Archive for the ‘Palästinenser’ category

Einblick in ein verzerrtes Weltbild

6. Februar 2016

Aviva Klompas, HonestReporting, 2. Februar 2016

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Stéphane Dion (CC Chris Slothouber)

Der kanadische Außenminister Stéphane Dion veröffentlichte vor kurzem die Art von angeblich “ausgewogenem” Statement, die bei politischen Führern grassiert, die sich zum israelisch-palästinensischen Konflikt äußern.

Hier ein Auszug: “Kanada sorgt sich über die anhaltende Gewalt in Israel und im Westjordanland. … Als fester Verbündeter und Freund Israels fordert Kanada, dass sämtliche Bemühungen unternommen werden, um die Aufhetzung und Gewalt zu reduzieren und eine Umgebung zu schaffen, die eine Rückkehr an den Verhandlungstisch erlaubt.”

Herr Dion mag sich sorgen, aber es scheint, dass er sich über alle möglichen verkehrten Dinge Sorgen macht. In den letzten vier Monaten gab es 177 Schießereien, Messerangriffe und Auto-Rammattacken, stets ausgeführt von Palästinensern und stets gegen Israelis.

Diese Anschläge führten zu 30 Todesopfern und fast 300 Verletzten. Die Hälfte der Opfer waren Zivilisten, u. a. eine Schwangere, die in einem Bekleidungsgeschäft gearbeitet hatte, eine sechsfache Mutter, die vor den Augen ihrer Kinder erstochen wurde, junge Eltern, die von Kugeln durchsiebt wurden, während ihre Kinder auf der Rückbank saßen, ein 15 Monate altes Baby und ein halbes Dutzend Über-70jährige.

Hätte Herr Dion wirklich seine feste Verbundenheit mit Israel beweisen wollen, hätte er die mutwillige Jagd auf Zivilisten klar und unmissverständlich verurteilt. Statt dessen springt der kanadische Außenminister auf den fahrenden Zug der internationalen Führer auf, derer Meinung nach die Siedlungen das Problem darstellen. Sein Statement schließt mit den Worten: “…fortgeführte israelische Siedlungen sind nicht hilfreich und stellen ernste Hindernisse auf dem Weg zu einem umfassenden, gerechten und dauerhaften Frieden dar.”

Nur zirka 4 Prozent der Israelis leben in Siedlungen, aber ihnen werden 100 Prozent der Probleme in die Schuhe geschoben. In seiner Rede vor dem UN-Sicherheitsrat sagte Generalsekretär Ban Ki-moon letzte Woche: “Es ist menschliche Natur, auf Besatzung zu reagieren, die oft als potente Brutstätte für Hass und Extremismus fungiert.” Die Botschaft des selbsternannten UN-Chefpsychologen ist klar — solange Israel den Palästinensern einen Staat verwehrt, muss es akzeptieren, dass seine Bürger ermordet und verstümmelt werden. Der Generalsekretär scheint vergessen zu haben, dass Israel den Palästinensern einen Staat angeboten hat, und zwar bei drei verschiedenen Gelegenheiten. Jedesmal schlug die Palästinenserführung das Angebot aus oder verließ den Verhandlungstisch.

Ebenso ignoriert der Generalsekretär bequemerweise die Tatsache, dass Israel 2005 jeden einzelnen Soldaten und jeden einzelnen Bürger aus dem Gazastreifen holte. Zurück blieben Tausende Gewächshäuser zur Stimulation der palästinensischen Wirtschaft, und zwar in der Hoffnung, dass ein Modell zweier friedlich nebeneinander lebender Völker geschaffen würde. Spulen wir ein paar Jahre vor, und die Terrororganisation Hamas ergreift die Macht im Gazastreifen und feuert Raketen nach Südisrael.

Und genau da liegt der Haken. Die internationale Gemeinschaft sympathisiert mit den Palästinensern, weil sie einen eigenen Staat wollen. Dabei ignorieren sie den beträchtlichen Teil der Palästinenser, welche einfach nur den jüdischen Staat vernichten möchten.

