Archive for the ‘Nahost allgemein’ category

Geschichtsklitterung à la Robert Fisk

4. Februar 2016

Simon Plosker, HonestReporting, 1. Februar 2016

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Robert Fisk, den wir über die Jahre schon öfters kritisieren mussten, hat die zweifelhafte Ehre, seinen Namen dem Kunstverb “fisken” verliehen zu haben — also einen Zeitungsartikel oder einen Blogbeitrag (etc.) Punkt für Punkt zu widerlegen oder zu kritisieren.

Fisks jüngsten Beitrag im Independent möchten wir gar nicht widerlegen. Dort fragt er, ob Benjamin Netanyahu “verrückt geworden ist”, weil er die kürzlichen Kommentare von UN-Generalsekretär Ban Ki-moon thematisiert hat. Was aus diesem Text aber wirklich heraussticht, ist Folgendes:

Kurz ein paar Worte über die Geschichte. Israel eroberte 1967 das Westjordanland. Es baute Kolonien auf dem Land, welches der Westen israelische “Siedlungen” nennt — ähnlich wie die “Siedlungen” im Wilden Westen, was ihnen einen beinahe europäischen Anstrich verleiht. Danach erkannte Israel, dass es von den USA und ihren Verbündeten für den Bau von Häusern für Ausländer (Israelis) auf dem Eigentum anderer Leute verurteilt wurde. Das ist exakt das, was die israelische Regierung tat und was viele Israelis seither in Frage gestellt haben, da es Israel zum “Besitzer” von Land außerhalb seiner eigenen von der UN anerkannten Grenzen machte — und dies macht Israel zum einzigen Land, das immer noch einen Kolonialkrieg betreibt.

Die Palästinenser — die rechtmäßigen Besitzer des Landes unter osmanischer (und britischer) Herrschaft — haben dies zu Recht als Diebstahl bezeichnet. Und das ist es auch. Land, das Palästinensern gehört, wurde von Israel für sein eigenes Territorium genommen, auch für seine Produkte — Gemüse und so weiter, welches illegal als israelisches Produkt in der EU verkauft wird, und als die EU sich darüber beschwerte, wurde sie bösartig als antisemitisch beschimpft. So wird Hass erzeugt.

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Robert Fisk

Fisks Geschichtsversion passt eindeutig nicht auf die Fakten. Fisken wir kurz seinen Text.

  • Israel eroberte 1967 nicht einfach so das Westjordanland. Fisk verschweigt, dass Israel als eines der Ergebnisse aus dem Sechstagekrieg die Kontrolle über jene Territorien errungen hatte. Im Sechstagekrieg hatte sich Israel erfolgreich gegen mehrere arabische Armeen verteidigt, die seine Existenz bedrohten.
  • Referenzen wie z. B. “Kolonien” und “beinahe europäischer Anstrich” portraitiert Israel fälschlicherweise als Eindringling ohne Verbindung mit dem Land. Ob man mit dem Siedlungsunterfangen nun einverstanden ist oder nicht — die historische Verbindung der Juden zum fraglichen Land ist unbestreitbar. Israelis sind keine “Ausländer”. Juden sind dort Eingeborene, quasi Ureinwohner.
  • Was sind Israels “von der UN anerkannte Grenzen”, die Fisk anspricht? Die sogenannte Grüne Linie wird von niemandem als offizielle Grenze gesehen, und zwar einfach weil es sich hier um eine Waffenstillstandslinie handelt: Dort standen die Armeen, als der Waffenstillstand ausgerufen wurde. UN-Resolution 242, die über die ganzen Jahre als Verhandlungsgrundlage gedient hat, fordert “sichere und anerkannte Grenzen” sowie einen Rückzug Israels aus im Jahr 1967 “besetzten Gebieten”, wobei mit Bedacht so formuliert wurde, dass nicht von “allen Gebieten” oder “den Gebieten” die Rede ist. Als Lord Caradon später gebeten wurde, die britische Position darzulegen, sagte er: “Es wäre falsch gewesen zu fordern, Israel solle zu seinen Positionen vom 4. Juni 1967 zurückkehren, denn jene Positionen waren künstlicher Natur und nicht wünschenswert.”
  • Wer sind die Palästinenser, welche “die rechtmäßigen Besitzer des Landes unter osmanischer (und britischer) Herrschaft” gewesen sein wollen? Auf diesem Gebiet hat es niemals einen souveränen Palästinenserstaat gegeben. Meint Fisk damit nur das Westjordanland oder den gesamten Staat Israel? Und hätten Palästinenser unter osmanischer Herrschaft das Land besessen, dann würde dies in Fisks Gedankenwelt bedeuten, sie seien die rechtmäßigen Eigentümer allen Landes vom Jordan bis zum Mittelmeer. Indes stahlen Juden kein arabisches Land.
  • Keinerlei Produkte wurden “illegal als israelisches Produkt in der EU verkauft”. Der Disput mit der EU betrifft die Etikettierungsrichtlinien und nicht etwa Gesetze gegen die Vermarktung von Produkten aus jüdischen Siedlungen. Woher auch immer diese israelischen Produkte stammen, sie brachen niemals irgendwelche Gesetze und tun dies auch heute nicht. Zudem hat auch Israel selbst niemals diese Richtlinien verletzt.

