Foreign Policy fälscht Geschichte des Friedensprozesses

Verfasst 27. August 2015 von yvainedewinter
Kategorien: Weltmedien und Nahost

Simon Plosker, HonestReporting, 27. August 2015

foreign-policy-rewrites-770x400

Update: Wir danken dem Magazin Foreign Policy, dass es den Fehler erkannt, den Artikel überarbeitet und die folgende Korrektur veröffentlicht hat:

*Korrigiert, 26. August 2015: Die israelische Regierung stimmte 2003 einem Stopp der Siedlungsausweitung im Westjordanland als Teil des Friedens-Fahrplans zu. Eine frühere Version dieses Artikels behauptete fälschlicherweise, Israel habe beim Oslo-Abkommen von 1993 einem solchen Stopp zugestimmt.

***

Ein Leitartikel im Magazin Foreign Policy untersucht “Das neue Gesicht jüdischen Terrors” — den radikalen Rand jüdischer Extremisten, die für die kürzlichen Angriffe auf Palästinenser verantwortlich sein sollen.

Im Text des Artikels versucht der Autor, das Anwachsen dieses Extremismus auf die Siedlerbewegung nach 1967 zurückzuführen.

Die Siedlungsfrage wird von den Palästinensern und vielen Medien oft belastet und oft als Haupthindernis für den Frieden angeführt. Und deshalb ist es wichtig, die Fakten richtig darzustellen.

Der Artikel im Foreign Policy sagt:

1993 unterzeichnete die israelische Regierung das Oslo-Abkommen, in welchem es sich offiziell zur Unterbrechung der Siedlungsausweitung verpflichtete. (Seither sind die Siedlungen dennoch drastisch vergrößert worden.)

Diese Aussage erweckt den Eindruck, Israel habe vom ersten Tag an seine vertraglichen Vereinbarungen verletzt. Diese Aussage ist faktisch inkorrekt.

Tatsächlich enthalten weder die Grundsatzerklärung vom 13. September 1993 noch das Interimsabkommen (“Oslo 2”) vom 28. September 1995 irgendwelche Regelungen, welche die Errichtung oder Ausweitung jüdischer Kommunen in Judäa, Samaria und Gaza verbieten oder einschränken.

Als Premierminister Jitzhak Rabin der Knesset am 5. Oktober 1995 das Oslo-2-Abkommen vorstellte, sagte er: “Ich möchte Sie daran erinnern, wir sind eine Verpflichtung eingegangen, d. h. wir haben ein Abkommen getroffen, wir sind gegenüber der Knesset die Verpflichtung eingegangen, im Rahmen des Interimsabkommens keine Siedlung abzureißen, keine Bauarbeiten einzustellen und uns dem natürlichen Wachstum nicht entgegenzustellen.”

Laut Artikel XXXI(5) von Oslo 2 muss die Frage der jüdischen Siedlungen bei den Verhandlungen über den endgültigen Status angegangen werden. Gemäß einer internen rechtlichen Analyse des israelischen Außenministeriums am 18. März 1996, durchgeführt von Joel Singer, dem Rechtsberater des Außenministeriums unter der Regierung der Arbeiterpartei, wies Israel palästinensische Versuche, neue jüdische Siedlungen zu verhindern, im Rahmen des Oslo-Abkommens zurück.

Singer erklärte: “Im Zuge der Verhandlungen über die Grundsatzerklärung versuchten die PLO-Vertreter, eine Regelung zu erwirken, die Israel von der Errichtung neuer Siedlungen abhalten sollte. Israel wies diese Forderung zurück.” Somit hat Jassir Arafat dem Oslo-Abkommen trotz der Tatsache zugestimmt, dass er für die Interimsperiode keinen Stopp der Siedlungsaktivität erwirken konnte.

Foreign Policy und der für den Artikel verantwortliche Journalist wurden vor einigen Tagen von HonestReporting auf ihren Fehler aufmerksam gemacht. Bislang gab es weder eine Korrektur noch eine Ergänzung zu dem Artikel.

Hier geht es nicht darum, ob Siedlungen richtig oder falsch sind, sondern um die korrekte Darstellung von Sachverhalten, weswegen die lethargische Reaktion von Foreign Policy so enttäuschend ist.