Wie sieht das Ergebnis aus? Die staatengeförderte antiisraelische Hetze geht unverändert weiter, die Palästinenserregierung belohnt weiterhin Terroristen und ihre Familien in äußerst großzügiger Weise, und diese sogenannten “Märtyrer” werden von der palästinensischen Gesellschaft weiterhin als Helden verehrt.

Nachdem der 16jährige Palästinenser Morad Adais in das Haus von Dafna Meir eingebrochen war und sie vor den Augen dreier ihrer Kinder brutal erstochen hatte, erklärte sein Vater: “Ich bin stolz auf meinen Sohn!” Berichte über diese haarsträubende Erklärung fand man fast ausschließlich in der jüdischen Presse, denn dass die palästinensische Gesellschaft den Tod zelebriert, passt nicht in das “David gegen Goliath”-Narrativ der Mainstreammedien.

Der Versuch, den Konflikt in dieses mängelbehaftete und simplifizierende Narrativ zu zwingen, ließ die Welt vergessen, wer das Opfer ist.

Nehmen wir zum Beispiel die Schlagzeile der New York Times vom 23. Januar: “Palästinensisches Mädchen, 13, von israelischem Wächter erschossen”. Die Autoren und Redakteure, welche für diese effektheischende Schlagzeile verantwortlich waren, fanden es unnötig, die höchst relevante Einzelheit mitzuerwähnen, dass das palästinensische Mädchen diesen Wächter erstechen wollte.

Statt ihren Lesern wichtige Einzelheiten zu verraten, packen die Medien die wertvollen Zentimeter ihrer Kolumnenspalten lieber mit Zahlenvergleichen der Toten voll. Seit im Oktober die sogenannte Messerintifada begonnen hat, wurden 90 Palästinensern bei Anschlagsversuchen erschossen und getötet — mehr als dreimal so viele wie die dabei ermordeten Israelis.

Und die Medien haben an diesem Unverhältnis einen Narren gefressen. Schließlich sind mehr Palästinenser getötet worden, das muss also bedeuten, dass Israel schuld ist! Diese Ableitung ist absurd. Gibt es einen anderen Ort auf dieser Welt, wo das Opfer beschuldigt wird, der Täter zu sein und sich etwas zu gut zu verteidigen?

Aviva Klompas

Aviva Klompas

Wir erleben ein allgemeines Gerangel, in welchem Staatsmänner und Journalisten die palästinensische Gewalt als “natürliche, wenn nicht sogar moralisch gerechtfertigte Antwort auf ‘Besatzung'” verteidigen. Den Konflikt durch diese verzerrte Linse zu betrachten, bedeutet den Schluss zu ziehen, dass es keine unschuldigen oder untadeligen Israelis gibt. So lange diese fehlgeleitete und kurzsichtige Vorstellung im Geist der Architekten und Autoren von Nahost-Ereignissen vorherrscht, gibt es wenig Hoffnung, eine konstruktive Lösung zu finden.

Aviva Klompas ist Redenschreiberin, Strategin und öffentliche Rednerin. Von 2013 bis 2015 diente sie als Direktorin für Redenschreiben bei der Ständigen Mission Israels bei den Vereinten Nationen. Sie tweetet unter @AvivaKlompas.

Geschichtsklitterung à la Robert Fisk

4. Februar 2016

Simon Plosker, HonestReporting, 1. Februar 2016

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Robert Fisk, den wir über die Jahre schon öfters kritisieren mussten, hat die zweifelhafte Ehre, seinen Namen dem Kunstverb “fisken” verliehen zu haben — also einen Zeitungsartikel oder einen Blogbeitrag (etc.) Punkt für Punkt zu widerlegen oder zu kritisieren.

