Archive for the ‘Islam+Islamisten’ category

Der verschobene Fokus von Guardian und New York Times

30. Januar 2016

Yarden Frankl, HonestReporting, 26. Januar 2016

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Während wir dies schreiben, sind bereits einige Stunden seit dem Mord an der 24jährigen israelischen Frau Shlomit Krigman vergangen, die bei einem palästinensischen Terroranschlag erstochen wurde. Die Schlagzeilen von Guardian und New York Times blieben jedoch unverändert.

The Guardian:

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Die New York Times:

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Selbst wenn beide Schlagzeilen bald überarbeitet werden, um die tragische Entwicklung zu spiegeln, bleibt die Frage, warum sich die ursprünglichen Schlagzeilen auf die Angreifer konzentrieren und nicht auf die Opfer?

“Israelische Frauen Opfer von Terroranschlag” wäre eine akkuratere Schlagzeile.

Im Kontrast dazu hat der Guardian heute eine Schlagzeile für eine Story über eine Attacke in Schweden, die folgendermaßen aussieht:

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Warum der Unterschied in der Behandlung des Themas? Ist ein israelisches Terroropfer nicht dieselbe Berichterstattung wert wie ein schwedisches?

Schlichen sich diese Fehler durch die übergroße Eile ein, die beim Veröffentlichen einer Story an den Tag gelegt wird? Vielleicht. Aber wenn Eile ein solch großer Faktor ist, dann könnte man vernünftigerweise erwarten, dass die Artikel und Schlagzeilen bereits auf den neuesten Stand gebracht worden wären. Wenn man dann die konsistente Ausrichtung beider Blätter auf die Angreifer bei palästinensischen Terroranschlägen betrachtet und deren Fallenlassen der Opfer, dann scheint es, als ob beide Blätter genau diesen Stil bevorzugen.

***

UPDATE: Die New York Times hat den Artikel entsprechend überarbeitet, und der Guardian hat eine AP-Story veröffentlicht, in welcher der Tod von Shlomit Krigman beschrieben wird.

Die New York Times lässt das Messer fallen

25. Januar 2016

Yarden Frankl, HonestReporting, 24. Januar 2016

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Hier die Schlagzeile, mit welcher die New York Times anfangs einen Artikel über das Ergebnis eines fehlgeschlagenen palästinensischen Terroranschlags begann:

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Selbst die NYT erkannte irgendwann, wie komplett irreführend diese Schlagzeile war. Also fügten sie zwei Wörter ein, die einen großen Unterschied machen — obwohl sie auch “sagt Polizei” schreiben, um Zweifel zu wecken, ob das palästinensische Mädchen überhaupt ein Messer in der Hand gehalten hat. Die ursprüngliche Schlagzeile hatte keinen solchen Vorbehalt.

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Aber reicht dies aus? Zugegeben, es ist wichtig, dass die Times (im Nachhinein!) das Gefühl hatte, die Leser sollten wissen, dass das Mädchen ein Messer in der Hand hatte. Es wirft jedoch die Frage auf, warum der für die Schlagzeile Verantwortliche nicht klarstellte, dass sie getötet wurde, als sie das Messer gegen eine israelische Wache einsetzen wollte. Es steht ja im ersten Absatz: Sie wurde getötet, “nachdem sie mit einem Messer auf ihn zurannte”.

Aber wie viele Leute sahen die ursprüngliche Schlagzeile und schlossen aus ihr, ein Israeli hätte ein unschuldiges Mädchen erschossen?

Womöglich sollten wir der Times dankbar sein, dass sie wenigstens diesen schwachen Versuch zur Verbesserung der Schlagzeile unternommen hat. Bei Sky News Australia und auch im Australian sieht die bislang unveränderte Schlagzeile so aus:

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Weiter unten im Artikel nennt Sky folgende Einzelheiten:

Sie hielt ein Messer in der Hand, rannte auf einen Sicherheitsmann am Zugang zur Siedlung Anatot zu, und er eröffnete das Feuer.

Aber kein Mensch, der einfach nur die Schlagzeile liest, hätte auch nur den Schimmer einer Ahnung, was sich wirklich zugetragen hat.

Leider sind das einfach nur zwei weitere Beispiele der Bemühungen vieler Medien, die wahre Natur palästinensischen Terrorismus, dem Israel ausgesetzt ist, herunterzuspielen.

