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Warum berichten die Medien von den Verurteilungen der Gewalt durch Mahmud Abbas, ignorieren aber die Hetze der PA zum Mord an Israelis?

26. Mai 2022

Gidon Ben-Zvi, HonestReporting, 19. Mai 2022

Aufgrund des Mangels an internationaler Berichterstattung erscheint die Vorlage eines sogenannten „Reformvorschlags“ durch PA-Premierminister Mohammed Schtayyeh bei einem UNO-Gremium letzte Woche, der eine Initiative zur Verstärkung israelfeindlicher Hetze beinhaltet, nicht berichtenswert.

Dennoch wird von den führenden Nachrichtenorganen der Welt (siehe hier, hier, hier und hier) jedes Mal festgehalten, dass PA-Präsident Mahmud Abbas die Terroranschläge verurteilt hat, durch die in Israel 19 Menschen getötet und Dutzende verletzt wurden.

Klingt wie ein möglicher Fall von sehr selektiver Berichterstattung.

Israelische Medien berichteten am 16. Mai, dass das von der palästinensischen Autonomiebehörde dem Geberländer repräsentierenden Ad-Hoc-Verbindungskomitee (AHLC) der UNO vorgelegte Reformdokument keinen Plan enthält die Hetze gegen Israel zu reduzieren.

Das 1993 gegründete AHLC dient als Haupt-Koordinationsmechanismus auf politischer Ebene für Entwicklungshilfe für das palästinensische Volk. Sein Hauptauftrag besteht darin „den Dialog zwischen Gebern, der PA und der Regierung Israels zu fördern“.

Wie von den israelischen Medien vermerkt, musste die Palästinenserführung ein solches Dokument vorlegen, nachdem Finanzhilfen aus Europa verzögert wurden. Einige EU-Länder forderten letztes Jahr, dass die Palästinenser israelfeindliche und judenfeindliche Inhalte aus ihren Schulbüchern löschen und machten das zur Vorbedingung für die Überweisung von Geld an die PA.

Ramallahs Antwort beinhaltete jedoch diesen Aufruf zur Bekämpfung der „israelischen Besatzungsobrigkeit, die Informationen verdreht und die Folklore und das Erbe der Palästinenser stiehlt“:

Verbindungen zu internationalen Organisationen müssen aufgebaut werden, um die Herausforderung israelischer Fälschungen historischer palästinensischer Fakten aufzubauen. Unsere Botschaften auf dem gesamten Globus und die Medienapparate müssen sich gegen die Bemühungen der Fälschung des palästinensischen Narrativs stellen. Daher wird die Regierung unter anderem ihre Medienpräsenz im Einklang mit der aktuellen Initiative stärken, um einen Satelliten-Fernsehsenders für Jugendliche zusätzlich zum bestehenden offiziellen Fernsehsender zu starten.

Statt Dialog zu fördern, beinhaltet der „Reformvorschlag“ der PA haltlose Anschuldigungen gegen Israel, die anscheinend dazu gedacht sind fortgesetzte palästinensische Anschläge zu rechtfertigen.

Diese Geschichte wurde von exakt einer einzigen internationalen Nachrichtenagentur aufgegriffen. Der European Jewish Press.

Wo sind die Medien? Das ist PA-Hetze in voller Aktion.

Eines der krassesten Beispiele dafür, wie Ramallah Gewalt gegen Israel schürt, war seine Verleihung eines jährlichen Preises an das Westbank-Dorf Beita im November letzten Jahres.

Die Yassir Arafat-Stiftung wiederholte bei einer Feier im Kulturpalast von Ramallah frühere Aufrufe der PA-Herrscherfraktion, Fatah das „Modell Beita“ in „alle palästinensischen Städte“ zu exportieren. Dieses „Modell“ beinhaltet gewalttätige Krawalle, Ökoterrorismus, starke Sprengsätze zu zünden und Hakenkreuze zu verbrennen.

Die mit der Fatah verbundenen Einwohner der Stadt erhielten von PA-Premierminister Schtayyeh, der dem Stiftungsvorstand vorsitzt, einen Scheck über $25.000.

