Archive for the ‘UNO’ category

UNICEF und AFP: Israel der „Kindermörder“

18. Mai 2016

Simon Plosker, HonestReporting, 15. Mai 2016

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Bitte unterzeichnen Sie unseren Brief an Emmanuel Hoog, dem Geschäftsführer der AFP, den Sie in diesem Link ganz unten im Artikel finden!

Die unheilige Allianz zwischen antiisraelischen nichtstaatlichen Organisationen (NGOs) und der Presse ist in der AFP-Story mit dem Titel „Israelische Sicherheitskräfte ‚töteten 25 Palästinenserkinder‘ in drei Monaten, sagt UNICEF“ offenkundig.

Die Kinderbehörde der UN sagt, 25 palästinensische Kinder seien in den letzten drei Monaten des Jahres 2015 während einer Gewaltwelle getötet worden.

Ein UNICEF-Bericht sagte, man sei besorgt wegen der exzessiven Gewaltanwendung bei Vorfällen, in denen Palästinenserkinder, die angeblich Messerangriffe durchführten, von israelischen Sicherheitskräften erschossen wurden.

Laut dem Bericht sind über 1.300 palästinensische Kinder während der größten Zunahme der Attacken verletzt worden, fast alle davon im Westjordanland und in Ostjerusalem, während drei israelische Kinder im Westjordanland und in Westjerusalem verletzt wurden.

Zwar wird der Bericht der UNICEF zugeschrieben, aber die AFP versäumt zu erwähnen, dass es sich um das Vierteljahres-Mitteilungsblatt einer von der UNICEF geführten Arbeitsgruppe handelt, die ein wahrhaftiges Stelldichein von NGOs mit politisierten Aktivitäten gegen Israel darstellt:

Weder der Bericht selbst noch AFPs einseitige Berichterstattung geben vor, in irgendeiner Weise ausgewogen sein zu wollen. Statt dessen wird Israel als Mörder palästinensischer Kinder hingestellt:

Von den 23 getöteten Palästinenserkindern wurden 22 von israelischen Sicherheitskräften mit scharfer Munition getötet und eines durch israelische Siedler; es gab bislang keinerlei Festnahmen oder Anklagen in Bezug auf diese Morde.

Festnahmen oder Anklagen gibt es nur bei kriminellen Handlungen. Der UNICEF-Bericht macht hier also die pauschale Annahme, jeder Israeli, der einen Palästinenser im Alter zwischen 12 und 17 getötet hat, sei kriminell.

AFP schreibt:

UNICEF zitierte das Beispiel eines 17jährigen Mädchens, das am 25. Oktober in Hebron im Westjordanland „von IDF-Soldaten für eine Durchsuchung festgehalten, mit wenigstens fünf Kugeln erschossen und getötet wurde“.

„Die israelischen Behörden sagten, sie habe einen Polizisten zu erstechen versucht, aber ein Augenzeuge sagte aus, sie habe zum fraglichen Zeitpunkt keine Gefahr dargestellt, als sie erschossen wurde, und sie habe gerufen, dass sie kein Messer bei sich trage“, steht darin.

Hier ist die Implikation, ein hilfloses Palästinensermädchen sei aufgefasst und dann erschossen worden, während sie sich in der Obhut der IDF befand. Das ganze auf der Grundlage einer „Augenzeugen“-Aussage (vermutlich ein Palästinenser).

Hier die Art und Weise, wie am fraglichen Tag in der israelischen Presse über den Vorfall berichtet wurde:

Am Sonntag versuchte eine Terroristin Grenzpolizisten am Eingang zum Grab der Patriarchen in Hebron zu erstechen, nachdem sie den Argwohn der Beamten erregte.

Die Frau wartete darauf, die heilige Stätte zu betreten, verhielt sich aber auffällig. Sie wurde gebeten, sich auszuweisen, nahm aber plötzlich ein Messer heraus und lief schreiend auf die Polizisten zu.

Die Beamten schossen auf sie, und sie wurde getötet. Sie konnte niemanden verletzen.

Ist eine 17jährige mit einem Messer wirklich ein „Kind“ im reinsten Wortsinn? Hatten die israelischen Sicherheitskräfte ein unschuldiges Kind vor sich, als sie das Feuer eröffneten? Natürlich nicht, und ebensowenig wäre von ihnen erwartet worden, dass sie das Alter der Angreiferin berücksichtigen, während diese einen Terrorakt ausführt.

AFP fährt fort:

Ebenso zeigte sich die UNICEF besorgt über die Anzahl der palästinensischen Kinder im Alter zwischen 12 und 17, die von der israelischen Armee festgehalten werden.