New York Times: Palästinensische Attacken “Gewaltabtausch”

20. Januar 2016

Simon Plosker, HonestReporting, 19. Januar 2016

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Die 38jährige Dafna Meir, Mutter von sechs Kindern, wurde in ihrem Zuhause in Otniel erstochen. Nur einen Tag später wurde die 30jährige Michal Froman, die im fünften Monat schwanger ist, beim Einkaufen in Tekoa niedergestochen. Glücklicherweise überlebten Froman und ihr ungeborenes Kind.

Die New York Times entschied sich für folgende Schlagzeile:

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Worin genau bestand dieser “Gewaltabtausch” denn?

Gab es einen Gewaltabtausch, als Dafna Meir ihren Angreifer abwehrte, um ihre Kinder zu beschützen? Oder vielleicht als israelische Sicherheitskräfte den Palästinenser neutralisierten, der Michal Froman niederstach?

Palästinenser, die unschuldige israelische Frauen erstechen, und israelische Sicherheitskräfte, die etwas gegen die Terroristen unternehmen, sind moralisch nicht gleichwertig und können keinen “Gewaltabtausch” darstellen.

Im Artikel selbst steht nichts über irgendwelche spezifischen Gewaltabtausche, warum erscheint das Wort also in der Schlagzeile?

Wir haben die New York Times aufgefordert, die Schlagzeile anzupassen.

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Wir begrüßen, dass die New York Times ihre Schlagzeile kurz nach unserer Aufforderung geändert hat. Die neue Schlagzeile sieht so aus:

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Palästinensischer Terrorismus keine Nachricht mehr wert?

19. Januar 2016

Simon Plosker, HonestReporting, 18. Januar 2016

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Selbst nach den haarsträubenden “Standards” palästinensischer Terroristen war der brutale Mord an einer israelischen Mutter Sonntagnacht in ihrem eigenen Zuhause besonders ruchlos. Dafna Meir, 38, war eine Krankenschwester, Mutter von vier Kindern und Pflegemutter von zwei weiteren.

Dass sie in der Siedlung Otniel in der Nähe von Hebron gelebt hat, sollte die Tat des Palästinensers, der in ihr Haus einbrach und sie erstach, in keinster Weise erklären, entschuldigen oder rechtfertigen. Laut den Berichten setzte sich Meir dem Angreifer tapfer zur Wehr und schützte damit drei ihrer Kinder, die sich zu jenem Zeitpunkt im Haus aufhielten. Die grausame Attacke wurde von ihrer 17jährigen Tochter miterlebt, die der IDF eine Beschreibung des Terroristen gab.

Angesichts der Natur der Attacke, des Tatorts, des relevanten Kontexts und der Tatsache, dass die Tochter Augenzeugin der Tat wurde, ist kristallklar, wer verantwortlich war. Nicht jedoch für die International Business Times:

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Warum steht das Wort “Palästinenser” in Anführungszeichen? Schon wieder scheint es, als wolle eine Zeitung die palästinensische Verantwortlichkeit für Terror verwässern.

Trotz dieser danebengegangenen Schlagzeile war die IBT eines der wenigen Mainstreammedien, welche den Terroranschlag überhaupt erwähnten. Bei CNN, NPR, Wall Street Journal, Times of London, Daily Telegraph, Guardian, Australian, Sydney Morning Herald und vielen anderen herrschte Schweigen.

Der Independent führte seine Basisdarstellung palästinensischen Opferleids unter der harten Hand Israels weiter und erwähnte den Terroranschlag in zwei Sätzen im 15. Absatz, quasi als Nachgedanke zu einem Bericht über palästinensische Gemeinden, die sich gegen die israelische Zerstörung der Häuser von Terroristen zusammentun.

Was die weitere Berichterstattung betrifft, so brachte Reuters (anders als die Associated Press oder AFP) nicht einmal einen einzeln stehenden Bericht über den Terroranschlag, sondern verpackte ihn als den “jüngsten Vorfall” in einem Sammelbericht über kürzliche Ereignisse.

Und die Berichterstattung der BBC enthielt praktisch keine Einzelheiten über den Mord, außer dass man Dafna Meir als Mutter Ende dreißig beschrieb. Statt dessen spiegelt die Schlagzeile das wahre Hauptaugenmerk der BBC — nämlich dass Dafna Meir in einer Siedlung lebte:

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Die kurze Schlagzeile auf der Nahost-Website der BBC ist noch übler:

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Die oben angeführte Berichterstattung bzw. Nichtberichterstattung wirft einige ernste Fragen für die Medien auf:

  • Wie blutrünstig muss ein palästinensischer Terroranschlag gegen Israelis denn sein, um einen Bericht zur Folge zu haben?
  • Warum spielen einige Medien noch immer die palästinensische Verantwortlichkeit für mörderischen Terrorismus herunter und stellen Palästinenser statt dessen als Opfer von israelischer Boshaftigkeit dar?
  • Warum sollte der Ort von Dafna Meirs Zuhause vom brutalen Mord an einer israelischen Mutter vor den Augen ihrer Kinder ablenken oder diesen rechtfertigen?