Diesen Anreiz zu Gewalt gegen Israelis zu geben ist offizielle PA-Politik. Das palästinensische Haushaltsbuch erklärt, dass Zahlungen an getötete oder inhaftierte palästinensische Terroristen und ihre Familien aus dem Märtyrer-Fond erfolgen müssen, weil die Empfänger einen „Kampfsektor“ bilden. Beachtenswert ist, dass die ausgezahlte Summe sich mit der Schwere des Verbrechens proportional erhöht.

Schtayyeh stand auch im Mittelpunkt einer Kampagne, die Klimawandel-Konferenz COP26 dazu zu nutzen den jüdischen Staat fälschlich des „Greenwashing“ zu beschuldigen, der angeblichen Verschmutzung des von den Palästinensern beanspruchten Territoriums.

In Wirklichkeit offenbarte eine Exklusiv-Untersuchung von HonestReporting, dass die PA Ökoterrorismus in der Westbank aktiv unterstützt.

Und trotz Abbas‘ angeblichen Verurteilungen der Anschläge, die Israel im Verlauf der letzten Monate in Aufruhr versetzt haben, hat seine Fatah-Fraktion noch diese Woche ein Video veröffentlicht, das offen die Terroristen unterstützt.

Von Palestinian Media Watch entdecktes Bildmaterial vom 18. Mai beinhaltet einen Clip des Sekretärs des Fatah-Zweigs in Jenin:

Als Zeichen der Unterstützung für die gesegnete Al-Aqsa-Moschee und die reinen Märtyrer und heldenhaften Märtyrer Ra’ad [Hazem], Diya [Hamarscheh] und alle Märtyrer, zünden wir heute die Fackel der Freiheit und die Fackel der Gefangenen an.

Ra’ad Hazem war der Terrorist, der den Anschlag am 7. April verübte, bei dem zwei Menschen getötet und mehrere andere verletzt wurden, als er das Feuer auf eine Bar in Tel Aviv eröffnete.

Diya Hamarscheh erschoss am 29. März fünf Menschen bei einem Anschlag, der in der ultraorthodoxen Stadt Bnei Brak östlich von Tel Aviv begann.

Hazem und Hamarscheh kamen beide aus dem Raum Jenin.

Um nicht ausgestochen zu werden, rief Abbas am 15. Mai die Familie Zubeidi an und kondolierte wegen des Todes des Terroristen Daoud Zubeidi, der seinen bei Zusammenstößen mit israelischen Sicherheitskräften in Jenin erlittenen Verletzungen erlag.

Abbas pries die Familie als eine, die „heldenhaft verwundete Gefangene und Kommandeure“ hervorbringt.

Zubeidi war der Bruder von Zakaria Zubeidi, dem früheren Kommandeur der Al-Aqsa-Märtyrerbrigaden, dem „bewaffneten Arm“ der Fatah, der weithin als Terrororganisation eingestuft worden ist und zahlreiche tödliche Anschläge auf israelische Zivilisten verübt hat.

Wenn Nachrichtenorgane glauben, es sei berichtenswert, dass Mahmud Abbas Terroranschläge auf Zivilisten verurteilt hat, warum glauben sie nicht, dass es genauso bedeutend ist, dass diese Terroristen von seiner PA indoktriniert und Anreiz geliefert wurde Israelis zu hassen, zu entmenschlichen und sie ins Ziel zu nehmen?

Wie Gelder der Europäischen Union für Westbank-Aktivitäten Völkerrecht brechen und Frieden untergraben

14. April 2022

Akiva Van Koningsveld, HonestReporting, 31. März 2022

Mit der bisher wahrscheinlich stärksten Rüge für die Politik der Europäischen Union umriss ein von Israels Geheimdienst-Ministerium veröffentlichter Bericht – erstmals von HonestReporting komplett ins Englische übersetzt – wie Brüssel die illegale „Übernahme“ von Bereichen durch die palästinensische Autonomiebehörde finanziert, die international als unter israelischer Kontrolle stehend anerkannt sind.

Das Dokument beschreibt ausführlich, wie Regierungen des Auslands hunderte Millionen Euros in palästinensische Projekte in Area C der Westbank (auch als Judäa und Samaria bekannt) fließen lassen, was das entsprechende Völkerrecht und entsprechende Abkommen verletzt, nämlich die Oslo-Vereinbarungen, die den aktuellen Status des Gebiets regeln.

Darüber hinaus haben die PA und ihre europäischen Helfer mit der Umgehung von Verhandlungen mit Israel den Friedensaussichten geschadet und gleichzeitig das Leben von Israelis und Palästinensern gefährdet.

