Archive for the ‘UNO’ category

Die New York Times redet den UN-Menschenrechtsrat schön

3. Juli 2015

Yarden Frankl, HonestReporting, 28. Juni 2015

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Eine der Kritiken gegen den kürzlichen UNHRC-Bericht über den Gaza-Konflikt letzten Sommer ist, dass der UNHRC eine bewiesenermaßen voreingenommene und einseitige Bilanz gegen Israel aufweist. Die New York Times sagt:

Premierminister Benjamin Netanyahu nannte das Schriftstück “mängelbehaftet und einseitig” und sagte, der Menschenrechtsrat habe eine “einzigartige Besessenheit mit Israel”.

Aber dann fügt die Times folgende Anmerkung hinzu, um die Aussage des Premierministers zu unterminieren:

(In Wirklichkeit stehen dort auch Eritrea, Sri Lanka, Syrien und andere Länder auf der Agenda.)

Und das ist alles, was die New York Times ihren Lesern über Israel und den UNHRC verrät.

Hier ein Aspekt, den die New York Times als nicht wichtig erachtete, um ihn ihren Lesern gegenüber zu erwähnen (von UN Watch):

Genf, 25. Juni 2015 — In den neun Jahren seiner Existenz hat der UN-Menschenrechtsrat Israel öfter verurteilt als den gesamten Rest der Welt zusammengenommen…

Die Resolution in Folge des jüngsten Gaza-Berichts… wird ausschließlich Israel verurteilen und die 62. Resolution gegen Israel darstellen, seit der neue und verbesserte Rat im Jahr 2006 ins Leben gerufen wurde – und die Anzahl aller anderen verurteilenden UNHRC-Resolutionen für den Rest der Welt beträgt 55…

Und was ist mit den Ländern, die von der Times erwähnt wurden, um die “Ausgeglichenheit” der UN nachzuweisen?

Hier die Zahl der UNHRC-Verurteilungen gegen jene Länder:

Eritrea: 3
Sri Lanka: 3
Syrien: 15
Israel: 61

Die New York Times könnte sagen, dass sie sich nur auf die Länder bezogen hätte, die auf der UNHRC-Agenda diskutiert werden. In diesem Fall hätte sie vielleicht sagen sollen, dass Israel das einzige Land der Welt ist, das einen permanenten Punkt auf der Agenda darstellt. Jede UNHRC-Sitzung diskutiert über Israel. Jede. Kein anderes Land der Welt hat diese “Ehre”. Weder Eritrea noch Sri Lanka noch Syrien erfahren eine solche Behandlung.

Wie sieht es bei den “Dringlichkeitssitzungen” des UNHRC über spezifische Länder aus? Diese Information wäre für die Times-Leser bedeutsamer gewesen als dieser kurze Kommentar:

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Mehr als 200.000 Menschen wurden in Syrien getötet, aber der UNHRC hielt nur 4 Dringlichkeitssitzungen über Syrien ab, verglichen mit den 7 Sitzungen über Israel. Diese Fakten beweisen, dass der israelische Premierminister recht hat, wenn er sagt, der UNHRC sei von Israel “besessen”.

Die vernichtende Kritik eines Forbes-Journalisten an AP

22. Februar 2015

HonestReporting, 16. Februar 2015 (übersetzt von Cora)


Das Folgende wurde mit Erlaubnis von Richard Behars Facebookseite entnommen. Er ist teilhabender Herausgeber und Rechercheur für das Forbes Magazin und arbeitet derzeit an einem Buch über Bernie Madoff.

Die israelfeindliche Presse mal wieder: Beachten Sie den vor kurzem erschienenen Artikel, der behauptet, dass bei der Bombardierung der Häuser im Gazastreifen durch die IDF während des Krieges gegen die Hamas im letzten Sommer hauptsächlich Zivilisten getötet worden seien. Der Artikel – überschrieben „AP Exklusiv: Die Bombardierung der Häuser tötet vor allem Zivilisten“ – wurde von Karin Laub, Fares Akram und Mohammed Daraghmeh geschrieben.

Man lese ihn und bedenke dann folgendes:

1. Angesichts dessen, was ich über APs Bericht über zivile Opfer WÄHRND des Krieges – in meinem „Medien Intifada Enthüllungen auf Forbes.com – herausgefunden habe, habe ich kein Vertrauen in ihre jetzigen Untersuchungen der 247 Luftangriffe. Ich glaube ihnen schlicht nicht und Sie sollten es auch nicht. Sie verletzten ihre Verantwortlichkeit gegenüber den Lesern während des Krieges und haben niemals gestanden, dass hier Journalismus schlampig und unanständig (wenn nicht schlimmer) gewesen ist. In dem vorangegangenen Artikel plapperten AP und alle anderen großen Pressekanäle (einschließlich die New York Times und Reuters) einfach die Behauptungen der Hamas nach, die meisten Kriegstoten seien Zivilisten gewesen. Manchmal schrieben sie es der UNO zu, die ihre Zahlen von der Hamas erhielt. Warum das eine Rolle spielt? Weil jedes Mal, wenn die Pressekanäle berichteten, dass eine „Mehrheit“ oder „eine überwiegende Mehrheit“ oder „ die überwältigende Mehrheit“ der Opfer Zivilisten gewesen seien, dies um den Globus schoss wie eine Rakete – und antiisraelische oder gar antisemitische Gefühle befeuerte (und damit Gewalt gegen Juden in Europa und sonst wo).

