Archive for the ‘Europ. Medien und Nahost’ category

Wo ist der dritte Tempel?

14. Mai 2013

HonestReporting Media BackSpin, 14. Mai 2013

Die Londoner Times (Paywall für Nicht-Abonnenten) veröffentlicht eine Geschichte unter der folgenden Überschrift:

Übersetzung: EU unterstützt dritten Tempel an Jerusalems heiligster Stätte, so jüdische Extremisten

Im Artikel heißt es:

Ein Aufruf der EU-Außenbeauftragten Lady Ashton zur Religionsfreiheit in Jerusalem wurde von extremistischen jüdischen Organisationen und religiösen Führern als Erklärung zur Unterstützung für einen umstrittenen dritten Tempel auf dem Hügel in der Altstadt vereinnahmt.

Doch nur zwei Absätze später dies:

Nun fordern einige Hardliner-Gruppen, dass Juden an der Stelle beten dürfen sollen, die sie das “Allerheiligste” nennen, und sie interpretieren einen Aufruf Lady Ashtons für Religionsfreiheit in Jerusalem als stillschweigende Unterstützung für das Recht der Juden, dort beten zu dürfen.

Ein Sprecher Lady Ashtons sagte am Wochenende: “Es ist von grundlegender Bedeutung, dass der Zugang zu den Heiligen Stätten in Jerusalem für friedlichen Gottesdienst allen Konfessionen in vollem Umfang zuerkannt wird.”

In der Tat gibt es Forderungen, Juden den Gottesdienst auf dem Tempelberg, der heiligsten Stätte des Judentums, zu erlauben – auch die religiöse Vorstellung, dass in Zukunft dort ein dritter Tempel entstehen wird.

Jedoch scheinen Artikel und Überschrift daraus ein Gefühl von Gefahr zu vermitteln, das weit darüber hinaus geht, was die Nachweise im Text selbst hergeben.

Wie konnte ein Aufruf für die Gebetsfreiheit auf dem Tempelberg zu einer Überschrift mutieren, die den Bau eines dritten Tempels fordert?

Volltreffer: BBC korrigiert syrische Propaganda-Headline

10. Mai 2013

HonestReporting Media BackSpin, 10. Mai 2013

Am Montag hatten wir unsere Leser gebeten, wegen dieser Headline eine Beschwerde an die BBC zu richten:


Wir hatten darauf hingewiesen, dass bei der BBC die syrische Propaganda, in der suggeriert wurde, Israel arbeite mit Terrorristen zusammen, im Wortlaut übernommen worden war. Die BBC hat nun mit einer neuen Headline und Korrektur reagiert:

Korrektur (7. Mai 2013): die Überschrift dieses Berichts wurde geändert, um klarzustellen, dass die Behauptung, israelische Luftangriffe wären mit den Rebellen koordiniert worden, von den syrischen Behörden aufgestellt wurde.


Geänderte Headline übersetzt: Syrien behauptet, dass israelische Luftschläge “mit Terroristen koordiniert worden sind”

Auch wenn zu bedauern ist, dass syrische Propaganda als so berichtenswert befunden wurde und wir immer noch sehr unzufrieden sind mit der Berichterstattung selbst, bedeutet die aktualisierte Schlagzeile eine Verbesserung gegenüber dem Original.

Die BBC mag wohl nicht immer so auf Beschwerden reagieren, wie wir uns das wünschten, aber Ihre/Eure Aktionen beweisen, dass sie diese registriert. Gemeinsam können wir viel bewirken.

BBC-Schlagzeilen: Nachplappern syrischer Terrorvorwürfe gegenüber Israel

6. Mai 2013

HonestReporting Media BackSpin, 6. Mai 2013

Die BBC nimmt offensichtlich nicht zur Kenntnis, dass Terrorakte gegen israelische Zivilisten eben das sind, was sie sind, und dass Palästinenser, die in mörderischer Absicht israelische Zivilisten mit Messern, Raketen und Selbstmordanschlägen töten wollen, nun mal Terroristen sind.

Dennoch hat die BBC dank freundlicher Mithilfe des verabscheuungswürdigen syrischen Regimes von Bashar al Assad, das verantwortlich ist für den rücksichtslosen Mord an Männern, Frauen und Kindern in einem Bürgerkrieg, der während der letzten drei Jahre etwa 70.000 Menschenleben* gekostet hatte, das “T”-Wort**, für sich entdeckt.

Ja, es stimmt: Israel wird mit Terroristen in Verbindung gebracht. Und woher wissen wir das? Zumindest von den Syrern.

Werfen wir zunächst einen Blick auf die Homepage von BBC News:

Artikelüberschrift: “Israelische Luftschläge geben Terroristen Rückendeckung”

Und dann auf den Artikel selbst:


Artikelüberschrift:
Israelische Luftschläge mit Terroristen abgestimmt

Ein gehöriges Stück Terror für die BBC, was den Anschein erweckt, dass man die Propaganda des syrischen Regimes zu ernst nehmen solle.

Könnte man sich bei den Schlagzeilenschreibern der BBC noch mehr Pathos vorstellen?

Handeln Sie bitte jetzt. Richten Sie Ihre Kritik (bitte in Englisch) an www.bbc.co.uk/complaints, die Beschwerdeseite der BBC. Für detaillierte Navigation durch die Seite klicken Sie bitte hier.

Bitte twittern Sie diesen Artikel, geben Sie ihm ein „Like“ oder verbinden Sie diesen Artikel auf ihrer Webseite/Blog. Er kann nur dann große Wirkung entfalten, wenn er eine große Leserschaft erreicht, speziell durch eine entsprechende Eingabe bei Google.

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*Anmerkung (bd):

Seit 1949 bis heute sind in der kriegerischen Auseinandersetzung zwischen Palästinensern und Israelis wesentlich weniger Menschen ums Leben gekommen, viele davon aber durch palästinensische Anschläge auf israelische Zivilisten, die ungezählten verkrüppelten Israelis nach Anschlägen nicht mitgerechnet.

