Archive for the ‘Nahost allgemein’ category

DNS offenbart: Die Philister, die biblischen Feinde der Israeliten, waren Europäer

11. Juli 2019

Laura Geggel, Live Science, 3. Juli 2019

Die antiken Philister – berühmt für ihr Auftauchen in der hebräischen Bibel, darunter in der Geschichte von David und dem Riesen Goliath – waren keine Einheimischen in dem , was heute das moderne Israel ist. Stattdesen stammte diese mysteriöse Gruppe von seefahrenden Europäern ab, stellt eine neue Studie antiker DNA fest.

Nach der Analyse antiker DNA von 10 Einzelpersonen, die in einer archäologischen Stätte der Philister begraben waren, stallte ein internationales Forscherteam fest, dass die Philister von Menschen in Griechenland, Sardinien oder sogar der Iberischen Halbinsel (dem heutigen Spanien und Portugal) abstammen. Diese Vorfahren zogen während der späten Bronzezeit oder der frühen Eisenzeit über das Mittelmeer, vor rund 3.000 Jahren.

Aber dieses europäische genetische Signal war nur von kurzer dauer. Sobald die Philister in der südlichen Levante ankamen, die das östliche Mittelmeer umfasst, gingen sie Mischehen mit den Einheimischen ein. „Innerhalb von nicht mehr als zwei Jahrhunderten ist der genetische Fußabdruck, der in der frühen Eisenzeit eingeführt wurde, nicht mehr nachweisbar und scheint in einem lokalen Genpool aufgegangen zu sein“, sagte Choongwon Jeong, einer der Forscher, ein Archäognetiker am Max Planck-Institut für Wissenschaft der Menschheitsgeschichte in Jena in einer Stellungnahme. [Fotos: Zisterne aus biblischer Zeit und in Israel entdeckte Gravuren]

Mysterium Philister

Historiker und Archäologen haben Jahrzehnte damit zugebracht die Herkunft der Philister zu entziffern. Zusätzlich zu ihrer Erwähnung in der hebräischen Bibel (der Geschichte von Samson und der Philisterin Delilah führt die Gruppe ebenfalls an) erscheinen die Philister auch in Texten, die von antiken Ägyptern hinterlassen wurden. Durch Kreuzverweise zwischen diesen hebräischen und ägyptischen Texten schafften es Archäologen die Philister zeitlich und geografisch in einer Region zu verfolgen, zu der die Hafenstadt Aschkelon gehört, die im heutigen Israel liegt.

Ein Kindergrab aus der Levante Foto: Robert Wach/Leon Levy-Expedition nach Aschkelon

Dort enthüllten Ausgrabungen eine dramatische Verschiebung in der Kultur, darunter im Stil der Tonwaren und der Architektur, zwischen der späten Bronzezeit und der frühen Eisenzeit. „Sie begannen Funde aus archäologischen Stätten zu ähneln, die im Bronze-Zeitalter Ägäis waren, also Bronze-Zeitalter griechisch“, sagte Forschungsleiterin Michal Feldman, eine Doktorandin für Archäogenetik am Max Planck-Institute für Menschheitsgeschichte gegenüber Live Science. „Von dort kam die Theorie, dass die Philister-Kultur [in der Levante], die in der Eisenzeit auftauchte, aus Griechenland herwanderte.“

Aber niemand stimmt dieser Theorie zu. Vielleicht kopierten die Einheimischen einfach Tonwaren und Kultur des Auslands oder vielleicht kamen die Migranten aus anderen Teilen Europas, sagte einige Wissenschaftler. Daher wandte sich der an der Forschung beteiligte Daniel Master, Archäologe am Wheaton College in Massachusetts und Co-Leiter der Grabung in Aschkelon an die Genetik, um das Rätsel zu lösen.

Analyse antiker DNA

Die Genetiker sammelten mehr als 100 Proben, hauptsächlich Zähne und Innenohr-Knochen; von beiden weiß man, dass ich ihnen antike DNA gut erhalten wurde. Aber die Forscht bekamen nur von 11 Proben DNA-Ergebnisse von 10 Einzelpersonen, die vor 2.800 bis 3.600 Jahren lebten.

