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Überlegungen zu „Häftling X“

13. Februar 2013

HonestReporting Media BackSpin, 13. Februar 2013

Auch wenn wir nicht mehr wissen als das, was in der israelischen und internationalen Presse über „Häftling X“ berichtet* worden ist, kann nicht überraschen, dass die Geschichte weltweit Aufmerksamkeit erregt hat. Eine Stellungnahme zum Thema würde lediglich zu weiteren Spekulationen führen. Deshalb von uns dazu nur ein paar Überlegungen.

1. Weniger ist mehr

Intrigen, Spione, der Mossad – alles Zutaten zu einer James Bond-Burleske. Und um noch eins draufzusetzen ergreift man die Chance, zu allem, was Israels Verhalten betrifft, Verschwörungstheorien und Spekulationen anzustellen. In diesem Fall ist weniger jedoch mehr: Die Geschichte scheint gerade aufgrund mangelnder Informationen und des damit verbundenen Geheimnisses ins Kraut zu schießen.

Man berücksichtige überdies die Tatsache, dass der Hauptteil der Geschichte auf einem einzigen australischen Nachrichtenbeitrag basiert, der sich noch dazu auf unbenannte Quellen und die „Expertenanalyse“ eines ehemaligen australischen Geheimdienstmitarbeiters stützt, die selbst auf Spekulationen angewiesen ist.

2. Man kann es nicht verhindern

Eines jedoch ist glasklar: Der Versuch der israelischen Regierung, die Geschichte geheim zu halten, ist nach hinten losgegangen und hat stattdessen noch mehr Augenmerk auf sie selbst erzeugt. Die Nachrichtensperre, dazu gedacht, der israelischen Presse einen Maulkorb zu verpassen, hat sich als stumpfes und wirkungsloses Instrument erwiesen. Manche Leser der englischsprachigen Morgenausgabe von Haaretz erhielten gleichzeitig im Paket die Ausgabe der International Herald Tribune (kurz „IHT“, [bd]). Während Haaretz sich unter Veröffentlichungsvorbehalt sah, hatte die IHT kein Problem damit, die Geschichte von „Häftling X“ abzudrucken.

Im Zeitalter globaler Kommunikation es ist praktisch unmöglich, ein irgendwo entstandenes Informationsleck zu verhindern, und die israelischen Medien sind sehr erfahren in der Analyse bezüglich der Berichterstattung ausländischer Medien, die eine begrenzte [israelische] Zensur dann umgehen, wenn es um Fragen der nationalen Sicherheit Israels geht.

Möglicherweise – so scheint es – hat dieser Fall den Missmut einiger israelischer Politiker und der Presse auf sich gezogen, so ungewöhnlich und dankenswert eine solch’ einschneidende Nachrichtensperre in einem Land mit einer freien und lebendigen Presse auch sein mag. Wir mögen niemals den Hintergrund zu der ganzen Geschichte um die „Häftling X“-Affäre erfahren, aber man kann darauf wetten, dass die Medien, sowohl die israelische als auch die ausländische, nichts unversucht lassen, alles herauszufinden.


UPDATE, 18:15:

Mehr Aktuelles zur „Häftling-X-Affäre“ hier [In Englisch; bitte auf der Seite ein klein wenig bis zum Eintrag „Prisoner-X-Affair“ nach unten scrollen]

——
*Die deutsche Presse spekuliert auch schon heftig – besonders die links orientierte, was nicht allzu sehr überraschen dürfte. Bitte auf die Veröffentlichungsdaten achten! (bd)

Medien-Spickzettel für den 24.01.2012

24. Januar 2012

HonestReporting Media Backspin, 24. Januar 2012

Alles, was Sie über die Berichterstattung zu Israel und dem Nahen Osten wissen müssen.

Die Gastfreundschaft für flüchtige Hamasniks im östlichen Jerusalem; ein Redakteur entschuldigt sich tränenreich dafür, dass er vorschlug, der Mossad solle Präsident Obama töten; „Pinkwashing“ gewinnt die Aufmerksam der AP.