Die im Link aufgeführten Wikipedia-Angaben beziehen sich meist auf ausgewählte und relativ ungesicherte Quellen, sind nicht immer wissenschaftlich belegt und geben oft die palästinensische Sichtweise wider.

** Die Umschreibung T-Wort (also Terror) steht dafür, dass viele Mainstream-Medien das Wort Terror vermeiden, um islamische Terroristen in einem besseren Licht darzustellen oder als sozial motivierte Robin Hood-Figuren darzustellen (bd).

Terror schönreden: Die Ausflüchte der BBC

6. Mai 2013

HonestReporting Media BackSpin, 6. Mai 2013

Als Reaktion auf die Kritik von HonestReporting an der BBC-Berichterstattung über den tödlichen Messerangriff eines palästinensischen Terroristen auf einen Israeli hat das für Nahost zuständige Redaktionsbüro der BBC einem unserer Abonnenten folgende Antwort zukommen lassen:

Wir verwendeten das Wort “Siedler”, weil es in erster Linie der Terminus ist, der möglichst exakt und vollständig das Attentatsopfer vom [letzten] Dienstag beschreibt. Selbstverständlich lieferten wir im Bericht weiter unten mehr Details zum Opfer.

“Israeli” ist hier falsch, weil damit nicht deutlich wird, dass Eviatar Borovzky im Westjordanland gelebt hatte. Nach Internationalem Recht handelt es sich beim Westjordanland um besetzte Gebiete, und Israelis, die dort leben, sind demzufolge Siedler. Dies schmälert oder rechtfertigt in keiner Weise einen Mord. Da zuständig für Informationen für ein internationales Nachrichten-Publikum versuchen wir so transparent wie möglich darüber zu berichten, wer wen und wo getötet hat. Alle drei führenden internationalen Nachrichtenagenturen – Reuters, Associated Press [AP] und AFP – verwendeten exakt die gleiche Formulierung wie wir.

Die englischsprachige News-Website “Ynet“ gebrauchte das Wort “Siedler” in diesem Zusammenhang so wie wir. Die Schlagzeile zu einem Bericht vom 30. April lautet: “Nach Terroranschlag werfen Siedler mit Steinen und brennen Felder ab.” Und weiter: “Wenige Stunden nach der Ermordung des jüdischen Siedlers Eviatar Borovsky durch einen palästinensischen Terroristen im nördlichen Westjordanland am Dienstagmorgen schleuderten nahe dem Dorf Hawara dutzende Siedler Steine auf  palästinensische Fahrzeuge.” (http://www.ynetnews.com/articles/0,7340,L-4374261,00.html)

Mehrere Leser beschwerten sich darüber, dass wir den palästinensischen Angreifer nicht als Aktivisten, Militanten oder Terroristen bezeichnet hatten. Uns ist nicht bekannt, dass der Angreifer zu einer politischen oder bewaffneten palästinensischen Gruppe gehörte.

Vier Richtigstellungen dazu:

1) Warum sollte [ausgerechnet; bd] Eviatar Borovskys Wohnort als bestimmendes Indiz dafür herhalten, dass er Opfer eines Terroranschlages wurde?

2) Die BBC hat noch immer nicht kapiert, dass ihre Auslegung zum Status von Siedlungen nur eine von mehreren Interpretationen des Völkerrechts ist.

3) Seit wann richtet sich die BBC an israelischen Medien aus, wenn es um Begriffsbestimmungen geht? Auch wenn YNet Borovsky als Siedler bezeichnete (worauf die von BBC zitierte Schlagzeile jedoch keinerlei Bezug nimmt) verwies die Jerusalem Post in der Überschrift  auf ihn als “israelischen Mann“, und The Times of Israel bezeichnet ihn lediglich als “Israeli”.

4) Seit wann muss ein Terrorist ein von einer Organisation bezahltes Mitglied sein, um als Terrorist bezeichnet werden zu können? Die Attentäter beim Boston-Marathon wurden von keiner islamistischen Organisation als Mitglieder geführt, und dennoch wurden sie als Terroristen bezeichnet.

Sorry BBC – diese Antwort ist einfach nicht gut genug.

Miese Rider-Schlagzeilen

1. Mai 2013

HonestReporting Media BackSpin, 1. Mai 2013

Durch einen israelischen Luftangriff wurde ein islamischer Jihadist getötet. Hithem Ziad Ibrahim Masshal war an einem Raketenangriff auf den Ort Eilat vor wenigen Tagen beteiligt. Die Geschosse waren aus der ägyptischen Halbinsel Sinai abgefeuert worden. Masshal hatte den Konflikt also mit Sicherheit internationalisiert.

Deshalb amüsierte ich mich über diese Headline von Sky News. Die gelbe Hervorhebung akzentuiert die Beschreibung von Masshal, der – sagen wir mal – sicher niemanden an Peter Fonda, Dennis Hopper und Jack Nicholson im Kult-Film Easy Rider erinnert. Der Jerusalem Post zufolge war der Salafist Masshal „an der Herstellung, Entwicklung und dem Handel mit Schusswaffen, insbesondere Raketen und Bomben beteiligt…”


Motorradfahrer?

Trug er einen Helm?

So also hatte Israel Masshal beschrieben?

Sicher nicht.

Dann möchte ich als Jerusalems Top Bus Surfer in Erinnerung bleiben.

UPDATE: Beim Guardian hat auch jemand einen Trip geschluckt.


UPDATE: So auch beim Independent.

Gastbeitrag für HonestReporting: Mediziner reagieren auf Lancet-Artikel zu israelischen Ärzten und Folter

19. März 2013

HonestReporting Media BackSpin, 19. März

Dr. Jeffrey Goldstein und Dr. Steve Samuel sind Mitglieder der Organisation DARA (Ärzte gegen Rassismus und Antisemitismus), die sich dafür einsetzt, dass in medizinischen Publikationen subjektive Artikel, die auf die Kriminalisierung von Rasse, Nation oder Land abzielen, unterbunden werden. Besuchen Sie ihre Website unter www.daradocs.org.