Welche Methode wendet also AP nun für ihre derzeitige „Untersuchung“ der 274 Luftangriffe auf Häuser an? Das werden wir nie erfahren, denn die Nachrichtenagentur erzählt uns das nicht. Auf welche Probleme sind sie gestoßen, die ihre Untersuchungen verdreht oder beeinflusst haben könnten? Wir werden es niemals erfahren, denn AP erzählt uns nichts darüber.

2. Vergangenen Monat veröffentlichte das hoch angesehene Meir Amit Intelligence and Information Center seinen jüngsten Bericht über die zivilen Opfer. Seine Experten nahmen sich die Zeit die Listen der Toten einen nach dem anderen durchzugehen und ihr Abschlussbericht wird erst in ein paar Monaten, wenn nicht sogar erst in ein paar Jahren erhältlich sein. Tatsächlich berichtete ich, nach der Operation Gegossenes Blei (2008/09) „vergingen fast zwei Jahre, bis einem palästinensischen Minister unbeabsichtigt entschlüpfte, dass die IDF Zahlen richtig gewesen sind“, übereinstimmend mit Eado Hecht, einem unabhängigen Verteidigungsanalysten, der militärische Theorie und Geschichte am IDF Offiziers- und Kommandocollege unterrichtet. (Heute arbeitet Hecht im Begin-Sadat Zentrum, einem der führenden israelischen Think-Tanks).

Im Report des Meir Amit Centers vom Januar wird jedenfalls festgestellt, dass 1600 von den getöteten 2140 Einwohnern Gazas wie folgt identifiziert wurden: 55% waren Kämpfer, 45% Nicht-Kämpfer. Bei 540 Menschen sind sie sich nicht sicher, in welche Kategorie diese fallen. Außerdem sagt das Center, dass die Hamas die aktuellen Listen und Zugehörigkeiten verschleiert, teilweise wegen objektiver technischer Schwierigkeiten (schlechte Verwaltungsarbeit und fehlender Zugriff auf einige der Toten), teilweise aber auch absichtlich als Teil ihrer Propagandakampagne gegen Israel.

Der Artikel der AP ist vor allem auf „ eine spezielle Untergruppe“ fokussiert, „ – jene, die in den Häusern umkamen, die von den Israelis `angeblich´ gezielt angegriffen wurden“, erzählte mir der Verteidigungsanalyst Hecht heute. „Ich schreibe `angeblich´ gezielt von den Israelis angegriffen, da (um die) 2600 palästinensische Raketen und Mörser absichtlich (die meisten) oder aus Versehen in palästinensische Wohngebiete gefeuert wurden. Der bewusste Beschuss richtete sich gegen israelische Soldaten in jenem Gebiet – allerdings ohne Warnung an die lokalen Zivilisten, sich von dort zu entfernen. Wie viele der 247 getroffenen Häuser wurden also eindeutig von Israel getroffen und wie viele von palästinensischem Feuer?“

Richard Behar

3. Ihr werdet nichts von dem, was ich in Punkt 2 geschrieben habe, in der AP Geschichte lesen. Vielleicht dachten ihre Reporter und Herausgeber, es würde das Salz aus der Suppe nehmen. Sie zitieren Meir Amit diesmal – aber nur die Feststellung des Centers, dass sie keine Beweise für weibliche Kämpfer hätten, ebenso die Frage des Centers nach der Glaubwürdigkeit der Zeugen aus Gaza (mit nur einigen Worten). AP glaubt dann den „vorläufigen“ Zahlen der UNO, die ausrechnete, dass mindestens 66% der toten Zivilisten gewesen seien. Wirklich? Und woher bekommt die UNO ihre Zahlen? Wir kennen die Antwort. Warum tut AP seinen Lesern nicht den Gefallen und schreibt wenigstens die 45% vom Meir Amit Center dazu, die der UNO/Hamas widersprechen?

Es gibt einige Journalisten in meinem Bereich, die glauben, dass es keine gute Idee ist, wenn Reporter wie ich unseresgleichen derart entlarven. Es ist die „Glashaus“-Angst und es fördert ganz sicher nicht die Karriere. Aber ich möchte sie an den Ethikcode der Gesellschaft professioneller Journalisten erinnern, der festschreibt: „Journalisten sind ihren Lesern, Hörern, Zuschauern UND JEDEM ANDEREN (Hervorhebungen durch mich) gegenüber verantwortlich.“ Der Kodex sagt außerdem, dass die Journalisten „unethische Praktiken von Journalisten und Nachrichtenmedien aufdecken sollen“ Zudem sollen Journalisten „die Richtigkeit ihrer Informationen mit Hilfe aller Quellen prüfen.“

4. Es ist wert festzustellen, dass einer der Mitautoren der heutigen AP Geschichte Fares Akram ist. In meinem Artikel im letzten Sommer stellte ich Fares Akram heraus – damals der in Gaza stationierte Top-Journalist der New York Times – weil er auf Facebook ein Foto von Yasser Arafat als Profilfoto benutzt hatte. Ich merkte ebenfalls an, dass er sich in der Überschrift zu einem zweiten Foto höchst poetisch über Arafat ausließ, im Kontext über „die Höhepunkte eines großen Mannes“. Dazu kommt noch, dass er schrieb, als sein Vater und sein Cousin bei einem israelischen Luftangriff 2009 tragischerweise umkamen: „Ich finde es schwer, einen Unterschied zwischen denen zu finden, die die Israelis Terroristen nennen und jenen israelischen Piloten und Panzerbesatzungen, die in Gaza einfallen.“ Sollte das nicht die Frage aufwerfen, ob es nicht besser wäre, wenn er stattdessen über andere Konflikte berichten würde? Gehe ich von meinen eigenen starken (und offenen) Gefühlen und meinen Untersuchungen zu Israel aus, könnte ich niemals für AP über einen Krieg in Gaza berichten. Oder doch – wenn Akram es kann?