Israel und die Palästinenser

* Die New York Times beschreibt die Gastfreundschaft des Roten Kreuzes für Flüchtige der Hamas im östlichen Jerusalem:

Cecilia Goin, Sprecherin für das Internationale Komitee vom Roten Kreuz, sagte per Telefon, die Organisation habe die drei von Anbeginn an informiert, dass sie auf dem Gelände bleiben könnten, dass das Rote Kreuz aber keine diplomatische Immunität genießt und die israelischen Behörden nicht daran hindern könnte sie zu verhaften. Die Organisation habe auch die israelischen Behörden informiert, dass die drei sich auf dem Gelände befinden, sagte sie.

Die drei empfingen den größten Teil des Tages über Verwandte und andere Besucher in den Protestzelten und ihnen wurde die Nutzung eines Raums innerhalb des Rotkreuz-Gebäudes erlaubt, wo sie nachts schliefen.

* Minister Yuli Edelstein persönlich führte eine Busladung Journalisten auf einer Medientour in und um die Westbank-Gemeinde Itamar. The Media Line schloss sich an.

Es war für die von der Regierung gesponserte Fahrt wichtig, dass den Medien gezeigt wurde, dass Palästinenser und Juden koexistieren. Im Industriegebiet Barkan bei Ariel – der größten jüdischen Stadt in der nördlichen Westbank – sagen palästinensische Arbeiter in einer Kunststofffabrik, sie ziehen die Arbeit mit den Israelis vor, weil sie das Doppelte dessen bezahlt bekommen, was sie verdienten, wenn sie für einen palästinensischen Arbeitgeber arbeiteten.

Der Arabische Frühling Winter

Die großen Medien werfen einen Blick auf den Arabischen Frühling ein Jahr nach Beginn. Einige Perspektiven, die Sie verpasst haben könnten (alle Links in Englisch):

* Tage, nachdem die Arabische Liga das Mandat ihres Beobachtungsteams in Syrien um einen weiteren Monat verlängerte, steigen die Golfstaaten aus. Die BBC fasst das Problem zusammen:

Jon Leyne Cairo von der BBC sagt, die Ankündigung so einflussreicher Länder vom Dienstag sei ein weiterer großer Schlag für die Mission der Arabischen Liga.

Der Schritt des Gulf Cooperation Council (Golf-Kooperationsrat) ist eine Illustration, wie geteilt die Arabische Liga wegen der syrischen Krise ist, sagt unser Korrespondent.

Der Rest der Zusammenstellung

  • Ein Kommentar der Redaktion der Chicago Tribune gibt Europas zusätzlichen Sanktionen gegen das Öl des Iran seine Zustimmung

Bei harten Sanktionen ist finanzielles Chaos eines der Risiken. Das größere Risiko liegt aber darin, dem Iran zu gestatten, in den Atomclub zu spazieren und im Nahen Osten ein Wettrennen um Atomwaffen auszulösen.

  • Angst vor Anthrax hat das israelische Konsulat in Boston geleert; Ermittler sagen jetzt, das war blinder Alarm
  • YouTube berichtet, dass jede Sekunde eine Stunde Videomaterial hochgeladen wird und „jeden Tag eine Milliarde Mal ein Video angeklickt wird“. Wie zu erwarten knabbert YouTube geräuschvoll an den Zahlen in Form eines Videos.

Wenn Sie mehr sehen wollen, lesen Sie das Media Cheat Sheet von Montag.

Ein toter iranischer Wissenschaftler und Israels „No Comment“-Politik

16. Januar 2012

HonestReporting Media BackSpin, 16. Januar 2012

Letzte Woche wollte eine Leserin in Australien (nennen wir sie A.) mehr über Israel und Mostafa Rashan wissen – den Wissenschaftler, der das Urananreicherungsprogramm in Natanz geleitet hatte. Sie schreibt:

Gestern wurde berichtet, dass im Iran ein Wissenschaftler durch den Mossad getötet wurde….Israel hat die Fragen der Medien nicht beantwortet. Was sagt uns das?

