ot the Survey of Western Palestine“, wobei Westpalästina am Jordan endete und Ostpalästina auf der anderen Seite lag.)
  • Das nach dem Ersten Weltkrieg unter britische Kontrolle gestellte Mandat Palästina entsprach der Tatsache, dass Palästina in all seinen Verkörperungen immer Territorium auf beiden Seiten des Jordan umfasste.
  • Als die Briten 1921 einseitig beschlossen Transjordanien auf 77% des Territoriums des Originalmandats zu schaffen, behielt es nur 23%, den Teil westlich des Jordan, unter dem Namen „Palästina“. Irgendwie wurde in den Jahrzehnten nach dieser Abtrennung die Vorstellung von „Palästina“ und dem „historischen Palästina“ nur auf die Teile westlich des Jordan eingeschränkt.
  • Der Teilungsplan von 1947 empfahl eine Teilung des Mandats Palästina in einen jüdischen Staat und einen arabischen Staat; es gewährte dem jüdischen Staat rund 56% des Territoriums – aber das beinhaltete nur 13% des ursprünglichen Mandats Palästina. Tatsächlich gewährte der Teilungsplan den Arabern zwei Staaten aus dem Mandat Palästina, die 87% des Originalterritoriums umfassten.
  • Nach dem Unabhängigkeitskrieg von 1948 erweiterte der neue Staat Israel sein Territorium, auf rund 78% des verkleinerten Mandats Palästina, während die Westbank und der Gazastreifen sich 22% des Gebiets beliefen. Israel umfasst heute nur 18% des ursprünglichen Mandats Palästina.
  • Wenn Abbas sagt, dass das palästinensische Volk einen Staat um des Friedens willen auf nur 22% des Territoriums des „historischen Palästina“ akezptiert, ist er sachlich grob falsch. Da das historische Palästina notwendigerweise die Bereiche östlich und westlich des Jordan beinhaltet, wie das ursprüngliche Mandat Palästina es richtigerweise wiedergibt, stellen Jordanien, die Westbank und der Gazastreifen heute 82% des Landes. Israel ist eine Nation, die mit einem Anteil unter 20% des Mandats Palästina endete.
  • Die meisten Menschen nutzen heute die Grenzen des Mandats Palästina nach 1921 als ihre Definition des „historischen Palästina“, obwohl diese künstlich geschaffenen Grenzen tatsächlich eine ahistorische, junge und künstliche Schöpfung sind. Das „Mandat Palästina“ wäre ein genauerer Begriff und sollte von den Medien statt „historisches Palästina“ verwendet werden.
  • In der heutigen Diskussion wird vergessen, dass es weit genauer wäre die Region als „historischs Syrien“ zu bezeichnen, da die allgemein aus dem heutigen Israel, der Westbank, dem Gazastreifen, Jordanien, Syrien und dem Libanon bestehende Region geografisch und ethnisch Teil eines politischen Gebildes waren, das ursprünglich als Esch-Scham und später als Syrien bekannt waren. Die lokale Bevölkerung hätte sich als Teil dieses Territoriums betrachtet. Ohne die Wiederbelebung des Namens Palästina durch das christliche Europa irgendwann im 19. Jahrhundert hätte sicher Syrien als Name der Region den Sieg davon getragen, so wie es Jahrhunderte gewesen war. Das obige Zitat des Ministers der syrischen Gesandtschaft in Washington von 1947 macht das deutlich.

Quellen

Biger, Gideon: The Boundaries of Modern Palestine, 1840-1947 (RoutledgeCurzon, London, 2004).
Doumani, Beshara B. Rediscovering Palestine: Merchants and Peasants in Jabal Nablus (1700-1900, University of California Press, Berkeley, 1995).
Dowty, Alan.  Israel/Palestine (Polity Press, Cambridge, 2005).
Hopkins, I.W.J.  “Nineteenth-Century Maps of Palestine: Dual-Purpose Historical Evidence,” Imago Mundi (Vol. 22., 1968, p. 30-36).
Kark, Ruth, ed.  The Land that Became Israel, Studies in Historical Geography (Yale University Press, New Haven, 1989). Entry by: Gideon Biger. “The Names and Boundaries of Eretz-Israel (Palestine) as Reflections of Stages in its History,” p. 1-22.
Le Strange, Guy.  Palestine Under the Moslems, A Description of Syria and the Holy Land from A.D. 650 to 1500 (Alexander P. Watt, London, 1890).
Lewis, Bernard.  Islam in History  (Second Edition; Chapter Utilized: “Palestine: On the History and Geography of a Name,” p. 153-165) (Open Court, Chicago, 1993)
Mandel, Neville J.  The Arabs and Zionism Before World War I (University of California Press, Berkeley, 1976).
Ma’oz, Moshe, ed.  Studies on Palestine During the Ottoman Period (Magnes Press, Jerusalem, 1975). Entry by: Porath, Yehoshua. “The Political Awakening of the Palestinian Arabs and their Leadership Towards the End of the Ottoman Period,” p. 351-381.
MacCoun, Townsend. The Holy Land in Geography and in History, Vol II (MacCoun, New York, 1897).
Parkes, James. History of Palestine From 135 A.D. to Modern Times (Oxford University Press, New York, 1949).
Pitcher, Donald Edgar.  An Historical Geography of the Ottoman Empire (E.J. Brill, Leiden, Netherlands, 1972).
Porath, Yehoshua.  The Emergence of the Palestinian-Arab National Movement 1918-1929 (Frank Cass, London, 1974).
Richter, Julius.  A History of Protestant Missions in the Near East (Fleming H. Revell Company, New York, 1910).
Zachs, Fruma. The Making of A Syrian Identity, Intellectuals and Merchants in Nineteenth Century Beirut (Brill, Leiden, 2005).

[1] Erekat, Saeb. Trump Doesn’t Want Peace. He Wants Palestinian Surrender. New York Times, 22. Mai 2019. https://www.nytimes.com/2019/05/22/opinion/trump-israel-palestinian-peace-plan.html

[2] Berger, Miriam. “Palestinian citizens of Israel struggle to tell their stories,” Columbia Journalism Review, 11. Januar 2019. https://www.cjr.org/analysis/palestinian-citizens-of-israel-musawa.php

[3] Cook, Jonathan: “The ‘Deal of the Century’ Would Force Palestinians to Swallow a Bitter Pill.” Washington Report on Middle East Affairs. June/July 2019, S. 8-10. https://www.wrmea.org/2019-june-july/the-deal-of-the-century-would-force-palestinians-to-swallow-a-bitter-pill.html

[4] (29. November 2012) Statement by President Abbas before the Adoption of resolution 67/19 on the Status of Palestine in the United Nations. http://palestineun.org/29-november-2012-statement-of-president-abbas-before-the-adoption-of-resolution-6719-on-the-status-of-palestine-in-the-united-nations/

[5] Dodd, Mead & Company, 1903

[6] Sources for this section include Kark (Biger article), S. 15-18; Parkes, S. 87-88; Le Strange (S. 5 und 27); MacCoun, S. 107-109; Pitcher, S. 128 and 141; Zachs, S. 95-102; Lewis, S. 158.

[7] Biger (Kark), S. 19.

[8] Hopkins, S. 30, 36.

[9] F.A. Brockhaus, Leipzig, 1892.

[10] Rand, McNally & Cos Enlarged Business Atlas, Chicago, 1892.

[11] For example, see Dowty, S. 19.

[12] Doumani, S. 261.

[13] Biger, S. 68

[14] United Nations General Assembly Seventy-Eighth Plenary Meeting (A/2/PV.78), held in the General Assembly Hall at Flushing Meadow, New York, May 14, 1947 at 3 p.m.

[15] Porath, S. 82.

Welche Beziehungen haben die Juden zur Westbank?

21. November 2019

Dov Lipman, HonestReporting, 17. November 2019


Am 9. September 2013 wurde bei archäologischen Arbeiten am Fuß der Südmauer des Tempelbergs in Jerusalem ein goldenes Medaillon mit einer eingearbeiteten jüdischen Menora gefunden. (Foto: Talie Mayer/AFP via Getty Images)

Welche Verbindungen haben die Juden zur Westbank und Ostjerusalem?

Wie wird das in Kritik an Israels „Besatzung“ dieser Gebiete eingearbeitet?

Und sollte Israel auf die internationalen Forderungen hören das Gebiet einfach zu verlassen?

Was die Westbank ist (und was nicht)

Die Westbank einschließlich Jerusalems hat 2.173 Quadratmeilen zumeist bergigen Landes, das von südlich von Galiläa bis zum nördlichen Teil der Gegend am Toten Meer nördlich und südlich von Jerusalem genau mittig durch Israel verläuft; es liegt am Westufer des Jordan – daher dieser Name.

Es gibt zahlreiche Probleme mit dieser Forderung, die von der internationalen Gemeinschaft an Israel gestellt wird.

Das erste hat mit der Verwendung des Wortes „besetzt“ aus rechtlicher Sicht zu tun. Israel übernahm die Kontrolle über dieses Land während des Sechstage-Kriegs – eines Verteidigungskriegs im Juni 1967, als die Armeen aller benachbarten arabischen Länder sich zusammenrotteten um Israel anzugreifen und zu vernichten. Jordanien kontrollierte die Westbank, aber als König Husseins Streitkräfte sich dem Angriff auf den jüdischen Staat anschlossen, verjagte ihn die IDF aus dem Gebiet. Es verblieben keine jordanischen Streitkräfte auf dem Westufer (englisch: Westbank) des Jordan.

Damit es „besetztes Gebiet“ ist, muss ein Land ein Gebiet erobern, an dem ein anderes Land souveräne Rechte hatte.

Jordanien hatte aber nie souveräne Kontrolle über die Westbank.

Die Vereinten Nationen hatten vorgeschlagen die Region einem arabischen Staat zu geben, der als Teil des Teilungsplans von 1947 an der Seite eines jüdischen Staates gegründet werden sollte. Jordanien übernahm die Kontrolle des Gebiets während des totalen arabischen Angriffs auf Israel, nachdem im Mai 1948 die israelische Unabhängigkeit erklärt wurde. Aber als Jordanien das Territorium 1950 annektierte, lehnte die internationale Gemeinschaft es ab zu akzeptieren, dass Jordanien Rechte an der Westbank habe.

Daher kann Israels Übernahme der Kontrolle der Westbank von Jordanien keine „Besatzung“ genannt werden.