Laut dem israelischen Gefängnisdienst stand die Zahl Ende Dezember bei 422, die höchste Zahl seit März 2009.

Vielleicht sollte die Zahl der palästinensischen Jugendlichen, die sich in Terroranschlägen oder in Gewalt gegen israelische Soldaten und Zivilisten betätigen, die wirkliche Besorgnis erregen. Sollte die UNICEF nicht ihre Besorgnis über die palästinensische Aufstachelung in sozialen Medien wie Facebook und Twitter ausdrücken, die bewirkt, dass solche jungen Menschen ihr eigenes und das Leben anderer gefährden?

Aber weder der UNICEF-Bericht noch AFP sind bereit, eine Alternative zu der Ritualmordlegende anzubringen, Israel würde palästinensische Kinder einfach auf verbrecherische Weise totschießen.

AFP kann über das Kontaktformular angeschrieben werden — https://www.afp.com/en/contact. Und UNICEF erreicht man für Beschwerden unter jerusalem@unicef.org

Bild: Messer-Vektor von Vecteezy

Ist das Ermorden von Israelis einfach „menschliche Natur“?

10. Februar 2016

Daniel Pomerantz, HonestReporting, 4. Februar 2016

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Am 26. Januar behauptete UN-Generalsekretär Ban Ki-moon dreist, Terrorismus gegen Israelis sei „menschliche Natur“.

Er sagte: „Angriffe von Palästinensern auf israelische Zivilisten mit Messern, Autos und Schusswaffen haben weiterhin Leben gekostet… Wie es unterdrückte Völker jedoch im Lauf der Weltgeschichte bewiesen haben, ist es menschliche Natur, auf Besatzung zu reagieren, die oft als mächtige Brutstätte für Hass und Extremismus wirkt.“

Aber trotz seiner dramatischen Schlussfolgerungen über Geschichte und die menschliche Natur nannte Ban keinerlei Beispiele oder Beweise für die jenem Terror zugrundeliegenden Ursachen.

In einem vor kurzem erschienenen Meinungsbeitrag in der New York Times bekräftigte Ban Ki-moon seine unbestätigte Analyse von Geschichte und Psychologie. Zwar verurteile er jede Art von Gewalt, sagte er, aber…:

„Niemand kann bestreiten, dass die alltägliche Wirklichkeit einer Besatzung Wut und Verzweiflung schürt, welche die großen Triebfedern von Gewalt und Extremismus sind.“

Auch hier hat Ban keinerlei Beweise für die Triebfedern von Gewalt und Extremismus präsentiert. Holen wir das also nach! Untersuchen wir die Geschichte, die Fakten und die menschliche Natur.

Frage: War die Gewalt gegen Zivilisten in der menschlichen Geschichte wirklich eine natürliche Antwort auf Gebietsstreitigkeiten?

Antwort: Nein.

Die Oxford University Press veröffentlichte jüngst eine gründliche akademische Studie über mehr als 2.000 militarisierte Gebietsstreitigkeiten auf der ganzen Welt im Zeitraum von 1816 bis 1996. Die Analyse zeigte, dass nur 17% dieser militarisierten Gebietsstreitigkeiten innerhalb eines Jahres zu einem Krieg eskalierten und nur 30% innerhalb von fünf Jahren. Anders gesagt: Menschen reagieren auf Gebietsstreitigkeiten üblicherweise NICHT mit Gewalt. Und das ist keine Meinung, das ist Geschichte.

UN-Generalsekretär Ban Ki-moon

UN-Generalsekretär Ban Ki-moon

Frage: Glaubt Ban Ki-moon wirklich, Terrorismus (gegen Menschen, die keine Israelis sind) sei „menschliche Natur“?

Antwort: Nein.

Ein UN-Generalsekretär muss sich mit vielem befassen. Zum Beispiel haben aktuell 190 Staaten irgendwelche Gebietsstreitigkeiten. Und laut der Armed Conflict Database gab es 2015 ganze 42 gewaltsame Konflikte auf der ganzen Welt, und allein im Jahr 2014 produzierten diese Konflikte 12.181.000 Flüchtlinge und 180.000 Todesopfer.

Doch in seinen mittlerweile mehr als 7 Jahren als UN-Generalsekretär konnten wir nicht ein einziges Beispiel finden, wo Ban Ki-moon irgendeinen dieser Tode als „natürlich“ oder „menschliche Natur“ bezeichnet hat — außer eben als es um den Mord an Israelis ging.

