Archive for the ‘Palästinenser’ category

BDS Valencia verdoppelt den Einsatz bei Matisyahu-Heuchelei

25. August 2015

Alex Margolin, HonestReporting, 20. August 2015

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Die BDS-Kampagne gegen den Reggaesänger Matisyahu zeigt lebhaft, dass das, was mit einem Israelboykott beginnt, stets mit einer Kampagne gegen Juden endet.

Doch statt dass sie sich auf würdige Weise zurückziehen, wie es das Rototom-Sunsplash-Reggaefestival mit der Rückgängigmachung seiner Absage von Matisyahus Auftritt tat, macht die BDS País Valencià unbeirrt weiter und liefert ein stutzig machendes Statement voller Schuldzuweisungen und oberflächlicher Rechtfertigungen ab.

Die größte Verwunderung auf der Liste der einzelnen Punkte verursacht Nr. 6:

Während die Medien diese Kampagne als Teil der weltweiten BDS-Bewegung dargestellt haben, möchten wir klarstellen, dass unsere Bemühungen außerhalb der Zuständigkeit des kulturellen Boykotts Israels gemäß der Richtlinien der Palestinian Campaign for the Academic and Cultural Boycott of Israel (PACBI) liegen. BDS fordert Boykotte gegen israelische Institutionen, die sich an Israels Verletzungen des internationalen Rechts beteiligen, nicht gegen Individuen. Anders als bei der Kulturboykottbewegung gegen das Südafrika der Apartheidzeit fordert die von den Palästinensern angeführte BDS-Bewegung keinen Boykott einzelner Künstler, Akademiker usw. [Fettdruck wie im Original]

Also wartet mal… laut diesem Text ist die Auffassung, dass es sich hierbei um eine BDS-Kampagne handelt, ein reines Produkt der Medien? Werden die Leute nicht annehmen, dass es sich hier um BDS handelt, weil es von einer Gruppe mit BDS im Namen betrieben wird und einen Künstler mit augenscheinlichen Sympathien für Israel boykottieren soll?

Aber das ist noch nicht einmal der verwirrendste Teil des Statements. Mit einer gehörigen Portion Brezel-Logik behauptet das Statement, diese Aktion sei keine BDS-Kampagne gewesen (bzw. sie geht nicht mit BDS-Standards konform, wenn es so etwas überhaupt gibt), da die BDS-Richtlinien vor genau solchen Aktionen warnen.

Aber das ergibt überhaupt keinen Sinn. Da ist eine BDS-Gruppe, und sie betreibt eine Boykott-Kampagne — welchen Unterschied macht es, was da auf der BDS-Website steht? Wenn diese Worte nicht die Taten der Menschen vor Ort bestimmen, bedeuten sie dann überhaupt etwas? In der wirklichen Welt offenbaren Taten, nicht Worte, die wahren Absichten.

Natürlich ist das nicht der einzige Fall, wo eine Einzelperson boykottiert wurde. Nur wenige Tage bevor Matisyahus Festivalabsage in die Nachrichten kam, wurde ein israelischer Filmemacher von einem Filmfestival in Oslo boykottiert. Und BDS Valencia steht mit der Ansicht nicht allein da, dass Matisyahu ein legitimes Ziel ist.

Und das ist die unvermeidliche zweite Lektion dieser ganzen Sache — was mit einem Boykott gegen israelische Institutionen beginnt, endet mit dem Anzielen von Individuen. Und ihr könnt euch darauf verlassen, dass BDS die Rolle der Gedankenpolizei spielen wird, wo nur eine einzige Ansicht akzeptabel ist.

BDS könnte es bereuen, Matisyahu von einem Festival ausgeladen zu haben

23. August 2015

Alex Margolin, HonestReporting, 19. August 2015

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Update: Das Rototom-Sunsplash-Reggaefestival hat seine Entscheidung, Matisyahus Auftritt abzusagen, widerrufen. Man entschuldigte sich beim Künstler und veröffentlichte ein Statement, in dem man Diskriminierung und Antisemitismus verurteilte.

 

Wenn es je einen Fall gab, der das wahre Gesicht von BDS offenbarte, dann die Saga des jüdischen Reggaemusikers Matisyahu und seiner Ausladung von einem Musikfestival in Spanien.

BDS hat sich als Hassgruppe offenbart, die wegen ihrer politischen Ansichten Juden angreift. Und die BDS-Mitglieder üben Druck aus, um Andersdenkende zum Schweigen zu bringen.

Nicht damit zufrieden, Künstler aus Israel anzugreifen, sind die Mobber von BDS dazu übergegangen, Künstler anzugreifen, die Israel unterstützen — so wie den Amerikaner Matisyahu.

Die BDS-Mobber übten Druck auf das Festival aus und forderten, Matisyahu solle ein Statement veröffentlichen, in welchem er seine Unterstützung eines Palästinenserstaats zum Ausdruck bringt, eine Bedingung, die keinem anderen Künstler dieses Festivals aufgebürdet wurde. Die BDS sonderte ihn laut Reuters als “Israelliebhaber” heraus.

