Archive for the ‘Die Welt und Nahost’ category

Terroranschlag in Jerusalem: irreführende Schlagzeilen

24. Oktober 2014

Simon Plosker, HonestReporting, 23. Oktober 2014

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Am Mittwochabend fuhr ein Palästinenser sein Auto absichtlich in eine Menschenmenge, die aus einer Jerusalemer Straßenbahn ausstieg, wobei er ein drei Monate altes Baby tötete und mehrere Menschen verletzte. Es handelt sich ganz eindeutig um einen Terroranschlag.

Erste Berichte hatten ausgesprochen irreführende Titelzeilen. Nehmen wir die erste Schlagzeile der Associated Press, die zu breiten Protesten führte:

Israelische Polizei erschießt Mann in Ost-Jerusalem

Israelische Polizei erschießt Mann in Ost-Jerusalem

Dass AP die Schlagzeile noch in derselben Stunde gegen das akkuratere „Palästinenser tötet Baby an Jerusalemer Haltestelle“ austauschte, deutet darauf hin, dass die Presseagentur erkannt hatte, dass sie mit ihrer ersten Schlagzeile falsch lag. Doch AP ist trotzdem verantwortlich für den immensen Schaden, den diese Schlagzeile verursachen kann. Was ist zum Beispiel mit den Medien, die nicht zögerten, die ursprüngliche Schlagzeile zu übernehmen, z. B. die türkische Daily Sabah? (H/T: Richard Behar)

Israelische Polizei erschießt Mann in Ost-Jerusalem

Israelische Polizei erschießt Mann in Ost-Jerusalem

HonestReporting kontaktierte AP Jerusalem direkt und bat um eine Erklärung. Hier die Antwort:

Die fragliche Schlagzeile war kurzlebig und wurde formuliert, als Einzelheiten über die Ereignisse noch knapp waren. Die Schlagzeile wurde nur ungefähr eine halbe Stunde später ersetzt, als AP Updates über den Vorfall, den Fahrer und das Opfer veröffentlichte. Die endgültige Version der Story und seiner Schlagzeile stellte klar, was geschehen war.

AP hat seinen Fehler korrigiert, aber die Berichterstattung der Agence France Presse (AFP) über den Terroranschlag ist im Vergleich womöglich noch schlimmer. Ich schreibe diesen Artikel ganze 17 Stunden nach ihrem Erstbericht, und noch immer hat AFP die folgende Schlagzeile:

Jerusalemer Fahrer erschossen nach Rammen von Fußgängern: Polizei

Jerusalemer Fahrer erschossen nach Rammen von Fußgängern: Polizei

Für die AFP also geht es nur um das Erschießen eines Fahrers statt um die Taten eines Terroristen. Zwar machte die AP einen ähnlichen Fehler, aber dieser wurde wenigstens korrigiert. AFPs Untätigkeit ist bezeichnend für ein Medium, das mit seiner antiisraelischen Einseitigkeit absolut kein Problem hat. Die Form erinnert an eine frühere AFP-Meldung: Vergleichen Sie obige Schlagzeile mit dieser hier, die nach einem Terroranschlag im Juli 2008 entstand, als ein palästinensischer Bulldozerfahrer einen israelischen Bus in Jerusalem rammte:

Jerusalemer Bulldozerfahrer erschossen: Polizei

Jerusalemer Bulldozerfahrer erschossen: Polizei

Ein weiterer Wiederholungstäter ist die BBC. In typischer Manier kann die BBC sich nicht dazu durchringen, einem Palästinenser die Verantwortung für einen Terroranschlag zu geben:

Neun Verletzte, als Auto Fußgänger an Jerusalemer Haltestelle erfasst

Neun Verletzte, als Auto Fußgänger an Jerusalemer Haltestelle erfasst

Selbst als bereits vollkommen klar war, dass dieser Vorfall kein einfacher Verkehrsunfall war, legte die BBC die Betonung auf das Fahrzeug und nicht auf den Fahrer, wobei sie sogar in Frage stellte, ob es sich um eine absichtliche Tat handelte, da sie um das Wort „Anschlag“ Anführungszeichen setzte:

Jerusalemer Auto-„Anschlag“ tötet Baby an Straßenbahnhaltestelle

Jerusalemer Auto-„Anschlag“ tötet Baby an Straßenbahnhaltestelle

Ein Blick auf die vorherige Berichterstattung der BBC über den Bulldozer-Terroranschlag zeigt wie im Fall der AFP einen durchgängigen Trend. Sehen Sie sich die Evolution dieser BBC-Schlagzeilen von März 2009 an:

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Und genau dasselbe gab es schon Wochen zuvor.

