Jeremy Bowen (BBC): palästinensische Christen von dem bedroht, „was die israelische Regierung möglicherweise tun könnte“

Verfasst 16. April 2015 von yvainedewinter
Kategorien: Europ. Medien und Nahost, Islam+Islamisten, Israel, Medieneinseitigkeit

Simon Plosker, HonestReporting, 15. April 2015

bbcbiasalert2

Kurz nach seinem überaus zahmen und nachsichtigen Interview mit Hamas-Führer Khaled Meshaal richtet der Nahost-Redakteur der BBC, Jeremy Bowen, seine Aufmerksamkeit auf die Not der Christen im Nahen Osten.

In einem Beitrag vom 14. April auf BBC Radio 4 spricht Bowen darüber, wie die Zunahme des radikalen Islam, insbesondere in Form des Islamischen Staates und ähnlicher Organisationen, zu einem christlichen Exodus aus der Region geführt hat.

Ganz am Ende seiner Analyse sagt Bowen:

Auch palästinensische Christen fühlen sich bedroht, und zwar nicht nur durch den extremen Islam, sondern auch durch das, was die israelische Regierung möglicherweise tun könnte.

Was genau könnte die israelische Regierung denn möglicherweise tun? Der Programmbeitrag endet, und man bleibt uns diese Information schuldig, aber Bowen hat einen Samen des Vorurteils gepflanzt, der gerade groß genug ist, um Israel beim uninformierten Hörer mit Christenverfolgung in Verbindung zu bringen.

Dies könnte nicht weiter von der Wahrheit entfernt sein, aber seit wann kümmert das einen Jeremy Bowen, wenn es um Israel geht?

Britische Kolumnistin: „Israel jetzt bösartiger und gefährlicher als die Hamas“

Verfasst 6. April 2015 von yvainedewinter
Kategorien: Antiisraelismus, Antisemitismus, Europ. Medien und Nahost, Europa und Nahost, Europa+Islam, Islam+Islamisten, Israel, Medieneinseitigkeit

Simon Plosker, HonestReporting, 30. März 2015

yasminalibhaibrown3

Yasmin Alibhai-Brown, eine Kolumnistin für den Independent, ist Urheberin einer langen Reihe giftiger Hetzschriften gegen Israel und gegen Juden, die Israel unterstützen. Regelmäßig beschreibt sie Israel als „rassistischen“ Staat und als „Apartheid“-Staat, behauptet aber, einige ihrer besten Freunde seien Juden.

Ihre jüngste Tirade schlägt in dieselbe Kerbe und enthält einige besonders verstörende Aussagen, die selbst für ihren ohnehin sehr niedrigen Standard bemerkenswert sind. Von diesen Aussagen sticht besonders die Folgende ins Auge:

Hamas ist eine bösartige und gefährliche Macht im Nahen Osten. Aber Israel ist jetzt bösartiger und gefährlicher.

Ein Blick auf die teuflische und antisemitische Charta der Hamas, von dem absichtlichen Anzielen israelischer Zivilisten wie im letzten Sommer durch die Hamas ganz zu schweigen, genügt als Beweis, dass die wahre Bösartigkeit in Alibhai-Browns abscheulicher Behauptung liegt, Israel sei bösartiger als eine brutale Terrororganisation.

Aber das ist nur eines der vielen Probleme mit Alibhai-Browns Schmierentext. Sie beginnt mit einem Lob für die Israelkritik des Time-Kolumnisten Joe Klein, obgleich dieser laut Alibhai-Brown „sein ganzes Leben lang ein loyaler Zionist“ war. Sie schreibt:

Es erfordert Mut, mit solcher Ehrlichkeit zu schreiben. Es brauchte einen scharfsinnigen und nachdenklichen Juden, um zu formulieren, was Millionen von Menschen weltweit empfinden. Und mittlerweile wird er die Schlingen und Pfeile zorniger Eiferer zu spüren bekommen haben.

Und weiter:

Es ist nicht leicht, ein prinzipienfester und aufmerksamer Diaspora-Jude zu sein. Man wird von Insidern des Verrats bezichtigt und Außenstehende misstrauen einem, und so kann man nicht gewinnen.