Historische jüdische Verbindungen

Lässt man die Frage zum Begriff „besetzt“ aus rechtlicher Perspektive beiseite, ist die Terminologie irreführend, weil sie die historischen jüdischen Verbindungen zu diesem Land ablehnt.

In der jüdischen Geschichte war diese Region als Judäa und Samaria bekannt; sie wurde zu einem wesentlichen Teil der jüdischen Hauptstadt.

Samaria, der Bereich der „Westbank“ nördlich von Jerusalem, ist Heimat zahlreicher wichtiger Stellen der jüdischen Geschichte:

  1. Elon Moreh: In 1. Mose 12,6 macht Abraham diese Gegend zu seiner Heimat und hier versprach Gott ihm, dass dieses Land ihm gehören wird.
  2. Beit El: Abraham lebte hier (1. Mose 12,8 und 13,3), dem Ort von Jakobs berühmtem Traum, der in 1. Mose 28,11-19 beschrieben wird. Jakob zog mit seiner Familie ebenfalls hierher (1. Mose 35,6).
  3. Die Berge Grizim und Eival: Orte, an denen das jüdische Volk Segen und Fluch empfing, wie sie in 5. Mose 11,29-30 und 27,11-13 befohlen und in Josua 8,30-55 ausgeführt wurden.
  4. Schechem (Sichem; heute als Nablus bekannt): Dort lebte Abraham (s. 1. Mose 12,6), Jakob zog mit seiner Familie dorthin und kaufte Land (s. 1. Mose 33,18-20) und dieses von ihm gekaufte Land ist das, wo Josef begraben wurde (Josua 24,32); Es ist der Ort, an dem Josua seine Abschiedsrede an die Nation hielt (Josua 24,1-15) und wo König Salomo seinen Sohn Rehabeam krönte, der ihm als König nachfolgen sollte (1. Könige 12,1).
  5. Schilo: Der Ort, an dem die Bundeslade mehr als 369 Jahre lang stand, so beschrieben in Josua 18,1, Josua 22,12, Richter 21,19, 1. Samuel 1 und weiteren.

Der generelle Bereich Samaria gehörte dem biblischen Stamm Josef, von dem die Stämme Ephraim und Menasche abstammen.

Judäa, der südliche Teil der „Westbank“, spielte ebenfalls eine wichtige Rolle in der jüdischen Geschichte, darunter

  1. Hebron: Die Stadt, in der Abraham lebte und Sitz der Patriarchenhöhle, die Abraham kaufte und wo er, Sarah, Isaak, Rebekka, Jakob und Leah beerdigt sind (s. 1. Mose 23 und 49,29-32). Auch König David regierte 7 Jahre lang in Hebron als König (2. Samuel 5,45-).
  2. Beit Lechem (Bethlehem): Begräbnisort von Rahel, wie in 1. Mose 35,19 beschrieben. Die Geschichte von Ruth entstammt von hier (Ruth 1,1) und Ruth kehrt in diese Stadt zurück, wie es Ruth 1,22 beschreibt. Die Christenheit glaubt, dass Jesus in dieser Stadt geboren wurde und dort als praktizierender Jude lebte.
  3. Betar: Die letzte Widerstand leistende jüdische Festung im Bar Kochba-Aufstand gegen die Römer; sie wurde von Kaiser Hadrian 135 n.Chr. zerstört.

Die Region Judäa gehörte dem biblischen Stamm Juda, daher ihr Name.

Archäologische Beweise

Sowohl Judäa als auch Samaria sind voller archäologischer Beweisen starken jüdisch-religiösen Lebens in der Region vor 2.000 bis 3.000 Jahren.

Ostjerusalem, das 1967 zusammen mit der Westbank erobert wurde, war die jüdische Hauptstadt Israels. Die Bibel berichtet, dass König David Land in dieser Gegend kaufte (s. 2. Samuel 24,17-25), das wir heute als das Stadtviertel Silwan kennen. Archäologen haben in diesem Bereich etwas entdeckt, von dem sie glauben, dass es König Davids Palast ist.

Archäologen haben außerdem zahlreiche Münzen gefunden, die hebräische Namen und Symbole sowie Redewendungen zum Tempelberg tragen, dem Ort des ersten von König Salomo gebauten Tempels sowie dem in der Generation von Esra gebauten und später von Herodes dem Großen renovierten zweiten Tempel.

Eine 69 n.Chr., unmittelbar vor der Zerstörung des zweiten Tempels geprägte Münze, die das Bild eines Kelchs und die Worten „für die Erlösung von Zion“ trägt.

Von einem in Silwan entdeckten Wassertunnel nimmt man an, dass es der Tunnel ist, den König Hiskija grub, um Jerusalem auf eine Belagerung durch die angreifenden Assyrer (s. 2. Könige 20,20 und 2. Chroniken 32). Vorzubereiten. Das Viertel ist zudem der Ort des Siloah-Teichs, auf den in 2. Könige 18,17, Jesaja 7,3 und Nehemiah 2,14 verwiesen wird.

Jahrtausende in die Vergangenheit zurückreichende Beweise für jüdisches Leben in dieser Region und die spirituelle Bedeutung der Gegend für den jüdischen Glauben zeichnen ein sehr anderes Bild als das internationale Narrativ, nach dem Israel das Land 1967 illegal „besetzte“.

Für Israel eine strategische Notwendigkeit

Es gibt ein finales Element über jüdische Verbindungen zum Territorium hinaus, das zu begreifen kritisch ist, wenn über die Westbank und der Vorschlag diskutiert wird, dass Israel seine Anwesenheit dort für einen Palästinenserstaat aufgeben muss.

Die Westbank sind die Höhen Israels – bis zu 930 Meter über Meereshöhe – und überblickt die zentrale Ebene, in der 70% der Bevölkerung des Staates Israel lebt. Es sind nur 17 km von der Grenze der Westbank bis zum Mittelmeer im Raum Tel Aviv. Diese Distanz sinkt bei Netanya auf 14km. Die Grenze befindet sich nur eineinhalb Kilometer von Kfar Saba entfernt.

Der Region eine Palästinenser-Instanz zu geben bedeutet, dass diese israelischen Bevölkerungszentren und der internationale Flughafen Ben-Gurion im Schatten dieser Körperschaft leben würden. Wenn, wie es passierte, als Israel aus dem Gazastreifen abzog, radikale Palästinenser-Elemente diese Höhenlage der Westbank nutzen, um mit Raketen und Artillerie auf Israel zu schießen, hätte der jüdische Staat keine Möglichkeit sich zu schützen.

Der israelische Außenminister Abba Eban sagte einst: „Die Grenzen von 1948 sind Auschwitz-Grenzen.“ Was bedeutete, sie würden zur Vernichtung des Staats Israel führen.

Ein weiterer strategischer Aspekt der Westbank ist die Grundwasserschicht, die sich unter den Bergen dieser Region befindet. Etwas mehr als ein Drittel von Israels Wasser kommt aus dieser Schicht, die alles Wasser für die Flüsse Yarkon und Teninim liefert. Diesen Posten abzugeben würde den Palästinensern erlauben Israel von dieser entscheidenden Quelle abzuschneiden.

Hunderttausende Israelis leben heute in „Siedlungen“ in der Westbank. Es sollte festgehalten werden, dass viele dieser sogenannten „Siedlungen“ tatsächlich Städte sind und die Israelis glauben, dass sie schlicht in ihrer biblischen und angestammten Heimat leben.

Und schließlich: Selbst wenn die biblische und historische Verbindung zum Land beiseite gelassen wird, verhindert die israelische Präsenz in der Westbank eine feindliche Übernahme, die das Potenzial hätte den jüdischen Staat zu vernichten, so wie die arabischen Länder es vor 1967 versuchte hatten.

Der Zermürbungskrieg: der „Krieg zwischen den Kriegen“

3. Oktober 2019

Dov Lipman, HonestReporting, 26. September 2019

Ein Hubschrauber wartet am 23. Januar 1970 während des Zermürbungskriegs darauf nach einer Militäraktion auf der Insel Schadwan südlich von Scharm el-Scheik Truppen und Ausrüstung abzufliegen. (Foto: Mosche Milner; mit freundlicher Genehmigung des GPO)

Israel ist das einzige Land der Welt, das in einem Status lebt, der „Krieg zwischen den Kriegen“ genannt wird. Da es von Feinden umringt ist, die seine Vernichtung anstreben, selbst wenn offiziell kein Krieg herrscht, hat es ständig mit kleinen Angriffen dieser Feinde zu tun. Das größte Beispiel für diesen Status ist der dreijährige Zeitraum von 1967 bis 1970, eine Periode, die heute der „Zermürbungskrieg“ genannt wird.

Man hätte meinen sollen, dass Israels durchschlagender Sieg über alle benachbarten arabischen Länder im Sechstage-Krieg vom Juni 1967 dem jüdischen Staat ein paar Jahre Frieden und Ruhe verschafft hätte.

Das war aber nicht der Fall.

Der ägyptische Präsident Gamal Abdel Nasser war entschlossen alles Mögliche zu tun, um die Sinai-Halbinsel zurückzugewinnen, die Israel während des Krieges eroberte, der am 9. Juni 1967 endete. Der Sechstage-Krieg war zwar vorbei, aber es dauerte nicht lange, bis der Zermürbungskrieg begann.

Die Anfänge des Zermürbungskriegs

Schon am 1. Juli zogen ägyptische Stoßtrupps in nur 16km Entfernung von den israelischen Positionen auf dem Ostufer des Suezkanals. Israel, das gemäß eines Plans agierte, mit dem ägyptische Streitkräfte daran gehindert werden sollten sich in dem Bereich zu sammeln, griff die Stoßtrupp-Soldaten an und verlor selbst einen Soldaten, 13 wurde verwundet. Am nächsten Tag bombardierte die israelische Luftwaffe die ägyptische Artillerie, die den Kommandotruppen Deckung gegeben hatte. Das führt zu einem ägyptischen Luftangriff auf israelische Streitkräfte im Sinai und im Grunde genommen war der Waffenstillstand vom 9. Juni damit nicht mehr passee. Die Geplänkel zwischen den beiden Seiten gingen den Juli hindurch weiter, wobei zahlreiche ägyptische Kampfjets von Israel abgeschossen wurden und Israel zwei ägyptische Torpedoboote versenkte.