In jedem Fall, einschließlich dem letzten, stellen die BBC-Schlagzeilen Terroranschläge in Frage und lenken die Verantwortung auf das Fahrzeug statt auf den Palästinenser hinter dem Lenkrad.

Das oben Angeführte demonstriert, dass AFP und BBC unfähig oder nicht willens waren, ihre ursprüngliche Haltung aufzugeben, selbst dann noch, als weitere Informationen verfügbar waren. Ein weiteres Mal offenbart sich die tiefe antiisraelische Pathologie dieser Nachrichtenagenturen.

UPDATE
Was ist mit den Prioritäten des Independent los? Der Jerusalemer Terroranschlag ist ihnen nur ein paar Zeilen wert, und zwar nach sieben Absätzen in einem Artikel mit dieser Schlagzeile:

Israelische Soldaten gefilmt, als sie ‘einen 11jährigen palästinensischen Jungen, der des Steinewerfens beschuldigt wird, die Augen verbinden und festnehmen’

Israelische Soldaten gefilmt, als sie ‘einem 11jährigen palästinensischen Jungen, der des Steinewerfens beschuldigt wird, die Augen verbinden und ihn festnehmen’

Der Independent sagt, dass der palästinensische Junge, der Lernschwierigkeiten hat, 15 Minuten festgehalten wurde, bevor er seinem Vater übergeben wurde.

Es ist ein trauriges Zeugnis für den Mangel einer moralischen Richtschnur beim Independent, dass die Zeitung die 15minütige Festnahme eines palästinensischen Jungen für wichtiger und nachrichtenwürdiger bewertet als den Mord an einem drei Monate alten jüdischen Baby bei einem palästinensischen Terroranschlag.

ASA: Bibi bei Konferenz willkommen, nur nicht als Premierminister

24. Oktober 2014

Alex Margolin, HonestReporting, 21. Oktober 2014

asa

Gibt es einen Unterschied, ob Akademiker als Individuen an einer Konferenz teilnehmen oder ob sie die Universitäten, an denen sie lehren, „repräsentieren“?

Für die American Studies Association (ASA) gibt es diesen Unterschied. Die ASA führt diese Unterscheidung angesichts von Behauptungen an, sie wolle israelische Akademiker aufgrund derer nationaler Herkunft in unzulässiger Weise diskriminieren.

Die ASA machte 2013 Schlagzeilen, weil sie einen akademischen Boykott Israels unterstützte. Als Antwort darauf sprachen sich 250 Universitätspräsidenten gegen diesen Schritt aus und nannten ihn eine Verletzung der akademischen Freiheit.

Nun hat sich die Angelegenheit in eine Grundrechtsfrage verwandelt.

Die ASA bereitet sich auf ihre Jahreskonferenz im November vor, macht aber schon jetzt Schlagzeilen – aus den falschen Gründen. Das American Center for Law and Justice schrieb dem die Konferenz berherbergenden Hotel einen Brief mit der Warnung, es setze sich rechtlichen Gefahren aus, wenn Israelis ausgesondert und von der Konferenz ferngehalten würden.

Die ASA antwortete einmal, dann ein zweites Mal, um ihre erste Antwort richtigzustellen. Israelis könnten teilnehmen, würden aber als Individuen behandelt und nicht als Repräsentanten israelischer Institutionen. Selbst Benjamin Netanyahu könne der Konferenz beiwohnen, so ein Sprecher der ASA, „aber im Programm führen wir seinen Titel als Herr Netanyahu auf, und auf seinem Namensschild steht Benjamin Netanyahu“.