Einige tadeln noch immer den rassistischen israelischen Staat, aber mit Vorsicht. Viele schweigen, da Israelkritik den defensiven Zorn von Zionisten provoziert und unerschütterliche Antisemiten stärkt.

Ganz im Gegenteil – es erfordert alles andere als Mut, um Israels Politik zu kritisieren. Viele Juden in der Diaspora tun dies, und sie haben das Recht dazu. Wenn sie dies „vorsichtig“ tun, dann weil sie sich nicht an der Dämonisierung und Delegitimierung beteiligen, die so viele von den hasserfüllten Schimpftiraden charakterisieren, die heutzutage gegen Israel gerichtet werden. Und auch viele Israelis kritisieren ihre Regierung, was zu einer gesunden Demokratie gehört, die erst kürzlich eine intensiv ausgefochtene Wahl abgehalten hat. Natürlich kann Alibhai-Brown der Versuchung nicht widerstehen, das Adjektiv „rassistisch“ einzufügen und Zionismus als schmutzige Ideologie hinzustellen.

Alibhai-Brown schreibt weiter:

Viele von uns Moslems sind derselben Problematik ausgesetzt: Verurteilen wir islamistische Ideologien, werden defensive Moslems wütend, und der antimuslimische Hass wird gestärkt.

Es gibt jedoch keine moralische Entsprechung zwischen Juden, welche Israels Handlungen kritisieren, und Moslems, die islamistischen Terror kritisieren. Zionisten, die Israel verteidigen, sind nicht gleichzusetzen mit „defensiven Moslems“, welche die Ideologie oder Handlungen von Al-Qaida oder ISIS-Terroristen rechtfertigen.

Dann spricht Alibhai-Brown über die Opposition gegen eine einseitig antiisraelische Konferenz an der Southampton University. Wie Petra Marquardt-Bigman schreibt:

Die offizielle Ankündigung beschreibt die Konferenz als „bahnbrechendes historisches Ereignis auf dem Weg zu Gerechtigkeit und dauerhaftem Frieden im historischen Palästina“. Die Konferenz ist angeblich „einzigartig, weil sie die Legitimität des jüdischen Staates Israel im internationalen Recht betrifft“; doch wie Menschen, die sich mit Antisemitismus auskennen, wissen, gibt es beim Herausgreifen des weltweit einzigen jüdischen Staates zu seiner alleinigen Delegitimierung nichts „Einzigartiges“.

Laut Alibhai-Brown jedoch sind die vielen tausend Menschen, die ihre Opposition gegen diese Konferenz zum Ausdruck gebracht haben, „Agitatoren“ gegen die „gelehrten Erwägungen“ bei der Infragestellung von Israels Existenzrecht.

Und dann wird es Zeit für Holocaust-Missbrauch:

Jüdische Denker und Autoren in den USA, dem Vereinten Königreich und Israel stellen nun die Art und Weise in Frage, wie der Holocaust verwässert und benutzt wurde, um unmenschliche Politik und Handlungen zu rechtfertigen.

Die einzige Verwässerung des Holocaust wird von Menschen wie Alibhai-Brown erwirkt, die behaupten, es gebe eine moralische Entsprechung zwischen dem Dahinschlachten von sechs Millionen Juden und der israelischen Behandlung der Palästinenser. Danach vergöttert sie eine Auswahl antizionistischer britischer Juden, die eine sehr lautstarke Randgruppe von Israelhassern darstellen, die nur deswegen Glaubwürdigkeit einfordern, weil sie „als Juden“ sprechen.

Alibhai-Brown schließt:

Ich wünschte mir, mehr von uns Moslems würden jüdische Männer und Frauen anerkennen, die trotz untolerierbaren Drucks für Palästina kämpfen, für ein ethisches und gerechtes Israel und für die Gleichheit aller Menschen. Ich wünschte mir, mehr Moslems wären so unparteiisch und ehrenhaft wie diese jüdischen Widerständler.

In Alibhai-Browns hasserfüllter Weltsicht gibt es gute Juden und böse Juden. Die guten Juden stellen sich Israel entgegen, und die bösen Juden sind Zionisten.