Akram, ein palästinensischer Einwohner Gazas hat außerdem während des Krieges im Sommer mehr als ein Dutzend Kriegsberichte bei Al Jazira (das dem die Hamas unterstützenden Katar gehört) veröffentlicht – parallel zu den Times-Artikeln. Im Herbst verließ Akram die Times und AP holte ihn direkt zu sich.

5. Eine weitere Sache, die ich in meinem Artikel im letzten Sommer beschrieb (welcher, darüber bin ich höchst erfreut, von 114.000 Menschen für Wert befunden wurde, gelesen zu werden – diese Unterstützung ist auch eine Art Medienkritik): Eine bahnbrechende Studie, die von meinen Kollegen ignoriert wurde, kam im Juni 2014 heraus, einen Monat bevor der Israel-Hamas Krieg losging. Eine prominente Gruppe amerikanischer Gesundheitsexperten fand heraus, dass Zivilisten 85% bis 90% aller Opfer der 248 bewaffneten Konflikte in der Welt seit dem 2. Weltkrieg ausmachen. Auch wenn jedes zivile Opfer in Gaza eine Tragödie ist, hat die IDF, bedenkt man die Komplexität und die zivilen Schutzschilde in Gaza, etwas vollbracht, was ein Modell für die zukünftigen Kriege sein wird. Sollte AP nicht derlei Statistiken beachten, wenn sie Artikel wie den letzten schreiben? Betrachtet man den Anstieg des Antisemitismus auf der ganzen Welt nur allein seit dem Krieg im Sommer, könnten solche Statistiken einen historischen Zusammenhang darstellen und das könnte den Hass auf Juden verringern – oder zumindest verhindern, dass er sich nicht weiter verbreitet.

6. Ich möchte heute meine Botschaft mit dem Verteidigungsexperten Hecht schließen: „UNO-Zahlen sind nicht wirklich UNO-Zahlen,“ sagte er, wie ich schon im August berichtete, „es sind von der Hamas kontrollierte Zahlen, die der UNO übergeben wurden.“

Außerdem weiß niemand, wie viele Häuser genau von den Israelis angegriffen wurden, aber UNO-Studien (diesmal wirklich UNO-Studien, denn es wurden Satellitenbilder verwendet) sagen aus, dass tausende von Gebäuden zerstört wurden (eine Zahl spricht von 20.000 zerstörten oder schwer beschädigten Gebäuden). Die Prozentzahl von getöteten Zivilisten in 247 Häusern zeigt einzig, dass jemand bestimmte Häuser zur Zählung auswählte, während er andere Häuser ausließ, die nicht seiner Neigung entsprachen, die er dem Ganzen geben wollte. Besonders seit die gesamte Anzahl an Kindern, Frauen und älteren Männern von den Palästinensern selber mit 943 angegeben wurde. Mit anderen Worten; in etwas mehr als 1% von etwa 20.000 zerstörten oder schwer beschädigten Gebäuden waren 508 der gesamt 943 (also unter 54%) der von den Palästinenser behaupteten Kinder, Frauen und ältere Männer betroffen.

„Selbst wenn jeder der übrigen getöteten 435 Kinder, Frauen und älteren Männer einzeln in einem anderen Haus getötet wurde,“ fährt Hecht fort, „bedeutet das, dass höchstens 682 Häuser mit Kindern, Frauen und älteren Männern darin von den Israelis getroffen wurden – das sind 3,5% der Häuser, die getroffen wurden. Selbst wenn wir von einer sehr viel niedrigeren Anzahl von zerstörten oder schwer beschädigten Häusern ausgehen, die von anderen Quellen genannt werden – etwa 10.000 zerstörte und schwer beschädigte Häuser – würde das die Prozentzahl von zerstörten Gebäuden mit Zivilisten darin auf etwa 7% erhöhen. Natürlich verteilen sich die zivilen Opfer nicht auf eines pro Haus, dem entsprechen ist die Prozentzahl wesentlich niedriger. Es scheint mir – auch wenn ich, der Debatte zuliebe, annehmen würde, dass all diese Zahlen stimmen und alle Zerstörungen von den Israelis verursacht wurden – dass die Israelis außerordentlich umsichtig bei ihren Angriffen waren und große Anstrengungen unternahmen, um zivile Opfer zu vermeiden.

„Kurz gefasst,“ schließt Hecht, „machen Leute, die mit den Zahlen spielen, das, damit sie zu ihrer Phantasie (politischen Ausrichtung) passen.“

Mitglieder der AP-Ableger optimieren hin und wieder die ursprünglichen AP-Überschriften. In diesem Fall haben das mehrere Publikationen getan – sie verzerrten den Artikel selber und ließen Israel noch schlechter aussehen. Ein Paradebeispiel: Stars and Stripes, das die Gemeinschaft der US Militärs mit Informationen und Nachrichten versorgt. Ihre Überschrift eines Artikels war: „AP-Bericht: Israelische Luftangriffe töten hauptsächlich Zivilisten.“ Damit wird der Leser rasch dazu verführt zu glauben, die Untersuchungen der AP gelten nicht nur den Häusern, sondern dem ganzen Gazastreifen. Ähnlich ist die Überschrift des Idaho Statesman, die sich wie folgt liest: „Luftangriffe auf Gaza töteten im letzten Sommer hunderte von Zivilisten.“ (Der Artikel im Internet wurde inzwischen auf den neuesten Stand gebracht, aber, ach, nicht die Überschrift.)