Und hier endet unser Fisken.

New-York-Times-Korrespondentin (erneut) von Redaktion korrigiert

1. Februar 2016

Yarden Frankl, HonestReporting, 26. Januar 2016

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Diaa Hadid, Korrespondentin der New York Times, begann ihren Artikel über die Zwangsräumung von Palästinenserwohnungen in Jerusalems Altstadt mit einigen bewegenden Zeilen:

Nazira Maswadis neuer Vermieter versucht sie mit der Behauptung loszuwerden, ihr Noch-Ehemann Tawfiq, der ursprüngliche Mieter, sei verstorben. “Er ist nicht tot”, insistiert sie. “Er hat 10 Kinder mit mir. Wäre er tot, müssten sie ihn begraben.”

So beunruhigend die Behauptung auch ist, sie wird durch die Fakten nicht gestützt. Ausgelöst durch eine Untersuchung durch die Organisation CAMERA erklärt eine Redaktionsnotiz der Times vom 26. Januar, dass Gerichtsdokumente zeigen, dass sie wegen Nichtzahlung der Miete vor die Tür gesetzt wurde. Nicht ganz so emotional oder Sympathie erzeugend.

Die Anerkenntnis des wahren Grundes für die Zwangsräumung würde Hadids Meinung (die in einer Nachrichtenstory nichts zu suchen hat) unterminieren. Dies wird klar, als sie Folgendes schreibt:

Die palästinensischen Familien und ihre Unterstützer behaupten, die oft mit scheinbar obskuren Verletzungen ihrer Mietverträge begründeten Zwangsräumungen seien Teil einer übergeordneten Agenda, jüdische Enklaven innerhalb des historischen muslimischen Viertels zu erzeugen.

Will sie die Leser glauben machen, eine Nichtzahlung der Miete sei eine “obskure Verletzung eines Mietvertrags”?

In Wirklichkeit war das nur eines von drei Problemen mit dem Artikel, welche die Autorin korrigieren musste. Alle aufgrund desselben grundlegenden journalistischen Versagens.

Wie die Times-Redaktion schreibt:

Die Beschreibungen beruhten auf den Aussagen der Mieterin; der Artikel hätte weitere Informationen aus Gerichtsunterlagen oder von den Vermietern enthalten sollen.

Anders gesagt, Hadid hatte sich mit den Gekündigten zusammengesetzt und ihre Aussagen aufgeschrieben, ohne sich die Mühe zu machen, nach anderen Aussagen oder Hinweisen zu forschen.

Es ist nicht das erste Mal, dass Hadid einen Artikel für die Times geschrieben hat, in welchem sie wesentliches Material, das nicht auf ihre Agenda passte, einfach ausgelassen hat. Wie wir bereits berichtet haben, beschwerten sich vier der Leute, die sie als Hauptquelle für ihren Artikel über die arabische Szene in Haifa interviewt hatte, Hadid habe ihre Aussagen aus dem Zusammenhang gerissen.