Der israelische Zerstörer INS Eilat, den die ägyptischen Marine im Oktober 1967 versenkte; dabei wurden Seeleute getötet. (Bild: Wikimedia Commons)

Im August, September und Oktober war es relativ ruhig, aber am 21. Oktober 1967 versenkte die ägyptische Marine in internationalen Gewässern vor der Küste von Port Said die Eilat, einen Zerstörer der israelischen Marine; dabei wurden 47 Seeleute getötet. Israel schlug mit umfangreichen Bombardierungen ägyptischer Öl-Raffinerien und -Depots in der Region zurück, was erhebliche Artilleriegefechte zwischen den beiden Seiten zur Folge hatte; dabei gab es Oper unter ägyptischen Zivilisten.

Das Hin und Her ging 1968 mit ägyptischen Artillerie-Angriffen auf israelische Positionen weiter, was zu israelischen Vergeltungsangriffen führte. Die israelischen Führungskräfte glaubten, sie müssten handeln, um den ständigen ägyptischen Angriffen ein Ende zu setzen, die von Israel Opfer forderten. Am 30. Oktober 1968 zerstörten IDF-Kommandosoldaten eine ägyptische Trafostation und zwei Dämme sowie eine Brücke am Nil. Der Angriff führte zu einem großräumigen Stromausfall in Ägypten und der Schaden brachte friedliche Monate. Die Pause ermöglichte es Israel sich entlang des Ostufers des Kanals durch den Bau der „Bar-Lev-Linie“ zu stärken.

Ägypten griff Israel am 8. März 1969 wieder an, diesmal mit schwerem Artilleriefeuer und Luftangriffen auf die IDF, was erhebliche israelische Verluste verursachte. Die IDF reagierte entschlossen; sie schickte Truppen tief auf ägyptisches Gebiet, um militärische Ziele anzugreifen. Am nächsten Tag tötete Israel den ägyptischen Generalstabschef, General Abdul Munim Riad, als dieser ägyptische Streitkräfte entlang des Kanals besuchte.

Israel beschloss einmal mehr, dass es ernste militärische Aktivitäten unternehmen müsse, um den Versuch zu unternehmen, die ständigen ägyptischen Angriffe zu stoppen. Am 19. Juli 1969 begann diese Operation mit einem Stoßtrupp-Angriff auf den ägyptischen Militärposten auf Green Island, wobei 80 ägyptische Soldaten getötet wurden; dem folge ein Angriff der israelischen Luftwaffe auf ägyptische Streitkräfte am nördlichen Teil des Suezkanals, der 300 ägyptische Soldaten tötete und die ägyptischen Posten schwer beschädigte. Dem folgten etwa 1.000 Einsatzflüge der israelischen Luftwaffe im August, bei denen ägyptische Raketen-Abschussrampen und mehr als 20 ägyptische Kampfjets zerstört wurden.

Die Supermächte greifen ein

Beginnend im Oktober 1969 fingen die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion an die Seiten in diplomatische Gespräche zur Beendigung der Kämpfe zu verwickeln. Als diese Versuche aber scheiterten, schickte die Sowjetunion beträchtliche Mengen an Waffen und Soldaten, um den Ägyptern zu helfen, was letztlich zu Luftkämpfen zwischen israelischen und ägyptischen Piloten führte, bei der die israelische Luftwaffe zahlreiche russische Flugzeuge abschoss.

Israelische Gegenschläge für ägyptische Angriffe gingen bis zum 8. April 1970 weiter, als Israel versehentlich in dem Glauben, es handele sich um eine ägyptische Militäranlage, eine Schule angriff. Bei dem Angriff wurden 46 ägyptische Kinder getötet und mehr als 59 verletzt. Israel beschloss an diesem Punkt seine Gegenangriffe einzustellen. Diese Veränderung der Politik erlaubte es den ägyptischen und sowjetischen Streitkräften näher an den Kanal zu rücken als Israel das wollte. Die Kombination der Schäden durch die ägyptische Armee, zusammen mit den militärischen Gewinnen und den Opfern, die der israelischen Seite zugefügt wurden sowie der Fähigkeit seine Streitkräfte näher an den Kanal zu bringen erlaubte es am 7. August 1970 eine Feuereinstellung zu erzielen, ohne eine Veränderung der Grenzen des Krieges von 1967 und ohne dass eine Seite sich zu Friedensverhandlungen verpflichtete.

Ein israelischer Soldat blickt über den Suez-Kanal auf ägyptische Dorf Kantara, 26. November 1970. (Foto: Mosche Milner, mit freundlicher Genehmigung durch das GPO)

Sadat legt die Grundlage für den Yom Kippur-Krieg

Der ägyptische Präsident Nasser starb am 28. September 1970 infolge eines Herzinfarkts und sein Nachfolger, Anwar Sadat, hielt sich an den Waffenstillstand; er konzentrierte sich auf den Wiederaufbau und die Vorbereitung der ägyptischen Armee für einen Großangriff auf Israel, der dann mit dem Yom Kippur-Krieg im Oktober 1973 stattfinden sollte.

Es gibt widersprüchliche Berichte dazu, wie viele Israelis zwischen Juni 1967 und August 1970 in diesem Zermürbungskrieg getötet wurden. Die Zahlen reichen von 600 bis 1.400 mit tausenden Verletzten. Israel verlor mehr als 20 Flugzeuge sowie seinen Zerstörer, die Eilat, Auf ägyptischer Seite reichen die Schätzungen von 2.882 Getöteten und 6.285 Verwundeten bis zu 10.000 Getöteten. Zudem verlor Ägypten mehr als 100 Flugzeuge und mehrere Schiffe.

Dieser dreijährige Zermürbungskrieg bereitete den Weg zum Yom Kippur-Krieg drei Jahre später. Er führte Israel in einen Zustand weiterer Selbstgefälligkeit, überzeugt davon es können jeden Angriff abwehren, der von seinen benachbarten Feinden ausgeht. Der Schaden, den Ägypten Israel während dieser drei Jahre zufügen konnte, stärkte Ägypten und Israels andere Nachbarn so weit, dass sie die Zuversicht empfanden, sie könnten letzten Endes ihr gemeinsames Ziel erreichen den jüdischen Staat militärisch zu vernichten.

Der Yom Kippur-Krieg: ein Wendepunkt

19. September 2019

Dov Lipman, HonestReporting, 12. September 2019

Photo: Government Press Office

Die arabischen Staaten versuchten Israel zu vernichten, schon bevor es gegründet wurde, indem sie ihre Leute aufstachelten Juden anzugreifen. Sie versuchten Israel zu vernichten, als sie den UNO-Teilungsplan von 1947 ablehnten und griffen Israel sofort nach dessen Unabhängigkeit 1948 an. Sie versuchten die 1950-er und 1960-er Jahre hindurch Israel mit Terroranschlägen zu vernichten, dazu 1956 mit der Sperrung des Suezkanals. Sie versuchten 1967 Israel über militärischen Angriff von allen Seiten zu vernichten. Nachdem sie mit all diesen Versuchen scheiterten Israel zu vernichten und Israels Ouvertüren für Frieden gegen die Rückgabe von Land, das es im Sechstage-Krieg eroberte, ablehnten, kamen die Araber ihrem Ziel im Oktober 1973 mit dem, was als Yom Kippur-Krieg bekannt wurde, sehr nahe.

Anwar Sadat

Der ägyptische Präsident Nasser starb im September 1970 und sein Nachfolger Anwar Sadat, der Optionen für eine langfristige Friedensvereinbarung mit Israel erkundete, stand unter dem Druck der ägyptischen Straße Ägyptens Ehre nach der Niederlage im Sechstage-Krieg wiederherzustellen.

Außerdem lag die ägyptische Wirtschaft in Trümmern; aber Sadat wusste, dass die tief gehenden Reformen, von denen er fühlte, dass sie nötig waren, bei Teilen der Bevölkerung zutiefst unbeliebt sein würden. Ein militärischer Sieg würde ihm die Popularität geben, die er brauchte um Veränderungen zu schaffen.

Gegen Ende 1972 begann Ägypten seine Streitkräfte aufzurüsten. Es erwarb MiG-21-Kampfjets und fortschrittliche panzerbrechende Lenkwaffen von der Sowjetunion. Zusätzlich wurden Generale, die 1967 versagt hatten, durch kompetentere Offiziere ersetzt und die Armee konzentrierte sich auf die Verbesserung ihrer militärischen Taktiken auf Grundlage der Verfahren des sowjetischen Militärs. Sadat erklärte, er sei vorbereitet „eine Million Soldaten zu opfern“, um das Territorium wiederzugewinnen, das Ägypten 1967 verlor.

Sadat arbeitete hart daran von anderen Ländern Rückhalt für die ägyptischen Bemühungen zur Rückeroberung des Sinai zu gewinnen und im Herbst 1973 behauptete er, er habe mehr als 100 Staaten, die diese Initiative unterstützten – zumeist aus der Arabischen Liga und von afrikanischen Staaten. Er streckte auch Fühler zu europäischen Ländern aus und abgesehen von massiver Militär- und diplomatischer Unterstützung durch die Sowjetunion gewann er die Unterstützung Großbritanniens und Frankreichs im UNO-Sicherheitsrat.

Hafez al-Assad

Der syrische Präsident Hafez al-Assad initiierte ebenfalls eine massive militärische Aufrüstung mit einem Plan die Golanhöhen zurückzuerobern. Auch er hatte Träume Syrien als das dominanteste Militär der arabischen Länder aufzubauen. König Hussein von Jordanien zögerte sich an einem neuen Krieg zu beteiligen. Er fürchtete die Möglichkeit in einem neuen Krieg noch mehr Territorium als die Westbank zu verlieren, die er 1967 verlor. Er war zudem aufgebracht wegen Sadats Versprechen an Yassir Arafat von der PLO, dass diesem die Kontrolle über die Westbank gegeben werde, sobald Israel besiegt sei. König Hussein betrachtete die Westbank als Teil von Jordanien und wollte es wieder unter seine Kontrolle gebracht sehen.

Darüber hinaus brach 1970 ein Beinahe-Bürgerkrieg zwischen Jordanien und der PLO-Führung aus, während der die PLO aus Jordanien vertrieben wurde. Syrien stellte sich auf die Seite der PLO und half dieser sogar militärisch, also fühlte sich Jordanien unbehaglich sich der ägyptisch-syrischen Allianz anzuschließen. Der Irak lehnte es wegen seiner strapazierten Beziehungen zum Iran ab sich einem Angriff anzuschließen und der Libanon wollte nicht involviert werden, weil seine Armee klein und instabil war.

