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Warum Twitter Ihre Aufmerksamkeit verdient

30. Januar 2012

Simon Plosker, HonestReporting.com, 30. Januar 2012

2012 sind die Internetseiten sozialer Medien wie Facebook und Twitter zu einem unauslöschbaren Teil der Mainstream-Kultur geworden. Ein weiteres soziales Medium des Internet, Twitter, könnte allerdings das einflussreichste beim Formen der öffentlichen Meinung sein. Mit 100 Millionen Mitgliedern, von denen die Hälfte täglich postet, wäre es ein Fehler, Twitters Einfluss zu übersehen, insbesondere bei Schlüsselgruppen wie Journalisten und anderen Meinungsführern.

Viele israelische Offizielle, Ministerien und diplomatischen Missionen haben ihre eigenen Twitter-Konten, um Informationen zu teilen und die Öffentlichkeit zu engagieren. 2009 hielt das israelische Konsulat in New York die erste jemals veranstaltete Twitter-Pressekonferenz ab und nahm Fragen zum Gazastreifen direkt von interessierten Personen entgegen. David Saranga, der dieses historische Ereignis organisierte, artikulierte am besten, welche Gedanken hinter der Öffentlichkeits-Diplomatie stehen, die inzwischen üblich ist:

Unsere größte Lehre war die Bedeutung und den Menschen dadurch ein Medium zur Verfügung zu stellen, das sie verstehen.

Jeder, der während der beiden letzten Jahre HonestReporting gelesen hat, weiß, dass Twitter-Einträge („Posts“), so kurz sie sind, Macht haben, Karrieren zu ermöglichen oder zu vernichten. 2010 postete CNN-Reporterin Octavia Nasr einen Tweet darüber, welchen Respekt sie für den libanesischen Großayatollah Mohammed Hussein Fadlallah, einen der geistigen Führer der Hisbollah, empfinde. Innerhalb von Tagen wurde Nasrs lange Karriere als Journalistin in weniger als 140 Buchstaben ausgelöscht, da CNN sie wegen einzigen Tweets feuerte.

Etwas weniger lange ist es her, dass Shurat HaDin (das Israeli Law Center) Twitter gedroht, hat es zu verklagen, weil man Hisbollah und anderen von der US-Regierung als terroristisch eingestufte Organisationen erlaubt, Accounts zu betreiben. In einem Brief an Twitter-Geschäftsführer Richard Costolo machte Shurat HaDin geltend, dass Terrorgruppen Kommunikationsplattformen und Dienste zur Verfügung zu ueberlassen „die Art scheinbar harmloser materielle Unterstützung darstellt, die Ihre Firma und Sie persönlich strafrechtlich und zivilrechtlich haftbar macht“.

Gleichzeitig ist Twitter ein wichtiger Katalysator für den Wandel bei praktisch jeder größeren sozialen Aktion gewesen, von Protesten gegen Wahlfälschungen im Jahr 2009 bis zum Sturz des ägyptischen Diktators Hosni Mubrak 2010. Es dient als einfaches Kommunikationsmittel großer Gruppen von Menschen.

Auch der Begriff Twitter-Revolution hat Einzug ins Wörterbuch gehalten; er bezieht sich auf Personen, die die Internetseite zur Kommunikation ihrer Not nutzen, wenn repressive Regime versuchen, den Kontakt zur Welt draußen abzuwürgen.

Twitter-Einträge mögen den Menschen außerhalb des Twitter-Universums also trivial erscheinen, doch die meisten Macher dieser Welt bewegen sich täglich auf der Internetseite, um sich zu vernetzen, über aktuelle Ereignisse auf dem Laufenden zu bleiben und für ihre Weltanschauung zu werben. Sich die Macht und Reichweite von Twitter nutzbar zu machen ist daher für die Maximierung des eigenen Einflusses auf die Welt unerlässlich.

Jedem, der Twitter zum ersten Mal begegnet, muss verziehen werden, wenn er die Seite verwirrend findet. Als ersten Eindruck erhalten viele Menschen eine Reihe nicht miteinander in Verbindung stehender Einträge, denen zu folgen schwierig ist und die noch schwieriger zu lesen sind, weil Abkürzungen und Symbole benutzt werden, die für den Uneingeweihten keinen Sinn ergeben. Eine kleine Anzahl an Regeln und verbreitete Gewohnheiten können die Seite für jeden weit zugänglicher machen. Und mit ein wenig Praxis beim Verschicken von Tweets können die Leute in Nullkommanichts von Anfängern zu erfahrenen Experten werden.