The Independent – Entschuldigt die Kriegsverbrechen der Hamas

Verfasst 4. April 2015 von heplev
Kategorien: Weltmedien und Nahost

Tags: , , , ,

Simon Plosker, Honest Reporting, 26. März 2015 (Übersetzung: Cora)

In einem seltenen Anflug von Kritik an den Palästinensern veröffentlichte Amnesty International einen Bericht, in dem die Hamas beschuldigt wird während des Gaza-Konflikts 2014 Kriegsverbrechen begangen zu haben.

Wie der Independent die Reportage verpackt erweckt dagegen den Eindruck eines Mediums, das sich nicht damit klarkommen kann den Konflikt einfach wiederzugeben, wenn die Palästinenser nicht als einzige unschuldige Opfer der israelischen Bösartigkeiten dargestellt werden können.

Die Hauptgeschichte des Blattes über den Amnesty–Bericht von Ben Lynfield wird mit einem Artikel von Kim Sengupta aus Gaza verbunden, der wirklich alles tut um Zweifel an der Schlussfolgerung Amnestys zu säen, der Tod von 13 Palästinensern im Flüchtlingslager al-Shati sei auf eine fehlgeleitete Hamasrakete zurückzuführen.

Die meisten der Getöteten waren sehr jung, die letzten Opfer einer Reihe von Explosionen, von denen einige ganze Familien ausgelöscht haben. Die Hamas beschuldigt die Israelis den Angriff auf Shati durchgeführt zu haben, die Israelis behaupten, Raketen der Hamas seien dafür verantwortlich. Wir Reporter versuchen Tag für Tag die unbarmherzige Gewalt dieses Konflikts aufzuzeichnen und haben daher kaum Zeit, die Beweise zu prüfen.

Gibt der Journalist Sengupta etwa zu, dass die Medien sich einfach auf palästinensische „Augenzeugen“ verlassen und Behauptungen der Hamas nutzen ohne sich damit abzugeben sie ordentlich zu überprüfen?

Der übrige Artikel gibt den Palästinensern die absolute Freiheit die Israelis für den Angriff zu beschuldigen auch, wenn die Interviewten keinerlei Kompetenz aufweisen derartige Urteile zu fällen – abgesehen von ihren antiisraelischen Vorurteilen.

Gar nicht zu sprechen von der fehlenden Freiheit der Gazaner, die Hamas ohne mögliche Konsequenzen zu kritisieren, etwas, das in diesem Artikel nicht berücksichtigt wird und damit eine Verletzung des Mindestmaßes an Journalismus ist.

Ich habe davon gehört, dass es vielleicht die Hamas gewesen ist, aber ich glaube nicht, dass sie so große Raketen haben. Ich denke, es waren die Israelis.

Die Trümmer der Überreste wurden am selben Tag erstaunlich schnell entfernt und einige Fotografen beschwerten sich, dass sie daran gehindert wurden Bilder zu machen. „Das beweist gar nichts.“ erklärt Yasser Abu-Shaqfa, 46, der Cousin von Mohammed. „Die Israelis bombardieren jeden Tag, jedes Alter wird ermordet. Warum soll es an diesem Platz anders sein? Wir möchten Beweise sehen, bevor wir entscheiden, ob die Hamas involviert war.

Die Berichterstattung des Independent beinhaltet auch einen redaktionellen Beitrag, der feststellt:

Es ist unangebracht von einer Gleichheit zwischen israelischen und palästinensischen Aggressionen in Gaza zu sprechen.

Beinahe 1500 palästinensische Zivilisten starben nach Angaben der UN beim israelischen Angriff im letzten Jahr und von den meisten Städten blieben nur Trümmer, wie der Independent in der letzten Woche berichtet hat. Die Zerstörung, die über diese palästinensische Enklave kam, übertrifft die der Raketen, welche von den Palästinensern über die Grenze geschossen wurden, bei weitem.“

Natürlich gibt es keine moralische Gleichheit zwischen Israel und der Hamas. Der Independent versucht allerdings anzudeuten, dass Israel derzeit schlimmer als die Hamas ist, weil sie in Gaza eine größere Zerstörung angerichtet hat.

Während der Independent dann doch feststellt dass es „Schuld auf beiden Seiten gibt“, kann er sich nicht dazu durchringen über die Kriegsverbrechen der Hamas zu berichten, selbst wenn das eigentlich das zentrale Thema der Ursprungsgeschichte der Zeitung gewesen ist. Stattdessen zieht er es vor eine weichere Aussage aus dem Amnesty-Bericht zu zitieren:

Es sollte nicht vergessen werden, dass die Schuld auf beiden Seiten liegt. Die rücksichtslose Nutzung ferngesteuerter Raketen durch die Hamas „zeigt eine flagrante Missachtung der internationalen Menschenrechte“, schließt ein Bericht von Amnesty International.

