Posted tagged ‘Antiisraelismus’

Die UNESCO, Israel und der Einsatz von Kultur als Waffe

27. Februar 2020

Paul Shindman, HonestReporting, 18. Februar 2020

Die United Nations Educational, Scientific and Cultural OrganizationUNESCO – sagt, ihr Auftrag sei es „Frieden durch internationale Kooperation in Bildung, Wissenschaften und Kultur aufzubauen“. Diese Organisation, die ein prestigeträchtiger Zweig der UNO sein sollte, nimmt das erhabene Ziel in Anspruch „kulturelles Erbe und die gleichberechtigte Würde aller Kulturen“ zu fördern, um „Bande zwischen Nationen zu stärken“.

Oberflächlich tut die UNESCO das durch die Unterstützung von Programmen, die weltweit Bildung fördern, darunter würdige Bemühungen im Bereich Bildung zum Holocaust, dem Kampf gegen gewalttätigen Extremismus, Verbesserung der Bildung für Mädchen, Unterstützung wissenschaftlicher Untersuchungen des Klimawandels und Verteidigung der Medienfreiheit.

Der Krieg der UNESCO gegen Israel

Die UNESCO ist jedoch nicht in der Lage gewesen, der eingefleischten antiisraelischen Einseitigkeit der Vereinten Nationen und dem organisatorischen Missmanagement zu entgehen.

Der antiisraelische Fokus der UNESCO gewann an Schwung, als die palästinensische Autonomiebehörde 2011 volle Mitgliedschaft erhielt, obwohl sie in der UNO nur Beobachterstatus hatte. Israels damaliger UNO-Botschafter Nimrod Barkan sagte: „Die UNESCO befasst sich mit Science [Wissenschaften], nicht mit Science Fiction“, womit er herausstellte, dass Palästina von der UNO nicht als Staat anerkannt war und dass die UNESCO aufgrund eines „politischen Themas außerhalb ihrer Kompetenzen“ handelte.

UN Watch, eine Nichtregierungs-Organisation (NGO), die die UNO beobachtet, berichtete ein beschleunigtes Tempo antiisraelischer Schritte nach dem Beitritt der Palästinenser und führte genauer aus: „Von 2009 bis 2014 verabschiedete die UNESCO 46 Resolutionen gegen Israel; eine zu Syrien; und keine zum Iran, zum Sudan, zu Nordkorea oder irgendeinem anderen Land der Welt.“

Allgemein initiiert von den Palästinensern und unterstützt von arabischen Mitgliedern der Organisation löschen die Resolutionen jüdische Geschichte und die Verbindung des jüdischen Volks zu Welterbe-Stätten im Heiligen Land aus. Kein anderes Land der Welt erhielt eine ähnlich negative Aufmerksamkeit wie Israel.

Israel-Resolutionen der UNESCO trotzen der Wirklichkeit

Die UNESCO hatte mehrere Male darüber abgestimmt Israel mit einer Wortwahl zu tadeln, die jüdische heilige Stätten in Jerusalem und Hebron als palästinensisch beschrieb. Der israelische Botschafter Carmel Shama-Hacohen bezeichnete die Resolutionen als Versuche „der Palästinenser die Geschichte umzuschreiben und unsere Verbindung zu unserem Land loszuwerden“.

Jerusalems Tempelberg vom Ölberg aus gesehen.

Zu den ungeheuerlichsten Beispielen gehört:

  • 2016 beschloss die UNESCO etwas, was Al-Jazira offen als „antiisraelische Resolution“ bezeichnete; darin wurde der Standort der antiken jüdischen Tempel in Jerusalem einzig mit seinem muslimischen Namen Haram al-Scharif Michael Worbs, der Vorsitzende des Direktoriums der UNESCO, war gezwungen zu sagen, er „bedauere“ das, was geschah.
  • Palästinenser und UNESCO versuchten 2016 Israel die Schriftrollen vom Toten Meer abzunehmen, indem sie sagten, die in den 1940-er und 1950-er Jahren in der Wüste Juda entdeckten antiken religiösen jüdischen Manuskripte sein „palästinensisch“ und gehörten den Palästinensern.
  • 2017 erklärte die UNESCO die von Juden wie von Muslimen verehrte die Grabstätte der biblischen Patriarchen Abraham, Isaak und Jakob und deren Ehefrauen in Hebron zu „palästinensischem Welterbe in Gefahr“. Der israelische Premierminister Benjamin Netanyahu verurteile die Organisation wegen der Verwendung poltischer Macht zur Umbenennung der Welterbestätte in eine ausschließlich palästinensische.

Ein Fragment der Schriftrollen vom Toten Meer

2017 zogen sich die USA aus der UNESCO zurück; es hieß, die Entscheidung „spiegelt die US-Bedenken wegen zunehmender Zahlungsrückstände bei der UNESCO, der Notwendigkeit zu grundlegenden Reformen in der Organisation und fortgesetzter antiisraelischer Einseitigkeit in der UNESCO“. Israel folgte den Amerikanern und verließ die UNESCO ebenfalls.

Es war das zweite Mal, dass die USA die umstrittene UNESCO sitzen ließen; sie hatten sich bereits einmal 1984 zurückgezogen, als Washington dem UNO-Gremium vorwarf von seinen „ursprünglichen Ziele und Prinzipien“ abzugleiten. Während der Ära des Kalten Krieges war die UNESCO von der Ost-Welt-Politik und dem, was das Außenministerium „Feindschaft gegenüber den Grundinstitutionen einer freien Gesellschaft“ nannte, verdorben. Die USA traten dem Gremium 2003 wieder bei.

Ist die UNESCO zu rehabilitiert werden?

Trotz der weniger politisierten Arbeit der Organisation in Bildung, Wissenschaft und Kultur ist die Presse der UNESCO gegenüber nicht freundlich gewesen:

  • Das Magazin TIME beschrieb die UNESCO als „eine aufgeblasene Bürokratie mit Gefallen am guten Leben“.
  • Bei der genauen Beschreibung des Abgangs der USA und Israels im Jahr 2017 vermerkte Reuters, dass die UNESCO „um Bedeutung gekämpft hat, während sie zunehmend von regionalen Rivalitäten und Geldmangel behindert wurde“.
  • Joseph Nhan-O’Reilly, ein ranghoher offizieller Vertreter von Save the Children UK, sagte der Medien-Internetseite Devex, dass viele Spender betroffen gewesen waren; er erklärte: „Jeder weiß, dass es der UNESCO nicht gut geht… sie hat das Vertrauen vieler Interessierter verloren.“

Die Besessenheit der UNESCO von Israel dupliziert zudem die Einseitigkeit in Vollversammlung, Sicherheitsrat und Menschenrechtsrat – wo einseitig gegen Israel fokussierende politische Resolutionen die internationalen Institutionen ständig ablenken.

Unter all dem Gerede von dringend notwendigen Reformen bei der UNO wurde die Entscheidung der UNESCO im Jahr 2011 die Palästinenser als Vollmitglied zuzulassen im vollen Wissen getroffen, dass sie das Ende der US-Gelder bedeuten würde.

Streit weise vom Zaun brechen?

Dass die politischen Attacken gegen Israel den US-Rückzug und massive Budget-Defizite auslösten, behindert weiter diejenigen in der UNESCO, die unpolitisch daran arbeiten Bildung, Wissenschaften und Kultur in aller Welt zu verbessern.

Der Kolumnist Schmuel Rosner merkte an, dass Israels Rückzug aus der UNESCO ein Abweichen von der langjährigen Politik des „(UNO)-Mitglied bleiben und für Israels Interessen kämpfen“ sei – deren Hauptbeispiel die Streichung der niederträchtigen UNO-Resolution im Jahr 1991 war, die Zionismus mit Rassismus gleichsetzte.

„Mehrere Organisationen der Vereinten Nationen haben ähnliche antiisraelische Tendenzen“, vermerkte Rosner. „Fakt ist: Die gesamten Vereinten Nationen sind parteiisch gegen Israel … während andere Länder, die weit mehr Schuld auf sich laden, kaum einen Tadel erhalten.“

Angesichts dessen, dass die „schändliche Bilanz der UNO klar macht, dass sie von Israel besessen ist“, scheint es einstweilen so, als habe Israel beschlossen, es habe keine Priorität einen Großteil seiner Ressourcen für die Bekämpfung der Politik der UNESCO auszugeben statt Bildung, Wissenschaften und Kultur zu fördern.

Bild: vectors via Free Vector; Jerusalem CC BY-NC Bert Kaufmann; Schriftrolle vom Toten Meer CC BY Larry Koester; US-Flagge CC0 pxfuel.

Israel und der funktionsgestörte UNO-Menschenrechtsrat

20. Februar 2020

Paul Shindman, HonestReporting, 21. Januar 2020

Um die giftige Beziehung zwischen dem UNO-Menschenrechtsrat und Israel zu verstehen, muss man sich den Vorgänger des Rat, die UNO-Menschenrechtskommission ansehen.

Ein aufrichtiger Moment des Generalsekretärs Kofi Annan fasst das Problem von damals und von heute zusammen:

Die Funktion der (Menschenrechts-) Kommission ihre Aufgaben auszuüben wird zunehmend von ihrer sinkenden Glaubwürdigkeit und Professionalismus untergraben. Insbesondere haben Staaten die Mitgliedschaft in der Kommission nicht angestrebt, um die Menschenrechte zu stärken, sondern sich selbst vor Kritik zu schützen oder andere kritisieren zu können. Im Ergebnis hat sich ein Glaubwürdigkeitsdefizit entwickelt, das einen Schatten auf das Ansehen des Systems der Vereinten Nationen als Ganzem wirft.