„Der Grund ist, dass das östliche Mittelmeer im Allgemeinen ziemlich problematisch für die Bewahrung von DNA ist“, sagte Feldman. DNA wird im Lauf der Zeit abgebaut und wenn die Umwelt-Bedingungen warm und feucht sind, baut sie schneller ab.“

Aber die DNA der 10 Einzelpersonen reichte aus, um das Rätsel zu lösen. Als die Forscher DNA von Menschen aus der früheren, der Bronzezeit mit der DNA der späteren, der Philister aus der Eisenzeit verglichen, „sahen wir, dass sie eine ererbte Komponente hatten, die die Menschen der Bronzezeit nicht hatten“, sagte Feldman. Diese ererbte Komponente wurde nach Südeuropa zurückverfolgt. Es ist jedoch schwer zu sagen, wo genau in Südeuropa, da Datenbanken mit antiker DNA aus dieser Zeit nur punktuell vorhanden sind, sagte Feldman.

Ausgrabung eines Philister-Friedhofs in Aschkelon im modernen Israel. Foto: Melissa Aja/Leon Levy-Expedition in Aschkelon

Darüber hinaus bedeutet die Verbindung zu Südeuropa „nicht, dass die Philister [selbst]  aus diesen Regionen kamen“, fügte sie an. Aber das südeuropäische Signal ist unbestreitbar, als „können wir sagen, dass die Vorfahren der Philister wahrscheinlich aus Südeuropa kamen und in Aschkelon entweder gegen Ende der späten Bronzezeit oder zu Beginn der Eisenzeit ankamen“. [In Fotos. Tongefäß mit nachdenklicher Figur, entdeckt in Israel]

In dieser Zeit, im 12. Jahrhundert v.Chr., brachen so viele Reiche zusammen, dass die Zeit als „frühe dunkle Zeit“ bekannt ist“, sagte Feldman. Es ist also keine Überraschung, dass die Philister in die Levante migrierten, sagte sie.

Zwei Forscher graben einen Philister-Friedhof in Aschkelon aus. Foto: Melissa Aja/Leon Levy-Expedition in Aschkelon

Die Studie ist „faszinierend“, sagte Éadaoin Harny, ein Doktorand der Abteilung für organismische und Evolutionsbiologie an der Universität Harvard, der nicht an der Forschung beteiligt war.

„Indem die antiken Genome von Einzelpersonen in Gräbern in der Stadt Aschkelon aus unterschiedlichen Perioden im Verlauf der Geschichte in eine Reihenfolge gebracht wurden, finden die Autoren Beweise für einen relativ kurzlebigen Zustrom von Menschen südeuropäischer Herkunft in die Region, die in der frühen Eisenzeit auftauchten“, sagte Harney.

Die genetische Arbeit unterstützt im Gegenzug „frühere archäologische und historische Behauptungen, dass kulturelle Verschiebungen, die in der Region während des Übergangs von der Bronzezeit in die Eisenzeit stattfanden, zumindest zum Teil der Migration geschuldet waren“, sagte sie Live Science in einer E-Mail.

Die Studie wurde heute (3. Juli) online im Journal Science Advances veröffentlicht.

„Wasser-Apartheid“ war nur eine geborstene Wasserleitung, aber den Medien ist das egal

25. Juni 2016

Daniel Pomerantz, HonestReporting, 16. Juni 2016

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Angeblich hat Mark Twain gesagt: „Eine Lüge ist bereits dreimal um die Erde gelaufen, ehe sich die Wahrheit die Schuhe anzieht.“ Und das ist genau das, was hier passiert ist.

Der Independent, die International Business Times, Radio New Zealand und die Times of London haben allesamt eine vollkommen falsche Al-Jazeera-Story übernommen.

Speziell der Independent tut sich als herausragendes Beispiel für Fiktion anstelle von Journalismus hervor und stellt Israel fälschlicherweise so dar, als verwehre es den Palästinensern im Westjordanland absichtlich das Wasser.

