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EU-Sanktionen lassen Irans Press TV vom Äther verschwinden

16. Oktober 2012

HonestReporting Media BackSpin, 16. Oktober 2012

Dank der neuesten EU-Sanktionen gegen den Iran wurde gestern Press TV von den europäischen Satellitenprogrammen abgetrennt.

Eutelsat reagierte zuerst. Danach wurden 18 weitere iranische Staats-TV- und Radiosender wie Irib abgeschaltet.

Die Wut von Press TV war logisch und vorhersehbar:

Dies zeigt auch, dass die Europäische Union die Meinungsfreiheit nicht respektiert und keine Mühe scheut, um andere Medien zum Schweigen zu bringen.

Wie jedoch Houriya Ahmed letztes Jahr treffend anführte, ist das Prinzip der Meinungsfreiheit auf Press TV nicht anwendbar, weil „er [der Sender (bd)] vom iranischen Regime finanziert und als dessen Sprachrohr benutzt wird.“ Und weil „die Wahrheit verzerrt und seine Berichte im Sinne der Teheraner Agenda manipuliert werden.“

Tatsächlich aber übertreffen die Sünden von Press TV weit die anderer Sender:

1. Die britische Medienaufsichtsbehörde OFCOM zensierte unlängst Press TV wegen der Ausstrahlung eines erzwungenen Geständnisses von Maziar Bahari. (Der Sender hat vergeblich eine Klage gegen Bahari eingereicht. Heute wurde in Teheran weiterverhandelt.)

2. OFCOM stellte außerdem in seiner Entscheidung fest, dass George Galloways Talkshow lediglich als Vehikel zur Verunglimpfung Israels diente.

3. Press TV wurde dabei ertappt, dass es ein Märchen über 1.370 Todesfälle durch US-Drohnen in Somalia erfunden hatte.

4. Reporter Jody Sabral quittierte seinen Job und beschuldigte Press TV, absichtlich Nachrichten über den syrischen Aufstand unterbunden zu haben.

5. OFCOM zensierte außerdem Lauren Booth’s Berichterstattung zur Mavi-Marmara-Flotilla –; das passt, weil sie als Speerspitze der Gaza-Flotilla-Bewegung fungiert (Bitte runterscrollen bis Dishonest Reporter of 2008: Lauren Booth.

Also nur Propaganda und nichts Neues.

Und tschüss.

Press TV: Iranischer Propagandasender Off the Air – wo er hingehört

23. Januar 2012

HonestReporting Media BackSpin, 23. Januar 2012

Das staatlich gelenkte iranische Propagandaorgan Press TV hatte Ende des Jahres 2008 eine Lizenz erworben, um via Satellit aus seinen Londoner Studios seine ganz speziellen „News“ in die Wohnzimmer von Millionen Briten auszustrahlen.

Wie ein Fernsehsender, der die Holocaustleugnung gefördert hatte und via seine iranischen Hintermänner eine bösartige Agenda gegen Israel betrieben hatte, eine britische Lizenz für Berichterstattung in der ersten Reihe bekommen konnte, ist ein Rätsel.

Aber seitdem sah sich Press TV mehrmals Ermittlungen von Ofcom, der britischen Regulierungsbehörde für Medien, ausgesetzt. Darunter fielen auch Berichterstattung und Kommentierung zu Israel durch die Star-Moderatoren Lauren Booth und George Galloway.

Darüber hinaus zog Press TV die Aufmerksamkeit von Ofcom auf sich wegen einer Beschwerde, dass er bei seiner Berichterstattung über die Versuche des iranischen Regimes im Anschluss an die Wahlen von 2009, die Dissidenten niederzuknüppeln, seine Verpflichtung zur Unparteilichkeit und sorgfältigen Berichterstattung verletzt hatte; und in jüngster Vergangenheit wurde der Sender wegen der Ausstrahlung dieses Interviews mit Newsweek-Journalist Maziar Bahari bestraft, weil es durch Folter zustande gekommen war. Bahari war wegen seiner Berichterstattung über die Demonstrationen nach den iranischen Präsidentschaftswahlen im Jahr 2009 inhaftiert worden. Der Sender zeigte auch einen Hang für Fortsetzungsgeschichten, die keine seriösen Medien bringen würden.