Es sagt eine Menge über eine Abteilung innerhalb einer Organisation, wenn der Boss einen Teil des eigenen Imperiums nicht nur kritisiert, sondern öffentlich seine Arbeit und die es leitenden Leute diskreditiert.

Kofi Annan

Das ist exakt das, was geschah, als Annan 2005 eine Bombe platzen ließ, indem er erklärte, dass Länder die Mitgliedschaft in der UNO-Kommission für Menschenrechte gesucht hatten, „nicht um die Menschenrechte zu stärken, sondern um sich vor Kritik zu schützen oder andere zu kritisieren“.

Eine betretene UNO sah, dass die Kommission zu viele Länder mit erbärmlichen Menschenrechts-Bilanzen hatte. Annan rief auf sie durch ein neues besonderes Gremium zu ersetzen, den UNO-Menschenrechtsrat. Der UNHRC wurde ein Jahr später gebildet, aber es war nun gar keine Überraschung, dass er schnell von genau denselben Problemen geplagt wurde wie seine Vorgängerin.

Seit seiner Gründung 2006 ist der „weithin kritisierte“ UNO-Menschenrechtsrat regelmäßig in der Mainstream-Presse scharf kritisiert worden. Die New York Times bezeichnete ihn als „den diskreditierten Menschenrechtsrat“, weil er einfach den Weg der nicht mehr bestehenden Kommission fortsetzte. Nach nur zwei Jahren war Annans Nachfolger an der Spitze der UNO, Ban ki-Moon, gezwungen den UNHRC aufzufordern „sich über parteiisches Getue und regionale Trennlinien zu erheben“.

Die dubiosen Mitglieder des UNO-Menschenrechtsrats

Der UNHRC hat sich nie aus diesem Sumpf gelöst und so ist die Organisation, die dafür verantwortlich ist, dass Länder die internationalen Menschenrechtsstandards einhalten, stattdessen von genau der Gesellschaft beschmutzt, mit der sie Umgang hat.

Der UNO-Menschenrechtsrat hat 47 Mitgliedsstaaten, auf drei Jahre gewählt aus den verschiedenen Regionen durch die UNO-Vollversammlung. Die UNO wird als ein „Vereinshaus für eine aufstrebende Achse der Diktatoren“ beschrieben und so waren die Länder, die Mitglieder in die alte Kommission wählten, nicht davon abzuhalten mit ihren Abstimmungen weiter repressive Regime in den neuen UNHRC zu schicken.

Ein Treffen des UNO-Menschenrechtsrats in Genf.

In seinem Bericht zu 2017 gestand der UNHRC ein, dass neun seiner damaligen Mitglieder (Burundi, Ägypten, Ruanda, Kuba, Venezuela, China, Indien, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate) beschuldigt wurden Rache an ihre eigenen Bürgern zu nehmen, die Menschenrechtsverletzungen an die UNO berichteten.

Der Zustand stieg 2019 auf ein Niveau des Absurden an, als internationale Menschenrechtsorganisationen die UNO-Vollversammlung aufriefen für Venezuela den Eintritt in den Menschenrechtsrat zu blockieren (es hatte dem Rat bereits zweimal angehört).

Die „Stimme des Rats wird geschwächt, wenn jemand wir Venezuela die Mitgliedschaft erlaubt wird“, sagte Kenneth Roth, Direktor von Human Rights Watch. „Dass bereits einige andere Verletzer-Regierungen im Rat sitzen, ist kein Grund die Dinge noch schlimmer zu machen, indem Venezuela dazu kommt“, dessen Regierung „dafür verantwortlich ist hart gegen abweichende Meinungen vorzugehen“.

Allerdings genehmigte die Vollversammlung Venezuelas Beitritt in den Rat; die Washington Post nannte das „einen umstrittenen Sieg für ein Regime, das beschuldigt wird Einschüchterung, Folter und Mord einzusetzen, um sich an die Macht zu klammern“.

Permanent besessen von Israel

Eines der vernichtenden Merkmale des UNO-Menschenrechtsrats ist seine permanente Besessenheit mit Israel, wo die propalästinensische Lobby den Erfolg hatte Israel zum einzigen Land zu machen, das als dauerhafter Tagesordnungspunkt des Rats auftaucht. Das bedeutet, dass jede Sitzungsperiode des Rats angebliche israelische Verletzungen überprüfen muss. Unter der universalen regelmäßigen Überprüfung, die für alle anderen die Regel ist, werden die Menschenrechtsbilanzen der Länder nur alle fünf Jahre untersucht. Das systematische Herausheben Israels durch den Rat wird von vielen Ländern als einer der Schlüsselmängel angesehen, der seine einseitige Ineffektivität zeigt.

„Kein anderes Land der Welt wird einem alleinstehenden Fokus ausgesetzt, der derart in die permanente Tagesordnung des Gremiums eingegraben ist, was seine Bedeutung und den schlechten Ruf seines Ziels sicherstellt und das bei jedem Ratstreffen“, sagte Hillel Neuer, Direktor von UN Watch. Neuers unabhängige Watchdog-Gruppe berichtete, dass in den ersten zehn Jahren 68 der 135 vom UNHRC beschlossenen Resolutionen, sich ausschließlich gegen Israel richteten.

Die französische Menschendrechtsministerin Rama Yade sagte, mit seiner Fixierung auf Resolutionen, die einzig Israel verurteilen bestehe das Gremium darauf, „unausgewogene Resolutionen“ zum Nahen Osten zu verabschieden.

US-Botschafterin Nikki Haley

2018 gaben die Vereinigten Staaten den Versuch auf das funktionsgestörte Gremium dazu zu bringen sich tatsächlich auf Menschenrechte zu konzentrieren und kündigten ihren Rückzug aus dem Rat an. US-Botschafterin bei der UNO Nikki Haley nannte den UNHRC den „größten Fehlschlag“ der Vereinten Nationen und verurteilte ihn als „Kloake politischer Einseitigkeit“.

„Sehen Sie sich die Mitglieder des Rats an und Sie erkennen eine erschreckende Respektlosigkeit für die grundlegendsten Menschenrechte“, sagte Haley. „Menschenrechtsverletzer sitzen weiter im Rat und werden in diesen gewählt. Die inhumansten Regime der Welt entgehen weiterhin Überprüfungen und weiterhin politisiert der Rat und macht Länder mit positiven Menschenrechtsbilanzen zu Sündenböcken, was der Versuch ist von den Missbrauchenden in seinen Reihen abzulenken“, erklärte Haley. „Der Rat ist seinen Namen nicht mehr wert. Fakt ist, dass solch ein Rat der Sache der  Menschenrechte Schaden zufügt.“

Nachdem sie die Versäumnisse des UNHRC beim Schutz der Menschenrechte weltweit auflistete, stellte Hale fest: „Die unverhältnismäßige Konzentration auf Israel uns seine endlose Feindseligkeit diesem Staat gegenüber sind eindeutiger Beweis dafür, dass der Rat von politischer Einseitigkeit motiviert ist, nicht von den Menschenrechten.“

Eine schwarze Liste und ein blaues Auge

Einer der ungeheuerlichsten Missbräuche des Rats war der Schritt eine antiisraelische „Schwarze Liste“ zu erstellen – eine „Datenbank“ aller Firmen, die in bestimmten israelischen Siedlungen Aktivitäten betreiben“. Wie bei vielen antiisraelischen Handlungen des UNO-Menschenrechtsrats wird Israel das erste und einzige Land sein, für das es eine solche Datenbank gibt, die pro-palästinensische Gruppen dazu nutzen wollen ihr Programm des Boykotts israelischer Firmen voranzutreiben. Die Ernennung der früheren chilenischen Präsidentin Michelle Bachelet zur UNO-Hochkommissarin für Menschenrechte intensivierte den Vorstoß des Rats zur schwarzen Liste.

Die UNO-Hochkommissarin für Menschenrechte Michelle Bachelet

In einem Op-Ed in der Washington Post hob der Welthandels-Anwalt Doron Hindin die unausgewogenen und willkürlichen Methoden hervor, die von der schwarzen Liste verwendet werden wird:

Verfahrensrechtlich werden Firmen der UNO-Datenbank hinzugefügt, ohne dass irgendeine Form von gebührendem Prozess dazu stattfindet. Es gibt keine Kriterienliste. Firmen werden nicht in der Lage sein ihre Listung anzufechten, bevor sie veröffentlicht wird und einmal gelistet werden sie keinen Zugang zu einem Mechanismus der Überprüfung oder Streichung haben.

Der Schritt die schwarze Liste zu erstellen war einer der zentralen Gründe für die US-Entscheidung sich vom UNHRC zu distanzieren. Es ist bekannt, dass Bachelet die Veröffentlichung der schwarzen Liste hinauszögerte und dass Generalsekretär Antonio Guterres sie nicht unterstützt. Aber Schritte des Internationalen Strafgerichtshofs zur Untersuchung angeblicher israelischer Kriegsverbrechen in der Westbank haben Berichten zufolge Bachelet ermutigt den Vorstoß mit der schwarzen Liste erneut zu betreiben.

