Posted tagged ‘Muslimbruderschaft’

Muslimbruderschaft mit Fotofälschung

12. Juli 2013

HonestReporting Media BackSpin, 12. Juli 2013

Abbildung: Die Facebook-Seite der ägyptischen Partei für Freiheit und Gerechtigkeit (FJP) – dem politischen Arm der Muslimbruderschaft – stellte alte Fotos ein, die in Syrien getötete Kinder zeigen.

Dazu ist auf der Webseite von Al Arabiya zu lesen (Hervorhebung durch uns):

Die Muslimbruderschaft wird grober Täuschung in ihren Fernsehausstrahlungen und Sozialen Medien beschuldigt, darunter einiger Darstellungen, die von einem Leser als „faustdicke Lüge“ angeprangert wurden.

Sowohl die Mainstream-Medien als auch Soziale Medien wie Facebook und Twitter wurden während der Unruhen zu Schlachtfeldern zwischen den gegnerischen Seiten, was zum Sturz von Mohammad Mursi in Ägypten geführt hatte.

Kritiker verweisen auf Fälschungen durch Medien, die mit der Muslimbruderschaft kooperieren, während der Vorwurf der Voreingenommenheit gegen Al Jazeera fallen gelassen wurde, aber auch andere wie Al Arabiya und CNN wegen ihrer Berichterstattung angegriffen worden waren.

In einem der dreistesten und bedenklichsten Fälle zeigt die ägyptische Partei für Freiheit und Gerechtigkeit (FJP) – der politische Arm der Muslimbruderschaft – Bilder von Kindern, die in Syrien getötet worden waren – mit der Behauptung, sie wären Opfer der jüngsten Unruhen in Ägypten.

Kommt uns bekannt vor, oder? Es ist nicht das erste Mal, dass Bilder von toten syrischen Kindern missbraucht wurden.

Zu Beginn der Operation Säule der Verteidigung im Jahr 2012 twitterte der palästinensische Journalist/Aktivist Hazem Balousha ein bewegendes Foto eines Mädchens auf einer Tragbahre, das angeblich bei einem israelischen Luftangriff verletzt worden war.

BBC-Reporter Jon Donnison war beeindruckt und sorgte für die Verbreitung des Fotos. Aktivisten entdeckten jedoch, dass das Foto in Wirklichkeit einen Monat vor Kriegsbeginn in Syrien aufgenommen worden war.

Dies veranlasste HonestReporting,  Donnison eine Auszeichnung für den unaufrichtigsten Reporter des Jahres 2012 zu verleihen. Wie viele andere werden dieser speziellen Form besonders grober Fauxtography noch auf den Leim gehen?

R.I.P. für Einstaatenlösung – lang lebe die Dreistaatenlösung?

12. September 2012

HonestReporting Media BackSpin, 12. September 2012

Ich komme wieder auf die Einstaatenlösung zu sprechen – aber nicht, um sie zu loben, sondern um sie zu beerdigen.

Nun, da die Hamas den Grundstein dafür legt, Gazas Unabhängigkeit von Palästina zu erklären, ist es einfacher, Argumenten für die Einstaatenlösung, wie sie in einem Gastbeitrag in der Independent formuliert werden, zu begegnen.

Die Nutzlosigkeit der Fatah, ein nicht vorhandener Friedensprozess, die Macht der Muslimbruderschaft in Ägypten und die schiere Willenskraft der Hamas bedeuten, dass die Dreistaatenlösung den Ansatz der Einstaatler als rein akademisch erscheinen lässt. Basta.

Ein binationaler Staat war für den israelischen Mainstream ein absoluter Rohrkrepierer. 6 Argumente gegen eine Einstaatenlösung verdeutlichen dies.

Ich weiß nicht, ob Israel letztlich mit einem Endspiel von zwei oder drei Staaten besser dran wäre.

Aber die Einstaatenlösung ist gestorben. Möge sie in Frieden ruhen.

(Bild via Flickr/Tammra McCauley)

Medien-Spickzettel 6. Januar 2012

6. Januar 2012

HonestReporting Media BackSpin, 6. Januar 2012

Arabischer Winter

Irish Times-Korrespondent Michael Jansen mit dem Blick für den großen Zusammenhang:

Statt sich zu einer Mehrparteiendemokratie zu entfalten, dürfte der Arabische Frühling nicht nur eine autoritäre sunnitische Fundamentalistenherrschaft gebären, sondern auch eine sunnitische Einheit von Marokko bis zum Golf begünstigen –  mit Ägypten als Meinungsführer. Wenn dies einträfe könnten die Fundamentalisten eine Front zum Iran errichten – der schiitischen Großmacht in der Region und ihren Verbündeten im Irak -, und [gleichzeitig] massiv gegen Israel vorgehen statt mit ihm Frieden zu schließen. Israel wird von der überwältigenden Mehrheit der Fundamentalisten nicht nur als unrechtmäßiger Besatzer Palästinas gesehen, sondern auch als Usurpator heiligen muslimischen Bodens.