All dies gipfelte im Entzug der Sendelizenz für Press TV in Großbritannien durch Ofcom; augenscheinlich wegen Verletzung der britischen Rundfunkvorschriften bei der Berichterstattung aus Teheran. Der Guardian berichtet:

„Ofcom hat beschlossen, Press TV Limited mit sofortiger Wirkung die Lizenz zu entziehen“, so der Regulierungsbeauftragte in einer Erklärung. 

Ofcom schrieb Press TV in November einen Brief, in dem das Problem angesprochen und die Wahl aus zwei Rechtsmitteln angeboten wurde. 

Zum einen sollte die redaktionelle Aufsicht für das Programm von Press TV auf Großbritannien übertragen werden, oder aber an den Iran. 

„Die Rundfunkvorschriften setzen voraus, dass die Lizenz von der Person gehalten wird, die in der Regel die Kontrolle über die TV-Ausstrahlung besitzt, das heißt, die Person, die für die Programmauswahl des Senders zuständig ist und den Programmablauf organisiert“, so Ofcom. 

„Ofcom räumte Press TV die Möglichkeit ein, einen korrekt lizenzierten Antrag auf Ausübung seiner Tätigkeit in Teheran zu stellen und dabei behilflich zu sein“, sagte der Regulierungsbeauftragte. 

Ofcom sagte, dass Press TV auf keine der beiden Optionen reagierte bzw. keine davon implementierte. 

„Press TV hatte die Möglichkeit, seine Sicht der Dinge zu Ofcoms ’beabsichtigtem Lizenzentzug’ darzustellen“, so der Offizielle.

„Press TV versäumte, den notwendigen Antrag zu stellen, und Ofcom entzog deshalb Press TV die Lizenz für Ausstrahlungen in Großbritannien.“

Auch wenn Press TV online  immer noch abrufbar ist, bedeutet dies zweifellos einen schweren Schlag für den Sender. Statt gemeinsam eine Rundfunkplattform mit Sky News, CNN und BBC zu teilen, ist Press TV nun wieder an den Rand gedrängt worden – wo er hingehört.

Irans Press TV dicht machen

2. Dezember 2011

HonestReporting Media BackSpin, 2. Dezember 2011

Redefreiheit hat selbstverständlich eine elementare Qualität, aber nicht, wenn sie von einem Medienunternehmen missbraucht wird, um staatlich geförderte Propaganda zu betreiben. Und wenn das Unternehmen in London ansässig ist, gibt es keinen Anlass seitens der britischen Regierung, dem iranischen Propagandawerkzeug Press TV weiterhin Gastfreundschaft zu gewähren.

Nach der Erstürmung der britischen Botschaft in Teheran fordert Houriya Ahmed in der Times of London  dazu auf, Press TV abzuschalten (Registrierung erforderlich [bd]).

Hier ist – wenn auch inoffiziell – ein Arm der Islamischen Republik am Werk, dessen Bestrafung die britische Ablehnung dokumentieren könnte: Der Betrieb von Press TV in London sollte eingestellt werden.

Im Jahr 2007 als „Alternative“ zu westlichen Medien gestartet, ist Press TV ein englischsprachiger Satelliten-TV-Kanal mit Sendelizenz in Lizenz in London. Er wird vom iranischen Regime finanziert und fungiert als dessen Sprachrohr. Muslimische und nichtmuslimische Moderatorinnen sind angehalten, vor der Kamera bei Übertragungen aus London das islamische Kopftuch zu tragen.

Die Realität wird verzerrt wiedergegeben und Berichte zugunsten der Agenda des iranischen Regimes manipuliert. Die Korrespondentin Jody Sabral quittierte kürzlich aus Protest über die Art und Weise, wie Press TV über die Aufstände in der arabischen Welt berichtete, ihren Dienst. Sie geißelte den Kanal wegen dessen größtenteils ignoranter Berichterstattung zum Protest in Syrien, einem Verbündeten des Iran, während gleichzeitig eine „vordringliche“ Berichterstattung über schiitische Proteste in Bahrain erfolgte – wohl kaum ein Zufall, zumal der Iran ein Interesse daran hat, die Unruhen dort zu schüren, um [dort] seine Machtbasis zu verbreitern.

Die Grüne Revolution und die Ermordung Neda Agha Soltans durch regimetreue Schlägertrupps sind von Press TV als westliche Verschwörungstheorien inszeniert worden. Der Kanal strahlte sogar ein erzwungenes Geständnis des Newsweek-Journalisten Maziar Bahari aus, der wegen Spionage-Beschuldigungen inhaftiert worden war.

