Archive for the ‘NGOs’ category

UNICEF und AFP: Israel der „Kindermörder“

18. Mai 2016

Simon Plosker, HonestReporting, 15. Mai 2016

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Bitte unterzeichnen Sie unseren Brief an Emmanuel Hoog, dem Geschäftsführer der AFP, den Sie in diesem Link ganz unten im Artikel finden!

Die unheilige Allianz zwischen antiisraelischen nichtstaatlichen Organisationen (NGOs) und der Presse ist in der AFP-Story mit dem Titel „Israelische Sicherheitskräfte ‚töteten 25 Palästinenserkinder‘ in drei Monaten, sagt UNICEF“ offenkundig.

Die Kinderbehörde der UN sagt, 25 palästinensische Kinder seien in den letzten drei Monaten des Jahres 2015 während einer Gewaltwelle getötet worden.

Ein UNICEF-Bericht sagte, man sei besorgt wegen der exzessiven Gewaltanwendung bei Vorfällen, in denen Palästinenserkinder, die angeblich Messerangriffe durchführten, von israelischen Sicherheitskräften erschossen wurden.

Laut dem Bericht sind über 1.300 palästinensische Kinder während der größten Zunahme der Attacken verletzt worden, fast alle davon im Westjordanland und in Ostjerusalem, während drei israelische Kinder im Westjordanland und in Westjerusalem verletzt wurden.

Zwar wird der Bericht der UNICEF zugeschrieben, aber die AFP versäumt zu erwähnen, dass es sich um das Vierteljahres-Mitteilungsblatt einer von der UNICEF geführten Arbeitsgruppe handelt, die ein wahrhaftiges Stelldichein von NGOs mit politisierten Aktivitäten gegen Israel darstellt:

Weder der Bericht selbst noch AFPs einseitige Berichterstattung geben vor, in irgendeiner Weise ausgewogen sein zu wollen. Statt dessen wird Israel als Mörder palästinensischer Kinder hingestellt:

Von den 23 getöteten Palästinenserkindern wurden 22 von israelischen Sicherheitskräften mit scharfer Munition getötet und eines durch israelische Siedler; es gab bislang keinerlei Festnahmen oder Anklagen in Bezug auf diese Morde.

Festnahmen oder Anklagen gibt es nur bei kriminellen Handlungen. Der UNICEF-Bericht macht hier also die pauschale Annahme, jeder Israeli, der einen Palästinenser im Alter zwischen 12 und 17 getötet hat, sei kriminell.

AFP schreibt:

UNICEF zitierte das Beispiel eines 17jährigen Mädchens, das am 25. Oktober in Hebron im Westjordanland „von IDF-Soldaten für eine Durchsuchung festgehalten, mit wenigstens fünf Kugeln erschossen und getötet wurde“.

„Die israelischen Behörden sagten, sie habe einen Polizisten zu erstechen versucht, aber ein Augenzeuge sagte aus, sie habe zum fraglichen Zeitpunkt keine Gefahr dargestellt, als sie erschossen wurde, und sie habe gerufen, dass sie kein Messer bei sich trage“, steht darin.

Hier ist die Implikation, ein hilfloses Palästinensermädchen sei aufgefasst und dann erschossen worden, während sie sich in der Obhut der IDF befand. Das ganze auf der Grundlage einer „Augenzeugen“-Aussage (vermutlich ein Palästinenser).

Hier die Art und Weise, wie am fraglichen Tag in der israelischen Presse über den Vorfall berichtet wurde:

Am Sonntag versuchte eine Terroristin Grenzpolizisten am Eingang zum Grab der Patriarchen in Hebron zu erstechen, nachdem sie den Argwohn der Beamten erregte.

Die Frau wartete darauf, die heilige Stätte zu betreten, verhielt sich aber auffällig. Sie wurde gebeten, sich auszuweisen, nahm aber plötzlich ein Messer heraus und lief schreiend auf die Polizisten zu.

Die Beamten schossen auf sie, und sie wurde getötet. Sie konnte niemanden verletzen.

Ist eine 17jährige mit einem Messer wirklich ein „Kind“ im reinsten Wortsinn? Hatten die israelischen Sicherheitskräfte ein unschuldiges Kind vor sich, als sie das Feuer eröffneten? Natürlich nicht, und ebensowenig wäre von ihnen erwartet worden, dass sie das Alter der Angreiferin berücksichtigen, während diese einen Terrorakt ausführt.

AFP fährt fort:

Ebenso zeigte sich die UNICEF besorgt über die Anzahl der palästinensischen Kinder im Alter zwischen 12 und 17, die von der israelischen Armee festgehalten werden.

Laut dem israelischen Gefängnisdienst stand die Zahl Ende Dezember bei 422, die höchste Zahl seit März 2009.

Vielleicht sollte die Zahl der palästinensischen Jugendlichen, die sich in Terroranschlägen oder in Gewalt gegen israelische Soldaten und Zivilisten betätigen, die wirkliche Besorgnis erregen. Sollte die UNICEF nicht ihre Besorgnis über die palästinensische Aufstachelung in sozialen Medien wie Facebook und Twitter ausdrücken, die bewirkt, dass solche jungen Menschen ihr eigenes und das Leben anderer gefährden?

Aber weder der UNICEF-Bericht noch AFP sind bereit, eine Alternative zu der Ritualmordlegende anzubringen, Israel würde palästinensische Kinder einfach auf verbrecherische Weise totschießen.

AFP kann über das Kontaktformular angeschrieben werden — https://www.afp.com/en/contact. Und UNICEF erreicht man für Beschwerden unter jerusalem@unicef.org

Bild: Messer-Vektor von Vecteezy

Der palästinensische Märtyrer vom Internationalen Tag der Pressefreiheit

9. Mai 2016

Pesach Benson, HonestReporting, 3. Mai 2016

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Israel hat eine viermonatige Verwaltungshaft von Omar Nazzal angeordnet. Bis vor kurzem war er Chef von Palestine Today, einem mit dem Islamischen Dschihad in Verbindung stehenden Fernsehsender, der auch mit der Volksfront zur Befreiung Palästinas (PFLP) zusammenarbeitete. Laut dem Shin Bet wurde Nazzal für seine „Involvierung in Aktivitäten von Terrorgruppen“ inhaftiert.

Aus der Berichterstattung von AFP erfährt man jedenfalls nicht das Ausmaß von Nazzals Terrorverbindungen. Nirgendwo steht „Islamischer Dschihad“ oder „PFLP“.

Warum die Auslassung?

Ich schätze mal, diese lästigen Details hätten AFPs lustvollere Perspektive kaputtgemacht, dass die Verwaltungshaft am Vorabend des Internationalen Tages der Pressefreiheit verhängt wurde.

Ooh.

Der Name Palestine Today war jüngst in den Medien, weil die IDF im März dessen Fernseh- und Radiosender abgeschaltet hat, weil dort zu Terroranschlägen auf Israelis aufgerufen wurde.

Ifj-2Nachdem die Internationale Journalisten-Föderation kritisierte, die Schließung verletze die Pressefreiheit, antwortete der israelische Abgeordnete Yair Lapid, ein ehemaliger Nachrichtensprecher, mit folgender bitterer Aussage:

„Der Islamische Dschihad benutzte Palestine Today zur Aufstachelung gegen Israel und zur Ermutigung zu Terroranschlägen. Der Senderleiter wurde der Mitgliedschaft des Palästinensischen Islamischen Dschihad überführt. Die Verbindung ist derart offensichtlich, dass es Ihre Motive in Frage stellt, warum Sie hier überhaupt die Handlung Israels verurteilen.“

Er fügte hinzu: „Die Pressefreiheit erstreckt sich nicht auf terroristische Propaganda und auch nicht auf jene, die zum Mord aufrufen. Die Inhalte von Palestine Today würden die redaktionellen Richtlinien keines einzigen Ihrer Mitglieder erfüllen. Ich war über 30 Jahre lang Journalist; und das ist kein Journalismus. Es ist keine Redefreiheit, es sind Hassreden. Sie verteidigen hier keine Pressefreiheit; sie verteidigen den Aufruf zum Mord.“

Seien Sie nicht allzu überrascht, dass Nazzal auch Mitglied des Sekretariats des Palästinensischen Journalistenverbands ist.