“Israelische Ärzte geheimer Foltervereinbarung bezichtigt”. Hier handelt es sich zwar nur um eine Anklage, aber wenn sie in einem angeblich glaubwürdigen medizinischen Fachblatt erscheint, wird eine Schuld suggeriert. In Wahrheit handelt es sich um eine neue Headline in der medizinischen Zeitschrift The Lancet.

Sharmila Devis’ Artikel stellt Behauptungen auf und wiederholt Stellungnahmen, die mit objektivem Journalismus und klinischer Medizin nicht vereinbar sind. Der tragische Tod Arafat Jaradats, eines 30 Jahre alten Vaters zweier Kinder und Mitglied der Al-Aqsa-Märtyrer-Brigade, wurde in die willkommene Gelegenheit umgemünzt, die Gemeinschaft israelischer Mediziner zu beschmutzen.

Eine am nächsten Tag durchgeführte Autopsie israelischer Rechtsmediziner diagnostizierte, dass die wahrscheinliche Todesursache eine Herzattacke war (Myokardinfarkt). Es ist unbestritten, dass über eine Stunde lang intensive Versuche zur Herz-Lungen-Reanimation (CRP) durchgeführt wurden. Dr. Saber Aloul, der Chef-Pathologe der Palästinensischen Autonomiebehörde, der bei der Autopsie zugegen war, wird mit den Worten zitiert, dass “Blaue Flecken am Körper Spuren von Folter zeigten.”

Jeder, der einmal eine CPR-Grundausbildung durchlaufen hat, weiß, dass die physische Kraft, die erforderlich ist, eine adäquate Herzdruckmassage durchzuführen, um den notwendigen Output der Herzleistung zu generieren, immer zu einem Thoraxtrauma (Verletzung des Brustraumes) führt, nicht selten auch zu Rippenbrüchen und/oder Brustbeinfrakturen. Blutergüsse wären am folgenden Tag deutlich sichtbar. Wenn ein Arzt daraus schließt, dass Blutergüsse eine Folter nachwiesen, ist unwissenschaftlich und unprofessionell. Eine frühere Untersuchung im The official journal of the European Resuscitation Council bestätigt, dass nach der Autopsie bei 18 von 19 Patienten (95 %), die mit der CRP-Methode behandelt worden waren, Frakturen festgestellt wurden, (Quelle: Reanimation: Band 60, Ausgabe 2, Februar 2004, Seiten, 157-162 und http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0300957203003757)

Dr. Michael Sayre, Sprecher der American Heart Association und Professor an der University of Washington in Seattle, hat kürzlich erklärt, dass gebrochene Rippen bei der Anwendung von CPR einkalkuliert werden müssen, und die Befürchtung, man könnte einen Bruch verursachen, Menschen nicht davon abhalten sollte, jemandem bei einem Herzstillstand zu helfen.

Und Dr. Victor Quint, Anästhesist am Humber River Regional Hospital in Toronto, sagte: “Jeder, der ein CPR durchgemacht hat, kann wie ein Trauma-Patient aussehen.”

Wenn israelische Ärzte irgendetwas verbergen wollten, hätten sie dann Dr. Aloul zur Beobachtung der Autopsie eingeladen? Seine Teilnahme als Chef-Pathologe der Palästinensischen Autonomiebehörde steht in scharfem Kontrast mit den Ereignissen 6 Tage nach dem Tod von Arafat Jaradat, als Ayman Samara, ein 40-jähriger Palästinenser, im Gefängnis der Palästinensischen Autonomiebehörde in Jericho ums Leben gekommen war.

Der palästinensische Journalist Khaled Abu Toameh schrieb damals, am 5. März:

“Die Palästinensische Autonomiebehörde hat palästinensische Journalisten energisch daran gehindert, über den mysteriösen Tod von Samara zu schreiben. Ein palästinensischer Reporter, der bei Interviews mit Menschen außerhalb des Gefängnisses von Jericho erwischt worden war, wurde sogar für mehrere Stunden von Sicherheitsbeamten der palästinensischen Autonomiebehörde festgehalten.”

Das Ausbleiben jeglicher Kommentare oder eines Verweises auf medizinische Fachliteratur bzw.  unvoreingenommenen Fachwissens in Bezug auf induzierte Traumata während der CPR stellt Frau Sharmila Devis Artikel jenseits des Fachwissens aller objektiven, medizinisch-wissenschaftlich publizierten Standards. Die Verantwortung für die öffentliche Rezeption des Artikels liegt bei der Redakteurin des The Lancet.

The Lancet ist eine seriöse medizinische Fachzeitschrift. Aber ihre unbegründeten Behauptungen und aufhetzenden Schlagzeilen diffamieren statt zu informieren und aufzuklären. The Lancet hat ihre Glaubwürdigkeit geschmälert und eine Agenda verraten, weil sie untauglich ist für eine vertrauenswürdige medizinische Literatur.

Bitte senden Sie Ihre Leserbriefe [in Englisch] an Anne Rosenthal – Leiterin Public Relations a.rosenthal@elsevier.com, den Ombudsmann unter ombudsman@lancet.com oder Bill Godfrey, Chief Information Officer unter b.godfrey@elsevier.com.

Abbildung: CC BY-SA HonestReporting.com, Flickr/Akeg.

Warum durch eine unbequeme Wahrheit die gute Stimmung verderben?

19. März 2013

HonestReporting Media BackSpin, 19. März

Der Guardian drückte wieder einmal auf die Tränendüse, als er den offenen Brief eines palästinensischen Jungen an Präsident Obama veröffentlichte – und das auch noch auf der Nachrichtenseite.

Ich hoffe, dass die Welt endlich ihre Stimme gegen die Unterdrückung erheben wird, der wir (und alle Palästinenser) in unserem Viertel ausgesetzt sind, und dass Sie und Andere nicht weiterhin schweigen, wenn man uns unsere Häuser nimmt, unsere Kinder einsperrt und verletzt sowie unsere Zukunft gefährdet.