Sadat war zum Krieg entschlossen. Seine geheime Planung begann 1971 – wobei er sogar die höheren Kommandoebenen aus der Planung heraushielt. Der Plan Israel gemeinsam mit Syrien anzugreifen, bekam den Codenamen Operation Badr, nach der Schlacht von Badr, in der Muslime, geführt von Mohammed, den Stamm der Qureish aus Mekka besiegten. Im Oktober 1972 sagte Sadat seinem Obersten Rat der Streitkräfte, dass er vorhabe gegen Israel in den Krieg zu ziehen.

Sadat drohte im April 1973 in einem Interview mit Newsweek öffentlich mit Krieg gegen Israel. Mehrfach in diesem Jahr führten arabische Armen groß angelegte Übungen durch und jedes Mal ging Israel für ein paar Tage auf die höchste Alarmstufe. Aber den Kommandeuren wurde bis weniger als eine Woche vor dem Angriff nichts von den tatsächlichen Kriegsplänen gesagt und die ägyptischen Soldaten erfuhren davon erst ein paar Stunden davor.

Auf der israelischen Seite gab es jede Menge Warnzeichen, die ignoriert wurden. Am 25. September besuchte Jordaniens König Hussein heimlich Israel, um Premierministerin Golda Meir zu warnen, dass die Syrer Israel angreifen und Ägypten sich anschließen würde. Das war eine von elf Warnungen vor dem Krieg, die Israel aus legitimen Quellen erhielt.

Im Oktober sah der IDF-Geheimdienst ägyptische Militärbewegungen nahe des Suezkanals, aber er tat das als reine Manöver ab. Israel sah auch syrische Truppen sich auf die Grenze zu bewegen, gleichzeitig mit einer Einberufung von Reserven und der Streichung allen militärischen Urlaubs. Aber Israels Geheimdienstführung betrachtete all das nicht als Bedrohung und hörte auf keine der Warnungen. Man schätzte korrekt, dass Syrien nicht alleine angreifen würde und das nur in Übereinstimmung mit Ägypten täte. Fälschlicherweise urteilte man auch, dass Ägypten nicht angreifen würde.

Der Schwiegersohn des ehemaligen Präsidenten Nasser, Aschraf Marwan, war ein ranghoher Mossad-Agent und sagte Israel, dass Ägypten nicht angreifen werde, bevor die Sowjetunion ihr mehr MiG-23-Kampfjets und Scud-Raketen liefern würde, die sie auf israelische Städte schießen konnten. Da die Kampfflugzeuge noch nicht angekommen waren und Ägyptens Soldaten nicht genug Zeit für das Training mit den Scuds hatten, nahm Israel fälschlicherweise an, dass Ägypten für einen Angriff nicht bereit war. Israel schickte keine Verstärkungen auf die Golanhöhen, was sich als bedenklicher Schritt erwies.

Am Tag vor dem Krieg sah General Ariel Sharon, ein zukünftiger Premierminister, Geheimdienst-Informationen, die eine viel größere ägyptische Truppenkonzentration entlang des Suezkanals zeigten als für ein Manöver verwendet werden würde, dazu Ausrüstung, die für die Überquerung des Kanals genutzt werden sollte. Er war sicher, dass der Krieg unmittelbar bevor stand und gab diese Information an seine Vorgesetzten weiter.

Die israelischen Geheimdienste sahen, dass sowjetische Berater und ihre Familien Ägypten und Syrien verließen; an den Grenzen zusammengezogene ägyptische und syrische Panzer, Infanterie und Raketen befanden sich auf einem Allzeit-Hoch und Transportflugzeuge voller Militärausrüstung landeten in den Hauptstädten Kairo in Ägypten und Damaskus in Syrien.

Marwan, der israelische Spion in höchsten Ebenen der ägyptischen Regierung, warnte weiterhin vor einem unmittelbar bevorstehenden Angriff, aber seine Warnungen schafften es nie vom Geheimdienst zur Premierministerin. In der Nacht vom 5. auf den 6. Oktober traf sich der Leiter des Mossad, Zvi Zamir, mit Marwan, der ihm sagte, dass ein gemeinsamer syrisch-ägyptischer Angriff bei Sonnenuntergang am nächsten Abend stattfinden würde. Israels Oberkommando forderte daraufhin eine teilweise Einberufung der Reserven.

Am Morgen des 6. Oktober überlegte Israels Führung einen Präventivschlag ähnlich dem gegen die ägyptische Luftwaffe, bevor Ägypten im Juni 1967 angriff. Aber nach Anhörung all der unterschiedlichen Meinungen entschied Premierministerin Meir, dass nicht angegriffen werden sollte. Sie erklärte, Israel würde amerikanische Militärhilfe benötigen, um einen ägyptisch-syrischen Angriff zu überleben und sie fürchtete, wenn Israel zuerst angreift, dann würde es dafür verantwortlich gemacht werden den Krieg angefangen zu haben und diese Hilfe nicht bekommen. Die Angst der Premierministerin war nicht unbegründet. US-Präsident Richard Nixon und Außenminister Henry Kissinger warnten Meir ständig davor einen Krieg zu initiieren. Am 6. Oktober noch betonte Kissinger Israel gegenüber erneut, dass es keinen Präventivschlag führen dürfe.

Am Yom Kippur, dem heiligsten Tag im jüdischen Kalender, an dem die meisten Juden einen großen Teil des Tages in der Synagoge verbringen, nur sechs Stunden, nachdem Israel beschloss keinen Präventivschlag zu führen, griffen ägyptische und syrische Streitkräfte Israel an – sie überschritten die Waffenstillstandslinien von 1967 im Sinai im Süden und auf den Golanhöhen im Norden. Ägypten griff mit 100.000 Soldaten und 1.350 Panzern an. Zur Zeit des Angriffs hatte Israel am Kanal 450 Soldaten und um die 100 Panzer. Israels fehlende Vorbereitung ermöglichte der ägyptischen Armee mit relativer Leichtigkeit auf den Sinai vorzudringen. Auch Syrien machte große Fortschritte und eroberte einen beträchtlichen Bereich des von Israel kontrollierten Territoriums auf den Golanhöhen.

Ägyptische Militärlaster überqueren am 7. Oktober 1973 eine über den Suezkanal gelegte Brücke.

Israel fand sich in einer fatalen Lage wieder, was die USA veranlasste über eine Luftbrücke Militärausrüstung zu schicken. Dies wurde auch gemacht, um den massiven Nachschub zu kontern, den die Sowjetunion nach Ägypten schickte. Als die israelische Armee fast schon die Außenbezirke der syrischen Hauptstadt Damaskus erreichte, befahl der ägyptische Präsident Anwar Sadat, der erkannte, dass der fehlgeschlagene arabische Feldzug bald zu Ende sein könnte, seinen Streitkräften in die Offensive zu gehen. Israel wehrte nicht nur diesen ägyptischen Vormarsch ab, sondern drängte die ägyptischen Streitkräfte so weit zurück, dass die IDF den Suezkanal überquerte, nach Ägypten vordrang und begann auf ägyptische Städte, einschließlich Kairo zu marschieren. Dieses Vordringen wurde allerdings gestoppt, als am 25. Oktober unter Druck der USA ein von der UNO vermittelter Waffenstillstand in Kraft trat.

Die Grenzen von Syrien und Ägypten waren nicht die einzigen Fronten, an der sich Israel in diesem Krieg verteidigen musste. Palästinensische Milizen schossen Katjuscha-Raketen und panzerbrechende Flugkörper aus dem Libanon auf israelische Städte nahe der libanesisch-israelischen Grenze. Sie schafften es einige Israelis leicht zu verletzen und es gab Schaden an israelischen Gebäuden. Die israelische Führung beschloss, dass sie keine weitere Kampfzone öffnen konnte und entschied, keine Streitkräfte in den Südlibanon zu schicken, um die Quelle des Raketenfeuers auszuräumen.

(Ägypten brach den Waffenstillstand schon am nächsten Morgen und trotz der Vereinbarung gingen die Kämpf bis Mitte Januar 1974 weiter.)

Israel verlor in dem Krieg mehr als 2.500 Soldaten und rund 8.000 wurden verletzt. 293 israelische Soldaten wurden gefangen genommen. Die Arabischen Armeen, denen sich der Irak anschloss, verloren zwischen 8.000 und 18.000 Soldaten (Ägypten und Syrien veröffentlichten nie offizielle Zahlen) und zwischen 18.000 und 35.000 Verwundete.

Israelische Kriegsgefangene wurden von ihren syrischen und ägyptischen Fängern furchtbar gefoltert. IDF-Soldaten wurden tot aufgefunden, nachdem sie mit verbundenen Augen und hinter dem Rücken gefesselten Händen hingerichtet wurden. Einige wurden mit Äxten geköpft und eine hohe Anzahl wurde mit Elektroschocks am ganzen Körper, einschließlich der Genitalien gefoltert, mit Zigaretten verbrannt und ihnen wurden die Fingernägel ausgerissen. Viele wurden noch lange nach Kriegsende gefangen gehalten.

Abgesehen von den horrenden Verlusten auf beiden Seiten hatte der Krieg für beide Seiten beträchtliche Folgen. Der Fehler nach Geheimdienst-Warnungen vor dem Krieg nicht zu handeln führte dazu, dass Premierministerin Meir und Verteidigungsminister Mosche Dayan zurücktraten. Israel schuf schließlich einen Nationalen Sicherheitsrat, um die Kommunikation und die Koordination zwischen dem Sicherheits/Geheimdienst-Apparat und der Regierung zu verbessern.

Die Auswirkungen des Krieges gingen aber weit darüber hinaus. Die Araber hatten nach dem Krieg widersprüchliche Emotionen und beide zogen in dieselbe Richtung. Einerseits hatten die Araber das Gefühl, sie hatten zwar ihr Ziel der Vernichtung Israels verfehlt, aber sie hatten Israel auch beträchtlichen Schaden zugefügt und das stellte ihre Ehre nach der vernichtenden Niederlage im Sechstage-Krieg sechs Jahre zuvor wieder her. Das gab ihnen die Fähigkeit Frieden mit Israels als „Gleichberechtigte“ auszuloten.