Und die BDS war mit dieser Diskriminierung nicht allein. Der Rolling Stone schreibt: “Andere Künstler drohten, nicht auf dem Rototom-Sunsplash-Reggaefestival aufzutreten, da sie ihn als jüdischen Amerikaner so betrachteten, als ‘repräsentiere er Israel’.”

Als amerikanischer Jude wurde er so betrachtet, als repräsentiere er Israel.

In einem Facebookstatement sagte Matisyahu, seine Musik sei nicht politisch. Und er nahm es dem Festival übel, dass er ausgesondert wurde. “Ehrlich, es war haarsträubend und beleidigend, dass sie mich als den einzigen öffentlichen jüdisch-amerikanischen Künstler auf diesem Festival zu politischen Aussagen zu zwingen versuchten.”

Wäre er Israeli, so wäre es schon schlimm genug, wenn er wegen seiner nationalen Herkunft diskriminiert würde, was die BDS offen betreibt. Aber ihn anzugreifen, weil er ein Jude ist und den jüdischen Staat unterstützt, ist lupenreiner Antisemitismus. Ihn dann noch zwingen zu wollen, gegen seinen Willen eine politische Erklärung abzugeben, ist dann nochmal ein ganz neuer Schritt.

Und vielleicht ein Schritt zu weit.

Die spanische Regierung veröffentlichte ein Statement, in dem sie die Vorgehensweise des Festivals verurteilte. “Das Erzwingen einer öffentlichen Erklärung (von Matisyahu) stellt das Prinzip der Nichtdiskriminierung in Frage, auf welchem alle pluralistischen und vielfältigen Gesellschaften fußen”, so das spanische Außenministerium.

Die Presseberichterstattung, von welcher BDS für die Verbreitung ihres Hasses abhängt, mag jedoch noch verurteilender gewesen sein. Auch die spanische Zeitung El Pais verurteilte das Festival in einem Editorial mit dem Titel “Inakzeptable Diskriminierung“, wobei erwähnt wird: “Er ist der einzige Musiker, … von dem ein solches Statement eingefordert wurde, und was die Sache noch schlimmer macht: Es wurde von ihm gefordert, schlichtweg weil er Jude ist.”

Das Blatt schloss mit der Aussage, ein derartiges Verhalten habe keinen Platz im modernen Spanien:

Antisemitismus und Diskriminierung aufgrund von Ideologie darf nicht toleriert werden und muss bekämpft werden. Kritik an Israels Politik und die Verteidigung der Palästinenser darf nicht als Deckmantel für die systematische Verfolgung Andersdenkender benutzt werden oder auch für die Verfolgung von Menschen, einfach weil sie Juden sind. Spaniens Politiker müssen das Wort gegen diesen Skandal ergreifen, der die Verpflichtung dieses Landes gegenüber Rede- und Gedankenfreiheit in Frage stellt.

Auch der Daily Beast meldete sich vehement zu Wort:

Es fällt schwer, hier nicht nur einen Hauch von Antisemitismus zu wittern, der der Entscheidung entströmt, den Rapper auszuladen. Diese Aktion unterläuft auch Rototoms Aussage, ein “Ort des Zusammentreffens, des Mitteilens und des interkulturellen Verständnisses” zu sein, wie seiner Website zu entnehmen ist.

Jüdische Künstler zu stigmatisieren und zu restringieren, weil sie Liebe zu Israel bekunden, scheint ungerecht. Sie für die Politik Israels zur Verantwortung zu ziehen, ist absurd und statuiert ein schädliches Exempel.

Zwar ist das Festival das Hauptziel der Verurteilungen (und es hat seine Entscheidung mittlerweile zurückgezogen und den Künstler neu eingeladen), aber die BDS-Bewegung erklärt sich verantwortlich für diesen “Sieg” und nennt ihn einen “Ausruf der Solidarität der Völker.”

Es ist ein Sieg, den sie vielleicht schon bald bereuen. Der wahre Ausruf der Solidarität gilt eindeutig Matisyahu, der bereits die Unterstützung seiner Fans weltweit genießt. Und dieses Publikum wird angesichts der wohlwollenden Berichterstattung, die er aktuell weltweit erhält, noch anwachsen.

Die Story hebt auch die großen Unterschiede zwischen dem hervor, was die BDS sagt, und dem, was sie wirklich in der Welt macht. Das Wall Street Journal drückt es gut aus: “Erinnern Sie sich an den Matisyahu-Zwischenfall, wenn Vertreter der antiisraelischen Boykott-, Deinvestitions- und Sanktions-Bewegung [BDS] nächstes Mal darauf bestehen, sie würden die Rechte der Palästinenser fördern und nicht antijüdischen Fanatismus.”

Und wenn die Leute zu vergessen beginnen, erinnert sie einfach daran.

Bild: CC BY-NC César Astudillo via flickr mit Beifügungen von HonestReporting

Palästinensischer Messerangriff löst irrige Schlagzeilen aus

20. August 2015

Simon Plosker, HonestReporting, 18. August 2015

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Im dritten Vorfall dieser Art in dieser Woche wurde ein palästinensischer Terrorist erschossen, nachdem er am Montag einen Grenzpolizisten am Tapuach-Übergang im Westjordanland erstechen wollte. YNet News schreibt:

Die Polizei sagte, der 25jährige Angreifer Mohammed Amsha aus einem Dorf in der Nähe von Jenin kam zum Tapuach-Übergang und sagte den dort stationierten Grenzsoldaten, er fühle sich unwohl.