Ofcom erwägt die Entziehung der Lizenz für Press TV, nachdem sie in ihrer Untersuchung festgestellt hat, dass der Kanal die Ausstrahlung des Interviews hätte ablehnen müssen, weil sich deutlich herausgestellt hatte, dass es unter Zwang erfolgt war. In Reaktion auf die Ofcom-Ergebnisse hat Press TV behauptet, es sei ein Opfer der „Zensur“ durch „gewisse Mitglieder der königlichen Familie und der Regierung“.

Es handelt sich hier um dasselbe Press TV, dass Nicholas Kollerstroms widerliches Machwerk The Walls of Auschwitz: A Review of the Chemical Studies veröffentlicht hatte und häufig Lady Michelle Renouf zitiert, eine Neonazin und Unterstützerin des Holocaust-Leugners David Irving.

Es wird also höchste Zeit, dass Press TV aus dem Verkehr gezogen wird.

UPDATE

Statt den Lizenzentzug für Ausstrahlungen von Press TV voranzutreiben, hat Ofcom leider nur eine Geldstrafe in Höhe von 100.000 £ wegen mehrerer Verstöße gegen seine Richtlinien in Bezug auf den Fall Maziar Bahari verhängt. Dazu die Jewish Chronicle:

In seiner Entscheidung erklärte Ofcom die saftige Geldstrafe wegen „der Schwere der Übertretungen“.

„Der Ausschuss vertrat die Ansicht, dass in diesem Fall schwere und vorsätzliche Verstöße gegen den Kodex vorlagen – wegen der gefährlichen Begleitumstände für den Kläger Bahari, das Fehlen von Maßnahmen zu [s]einer Einverständniserklärung und des Einflusses, den der Sender auf ihn ausübte“, so in der Begründung.

Das Ofcom-Urteil beinhaltete auch, dass die Strafe Press TV dazu animieren solle, „das vorgefundene Material bei zukünftigen Anlässen nicht wieder missbräuchlich neu einzubringen.“

Ofcom gab auch bekannt, dass Press TV zu den Untersuchungen von Ofcom eine Stellungnahme auf seinem Kanal bringen müsse.

Ofcom: Keine echte Konversation in Galloways Fernsehsendung

22. November 2010

HonestReporting Media BackSpin, 22. November 2010

George Galloway und Press TV wurden von Ofcom, der britischen Medienaufsichtsbehörde, bei der Verletzung des Broadcasting Codes* erwischt. Fazit: Galloways Sendung mit dem Titel Comment dient dem ehemaligen Parlamentsabgeordneten lediglich als Vehikel für seine heftigen Angriffe auf Israel.

Die Anordnung war Resultat der Beschwerde eines Zusehers gegen eine auf dem Sender geführte Diskussion über den getöteten Hamas-Führer Mahmoud Mabhouh in Dubai.

Der Broadcast Code garantiert Moderatoren wie Galloway Redefreiheit, vorausgesetzt, dass Unparteilichkeit gewährt bleibt, wie in dieser Ofcom-Richtlinie ausgeführt:

Richtlinie 5.5: ’Seitens jeden Programmanbieters muss Objektivität bei politischen oder wirtschaftlichen Kontroversen sowie bei Angelegenheiten von aktuellem öffentlichem Interesse gewährt bleiben.‘

Ofcom fand ein kritikwürdiges Muster, das sich durch mehrere Ausstrahlungen durchzog und einfach nicht übersehen werden konnte. Hier fehlt der Raum, alle von mir aufgeführten Beispiele anzuführen; es genüg aber festzustellen, dass Ofcom vermerkte, es gäbe keine echte „Debatte“, die Galloway gestattet hätte, sich selbst als „unparteiisch“ darzustellen. Die Conclusio des Watchdogs sagt eigentlich alles:

Zudem unterließ es der Sender, sich mit irgendeinem von Galloway vorgebrachten Standpunkt kritisch auseinanderzusetzen bzw. konträre Meinungen zu debattieren. Um genau zu sein ist Ofcom der Ansicht, dass insbesondere George Galloway alternative Meinungen der Zuschauer (die seinen widersprachen) dazu verwendete, sie lediglich als Vehikel zur Unterbrechung einzusetzen, was als Mittel fortgesetzter politischer Polemik klassifiziert werden kann, demonstriert vom Moderator selbst vor der Kamera, und das unwidersprochen.

