Archive for the ‘Palästinenser’ category

Die New York Times redet den UN-Menschenrechtsrat schön

3. Juli 2015

Yarden Frankl, HonestReporting, 28. Juni 2015

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Eine der Kritiken gegen den kürzlichen UNHRC-Bericht über den Gaza-Konflikt letzten Sommer ist, dass der UNHRC eine bewiesenermaßen voreingenommene und einseitige Bilanz gegen Israel aufweist. Die New York Times sagt:

Premierminister Benjamin Netanyahu nannte das Schriftstück “mängelbehaftet und einseitig” und sagte, der Menschenrechtsrat habe eine “einzigartige Besessenheit mit Israel”.

Aber dann fügt die Times folgende Anmerkung hinzu, um die Aussage des Premierministers zu unterminieren:

(In Wirklichkeit stehen dort auch Eritrea, Sri Lanka, Syrien und andere Länder auf der Agenda.)

Und das ist alles, was die New York Times ihren Lesern über Israel und den UNHRC verrät.

Hier ein Aspekt, den die New York Times als nicht wichtig erachtete, um ihn ihren Lesern gegenüber zu erwähnen (von UN Watch):

Genf, 25. Juni 2015 — In den neun Jahren seiner Existenz hat der UN-Menschenrechtsrat Israel öfter verurteilt als den gesamten Rest der Welt zusammengenommen…

Die Resolution in Folge des jüngsten Gaza-Berichts… wird ausschließlich Israel verurteilen und die 62. Resolution gegen Israel darstellen, seit der neue und verbesserte Rat im Jahr 2006 ins Leben gerufen wurde – und die Anzahl aller anderen verurteilenden UNHRC-Resolutionen für den Rest der Welt beträgt 55…

Und was ist mit den Ländern, die von der Times erwähnt wurden, um die “Ausgeglichenheit” der UN nachzuweisen?

Hier die Zahl der UNHRC-Verurteilungen gegen jene Länder:

Eritrea: 3
Sri Lanka: 3
Syrien: 15
Israel: 61

Die New York Times könnte sagen, dass sie sich nur auf die Länder bezogen hätte, die auf der UNHRC-Agenda diskutiert werden. In diesem Fall hätte sie vielleicht sagen sollen, dass Israel das einzige Land der Welt ist, das einen permanenten Punkt auf der Agenda darstellt. Jede UNHRC-Sitzung diskutiert über Israel. Jede. Kein anderes Land der Welt hat diese “Ehre”. Weder Eritrea noch Sri Lanka noch Syrien erfahren eine solche Behandlung.

Wie sieht es bei den “Dringlichkeitssitzungen” des UNHRC über spezifische Länder aus? Diese Information wäre für die Times-Leser bedeutsamer gewesen als dieser kurze Kommentar:

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Mehr als 200.000 Menschen wurden in Syrien getötet, aber der UNHRC hielt nur 4 Dringlichkeitssitzungen über Syrien ab, verglichen mit den 7 Sitzungen über Israel. Diese Fakten beweisen, dass der israelische Premierminister recht hat, wenn er sagt, der UNHRC sei von Israel “besessen”.

Die Irish Times: eine Vielzahl von Verzerrungen und Lügen in drei Teilen

16. Juni 2015

Simon Plosker, HonestReporting, 9. Juni 2015

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Die Irish Times hat eine Serie von drei Artikeln veröffentlicht, die anscheinend eine palästinensische Perspektive bei aktuellen Themen einnehmen. Voreingenommene und einseitige Berichterstattung ist bei der Irish Times die Norm.

Im ersten Artikel mit dem Titel “Palästinenser müssen Politik zur Beendigung des ‘Apartheid-Regimes’ einsetzen” führt Journalistin Michael Jansen ein Interview mit dem “israelischen Friedensaktivisten Jeff Halper“, der auch als “langjähriger Kritiker der israelischen Polizei” beschrieben wird.

Jansen verschweigt, dass Halper alles andere als ein “Friedensaktivist” ist. Tatsächlich geht Halpers Israelkritik viel weiter als nur über die Kritik an seiner Polizei. Halper ist ein radikaler antiisraelischer Aktivist und der Direktor des Israeli Committee Against House Demolitions (ICAHD).