Fisks jüngsten Beitrag im Independent möchten wir gar nicht widerlegen. Dort fragt er, ob Benjamin Netanyahu “verrückt geworden ist”, weil er die kürzlichen Kommentare von UN-Generalsekretär Ban Ki-moon thematisiert hat. Was aus diesem Text aber wirklich heraussticht, ist Folgendes:

Kurz ein paar Worte über die Geschichte. Israel eroberte 1967 das Westjordanland. Es baute Kolonien auf dem Land, welches der Westen israelische “Siedlungen” nennt — ähnlich wie die “Siedlungen” im Wilden Westen, was ihnen einen beinahe europäischen Anstrich verleiht. Danach erkannte Israel, dass es von den USA und ihren Verbündeten für den Bau von Häusern für Ausländer (Israelis) auf dem Eigentum anderer Leute verurteilt wurde. Das ist exakt das, was die israelische Regierung tat und was viele Israelis seither in Frage gestellt haben, da es Israel zum “Besitzer” von Land außerhalb seiner eigenen von der UN anerkannten Grenzen machte — und dies macht Israel zum einzigen Land, das immer noch einen Kolonialkrieg betreibt.

Die Palästinenser — die rechtmäßigen Besitzer des Landes unter osmanischer (und britischer) Herrschaft — haben dies zu Recht als Diebstahl bezeichnet. Und das ist es auch. Land, das Palästinensern gehört, wurde von Israel für sein eigenes Territorium genommen, auch für seine Produkte — Gemüse und so weiter, welches illegal als israelisches Produkt in der EU verkauft wird, und als die EU sich darüber beschwerte, wurde sie bösartig als antisemitisch beschimpft. So wird Hass erzeugt.

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Robert Fisk

Fisks Geschichtsversion passt eindeutig nicht auf die Fakten. Fisken wir kurz seinen Text.

  • Israel eroberte 1967 nicht einfach so das Westjordanland. Fisk verschweigt, dass Israel als eines der Ergebnisse aus dem Sechstagekrieg die Kontrolle über jene Territorien errungen hatte. Im Sechstagekrieg hatte sich Israel erfolgreich gegen mehrere arabische Armeen verteidigt, die seine Existenz bedrohten.
  • Referenzen wie z. B. “Kolonien” und “beinahe europäischer Anstrich” portraitiert Israel fälschlicherweise als Eindringling ohne Verbindung mit dem Land. Ob man mit dem Siedlungsunterfangen nun einverstanden ist oder nicht — die historische Verbindung der Juden zum fraglichen Land ist unbestreitbar. Israelis sind keine “Ausländer”. Juden sind dort Eingeborene, quasi Ureinwohner.
  • Was sind Israels “von der UN anerkannte Grenzen”, die Fisk anspricht? Die sogenannte Grüne Linie wird von niemandem als offizielle Grenze gesehen, und zwar einfach weil es sich hier um eine Waffenstillstandslinie handelt: Dort standen die Armeen, als der Waffenstillstand ausgerufen wurde. UN-Resolution 242, die über die ganzen Jahre als Verhandlungsgrundlage gedient hat, fordert “sichere und anerkannte Grenzen” sowie einen Rückzug Israels aus im Jahr 1967 “besetzten Gebieten”, wobei mit Bedacht so formuliert wurde, dass nicht von “allen Gebieten” oder “den Gebieten” die Rede ist. Als Lord Caradon später gebeten wurde, die britische Position darzulegen, sagte er: “Es wäre falsch gewesen zu fordern, Israel solle zu seinen Positionen vom 4. Juni 1967 zurückkehren, denn jene Positionen waren künstlicher Natur und nicht wünschenswert.”
  • Wer sind die Palästinenser, welche “die rechtmäßigen Besitzer des Landes unter osmanischer (und britischer) Herrschaft” gewesen sein wollen? Auf diesem Gebiet hat es niemals einen souveränen Palästinenserstaat gegeben. Meint Fisk damit nur das Westjordanland oder den gesamten Staat Israel? Und hätten Palästinenser unter osmanischer Herrschaft das Land besessen, dann würde dies in Fisks Gedankenwelt bedeuten, sie seien die rechtmäßigen Eigentümer allen Landes vom Jordan bis zum Mittelmeer. Indes stahlen Juden kein arabisches Land.
  • Keinerlei Produkte wurden “illegal als israelisches Produkt in der EU verkauft”. Der Disput mit der EU betrifft die Etikettierungsrichtlinien und nicht etwa Gesetze gegen die Vermarktung von Produkten aus jüdischen Siedlungen. Woher auch immer diese israelischen Produkte stammen, sie brachen niemals irgendwelche Gesetze und tun dies auch heute nicht. Zudem hat auch Israel selbst niemals diese Richtlinien verletzt.