Insgesamt zeigt die Berichterstattung des Independent über den Bericht von Amnesty International eine verstörenden Gesinnung, die nur versucht Zweifel am Wahrheitsgehalt von ernsten Anschuldigungen gegen die Hamas zu säen. Dieses Benehmen gehört aber eher zu einer Interessenvertretung denn zu einem Presseorgan.

Würde der Independent den gleichen Skeptizismus zeigen, wenn es um einen Bericht einer Nichtregierungs-Organisation geht, der Israel der „Kriegsverbrechen“ anklagt? Nach der Berichterstattung über den letzten Amnesty Bericht, der feststellt, dass „Kriegsverbrechen“ von den Israelis begangen worden sein könnten, kennen wir die Antwort.

Sie können Ihre durchdachten Kommentare an den Independent schicken – letters@independent.co.uk – aber vergessen Sie bitte nicht, Ihre Postadresse und Ihre Telefonnummer anzugeben. Nur so gibt es eine Chance auf Veröffentlichung auf der Leserbriefseite.

AP stellt Israels Demokratie infrage

Verfasst 30. März 2015 von heplev
Kategorien: Antiisraelismus, Medienwelt, Weltmedien und Nahost

Tags:

Simon Plosker, HonestReporting, 24. März 2015

Die israelischen Wähler haben gesprochen, aber Dan Perry von Associated Press kann immer noch nicht mit dem Ergebnis klar kommen. Er scheint aufgebracht zu sein, dass Palästinenser nur ienmal in ihren eigenen Wahlen abstimmen und nicht auch in israelischen. Seine Analyse ist aggressiv überschrieben mit „Ist Israel demokratisch? Nicht ganz klar“ und erklärt:

Doch unter den Israelis selbst gibt es zunehmende Angst wegen der Tatsache, dass ihr Land mit 8 Millionen Menschen auch rund 2,5 Millionen Westbank-Palästinenser kontrolliert, die kein Stimmrecht in ihrem Parlament haben.

Wenn die 2 Millionen Palästinenser des Gazastreifens – einem indirekt von Israel kontrollierten Gebiet – in die Gleichung eingebracht würden, dann würde das Heilige Land zusammen mit den 2 Millionen Arabern in „Kern-Israel“ Heimat für eine Bevölkerung von rund 12 Millionen Menschen werden, die sich zu gleichen Teilen in Araber und Juden aufteilen.

Von den Arabern hat nur ein Drittel Stimmrecht. Da sind die „israelischen Araber“, die in den Gegenden leben, die im Krieg von 1948/49 zu Israel wurden, mit dem die Grenzen des Landes festgelegt wurden.

Perry hat Recht – sowohl der Gazastreifen als auch die Westbank haben kein Stimmrecht für das israelische Parlament. Palästinenser in diesen beiden Gebieten sind keine israelischen Staatsbürger und sollten daher nicht das Recht haben in israelischen Wahlen zu stimmen. Fakt ist, dass sie das Recht haben für ihr eigenes Parlament und ihren eigenen Präsidenten zu stimmen.

Doch Perry erwähnt das nirgendwo in seinem Artikel. Er erwähnt auch nicht, dass der palästinensische Präsident Mahmud Abbas sich aktuell im elften Jahr einer vierjährigen Amtszeit befindet. Er erwähnt ebenfalls nicht, dass palästinensische Legislativwahlen zuletzt 2006 stattfanden und für 2010 geplante Wahlen noch stattfinden müssen. In der Tat fordern Palästinenser ihre eigenen demokratischen Wahlen.

Also Dan Perry: Ist es wirklich Israel, das den Palästinensern das Stimmrecht in Wahlen verweigert? Ist es wirklich Israel, dessen demokratische Legitimation in Frage gestellt werden sollte? Oder ist die AP auf dem Weg zum Eintreten für eine Einstaaten-Lösung, in der Palästinensern die Mittel gegeben werden Israel einfach durch Abstimmung abzuschaffen?

