Archive for the ‘Die Welt und Nahost’ category

’Gemäßigt’ ist in Nahost ein schwammiger Begriff – fragen Sie mal bei Assad* nach

18. Juni 2013

HonestReporting Media BackSpin, 18. Juni 2013

Denken wir zurück an das Jahr 2000, als Baschar al-Assad Präsident von Syrien wurde. Da gab es Schlagzeilen wie diese von AP:


Laut CNN fand Assad Junior Gefallen an Windsurfen und Internet:


Die New York Times bezeichnete ihn als “schüchternen jungen Mediziner”, als einen “Mann der leisen Töne, schlaksigen Bachelor und Computerfreak.”


Heute sind wir schlauer.

Vielleicht sollten die internationalen Medien über die weit verbreitete Beschreibung des neu gewählten iranischen Präsidenten Rohani als “Moderaten” oder “Reformer”, wie bei PBS praktiziert, nachdenken:


Leider handelt es in Nahost bei ‘moderat’ oder ’gemäßigt’ um sehr schwammige Begriffe.

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*Dies gilt selbstverständlich auch für Verharmlosungen bei der Beschreibung von Terroristen in der Anti-Assad-Koalition, wenn von Rebellen, Aufständischen oder gar gänzlich euphemisierend Oppositionellen die Rede ist (bd).

Stellenangebot: Soldaten für Friedenstruppe gesucht

9. Juni 2013

HonestReporting Media BackSpin, 9. Juni 2013


Auch Du kannst für den Frieden etwas riskieren

Stellenbeschreibung: Die UNO-Friedenstruppe im Golan sucht ersatzweise Beobachter für österreichisches und möglicherweise philippinisches Personal.

Die Aufgaben: Patrouillengänge in der Pufferzone, Unterstützung des Roten Kreuzes, Minenfelder ausfindig machen, gelegentlich syrischen und drusischen Bräuten nachschauen, die eigene Entführung verhindern und in blauen Schutzhelmen vor den Kameras posieren.

Keine Russen – Staatsangehörige aus den fünf ständigen Mitgliedern des UN-Sicherheitsrates  werden ausgeschlossen.

Wenn du bisher schon eine große Klappe gehabt hast, was Israels Risikobereitschaft für einen Frieden beträfe, hast du beste Chancen. Du hast das Maul weit aufgerissen – nun lass’ Taten folgen.

Nur ernst gemeinte Anfragen. Bewirb dich hier.

(Foto via YouTube/newnewsinworld)

News zu Israel und Nahost am 6. Juni 2013

6. Juni 2013

HonestReporting Media BackSpin, 6. Juni 2013

Alles, was Sie über die heutige Berichterstattung zu Israel und Nahost wissen sollten. Auch bei Facebook.

Die heutigen Top-Themen

1. Syrische Soldaten und Rebellen kämpfen um die Kontrolle beim israelischen Grenzübergang Kuneitra. Heute Morgen übernahmen die Rebellen die Kontrolle, aber die Armee eroberte den Grenzübergang zurück. Dort wurden die UN-Truppen abgezogen. Die Schlacht hielt während dieses Postings noch an. Kuneitra ist der einzige Grenzübergang zwischen Israel und Syrien.

2. Die IDF stellte eine neue Kompanie auf, die israelische Soldaten beim Kampfeinsatz filmen soll. Die Jerusalem Post zitierte IDF-Sprecher und Brigadegeneral Yoav Mordechai anlässlich einer Ansprache an die Soldaten bei einer Zeremonie, in der er das Ziel für die Bedeutung ihrer Arbeit herausstellte:

“Neben den militärischen Erfolgen spielt die Wahrnehmung eine entscheidende Rolle. Man kann den Kampf gewinnen, ihn aber auch [im Kampf um die öffentliche Wahrnehmung] verlieren.”

3. Präsident Obama ernannte Samantha Power zur Botschafterin bei den Vereinten Nationen. The Lede nimmt Bezug auf eine israelische Leiche in ihrem Keller, aber einige schwergewichtige Unterstützer Israels, darunter Senator John McCain, Joe Lieberman und Alan Dershowitz, gaben The Cable gegenüber an, dass sie sich [zum Positiven (bd)] gewandelt habe, und dass Powers Ansichten zu Menschenrechten und Interventionen eine sehr gute Chance bedeuteten, die UN wachzurütteln.

Israel und die Palästinenser

JTA: In der südfranzösischen Stadt Belfort soll ein Platz nach Yasser Arafat benannt werden:

Belforts Bürgermeister Etienne Butzbach bemerkte in einem am Montag in der Online-Ausgabe der Lokalzeitung L’alsace veröffentlichten Artikel, dass die Hommage an Arafat “im Zusammenhang mit dessen Unterzeichnung der Osloer Abkommen erfolgt.”

Butzbach, ein Sozialist, reagierte damit auf Proteste jüdischer Vertreter der Stadt, die anmerkten, dass die Ehrung Arafats einer Zustimmung für Terror gleichzusetzen wäre. Belfort hat bereits einen seiner öffentlichen Plätzen nach dem ermordeten israelischen Premierminister Yitzhak Rabin benannt.

• Lesenswert: Happy Israel: Warum die Zeit für den jüdischen Staat arbeitet.

• Kolumnistin Trudy Rubin im Philadelphia Inquirer mit Überlegungen zum Friedensprozess.

Arabischer Winter

• US-Geheimdienste gehen davon aus, dass nun drei russische Kriegschiffe im Mittelmeer mit Waffen für Syrien unterwegs sind, darunter wahrscheinlich S-300-Raketen. CNN mit Details.

Will sich die Hisbollah auf den syrischen Golanhöhen breitmachen?

Saudi Gazette mit einem demaskierenden Leitartikel zur Rolle der Hisbollah.

Die Hisbollah wird nicht mehr überzeugend als Verfechter der arabischen Sache darstellen können. Sie wird nicht mehr vorgeben können, dass ihre Leute für den Rest der arabischen Welt sterben.