Press TV ist ein regierungsamtlicher iranischer Fernsehsender, was bedeutet, dass Galloway auf der Gehaltsliste der Mullahs steht. Das erklärt auch, warum er am 10 Juni diesen Kommentar abgab:

Wenn ich im Iran regierte, würde ich die Bombe bauen, weil Israel mit hunderten Nuklearwaffen auf mich zielt.

(Hattip: The Wire)

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*Im Broadcasting Code werden die Regeln medialen Arbeitens für alle Fernseh- und Radiosender Großbritanniens festgeschrieben.

Ofcom rügt Lauren Booth von Press TV wegen Flottillen-Bericht

3. August 2010

HonestReporting Media BackSpin, 3. August 2010

Die britische Medienaufsichtsbehörde Ofcom rügte Press TV und Lauren Booths Berichterstattung zur Mavi Marmara.

In der Sondersendung „Remember Palestine“ vom 5. Juni ist Press TV nicht unparteiisch vorgegangen, befand nun Ofcom. Die Ergebnisse (pdf-Datei, ab Seite 25) betrafen auch folgende Punkte:

• Der Beitrag begann mit einem pro-palästinensischen Lied, das sich anti-israelischer bzw. pro-palästinensischer Metaphorik bedient.

• Der Beitrag enthielt eine Reihe von Erklärungen, darunter folgende, die entweder vom Berichterstatter oder den interviewten Menschen stammen und als überaus kritisch gegen die Entscheidungen der israelischen Regierung und seiner Militärs in diesem fall aufgefasst werden.

• Lauren Booth: „Israelische Kommandoeinheiten….richteten unter unschuldigen Zivilisten, die mit Hilfsschiffen zum Gazastreifen unterwegs waren, ein Blutbad an.“

• Yousef Al-Helou (Press TV-Reporter: „Israels Piraterie im Mittelmeer endete mit einem Massaker“.

• Lauren Booth: „Dies war offensichtlich ein barbarischer Angriff auf Zivilisten.“

Die Ofcom-Untersuchung zeigt Berichte zweier Press TV-Reporter in Gaza, Interviews mit Repräsentanten von Viva Palestine und der Palestinian Independent Commission for Human Rights, International Solidarity Movement (ISM), Hamas, IHH und dem Verwandten eines Flottilla-Teilnehmers. Ofcom unterstrich, dass alle Äußerungen pro-palästinensisch waren.

Booth gewann 2008 unsere Auszeichnung für die unehrlichste Reporterin des Jahres wegen ihres Segeltörns nach Gaza – nicht, weil sie eine Story  bringen wollte, sondern um selbst die Story zu sein. Besagter Press TV-Bericht ist auf YouTube zu finden.

Ofcom untersucht Komplizenschaft von Press TV bei der Inhaftierung eines Journalisten

10. Juni 2010

HonestReporting Media BackSpin, 10. Juni 2010

Maziar Bahari, der während der Proteste nach den letzten Wahlen im Iran (Juni 2009) inhaftiert worden war, beschuldigt Press TV (iranischer regimetreuer Sender [bd]) der Komplizenschaft bei seiner Festnahme. Und Ofcom, der britische Watchdog für Beschwerden in Medienangelegenheiten, beginnt mit Nachforschungen. Roy Greenslade berichtet:

Die Behörde hat zu den Vorwürfen Baharis formelle Ermittlungstätigkeiten aufgenommen. Der Newsweek-Journalist Maziar Bahari saß 118 Tage in einem Teheraner Gefängnis, nachdem er über die angefochtenen Präsidentschaftswahlen im Juni letztes Jahr berichtet hatte.

Ich kann nachvollziehen, dass Ofcom nun von Press TV Antworten auf einen Reihe von Fragen erwartet, so zum Beispiel darauf, warum der Sender Auszüge eines Interviews mit Bahari brachte, das ausgerechnet dann stattfand, als er schon inhaftiert war.