Und ebenso nicht, dass er gut mit einer Kamera umgehen konnte, so wie Hussam Salama und Mahmoud Al-Kumi, zwei Kameraleuten der Hamas, die bei einem israelischen Luftangriff getötet wurden. 2013 wurden die beiden beinahe als gefallene Journalisten geehrt.

Wer für Zeitungen, Websites, Fernseh- oder Radiosender arbeitet, die mit Terrorgruppen in Verbindung stehen, der praktiziert Propaganda und keinen Journalismus.

Bild: Vektoren von Vecteezy

„Mein Kampf“ zum Angriff auf Israel benutzt

13. Januar 2016

Simon Plosker, HonestReporting, 12. Januar 2016

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Paul Mason vom britischen Channel 4 hat im Guardian einen Meinungsbeitrag mit dem Titel „Während Mein Kampf nach Deutschland zurückkehrt, spült neuer Hass über die Welt“ veröffentlicht. Während Hitlers „Mein Kampf“ nach dem Wegfall des Copyrights in Deutschland neu veröffentlicht wird (obgleich der Text mit kritischen Ausführungen versehen ist), erscheint es für Mason überaus vernünftig, einen Blick zurück in die Geschichte zu werfen und zu beurteilen, wie Hitler in sehr kurzer Zeit nach dem Verfassen seiner rassistischen Hetzschrift von einer extremistischen Randerscheinung zum Nazi-Führer aufstieg, der einen Weltkrieg entfesselte und einen Völkermord betrieb.

Ebenso ist es völlig legitim, dies auch mit aktuellen Geschehnissen zu verknüpfen. Mason schreibt:

Seit 1945 wurden jeder Generation der aufgeklärten Welt „die Lektionen“ des Sich-Erhebens des Nazitums gelehrt. Wenn man sich jedoch die Welt ansieht, wie sie sich Anfang 2016 präsentiert, stellt man fest, dass wir scheinbar die falschen Lektionen gelernt haben. Die Welt ist voller Hass. Und da zirka ein Viertel ihrer Bewohner mobile Konten in den sozialen Medien haben, hinterlassen wir eine äußerst detaillierte Hinweisspur über deren Ausmaß und Verbreitung.

Aber dann kommt die böse Überraschung:

Israelische soziale Medien beispielsweise quellen seit dem Gazakonflikt von 2014 mit Rassenhass gegenüber Arabern über. Dies wiederum hat Attacken auf israelisch-jüdische Menschenrechtsorganisationen befeuert; die Regierung zwingt diese, ihre „ausländischen Geldgeber“ offenzulegen. Und vor kurzem gingen unter den wachsenden Hassreden die Jerusalembüros der bekannten Menschenrechtsgruppe B’Tselem in Flammen auf — das Resultat von Brandstiftung, wie die Gruppe mitteilt.

Ist es Zufall, dass Mason Israel als erstes Beispiel für den laut ihm „wachsenden Hass und Rassismus“ herausgepickt hat? Es ist eine gewöhnliche rhetorische Waffe der Israelhasser, das jüdische Volk herauszupicken und ihm vorzuwerfen, es habe die Lektionen aus dem Holocaust nicht gelernt, weil es Palästinenser in derselben Weise oder sogar schlimmer behandle als die Nazis die Juden behandelt haben.

Ob bewusst oder unbewusst, jedenfalls vertritt Mason exakt jene Ansicht, jüdische Israelis hätten nichts aus den Lektionen des Sich-Erhebens des Nazitums gelernt.

Trotz der Situation, dass die Palästinenser ständig zu Hass auf Juden und zu Terrorismus angestachelt werden, und zwar sowohl in den sozialen Medien als auch durch ihre eigene Führungsriege bei der Palästinenserbehörde und der Hamas, sind es in Masons Augen die Israelis, die Hass und Rassismus repräsentieren. Und ist ein Gesetz über die Offenlegung der ausländischen Geldgeber nichtstaatlicher Organisationen wirklich mit den Auswüchsen des Naziregimes vergleichbar?

Was das Feuer bei B’Tselem betrifft: Hätte Mason da nicht voreilig etwas dahingeschrieben, wäre ihm bekannt, dass das Feuer offenbar durch einen elektrischen Defekt im Gebäude verursacht wurde und nicht durch einen politisch motivierten Brandstifter. [Der Meinungsbeitrag wurde seither verändert, und der Satz mit B’Tselem wurde entfernt.]

Danach führt Mason echte Menschenrechtsverletzungen in der Türkei und in Saudi-Arabien an, z. B. Massenexekutionen und Regierungsschläge gegen moderate Oppositionsparteien. Das sind zwei Länder, mit denen das demokratische Israel nicht in die gleiche Schublade werden sollte.

Mason hat recht, wenn er den sich in sozialen Medien verbreitenden Hass anprangert und auch die Konsequenzen von Hassreden anspricht, wie man sie in „Mein Kampf“ verkörpert sieht. Aber indem Mason fälschlicherweise Israel als bestes Beispiel hierfür herauspickt, zeigt, wo der wirkliche Hass verborgen liegt.

Die „Dishonest Reporting Awards“ 2015

25. Dezember 2015

Pesach Benson, HonestReporting, 23. Dezember 2015

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Das Jahr begann mit islamischem Terror in Paris, wurde aber von den iranischen Atomverhandlungen und den strapazierten US-israelischen Beziehungen dominiert. Eine Welle palästinensischer Messer- und Autoramm-Angriffe begann mit dem jüdischen Neujahr. Als sich 2015 seinem Ende zuneigt, hat der islamische Terror wieder im Westen zugeschlagen, und Paris erlitt neuerliche Gewalt.

Die „Dishonest Reporting Awards“ 2015

1. Der beste Grund, palästinensische Quellen mit Vorsicht zu behandeln: die Hochwasser-in-Gaza-Verleumdung

2. Voreingenommenster Journalist: Kitty Holland

3. Schlimmster Missbrauch anonymer Quellen: Haaretz

4. Verleumdung des Jahres: Fareed Zakaria

5. Übelste Verkettung: New York Times

6. Große Momente der Selbstbeweihräucherung: Brian Williams

7. Dümmste Twitter-Tirade: Jim Clancy

8. Verstörendste falsche Landkarte: MSNBC

Und wer ist insgesamt der unehrlichste Reporter 2015? Das verkünden wir nächste Woche, behaltet also diesen Blog im Auge! Und jetzt ohne große Umschweife… hier sind die Nächstplatzierten!

DRA-silhouette-25x2531. Der beste Grund, palästinensische Quellen mit Vorsicht zu behandeln: die Hochwasser-in-Gaza-Verleumdung

Nach schweren Unwettern im Februar beschuldigten Palästinenser Israel, Gaza überflutet zu haben, indem sie Dämme im Süden geöffnet hätten. Die Anschuldigungen erschienen in einer Reihe von Medien wie AFP, Al-Jazeera, Russia Today, Xinhua und den palästinensischen Maan News.