Während die USA jegliche Beteiligung bestreitet, fährt Israel eine „No Comment“-Politik, was heißt, dass die Regierung eine Verbindung zu möglichen verdeckten Aktivitäten irgendwo in die Welt weder bestätigt noch dementiert.


Man kann davon ausgehen, dass dieses Informationsvakuum die Möglichkeit bietet, Israels Namen durch den Schmutz zu ziehen, oder man könnte argumentieren, dass die Gerüchteküche gut sei für den Ruf des Mossad, unabhängig davon, ob er seine Finger im Spiel gehabt haben könnte.

So oder so: die No-Comment-Politik ist das was sie ist.

Mangels Bestätigung oder Dementi aus Jerusalem bleiben wir auf Gerüchte, Spekulationen, Kommentare und anonyme Quellen angewiesen, die mit nicht verifizierbaren kryptischen Kommentaren wohl eher eigene Interessen verfolgen als eine Aufklärung der Öffentlichkeit. Von all dem gibt es eine Menge in den Zeitungen zu lesen, und nichts davon kann als Nachricht bezeichnet werden. Worte sind nur Schall und Rauch.

Natürlich ist nicht ausgeschlossen, dass Israel beim Anschlag eine Rolle gespielt hat, und eine Diskussion darüber ist legitim. Und neben Israel haben auch andere Länder ein Interesse daran, das iranische Atomprogramm zu aufzuhalten. Ich habe sogar davon gehört, dass der Iran seine eigenen Wissenschaftler umbringt, wenn sie in Ungnade gefallen sind.

Aber letztendlich wissen wir lediglich, dass ein Wissenschaftler bei einem Autobombenanschlag getötet wurde und das Regime erbost ist. Alles andere ist reine Spekulation.

Medien-Spickzettel, 14.11.11

14. November 2011

HonestReporting Media BackSpin, 14. November 2011

Alles, was Sie zur Berichterstattung über Israel und den Nahen Osten wissen sollten.

Warum erwägt Avigdor Lieberman rechtliche Schritte gegen AP? Steckte der Mossad wirklich hinter einer rätselhaften Explosion im Iran? Und würde Salam Fayyads möglicher Rücktritt tatsächlich etwas für die palästinensische Einheit bedeuten?


Zur Bedrohung durch das iranische Nuklearprogramm

• Iran bestätigt erstmals, vom Computervirus Duqu angegriffen worden zu sein. Dazu Haaretz:

„Komponenten von Duqu sind nahezu identisch mit Stuxnet, dienen aber einem komplett anderen Zweck“, sagte Symantec. „Duqu ist im Wesentlichen die Vorstufe zu zukünftigen Stuxnet-ähnlichen Attacken.“

CNN: Die Mullahs denken über eine Beendigung der Zusammenarbeit mit der IAEO nach.

• Karl Vick (Time) fragt sich, ob der Mossad hinter der Explosion auf einer iranischen Raketenbasis steckt. Unter den bei der Explosion Getöteten befand sich General Hasan Moghaddam. Doch NY Daily News denkt an die CIA. Von AP zitierte Iraner bezeichnen Moghaddam als den Vater der nationalen Raketenprogramms.

Qasemi sagte, dass Moghaddam war einer der wenigen Garde-Kommandanten gewesen sei, die die Gunst von Irans oberstem Führer Ayatollah Ali Khamenei genossen.

„Der erhabene Führer hatte ein besonderes Interesse an ihm,“ sagte er.

(Die Iran-Geschichte bekommt immer größere Dimensionen – Vick berichtet zurzeit für Time aus dem Iran)

Alle weiteren Beiträge hier [In Englisch]

Mossad in Ägypten: Die nackte Wahrheit

18. August 2011

HonestReporting Media BackSpin, 18. August 2011

Zuerst hatte er Haie im Sinai abgerichtet. Dann ließ er einen Spionage-Geier über Saudi-Arabien kreisen.

Mit welch‘ schändlichem Plan wartet der Mossad nun auf?