Frage: Was sagen die Palästinenser? Wurde die jüngste Welle von Messer- und Schusswaffenangriffen auf Israelis von einer Gebietsstreitigkeit verursacht?

Antwort: Nein. Tatsächlich fußt die palästinensische Motivation für die jüngste Anschlagswelle auf der Aufstachelung rund um eine angebliche Bedrohung einer gewissen Moschee sowie auf der wachsenden Unterstützung der Palästinenser für ISIS.

Letzten September fing es an, dass eine Welle von Gerüchten durch die palästinensische Gesellschaft ging, die fälschlicherweise behauptete, Israelis würden die Al-Aqsa-Moschee in Jerusalem zerstören wollen. Obgleich es sich hier um eine dreiste Unterstellung handelt, stachelten die Palästinenserführer die Jugendlichen dazu auf, auf diese Gerüchte zu reagieren. Palästinensische Quellen veröffentlichten praktische Anleitungen zum Erstechen von Juden. In den meisten Fällen erklärten die Angreifer ihre Motivation sogar in den sozialen Medien und sagten, sie handelten „zur Verteidigung der Al-Aqsa-Moschee„.

Und ISIS stachelte mit einer Reihe von Videos noch weiter zu palästinensischen Anschlägen auf. Vom Tel-Aviv-Terroristen Nashat Milhem hinterlassene Spuren legen nahe, dass er von ISIS inspiriert wurde.

4263815977_55a7edd9a5_mFrage: Bedeutet das, dass die Vereinten Nationen nicht zum Frieden ermutigen sollten?

Antwort: Nein, keineswegs.

Israelis wollen Frieden und sind auf einen unabhängigen Palästinenserstaat friedlich Seite an Seite mit Israel vorbereitet. Israel hat für dieses Ziel signifikante Risiken auf sich genommen, den Palästinensern zu drei verschiedenen Gelegenheiten im Lauf der 25 Jahre seit beginn des Osloer Friedensprozesses die Unabhängigkeit anzubieten. Die Palästinenserführung hat die Angebote jedoch jedes einzelne Mal zurückgewiesen und beantwortete die israelischen Angebote sogar teilweise mit Gewalt.

Trotz aller Risiken und Herausforderungen unterstützen die meisten Israelis weiterhin die Idee, durch die Schaffung eines unabhängigen Palästinenserstaates Frieden zu finden. Für die UN ist es angemessen, Friedensbemühungen zu fördern.

Doch wenn Ban palästinensischen Terrorismus entschuldigt, unterstützt und ermutigt er die gewalttätigsten und extremsten Elemente der palästinensischen Gesellschaft und rückt den Frieden noch weiter weg.

Wäre es dem Generalsekretär ernst mit dem Frieden für Israelis und Palästinenser, würde er gut daran tun, seine Unterstützung denjenigen Palästinensern zu geben, die den Frieden wollen, und nicht denjenigen, die Terror wünschen. Ebenso würde er dann israelisches Leben mit demselben Grad an Ernsthaftigkeit und Respekt behandeln, den er für das Leben aller anderen Menschen auf der Welt an den Tag legt.

Nie zuvor hat Generalsekretär Ban Ki-moon irgendeinen gewaltsamen Konflikt auf dieser Erde, jetzt oder zu irgendeinem beliebigen Zeitpunkt der Menschheitsgeschichte, als „menschliche Natur“ bezeichnet.

Nur den Mord an Israelis.

Bild von Ban via UN Photo/Mark Garten; Friedenstaube CC BY-NC-ND Ryan Lothian

Einblick in ein verzerrtes Weltbild

6. Februar 2016

Aviva Klompas, HonestReporting, 2. Februar 2016

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Stéphane Dion (CC Chris Slothouber)

Der kanadische Außenminister Stéphane Dion veröffentlichte vor kurzem die Art von angeblich „ausgewogenem“ Statement, die bei politischen Führern grassiert, die sich zum israelisch-palästinensischen Konflikt äußern.

Hier ein Auszug: „Kanada sorgt sich über die anhaltende Gewalt in Israel und im Westjordanland. … Als fester Verbündeter und Freund Israels fordert Kanada, dass sämtliche Bemühungen unternommen werden, um die Aufhetzung und Gewalt zu reduzieren und eine Umgebung zu schaffen, die eine Rückkehr an den Verhandlungstisch erlaubt.“

Herr Dion mag sich sorgen, aber es scheint, dass er sich über alle möglichen verkehrten Dinge Sorgen macht. In den letzten vier Monaten gab es 177 Schießereien, Messerangriffe und Auto-Rammattacken, stets ausgeführt von Palästinensern und stets gegen Israelis.