Mit anderen Worten, selbst Netanyahu ist auf einer Konferenz willkommen, die von einer Gruppe durchgeführt wird, die Israel boykottiert – solange niemand dazu gebracht wird zu glauben, er sei der Premierminister. Wenn niemand etwas sagt, vielleicht weiß es dann ja niemand.

Der Sprecher fügte hinzu: „Ich sollte betonen, dass die ASA niemanden anerkennen wird, der als offizieller Repräsentant [Israels] teilnehmen möchte.“

Dieses Manöver mag der ASA dabei helfen, zivilrechtlichen Prozessen zu entgehen, aber es wirft Fragen darüber auf, was die ASA wirklich erreichen will. Wird die Regelung so befolgt wie dargestellt, würde dies Israel im Grunde aus der öffentlichen Wahrnehmung löschen. Dies wäre etwas, das viel mit der palästinensischen Antinormalisierungsbewegung zu tun hätte, die jede Bemühung um Zusammenarbeit und Aussöhnung zwischen Israelis und Palästinensern verhindern will.

Es erinnert an einen Antinormalisierungsvorfall mit der pro-palästinensischen Reporterin Amira Hass, die zum Verlassen einer Konferenz an einer palästinensischen Universität gezwungen wurde, weil ihr Namensschild sie als jüdische Israeli kennzeichnete. „Ein Dozent sagte mir, hätte ich im Registrierungsformular nicht ‘Haaretz’ geschrieben, hätte ich bleiben können“, schrieb Hass nach dem Vorfall.

Der Boykott ist somit nichts weniger als ein Angriff auf Israels Legitimität. Aber wird es Teilnehmern aus anderen Ländern erlaubt, sich als Repräsentanten ihrer Universitäten zu identifizieren? Wenn ja, dann würden Israelis noch immer diskriminiert, aber die ASA käme damit durch.

Der Doppelstandard der New York Times

24. Oktober 2014

Yarden Frankl, HonestReporting, 19. Oktober 2014

DoubleStandards

Margaret Sullivan, Public Editor der New York Times, kämpft mit einem schwierigen ethischen Dilemma. Einige Leser hatten sie gefragt, ob der Kolumnist David Brooks gefeuert werden sollte, weil er (bis vor kurzem) verschwiegen hatte, dass sein Sohn in der IDF dient. Zwar sagt sie, der Militärdienst von Brooks’ Sohn sollte seiner Arbeit für die Times nicht entgegenstehen, aber sie meint, er hätte die Information nicht verschweigen dürfen, denn die Leser hätten ein „Recht“, so etwas zu erfahren.

Im allgemeinen, so Sullivan, sollten Kolumnisten nicht dem gleichen Grad von Offenlegung unterliegen, wie Reporter ihn haben. Doch da sein Sohn im israelischen Militär diene, habe er eine erweiterte Informationspflicht. Sie schreibt:

Ich glaube nicht, dass die Leser normalerweise wissen müssen, was die Ehepartner von Kolumnisten denken oder welchen Beruf die Brüder haben oder ob eine Tochter in der US-Armee dient. Aber diese Situation hier erscheint mir grenzwertiger. Der Sohn von Herrn Brooks dient als Angehöriger einer ausländischen Militärstreitkraft, die in einen ernsten internationalen Konflikt involviert war – einer, über den der Kolumnist zuweilen schreibt, und der sehr oft in den Nachrichten war.

Schön und gut. Doch wenn es um den Gaza-Chefkorrespondenten der Times geht, der Yassir Arafat als Facebook-Profilbild nutzte und Israelis Terroristen nannte, stieß das bei Sullivan nicht auf Widerspruch. Sogar nachdem Richard Behar in einem Forbes-Artikel darüber berichtete, nahm die Times die Voreingenommenheit ihres Korrespondenten nicht offiziell zur Kenntnis. Tatsächlich arbeitete Fares Akram weiterhin für die Times, selbst nach Veröffentlichung der Story.

Wie kann es sein, dass der Beruf des Sohnes eines Kolumnisten wichtiger ist als die persönliche Bewunderung eines Chefkorrespondenten für einen der schlimmsten Terroristen der Geschichte?