Quellen für diese Beschuldigung waren u. a. der Chef der Zivilschutzbehörde im Hamas-geführten Gazastreifen, Brigadegeneral Said Al-Saudi, während Russia Today schrieb: „Fast jedes Jahr öffnet Israel ohne vorherige Ankündigung die Fluttore ihrer Dämme in Richtung Gaza und setzt große Mengen überschüssigen Wassers frei, das sich bei schweren Regen- oder Schneefällen in der Region Naqab angesammelt hat.“

Bei dieser Story gab es jedoch ein großes Problem — es existieren keine Dämme in Südisrael. Das Hochwasser in Gaza lag einfach am schweren Regen und an den miserablen Abwasserkanälen. Als dies klar wurde, entfernte AFP sein Video über die Story, und Al-Jazeera nahm seinen Artikel zurück und veröffentlichte sogar eine Entschuldigung.

Die Daily Mail aber ignorierte das alles und veröffentlichte die Story sogar ein zweites Mal.

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Nach einem langen E-Mail-Austausch mit HonestReporting machte Mail Online einen erbärmlich anmutenden Versuch, den Artikel zu berichtigen. Man änderte die Schlagzeile, entfernte Zitate von Palästinensern und belastende Fotounterschriften, bevor man schlussendlich zugab, dass die Story erschwindelt war.

Eine frühere Version dieses Artikels besagte, Israel habe im Süden des Landes Flussdämme geöffnet und eine Überschwemmung des Gaza-Streifens verursacht. In Wirklichkeit gibt es keine Dämme in Südisrael, und die Überflutung wurde von Regen und Ableitungsproblemen verursacht. Wir freuen uns, das klarstellen zu können.

DRA-silhouette-25x2532. Voreingenommenster Journalist: Kitty Holland

Einige Journalisten bedanken sich und korrigieren ihre Story, wenn man sie auf einen Fehler hinweist. Andere lehnen freundlich ab und liefern Gegenargumente.

Aber als HonestReportings leitender Redakteur Simon Plosker eine Twitter-Konversation mit der Irish-Times-Journalistin Kitty Holland begann, wurde es übel.

Statt auf ein ernstes Problem bei ihrem fragwürdigen Bericht über die Anschuldigung von Amnesty International einzugehen, Israel habe „Kriegsverbrechen“ begangen, tweetete Holland:

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Hollands haarsträubender Tweet spricht Bände über ihre Haltung nicht nur gegenüber Israel, sondern auch gegenüber der Mehrheit der Juden, die sich als Zionisten betrachten. Aber wie konnte die Irish Times das akzeptabel finden? Die Antwort kam einige Monate später als Antwortmail an HonestReporting. Diese E-Mail wurde vom Chefredakteur der Zeitung geschrieben, Kevin O’Sullivan, und betraf andere einseitig gegen Israel gerichtete Artikel:

Die Irish Times war immer einer unvoreingenommenen Berichterstattung gegenüber verpflichtet und wird dies auch weiterhin bleiben. Wo angebracht, werden faktische Fehler korrigiert. Normalerweise treten wir diesbezüglich gerne in einen Dialog mit unseren Lesern, aber ich ziehe die Grenze bei einer Organisation, deren Website rassistisches, islamophobes und sexistisches Material bietet…

Schon wieder schlägt jemand bei der Irish Times berechtigte Kritik als unrechtmäßiges Produkt von „Zionisten“ in den Wind — oder wie im letzten Fall aufgrund einer Organisation, welche der Chefredakteur einfach nicht mag.

DRA-silhouette-25x2533. Schlimmster Missbrauch anonymer Quellen: Haaretz

Erasmus von Rotterdam

Erasmus von Rotterdam

Ein berühmter Kommentar des niederländischen Philosophen der Renaissance, Erasmus von Rotterdam, der von vielen Blues-Musikern übernommen wurde, passt auch auf anonyme Quellen: Man kann nicht mit ihnen leben, man kann nicht ohne sie leben.

Journalisten brauchen anonyme Quellen, da deren Informationen den Reportern ein besseres Verständnis des Geschehens vermitteln. Aber wenn die Leser nicht wissen, wer der unidentifizierte Sprecher ist, müssen sie den Vertrauensvorschuss leisten, dass die Quelle glaubwürdig ist und keine eigenen ideologischen bzw. politischen Hintergedanken verfolgt.

Da der öffentliche Diskurs nicht mit bzw. ohne anonyme Quellen leben kann, hat der Journalismus ethische Richtlinien formuliert. Zwei Richtlinien wurden von Haaretz grob verletzt, als das Blatt eine Story auf der Aussage zweier „hoher Regierungsbeamter in Washington“ gründete, die Schmutz auf die israelischen Einwände gegen die Nuklear-Vereinbarung mit dem Iran warfen.

1. Berichte müssen wenigstens eine namentlich genannte Quelle beinhalten. Keine Story sollte je ausschließlich auf anonymen Quellen fußen.
2. Bei den Meinungen und Ansichten eines unidentifizierten Individuums muss man Vorsicht walten lassen. Es ist unethisch, jemand im Schutz der Anonymität jemand anderen attackieren zu lassen.

Die unangemessene Nutzung anonymer Quellen wie im vorliegenden Fall kann das öffentliche Misstrauen gegenüber der Nachrichtenindustrie nur weiter anheizen. Was würden Erasmus und die Blues-Musiker dazu sagen?

DRA-silhouette-25x2534. Verleumdung des Jahres: Fareed Zakaria

So spaltend es für das amerikanische Judentum war, gab es viele gute Gründe pro und contra dem iranischen Atomabkommen. Zwar sind persönliche Angriffe unglückseligerweise ein Bestandteil des öffentlichen Diskurs, aber es ist umso bedauerlicher, wenn Persönlichkeiten aus den Nachrichten an der Schlammschlacht teilnehmen.

Ein besonders hervorstechendes Beispiel war, als CNN-Analyst Fareed Zakaria Kritiker des Atomdeals ungerechtfertigt eines Loyalitätskonflikts beschuldigte. Hier (bitte klicken) ein Video, in dem man miterleben kann, was Zakaria der Moderatorin Brooke Baldwin sagte.

Ein Stabsredakteur des Tablet antwortete wie folgt:

Was wir immer weniger gut vertragen — und wozu wir uns im Augenblick verpflichtet fühlen, etwas zu sagen –, ist die Verwendung von Judenhetze und anderen eklatanten und rückschrittlichen Formen rassischer und ethnischer Vorurteile als Werkzeug, um einem politischen Deal Vorschub zu leisten oder die Opposition schlecht zu machen. Senator Schumer Loyalität zu einer ausländischen Regierung zu unterstellen ist schlichtweg Bigotterie. Senatoren und Kongressabgeordnete, deren Kritik am Iran-Deal von der Mehrheit der US-Wählerschaft geteilt wird, zu beschuldigen, im Interesse einer ausländischen Macht zu handeln oder ihre Stimmen zwielichtigen Lobbyisten zu verkaufen oder gegen die Interessen der Vereinigten Staaten zu handeln, ist die Art nackte Bigotterie und Vorurteile, die für die Politik der Südstaaten vor der Zeit der Bürgerrechtsbewegung so prägnant waren.

Dieser Gebrauch antijüdischer Hetze als politisches Instrument ist eine verstörende neue Entwicklung im politischen Diskurs der USA, und wir haben in letzter Zeit wirklich zuviel davon gehört — und einiges davon kam unheilverheißenderweise sogar aus dem Weißen Haus und von dessen Repräsentanten. Beschönigen wir es nicht: Das Gemurmel über „Geld“ und „Lobbying“ und „ausländische Interessen“, die Amerika in einen Krieg ziehen wollen, ist ein direkter Versuch, die Loyalitätskonflikts-Karte auszuspielen. Das ist die Art dunkler, bösartiger Aussagen, die man vielleicht von White-Power-Kundgebungen erwarten würde, aber nicht vom Präsidenten der Vereinigten Staaten — und es wird mittlerweile derart unverhohlen betrieben, dass selbst viele von uns, die der Regierung und selbst diesem Abkommen wohlwollend gegenüberstehen, dadurch erschüttert wurden.