Irland führt eine Gruppe von EU-Ländern an, die sich gegen eine Listung der Hisbollah als terroristische Vereinigung stellen.

• Weitere Kommentare und Analysen siehe NY Times, McClatchy News, Tablet und Daily Star.

Journalisten und NGOs ziehen in einer geschlossenen Facebook-Gruppe über Israel her

29. Mai 2013

HonestReporting Media BackSpin, 29. Mai 2013

Nach der Veröffentlichung des Al-Dura-Reports durch die israelische Regierung berichtet die Online-Zeitung Washington Free Beacon über eine geschlossene Facebook-Gruppe, in der Journalisten und so genannte Funktionäre für “Menschenrechte” eine antiisraelisches Online-Hasskampagne gestartet haben:

In einer geschlossenen Facebook-Gruppe für Auslandskorrespondenten, bekannt als „Vulture Club“, spotteten Journalisten und Aktivisten über den Report, griffen die IDF an und behaupteten, dass pro-israelische Lobbyisten die Medienberichterstattung manipulieren würden.

Peter Bouckaert, ein hochrangiger Funktionär von Human Rights Watch, wies den Bericht als “typische IDF Lügen” zurück.

“Wie üblich dauert es bei denen lange Zeit, bis sie die Unwahrheit konstruiert haben”, so Bouckaert.

Heftig kritisierte Bouckaert auch die New York Times wegen ihrer Berichterstattung über den Report.

“Es ist wirklich kein guter Journalismus, dies abzuschreiben, so, als ob ginge es hier um glaubhafte Vorwürfe, dabei handelt es sich aber um Lug und Trug“, schrieb er.

Auch Korrespondenten zahlreicher anderer Medien, darunter Associated Press und AFP, trugen dick auf.

“Die Lobby verwendet all ihre Kraft und ist in der Lage, sich zu ihrem Vorteil in die meisten englischsprachigen Zeitungen [sic] und in die NY Times reinzudrängen“, schrieb ’El Mundo’-Reporter Javier Espinosa. “Israelische Botschaften nutzen ihre Kontakte zu diesen Zeitungen und erteilen ihre Erlaubnis für die Veröffentlichungen der Informationen.”

“Dies führt zu noch mehr Unglaubwürdigkeit der Medien und zu noch mehr Verschwörungstheorien, da wir als Propagandasprachrohre missbraucht werden“, fügte Espinosa hinzu.

Der Fotojournalist Jerome Delay von Associated Press (AP) schrieb: “Die IDF glaubt zum Beispiel, dass die Erde flach ist.”

Den vollständigen Artikel und den Facebook-Thread bitte hier lesen. Die Webseite der Gruppe um Peter Bouckaert kann man hier aufspüren.

Al-Dura-Report: Zeitung druckt kritisches Zitat eines linken israelischen Medien-Watchdogs mit Verbindungen zu Charles Enderlin*

21. Mai 2013

HonestReporting Media BackSpin, 21. Mai 2013

Bildtext rechts: Eine große Lüge sagt mehr aus über die Größe des Schadens als über das Ausmaß der Unwahrheit

Die Berichterstattung des Daily Telegraph über den Al-Dura-Report der israelischen Regierung beinhaltet sicherlich zu Recht eine Stellungnahme des France2-Korrespondenten Charles Enderlin, einem der Hauptprotagonisten und Journalisten, der wegen seiner Rolle in der ursprünglichen Geschichte zu al-Dura am meisten im Blickpunkt stand.

Der Telegraph-Artikel beinhaltet auch folgende Kritik am israelischen Regierungsbericht:

Yizhar Be’er, Direktor von Keshev, einem israelischen Medien-Watchdog, der den Fall untersucht hatte, tat den Regierungsbericht als “Verschwörungstheorie” ab und sagte, dass  Mohammad al-Dura tatsächlich ums Leben gekommen sei.

“Ich glaube, dass das, was wir auf der Nachrichtenseite von France 2 sahen, exakt das war, was passiert ist und die Kamera genau das eingefangen hatte”, äußerte er gegenüber dem Daily Telegraph. “Es ist eine Mission Impossible, ein solch großes Ereignis zu fälschen. Niemand, am allerwenigsten die Palästinenser, kann so etwas erfinden.

Ein Blick auf Keshevs Website zeigt ein prominentes Vorstandsmitglied der Organisation – Charles Enderlin.

Unabhängig von Keshevs Glaubwürdigkeit oder ihrer sonstigen Kommentierung der Geschichte gibt es einen klaren Interessenkonflikt für die Organisation, wenn sie wegen eines Ereignisses zitiert wird, in das eines ihrer Vorstandsmitglieder stark involviert ist. Dass der Telegraph nicht in der Lage war, dies offenzulegen, ist absolut unprofessionell.

Der Telegraph sollte bezüglich dieser Information die Hosen runterlassen oder die Keshev-Zitate aus der Geschichte entfernen.

Schicken Sie Ihre Kommentare (bitte in Englisch) an den Telegraph: dtletters@telegraph.co.uk

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*Über den Fall Al-Dura und die Verstrickung des France2-Moderators Charles Enderlin darin wurde von Media BackSpin über Jahre hinweg sorgfältig recherchiert:


http://backsp.wordpress.com/?s=al-dura

Medienmuseum will Hamas-Terroristen ehren

12. Mai 2013

HonestReporting Media BackSpin, 12. Mai 2013

Das in Washington DC ansässige Newseum, ein Museum für Medien, will zu Ehren der Journalisten, die letztes Jahr während ihrer Nachrichtenberichterstattung getötet worden waren, eine Zeremonie abhalten. Auf der Auszeichnungsliste mit 84 Namen befinden sich auch Mahmoud Al-Kumi und Hussam Salama. Während der Operation Pillar of Defense [Säule der Verteidigung, (bd)] im November 2012 hatte die IDF Mahmoud Al-Kumi und Hussam Salama getötet.