Ynet News berichtet über den neuesten Spionageskandal, der Ägypten erschüttert:

„Untersuchungen der Staatsanwaltschaft zufolge habe ’Mossad-Agent Ofir Harrari’ den Jordanier Ibrahim Abu-Zaid beauftragt, in Ägypten eine Firma zu gründen, die exklusiv ein israelische Haarpflegeprodukt für Männer und Frauen, das Unfruchtbarkeit verursacht, importieren sollte. Und dies zu dem Zweck, die ägyptischen Fortpflanzungsfähigkeiten zu zerstören“, behauptet Al-Ahram.

Angesichts der Vorliebe des Mossad für trainierte Tiere können wir nur hoffen, dass die oben genannten Haarpflegeprodukte nicht schon an kuscheligen Häschen getestet worden sind.

Mossad KiwiLeaks und Verschwörungstheorien

20. Juli 2011

HonestReporting Media BackSpin, 20. Juli 2011

Erstaunlich, wie ein dämliches Mediengerücht eine Flut von Anfragen und Dementis auslöst.


Typisches Beispiel: Neuseeland, wo angeblich Mossad-Gespenster das nationale Computernetz der Polizei hackten, damit es im Februar-Erdbeben von Christchurch zusammenbrechen sollte.

Amir Mizroch widerlegt die Anschuldigungen der Southland Times.

Premierminister John Key verneint das Vorhandensein von Spionen, was natürlich weitere verrückte Verschwörungstheorien in Kiwi-Land anheizt. Logisch.

UPDATE 12:21 h: Warum bin ich nicht überrascht, wenn sich der Guardian  selbst nicht erklären kann, wie es zu dieser Geschichte kam?

Ein ausführlicher Beitrag [In Englisch] von Simon Plosker hier.

Leseempfehlungen, 1. Februar 2011

1. Februar 2011

HonestReporting Media BackSpin, 1. Februar 2011

• Von allen Artikeln über israelische Sichtweisen, was Ägypten betrifft, hinterlässt Benjamin Kersteins Stück den nachhaltigsten Eindruck. Ansonsten beschreibt Reuters, was gerade aufgrund der Fakten auf dem Spiel steht.

• Zeigt Roger Cohen seinen verborgenen Sharansky?

• Ein Leser aus Seattle wünscht, dass Pesach Benson (HonestReporting Jerusalem) sich des gestrigen Beitrags im Wall Street Journal (Interview mit Bashar Assad) annimmt.

Da man schon darum bat: Assad beherrscht offenbar die Kunst nichtssagender Worte. Aber man kann sagen, dass sein Durchgreifen im Internet ernst gemeint ist: Madame Assads Facebook-Auftritt ist seit einigen Tagen nicht mehr aktualisiert worden.

• Empörung kommt nur auf, wenn Israel beteiligt ist:

Hamas riegelt Gazas Südgrenze ab

• Da nun die Hai-Attacken des Mossad Ägypten erfolgreich demoralisierten, sollte man bei neuen Heimsuchungen dieser Art auf den Bahamas und Cancun misstrauisch sein….

Leseempfehlungen 4. Januar 2011

4. Januar 2011

HonestReporting Media BackSpin, 4. Januar 2011


Women Fighters Willing to Die For Gaza

Visiting Dubai Journalist: PA Is Like Europe

2 At J’lem British Consulate Charged with Aiding Hamas

Stanley Fischer on Israel’s Brain Drain

„How Can You Defend Israel?“ Part II

Israel Focuses Its Energy On Clean Technologies

Palestinian Refugee Camp in Lebanon Less a Hotbed of Militancy

Saudis Nab Israeli-Tagged Vulture for Being Mossad Spy

Disney Park Planned for Haifa

Leseempfehlungen 23. Dezember 2010

23. Dezember 2010

HonestReporting Media BackSpin, 23. Dezember 2010

Die uncharmante PR-Offensive der Hamas
Die Boston Globe durchschaut eine PR-Kampagne der Hamas – vorher aufgegriffen von AP.