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NGO Monitor schreibt dazu:

– Die Rhetorik von ICAHD umfasst auch Anschuldigungen von “ethnischer Säuberung“, “Völkermord“, “Kollektivbestrafung” und “Apartheid“.
– Aktiver Unterstützer der BDS-Kampagne gegen Israel (BDS = Boykott, Deinvestition und Sanktionen)
Spricht sich ausdrücklich für ein Ende des Staates Israel als Heimatnation des jüdischen Volkes aus und sagt: “Die einzige Option zur Lösung des Konflikts ist eine Einstaatenlösung.”

Halper sagte der Irish Times:

“Die israelische Armee ist überall. Teams, die sich als Palästinenser ausgeben, gehen willkürlich in palästinensische Dörfer und Städte und nehmen Palästinenser fest und erschießen sie.

In Halpers Vorstellungswelt erschießen israelische Soldaten einfach Palästinenser. Wie Halper gut bekannt ist, hat die IDF strenge Verhaltensregeln, und das Eröffnen von Feuer auf Palästinenser, ob sie nun bewaffnet sind oder nicht, wird nicht auf die leichte Schulter genommen.

Es ist jedoch nicht das erste Mal, dass Michael Jansen Halper eine Plattform zur Stimmungsmache gegen Israel zur Verfügung gestellt hat.

Jansen setzt ihre Story mit dem Interview des PA-Außenministers Nabil Shaath fort, der sich für Boykott, Deinvestitionen und Sanktionen (BDS) gegen Israel ausspricht und die palästinensische Kampagne als “Anti-Apartheid-Kampf” beschreibt. Es ist nur allzu leicht, unverifizierte Zahlen zu verbreiten, z. B. Shaaths Behauptung, Israel habe über 92% des Wassers im Westjordanland an sich genommen.

In Wirklichkeit, wie StandWithUs klarstellt, nutzt Israel heute dieselben wasserführenden Bodenschichten wie vor 1967, als seine Verwaltung des Westjordanlands begann. Das Wasser in diesen Schichten fließt von Natur aus in Richtung Meer, nach Israel hinein. Israelische Siedlungen sind an Israels nationales Wassersystem angeschlossen und nutzen nicht das Wassersystem der Palästinenserbehörde. Der palästinensische Wasserverbrauch stieg zwischen 1967 und 2008 um über 300% an.

Trotz der Wasserknappheit stimmte Israel beim Oslo-Abkommen zu, Palästinensern im Westjordanland jährlich 31 Mio. Kubikmeter seines eigenen Wassers zur Verfügung zu stellen, um ihre Wasservorräte zu ergänzen. Tatsächlich hat Israel jedes Jahr immer mehr gegeben. 2008 gab Israel 40% mehr als vereinbart: 51,8 Mio. Kubikmeter.

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Michael Jansen

Das Wasserthema wird auch in Jansens zweitem Artikel “Israelische Expansion zwingt Palästinenser in die antike Stadt Jericho” angesprochen:

Die Siedler verbrauchen 6,6 mal mehr Wasser als die Palästinenser, die jedoch acht- bis neunmal mehr sind. “Palästinenser dürfen keine neuen artesischen Brunnen graben”, sagt der Distriktgouverneur von Jericho, Majed Fityani. “Sie dürfen nur die 200 Brunnen nutzen, die schon bei der jordanischen Herrschaft vor 1967 vorhanden waren. Heute funktionieren noch 67 davon, und ihr Salzgehalt ist hoch. Die Talbewohner pflanzen Palmen wegen dem Salz; Gemüse [vorher eine Haupteinnahmequelle] ist auf einem Minimum.”

Unter Bezug auf eine Studie des Begin-Sadat Center for Strategic Studies sagt David Weinberg:

[Professor Haim Girtzman] zeigt auf, dass die gegenwärtige Einteilung der natürlichen Süßwasservorräte zwischen Israel und den Palästinensern gerecht ist. Israels Bevölkerung zählt 7,2 Millionen Menschen, fünfmal so viel wie die palästinensische Bevölkerung des Westjordanlands, die 1,4 Millionen zählt. Anteilsmäßig kontrolliert Israel 1.200 Mio. m³ des verfügbaren natürlichen Süßwassers, und die PA kontrolliert 220 Mio. m³. Pro Kopf sind das ca. 160 m³ Wasser pro Jahr sowohl in Israel als auch bei der Palästinenserbehörde.”

Was den Wasserverbrauch von Siedlern betrifft, so schickt Israel weit mehr Wasser für die Palästinenser ins Westjordanland, als was die Siedlergemeinden nutzen.