Keine palästinensischen Wahlen? Delegitimieren wir die israelische Demokratie!

Verfasst 27. März 2015 von yvainedewinter
Kategorien: Antiisraelismus, Antisemitismus, Araber, Die Welt und Nahost, Europ. Medien und Nahost, Israel, Medieneinseitigkeit, Nahost-Konflikt, NGOs, Palästinenser, Weltmedien und Nahost

Simon Plosker, HonestReporting, 19. März 2015

israelelections770x440

Ein besonders übler Kommentar der britischen Palästinenserin Yara Hawari trifft im Independent die folgende Behauptung über die Wahlen in Israel:

Tatsächlich haben fast 4,5 Millionen Palästinenser in Gaza und Westjordanland kein Mitspracherecht darin, welche israelische Partei jeden Aspekt ihres Lebens bestimmen wird.

Aber warum sollten sie bei einer israelischen Wahl stimmen dürfen? Das wäre nur möglich, wenn es eine Einstaatenlösung gäbe, und dann würden die erwähnten 4,5 Millionen Palästinenser Israel einfach als jüdischen Staat in die Nichtexistenz wählen.

Und was ist mit Israels arabischen Bürgern, die zur Wahl gekommen sind?

Obwohl sie die Staatsbürgerschaft besitzen, ist diese nominell, und eine ganze Batterie aus israelischen Gesetzen wurde geschaffen, um sie zu diskriminieren. Ihre Situation ist diejenige eines intern kolonisierten Volkes, und die Art von Besatzung, der sie ausgesetzt sind, ist zwar subtil, aber sehr real.

Hawari verlinkt die radikale Adalah-Organisation, die eine Datenbank von „50 diskriminierenden Gesetzen“ unterhält. NGO Monitor sagt: „Entgegen Adalahs fortgesetzten Versuchen, Israel als antidemokratisch und rassistisch hinzustellen, einschließlich häufiger Veranstaltungen bei den Vereinten Nationen und anderen internationalen Plattformen, haben viele der angeführten Gesetze nichts mit israelischen Arabern zu tun und können auch nicht als ‘diskriminierend’ beschrieben werden.“

Vielleicht sollte Hawari ihre Aufmerksamkeit der wahren Problematik widmen, der die Palästinenser in Gaza und Westjordanland gegenüberstehen. Evelyn Gordon erklärt im Commentary-Magazin:

Ein erfahrener palästinensischer Journalist aus Ramallah fasste die vorherrschende Meinung prägnant zusammen. „Wir sagen all diese schlimmen Sachen über Israel, aber die Leute dort haben wenigstens das Recht zu wählen, und sie haben eine Demokratie“, sagte er dem Jerusalem-Post-Reporter Khaled Abu Toameh vor der Wahl. „Wir beneiden die Israelis. Unsere Führer wollen keine Wahlen. Sie wollen für immer im Amt bleiben.“

Ghanem Nuseibeh, ein Palästinenser aus Ostjerusalem, der heute in Großbritannien lebt, veröffentlichte am Wahltag eine Reihe erhellender Tweets, u. a.: „Über eine Million Araber nehmen heute an den demokratischsten Wahlen im Nahen Osten teil“; „Die Araber in Israel sind die einzige Gruppe von Arabern im Nahen Osten, die echte Demokratie praktiziert“; und „Israel ist sicher wegen dem, was es heute tut, und nicht weil es Bibi oder Buji wählen wird“. Er unterstützte Isaac Herzog („Buji“) und lehnte Benjamin Netanyahu ab, aber nachdem sein Kandidat verloren hatte, tweetete er trotzdem: „Israel ist die weltweit lebendigste Demokratie“… „Hätte ein arabisches Land dasselbe breite Spektrum politischer Parteien wie Israel, gäbe es dort Bürgerkriege von nie zuvor dagewesenem Ausmaß.“

Nur für den Fall, dass Hawari nicht deutlich genug herausgestrichen hat, wie sehr sie Israel hasst, deutet sie an, Israel habe kein Existenzrecht, da ein „kolonialer Staat“, wo nur Nichtjuden Eingeborene sein können, keine Legitimität besitzt:

Ein Staat, der mittels einer jahrzehntealten illegalen Besatzung Kontrolle über ein Volk ausübt, ist keine Demokratie. Ebenso ist auch ein Staat, der sich nur für Juden offen erklärt und der die Rechte der eingeborenen nichtjüdischen Völker ignoriert, keine Demokratie.