Das Blatt druckte dies zusammen mit einem 25-minütigen Video von Just Vision über das  schwere Leben eines Jungen in Sheikh Jarrah, einem Viertel in Ostjerusalem, bekannt für hochpreisige Konsulats-Immobilien und naive palästinensische Propaganda in Bezug auf Häuserräumungen und Abrisse. Man erfährt, dass Mohammed El-Kurd und seine Familie im Jahr 2008 aus ihrem Haus zwangsgeräumt wurden.

Was hatte zur Zwangsräumung geführt? War die Familie wirklich Eigentümerin der betreffenden Immobilie? Was war Grundlage für die jüdischen Ansprüche? Hatten sie die Miete nicht bezahlt? Waren sie in Wirklichkeit Hausbesetzer? Lief die israelische Bürokratie Amok?

Der Guardian fixiert sich unverhältnismäßig stark auf israelische Zwangsräumungen und Abrissmaßnahmen in Ostjerusalem. Hintergrundinformationen über die Familie Al-Kurd waren deshalb nicht schwer zu bekommen. Und tatsächlich berichtete Guardian-Reporter Rory McCarthy über die Zwangsräumung von 2008. Und nachdem er sich durch Aussage gegen Aussage gewühlt hatte, schrieb McCarthy schwarz auf weiß:

Rabbi Arik Ascherman von der israelischen Gruppe ’Rabbiner für Menschenrechte’ bestätigte, dass das Land der Familie Al-Kurd vor 1948 Juden gehört haben dürfte…

In Mohammeds irreführendem Brief wird dies nicht erwähnt, ebenso wenig vom Guardian. Es wäre schon ein Riesending gewesen, wenn es in der Comment is Free (CiF)*-Jauchegrube angesprochen worden wäre. Dort geht sonst ja auch alles durch.

Die Platzierung auf der Nachrichtenseite – seltsam genug diese Vorgehensweise – veränderte die Standards journalistischer Transparenz. Es oblag dem Guardian, einen oder zwei Sätze zum Hintergrund der Situation um die Familie Al-Kurd hinzuzufügen, und eine Erklärung dafür, warum der Brief in den Rang einer Nachricht erhoben wurde.

Aber wenn man Redakteur beim Guardian ist und Unterschiede zwischen Nachricht, Meinung und Propaganda verwischt, warum will man dann am Vorabend des Präsidenten-Besuches durch eine unbequeme Wahrheit die gute Stimmung verderben?

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*Comment is Free (CiF) ist eine Kommentar-Rubrik beim Guardian, in der es von [linken] antisemitischen Leserzuschriften nur so strotzt (bd).

Vincent Browne wegen Bezeichnung Israels als “Krebsgeschwür” gerügt

4. März 2013

HonestReporting Media BackSpin, 4. März

Die Öffentlich-Rechtliche Rundfunkanstalt Irlands (BAI) rügte Vincent Browne und reichte eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen den populären Fernsehmoderator von TV3 ein.

Im Oktober letzten Jahres bezeichnete Browne Israel “als Krebsgeschwür der Außenpolitik”, und er sagte, dass Israel “die weltweite islamische Gemeinschaft gegen den Rest der Welt polarisiert”. Zudem behauptete er, dass die Juden durch die Errichtung des Staates[Israel], “den Arabern das Land gestohlen haben.” Sein On-Air-Fanatismus brachte Browne eine spezielle Anerkennung bei der Auszeichnung zum unaufrichtigsten Reporter 2012 ein.

In der Urteilsbegründung auf eine von Paul Rossiter* eingereichte Beschwerde schrieb BAI (Pdf-Format):

Jedoch gelangte der Ausschuss zu der Auffassung, dass die Bezugnahme des Moderators auf Israel während der Sendung in keinem offensichtlichen Kontext oder Relevanz zur Diskussion zur damals anstehenden Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten von Amerika stand, auf die sich die Sendung hauptsächlich bezog.

Darüber hinaus vertrat das Komitee den Standpunkt, dass die Bemerkungen ein redaktionelles Statement des Moderators darstellten, das nicht durch Beiträge von anderen in die Sendung eingeladenen Gästen ausgeglichen wurde. Der vertretenen Position fehlten deshalb die Anforderungen für faire, objektive und unparteiische Behandlung von Nachrichten und zum aktuellen Zeitgeschehen.

Das Urteil stimmte jedoch nicht mit Rossiters Ansicht überein, dass Brownes Kommentare antisemitisch sind.

Ein BAI-Sprecher erklärte der Irish Independent, dass man gegenüber TV3 über kein weiteres Rechtsmittel verfüge und der Sender innerhalb von 21 Tagen eine Entschuldigung ausstrahlen muss.

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*Paul Rossiter ist pro-israelischer Aktivist.

Rakete aus Gaza schlägt in Israel ein: Und was suggeriert das Foto?

26. Februar 2013

HonestReporting Media BackSpin, 26. Februar 2013

Wir hätten uns [eigentlich] keine akkuratere und passende Headline als diese der Irish Independent wünschen können:


Und welches Foto wäre das passendste, um diese Geschichte zu illustrieren? Eine Crew, die aus Gaza Raketen abfeuert? Ein Foto von der Abschussstelle?

Selbst wenn keine Aufnahmen zu diesem speziellen Zwischenfall existieren würden, könnte man auf viele geeignete Fotos aus dem Archiv zurückgreifen.

Stattdessen veröffentlicht die Irish Independent dieses beigefügte Bild:


Sieht das etwa aus wie eine Rakete aus Gaza?

Bildunterschrift (Capture):

Bei Zusammenstößen mit Steine werfenden palästinensischen Demonstranten vor dem Militärgefängnis Ofer nahe Ramallah (Westbank) feuert ein israelischer Grenzpolizist Tränengaspatronen ab.

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*Wie friedlich übrigens die palästinensischen „Demonstranten“ nahe des Militärgefängnisses Ofer agieren, kann man hier begutachten [bd].