Zudem zeigt die Studie, dass die Palästinenser widerrechtlich über 250 nicht genehmigte Brunnen gegraben und damit ihre eigenen (sowie Israels) Wasservorräte verschmutzt haben. Überdies weigern sie sich, Kläranlagen zu bauen oder die existierende Wasser-Infrastruktur richtig handzuhaben.

Hier können Sie mehr darüber lesen, wie die Palästinenser das Wasser zum Einschlagen auf Israel nutzen.

Aber es sind nicht nur Sprecher der Palästinenser, die die Wahrheit verdrehen. Michael Jansen selbst erfindet Folgendes:

Israels 700 km lange graue Westjordanland-Mauer schlängelt sich durchs Westjordanland nahe an Jerusalem auf dem Gipfel der Bergkette.

Da Israels Sicherheitsbarriere zu über 90% aus Maschendrahtzaun besteht, ist Jansens Beschreibung einer durchgehenden Mauer schlicht falsch. Und nicht nur das, sondern der geplante Verlauf der Barriere wurde noch immer nicht fertiggestellt.

Das ist nicht die einzige Lüge im Artikel, der hinsichtlich der palästinensischen Wohnhäuser auch Folgendes behauptet:

In Jericho verlangt Israel hohe Gebühren für Baugenehmigungen, die Jahre brauchen, bis sie überstellt werden, und für die auch Rechtsanwaltsgebühren anfallen, und nach Fertigstellung des Baus werden hohe Steuern erhoben.

Israel ist tatsächlich verantwortlich für die Erteilung von Baugenehmigungen in Area C des Westjordanlands, welches sich vollständig unter israelischer Sicherheits- und Verwaltungskontrolle befindet. Jericho jedoch ist in Area A, welches unter voller Verwaltungskontrolle der Palästinenserbehörde steht. Israel erteilt schlichtweg keine Baugenehmigungen für palästinensische Wohnungen oder andere Strukturen in großen palästinensischen Städten in Area A wie z. B. Jericho.

Und wie verteidigt Jansen diese schamlose Lüge?

Israels Gesamtkonzept für die Jahre 2010 bis 2020 zielt darauf ab, ein Verhältnis von 60% jüdischen zu 40% palästinensischen Einwohnern Jerusalems zu garantieren, das 1967 von Israel annektiert wurde. Das angesprochene Verhältnis wird über Deportationen nach Jericho, in andere Städte im Westjordanland sowie ins Ausland erreicht.

Das Gesamtkonzept 2010-2020 ist nichts Finsteres, wie Jansen behauptet. Es behandelt die Langzeitplanung für alle Einwohner Jerusalems, sowohl der jüdischen als auch der arabischen. Neben einer Vielzahl von Themen betreffs der städtischen Bauplanung behandelt es die illegale Errichtung von Gebäuden auf der Ostseite der Stadt sowie die Genehmigung des Baus Tausender Wohneinheiten für palästinensische Einwohner Jerusalems.

Zwar kann dies einige Umzüge innerhalb des Jerusalemer Stadtgebiets beinhalten, aber es gibt keine Pläne, Palästinenser aus verwaltungstechnischen Gründen in Städte im Westjordanland oder gar ins Ausland zu deportieren.

* * *

Luftbild von Rawabi, April 2015

Luftbild von Rawabi, April 2015

Michael Jansens dritter Artikel in ihrer Serie, “Palästinensische Hügel lebendig mit Baulärm” beginnt wie folgt:

So lange man sich zurückerinnern kann, ist Rawabi die erste neue Stadt, die von Palästinensern auf palästinensischem Boden errichtet wird. Zweifelnde Palästinenser, dem Projekt gegenüber abgeneigte Israelis sowie skeptische Beobachter sehen es alle als teure Anomalie auf der gequälten Landschaft des von Israel besetzten Westjordanlands.

Palästinenser nennen Rawabi einen 1 Milliarde Dollar teuren weißen Elefanten und einen Versuch, die israelische Besatzung zu “normalisieren”, da Israel für seine Schaffung und Errichtung die Erlaubnis geben musste und israelische Firmen die Rohmaterialien zur Verfügung stellten.

Rawabi ist vielleicht eine der positivsten Entwicklungen für die Palästinenser in den letzten Jahren. Trotzdem kriegt es Jansen ganz klar nicht in den Kopf, dass Palästinenser irgend etwas anderes sein können als die ewigen Opfer Israels. Daher strengt sie sich doppelt an, Rawabi niederzumachen, sogar bevor es überhaupt fertiggestellt ist. Die entstehende Stadt beschreibt sie als illegitimes und negatives Projekt.