Abbildung: Hamas-Agenten Mahmoud Al-Kumi (links) und Hussam Salama. Quelle:
http://alresalah.ps

Der IDF Blog erklärt, wer sie waren:

Hamas-Aktivisten und Kameraleute für das Al-Aqsa Television Network der Hamas, das regelmäßig Programme zur Aufstachelung und Huldigungen für Anschläge auf israelische Zivilisten ausstrahlt […]. Palästinensische Medien berichteten, dass die beiden Männer mit Sicherheit Agenten der Hamas gewesen sind.

Konfrontiert mit schweren Vorwürfen wegen der Verbindungen von ’Al-Aqsa TV’ zum Terrorismus, bestritt Mohammad Thouraya, Chef des Kanals, dass Al-Aqsa die Stimme der Hamas sei – eine schwer zu leugnende Tatsache, da der Sender von der Hamas finanziert und kontrolliert wird -, aber er räumte ein, dass die dort angestellten Mitarbeiter “alle Teil des Widerstands sind.”

“Teil des Widerstands” kann mit anderen Worten auch bedeuten, dass diejenigen, die tagsüber mit der Kamera unterwegs sind, nachts Raketen mit sich befördern.

Trotz heftiger Kritik blieb das Newseum stur und veröffentlichte eine Erklärung, die folgenden Wortlaut enthielt:

Hussam Salama und Mahmoud Al-Kumi waren als Kameraleute in einem Auto unterwegs, das deutlich mit der Aufschrift “TV” gekennzeichnet war. Sowohl das Committee to Protect Journalists als auch Reporters Without Borders und The World Association of Newspapers und andere Nachrichtenmedien meinten, dass die beiden Journalisten während ihrer Berufsausübung getötet worden sind.

Viele Kommentatoren haben darauf hingewiesen, dass Hamas und Al-Aqsa TV von der US-Regierung als terroristische Organisationen eingestuft werden. Warum sollten Terroristen schon allein deshalb Schutz genießen, weil sie auf ihrem Fahrzeug ein „TV“ aufkleben oder mit einer Kamera herumlaufen? Ein echter Journalist berichtet über einen Konflikt und nimmt nicht aktiv daran teil. Und kann eine Propaganda-Bande, die Antisemitismus und Gewalt gegen Juden und Israelis postuliert, wirklich als legitimes Medienmitglied durchgehen?

Wir glauben das nicht. Die Ehrung dieser beiden Terroristen ist eine Ohrfeige für die ehrlichen Journalisten, die für die Sache der sauberen Berichterstattung ihr Leben verloren haben. Falls Sie das auch so sehen, schicken Sie Ihre Beschwerde (Bitte in Englisch) an das Newseum und bestehen Sie darauf, dass zwischen der Ehrung von Journalisten und der Huldigung von Terroristen ein Unterschied besteht: info@newseum.org

Leserbriefe und das Getöse der Massen

8. April 2013

HonestReporting Media BackSpin, 8. April 2013

Pesach Benson, Honest Reporting (HR) Jerusalem

Eine Auswahl von E-Mails in meinem Postfach heute Morgen:

1. Diese Fragestellung von G.

Wurde irgendwo in den internationalen Medien berichtet, dass die “Israelis, die all’ die armen Palästinenser unterdrücken, einen arabischen Mediziner zum neuen Leiter der Notaufnahme im ’Hadassah Ein Kerem’-Krankenhaus ernannt haben?”

Meines Wissens berichtete nur die Jerusalem Post über die Ernennung von Dr. Aziz Darawshe. Seine Vita ist beeindruckend, und seine Ansichten zum Verhältnis zwischen Juden und Arabern in Israel sind freimütig.

Es würde mich nicht überraschen, wenn einige Kommentare Darawashes Ernennung dazu nutzten, um gegen Israel zu argumentieren. Die “Logik” bestünde darin, dass Darawashe ein Feigenblatt für ein größeres Muster böser und systematischer israelischer Diskriminierung sei und dass Israels Unterstützer heuchelten, wenn sie das groß herausstellen. Ähnliche Argumentationen verbergen sich hinter dem Homo-Pinkwashing, der Heuchelei wegen einer schwarzen Miss Israel etc. Unterm Strich: Israel kann es niemandem recht machen.

2. Von MK aus Großbritannien:

Ist es nicht merkwürdig, dass Israel weiterhin von einer iranischen Atombombe bedroht wird und kaum jemand mit der Wimper zuckt? Aber nun droht Nordkorea, und schon läuft die Welt Sturm – allen voran die USA?

Das überrascht nicht. Meine unbedeutende Meinung dazu: eine Nebenerscheinung zur allgemeinen Fokussierung auf Pjöngjang ist, dass wir mehr erfahren über die Involvierung des Iran in das nordkoreanische Nuklearprogramm. Das wenige, das wir wissen, zeigt nur die Spitze des Eisberges.

3. von B. in Jerusalem, der Fragen stellt zu dem unheilbar an Krebs erkrankten schottischen Schriftsteller Iain Banks, der sich in einem Gastbeitrag im Guardian der BDS-Bewegung angeschlossen hatte:

Guter Test für Diplomaten auf israelischer Seite – inwiefern könnte dies Banks beeinflussen?

Ich kann mir nicht vorstellen, dass Banks zu beeinflussen ist. Er ist unheilbar an Krebs erkrankt, und er hat sich entschieden, seine verbleibende Zeit auf dieser Welt auf diese Weise zu verbringen? Das ist Hardcore-Feindseligkeit.

(Abbildung via Flickr/RambergMediaImages)

Journalistische Fehlzündung der New York Times

25. März 2013

HonestReporting Media BackSpin, 25. März 2013

Die New York Times kann gleichzeitig sachlich und irreführend schreiben, wenn man sich den Artikel “Obama zeigt Führungseigenschaften bei Überredungskunst und weckt Hoffnungen auf Friedensbemühungen” vornimmt.