Bild: CC BY gnuckx via flickr mit Modifikationen von HonestReporting

Zwei Geschichten aus zwei Städten

Verfasst 25. August 2015 von yvainedewinter
Kategorien: Weltmedien und Nahost

Yarden Frankl, HonestReporting, 24. August 2015

gaza-two-cities-770x400

Ein Jahr nach dem Ende der Feindseligkeiten zwischen Israel und der Hamas im Gazastreifen brachten sowohl die New York Times als auch die Washington Post einen Artikel über die gegenwärtige Lage in Gaza. Keiner der beiden Artikel ist faktisch inkorrekt, aber es ist offenbarend zu sehen, worauf jedes Blatt seine Aufmerksamkeit legt.

Für die New York Times ist das Leitthema, dass die Palästinenser in den Ruinen ihrer während des Konflikts zerstörten Häuser leben. Es gibt wenig Arbeit, wenig Geld und sehr wenig Wiederaufbau. Die Schlagzeile sagt klar:

Ein Jahr nach dem Krieg hocken die Menschen von Gaza immer noch zwischen Ruinen

Ein Jahr nach dem Krieg hocken die Menschen von Gaza immer noch zwischen Ruinen

Zweifellos gibt es bei diesem Ausmaß der Zerstörung, der Korruption der Hamas und der fortbestehenden Notwendigkeit, die Hamas von der Wiederbewaffnung und dem Neubau von Tunnels abzuhalten, ernsthafte Beeinträchtigungen des Wiederaufbaus.

24GAZA-superJumbo

Aber gilt das immer noch für ALLE Menschen im Gazastreifen, dass sie “noch immer zwischen Ruinen hocken”?

Hier die Schlagzeile der Washington Post:

Mittelschicht im Gazastreifen hat Spinning-Klassen, feine Restaurants, private Strände

Mittelschicht im Gazastreifen hat Spinning-Klassen, feine Restaurants, private Strände

Der Artikel beschreibt, wie Gazas kleine Mittelschicht ein Leben genießt, das viele als luxuriös bezeichnen würden. Sushi-Bars, Schönheitsfarmen, Luxusautos und Strandvillen sind Normalität für dieses kleinen Teil der Bevölkerung Gazas. Zwar sollten die Bilder privilegierter Palästinenser, die in Hightech-Sportstudios trainieren oder in Dachrestaurants speisen, nicht als beispielhaft für ganz Gaza gesehen werden, aber die bloße Tatsache, dass sie existieren, ist gut zu wissen.

Gaza4

Natürlich sagt die Washington Post, dass sich die Lebenswirklichkeit der meisten Palästinenser in Gaza stark davon unterscheidet:

Kein einziges der 18.000 im letzten Krieg zerstörten Häuser ist bewohnbar. Der Wiederaufbau kommt nur schneckenhaft voran. Zement vom Schwarzmarkt ist die Währung in diesem Gebiet. Die Arbeitslosigkeit in Gaza liegt mit 43% weltweit am höchsten — diese Zahl geht auf die Weltbank zurück, die “Blockaden, Krieg und schlechte Regierung” als Ursache dafür anführt, dass sich Gazas Wirtschaft am Rande des Zusammenbruchs bewegt. Fast 80% der 1,8 Millionen Bewohner des Gazastreifens erhalten soziale Hilfen.

Aber die mit Gelder aus Katar restaurierte Küstenstraße hat jetzt Grand Motors, einen Autohändler mit reihenweise funkelnder und brandneuer Mercedes-Benz-Limousinen.

Über einen Kilometer weiter bezahlen Gazaner im neu eröffneten Techno Gym ca. 100 Dollar im Monat für eine All-inclusive-Mitgliedschaft. Dort gibt es Kardiotraining, Hydrotherapie, Spinning-Klassen, Schwimmunterricht und topmoderne Weight Machines, die aus China importiert wurden, wegen des Krieges jedoch zwei Monate im Zoll in Tel Aviv feststeckten.