Regel 1: Alle Einträge sind auf ein Maximum von 140 Buchstaben begrenzt

Das Limit schließt die Leerstellen zwischen den Worten ein. Das bedeutet, dass die meisten Einträge aus rund zwei Sätzen bestehen. Viele würden gerne Links zu Online-Artikeln hinzufügen, also müssen 25 der Zeichen für Links freigehalten werden.

Trotz der Kürze feinden die Menschen, dass Twitter eine effektive Plattform ist, um mit velen Menschen gleichzeitig zu kommunizieren.

Regel 2: Folge Leuten, die du interessant findest

Im Allgemeinen sind Tweets für die gesamte Öffentlichkeit zugänglich und jeder kann sehen, was alle andere tweeten, indem er auf der Profilseite einer Person nachsieht. Aber die einzigen Tweets, die in Ihrem Twitterfeed (der linken Spalte im obigen Diagramm) erscheinen, sind die von Personen, denen Sie folgen. Die meisten Ihrer Interaktionen werden mit diesen Personen stattfinden.

Eine Möglichkeit anzufangen besteht darin mit dem Hashtag-System (#) nach interessierenden Themen zu suchen. Twitter-User nutzen das #-Symbol, um in ihren Tweets Themen zu markieren. Wenn es also ein Thema zu Israel gibt, das Sie interessiert, sollten Sie nach #Israel suchen. Die Ergebnisse, zu denen sowohl proisraelische als auch antiisraelische Tweets gehören, würden so aussehen:

Die Ergebnisse erscheinen auf der linken Seite des Diagramms. Rechts bietet Twitter Vorschläge, welchen Personen Sie noch folgen könnten. Je mehr Sie tweeten, desto mehr Twitter kennen Ihre Interessen, also werden die Vorschläge gezielter. Keiner ist verpflichtet, Ihnen im Gegenzug zu folgen, aber in vielen Fällen werden die Leute das tun, besonders, wenn Sie Einträge zu ihren Interessenthemen schreiben. Personen mit gemeinsamem Interesse zu folgen ist einer der besten Wege, die Zahl derer zu vergrößern, die Ihnen folgen.

Eine weitere Art Personen zu finden, denen Sie folgen wollen, besteht darin, sich anzusehen, wer sonst den Personen folgt, die Sie interessant finden. Gefallen Ihnen zum Beispiel Tweets von HonestReporting, dann sehen Sie sich an, wer den Tweets von HR folgt und folgen Sie einigen von ihnen. Ein rascher Blick auf deren Profilseiten, und Sie werden wissen, ob Sie gemeinsame Interessen haben.

Und denken Sie daran: Nutzen Sie dien Hashtag #Israel, um Ihre Einträge zu markieren, damit andere sie finden können.

Sich der Unterhaltung anschließen

Haben Sie erst einmal auf Twitter Personen gefunden, die Ihre Interessen teilen, besteht der nächste Schritt darin, mit ihnen zu interagieren – entweder direkt oder indirekt. Die elementarste Form der Interaktion ist ein einfaches „retweet“.

Wenn Sie einen Eintrag sehen, von dem Sie denken, dass es für die Ihnen Folgenden nützlich sein würde ihn zu sehen, dann können Sie ihn retweeten, entweder, indem sie auf den retweet-Button innerhalb des Tweets klicken oder indem sie die Buchstaben RT an den Anfang schreiben und ihn erneut posten. Das dient als virtuelle Bestätigung der Nachricht und lässt die Ihnen Folgenden wissen, dass Sie sie unterstützen.

Je mehr Sie andere Personen retweeten, desto wahrscheinlicher werden Sie Ihnen den gleichen Gefallen tun und Ihnen erlauben, neben Ihren eigenen auch die ihnen Folgenden zu erreichen.

Finden Sie jemanden, mit dem Sie direkt kommunizieren wollen, dann können Sie ihm oder ihr eine direkte Nachricht schicken. Direkte Nachrichten sind nur zwischen Personen erlaubt, die einander folgen. Wenn Sie eine direkte Nachricht senden, kann nur der Empfänger sie sehen.