Für Jansen ist jeder potentiell positive Punkt in der palästinensischen Gesellschaft ein Verlust des Narrativs palästinensischen Leides unter dem Joch Israels. Dieses Narrativ zieht sich wie ein roter Faden durch ihre dreiteilige Serie, ein Narrativ, das von BDS-Unterstützung, Antinormalisierung der israelisch-palästinensischen Beziehungen und schamlosen Verzerrungen und Lügen geprägt ist.

Bild: CC BY-SA Victor Grigas via Wikimedia Commons; CC BY Elisa via flickr; mit Modifikationen CC BY-SA von HonestReporting

Rote Karte für die New York Times

5. Juni 2015

Simon Plosker, HonestReporting, 28. Mai 2015

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Mit dem Arrest der ranghohen FIFA-Funktionäre in der Schweiz scheint der Korruptionsskandal nun im Rampenlicht zu stehen und das palästinensische Gesuch, Israel und seine Nationalmannschaft aus der FIFA auszuschließen, zu verdrängen.

Aber hier kommt die New York Times zur heldenhaften Rettung, damit ihre Leser ja nicht das palästinensische Gesuch vergessen! Genau rechtzeitig, um dem palästinensischen Propagandaversuch ein Doping zu verpassen, erhielt der palästinensische Fußballer Iyad Abu Gharqoud eine Meinungskolumne, um auf Israel einzutreten.

Hier seine Worte:

Unsere Spieler werden heutzutage häufig festgenommen und inhaftiert. Letztes Jahr wurden zwei unserer talentiertesten Spieler von israelischen Streitkräften an einem Checkpoint angeschossen und verwundet. Die Grenzpolizei sagte, die beiden jungen Männer seien im Begriff gewesen, eine Bombe zu werfen; in Wirklichkeit waren sie auf dem Nachhauseweg vom Training in unserem nationalen Stadion im Westjordanland. Laut The Nation wurde beiden in den Fuß geschossen, was Verletzungen hervorrief, die ihre Fußballkarriere beendeten.

Israel hat auch versucht, Spieler aus anderen Ländern vom Betreten Palästinas abzuhalten, um gegen uns zu spielen. Und beim letztjährigen Gaza-Konflikt bombardierten israelische Jets unsere Fußballfelder und Freizeitbereiche. Israels Politik war erfolgreich darin, dieses schöne Spiel hässlich zu machen.

Gharqoud führt The Nation als augenscheinlich glaubhafte Quelle für die Story mit den zwei Spielern an, aber diese Story wurde letztes Jahr von Elder of Ziyon umfassend widerlegt und entpuppte sich als Teil der endlosen antiisraelischen Propaganda.

Was die Anschuldigung betrifft, dass israelische Jets Fußballplätze und Freizeitbereiche bombardiert haben, so ist dies kaum überraschend angesichts des Umstands, dass Hamas-Terroristen Raketen von genau diesen Orten auf Israel abgeschossen haben, wie diese IDF-Grafik vom Konflikt 2012 illustriert:

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Gharqoud beklagt, dass Israel die Bewegungsfreiheit palästinensischer Fußballspieler einschränkt. Das liegt jedoch nicht daran, dass man sie etwa vom Fußballspielen abhalten wolle. Tatsächlich wurde erst letzte Woche ein Spieler am Jordan-Grenzübergang festgenommen. Warum? Wie die Times of Israel berichtet:

Eine Quelle aus der israelischen Sicherheit sagte Israel Radio, der Spieler Sameh Marawbe sei aus Sicherheitsgründen festgenommen worden. Vor sechs Monaten war er inhaftiert worden, weil er von Hamas-Vertretern in Katar Geld und Botschaften erhielt und an Hamas-Angehörige in der Stadt Qalqilya im Westjordanland weiterleiten sollte.

Gharqoud erwähnt genügend Einzelheiten, um zu beweisen, dass sein Artikel weniger über Fußball geht und mehr darüber, Israel in der New York Times wieder mal eins draufzugeben:

Fußball ist ein schönes Spiel, aber es kann auch grausam sein – und nicht nur was die Beinahetreffer und Strafstöße betrifft. Eine der Ironien in meiner Profikarriere ist, dass sie mich quälend nah an Beersheba führte, die Stadt in Südisrael, die einmal als Bir Saba bekannt war – eine arabische Gemeinschaft, die 1948 vertrieben wurde, inklusive meiner Familie.