Die Situation in Gaza ist fürwahr komplex, und es gibt dort viele Ursachen für die Probleme. Aber die Medien haben die Verpflichtung, alle Facetten des Lebens zu zeigen versuchen zu müssen, damit die Leser nicht glauben, dass die Bilder, die sie sehen, repräsentativ für das ganze Gebiet sind.

BDS Valencia verdoppelt den Einsatz bei Matisyahu-Heuchelei

Verfasst 25. August 2015 von yvainedewinter
Kategorien: Antiisraelismus, Antisemitismus, BDS, Chaoten / Anarchisten, Die Welt und Nahost, Palästinenser

Alex Margolin, HonestReporting, 20. August 2015

messy-kids-fightingBDS-770x400

Die BDS-Kampagne gegen den Reggaesänger Matisyahu zeigt lebhaft, dass das, was mit einem Israelboykott beginnt, stets mit einer Kampagne gegen Juden endet.

Doch statt dass sie sich auf würdige Weise zurückziehen, wie es das Rototom-Sunsplash-Reggaefestival mit der Rückgängigmachung seiner Absage von Matisyahus Auftritt tat, macht die BDS País Valencià unbeirrt weiter und liefert ein stutzig machendes Statement voller Schuldzuweisungen und oberflächlicher Rechtfertigungen ab.

Die größte Verwunderung auf der Liste der einzelnen Punkte verursacht Nr. 6:

Während die Medien diese Kampagne als Teil der weltweiten BDS-Bewegung dargestellt haben, möchten wir klarstellen, dass unsere Bemühungen außerhalb der Zuständigkeit des kulturellen Boykotts Israels gemäß der Richtlinien der Palestinian Campaign for the Academic and Cultural Boycott of Israel (PACBI) liegen. BDS fordert Boykotte gegen israelische Institutionen, die sich an Israels Verletzungen des internationalen Rechts beteiligen, nicht gegen Individuen. Anders als bei der Kulturboykottbewegung gegen das Südafrika der Apartheidzeit fordert die von den Palästinensern angeführte BDS-Bewegung keinen Boykott einzelner Künstler, Akademiker usw. [Fettdruck wie im Original]

Also wartet mal… laut diesem Text ist die Auffassung, dass es sich hierbei um eine BDS-Kampagne handelt, ein reines Produkt der Medien? Werden die Leute nicht annehmen, dass es sich hier um BDS handelt, weil es von einer Gruppe mit BDS im Namen betrieben wird und einen Künstler mit augenscheinlichen Sympathien für Israel boykottieren soll?

Aber das ist noch nicht einmal der verwirrendste Teil des Statements. Mit einer gehörigen Portion Brezel-Logik behauptet das Statement, diese Aktion sei keine BDS-Kampagne gewesen (bzw. sie geht nicht mit BDS-Standards konform, wenn es so etwas überhaupt gibt), da die BDS-Richtlinien vor genau solchen Aktionen warnen.

Aber das ergibt überhaupt keinen Sinn. Da ist eine BDS-Gruppe, und sie betreibt eine Boykott-Kampagne — welchen Unterschied macht es, was da auf der BDS-Website steht? Wenn diese Worte nicht die Taten der Menschen vor Ort bestimmen, bedeuten sie dann überhaupt etwas? In der wirklichen Welt offenbaren Taten, nicht Worte, die wahren Absichten.

Natürlich ist das nicht der einzige Fall, wo eine Einzelperson boykottiert wurde. Nur wenige Tage bevor Matisyahus Festivalabsage in die Nachrichten kam, wurde ein israelischer Filmemacher von einem Filmfestival in Oslo boykottiert. Und BDS Valencia steht mit der Ansicht nicht allein da, dass Matisyahu ein legitimes Ziel ist.

Und das ist die unvermeidliche zweite Lektion dieser ganzen Sache — was mit einem Boykott gegen israelische Institutionen beginnt, endet mit dem Anzielen von Individuen. Und ihr könnt euch darauf verlassen, dass BDS die Rolle der Gedankenpolizei spielen wird, wo nur eine einzige Ansicht akzeptabel ist.