Eine sozialere Form der Kommunikation ist als @message bekannt. Dabei handelt es sich um eine öffentliche Nachricht, die sich an bestimmte Twitter-User wendet. Möchte jemand HonestReporting eine Nachricht auf öffentlichem Weg schicken, kann er oder sie die Nachricht mit @Honestreporting beginnen. HR würden dann per E-Mail auf die Nachricht aufmerksam gemacht und sie würde in der in den „Erwähnungen“ bei Twitter zu sehen sein.

Man kann einen offenen Dialog mit jemand anderem über @message eröffnen oder auf den Tweet eines anderen antworten. Wenn Sie die Antwort-Funktion benutzen, beginnt Twitter den Tweet automatisch mit einem @message, das sich an die Person richtet, der Sie antworten und informiert ihn oder sie von der Antwort.

Es gibt viele weitere Abkürzungen, die Sie in einem durchschnittlichen Tweet finden könnten, zusammen mit abgekürzt buchstabierten Wörtern, so dass die größte Zahl in die 140 Zeichen passt. Hier finden Sie eine Liste der üblichsten [englischen!] Abkürzungen.

Ein guter Überblick über die Grundprinzipien

Wie bei den meisten Dingen des Internets können alle Fragen, die bei der Nutzung von Twitter aufkommen, in der Regel beantwortet werden, indem man eine Google-Suche durchführt. Es ist auch relativ leicht, Twitter-Kurse auf YouTube zu finden.

Es gibt zwar viele andere, doch das Video unten erledigt eine exzellente Arbeit, die die Grundprinzipien von Twitter aufzeigt, während es Ihnen das Portal selbst zeigt. Es ist definitiv wert sich diese wenigen Minuten anzusehen, bevor man anfängt.

Und wenn Sie angefangen haben, vergessen Sie nicht HonestReporting und Media Backspin zu folgen, dem Twitter-Konto, das mit dem täglichen Blog von HonestReporting verbunden ist. [Die deutschen Übersetzungen finden Sie hier: https://twitter.com/#!/MedienBackspin] Und lassen Sie uns wissen, dass sie das gemacht haben. Wir würden uns freuen von Ihnen zu hören.

Also: Gehen sie sie gleich auf www.twitter.com und eröffnen Sie ihr Twitter-Konto und fangen Sie an für Israel zu twittern!

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Eine Bitte:
Wer zu den gefundenen englischen Links (Texte, Bilder, Video) entsprechende deutsche findet, bitte in den Kommentaren einstellen!

Berichte, die E-Mail sei tot, scheinen übertrieben zu sein

12. August 2010

HonestReporting Media Backspin, 12. August 2010

HonestReportings Gesellschafts-Redakteur Alex Margolin schreibt gelegentlich Einträge zu sozialen Medienfragen. Er ist für HonestReportings Facebook-Seite verantwortlich.

Seit dem Aufkommen der sozialen Medien haben Experten ständig den Zusammenbruch der E-Mail als Werkzeug der Massen prophezeit. Facebooks leitende Geschäftsführerin Sheryl Sandberg sagte kürzlich auf einer Konferenz dem Publikum, Teenager zögen E-Mails das Instant Messaging vor; sie signalisierte, dass die alte elektronische Post am Ende sei. „E-Mailing – ich kann mir ein Leben ohne nicht vorstellen – wird wahrscheinlich verschwinden“, sagte Sandberg. „Wenn Sie wissen wollen, was Leute wie wir morgen tun werden, dann sehen Sie sich an, was Teenager heute tun.“

Im Wall Street Journal erklärte Reporterin Jessica Vascellaro letzten Oktober, E-Mails erfüllten nicht länger ihren Zweck, wenn wir ständig über Mobiltelefone und schnelle Internetverbindungen miteinander verbunden sind.

Warum auf die Antwort auf eine E-Mail warten, wenn man über Instant Messaging eine schnellere Antwort bekommen kann? Dank Facebook können manche Fragen beantwortet werden, ohne dass man sie stellt. Man muss keine Freundin fragen, ob sie Arbeit übrig hat, wenn sie ihre öffentlichen „Status“ auf der Seite der Welt das mitteilt. E-Mailing, das im Zeitalter der Anhänge feststeckt, erscheint im Vergleich zu Diensten wie Google Wave, das sich derzeit in der Testphase befindet, langweilig; Google Wave erlaubt den Usern Fotos weiterzugeben, indem man sie per Drag and Drop von einem Desktop in Wave zieht und Kommentare in Echtzeit eingibt.