Noch mehr Beispiele, wenn ihr noch nicht genügend angewidert seid: Die Überschrift der San Angelo Standard Times ist „Zivilisten trugen die Hauptlast der israelischen Luftangriffe“. The Independent (UK): „Fast ausschließlich Zivilisten wurden bei dem Überfall auf Gaza getötet.“

Zurück zu AP selber. Ich verlange nicht, dass die Nachrichtenagentur Israel mag (Artikel ehemaliger AP Korrespondenten wie Matti Friedman machen mehr als deutlich, dass der Nachrichtendienst gegen das Land voreingenommen ist). Ich verlange auch nicht, dass Fares Akram Israel wenigstens respektiert. Ich fürchte, das wird nie passieren. Was ich aber erwarte – was von den hunderten von Nachrichtenablegern, die AP gehören, zu erwarten ist – ist eine faire Berichterstattung. Dazu wurde ich vor Jahrzehnten als Student des Journalismus erzogen. Es bräuchte in diesem einen Artikel nur einige wenige Sätze, um fair zu sein, aber das ist nicht geschehen.

Früher hätte die Überprüfungsstelle des Journalismus der Columbia dem Beachtung geschenkt. Doch ich fürchte, diese Zeiten sind vorbei.

Daily Telegraph: Israel besetzt noch immer den Südlibanon

21. Januar 2015

Simon Plosker, HonestReporting, 20. Januar 2015 / Übs: YdW

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Ein Selfie von Miss Israel direkt neben Miss Libanon bei einem Miss-Universe-Wettbewerb hat international Schlagzeilen gemacht. Der Grund hierfür war die säuerliche Reaktion von Miss Libanon und vielen ihrer Landsleute. Wir hätten nicht gedacht, dass HonestReporting darüber berichten muss, aber der Daily Telegraph hat einen Artikel veröffentlicht, in dem die tieferen Gründe hinter dem Selfie-Zoff angesprochen werden.

Darin steht auch folgender Kommentar von George Asseily, dem Vorsitzenden des Center for Lebanese Studies:

Der Grund ist, dass Libanon Israel beschuldigt hat – und noch immer beschuldigt -, einen Krieg gegen libanesische Zivilisten zu führen. 2006 gab es sehr viel Zerstörung, und seither hat sich die Beziehung nicht verbessert, da Israel noch immer Teile des Südens besetzt und den Rückzug verweigert, obwohl es sich um libanesisches Gebiet handelt.

Leider findet der Daily Telegraph keine erklärenden Worte für Asseilys Anschuldigung, und daher glaubt der gewöhnliche Leser jetzt, Israel besetze libanesisches Gebiet.

In Wahrheit ist das nicht der Fall. YNet News erklärt:

Die Schebaa-Farmen sind ein kleines Gebiet von ungefähr 28 km² an der Grenze zwischen Israel, Libanon und Syrien. Es liegt auf einem Berg etwa 1.500 m über dem Meeresspiegel und bietet einen Ausblick über das libanesische Bekaa-Tal. Seit dem Sechstagekrieg im Jahr 1967 hielt Israel diese relativ hohe Gegend, die ihm gewisse Vorteile in geheimdienstlicher und strategischer Hinsicht bietet. (…)

Schebaa wurde 1974 von den Vereinten Nationen als Teil der von Israel besetzten syrischen Golanhöhen anerkannt. Im Mai 2000 zog sich Israel nach 18 Jahren aus dem Südlibanon zurück. Libanons Hisbollah behauptete, der Rückzug sei unvollständig, da Schebaa sich auf libanesischem – nicht syrischem – Territorium befände. Diese Behauptung gibt Hisbollah einen Grund, um weiter gegen die israelischen „Besatzer“ vorzugehen. In einem Interview mit The Media Line im Jahr 2004 zu diesem Thema sagte Ghasan Al-Ezzi, Professor für Politologie an der Libanesischen Universität in Beirut, die Bürger des Libanon lebten und arbeiteten auf den Schebaa-Farmen, aber das ändere nicht die Tatsache, dass die Region in den Augen der internationalen Gemeinschaft unter syrischer Souveränität stehe.

Wenn sogar die UN anerkennt, dass Israel nicht länger libanesisches Gebiet besetzt, warum kann dann der Daily Telegraph das nicht klarstellen?

UPDATE

Der Daily Telegraph hat Folgendes ergänzt:

Israel besetzt die Region der Schebaa-Farmen, die sowohl vom Libanon als auch von Syrien beansprucht werden.

Soweit es uns betrifft, ist diese Erläuterung nicht hinnehmbar und versagt völlig darin, ein legitimes Gegengewicht zu Asseilys Behauptung aufzustellen oder Klarheit zu schaffen. HonestReporting wird weiter hierüber berichten.

Die Dishonest Reporting Awards 2014: Warum die Gaza-Kriegsberichterstatter gewonnen haben

25. Dezember 2014

Pesach Benson, HonestReporting, 23. Dezember 2014
(Übersetzung: Yvaine de Winter)

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Dishonest Reporter Award 2014: Gaza-Kriegsberichterstatter

Wir hatten die HonestReporting-Leser gebeten, die Preisträger des diesjährigen Dishonest Reporter Award zu wählen, und der Konsens-„Gewinner“ war die New York Times.

Und es gab viele Gründe, sich dieser Mehrheitsmeinung anzuschließen (mehr dazu hier).