Die Soldaten wiesen ihn an, näherzukommen, damit sie ihm helfen konnten, aber sobald er bis auf kurze Entfernung herangekommen war, zog er ein Messer und griff einen der Soldaten an, um ihn zu erstechen.

Der Soldat wurde nur leicht verletzt und konnte den Angreifer erfolgreich zurückdrängen, während ihn ein anderer Grenzpolizist erschoss und neutralisierte.

Die New York Times berichtete hierüber mit folgender Schlagzeile:

Palästinenser bei Konfrontation mit israelischer Polizei erschossen

Palästinenser bei Konfrontation mit israelischer Polizei erschossen

Trotz der Tatsache, dass der Vorfall klar durch einen Akt palästinensischer Gewalt ausgelöst wurde, spricht die Schlagzeile von einer “Konfrontation”, was der israelischen Polizei die gleiche Verantwortlichkeit zuschreibt. Die Schlagzeile verschweigt, dass der Palästinenser als Resultat seines Messerangriffs auf einen Polizisten erschossen wurde, und damit ist das eine klare Voreingenommenheit auf Seiten der New York Times.

Hier die Schlagzeile der Irish Times über denselben Vorfall:

Palästinenser an Westjordanland-Checkpoint erschossen Israelische Armee sagt, Mann sei mit den Worten, er fühle sich unwohl, auf Gruppe von Soldaten zugegangen

Palästinenser an Westjordanland-Checkpoint erschossen
Israelische Armee sagt, Mann sei mit den Worten, er fühle sich unwohl, auf Gruppe von Soldaten zugegangen

Schlagzeile und Unterüberschrift entnimmt der flüchtige Leser, ein sich unwohl fühlender Palästinenser habe sich einer Gruppe Soldaten genähert, und sie hätten ihn ohne ersichtlichen Grund einfach erschossen.

Also warum passt die Schlagzeile nicht auf die Wirklichkeit, die im ersten Absatz des Artikels erklärt wird?

Ein Palästinenser wurde von israelischen Polizisten erschossen, nachdem er einen von ihnen an einem militärischen Checkpoint im besetzten Westjordanland mit einem Messer angegriffen und leicht verletzt hatte, wie eine Sprecherin der Polizei mitteilte.

Unterm Strich — der Palästinenser griff einen Soldaten an und stach auf ihn ein, ein unbestreitbar wesentliches Stück Zusammenhang, das in beiden Schlagzeilen (New York Times und Irish Times) einfach fehlt.

Die PLO lügt noch immer über Arafats Vermächtnis

8. August 2015

Pesach Benson, HonestReporting, 5. August 2015

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Jassir Arafat hätte vor kurzem seinen 86. Geburtstag gefeiert, und die PLO markierte diesen Tag mit einem Tweet, der den verblichenen Palästinenserführer im Grab rotieren lassen muss.

Dabei geht es nicht nur über die Darstellung von Arafats Vermächtnis als heldenhaftem Freiheitskämpfer statt eines blutrünstigen Terroristen (dazu komme ich später noch).

Als Gründervater des palästinensischen Nationalismus steht bei der PLO viel auf dem Spiel, wenn es ums Arafat-Narrativ geht.

Um das klarzustellen: Arafat wurde in Kairo geboren. Aber selbst feurigen Verschwörungstheoretikern, die Obamas Geburtsort in Frage stellen, fällt die Kinnlade herunter, wenn sie lesen:

Präsident Jassir Arafat wurde am 4. August geboren (Jerusalem 1929 – Paris 2004). “Ich bin ein Rebell, und meine Sache ist die Freiheit.”

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Wie wurde er also Jerusalem zugeschrieben?

Die Antwort beginnt mit einem rumänischen Geheimdienstbeamten zur Zeit der Kommunisten, Ion Mihai Pacepa. Bei einem Schuldeingeständnis im Wall Street Journal erklärte er, die Verbindung von Arafat und Jerusalem sei ein Resultat absichtlicher sowjetischer Falschinformationen gewesen.

Der KGB-Vorsitzende Juri Andropow machte sich mir gegenüber im Februar 1972 über die Leichtgläubigkeit der Yankees lustig, was prominente Persönlichkeiten betrifft. Wir hatten die stalinistischen Personenkulte hinter uns gelassen, aber diese verrückten Amerikaner waren noch immer naiv genug, nationale Führer zu verehren. Und Arafat bauten wir zu genau so einer Symbolfigur auf — Schritt für Schritt führten wir die PLO näher an die Macht und an einen Staat. Andropow glaubte, die vietnammüden Amerikaner würden in ihrer Hoffnung auf Frieden auch auf das kleinste Zeichen einer Versöhnung anspringen, und Arafat würde vom Terroristen zum Staatsmann werden.