Nun, die Berichte des Todes der E-Mail scheinen übertrieben zu sein. Erst diese Woche kündigte Google an, es werde Google Wave nicht weiterführen. Der Dienst, von dem Google hoffte, er werde Gmail ersetzen, zog einfach nicht genügend User an.

Wie erklären wir aber den Sieg der E-Mail über einen so technisch fortschrittlichen Gegner wie Google Wave? Immerhin konnte Google Wave alles, was E-Mailing konnte und noch viel darüber hinaus, einschließlich Echtzeit-Zusammenarbeit zu Dokumenten. Abgesehen von den offensichtlichen Gründen – dass die Leute mit ihrem E-Mail-Dienst zufrieden sind und keine Notwendigkeit für Veränderungen sahen – hebt der Lauf der Ereignisse einige Trends hervor, die heute im Internet ablaufen. Zwei Trends stechen heraus.

1. Google Wave ist, wie viele neue technologische Innovationen, Teil einer Schwemme an Produkten, die viel schneller geschaffen werden, als die kritische Masse der Menschen sie konsumieren kann. Viele hoch technisierte Blogs bringen Rezensionen neuer Software-Pakete it erstaunlichen neuen Fähigkeiten. Am nächsten Tag gibt es einen Stapel neuer Produkt-Rezensionen. Das Ergebnis ist die Ansammlung von Technologie, deren Nutzbarkeit die Leute bisher nicht finden konnten.

Produkte, die sich durchsetzen, wichen durch die User oft von ihrer ursprünglichen Gebrauchsabsicht ab. Twitter zum Beispiel wurde ursprünglich geschaffen, damit den Leuten durch regelmäßige Updates ihrer alltäglichen Aktivitäten dabei geholfen werden konnte mit Freunden in Kontakt zu bleiben. Als es mehr und mehr angenommen wurde, richteten User – nicht das Twitter-Management, die Firma – Normen wie das „retweet“ und die Hashtag-Organisationssystem ein. Der Dienst stieg während des Anschlags auf Mumbai als wichtiges Kommunikationsmittel auf, weil die Leute Informationen beinahe in Echtzeit einstellten.

Also wird E-Mail überleben, weil die Menschen bereits wissen, wie sie planen können sie zu nutzen. Google Wave mag diese Optionen vergrößert haben, aber dass es sich nicht durchsetzen konnte zeigt an, dass es wenig Bedarf für einen Quantensprung im E-Mail-Leistungsvermögens gibt.

2. E-Mail wird weiterhin in signifikanter Zahl genutzt als Möglichkeit werden, dass die Menschen sich gegen Informationsüberflutung wehren.

Vollzeit mit dem Net verbunden zu sein, mag das Tempo der Produktivität beschleunigen, aber es könnte auch zu Burnout und dem Bedürfnis nach Rückzug führen. Es mag frustrierende sein „auf die Antwort auf eine E-Mail zu warten“, doch wir bestimmen zumindest das Tempo unserer Kommunikation.

Ironischerweise wurde derselbe Begriff für die Notwendigkeit benutzt, die Flut an E-Mails auszusieben, die die Leute jeden Morgen vorfinden würden, wenn sie zur Arbeit kommen. Für die heutige Arbeitsumwelt gilt das noch viel mehr.

Dem Echo-Raum des Internets entkommen

9. August 2010

HonestReporting Media Backspin, 8. August 2010

HonestReportings Gesellschafts-Redakteur Alex Margolin schreibt gelegentlich Einträge zu sozialen Medienfragen. Er ist für HonestReportings Facebook-Seite verantwortlich.

Das Aufkommen der sozialen Medien hat es einfacher gemacht Informationen mitzuteilen und wichtige Ideen zu fördern. Selbst kurze Zeit bei Twitter oder auch Facebook wird eine massive Anzahl an Einträgen aufzeigen, die Links zu Online-Inhalten haben, die die Leute mit ihren Freunden und Online-Bekanntschaften teilen wollen.

Die Menschen erhalten ihre Nachrichten zunehmend aus diesen Quellen statt aus den traditionellen Medien. In vielen Fällen haben die Leute das Gefühl den traditionellen Informationsquellen überhaupt nicht mehr folgen zu müssen. Wenn etwas ihre Aufmerksamkeit wert ist, so argumentieren sie, wird das letztlich den Weg in die Online-„Gespräche“ finden.