Und hier endet unser Fisken.

Doppelter Standard?

3. Februar 2016

Yarden Frankl, HonestReporting, 31. Januar 2016

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Ein Meinungsbeitrag von Roger Cohen in der New York Times unterstützt die vom amerikanischen Israelbotschafter Daniel Shapiro vorgebrachte Äußerung, Israel wende einen “doppelten Standard” an, wenn es um Israelis und Palästinenser in den umstrittenen Gebieten geht. Er schreibt:

Shapiro sagt das Offensichtliche. Israelische Siedler sind Bürger und genießen den vollen Schutz des Zivilrechts. Für die 2,8 Millionen Palästinenser im Westjordanland gilt das nicht.

Aber das ist nur die halbe Wahrheit. Das internationale Recht verlangt, dass Israel zwischen Palästinensern und Israelis unterscheidet. Botschafter Alan Baker vom Jerusalem Center for Public Affairs sagt:

Tatsächlich gibt es zwei Rechtsrahmen.

Derjenige, der von Israels Zivilverwaltung gegenüber den palästinensischen Bewohnern Judäas und Samarias angewendet wird, basiert auf den internationalen Normen in Bezug auf die Verwaltung von Gebieten, die nach einem bewaffneten Konflikt und vor der Formulierung eines Friedensabkommens besetzt oder verwaltet werden. Diese in den Haager Regeln von 1907 und in der Vierten Genfer Konvention von 1949 festgesetzten Regeln erlauben es einer Verwaltungsmacht bei der Verwaltung einer feindlichen lokalen Bevölkerung, verschiedene Beschränkungen der Grundfreiheiten zu verhängen, die in einem ordentlichen Zivilrechtssystem existieren. All dies ist einem dauerhaften Friedensarrangement anhängig, welches das Schicksal des Territoriums bestimmt.

Der zweite Rechtsrahmen umfasst die israelischen Bewohner von Städten, Dörfern und anderer Arten von Siedlungen innerhalb des Territoriums, die kein Teil der lokalen palästinensischen Bevölkerung sind und somit auf individueller Ebene dem israelischen Gesetz unterliegen. Als solches werden sie nicht von den erwähnten Beschränkungen betroffen, die ausschließlich für die lokale Bevölkerung des Gebiets gelten.

Im Gegensatz zu den Unterstellungen in Botschafter Shapiros Aussage basieren diese zwei Rechtsrahmen nicht auf irgendeinem doppelten Standard, sondern auf einer klaren Unterscheidung der Justizbehörden aufgrund der Vorgaben durch internationales humanitäres Recht und israelisches Gesetz.

Beide Rechtssysteme erfordern die strikte Einhaltung der Rechtsstaatlichkeit und der damit einhergehenden Regeln des Naturrechts. Jedes einzelne Verbrechen muss untersucht werden, und die Täter müssen vor das entsprechende Gericht gebracht werden.

Würde Israel seine Gesetze auf Palästinenser anzuwenden versuchen, würde dies in der Tat als Versuch betrachtet werden, eine Einstaatenlösung herbeizuführen und das Konzept eines “dauerhaften Friedensarrangements, welches das Schicksal des Territoriums bestimmt” zu verwerfen. Und das ist ganz offensichtlich nicht das, was Cohen glaubt.

Und wie Baker sagt, wird diese Unterscheidung in keinster Weise etwas anderes als die vollständige Untersuchung jedes Verbrechens ermöglichen. Doch statt spezifische Fälle anzuführen, nutzt Cohen einen Bericht von Human Rights Watch (HRW) als Quelle, eine Organisation mit berüchtigter Voreingenommenheit gegenüber Israel.

NGO Monitor hat zahlreiche Berichte über die Voreingenommenheit von HRW geschrieben:

Insbesondere weisen die Aktivitäten von HRW keinerlei professionelle Standards und Forschungsmethoden auf; sie zeigen einen Mangel an Kenntnissen im Völkerrecht und in bewaffneten Konflikten sowie eine tiefgreifende ideologische Voreingenommenheit gegenüber Demokratien im Allgemeinen und Israel im Besonderen.