The Independent zitiert aus einem Interview mit Bahari (wird heute Abend auf Channel 4 (BBC) ausgestrahlt), das sich damit beschäftigt, wie Press TV versucht hatte, ein „Geständnis“ zu fabrizieren.“

‚Ich war doch überrascht, weil ich dachte, dass Press TV zumindest irgendeine Form von Glaubwürdigkeit vortäuschen würde, und nicht  in ein Gefängnis zu einem Inhaftierten gehen – in einen Verhörraum, als ich mich unter Zwang  befand.‘

Herr Bahari sagt, dass er gefoltert und danach unter Androhung seiner Hinrichtung gezwungen wurde, ein Geständnis via Fernsehen abzuliefern. Er beschreibt, wie er innerhalb eines Raumes im Gefängnis saß, vor ihm drei Kameras aufgebaut, und wie er auf die Fragen eines staatlichen Verhörbeamten antwortete, der sich hinter einem roten Vorhang verbarg. Er sagt, dass er seine Augenbinde auf den Knien hielt – also voll sichtbar, was also deutlich machen musste, dass er unter Zwang handelte.

Press TV strahlte das Geständnis dann aus, als wäre es ein normales Interview und Bahari ein kooperativer Gast; der Moderator suggerierte sogar, Bahari habe bei den Protesten aktiv teilgenommen.

Letztes Jahr bestätigte Press TV die Inhaftierung des Newsweek-Reporters.

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Crossposting mit Free Iran Now!

Parlamentsmitglied reicht Beschwerde ein

26. Dezember 2009

HonestReporting Media BackSpin, 24. Dezember 2009

Der Konservative Daniel Kawczynski reichte bei Ofcom eine formelle Beschwerde gegen Channel 4 wegen dessen Fernsehmagazins Dispatches und dem Beitrag Inside Britain’s Israel Lobby ein. Kurzer Auszug aus der Jewish Chronicle:

Herr Kawczynski bezeichnete die Sendung als „Hexenjagd“. Er sagte, dass sie jegliche Fakten vermissen ließe und stattdessen auf Verzerrungen, Annahmen und Vorurteilen“ baue.

Er fügte hinzu, dass die „Kernargumente auf antisemitischen „Die Juden regieren die Welt“-Mythen basieren und mit „Orwell’scher Doppeldeutigkeit arbeiten, um ihre Ansichten in einer eher subversiv ‚akzeptablen“ Weise zu verbreiten“.

Verzerrter Blick auf Großbritanniens “Israel Lobby“

16. November 2009

HonestReporting Media BackSpin, 16. November 2009

Heute (Montagabend) werden Großbritanniens Fernsehzuschauer darauf eingestimmt, was Dispatches von Channel 4 als Inside Britain’s Israel Lobby anpreist.

Hier drei Gründe dafür, warum HonestReporting das Schlimmste befürchtet.

1. Auch HonestReporting befand sich im Fadenkreuz von Channel 4 (C4).

C4 schrieb HonestReporting-Chefredakteur Simon Plosker wegen eines Interviewwunsches an.

Noch bevor Plosker auf die Mail reagierte, kreuzten Reporter Peter Oborne und ein Filmteam in den Büroräumen von MediaCentral mit laufenden Kameras auf und suchten nach Plosker für ein Exposé.

(MediaCentral ist eine in Jerusalem ansässige Initiative von HonestReporting, die ausländische Journalisten betreut und unterstützt. Die Verbindung zu HonestReporting wird für jedermann sichtbar auf ihrer Webseite angezeigt).

Plosker befand sich jedoch auf Vortragsreise in Großbritannien, was zwischen Oborne und MediaCentral-Direktor Aryeh Grün zu einem heftigen Disput führte. Während die Kamera lief, bat Grün Oborne einfach nur, sich zu auszuweisen, während Oborne Grün gegenüber aufdringlich wurde.

Nach den Ofcom-Richtlinien ist Channel 4 – als Öffentlich Rechtlicher – dazu verpflichtet, HonestReporting vor allen denkbaren Behauptungen, die ausgestrahlt werden, in Kenntnis zu setzen; ein Punkt, auf den Plosker in einer Antwortmail hingewiesen hatte.
2. Channel 4’s Titelung der Sendung setzt die Existenz einer mächtigen “Israel Lobby“ als selbstverständlich voraus.

Und so erklärt Channel 4 seine „Nachforschungen“:

Die Berichte stellen Untersuchungen über eine der mächtigsten und einflussreichsten politischen Lobbygruppen in Großbritannien an, die sich für die Interessen des Staates Israel einsetzen.