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Bezüglich Brooks’ Sohn schreibt Sullivan:

Ich glaube, eine einmalige Anerkenntnis dieser Situation, und zwar in gedruckter Form (nicht in einem Interview mit einer anderen Publikation), wäre vernünftig. Diese Information ist relevant; und die Leser verdienen es, darüber am selben Ort zu erfahren, an dem diese Kolumnen erscheinen.

Wenn es jedoch um die Yassir-Arafat-Verehrung ihres Gaza-Chefkorrespondenten geht, hält Sullivan die Information offenbar nicht für „relevant“ und denkt nicht, dass es „die Leser verdienen, darüber zu erfahren“.

Mailen Sie Sullivan bitte in englischer Sprache unter public@nytimes.com und fragen Sie, warum es bei der New York Times einen doppelten Standard gibt – auf der einen Seite die Mitarbeiter mit Bezügen zu Israel, auf der anderen Seite die Mitarbeiter mit Bezügen zu palästinensischen Terroristen.

Um sicherzugehen, dass sie Ihre Frage sieht, schreiben Sie bitte folgende Zeilen dazu:
Article Headline: Should David Brooks Disclose His Son’s Israeli Military Service
Date Published: October 8, 2014
Web or Print: Web

Meinungsfreiheit – aber pass auf, was du sagst!

9. Oktober 2014

Alex Margolin, HonestReporting.com, 2. Oktober 2014 (übersetzt von Cora)


In der bekloppten Welt der Campus-Debatten scheint es, als wäre ein Aufruf Israel zu boykottieren ein akzeptabler Ausdruck der Meinungsfreiheit, selbst wenn die Ausübung selbst – durch die Festlegung politischer Kriterien für jene, welche an der Diskussion teilnehmen dürfen, und welche nicht – die Verletzung der Redefreiheit bedeutet.

Denn eine Liste von Professoren zusammenzustellen, die den akademischen Boykott unterstützen, so wie es ein Wachhund namens AMCHA Anfang September gemacht hat, ist „erbärmlich“, denn sie ist „dazu geeignet, die Diskussion zu ersticken“ und den akademischen Austausch zu „schwächen“, so 40 Professoren für jüdische Studien in einem öffentlichen Brief, der letzte Woche veröffentlicht wurde.

„AMCHAs Taktik ist dazu angetan, die Diskussionen über Dinge, die in Israel und in der ganzen Welt debattiert werden, zu ersticken und die Annahme, dass Studenten vor ihren eigenen Universitäten geschützt werden müssen, ist unangebracht und destruktiv. Bemühungen dieser Art fördern nicht gerade die akademische Integrität, stattdessen dienen sie dazu, die Formen des akademischen Austauschs abzuwürgen, die die Lebensader der Universitäten sind.“

AMCHA, welche die Anti-Israel Aktivitäten auf über 300 Campusen in den USA beobachtet, veröffentlichte eine Liste von Professoren, welche zuvor in diesem Sommer einen Aufruf zum akademischen Boykott unterzeichnet hatten. Der ausdrückliche Zweck der Liste war, die Studenten über die offen ausgesprochene Ansichten der Professoren zu informieren, so dass sie nicht unvorbereitet in deren Seminare kommen.

„Studenten, welche mehr über den Mittleren Osten erfahren möchten, ohne sich dabei einer Anti-Israel Verleumdung oder möglicher antisemitischer Rhetorik auszusetzen, möchten vielleicht prüfen, welche Mitglieder der Fakultät unterschrieben haben, bevor sie sich anmelden. In der Petition rufen die Professoren ihre Kollegen der Mittel-Ost Studien dazu auf „israelische akademische Institutionen zu boykottieren“ und bitten darum, „nicht an Projekten und Veranstaltungen, in denen israelische akademische Institutionen involviert sind, teilzunehmen oder mitzumachen, nicht an Konferenzen oder anderen Veranstaltungen zu lehren oder beizuwohnen bei denen diese Institutionen vertreten sind und in keinem akademischen Journal zu veröffentlichen, das in Israel herausgegeben wird.“

Angesichts der harten Worte dieses öffentlichen Briefes der Professoren für jüdische Studien, fällt es schwer, jemand anderen zu finden, der die Anschuldigung, Diskussionen abzuwürgen besser erfüllt, als jene, die AMCHA dessen beschuldigen. Wenn die Nennung der Professoren, die öffentlich eine gewisse Meinung vertreten haben, „fehlgeleitet und zerstörerisch“ sein soll, was ist dann die Aufforderung dazu zu schweigen, um den „geistigen akademischen Austausch, der die Lebensader der Universitäten ist“ zu fördern? Jonathan Tobin stellt in im Commentary Magazine fest, dass die Akademiker ihre Prioritäten falsch gesetzt haben.