Laut eines Berichts mit dem Titel The Palestinian Campaign for Area C – Shaping a Security Reality on the Ground, Description and Implications [Die palästinensische Kampagne um Area C – Schaffung einer Sicherheitsrealität vor Ort, Beschreibung und Folgen] führt die PA-Administration in Ramallah eine bewusste, abgestimmte Anstrengung an, die gesamte Westbank unter palästinensische Zuständigkeit zu bringen. Zu diesem Zweck haben die Palästinenser EU-Gelder genutzt, um tausende illegaler Gebäude zu bauen und jede Menge Quadratkilometer Agrarland in die Hände zu bekommen.

Die 76 Seiten starke Forschungsstudie, erstellt im Juni 2021, aber erst dieses Jahr freigegeben und veröffentlicht, beschreibt:

[…] die systematische, institutionelle Bemühung des gegnerischen [palästinensischen] Establishments, die Sicherheit und zivile Realität in den C-Gebieten in einer Weise zu verändern, die die Autorität des [israelischen] Staats untergräbt und die Verpflichtungen untergräbt, die die palästinensische Autonomiebehörde als Teil der [Oslo-] Vereinbarungen auf sich nahm.

Israelische Geheimdienstinformationen legen nahe, dass die EU Ramallah seit 2014 nicht nur mit den finanziellen Mitteln für seinen Landraub versorgt hat, sondern auch dass der Block der 27 Staaten der PA konkrete, justiziable, legale und diplomatische Unterstützung dafür bot; was den eigenen erklärten Verpflichtungen Europas im Rahmenwerk von Oslo und direkten Friedensverhandlungen mit Israel entgegensteht.

Die einseitige Landraub-Kampagne der palästinensischen Autonomiebehörde

Der Geheimdienst-Bericht, den HonestReporting jetzt breitflächig verbreitet, hält fest, dass die palästinensische Autonomiebehörde im Verlauf der letzten acht Jahre mehr als eine halbe Milliarde Dollar erhalten hat, um „einseitige Schritte zur Besetzung von Land“ durchzuführen. Diese Gelder werden Ramallah laut des israelischen Geheimdienstes von „Regierungen des Auslands (Niederlande, Dänemark, Schweden, Frankreich, Schweiz, Großbritannien, Belgien, Deutschland, Türkei, Qatar,  Jordnaien) und einer Bandbreite internationaler Unterstützungsorganisationen, Wirtschaftsorganisationen wie der Weltbank, UNO-Gremien und der Europäischen Union zur Verfügung gestellt, außerdem über separate Kanäle auch von einer Vielzahl arabischer und islamischer Organisationen.

Der Bericht fährt fort:

Unter dem Strich sind als Teil der Schritte zur Besetzung von Territorium [in Area C] zwischen 35.000 und 40.000 Bauten errichtet worden, die für unterschiedliche Zwecke vorgesehen sind, darunter Landwirtschaft und Industrie. Diese Bauten decken einen Bereich von etwa 35 bis 80 Quadratkilometern ab. Es sollte festgehalten werden, dass die bedeutendste Zunahme in absoluten Begriffen in der Region Nordsamaria verzeichnet wurde, wo der Bereich des von durch palästinensische Bautätigkeit in Area C besetzen Landes um mehr als 150% zugenommen hat.

Die palästinensische Autonomiebehörde hat dies in Abstimmung „direkt zwischen lokalen [Westbank] Behörden und den Auslandsinstanzen“ getan, um ihren Einfluss auf Area C zu stärken. Tatsächlich zeigten Daten der Bewegung Regavim, einer israelischen NGO, die sich auf Fragen des Landbesitzes konzentriert, schon früher, dass die Palästinenser im Verlauf der letzten zwei Jahre mindestens 5.097 illegale Bauten in Area C errichteten oder im Durchschnitt sieben pro Tag. Während desselben Zeitraums verschaffte sich die PA Zugriff auf tausende Morgen Agrarland in dem Gebiet.

Der Bericht fügt an:

Es muss festgehalten werden, dass diese Aktivitäten auch die Schädigung natürlicher Güter beinhaltet (Bautätigkeit innerhalb von Naturschutzgebieten, illegale Steinbrüche, Umweltverschmutzung und das Abladen von Müll), Schäden an Antiquitäten (es gibt etwa 10.000 archäologische Stätten in Judäa und Samaria) und die Forderung aus ihnen muslimische Stätten zu machen.