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Im Artikel steht:

Israel hat die Wasserversorgung für weiträumige Gebiete im Westjordanland unterbrochen, wie palästinensische Behörden behaupten.
Zehntausende Palästinenser stehen während des islamischen heiligen Monats Ramadan, einer Fastenperiode, ohne Zugang zu sicherem Trinkwasser da — zu einer Zeit, zu der die Temperaturen 35°C überschreiten können.

Zwischenzeitlich hat die International Business Times israelische Handlungen zweimal als „Wasser-Apartheid“ bezeichnet und schreibt dieses beleidigende Zitat lediglich vagen und ungenannten „Israelkritikern“ zu, impliziert jedoch, es wäre ein allgemein anerkannter Begriff.

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Doch wie sich herausstellte, war die „Wasser-Unterbrechung“ nichts weiter als eine geborstene Wasserleitung, die israelische Arbeiter bereits gewissenhaft reparierten. COGAT, die israelische Behörde, die Aktivitäten in den Palästinensergebieten koordiniert, postete ein Video der geborstenen Leitung.

Diese Storys stammten ursprünglich von einem Al-Jazeera-Artikel, der anfangs keinerlei Aussagen aus Israel enthielt. Nachdem HonestReporting Al Jazeera kontaktierte, setzte sich die Zeitung endlich mit israelischen Quellen in Kontakt und überarbeitete seinen Text.

Nun sagt Al Jazeera, dass es eine starke Reduktion der Wasserversorgung für das Westjordanland gegeben hat, erwähnt jedoch Israels Aussage, dass dies am Rückgang der verfügbaren Wassermenge lag. Danach wird Israels nationales Wasserunternehmen zitiert:

Alle Anlagen sind aktiv, und die Versorgungsmenge unterschreitet den Verbrauch. Kürzlich genehmigte die Wasserbehörde einen Masterplan für den Wassersektor, und demgemäß bauen wir die Systeme, welche den Verbrauch des Westjordanlands decken.

2015 beschuldigte Al Jazeera Israel der absichtlichen Flutung Gazas durch das Öffnen von Dämmen. Wie sich herausstellte, existierten die fraglichen Dämme erst gar nicht, und die Flut rührte von Regenfällen her. Als dies herauskam, machte Al Jazeera einen Rückzieher.

Wie eine Studie aus dem Jahr 2013 zeigte, ist das Wassermanagement im Westjordanland eine kontroverse und komplexe Angelegenheit, und viele der Probleme entstehen durch die Misswirtschaft der Palästinenserregierung und deren Weigerung, sich mit Israel zusammenzusetzen, um Aktivitäten rund um das Wassermanagement zu koordinieren.

Trotz der Widrigkeiten geht Israel weit über seine vertraglichen Verpflichtungen hinaus und bietet Palästinensern im Westjordanland Trinkwasser. Tatsächlich genießen Palästinenser im Westjordanland heute besseren Zugang zu Wasser als viele ihrer arabischen Nachbarn.

Zudem ist die Zahl der palästinensischen Häuser mit Zugang zur Wasserversorgung von 10% auf 95% gestiegen, seit Israel 1967 die Kontrolle über das Westjordanland errang, aber die Palästinenserbehörde verwaltet ihre Infrastruktur nur mangelhaft, was zu vielen Problemen führt wie zum Beispiel dem in diesem Artikel angeführten. All dies ist wichtiger Kontext, aber sämtliche Zeitungsberichte verschweigen ihn total.

HonestReporting hat Quellenmaterial zur Verfügung gestellt, welches die Vielzahl verbreiteter Mythen und tatsächlicher Fakten über das Wasser in den Palästinensergebieten erklärt.

Sowohl der Independent als auch die International Business Times widmen mehrere emotional suggestive Absätze der palästinensischen Perspektive über die Wassersituation im allgemeinen, aber ohne jegliche technischen Einzelheiten über die exakte Natur der angeblichen Versorgungsunterbrechung oder deren Ursachen.

Zum Ende des Artikels hin schafft es der Independent endlich, einige tatsächliche Fakten rund um die angebliche Versorgungsunterbrechung zu erwähnen:

Ein Sprecher der israelischen Regierung sagte dem Independent, in diesen Behauptungen läge „keine Wahrheit“, die Verknappung läge vielmehr an schadhaften Wasserleitungen.