Diese Anschläge führten zu 30 Todesopfern und fast 300 Verletzten. Die Hälfte der Opfer waren Zivilisten, u. a. eine Schwangere, die in einem Bekleidungsgeschäft gearbeitet hatte, eine sechsfache Mutter, die vor den Augen ihrer Kinder erstochen wurde, junge Eltern, die von Kugeln durchsiebt wurden, während ihre Kinder auf der Rückbank saßen, ein 15 Monate altes Baby und ein halbes Dutzend Über-70jährige.

Hätte Herr Dion wirklich seine feste Verbundenheit mit Israel beweisen wollen, hätte er die mutwillige Jagd auf Zivilisten klar und unmissverständlich verurteilt. Statt dessen springt der kanadische Außenminister auf den fahrenden Zug der internationalen Führer auf, derer Meinung nach die Siedlungen das Problem darstellen. Sein Statement schließt mit den Worten: „…fortgeführte israelische Siedlungen sind nicht hilfreich und stellen ernste Hindernisse auf dem Weg zu einem umfassenden, gerechten und dauerhaften Frieden dar.“

Nur zirka 4 Prozent der Israelis leben in Siedlungen, aber ihnen werden 100 Prozent der Probleme in die Schuhe geschoben. In seiner Rede vor dem UN-Sicherheitsrat sagte Generalsekretär Ban Ki-moon letzte Woche: „Es ist menschliche Natur, auf Besatzung zu reagieren, die oft als potente Brutstätte für Hass und Extremismus fungiert.“ Die Botschaft des selbsternannten UN-Chefpsychologen ist klar — solange Israel den Palästinensern einen Staat verwehrt, muss es akzeptieren, dass seine Bürger ermordet und verstümmelt werden. Der Generalsekretär scheint vergessen zu haben, dass Israel den Palästinensern einen Staat angeboten hat, und zwar bei drei verschiedenen Gelegenheiten. Jedesmal schlug die Palästinenserführung das Angebot aus oder verließ den Verhandlungstisch.

Ebenso ignoriert der Generalsekretär bequemerweise die Tatsache, dass Israel 2005 jeden einzelnen Soldaten und jeden einzelnen Bürger aus dem Gazastreifen holte. Zurück blieben Tausende Gewächshäuser zur Stimulation der palästinensischen Wirtschaft, und zwar in der Hoffnung, dass ein Modell zweier friedlich nebeneinander lebender Völker geschaffen würde. Spulen wir ein paar Jahre vor, und die Terrororganisation Hamas ergreift die Macht im Gazastreifen und feuert Raketen nach Südisrael.

Und genau da liegt der Haken. Die internationale Gemeinschaft sympathisiert mit den Palästinensern, weil sie einen eigenen Staat wollen. Dabei ignorieren sie den beträchtlichen Teil der Palästinenser, welche einfach nur den jüdischen Staat vernichten möchten.

Wie sieht das Ergebnis aus? Die staatengeförderte antiisraelische Hetze geht unverändert weiter, die Palästinenserregierung belohnt weiterhin Terroristen und ihre Familien in äußerst großzügiger Weise, und diese sogenannten „Märtyrer“ werden von der palästinensischen Gesellschaft weiterhin als Helden verehrt.

Nachdem der 16jährige Palästinenser Morad Adais in das Haus von Dafna Meir eingebrochen war und sie vor den Augen dreier ihrer Kinder brutal erstochen hatte, erklärte sein Vater: „Ich bin stolz auf meinen Sohn!“ Berichte über diese haarsträubende Erklärung fand man fast ausschließlich in der jüdischen Presse, denn dass die palästinensische Gesellschaft den Tod zelebriert, passt nicht in das „David gegen Goliath“-Narrativ der Mainstreammedien.

Der Versuch, den Konflikt in dieses mängelbehaftete und simplifizierende Narrativ zu zwingen, ließ die Welt vergessen, wer das Opfer ist.

Nehmen wir zum Beispiel die Schlagzeile der New York Times vom 23. Januar: „Palästinensisches Mädchen, 13, von israelischem Wächter erschossen“. Die Autoren und Redakteure, welche für diese effektheischende Schlagzeile verantwortlich waren, fanden es unnötig, die höchst relevante Einzelheit mitzuerwähnen, dass das palästinensische Mädchen diesen Wächter erstechen wollte.