„Anstatt zu versuchen, AMCHA zum Schweigen zu bringen, sollten die jüdisc hen Akademiker die Eier haben, sich den wachsenden antizionistischen und antisemitischen Aktivitäten auf den Campusen entgegen zu stellen. Wenn sie das nicht tun, dann werden sie früher oder später feststellen müssen, dass sie als Juden nicht nur bei den Mittel-Ost Studien nicht willkommen sind.“

Oder wie der Rapper Ice-T vor zwei Jahrzehnten weise sagte: Meinungsfreiheit – aber achte darauf, was du sagst.

Erekats neueste faustdicke Lüge: 96% der Toten in Gaza waren Zivilisten

6. Oktober 2014

Alex Margolin, HonestReporting, 6. Oktober 2014
(Übs.: Yvaine de Winter)

Erekat

Man muss sich fragen, warum seriöse Medien den Palästinenserfunktionär Saeb Erekat, der es mit der Wahrheit nicht sehr genau nimmt, überhaupt einladen. Es muss wohl am Unterhaltungswert seiner wahnwitzigen Aussagen liegen.

Und auch sein kürzlicher Auftritt im Army Radio war in dieser Beziehung keine Enttäuschung.

Erekat offenbarte, ganze 96% aller getöteten Palästinenser seien Zivilisten gewesen. Die Zahl übersteigt bei weitem die von den Vereinten Nationen angeführten Zahlen, die sich um die 75% bewegen und hauptsächlich auf Angaben des von der Hamas geführten Gesundheitsministeriums in Gaza beruhen. Israelischen Angaben zufolge waren zirka die Hälfte der im Krieg getöteten Einwohner Gazas Mitglieder der Hamas oder anderer Terrorgruppierungen.

Der Opferzahlendisput wird wahrscheinlich noch monatelang weitergehen. Zumindest in der Wahrnehmung der Öffentlichkeit wird diejenige Seite tatsächlicher Gewinner des Gaza-Krieges sein, die die Welt davon überzeugen kann, mit größerer Moral und Sorgfalt gehandelt zu haben. Und Erekats große Lüge soll die Behauptung der Palästinenser untermauern, Israel habe in Gaza übermäßige Gewalt angewendet.

Erekat war natürlich auch der Palästinenserführer gewesen, der behauptet hatte, 2002 in Jenin seien 500 Palästinenser getötet worden. Die tatsächliche Zahl lag bei weit unter 100, und es gab auch beträchtliche israelische Opferzahlen. Laut Haviv Rettig Gur ist diese Art von Behauptung Teil einer umfassenderen Strategie, die auch von der BDS-Bewegung angewendet wird, um Israel international zu isolieren.

Die globale BDS-Kampagne, die von palästinensischen Zivilgruppen unter der Leitung der Fatah angezettelt wurde, sowie die Verbreitung völlig abwegiger Lügen bzw. Verzerrungen zum Leid der Palästinenser (vom „Jenin-Massaker“ 2002 bis zur Behauptung des obersten Friedensunterhändlers diese Woche, 96% der im Gaza-Krieg diesen Sommer getöteten Palästinenser seien Zivilisten gewesen) soll internationalen Druck auf Israel lenken. Dieser Druck wird Auswirkungen haben, die palästinensische Unterhändler nicht am Verhandlungstisch erreichen könnten.

Rettig Gur hat recht, dass das permanente Aufbauen internationalen Drucks auf Israel durch Methoden der Palästinenserführung eine Taktik ist, um bei den Verhandlungen in eine bessere Position zu kommen. Den Köpfen der BDS-Bewegung jedoch geht es nicht um Verhandlungen – sie wollen Israel isolieren, um seine Legitimität zu unterwandern und letztendlich seine jüdische Identität zu zerstören.