Diese Art der Demokratisierung der Medien – wo jeder einen Link zu einem Artikel oder Blogeintrag setzen oder einen eigenen Artikel oder Blogeintrag schreiben kann – wird oft als einer der größten Nutzen des sozialen Web genannt. Dank Googles PagerRank-Algorithmus wird in der Google-Suchmaschine jeder angesehene Link als „Stimme“ für Inhalt gewertet; sie ist der wichtigste Sammler von Inhalten im Internet.

Doch parallel zur Zunahme der verfügbaren Inhalten ist die Notwendigkeit generiert worden Informationen zu filtern. Da aus allen Richtungen so viel Inhalte kommen, haben die Menschen es für erforderlich befunden ihren Medienkonsum auf Quellen zu beschränken, denen sie vertrauen und die sie wertschätzen.

Eine beliebte Form der Filterung kennt man als „Personalisierung“. Sie ist eine der fundamentalen Prinzipien von Seiten wie Facebook, wo unser „news stream“ uns zeigt, was unsere Freunde tun, sonst aber nichts. Personalisierung ist attraktiv, weil sie uns mit den Menschen in Verbindung hält, denen wir am meisten vertrauen.

Gleichzeitig trägt die Personalisierung zu einem anderen Phänomen bei, das zunehmend im Internet zu finden ist – die Atomisierung des Publikums in kleine Zugehörigkeitsgruppen, von denen viele nie mit anderen online interagieren.

Das Ergebnis ist eine Form von Echo-Raums, in dem wir unsere Meinung als Echo von gleich denkenden Menschen zu hören bekommen. Das Ergebnis stärkt unsere Überzeugungen zu vielen Themen, verschließt uns aber auch für alternative Ansichten. Das geschieht sogar auf Seiten, die kein anderes Ziel haben, als uns etwas zu verkaufen, zum Beispiel Amazon. Die Seite personalisiert ihre Dienste durch Speicherung von Informationen über ihre Besucher und die Erstellung individualisierter Empfehlungen. Dadurch sehen die Leute mehr von dem, was sie früher schon gekauft haben und weniger von allem anderen.

In seinem 2004 – einige Jahre, bevor Seiten wie Facebook und Twitter geschaffen worden waren –  veröffentlichten Buch The Wisdom of Crowds warnte James Surowiecki vor der Notwendigkeit sich in Gruppen aufzuteilen. Homogenisierte Gruppen wurden einfacher zusammenhaltend als ungleich zusammengesetzte Gruppen; und je geschlossener sie werden, desto abhängiger wird man von der Gruppe, desto isolierter vor Meinungen von außen und daher überzeugter, dass das Urteil der Gruppe zu wichtigen Fragen richtig sein muss. Dieser Art Gruppen ist eine Illusion der Unverletzbarkeit gemein, eine Bereitschaft mögliche Gegenargumente zur Haltung der Gruppe zu rationalisieren und eine Überzeugung, dass abweichende Meinungen nicht nützlich sind.

Die derzeitigen Trends im Internet machen Verschiedenheit innerhalb von Gruppen jedoch schwieriger. Andererseits bietet das Internet auch eine bunte Mischung an Meinungen aus dem breitest möglichen Spektrum. Alles, was man braucht, ist die Bereitschaft sie zu suchen.

Schafft das Internet neue Arten von Medien-Einseitigkeit?

12. Mai 2010

HonestReporting Media Backspin, 12. Mai 2010

HonestReportings Gesellschafts-Redakteur Alex Margolin schreibt gelegentlich Einträge zu sozialen Medienfragen. Er ist für HonestReportings Facebook-Seite verantwortlich.

Wenn es ums Internet geht, dann hatte Marshal McLuhan Recht: Das Medium ist tatsächlich die Botschaft.

Genau das bekommen die Washington Post und ander Schwergewichte der traditionellen Medien zu spüren, die jetzt darum kämpfen eine lebendige Web-Präsenz zu erstellen. Die Post investierte in einen starken Stamm an Bloggern für ihre Internetseite.

Das Problem dabei, berichtet Politico, besteht darin, dass der Erfolg der liberalen Blogger der Post die Internetseite weiter nach links gedrückt hat als die Printausgabe:

Die Post ist jetzt Heimat dreier der stärksten linken Blogs des Internet und bezieht einen unverhältnismäßig großen Anteil ihrer Zugriffe und Begeisterung durch sie – eine signifikante Veränderung für eine traditionelle Zeitung, die kämpfen musste, um sich zu erneuern.