Gharqoud geht nicht auf die israelische Kontrolle über Palästinensergebiete ein. Es geht rein um 1948 und um die Darstellung Israels als Staat, der in Sünde geboren wurde.

Und dem folgt das klassische Propagandawerkzeug der Palästinenser, sich für den Boykott des “Apartheidstaates” Israel auszusprechen:

Für unsere Forderung nach Fußball-Sanktionen gegen Israel gibt es einen wesentlichen Präzedenzfall. FIFA führte das Prinzip einer solchen Aktion vor fast 40 Jahren ein, als es Südafrika nach dem Soweto-Aufstand 1976 per Votum ausschloss. Die Diskriminierung und Verfolgung, der wir Palästinenser uns ausgesetzt sehen, erinnert an die Apartheid-Politik.

Letztlich nutzen die Palästinenser den Fußball für politische Ziele gegen Israel. Aktuell ist Fußball auf den Titelseiten der Weltmedien. Die New York Times jedoch hat sich dazu entschieden, ein Sprachrohr für palästinensische Propaganda zu sein, und sollte dafür die rote Karte gezeigt bekommen.

Einige klare Worte über die BDS

4. Juni 2015

Alex Margolin, HonestReporting, 27. Mai 2015

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Wie deutlich muss die BDS über ihre wahren Ziele eigentlich noch werden, bevor scheinbar wohlmeinende Leute damit aufhören, ihr den üblichen Vertrauensbonus zu geben?

Ein Punkt, der das illustriert, ist der vor kurzem erschienene Artikel des Haaretz-Kolumnisten Bradley Burston, der wirklich zu wollen scheint, dass die BDS die Wahrheit über ihre Ziele sagt:

Was will die BDS wirklich von Israel?

Es ist nicht viel, was ich verlange. Und ich verlange das ganz sicher nicht aus Feindseligkeit. Ich verlange einfach nur klare Ziele. Und Klartext im Gespräch.

Ich will wissen, ob die BDS zwei Staaten bevorzugt – zum Beispiel indem sie sich darauf konzentriert, Produkte aus Westjordanland und Ost-Jerusalem zu kennzeichnen – oder ob das Ziel ein einziger Staat ist, nämlich Palästina.

Ein Staat oder zwei? Das ist Burstons Grundfrage. Sehr vernünftig.

Burston scheint diese Frage ein paar Absätze später selbst zu beantworten, als er Kommentare eines BDS-Aktivisten anführt, der zu einem Boykott von SodaStream beim Lebensmittelladen Park Slope Food Coop aufrief. Burston schreibt, SodaStream sei im Begriff, seine Fabrik von einem Gebiet jenseits der Grünen Linie in die Negev-Wüste zu verlegen, also weit innerhalb Israels.

“Jetzt zieht SodaStream auf Land, das von palästinensischen Beduinen gestohlen wurde, die ebenfalls Menschen sind”, sagte Anna Baltzer, Organisatorin der “U.S. Campaign to End the Israeli Occupation”.

Baltzer, eine in Kalifornien geborene Jüdin, die gesagt hatte, ihre Großeltern seien nur knapp dem Holocaust entkommen, und die von der linksradikalen Website Mondoweiss unglücklich als “It-Girl des Antizionismus” bezeichnet wurde, fuhr fort: “Wir unterstützen die Rechte eingeborener Palästinenser in Israel einschließlich der Beduinen. Wir können unseren Boykott nicht beenden, wenn SodaStream einfach neues palästinensisches Land besetzt.

Neues palästinensisches Land besetzt? In der Negev-Wüste? Das hört sich doch wie Klartext an, nicht wahr, Herr Burton? Auf jeden Fall hört es sich nicht so an, als ob man sich auf die Kennzeichnung von Produkten konzentrieren wolle, nicht wahr?

Nun, Burston hat noch Zweifel:

Sagt die BDS dann, dass jegliches israelisches Land besetzt ist? Dass die Ereignisse von 1967 in Wirklichkeit irrelevant sind und die Ereignisse von 1948 alles, was zählt?

Natürlich haben sie das Recht, das zu glauben und zu sagen. Ich will einfach nur die Antwort hören. Klar und direkt.

Es geht aber kaum klarer und direkter.