Man sagte: „Vor einigen Stunden reparierte COGATs Zivilverwaltungsteam eine geborstene Wasserleitung, die die Wasserversorgung der Dörfer Marda, Biddya, Jamma’in, Salfit und Tapuach unterbrach. Der Wasserfluss wurde reguliert und funktioniert aktuell wieder.“

Wer war die Quelle für die Behauptung, Israel habe absichtlich die Wasserversorgung unterbrochen? Ein vager und nicht verifizierbarer Verweis auf eine Behauptung ungenannter „palästinensischer Behörden“.

Kurz: Der Independent kannte die Wahrheit, entschied sich aber trotzdem dafür, ein emotional aufgeladenes Stück verleumderischer Fiktion dahinzuschmieren und es dann zu veröffentlichen, als sei es Journalismus. Und die International Business Times scherte sich erst gar nicht um die Wahrheit.

Titelbild: enthält Elemente von Vectors by Vecteezy!

Französische Medien erobern Jerusalem

14. Juni 2016

Yarden Frankl, HonestReporting, 8. Juni 2016

Jerusalem

Unter der Schlagzeile „Starke Sicherheitsvorkehrungen, während Israelis die Einnahme Ostjerusalems aus dem Jahr 1967 feiern“ brachte die französische Nachrichtenagentur AFP einen Artikel, der durch das Weglässen kritischer historischer Zusammenhänge über Jerusalem die Leser in die Irre führt:

Viele israelische Polizisten wurden am Sonntag in Jerusalem für einen alljährlichen Marsch abgestellt, der anlässlich der Beschlagnahme der palästinensisch dominierten Osthälfte der Stadt im Jahr 1967 veranstaltet wird.

Die ursprüngliche französische Version des Artikels trug den Titel „Tausende feiern Israels Eroberung Ostjerusalems“ und enthielt den folgenden Absatz, den wir aus dem Französischen übersetzt haben:

Die Besatzung und Annexion Ostjerusalems durch Israel wurde mehrfach von den Vereinten Nationen verurteilt. Die Palästinenser wollen den orientalischen Teil Jerusalems zur Hauptstadt ihres angezielten Staates machen, aber die israelischen Führer verweigern das.

Der 49. Jahrestag des Sechstagekrieges, in dessen Verlauf Israel Ostjerusalem erobert hat, findet statt, während palästinensische Moslems den Ramadan beginnen, die muslimische Fastenzeit.

War Jerusalem eine Palästinenserstadt, die Israel vor 49 Jahren „erobert“ hat?

Nein. Jerusalems Geschichte begann nicht erst vor 49 Jahren, sondern vor 3.000 Jahren, als König David die Stadt zu seiner Hauptstadt erklärte. Juden haben über Tausende von Jahren in der Stadt gelebt. Tatsächlich war eines der wenigen Male, dass es keine jüdischen Bewohner der Altstadt gab, als sie nach ihrem Fall im Jahr 1948 vertrieben wurden und Jerusalem bis 1967 geteilt blieb.

AFP1948 fielen arabische Nationen in den jungen frisch gegründeten Staat ein. Bei Kriegsende befand sich der Ostteil Jerusalems einschließlich der Altstadt unter jordanischer Besatzung. Als die israelischen Kräfte 1967 also die Kontrolle über die von Jordanien kontrollierten Gebiete Jerusalems übernahmen, stellten sie die frühere Einigkeit der Stadt wieder her. Es hat niemals eine palästinensische Herrschaft über Jerusalem gegeben, wie von AFP impliziert.

Die englische Version unterscheidet sich von der französischen in noch einem weiteren interessanten Detail: In der englischen Version erklärt der Artikel wenigstens, dass Israel einen Anspruch auf die Stadt hat und dass das Thema kontrovers ist:

Die Palästinenser sehen Ostjerusalem als die Hauptstadt ihres zukünftigen unabhängigen Staates, wohingegen die Israelis ganz Jerusalem als ihre Hauptstadt sehen.