Aber je stärker wir die Berichterstattung über den 50tägigen Konflikt in Betracht zogen, desto mehr realisierten wir, dass diese Sache weit größere Bedeutung hat als die Times. Und bei derart vielen Fällen von schlechtem Journalismus reichte das Herausstellen einer einzigen Zeitung oder Person nicht mehr.

Deshalb haben wir die New York Times hintangestellt.

Was also waren die größten Probleme mit den Berichterstattern des diesjährigens Gaza-Konflikts?

 

Fallschirmjournalismus

Verstärkungspersonal – Freiberufler, Promijournalisten, Wanderreporter und aus anderen Büros abgezogene Mitarbeiter zur Verstärkung der Kriegsberichterstattung – übertrafen zahlenmäßig die regulär in Israel stationierten ausländischen Reporter.

Der Knackpunkt bei diesen „Fallschirmjournalisten“ ist, dass sie so gut wie keine Hintergrundinformationen besitzen und nur begrenzte Verbindungen zu Quellen in den Konfliktgebieten haben, in die sie geschickt werden. Das Pressebüro der israelischen Regierung sagte, es habe sich zusätzlich zu den etwa 750 akkreditierten Auslandsjournalisten, die sich bereits im Land aufhielten, um 777 ausländische Reporter gekümmert, die als Verstärkung in die Region geschickt worden waren.

Die Kritik des erfahrenen in Jerusalem stationierten Reporters Matthew Kalman am Fallschirmjournalismus im Nahen Osten (Monate vor dem Konflikt) war außerordentlich weitsichtig:

„Stellen Sie sich vor, ein Russisch sprechender Reporter landet in Texas, spricht nur Russisch, aber versucht sich an der Analyse, am Kommentieren und an der Berichterstattung über amerikanische Politik; und das ist die Situation, die wir im Nahen Osten haben“, so Kalman.

Denn Themen wie beispielsweise Jerusalems Ansätze zur Konfliktbewältigung („Rasenmähen“) und das Endziel der Hamas (die Zerstörung Israels wie von S. E. Cupp dargelegt) erhielten keine große Aufmerksamkeit.

Fazit: Die Hälfte der über Operation Protective Edge berichtenden Reporter hatte keine Ahnung vom Konflikt.

 

Einschüchterung der Medien

Die Hamas hat zugegeben, Reporter eingeschüchtert zu haben. Und aus gutem Grund.

Es lag nicht im Interesse der Hamas, dass die Welt Bilder von Raketen aus zivilen Gebieten sieht, bewaffnete Kämpfer in Zivil oder Schulen, Moscheen und Krankenhäuser, die als Deckung für Tunnels, Waffenlager und Scharfschützenpositionen eingesetzt wurden. Eine kleine Handvoll Reporter übte Kritik an dieser Rücksichtslosigkeit und diesem Betrug, aber das waren Ausnahmen.

Die Einschüchterung betraf etwas anderes: das völlige Fehlen jeglicher Fotos und Videos von Hamas-Kämpfern.

Das Fehlen von Bildern von bewaffneten Männern im dicht besiedelten Gazastreifen trifft den Kern der Doktrin der Hamas, Menschen als lebende Schutzschilde zu verwenden, was die Kollateralschäden bei IDF-Einsätzen absichtlich in die Höhe treibt. Die Hamas setzt darauf, dass die Welt Israel verurteilt, wenn die zivilen Opfer zunehmen.

Die bemerkenswertesten Aufnahmen, die die Hamas die Welt nicht sehen lassen wollte, kamen durch Neu-Delhis NDTV zustande. Dieses filmte eine Raketeneinheit, wie sie eine Abschussrampe neben einem Hotel aufbaute, in dem ausländische Journalisten untergebracht waren. Bezeichnenderweise wurde das Video nicht freigegeben, bevor das NDTV-Team wieder sicher zuhause in Indien war.

Palästinensische Fotografen unter Hamas-Aufsicht verfügen nicht über den Luxus, Gaza verlassen zu dürfen. Ausländische Fotografen dürften bewusst darüber hinweggesehen haben oder ließen sich von der Hamas in die Irre führen. Vielleicht glauben auch einige Fotografen da draußen, eine Vertuschung sei gerechtfertigt, um der palästinensischen Sache zu helfen. Der ehemalige Associated-Press-Korrespondent Matti Friedman führte ebendiese Beobachtung in einem vielbeachteten Exposé über Medienbefangenheit im „Tablet“-Magazin an:

Tatsache ist, dass die Einschüchterung durch Hamas überwiegend irrelevant ist, weil die Aktionen der Palästinenser irrelevant sind: Die meisten Reporter im Gazastreifen glauben, ihr Job bestehe darin, israelische Gewalt gegen palästinensische Zivilisten zu dokumentieren. Das ist die Quintessenz der Israel-Story. Außerdem arbeiten Reporter mit Deadlines, sind oft gefährdet, und viele sprechen die Sprache nicht und haben nur eine sehr ungefähre Vorstellung, was abgeht. Sie hängen von ihren palästinensischen Kollegen ab und von den Mittelsmännern, die entweder Angst vor Hamas haben oder Hamas unterstützen oder beides. Reporter brauchen keine Hamas-Aufpasser, um sie von Tatsachen wegzuscheuchen, die die einfache Story trüben können, die zu berichten sie hierher geschickt wurden.

Es ist kein Zufall, dass die wenigen Journalisten, die über Hamaskämpfer und Raketenwerfer in zivilen Gebieten in diesem Sommer berichtet haben, in der Regel nicht zu den großen Nachrichtenorganisationen mit starken und permanenten Operationen im Gazastreifen gehörten, wie Sie vermutet haben könnten. Meistens waren es rauflustige Randfiguren und Neuankömmlinge – ein Finne, eine indische Crew und ein paar andere. Diese armen Seelen haben das Memo nicht erhalten.