Der Iran rekrutiert Nuklearwissenschaftler für sein Waffenprogramm
Ein ehemaliger Diplomat packt aus, dass er ausländische Wissenschaftler angeheuert hatte, um für den Iran Nuklearwaffenfähigkeit zu erlangen und die Reichweite ballistischer Raketen zu verbessern.

Assange kündigt  Infos zu Mabhouh* und dem Libanonkrieg an.
Er bestreitet zudem Gerüchte über Wikileaks-Deals mit dem Mossad.

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*Als hilfreiche Hintergrundinformation hier ein paar Beiträge, die wir (HonestReporting) zum Thema Mabhouh (Dubai) gepostet hatten [bd].

Stephen Colbert und die Hai-Verschwörung des Mossad

13. Dezember 2010

HonestReporting Media BackSpin, 13. Dezember 2010

Stephen Colbert ist zu smart für den Mossad.

Bitte hier oder auf die Abbildung klicken.

Gerade wenn du dachtest, es wäre sicher, ein Bad im Meer zu nehmen

7. Dezember 2010

HonestReporting Media BackSpin, 7. Dezember 2010

Ich dachte, dass die israelische Politik eine angeblich durch den Mossad inszenierte Haifischattacke weder bestätigt noch bestritten hätte. Hier möchte ich eine Ausnahme machen:

Shark attacks not linked to Mossad says Israel

Bildquelle: picture-alliance / © Oceans Imag (via bz-berlin.de)

Währenddessen hebt Dominic Waghorn von Sky News hervor:

Absurde Theorien zu erbrechen sind nicht das alleinige Anzeichen dafür, dass Ägypten wegen der Haifischangriffe hysterisch reagiert.

[Die] Behörden scheinen sich auch auf altmodische Presse-Obstruktionen zu verlassen.

Kairoer Kollegen teilten mir mit, dass ihnen seitens der Regierung untersagt worden war, nach Sharm zu reisen, um über den Hai zu berichten.

“Schnippischer“ Top Cop aus Dubai nicht mehr interessant für die Medien

10. März 2010

HonestReporting Media BackSpin, 10. März 2010

Paula Hancocks (CNN) sagt, dass Dubai absichtlich auf „künstliche Ernährung“ bei Informationen zum Mordanschlag setzt, um die Aufmerksamkeit weiterhin auf Israel zu richten:

Die von Dubais Polizeichef häppchenweise verabreichten Informationen haben die Ermordung des Hamas-Führers in einem Dubaier Hotelzimmer etwa eineinhalb Monate auf den Titelseiten der Zeitungen gehalten.

Täglich und treffsicher vorhersehbar reservieren die Zeitungen der Vereinigten Arabischen Emirate freien Platz auf ihren Titelseiten für Updates und Kommentare – selbst für die winzigsten Hinweise auf neue Informationen.

Dies ist wohl von Generalleutnant Dahi Khalfan Tamim beabsichtigt. Indem er hier und da ein Häppchen rausrückt, hält er die Story am Dampfen und das Interesse weltweit richtet sich auf den israelischen Geheimdienst Mossad, von dem Khalfan behauptet, dass er zu 100 Prozent hinter dem Schlag stecke.

Langfristig, fügt CNN hinzu, fördert diese „künstliche Ernährung“ nur den geheimnisvollen Nimbus des Mossad.

Warum also geht Dubais Oberpolizist so vor? Vor ein paar Tagen sprach ich an, dass Dubais   politische Elite mehr daran interessiert ist, die Weltöffentlichkeit von ihrer Schuldenkrise abzulenken. Und Videos, die reale oder vermeintliche Anspielungen auf Mossad-Verschwörungen liefern, sind die Mutter aller Ablenkungsmanöver.