Statt ihren Lesern wichtige Einzelheiten zu verraten, packen die Medien die wertvollen Zentimeter ihrer Kolumnenspalten lieber mit Zahlenvergleichen der Toten voll. Seit im Oktober die sogenannte Messerintifada begonnen hat, wurden 90 Palästinensern bei Anschlagsversuchen erschossen und getötet — mehr als dreimal so viele wie die dabei ermordeten Israelis.

Und die Medien haben an diesem Unverhältnis einen Narren gefressen. Schließlich sind mehr Palästinenser getötet worden, das muss also bedeuten, dass Israel schuld ist! Diese Ableitung ist absurd. Gibt es einen anderen Ort auf dieser Welt, wo das Opfer beschuldigt wird, der Täter zu sein und sich etwas zu gut zu verteidigen?

Aviva Klompas

Aviva Klompas

Wir erleben ein allgemeines Gerangel, in welchem Staatsmänner und Journalisten die palästinensische Gewalt als „natürliche, wenn nicht sogar moralisch gerechtfertigte Antwort auf ‚Besatzung'“ verteidigen. Den Konflikt durch diese verzerrte Linse zu betrachten, bedeutet den Schluss zu ziehen, dass es keine unschuldigen oder untadeligen Israelis gibt. So lange diese fehlgeleitete und kurzsichtige Vorstellung im Geist der Architekten und Autoren von Nahost-Ereignissen vorherrscht, gibt es wenig Hoffnung, eine konstruktive Lösung zu finden.

Aviva Klompas ist Redenschreiberin, Strategin und öffentliche Rednerin. Von 2013 bis 2015 diente sie als Direktorin für Redenschreiben bei der Ständigen Mission Israels bei den Vereinten Nationen. Sie tweetet unter @AvivaKlompas.

Geschichtsklitterung à la Robert Fisk

4. Februar 2016

Simon Plosker, HonestReporting, 1. Februar 2016

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Robert Fisk, den wir über die Jahre schon öfters kritisieren mussten, hat die zweifelhafte Ehre, seinen Namen dem Kunstverb „fisken“ verliehen zu haben — also einen Zeitungsartikel oder einen Blogbeitrag (etc.) Punkt für Punkt zu widerlegen oder zu kritisieren.

Fisks jüngsten Beitrag im Independent möchten wir gar nicht widerlegen. Dort fragt er, ob Benjamin Netanyahu „verrückt geworden ist“, weil er die kürzlichen Kommentare von UN-Generalsekretär Ban Ki-moon thematisiert hat. Was aus diesem Text aber wirklich heraussticht, ist Folgendes:

Kurz ein paar Worte über die Geschichte. Israel eroberte 1967 das Westjordanland. Es baute Kolonien auf dem Land, welches der Westen israelische „Siedlungen“ nennt — ähnlich wie die „Siedlungen“ im Wilden Westen, was ihnen einen beinahe europäischen Anstrich verleiht. Danach erkannte Israel, dass es von den USA und ihren Verbündeten für den Bau von Häusern für Ausländer (Israelis) auf dem Eigentum anderer Leute verurteilt wurde. Das ist exakt das, was die israelische Regierung tat und was viele Israelis seither in Frage gestellt haben, da es Israel zum „Besitzer“ von Land außerhalb seiner eigenen von der UN anerkannten Grenzen machte — und dies macht Israel zum einzigen Land, das immer noch einen Kolonialkrieg betreibt.

Die Palästinenser — die rechtmäßigen Besitzer des Landes unter osmanischer (und britischer) Herrschaft — haben dies zu Recht als Diebstahl bezeichnet. Und das ist es auch. Land, das Palästinensern gehört, wurde von Israel für sein eigenes Territorium genommen, auch für seine Produkte — Gemüse und so weiter, welches illegal als israelisches Produkt in der EU verkauft wird, und als die EU sich darüber beschwerte, wurde sie bösartig als antisemitisch beschimpft. So wird Hass erzeugt.

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Robert Fisk

Fisks Geschichtsversion passt eindeutig nicht auf die Fakten. Fisken wir kurz seinen Text.