Unmittelbar nach diesem Treffen erhielt ich die “Personalakte” des KGB über Arafat. Er war ein ägyptischer Bourgeois, der vom KGB-Auslandsgeheimdienst zu einem ergebenen Marxisten gemacht wurde. Der KGB hatte ihn an seiner Schule für Spezialoperationen in Balaschicha östlich von Moskau geschult, und Mitte der 1960er entschied man, ihn zum zukünftigen Führer der PLO aufzubauen. Erst vernichtete der KGB die offiziellen Aufzeichnungen von Arafats Geburt in Kairo, dann ersetzte er sie durch fiktive Dokumente, die sagten, er sei in Jerusalem geboren worden und sei daher ein gebürtiger Palästinenser.

Was die Beschreibung als “Freiheitskämpfer der PLO” betrifft, so ist das ein altbekanntes Spiel. Über Jahre hinweg haben Palästinenser und ihre Apologeten Arafat mit Führern der Amerikanischen Revolution verglichen, z. B. mit George Washington und Thomas Paine, oder was die jüngere Geschichte betrifft auch mit Nelson Mandela. (Marwan Barghouti, der Führer der mit der Fatah verflochtenen Al-Aqsa-Märtyrerbrigaden, der für fünf Morde für schuldig befunden wurde, hat den Mantel des “palästinensischen Mandela” geerbt.)

Es gibt keine Parallelen zwischen Arafat und Washington oder Mandela. Es gibt keine historischen Beweise, dass Washington absichtlich Zivilisten angriff, die England treu ergeben waren. Timothy Noah schrieb 2002 im Slate:

Im amerikanischen Freiheitskampf war ein Radikaler jemand, der Tee in den Bostoner Hafen auskippte. Im palästinensischen Freiheitskampf ist ein Radikaler jemand, der sich eine Bombe umschnallt und israelische Kinder in die Luft jagt.

Arafat war der Großvater des modernen Terror. Seine Anhänger perfektionierten die Praxis der Entführung von Flugzeugen. Seine Frau Suha bestätigte, dass die blutrünstige zweite Intifada von ihrem nobelpreistragenden Ehemann vorab geplant worden war. Und er fand stets Wege, sich von den durch ihn finanzierten, autorisierten oder einfach nur geduldeten Terroranschlägen nach außen hin distanziert zu geben.

Jassir Arafats Vermächtnis kann man in neun Buchstaben zusammenfassen: Terrorist.

Bild: Public-Domain-Bilder von Jassir Arafat und Emanuel Gottlieb Leutzes Gemälde “Washington überquert den Delaware” via Wikimedia Commons, vermischt durch HonestReporting

Terror erkennen — Wenn die Tatverdächtigen Juden sind

4. August 2015

Pesach Benson, HonestReporting, 3. August 2015

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Die großen Medien beäugen Israels Maßnahmen im Kampf gegen jüdischen Extremismus und die Anstrengungen, die für den Brandbombenanschlag auf die Wohnung der Familie Dawabsha verantwortlichen Terroristen zu finden. Der 18 Monate alte Ali Dawabsha kam in den Flammen um; seine Eltern und sein vierjähriger Bruder kämpfen um ihr Leben.

Bei einem anderen Vorfall einen Tag zuvor wurde auf sechs Menschen eingestochen, die in Jerusalems LGBTI-Parade mitmarschierten. Eines der Opfer, Shira Banks, erlag gestern ihren Wunden. Dramatische Fotos zeigen den Israeli Yishai Shlissel, wie er mit dem Messer gegen eine Menschenmenge stößt, bevor er von der Polizei überwältigt wird.

Bei dem Brandanschlag gibt es noch keine Verdächtigen, aber die zeitliche Abfolge der beiden Vorfälle hat eine innerisraelische Selbstprüfung ausgelöst. Ein Teil der Debatten in Israel dreht sich um den Gebrauch des Wortes “Terror”. Wie David Graham in den Seiten des Atlantic erklärt, gibt es rechtliche und finanzielle Verästelungen, wenn ein Angriff als “Terror” bezeichnet wird.

Leider scheuten sich die Mainstreammedien, Wörter wie Terror oder Terroristen zu benutzen, wenn es um palästinensische Selbstmordattentate, Schüsse aus vorbeifahrenden Fahrzeugen, Messermorde, Brandanschläge usw. ging und Israelis die Opfer waren. Der Umgang mit dem T-Wort wurde nach dem Anschlag auf das World Trade Center von Stephen Jukes, damals der Weltnachrichten-Redakteur von Reuters, in einem internen Memo zusammengefasst.

Wir alle wissen, der Terrorist des einen ist der Freiheitskämpfer des anderen, und Reuters hält sich an das Prinzip, dass wir das Wort Terrorist nicht gebrauchen.

Daher haben Zeitungen Wörter wie “Militante” oder “Aktivisten” benutzt. Oder in seltenen Fällen, wo Terror in der Schlagzeile genannt wird, steht das Wort in Anführungszeichen — als wollten die Autoren klarstellen, dass sie bei diesem Wort die Nase rümpfen oder dem Anschlag eine gewisse Skepsis entgegenbringen.

HonestReporting hat sich jahrelang dafür eingesetzt, dass die Mainstreammedien den Terror beim Namen nennen.

Die meisten westlichen Zeitungen haben für die Dawabsha-Brandbombenattacke nicht das Wort Terror benutzt.