Dort wird so argumentiert:

Als er sein Amt antrat, wollte Obama den eigenen Anspruch als Friedensstifter geltend machen. Aber dann ist seine Forderung nach einem Stopp des jüdischen Siedlungsbaues nach hinten losgegangen, und ein Versuch, direkte Gespräche zwischen Netanyahu und Abbas herzustellen, verlief im Sande.

Man kann in der Tat Gründe dafür finden, dass dies zutrifft. Die Forderung, Israel müsse einen Baustopp einlegen, ist [aber] nach hinten losgegangen, weil sie keinen Lösungsansatz nach Verhandlungen anbot. Eine simple Lektüre des Textes impliziert jedoch, dass die Forderung zurückgewiesen und ein „Fehlzünder“ gewesen sei.

Vielmehr ist die Wahrheit die, dass Präsident Obamas Forderung von Israel akzeptiert worden war. Zehn Monate lang stoppte Israels den Siedlungsbau. Dabei handelte es sich um ein Zugeständnis, wie es das vorher nie gegeben hatte. Als Fehlzündung stellte sich jedoch heraus, dass trotz des Baustopps die Palästinenser sich weigerten, Verhandlungen aufzunehmen – und das bis zum Ende des Einfrierens der Siedlungstätigkeiten. Schon damals waren sie lediglich bereit, über Verhandlungen zu verhandeln (was semantisch und inhaltlich gesehen schon absoluter Schwachsinn ist und von absolut destruktiver Haltung zeugt [bd]). Also weigerten sie sich auch nach Ablauf der 10 Monate des Siedlungsstopp-Abkommens, in Verhandlungen einzutreten.

Gleich, was der Artikel aussagt: es war weder Israels noch Obamas Schuld, dass die Gespräche nicht zustande kamen. Sie scheiterten aus einem Grund: palästinensischer Unnnachgiebigkeit.

Um ihrer Sorgfaltspflicht nachzukommen, sollte die New York Times dies bitte auch deutlich machen.

Kontakt zur Redaktion hier [In Englisch].

BBC: UNO “bestreitet” die Tötung des Babys Omar

11. März 2013

HonestReporting Media BackSpin, 11. März

Was die Tötung des Babys von Omar Mishawari betrifft: Die UNO spricht Israel frei, und sie sagt, dass das Kind von einer fehlgeleitenden palästinensischen Rakete getroffen worden ist.

Aber das hindert die BBC und ihren Gaza-Journalisten Jihad Mishawari nicht daran, zu behaupten, dass Israel das Kind getötet hätte. Was macht Mishawari so sicher?

Jehad Mashhrawi tat die UN-Ergebnisse als “Unsinn” ab.

Er sagte, dass niemand von den Vereinten Nationen mit ihm gesprochen hätte, und er fügte hinzu, dass palästinensische militante Gruppen sich normalerweise bei der Familie entschuldigen würden, wenn sie dafür verantwortlich gewesen wären.

Schön, dass sie [die UNO, (bd)] einen anderen Punkt der Geschichte begriffen haben – und das ist das mindeste, was die Mainstream-Medien tun können, wenn man bedenkt, wie oft die Fotos seines getöteten Sohnes herumgereicht wurden.

BBC-Verdrehung funktioniert halt so, wie es bei der BBC Usus ist.


Inzwischen haben auch LA Times und National Post die Geschichte aufgegriffen.

Die nicht erzählte Geschichte: Palästinenser in palästinensischen Gefängnissen

4. März 2013

HonestReporting Media BackSpin, 4. März

Kompliment an Tim Marshall von Sky News, der die Probleme in Nahost mit dem Auge des Experten und der seltenen Fähigkeit untersucht, Ereignisse in eine angemessene Perspektive zu setzen. Während viele in den internationalen Medien dazu tendieren, sich allein auf Israel zu konzentrieren, scheut Marshall sich nicht, unangenehme Fragen auch an die andere Seite zu stellen.

Abbildung rechts: Tim Marshall

Aus seinem Blog auf Sky News:

Der Tod eines weiteren palästinensischen Häftlings in israelischer Haft hat logischerweise in vielen Ländern Schlagzeilen generiert, auch in Israel.

Er ist Thema von Anfragen im israelischen Parlament und Debatten über Israels Menschenrechtsbilanz.

Man vergleiche das mit einem Thema, das nur selten Schlagzeilen produziert und keine Debatte entfacht – den Bedingungen der Palästinenser in palästinensischen Gefängnissen. Nur wenige Menschen setzen sich für sie ein, ihr Schicksal generiert weder Demonstrationen noch unaufhörliche Debatten oder gerechtfertigten Zorn im Ausland.

Für die einfachen Palästinenser kann es gefährlich werden, gegen Israel zu demonstrieren, da sie sich letzten Endes mit israelischen Soldaten konfrontiert sehen, aber es bringt sie nicht in Konflikt mit der eigenen Regierung, und das bringt uns zu der unerzählten Geschichte.

Die Palästinenser sind sich dessen bewusst, dass nur wenige Menschen sich für sie einsetzen werden, wenn sie in Polizeigefängnissen der Palästinensischen Autonomiebehörde im Westjordanland oder im von der Hamas beherrschten Gazastreifen landen. Sie wissen, dass Folter in diesen Einrichtungen auf der Tagesordnung steht ist und Todesfälle während der Haft auch dort auftreten.

PLO will die Uhr zurückdrehen

20. Februar 2013

HonestReporting Media BackSpin, 20. Februar 2013

cast_areik_cast2Abbildung: Maen Rashid Areikat

Wenn es um Ränkespiele geht, ist Maen Rashid Areikat, Top-Repräsentant der PLO in den USA, sehr kreativ. Einmal behauptete er, dass die Kananäer Besatzer gewesen wären und wollte die Vorstellung von einem judenreinen palästinensischen Staat in leuchtenden Farben schildern.