NY Daily News desinfiziert BDS*

26. Februar 2013

HonestReporting Media BackSpin, 26. Februar 2013

Abbildung: Omar Barghouti

Das habe ich auch noch nicht erlebt: Nachdem Omar Barghouti in der NY Daily News einen Gastbeitrag schreiben durfte, um darin die Ziele der BDS-Bewegung zu postulieren, stauchte das Blatt seinerseits Barghouti in einem Leitartikel zusammen.

Es ist eine Sache, duellierende Gastbeiträge zu präsentieren. Aber mit einem scharf formulierten Leitartikel zu antworten, der die offizielle Sichtweise des Blattes repräsentiert, eine wesentlich deftigere. Mir gefiel auch die Vorgehensweise der Zeitung. Blogger würden die Punkt für Punkt vorgebrachten Widerlegungen als Fisking** bezeichnen.

Die Daily News bezeichnet Barghouti sogar als “Agitator”.

Raffiniert wie ein Agitator häuft er eine Unwahrheit nach der anderen auf, um Israel so darzustellen, als würde es die Palästinenser gnadenlos unterdrücken, indem es die Menschlichkeit verletze, und er macht ausschließlich Israel für den ihnen zugefügten Schaden verantwortlich.

Und deshalb, so sagt er, müsse man Israel mit BDS treffen – Handelsboykott, Kapitalabzug und wirtschaftlichen Sanktionen.

Zählen wir mal seine Verfälschungen auf….

Gut, dass das Blatt selbst Barghouti mit seinen eigenen Worten veröffentlichte. Sonnenlicht ist in der Tat ein wirksames Desinfektionsmittel.

(Barghouti-Foto via YouTube/sternchenproductions)

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* Boykott, Desinvestitionen, Sanktionen

** Anmerkung von mir [bd]:

Bezieht sich auf den Journalisten Robert Fisk.

Er schreibt seit etlichen Jahren verzerrende Kommentare zu Nahost und Israel. Von ihm leitet sich auch das Verb „to fisk“ ab; also verzerren, falsch darstellen und antiisraelisch polemisieren.

Hier ein Link zu ihm auf Wikipedia, der allerdings sehr sorgfältig gelesen werden sollte, weil besonders Wikipedia nicht frei ist von redaktionellen Manipulationen, wenn es um Nahost geht.

Häftling X: Israel mit Gulag* verglichen

15. Februar 2013

HonestReporting Media BackSpin, 15. Februar 2013

Die Schlagzeile “Rechtsanwalt vermutet, dass Häftling X durch Verhörmethoden zum Selbstmord getrieben wurde” beschwört Bilder von Folter, Water Boarding und alles zum Thema Menschenrechtsverletzungen – Assoziationen, an die sich die mit antiisraelischen Geschichten auf Diät getrimmten Guardian-Leser gerne klammern.

Mangels eindeutiger Misshandlungsbeweise ergeht sich Peter Beaumont stattdessen in reiner Fiktion, um Israel anzuschwärzen:

Die jüngsten Enthüllungen bahnen sich inmitten einer zunehmenden Empörung über den Fall in Israel an, wenn einige die Behandlung Zygiers mit jenen Methoden in der Sowjetunion, Argentinien und Chile unter deren Militärdiktaturen vergleichen.

Nur – wer sind diese “einige”, die Israel mit brutalen militärischen Diktaturen verglichen haben? Peter Beaumont kann’s nicht sagen.

Und wenn man Ausschau nach jemandem hält, der Kritik an Israel übt, und bei dem man davon ausgehen kann, dass er wirklich Israeli ist, wer ist dann zitierfähiger als Gideon Levy, dem HonestReporting eine Auszeichnung für den Unaufrichtigsten Reporter 2012 verlieh?

In einer der bislang schärfsten Attacken gegenüber dem Verhalten der Behörden und Medien in der Häftling X-Affäre verurteilte der altgediente liberale israelische Journalist Gideon Levy, der für Haaretz schreibt, die Fähigkeit des Staates, Menschen in Absprache mit Presse und Gerichten „verschwinden zu lassen”.

Eine genauere Beschreibung Levys wäre die eines extremen oder radikalen Linken, der für die Mehrheit in Israel überhaupt nicht repräsentativ ist. Andererseits ist es genau das, was das linke Denken in der verdrehten Welt des Guardian ausmacht.

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*Für die jüngeren Leser, die sich unter dem Begriff “Gulag” nicht viel vorstellen können, hier ein Link. Damit man eine Vorstellung darüber gewinnt, wie weitverzweigt das Lagersystem war, hier eine Übersichtkarte.

Sky News: 10 Monate Siedlungsmoratorium wie weggeblasen

6. Februar 2013

HonestReporting Media BackSpin, 6. Februar 2013

Journalistische Prosa wird nicht unbedingt danach beurteilt, was geschrieben wird, sondern danach, wie der Leser das Geschriebene versteht.

Im folgenden Textausschnitt von Sky News-Korrespondent Dominic Waghorn würde der Leser nicht verstehen, dass, ganz im Gegensatz zu einer [eventuellen] pauschalen Weigerung Israels, den Siedlungsbau einzufrieren, der Ausbau im Westjordanland in der Tat für 10 Monate bis zum Jahresende 2009 gestoppt worden war. Dies wurde allgemein als “Siedlungsstopp” bezeichnet.

In seinem Bericht über den geplanten Besuch von US Präsident Obama in Israel schreibt Waghorn:

In seiner ersten Amtszeit forderte er (Obama) ein Einfrieren von Israels illegalem Siedlungsbau in der besetzten West Bank. Israel weigerte sich und Mister Obama machte einen Rückzieher. Die Palästinenser fühlten sich im Stich gelassen und es kam zu keiner Wiederbelebung von Friedensgesprächen.

Selbst wenn die problematische Sprachregelung Waghorns unberücksichtigt lässt, dass er Siedlungen als „illegal“ bezeichnet und die West Bank für „besetzt“ hält statt als umstrittene Gebiete, wird hier eine deutliche Verfälschung der Historie betrieben.