Selbst Meinungsbeiträge sollten auf Fakten beruhen und den vollständigen Zusammenhang präsentieren. Quellen mit einer bekannten Agenda wie z. B. HRW sollten vermieden werden.

New-York-Times-Korrespondentin (erneut) von Redaktion korrigiert

1. Februar 2016

Yarden Frankl, HonestReporting, 26. Januar 2016

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Diaa Hadid, Korrespondentin der New York Times, begann ihren Artikel über die Zwangsräumung von Palästinenserwohnungen in Jerusalems Altstadt mit einigen bewegenden Zeilen:

Nazira Maswadis neuer Vermieter versucht sie mit der Behauptung loszuwerden, ihr Noch-Ehemann Tawfiq, der ursprüngliche Mieter, sei verstorben. “Er ist nicht tot”, insistiert sie. “Er hat 10 Kinder mit mir. Wäre er tot, müssten sie ihn begraben.”

So beunruhigend die Behauptung auch ist, sie wird durch die Fakten nicht gestützt. Ausgelöst durch eine Untersuchung durch die Organisation CAMERA erklärt eine Redaktionsnotiz der Times vom 26. Januar, dass Gerichtsdokumente zeigen, dass sie wegen Nichtzahlung der Miete vor die Tür gesetzt wurde. Nicht ganz so emotional oder Sympathie erzeugend.

Die Anerkenntnis des wahren Grundes für die Zwangsräumung würde Hadids Meinung (die in einer Nachrichtenstory nichts zu suchen hat) unterminieren. Dies wird klar, als sie Folgendes schreibt:

Die palästinensischen Familien und ihre Unterstützer behaupten, die oft mit scheinbar obskuren Verletzungen ihrer Mietverträge begründeten Zwangsräumungen seien Teil einer übergeordneten Agenda, jüdische Enklaven innerhalb des historischen muslimischen Viertels zu erzeugen.

Will sie die Leser glauben machen, eine Nichtzahlung der Miete sei eine “obskure Verletzung eines Mietvertrags”?

In Wirklichkeit war das nur eines von drei Problemen mit dem Artikel, welche die Autorin korrigieren musste. Alle aufgrund desselben grundlegenden journalistischen Versagens.

Wie die Times-Redaktion schreibt:

Die Beschreibungen beruhten auf den Aussagen der Mieterin; der Artikel hätte weitere Informationen aus Gerichtsunterlagen oder von den Vermietern enthalten sollen.

Anders gesagt, Hadid hatte sich mit den Gekündigten zusammengesetzt und ihre Aussagen aufgeschrieben, ohne sich die Mühe zu machen, nach anderen Aussagen oder Hinweisen zu forschen.

Es ist nicht das erste Mal, dass Hadid einen Artikel für die Times geschrieben hat, in welchem sie wesentliches Material, das nicht auf ihre Agenda passte, einfach ausgelassen hat. Wie wir bereits berichtet haben, beschwerten sich vier der Leute, die sie als Hauptquelle für ihren Artikel über die arabische Szene in Haifa interviewt hatte, Hadid habe ihre Aussagen aus dem Zusammenhang gerissen.

Nachdem sie von ihrer Redaktion zweimal öffentlich korrigiert wurde, können wir uns nur fragen, ob Hadids Auslassungen das Ergebnis schlampigen Journalismus sind oder ob es sich um Absicht handelt. Natürlich ist ihre Vergangenheit bei der berüchtigten antiisraelischen Seite Electronic Intifada (“New York Times Employs Veteran of Anti-Semitic Website“) äußerst beunruhigend.

Wir waren ermutigt, als Margaret Sullivan, Public Editor der Times, auf Kritik an der Israel-Berichterstattung des Blattes reagierte und sagte, die New York Times müsse das Leben der Palästinenser und ihre Ansichten stärker dokumentieren und sie nicht nur als Opfer darstellen. Aber Hadid macht die Berichterstattung der Times schlechter und nicht besser.