Trotz ihres großen Einflusses in höchsten Positionen der britischen Politiken und der Medien weiß man wenig über Einzelpersonen und Gruppierungen, die zusammen als Pro-Israel-Lobby bekannt sind.

Der politische Kommentator Peter Oborne zeigt, wer diese Menschen sind, wie sie sich organisierten, wie sie arbeiten und welchen Einfluss sie ausüben – von Schlüsselgruppen bis hin zu reichen Einzelpersonen, die das Lobbygeschäft finanzieren.

Er geht der Frage nach, wie verantwortlich, transparent und offen für genaue Nachforschungen die Lobby ist, besonders was ihre  finanziellen Zuwendungen und Unterstützungen an Parlamentsabgeordneten betrifft.

Die Pro-Israel-Lobby hat sich zum Ziel gesetzt, die Debatte über Großbritanniens Beziehung zu Israel und die zukünftige daran ausgerichtete Außenpolitik zu dominieren.

Oborne untersucht, wie die Lobby aus dem Innern des Parlaments heraus operiert und welche Taktiken sie hinter den Kulissen einsetzt, wenn sie es mit Print- und Rundfunkmedien zu tun hat.

Channel 4 impliziert also mit eigenen Worten beim organisierten Judentum in Großbritannien Folgendes:

• Es habe übermäßig viel Einfluss auf Politik und Medien.

• Zeige eine problematische Doppelloyalität zu Israel und Großbritannien.

• Sei weder transparent oder irgendjemand gegenüber verantwortlich.

• Dürfe taktisch in unangemessener Weise „hinter den Kulissen“  „innerhalb des Parlaments„ arbeiten, und das auch noch „im Umgang mit Print- und Rundfunkmedien“


3. Ist hier Antisemitismus am Werk?

In der Tat könnte dieses erklären, weshalb der Community Security Trust (CST) von C4 eine ähnliche Mail erhalten hatte, auch wenn der CST Antisemitismus bekämpft und dennoch nicht mit der Verteidigung Israels beschäftigt ist. Mir hat gefallen, wie CST blog Stellung bezogen hat:

….auch wenn wir nicht davon ausgehen, dass Berichte oder für schnelles Geld gemachte Produktionen per se als antisemitische Beiträge beabsichtigt sind, so finden sich doch auf dieser Webseite alle Standards antisemitischer Metaphern über Verschwörungstheorien: unmäßig viel Macht und Einfluss, Riesengeldsummen, Manipulation von Politikern und Medien – und all das im Geheimen. Selbst die Art und Weise, wie man auf die „die Pro-Israel-Lobby“ als allein handelnden Akteur verweist , als Einzelperson vorgehend und handelnd, suggeriert eine geheimnisvolle Verschwörung, innerhalb derer die unterschiedlichen Organisationen und Individuen in Wahrheit Handlanger ein und derselben einzigen Maschine sind.

„Dispatches“ hat einiges an heftigem Investigationsjournalismus auf Lager, darunter Undercover Mosque, das erstmals einen tieferen Einblick in islamischen Extremismus britischer Prägung geliefert hatte. Channel 4-Offizielle versicherten dem Jewish Chronicle gegenüber, dass Inside Britain’s Israel Lobby „nicht das synagogale Äquivalent zu Undercover Mosque darstellen“.

Bleiben Sie dran….

UPDATE 16. November: Die Jerusalem Post mit weiteren Details zur gärenden Kontroverse.

Scharf gerügt: Galloway & Press TV

5. August 2009

HonestReporting Media BackSpin, 5. August 2009

Ofcom mit deutlicher Kritik am iranischen Propagandasender und George Galloway, dessen bekanntestem europäischen Protagonisten. Lesen Sie dazu bitte das neue Communiqué von HonestReporting: Censured: Galloway & Press TV.

Press TV bald Off Air?

2. Juli 2009

HonestReporting Media BackSpin, 2. Juli 2009

Ofcom stellt Nachforschungen zum iranischen Propagandamedium an während BBC Newsnight hartnäckig weiterbohrt.

Mehr im neuen Kommuniqué von HonestReporting: Press TV: Take it Off Air?