Dominic Waghorn mag ja über Nuancen dieser Beschreibung streiten, wenn es um die Frage der fortschreitenden Bauvorhaben in Ostjerusalem geht.

Im Endeffekt jedoch wurden diese wichtige Periode und die Konzessionen der israelischen Regierung aus den historischen Aufzeichnungen eines Narrativs gestrichen, das Israel als hartleibig darstellt. Vergessen ist die Tatsache, dass die Palästinenser sich weigerten, innerhalb dieser 10 Monate an den Verhandlungstisch zurückzukehren.

Auch wenn Waghorn davon ausgeht, dass es zu keinem Einfrieren der Siedlungsaktivitäten gekommen sei, schuldet er seinen Lesern dennoch alle Fakten.

Irreführende und falsche Fotos: Schwer daneben geschossen

31. Januar 2013

HonestReporting Media BackSpin, 31. Januar 2013

Während israelische Kampfjets Kurs auf den syrischen Armee-Konvoi nahmen, schossen The Scotsman* und Daily Telegraph mit ihrer Fotoauswahl gewaltig daneben. Die Irish Independent vermasselte es ebenso.

Daily Telegraph: Israelische Kampfflugzeuge fliegen „Luftangriff in Syrien“


Wenn man es nicht besser wüsste dächte man, dass die fiesen Israelis die Kinder getötet hätten.

Obwohl den Zeitungen sämtliche Ressourcen  zur Verfügung standen – Archivbilder, Karten, Grafik-Designer – waren diese Bilder die besten, mit denen sie aufwarten konnten?

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*The Scotsman hat mittlerweile sein Bild gegen ein Foto von Netanyahu ausgetauscht. Die ursprüngliche Fassung kann man jedoch noch hier (http://honestreporting.com/misleading-mismatched-photo-misses-mark/) begutachten.

Holocaust-Gedenktag: Hass zementieren

28. Januar 2013

HonestReporting Media BackSpin, 28. Januar 2013

Diese in der The Sunday Times (Registrierung erforderlich) veröffentlichte Karikatur war eine gezielte Beleidigung, und dass sie am Holocaust-Gedenktag erschienen ist, wiegt doppelt schwer.

Die Bildunterschrift der von Gerald Scarfe erstellten Karikatur (der Zeichner machte die Illustration zu „The Wall“ von Pink Floyd), lautet: “Israelische Wahlen… werden [sie] den Friedensprozess zementieren?”

Eine hässlich anzusehende Karikatur des Premierministers Benjamin Netanyahu errichtet eine Mauer, zementiert mit Blut und eingemauerten Palästinensern, darunter Frauen und Kinder.

Israels Sicherheitsbarriere (davon der weitaus überwiegende Teil ein Sicherheitszaun und nicht eine Mauer) soll israelische Zivilisten vor palästinensischen Terroristen schützen. Ohnehin läuft dieses Bild auf eine Ritualmordlegende hinaus – an einem Tag, an dem Millionen Opfer des Holocaust gedacht werden.

Darauf antwortete Raheem Kassam vom Commentator:

Kürzlich wurde ich von einem Freund während eines Gesprächs gefragt: “Glaubst du, dass in 200 Jahren die Menschen den Holocaust vergessen haben oder glauben, dass es ein Mythos gewesen sei?” Naiv antwortete ich: „Nein. Ich glaube, dass es genügend anständige Menschen in der Welt gibt, die dafür sorgen werden, dass dies nicht passiert.” Zu diesem Zeitpunkt hätte ich nie gedacht, dass Redakteure der ’Sunday Times’ sich unter jenen befänden, die in bester ’Der Stürmer’-Manier versuchen würden, den Holocaust-Gedenktag auszuschlachten, um eine Ritualmordlegende in die Welt zu setzen und dabei wissentlich das Gedenken an einen der schlimmsten Genozide der Geschichte zu unterschlagen.

Dazu auch HonestReporting-Chef Joe Hyams:

Der Holocaust-Gedenktag ist ein Anlass, an  die schrecklichsten Grausamkeiten zu erinnern, die in jüngster Geschichte begangen wurden. Es sollte auch ein Tag sein, an dem sich die Medien daran erinnerten, dass Israels Verteidigungsmaßnahmen für seine Bürger in keinerlei Beziehung zu den Völkermordverbrechen der Nazis zu setzen sind. Tagtäglich stellt diese Karikatur einen Anschlag auf die wahren Opfer des Völkermords dar, verhöhnt ihre Leiden und beleidigt das Gedenken an sie. Der Sunday Times sollte bewusst sein, dass das, was in den 1930er-Jahren mit Karikaturen begann, letztendlich in Gewalt und einer entsetzlichen Tragödie endete. Dies ist eine Lektion, die die Sunday Times offensichtlich noch nicht gelernt hat.

Wie konnte die Sunday Times so tief sinken?

Schreiben Sie an die Sunday Times und fordern Sie eine Entschuldigung sowie Rücknahme der Karikatur – feedback@thetimes.co.uk

Der Guardian definiert die politische Mitte Israels

25. Januar 2013

HonestReporting Media BackSpin, 25. Januar 2013

Mit Verweis auf Yair Lapids Partei Yesh Atid und deren Überraschungserfolg bei den israelischen Wahlen schreibt Harriet Sherwood im Guardian:

… positioniert [sie] sich in der Mitte des israelischen politischen Spektrums – das noch weiter rechts anzusiedeln ist als in den meisten europäischen Ländern.

Wenn der Guardian demnach, an europäischen Standards gemessen, Israel „extrem rechts“ verortet, wo sieht er dann die Palästinenser?

Diesem Editorial des Guardian aus dem Jahr 2011 zufolge…

…[war] Israel in Mahmoud Abbas mit dem moderatesten Palästinenserführer seit Generationen konfrontiert, der jemals am Verhandlungstisch gesessen war, und es hat ihn abblitzen lassen.