Der verschobene Fokus von Guardian und New York Times

30. Januar 2016

Yarden Frankl, HonestReporting, 26. Januar 2016

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Während wir dies schreiben, sind bereits einige Stunden seit dem Mord an der 24jährigen israelischen Frau Shlomit Krigman vergangen, die bei einem palästinensischen Terroranschlag erstochen wurde. Die Schlagzeilen von Guardian und New York Times blieben jedoch unverändert.

The Guardian:

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Die New York Times:

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Selbst wenn beide Schlagzeilen bald überarbeitet werden, um die tragische Entwicklung zu spiegeln, bleibt die Frage, warum sich die ursprünglichen Schlagzeilen auf die Angreifer konzentrieren und nicht auf die Opfer?

“Israelische Frauen Opfer von Terroranschlag” wäre eine akkuratere Schlagzeile.

Im Kontrast dazu hat der Guardian heute eine Schlagzeile für eine Story über eine Attacke in Schweden, die folgendermaßen aussieht:

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Warum der Unterschied in der Behandlung des Themas? Ist ein israelisches Terroropfer nicht dieselbe Berichterstattung wert wie ein schwedisches?

Schlichen sich diese Fehler durch die übergroße Eile ein, die beim Veröffentlichen einer Story an den Tag gelegt wird? Vielleicht. Aber wenn Eile ein solch großer Faktor ist, dann könnte man vernünftigerweise erwarten, dass die Artikel und Schlagzeilen bereits auf den neuesten Stand gebracht worden wären. Wenn man dann die konsistente Ausrichtung beider Blätter auf die Angreifer bei palästinensischen Terroranschlägen betrachtet und deren Fallenlassen der Opfer, dann scheint es, als ob beide Blätter genau diesen Stil bevorzugen.

***

UPDATE: Die New York Times hat den Artikel entsprechend überarbeitet, und der Guardian hat eine AP-Story veröffentlicht, in welcher der Tod von Shlomit Krigman beschrieben wird.

Verblassende Wahrheit in Redaktionsbeitrag der New York Times

26. Januar 2016

Yarden Frankl, HonestReporting, 24. Januar 2016

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“The Fading Two-State Solution” ist ein redaktioneller Beitrag der New York Times, in welchem die Beobachtung gemacht wird, dass “selbst das Sagen der Wahrheit einen Feuersturm auslösen kann”. Angesichts des “Wahrheitsgehalts” dieses Beitrags ist das eine beachtliche Behauptung.

Er beginnt mit der Verteidigung einer Rede des Israelbotschafters der USA, Dan Shapiro. Darin beschuldigte er Israel einer Doppelmoral, wenn es um Recht und Ordnung in den umstrittenen Territorien geht.

Palästinenser sind zu Opfern von Angriffen und Vandalismus durch jüdische Extremisten geworden, darunter einen Brandanschlag im Juli, der einem Kleinkind und seinen Eltern im Dorf Duma im Westjordanland das Leben kostete. Nichts davon ist hinnehmbar.

In Wirklichkeit haben die Sicherheitskräfte die Duma-Brandstiftung mit derselben Dringlichkeit und mit denselben Mitteln untersucht, die bei palästinensischen Terroristen zum Einsatz kommen. Viele würden sogar behaupten, der Staat nutze hier mehr Ressourcen, um die Täter zur Rechenschaft zu ziehen, als in anderen Fällen.

Aber es handelt sich hier um einen widerlichen Angriff, in welchem die Opfer Palästinenser waren. Die Times will andeuten, es habe noch mehr Anschläge gegeben, die mit den Terroranschlägen auf Juden vergleichbar sind. Aber die Zahlen beweisen, dass dies schlicht nicht der Fall ist.