Bild: CC BY Münchner Sicherheitskonferenz/Tobias Kleinschmidt via Wikimedia Commons

Wie man eine „Siedlungskrise“ erschafft

4. Oktober 2014

Simon Plosker, HonestReporting, 02.10.2014

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Es ist wie im Film „Und täglich grüßt das Murmeltier“. Der israelische Premierminister Netanyahu trifft sich mit US-Präsident Obama, und die Medien sind voll mit Geschichten über israelischen Siedlungsbau und Verurteilungen sowohl vom Weißen Haus als auch vom US State Department.

Wie kam es also zu dieser „Verkettung unglücklicher Umstände“?

Zuallererst wäre so etwas ohne die vollkommen siedlungsbesessenen Medien nicht möglich gewesen. Ungeachtet all dessen, was in der Region vor sich geht, schließen sich viel zu viele noch immer unhinterfragt dem Narrativ an, der Bau von jüdischen Wohnhäusern (in diesem Fall in einem Stadtteil Jerusalems) sei das größte Friedenshindernis im Nahen Osten.

Rechnen Sie zweitens die symbiotische Beziehung zwischen den Medien und nichtstaatlichen Organisationen (NGOs) mit ein, insbesondere derjenigen, die Israels Politik gegenüber kritisch eingestellt sind. Die Washington Post sieht die Dinge bei ihrem Bericht über die Baupläne für Givat Hamatos in Jerusalem richtig:

Die Siedlungsentwicklung war jahrelang in Planung, befand sich jedoch bis letzte Woche auf Eis. Letzte Woche gab die Regierung eine öffentliche Bekanntmachung heraus, was ihr erlaubte, Angebote entgegenzunehmen und mit dem Bau zu beginnen. Die Bekanntmachung erhielt jedoch keinerlei Aufmerksamkeit, bis die israelische Lobbygruppe Peace Now kurz vor dem Treffen zwischen Obama und Netanyahu eine Pressemeldung über sie veröffentlichte.

Tatsächlich wurde alles erst zu einer Story, als das hier im E-Mail-Postfach ausländischer Journalisten landete:

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Also hielt Peace Now diese Pressemeldung bewusst für eine ganze Woche bis zu dem Zeitpunkt zurück, von dem sie wussten, dass sie in der Presse maximale Zugkraft haben und Netanyahu auf seiner US-Reise noch mehr Kopfschmerzen bereiten würde. Und dies trotz der Tatsache, dass der Bau in Givat Hamatos schon im Dezember 2012 genehmigt worden war.

Aber z. B. für die Times of London ist das eine brandneue Siedlung und kein Bau in einem bereits existenten Bereich von Jerusalem:

Spaltungen zwischen Israel und den Vereinigten Staaten traten zutage, als Stunden vor einem Treffen zwischen den Oberhäuptern beider Nationen eine kontroverse neue jüdische Siedlung genehmigt wurde.

Es ist keine „neue jüdische Siedlung“, und sie wurde ganz gewiss nicht Stunden vor dem Treffen zwischen Netanyahu und Obama genehmigt.

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Im Bild oben: Givat Hamatos ist rot umrandet, blau sind die jüdischen Stadtteile, braun sind die arabischen Stadtteile.

Was ungeachtet israelischer Medien in der Pressemeldung ebenfalls fehlt, ist die Tatsache, dass die Hälfte der Wohneinheiten in Givat Hamatos für arabische Bewohner bestimmt ist. Bei den Argumenten bezüglich Siedlungen in Jerusalem wird generell missverstanden, dass man arabische Einwohner Jerusalems oder israelische Araber nicht legal davon abhalten kann, Immobilien innerhalb der Stadtgrenzen zu kaufen, zu mieten oder dort zu wohnen.

Also können wir klarstellen, dass Timing und Inhalt der Givat-Hamatos-Story nichts weiter als eine künstlich erschaffene „Krise“ darstellen, die in Wirklichkeit unbeachtet geblieben wäre, wäre da nicht Peace Now gewesen.