DRA-silhouette-25x2535. Übelste Verkettung: New York Times

Als die Palästinenserbehörde Israel beschuldigte, den Status quo auf Jerusalems Tempelberg zu verändern, trumpfte die New York Times mit einem Artikel auf, der in Frage stellte, ob die antiken jüdischen Tempel überhaupt je auf dem fraglichen Gebiet standen. Die Times ignorierte, dass führende Historiker darin übereinstimmen, dass der Tempelberg natürlich genau dieser Ort war (daher auch der heutige Name „Tempelberg“), und schien den Schaden, den das Timing dieses unzutreffenden Artikels verursachte, völlig gleichgültig hinzunehmen.

Als Araber die jüdische Verbindung zum Tempelberg leugneten und die New York Times scharfer jüdischer Kritik ausgesetzt war, brachte sie erstmal eine kleine Korrektur zur Begrenzung des Schadens und veröffentlichte dann eine nicht damit in Zusammenhang stehende zweite Korrektur über die islamische Waqf, die den Tempelberg verwaltet.

Doch selbst die im ursprünglichen Artikel zitierte Historikerin Jodi Magness schrieb letztendlich einen Brief an die Times und beschwerte sich, ihre Worte seien aus dem Zusammenhang gerissen worden. Sie stellte klar, dass die jüdischen Tempel tatsächlich auf dem Tempelberg gestanden haben. Danach brachte die Times eine redaktionelle Bemerkung, der Artikel in seinem Originalwortlaut sei inkorrekt gewesen — und kein glaubwürdiger Historiker würde die Existenz der Tempel an jenem Ort leugnen noch dass der Tempelberg die heiligste Stätte des Judentums ist.

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DRA-silhouette-25x2536. Große Momente der Selbstbeweihräucherung: Brian Williams

Der NBC-Nachrichtensprecher Brian Williams verlor Glaubwürdigkeit und seine angesehene Position, als er im Fernsehen damit angab, in einem abgeschossenen Helikopter der US-Armee im Irak mitgeflogen zu sein. Nachdem er sich selbst eine Auszeit gönnte, damit NBC-Führungskräfte den Fall untersuchen konnten, kamen weitere Fälle übertriebener Selbstbeweihräucherung ans Licht.

Williams Geschichten klangen dramatisch, aber es kam u. a. heraus, dass er während Hurrikan Katrina keine Leichen gesehen hatte, die an seinem Hotelzimmer in New Orleans vorbeischwammen. Auch seine Geschichte über eine Katyusha der Hisbollah, die unter einem israelischen Helikopter vorbeiflog, in dem er sich befand, war ebenfalls nicht so dramatisch, da sich die Rakete in ziemlicher Entfernung von dem Helikopter befand.

Nach seiner sechsmonatigen Suspendierung gewöhnt sich Williams gerade an seine neue Rolle innerhalb von MSNBC, und Lester Holt hat seinen alten Job als Sprecher der NBC Nightly News übernommen. Hat Williams seine Lektion gelernt? Die Zeit wird es zeigen.

DRA-silhouette-25x2537. Dümmste Twitter-Tirade: Jim Clancy

Dank der sozialen Medien können die Leute der Welt mitteilen, was sie wirklich denken. Und das scheint exakt das zu sein, was CNN-Nachrichtenmann Jim Clancy bei einem bizarren Twitter-Wutausbruch im Januar gemacht hat. Das kostete ihn seinen Job und seine Glaubwürdigkeit, und viele Leser hatten das Gefühl, sie seien gerade Zeuge eines besonders grauenhaften Autobahnunfalls geworden.

Es begann recht harmlos. Clancy tweetete seine Ansicht über den schockierenden Terroranschlag auf das Pariser Charlie-Hebdo-Büro. Oren Kessler, ein Kommentator zu Israel-Angelegenheiten, widersprach ihm. Dann ging es richtig zur Sache…

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Clancys erster Antworttweet war einfach „Hasbara?“, so als sei jeglicher Kommentar eines Israelexperten nichts weiter als ein Versuch, Israel in ein gutes Licht zu stellen. Danach schaltete der erfahrene Nachrichtenmann auf stur und schlug in einer Reihe von Tweets, von denen er einige später löschte, wild auf alle ein, die nicht seiner Meinung waren. Erstaunlicherweise warf er sogar den proisraelischen Blogger Elder of Ziyon und den antisemitischen Twitteraccount Jews Making News als Teil des „Hasbara-Teams“ in einen Topf.

Simon Plosker von HonestReporting sagte hierzu:

Auf Twitter zeigt sich oft die wahre Gedankenwelt prominenter Nutzer, so auch die von Medienpersönlichkeiten. Jim Clancy hat uns Einblick in seine Weltsicht gewährt, und die sieht nicht gut aus. Und sie passt auch nicht zu einem CNN-Nachrichtensprecher.

CNN muss das genauso gesehen haben, denn zehn Tage später verkündete der Sender, das seit 30 Jahre bestehende Angestelltenverhältnis mit Clancy sei nun beendet. Zwar wurde kein Grund für Clancys Abschied angegeben, aber es fällt schwer, nicht den Schluss zu ziehen, dass Clancys ungeheuerlicher und unpassender Wutausbruch bei Twitter etwas mit seiner Entlassung zu tun hatte.

DRA-silhouette-25x2538. Verstörendste falsche Landkarte: MSNBC

Als die palästinensische Gewaltwelle im Oktober Fahrt aufnahm, sahen die Medien plötzlich die Notwendigkeit einer plausiblen Perspektive, um die Messerangriffe, Autoramm-Attacken und Schießereien zu „erklären“.

MSNBC fand einen neuen Weg, die schamlose palästinensische Aggression als vernünftig und angemessen hinzustellen — und zwar indem sie sich propalästinensischer Propaganda in Form einer Aufeinanderfolge von Karten anschlossen, welche die Geschichte in der Region falsch wiedergeben.

Selbst kleinste Nachforschungen hätten die Falschdarstellungen der Karten offengelegt, also dauerte es nicht lang, bevor sich MSNBC entschuldigte.

Die Lektion daraus ist jedoch weit heimtückischer: Medien sind weit mehr mit einer künstlichen „Ausgewogenheit“ in ihrer Berichterstattung über Attacken auf Israel beschäftigt, als dass sie ihren Lesern bzw. Zuschauern ein klares Bild des Geschehens vermitteln.

Hätten die Journalisten die palästinensischen Absichten auf einer Karte darstellen wollen, hätten sie natürlich mit Leichtigkeit ein Exemplar gefunden, welches Israel komplett auslöscht. Und das würde ausnahmsweise mal zeigen, was der wirkliche Kern der aktuellen Gewaltwelle ist.

Bild des Tempelbergs CC BY-NC flickr/marielinden4, flickr/Jeremy Piehler und CC BY-SA-NC HonestReporting

Ein Experte drängt Israels Regierung, den Kampf mit den Medien aufzunehmen — Teil II

29. Oktober 2015

Simon Plosker, HonestReporting, 27. Oktober 2015

FORTSETZUNG DES EXKLUSIVINTERVIEWS MIT MANFRED GERSTENFELD

HonestReporting: Was könnte die israelische Regierung dem noch hinzufügen?

Manfred Gerstenfeld: Die israelische Regierung kann dem Kampf gegen die antiisraelischen Medien eine neue, handlungsorientiertere Dimension hinzufügen. Dies kann nur effizient funktionieren, wenn Israel eine Behörde einrichtet, die sich gegen diese Propaganda stellt, wie ich bereits gesagt habe. Deren mögliche Struktur und Aktivitäten beschreibe ich relativ detailliert. Eine solche Anti-Propaganda-Behörde würde das gesamte Schlachtfeld antiisraelischer Hetze überwachen.