Seit dem 13. September 2015 wurden bei palästinensischen Terroranschlägen 29 Menschen getötet (darunter ein Palästinenser, ein Gastarbeiter und ein US-Bürger) und 289 verletzt. Von diesen Anschlägen waren 110 mit Messern, 38 mit Schusswaffen und 22 mit Autos (Ramm-Attacken). Im selben Zeitraum hat es null Messerangriffe, null Schusswaffenangriffe und null Rammattacken gegen Palästinenser gegeben. Natürlich enthält diese Aufzählung keine Fälle, in welchen Palästinenser im Verlauf ihres eigenen Anschlags zu Tode gekommen sind. Behauptet die Times also, es gebe keinen Unterschied zwischen Selbstverteidigung und unprovozierten Mordversuchen?

Als nächstes nimmt sich die Times-Redaktion Gesetzgebung vor, die gegenwärtig der Knesset vorliegt.

Die Times beschreibt sie wie folgt:

Ein von Justizministerin Ayelet Shaked eingebrachtes ekelhaftes Gesetz fordert von Aktivisten das Tragen von Abzeichen, während sie Regierungsbeamte treffen, und wenn Gruppierungen Gelder von ausländischen Entitäten erhalten, müssen sie dies bei jeder Korrespondenz angeben.

In Wirklichkeit fordert dieses Gesetz von allen Lobbygruppen, welche die Mehrheit ihrer Gelder von ausländischen Regierungen erhalten, die Quelle ihrer Gelder öffentlicht bekanntzugeben. Es geht nicht darum, dass Vertreter dieser vom Ausland finanzierten Lobbygruppen Abzeichen tragen. Und nur auf öffentlichen Dokumenten, die von diesen Gruppen publiziert werden, müssen sie angeben, welche ausländischen Regierungen ihre Gelder bereitgestellt haben. Das sind grundlegende Fakten, welche die Times durchaus hätte wissen und ihren Lesern mitteilen können.

Aber in einem redaktionellen Beitrag, welcher Shapiro für seine “wahren Aussagen” lobt, ist es vielmehr die Redaktion der Times, die einen höheren Wahrheitsgehalt an den Tag legen muss.

Die New York Times lässt das Messer fallen

25. Januar 2016

Yarden Frankl, HonestReporting, 24. Januar 2016

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Hier die Schlagzeile, mit welcher die New York Times anfangs einen Artikel über das Ergebnis eines fehlgeschlagenen palästinensischen Terroranschlags begann:

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Selbst die NYT erkannte irgendwann, wie komplett irreführend diese Schlagzeile war. Also fügten sie zwei Wörter ein, die einen großen Unterschied machen — obwohl sie auch “sagt Polizei” schreiben, um Zweifel zu wecken, ob das palästinensische Mädchen überhaupt ein Messer in der Hand gehalten hat. Die ursprüngliche Schlagzeile hatte keinen solchen Vorbehalt.

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Aber reicht dies aus? Zugegeben, es ist wichtig, dass die Times (im Nachhinein!) das Gefühl hatte, die Leser sollten wissen, dass das Mädchen ein Messer in der Hand hatte. Es wirft jedoch die Frage auf, warum der für die Schlagzeile Verantwortliche nicht klarstellte, dass sie getötet wurde, als sie das Messer gegen eine israelische Wache einsetzen wollte. Es steht ja im ersten Absatz: Sie wurde getötet, “nachdem sie mit einem Messer auf ihn zurannte”.

Aber wie viele Leute sahen die ursprüngliche Schlagzeile und schlossen aus ihr, ein Israeli hätte ein unschuldiges Mädchen erschossen?

Womöglich sollten wir der Times dankbar sein, dass sie wenigstens diesen schwachen Versuch zur Verbesserung der Schlagzeile unternommen hat. Bei Sky News Australia und auch im Australian sieht die bislang unveränderte Schlagzeile so aus:

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Weiter unten im Artikel nennt Sky folgende Einzelheiten:

Sie hielt ein Messer in der Hand, rannte auf einen Sicherheitsmann am Zugang zur Siedlung Anatot zu, und er eröffnete das Feuer.

Aber kein Mensch, der einfach nur die Schlagzeile liest, hätte auch nur den Schimmer einer Ahnung, was sich wirklich zugetragen hat.

Leider sind das einfach nur zwei weitere Beispiele der Bemühungen vieler Medien, die wahre Natur palästinensischen Terrorismus, dem Israel ausgesetzt ist, herunterzuspielen.


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