Kevin Merida, innenpolitischer Chefredakteur der Post, sagte, Online-Leser hätten andere Anforderungen als traditionelle Zeitungsleser.

Das Web ist ein Ort, an dem die Leute die tagesaktuellen Nachrichten Entwicklungen in der politischen Welt und öffentlichen Politik von anderen Blickwinkeln aus bekommen wollen, also versucht man ihnen online ein ziemlich robustes Sammelsurium anzubiegen“, sagte er.

Dieses Sammelsurium, mit dem auch das Internet selbst beschrieben ist, wird zunehmend von der „unsichtbaren Hand“ des Nutzerverkehrs und Leser-Engagements geleitet. So werden die Blogger mit dem meisten Verkehr oder den meisten eingehenden Links letztlich an die Spitze aufsteigen. Selbst einen Institution wie die Washington Post muss sich auf diesem Level beugen den Leser-Forderungen.

Das mag sich ultimativ ausbalancieren, wenn neue Technologien diskutiert wie Blogs werden, die ein eingeborener Teil des Internets sind. Was aber ist mit echten Nachrichten? Wird die Berichterstattung globaler Fragen wie Israel auch unverändert bleiben, wenn die Zeitungen ihren Schwerpunkt auf ihre Internetseiten verschieben? Außer, wenn Zeitungen extrem sorgfältig sind, könnten wir den Anfang eines neuen Typs von Einseitigkeit sehen – einen, der von Internet-Ökonomen angetrieben wird, nicht von den Regeln in der Nachrichten-Redaktion.

Mit anderen Worten: Das Medium verändert sich – wir bewegen uns vom Druck zu Digitalen; wie also wird sich das auf die Nachricht auswirken? Wie wir anhand der Erfahrung der Washington Post sehen, ist es problematisch ein ausgewogenes Angebot zu bieten, wenn die Form ein Sammelsurium fordert.

(Der letzte Eintrag aus Alex‘ Serie: Antisemitismus und die neuen Mainstream-Medien)

Stellen Sie sich die Empörung vor, wenn Israel beteiligt wäre

3. November 2009

HonestReporting Media BackSpin, 3. November 2009

Aus der Globe & Mail heute:

Wegen der heftigen Gewaltausbrüche im vergangenen Juli in der westchinesischen Stadt Urumqi griffen die chinesische Behörden zu radikalen Maßnahmen: Sperrung aller Internetzugriffe sowie SMS- und internationalen Telefonverbindungen in Xinjiang, einer widerspenstigen Provinz mit 21 Millionen Einwohnern.

Fast vier Monate später – und trotz der amtlichen Beteuerungen, dass sich die Lage in Xinjiang nach den ethnischen Konflikten, denen annähernd 200 Menschen zum Opfer gefallen waren, wieder entspannt habe – wird die Abschaltung nicht aufgehoben und schneidet die vorwiegend von muslimischen Ujguren bewohnte Region faktisch vom Rest des Planeten ab.

„Kollektivbestrafung“ nennt man es nur, wenn Israel beteiligt ist.

Iranische Hacker: Wir handeln in Kooperation mit dem Regime

22. Oktober 2009

HonestReporting Media Backspin, 19. Oktober 2009

MEMRI machte auf ein verblüffendes Eingeständnis iranischer Hacker aufmerksam:

Behrouz Kamalian, Kopf einer 15 Mitglieder starken iranischen Hacker-Gruppe namens „Ashyaneh“, erklärte, dass die Gruppe in Zusammenarbeit mit dem größten Teil der Regierungs- und Militär-Organisationen des Iran handelt und dass sie während des israelischen Angriffs auf den Gazastreifen und am „Quds-Tag“ (18. September 2009) 1.500 israelische Internetseiten sowie Hunderte dänischer Websites hackte; dies als Vergeltung für die Beleidigung des Propheten Mohammed.

Hacker mit offiziell staatlich Handelnden in Verbindung zu bringen ist fast unmöglich, weil die Identifizierung der Angriffe schon schwierig genug ist. Das Eingeständnis, dass eine Regierung hinter den Kulissen beteiligt ist – durch Sponsoring, Zusammenarbeit oder Befehl der Angriffe – ist schlicht alarmierend.