Burston schließt mit der Behauptung, die Situation mit dem Lebensmittelladen und SodaStream sei ungelöst und “auch innerhalb der BDS-Bewegung ist diese Sache noch ungelöst”. Doch wenn es SodaStreams “Verbrechen” war, eine Fabrik im Westjordanland zu haben, und wenn die Firma jetzt weit ins “richtige” Israel zieht, dann müsste die Angelegenheit doch erledigt sein? Dass sie nicht erledigt ist, ist ein großes, rot blinkendes Warnsignal für alle, die nach einer Zweistaatenlösung trachten.

Hier also etwas Klartext, um Ihnen etwas unter die Arme zu greifen, Herr Burston:

1. Die BDS wird nie sagen, dass sie zwei Staaten will, da dies schlichtweg nicht der Fall ist. Das Problem ist nicht, dass sich die BDS sehr verwaschen über ihre Ziele äußert. Das Problem ist, dass Frieden nicht zu diesen Zielen zählt.

2. Die BDS unterscheidet nicht zwischen Israel und Westjordanland. Auf ihrer Website steht: “Jeder kann israelische Erzeugnisse boykottieren, einfach indem man keine Erzeugnisse erwirbt, die in Israel oder von israelischen Firmen hergestellt wurden. Kampagnenführer und Gruppen fordern Verbraucher auf, keine israelischen Waren zu kaufen, und sie fordern Unternehmen auf, solche Waren weder zu kaufen noch zu verkaufen.” Alles, was mit Israel zu tun hat, befindet sich im Fadenkreuz der BDS.

3. Die Behauptung, die BDS sei “agnostisch” bezüglich des Konflikts, ist eine Taktik, um Unterstützer der Zweistaatenlösung zu vereinnahmen. Die Rhetorik ist laut und klar. Der Begriff “besetztes palästinensisches Land” in Bezug auf die Zeit vor 1967 ist kein Ausdruck einer agnostischen Mentalität.

Burston behauptet, er unterstütze eine Zweistaatenlösung. Für Leute wie ihn wird es Zeit, anzuerkennen, dass die größte Bedrohung dieser Lösung von Seiten der BDS kommt.

Newsweek zerfetzt die Grüne Linie

22. Mai 2015

Simon Plosker, HonestReporting, 20. Mai 2015

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Update: Nach HonestReportings Korrespondenz mit Newsweek wurde dem Artikel folgende Korrektur beigefügt:

Korrektur: Dieser Artikel wurde vom 20. Mai korrigiert, um die Definition der Grünen Linie als Demarkationslinie zwischen israelischen und arabischen Streitkräften nach dem arabisch-israelischen Krieg von 1948 herauszustellen. Die Grüne Linie galt nicht als Grenzziehung eines palästinensischen Staates, wie ursprünglich berichtet.

Korrektur: Dieser Artikel wurde am 20. Mai korrigiert, um die Definition der Grünen Linie als Demarkationslinie zwischen israelischen und arabischen Streitkräften nach dem arabisch-israelischen Krieg von 1948 herauszustellen. Die Grüne Linie galt nicht als Grenzziehung eines palästinensischen Staates, wie ursprünglich berichtet.

* * *

Ein Newsweek-Artikel enthält folgenden Absatz:

Über 350.000 Israelis leben in Siedlungen im Westjordanland und weitere 200.000 in Ost-Jerusalem. Im Sinne der Vierten Genfer Konvention betrachtet es die internationale Gemeinschaft als illegal, wenn Israel auf palästinensisches Land übergreift und Siedlungen außerhalb der Grünen Linie baut, die 1949 zur Demarkation eines Palästinenserstaates gezeichnet wurde, nachdem der arabisch-israelischen Krieg von 1948 beendet war.

Über 350.000 Israelis leben in Siedlungen im Westjordanland und weitere 200.000 in Ost-Jerusalem. Im Sinne der Vierten Genfer Konvention betrachtet es die internationale Gemeinschaft als illegal, wenn Israel auf palästinensisches Land übergreift und Siedlungen außerhalb der Grünen Linie baut. Die Grüne Linie wurde 1949 zur Demarkation eines Palästinenserstaates gezogen, nachdem der arabisch-israelische Krieg von 1948 beendet war.

Die sogenannte Grüne Linie von 1949 demarkierte ganz gewiss keinen Palästinenserstaat. Die “Grüne Linie” sind die Grenzlinien zwischen israelischen und arabischen Streitkräften beim Ende des Unabhängigkeitskrieges von 1948. Diese Waffenstillstandslinien waren niemals als dauerhafte Grenzziehung gedacht. Zudem war das Westjordanland, auf das sich Newsweek bezieht, bis 1967 von Jordanien besetzt.