* * *

Bei einem offiziellen Besuch Israels 2017 versprach Guterres, er werde daran arbeiten zu zeigen, dass die Vereinten Nationen unter seiner Leitung so handeln werden, „dass Gleichheit im Umgang mit allen Staaten voll respektiert wird“.

Angesichts der anerkannten Realität der Einseitigkeit des UNHRC scheint Guterres einen Sysiphus-Aufgabe vor sich zu haben.


Bilder: vecotrs CC0
Pixaboy; Annan via  Wikimedia Commons; UNHRC-Sitzung CC BY-NC-ND United Nations Photo; Haley via UN Photo/Manuel  Elias; Bachelet CC BY-NC-ND UN Women.

Israelis werden angegriffen, in den Medien finden wir – nichts

13. Februar 2020

Daniel Pomerantz, HonestReporting, 6. Februar 2020

Israelische Polizisten inspizieren den Ort eines Auto-Ramm-Anschlags. (Foto: Oren ben HaKoon/AFP via Getty Images)

Bei mindestens drei Terroranschlägen innerhalb von 24 Stunden haben Israelis gerade Leid erfahren. Die Einzelheiten kommen noch weiter herein, aber hier ist, was wir bisher wissen:

  1. In den frühen Morgenstunden vor Sonnenaufgang am Donnerstag [6. Februar 2020] rammte ein unbekannter Angreifer sein Auto in eine Gruppe Soldaten der Golani-Brigade, die vor Jerusalems Altem Bahnhof standen, einem beliebten Ort zum Ausgehen. Die Truppen besuchten Jerusalem vor einer frühmorgendlichen Vereidigungsfeier an der Westmauer. Zwölf [später: 14] Soldaten wurden bei dem Anschlag verletzt, einer davon schwer, der Rest leicht. Neun sind wieder aus dem Krankenhaus entlassen. Der schwer verwundete Soldat erlitt Verletzungen am ganzen Körper und musste operiert werden. Das Auto des Terroristen, das israelische Nummernschilder trug, wurde verlassen im Palästinenserdorf Beit Jala außerhalb von Bethlehem gefunden. [Der Täter konnte später noch gefasst werden. – heplev]
  2. Ein Grenzpolizist wurde bei einem Anschlag in der Altstadt von Jerusalem, außerhalb des Tempelbergs nahe des Löwentors durch Schüsse leicht verletzt. Reagierendes Sicherheitspersonal schoss auf den Angreifer und tötete ihn; er wurde als arabischer Israeli aus Haifa in seinen Vierzigern identifiziert, der vor kurzem vom Christentum zum Islam konvertierte.
  3. Auf einer Westbank-Autobahn wurde nahe der Siedlung Dolev aus einem fahrenden Auto heraus geschossen. Ein Soldat wurde leicht verletzt.

Als die Associated Press schließlich einen Artikel veröffentlichte, begann dieser mit den Worten:

Israelische Streitkräfte töteten zwei Palästinenser…

Reuters begann mit dem Satz:

Mindestens zwei Palästinenser wurden getötet und16 Israelis verletzt…

Sie stellten nicht klar, dass die Palästinenser Berichten zufolge getötet worden waren, während sie Gewaltakte verübten und dabei auf sie geschossen wurde: Mindestens einer war gerade dabei einen Molotowcocktail auf israelische Soldaten zu werfen.

Ein AFP-Artikel war ähnlich aufgebaut wie die Storys von AP und Reuters.

Da dies Nachrichtenagenturen sind, erwarten wir, dass ihre Berichte von vielen Medienorganen weltweit in den kommenden Stunden wiedergegeben werden.

Ist das normal? Ist das angemessen? Ist es noch zu früh, um aussagefähige und  ordentlich recherchierte Berichterstattung zu erwarten?

Nein.

Allein in den letzten Wochen wurden Storys von Anschlägen in Streathem in London bis Burkina Faso fast sofort international berichtet, die die fürchterlichen Auswirkungen von Terrorismus auf unschuldige Zivilisten betonten.

Doch obwohl die Anschläge auf Israelis in der israelischen und jüdischen Presse weithin berichtet werden und obwohl alle relevanten Informationen den Tag über weithin verfügbar waren, hat die internationale Presse sehr wenig gebracht und das, was sie brachte, war schrecklich irreführend. Das steht in heftigen Kontrast zur Berichterstattung über andere Terroranschläge weltweit.

Beispiele:

  • Letzten Donnerstag kündigte das Weiße Haus seinen lange erwarteten Friedensplan an, der in der internationalen Presse weithin kritisiert wurde, insbesondere bezüglich seiner Vorkehrungen für israelische Sicherheit und Entmilitarisierung eines Palästinenserstaats.
  • Später am selben Tag gab ein erboster Präsident Abbas grünes Licht für einen palästinensischen nationalen „Tag des Zorns“, der sich am Mittwoch in der Form von Krawallen, dem Verbrennen von Reifen und Raketenfeuer aus dem Gazastreifen auf israelische Gemeinden ausdrückte.
  • Die Ereignisse der Wut von Mittwoch eskalierten im Verlauf der Stunden: Und heute, am Donnerstag, werden Israelis hastig in Krankenhäuser gebracht – das Ergebnis davon mit Autos gerammt oder beschossen zu werden.
  • Der nächste Schritt, der der Aufmerksamkeit der internationalen Presse fast immer entgeht, besteht darin, dass die Palästinenserregierung den Angreifer und ihren Familien Belohnung in bar zahlt – in Mengen, die das Mehrfache des palästinensischen Lohns betragen und den Rest ihres Lebens. Wir wissen, dass das passieren wird, denn das palästinensische Gesetz schreibt es vor: Es heißt „Märtyrerfonds“ und wird oft als „Geld für Mord“ bezeichnet.

Jeder, der sich wirklich um Frieden kümmert, darum die Welt zu verstehen oder auch nur um die grundlegendsten Dinge von ethischem Journalismus, muss absolut Zugang zu diesen Informationen haben, zu diesem Kontext und zur kompletten Story.

Während ich dies schreibe, arbeitet unser gesamtes Team von HonestReporting heftig daran die Botschaft in die Öffentlichkeit zu bringen und die in Israel stationierte internationale Presse zu ermutigen ihren professionellen Verpflichtungen gerecht zu werden und über diese entscheidende Story zu berichten.

Schuldig durch falsche Assoziation: Israel „besonders vermerkt“

28. Oktober 2019

Simon Plosker, HonestReporting, 23. Oktober 2019

Antiisrael-Aktivisten werden jede Gelegenheit nutzen Israel als schuldig durch bestehende Verbindung zu Staaten dazustellen, die umstrittenes Verhalten an den Tag legen. Chile erlebt aktuell gewalttätige Straßenproteste, die bisher zu 15 berichteten Toten geführt haben.

Was hat das mit Israel zu tun?

Jede Menge, laut The Independent.

Haben Sie von der Gewalt in Chile gehört? Sie haben wahrscheinlich nicht gehört, dass das Militär dort seine Vorgehensweise von Israel lernt. In den letzten Jahren hat die IDF anscheinend eine Taktik eingesetzt palästinensische Demonstranten zu verstümmeln statt sie zu töten – und das ist etwas, das wir diese Woche in Chile gesehen haben.

Wer ist Benjamin Zinevich?

Benjamin Zinevich

Aber zuerst: wer ist Benjamin Zinevich, der Autor dieser Stellungnahme?

Ist er Akademiker? Experte für israelisch-chilenische Beziehungen?

Nein.

Der Independent versäumt es uns irgendwelche Daten zu Zinevich zu liefern, aber eine einfache Google-Suche offenbart, dass er Student an der New York University ist; dort ist er ein prominente Anti-Israel-Aktivist und Mitglieder der Organisation Students for Justice in Palestine (SJP). Die Anti-Defamation League beschreibt diese als „ein Netzwerk propalästinensischer Studentengruppen aus den gesamten USA, die antiisraelischer Propaganda verbreiten, oft in Verbindung mit aufhetzerischer und manchmal aggressiver Rhetorik. Sie sind eine führende Campus-Organisation von Kampagnen für Boykott, De-Investition und Sanktionen (BDS) gegen Israel und spezialisieren sich auf den Einsatz konfrontatorischer Taktiken wie das Stören von durch proisraelische Studenten betriebene Veranstaltungen und den Bau von Pseudo-„Apartheidmauern“ sowie die Verteilung fingierter „Zwangsräumungs-Anordnungen“, um zu dramatisieren, was sie als israelische Misshandlungen von Palästinensern betrachten.

Zinevich war gerade erst Co-Sponsor einer Resolution seiner NYU-Universität, die einen Boykott des Auslands-Studienprogramms seiner eigenen Schule in Tel Aviv forderte.

Israel „sollte besonders vermerkt werden“

Zinevich schreibt im Independent:

Während das [chilenische] Militär sich brutal gegen Zivilisten durchsetzt, wie man es seit der Diktatur nicht mehr gesehen hat, die Anfang der 1990-er Jahre endete, ist es wichtig die internationalen Verbindungen dieser Brutalität herauszugeben. Die auf  taktischen und Ressourcen basierende militärische Unterstützung durch den Staat Israel für Chile in der Vergangenheit und Gegenwart sollte besonders vermerkt werden.

Warum sollte diese angebliche militärische Unterstützung „besonders vermerkt werden“?