Die israelische Regierung glaubt darüber hinaus, dass „die [palästinensische] Autonomiebehörde und ihre europäischen Partner weiterhin eine Menge zusätzlicher Pläne vorantreiben, für die die Gelder bereits gefunden worden sind.“

Um es noch einmal zu betonen: Diese Aktivitäten untergraben nicht nur die Aussichten auf eine friedliche Regelung eines vordergründig territorialen Disputs, sondern sind gemäß Völkerrecht auch illegal.

Die Oslo-Vereinbarungen und das Völkerrecht

Nach der Unterzeichnung der Oslo-Vereinbarungen wurde der nach einer Reihe in den 1990-er Jahren zwischen Israel und der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) geschlossenen Abkommen neu gebildeten palästinensischen Autonomiebehörde die Kontrolle über die Areas A und B der Westbank gegeben, Heimat von 90% der dortigen arabischen Bevölkerung. Derweil sollte Israel die komplette Kontrolle über Area C behalten, die alle jüdischen Gemeinden der Westbank umfasste.

Das Geheimdienst-Ministerium berichtet jedoch, dass

die Palästinenser seit der Umsetzung der Oslo-Vereinbarungen in Judäa und Samaria und der Teilung des Landes aktiv daran gearbeitet haben das Land in Area C zu besetzen. Seit 2009 (dem Fayyad-Plan) diese Bemühungen zentral von der palästinensischen Autonomiebehörde (2009) geleitet wurden, um einen Staat „von unten nach oben“ zu gründen, indem einseitig Fakten vor Ort geschaffen werden und angesichts des Eingeständnisses der Autonomiebehörde, dass sie nicht in der Lage ist eine politische Lösung zu ihren eigenen Bedingungen voranzutreiben.

Dennoch haben die Oslo-Vereinbarungen das Gewicht des Völkerrechts, wie es der frühere anwaltliche Berater im Amt für Rechtsangelegenheiten im US-Außenministerium Geoffrey R. Watson in seinem Buch „The Oslo Accords: International Law and the Israeli-Palestinian Peace Agreements“ (Die Oslo-Vereinbarungen: Völkerrecht und die israelisch-palästinensischen Friedensvereinbarungen) erläuterte. Während die PLO anfangs nicht die Fähigkeit besaß internationale Verträge im traditionellen Sinn einzugehen, stellten die Oslo-Vereinbarungen im Effekt rechtlich bindende Vereinbarungen gemäß dem Völkergewohnheitsrecht zwischen Israel und der palästinensischen Autonomiebehörde dar.

Das Interim-Rahmenwerk von 1995 – das auf der Voraussetzung gründete, dass die sogenannten Endstatusfragen zwischen den Seiten (wie z.B. die Konturen der letztendlichen Grenzen Israels) sollten in folgenden Verhandlungen definiert werden – legte fest, dass ohne die Genehmigung der Zivilverwaltung des israelischen Verteidigungsministeriums keine Bautätigkeit in Area C stattfinden kann. Gleichzeitig machen die Oslo-Dokumente deutlich, dass die Parteien niemals ein Verbot israelischer Bautätigkeit in der Westbank vereinbarten (siehe hier, hier und hier).

Damit bleiben die vereinbarten Konditionen trotz der wiederholten Drohungen von PA-Präsident Mahmud Abbas „alle Verpflichtungen der Oslo-Vereinbarungen“ aufzugeben in Kraft und in einigen Fällen stehen sie über von der palästinensischen Autonomiebehörde behaupteten Ansprüche aus den Genfer Konventionen (wie hier analysiert wurde).

Tatsächlich können Verträge laut Völkerrecht nur unter sehr bestimmen Umständen einseitig aufgekündigt werden. Die Wiener Konvention zum Vertragsrecht verkündet, dass die Parteien sich aus internationalen Vereinbarungen ohne ausdrückliche Kündigungsklauseln allgemein nur unter sehr eingeschränkten Umständen einseitig zurückziehen können, die im Fall der israelisch-palästinensischen Abkommen nicht anwendbar sind (mehr Hintergrund dazu gibt es hier, hier und hier).