Dieser Beitrag auf dem LA Times Blog könnte ein weiteres Indiz dafür sein, dass die Presse Tamims überdrüssig ist. Ein Adjektiv wie „schnippisch“ liefert den Hinweis:

Beinahe zwei Monate sind vergangen, seit Hamas-Funktionär Mahmoud Mabhouh in seinem Hotelzimmer aufgefunden worden war, und Tamim hört nicht auf, die Geschichte in den Medien zu halten, indem er nach und nach neue Informationen, peinliche Details und selbst schnippische Bemerkungen über die Verkleidungen und körperliche Erscheinungen der vermuteten Auftragsmörder macht, die angeblich Mitglieder des israelischen Geheimdienstes Mossad sein sollen.

„Sie machten den Fehler, dass selbst die Verkleidung primitiv war, 1970er-Jahre-Dress….Wenn sie Nachhilfe brauchen, wie man sich richtig verkleidet, sind wir gerne behilflich“, sagte Tamim letztes Wochenende über die 26 Verdächtigten, die von der Überwachungskamera gefilmt worden waren – sportiv verkleidet mit Bärten und Perücken.

Ich denke, „schnippisch“ zeigt, dass der Reporter zu höflich ist, die naheliegende Frage zu stellen: Wäre die Aufschneiderei des Polizeichefs glaubwürdiger gewesen, wenn 26 27 stümperhaft verkleidete Meuchelmörder geschnappt worden wären, bevor sie Mahmoud Mabhouh töteten?

Der andere Dubai-Mord

4. März 2010

HonestReporting Media BackSpin, 4. März 2010

Jackson Diehl wundert sich über den ausbleibenden Lärm, als letztmals eine nicht ganz unbekannte Person durch ausländische Auftragskiller in Dubai ermordet worden war.

Dieser „Jemand“ war Sulim Yamadayev, ein tschetschenischer Rebellenkommandant. Diehl schreibt:

Polizeichef Tamim kann man diesmal zugute halten, dass er Russland die gleiche Aufmerksamkeit widmete wie jetzt Israel. Auf einer Pressekonferenz im April 2009 bezeichnete er Adam Delimkhanov, Mitarbeiter des tschetschenischen Präsidenten Ramzan Kadyrov und Mitglied des russischen Parlaments, als Drahtzieher des Verbrechens, und er sagte damals, dass er Interpol wegen eines Haftbefehls kontaktieren wolle. Es sei, so sagte er, „Russlands Verantwortung [vor der Welt], diese Mörder aus Tschetschenien in Schach zu halten.“

Der Unterschied besteht logischerweise darin, dass das Interesse an einer Geschichte über einen von Russland gesponserten Auftragsmord in Dubai nicht mit dem einer Story über israelische Beteiligung vergleichbar ist. Zum Fall Yamadayev wurden verhältnismäßig wenig Artikel geschrieben; es gab keine ärgerlichen Leitartikel in der Financial Times (Kostenlose Registrierung erforderlich [bd]). Wohl überflüssig zu erwähnen, dass Delimkhanov und die anderen in Dubai identifizierten Verdächtigen nicht inhaftiert oder ausgeliefert worden sind, oder wie Shmuel Rosner in einem Beitrag für Slate resümierte: „Die Konsequenzen für die Meuchelmörder? Überhaupt keine. Für die tschetschenische Regierung? Nichts. Für den stellvertretenden Premierminister? Nichts. Für die Beziehungen zwischen Dubai und Russland? Fehlanzeige.“

Letztendlich könnte sich herausstellen, dass auch Israel wegen Tamims Angriff kaum Schaden davontragen wird. Es wird zweifellos interessant sein zu beobachten, ob Dubai, ein Möchtegern-Wirtschaftsstandort, der in seinem Schuldensumpf versinkt, damit beginnt, Reisende an seinem Airport herauszufischen, die er für Israelis hält. Fürs Erste scheint in der Tat klar zu sein, dass – aus welchem Grund auch immer – Geschichten über die Hinterhältigkeit des Mossad den Rest der Welt mehr interessieren werden als Stories über den russischen Geheimdienst FSB oder den Libyens.

Als Yamadayev im März 2009 niedergeschossen wurde schwamm der Golfstaat im Geld. Furore machende Pressekonferenzen, die die Aufmerksamkeit auf den Mord lenkten, waren nicht im Interesse Dubais.