(Anm.d.Übs.: Die Übersetzung der oberen beiden Absätze stammt vom Blog beer7.wordpress.com – vielen herzlichen Dank!)

Peter Beaumont vom Guardian legte die Signifikanz näher dar:

In den meisten von mir begleiteten Kriegen begegnet man einer der beiden Parteien, oft beiden, aber in Gaza, wo der Tod vom Himmel fällt, sind die Kämpfer weitgehend unsichtbar bis auf die Wirkung ihrer Waffen. Im Ergebnis sieht man den Krieg in Gaza durch das Prisma des Leidens der Opfer – ein Konflikt, in dem diejenigen fehlen, die gewillt sind, rationale Erklärungen zu liefern.

Wir erkundigten uns über unsere Kontakte, ob es Journalisten gebe, die ihre Fotos oder Videos veröffentlichen wollen – aber niemand meldete sich.

 

Strittige Opferzahlen

Opferzahlen und die Einteilung in Zivilisten und Kombattanten gingen entweder auf Hamas-Angaben oder auf Zahlen der UN zurück. UN-logo

Das unglückselige Problem mit den UN-Zahlen war, dass sie von dubiosen nichtstaatlichen Organisationen kamen, die Israel gegenüber feindselig eingestellt sind, z. B. dem Palästinensischen Zentrum für Menschenrechte (PCHR). (Anmerkung: Steven Stotsky dekonstruierte dieses Problem, nachdem er einen genaueren Blick auf das PCHR geworfen hatte.)

Ja, eine unabhängige Verifizierung der Opferzahlen in den schwierigen Umständen des Gazakrieges ist eine gewaltige Aufgabe.

Doch bedenken Sie: Indem der Faktencheck palästinensischen und israelischen Gruppen überlassen wurde, reduziert sich der Journalismus von Gewissheit zu Behauptungen aus dritter Hand (z. B. vom Al-Mezan-Zentrum für Menschenrechte und vom Meir-Amit-Informationszentrum über Geheimdienste und Terrorismus). In der Theorie sollten die großen Medien die Behauptungen der jeweils anderen ins Gleichgewicht bringen. Doch kann man sich nicht darauf verlassen, dass die Auslandspresse so arbeitet. In einem Folgeartikel in „The Atlantic“ erklärte Matti Friedman, warum Israels Seite der Geschichte nicht dieselbe Behandlung erfährt:

Während meiner Zeit bei der Presse lernte ich, dass unsere Beziehung zu diesen Gruppen keine journalistische ist. Meine Kollegen und ich analysierten und kritisierten sie nicht. Vielen ausländischen Journalisten waren sie keine Ziele, sondern Quellen und Freunde – in gewisser Hinsicht waren sie Kollegen in einer informellen Allianz. Diese Allianz besteht aus Aktivisten und internationalen Mitarbeitern der Vereinten Nationen und der NGOs; das westliche diplomatische Korps, insbesondere in Ostjerusalem; und ausländische Reporter. (Es gibt auch eine lokale Komponente aus einer geringen Zahl israelischer Menschenrechtsaktivisten, die zum Großteil von europäischen Regierungen finanziert werden, und palästinensischen Mitarbeitern der Palästinenserbehörde, der NGOs und der UN.) . . .

In diesen Zirkeln ist eine Abneigung gegenüber Israel meiner Erfahrung nach zu etwas zwischen einem akzeptierten Vorurteil und einer Vorbedingung für den Eintritt in jene Zirkel geworden. Ich spreche hier nicht von einer kritischen Einstellung gegenüber der israelischen Politik oder der ungeschickten heutigen Regierung, sondern von dem Glauben, dass die Juden Israels in gewissem Maße ein Symbol für die Missstände der Welt sind, insbesondere jener, die mit Nationalismus, Militarismus, Kolonialismus und Rassismus einhergehen . . .

Und das führt uns zu…:

 

Opferzahlen als moralisches Barometer

Immer wieder sahen wir Infografiken, Editorials, Schlagzeilen und simple Einzeiler, die den Eindruck vermittelten, palästinensische Zivilisten würden den Hauptanteil der Opferzahlen stellen. Israel hingegen wurde von den großen Medien als blutrünstig und inkompetent dargestellt. Jon Snow von Channel 4 beschuldigte Israel beiderlei, während er den israelischen Sprecher Mark Regev interviewte.

Im Kern wurden die Opferzahlen zu einem falschen moralischen Barometer, was später von Leuten wie Oberst Richard Kemp, Eric Yoffie und Bret Stephens entlarvt wurde. Letzterer brachte es im Wall Street Journal auf den Punkt (abrufbar über Google News):

Wenn in chaotischen Umständen minutiös genaue Statistiken bereitgestellt werden, weist dies darauf hin, dass diese Statistiken wertloser Müll sind. Stützt sich eine Nachrichtenorganisation ohne jedwede Klärung auf Daten eines bürokratischen Organs einer Terrororganisation, dann liegt auch da etwas im Argen.

Aber nehmen wir um der Diskussion willen einfach mal an, dass die Zahlen stimmen. Bedeutet das, dass die Palästinenser die hauptsächlichen Opfer und die Israelis die hauptsächlichen Täter in diesem Konflikt sind? Mit dieser dumpfen Logik möchten wir vielleicht auch die Moralitäten im Zweiten Weltkrieg neu bewerten, wo über 1 Mio. deutsche Zivilisten durch alliierte Hand zu Tode kamen, verglichen mit nur 67.000 britischen und 12.000 amerikanischen Zivilisten.