Der zukünftige Status Jerusalems ist einer der strittigsten Punkte im israelisch-palästinensischen Konflikt.

Die französische Version jedoch lässt die obenstehende Schlussfolgerung aus und präsentiert ausschließlich die palästinensische Sicht:

Die Palästinenser wollen den orientalischen Teil Jerusalems zur Hauptstadt ihres angezielten Staates machen, aber die israelischen Führer verweigern das.

Eine Seite will etwas, die andere verweigert es: Ist das ausgewogene Berichterstattung?

Ebenso beharrt die Nachrichtenagentur auf dem scheinbar geteilten Charakter der Stadt, indem sie insgesamt fünf Mal von „Ostjerusalem“ spricht. Eine geographische Entität „Ostjerusalem“ existiert jedoch nicht.

Wie unser Video „Jerusalem: The Media Myth of Two Cities“ erklärt, gibt es keine Trennung oder Grenzen zwischen Ost und West in der Stadt. Nicht nur das, sondern wir haben zwei israelische Frauen interviewt, die in der Altstadt gelebt haben und die 1948 vertrieben wurden, als sie an die Jordanier fiel. Bis die Stadt 1967 wiedervereinigt wurde, konnten die Israelis nur aus der Weite auf die Häuser schauen, in denen sie aufgewachsen waren. Soviel zu der Vorstellung, Israel habe 1967 eine palästinensische Stadt „erobert“.

Die Palästinenser mögen die Ereignisse von 1967 als Eroberung darstellen, aber für die Israelis war dies die Befreiung ihrer Hauptstadt — in welcher, wie AFP zugibt, die Araber noch immer im muslimischen Viertel der Altstadt und an anderen Orten leben. Nur eine Seite zu präsentieren bietet französischen Lesern leider kein echtes Verständnis der komplexen Situation.

Bild: CC BY-NC David Ortmann

Foto der New York Times militarisiert israelische Kinder

7. Juni 2016

Simon Plosker, HonestReporting, 30. Mai 2016

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Für Nichtisraelis ist es sehr schwierig, die Rolle der Armee in der israelischen Gesellschaft zu verstehen. Angesichts der Bedrohungen, denen Israel im Lauf seiner Geschichte gegenüberstand und weiterhin gegenübersteht, ist die Zentralität der IDF für den Alltag der Israelis verständlich.

Die New York Times versucht sich an einer Erklärung kürzlicher Entwicklungen in Israel, die zu scheinbarer Distanz zwischen dem Militär und der politischen Ebene führte. Hier eines der Begleitbilder:

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Was genau soll das Foto aussagen? Wenn Sie mit der israelischen Kultur vertraut sind, hat das Foto eine völlig andere Bedeutung, als wenn Sie zu der Mehrheit der Leserschaft der New York Times zählen, die eben nicht damit vertraut ist.

Die offensichtlichste Reaktion wäre Abscheu davor, dass Kinder mit Waffen hantieren, und man bekommt ein Bild von Israel als stark militarisierter Gesellschaft. Und was ist eine „traditionelle Waffenausstellung“? Dass das Foto als Ort „nahe einer Siedlung im Westjordanland“ angibt, soll dem Bild ein zusätzliches finsteres Element beifügen.

In Wirklichkeit stehen viele IDF-Basen im ganzen Land am Unabhängigkeitstag für die Allgemeinheit offen. Israelische Kinder können die IDF hautnah erleben, ganz ähnlich wie amerikanische Kinder begeistert sind, Militärausrüstung an Bord der USS Intrepid in Manhattan zu erleben.

Auf dem Foto mögen israelische Mädchen an einem Maschinengewehr zu sehen sein, aber wir können garantieren, dass die Waffe nicht geladen ist und dass die Mädchen kein Militärtraining erhalten. Vergleichen Sie das mit den „Sommercamps“ der Hamas und des Islamischen Dschihad, wo palästinensische Kinder tatsächlich militärisch gedrillt werden mit dem Ziel, Israelis zu ermorden. Es existiert keine moralische Gleichwertigkeit zwischen dieser Tatsache und Israelis, die am Unabhängigkeitstag eine Militärbasis besuchen.