  • Israel eroberte 1967 nicht einfach so das Westjordanland. Fisk verschweigt, dass Israel als eines der Ergebnisse aus dem Sechstagekrieg die Kontrolle über jene Territorien errungen hatte. Im Sechstagekrieg hatte sich Israel erfolgreich gegen mehrere arabische Armeen verteidigt, die seine Existenz bedrohten.
  • Referenzen wie z. B. „Kolonien“ und „beinahe europäischer Anstrich“ portraitiert Israel fälschlicherweise als Eindringling ohne Verbindung mit dem Land. Ob man mit dem Siedlungsunterfangen nun einverstanden ist oder nicht — die historische Verbindung der Juden zum fraglichen Land ist unbestreitbar. Israelis sind keine „Ausländer“. Juden sind dort Eingeborene, quasi Ureinwohner.
  • Was sind Israels „von der UN anerkannte Grenzen“, die Fisk anspricht? Die sogenannte Grüne Linie wird von niemandem als offizielle Grenze gesehen, und zwar einfach weil es sich hier um eine Waffenstillstandslinie handelt: Dort standen die Armeen, als der Waffenstillstand ausgerufen wurde. UN-Resolution 242, die über die ganzen Jahre als Verhandlungsgrundlage gedient hat, fordert „sichere und anerkannte Grenzen“ sowie einen Rückzug Israels aus im Jahr 1967 „besetzten Gebieten“, wobei mit Bedacht so formuliert wurde, dass nicht von „allen Gebieten“ oder „den Gebieten“ die Rede ist. Als Lord Caradon später gebeten wurde, die britische Position darzulegen, sagte er: „Es wäre falsch gewesen zu fordern, Israel solle zu seinen Positionen vom 4. Juni 1967 zurückkehren, denn jene Positionen waren künstlicher Natur und nicht wünschenswert.“
  • Wer sind die Palästinenser, welche „die rechtmäßigen Besitzer des Landes unter osmanischer (und britischer) Herrschaft“ gewesen sein wollen? Auf diesem Gebiet hat es niemals einen souveränen Palästinenserstaat gegeben. Meint Fisk damit nur das Westjordanland oder den gesamten Staat Israel? Und hätten Palästinenser unter osmanischer Herrschaft das Land besessen, dann würde dies in Fisks Gedankenwelt bedeuten, sie seien die rechtmäßigen Eigentümer allen Landes vom Jordan bis zum Mittelmeer. Indes stahlen Juden kein arabisches Land.
  • Keinerlei Produkte wurden „illegal als israelisches Produkt in der EU verkauft“. Der Disput mit der EU betrifft die Etikettierungsrichtlinien und nicht etwa Gesetze gegen die Vermarktung von Produkten aus jüdischen Siedlungen. Woher auch immer diese israelischen Produkte stammen, sie brachen niemals irgendwelche Gesetze und tun dies auch heute nicht. Zudem hat auch Israel selbst niemals diese Richtlinien verletzt.

Und hier endet unser Fisken.

Kontext von Hisbollah-Grenzattacke geht verlustig

6. Januar 2016

Simon Plosker, HonestReporting, 5. Januar 2016

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Die Hisbollah übernahm die Verantwortung für die Detonation einer improvisierten Sprengvorrichtung (IED) nahe einer IDF-Patrouille an der Grenze zum Libanon.

Aber wo genau passierte das?

Laut der Financial Times (erreichbar via Google News):

(…) die IED war für IDF-Fahrzeuge im Gebiet der Schebaa-Farmen gedacht, ein vom israelischen Militär besetztes Gebiet.

Und der Guardian erklärt:

Die Explosion ereignete sich zirka um 15:15 Uhr Ortszeit in der Nähe der besetzten Schebaa-Farmen … Die Hisbollah erklärte sich für den Anschlag verantwortlich und sagte, sie hätte die große Sprengvorrichtung gezündet, als eine bewaffnete Patrouille im umstrittenen Gebiet der Schebaa-Farmen vorbeifuhr.

Auch die Press Association des Vereinigten Königreichs beschrieb das Gebiet als „umstritten“. Wäre dies der Fall, gäbe es einen Disput, an dem zwei Seiten beteiligt sind, aber die Press Association präsentiert nur eine Seite:

Die Sprecher sagten, die Patrouille sei nahe einer israelischen Armeestellung in den Kfar-Chouba-Hügeln getroffen worden, welche laut dem Libanon von Israel besetztes libanesisches Land sind.

Welchen wichtigen Kontext lassen obengenannte Medien aus?

Die Hisbollah hat die Präsenz israelischer Truppen in dem Gebiet zur Rechtfertigung fortgesetzter Attacken benutzt, nachdem sich der jüdische Staat im Mai 2000 aus dem Südlibanon zurückgezogen hatte.

Israel sieht den Sektor als Teil der Golanhöhen, die es 1967 von Syrien eroberte und 1981 annektierte.

Auch der Libanon beansprucht die Souveränität über das fragliche Gebiet.

Die Grenze zwischen den beiden Ländern wurde nach dem israelischen Rückzug aus dem Südlibanon nach 22 Jahren Besatzung von den Vereinten Nationen gezogen.