Daher stimmen die meisten Jura-Gelehrten überein, dass – auch wenn man die anhaltenden Verletzungen der Oslo-Vereinbarungen durch palästinensische Autonomiebehörde einbezieht – die Abmachungen zwischen Jerusalem und Ramallah komplett in Kraft bleiben.

„Der Eckstein des bilateralen Friedensprozesses“

Die fortbestehende Bedeutung der Oslo-Verträge wurde erst vor kurzem von dem altgedienten Diplomaten Dennis Ross bekräftigt, der früher als Nahost-Gesandter des US-Präsidenten Bill Clinton diente, als die Deals unterschrieben wurden. „Diese Vereinbarungen, von der internationalen Gemeinschaft gebilligt, bilden bis heute den Eckstein des bilateralen Friedensprozesses und regeln weiterhin die Beziehungen zwischen den Parteien“, schrieb Ross 2020 in einer Eingabe an den Internationalen Strafgerichtshof [Hervorhebung hinzugefügt].

Aber die illegale Landbesetzungs-Anstrengung durch die PA mit Hilfe der EU, die in Area C stattfindet, macht im Gegenteil die Aktualisierung der Oslo-Vereinbarungen schwieriger, da die subversive Initiative nach Angaben des israelischen Geheimdienst-Berichts „irreversible Fakten […] vor Ort“ schaffen will, die „weitreichende Folgen für eine zukünftige politische Vereinbarung haben“.

Der Bericht betont auch, dass die Landnahme bereits das Leben von Israelis wie Palästinensern gefährdet:

[…] Diese palästinensische Aktivität hat die Bewegungsfreiheit entlang der Hauptverkehrsadern in der Region erheblich eingeschränkt und gleichzeitig „Verkehrskorridore“ aus der Oslo-Ära in „Fahrspuren“ verwandelt, die überwacht werden und bedroht worden sind, was Einfluss auf die Verkehrssicherheit entlang von Abschnitten einiger der wichtigsten Routen haben könnte […]

Seit fast drei Jahrzehnten ist die Europäische Union für eine „Zweistaatenlösung auf Grundlage der Oslo-Vereinbarungen und dem Völkerrecht“ eingetreten, wobei sie oft vor einem vermeintlichen israelischen „einseitigen Abweichen von den Oslo-Vereinbarungen“ warnte. Er im letzten Jahr führte der EU-Botschafter beim UNO-Sicherheitsrat ausdrücklich die Vereinbarungen bei einer Attacke auf angebliche einseitige israelische Schritte in der Westbank ins Feld.

Und während Europa Lippenbekenntnisse für die Notwendigkeit direkter Gespräche zwischen den beiden Parteien auf Grundlage von Vereinbarungen der Vergangenheit abgab, wobei der damalige deutsche Außenminister Heiko Maas im Mai 2021 sagte, es gebe „keine Alternative zu direkten Gesprächen zwischen Israelis und Palästinensern“, begünstigte Brüssel eindeutig einseitige Schritte der palästinensischen Autonomiebehörde.

Das ist Teil einer illegalen Kampagne in Area C der Westbank, die von den europäischen Steuerzahlern finanziert wird und im Effekt die Aussichten auf einen verhandelten Frieden zwischen Israelis und Palästinenser verringert.

EXKLUSIV: Wie das Berichten aus Israel meine Weltsicht für immer veränderte

10. Juli 2017

Hunter Stuart, HonestReporting 22.06.2017

In einem exklusiven Artikel für HonestReporting berichtet der Auslandskorrespondent Hunter Stuart, wie er die Realitäten der Berichterstattungen über Israel erlebte und sich seine pro palästinensische Sicht dramatisch veränderte.

Seit ich denken kann, wollte ich Journalist werden. Journalismus schien eine ungemein wichtige Arbeit zu sein um die Vorurteile der Menschen herauszufordern, harte Fakten an die Öffentlichkeit zu bringen um diese damit ehrlich und informiert zu halten.