Einerseits ist es moralisch falsch, den Angriff auf das Heim der Dawabshas nicht als Terror zu bezeichnen. Andererseits jedoch blieb der behutsame Umgang der Journalisten mit dem Wort durchgehend konsistent. Nehmen wir zum Beispiel die folgende Schlagzeile der Washington Post, die das Wort Terror in Anführungszeichen setzt:

Israelische Führer beabsichtigen harsche neue Maßnahmen im Kampf gegen 'jüdischen Terrorismus'

Israelische Führer beabsichtigen harsche neue Maßnahmen im Kampf gegen ‘jüdischen Terrorismus’

Interessanterweise war nicht nur das T-Wort in Anführungszeichen, sondern “jüdischer Terrorismus”. Vielleicht ist die Post noch nicht bereit anzunehmen, dass die Täter Juden waren?

Ganz anders der Guardian, der endlich entdeckt hat, dass Terror auch ohne Anführungszeichen existieren kann.

Aber irgendwo muss ich den Herausgebern des Blattes auch zu ihrem Mut gratulieren.

Israel wird jüdische Terrorverdächtige ohne Gerichtsverhandlung festnehmen

Israel wird jüdische Terrorverdächtige ohne Gerichtsverhandlung festnehmen

Dieser Mut ist erwähnenswert, da er die Richtlinien des Guardian bezüglich des Wortes Terror zu verletzten scheint. Diese Richtlinien klingen ganz ähnlich wie die von Jukes:

Trotzdem müssen wir mit diesem Begriff sehr vorsichtig sein: Er ist noch immer ein subjektives Urteil — der Terrorist des einen mag der Freiheitskämpfer des anderen sein, und es gibt ehemalige “Terroristen”, die in vielen Teilen der Welt nun in Amt und Würden stehen.

Ich möchte glauben, dass ein neues Zeitalter für das Blatt angebrochen ist. Aber ich würde nicht darauf wetten.

Mir fallen keine palästinensischen Terroranschläge auf, die der Guardian je als Terror bezeichnet hätte. Ali Dawabsha war ein Opfer von Terror, aber ich würde gerne sehen, wie das Blatt erklärt, warum Israelis wie Danny Gonen keine Opfer von Terror sind — um nur ein einziges Beispiel zu nennen.

Der Guardian wird palästinensische Gewalttaten ebensowenig “Terror” nennen, wie ich die Leute, die für Ali Dawabshas Tod verantwortlich sind, “Freiheitskämpfer” nennen würde.

Bild: CC BY southtyrolean/flickr und flickr/Ryan Brunsvold mit Modifikationen von HonestReporting

BBC Panorama entgleist

26. Juli 2015

Simon Plosker, HonestReporting, 22. Juli 2015

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Hätte Israel entschieden, Jerusalems Straßenbahn solle die palästinensischen Bürger diskriminieren, indem sie ihre Stadtviertel vermeidet, so hätten die BBC und viele andere sofort die Schwerter ausgepackt. In Wirklichkeit bedient die Straßenbahn alle Einwohner Jerusalems, egal ob Juden, Christen oder Moslems.

Aber das hat die BBC nicht davon abgehalten, die Straßenbahn als Mittel zu missbrauchen, um die Palästinenser Jerusalems als die Opfer eines finsteren Plans darzustellen, die Stadt auf ihre Kosten zu “judaisieren”. Das Thema der BBC hierzu? Der Ausbau von Jerusalems Transportnetzwerk.

BBC Panorama, das wichtigste Format des Senders zum Thema Zeitgeschehen, strahlte am 20. Juli den Beitrag “The Train That Divides Jerusalem” aus. Es ist ein voreingenommener und einseitiger Blick auf Jerusalem.

Hier der YouTube-Link (allerdings ist er in diesem Fall wohl nur innerhalb Großbritanniens erreichbar)

‘ALS JUDE’ SPRECHEND

Der Filmemacher Adam Wishart stellt zu Beginn des Beitrags deutlich klar, dass er ein britischer Jude ist, der vor ca. 30 Jahren an einer zionistischen Lehrreise durch Israel teilgenommen hat, so als ob ihm seine Identität irgendeine spezielle Autorität über die Thematik des Beitrags verleihen würde. Im Beitrag selbst wird dann deutlich, dass Wishart weder für die britischen Juden spricht noch irgendwelche besonderen Kenntnisse über Jerusalem besitzt.

Das Eröffnungssegment vermittelt einen guten Eindruck darüber, worauf Wishart abzielt. Vermischt mit Filmclips palästinensischer Beschwerdeführer trägt er vor:

Jerusalem, eine alte Stadt mit nagelneuer Straßenbahn. Sie hätte dabei helfen sollen, die Stadt zu einen, aber sie führt zu weiterer Spaltung … Jetzt ist es für Juden leichter, in palästinensische Vorstädte zu fahren … Aber die Palästinenser hätten lieber, dass sie fortbleiben.

Dies zeichnet den Rahmen, durch welchen Wishart Jerusalem betrachtet — eine Stadt, die entlang ethnischer Linien getrennt sein sollte. Wenn es ihn so beschäftigt, dass Juden mit der Straßenbahn leichter in “palästinensische Vorstädte” kommen, hat er dann auch die Tatsache erwogen, dass die Straßenbahn es umgekehrt auch palästinensischen Bewohnern Jerusalems erleichtert, zu Krankenhäusern, Einkaufszentren, Cafés, Kinos usw. zu gelangen?