Andererseits sahen die Araber Israels militärische Stärke, wie es seine anfänglichen Verluste wegsteckte und dann in die Offensive ging, wobei es tief in die eigenen Länder eindrang. Diese Angst vor der Stärke Israels drängte sie dahin Frieden zu erkunden. Die israelische Seite erlitt einen schweren psychologischen Schlag, als sie plötzlich erkannte, dass sie nicht unbesiegbar war und es keine Garantie gab die arabischen Nachbarn im Krieg immer zu besiegen. Das verschob Israel zu einer stärkeren Entschlossenheit in Richtung Frieden zu arbeiten.

Die Sowjetunion und die Vereinigten Staaten luden Israel, Ägypten, Syrien und Jordanien zu einem Treffen zu einer Friedenskonferenz im Dezember 1973 in Genf ein. Der Versuch scheiterte wegen Syriens Weigerung daran teilzunehmen. Durch die Bemühungen der USA unterzeichneten Israel und Ägypten am 18. Januar 1974 das Sinai I-Abkommen, mit dem Israel sich aus einigen seiner vorgeschobenen Positionen zurückzog, während es fast den gesamten Sinai behielt.

Das Sinai II-Abkommen wurde am 4. September 1975 unterzeichnet; mit ihm zog Israel von mehr Land im Sinai ab und UNO-Kräfte zogen dort ein, um das Gebiet zwischen Israel und Ägypten zu patrouillieren. Israel kontrollierte immer noch mehr als zwei Drittel des Sinai, die zu halten entscheidend war, während beide Seiten eine langfristige Übereinkunft ausloteten, ein Prozess, der letztlich 1979 im Friedensabkommen zwischen Israel und Ägypten gipfelte.

Die syrische Front war komplizierter; militärische Aktivitäten zwischen beiden Seiten setzten sich bis zum 31. Mai 1974 fort, als die USA eine „Entflechtungsvereinbarung“ vermittelten, in der Israel sich aus Syrien auf die Golanhöhen zurückzog, Syrien zustimmte seine Kriegsgefangenen in einem Gefangenenaustausch freizulassen und die UNO eine Entflechtungs- und Beobachtertruppe einrichtete, die den Frieden in einer Pufferzone bewahren sollte, die zwischen den beiden Ländern geschaffen wurde.

Der Yom Kippur-Krieg kennzeichnet das letzte Mal, dass die arabischen Nachbarländer Israels sich militärisch zusammenschlossen, um den Versuch zu unternehmen den jüdischen Staat zu vernichten.

Das Wunder der Wiederbelebung des Hebräischen

5. September 2019

Dov Lipman, HonestReporting, 15. August 2019

Die Geschichte der Wiederbelebung des Hebräischen geht tausende Jahre zurück in die Vergangenheit. Vor Jahrtausenden sprach das jüdische Volk untereinander antikes Hebräisch, betrieb Hebräisch sprechend Handel und verehrte Gott in Hebräisch – alles im Land Israel.

Auch die Bibel wurde in Hebräisch geschrieben.

Vor mehr als 3.000 Jahren hat das jüdische Volk in Synagogen aus handgeschriebenen Thora-Rollen gelesen und aus Druckausgaben in Studiersälen und in ihren Häusern gelernt – alles auf Hebräisch. Es gibt zudem Beispiele dafür, dass Hebräisch die gesamte jüdische Geschichte hindurch in Literatur verwendet wurde, was im 19. Jahrhundert eine besondere Renaissance erfuhr.

Aber bei der Vertreibung aus dem Land Israel vor 2.000 Jahren hörte Hebräisch auf die gesprochene Sprache des jüdischen Volkes zu sein. Sogar die kleine Anzahl Juden, die in Israel verblieb, begann die Sprache ihrer Eroberer zu sprechen und verlor das Hebräische.

Und heute ist Hebräisch wieder zum Leben erweck worden – wird im ganzen Land Israel gesprochen und sogar unter Juden an anderen Orten der Welt.

Es gibt Weltgeschichte nichts zu berichten, in keinem  Glauben, Land oder Nation, wo eine antike Sprache wiederbelebt wurde, um eine gesprochene Sprache zu werden.

Die Wiederbelebung des Hebräischen: Wie fand das statt?

Der Prozess begann in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, als Juden begannen ins Land Israel zurückzukehren, sich wieder mit der kleinen, das ganze Exil hindurch dort verbliebenen jüdischen Gemeinschaft und mit in früheren Generationen zurückgekehrten Juden zu verbinden.

Um eine gemeinsame Sprache unter den verschiedenen jüdischen Gruppen in Israel zu ermöglichen, die Jiddisch, Ladino oder Aramäisch sprachen, fingen sie an Hebräisch zu sprechen.

Etwa um dieselbe Zeit führte der Traum von einer Rückkehr nach Israel bei europäischen Juden zu einem Schub der Wiederbelebung des Hebräischen – besonders in zionistischen Bildungsprogrammen und in Treffen, die mit der zionistischen Bewegung in Verbindung standen.

Der Schlüssel bei der Gründung einer jeden Gemeinschaft ist Schulung. In ihren Versuchen wieder einen souveränen jüdischen Staat im Land Israel zu gründen, erkannten die frühen Zionisten die Bedeutung Schulen einzurichten, in denen eine gemeinsame Sprache gelehrt wird. Das erste hebräische Internat, in dem jüdische Studien auf Hebräisch gelehrt wurden und in dem Lehrer und Schüler auf Hebräisch kommunizierten, wurde 1884 von Aryeh Leib Frumkin gegründet.

Die Haviv-Schule wurde zur ersten hebräischen Grundschule moderner Zeiten, als sie 1886 in Rischon LeZion gegründet wurde. Allmählich begannen alle Schulen in den landwirtschaftlichen Siedlungen ihren Sachunterricht auf Hebräisch zu lehren. Versuche aus Hebräisch die einzige gesprochene Sprache in den Siedlungen und Städten zu machen, schlugen fehl, weil Eltern Hebräisch als unpraktische Sprache betrachteten, der die Worte fehlten, um Alltagsaktivitäten zu beschreiben. Ja, die Leute kannten das antike Hebräisch, weil sie die Bibel kannten, aber das half ihnen nicht bei ihrem Bedürfnis in einer modernen Welt zu kommunizieren.

Der Mann hinter der Wiederbelegung des Hebräischen: Eliezer Ben-Yehuda

Eliezer Ben Yehuda

Dann kam Eliezer Ben-Yehuda, die historische Person, die die Wiederherstellung des Hebräischen als gesprochener Sprache zugeschrieben wird.

Da jüdischer Nationalismus im Europa des 19. Jahrhunderts zunahm, glaubten Ben Yehuda und andere, damit die Nation nationaler Rechte wert ist, müsse sie in einer gemeinsamen, nationalen Sprache sprechen. Ihm wird zugeschrieben der erste gewesen zu sein, der sich auf Hebräisch verständigte, nachdem er 1881 beschloss, er werde in der Familie und mit Freunden ausschließlich Hebräisch sprechen, zuerst in Paris und dann in Jerusalem, wohin er Ende des Jahres zog.

Ben-Yehudas erstes Kind, Itamar Ben-Avi, wurde am 31. Juli 1882 geboren und wurde als Hebräisch Sprechender aufgezogen – der erste Muttersprachler des modernen Hebräisch. Im Versuch andere Familien zu überzeugen ihren Teil an der Wiederbelegung des Hebräischen zu spielen, veröffentlichte er eine hebräische Zeitung namens „HaZvi“ und gründete Vereine zum Sprechen von Hebräisch. Dieser Anstrengung wurde mit großem Frust begegnet, da sehr wenige Familien der ausschließlichen Verwendung des Hebräischen zustimmten.

Unbeeindruckt gründete Ben-Yehuda 1889 die Gesellschaft für klare Sprache, die das Ziel hatte Hebräisch überall auf Hebräisch zu lehren. Und 1890 gründete der das Komitee für Hebräische Sprache, das den Bedarf für neue hebräische Wörter für die moderne Konversation anging. Das Komitee veröffentlichte Bücher, Wörterbücher, Berichte und Zeitschriften, erfand tausende neuer Wörter mit Projektion auf antike Quellen und Wurzeln, um moderne hebräische Wörter zu schaffen.

Beispielsweise bedeutet chaschmal Elektrizität und leitet sich aus Hesekiel 1,4 ab, wo chaschmal das Wort ist, mit dem eine Farbe in der Mitte eines Feuers beschrieben wird. Dasselbe wurde für moderne Lebensmittel gemacht, die es in der Thora nicht gab, so tapuz für Orange und glida für Eiskrem. Weil eine Orange einem „goldenen Orange“ ähnelt, ist tapuz eine Kombination aus tapuach, dem antiken hebräischen Wort für „Apfel“ und zahav, das ein antikes hebräisches Wort für „Gold“ ist. Die Mischna verwendete das Wort galid, um auf eine gefrorene Substanz zu verweisen, die für ein spirituelles Bad verwendet wurde. Onkelos, der eine Übersetzung/einen Kommentar zur Thora schrieb, verwendete das Wort „glida“ für das Thora-Wort kerach, das „Eis“ bedeutet. (Genesis 31,9)

1903 wurde die Gewerkschaft hebräischer Lehrer gegründet. Zur Gründungsgruppe gehörten nur 60 Lehrer, aber die Gerwerkschaft führte zu hunderten Hebräischsprachigen, die demonstrierten, dass Hebräisch in Alltagsgesprächs-Kontext verwendet wird.

Vervollständigung der Wiederbelebung: Die neue Realität des Hebräischen

Immigranten in einem Jerusalemer Ulpan (Foto: Nai Shohat/Flasch90)

Als Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts die zweite Aliyah begann, verbreitete sich die Verwendung des Hebräischen in Israel als die Kommunikationssprache. Die meisten dieser neuen Immigranten kannten die hebräische Literatur des Europas des 19. Jahrhunderts und glaubten, dass Hebräisch für die Entwicklung einer offiziellen nationalen Heimstatt für das jüdischen Volk in Israel notwendig sei.

Das Hebräische Sprachkomitee wurde mit einem Auftrag wieder eingerichtet „die hebräische Sprache zur Verwendung als gesprochene Sprache in allen Lebensbereichen vorzubereiten“ und konzentrierte sich auf die Bildung einheitlicher grammatischer Regelungen. Rein hebräischsprachige Schulen begannen eigene Familien zu schaffen, Hebräisch wurde schnell die gängige Konversationssprache sowohl Zuhause als auch auf der Straße.