Seit ich als Teenager zwei Wochen in Ägypten verbrachte – das war im Januar 2001, weniger als ein Jahr vor 9/11 – habe ich davon geträumt, freiberuflicher Reporter im Nahen Osten zu sein. Ich war fasziniert vom Terrorismus, von der Idee, dass irgend jemand an etwas derart glaubte, dass er bereit war, dafür sein Leben zu opfern. Jeder Journalist will die große Story aufdecken und ich dachte, der Nahe Osten sei die größte Story auf der ganzen Welt. Also entschied ich mich dahin zu gehen. 2015, mit 32 Jahren, schauten meine Frau und ich auf die Landkarte des Nahen Ostens und wir wählten Jerusalem zu unserem neuen Zuhause. Nicht nur, weil die Stadt westlich orientiert und relativ sicher war, sie war auch nur einen Steinwurf vom meist beachteten Konflikt der Erde entfernt. In jenem Sommer kündigten wir unsere Jobs in New York City und zogen nach Jerusalem um.

Da die Gier der Öffentlichkeit auf Nachrichten über den Israel – Palästina Konflikt nahezu unendlich ist, war es für mich nicht schwer Arbeit zu finden, nachdem ich nach Jerusalem umgezogen war. Rasch begann ich Berichte an die Nachrichten Agenturen in den Vereinigten Staaten und Australien ebenso wie an Al Jazeera – Englisch, das in Katar beheimatet ist, zu verkaufen.

Es war mir rasch klar, dass die meisten dieser Organisationen Nachrichten haben wollten, die vor allem das Leiden der Palästinenser hervorhoben und die Schuld daran den Israelis zuschob. So wie Matti Friedmann, der ehemalige Büroleiter der Associated Press, es 2014 im „Atlantic“ beschrieben hatte, sehen die Nachrichtenagenturen die „Israel – Story“ vor allem als Geschichte über das moralische Versagen der Juden. Ereignisse, die diese Sicht nicht untermauern, werden schlicht ignoriert.

In den ersten Monaten in Israel war auch ich bereit, diese Geschichten zu erzählen, denn ich glaubte auch daran. Wie ich vor kurzem im Magazin des Jerusalem Reports beschrieben habe, hatte ich ein tief sitzendes negatives Bild des jüdischen Staates. Ich wuchs in einer weißen, angelsächsisch – protestantischen Kleinstadt in Neuengland auf, wo jeder ein liberaler Demokrat war. Und aus irgendeinem Grund ist die Feindschaft gegenüber Israel eine reflexhafte liberale Haltung in den Vereinigten Staaten (ebenso wie in Europa). Als Teil dieser Umgebung glaubte auch ich, dass Israel der Tyrann ist und das größte Hindernis für den Frieden im Nahen Osten.

Doch auswärtigen Geschehnisse sehen immer etwas anders aus, wenn man selber drinsteckt – und das trifft nirgendwo mehr zu, als in Israel. Das begriff ich an einem sonnigen Nachmittag. Kurz nachdem ich nach Jerusalem umgezogen war. An diesem Tag war ich auf dem Weg um über einen palästinensischen Protest vor einem israelischen Gefängnis in der Nähe von Ramallah zu berichten. Ein Reporter des „Independent“ und ich fuhren dorthin und trafen auf eine Gruppe von etwa 100 palästinensischer Demonstranten, die zum Gefängnis marschierten.

Als sie dort ankamen, kamen etwa ein halbes Dutzend israelische Soldaten heraus, um sie aufzuhalten. Rasch bauten die Palästinenser Straßensperren aus brennenden Reifen auf, um den Israelis den Fluchtweg abzuschneiden. Immer mehr Demonstranten erschienen – keine Ahnung von wo – bald sah ich sie über die Hügel oberhalb des Gefängnisses schwärmen, die Gesichter mit Masken und Keffiyes verhüllt. Es war wie eine Szene aus Game of Thrones. Manche hatten Messer in ihren Gürteln, andere brachten Zutaten für Molotowcocktails. Sie positionierten sich auf den Hügeln über dem Gefängnis und begannen mit starken Schleudern Steine und Zementbrocken auf die etwa sechs israelischen Soldaten unter ihnen zu feuern. Die Israelis waren derart in der Unterzahl, dass ich unwillkürlich die Geschichte hinterfragte, in der Israel der Goliath und die Palästinenser David sind. Was ich vor mir sah, war das genaue Gegenteil.

Fotografen dokumentieren palästinensische Unruhen im arabischen Viertel Silwan – Ostjerusalem, als Teil eines Bildberichts in dem dargestellt wird, was die Hauptmedien vermeiden darzustellen: Die Anwesenheit von Fotografen und ihr Einfluss auf die Ereignisse.