Bild: CC BY-SA HonestReporting, flickr/Philip Taylor

Wenn Kunst Propaganda imitiert

3. Oktober 2014

Yarden Frankl, HonestReporting, 02.10.2014

ArtImitates

In ihrem Artikel „Remnants of War Become Art in Gaza“ (= soviel wie „Munitionsrückstände werden in Gaza zu Kunst“) zeichnet die AFP das Bild einer „Wohlfühl“-Geschichte, in welcher der menschliche Aspekt im Vordergrund steht. Der Artikel beschreibt, wie Palästinenser in Gaza Überbleibsel des Militärkonflikts in Kunst verwandeln. Das Thema ist interessant und inspirierend.

Natürlich ist das nichts Neues. Jahrelang haben Einwohner von Sderot Überbleibsel von Gaza-Raketen in schöne Skulpturen verwandelt. Ein Teil der Einkünfte wird für den Kauf von Luftschutzbunkern verwendet. Obgleich sie dies schon seit Jahren machen, konnte ich keine AFP-Geschichte hierüber finden.

Das Problem ist jedoch nicht, dass die AFP über dieses lokale Projekt in Gaza berichtet. Ebensowenig ist es ein Problem, dass sie Zitate der lokalen Künstler bringt. Viele dieser Zitate sind inspirierend und unterstreichen die Geschichte der Verwandlung von Waffen in Objekte der Schönheit. Auch an folgendem Zitat von einem der Künstler ist nichts verkehrt:

„Ich schätze die Idee, etwas Schönes aus diesen Geräten zu machen, die uns töten: Ich nehme diese Vase mit nach Hause und stecke regelmäßig Rosen hinein.“

Doch wenn die Zitate mit Propaganda versetzt sind, die kommentarlos wiedergegeben wird, dann bekommt der ganze Artikel eine einseitige Färbung:

Mohammed al-Zamars Garten ist übersät mit Geschosshülsen und Splittern, welche er nach einem Bombardement aus seinem Haus geholt hatte.
Auf eines der Stücke hatte er geschrieben: „Nein zum Krieg, wir hatten genug.“ Daneben ist eine Karte des historischen Palästina.
„Dies ist meine Botschaft“, so Zamar.

Man könnte den Eindruck gewinnen, mit den Geschosshülsen und Splittern wolle er eine Antikriegsbotschaft verbreiten. Aber in Wirklichkeit ist es nichts dergleichen. Als er jene Objekte neben einer Karte ohne Israel platziert (und das „historische Palästina“ ist genau das), wandelt sich seine Botschaft in Wirklichkeit in eine Botschaft für den Krieg.

Er sagt nicht einfach nur Nein zum Krieg, sondern er sagt Nein zum Staat Israel.

„Wir lieben das Leben, aber der Besatzer (Israel) zwingt uns Tod und Zerstörung auf. Ich will den israelischen Krieg in einen Ausdruck des ununterdrückbaren Lebenswillens der Palästinenser transformieren.“

Trotz dessen, dass dieser Artikel den menschlichen Aspekt in den Vordergrund stellt, hat die AFP die Verantwortung, ihren Lesern ein akkurates Verständnis der Sachverhalte zu vermitteln, die hier als Hintergrund dienen. Eine solche Bemerkung ohne Erklärung stehenzulassen verstärkt die falsche Anschuldigung, die Palästinenser in Gaza seien die unschuldigen Opfer einer aggressiven israelischen Militärattacke gewesen.

Die Geschichte hätte mit größerem Gleichgewicht geschrieben werden können, wenn auch die Israelis erwähnt worden wären, die Raketen von Terroristen in Kunstwerke verwandeln. Ebenso hätte die Geschichte akkurater sein können, hätte sie erwähnt, dass Israel trotz Zamars Empfindungen während des gesamten Konflikts versucht hat, den Raketenbeschuss einzudämmen, der die Gemeinden in Südisrael seit Jahren plagt.

Leider entschied sich die AFP dafür, keines der beiden zu tun, und das Resultat ist eine Geschichte, die den grundlegendsten Standards journalistischer Integrität gegenüber versagt.

Bild: CC BY-SA HonestReporting


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