Nachdem sie von ihrer Redaktion zweimal öffentlich korrigiert wurde, können wir uns nur fragen, ob Hadids Auslassungen das Ergebnis schlampigen Journalismus sind oder ob es sich um Absicht handelt. Natürlich ist ihre Vergangenheit bei der berüchtigten antiisraelischen Seite Electronic Intifada (“New York Times Employs Veteran of Anti-Semitic Website“) äußerst beunruhigend.

Wir waren ermutigt, als Margaret Sullivan, Public Editor der Times, auf Kritik an der Israel-Berichterstattung des Blattes reagierte und sagte, die New York Times müsse das Leben der Palästinenser und ihre Ansichten stärker dokumentieren und sie nicht nur als Opfer darstellen. Aber Hadid macht die Berichterstattung der Times schlechter und nicht besser.

NPR fegt Israel von der Karte

27. Januar 2016

Simon Plosker, HonestReporting, 24. Januar 2016

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Kurz nach CNNs jüngstem “Palästina”-Fauxpas ist nun das National Public Radio (NPR) an der Reihe, Israel von der Weltkarte zu fegen.

Und wieder ist es an einer Stelle passiert, wo wir es am wenigsten erwartet hätten — diesmal als Teil eines Berichts über Gesundheit mit dem Titel “Wovor fürchten Sie sich im Jahr 2016? Globetrotter teilen ihre Ängste”. Der Bericht enthielt auch obige Karte.

Wie Sie sehen können, erscheinen darauf alle Staaten im Nahen Osten sowie die Staaten um ihn herum. Alle Staaten außer Israel, das statt dessen als “Palästina” bezeichnet wird.

Vielleicht wollte NPR eine Karte erstellen, die speziell die islamische Welt beleuchtet. Ist dem so, dann hätten sie dies klarstellen sollen.

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Und falls NPR tatsächlich die gesamte islamische Welt als etwas darstellen wollte, vor dem man sich 2016 fürchtet, dann ist es gut möglich, dass sich NPR mit diesem Artikel nicht nur mit HonestReporting angelegt hat.

NPR muss sich jetzt entscheiden: entweder bringen sie Israel wieder auf die Karte, oder sie geben zu, dass die Karte antimuslimisch ist. Was auch immer zutrifft: NPR steckt im Dreck.

Simon Plosker, leitender Redakteur von HonestReporting, fügt hinzu:

Es ist vollkommen inakzeptabel, dass NPR ein Bild veröffentlicht, auf welchem Israel von der Karte gewischt wird. Dass bei NPR niemand erkannte, wie problematisch dieses Bild ist, und zwar gleich in mehrfacher Hinsicht, spricht Bände über die Defizite in deren Redaktion.

NPR sollte das Richtige tun und entweder Israel seinen rechtmäßigen Platz zurückgestehen oder eingestehen, dass die Karte im Zusammenhang mit dem Artikel eine Angst vor der islamischen Welt bedeuten soll. Angesichts dieser Möglichkeiten sollte NPR das Bild besser komplett löschen.

***

UPDATE

HRsuccess2Die beleidigende Karte wurde nach einer Beschwerde von HonestReporting entfernt. Statt ihrer erscheint der folgende Text:

Anm. d. Hrsg.: Die ursprüngliche Version dieses Beitrags enthielt eine Kartenillustration, welche die Länder im Nahen Osten und in Nordafrika repräsentieren sollte, die unsere Umfrageteilnehmer als die Region mit dem höchsten Risiko für Reisende und Auswanderer im Jahr 2016 identifiziert haben. Auf der Karte war so einiges falsch. Die Länder Zypern, Israel und Türkei wurden entweder nicht gezeigt oder nicht bezeichnet; die Bezeichnung “Palästina” hätte “Palästinensische Gebiete” lauten sollen; und wir haben versehentlich Afghanistan und Pakistan mit reingenommen. NPR entschuldigt sich für diese Fehler.