Israel gehört nicht allen seinen Bürgern und denjenigen in seiner Kontrolle. Es ist ein ethnokratischer, kolonialer Siedlerstaat, der das internationale Gesetz täglich missachtet, indem er die Palästinenser in unterschiedlichem Besatzungsausmaß unterdrückt.

Dieser Meinungskommentar wurde vor der Wahl veröffentlicht, was beweist, dass sich der Independent durch die Veröffentlichung weniger um den Wahlausgang kümmert (den er eindeutig nicht mag), sondern mehr an einer Attacke auf die einzige echte Demokratie im Nahen Osten interessiert ist, ganz egal wie sehr Yara Hawari das Gegenteil behauptet.

Das jämmerliche Geheul über eine Werbebeilage mit israelischen Speisen

Verfasst 20. März 2015 von yvainedewinter
Kategorien: Antiisraelismus, Antisemitismus, BDS, Europ. Medien und Nahost, Israel

Alex Margolin, HonestReporting, 19. März 2015

taste

Für diejenigen, die Israel zu delegitimieren versuchen, lauern Verschwörungen an jeder Ecke. Völlig gleich was Israel tut, der wahre Zweck dahinter ist für diese Leute immer die Ablenkung der Menschen von Israels wahrem Ziel der Unterdrückung der Palästinenser.

Jüngstes Beispiel ist das Theater rund um eine Werbebeilage im Monatsmagazin der britischen Lebensmittel-Handelskette Waitrose.

Eine Ausgabe des Magazins enthielt jüngst eine 32seitige Hochglanzbeilage. Der Independent schreibt:

Taste of Israel, geschrieben vom Fremdenverkehrsbüro des betreffenden Staates, erschien in der Februarausgabe des monatlichen Waitrose Kitchen Magazine. Die Publikation bietet Informationen über die Geschichte der Speisen in Israel, übliche Zutaten und Gerichte, einen Beitrag über Marktbesuche sowie Rezepte für Speisen wie Shakshuka, Falafel und Hummus.

Rezepte? Übliche Zutaten? Geschichte der Speisen? Nun, das will Israel euch glauben machen! Die Palestine Solidarity Campaign kennt den wahren Hintergrund:

Die Broschüre ist ein Paradebeispiel für israelische Regierungspropaganda. Sie ist Zeugnis ihrer Bemühungen, die ausländische Öffentlichkeit von ihrer brutalen militärischen Besetzung palästinensischen Landes abzulenken, indem es das Bild eines Apartheidregimes mit dem eines touristenfreundlichen, kulturliebenden Landes ersetzt.

Angesichts des gegenwärtigen antiisraelischen Klimas im Vereinigten Königreich überrascht es kaum, dass die antiisraelische Version der Ereignisse bei einem Teil der Waitrose-Kunden einen empfindlichen Nerv getroffen hat, und sie haben geschworen, Waitrose zu boykottieren, da die Werbebeilage nicht auf die Nöte der Palästinenser eingeht.

William Sitwell, Herausgeber des Waitrose Kitchen Magazine, bestreitet, dass er eine Agenda bei der Veröffentlichung der Beilage gehabt habe: „Waitrose Kitchen ist nicht politisch – wir drucken Anzeigen von einer großen Bandbreite unterschiedlicher Geschäfte und Organisationen“, sagte er.

Aber vielleicht protestiert die Palestinian Solidarity Campaign zuviel. Vielleicht ist die Gruppe in Wirklichkeit nur eine Front, um harmlose israelische Werbeanzeigen zu attackieren, um die Menschen von der Unterdrückung des palästinensischen Volkes durch die Hamas abzulenken.