Der Text des Waffenstillstandsabkommens von 1949 besagt in Artikel V klar:

Die Waffenstillstands-Demarkationslinie ist in keinerlei Hinsicht als politische oder territoriale Grenze auszulegen und wird unbeschadet irgendwelcher Rechte, Ansprüche oder Positionen der Waffenstillstands-Vertragsparteien hinsichtlich der letztendlichen Beilegung der Palästinafrage gezogen.

Newsweeks gänzlich inakkurate Beschreibung der Grünen Linie stimmt mit der Ansicht derer überein, die irrtümlich behaupten, die Schaffung des Staates Israel sei auf Kosten eines vorher dagewesenen palästinensischen Staates geschehen. Niemals hat es einen unabhängigen palästinensischen Staat gegeben, und Newsweeks Beschreibung ist eine Verzerrung der Geschichte.

HonestReporting hat Newsweek eine Bitte um Korrektur geschickt.

Bild: CC BY-NC Darwin Bell via flickr

CNN und der dubiose Behauptungsjournalismus

22. Mai 2015

Pesach Benson, HonestReporting, 19. Mai 2015

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Angesichts der gegen ihn geäußerten Kritik legte Don Melvin, der CNN-Reporter, der eine unbelegte Geschichte über das angebliche Fällen von 800 Olivenbäumen durch israelische Siedler geschrieben hat, auf Twitter mehrfach nach.

Sein Bericht steht ohne jede unabhängige Verifizierung da und ist somit ein Beispiel für das, was Medienspezialisten “Behauptungsjournalismus” nennen. Hierbei handelt es sich um die Vorstellung, dass Reporter eine Story im Zeitalter immer schnellerer Nachrichtenzyklen nicht verifizieren brauchen, wenn sie einfach nur ihre Quellen nennen.

Bei Melvin wäre das die Wafa-Nachrichtenagentur, der offizielle Nachrichtendienst der Palästinenserbehörde, deren Aktivitäten direkt von Mahmoud Abbas bestimmt werden. Um Ihnen eine Vorstellung vom journalistischen Standard der Wafa zu vermitteln: Dort nannte man die Terroristen, die letztes Jahr in eine Jerusalemer Synagoge eindrangen, “islamische Märtyrer”.

Obwohl Wafa keinerlei Quellen oder Augenzeugen benennt, ist Melvin journalistisch auf der sicheren Seite, so lange er Wafa “Fakten zuschreiben” kann, richtig?

Mal ganz langsam. Sehen wir uns an, wie die Medienexperten Bill Kovach und Tom Rosentiel die Defizite des Behauptungsjournalismus beschreiben:

Die zweite Implikation ist, dass diese neutrale Stimme ohne Verifizierung einen Anstrich von Wahrhaftigkeit erzeugt. Journalisten, die Quellen wählen, die in Wirklichkeit ihre eigene Sichtweise repräsentieren, und die dann die neutrale Stimme verwenden, um den Anschein von Objektivität zu erzeugen, machen sich einer Form der Täuschung schuldig. Dies schädigt die Glaubwürdigkeit des gesamten Berufsstandes und lässt ihn prinzipienlos, unehrlich und voreingenommen erscheinen. Dies ist ein wichtiger Ruf zur Vorsicht in einer Zeit, in der die Standards der Presse so sehr im Zweifel liegen.

Wenn Melvin seine Quellen und die Einzelheiten seiner Storys nicht überprüft und auch den Lesern gegenüber nicht transparent ist, welchen Nutzen hat er dann für CNN? Oder für uns?

"So viele Leute fordern mich auf, Nachrichten rauszufiltern, die sie nicht mögen. Würde ich allen Forderungen nachkommen, würden wir nichts mehr veröffentlichen."

“So viele Leute fordern mich auf, Nachrichten rauszufiltern, die sie nicht mögen. Würde ich allen Forderungen nachkommen, würden wir nichts mehr veröffentlichen.”

Bild: CC BY flickr/Charles Atkeison mit Beifügungen von HonestReporting

CNNs Journalismus geht vor die Hunde

20. Mai 2015

Simon Plosker, HonestReporting, 18. Mai 2015

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Was ist nur mit CNN los? Hier ein aktueller Bericht:

Die offizielle palästinensische Nachrichtenagentur berichtet, israelische Siedler hätten rund 800 in palästinensischem Besitz befindliche Olivenbäume in der Nähe der Stadt Shuyukh östlich von Hebron gefällt und in Besitz genommen.