In diesem Zusammenhang interessant zu lesen: Gadi Evron on Cyber Warfare.

Texte, Lügen und Videobänder

9. September 2008

honestreporting.com Media BackSpin, 9. September 2008

Im Vorfeld des Jahrestags zu 9/11 in dieser Woche stellt die NY Times fest, dass die arabische Straße immer noch glaubt, die USA und Israel seien daran beteiligt gewesen. Die arabischen Medien haben Anteil an den Gerüchten, aber nicht so, wie man erwarten würde:

Den staatseigenen Medien wird auch misstraut. Daher glauben sie, dass die Regierung, wenn sie darauf besteht, dass bin Laden dahinter steckte, er es nicht gewesen sein kann.

Pech, dass die Araber keine wirklich freie Presse haben. Die von der starken Medienkontrolle gesäte Saat wurde von Aristoteles am besten beschrieben:

„Die kleinste ursprüngliche Abweichung von der Wahrheit wird später tausendfach vervielfältigt.“

Und für die Welt des Web 2.0 gilt das um so mehr.

Web-Tool findet Spin

9. September 2008

honestreporting.com Media BackSpin, 09. September 2008

Die neue Internetseite Spinspotter bietet jetzt die Beta-Version einer downloadbaren Toolbar an, die Spin erkennt.

Business Week erklärt, wir der Algorithmus und eine von den Nutzern generierte Datenbank mit Schlüsselwörtern und Sätzen funktioniert und mit den Leuten hinter dem Projekt spricht. Ein Technik-Blogger der New York Times hat die „Spinoculare“ schon ausprobiert und gibt einen Überblick, was sie leisten.

Die Toobar ist nur mit Firefox kompatibel; eine Version für den Internet Explorer soll in Kürze vorliegen.

Lesen Sie dazu auch: Die 7 Prinzipen für die Objektivität der Medien

(hat tip: Romenesko)

Leseempfehlungen

21. Mai 2008

honestreporting Media BackSpin, 21. Mai 2008

Bilder zeigen grausame Realität in Gaza. Sie verleihen dem Begriff „Reality TV“ eine neue Bedeutung.

Iran unterstützt Holocaust-Leugnung in Großbritannien. Adam Holland antwortet Yvonne Ridley.

UNRWA die Unterstützung entziehen. Die UN-Organisation hält einen untragbaren Zustand aufrecht.

Amerika ist müde. Das Schweigen der USA zum Coup im Libanon zeigt den Israelis, dass sie nur auf sich selbst zählen können.

Hamas zensiert Internetseiten im Gazastreifen.

Verärgerter Segler beschuldigt Ägypten, einen Törn vermasselt zu haben. Die aus Israel kommenden Boote wurden schikaniert und kehrten um.

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Gefahren der Internet-Apathie

15. April 2008

honestreporting Media BackSpin, 16. April 2008

Das American Jewish Committee richtet einen Videowettbewerb namens MyIsrael aus. Mit ähnlichen Gruppen bei Facebook und YouTube lernte Avigail Sugarman auf die harte Tour, dass Hass auf Israel auf diesen Seiten nicht ignoriert werden kann. Ich komme nun zum Kern der Sache:

YouTube ist ein bevorzugtes Instrument für die öffentliche Meinungsbildung und den Austausch von Ideen geworden. In diesem Fall jedoch wurde seine Macht – ausgestattet mit Tentakeln großer Reichweite und atemberaubender Geschwindigkeit – eingesetzt, um hasserfüllte antiisraelische Botschaften zu verbreiten…

Vor dieser Begebenheit glaubte ich, dass die inhaltliche Auseinandersetzung bei YouTube zweitrangig wäre; wir könnten bei antiisraelischen Äußerungen im Internet ein Auge zudrücken, aber hüten Sie sich davor, wenn diese die Bildungseinrichtung oder die New York Times erreichen. Ich lernte letzte Woche, dass das Aussitzen dieser Debatte in diesem Fall bedeuten wird, dass jene, die Israel hassen, für jedermann, der das Wort „Israel“ in eine Suchmaschine eintippt, die Denkrichtung vorgeben. Wenn wir zu träge sind, diese neue Front zu erkennen, werden wir die Chance verlieren, Einfluss auf die Diskussion zu nehmen und das Blatt zu wenden.

Zum vollständigen Artikel…

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