CNN bewirbt politisierendes palästinensisches Museum

17. Januar 2016

Simon Plosker, HonestReporting, 14. Januar 2016

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CNN freut sich auf “9 der besten Attraktionen, die 2016 eröffnen“:

Von Amerikas größtem Museum für moderne Kunst bis hin zum neuesten Disney-Freizeitpark — 2016 wird ein tolles Jahr für Touristen weltweit, die nach dem nächsten großen Ding Ausschau halten.

Der Nahe Osten wird seinen fortschrittlichsten Schneepark in Doha bekommen.

Fans der “Tribute von Panem” können in Dubai in die Fußstapfen von Katniss Everdeen treten.

Und eine lebensgroße Replik von Noahs Arche wird sich über den blaugrünen Wiesen Nord-Kentuckys erheben. Sie wird die weltgrößte Holzstruktur der Welt sein.

Ein Blick auf diese und weitere wird in unserem Kulturkalender 2016 geboten, wo wir einige der meisterwartetsten Attraktionen weltweit beleuchten.

Keine der dort beschriebenen Attraktionen wie z. B. Shanghais Disneyland, ein Fußballmuseum in Zürich oder ein Kunstmuseum in San Francisco ist in irgendeiner Weise politisch. Außer einer:

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Simon Plosker, der leitende Redakteur von HonestReporting, kommentiert hierzu:

Allein schon das Eröffnungsdatum ist ein Indikator, wie politisch dieses Museum ist und wie die öffentliche Aufmerksamkeit rund um seine Eröffnung zweifellos zur Delegitimierung der Errichtung Israels missbraucht werden wird.

In einem Beitrag über kulturelle Attraktionen hat dieses palästinensische Museum nichts verloren. CNN beweist aufs Neue seine Sympathie für das palästinensische Narrativ zu Israels Nachteil.

Nach der kürzlichen Inklusion einer Karte bei CNN Money, auf der Israel durch “Palästina” ersetzt worden war, scheint es, als würde CNN bei jeder sich bietenden Gelegenheit palästinensische Propaganda verbreiten wollen, selbst an den unpassendsten Stellen.

Die Grüne Linie “zwischen Israel und Palästina” beim Independent

14. Januar 2016

Simon Plosker, HonestReporting, 13. Januar 2016

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Trotz der Ablehnungspolitik der Palästinenser und ihrem Terrorismus, trotz des weltweiten Dschihads und der beträchtlichen Gewalt, die den Nahen Osten und das Gebiet darum herum ergriffen hat, erregt nichts die Aufmerksamkeit der Medien mehr als israelische Siedlungen.

Jüngstes Ziel der palästinensischen Kampagne zur Isolation Israels ist die internationale Online-Unterbringungsgemeinschaft Airbnb, deren “Verbrechen” darin besteht, Unterkunfts-Inserate für israelische Gemeinschaften jenseits der Grünen Linie zuzulassen. Und noch schlimmer: Diese Siedlungen sind als israelisch gelistet!

Eines der Medien, das sich dieser Nicht-Story gewidmet hat, ist der Independent. Das Blatt beendet seinen Artikel mit folgender Aussage über die Stadt Efrat im Gush-Etzion-Block:

Die Siedlung befindet sich 12 km südlich von Jerusalem und 7 km östlich der Grünen Linie, der Grenze zwischen Israel und Palästina, auf die man sich beim Waffenstillstand von 1949 geeinigt hatte.

Nur dass es 1949 kein “Palästina” gab. Die Grüne Linie war eine Waffenstillstandslinie (keine permanente Grenze) und markierte einfach nur den Ort, an dem die israelischen und arabischen Armeen standen, als die Kampfhandlungen eingestellt wurden. Die heute als Westjordanland bezeichnete Gegend befand sich damals unter jordanischer Kontrolle, und es existierte schlichtweg kein “Palästina”, mit dem man sich einigen konnte.

Geschichtliche Fehler wie dieser tragen zu dem Mythos bei, das Gebiet, in welchem heute israelische Siedlungen existieren, sei vormals eine souveräne palästinensische Entität gewesen — trotz der Tatsache, dass dies während der gesamten Geschichte niemals der Fall war.

Wir haben den Independent um Korrektur gebeten.