The Global Arms Trade: A Handbook (Handbuch weltweiter Waffenhandel) vermerkt, dass Chile seit 2005 Waffen aus den USA, den Niederlanden, Großbritannien, der Schweiz, Deutschland, Frankreich und Spanien in Besitz genommen hat, ebenso aus Israel.

Es gibt keinen glaubwürdigen Grund dafür, dass Israel „besonders vermerkt“ werden sollte außer die hasserfüllte Agenda von Zinevch und dem Independent.

Dürftige Verbindungen

Zinevich schreibt:

Heute unternehmen weder die Streitkräfte Chiles noch die Israels Versuche ihre Allianzen zu verstecken, zitiert man aus der Internetseite der chilenische Botschaft in Israel die  Ziele der „zunehmenden Verbindungen … mit Israel, um den Austausch von Wissen, Ausbildung und Erfahrungen möglich zu machen.“ Chile und Israel unterzeichneten 2018 eine Vereinbarung, die während des Besuchs des israelischen Generals Yaacov Barak in Chile in dem Jahr von der Ermutigung weiterer „Kooperation in militärischer Bildung, Ausbildung und Doktrin“ sprach.

Tatsächlich gibt es keinen Grund Allianzen zwischen Ländern zu verbergen, die diplomatische Beziehungen haben, insbesondere von zwei Demokratien. Die oben verwendete Wortwahl der Internetseite der chilenischen Botschaft in Israel ist das, was man auf jeder Botschaftsseite des Auslands erwarten würde, die für positive Beziehungen wirbt.

ZInevich ingorierte weitere Beispiele positiver israelisch-chilenischer Kooperation wie die ranghohen Vertreter des Magen David Adom, Israels nationaler Notfall- und Blutspende-Netzwerk, das der Stadtverwaltung Providencia in Chiles Hauptstadt Santiago hilft städtisches Sicherheitspersonal als Ersthelfer für medizinische Notfälle auszubilden.

Wir kommen dann zu der dürftigen Verbindung, die Zinevich zu propagieren versucht:

In den letzten Jahren haben die Israelischen Verteidigungskräfte (IDF) anscheinend eine Taktik verwendet palästinensische Demonstranten zu verstümmeln statt tödlich Schüsse auf sie abzugeben. Seit inzwischen mehr als einem Jahr sind palästinensische Zivilisten in Protest gegen die israelische Besatzung auf die Gaza-Mauer marschiert und die IDF hat mehr als 60 Prozent dieser 10.511 Zivilisten in die unteren Gliedmaßen geschossen, wobei mehr als 90 Prozent der Opfer durch scharfe Schüsse entstanden.

Während der letzten Woche ist diese israelische Taktik bei zahlreichen berichteten Gelegenheiten gegen chilenische Zivilisten eingesetzt worden. Eine Frau ist in den Oberschenkel geschossen worden; es heißt, sie befindet sich aufgrund hohen Blutverlustes in kritischem Zustand. Bei einem anderen Vorfall wurde ein 23-jähriger Mann ins Bein geschossen, bevor ein Militärfahrzeug ihn zerquetschte.

Diese ähnlichen Taktiken sind kein Zufall und international ein Teil dessen, was Aktivistengruppen wie die Jewish Voice for Peace „den tödlichen Austausch“ genannt haben.

Zinevich ist zufälligerweise Mitglied der Jewish Voice for Peace (Jüdische Stimme für den Frieden), einer Organisation, die die ADL als „eine radikal antiisraelische Aktivistengruppe“ beschreibt, „die für einen vollständigen wirtschaftlichen, kulturellen und akademischen Boykott des Staates Israel wirbt. JVP lehnt die Ansicht ab, dass der israelisch-palästinensische Konflikt ein tragischer Disput um Land ist, der von einer Gewaltspirale, Angst und Misstrauen auf beiden Seiten perpetuiert worden ist; sie favorisieren die Überzeugung, dass israelische Politik und Handeln von tief verwurzeltem jüdischen Rassenchauvisnismus und religiösem Herrenmenschentum motiviert sind.“

Es scheint so, als habe Zinevich Komponenten des „Der tödliche Austausch“-Kampagne der JVP genommen und auf Chile angewandt. Nach Angaben von Miriam F. Elman von der Syracuse University ist „The Deadly Exchange“ antisemitisch und macht Israel und seine jüdisch-amerikanischen Anhänger fälschlicherweise für das Schüren von diskriminierenden politischen Praktiken gegen Minderheiten in Amerika und die Militarisierung des Herangehens an Verbrechen und öffentliche Proteste verantwortlich. Im Fathom Journal schreibt Elman:

An seiner Wurzel agiert die Kampagne mit antisemitischen Sprachbildern zu jüdischer Macht, um Israel und die amerikanischen jüdischen Organisationen der Verschwörung gegen die farbigen Amerikaner zu beschuldigen. Die Kampagne radikalisiert den Nahost-Konflikt, indem sie Israel und seine jüdisch-amerikanischen Unterstützer als Feinde aufstellt, die amerikanische (und palästinensische) „schwarze und braune Körper“ direkt bedrohen.

Zinevich hat einfach amerikanische „schwarze und braune Körper“ ersetzt durch chilenische „Gruppen der Arbeiterklasse und indigenen Völker wie den Mapuche, die Jahrhunderte kolonialer Unterdrückung erfahren haben“.

So sehen wir, dass Zinevichs gesamte Hypothese auf nichts anderem gründet als seinem eigenen, von Ideologie getriebenen Fanatismus.

Wie traurig, dass der Independent, höchstwahrscheinlich ebenfalls von seiner antiisraelischen Agenda getrieben, Zinevich eine Plattform für seinen Hass geboten hat.

Bitte schicken Sie Ihre durchdachten Kommentare über sein Beschwerde-Formular an den Independent.

Olympischer Fanatismus: Alles Israels Fehler

18. August 2016

Zahava Raymond, HonestReporting, 17. August 2016

Ein Artikel im Economist mit der Überschrift Politik nimmt olympisches Rampenlicht im Nahen Osten in Beschlag wirft einen Blick auf die arabische Feindseligkeit gegenüber Israel bei den Olympischen Spielen, wird dann aber seiner eigenen Anklage schuldig.

Man könnte glauben, ein Artikel im Sportteil würde die Botschaft der Olympischen Spiele bekräftigen und dass der Umgang mit den israelischen Athleten unsportlich ist. Aber eine antiisraelische Agenda reißt den Artikel rücksichtslos an sich, legen nahe, dass Israel dafür verantwortlich ist den Rassismus hervorzurufen, den es durchleidet.

Der Economist macht seine Autoren über Initialen kenntlich, der Verfasser ist nur als N.P. zu identivizieren.

BackSpin_HR_160817_Economist BackSpin_HR-160817_Economist2

Unter Bezugnahme auf den ägyptischen Judoka, der dem israelischen Bronzemedaillen-Gewinner Or Sasson den Handschlag verweigerte, benutzt der Economist gefühlskalt das Massaker der Olympischen Spiele von München und schreibt: „El Shababys Brüskierung schient im Vergleich zu den Kugeln, die bei den Olympischen Spielen in München 11 israelische Athleten töteten, lediglich Symbolismus zu sein“, aber „trotzdem“ kritisierte Israel dieses unsportliche Verhalten.

Bedeutet das, Israel hätte die Brüskierung einfach hinnehmen sollen, nur weil sie kein Mord war?

Würde der Economist etwas derartiges zu irgendjemand anderem sagten, der wegen seiner Rasse, Religion oder Nationalität zum Ziel gemacht wird?

Der Artikel fährt fort:

BackSpin_HR-160817_Economist2Israels selbstgerechte Proteste tragen die Gefahr schrill zu klingen.

Selbstgerecht?

Es sind nicht die israelischen Athleten, die den Libanesen blockierten, damit sie nicht im selben Bus sitzen; oder die sich aus Wettkämpfen zurückziehen, um zu vermeiden gegen Araber antreten zu müssen. Es ist genau andersherum. Sasson streckte seinem ägyptischen Gegner die Hand als Geste des Respekts entgegen und was für eine Botschaft hätte es für die Israelis und Ägypter sein können. Aber wie die Geschichte hindurch verschmähte der Araber die israelische Geste.

Wo ist Jibril Rajoub?

Der Artikel gibt als Beispiel dieser „schrillen“, „selbstgerechten Proteste“ die Beschwerden über den Leiter des palästinensischen Olympischen Komitees, Jibril Rajoub.

Yisrael HaYom, Israels führende Zeitung und Sprachrohr von Premierminister Netanyahu, gab einer Kampagne reichlich Raum, die forderte, dass das Internationale Olympische Komitee (IOC) die Verbindungen zu Jibril Rajoub kappt, den Leiter des palästinensischen Olympischen Komitees. Als Chef der palästinensischen Sicherheitskräfte hat Rajoub in der Vergangenheit eng mit Israel zusammengearbeitet. Dennoch nannte ihn die Zeitung „einen Terroristen“.

Der Economist pickte sich nur eine Tatsache aus Israel HaYom heraus: dass Rajoub „in der Vergangenheit eng mit Israel zusammenarbeitete“, wozu er auf seine Rolle als Leiter der Vorbeugenden Palästinensischen Sicherheitskräfte verwies. Die hatte er bis 2002 inne. Das muss ihn wohl über Kritik erhaben und unfähig etwas Schlechtes zu tun machen.