Die Medien stellen eine wichtige Propagandafront gegen Israel dar. Eine nationale Anti-Propaganda-Behörde könnte allen großen Medien folgen. Sie würde mit System und Beharrlichkeit vorgehen und die Regierung beraten, wie man mit feindseligen Medien umgeht. Und sie hätte Geld für langatmige Kämpfe gegen einzelne besonders arglistige Medien.

HR: Was meinen Sie mit systematischer Vorgehensweise?

Manfred Gerstenfeld

Manfred Gerstenfeld

MG: Die Anti-Propaganda-Behörde, wie von mir im Buch beschrieben, würde aus drei Hauptabteilungen bestehen. Die erste widmet sich der Forschung. Auf dem Gebiet der Medien würde sie am Anfang ihrer Aktivitäten alles verfügbare Material über Medienvoreingenommenheit gegen Israel zusammentragen. Dann studiert sie die vorliegenden Informationen, um die vielfältigen Wege zu analysieren, auf welche die Medien betrügen. Das schließt die Medienlandschaft in einzelnen Ländern mit ein, spezifische antiisraelische Medien sowie einzelne Journalisten. Eine Datenbank wird mit systematischen Informationen über feindselige Medien und Journalisten aufgebaut. Ebenso studiert die Behörde die im Laufe der Jahre entwickelten Methoden zur Bekämpfung der Medieneinseitigkeit.

Eine zweite Abteilung überwacht beständig die Entwicklung. Ein Zweig folgt spezifischen Hassaktivitäten wie z. B. der Nazifizierung Israels und der weltweit tätigen BDS-Bewegung. Ein anderer Zweig folgt der Hetze gegen Israel mittels spezifischer Täterkategorien wie beispielsweise Medien, Akademiker, nichtstaatliche Organisationen, Gewerkschaften, antiisraelische Kirchen und so weiter. Ein dritter Zweig besteht aus Länderspezialisten. Diese folgen Antisemitismus und Israelhetze in spezifischen Ländern, deren Sprache sie sprechen.

Ein dritter Zweig der Anti-Propaganda-Behörde beschäftigt sich mit Aktivitäten. Nehmen wir ein Land wie Norwegen als Beispiel. Ich habe ein Buch und viele Artikel über den weitverbreiteten Antiisraelismus und Antisemitismus in Norwegen geschrieben. Gäbe es eine Anti-Propaganda-Behörde, hätte sie schon vor Jahren dafür gesorgt, dass die Welt darüber informiert wird, wie die drittgrößte Tageszeitung Dagbladet Israel über Jahre hinweg nazifiziert hat. Ein Aspekt davon sind einige der dort veröffentlichten Karikaturen. Sie stammen vom Cartoonisten Finn Graff, der die ehemaligen israelischen Ministerpräsidenten Ariel Sharon und Ehud Olmert als Nazis dargestellt und Gaza mit dem deutschen Konzentrationslager Buchenwald verglichen hat. Trotzdem hat der norwegische König Harald V. Herrn Graff im Jahr 2007 mit dem Sankt-Olav-Orden ausgezeichnet, der höchsten Ehrung des Landes. Zu jenem Zeitpunkt hätte man leicht die internationale Aufmerksamkeit darauf lenken können, dass der König hier einen großen Holocaustverzerrer auszeichnet.

Die Aktivitäten sollten nicht auf ausländische Medien begrenzt sein. Es gibt einen Norwegen-Ausschuss im amerikanischen Senat und im Kongress. Es gibt jüdische Organisationen in den USA, die einige dieser Ausschussmitglieder hätten ansprechen können mit ‚Ist es nicht skandalös, was der König da getan hat? Warum wollen Sie mit solch einem Land in Verbindung gebracht werden?‘ Der US-Senator Sam Brownback schrieb einen höchst aufschlussreichen Brief an den norwegischen Botschafter in Washington über das Fehlverhalten von König Harald V. und seinen Regierungsministern im Jahr 2010. Die jüdischen Medien widmeten diesem Thema keinerlei Aufmerksamkeit. Bessere Organisation auf Seiten der Juden und Israelis hätte auf der Grundlage dieses Briefes einen internationalen Skandal erwirken können.

Was ich hier über wirkungsvolles Handeln sage, habe ich nicht erfunden. Einige Jahre später verlieh der König einen ähnlichen Orden an einen norwegischen Islamkonvertiten namens Trond Ali Linstad, der sich regelmäßig mit Israelhetze hervortat. 2012 schaffte er es in die Liste der schlimmsten antisemitischen Verunglimpfungen, herausgegeben vom Simon Wiesenthal Center. Der Protest in Norwegen und anderswo zwang den König, einen Boten zu Linstad zu schicken und den Orden zurückzuholen.

Doch auch nachdem Linstads Auszeichnung widerrufen wurde, tat König Harald V. es erneut. Er verlieh den Sankt-Olav-Orden an Mads Gilbert und Erik Fosse, zwei norwegische Ärzte, welche die Hamas unterstützen. Es gab keine nennenswerten Proteste.

Sobald die Behörde eine Datenbank eingerichtet hat und die laufende Situation überwacht, bekommen wir endlich einen detaillierten Überblick über das antisemitische und antiisraelische Schlachtfeld, ganz ähnlich wie der israelische Verteidigungsminister und die Führer des israelischen Militärs einen detaillierten Überblick über das militärische Schlachtfeld haben oder die Köpfe der Geheimdienste über deren Schlachtfeld. Auf dem Gebiet der Medienbeobachtung existiert keine private Organisation mit auch nur annähernd der finanziellen Ausstattung, um eine solche Überwachung aufrechtzuerhalten.

HR: Ihr zweiter Faktor ist Beharrlichkeit. Können Sie das etwas näher erläutern?

MG: Die Organisationen zur Medienbeobachtung besitzen nicht die Mittel, einer Zeitung oder einem Journalisten über Jahre zu folgen. Mit ist zu Ohren gekommen, dass Assersons Studien die BBC sehr gestört haben, da sie erkannten, dass seine Texte über ihre antiisraelische Voreingenommenheit nicht nur wahr, sondern recht detailliert sind. Und noch schlimmer, er wies nach, dass sie ihren Vertrag mit der britischen Regierung gebrochen haben — die Grundlage für ihr Monopol.

Doch Assersons Arbeit ist einige Jahre alt. Die Anti-Propaganda-Behörde hätte die Sendeaktivitäten der BBC getreu Assersons Methodik über die fraglichen Jahre ständig überwachen können. Mir scheint, es wäre der BBC praktisch unmöglich gewesen, ihre Voreingenommenheit gegenüber Israel in dieser ungehobelten Weise, wie Asserson sie beschrieben hat, aufrechtzuerhalten. Dies gilt um so mehr, wenn ein großer Teil des Geldes, welches die BBC aufgrund ihrer Monopolstellung erhält, in Gefahr ist.

HR: Sie stellen Geld als wichtigen Punkt dar?

MG: Zuallererst sind da die laufenden Operationskosten der Anti-Propaganda-Behörde. Meinen groben Schätzungen zufolge — nach Rücksprache mit anderen Experten — erfordert es vielleicht 250 Mio. Dollar pro Jahr, um eine solche Organisation zu betreiben. Es wären Hunderte Angestellte mit Wissen in spezifischen Bereichen und viele Menschen mit Sprachkenntnissen erforderlich.