BDS könnte es bereuen, Matisyahu von einem Festival ausgeladen zu haben

Verfasst 23. August 2015 von yvainedewinter
Kategorien: Antiisraelismus, Antisemitismus, BDS, Chaoten / Anarchisten, Israel, Palästinenser, Weltmedien und Nahost

Alex Margolin, HonestReporting, 19. August 2015

statue-denial-regret-trueFace-fightingBDS-770x400

Update: Das Rototom-Sunsplash-Reggaefestival hat seine Entscheidung, Matisyahus Auftritt abzusagen, widerrufen. Man entschuldigte sich beim Künstler und veröffentlichte ein Statement, in dem man Diskriminierung und Antisemitismus verurteilte.

 

Wenn es je einen Fall gab, der das wahre Gesicht von BDS offenbarte, dann die Saga des jüdischen Reggaemusikers Matisyahu und seiner Ausladung von einem Musikfestival in Spanien.

BDS hat sich als Hassgruppe offenbart, die wegen ihrer politischen Ansichten Juden angreift. Und die BDS-Mitglieder üben Druck aus, um Andersdenkende zum Schweigen zu bringen.

Nicht damit zufrieden, Künstler aus Israel anzugreifen, sind die Mobber von BDS dazu übergegangen, Künstler anzugreifen, die Israel unterstützen — so wie den Amerikaner Matisyahu.

Die BDS-Mobber übten Druck auf das Festival aus und forderten, Matisyahu solle ein Statement veröffentlichen, in welchem er seine Unterstützung eines Palästinenserstaats zum Ausdruck bringt, eine Bedingung, die keinem anderen Künstler dieses Festivals aufgebürdet wurde. Die BDS sonderte ihn laut Reuters als “Israelliebhaber” heraus.

Und die BDS war mit dieser Diskriminierung nicht allein. Der Rolling Stone schreibt: “Andere Künstler drohten, nicht auf dem Rototom-Sunsplash-Reggaefestival aufzutreten, da sie ihn als jüdischen Amerikaner so betrachteten, als ‘repräsentiere er Israel’.”

Als amerikanischer Jude wurde er so betrachtet, als repräsentiere er Israel.

In einem Facebookstatement sagte Matisyahu, seine Musik sei nicht politisch. Und er nahm es dem Festival übel, dass er ausgesondert wurde. “Ehrlich, es war haarsträubend und beleidigend, dass sie mich als den einzigen öffentlichen jüdisch-amerikanischen Künstler auf diesem Festival zu politischen Aussagen zu zwingen versuchten.”

Wäre er Israeli, so wäre es schon schlimm genug, wenn er wegen seiner nationalen Herkunft diskriminiert würde, was die BDS offen betreibt. Aber ihn anzugreifen, weil er ein Jude ist und den jüdischen Staat unterstützt, ist lupenreiner Antisemitismus. Ihn dann noch zwingen zu wollen, gegen seinen Willen eine politische Erklärung abzugeben, ist dann nochmal ein ganz neuer Schritt.

Und vielleicht ein Schritt zu weit.

Die spanische Regierung veröffentlichte ein Statement, in dem sie die Vorgehensweise des Festivals verurteilte. “Das Erzwingen einer öffentlichen Erklärung (von Matisyahu) stellt das Prinzip der Nichtdiskriminierung in Frage, auf welchem alle pluralistischen und vielfältigen Gesellschaften fußen”, so das spanische Außenministerium.

Die Presseberichterstattung, von welcher BDS für die Verbreitung ihres Hasses abhängt, mag jedoch noch verurteilender gewesen sein. Auch die spanische Zeitung El Pais verurteilte das Festival in einem Editorial mit dem Titel “Inakzeptable Diskriminierung“, wobei erwähnt wird: “Er ist der einzige Musiker, … von dem ein solches Statement eingefordert wurde, und was die Sache noch schlimmer macht: Es wurde von ihm gefordert, schlichtweg weil er Jude ist.”

Das Blatt schloss mit der Aussage, ein derartiges Verhalten habe keinen Platz im modernen Spanien:

Antisemitismus und Diskriminierung aufgrund von Ideologie darf nicht toleriert werden und muss bekämpft werden. Kritik an Israels Politik und die Verteidigung der Palästinenser darf nicht als Deckmantel für die systematische Verfolgung Andersdenkender benutzt werden oder auch für die Verfolgung von Menschen, einfach weil sie Juden sind. Spaniens Politiker müssen das Wort gegen diesen Skandal ergreifen, der die Verpflichtung dieses Landes gegenüber Rede- und Gedankenfreiheit in Frage stellt.