AL-AQSA BEDROHT?

Schon bald wird klar, dass die Straßenbahn Wisharts Werkzeug ist, um gründlich auf dem Thema “geteilte Stadt” herumzureiten. Aber das ist keine Trennung von Gleichen. In Wisharts Augen sind Palästinenser die Opfer von israelischen Juden. Als werden die muslimischen heiligen Stätten auf dem Tempelberg von einigen Juden bedroht, “die den Tempel auf dem Berg, den sie Tempelberg nennen, komplett neu errichten wollen, obwohl dort schon muslimische heilige Bauwerke stehen.”

Wishart interviewt Rivka Shimon, die eindeutig diese Haltung vertritt. Was er jedoch verschweigt: Shimon ist eine prominente Aktivistin des Women’s Forum for the Temple, einer von diversen kleinen jüdisch-nationalistischen Organisationen, die sich mit dem Status des Tempelbergs beschäftigen.

Diese Gruppen werden nicht nur als extremistisch betrachtet, sondern Wishart verschweigt ebenfalls, dass das wahre Thema, das in letzter Zeit diskutiert wurde, nicht der Neubau des Tempels ist, sondern der Zugang von Juden zum Tempelberg und ihr dortiges Gebetsrecht. Wie bei BBC-Berichten über Israel üblich, wurden auch hier wichtige Zusammenhänge einfach weggelassen. Muslimische heilige Stätten werden von Juden nicht bedroht, aber Wishart erwähnt erst kurz am Ende dieses Segments, dass es die explizite Politik der israelischen Regierung ist, dass Juden am Tempelberg nicht beten dürfen.

Als Wishart erzählt, wie Besucher der Tempel-Bewegung im November 2014 von Palästinensern auf dem Tempelberg angegriffen worden waren, sagt er:

Die Polizei betrat deshalb die Al-Aqsa-Moschee. Das mochten nur wenige Meter gewesen sein, aber für viele Muslime war dies das Überschreiten einer heiligen Linie.

Wishart schenkt dem Mythos Glauben, Israel habe die Moschee während des Palästinenseraufstands entweiht. Wer entweihte denn wirklich eine heilige Stätte? Wie HonestReporting anhand einiger akkurater Medienberichte damals schrieb, schossen die palästinensischen Aufständischen Feuerwerk aus dem Inneren der Moschee auf die Polizei, während sie sich hinter Möbeln verbarrikadiert hatten. Beim Versuch, die Türen der Moschee zu schließen, waren die Polizisten gezwungen, ein paar Schritte ins Gebäude hineinzugehen.

Aber warum sollten die Zusammenhänge die BBC kümmern, wenn sie Israelis als Aggressoren hinstellen kann — oder in diesem Fall als Schänder von muslimischen heiligen Stätten?

Später sagt Wishart:

Als ich vor 31 Jahren hier war, waren selbst meine heißblütigsten zionistischen Freunde nicht darauf aus, schnellstens an diesem Ort einen Tempel zu bauen. Jetzt nimmt die Idee Fahrt auf und erhält sogar Unterstützung vom Mainstream. Selbst ein Mitglied des neuen Regierungskabinetts unterstützt diese Idee. Mir kommt der Gedanke, dass dies sicherlich der letzte Widerstand der Palästinenser wäre, wenn einige Juden diese Idee noch weitertreiben.

Zwar existiert die Sehnsucht nach einem dritten Tempel, aber niemand “ist darauf aus, schnellstens an diesem Ort einen Tempel zu bauen”. Wishart hat eine sensationsheischende Hypothese aufgestellt, um das Bild von den extremistischen Israelis zu festigen.

Adam Wishart in der Jerusalemer Straßenbahn (Screenshot: BBC Panorama)

Adam Wishart in der Jerusalemer Straßenbahn (Screenshot: BBC Panorama)

EIN FIASKO DES KONTEXT

Der Mangel an Kontext erstreckt sich auch auf die Geschichte Jerusalems. Ohne Erwähnung, wie Israel die Herrschaft über ein wiedervereinigtes Jerusalem als Resultat des Sechstagskrieges erlangte, sagt Wishart einfach, Israel habe “1967 die Ostteile Jerusalems besetzt“. Er ergänzt: “Die hier lebenden Palästinenser bleiben wütend, dass sie sich unter israelischer Kontrolle befinden. Und die Straßenbahn fügt noch weiteres Leid hinzu.

Was Wishart seinen Zuschauern verschweigt, sind die Vorteile, die die palästinensischen Einwohner Jerusalems durch die israelische Souveränität haben, z. B. dieselbe nationale Versicherung und Gesundheitsversorgung, die alle Israelis genießen, und das Recht, in Israel zu leben und zu arbeiten. Diese Palästinenser haben auch die Möglichkeit, die israelische Staatsangehörigkeit anzunehmen. Und wo Wishart eine zwischen Juden und Arabern geteilte Stadt sieht, ist die Realität, dass Araber überall in der Stadt Wohnungen und Gebäude mieten oder kaufen können.