Jibril Rajoub

Doch der Aritkel von Israel HaYsom gab ein weit detaillierteres Bild dessen, wer Rajoub ist. Hier das, was der Economist nicht schrieb:

  • Rajoub ist „für“ die palästinensischen Terroristen und „ermutigt“ zur Welle der Gewalt des letzten Jahres; er nennt sie „Helden“.
  • Er ehrt und glorifiziert beständig Terroristen, gratuliert ihnen im palästinensischen Fernsehen.
  • Er droht damit Israel aus den Olympischen Spielen zu halten.
  • Er nannte die Normalisierung mit Israel im Sport ein „Verbrechen gegen die Menschheit“.
  • Er besuchte einen Boxkampf, der nach einem der Terroristen hinter dem Massaker an israelischen Athleten bei den Spielen von München steckte.
  • Es sagte, eine Schweigeminuten für die israelischen Opfer von München abzuhalten, sei Rassismus.
  • Und er sagte dies:

Die internationale Gemeinschaft akzeptiert es nicht, dass in Tel Aviv Busse in die Luft fliegen, aber sie hinterfragt nicht, was einem Siedler oder Soldaten zustößt, der in den besetzten Gebieten zur falschen Zeit am falschen Ort ist. Niemand hinterfragt das. Daher wollen wir den Kampf auf eine Weise austragen, der die internationale Gemeinschaft auf unserer Seite hält.

Nachdem er den arabischen Fanatismus gegen Israel in Rio total herunterspielte, wirft der Economist einen Blick auf andere Beispiele für Politik bei den Olympischen Spielen, einschließlich dem, wie Südafrika von 1964 bis 1988 von ihnen ferngehalten wurde; er schließt hiermit:

Da Israel in den von ihm besetzten Gebieten höhere Barrieren zwischen Juden und Palästinensern baut, finden die Boykotteure die Analogie zu Südafrika besonders treffend.

Die einzigen Barrieren, die Israel baut, dienen dem Schutz Unschuldiger vor Terroristen, Es sind die israelischen Athleten, die den Geist des Friedens, des Respekts und der Toleranz ihres Landes nach Olympia bringen. Und sie sind die, die zur Diskriminierung ausgesondert werden.

———–

Sich die Rosinen aus anderen Zeitungen rauszupicken und widerspricht eklatant normaler journalistischer Gepflogenheit. Und die Vorstellung, dass Israelis hinnehmen sollten, was auf rassistischen Fanatismus hinausläuft, weil „sie wenigstens nicht umgebracht werden“, wäre für keine andere Rasse, Religion oder Ethnie akzeptabel, die sich wo auch immer ähnlich borniertem Verhalten ausgesetzt sieht. Nicht bei den Olympischen Spielen und nicht auf den Seiten des Economist.

Ausspielen der Judenkarte für die Ziele der BDS

30. Juni 2016

Zahava Raymond, HonestReporting, 27. Juni 2016

Im Gegensatz zu ihrem unschuldig klingenden Namen nimmt Jewish Voice for Peace in Wirklichkeit die gefährlichsten und radikalsten Positionen der BDS-Bewegung ein; die Gruppe unterstützt den palästinensischen Anspruch auf ein „Rückkehrrecht“ für Flüchtlinge, was das Ende Israels als jüdischer Staat bedeuten würde; sie hat die Lüge verbreitet, die Al-Aqsa-Moschee würde bedroht, und pries die zunehmende palästinensische Gewalt während der letzten acht Monate als „Widerstand“. Ihr angepinnter Tweet vom Oktober 2015 lobt MSNBC für deren „Mut“, eine Nebeneinanderstellung von Karten zu senden, die angeblich palästinensische Landverluste zeigen — wofür sich MSNBC später entschuldigt hat und zugab, dass die Karten „komplett falsch“ sind.

JVP schlachtet ihren jüdischen Charakter absichtlich aus, um die BDS-Bewegung vor Anschuldigungen des Antisemitismus abzuschirmen, was die Schlagzeile von Direktorin Rebecca Vilkomersons Artikel für die Washington Post erklärt: „Ich bin jüdisch und ich will, dass die Menschen Israel boykottieren“.

Impliziert wird, dass alle, die sich bei dem Gedanken unwohl fühlten, den weltweit einzigen jüdischen Staat für Boykotte und Dämonisierung auszusondern, jetzt ausdrücklich hierzu ermuntert werden, weil sie Rebecca Vilkomersons jüdische Erlaubnis haben. Aber ein genauerer Blick auf ihren Artikel zeigt, dass ihre Argumente zur Unterstützung von BDS derart schwach sind, dass ihre Religion die einzige Karte sein könnte, die sie überhaupt ausspielen kann.

Die von der Hamas begonnenen Kriege stellt sie als israelische „Angriffe auf Gaza“ dar. Sie nennt die Zahl der getöteten Palästinenser, verschweigt aber, dass die Mehrheit Hamas-Terroristen waren und dass die Hamas alles in ihrer Macht Stehende tat, um maximalen Kollateralschaden unter palästinensischen Zivilisten sicherzustellen — oder dass Israels Verhältnis aus getöteten palästinensischen Kämpfern zu getöteten Zivilisten besser ist als das Verhältnis anderer westlicher Armeen. Sie beschreibt die getöteten Palästinenserkinder, als habe Israel sie absichtlich erschossen, und erwähnt die Hamas mit keinem Wort, so als ob Israel völlig ohne jeden Grund in den Krieg gezogen sei.

Vilkomerson war entsetzt über Israels Selbstverteidigung und dass es seine Zivilisten gegen Raketenangriffe geschützt hat, also schloss sie sich der BDS an, „um Palästinensern Frieden und volle Rechte zu bringen“. Sie verschweigt, dass BDS dies durch die Ablehnung von Israels Existenzrecht erwirken will und die Zerstörung Israels als jüdischem Staat zum Ziel hat.

Sie lügt: „Palästinenser mit israelischer Staatsangehörigkeit leben in einem System ungleicher Rechte und Gesetze“. In Wirklichkeit haben Israels arabische Bürger gleiche Rechte, während die Palästinenser von der Palästinensischen Autonomiebehörde verwaltet werden.

Nach all den Unwahrheiten sieht ihr kläglicher Versuch einer Ausgewogenheit wie folgt aus: „Natürlich gab es zu dieser Zeit auch Angriffe auf israelische Zivilisten“, aber dann beschuldigt sie ausdrücklich die Opfer, indem sie Terroranschläge „ein schreckliches Symptom der anhaltenden Besatzung und Unterdrückung“ nennt. Sie ignoriert die Geschichte der arabischen Terroranschläge auf israelische Juden vor 1967 und selbst bevor Israel zum Staat ausgerufen wurde, sie ignoriert die Aufwiegelung durch palästinensische Medien und wäscht die Palästinenser von jeder Verantwortlichkeit für Terrorismus frei, so als seien sie nicht imstanden, ihre eigenen Entscheidungen zu fällen oder ihre Handlungen zu kontrollieren.

Zum Anti-BDS-Gesetz des New Yorker Gouverneurs Andrew Cuomo sagt Vilkomerson: „Es ist keine Diskriminierung, einen Staat für seine Völkerrechtsverletzungen und seinen Missbrauch von Menschenrechten zur Verantwortung zu ziehen.“ Nur dass das vollkommen an dem vorbeigeht, was BDS macht. Ist es Zufall, dass die eine, einzige Nation, die BDS verleumdet und dämonisiert und für Boykotte freigibt, der einzige jüdische Staat ist? BDS nimmt sich nicht die israelische Regierung und ihre Politik vor, sondern BDS zielt auf israelische Juden und ihre Geschäfte und diskriminiert sie einfach nur wegen ihrer Identität.

Wie Alan Dershowitz betont, ist Israel eine Demokratie mit…

inneren Mechanismen für die Adressierung seiner Unvollkommenheiten. Es gibt keinen legitimen Grund, Israel für die Art von externer Diskriminierung auszusondern, für die BDS steht.

Vilkomerson denkt, BDS sei das beste Werkzeug, Israel zur Änderung seiner Politik zu zwingen. Sie irrt sich. BDS mag Israel dämonisieren und delegitimieren, aber die Wahrheit ist auf Israels Seite und Israel lässt seine nationalen Sicherheitsentscheidungen nicht auf Druck fußen, der von irregeleiteten Artikeln und BDS-Lügen herrührt.

Breaking the Silence: Mittelsmann für anonyme Quellen

8. Mai 2015

Simon Plosker, HonestReporting, 5. Mai 2015

Zu oft sind, wenn es um Berichterstattung zu Israel und den Palästinensern geht, unbestätigte „Augenzeugen“ oder nicht genannte Quellen ein Merkmal der Medienveröffentlichungen, besonders derjenigen, die sich negativ auf Israel auswirken.

Und so verhält es sich mit einer Story, die die Organisation Breaking the Silence betrifft, die eine Sammlung Soldaten-Zeugenaussagen über den Gaza-Krieg des letzten Jahres veröffentlicht hat. Er wird von internationalen Medien weithin berichtet, darunter CNN, BBC, NPR, The Guardian, Daily Telegraph, Syndey Morning Herald, The Independent (Links eins und zwei), Financial Times (click via Google News) und die London Review of Books (hier vom linksradikalen israelischen Professor Neve Gordon). Reuters schreibt zum Beispiel:

Israel fügte palästinensischen Zivilisten im Gaza-Krieg von 2014 mit willkürlichem Feuer und laschen Einsatzregeln „massiven und beispiellosen Schaden“ zu, sagte am Montag ein Bericht, der anonyme Zeugenaussagen Dutzender Soldaten zitiert.