Auch der Daily Beast meldete sich vehement zu Wort:

Es fällt schwer, hier nicht nur einen Hauch von Antisemitismus zu wittern, der der Entscheidung entströmt, den Rapper auszuladen. Diese Aktion unterläuft auch Rototoms Aussage, ein “Ort des Zusammentreffens, des Mitteilens und des interkulturellen Verständnisses” zu sein, wie seiner Website zu entnehmen ist.

Jüdische Künstler zu stigmatisieren und zu restringieren, weil sie Liebe zu Israel bekunden, scheint ungerecht. Sie für die Politik Israels zur Verantwortung zu ziehen, ist absurd und statuiert ein schädliches Exempel.

Zwar ist das Festival das Hauptziel der Verurteilungen (und es hat seine Entscheidung mittlerweile zurückgezogen und den Künstler neu eingeladen), aber die BDS-Bewegung erklärt sich verantwortlich für diesen “Sieg” und nennt ihn einen “Ausruf der Solidarität der Völker.”

Es ist ein Sieg, den sie vielleicht schon bald bereuen. Der wahre Ausruf der Solidarität gilt eindeutig Matisyahu, der bereits die Unterstützung seiner Fans weltweit genießt. Und dieses Publikum wird angesichts der wohlwollenden Berichterstattung, die er aktuell weltweit erhält, noch anwachsen.

Die Story hebt auch die großen Unterschiede zwischen dem hervor, was die BDS sagt, und dem, was sie wirklich in der Welt macht. Das Wall Street Journal drückt es gut aus: “Erinnern Sie sich an den Matisyahu-Zwischenfall, wenn Vertreter der antiisraelischen Boykott-, Deinvestitions- und Sanktions-Bewegung [BDS] nächstes Mal darauf bestehen, sie würden die Rechte der Palästinenser fördern und nicht antijüdischen Fanatismus.”

Und wenn die Leute zu vergessen beginnen, erinnert sie einfach daran.

Bild: CC BY-NC César Astudillo via flickr mit Beifügungen von HonestReporting

Palästinensischer Messerangriff löst irrige Schlagzeilen aus

Verfasst 20. August 2015 von yvainedewinter
Kategorien: Antiisraelismus, Antisemitismus, Die Welt und Nahost, Europ. Medien und Nahost, Israel, Medieneinseitigkeit, Nahost-Konflikt, Palästinenser, Weltmedien und Nahost

Simon Plosker, HonestReporting, 18. August 2015

horrendous-headlines-redux-NoIDNS-770x400

Im dritten Vorfall dieser Art in dieser Woche wurde ein palästinensischer Terrorist erschossen, nachdem er am Montag einen Grenzpolizisten am Tapuach-Übergang im Westjordanland erstechen wollte. YNet News schreibt:

Die Polizei sagte, der 25jährige Angreifer Mohammed Amsha aus einem Dorf in der Nähe von Jenin kam zum Tapuach-Übergang und sagte den dort stationierten Grenzsoldaten, er fühle sich unwohl.

Die Soldaten wiesen ihn an, näherzukommen, damit sie ihm helfen konnten, aber sobald er bis auf kurze Entfernung herangekommen war, zog er ein Messer und griff einen der Soldaten an, um ihn zu erstechen.

Der Soldat wurde nur leicht verletzt und konnte den Angreifer erfolgreich zurückdrängen, während ihn ein anderer Grenzpolizist erschoss und neutralisierte.

Die New York Times berichtete hierüber mit folgender Schlagzeile:

Palästinenser bei Konfrontation mit israelischer Polizei erschossen

Palästinenser bei Konfrontation mit israelischer Polizei erschossen

Trotz der Tatsache, dass der Vorfall klar durch einen Akt palästinensischer Gewalt ausgelöst wurde, spricht die Schlagzeile von einer “Konfrontation”, was der israelischen Polizei die gleiche Verantwortlichkeit zuschreibt. Die Schlagzeile verschweigt, dass der Palästinenser als Resultat seines Messerangriffs auf einen Polizisten erschossen wurde, und damit ist das eine klare Voreingenommenheit auf Seiten der New York Times.