Gebrochene Herzen in Gaza: Eine Lektion in nicht-investigativem Journalismus

Verfasst 13. März 2015 von heplev
Kategorien: Medieneinseitigkeit, Weltmedien und Nahost

Tags:

Brenda Yablon (kanadis­che Autorin, Jour­nal­istin und Filmkri­tik­erin mit Ausze­ich­nun­gen), 11.3.2015, honestreporting.com (übersetzt von Daniel)

Nicholas Kristof ist ein Jour­nal­ist der New York Times, der eine sehr wichtige Nis­che aus­füllt: Er schreibt über Men­schen­rechtsmiss­bräuche und soziale Ungerechtigkeiten. Er hat zwei Pulitzer­preise gewon­nen, einen für seine jour­nal­is­tis­chen Beiträge zum Tianan­men­platz, und den anderen für Dar­fur. Er gibt jenen eine  Stimme, die nicht für sich sel­ber sprechen kön­nen. Zusam­men mit seiner Frau, Sheryl Wudunn, hat er ein Buch geschrieben mit dem Titel: “Half the Sky: Turn­ing Oppres­sion into Oppor­tu­nity for Women World­wide.” Dabei han­delt es sich um eine einge­hende Unter­suchung der weltweiten Unter­drück­ung der Frauen.

Als also Mr. Kristof sowohl ein Video, als auch einen Artikel für die New York Times pro­duzierte, die am 8. März 2015 erschienen, mit dem Titel “Gebroch­ene Herzen in Gaza”, so inter­essierte mich dieser Bericht sehr.

Er stellt das Stück mit den Worten vor, dass “mein Job als Jour­nal­ist mich nach Gaza gebracht hat, um zu sehen, wie der let­ztjährige Krieg mit Israel die nor­malen Men­schen bee­in­flusst.” Ich erwartete, dass, nebst der grossen Zer­störung, keine Ver­suche des Wieder­auf­baus und dem all­ge­meinen all­ge­gen­wär­ti­gen Elend glück­loser Men­schen es auch ein Porträt der Hamas gäbe, wie sie Gaza regiert und wie die Gazaner von ihrer eige­nen Regierungspoli­tik betrof­fen sind.

Das Video beginnt damit, wie Kristof eine junge Mut­ter und ihren kleinen Sohn inter­viewt. Obwohl sie im Gaza­s­treifen leben, lebt der Ehe­mann und Vater des Jun­gen in der West­bank, und hat nie seinen Sohn gesehen.

Wie ist diese unglück­liche Sit­u­a­tion ent­standen? Das Paar war offen­sichtlich irgend­wann zusam­men, lange genug, um zu heiraten und ein Kind zu zeu­gen. Doch die Frage wird nicht ein­mal angedeutet. Stattdessen fragt Kristof die Mut­ter: “Wie ist es, ein Kind, das seinen Vater nie gese­hen hat, aufzuziehen?” Er bekommt den jun­gen Vater ans Handy und wir sehen und hören, wie er seine Trauer über die Sit­u­a­tion zum Aus­druck bringt.

Die einzige Erk­lärung, die Kristof bietet, ist “Israel ver­bi­etet den meis­ten Gazan­ern, Gaza zu ver­lassen.” Warum kann der Vater nicht wieder nach Gaza? Wurde er von der Hamas deportiert? Von Israel? Ein kri­tis­ches Detail der Geschichte wurde aus­ge­lassen und es wird der Ein­druck erzeugt, dass Israel allein für die Unzufrieden­heit der jun­gen Fam­i­lie voll­ständig ver­ant­wortlich ist.

Dann besucht er eine Keks– und Schoko­laden­fab­rik, die ein blühen­des Unternehmen in Gaza war, vor dem Krieg mit Israel, mit Hun­derten von Angestell­ten. Aber während des Krieges bom­bardierte es Israel. Jetzt funk­tion­iert die Fab­rik kaum noch. Maschi­nen ste­hen still, Ersatzteile kön­nen nicht bestellt wer­den, 150 Men­schen wur­den ent­lassen. Der Besitzer ist deut­lich in bit­terer Verzwei­flung, und das ist auch verständlich.

Doch WARUM hat Israel diese Fab­rik bom­bardiert? War es ein Fehler? Wurde sie von Hamas “Kämpfern” benutzt als Star­trampe für Raketen gegen Israel, wie sie das mit Kranken­häusern, Schulen, UN-Gebäuden und Pri­vathäusern getan haben? Das ist eine kri­tis­che Frage. Kristof behan­delt sie in einem Satz: “Ich weiss nicht, warum diese Fab­rik bom­bardiert wurde.” Was ist mit dem inves­tiga­tiven Jour­nal­is­mus passiert? Die Nicht-Beantwortung der Frage sagt dem Betra­chter, dass sie nicht wichtig ist. Wichtig ist nur, dass Israel die Bom­bardierung durchführte.