Nun taucht Areikat wieder mit einem scheinheiligen Gastbeitrag in der LA Times auf. Alles, was momentan unternommen werden sollte, so insinuiert er, sei, die Verhandlungen wieder auf den Stand von Taba* im Jahr 2001 zurückzusetzen.

Das Potenzial für eine Vereinbarung liegt auf dem Tisch – wir müssen nur die Voraussetzungen dafür schaffen. Beide Seiten können vom Fortschritt seit den Taba-Verhandlungen von 2001 profitieren. Jeder kennt die Parameter: ein Palästinenserstaat in den Grenzen von 1967, mit wechselseitigen Landtaustäuschen, sowohl was Größe und Qualität betrifft, eine gemeinsame Hauptstadt Jerusalem, tragbare und rechtlich abgesicherte Sicherheitsvorkehrungen und eine vereinbarte sowie gerechte Lösung der Flüchtlingsfrage, basierend auf der Resolution 194 der UN-Generalversammlung im Jahr 1948. Der Erfolg jeglichen politischen Prozesses hängt von klaren Vereinbarungen ab, von einem klaren Zeitrahmen und einer klaren Zielsetzung.

Du meine Güte: All das, was Areikat heute fordert, lag auf dem Verhandlungstisch in Taba 2001.

Und auf welchen Fortschritt bezieht sich Areikat? Die Palästinenser brachen die Taba-Verhandlungen ab, die zweite Intifada wütete, Mahmoud Abbas beerbte Yasser Arafats Null-Verhandlung-Strategie. Israel zog sich aus dem Gazastreifen zurück, die Hamas übernahm dort das Kommando und setzte den Raketenbeschuss auf Israel noch heftiger fort als zuvor. Aber die PLO stieg dennoch aus dem Osloer Abkommen mit der Forderung nach Eigenstaatlichkeit aus.

Fortschritt? Welcher Fortschritt?

Wenn Taba heute gut genug scheint für die Palästinenser, warum war es dann seinerzeit nicht gut für sie?

(Areikat-Foto via YouTube/Tiffany Ondracek)

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*Taba Talks:

Damit sind die Unterhandlungen gemeint, die zwischen Israel und der Palästinensischen Autonomiebehörde im Januar 2001 auf der Halbinsel Sinai geführt worden sind [bd].

Rupert Murdoch entschuldigt sich für “groteske und beleidigende Karikatur”

29. Januar 2013

HonestReporting Media BackSpin, 29. Januar 2013

Die Sunday Times übt sich weiterhin in Schadensbegrenzung. Rupert Murdoch, Besitzer des Blattes, twitterte eine Entschuldigung wegen Gerald Scarfes Karikatur am Holocaust-Gedenktag.


Tweet-Text oben: Gerald Scarfe hat niemals die Meinung der Sunday Times widergegeben. Gleichwohl sind wir eine große Abbitte für eine groteske und beleidigende Karikatur schuldig.

Israelische Regierungsvertreter äußerten ihren Unmut über die Times, auch verbunden mit einem Hinweis auf Sanktionierungen, der meines Erachtens zu lasch ausfällt. Die Times of Israel schreibt:

Bereits am Montag äußerte Yuli Edelstein, Minister für Information und Diaspora-Angelegenheiten, dem Army Radio gegenüber, dass die Regierung wahrscheinlich darauf verzichten werde, bei der Londoner Zeitung einen offiziellen Protest einzureichen. Allerdings sagte er auch, dass “wir darüber nachdenken, wie wir gegen die Vertreter des Blattes hier in Israel vorgehen.”

Während die Geschichte durch die westlichen Zeitungen ging, zog auch die unverhältnismäßig hohe Reichweite konträrer Ansichten bei Haaretz unsere Aufmerksamkeit auf sich, wie bei der Berichterstattung von AFP, Al Arabiya und Sky News festzustellen ist: Letztere schrieb:

Allerdings kritisierte Anshel Pfeffer, Kommentator in der linksgerichteten Zeitung Haaretz*, die Verurteilung der Karikatur, von der er behauptete, dass sie ‘keinesfalls antisemitisch war.’

Er ging davon aus, dass die Karikatur keine jüdischen oder Holocaust-Bilder assoziierte, [also] eine normale Behandlung nicht-jüdischer Themen darstelle und nichts mit den überlieferten ’Ritualmordlegenden’ zu tun habe.

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*Dazu kann man nur noch sarkastisch anmerken: Kein Wunder, dass Haaretz so gerne von westlichen und deutschen Antisemiten zitiert wird (bd).

Suha Arafat: Die Intifada 2000 wurde von Arafat angestiftet

27. Dezember 2012

HonestReporting Media BackSpin, 27. Dezember 2012

Yasser Arafats Frau Suha ließ die Hosen runter und teilte Dubai-TV mit, dass ihr Ehemann unmittelbar nach den geplatzten Gesprächen von Camp David die Intifada geplant hatte.

Anders als Imad Faluji hörte sie das von Yasser höchstpersönlich. Der Besuch Ariel Scharons auf dem Tempelberg war nicht Auslöser für die Intifada.

Sag’, dass es nicht wahr ist!

Bindet die Presse der IDF die Hände?

11. Dezember 2012

HonestReporting Media BackSpin, 11. Dezember 2012

Die Times of Israel über ein im Internet veröffentlichtes Video, das zeigt, wie IDF-Soldaten im Westjordanland unter dem Hagel von palästinensischen Steinwürfen zum Rückzug gezwungen wurden:

Die Soldaten aus einer Pioniereinheit berichteten der Zeitung Maariw gegenüber, dass ihnen von den Vorgesetzten enge Grenzen gesetzt wurden, was zu dem konfusen Bemühen führt, die gewalttätige Menge zurückzudrängen., ohne weitere Gewalt zu provozieren. Der Film zeigte Soldaten, die zuerst gegen dutzende Palästinenser vorgingen, dann aber plötzlich unter einem Hagel von Steinbrocken umdrehten und die Flucht ergriffen. Drei Soldaten wurden verletzt, einem war die Hand gebrochen worden.