Hier die Schlagzeile der Irish Times über denselben Vorfall:

Palästinenser an Westjordanland-Checkpoint erschossen Israelische Armee sagt, Mann sei mit den Worten, er fühle sich unwohl, auf Gruppe von Soldaten zugegangen

Palästinenser an Westjordanland-Checkpoint erschossen
Israelische Armee sagt, Mann sei mit den Worten, er fühle sich unwohl, auf Gruppe von Soldaten zugegangen

Schlagzeile und Unterüberschrift entnimmt der flüchtige Leser, ein sich unwohl fühlender Palästinenser habe sich einer Gruppe Soldaten genähert, und sie hätten ihn ohne ersichtlichen Grund einfach erschossen.

Also warum passt die Schlagzeile nicht auf die Wirklichkeit, die im ersten Absatz des Artikels erklärt wird?

Ein Palästinenser wurde von israelischen Polizisten erschossen, nachdem er einen von ihnen an einem militärischen Checkpoint im besetzten Westjordanland mit einem Messer angegriffen und leicht verletzt hatte, wie eine Sprecherin der Polizei mitteilte.

Unterm Strich — der Palästinenser griff einen Soldaten an und stach auf ihn ein, ein unbestreitbar wesentliches Stück Zusammenhang, das in beiden Schlagzeilen (New York Times und Irish Times) einfach fehlt.

Die PLO lügt noch immer über Arafats Vermächtnis

Verfasst 8. August 2015 von yvainedewinter
Kategorien: Araber, Chaoten / Anarchisten, Die Welt und Nahost, Islam+Islamisten, Israel, Medienwelt, Palästinenser, Weltmedien und Nahost

Pesach Benson, HonestReporting, 5. August 2015

arafat-american-patriot-770x400

Jassir Arafat hätte vor kurzem seinen 86. Geburtstag gefeiert, und die PLO markierte diesen Tag mit einem Tweet, der den verblichenen Palästinenserführer im Grab rotieren lassen muss.

Dabei geht es nicht nur über die Darstellung von Arafats Vermächtnis als heldenhaftem Freiheitskämpfer statt eines blutrünstigen Terroristen (dazu komme ich später noch).

Als Gründervater des palästinensischen Nationalismus steht bei der PLO viel auf dem Spiel, wenn es ums Arafat-Narrativ geht.

Um das klarzustellen: Arafat wurde in Kairo geboren. Aber selbst feurigen Verschwörungstheoretikern, die Obamas Geburtsort in Frage stellen, fällt die Kinnlade herunter, wenn sie lesen:

Präsident Jassir Arafat wurde am 4. August geboren (Jerusalem 1929 – Paris 2004). “Ich bin ein Rebell, und meine Sache ist die Freiheit.”

PLOtweet

Wie wurde er also Jerusalem zugeschrieben?

Die Antwort beginnt mit einem rumänischen Geheimdienstbeamten zur Zeit der Kommunisten, Ion Mihai Pacepa. Bei einem Schuldeingeständnis im Wall Street Journal erklärte er, die Verbindung von Arafat und Jerusalem sei ein Resultat absichtlicher sowjetischer Falschinformationen gewesen.

Der KGB-Vorsitzende Juri Andropow machte sich mir gegenüber im Februar 1972 über die Leichtgläubigkeit der Yankees lustig, was prominente Persönlichkeiten betrifft. Wir hatten die stalinistischen Personenkulte hinter uns gelassen, aber diese verrückten Amerikaner waren noch immer naiv genug, nationale Führer zu verehren. Und Arafat bauten wir zu genau so einer Symbolfigur auf — Schritt für Schritt führten wir die PLO näher an die Macht und an einen Staat. Andropow glaubte, die vietnammüden Amerikaner würden in ihrer Hoffnung auf Frieden auch auf das kleinste Zeichen einer Versöhnung anspringen, und Arafat würde vom Terroristen zum Staatsmann werden.