Warum also wählte die New York Times genau dieses Bild für die Story? Leider kennen wir wahrscheinlich die Antwort.

Bild: „Guns free vector pack“ von tariqelamine

CDC-Kartenfehler?

4. Juni 2016

Simon Plosker, HonestReporting, 30. Mai 2016

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Angesichts der anhaltenden Kampagne zur Delegitimierung Israels sowie den iranischen Drohungen, Israel von der Weltkarte zu fegen, ist das ständige Verschwinden Israels von offiziellen Karten in den Medien und anderswo verständlicherweise ein sensibles Thema.

In jüngster Zeit hat HonestReporting zahlreiche Kartenfehler ans Licht gebracht, darunter CNN, NPR und der Science Channel.

Jetzt hat uns ein HonestReporting-Abonnent auf eine Story auf der Mail-Online-Website des Daily Mail aufmerksam gemacht, wo es um eine besonders üble Tropenkrankheit geht, die sich im Nahen Osten verbreitet und von Sandmücken übertragen wird.

Die Story beinhaltete diese Karten, die die Ausbreitung der kutanen Leishmaniose zeigen:

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Die erste Karte zeigt klar, dass auch aus Israel Krankheitsfälle gemeldet wurden, aber Israel wird auf der Karte nicht benannt. Zwar könnte man argumentieren, dass dies nicht unbedingt eine Karte ist, auf welcher Israel erscheinen möchte, aber es ist trotzdem eigenartig.

Also bohrten wir tiefer. Die Karten werden dem CDC (Center for Disease Control and Prevention) zugeschrieben, dem US-amerikanischen Institut für öffentliche Gesundheit. Wir haben die Karten auf der CDC-Website gefunden, wo sie wie folgt beschrieben werden:

Aufkommen der kutanen Leishmaniose in Syrien und Nachbarländern der östlichen Mittelmeerregion der Weltgesundheitsbehörde, 2013.

Wie sich herausstellt, ist Israel nicht Teil der östlichen Mittelmeerregion der Weltgesundheitsbehörde, sondern Israel wird zum europäischen Regionalbüro der WHO gezählt. Das würde erklären, warum Israel nicht benannt wird.

Aber dort endet es nicht. Auf der CDC-Website steht auch Folgendes:

Die Karten wurden anhand von https://hiu.state.gov/Products/Syria_DisplacementRefugees_2015Apr17_HIU_U1214.pdf erstellt.

Ein Klick auf diesen Link führt uns zu einer großen Karte syrischer Flüchtlinge von der Humanitarian Information Unit des US-Außenministeriums. Zwar enthält die Karte Jerusalem, Tel Aviv-Jaffa, Westjordanland, Gaza und sogar „Golanhöhen (von Israel besetzt)“, aber die Karte enthält bezeichnenderweise nicht das Wort „Israel“ auf dem entsprechenden Gebiet.

Außerdem wird die Karte dem UNHCR (Hoher Kommissar der Vereinten Nationen für Flüchtlinge), dem OCHA (Büro der Vereinten Nationen zur Koordinierung der humanitären Hilfe), der UNRWA (Hilfswerk der Vereinten Nationen für Palästina-Flüchtlinge im Nahen Osten) sowie dem US-Außenministerium zugeschrieben.

All dies lässt dennoch die Frage offen, warum Israel nicht auf der Karte erscheint und wer genau dafür verantwortlich ist. Unsere einzige Antwort hierauf lautet, dass die Daily Mail nicht für die Reproduktion von Karten verantwortlich ist, die aus eigentlich glaubwürdigen Quellen stammen.

Wir haben das CDC um Erklärung gebeten.

Ist Jerusalem in Israel?

23. Mai 2016

Yarden Frankl, HonestReporting, 18. Mai 2016

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Ist die Altstadt Jerusalems in Israel?

Nicht wenn man der jüngsten Entscheidung der New Zealand Broadcasting Standards Authority (BSA) folgt.