Als ich einige Monate später den Gaza – Streifen besuchte, sah ich erneut den Unterschied zwischen dem, wie die Journalisten einen Ort beschreiben und der Realität. Wenn man in der Zeitung über Gaza liest, möchte man glauben, der ganze Ort sei ein einziger Schutthaufen, der mehr oder weniger aussieht wie Homs oder Aleppo. Tatsächlich ist das Erscheinungsbild Gazas genauso wie überall in der arabischen Welt. Während der acht Tage in Gaza sah ich kein einziges vom Krieg zerstörtes Haus, bis ich meinen Begleiter (Fixer – einheimischer Begleiter, der Kontakt zur Bevölkerung herstellt und dolmetscht. Anm. d. Übersetzers) darum bat, mir eines zu zeigen. Dazu fuhr er mich nach Shujaya, einem Nachbarort von Gaza – Stadt, der als Hamashochburg bekannt ist und bis heute vom 2014er Krieg sichtbar beschädigt ist.

War die Zerstörung von Shujaya schockierend? Ja! Aber es war örtlich begrenzt und ist nicht bezeichnend für den Rest von Gaza. Dieser Rest von Gaza ist kaum von so vielen Entwicklungsländern zu unterscheiden: Die Menschen sind arm, aber sie schaffen es, sich zu versorgen, sich sogar gut zu kleiden und die meiste Zeit glücklich zu sein. Tatsächlich sind einige Teile von Gaza richtig schön. Ich ging in Restaurants essen, deren Tische aus Marmor waren und die Kellner Fräcke und Krawatten trugen. Ich sah riesige Villen am Strand die auch nach Malibu gepasst hätten und – genau gegenüber dieser Villen – besuchte ich eine neue 4 Millionen $ Moschee.

Ist das Leben in Gaza sehr schwer? Jede Wette! Leben die meisten in zerstörten Häusern, schutzlos den Elementen ausgeliefert, wie es in den Nachrichten oft dargestellt wird? Absolut nicht. Ich missgönnen ihnen weder ihre Marmortische noch ihre Villen am Strand. Wie jeder andere Mensch wollen sie es gemütlich, wollen das Leben genießen. Aber ich finde es seltsam, dass ausländische Nachrichtenorganisationen es nicht wenigstens ab und zu angebracht finden, einen Artikel über die Viertel der Reichen in Gaza oder Millionen Dollar Moscheen zu berichten. Nein – stattdessen ziehen sie es vor, über die kleine Minderheit des Gaza – Streifens zu berichten, der nach wie vor in dem Teil haust, der 2014 im Krieg gegen Israel zerstört wurde (ein Krieg, der im übrigen von der Hamas begonnen wurde), denn das ist es, das die Erzählung untermauert, in der Israel eine Supermacht ist, die die Araber für die eigenen Zwecke brutalisiert, und diese Geschichten wollen allzu viele Menschen hören.

Hunter Stuart (Foto: Damon Dahlen/HuffPost)

Es wird nicht wahrgenommen, dass es so etwas wie Pressefreiheit weder in Gaza noch sonst wo in der arabischen Welt gibt. Der Versuch, aus Gaza zu berichten war ein absurdes und gefährliches Unterfangen. Innerhalb einer einzigen Woche bekam ich in Gaza bei zwei verschiedenen Gelegenheiten Ärger mit der Hamas, weil ich ihre strikten Regeln für die Presse nicht beachtet hatte.

Bei der ersten Gelegenheit befand ich mich mit meinem Begleiter (Fixer) auf der Strandpromenade von Gaza – Stadt und befragte die Passanten zu den bevorstehenden Wahlen (die später abgesagt wurden, was nicht wirklich erstaunt, denn die meisten arabischen Herrscher hassen die Demokratie). Nach etwa 15 Minuten erschien ein junger Kerl in T-Shirt und Cargo Hose vor uns und hatte ein, sich unschön anhörendes, Gespräch auf arabisch mit meinem Begleiter, der mir hinterher erzählte, dass wir augenblicklich zu verschwinden hätten. Der Kerl war Geheimdienstoffizier der Hamas und die hatten etwas dagegen, dass wir den Menschen politische Fragen stellten.