Der 237 Seiten starke Bericht der israelischen Interessenvertretungsgruppe Breaking the Silence beschrieb, wie die Israel Defence Forces (IDF) Schneisen der Verwüstung hinterließen, nachdem sie letzten Juli in den Gazastreifen mit dem erklärten Ziel einfielen, das Raketenfeuer der Hamas aus der Enklave zu stoppen.

„Wir schießen den ganzen Tag ohne Sinn herum. Die Hamas war nirgendwo zu sehen“, wurde ein Panzer-Feldwebel zitiert.

Die Gruppe sagte, ihre Befunde werfen „schwere Zweifel über die Ethik der IDF“ auf.

Aber was ist mit der verzerrten journalistischen Ethik, die hinter der Berichterstattung zu dieser Story steckt? Der Bericht von Breaking the Silence gründet in Gänze klar auf anonymen Aussagen. Im Wesentlichen nutzen die Medien Breaking the Silence als Mittelsmann, um die gebührende Sorgfalt in Sachen quellen zu vermeiden.

Der Bericht von Breaking the Silence erfüllt die akzeptierten Standards nicht, die Journalisten für ihre eigenen Berichte selbst anwenden.

Und wie wäre es damit die Motivation von Breaking the Silence zu hinterfragen? Der Journalist Jake Wallis Simons erzählte schon 2013, als der Interviews mit BtS-Mitarbeitern führte:

Zuerst war es nur eine Vermutung. Doch später wurde die Befangenheit der Organisation klarer. Während einer Interviewpause fragte ich Yehuda Shaul, einen der Gründer der Organisation, wie die Gruppe sich finanziert. Ich erfuhr zu meiner Überraschung, dass 45 Prozent von europäischen Ländern gespendet werden, darunter Norwegen und Spanien und die Europäische Union. Zu weiteren Spendern gehören UNICEF, Christian Aid und Oxfam GB. Mir scheint das potenziell problematisch.

Wie in allen Demokratien ist die IDF ein Organ des Staates, kein politischer Entscheidungsträger. Wenn das Ziel von Breaking the Silence einfach war das israelische Militär zu reinigen, wäre das kein solches Problem. Stattdessen besteht das Ziel darin „die Besatzung zu beenden“ – und auf dieser Grundlage stellt es seine Finanzierung sicher.

Es erschien daher so, dass diese ehemaligen Soldaten, von denen einige Gehälter von Breaking the Silence beziehen, von finanziellen und politischen Anliegen zur Förderung einer propalästinensischen Agenda motiviert waren. Sie erzählten nicht nur nicht die Wahrheit über ihre Erfahrungen. Sie standen unter Druck zu liefern.

In der Tat entdeckte ich später, dass es in der Vergangenheit viele Anschuldigungen gegeben hatte, Mitglieder der Organisation hätten ihre Aussagen gefälscht oder übertrieben.

NGO Monitor vermerkt zudem, dass die Spenden ausländischer Regierungen und NGOs, die die jüngsten Veröffentlichungen von Breaking the Silence finanzierten und legt dar:

Entgegen der Behauptungen von BtS, dass „die Inhalte und Meinungen in diesem Heft nicht die Haltung der Finanziers zum Ausdruck bringen“, offenbart Recherche von NGO Monitor, dass eine Reihe Geldgeber ihre Fördergelder unter dem Vorbehalt gaben, dass die NGO eine Mindestzahl an negativen „Zeugenaussagen“ erhält. Das widerspricht den Erklärungen von BtS und macht sie zu einer Organisation, die die Interessen ihrer Auslandsspender repräsentiert, was die Glaubwürdigkeit der NGO und ihre Fähigkeit zur Analyse komplizierter Kampfsituationen ernsten Schaden zufügt.

Die anfängliche Analyse von NGO Monitor zur Veröffentlichung von Breaking the Silence ist hier zu lesen; sie hebt einige ernste Fehler hervor.

Das hat aber die Medien nicht davon abgehalten sich auf anonyme Aussagen zu verlassen, um israelische Schuld zu bestätigen. HonestReporting hat früher schon zu anonymen Quellen festgestellt, dass ein Mangel an Transparenz Zweifel zur Qualität des Journalismus und zum Vertrauen in die Reporter aufwirft. Das ist ein Sinneswandel.

In diesem jüngsten Fall schient journalistische Ethik zweitrangig zu sein.

Wie wäre es damit, Israels Sicht eine Chance zu geben?

5. Februar 2015

Alex Margolin, HonestReporting, 5. Februar 2015

In einem der empörendsten Intereview-Sendungen der jüngeren Erinnerung unterbrach ein britischer Reporter, der über die Antiterror-Demonstration in Paris berichtete, seinen Gast, eine in Paris lebende Israelin, mit der Behauptung, Palästinenser hätten durch die Hände der Juden enormes Leid erfahren. Als die Frau gegen die Verschmelzung des Terrors in Paris mit den Leid der Palästinenser protestiert, diente der BBC-Reporter Tim Willcox diese herablassen Antwort an: „Sie werden verstehen, dass jeder aus unterschiedlichen Perspektiven gesehen wird.“

Es schockiert, einen scheinbar glaubwürdigen Reporter zu hören, wie er folgert, dass die Terrortaten in Paris irgendwie ihre Wurzel in Israel haben und dass er damit sagt, das sei eine legitime „Perspektive“. Was noch mehr schockiert: Das beschränkt sich nicht nur auf einen der Reporter.

„Willcox ist kein isolierter und abirrender Rassist; seine Sichtweisen sind die Standardmeinung der linken europäischen Mittelklasse“, schrieb Nick Cohen in The Spectator nach dem Interview. „Ich taf sie Tag für Tag in meinem politischen Viertel.“

Lesen Sie mehr in der New York Jewish Week (in Englisch)

Bild: CC BY-SA opensourceway via flickr mit Ergänzungen durch HonestReporting.

Der Telegraph weigert sich Jerusalem in Israel zu verorten

7. Oktober 2014

Simon Plosker, HonestReporting 2. Oktober 2014 (Übersetzung: Cora)

In der Sparte Reisen des Telegraph wurden in einer Diashow die Fotos der 20 ältesten Städte der Welt publiziert. Sie enthält Orte wie „Athen, Griechenland“, „Beirut, Libanon“, „Larnaca, Zypern“ und „Damaskus, Syrien“.

Aber schaut mal auf die Überschrift zu dem Foto von Jerusalem (zum Vergrößern, klicken)

telegraphjerusalem2

„Jerusalem, Naher Osten“

Ein Leser von HonestReporting kontaktierte den Telegraph um zu fragen, wie man darauf käme. Dies war die Antwort:

„Da es nach internationalem Recht umstritten ist, griffen wir auf Naher Osten zurück um Streit zu vermeiden. Ost Jerusalem ist durch die UN nicht als israelisch anerkannt. Daher zogen wir es vor, neutral zu bleiben und benutzten Naher Osten.“

Geht man davon aus, dass dies eine Diashow ist, die sich eher mit der geografischen Lage denn mit der Politik dieser 20 Städte beschäftigt, ist es da vom Telegraf wirklich zu viel verlangt, das Offensichtliche festzustellen?

Wir haben es schon erlebt, dass sich die Medien absichtlich damit zurückhielten, Jerusalem als Israels Hauptstadt anzuerkennen. Aber auch noch den Standort nicht anerkennen? Das hat weniger mit Neutralität von seitens des Telegraph zu tun, sondern gehört eher zum Bereich krasser Dummheit.

Mit „BUYcott“ BDS bekämpfen

14. September 2014

Alex margolin, HonestReporting, 4. September 2014 (übersetzt von Cora)

Im Bemühen um eine erfolgreiche Strategie, die gegen den BDS angewandt werden könnte, hat HonestReporting Sara Saber-Freedman interviewt, Vizepräsidentin des Centre for Israel and Jewish Affairs und Mitbegründerin von BUYcott.

HonestReporting: Seit der BDS das Hauptwerkzeug dafür geworden ist, die Gefühle und Meinungen gegen Israel zu wenden, welche Rolle kann der strategische Plan des Buycotts (Kauf viel) dabei spielen, der Presse der BDS Bewegung entgegenzuwirken?

Sara Saber-Freedman: Ich stimme Ihnen vollständig zu, dass der BDS tatsächlich ein reines Propaganda-Werkzeug ist. Während die Situation in Europa anders ist, haben die meisten Menschen in Nordamerika noch nie vom BDS gehört, wenn sie nicht sehr stark am einen oder anderen Ende des Pro- oder Anti-Israel-Spektrums engagiert sind. Außerdem BRAUCHEN die BDS Leute uns, für eine Überreaktion, mit sie überhaupt erst mediale Aufmerksam bekommen. In den Anfängen des BDS war die Pro-Israel-Gemeinschaft so wütend, dass wir teilweise durch unsere Reaktionen die Arbeit des Gegners machten, indem wir ihnen eine Medienplattform besorgten. Wir wurden das Vehikel, durch das die wenigen BDS Befürworter eine Menge Leute erreichten, die vorher noch nie etwas vom BDS gehört hatten.