Der letzte Schritt bei der Wiederherstellung des Hebräischen und seiner Etablierung als offizielle Sprache des sich entwickelnden Staates kam 1913, als ein Vorschlag Deutsch als offizielle Sprache der Ingenieursschule Technion – die voller umfangreichem Technik-Vokabular ist – von den Studenten, dem Lehrkörper und der weiteren Gemeinschaft wütend abgelehnt wurde.

Alles oben Beschriebene schuf vor Ort in Israel eine Realität, die als Grundlage für die britische Entscheidung diente in Palästina drei offizielle Sprachen zu etablieren, als sie nach dem Ersten Weltkrieg die Kontrolle über die Region übernahmen – Arabisch, Englisch und … Hebräisch!

Als Israel 1948 seine Unabhängigkeit erklärte, berichteten trotz des hohen Immigranten-Anteils in der Bevölkerung mehr als 80 Prozent der Juden in Israel, dass Hebräisch die einzige Sprache sei, die in sie in ihren täglichen Gesprächen verwendeten.

Trotz der tiefen Verbindung der israelischen Gründergeneration zum Hebräischen stellten sie sicher, dass Arabisch als neben Hebräisch als eine offizielle Sprache des neuen Staates etabliert wurde, um sicherzustellen, dass die Minderheitsbevölkerung im jüdischen Staat das Gefühl hat als Staatsbürger willkommen zu sein.

Und jetzt ist diese antike, biblische Sprache wiederbelebt worden und auf den Straßen Israels kann man heute ein Volk in derselben Sprache reden hören wie König David in genau demselben Land vor über 2.500 Jahren.

Fotos: CC BC-NC-ND anefixus21 mit Ergänzungen durch SeekClipArt.

Begann die arabische Gewalt mit der „Besatzung“?

29. August 2019

Dov Lipman, HonestReporting, 20. August 2019

Eine Gruppe bewaffneter Araber bei Haifa, 1937

Arabische Gewalt wird regelmäßig mit der „Naqba“ von 1948 und der „Besatzung“ von 1967 gerechtfertigt.

Immerhin, darauf bestehen sie, zwangen Juden Araber aus ihren Heimen und Dörfern, also haben die Araber ein Recht um die Rückkehr in ihr angestammtes Eigentum zu kämpfen.

Aber wenn dies das ist, wogegen die Palästinenser wirklich kämpfen, wie sollen wir die arabische Gewalt gegen Juden verstehen, bevor die Kriege von 1948 und 1967 stattfanden?

Wie sieht ihre Erklärung für die arabische Gewalt gegen Juden in den 1920-er Jahren aus?

Ja, in den 1920-er Jahren!

Der Mufti stachelt zu arabischer Gewalt auf

1919 begann Haddsch Amin al-Husseini, Führer eines der prominentesten arabischen Clans in Jerusalem, „Fedayyin“ (wörtlich: „einer, der sich selbst opfert“) zu organisieren – kleine Gruppen Terroristen, die bereit waren beim Töten von Juden zu sterben. Das erklärte Ziel war die Juden zur Flucht aus Palästina zu zwingen. Sie griffen im Januar zuerst Tel Hai an, ein jüdisches Wohnviertel im Norden, nahe der syrischen Grenze und dann erneut am 1. März. Diese Terroristen töteten acht Juden und verletzten 200.

Im März und April wurden mehr als ein Dutzend jüdische landwirtschaftliche Siedlungen im Galiläa von arabischen Terroristen angegriffen, darunter Kfar Tabor, Degania, Rosh Pina, Ayelet Haschahar, Mischmar HaYarden, Kfar Giladi und Metula. An Pessah in diesem Jahr hetzte der Mufti die Massen so auf, dass sie die jüdische Bevölkerung der Altstadt von Jerusalem angriffen; dabei töteten sie fünf Juden und verletzten mehr als 100.

Husseini begann 1921 größere Angriffe zu organisieren und der britische Hochkommissar für Palästina; in der Hoffnung, dass er ihn beeinflussen könnte die arabische Gewalt einzustellen, ernannte Herbert Samuel Husseini zum Mufti von Jerusalem. Die beiden trafen sich sogar am 11. April 1921 und Husseini versprach, er werde „die Eifrigen zur Ruhe bringen“.

Adolf Hitler empfing Großmufti Haddsch Amin al-Husseini 1941.

Doch nur drei Wochen später, am 1. Mai 1921, stachelte der Mufti die Araber auf sich zu bewaffnen und Juden in Jaffa anzugreifen. Terroristen kamen mit Messern, Pistolen und Gewehren bewaffnet in die Straßen von Jaffa und begannen Juden zu verprügeln und zu ermorden, während sie jüdische Geschäfte und Häuser plünderten; sie töteten 27 Juden und verletzten 150.

Die Anschläge breiteten sich auf die jüdischen Gemeinschaften in Petach Tikva, Rehovot, Hadera und Haifa aus.

Das Jahr 1924 führte zu einer neuen Welle arabischer Gewalt. Der Mufti verbreitete Gerüchte, die Juden würden planen die Kontrolle über die islamischen heiligen Stätten zu übernehmen. Das führte dazu, dass die Araber jüdischen Grundbesitz plünderten, die sie stark beschädigten und Juden überall in Palästina angriffen. Die sporadischen Angriffe wurden viel stärker organisiert und der Terror richtete sich gegen jüdische Gemeinschaften bei Jerusalem, Hebron, Safed und Kfar Darom. Insgesamt wurden 135 Juden getötet und mehr als 300 verletzt.

Die arabische Gewalt eskaliert

Die Araber lernten, dass diese Terroranschläge ein effektives Mittel waren. Dem war so, weil die britische Obrigkeit auf die Anschläge mit Appeasement der Araber reagierte – indem sie die Zahl der Juden einschränkte, denen erlaubt wurde nach Palästina zu immigrieren und indem sie Juden aus den angegriffenen Bereichen wegschafften, insbesondere aus Hebron, wo Juden seit Jahrhunderten gelebt hatten.

Der Mufti fand im September 1928 eine Basis die arabischen Massen weiter aufzustacheln. Eine kleine Gruppe Juden beschloss am Yom Kippur an der Westmauer zu beten und bauten eine kleine Abtrennung, um Männer und Frauen zu teilen, wie es während jüdischen Gebeten üblich ist. Die Briten waren gegen diesen Schritt und bauten die Abtrennung ab. Der Mufti deutete auf die jüdische „Baumaßnahme“ an der Westmauer als Zeichen, dass sie versuchen würden die Kontrolle der Al-Aqsa-Moschee auf dem Tempelberg direkt an der Westmauer an sich zu reißen. Er rief zum „Jihad“ – heiligem Krieg – auf, was zu Steinwürfen führte und dazu, dass Juden verprügelt wurden, die versuchten an der Westmauer zu beten.

Die arabische Gewalt verbreitete sich über die Westmauer hinaus und am 23. August 1929, griffen mehr 1.000 arabische Terroristen Juden überall in Jerusalem an; sie töteten 47 mit dem Schlachtruf „Verteidigt die heiligen Orte!“

Das Massaker von Hebron

Die Angriffe weiteten sich auf andere Städte aus. Der schlimmste fand in Hebron statt, wo Araber mit Äxten, Messern und Metallstangen in das Rabbiner-Seminar einbrachen, alle Schüler ermordeten und das Gebäude zerstörten. Der mörderische Mob massakrierte dann die Juden der Stadt, in der Juden und Araber seit Jahren Seite an Seite in Frieden lebten. Rabbi Yaakov Slonim, der Rabbiner der Stadt, rief die Juden auf in seinem Haus Sicherheit zu suchen. Weil der Rabbi gute Beziehungen zur örtlichen arabischen Geistlichkeit hatte, nahm er an, dass ihnen nichts zustoßen würde.

Rabbi Slonim irrte sich tragisch.

Die Araber stürmten sein Haus und töteten ihn, seine Familie und alle, die dort Zuflucht gesucht hatten. Insgesamt wurden in Hebron 67 Juden abgeschlachtet. Die jüdische Gemeinde, die dort seit Jahrhunderten existierte, wurde vernichtet.

Ein paar Tage nach dem Hebron-Massaker erlitten die Juden von Safed, wo Juden ebenfalls Jahrhunderte lang lebten, ein ähnliches Pogrom. Örtlichen Arabern schlossen sich solche aus Nachbardörfern an; sie ermordeten 18 Juden, verletzten 40 und brannten 200 Häuser nieder.

Insgesamt wurden bei Angriffen in anderen Städten innerhalb weniger Tage 133 Juden getötet und 339 verletzt.

Die Beerdigung eines der Juden, die beim Massaker in Hebron 1929 getötet wurden.

Die Terroranschläge gingen weiter und nahmen 1936 zu; die Araber töteten von April bis Juli mehr als 40 Juden, daneben brannten sie tausende Morgen jüdischer Felder und Ernten nieder. Die Gewalt ging weiter, führte am 2. Oktober 1938 zu einem Massaker in Tiberias, bei der Araber 21 Juden erschossen und verbrannten, darunter 10 Kinder im Alter von unter 12 Jahren.

Die New York Times beschrieb das vorsätzliche Massaker von Tiberias:

Seit den Krawallen von 1929, als Araber in den Städten Hebron und Safed über jüdische Männer, die meisten davon Rabbiner-Studenten, sowie Frauen und Kinder herfielen, hat es in Palästina solches Abschlachten gegeben, wie den Angriff von letzter Nacht. … Der Angriff war offenbar gut organisiert, da die arabische Bande, bevor sie über Tiberias herfiel, alle Telefonleitungen kappten. Sie kamen in zwei Gruppen aus unterschiedlichen Richtungen auf ein bestimmtes Signal hin; auf einen Pfiff aus den die Stadt umgebenden Hügeln hin begann gleichzeitig in allen Vierteln das Feuer… Die Banditen machten sich auf den Weg zum Haus von Joschua Ben Arieh, wo sie Joschua, seine Frau und einen Sohn erstachen und verbrannten und erschossen dann seinen kleinen Sohn im Babyalter. Im selben Haus wurden drei Kinder von Schlomo Leimer im Alter von 8, 10 und 12 Jahren erstochen und verbrannt. Im Weiteren brachen die Araber ins Haus von Schimon Mizrahi ein, wo sie seine Frau und fünf Kinder im Alter von 1 bis 12 Jahren töteten; dann setzten sie das Haus in Brand.