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Schlechte Nachrichten für Press TV

1. Juli 2009

HonestReporting Media BackSpin, 1. Juli 2009

Die Times of London berichtet, dass Moderator Nick Ferrari seinen Job bei Press TV gekündigt hat, um gegen die verfälschte Berichterstattung des im Iran ansässigen Senders über die Ausschreitungen nach der Wahl zu protestieren:

Ferrari, Gastgeber beim täglichen Frühstücksfernsehen von LBC, erklärte der Times gegenüber, dass die Berichterstattung von Press TV bis vor der Wahl „halbwegs fair“ gewesen sei, aber danach nicht mehr. „Ich gehe davon aus, dass ihnen gesagt worden ist, was sie zu tun haben, und ich kann das mit meiner Arbeit dort nicht vereinbaren“, so Ferrari.

Die Times berichtet auch, dass Ofcom Nachforschungen zu Press TV anstellt:

Die Medienaufsichtsbehörde Ofcom geht einer Beschwerde nach, dass Press TV seine Sorgfalts- und Unabhängigkeitspflicht verletzt habe, und viele Iraner, die in Großbritannien leben, seien entsetzt darüber, dass der Sender ungehindert operieren kann.

Auch wenn Reporter ohne Grenzen den Iran als „weltgrößte Gefängnis für Journalisten“ bezeichnet, rechtfertigt sich Lauren Booth dafür, dass sie bei Press TV auf der Gehaltsliste steht (Zum Vergrößern der Abbildung bitte draufklicken):

Booth erklärte der Times gegenüber, dass ihr allwöchentlich ausgestrahltes Programm Remember the Children of Palestine „zu wichtig für mich war, um es nicht zu machen“.

George Galloway, Yvonne Ridley und Andrew Gilligan – auch sie bei Press TV beschäftigt – bestanden darauf, dass ihre Sendungen keinerlei Beeinflussung ausgesetzt seien. Klar, wenn man sowieso die Parteilinie nachplappert, ist das auch nicht mehr nötig.

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George Galloway gerügt

23. Juni 2009

HonestReporting Media BackSpin, 23. Juni 2009

Ofcom, der Medien-Watchdog in Großbritannien, rügte George Galloway und seine Radiosendung wegen Ausstrahlungen während des Gaza-Krieges. Die BBC fasst zusammen:

Ofcom beurteilte die Sendung, die „die Grenze von einer legitimen zur provozierenden Debatte überschritten hatte“, als eine, die die Zuhörer zu Aktionen aufforderte.

Jedoch urteilte sie auch, dass die Sendung nicht gegen Regeln verstieß, wenn sie Ansichten der Gegenseite zu Wort kommen ließ.

Ofcom sagte, dass, obgleich Galloway nicht in jeder Hinsicht zu Hass oder Gewalt aufgestachelte hatte, er aber die Debatte in eine „aktive Kampagne zu einer prinzipiellen politischen Kontroverse“ umfunktionierte.

Times of London-Kolumnist Oliver Kamm teilt Ofcoms Einschätzung nicht, Galloway hätte sich bei der Präsentation der gegnerischen Standpunkte fair verhalten. Kamm schreibt:

Gut, ich war einer jener Gäste (in einem “hitzigen On-Air-Spektakel“, folgt man einer einwandfreien und geachteten Quelle) und ich bin nicht überzeugt, dass Ofcom Recht hat. Ich erkannte das erst nach unserer Diskussion, aber Galloway machte freizügig Gebrauch vom Regie-Button, um sicher zu stellen, dass meine Antworten auf seine Fragen nicht zum Zuge kamen. Er stellte eine Frage und blockte die Antwort buchstäblich zwei oder drei Sekunden später, bevor sie gesendet werden konnte.

Manche meiner Leser werden jetzt zweifellos denken, dass ich dankbar sein solle, in Galloways Show eingeladen zu werden und dass das Recht auf Sendegestaltung eher beim Gastgeber als beim Gast liegt. Dennoch hat der Sender selbst bestätigt, dass meine Beobachtung zutraf. Ich habe keinen Zweifel daran, dass Talksport eine seriöse Politik der Zulassung unterschiedlicher Standpunkte verfolgt. Aber nach meiner Erfahrung geschieht das in Galloways Sendung nicht.

Übrigens sollte auch die iranische Öffentlichkeit Galloway kritisieren. Hier ein ausführliches Video zu Galloway widerlicher Schleimerei gegenüber den Mullahs auf Irans Press TV (Video via Rob Breakenridge).

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