• Bemühungen um eine Zusammenführung der syrischen Oppositionsgruppen scheiterten. Außer, dass hier in kläglicher Weise ihre Unfähigkeit reflektiert wird, eine Regierung nach Assad zu stellen, beinhaltet dies auch, dass es keine einheitliche Stimme gibt, die als Ansprechpartner für den Westen in Frage käme. Mehr dazu in der Financial Times (via Google News). Aber der Syrische Nationalrat startete schon eine Website….

•  CNN: Syrer verwarfen die schändliche Beobachtermission der Arabischen Liga.

• Der Washington Post zufolge ist ein Showdown zwischen der Muslimbruderschaft und Ägyptens Militär fait accompli [vollendete Tatsache; (bd)]:

Bisher war die relativ moderate [sic; (bd)] islamistische Gruppe ein Bündnis mit dem Militärrat eingegangen, der nach Mubaraks Sturz am 11. Februar letzten Jahres die Kontrolle über das Land übernommen hatte. Aber nachdem sich die militärische Führung entschlossen hatte, ihre politischen und wirtschaftlichen Interessen zu sichern, während Ägypten in Richtung Demokratie taumelte, sagen einige Analysten, dass ein Zusammenstoß zwischen den beiden Zentren der Macht unvermeidlich sei.

Die langfristigen Ziele von Militär und Bruderschaft „stimmen nicht miteinander überein“, so Shadi Hamid, ein Ägypten-Experte beim Brookings Doha Center. „Das Militär will gewissermaßen als Macht hinter den Kulissen bestehen bleiben. Das ist sicherlich nicht das, was die Bruderschaft will.“

• Tony Karon (Time) denkt über die israelisch-amerikanische Debatte nach, was eine Einbeziehung der Muslimbruderschaft beträfe.

• Es ist schon ein Jahr her, seit eine Bombe eine koptische Kirche in Alexandria verwüstete und viele christliche Opfer forderte – aber Ägypten stoppt seine Ermittlungen seit Monaten. AP (Associated Press) mit einer Rückschau auf die bekannten Fakten und einem Fazit:

Aber das Versagen einer Antwort betreffend, wer hinter dem Anschlag steckte, hat unter Ägyptens christlicher Minderheit Verbitterung darüber ausgelöst, weil der Staat zu wenig unternimmt, sie zu schützen.

Bedrohung durch das iranische Nuklearprogramm

The Media Line sprach mit Eingeweihten über die Fähigkeit des Iran, die Straße von Hormuz zu blockieren:

„Marine und IRGC (Revolutionsgarden; [bd] können den Golf nicht für einen längeren Zeitraum absperren, aber sie besitzen die Fähigkeit, in einem Zeitraum von 5 bis 10 Tagen den Schiffsverkehr im Golf ernsthaft zu gefährden“, so Anthony Cordesman….

Koch vom Gulf Research Center geht davon aus, dass die größte Bedrohung durch den Iran von dessen asymmetrischer Kriegsführung ausgeht, die darin besteht, dass er angeworbene Truppen oder stellvertretende Kriegsparteien für Sabotageakte in Stellung bringt. Der Iran benötigt nicht die Blockade von Hormuz, um Unheil anzurichten; er könnte Ölfelder und Kraftwerke sowie andere kritische und anfällige technische Einrichtungen auf der arabischen Seite des Golfs ins Visier nehmen.

„Das ist ein viel gefährlicheres Szenario“, so Koch. „Die Iraner haben gezeigt, dass sie diesbezüglich eine sehr intelligente Macht sein können.“


****
Sonstiges bitte hier lesen [In Englisch]….

24 Jahre Hamas-Ideologie werden sich nicht einfach in Luft auflösen

20. Dezember 2011

HonestReporting Media BackSpin, 20. Dezember 2011

Die Hamas faselt nun von „gewaltfreiem Widerstand.“ Laut Guardian will sie damit eine Annäherung an die PA erreichen, und damit einen Schritt

in Richtung fortschrittlichem* Islamismus vollziehen, wie er von Gruppierungen wie der Muslimbruderschaft in Kairo vertreten wird.