Was spezifische Problemfälle bei antiisraelischen Medien betrifft, könnte die Behörde auf den Einsatz Hunderttausender Dollar für eine detaillierte Studie und einen nachfolgenden längeren Kampf vorbereitet sein. Regierungseigene oder regierungsfinanzierte Medienorganisationen könnten zu Prioritätszielen werden. Dieses Geld würde nicht immer von der israelischen Regierung oder der Anti-Propaganda-Behörde selbst kommen müssen. Man könnte auch andere Organisationen oder wohlhabende Sponsoren für eine finanzielle Unterstützung interessieren. Natürlich würden nicht sämtliche 250 Millionen Dollar allein für die Medien aufgewendet werden. Die Behörde kümmert sich auch um viele andere Dinge wie z. B. islamische Länder, Muslime im Westen, Akademiker, hetzerische Gewerkschaften und deren Geschäftsführer, antisemitische Kirchenobere, nichtstaatliche Organisationen und so weiter.

HR: Letzte Frage: Was wären die hauptsächlichen Aktivitäten der Anti-Propaganda-Behörde?

MG: Mit der Zeit kommt die Finesse. Einiges wird man über die Versuchs-und-Irrtums-Methode entwickeln müssen. Aber sobald man eine Datenbank über Journalisten hat, kann man vieles machen. Ein interessantes Beispiel wären die Texte von Matti Friedman, ehemaliger Associated-Press-Mann in Israel. Im August 2014 analysierte er detailliert die antiisraelische Voreingenommenheit der AP, die er aus erster Hand während seiner Arbeit miterlebte. Er sagt: „Israelische Handlungen werden analysiert und kritisiert und über jede Schwachstelle in der israelischen Gesellschaft wird aggressiv berichtet“, und zwar in einer Häufigkeit von einer Story alle zwei Tage während einer siebenwöchigen Periode, mehr als die Anzahl ähnlich kritischer Storys über die Palästinenser, ob Moderate oder Extremisten. Und dies über drei Jahre hinweg. [1]

Der damalige AP-Bürochef in Israel, Steve Gutkin, gab einer lokalen indischen Website eine ungenügende Antwort. Die einseitige Haltung der AP gegenüber Israel wurde über viele Jahre hinweg dokumentiert. Schon 2001 war diese Nachrichtenagentur einer der Empfänger des Dishonest-Reporter-Preises von HonestReporting. Ein Beispiel für die Voreingenommenheit der AP war auch, als ein palästinensischer Scharfschütze ein zehn Monate altes jüdisches Baby in Hebron ermordete. Die AP-Schlagzeilenschreiber gaben dem Artikel den Titel „Jüdisches Kleinkind stirbt im Westjordanland“. Im Artikel erwähnten sie nicht, dass es ein Mord war oder wer der Mörder war. Laut der Schlagzeile könnte das Baby durch natürliche Ursachen oder als Folge eines Unfalls gestorben sein. HonestReporting gab weitere Beispiele für die damalige einseitige Berichterstattung dieser Nachrichtenagentur an. Später im gleichen Jahr schrieb der amerikanische Journalist Jeff Helmreich eine ausführliche Analyse, wie die AP Jassir Arafats Al-Nakba-Rede im Mai jenes Jahres geschönt hatte, indem sie sie inkorrekt wiedergab.

Während der letzten 15 Jahre hat APs voreingenommene antiisraelische Berichterstattung höchstwahrscheinlich beträchtlichen Schaden auf der internationalen Bühne verursacht. Hätte während all der Zeit eine Anti-Propaganda-Behörde existiert, die voreingenommene Reporter überwacht, reguliert und wo nötig sanktioniert, sähe es heute anders aus.

Es ist möglich, systematisch gegen herausragende antiisraelische Medien zu ermitteln und nach anderen Journalisten Ausschau zu halten, welche die Voreingenommenheit ihrer ehemaligen Arbeitgeber aufdecken wollen. Ich arbeite an einem solchen Fall in Europa und weiß von einem anderen potentiellen Fall eines Journalisten im Ruhestand, der bei einem wichtigen amerikanischen Medium gearbeitet hat. Sobald man das systematisch betreibt, kann es für Medien mit einer bewiesenen Voreingenommenheit gegenüber Israel zu einer großen Bedrohung werden.

Eines der Grundprinzipien auf dem Gebiet der Anti-Propaganda ist, dass die meisten Menschen Feiglinge sind. Kann man ein paar Journalisten aufdecken, die in betrügerischer Weise über Israels Operation Schutzrand (2014) berichteten, weil sie verschwiegen, dass die Hamas Zivilisten als menschliche Schutzschilde verwendete, ängstigt man Hunderte andere. Vielen Journalisten ist noch immer an ihrem Ruf gelegen.

2007 deckte ich die Manipulationen eines niederländischen Journalisten auf. Conny Mus, der heute nicht mehr lebt, war viele Jahre der Vorsitzende der Foreign Press Association in Israel. Er war stolz darauf, der erste westliche Journalist gewesen zu sein, der den Hamas-Führer Ismail Haniyeh interviewt hatte. Er sagte, er hätte ihm jede beliebige Frage stellen können. Ich schrieb, dass er die logischste Frage nicht gestellt hatte — nämlich was mit der Forderung eines Genozids an den Juden sei, wie in der Hamas-Charta nachzulesen.

Hätte es eine Anti-Propaganda-Behörde gegeben, wäre es nicht schwer gewesen, Mus von seiner Position als Vorsitzender der Foreign Press Association zu entfernen oder alternativ die Tatsache zu veröffentlichen, dass diese Organisation von einem sogenannten Journalisten angeführt wird, der absichtlich wesentliche Fakten unterschlägt. So etwas kann man nicht wirksam auf Einzelfallbasis betreiben, da die Medien tatsächlich sehr mächtig sind. Sobald die Behörde eine Datenbank über Journalisten hat, kann die Beharrlichkeit der Behörde viel mehr ausrichten.

Ich habe hier nur ein paar Kommentare abgegeben, aber in meinem Buch gibt es viel mehr. Und je mehr Finesse die Anti-Propaganda-Behörde im Lauf der Zeit entwickelt, desto mehr Methoden wird sie entdecken, um betrügerische Medien aufzudecken. Es ist viel Zeit vergangen, aber es ist nicht zu spät.

Manfred Gerstenfelds Buch „The War of a Million Cuts: The Struggle against the Delegitimization of Israel and the Jews, and the Growth of New Anti-Semitism“ wurde vom Jerusalem Center for Public Affairs und der RVP Press veröffentlicht. Es ist bei Amazon erhältlich, oder in Israel vom JCPA.

[1] http://www.tabletmag.com/jewish-news-and-politics/183033/israel-insider-guide

Die Welle der Medienvoreingenommenheit geht weiter

16. Oktober 2015

Simon Plosker, HonestReporting, 13. Oktober 2015

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Hier einige der jüngsten Beispiele schlechten bzw. einseitigen Journalismus über die Welle aus palästinensischem Terror, der auf Israels Bürger losgelassen wird.

„ANGEBLICHE ANGREIFER“

Nicht nur das Wall Street Journal bezieht sich auf „angebliche“ palästinensische Angreifer. Hier eine Schlagzeile der Irish Times:

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DELEGITIMIERUNG DER ISRAELISCHEN SELBSTVERTEIDIGUNG

Egal ob Israelis mit Raketen, Bomben oder Messern angegriffen werden — einige Medien, im Verbund mit sogenannten „Menschenrechtsorganisationen“, werden stets versuchen, Israels Recht auf Selbstverteidigung zu delegitimieren. Schon wieder wird Israel einer „unverhältnismäßigen“ Antwort beschuldigt, und die höheren palästinensischen Opferzahlen werden zur Rechtfertigung dieses Vorwurfs benutzt.