Es wurde jedoch nie eine exakte Grenze etabliert, da die britischen und französischen Kolonialmächte im Jahr 1923 nicht genau entschieden, wo ihrer Meinung nach der Libanon, das britische Mandat Palästina und Syrien zusammentrafen.

Syria nutzte dieses Versäumnis, erweiterte 1957 seine Gebietsherrschaft und behielt dort für 10 Jahre die Macht.

Im Jahr 2000 entschieden die Vereinten Nationen, die Schebaa-Farmen seien syrisch, aber der Libanon hat die UN um eine Neuprüfung dieser Frage gebeten.

Trotz dieser wichtigen Hintergrundinformation scheint es, dass einige Medien einfach zu faul sind, der Story irgendeinen anderen Anstrich zu geben als die eines berechtigten Grolls der Hisbollah über israelische „Besatzer“ libanesischen Landes.

Daily Telegraph: Jerusalems Altstadt „bedroht“

1. Januar 2016

Pesach Benson, HonestReporting, 31. Dezember 2015

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Israel kümmert sich sehr gut um seine UNESCO-Welterbestätten, vielen Dank auch.

Der Daily Telegraph hat nicht den geringsten Grund, in seiner Slideshow über „bedrohte Welterbestätten“ auch Jerusalems Altstadt aufzuführen.

Vermutlich wird der Telegraph auf die UNESCO verweisen und sagen, die Altstadt stünde auf deren entsprechender Liste. (Darauf komme ich noch zurück.)

Welche städtischen Entwicklungen Jerusalems Altstadt auch immer angeblich bedrohen sollen, ist nicht mal entfernt mit dem Plündern und Zerstören zu vergleichen, welches ISIS mit syrischen, irakischen und libyschen Stätten und Altertümern veranstaltet. Oder mit Luftschlägen der Saudis auf die Altstadt von Sanaa (Jemen). Oder mit Joseph Konys Lord’s Resistance Army, die im Garamba-Nationalpark (Kongo) im großen Stil Elefanten wildert.

Daily-Telegraph

Zumindest verdrehte der Telegraph die Texte in seiner Slideshow nicht so schlimm wie CNN. Damals im Juli hat CNN Jerusalems Altstadt nämlich in eine Slideshow mit weit provokanterem Titel aufgenommen: „25 großartige Strukturen am Rande der Auslöschung“. Die CNN-Redakteure mussten sich einiges von unseren Lesern anhören, und seither heißt die Slideshow „Letzte Chance, um sie zu sehen: 25 großartige und gefährdete Strukturen“.

Ein ziemlicher Rückzieher von CNN, dass Jerusalems Altstadt vom „Rand der Auslöschung“ zu „gefährdet“ zurückgestuft wurde. Und was die Formulierung „letzte Chance“ betrifft, ziehen Sie bitte Ihre eigenen Schlüsse daraus.

CNN argumentierte, die Altstadt befinde sich schließlich auf UNESCOs Liste der bedrohten Stätten. Aber wie es bei vielen UN-Behörden der Fall ist, spiegelt dieser Status lediglich deren antiisraelische Politik und nicht die Wirklichkeit.

Wäre es nicht schön, wenn die Slideshow die Wahrheit wiedergeben würde?

Bild: CC BY-NC-ND Surfing the Nations

Salons Lüge einer „ethnischen Säuberung“

4. Dezember 2015

Alex Margolin, HonestReporting, 1. Dezember 2015

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Der dieswöchige Jahrestag des UN-Teilungsplans von 1947, der 1948 zur Schaffung Israels als unabhängiger Staat führte, ist eine gute Gelegenheit, einen Schlüsselpunkt in der Geschichte palästinensischer Verweigerungshaltung zu beleuchten.

Außer man handelt wie das Internetmagazin Salon und glaubt dem Mediennarrativ der reinen und unschuldigen Palästinenser, Daueropfer und fern jeglicher Aggression. Dann ist es eine Gelegenheit, die Geschichte umzuschreiben und palästinensische und arabische Gewalt reinzuwaschen.

Die UN stimmte dafür, das britische Mandatsgebiet in einen Staat für Juden und einen Staat für Araber zu teilen. Die jüdische Führung akzeptierte den Plan, die Araber lehnten ab und griffen zur Gewalt, was letztlich zu Israels Unabhängigkeitskrieg 1948 führte.

Aber der Salon-Artikel vermittelt ein völlig anderes Bild, ein stark verzerrtes, einseitiges Bild, das die arabisch-palästinensische Aggression völlig ausklammert und ein Bild israelischer „ethnischer Säuberung“ zeichnet:

Der Teilungsplan kam jedoch nie zum Tragen. Direkt am nächsten Tag nach der Abstimmung brach der Krieg von 1947/48 aus.