Man muss skeptisch abwarten, ob die Hamas sich wirklich grundlegend ändert. Schließlich werden Gründungs-Charta und 24 Jahre Ideologie sich nicht so mir nichts dir nichts in einem angenehmen Duft von Lavendel und Songbird auflösen.

Und wie Michael Totten anführt, sollten wir (und Reporterin Phoebe Greenwood) mit Formulierungen wie moderat und fortschrittlich sehr, sehr vorsichtig umgehen, wenn es um die Bruderschaft geht. Schließlich ist die Hamas ist ein Produkt Letzterer:

Ich gehörte immer zu denjenigen, die sich über jene amüsierten, welche die Muslimbruderschaft als moderat beschreiben. Dabei handelt es sich – objektiv gesehen – keineswegs um eine moderate Organisation, und schon gar nicht um eine nach westlichem Standard. Konservative Demokraten und liberale Republikaner sind moderat. Diese Kerle aber sind repressive Theokraten. Wenn in den Vereinigten Staaten ähnliche Gruppierungen existierten, würde man sie als Faschisten bezeichnen.

Dennoch sind sie ziemlich moderat im Vergleich zu den Salafisten. Die Salafisten sind Totalitäre wie die Taliban, die Al Qaida hervorbrachten.

Warum passiert das gerade jetzt? Man kann wohl davon ausgehen, dass, wenn der Iran und Syrien niesen, Hamas (und Hezbollah) eine Erkältung bekommen. Angesichts internationaler Sanktionen, die beiden Terrorgruppen das Gefühl vermitteln, dass sie finanziell angeschlagen sind, kann die Hamas offensichtlich nicht ohne internationale Glaubwürdigkeit weitermachen.

Noch hat sie diese nicht verdient.

—————-
*Anmerkung (bd): Auffallend auch, wie oft in letzter Zeit in deutschen Medien von gemäßigten Islamisten die Rede ist. Man hat also die sprachliche Diktion gegenüber den islamischen Extremisten noch geschmeidiger und devoter gestaltet. Und ich denke, dass dies nicht nur mir schon äußerst unangenehm aufgefallen ist.

Achse des Bösen mischt bereits in Ägypten mit

24. Februar 2011

HonestReporting Media BackSpin, 24. Februar 2011

Die Teheraner Mullahs vergeuden keine Zeit bei der Ausdehnung ihres Einflusses in Ägypten. Iran und Syrien mischen bereits in Ägypten mit.

Asharq al-Awsat zum neuen Handlungsschema der Achse des Bösen:

Die syrische Analysten, die den Bericht erstellten, gehen davon aus, dass trotz ihrer Annahme, die Islamisten steckten nicht hinter den Vorgängen in Tunesien und Ägypten, jene dennoch bald in beiden Ländern das Sagen haben werden und diese politisch an Syrien und den Iran heranführen. Daher wollen beide, Syrien und Iran, die Umsetzung dessen beschleunigen, was bisher zwischen den beiden Ländern im Hinblick auf die „Post-Mubarak-Ära“ vereinbart worden war. Am wichtigsten jedoch ist, dass der Bericht die Notwendigkeit betont, ständige Beziehungen zur Muslimbruderschaft aufzubauen, um so eine gemeinsame Strategie mit dem Ziel der Kontrolle über [nächste] ägyptische Regierung zu gewährleisten.

Iran war Hauptverfechter dieser Idee, wie vom iranischen Präsidenten Ahmadinejad am 25. Februar 2010 bei seinem Besuch in Damaskus formuliert. Er betonte die Notwendigkeit einer iranisch-syrischen Intervention in Ägypten zu einem Zeitpunkt, als sich das Land anschickte, einen Nachfolger Präsident Mubaraks zu bestimmen. Das war eine dieser seltenen Gelegenheiten, Einfluss auf Ägypten zu nehmen und das Land ins radikale Lager zu ziehen. Ahmadinedschad betonte, dass Iran und Syrien keine Zeit verlieren dürften, aus Angst davor, dass Gamal Mubarak wegen fehlender innerägyptischer Gegenkräfte, die seine Wahl verhindern würden, gewählt werden könnte.

Die iranische Ideologie wurde importiert, um die Muslimbruderschaft als ständigen Unruheherd in Ägypten und als Instrument für innere Unruhen in Ägypten zu aktivieren, sowohl in der Zeit vor als auch nach den Präsidentschaftswahlen.