Dass weniger Israelis bei palästinensischen Angriffen umgekommen sind, ist ein Ergebnis der schnellen israelischen Reaktionen vor Ort, der medizinischen Expertise und blankem Glück. Geben wir uns keinen Illusionen hin — palästinensische Angreifer wollen töten.

smhTrotzdem bringt Ruth Pollard eine Story im Sydney Morning Herald, in dem sie auf dem Punkt herumreitet, dass die Israelis unverhältnismäßig reagiert hätten, weil sie tödliche Gewalt gegen Terroranschläge verübende Palästinenser eingesetzt haben.

Und die antiisraelische Organisation Human Rights Watch wird häufig zitiert:

Das sich aus den Videos, den Augenzeugenberichten und der schieren Anzahl von Opfern ergebende Muster macht besorgt, speziell wenn man es den problematischen Aussagen der israelischen Führer gegenüberstellt“, sagte Frau Bashi Fairfax Media.

Internationales Recht — sowohl internationales Menschenrecht als auch die besonderen Regeln für Israels Besatzung — erfordern von israelischen Sicherheitskräften den Schutz von Zivilisten, selbst wenn sie demonstrieren oder als Täter einer Gewalttat vermutet werden, so Bashi.

„Schusswaffen sollten die letzte Zuflucht sein. Der absichtliche Gebrauch tödlicher Gewalt sollte nur vorkommen, wenn es zum Schutz von Leben absolut notwendig ist — und selbst dann sollte, wenn möglich, eine Warnung abgegeben werden.“

Israels Hauptanliegen zu dieser Zeit ist wenig überraschend der Schutz seiner Bürger, nicht der Schutz der Terroristen.

Pollard macht auf diese Weise weiter und zitiert eine weitere politisierende nichtstaatliche Organisation, Al-Haq, sowie den extremistischen israelischen Haaretz-Kommentator Gideon Levy und den inhaftierten palästinensischen Terrorführer Marwan Barghouti.

Eines ist klar — die Opferzahlen werden wahrscheinlich steigen, und angreifende Palästinenser werden von israelischen Sicherheitskräften, die den Schutz unschuldiger Männer, Frauen und Kinder zu verantworten haben, sehr wahrscheinlich getötet werden.

Also, Ruth Pollard, Human Rights Watch usw.: Wie viele israelische Opfer hätten Sie denn gerne, bevor Sie Israels Selbstverteidigung als legitim anzusehen bereit sind?

SYMPATHISIEREN MIT TERRORISTEN

independentlogoDas Blog Harry’s Place schreibt:

Letzten Mittwoch erstach ein 18jähriger Palästinenser einen Israeli in Jerusalems Altstadt und wurde danach angeschossen.

Am Samstag erstach ein 16jähriger Palästinenser einen Israel in Jerusalems Altstadt und wurde danach erschossen.

Heute brachte der Independent einen Artikel über letzteren Messerstecher, Ishaq Badran, und stellt in der Unterüberschrift die Frage: „Was trieb ihn dazu?“

Der einleitende Absatz:

Ishaq Badran wurde einfach als „Terrorist“ bezeichnet, nachdem er am Samstag einen Israeli in der Nähe des Damaskus-Tores im besetzten Ostjerusalem erstochen hat.

Wie soll man Badran denn sonst beschreiben?

Was dann folgt, ist noch schlimmer. So verbindet der Independent die beiden Messerstecher:

Herr Badran sagte, sein Sohn sei äußerst aufgebracht gewesen über Berichte, ein Siedler habe einer Muslima in der Altstadt Jerusalems letzten Mittwoch den Hijab heruntergerissen. Die Berichte, die nicht von unabhängiger Seite bestätigt werden konnten, verbreiteten sich rasch in palästinensischen sozialen Medien. „Er redete mit seiner Mutter darüber und weinte“, sagte Herr Badran dem Independent. „Er weinte und sagte: ‚Niemand verteidigt diese Frauen‘. Die Frau wurde erschossen, als sie einen Israeli zu erstechen versuchte, sagte die israelische Polizei.

Dies ist schlichtweg und nachweisbar eine Lüge. Weitaus später im Artikel erfahren wir, dass diese Frau ihren Hijab überhaupt nicht heruntergerissen bekommen hat, aber erschossen wurde, weil sie einen Israeli erstochen hat (und nicht „zu erstechen versuchte“, wie der Artikel behauptet).

Es gibt noch mehr. Lesen Sie den Rest bei Harry’s Place.

FALSCHE MORALISCHE GLEICHWERTIGKEIT

Die eine Seite beginnt mit der Gewalt, die andere Seite verteidigt ihre Bürger. Wenn man CNN als Quelle hernimmt, erfährt man kein Wort davon.

Ist es wirklich „israelisch-palästinensische Gewalt“, oder wäre „palästinensische Gewalt“ nicht akkurater?

CNN hat zwischen beiden Seiten eine falsche moralische Gleichwertigkeit hergestellt.

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Die Irish Times: eine Vielzahl von Verzerrungen und Lügen in drei Teilen

16. Juni 2015

Simon Plosker, HonestReporting, 9. Juni 2015

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Die Irish Times hat eine Serie von drei Artikeln veröffentlicht, die anscheinend eine palästinensische Perspektive bei aktuellen Themen einnehmen. Voreingenommene und einseitige Berichterstattung ist bei der Irish Times die Norm.

Im ersten Artikel mit dem Titel „Palästinenser müssen Politik zur Beendigung des ‚Apartheid-Regimes‘ einsetzen“ führt Journalistin Michael Jansen ein Interview mit dem „israelischen Friedensaktivisten Jeff Halper„, der auch als „langjähriger Kritiker der israelischen Polizei“ beschrieben wird.

Jansen verschweigt, dass Halper alles andere als ein „Friedensaktivist“ ist. Tatsächlich geht Halpers Israelkritik viel weiter als nur über die Kritik an seiner Polizei. Halper ist ein radikaler antiisraelischer Aktivist und der Direktor des Israeli Committee Against House Demolitions (ICAHD).

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NGO Monitor schreibt dazu:

– Die Rhetorik von ICAHD umfasst auch Anschuldigungen von „ethnischer Säuberung„, „Völkermord„, „Kollektivbestrafung“ und „Apartheid„.
– Aktiver Unterstützer der BDS-Kampagne gegen Israel (BDS = Boykott, Deinvestition und Sanktionen)
Spricht sich ausdrücklich für ein Ende des Staates Israel als Heimatnation des jüdischen Volkes aus und sagt: „Die einzige Option zur Lösung des Konflikts ist eine Einstaatenlösung.“

Halper sagte der Irish Times:

„Die israelische Armee ist überall. Teams, die sich als Palästinenser ausgeben, gehen willkürlich in palästinensische Dörfer und Städte und nehmen Palästinenser fest und erschießen sie.

In Halpers Vorstellungswelt erschießen israelische Soldaten einfach Palästinenser. Wie Halper gut bekannt ist, hat die IDF strenge Verhaltensregeln, und das Eröffnen von Feuer auf Palästinenser, ob sie nun bewaffnet sind oder nicht, wird nicht auf die leichte Schulter genommen.

Es ist jedoch nicht das erste Mal, dass Michael Jansen Halper eine Plattform zur Stimmungsmache gegen Israel zur Verfügung gestellt hat.

Jansen setzt ihre Story mit dem Interview des PA-Außenministers Nabil Shaath fort, der sich für Boykott, Deinvestitionen und Sanktionen (BDS) gegen Israel ausspricht und die palästinensische Kampagne als „Anti-Apartheid-Kampf“ beschreibt. Es ist nur allzu leicht, unverifizierte Zahlen zu verbreiten, z. B. Shaaths Behauptung, Israel habe über 92% des Wassers im Westjordanland an sich genommen.