Leider kennen die die Antworten darauf wohl nur allzu gut.

Hamas-Demokraten und israelische Spionagedelfine

16. Januar 2016

Simon Plosker, HonestReporting, 14. Januar 2016

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Die International Business Times berichtet über das Todesurteil für vier Palästinenser durch ein Militärgericht der Hamas. Ihnen wird vorgeworfen, für Israel zu spionieren.

Der Text enthält folgenden Revisionismus der Geschichte:

Die Hamas herrscht über den Gazastreifen, seit sie eine Wahl gegen die rivalisierende Fatah-Partei gewonnen hat, und kämpfte gemeinsam mit der islamischen Milizgruppe 2014 in einem siebenwöchigen Sommerkrieg gegen Israel.

Vermutlich liegt es am schlechten Lektorat, dass nicht von der “Milizgruppe Islamischer Dschihad” die Rede war. Der Rest des Satzes ist das Ergebnis blanken Unwissens.

Erhielt die Hamas wirklich die Kontrolle über Gaza, nachdem sie eine Wahl gewonnen hat?

Tatsächlich veranstaltete die Hamas im Juni 2007 einen Staatsstreich und schlug die Exekutive der Fatah mit bewaffneten Streitkräften nieder. Angehörige der Fatah wurden exekutiert, u. a. wurden sie von hohen Gebäuden geworfen.

Die Aussage der IBT trägt zum Mythos bei, die Hamas sei legitimer Herrscher über Gaza.

Unten im letzten Absatz finden wir noch mehr unbeholfenen Journalismus. Dort wird erklärt, wie misstrauisch die Hamas wegen möglichen Spionen ist, und es wird folgendes Beispiel gegeben:

Im August 2015 fing die Hamas vor der Küste Gazas einen Delfin, an dem Spionageapparaturen wie z. B. Kameras befestigt waren.

In Wirklichkeit hat die Hamas das einfach nur behauptet, aber niemals irgendwelche Beweise vorgelegt. Die IBT berichtet diesen Vorfall jedoch als Fakt und verleiht der wachsenden Liste von Tieren, die angeblich für Israel spionieren (wie z. B. Mossad-Haie, Geier, Turmfalken oder Adler), unverdiente Glaubwürdigkeit.

Nennt sich so etwas professioneller Journalismus?

Die New York Times gibt zu, Kontext zu verschweigen

10. Januar 2016

Yarden Frankl, HonestReporting, 10. Januar 2016

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Ayed Fadel, Hauptquelle eines New-York-Times-Artikels über die palästinensische Sozialszene in Haifa, beschwerte sich bitter darüber, dass seine Aussagen aus dem Zusammenhang gerissen wurden. Trotz der Darstellung der Journalistin Diaa Hadid, die Szene würde progressive Werte vertreten, ist die Wirklichkeit weit politischer. Wie wir gezeigt haben, ist Fadels Facebookwand voller antiisraelischer Beiträge und zeigt auch keinerlei Unterstützung für die Rechte Homosexueller.

Beschwerden zahlreicher Leser erreichten den Public Editor der New York Times, Margaret Sullivan. Ihre Antwort räumt ein Versagen auf Seiten der Times ein:

Was jedoch fehlte, was etwas, das ich in meiner Nahost-Kolumne empfohlen habe: viel Kontext. Zwar ist es unmöglich (und nicht ratsam), die Geschichte Israels und Palästinas in jeder Nachrichtenberichterstattung und jedem Sonderbeitrag darzulegen, benötigte dieser Artikel jedoch mehr politische und geschichtliche Informationen, um ihn in die richtige Perspektive zu rücken.

Keine Formulierung eines Artikels wie diesem wird jeden Leser zufriedenstellen. Aber die Times kann es besser machen, indem sie mehr Kontext und weitere Informationen bereitstellt, selbst in einem Sonderbeitrag.