Eine ägyptische Demokratie fürchte ich nicht. Ich fürchte aber, das der Iran und Syrien sie untergraben werden.

Leseempfehlungen, 15. Februar 2011

16. Februar 2011

HonestReporting Media BackSpin, 15. Februar 2011

NATO als Israels Rettung?

Was Israel betrifft, herrscht nun eine allgemeine Übereinstimmung, dass wegen der gegenwärtigen oder andauernden Abwesenheit Ägyptens als regionalem strategischem Partner eine akute Notwendigkeit besteht, die NATO-Kooperation mit Israel auszuweiten. Die NATO und die USA sollten jetzt alle Anstrengungen unternehmen, den Streit zwischen Israel und der Türkei zu beenden.

• Das Wall Street Journal befasst sich mit den moderaten und militanten Strömungen innerhalb der Muslimbruderschaft.*

• Die Green Movement des Iran wieder auf den Straßen. Jennifer Rubin** geht davon aus, dass Uncle Sam einen unverhofften zweiten Schuss für einen Regimewechsel hat.

• Zwei Stücke zum ägyptischen Antisemitismus: Mubarak verdammen oder Geschichte sprechen lassen?

• Aus Redaktions-Annalen ein Klassiker. Al-Ahram entschuldigt sich für seine pro-Mubarak-Berichterstattung:

„[Nun] Heute….bezeugen wir ganz klar wir die überfällige Entschuldigung an das edle ägyptischen Volk für jede Befangenheit, die wir zugunsten des korrupten Regimes [zeigten], und wir geloben, dass wir von nun uns an immer an den legitimen Interessen des Volkes orientieren werden und Al-Ahram das Gewissen der Nation bleiben wird.

„Wir sind stolz auf das reine [geheiligte; (bd)] Blut, das durch die Mächte der Reaktion und Unterdrückung [vergossen wurde], und wir bitten die Familien der Märtyrer um Vergebung. Keines unserer Opfer kann auch nur einen einzigen Tropfen [des Märtyrer-] Bluts ersetzen. Die einzigen Worte des Trostes (die wir den Familien spenden können), sind, dass [die Märtyrer] ihr Leben opferten, dass diese Nation stolz bleiben konnte und in Würde leben kann.“

USA organisiert Auslandshilfe für Stabilisierung Ägyptens.

• Jordanische Stammesführer sagen, dass Königin Rania korrupt ist. Die ehemaligen First Ladies von Tunesien und Ägypten machen den Anfang.

—————
*Auch das Wall Street Journal kann sich irren…[bd]…

**Bei aller Sympathie für Jennifer Rubins Take: Obama ist außenpolitisch eine glatte 000 vor und hinter dem Komma [bd].

Haben wir die Vorgänge in Ägypten verstanden?

15. Februar 2011

HonestReporting Media BackSpin, 15. Februar

Zeit für eine Abgleichung mit der Realität: David Frum (via Jeffrey Goldberg) macht sich begründete Sorgen, dass wir Ägypten nicht so gut verstehen, wie wir uns das einbilden:

80 Millionen Einwohner. 17 Millionen allein in Kairo. 200.000 Demonstranten auf dem Tahrir-Platz. Nur diejenigen, die des Englischen mächtig sind, sind auf unseren Sendern zu sehen.

Wenn wir umgekehrt über die Attraktivität der Muslimbruderschaft in Ägypten reden – und gleichzeitig über die Anziehungskraft der Demokratie – reden wir über Sachverhalte, von denen niemand genug weiß und wahrscheinlich kaum jemand etwas wissen kann. Einer von sieben Ägyptern kann nicht lesen. Die Hälfte von ihnen leben von weniger als 2 Dollar pro Tag. Was denken diese Leute? Was wollen sie? Und eine weitere dringende Frage könnte sich dringend stellen: wer steuert, führt und kontrolliert, was sie denken und wollen?

Dank moderner Technologie erfahren wir eine Menge über die Ereignisse auf dem Tahrir-Platz und Mubaraks Abdankung. Aber die Story gibt mehr her, wie David Frum [richtig] andeutet.

Das unmittelbare Moment des Aufstandes ist abgeklungen, und westliche Journalisten wollen nicht mehr in Ägypten herumhängen. Jerusalem bleibt immer noch eine gastfreundlichere Nahost-Basis für das Presse-Korps und Korrespondenten, die aus anderen Pulsschlägen abgezogen wurden und in ihre Büros zurückkehren.

Wird sich irgendjemand die Zeit nehmen, langfristige Untersuchungen anzustellen, die Frums wichtige Fragen beantworten?