UPDATE

HRsuccess2Nach unserer Beschwerde wurde der Satz überarbeitet und akkurater formuliert:

Die Siedlung befindet sich 12 km südlich von Jerusalem und 7 km östlich der Grünen Linie, der Demarkationslinie zwischen israelischem und palästinensischem Gebiet, auf das sich die israelischen Streitkräfte und die seiner Nachbarn (Ägypten, Libanon, Syrien und Jordanien) nach dem Arabisch-Israelischen Krieg beim Waffenstillstand von 1949 geeinigt haben.

Die New York Times gibt zu, Kontext zu verschweigen

10. Januar 2016

Yarden Frankl, HonestReporting, 10. Januar 2016

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Ayed Fadel, Hauptquelle eines New-York-Times-Artikels über die palästinensische Sozialszene in Haifa, beschwerte sich bitter darüber, dass seine Aussagen aus dem Zusammenhang gerissen wurden. Trotz der Darstellung der Journalistin Diaa Hadid, die Szene würde progressive Werte vertreten, ist die Wirklichkeit weit politischer. Wie wir gezeigt haben, ist Fadels Facebookwand voller antiisraelischer Beiträge und zeigt auch keinerlei Unterstützung für die Rechte Homosexueller.

Beschwerden zahlreicher Leser erreichten den Public Editor der New York Times, Margaret Sullivan. Ihre Antwort räumt ein Versagen auf Seiten der Times ein:

Was jedoch fehlte, was etwas, das ich in meiner Nahost-Kolumne empfohlen habe: viel Kontext. Zwar ist es unmöglich (und nicht ratsam), die Geschichte Israels und Palästinas in jeder Nachrichtenberichterstattung und jedem Sonderbeitrag darzulegen, benötigte dieser Artikel jedoch mehr politische und geschichtliche Informationen, um ihn in die richtige Perspektive zu rücken.

Keine Formulierung eines Artikels wie diesem wird jeden Leser zufriedenstellen. Aber die Times kann es besser machen, indem sie mehr Kontext und weitere Informationen bereitstellt, selbst in einem Sonderbeitrag.

In einem Folgebeitrag drückte Hadid, die Journalistin, gegenüber Sullivan ihre Überraschung aus, dass nicht nur einer, sondern gleich vier ihrer Interviewpartner sagten, ihre Aussagen seien aus dem Zusammenhang gerissen worden:

Ich habe diese Story geschrieben, weil ich Haifas einzigartiger Kultur Tribut zollen wollte. Insbesondere wollte ich zeigen, wie die palästinensischen Bürger Israels ihre eigene dynamische, linke Szene in der Stadt errichtet haben. Daher war ich äußerst überrascht zu hören, dass mindestens vier Interviewpartner den Eindruck hatten, ich hätte sie in der Story falsch dargestellt, und dass diese Story mehr Kritik zur Folge hatte als jede andere, die ich in knapp einem Jahrzehnt Nahostberichterstattung geschrieben habe.

Es ist sehr offenbarend, dass die Hauptkritik der Interviewpartner darin bestand, ihre politischen Ansichten seien aus dem Artikel herausgelassen worden.

Und die Ironie ist, dass wir dem zustimmen.

Der von den Interviewten gepflegte Israelhass hätte im Artikel erwähnt werden sollen, damit die Leser verstehen, dass ihre liberalen Ansichten ein sofortiges Ende finden, sobald es um Frieden und Koexistenz geht.

Aber wir begrüßen, dass Sullivan den Anliegen der Leser gegenüber offen war und sie der Journalistin mitgeteilt hat.

Palästinensische Hipster mit Tattoos und Piercings?

7. Januar 2016

Yarden Frankl, HonestReporting, 5. Januar 2016

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Einige Journalisten würden die palästinensische Gesellschaft am liebsten so darstellen, als sei sie modern und linksgerichtet, vertrete progressive Werte und sei keineswegs von ihrem Konflikt mit Israel besessen. Beispielsweise beschreibt dieser New-York-Times-Artikel eine Szene, in welcher (sich selbst so bezeichnende) junge Palästinenser in Haifa in Tanzclubs herumhängen, Alkohol trinken und kein Problem mit öffentlichen Zärtlichkeiten homosexueller Pärchen haben. Für sie zählt die Kultur, nicht die Politik.