Die Soldaten nahmen an, dass die Anwesenheit einer großen Anzahl von Pressefotografen dort die Einsatzleiter dazu verleitet hat, die Aktion abzubrechen.

“Dort befinden sich immer viele Fotografen; dieses Mal sogar noch mehr, und augenscheinlich, um bestimmte Bilder zu verhindern, entschieden sie [Die Vorgesetzten (bd)]  sich dafür, uns der Gefahr auszusetzen”, äußerte sich ein Soldat über seine Kommandeure im Bericht Maariw.

Auch wenn Israel stolz darauf sein kann, dass die IDF nicht mit scharfer Munition und tödlicher Gewalt gegen palästinensische Demonstranten vorgeht, ist es doch beunruhigend zu wissen, dass israelische Soldaten ihr Leben aufs Spiel setzen, weil die Anwesenheit der Presse vor Ort selbst auf den Einsatz von nicht-tödlichen Maßnahmen, um sich zu verteidigen und die Ordnung wieder herzustellen, Einfluss nimmt.

Und das ohne eine Bewertung darüber, wie viel Einfluss die Anwesenheit der Kameras bei der Aufhetzung der Palästinenser zum Steinewerfen hatte und zuerst die Soldaten anzugreifen.

Als er dieses Problem in einem aufschlussreichen Video ansprach, war Fotojournalist Ruben Salvadori sehr aufgebracht wegen des dynamischen Zusammenspiels zwischen Fotojournalisten und palästinensischen Steinewerfern vor Ort und gab HonestReporting ein Exklusivinterview bereits im Oktober 2011. Angesichts des jüngsten Vorfalls lohnt es sich, das Video noch einmal anzusehen.

Könnte dem UN-Votum für die Palästinenser eine palästinensische Pressefreiheit folgen?

11. Dezember 2012

HonestReporting Media BackSpin, 11. Dezember 2012

Das Committee to Protect Journalists (CPJ) veröffentlichte einen Sonderbericht über inhaftierte Journalisten. Der größte Kerkermeister ist die Türkei; weder Israel noch Fatahstan oder Hamastan erscheinen in den Top Ten (nicht einmal pro Kopf gerechnet).

Dieser Textausschnitt stellte mich vor folgende Frage: Wie könnte eine palästinensische Pressefreiheit vom gepushten Status der PA bei den Vereinten Nationen profitieren?

Journalisten, die entweder spurlos verschwinden oder von nichtstaatlichen Organisationen wie kriminellen Banden oder militanten Gruppierungen entführt werden, tauchen in den Gefängnisstatistiken nicht auf. Ihre Fälle werden als “vermisst” oder “entführt” eingestuft.

Ich möchte ja zu gerne glauben, dass dies neue Wege zur Übernahme von Verantwortung eröffnet – Hamas und Fatah können aber keine große Erfolgsgeschichte aufweisen, was die Respektierung von Meinungs- und Pressefreiheit betrifft.

Warten werde ich darauf sicher nicht.

Trotz des Hypes um E1: Das Westjordanland wird nicht durchtrennt

3. Dezember 2012

HonestReporting Media BackSpin, 3. Dezember 2012

Der Flecken Land, auf den die Welt zurzeit so fixiert ist, misst etwa 4,5 Quadratmeilen zwischen Jerusalem und Maale Adumim, und für diesen Ort existiert kein Fanatasienamen. Hier handelt es sich schlicht um einen bürokratischen Begriff mit dem Kürzel E1.

Nachdem die Vollversammlung der Vereinten Nationen einseitig die Palästinenser als Nichtmitgliedstaat mit Beobachterstatus puschte und eine Rede von Mahmoud Abbas israelische Offizielle gereizt hatte, reagierte Jerusalem, indem es alte Pläne zum Ausbau von E1 aus der Schublade holte. Wir sprechen über ca. 3.000 Wohneinheiten.

Siedlungsaktivität ist ein umstrittenes Thema, auch bei Israelis. Aber lasst uns eines klarstellen:

Der Ausbau von E1 teilt das Westjordanland nicht in zwei Hälften. Er beschädigt nicht den Fortbestand eines künftigen palästinensischen Staates. Selbst wenn Israel diese Pläne weiterverfolgen würde (Und es ist nicht das erste Mal im Laufe der Jahre, dass bürokratische Entscheidungen zu E1 Nachrichten generierten und letztlich auf Eis gelegt wurden), wird das für die Palästinenser verbleibende Land ihnen immer noch den territorialen Grundstock sichern.

Die palästinensische Gürtellinie zwischen Maale Adumim und dem Toten Meer ist etwa 15 Kilometer breit. Dieser Korridor unterscheidet sich also nicht von der entsprechenden geografischen israelischen Engstelle (Nördlich von Tel Aviv [bd]). Und das hat niemals ein Problem für den Fortbestand des israelisch-territorialen Fortbestandes ausgelöst.

http://honestreporting.com/wp-content/uploads/2012/12/westBank-E1.jpg
Und dennoch wiederholen und verstärken die Zeitungen heute den gleichen palästinensischen Schwindel. Hier einige Übeltäter:

Los Angeles Times-Korrespondent Ed Sanders:

Der Ausbau auf dem Hügel, bekannt als E1, würde die West Bank-Siedlungsaktivität bei Maale Adumim mit Ostjerusalem zusammenführen und den Zugang zwischen den palästinensischen Städten Ramallah und Bethlehem abschneiden.

AFP:

Die Palästinenser widersetzen sich mit allem Nachdruck gegen das E1-Projekt, da es das besetzte Westjordanland faktisch in zwei Hälften teilt – von Norden nach Süden -, und die Errichtung eines lebensfähigen palästinensischen Staates sehr problematisch macht.

(Man muss AFP zugestehen, dass es eine korrekte Karte verwendete, aber ich frage mich, wie viele Menschen davon Notiz nahmen).