In einem Folgebeitrag drückte Hadid, die Journalistin, gegenüber Sullivan ihre Überraschung aus, dass nicht nur einer, sondern gleich vier ihrer Interviewpartner sagten, ihre Aussagen seien aus dem Zusammenhang gerissen worden:

Ich habe diese Story geschrieben, weil ich Haifas einzigartiger Kultur Tribut zollen wollte. Insbesondere wollte ich zeigen, wie die palästinensischen Bürger Israels ihre eigene dynamische, linke Szene in der Stadt errichtet haben. Daher war ich äußerst überrascht zu hören, dass mindestens vier Interviewpartner den Eindruck hatten, ich hätte sie in der Story falsch dargestellt, und dass diese Story mehr Kritik zur Folge hatte als jede andere, die ich in knapp einem Jahrzehnt Nahostberichterstattung geschrieben habe.

Es ist sehr offenbarend, dass die Hauptkritik der Interviewpartner darin bestand, ihre politischen Ansichten seien aus dem Artikel herausgelassen worden.

Und die Ironie ist, dass wir dem zustimmen.

Der von den Interviewten gepflegte Israelhass hätte im Artikel erwähnt werden sollen, damit die Leser verstehen, dass ihre liberalen Ansichten ein sofortiges Ende finden, sobald es um Frieden und Koexistenz geht.

Aber wir begrüßen, dass Sullivan den Anliegen der Leser gegenüber offen war und sie der Journalistin mitgeteilt hat.

Kontext von Hisbollah-Grenzattacke geht verlustig

6. Januar 2016

Simon Plosker, HonestReporting, 5. Januar 2016

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Die Hisbollah übernahm die Verantwortung für die Detonation einer improvisierten Sprengvorrichtung (IED) nahe einer IDF-Patrouille an der Grenze zum Libanon.

Aber wo genau passierte das?

Laut der Financial Times (erreichbar via Google News):

(…) die IED war für IDF-Fahrzeuge im Gebiet der Schebaa-Farmen gedacht, ein vom israelischen Militär besetztes Gebiet.

Und der Guardian erklärt:

Die Explosion ereignete sich zirka um 15:15 Uhr Ortszeit in der Nähe der besetzten Schebaa-Farmen … Die Hisbollah erklärte sich für den Anschlag verantwortlich und sagte, sie hätte die große Sprengvorrichtung gezündet, als eine bewaffnete Patrouille im umstrittenen Gebiet der Schebaa-Farmen vorbeifuhr.

Auch die Press Association des Vereinigten Königreichs beschrieb das Gebiet als “umstritten”. Wäre dies der Fall, gäbe es einen Disput, an dem zwei Seiten beteiligt sind, aber die Press Association präsentiert nur eine Seite:

Die Sprecher sagten, die Patrouille sei nahe einer israelischen Armeestellung in den Kfar-Chouba-Hügeln getroffen worden, welche laut dem Libanon von Israel besetztes libanesisches Land sind.

Welchen wichtigen Kontext lassen obengenannte Medien aus?

Die Hisbollah hat die Präsenz israelischer Truppen in dem Gebiet zur Rechtfertigung fortgesetzter Attacken benutzt, nachdem sich der jüdische Staat im Mai 2000 aus dem Südlibanon zurückgezogen hatte.

Israel sieht den Sektor als Teil der Golanhöhen, die es 1967 von Syrien eroberte und 1981 annektierte.

Auch der Libanon beansprucht die Souveränität über das fragliche Gebiet.

Die Grenze zwischen den beiden Ländern wurde nach dem israelischen Rückzug aus dem Südlibanon nach 22 Jahren Besatzung von den Vereinten Nationen gezogen.

Es wurde jedoch nie eine exakte Grenze etabliert, da die britischen und französischen Kolonialmächte im Jahr 1923 nicht genau entschieden, wo ihrer Meinung nach der Libanon, das britische Mandat Palästina und Syrien zusammentrafen.

Syria nutzte dieses Versäumnis, erweiterte 1957 seine Gebietsherrschaft und behielt dort für 10 Jahre die Macht.

Im Jahr 2000 entschieden die Vereinten Nationen, die Schebaa-Farmen seien syrisch, aber der Libanon hat die UN um eine Neuprüfung dieser Frage gebeten.

Trotz dieser wichtigen Hintergrundinformation scheint es, dass einige Medien einfach zu faul sind, der Story irgendeinen anderen Anstrich zu geben als die eines berechtigten Grolls der Hisbollah über israelische “Besatzer” libanesischen Landes.


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