In Wirklichkeit, wie StandWithUs klarstellt, nutzt Israel heute dieselben wasserführenden Bodenschichten wie vor 1967, als seine Verwaltung des Westjordanlands begann. Das Wasser in diesen Schichten fließt von Natur aus in Richtung Meer, nach Israel hinein. Israelische Siedlungen sind an Israels nationales Wassersystem angeschlossen und nutzen nicht das Wassersystem der Palästinenserbehörde. Der palästinensische Wasserverbrauch stieg zwischen 1967 und 2008 um über 300% an.

Trotz der Wasserknappheit stimmte Israel beim Oslo-Abkommen zu, Palästinensern im Westjordanland jährlich 31 Mio. Kubikmeter seines eigenen Wassers zur Verfügung zu stellen, um ihre Wasservorräte zu ergänzen. Tatsächlich hat Israel jedes Jahr immer mehr gegeben. 2008 gab Israel 40% mehr als vereinbart: 51,8 Mio. Kubikmeter.

***

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Michael Jansen

Das Wasserthema wird auch in Jansens zweitem Artikel „Israelische Expansion zwingt Palästinenser in die antike Stadt Jericho“ angesprochen:

Die Siedler verbrauchen 6,6 mal mehr Wasser als die Palästinenser, die jedoch acht- bis neunmal mehr sind. „Palästinenser dürfen keine neuen artesischen Brunnen graben“, sagt der Distriktgouverneur von Jericho, Majed Fityani. „Sie dürfen nur die 200 Brunnen nutzen, die schon bei der jordanischen Herrschaft vor 1967 vorhanden waren. Heute funktionieren noch 67 davon, und ihr Salzgehalt ist hoch. Die Talbewohner pflanzen Palmen wegen dem Salz; Gemüse [vorher eine Haupteinnahmequelle] ist auf einem Minimum.“

Unter Bezug auf eine Studie des Begin-Sadat Center for Strategic Studies sagt David Weinberg:

[Professor Haim Girtzman] zeigt auf, dass die gegenwärtige Einteilung der natürlichen Süßwasservorräte zwischen Israel und den Palästinensern gerecht ist. Israels Bevölkerung zählt 7,2 Millionen Menschen, fünfmal so viel wie die palästinensische Bevölkerung des Westjordanlands, die 1,4 Millionen zählt. Anteilsmäßig kontrolliert Israel 1.200 Mio. m³ des verfügbaren natürlichen Süßwassers, und die PA kontrolliert 220 Mio. m³. Pro Kopf sind das ca. 160 m³ Wasser pro Jahr sowohl in Israel als auch bei der Palästinenserbehörde.“

Was den Wasserverbrauch von Siedlern betrifft, so schickt Israel weit mehr Wasser für die Palästinenser ins Westjordanland, als was die Siedlergemeinden nutzen.

Zudem zeigt die Studie, dass die Palästinenser widerrechtlich über 250 nicht genehmigte Brunnen gegraben und damit ihre eigenen (sowie Israels) Wasservorräte verschmutzt haben. Überdies weigern sie sich, Kläranlagen zu bauen oder die existierende Wasser-Infrastruktur richtig handzuhaben.

Hier können Sie mehr darüber lesen, wie die Palästinenser das Wasser zum Einschlagen auf Israel nutzen.

Aber es sind nicht nur Sprecher der Palästinenser, die die Wahrheit verdrehen. Michael Jansen selbst erfindet Folgendes:

Israels 700 km lange graue Westjordanland-Mauer schlängelt sich durchs Westjordanland nahe an Jerusalem auf dem Gipfel der Bergkette.

Da Israels Sicherheitsbarriere zu über 90% aus Maschendrahtzaun besteht, ist Jansens Beschreibung einer durchgehenden Mauer schlicht falsch. Und nicht nur das, sondern der geplante Verlauf der Barriere wurde noch immer nicht fertiggestellt.

Das ist nicht die einzige Lüge im Artikel, der hinsichtlich der palästinensischen Wohnhäuser auch Folgendes behauptet:

In Jericho verlangt Israel hohe Gebühren für Baugenehmigungen, die Jahre brauchen, bis sie überstellt werden, und für die auch Rechtsanwaltsgebühren anfallen, und nach Fertigstellung des Baus werden hohe Steuern erhoben.

Israel ist tatsächlich verantwortlich für die Erteilung von Baugenehmigungen in Area C des Westjordanlands, welches sich vollständig unter israelischer Sicherheits- und Verwaltungskontrolle befindet. Jericho jedoch ist in Area A, welches unter voller Verwaltungskontrolle der Palästinenserbehörde steht. Israel erteilt schlichtweg keine Baugenehmigungen für palästinensische Wohnungen oder andere Strukturen in großen palästinensischen Städten in Area A wie z. B. Jericho.

Und wie verteidigt Jansen diese schamlose Lüge?

Israels Gesamtkonzept für die Jahre 2010 bis 2020 zielt darauf ab, ein Verhältnis von 60% jüdischen zu 40% palästinensischen Einwohnern Jerusalems zu garantieren, das 1967 von Israel annektiert wurde. Das angesprochene Verhältnis wird über Deportationen nach Jericho, in andere Städte im Westjordanland sowie ins Ausland erreicht.

Das Gesamtkonzept 2010-2020 ist nichts Finsteres, wie Jansen behauptet. Es behandelt die Langzeitplanung für alle Einwohner Jerusalems, sowohl der jüdischen als auch der arabischen. Neben einer Vielzahl von Themen betreffs der städtischen Bauplanung behandelt es die illegale Errichtung von Gebäuden auf der Ostseite der Stadt sowie die Genehmigung des Baus Tausender Wohneinheiten für palästinensische Einwohner Jerusalems.

Zwar kann dies einige Umzüge innerhalb des Jerusalemer Stadtgebiets beinhalten, aber es gibt keine Pläne, Palästinenser aus verwaltungstechnischen Gründen in Städte im Westjordanland oder gar ins Ausland zu deportieren.

* * *

Luftbild von Rawabi, April 2015

Luftbild von Rawabi, April 2015

Michael Jansens dritter Artikel in ihrer Serie, „Palästinensische Hügel lebendig mit Baulärm“ beginnt wie folgt:

So lange man sich zurückerinnern kann, ist Rawabi die erste neue Stadt, die von Palästinensern auf palästinensischem Boden errichtet wird. Zweifelnde Palästinenser, dem Projekt gegenüber abgeneigte Israelis sowie skeptische Beobachter sehen es alle als teure Anomalie auf der gequälten Landschaft des von Israel besetzten Westjordanlands.

Palästinenser nennen Rawabi einen 1 Milliarde Dollar teuren weißen Elefanten und einen Versuch, die israelische Besatzung zu „normalisieren“, da Israel für seine Schaffung und Errichtung die Erlaubnis geben musste und israelische Firmen die Rohmaterialien zur Verfügung stellten.

Rawabi ist vielleicht eine der positivsten Entwicklungen für die Palästinenser in den letzten Jahren. Trotzdem kriegt es Jansen ganz klar nicht in den Kopf, dass Palästinenser irgend etwas anderes sein können als die ewigen Opfer Israels. Daher strengt sie sich doppelt an, Rawabi niederzumachen, sogar bevor es überhaupt fertiggestellt ist. Die entstehende Stadt beschreibt sie als illegitimes und negatives Projekt.

Für Jansen ist jeder potentiell positive Punkt in der palästinensischen Gesellschaft ein Verlust des Narrativs palästinensischen Leides unter dem Joch Israels. Dieses Narrativ zieht sich wie ein roter Faden durch ihre dreiteilige Serie, ein Narrativ, das von BDS-Unterstützung, Antinormalisierung der israelisch-palästinensischen Beziehungen und schamlosen Verzerrungen und Lügen geprägt ist.

Bild: CC BY-SA Victor Grigas via Wikimedia Commons; CC BY Elisa via flickr; mit Modifikationen CC BY-SA von HonestReporting


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