BUYcott dachte sich daher eine dreigeteilte Strategie aus. Erstens den Pro-Israel-Vertretern etwas Positives und Konstruktives an die Hand zu geben, mit dem sie dem BDS begegnen können, ohne weitere Medienaufmerksamkeit auszulösen. Zweitens den Boykottlern mitzuteilen, dass, wenn sie versuchen durch BDS Israel zu isolieren, die direkte Konsequenz ist: MEHR Käufe, MEHR Handel und MEHR Unterstützung für Israel. Und drittens den Gebrauch der sozialen Medien zur Unterstützung Israels voranzutreiben, indem wir für eine demokratische Plattform sorgen, auf der jeder Fürsprecher Israels nach Kräften zur Hilfe aufrufen kann und Kampagnen organisiert werden können. Es ist wie eine Art Judo, in dem die Energie unserer Gegner als Hebelkraft für den Sieg Israels verwendet wird.

Es gibt ein aktuelles Beispiel, das ich anführen möchte. Inmitten des Gaza-Krieges wurde eine App – passend Buycott genannt – bekannt. Diese App erlaubte es den Nutzern, Kampagnen zu den unterschiedlichsten Themen vom Stapel zu lassen, von Produkten aus genetisch veränderten Pflanzen bis zu „Made in Italy“. Indem man den Barcode Scanner der Handys benutzt, kann man die Produkte identifizieren, die man kaufen oder vermeiden möchte. Es ist wohl nicht nötig zu sagen, dass während des Gaza-Krieges, die Kampagne zum Boykott israelischer Waren sehr verbreitet war. Wir nahmen die Gelegenheit wahr, diese App für den genau entgegen gesetzten Grund zu nutzen; wir spornten die Leute an, die Anti-Israel Kampagne als Weg zu nutzen, die Firmen und Waren zu finden, die dadurch ausgeschlossen wurden und genau diese Dinge zu kaufen.

HonestReporting: Schon vor dem Gaza Krieg gab es Anzeichen, dass die BDS-Bewegung größere Auseinandersetzungen plant, vor allem an den Universitäten. Wie sieht die Auseinandersetzung mit dem BDS in den nächsten Jahren aus und wird die BUYcott-Strategie ein Teil davon sein?

Sara Saber-Freedman: Wir müssen festhalten, dass die studentischen Resolutionen auf den Campussen rein symbolischer Natur sind. Die Selbstverwaltungen der Studenten spielt in der Investitionspolitik der universitären Stiftungen oder der allgemeinen Politik der Partnerschaften, die von den Universitätsverwaltungen beschlossen werden, keine Rolle. Kanadische Universitäten, die ich am besten kenne, führen ihre Beziehungen mit Israel fort und erweitern sie sogar. Das liegt daran, dass der Großteil der Akademiker der Meinung ist, akademische Freiheit bedeute, dass Politik Menschen nicht daran hindern sollte, ihr intellektuelles Streben miteinander zu teilen; und weil Stiftungen und die Investmentpolitik der Pensionsfonds an Generieren von Geld interessiert sind, statt an politischen Aussagen. Die Befürworter der studentischen BDS-Resolutionen wissen sehr genau, dass diese nur leere Gesten sind; es ist Propaganda, wie ich vorhin schon sagte.

Eine der Sachen, die wir bei BUYcott sehr effektiv betreiben, ist die Forderungen der BDS Bewegung genau zu untersuchen. So wissen wir z.B., dass einige der BDS-Resolutionen auf den Campussen zurückgenommen wurden, weil diejenigen, die sie eingebracht hatten, die Regeln und Regularien, die es auf jedem einzelnen Campus gibt, nicht respektiert hatten. In einem anderen Fall, der schon einige Jahre zurückliegt, verkaufte eine Ivy League-Universität mit einem riesigen Stiftungsfond alle israelischen Anteile aus dem Portfolio der „Wirtschaftsentwicklung“. Von den BDSlern wurde das als Sieg verkündet, doch das Gegenteil war der Fall: Israels Wirtschaft ist so gut, dass es nicht länger für Wirtschaftshilfe aus diesem Fonds qualifiziert war.

BUYcott ist eine Plattform, die diese falschen Behauptungen entlarvt, entweder direkt oder durch unsere Kollegen weltweit; wir haben die Möglichkeiten ganz nach oben zu gehen, um genaue und sichere Informationen zu bekommen, die wir mit unseren Mitgliedern teilen können.

Israels Wirtschaft wächst kontinuierlich, der Tourismus nimmt ständig zu, abgesehen von diesem Sommer durch den Krieg (nicht durch BDS), Künstler kommen weiterhin, um in Israel aufzutreten (das jüngste Beispiele waren die Stones und in diesem Monat Lady Gaga). Kurz gefasst: Die BDS Propaganda bleibt was sie ist: Propaganda.

Wir von der Pro-Israel-Gemeinschaft sollten unseren Gegnern keinen unverdienten Sieg verschaffen, indem wir verkünden, die hohlen Bemühungen seien erfolgreich, wenn sie es in Wahrheit überhaupt nicht sind.

Ein unkonventioneller Blick auf das europäische Vorurteil gegen Israel

16. Juni 2014

HonestReporting.com, Gastkommentar vom 17.04.14 (Übersetzung: Cora)

Dieser Gastbeitrag wurde von Timon Dias geschrieben, der bald den Master in Psychologie der Universität Leiden/Niederlande erhalten wird. Er hat großes Interesse an der Politik im Nahen Osten und der islamischen Religion. Als niederländischer Kolumnist hat er schon viele Artikel über die psychologischen Auswirkungen des Sozialismus auf die Menschen und die Gesellschaft, die problematischen Aspekte der Integration von Muslimen in die westliche Gesellschaft und über die Politik im Nahen Osten und Israel in De Volkskrant, De Dagelijkse Standard und auch beim Gatestone Institute veröffentlicht.

Das zweierlei Maß der europäischen Politik gegenüber Israel ist ausgiebig dokumentiert worden. Die möglichen Gründe für dieses Phänomen sind ebenso breit diskutiert worden. Einige Faktoren und Theorien, einschließlich jener, in denen die individuelle Psyche im Mittelpunkt steht, sind dagegen selten, aber meiner unmaßgeblichen Meinung nach, wert durchdacht zu werden.

Wie es scheint, ist vor allem die europäische Haltung zutiefst rassistisch …. gegenüber den arabischen Muslimen. Während Israel auf das Genaueste auf den allerkleinsten Fehler hin geprüft wird, wird der offensichtlichen Unterdrückung und Tyrannei in den arabisch-muslimischen Staaten mit einer Gleichgültigkeit begegnet, als sei dies ein vorhersehbarer und tolerabler Status Quo. Heißt das, dass die Europäer (unbewusst) nicht daran glauben, die arabischen Muslime seien zu einer zivilisierten Regierung und Gesellschaft fähig und sehen sie daher keinen Grund, sich darüber aufzuregen? Natürlich würden sie einen solchen Gedankengang niemals zugeben, doch die Wildheit der Kritik an Israel verbunden mit der apathischen Gleichgültigkeit gegenüber arabisch-muslimischer Übeltaten lassen ein Körnchen Wahrheit vermuten.

Europas Verachtung oder auch offener Hass gegenüber Israel hat einen einzigartigen Charakter, der nicht auftritt, wenn die tatsächlichen Feinde Europas beurteilt werden. Vergleichen Sie einfach die Leidenschaft und Emotionen, die von den unterschiedlichsten Politikern zum Ausdruck kommen, wenn sie über den Iran oder Nord-Korea sprechen, mit denen, wenn es um die sogenannten israelisch „besetzten“ Gebiete geht oder die Lebensumstände der palästinensischen „Flüchtlinge“. Sogar gegenüber den Russen, die offensichtlich die europäischen Interessen unterminieren, wirken Europas Verurteilungen teilnahmslos, ja voller Defätismus. Es ist, als würden sie sagen: „Wir müssen euch verurteilen, dafür werden wir schließlich bezahlt; aber wir wissen, dass ihr ohnehin gewonnen habt.“

Wenn es aber irgendwie um Israel geht, kann man tatsächlich Wut und eine feindselige Körpersprache feststellen, während es, wenn es um den Iran oder andere Gefahren geht, eine Gemütsruhe vorherrscht, der sich die Europäer auch noch selbstgerecht brüsten.

In diesem Kontext kann das Tiefengefühl wie folgt beschrieben werden: „Es hat mit der Antwort des Körpers zu tun, die dem Intellekt entgegensteht, ähnlich dem Unterschied zwischen Fühlen und Denken.“ Die europäischen Kritiker Israels scheinen, wenn man sie während der Äußerung beobachtet, tatsächlich mehr zu fühlen als zu denken.

In der Psychologie ereignen sich Reaktionen aus dem Bauch heraus vor allem dann, wenn jemand eine privilegierte Position gegenüber einer anderen, wichtigen Position in Gefahr sieht. Diese tiefen und starken Emotionen werden durch die evolutionäre Psychologie erklärt: Der Verlust einer privilegierten Position bei den Eltern kann den Verlust von Essen und Schutz zur Folge haben, was mit dem Tod endet; wohingegen der Verlust einer besonderen Stellung gegenüber einem Partner mit dem Ausbleiben von Nachkommen einhergehen kann – eine Notwendigkeit die tief in unserer DNA verankert ist. Könnten diese speziellen Fälle etwas mit der übermäßigen Kritik der Europäer an Israel zu tun haben? Nicht wirklich, aber sie sind geeignet um darzustellen, wie anscheinend harmlose Situationen ein tiefsitzendes Gefühl auslösen können, wenn diese Situation indirekt oder unbewusst mit einer tödlichen oder existentiellen Gefahr in Verbindung gebracht wird. Könnte also die übermäßige europäische Kritik an Israel daher kommen, dass sie tatsächlich, allerdings unbewusst, glauben eine tödliche Gefahr abzuwehren? Indirekt könnte die Antwort „Ja“ lauten. Haben Sie Nachsicht mit mir.