Der wahre Nutzen der Opferzahlen ist, dass sie Reportern und Kommentatoren, die diese Zahlen anführen, die Chance einräumen, Israel indirekt die Schuld zuzuweisen, wobei gleichzeitig den Fragen über die letztendliche Verantwortung für die Tötungen ausgewichen wird.

Da ein Bild mehr wert ist als tausend Worte, erhält der „Columbus Dispatch“-Cartoonist Nate Beeler das letzte Wort.

Bild: Die zivilen Opferzahlen in Gaza nehmen weiterhin in obszöner Weise zu, während Israel behauptet, es gehe gegen sogenannte geheime „Terrortunnel“ vor…

Bild: Die zivilen Opferzahlen in Gaza nehmen weiterhin in obszöner Weise zu, während Israel behauptet, es gehe gegen sogenannte geheime „Terrortunnel“ vor…

 

Was dies alles bedeutet

Die Medienberichterstattung während Operation Protective Edge trug zur dramatischen Zunahme des Antisemitismus in Europa, Australien, auf US-Campussen, in Südafrika und Südamerika bei. Allein Großbritannien erlebte einen Anstieg um 500 Prozent.

Auch die antiisraelische BDS-Bewegung erlebte ein Comeback.

Und Israel verweigert die Kooperation mit einer von William Schabas angeführten UN-Untersuchung, einem kanadischen Professor für Menschenrechte und internationale Gesetze, der seinen eigenen Groll auf Israel hegt.

2014 neigt sich seinem Ende zu, und alle Akteure ziehen Schlussfolgerungen und bewegen sich vorwärts. Hamas baut wieder an ihren Terrortunneln, hält Militärübungen ab und bewaffnet sich neu. Der US-Militärführer General Martin Dempsey sagte, das Pentagon lerne von der IDF, wie man zivile Opfer minimiere und mit Terrortunneln umgehe. Des weiteren zog die IDF den Schluss, dass die Hisbollah womöglich grenzüberschreitende Tunnel gegraben hat.

Nur die Zeit wird zeigen, ob die großen Medien dazugelernt haben – wenn überhaupt.

Bild: CC BY-NC-SA Truthout/Lance Page via flickr und HonestReporting.com

Irischer Diplomat: Nur die Siedlungen sind das Problem

28. Oktober 2014

Simon Plosker, HonestReporting, 27. Oktober 2014
(Übersetzung: Yvaine de Winter)

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In der Irish Times formulierte der ehemalige irische UN-Botschafter Richard Ryan seine Meinung darüber, wie man Israels Sicherheit am besten garantieren könne. Aber was ist seiner Ansicht nach das größte Hindernis bei der Erreichung dieser Sicherheit und einer Zweistaatenlösung?

Aber hinter dem schrecklichen Szenario, das sich erneut vor unseren Augen aufgetan hat, entwickelt sich im Hintergrund weiterhin die vielleicht größte Bedrohung für echten und dauerhaften Frieden. Die israelische Siedlungspolitik – und sie ist nichts weniger als eine absichtliche, beständig fortgesetzte Politik – zerstört systematisch die Machbarkeit dieses einzigen übriggebliebenen Lösungsszenarios. Dieses in offizieller israelischer Politik begründete langsame Dahinkriechen über die Westbank erodiert jeden Tag die lebenswichtige Kartographie und Überlebensfähigkeit des entstehenden palästinensischen Staates, von dem die abschließende Lösung und auch Israels Sicherheit abhängen.

Die Jerusalem-Komponente (einschließlich Ostjerusalem) dieses Problems wird besondere und angemessen feinfühlige Aufmerksamkeit erfordern und auch erhalten. Doch jetzt ist es absolute Priorität, dass diese Westbank-Siedlungspolitik gestoppt und rückgängig gemacht werden muss. Ein israelisch-palästinensischer Staatsmann wüsste das, aber wo sind solche Staatsmänner?

Es ist völlig legitim, Israels Siedlungspolitik zu hinterfragen. Aber die Behauptung, sie sei „die größte Bedrohung für echten und dauerhaften Frieden“, entbehrt jeder Realität.

Nirgendwo in Ryans Artikel werden irgendwelche palästinensischen Verantwortlichkeiten für den Mangel an Frieden in der Region erwähnt. Nichts über Terrorismus, nichts über Aufwiegelung, nichts über interne palästinensische Konflikte.

Und letztlich kommt nichts von Ryan über die notorische Ablehnungshaltung der Palästinenser und das wahre Friedenshindernis – die Weigerung der Palästinenser, die Rechtmäßigkeit eines jüdischen Staates im Nahen Osten zu akzeptieren.

Für Richard Ryan sind nur die Siedlungen das Problem.

Erekats neueste faustdicke Lüge: 96% der Toten in Gaza waren Zivilisten

6. Oktober 2014

Alex Margolin, HonestReporting, 6. Oktober 2014
(Übs.: Yvaine de Winter)

Erekat

Man muss sich fragen, warum seriöse Medien den Palästinenserfunktionär Saeb Erekat, der es mit der Wahrheit nicht sehr genau nimmt, überhaupt einladen. Es muss wohl am Unterhaltungswert seiner wahnwitzigen Aussagen liegen.

Und auch sein kürzlicher Auftritt im Army Radio war in dieser Beziehung keine Enttäuschung.