BBC (mit einer sehr ungenauen Karte):

Pläne für den Bau von Siedlungen in diesem Areal, das als E1 bekannt ist, werden von den Palästinensern vehement abgelehnt, die behaupten, dass die Erschließung das Westjordanlandes in zwei Teile aufspalten wird, was die Errichtung eines zusammenhängenden palästinensischen Staates verhindere.

• Und Jodi Rudoren, Büroleiterin der New York Times in Jerusalem, schreibt:

Der Ausbau von E1 im Westjordanland-Gebiet, das Israel im Krieg von 1967 eroberte, würde die große jüdische Siedlung Maale Adumim mit Jerusalem verbinden und das Westjordanland in zwei Hälften teilen.

Ich* habe mit der NY TIMES sowieso ein Hühnchen zu rupfen:

Ihre Headline überzog die fehlerhafte Aufteilung und zeichnete eine Karte, die E1 nicht im Kontext zum Westjordanland zeigte. Eine exakt präsentierte Karte hätte der reißerischen Schlagzeile widersprochen und den Lesern eine eigene Beurteilung ermöglicht:

http://honestreporting.com/wp-content/uploads/2012/12/NYTE1header.jpg

http://honestreporting.com/wp-content/uploads/2012/12/NYTE1map.jpg
Daily Telegraph-Reporter Robert Tait:

Berichten zufolge sollten einige der neuen Wohneinheiten im umstrittenen Gebiet, bekannt als E1, zwischen der Siedlung Maale Adumim und Ostjerusalem gebaut werden, um die nördlichen und südlichen Teile des Westjordanlands voneinander zu trennen.

Washington Post-Korrespondent Joel Greenberg:

Kritiker sagten, dass die geplanten Gebäude nahe Jerusalem die Verbindungen zwischen dem nördlichen und südlichen Westjordanland abschnitten und die Chancen für einen lebensfähigen palästinensischen Staat ernsthaft gefährdeten.

Was für ein idiotisches Geschwätz.

Die öffentliche Diskussion über Siedlungstätigkeit ist sowieso schon genug aufgeheizt. Und die überspitzte Darstellung in den Massenmedien nutzt niemandem.

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*(Anm. der Redaktion [bd]: Pesach Benson, Redakteur von Media Backspin in Jerusalem)

Ist das große Rauschen in den Medien zu Gaza ein Freifahrtschein für die Massaker im Kongo?

29. November 2012

HonestReporting Media BackSpin, 29. November 2012

Abbildung rechts: Vava Tampa

Bedeutet das lausige Rauschen der Massenmedien aus dem Gazastreifen einen Freifahrtschein für Grausamkeiten anderswo auf der Welt?

Der kongolesische Aktivist Vava Tampa wundert sich darüber, dass tagtäglich stattfindende Massaker in seinem Heimatland nicht das gleiche mediale Interesse auf sich ziehen wie die Krise im Gazastreifen. Tampa schreibt bei CNN:

Hier stellt sich nicht die Frage, ob das menschliche Leid im Kongo mehr Medienberichterstattung verdient, weil es größer ist als das in Syrien oder Gaza, sondern vielmehr, warum berichten die Medien so ausführlich über die Krisen in Syrien oder Gaza  und nicht über die Raub- und Mordindustrie im Kongo?

Ich bezweifle, dass dies so wäre wegen eines Mangels an Bildern aus den kongolesischen Killing Fields, oder weil es nicht genug Augenzeugenberichte von Überlebenden gibt oder mangelnden humanitär motivierten Berichten oder Bewertungen der Situation vor Ort.

Liegt es an der geographischen oder kulturellen Distanz zwischen Washington oder London zum Kongo? Oder verhalten sich die westlichen Medien nur deshalb so zögerlich, wenn nicht sogar uninteressiert, darüber zu berichten, weil keine westlichen Interessen oder Verbündeten dadurch gefährdet sind?

Ian Birrill vom Observer sprach einen ähnlichen Aspekt an, der in mir zynischerweise anfänglich die Reaktion aufkommen ließ, dass sich niemand um den Kongo scheren würde, solange es keinen israelischen Bezug zu dieser Tragödie gäbe.

Problematisch ist nicht nur die umfangreiche Berichterstattung aus Gaza, sondern die überproportionale Berichterstattung von dort.

Hier ein Beispiel: Washington Post-Reporter Scott Wilson hält es für eine lesenswerte Geschichte, dass gegenüber Gaza ausgesprochene Vorwarnungen [durch die IDF; bd] die Zivilbevölkerung nicht schützen würden. Man könnte angesichts dieser Schlagzeile annehmen, dass es ein unverzeihlicher Fehler beim Vorgehen der IDF sei, die Bewohner zum Verlassen jener Gebäude aufzufordern, die getroffen werden sollen. Stattdessen aber schreibt Wilson:

Familienangehörige gaben an, sie hätten nicht gewusst, dass die Azzams, eine andere Familie in der Nachbarschaft, ein Mitglied des Islamic Jihad aufgenommen hatten. Mohammed Qutati, Student der Ingenieurwissenschaften an der al-Azhar-Universität, dessen Onkel Ahad bei den Luftangriffen getötet worden war, sagte: “Wenn wir das gewusst hätten, wären wir aus dem Gebäude gegangen.”

Der Fairness halber muss gesagt werden, dass die Washington Post einige Kurzmeldungen aus dem Kongo aufgegriffen hatte. Aber Artikel von Korrespondenten des eigenen Blattes haben mehr Gewicht und erzeugen mehr Aufmerksamkeit.

Kann Tampas Frustration über die Nachrichtenindustrie also noch überraschen?

(Foto via YouTube/SavetheCongoChannel)

Luftangriff auf Krankenhaus in Aleppo, während die Welt in Gaza zusieht

23. November 2012

Pesach Benson, 22. November 2012

Aleppos Al-Farabi-Krankenhaus nach einem syrischen Luftangriff

Während alle zusahen, wie Israel und die Hamas fochten, ging der syrische Bürgerkrieg weiter. Ihnen kann also vergeben werden, dass Sie den syrischen Luftangriff auf ein Krankenhaus in Aleppo verpassten.