Für Wishart besteht jedoch eine Invasion von Juden in vorrangig arabische Bereiche, und das sieht er als problematisch. Nach dem Interview mit Rivka Shimon redet Wishart ausführlich mit Aryeh King, ebenfalls ein Vertreter von Ansichten, die nicht dem israelischen Mainstream entsprechen. Tatsächlich war King, ehemals ein Mitglied des Jerusalemer Stadtrats, im September 2014 von Bürgermeister Nir Barkat gefeuert worden, als er Barkats Plänen widerstanden hatte, Häuser für palästinensische Bewohner Ostjerusalems zu bauen.

Es mag im Fernsehen interessanter aussehen, wenn BBC und Co. Israelis interviewen, die politisch oder religiös extreme Ansichten vertreten, aber es ist nicht repräsentativ für den israelischen Mainstream.

EINE ‘ILLEGALE SIEDLUNG’

Wishart sagt:

Ich frage mich, was der Zweck der Straßenbahn ist. Bietet ihre Endstation einen Hinweis? Sie verläuft im Norden durch die palästinensischen Viertel und schlängelt sich um das Flüchtlingslager. Was so kontrovers ist, ist die Endstation: eine israelische Siedlung — 1.000 Morgen Land, von Israel genommen, um eine schöne Vorstadt zu bauen. Wie alle Siedlungen in besetztem Gebiet betrachtet die internationale Gemeinschaft sie als illegal.

Ganz offensichtlich wäre kein BBC-Kommentar über Israel komplett ohne eine Erwähnung der “illegalen Siedlungen”. Wo ist diese Siedlung, die Wishart so kontrovers findet? Es ist Pisgat Ze’ev, eine nördliche Vorstadt von Jerusalem, und zwar innerhalb der Stadtgrenzen.

Haaretz schrieb 2012:

Das Nordjerusalemer Viertel Pisgat Ze’ev wurde hauptsächlich auf Land erbaut, das jüdischen Holocaustopfern gehörte. Dies wurde kürzlich von der Company for Location and Restitution of Holocaust Victims’ Assets gemacht, die 2007 von der israelischen Regierung eingesetzt wurde, um Besitztümer von Holocaustopfern in Israel aufzuspüren und sie ihren rechtmäßigen Erben zuzuführen.

Das Land, heute achtstellige Schekel-Summen wert, wurde vor dem 2. Weltkrieg von europäischen Juden erworben — hauptsächlich aus Lettland und Estland, aber auch aus Rumänien und Belgien. Nur wenige überlebten den Krieg, und die meisten haben keine lebenden Erben.

Tatsächlich ziehen immer größere Zahlen von Arabern in die jüdischen Viertel Jerusalems wie z. B. Pisgat Ze’ev, das Wishart als Siedlung betrachtet. Aber Nuancierung war noch nie BBC-Politik, wenn es um jüdische Gemeinden jenseits der sogenannten Grünen Linie geht, da BBC-Journalisten nicht zwischen Jerusalemer Vierteln, etablierten Siedlungsblocks wie Gush Etzion und isolierten und manchmal illegal errichteten Außenposten tief in den umstrittenen Territorien unterscheiden. Für die BBC ist das alles dasselbe.

Wishart beendet seinen Beitrag mit einer letzten Botschaft an Israel, die er “als Jude” formuliert:

Meine Reise brach mir das Herz. Als sich meine Großeltern für den Staat Israel einsetzten, hofften sie auf einen Ort der Zuflucht, der Toleranz, der Gleichberechtigung für alle. Während ich den letzten Zug zurück nehme, kann ich nicht glauben, dass es sich hier um jenen Ort handelt, von dem sie vor so vielen Jahren träumten.

Und das beschließt Wisharts Reise — eine, wo die Enttäuschungen und Herzensbrüche nur gegen Israelis und Juden gemünzt sind, die er als die einzige Seite betrachtet, die irgendwelche Verantwortung für Ereignisse und Umstände trägt.

Wishart hat ein Bild von Jerusalem gezeichnet, das die Bewohner von Israels Hauptstadt schwierig mit ihrem Alltagsleben vereinbar finden werden, denn in ihrem Alltag gibt es keine ständige Anspannung und Gewalt. Dass er Jerusalems Straßenbahn als Symbol und Ursache der Spannungen bzw. Schwierigkeiten in Jerusalem sieht, beweist nur, wie weit Wishart und die BBC geistig entgleist sind.

Bild: CC BY-SA StateofIsrael via flickr mit Modifikationen von HonestReporting

Israels Existenz geht in der BBC-Übersetzung verloren

15. Juli 2015

Pesach Benson, HonestReporting, 9. Juli 2015

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Die BBC und ihre Übersetzer machen mich immer wieder sprachlos.

Die Doku namens “Children of the Gaza War” wurde kritisiert, weil Reporterin Lyse Doucet und die Übersetzer, welche die BBC nutzte, eine schlechte Ermessensentscheidung trafen. Immer wenn palästinensische Kinder das arabische Wort Yahud nutzen, also Jude, übersetzten sie es als “Israeli”.

Der Jewish Chronicle erläutert:

Die Chefauslandskorrespondentin der BBC sagte, die Übersetzer aus Gaza hätten ihr gesagt, die befragten palästinensischen Kinder meinten mit “die Juden” in Wirklichkeit Israelis.