Warum die arabische Gewalt?

In den 1920-er und 1930-er Jahren hatten keine Araber die Notwendigkeit empfunden aus ihren Häusern zu fliehen. Es gab damals keinen jüdischen Staat und die Juden hatten keine Armee, um palästinensisches Land zu „besetzen“.

Warum also griffen die Araber in diesen Jahren an und massakrierten Juden?

Ist es möglich, dass die „Naqba“ und die „Besatzung“ Vorwände sind, einfach um arabische Gewalt zu rechtfertigen?

Ist es möglich, dass die Araber es einfach ablehnten, dass irgendein Jude im heiligen Land lebt?

Bilder via Wikimedia Commons

Die jüdische Verbindung zum Land Israel

9. August 2019

Dov Lipman, HonestReporting, 30. Juli 2019

Auf die spätbyzantinische Zeit datiertes antikes Medaillon; abgebildet sind u.a. ein Schofar und eine Thora-Rolle. (Foto: Flash90)

Die jüdische Verbindung zum Land Israel begann nicht erst nach dem Holocaust oder mit dem Zionismus des späten 19. Jahrhunderts.

Das jüdische Volk hat seit 3.000 Jahren im Land Israel gelebt. Wer für diese Wahrheit die Bibel als Quelle nicht anerkennen will, für den hat die Archäologie die Tatsache bewiesen.

Und während die meisten des jüdischen Volks von den Römern erbarmungslos ins Exil getrieben wurden, haben die Juden seit 2.000 Jahren an den heiligsten Momenten des jüdischen Kalenders – am Versöhnungstag und an Pessah – „nächstes Jahr in Jerusalem“ gesagt, das Gebet darum wieder mit den Juden vereint zu sein, die in Israel geblieben waren.

Wo immer in der Welt Juden waren, sie wandten sich dreimal am Tag Jerusalem zu, wenn die Zeit für das Gebet war.

Und während des gesamten Exils setzten sich Juden oft großen Gefahren aus, um ins Land Israel zurückzukehren.

Die Geschichten

Das jüdische Volk baute sein Leben nach der römischen Vertreibun gin Babylon (dem modernen Irak) wieder auf und gedieh dort. Aber trotzdem berichten der Jerusalemer Talmud und der Babylonische Talmud, dass von 200 bis 500 n.Chr. große Anzahlen der führenden Rabbiner ihr bequemes und sicheres Leben aufgaben und sich entschieden nach Israel zu ziehen, das voller Chaos und Unsicherheit war.

  • 1211 immigrierte eine Gruppe von 300 Rabbinern aus Frankreich und England nach Israel. Sie zogen mit absolut keine finanziellen Unterstützung und ohne Aussicht darauf ihren Lebensunterhalt zu verdienen ins Heilige Land. Die meisten wurden von den Kreuzrittern ermordet, die dort nur acht Jahre später ankamen. Den wenigen Überlebenden wurde erlaubt in der Stadt Akko zu leben. Die Mameluken eroberten Akko 1291 und töteten die gesamte jüdische Bevölkerung, einschließlich der Frauen und Kinder, wobei viele abgeschlachtet wurden, als sie in der Synagoge waren.
  • Rabbi Ovadiah von Bartenura, einer der führenden rabbinischen Weise im Italien des 15. Jahrhunderts, unternahm einen herkulianischen Verusch in einer Zeit nach Israel zu ziehen, als viele die Reise von Italien und Sizilien versuchten und im Mittelmeer ertranken. Er brauchte drei anstrengende Jahre mit vielen Rückschlägen unterwegs, aber 1488 kam Rabbi Ovadiah im Land Israel an und machte es zu seinem Zuhause.

  • Rabbi >Menachem Mendel aus Witebsk war ein Jünger des berühmten Rabbi von Mezhrich, der die der Hauptschüler des Baal Shem Tov war, des Gründers der chassidischen Bewegung. 1777 verließ er Galatz in Rumänien mit ein paar hundert anderen, alle in kleinen Booten. Zuerst segelten sie nach Konstantinopel und dann nach Akko ins Land Israel. Für die relativ kurze Distanz im Mittelmeer brauchten sie vier Monate und der Konvoi durchlitt auf der Reise furchtbare Härten durch, darunter Piraten, die Passagiere ermordeten oder sie in die Sklaverei verkauften. Die Gruppe stand nach der Ankunft in Israel vor großen Herausforderungen und Rabbi Menachem Mendel musste Emissäre nach Russland entsenden, um Gelder für ihren Unterhalt zu sammeln.

Jüngere Beispiele

Und selbst als der Staat Israel gegründet wurde und sogar schon gegründet war, gingen Juden durch große Schwierigkeiten, um es ins Heilige Land zu schaffen. Nur ein paar Beispiele:

  • Mitte 1947 schlossen sich Mosche Frumin (6), Yaakov Schwartz (5), die einjährige Margalit Fried-Weinberg und die achtmonatige Yaffa Levy fünfzig anderen an, die Österreich zu Fuß über die Alpen verließen, über die italienische Grenze gingen, damit ein wartendes Schiff sie in den Hafen von Haifa im Land Israel bringt. Schwartz erinnert sich: „Die meiste Zeit über trug mein Vater mich auf seinen Schultern.“ Frumin hatte keinen Vater und ging mit seiner Mutter und Großmutter. Levys Mutter erzählte ihr, wie sie den Mund der klienen Yaffa zuhalten musste, damit ihr Weine nicht gehört und die Gruppe entdeckt wurde. Sie verließen das Lager für Vertriebene in Saalfelden gegen zehn Uhr abends, reiste in versiegelten LKWs in dem Versuch der Entdeckung durch die Behörden zu entgehen und waren auf dem Weg nach Krimml, wo sie gegen zwei Uhr morgens ankamen. Dort stiegen sie aus den LKWs und liefen einen weiteren Tag lang durch die tückischen Berge zum Krimml-Pass.Fast jede Nacht von April bis Oktober 1947 verließen ein paar Dutzend LKW das Lager und schickten Juden auf den Weg. Insgesamt machten rund 5.000 Juden diesen Treck.
  • Gegen Mitternacht am 10. Januar 1961 fuhr das Schiff Egoz vom Hafen Al-Hoceima in Marokko mit 44 Juden an Bord ab, die Hälfte davon Kinder. Das war die zwölfte Reise des Schiffs, nachdem es 334 Juden aus Marokko nach Gibraltar und dann nach Israel brachte. Um 3 Uhr morgens sank das Schiff und alle Passagiere an Bord kamen ums Leben.

Das Jerusalemer Denkmal für die äthiopischen Juden, die beim Versuch Israel zu erreichen starben.

  • Daniel Sahalo war Mitte der 1980-er Jahre fünf Jahre alt, als er und seine Eltern ihr Haus im nördlichen Äthiopien mitten in der Nacht verließen. Sie ließen bis zum Morgengrauen, um die Grenze des Sudan zu erreichen und marschierten dann neun Wochen durch die Wüsten des Sudan. „Ich hörte, wie Menschen davon redeten nach Jerusalem zu gehen“, erinnert er sich. Auf dem Weg starb seine Schwester an Malaria. „Wir begruben sie und gingen weiter.“ Zwölftausend Menschen machten diesen Treck und etwa viertausend Menschen starben auf dem Weg in den Sudan. Nach mehr als zwei Monaten Wanderung errichte die Familie ein Flüchtlingslager, in dem sie neun Monate lang lbten. Daniel war dort derart unterernährt, dass ein Bauch anschwoll. Dann wurden sie nach Brüssel und anschließend nach Israel geflogen. Rund achttausend äthiopische Juden überlebten diesen Marsch, das Warten und den Flug.

Warum das Risiko eingehen?

Diese Geschichten werfen eine Menge Fragen auf.

  • Warum waren jüdische Familien bereit die Gefahren durch Räuber, Wüsten und Berge einzugehen, um Israel zu erreichen?
  • Warum sollte ein Rabbiner seine Schüler in kleinen Booten wegbringen und sie Piraten aussetzen, um nach Israel zu ziehen?
  • Warum sollte einer der größten Gelehrten seiner Zeit drei Jahre seines Lebens auf den Versuch verschwenden ins Land Israel zu kommen?
  • Warum verließen diese Rabbiner in Babylonien und Europa ihre Gemeinden für ein Lben ohne Lebensunterhalt und mit nur begrenzter Sicherheit in Israel?

Die Antwort auf diese Fragen wurde von Israels erstem PremierministerPremierminister David Ben-Gurion 1936 aufgegriffen, 12 Jahre bevor der Staat Israel gegründet wurde. Damals wurde das Land Palästina genannt – aufgrund eines griechischen Namens, den die Römer verwendeten, um die gesamte Gegend Israels zu beschreiben, nachdem sie den Tempel zerstörten und die Juden ins Exil trieben – und alle Einwohner des Landes, einschließlich der Juden, wurden als „Palästinenser“ bezeichnet. Araber wurden zunehmend gewalttätig und die Briten setzten die Peel-Kommission ein, um die Gewalt zu untersuchen und besser die arabisch-jüdischen Spannungen zu verstehen. Ben-Gurion, ein säkularer Jude, sagte vor dem Komitee aus und erklärte:

Unser Recht auf das Land Israel ist nicht von der britischen Regierung noch der Balfour-Erklärung gegeben; es ist viel älter. Die Bibel ist unser Mandat auf das Land.

Analysiert man den israelisch-arabischen Konflikt und versucht ihn zu verstehen, kann man diese Dimension nicht ignorieren. Die Bibel steckt voller hunderter Bezüge zu Israel und Jerusalem – einschließlich Beschreibungen seiner geografischen Grenzen – als Orte, die Gott dem jüdischen Volk gegeben hat. Und selbst wenn andere das nicht glauben, die jüdischen Menschen tun es. Das ist der Grund dafür, dass sie seit Tausenden von Jahren beteten und sich danach sehnten in dieses Land zurückzukehren und das ist der Grund, dass sie ihr Leben riskierten und verloren, um nach Israel zurückzukehren.

Dr. Qanta Ahmed

Das steht in starkem Widerspruch zu jedem Anspruch des muslimischen Glaubens an Israel. In Wirklichkeit ist es genau umgekehrt. Der Koran erwähnt Jerusalem nicht ein einziges Mal.