Die Medien rangen die Hände wegen der palästinensischen Opfer – Kollateralschäden dank der Hamas, die das Shifa-Krankenhaus als Deckung für Raketenangriffe nutzte und sich vorsätzlich in Wohngebieten einbettete.

Da das Corps der Auslandspresse in Israel und dem Gazastreifen die Latte der Besorgnis um zivile Opfer festgelegt haben, werden wir ein ähnliches Level an gerechtfertigter Empörung gegenüber Syrien erleben?

Oder genießen nur Palästinenser unverhältnismäßige Berichterstattung?

(Bild über YouTube/fnnsyrianews)

Israel unter Feuer: Medien schweigen, bis Palästinenser sterben

13. November 2012

Simon Plosker, HonestReporting.com, 11. November 2012

Im Verlauf der letzten 24 Stunden haben palästinensische Terroristen gut 70 Raketen und Mörsergranaten aus dem Gazastreifen nach Israel geschossen, drei Israelis verletzt, Schaden an Gebäuden verursacht und eine Million Einwohner des Südens in Bunker geschickt.

Fakt ist: Raketen sind regelmäßig nach Israel geschossen worden. Von Januar 2012 bis Oktober 2012 wurden mehr als 800 Raketen aus dem Gazastreifen nach Israel geschossen.

Was ist aber nötig, damit die Medien sich aufsetzen und Notiz von der Sicherheitslage nehmen, die aus dem Gazastreifen ausgeht?

  • Nicht, dass am Samstag eine Antipanzer-Rakete auf einen IDF-Jeep auf der israelischen Seite der Grenze zum Gazastreifen geschossen wird, die vier israelische Soldaten verwundete. Das wurde von Agenturen wie der AP aufgenommen, aber von allen anderen Medienkanälen nicht weiter veröffentlicht.
  • Nicht, dass Donnerstag ein massiver Tunnel Richtung Israel im südlichen Gazastreifen von palästinensischen Terroristen gesprengt wurde, was auch von AP, aber nirgendwo sonst berichtet wurde.
  • Und natürlich nicht das bereits erwähnte Raketen-Trommelfeuer.

Was die Mainstreammedien angeht, sehen wir zwei Trends im Gang:

1. Bei Blut gibt es Schlagzeilen: Bevor nicht Palästinenser getötet oder verletzt werden, sind es keine Nachrichten. Natürlich verzerrt das die Situation genau deshalb, weil Israel Maßnahmen zum Schutz seiner Zivilisten vor Raketenangriffen ergreifen muss. Bunker, das Raketenabwehrsystem „Eiserne Kuppel“ und der Gebrauch von Sirenen, um vor Angriffen zu warnen, haben allesamt sicher gestellt, dass die Zahl der zivilen Opfer zum Glück niedrig geblieben ist. Doch nur, weil Israelis nicht in handfesten Größenordnungen sterben, mindert das nicht den Ernst der Lage und das Leid der Einwohner in Israels Süden.

Beim jüngsten Beispiel sind als Ergebnis von Israels Vorgehen gegen die Terroristen mehrere Palästinenser gestorben und rund 30 verletzt worden. Erst danach haben sich die Medien bequemt über die sich verschlechternde Lage zu berichten.

2. Alles fängt damit an, dass Israel zurückschießt: Dank des späten Aufgreifens der Geschichte durch die Medien konzentrieren sich viele Schlagzeilen auf die israelischen Gegenschläge und die palästinensischen Toten statt auf den palästinensischen Terror und das Raketenfeuer, die Israel eine so beträchtliche Zeit vor dieser jüngsten Eskalation der Gewalt drangsalierten.

Typisch dafür ist die Schlagzeile der Washington Post:

Vier Palästinenser durch israelischen Beschuss nach Grenzübergriff getötet

Die Medien leisten einen schlechten Dienst, wenn sie es versäumen die von den Palästinensern aus dem Gazastreifen geschossenen Raketen zu berichten, die das Alltagsleben der Israelis zum Erliegen bringen, aber keine Massen an Opfern verursachen. Wenn die Medien gewalttätige Angriffe aus dem Gazastreifen ignorieren, wird jede israelische Operation zur Eindämmung des Terrors völlig ohne den entscheidenden Kontext sein; und das wird zum Image Israels als Provokateur und Aggressor beitragen.

Werfen Sie einen Blick auf ihre Medien vor Ort. Wie berichten sie darüber? Umfasst das alles?

R.I.P. für Einstaatenlösung – lang lebe die Dreistaatenlösung?

12. September 2012

HonestReporting Media BackSpin, 12. September 2012

Ich komme wieder auf die Einstaatenlösung zu sprechen – aber nicht, um sie zu loben, sondern um sie zu beerdigen.

Nun, da die Hamas den Grundstein dafür legt, Gazas Unabhängigkeit von Palästina zu erklären, ist es einfacher, Argumenten für die Einstaatenlösung, wie sie in einem Gastbeitrag in der Independent formuliert werden, zu begegnen.

Die Nutzlosigkeit der Fatah, ein nicht vorhandener Friedensprozess, die Macht der Muslimbruderschaft in Ägypten und die schiere Willenskraft der Hamas bedeuten, dass die Dreistaatenlösung den Ansatz der Einstaatler als rein akademisch erscheinen lässt. Basta.

Ein binationaler Staat war für den israelischen Mainstream ein absoluter Rohrkrepierer. 6 Argumente gegen eine Einstaatenlösung verdeutlichen dies.

Ich weiß nicht, ob Israel letztlich mit einem Endspiel von zwei oder drei Staaten besser dran wäre.

Aber die Einstaatenlösung ist gestorben. Möge sie in Frieden ruhen.

(Bild via Flickr/Tammra McCauley)


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