Wie Freud es als erster richtig dargestellte, hat jeder Mann oder Frau animalistische, aggressive und sexuelle Triebe. Durch unser Bewusstsein und Kultur werden wir gezwungen, uns auf eine Art auszudrücken, die weder uns, noch unsere Familie oder Interessen schädigen. Bleiben wir hierzu bei den aggressiven Trieben. Die Europäer sehen sich gerne als den Höhepunkt der zivilisierten Menschheit, die die menschlichen Phasen der Aggression und Gier nach Macht unwiderruflich überwunden haben. Aber natürlich lässt sich die menschliche genetische Blaupause nicht durch die knapp 60 Jahre der europäischen „Hochkultur“ überschreiben. Ein europäischer Politiker hat, wie jedes menschliche Wesen, aggressive Triebe und sucht nach Möglichkeiten, diese auszuleben.

Natürlich kann es passieren, wenn jemand auf der Arbeit aggressive Triebe empfindet, er oder sie dann diese Triebe an einen sicheren Ort verlagert, normalerweise in private Beziehungen. In der Politik dagegen ist die Projektion von Macht der Kern des ganzen Geschäfts. Es ist daher sehr wahrscheinlich, dass ein Politiker, der aggressive Triebe verspürt, während er Politik betreibt, bei der Verlagerung dieses Bedürfnisses in der Arena seines Berufs verbleibt, ihn aber auf ein sichereres politisches Ziel richten wird.

Welches bessere Ziel gibt es bei der Suche danach seine Trieben freie Hand zu geben, als den jüdischen Staat Israel? Es gibt keins, denn es ist so verdammt sicher! Egal wie stark die Aggressionen gegenüber Israel ausfallen: Es ist höchst unwahrscheinlich, dass es ihm, seiner Familie oder seinen Interessen Schaden zufügt. Ist die irrationale Wut auf Israel also ein Werk der menschlichen Psyche, um sicher zu bleiben?

Ein Beispiel: Ein dienstbarer europäischer Politiker, der sein Interesse derzeit auf subversive Elemente in der Gemeinschaft der europäischen Muslime richten sollte, kann wahrscheinlich nicht gegen diese wettern ohne als Rassist gebrandmarkt zu werden; er würde ein oder zwei Fatwas gegen sich geschleudert bekommen und wahrscheinlich 24 Stunden, 7 Tage die Woche bewaffneten staatlichen Schutz benötigen.

Europäische Politiker, die ja auch nur Menschen sind, werden aggressive Triebe haben, die sie auf einem sicheren Weg auszuleben versuchen. Israel ist das sicherste Ziel. Die Übertreibungen in ihrer Kritik könnte daher kommen, dass sie, wenn ihre Äußerung gegen Israel nicht ausreichen, sie ihre Triebe auf ein anderes Ziel richten müssten, z.B. eben auf die subversiven islamischen Elemente in Europa oder gegen die Russen. Wenn sie das machten, setzten sie sich dem Zorn der Muslime oder der Wut der Linken oder dem weit reichenden Arm Moskaus aus – was alles eine potenziell tödliche oder zumindest existentielle Bedrohung mit sich brächte.

Eifersucht und Missgunst könnten ebenfalls zu den vernunftwidrigen Schmähungen Israels durch Europa beitragen. Ich meine damit nicht nur die Eifersucht auf die israelischen Erfolge in jedem wissenschaftlichen Gebiet, sonder auf das Ausmaß an Zivilisiertheit, die das jüdische Volk anscheinend allgemein an den Tag legt. Während der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts sind Länder wie Spanien, Italien und Deutschland selbstgemachten Tyranneien anheimgefallen, um dann den gesamten Kontinent in den folgenden Jahren mit sich in den Abgrund zu ziehen. Und dann gibt es da die Juden. Eine verfolgte Minderheit, die gerade dem Mord an 6 Millionen Ihresgleichen entkommen sind, denen zum ersten Mal seit biblischen Zeiten ein Staat gegeben wurde, der vom ersten Tag an zahlenmäßig und waffentechnisch unterlegen, sich arabischen Vernichtungskriegen gegenüber sah. Was dann passierte – oder besser: nicht passierte – ist etwas, das selten als Verdienst, sondern meist als selbstverständlich hingenommen wird. Israel, ein Staat traumatisierter Menschen unter existentieller Bedrohung, blieb eine Demokratie. Es entwickelt sich nicht zurück zu einer Militärdiktatur, was nur zu verständlich gewesen wäre, bedenkt man die Lage, in der das Land war. Diese Offensichtlichkeit von Anstand ist etwas, das die europäische Geschichte derart in Verlegenheit bringt und zeigt, dass das jüdische Volk irgendwie, auch unter den schrecklichsten Umständen, eine „Hochkultur“ hat, von der Europa nur träumen kann.

Ein weiterer Faktor der modernen Zeit ist, dass die EU nur zu einem einzigen Zweck gegründet wurde: Um das europäische Konzept der Nationalstaaten abzuschaffen. Sie sah einen utopischen, irgendwie monokulturellen und grenzenlosen Kontinent vor. Behält man das im Kopf, dann ist verständlich, dass die von der EU geprägten Europäer schaudern, wenn sie auf Israel schauen; mit seinem Nationalstolz, seiner Unverwechselbarkeiten, tief verwurzelt in seinen kulturellen und religiösen Gebräuchen und als stärkste Militärmacht in der Region ist der jüdische Staat die Verkörperung eines Nationalstaates. Und nicht nur das, sondern trotz allem gedeiht dieser Nationalstaat und ist damit das Hauptargument gegen alle Anti-Nationalstaatsdoktrinen der Europaföderalisten.

Aber es ist auch wichtig, die europäische Kultur als Ganzes zu betrachten. Die Europäer entwickelten sich zu Menschen, die Freund von Feind nicht mehr unterscheiden können, eine erfolgreiche Kultur nicht mehr von einer erfolglosen Kultur, aufbauend nicht mehr von zerstörerisch und Fortschritt nicht mehr von Rückschritt. Europäer sind die Menschen, die genau die falschen Schlüsse aus dem Zweiten Weltkrieg zogen: Sie betrachten Nationalismus als die frevelhafte Ursache dieses Konflikts, dabei war es der Kollektivismus, der uns in die Dunkelheit zog. Europäer sind die Leute, die eine außergewöhnliche Verachtung jener Männer und Frauen entwickelten, die sie vor dem italienischen Faschismus, dem deutschen Nationalsozialismus, dem japanischen Kaiserreich und der Sowjetunion gerettet haben und die bis jetzt ihre einzigen Beschützer sind – die Amerikaner – und sie verschmähen das einzige ökonomische Konstrukt, welches sie mit der größten Zunahme an Wohlstand gesegnet hat – den freien Markt.

Das philosophische Fundament des Relativismus und die Sehnsucht nach einer „Hochkultur“, welche weit über dem Materialismus und dem Wunsch nach Gewinn steht, die heute in Europa die Oberhand haben, hatte immer ein Problem mit dem Bürgertum. Die aufgeklärte kaufmännische Mittelschicht, deren Kernwerte harte Arbeit und Verantwortung waren, wurde schon immer von den Philosophen verachtet und dies legte den Grundstein für die heutige Kultur Europas.

Welche Menschen werden in der europäischen Kultur am ehesten mit Geld, Handel und der Suche nach Gewinn in Verbindung gebracht? Es sind nicht die Sri Lanker, das ist klar. Diese Ehre gehört natürlich den Juden.

Wie Thomas Friedman einst schrieb: „Israel zu kritisieren ist nicht antisemitisch, das zu behaupten ist scheußlich. Aber einzig und alleine Israel der Schande und internationalen Sanktionen ohne jede Relation zu den anderen Gruppen des Nahen Ostens auszusetzen, das ist Antisemitismus. Das nicht auszusprechen ist unehrlich.“ Der europäische Antisemitismus ist ein Jahrhunderte altes Phänomen. Die Jahrhunderte alte theologische Version der Katholiken, die rassistische Form der Nationalsozialisten und die post-moderne, antimaterialistische Version hinterlassen allesamt immer noch ihre Spuren in der gemeinsamen Kultur Europas.

Es ist ein trauriger Gedanke, aber vielleicht war es naiv zu glauben, dass nach all den Jahrhunderten der europäische Antisemitismus endlich ganz und gar verschwinden würde, nur weil 6 Millionen Juden in die Gaskammern und Erschießungsgruben geschickt wurden. So funktioniert die menschliche Psyche halt nicht, auch wenn wir uns wünschten, sie funktioniere so, weil es sich so verflixt logisch anfühlt.

Wenn jemand die Twin Towers und wofür sie stehen hasst und einer von ihnen würde einstürzen, würde er dann aufhören den übrig gebliebenen zu hassen?