Unmittelbar nach diesem Treffen erhielt ich die “Personalakte” des KGB über Arafat. Er war ein ägyptischer Bourgeois, der vom KGB-Auslandsgeheimdienst zu einem ergebenen Marxisten gemacht wurde. Der KGB hatte ihn an seiner Schule für Spezialoperationen in Balaschicha östlich von Moskau geschult, und Mitte der 1960er entschied man, ihn zum zukünftigen Führer der PLO aufzubauen. Erst vernichtete der KGB die offiziellen Aufzeichnungen von Arafats Geburt in Kairo, dann ersetzte er sie durch fiktive Dokumente, die sagten, er sei in Jerusalem geboren worden und sei daher ein gebürtiger Palästinenser.

Was die Beschreibung als “Freiheitskämpfer der PLO” betrifft, so ist das ein altbekanntes Spiel. Über Jahre hinweg haben Palästinenser und ihre Apologeten Arafat mit Führern der Amerikanischen Revolution verglichen, z. B. mit George Washington und Thomas Paine, oder was die jüngere Geschichte betrifft auch mit Nelson Mandela. (Marwan Barghouti, der Führer der mit der Fatah verflochtenen Al-Aqsa-Märtyrerbrigaden, der für fünf Morde für schuldig befunden wurde, hat den Mantel des “palästinensischen Mandela” geerbt.)

Es gibt keine Parallelen zwischen Arafat und Washington oder Mandela. Es gibt keine historischen Beweise, dass Washington absichtlich Zivilisten angriff, die England treu ergeben waren. Timothy Noah schrieb 2002 im Slate:

Im amerikanischen Freiheitskampf war ein Radikaler jemand, der Tee in den Bostoner Hafen auskippte. Im palästinensischen Freiheitskampf ist ein Radikaler jemand, der sich eine Bombe umschnallt und israelische Kinder in die Luft jagt.

Arafat war der Großvater des modernen Terror. Seine Anhänger perfektionierten die Praxis der Entführung von Flugzeugen. Seine Frau Suha bestätigte, dass die blutrünstige zweite Intifada von ihrem nobelpreistragenden Ehemann vorab geplant worden war. Und er fand stets Wege, sich von den durch ihn finanzierten, autorisierten oder einfach nur geduldeten Terroranschlägen nach außen hin distanziert zu geben.

Jassir Arafats Vermächtnis kann man in neun Buchstaben zusammenfassen: Terrorist.

Bild: Public-Domain-Bilder von Jassir Arafat und Emanuel Gottlieb Leutzes Gemälde “Washington überquert den Delaware” via Wikimedia Commons, vermischt durch HonestReporting

Terror erkennen — Wenn die Tatverdächtigen Juden sind

Verfasst 4. August 2015 von yvainedewinter
Kategorien: Die Welt und Nahost, Europ. Medien und Nahost, Europa und Nahost, Israel, Medienwelt, Nahost-Konflikt, Palästinenser, Weltmedien und Nahost

Pesach Benson, HonestReporting, 3. August 2015

terror-redux-fire-gun-text-newspaper-770x400

Die großen Medien beäugen Israels Maßnahmen im Kampf gegen jüdischen Extremismus und die Anstrengungen, die für den Brandbombenanschlag auf die Wohnung der Familie Dawabsha verantwortlichen Terroristen zu finden. Der 18 Monate alte Ali Dawabsha kam in den Flammen um; seine Eltern und sein vierjähriger Bruder kämpfen um ihr Leben.

Bei einem anderen Vorfall einen Tag zuvor wurde auf sechs Menschen eingestochen, die in Jerusalems LGBTI-Parade mitmarschierten. Eines der Opfer, Shira Banks, erlag gestern ihren Wunden. Dramatische Fotos zeigen den Israeli Yishai Shlissel, wie er mit dem Messer gegen eine Menschenmenge stößt, bevor er von der Polizei überwältigt wird.

Bei dem Brandanschlag gibt es noch keine Verdächtigen, aber die zeitliche Abfolge der beiden Vorfälle hat eine innerisraelische Selbstprüfung ausgelöst. Ein Teil der Debatten in Israel dreht sich um den Gebrauch des Wortes “Terror”. Wie David Graham in den Seiten des Atlantic erklärt, gibt es rechtliche und finanzielle Verästelungen, wenn ein Angriff als “Terror” bezeichnet wird.