Beim zweiten Mal fotografierte ich mit meiner Begleiterin (Fixer) zerstörte Gebäude in Shujaya, als zwei Hamassoldaten, keiner von ihnen war auch nur einen Tag älter als 25, unser Auto regelrecht überrannten, unsere ID-Karten schnappten, die Kamera konfiszierten und uns in eine Militärbaracke verbrachten, wo wir von einer Gruppe Hamasvertretern intensiv darüber befragt wurden, weshalb wir fotografierten. Sie schauten sich jedes einzelne Foto in meiner Kamera an, bevor sie uns wieder gehen ließen. Meine Begleiterin zittere danach wie Espenlaub. Ich konnte sie gut verstehen: Allzu oft verhaftet, schlägt, ja foltert die Hamas Journalisten, wenn diese etwas sagen, was die Hamas in einem schlechten Licht erscheinen lässt.

Während meiner Zeit in Israel stellte ich fest, dass sich viele Berichterstatter anscheinend selber als Fürsprecher sehen. Sie sprachen über Journalismus als einen Weg, den Unterdrückten eine Stimme zu geben; und für allzu viele von ihnen sind die Palästinenser die Unterdrückten. Guter Journalismus darf natürlich keine Partei ergreifen. Er erzählt die Wahrheit – ungeachtet dessen, wer darin gut oder schlecht wegkommt. Denn die Wahrheit hat keine Gefühle.

In Anbetracht dessen ist es natürlich nicht überraschend dass die Reporter in Israel und den palästinensischen Gebieten dazu tendieren sich mit den Mitarbeitern der verschiedenen Menschenrechtsorganisationen zu verbinden. Diese bewegen sich in den gleichen sozialen Gruppen, man geht zusammen essen oder trinken. Vielleicht ist das der Grund, warum beinahe so gut wie jeder Artikel über Israel im Internet Verweise auf die Vereinten Nationen, Amnesty International, Humans Rights Watch oder andere ähnliche NGOs aufweist. Als Reporter ist es einfach, diese Gruppen zu zitieren, denn sie haben alle Informationen, die man braucht, frei zugänglich und gut verständlich.

Ich habe die größte Hochachtung vor der Arbeit dieser NGOs. Doch es ist ein Problem, dass sie in ihrer Arbeit oft Vorurteile gegenüber Israel haben. Allzu oft geben sie Israel die Schuld am Leid der Palästinenser anstatt über die Herzlosigkeit und Korruptheit der palästinensischen Führungsriege zu sprechen, die tatsächlich den größten Teil am Leid ihres Volkes tragen. Jede dieser Gruppen hat seine eigene Agenda, aber seitdem sich die öffentlich bekannten Personen dazu äußern, seitdem sie sich als Fürsprecher der Unterdrückten aufführen, glauben ihnen die meisten Liberalen und den Vereinigten Staaten und Europa jedes Wort.

Meine eineinhalbjährige Arbeit als Reporter in Israel hat meinen Glauben an den Journalismus nicht zerstört. Aber es hat meine Skepsis genährt, damit die Welt verbessern zu können. Ich bin nach acht Jahren Arbeit für Nachrichtenagenturen zunehmend darüber alarmiert, wie parteiisch sie geworden sind. Die Herausgeber zielen vor allem auf die Millenials in den sozialen Medien, die vor allem ihre eigene Meinung bestätigt bekommen wollen statt einen ausgewogenen und objektiven Artikel. Dieses Publikum will seine Vorurteile nicht widerlegt bekommen.

Wenn die Medien nur dazu existieren, das zu belegen, was wir zu wissen glauben, dann wird die Gesellschaft noch tiefer gespalten und es wird mehr und mehr Konflikte in der Welt geben.

Hunter Stuart ist Journalist und Schreiber mit mehr als acht Jahren professioneller Erfahrung. Derzeit arbeitet er als Mitherausgeber bei „Dose Media“ in Chaicago. Er war von 2010 – 2015 angestellter Reporter und Schriftleiter bei „The Huffington Post“ ist New York. Erst kürzlich verbrachte er 1,5 Jahre als freier Reporter im Nahen Osten, von wo er für Vice, The Jerusalem Post, Al Jazeera English, International Business Times und andere berichtete. Seine Berichte erschienen auch bei CNN, Pacific Standard, Daily Mail, Yahoo News, Slate, Talking Points Memo und The Atlantic Wire.