Erekat offenbarte, ganze 96% aller getöteten Palästinenser seien Zivilisten gewesen. Die Zahl übersteigt bei weitem die von den Vereinten Nationen angeführten Zahlen, die sich um die 75% bewegen und hauptsächlich auf Angaben des von der Hamas geführten Gesundheitsministeriums in Gaza beruhen. Israelischen Angaben zufolge waren zirka die Hälfte der im Krieg getöteten Einwohner Gazas Mitglieder der Hamas oder anderer Terrorgruppierungen.

Der Opferzahlendisput wird wahrscheinlich noch monatelang weitergehen. Zumindest in der Wahrnehmung der Öffentlichkeit wird diejenige Seite tatsächlicher Gewinner des Gaza-Krieges sein, die die Welt davon überzeugen kann, mit größerer Moral und Sorgfalt gehandelt zu haben. Und Erekats große Lüge soll die Behauptung der Palästinenser untermauern, Israel habe in Gaza übermäßige Gewalt angewendet.

Erekat war natürlich auch der Palästinenserführer gewesen, der behauptet hatte, 2002 in Jenin seien 500 Palästinenser getötet worden. Die tatsächliche Zahl lag bei weit unter 100, und es gab auch beträchtliche israelische Opferzahlen. Laut Haviv Rettig Gur ist diese Art von Behauptung Teil einer umfassenderen Strategie, die auch von der BDS-Bewegung angewendet wird, um Israel international zu isolieren.

Die globale BDS-Kampagne, die von palästinensischen Zivilgruppen unter der Leitung der Fatah angezettelt wurde, sowie die Verbreitung völlig abwegiger Lügen bzw. Verzerrungen zum Leid der Palästinenser (vom „Jenin-Massaker“ 2002 bis zur Behauptung des obersten Friedensunterhändlers diese Woche, 96% der im Gaza-Krieg diesen Sommer getöteten Palästinenser seien Zivilisten gewesen) soll internationalen Druck auf Israel lenken. Dieser Druck wird Auswirkungen haben, die palästinensische Unterhändler nicht am Verhandlungstisch erreichen könnten.

Rettig Gur hat recht, dass das permanente Aufbauen internationalen Drucks auf Israel durch Methoden der Palästinenserführung eine Taktik ist, um bei den Verhandlungen in eine bessere Position zu kommen. Den Köpfen der BDS-Bewegung jedoch geht es nicht um Verhandlungen – sie wollen Israel isolieren, um seine Legitimität zu unterwandern und letztendlich seine jüdische Identität zu zerstören.

Bild: CC BY Münchner Sicherheitskonferenz/Tobias Kleinschmidt via Wikimedia Commons

Geschichten, die ich gerne lesen würde: An der Oberfläche der UNRWA kratzen

31. August 2014

Honest Reporting, 28. August 2014

Wir wissen von der IDF von ein paar Beispielen, wo Einrichtungen der UNRWA (United Nations Relief and Works Agency) dazu benutzt wurden, Waffen zu lagern und Raketen auf Israel abzufeuern.

Dieses Hilfswerk der UNO betreut die palästinensischen Flüchtlingslagr — alles von Schulen und Kliniken bis zur Lagerinfrastruktur. Gemäss ihrer Webseite hat das Hilfswerk ein Budget von 2014-2015 von 1.5 Milliarden Dollar, und 92 Prozent von diesem Geld kommen von UNO-Mitgliedstaaten — also euer Steuergeld.

Da Raketen in Schulen zu fortgeschritten sind für den typischen wissenschaftlichen Klub von Maturandenklassen, hat die UNRWA etwas Erklärungsbedarf. Das Problem ist, es lohnt nicht, den Atem anzuhalten in der Erwartung dessen, dass die UNO sich selbst untersucht, geschweige denn die Resultate öffentlich macht. Eine laue Entschuldigung der UNRWA, körnige IDF-Bilder, und eine Hand voll Beispiele, die es in die Medien geshafft haben, sind nur die Spitze des Eisbergs.

Es ist Zeit für einen kühnen Reporter, den Handschuh aufzunehmen und im öffentlichen Interesse ein paar schwierige Fragen zu stellen.

Wie haben Waffen den Weg in UNRWA-Gebäude gefunden? Wussten ihre Mitarbeiter davon, oder waren sie sogar daran beteiligt?

Zum Umfang: Wieviele weitere Schulen, Klinken, Lagerräume und Büros der UNRWA sind noch betroffen? Von wievielen weiteren Orten, in die die Hamas eingedrungen ist, wissen wir noch gar nicht?

Zur Finanzierung: Wieviel Geld hat das Hilfswerk verloren, und wer ist dafür verantwortlich? Wie ist die Stimmung der Geldgeber der UNRWA?

Zu de Folgen: Wird die UNO irgend jemanden dafür zur Verantwortung ziehen? Welche Schlussfolgerungen ziehen die Offiziellen in der Palästinensischen Autoritätsbehörde, in Jordanien, Syrien und dem Libanon — die ebenfalls UNRWA-verwaltete Flüchtlingslager haben — aus all dem? Und welche Schritte, wenn überhaupt, kann die UNRWA angehen um das Vertrauen von Israel wieder zu gewinnen?

Zum Einsatz: Eine Überprüfung sollte jenen Schwung geben, die der UNRWA Gelder entziehen wollen. Nicht wenige Stimmen wollen die Verwantwortung für die palästinensischen Flüchtlinge dem Uno Hochkommissariat für Flüchtlinge übertragen (die UNRWA ist überflüssig) oder sogar der palästinensischen Autonomiebehörde (das würde theoretisch die PA stärken).

Gibt es einen Enthüllungsjournalisten, der sich der Aufgabe gewachsen fühlt?

Bild: CC BY-SA HonestReporting, flickr/Andrew Magill


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