Nun aber haben Polizeichef Dahi Khalfan Al-Tamim und die Kräfte hinter ihm ein Interesse daran, dass sich die Medien weiterhin auf den Mossad und eine ständig wachsende Liste Verdächtiger fixieren. Ein groß angelegtes Manöver, das von der Schuldenkrise in Dubai ablenken soll.

Renommierter Journalist: Ich spionierte für den Mossad und den dänischen Militärgeheimdienst

4. März 2010

HonestReporting Media BackSpin, 4. März 2010

Herbert (Nahum) Pundik, angesehener dänischer Journalist und ehemaliger Chefredakteur von Politiken, räumte ein, sowohl den Mossad als auch den dänischen Militärgeheimdienst mit Informationen versorgt zu haben. Dazu Haaretz:

„Ich bereiste unter dem Deckmantel meiner journalistischen Tätigkeit ganz Afrika“, sagte Pundik. „Und überhaupt: wo zieht man die Grenze zwischen Spionage und Journalismus? So schrieb ich beispielsweise eine ausführliche Analyse über die Stämme in Somalia und ihre Haltung gegenüber politischen Parteien, forschte zur politischen Situation in Nordnigeria. An diesen Themen waren auch die Zeitungen interessiert.“

„Ist das Spionage?“, hakte der Interviewer nach. „Ja, größtenteils war es Spionagetätigkeit, und ich übte sie unter der erfreulichen und erfüllten Bedingung aus, dass meine Berichte auch nach Dänemark übermittelt wurden. Der verstorbene Peter Isloe, Nr. 2 im Militärgeheimdienst Dänemarks, erhielt Kopien meiner Berichte von den Israelis.“

Pundik übersiedelte 1948 nach Israel und diente in der israelischen Armee. Er sagt, dass seine Verbindung zum Mossad seine Unparteilichkeit nicht beeinträchtigt hat, aber die Enthüllung löste sowohl in Dänemark als auch in Israel Debatten über journalistische Ethik aus.

Das lässt das kürzlich veranstaltete Gedöns um NY Times-Büroleiter Ethan Bronner ziemlich albern erscheinen.

Mossad-Videos aus Dubai: Mutter aller Ablenkungsmanöver

3. März 2010

HonestReporting Media BackSpin, 3. März 2010

Führt Dubais Polizeichef die Medien an der Nase herum? Nach Lektüre der NY Times schließe ich das nicht mehr aus:

Zunächst hat Dubais offensive Reaktion den stetigen Strom negativer Berichterstattung über die anhaltenden Schuldenprobleme der Stadt unterbrochen und – wahrscheinlich nicht zufälligerweise – die Aufmerksamkeit auf ihre Fähigkeit zur Verbrechensbekämpfung gelenkt. Das dürfte die Prioritäten Herrn Tamims teilweise widerspiegeln, der enge Beziehungen zu den Oberhäuptern der Stadt pflegt und mehr Handlungsspielraum besitzt als fast jeder andere Beamte hier.

Tamim hat sich in der Vergangenheit über die ausländischen Nachrichtenmedien beschwert. Er ist als arabischer Nationalist bekannt und aggressiver gegen Israel eingestellt als viele andere in dieser verhältnismäßig unpolitischen, geschäftsmäßigen Stadt. (Herr Tamim lehnte es ab, für diesen Artikel interviewt zu werden)

Freigegebene Videos auf YouTube, die eine Spur zum Mossad legen sollen, sind die Mutter aller Ablenkungsmanöver. Sie überschatten auf „nette“ Weise Schlagzeilen wie diese:

Dubais Schuldenkrise verhagelt Bankenprofite [in Englisch]

Update, 18.05 h:

Unterdessen gab der Polizeikommandeur von Dubai, Dahi Chalfan Tamim, bekannt, dass er offiziell bei den Vereinigten Arabischen Emiraten Haftbefehl gegen Israels Premier Benjamin Netanjahu und Mossad-Chef Meir Dagan eingereicht habe. Er halte nicht nur den Vorsitzenden des israelischen Geheimdienstes, sondern auch den Regierungschef für schuldig: „Wer den Befehl zur Ausführung des Verbrechens erteilt hat, ist ein Mörder.“ Allerdings rechne er nicht damit, dass Netanjahu verhaftet werde.