Eines der Gaza-Kinder sagte, die “Yahud” würden Palästinenser massakrieren. Im Untertitel steht jedoch: “Israel massakriert uns.”

Die in Kanada geborene Frau Doucet sagte: “Wir sprachen mit den Menschen in Gaza, wir sprachen mit den Übersetzern. Wenn [die Kinder] ‘Juden’ sagen, meinen sie ‘Israelis’. Und wir hatten den Eindruck, das wäre die bessere Übersetzung.

Es war keine bessere Übersetzung. Auf Arabisch bedeutet Yahudi Jude (Plural ist Yahud). Yisraili bedeutet Israeli (Plural ist Yisraileen). Punkt.

Mehrere Probleme führten hierzu.

Lyce Doucet mit Gaza-Kindern

Lyce Doucet mit Gaza-Kindern

1. Die Gaza-Kinder

Ein befreundeter Palästinenser sagte mir, die Palästinenser bezeichnen Israelis normalerweise als Yahud. Es mag aus Feindseligkeit entstanden sein, fand seinen Weg aber in den Alltagsgebrauch. Auch sagte er mir, gebildetere Palästinenser würden manchmal die Unterscheidung machen und das Wort Yisraili benutzen. Dies bietet Einblick in die Denkweise der BBC, aber trotzdem ist Doucet noch nicht aus dem Schneider.

Die Kinder, mit denen Doucet gesprochen hat, kamen entweder zur Welt, nachdem sich Israel aus Gaza zurückgezogen hatte, oder sie waren zu jung, um irgendwelche Erinnerungen an “die Besatzung” zu haben. Sie sind mit einer rein palästinensischen Erziehung und mit palästinensischen Medien aufgewachsen, welche beide die Kinder indoktrinieren, die Existenz Israels zu leugnen.

Und wenn es Israel nicht gibt, dann auch keine Israelis.

Diese interne Logik bei den Palästinensern ist für Doucet eine unbequeme Tatsache. Eine Anerkenntnis dieser Leugnung wäre ein Akt mutigen, aufrechten Journalismus, selbst wenn dies das palästinensische Opfer-Narrativ entkräftet, das den Ton für praktisch die gesamte Nahost-Berichterstattung der BBC angibt.

Leider konnte sich Doucet nicht dazu durchringen.

Statt diese tiefgreifende Leugnung durch die Palästinenser zu thematisieren, traf Doucet eine Entscheidung, die a) alles übertüncht und b) dies jedoch so schlampig macht, dass die Yisraileen wie ich und die Yahud aus Großbritannien uns fühlen, als habe die BBC unsere Intelligenz beleidigt.

BBC-News2. Die Übersetzer

Die Übersetzer aus Gaza, die die BBC nutzte, sind Teil eines komplexeren Bildes.

Westliche Medien verlassen sich auf freiberufliche palästinensische (und israelische) Autoren, Fotografen und Kameraleute (die man “freie Mitarbeiter” nennt) sowie auf die Hilfe von sogenannten “Mittelsmännern“, die den Reportern helfen, Zugang zu erhalten, das fremde Land zu befahren, Schwierigkeiten zu vermeiden und so weiter.

Die freien Mitarbeiter kennen das Gebiet, und sie zu beschäftigen ist weniger teuer als wenn man ganze Reporterteams einfliegt. Außerdem wirft es kein schlechtes Bild auf die Medien, wenn sie den Menschen vor Ort Beschäftigungsmöglichkeiten bieten.

Das Problem entsteht, wenn das palästinensische Unterstützungsteam sein eigenes “Gepäck” zur Berichterstattung mitbringt. Bedenkt Folgendes:

  • Auslandskorrespondenten, die in Schwierigkeiten geraten, haben die Unterstützung ihrer Papiere, und in ernsten Fällen müssen sie nach Hause zurückfliegen. Dies gilt jedoch nicht für ihre palästinensischen Helfer, die unter dem Daumen der Hamas oder der Palästinenserbehörde leben, je nachdem. Dies würde erklären, warum die Selbstzensur bei palästinensischen Journalisten einer Studie aus dem Jahr 2014 zufolge so stark ausgeprägt ist.
  • Freie Mitarbeiter und Mittelsmänner wie Nidal Rafa haben unter Umständen ihre eigene politische Agenda oder sogar Verbindungen zu Terrororganisationen wie z. B. der BBC-Reporter Fayad Abu Shamala, der auch der Hamas angehört. Fares Akram (damals bei der New York Times, heute bei AP) erstaunte einst durch die Art und Weise, in welcher er seine Bewunderung Jassir Arafats zum Ausdruck brachte. Der Fotograf Fadi Arouri erfand Nachrichten zum Zwecke des Profits und der Ideologie.

Es überrascht also nicht sehr, dass die palästinensischen Übersetzer Doucet sagten, das Wort “Israeli” sei die geeignete Übersetzung für Yahud.

Und das bringt mich zu einer letzten Frage:

Nahmen sich Doucets Übersetzer noch andere Freiheiten heraus, von denen wir wissen sollten?

Bild: CC BY flickr/Steve Jurvetson, CC BY flickr/Surian Soosay, CC BY-NC-SA flickr/Lance Page/Truthout.org mit Modifikationen von HonestReporting


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