Der Bericht von WAFA, der palästinensischen Nachrichten- und Informationsagentur, zitierte eine nicht namentlich benannte “Quelle vor Ort”. Israel hat sich noch nicht zu dem Bericht geäußert.

Die Quelle, die von WAFA als “ein Aktivist vor Ort” bezeichnet wird, teilte der Agentur mit, Bewohner der israelischen Siedlungen Bani Kadim und Asfar seien in einen Olivenhain in der Nähe der Stadt eingebrochen und hätten die Bäume, die den Menschen im Gebiet gehörten, gefällt.

Es ist eine Sache, wenn ein Mainstreammedium anonyme Quellen und unverifizierbare “Augenzeugen” zitiert, was wir in der Berichterstattung über den israelisch-palästinensischen Konflikt nur allzu oft sehen. Es ist aber noch schlimmer, wenn sich eine Nachrichtenorganisation wie CNN auf unverifizierte Berichte einer palästinensischen Nachrichtenagentur wie WAFA verlässt.

Wie Elder of Ziyon korrekt feststellt:

Ok, woran können wir erkennen, dass es sich hier um Müll handelt? Indem wir uns die Formulierung bei Wafa ansehen. Dort steht: “Israelische Siedler fällten laut einer lokalen Quelle rund 800 in palästinensischem Besitz befindliche Olivenbäume nahe der Stadt Shuyukh östlich von Hebron und nahmen diese in Besitz.”

Was bedeutet “gefällt und in Besitz genommen”? 400 gefällt und 400 in Besitz genommen? Oder fällten sie 800 Olivenbäume, verfrachteten sie auf einen Lkw-Konvoi und karrten sie davon?

Es dauert lange, einen ausgewachsenen Olivenbaum zu fällen. Frische Setzlinge, die oft von Palästinensern gepflanzt werden, um öffentliches Land zu stehlen, sind relativ leicht auszureißen, aber hier steht “gefällt und in Besitz genommen”.

Keine Fotos. Keine Videos. Keine namentlichen Quellen. Keine Untermauerung. WAFA schreibt eine Story zusammen, die keinerlei normalem journalistischem Standard entspricht – und CNN plappert es ungeprüft nach unter dem Deckmantel, sie würden ja nur berichten, was antiisraelische arabische Medien sagen.

Und als wäre das nicht schon genug, geht es im CNN-Bericht folgendermaßen weiter:

Auch Vorfall an Aqsa-Moschee berichtet
Ebenfalls am Sonntag betraten über 175 jüdische Rechtsextremisten das Gelände der Aqsa-Moschee in Jerusalem, eskortiert von israelischen Polizisten und Sicherheitsleuten, wie Quellen innerhalb der Moschee berichteten. Die Quellen können aus Sicherheitsgründen nicht benannt werden.

Also wo ist der “Vorfall”, von dem CNN spricht? Angesichts dessen, dass Juden und Touristen den Tempelberg zu bestimmten Zeiten betreten dürfen, ist das dann wirklich ein “Vorfall”? Und wer sind diese unbenannten “Quellen innerhalb der Moschee”?

175 Menschen ist eine weit größere Gruppe, als sie normalerweise auf dem Tempelberg erlaubt würde, und es gibt keine anderen Medienberichte in der ausländischen oder israelischen Presse über irgendwelche ungewöhnlichen Vorgänge auf dem Tempelberg am Sonntag. Ist dem CNN-Reporter klar, dass die Palästinenser jeden Juden, der den Tempelberg besucht, einen “Extremisten” nennen? War es eine Gruppe aus 175 Menschen, oder war das nur die Gesamtzahl aller Besucher, die das Gelände am Sonntag betreten haben?

Das wissen wir nicht. CNN lieferte hier miserablen Journalismus. Leider beschränkt sich der verursachte Schaden nicht auf CNN und hat sich zu anderen Nachrichtenportalen verbreitet, die den Inhalt aufgrund ihres klar fehlinvestierten Vertrauens in CNN reproduziert haben.

Update: Wie antwortete der Journalist Don Melvin auf Twitter, nachdem er mit seiner schlampigen Berichterstattung konfrontiert wurde? Hier klicken.

Bild: CC BY-NC Mitchell Joyce via flickr


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