Die Ärztin Qanta Ahmed, Lehrbeauftragte für Medizin an der State University von New York und Honorarprofessorin an der Glasgow Caledonian University School of Public Health, schreibt:

Aber als gläubig Muslima, die den Islam befolgt, bin ich vom Koran veranlasst Israels Alleinanspruch auf das Heilige Land zu bekräftigen; der Koran sagt das.

Das 80.000 Wörter lange Dokument, das 1,6 Millionen Muslime als von Gott offenbarte Wort akzeptieren, der Koran, ist kategorisch, was das Schicksal Israels und das Volk angeht, das sein Eigentumsrecht daran beanspruchen kann…

Der Koran erwähnt nirgendwo den Anspruch der Muslime auf das Heilige Land. Stattdessen offenbart Gott im Koran, dass das Heilige Land für die Anhänger des Mose vorgesehen ist… das Verheißene Land ist gemäß dem Koran das ihre.

Das ist der Grund, dass es keinerlei Beweise dafür gibt, dass Muslime ihr Leben riskierten, um in Israel zu leben. Oder dass der Koran nirgendwo das Land Israel als Fokus ihrer Religion vorstellt. Wenn Muslim in Israel beten – und sogar in Jerusalem – dann richten sie sich nach Mekka aus, das in ihrem Glauben der heiligste Ort. Auf dem Tempelberg legen sie ihr Gesicht auf den Boden, kehren der Stelle des Tempels die Rückseite zu.

Natürlich müssen Lösungen für die Palästinenser gefunden werden, die auch ihren eigenen Staat innerhalb der Grenzen Israels anstreben. Aber wenn sie den Konflikt im Heiligen Land ansprechen, kann der Gesichtspunkt der vier Jahrtausende jüdischer physischer und spiritueller Verbindung zum Land Israel nicht ignoriert werden, sondern muss an der Spitze der Diskussion und Überlegungen stehen, wenn man versucht den Konflikt zu lösen.

 

Bilder: Ahmed via YouTube/Kurdistan24 Englisch; Denkmal CC durch Wikimedia Commons

Die Kibbuz-Bewegung: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft

2. August 2019

Margo Dickstein, HonestReporting, 22. Juli 2019

Die Kibbuz-Bewegung ist eine der Säulen des Staates Israel. Sie ist eine einzigartige israelische Institution, die von vielen geliebt wird. Was aber sind die Ursprünge des Kibbuz und hat er eine Zukunft im modernen Staat Israel?

Die Ursprünge der Kibbuz-Bewegung

Juden, die zur Jahrhundertwende das osmanische Palästina aus Osteuropa kommend erreichten, waren von revolutionären sozialistischen Idealen ihrer Heimatländer beeinflusst. Sie lehnten frühere jüdische Siedlungen ab, die arabische Arbeitskräfte nutzten; sie strebten eine „Eroberung der Arbeit“ an, in dem Glauben, dass nur jüdische Arbeitskraft dazu führen würde, dass das Land erlöst und ein jüdischer Staat gegründet wird.

Während diese frühen Pioniere das Land selbst bearbeiten wollten, konnten sie nicht mit erfahrenen arabischen Arbeitern konkurrieren, die für weniger Geld arbeiteten. Um den Bedürfnissen der neuen Pioniere gerecht zu werden, richtete das zionistische Siedlungsbüro Landwirtschaftsschulen ein.

Eine Gruppe aus der Schule wurde zur Arbeit auf dem Land in der Nähe des Sees Genezareth geschickt, das damals Um Juni genannt wurde. Sie verließen es aber nach weniger als einem Jahr. Eine neue Gruppe Pioniere, die erfolgreich Land bei Hadera bestellten, wurde nach Um Juni geschickt, in der Hoffnung auf ähnlichen Erfolg. Sie sahen sich vielen Herausforderungen ausgesetzt, darunter verfallender Infrastruktur, die die vorherige Gruppe hinterlassen hatte, sowie Angriffen seitens der lokalen Araber.

Diese Gruppe Pioniere war die erste, die an einem Ort blieb und nicht in eine andere Siedlung zog, wie andere sozialistische Juden es zu der Zeit taten. Sie beschlossen die Siedlung Degania zu nennen, nach dem Wort dagan, Hebräisch für die Getreide, die sie anbauten und nach degania, den Kornblumen, die in der Gegend wuchsen. Der Kibbuz Degania wurde 1910 der erste Kibbuz in Israel.

Das Leben in Degania und anderen frühen Kibbuzim im Allgemeinen, war schwierig. Das Land war schwer zu bearbeiten und zu kultivieren, zudem hatten die meisten aus Europa kommenden Neueinwanderer wenig bis keine Erfahrung in der Landwirtschaft. Araber, die nahe neuen jüdischen Siedlungen lebten, verübelten ihnen ihre Anwesenheit weitgehend und Plünderungen waren üblich. Deswegen schufen die frühen jüdischen Siedler die Hashomer-Verteidigungskräfte.

Kibbuzim dienten als Zentren zur Eingliederung von neuen Immigranten und stellten der Haganah während der Mandatszeit Verteidigungskämpfer.

Ein Mitglied des Kibbuz Degania-B pflügt 1945 ein Feld.

Veränderungen

Ursprünglich waren Kibbuzim fast gänzlich landwirtschaftlich und vollständig sozialistisch. Familien lebten in bescheidenen, gleichen Häusern und alle Mahlzeiten wurden gemeinsam im Speisesaal eingenommen. In einigen Kibbuzim schliefen Kinder nachts in einem Kinderhaus statt bei ihren Eltern. Alles verdiente Einkommen ging an den Kibbuz und wurde dann gemeinschaftlich und gleichmäßig verteilt. Es gab keine Verbindung zwischen individuellen Beiträgen für die Gemeinschaft und Einkommen.

In den 1960-er Jahren lebten nur vier Prozent der Israelis in Kibbuzim, aber Mitglieder der Kibbuz-Bewegung stellten 15% der Knesset-Abgeordneten.

Aber in den 1980-er Jahren sah sich Israel einer Wirtschaftskrise gegenüber und die Kibbuzim waren besonders davon betroffen. Infolge steigender Schulden, Inflation und Menschen, die in die Städte zogen, beschloss die Kibbuz-Bewegung, dass die Beibehaltung eines kompletten sozialistischen Rahmens unmöglich sein würde. Die meisten bewegten sich in Richtung Teil-Privatisierung.

2015 kamen nur zwei Mitglieder der Knesset aus einem Kibbuz. Die Schwächung der politischen Macht der Kibbuzim korrelierte mit einer Schwächung der Arbeits-Zionismus-Bewegung als Ganzem.

Kühe in einem Kibbuz.

Der Kubbuz heute

Die heutigen Kibbuzim folgen einem von drei Wirtschaftsmodellen:

  • Der Gemeinschaftskibbuz: Die Aufteilung des Einkommens erfolgt gemeinschaftlich und zu gleichen Teilen, unabhängig vom individuellen Beitrag zur Gemeinschaft.
  • Der integrierte Kibbuz: Das individuelle Einkommen eines Mitglieds gründet auf einer anfänglichen, gleichen Summe, die von jedem Kibbuz-Mitglied geleistet wird, einer zusätzlichen Summe, die darauf basiert, wie lange sie im Kibbuz gelebt haben und einer weiteren Summe auf Grundlage des Gehalts/Beitrags zum Kibbuz.
  • Der erneuerte Kibbuz: Die Aufteilung des Einkommens ist unterschiedlich. Je mehr jemand verdient, desto mehr erhält er. Es wird jedoch ein gewisser Prozentsatz vom Gehalt eines jeden Kibbuz-Mitglieds abgezogen, um Gemeinschaftsausgaben und Einkommen von Mitgliedern, deren Verdienst unter das vom Kibbuz festgesetzte Mindestgehalt fällt, abzudecken.

Die überwiegende Mehrheit der heutigen Kibbuzim, fast 190, entschieden sich „erneuerte Kibbuzim“ zu werden; sie betrachten sich selbst als „Reformer“ und passten die Kibbuz-Methoden an die wirtschaftlichen und sozialen Veränderungen des 21. Jahrhunderts an. Etwa 60 Kibbuzim operieren mit der Gemeinschafts-Methode, 20 sind integriert.

Alle Kibbuzim funktionieren als Demokratien, in denen Mitglieder bei der Formulierung der Politik, der Wahl von leitenden Vertretern, der Autorisierung des Kibbuz-Budgets und der Bestätigung neuer Mitglieder abstimmen. Kibbuz-Mitglieder wählen Mitglieder in Komitees, die die Entscheidungen zu Dingen wie Unterkünften, Finanzen, Produktion, Planung, Gesundheit und Kultur treffen.

Produktion von Kibbuzim macht 5,2% des israelischen Bruttosozialprodukts aus und 9,2% der Industrieproduktion aus. Während Kibbuzim weniger starke landwirtschaftliche Produzenten sind als früher, hinterlassen sie immer noch einen enormen Einfluss auf den Staat; 34% der gesamten Landwirtschaftprodukte kommen aus Kibbuzim. Kibbuzim gehören 10% des Landes innerhalb des Staates.

Die Zukunft der Kibbuz-Bewegung

Heute haben Kibbuzim weit über die kleinen, sozialitischen Kommunen hinaus expandiert, die sie einst waren. Viele Industrien, die in Kibbuzim arbeiten, werden in Tel Aviv und an Börsen im Ausland gehandelt.

Israelis tragen diese Ideale in 100 sogenannte „Stadt-Kibbuzim“, in denen geschätzte 2.000 Israelis leben. Die Bewegung der Stadt-Kibbuzim keimt auch im Ausland, besonders in den USA, Australien und Deutschland.

Viele glauben, dass die Kibbuz-Bewegung eine Wiederbelebung erfährt; Kibbuzim expandieren und Menschen ziehen aus Städten in die Peripherie, um den ländlichen Kibbuz-Lebensstil zu erfahren. Die meisten argumentieren, dass diese Expansion nur infolge der Evolution der Kibbuzim möglich ist.

Es ist zu klar, dass dieser Expansion nicht von einer politischen Expansion der Arbeiterbewegung geholfen wird. Es ist etwas tiefer Gehendes – etwas ruft Menschen, den leichten Lebensstil der Stadt aufzugeben und in Kibbuzim zu leben, die 100 Jahre alte Bewegung ins 21. Jahrhundert zu tragen.

Kurz gesagt: Der Kibbuz ist im modernen Staat Israel da um zu bleiben.