Er spricht mit einer Frau, deren Haus beschädigt und deren Mann ver­letzt wurde. “Willst du, dass israelis­che Müt­ter diesel­ben Schmerzen erlei­den, die Sie erlit­ten haben?” fragt er sie, in einem schö­nen Beispiel einer Sug­ges­tivfrage. Sie antwortet, dass israelis­che Müt­ter nicht kämpfen und auch Angst um ihre Kinder haben. Er fragt behar­rlich Leute, bis er zwei 14-jährige Jun­gen findet, von denen einer bereit wäre, sein Leben für den “Wider­stand” hinzugeben.

Nicholas Kristof

Kristof ist bereit, anzuerken­nen, dass “Israel legit­ime Sicher­heitsin­ter­essen hat. Tunnel-Einbrüche sind real. Hamas-Raketen wur­den von zivilen Orten abge­feuert… ” Tunnel-Einbrüche? Ein Ein­bruch ist eine geringe Störung. Ist das die Art, wie Kristof die Exis­tenz und den Zweck der Tun­nels inter­pretiert? Wie wäre es damit, zu töten oder so viele Israelis wie möglich als Geiseln zu nehmen? Oder um sich Mate­ri­alien anzueignen, die dazu hät­ten ver­wen­det wer­den kön­nen, ein besseres Leben für die Men­schen in Gaza zu bauen? Und, ja, Hamas hat Raketen von zivilen Orten aus abge­feuert — mehr als 5’000 im Jahr 2014, und mehr als 11’000 seit Israel sich 2005 aus dem Gaza­s­treifen zurück­ge­zo­gen hat.

Kristof fasst seine “Erken­nt­nisse” so zusam­men: “Israel und Hamas haben beide ver­sagt, haben Kriegsrunde um Kriegsrunde geführt.” Israel und Hamas sind also gle­icher­massen für die abgrundtiefe Lage im Gaza­s­treifen ver­ant­wortlich zu machen. Obwohl er für seine lei­den­schaftlich Unter­stützung der Men­schen­rechte bekannt ist, erwähnt er nicht ein einziges Mal die bekan­nten Hin­rich­tun­gen der Hamas von jed­er­mann, von dem sie mut­mawssen, dass er sie nicht unter­stützt, und sicher­lich ohne ordentliches Gerichtsver­fahren; ihrer bru­talen Ent­führung und Ermor­dung israelis­cher Zivilis­ten; ihren erfol­gre­ichen Ver­such, Gaza zu islamisieren, mit allen inhärenten Ein­schränkun­gen, ins­beson­dere für Frauen. Er schlägt vor, dass der Weg, um den Teufel­skreis zu durch­brechen, darin besteht, dass Israel das Embargo aufhebt. Das ist es. So einfach.

Im Druck­erzeug­nis, das das Video “Winde des Krieges” begleitet, macht Kristof ein Zugeständ­nis. “Zwar ist die Hamas’sche Mis­s­wirtschaft von zen­traler Bedeu­tung für das Prob­lem, aber wir haben keinen Ein­fluss auf die Hamas; wir haben dage­gen Ein­fluss auf Israel. ”

Kristof mag ein bril­lanter Jour­nal­ist sein mit Herz und Gewis­sen, doch nichts davon war in seine Berichter­stat­tung aus dem Gaza­s­treifen ersichtlich. Seine Berichter­stat­tung war sehr im Ein­klang mit dem grössten Teil des Jour­nal­is­mus, der während der Oper­a­tion Schutzrand her­auskam, und noch mehr: es ist nach­läs­sig, bequem, gekennze­ich­net durch Aus­las­sun­gen, Man­gel an his­torischem Wis­sen und kon­fusem Denken. Durch den Feis­pruch der Hamas von jeglicher Ver­ant­wor­tung, hilft dieser fehlgeleit­ete Jour­nal­is­mus auf keine Weise, um  das Leid der Palästi­nenser im Gaza­s­treifen zu ver­min­dern. Das einzige, was er tut, ist, die Hamas zu stärken.


Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 401 Followern an