Sie waren bei den vielen frisierten, gepiercten und tätowierten Frauen und Männern, die Haifas soziale Szene bilden, welche an die finanzstarken Hipster aus Tel Aviv erinnert. Aber hier sind die coolen Kids Palästinenser, und sie haben ein selbstbewusstes Arabermilieu gebildet, das säkular, feministisch und schwulenfreundlich ist.

Keinerlei Erwähnung des Israelkonflikts. Einfach nur progressive Jungs und Mädels, die in Clubs herumhängen.

Aber kurz nach der Veröffentlichung des Artikels schrieb Ayed Fadel, der im Artikel umfangreich zitiert wurde, einen Facebook-Beitrag. Darin beklagte er sich, die New York Times hätte seine Aussagen völlig aus dem Zusammenhang gerissen:

Ich fand den Artikel in Wirklichkeit verstörend. Er beschreibt bestimmte Aspekte und lässt so viele andere aus, die ich beim Interview erwähnt habe, dass er die modernen Palästinenser im Endeffekt in einem “westlichen” Licht darstellt, das weiße Leser glücklich macht und sagen lässt: “Oh, sie sind genau wie wir!” Nein, wir sind überhaupt nicht wie sie, wir sind total anders und stecken tief in der Scheiße, und uns so darzustellen ist beleidigend.

… Es fehlen so viele wichtige Punkte, dass dieser Artikel seicht, beleidigend und entwürdigend wirkt. Und es fehlen 90% des Interviews, wo wir darüber gesprochen haben, wie die Kultur des kulturellen Widerstands wächst…

Ich weiß nicht, ob das, was ich jetzt schreibt, alles im Artikel Geschriebene ansprechen kann, aber ich kann hoffentlich die Situation erklären und zeigen, dass es eine Falle der weißen Medien war. Die wollen uns immer als coole Hipster voll mit Tattoos und Piercings darstellen — weit entfernt von der Realität, in der wir uns befinden und gegen die wir jeden Tag kämpfen!

Wie denkt Ayed wirklich? Hier einige Beiträge von seiner Facebook-Seite:

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Aus irgendeinem seltsamen Grund schafften es Fadels Ansichten über Israel nicht in den Artikel. Vielleicht kamen sie ja in den 90% des Interviews zur Sprache, die laut ihm ausgelassen wurden?

Diaa Hadid ist die Times-Korrespondentin, die den Artikel geschrieben hat. Folgendes stammt vom Blog Israellycool (“New York Times Employs Veteran of Anti-Semitic Website“):

Trotz einiger Artikel über das Versagen der Palästinenserbehörde, seine Stromrechnung zu bezahlen, und über die palästinensischen Araberinnen, die Juden auf dem Tempelberg belästigen, ist Hadid einfach nur ein Teil des Hamas-Propagandateams namens “Jerusalembüro der New York Times”. Das sollte nicht überraschen, wenn man ihre Vergangenheit bei Electronic Intifada und bei der Palästinensischen Gesellschaft für den Schutz der Menschenrechte und der Umwelt betrachtet.

Electronic Intifada ist eine Hass-Seite, welche die Hamas unterstützt. Der Antisemitismus seines Gründers Ali Abunimah ist gut dokumentiert. Abunimahs Unterstützung für die Hamas wurde auf einem YouTube-Video verewigt. Eine andere EI-Reporterin erklärt stolz auf Twitter: “Objektivität ist Bullshit”. Hadid schrieb zwischen 2002 und 2003 mindestens sieben Artikel für EI.

Es überrascht nicht, dass Hadid nur das wahrnahm, was sie wahrnehmen wollte, und dass sie nur das schrieb, was sie über die Leute schreiben wollte. Aber wenn eine ihrer Hauptquellen sagt, dass 90% des Gesagten ausgelassen wurde, ist das eine schrillende Alarmglocke, dass den Lesern nicht alles gesagt wird.


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