Leider scheuten sich die Mainstreammedien, Wörter wie Terror oder Terroristen zu benutzen, wenn es um palästinensische Selbstmordattentate, Schüsse aus vorbeifahrenden Fahrzeugen, Messermorde, Brandanschläge usw. ging und Israelis die Opfer waren. Der Umgang mit dem T-Wort wurde nach dem Anschlag auf das World Trade Center von Stephen Jukes, damals der Weltnachrichten-Redakteur von Reuters, in einem internen Memo zusammengefasst.

Wir alle wissen, der Terrorist des einen ist der Freiheitskämpfer des anderen, und Reuters hält sich an das Prinzip, dass wir das Wort Terrorist nicht gebrauchen.

Daher haben Zeitungen Wörter wie “Militante” oder “Aktivisten” benutzt. Oder in seltenen Fällen, wo Terror in der Schlagzeile genannt wird, steht das Wort in Anführungszeichen — als wollten die Autoren klarstellen, dass sie bei diesem Wort die Nase rümpfen oder dem Anschlag eine gewisse Skepsis entgegenbringen.

HonestReporting hat sich jahrelang dafür eingesetzt, dass die Mainstreammedien den Terror beim Namen nennen.

Die meisten westlichen Zeitungen haben für die Dawabsha-Brandbombenattacke nicht das Wort Terror benutzt.

Einerseits ist es moralisch falsch, den Angriff auf das Heim der Dawabshas nicht als Terror zu bezeichnen. Andererseits jedoch blieb der behutsame Umgang der Journalisten mit dem Wort durchgehend konsistent. Nehmen wir zum Beispiel die folgende Schlagzeile der Washington Post, die das Wort Terror in Anführungszeichen setzt:

Israelische Führer beabsichtigen harsche neue Maßnahmen im Kampf gegen 'jüdischen Terrorismus'

Israelische Führer beabsichtigen harsche neue Maßnahmen im Kampf gegen ‘jüdischen Terrorismus’

Interessanterweise war nicht nur das T-Wort in Anführungszeichen, sondern “jüdischer Terrorismus”. Vielleicht ist die Post noch nicht bereit anzunehmen, dass die Täter Juden waren?

Ganz anders der Guardian, der endlich entdeckt hat, dass Terror auch ohne Anführungszeichen existieren kann.

Aber irgendwo muss ich den Herausgebern des Blattes auch zu ihrem Mut gratulieren.

Israel wird jüdische Terrorverdächtige ohne Gerichtsverhandlung festnehmen

Israel wird jüdische Terrorverdächtige ohne Gerichtsverhandlung festnehmen

Dieser Mut ist erwähnenswert, da er die Richtlinien des Guardian bezüglich des Wortes Terror zu verletzten scheint. Diese Richtlinien klingen ganz ähnlich wie die von Jukes:

Trotzdem müssen wir mit diesem Begriff sehr vorsichtig sein: Er ist noch immer ein subjektives Urteil — der Terrorist des einen mag der Freiheitskämpfer des anderen sein, und es gibt ehemalige “Terroristen”, die in vielen Teilen der Welt nun in Amt und Würden stehen.

Ich möchte glauben, dass ein neues Zeitalter für das Blatt angebrochen ist. Aber ich würde nicht darauf wetten.

Mir fallen keine palästinensischen Terroranschläge auf, die der Guardian je als Terror bezeichnet hätte. Ali Dawabsha war ein Opfer von Terror, aber ich würde gerne sehen, wie das Blatt erklärt, warum Israelis wie Danny Gonen keine Opfer von Terror sind — um nur ein einziges Beispiel zu nennen.

Der Guardian wird palästinensische Gewalttaten ebensowenig “Terror” nennen, wie ich die Leute, die für Ali Dawabshas Tod verantwortlich sind, “Freiheitskämpfer” nennen würde.

Bild: CC BY southtyrolean/flickr und flickr/Ryan Brunsvold mit Modifikationen von HonestReporting


Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 407 Followern an