ONE News New Zealand brachte im Oktober eine Sendung über die palästinensische Terrorwelle in Israel. Der Korrespondent schuf den Rahmen, indem er sagte:

Straßenblockaden wurden errichtet, und Tausende Polizisten und Soldaten patrouillieren durch Israel, während es eine Gewaltwelle aufzuhalten versucht. Beim jüngsten Angriff erstach ein Palästinenser eine 70jährige Frau, bevor er erschossen wurde.

Danach zeigte der Bericht Videomaterial, wie ein Terrorist nahe dem Damaskustor erschossen wurde. Die Texteinblendung im Video lautete „Jerusalem“.

Die Sendung führte zu einer Beschwerde der Wellington Palestine Group bei der BSA. Dort war man der Ansicht, die Leser würden zum Glauben verleitet werden, der Tatort und tatsächlich die ganze Stadt Jerusalem könnte womöglich in Israel liegen.

Die WPG behauptete:

Das Unvermögen von TVNZ [Television New Zealand], simple Geographie bei diesem Thema richtig darzustellen, lässt die Zuschauer die israelische Version glauben, Ostjerusalem sei rechtmäßiger Teil Israels und somit sei jeder Widerstand gegen die Besatzung illegitim.

Lassen wir mal beiseite, dass sie hier im Grunde das Einstechen auf eine 70jährige Frau als legitimen „Widerstand gegen die Besatzung“ bezeichnen — „simple Geographie“ zeigt, dass Jerusalem eine einzige Stadt ist. Es existiert keine separate geographische Bezeichnung „Ost“-Jerusalem. Die alte Waffenstillstandslinie von 1949, die die Stadt damals teilte, ist schon lange weg, und heute hätten Araber und Juden alle Mühe, genau aufzuzeigen, wo diese Trennung denn nun verlief.

Zudem ist die Behauptung, die Altstadt Jerusalems, das nationale, spirituelle und historische Herz des jüdischen Volkes, sei kein Teil Israels, völlig absurd.

Doch statt diese unverfrorene Behauptung sofort abzuschmettern, wurde sie von der BSA tatsächlich weitertransportiert: Dort instruierte man den Sender, künftig besser aufzupassen und nicht mehr anzudeuten, Jerusalem wäre ein Teil Israels.

Abschließend sagte die BSA:

Es existiert ein großes öffentliches Interesse, dass geographische Beschreibungen korrekt sind, wenn Vorfälle und der Konflikt in der Region beschrieben werden.

Dem stimmen wir zu.

Aber wir glauben, die BSA schlug der Realität ins Gesicht und tat das exakte Gegenteil, indem sie sich komplett auf die Seite einer Gruppierung schlug, die eine israelfeindliche Agenda verfolgt.

UNICEF und AFP: Israel der „Kindermörder“

18. Mai 2016

Simon Plosker, HonestReporting, 15. Mai 2016

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Bitte unterzeichnen Sie unseren Brief an Emmanuel Hoog, dem Geschäftsführer der AFP, den Sie in diesem Link ganz unten im Artikel finden!

Die unheilige Allianz zwischen antiisraelischen nichtstaatlichen Organisationen (NGOs) und der Presse ist in der AFP-Story mit dem Titel „Israelische Sicherheitskräfte ‚töteten 25 Palästinenserkinder‘ in drei Monaten, sagt UNICEF“ offenkundig.

Die Kinderbehörde der UN sagt, 25 palästinensische Kinder seien in den letzten drei Monaten des Jahres 2015 während einer Gewaltwelle getötet worden.

Ein UNICEF-Bericht sagte, man sei besorgt wegen der exzessiven Gewaltanwendung bei Vorfällen, in denen Palästinenserkinder, die angeblich Messerangriffe durchführten, von israelischen Sicherheitskräften erschossen wurden.

Laut dem Bericht sind über 1.300 palästinensische Kinder während der größten Zunahme der Attacken verletzt worden, fast alle davon im Westjordanland und in Ostjerusalem, während drei israelische Kinder im Westjordanland und in Westjerusalem verletzt wurden.