Möglicherweise ist Mahmoud Abbas im Vergleich zur Hamas relativ gemäßigt, aber wann zuletzt erklärte der Guardian seinen Lesern, dass sich das politische Spektrum der Palästinenser im Vergleich zu europäischen Ländern von extrem bis sehr extrem erstreckt?

Und vergessen wir nicht, dass die Palästinenser bei ihrem letzten Urnengang die Hamas gewählt haben.

Selbst wenn die Israelis offensichtlich moderat wählen, will der Guardian immer noch den Eindruck erwecken, dass Israel als völlig inakzeptabel wahrgenommen werden müsse, indem er mit seiner eigenen Definition einer politischen Mitte aufwartet.

Hebron: Der Moschee-Gag von AFP

15. Januar 2013

HonestReporting Media BackSpin, 15. Januar 2013

Es sagt einiges aus über AFP, wenn die französische Nachrichtenagentur das Grab der Patriarchen in einer Überschrift als “Moschee” bezeichnet.

Die Palästinenser befinden sich bereits auf dem neuesten Stand, wenn sie sagen, dass sie die UNESCO-Entscheidung dazu nutzen, die Juden vom Gebet am Grab abzuhalten. Die dreiste Tünche von AFP über die jüdischen Verbindungen zur heiligen Stätte von Hebron befördert nur diese Agenda.

Was ist ein “Pin-Up-Zionist”?

4. Januar 2013

HonestReporting Media BackSpin, 4. Januar 2013

Der Begriff  “Zionist” wird von Israels Gegnern zunehmend in einer verunglimpfenden Weise verwendet. Die Assoziation von Israels Gründungsidee mit negativen Begriffen wie “Rassismus”, “Kolonialismus” und “Apartheid” ist Teil des Bestrebens, Israel die Legitimität schlechthin abzusprechen. Letztendlich aber äußert sich die grundlegende Definition des Zionismus in einer nationalen Bewegung zur Rückkehr des jüdischen Volkes in seine Heimat und der Wiedererlangung jüdischer Souveränität im Land Israel; und wenn man das als illegitim bezeichnen würde, dann wird der Begriff Israel auch illegitim.

In gleichem Maße brandmarken jene, die mit nur wenig Wissen um die historische und weltanschauliche Komplexität des Zionismus ausgestattet sind, Israel nur zu gerne als rechtsextremistisch, und sie ignorieren dabei die Tatsache, dass es im Zionismus linke, liberale und rechtskonservative Stränge gibt.

Warum also macht dann The Independent mit einer Schlagzeile wie dieser auf?

Bildtext übersetzt:

Naftali Bennett: Das Zionisten-Pin-Up bahnt sich seinen Weg vor den Wahlen in Israel
Angesichts der am Horizont aufziehenden meist umkämpften Parlamentswahlen seit Jahren wurde die Rhetorik immer schärfer. Und eine größere Spur als alle seine Rivalen zieht das zum Software-Manager mutierte Zionisten-Pin-Up

Gut, Naftali Bennett von der Partei Habayit Hayehudi (Jüdisches Zuhause) ist ein Zionist. Andererseits aber definieren sich viele Parteien, die an den (kommenden) Wahlen teilnehmen, über den Zionismus, darunter Meretz, die Arbeitspartei, Kadima, Yesh Atid und Hatnua im linken und Mitte-Links-Spektrum sowie Likud Beiteinu, Schas und Otzma im (rechts-) konservativen Lager.

Warum also ist Naftali Bennett mehr Zionist als Bibi Netanyahu, Yair Lapid oder Tzipi Livni? Wenn jemand bei dieser Wahl als “Pin-Up” bezeichnet werden könnte, dann der gut aussehende ehemalige TV-Nachrichtensprecher Lapid. Aber Sie können eine Wette darauf abschließen, dass der Independent ihn nicht als “zionistisches Pin-Up” deklarieren würde.

Vielleicht, weil der Independent den Terminus Zionismus gerne so eng wie möglich gefasst haben will: pro Siedlungen und erklärtermaßen rechtsextrem, einer Ideologie entsprechend, zu der sich seine typische Leserschaft in negativer Beziehung sieht.

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Hinweis: HonestReporting ist unparteiisch und gibt keine Wahlempfehlungen für irgendeine im Wahlkampf befindliche Partei ab.

Wieder eine Geschichte aus Bethlehem quetschen

23. Dezember 2012

HonestReporting Media BackSpin, 23. Dezember 2012

Abbildung: Hamas-Demo in Bethlehem

Jedes Jahr um diese Zeit die gleiche ausgelutschte Geschichte. Ein Journalist versucht, bei Weihnachten einen Bezug zu palästinensischem Leid zu finden, meist mit Schwerpunkt auf die christlichen Palästinenser in Bethlehem. Dieses Jahr ist das nicht anders, und Harriet Sherwood vom Guardian und dessen sonntäglich erscheinendem Schwesterblatt The Observer übernimmt das jahreszeitlich bedingte Rollenspiel.

Der Guardian unterschlägt oder untergräbt regelmäßig historische Ansprüche der Juden auf das Land Israel, die bis in biblische Zeiten zurückreichen. Wie kommt es aber, dass das gleiche Blatt kein Problem damit hat, mit biblischer Bildsprache vorgebrachte Forderungen der Palästinenser dann zu unterstützen, wenn diese Palästinenser Christen sind?

Sherwoods Artikel im Observer “Christen in Bethlehem verspüren Druck wegen ausgedehnter israelischer Siedlungstätigkeit” beginnt mit der Unterüberschrift:

Nahe einer biblischen Landschaft mit Eseln und Olivenbäumen werden Häuser errichtet und die palästinensischen Christen fürchten um ihre Zukunft.

Unter Bezugnahme auf die Jerusalemer Vororte Gilo und Har Homa als “Siedlungen”, behauptet Sherwood, dass “beide größtenteils auf Bethlehemer Areal gebaut sind.” In Wirklichkeit wurde ein Großteil der Fläche Gilos in den 1930er Jahren auf legalem Wege von Juden gekauft, und der überwiegende Teil von Har Homa befindet sich seit den 1940er-Jahren in jüdischem Besitz.