In diesem Krieg führten zionistische Milizen systematisch eine ethnische Säuberung großer Teile des historischen Palästina durch, plünderten Hunderte palästinensischer Gemeinden und vertrieben über 750.000 Menschen — zirka zwei Drittel der eingeborenen arabischen Bevölkerung.

Der Krieg brach also einfach aus? Tatsächlich lautet die für Salon-Autor Ben Norton unbequeme Wahrheit, dass der Krieg nicht einfach so ausbrach. Die Palästinenser begannen ihn, wie der Historiker Benny Morris erklärt:

Am 30. November griffen bewaffnete Araber in den Uranfängen des Krieges zwei jüdische Busse bei Petah Tikva an und töteten sieben Fahrgäste. Scharfschützen aus der arabischen Stadt Jaffa schossen auf Fußgänger im benachbarten Tel Aviv. Das von Husseini angeführte Arab Higher Committee (AHC), die „Regierung“ der palästinensischen Araber, rief einen Generalstreik aus. Der Bürgerkrieg hatte begonnen.

Und was ethnische Säuberungen betraf, so waren es die Araber, welche die Vernichtung der Juden anstrebten, und nicht umgekehrt. Auch hier bietet Morris wieder Einzelheiten:

Israels Existenz stand auf dem Spiel, und in den ersten paar Monaten schienen die Araber diesen Bürgerkrieg zu gewinnen. Ende März 1948 war der Großteil der Panzerwagenflotte der Haganah zerstört, und das jüdische Westjerusalem mit seinen 100.000 Einwohnern wurde belagert. Hätten die erfolgreichen arabischen Konvoiangriffe angehalten und wäre Jerusalem gefallen, dann scheint gewiss, dass die sieben Wochen später ins Land eingefallenen Armeen arabischer Staaten den winzigen Staat Israel noch vor seiner Geburt verhindert hätten.

Aber es sollte anders kommen. Im April 1948, mit dem Rücken an der Wand, schlug die Yishuv („Siedlung“ auf Hebräisch, wie sich die 630.000 Menschen große jüdische Gemeinschaft in Palästina selbst nannte) zurück. In einem sechs Wochen dauernden Feldzug kämpften sie gnadenlos mit den palästinensisch-arabischen Milizen und überrannten Dutzende arabischer Dörfer und Städte. Langsam aber sicher verlagerte sich die Gunst auf ihre Seite.

Dann beschreibt Salon-Autor Norton mit derselben Ausdrucksweise den Ausbruch des Krieges im Mai 1948:

Israel erklärte am 14. Mai 1948 seine Unabhängigkeit. Am nächsten Tag brach der Krieg von 1948/49 aus. Im Verlauf dieses Krieges annektierte Israel noch mehr Land, als ihm im Teilungsplan zugesprochen worden war. Am Ende kontrollierten zionistische Milizen zirka 77% dessen, was einst das Mandat Palästina gewesen war.

Wieder brach einfach so ein Krieg aus, ohne dass Palästinenser oder Araber etwas dafür konnten. Er verschweigt, dass eine kombinierte Macht aus fünf arabischen Armeen den jungen Staat angegriffen haben. Und hatten diese irgendein anderes Ziel, als Israel auszulöschen? Im ganzen Artikel kommt keinerlei arabische bzw. palästinensische Aggression vor. Der Leser erfährt nur, was Israel getan hat, und zwar ohne jeden Zusammenhang oder Umstand.

Der Artikel illustriert ausgezeichnet, wie die Medien die Palästinenser als ewige Opfer und Israel als den ewigen Unterdrücker darstellen. Alex Ryvchin beschrieb dies in einem kürzlich im Spectator erschienenen Artikel wie folgt:

Für die Israelhasser die Palästinenser hilflose Opfer, die absolut nichts für die Zustände können und daher völlig ohne Schuld sind. Sie existieren nur als abstraktes Konstrukt unbefleckter Unschuld, eine idealisierte Nation von Ziegenhirten und Olivenfarmern.

Mit der Geschichte Schindluder zu treiben, wie Salon es in diesem Artikel tut, führt zu keinem größeren Verständnis des israelisch-palästinensischen Konflikts und wie es zur aktuellen festgefahrenen Situation kam. Würden die Medien die Palästinenser endlich für ihren Teil des Konflikts zur Verantwortung ziehen, könnten sich die Dinge endlich ändern.


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