Zwar wird der Bericht der UNICEF zugeschrieben, aber die AFP versäumt zu erwähnen, dass es sich um das Vierteljahres-Mitteilungsblatt einer von der UNICEF geführten Arbeitsgruppe handelt, die ein wahrhaftiges Stelldichein von NGOs mit politisierten Aktivitäten gegen Israel darstellt:

Weder der Bericht selbst noch AFPs einseitige Berichterstattung geben vor, in irgendeiner Weise ausgewogen sein zu wollen. Statt dessen wird Israel als Mörder palästinensischer Kinder hingestellt:

Von den 23 getöteten Palästinenserkindern wurden 22 von israelischen Sicherheitskräften mit scharfer Munition getötet und eines durch israelische Siedler; es gab bislang keinerlei Festnahmen oder Anklagen in Bezug auf diese Morde.

Festnahmen oder Anklagen gibt es nur bei kriminellen Handlungen. Der UNICEF-Bericht macht hier also die pauschale Annahme, jeder Israeli, der einen Palästinenser im Alter zwischen 12 und 17 getötet hat, sei kriminell.

AFP schreibt:

UNICEF zitierte das Beispiel eines 17jährigen Mädchens, das am 25. Oktober in Hebron im Westjordanland „von IDF-Soldaten für eine Durchsuchung festgehalten, mit wenigstens fünf Kugeln erschossen und getötet wurde“.

„Die israelischen Behörden sagten, sie habe einen Polizisten zu erstechen versucht, aber ein Augenzeuge sagte aus, sie habe zum fraglichen Zeitpunkt keine Gefahr dargestellt, als sie erschossen wurde, und sie habe gerufen, dass sie kein Messer bei sich trage“, steht darin.

Hier ist die Implikation, ein hilfloses Palästinensermädchen sei aufgefasst und dann erschossen worden, während sie sich in der Obhut der IDF befand. Das ganze auf der Grundlage einer „Augenzeugen“-Aussage (vermutlich ein Palästinenser).

Hier die Art und Weise, wie am fraglichen Tag in der israelischen Presse über den Vorfall berichtet wurde:

Am Sonntag versuchte eine Terroristin Grenzpolizisten am Eingang zum Grab der Patriarchen in Hebron zu erstechen, nachdem sie den Argwohn der Beamten erregte.

Die Frau wartete darauf, die heilige Stätte zu betreten, verhielt sich aber auffällig. Sie wurde gebeten, sich auszuweisen, nahm aber plötzlich ein Messer heraus und lief schreiend auf die Polizisten zu.

Die Beamten schossen auf sie, und sie wurde getötet. Sie konnte niemanden verletzen.

Ist eine 17jährige mit einem Messer wirklich ein „Kind“ im reinsten Wortsinn? Hatten die israelischen Sicherheitskräfte ein unschuldiges Kind vor sich, als sie das Feuer eröffneten? Natürlich nicht, und ebensowenig wäre von ihnen erwartet worden, dass sie das Alter der Angreiferin berücksichtigen, während diese einen Terrorakt ausführt.

AFP fährt fort:

Ebenso zeigte sich die UNICEF besorgt über die Anzahl der palästinensischen Kinder im Alter zwischen 12 und 17, die von der israelischen Armee festgehalten werden.

Laut dem israelischen Gefängnisdienst stand die Zahl Ende Dezember bei 422, die höchste Zahl seit März 2009.

Vielleicht sollte die Zahl der palästinensischen Jugendlichen, die sich in Terroranschlägen oder in Gewalt gegen israelische Soldaten und Zivilisten betätigen, die wirkliche Besorgnis erregen. Sollte die UNICEF nicht ihre Besorgnis über die palästinensische Aufstachelung in sozialen Medien wie Facebook und Twitter ausdrücken, die bewirkt, dass solche jungen Menschen ihr eigenes und das Leben anderer gefährden?

Aber weder der UNICEF-Bericht noch AFP sind bereit, eine Alternative zu der Ritualmordlegende anzubringen, Israel würde palästinensische Kinder einfach auf verbrecherische Weise totschießen.

AFP kann über das Kontaktformular angeschrieben werden — https://www.afp.com/en/contact. Und UNICEF erreicht man für Beschwerden unter jerusalem@unicef.org

Bild: Messer-Vektor von Vecteezy