Quelle: Israelnetz

Was übrigens Mabhouhs Pass betrifft….

24. Februar 2010

HonestReporting Media BackSpin, 24. Februar 2010

Während die Welt wegen des Missbrauchs europäischer Pässe ihre Verachtung auf den israelischen Mossad lenkte, versetzte mich der Pass, den Mahmoud Mabhouh bei der Einreise nach Dubai verwendet hatte, in Erstaunen.

Korrespondent Sam Segev von der Winnipeg Free Press bringt etwas Licht in die Angelegenheit:

Diesmal kam Mabhouh nach Dubai, um eine weitere Waffenlieferung aus dem Iran via Sudan nach Gaza zu organisieren. Mabhouh reiste aus Damaskus mit einem irakischen Pass und falschem Namen in Dubai ein. Der Pass war von den iranischen Revolutionsgarden ausgestellt worden.

Mossad-Passport-Affäre: Eindreschen auf Israel?

22. Februar 2010

HonestReporting Media BackSpin, 22. Februar 2010

Obwohl Beweise fehlen wird die Geschichte weiterhin reißerisch angeheizt.

Lesen Sie dazu das neue Kommuniqué von HonestReporting [In Englisch]: Mossad Passport Affair: A Stick to Beat Israel?

Leseempfehlungen 21.02.2010

21. Februar 2010

HonestReporting Media BackSpin, 21. Februar 2010

Israeli Embassy Tweets About „Hit On #Dubai Target“
Dubai Does PR Right
If Israel killed Mahmoud al-Mabhouh, Did It Have the Right To?
Targeted For Death: Weighing In On the Legality
Matt’s Take on Dubai
Reporters’ Allegiances
I Cost More, but I’m a Specialist

Wer wars á la MSM: Mossad ohne Beweis für schuldig halten

17. Februar 2010

HonestReporting Media BackSpin, 17. Februar 2010

Obwohl es keinerlei Beweis gibt, wird in zwei Daily Mail-Artikeln die Behauptung aufgestellt, Israels Geheimdienst Mossad sei für tödlichen Anschlag auf Mahmoud Al-Mabhouh in Dubai verantwortlich gewesen:

Heidenangst der zu Unrecht als Attentäter bebannten Briten: Warum haben sie unsere genommen, fragen sie Briten, deren Identität entwendet.

Anatomie eines Mordanschlags: Wie der Mossad-Anschlag geradewegs aus den Seiten eines Kriminalromans stammen könnte.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Mossad israelische Identitäten stehlen würde, um Mabhouh in Dubai zu töten; erst recht nicht, wenn eine israelische Delegation zu einem historischen Besuch, der große Beachtung findet, anwesend ist. Obwohl die Daily Mail-Schlagzeilen Sicherheit vermitteln [wollen], muss man schon bis zum Ende der Artikel weiterlesen, um das eminent wichtige Kleingedruckte zu finden:

Während die Hamas wiederholt den Mossad der Drahtzieherschaft am Mord bezichtigt hatte, verbreiteten sich Gerüchte im Nahen Osten, dass die Operation von einer rivalisierenden Palästinensergruppe ausgeführt worden sei.

Eine andere Theorie gestern war, dass der Anschlag von al-Mabhouhs Feinden innerhalb der palästinensischen Bewegung durchgeführt wurde. Die Polizei in Dubai hat zwei Palästinenser festgenommen, die verdächtigt werden, in den Fall verwickelt zu sein.

Ohne Mabhouh lebt es sich besser. Gleich, ob dies nun auf den Mossad, palästinensische Rivalen oder sonstwen zurückzuführen ist, mein Mitgefühl gilt den Opfern dieses Identitätsdiebstahles.