Nicht nur die Geschichtskenntnisse Sherwoods sind fehlerhaft, sondern auch ihre geografischen. Geht es nach ihr, dann ist:

Bethlehem [ist] heute umzingelt von 22 Siedlungen, darunter Nokdim, wo der Hardliner und israelische ehemalige Außenminister Avigdor Lieberman lebt, und Neve Daniel, Wohnsitz von Yuli Edelstein, Minister für öffentliche Angelegenheiten und die Diaspora.

Sherwood versucht offenbar, ein politisches Argument anzubringen, wenn sie in Betracht zieht, dass sowohl Nokdim als auch Neve Daniel im Vergleich zur Region Bethlehem sehr klein sind, mindestens 10 km vom Zentrum Bethlehems gelegen und selbst von arabischen Siedlungen umgeben. Darüber hinaus gehört Neve Daniel zur Gruppe des Siedlungsblocks Gusch Etzion auf einem Areal, wo in den 1940er-Jahren die jüdischen Kerndörfer errichtet wurden, die in den 1920er- und 1930er-Jahren von Juden käuflich erworben und vor dem Unabhängigkeitskrieg von 1948 zerstört worden waren. Die meisten Beobachter gehen davon aus, dass Gusch Etzion im Falle eines Friedensabkommens mit den Palästinensern Israel zugeschlagen werden würde.

Aber die Schlüsselstelle in Sherwoods Beitrag lässt sich wie folgt zusammenfassen:

Ausmaß und Auswirkungen der israelischen Siedlungen in der Geburtsstadt Jesu sind verheerend.

Da die Christen nun eine Minderheit der Einwohner Bethlehems ausmachen, will Sherwood den Eindruck erwecken, dass hauptsächlich Israel für die Misere der dortigen christlichen Community verantwortlich sei. Sie spricht über den palästinensischen Vorort Beit Jala und die israelische Sicherheitsbarriere, ohne die Sicherheitslage dort während der letzten palästinensischen Intifada zu erwähnen. Einer der wichtigsten Gründe für den Bau der Sicherheitsbarriere war in erster Linie, sich vor palästinensischen Selbstmordattentätern zu schützen, die von Bethlehem kommend in Jerusalem eindrangen, während Beit Jala als Plattform für palästinensische Bewaffnete diente, die während der 2000er-Jahre auf israelische Zivilisten in Gilo schossen.

Was den Zurückgang der christlichen Bevölkerungszahlen betrifft, schreibt Sherwood:

Während der letzten Jahrzehnte haben die Christen Bethlehem zu Tausenden verlassen haben und nun sind eine Minderheit in einer Stadt, die sie einmal dominierten. Das Alltagsleben unter Besatzung mit wenig Möglichkeiten, wenig Hoffnung und der gewaltsame palästinensische Aufstand vor 10 Jahren werden als wichtigste Gründe für den Weggang genannt.

Associated Press stellte das in seiner eigenen Geschichte über Bethlehem an Weihnachten im vergangenen Jahr anders dar:

Die Zahl der Christen im Westjordanland nimmt ab. Während einige wirtschaftliche Gründe angeben, sprechen viele von Verfolgung durch die muslimische Mehrheit, aber aus Angst vor Vergeltung immer anonym.

Christen haben sogar ihre Mehrheit in Bethlehem verloren, wo jetzt mehr als zwei Drittel der etwa 50.000 palästinensischen Einwohner Muslime sind.

Und das Wall St. Journal schrieb vor genau drei Jahren:

An den seltenen Tagen, wenn westliche Medien über das Leid der Christen in den palästinensischen Gebieten berichten, geschieht das oft nur, um Israel und seine Sicherheitsbarriere zu verurteilen. Vor den Zeiten, in denen palästinensische Terroristen Bethlehem in einen sicheren Hafen für Selbstmordattentäter verwandelten, konnten Bethlehems Einwohner ungehindert nach Israel einreisen, so wie das in umgekehrte Richtung für viele Israelis auch möglich war.

Die andere Wahrheit, die regelmäßig von der westlichen Presse ignoriert wird, ist die, dass die Sicherheitsbarriere half, die Wiederherstellung von Ruhe und Sicherheit nicht nur in Israel, sondern auch im Westjordanland einschließlich Bethlehem zu gewährleisten. Die Geburtskirche, die im Jahr 2002 von palästinensischen Bewaffneten auf der Flucht vor israelischen Sicherheitskräften gestürmt und besudelt worden war, wird nun wieder von Touristen und Pilgern aus der ganzen Welt gefüllt.

Freilich – warum schrieb Harriet Sherwood dies nicht in einem Artikel, den sie für den Guardian nur wenige Tage zuvor verfasste, wo sie anmerkt, dass der Bethlehem-Tourismus in diesem Jahr wieder einen neuen Rekordstand erreichen könnte?  Stattdessen ” [sagen] Offizielle, dass die lokale Tourismusindustrie wegen der andauernden israelischen Besatzung nach wie vor große Hürden zu überwinden hat.“

Schon letztes Jahr fragten wir uns, wie viele weitere Jahre wir lange wir uns mit der Politisierung und dem Missbrauch von Weihnachten durch die Medien auseinandersetzen müssen. Dank Guardian ist das wieder einmal der Fall.

Trotz des Hypes um E1: Das Westjordanland wird nicht durchtrennt

3. Dezember 2012

HonestReporting Media BackSpin, 3. Dezember 2012

Der Flecken Land, auf den die Welt zurzeit so fixiert ist, misst etwa 4,5 Quadratmeilen zwischen Jerusalem und Maale Adumim, und für diesen Ort existiert kein Fanatasienamen. Hier handelt es sich schlicht um einen bürokratischen Begriff mit dem Kürzel E1.

Nachdem die Vollversammlung der Vereinten Nationen einseitig die Palästinenser als Nichtmitgliedstaat mit Beobachterstatus puschte und eine Rede von Mahmoud Abbas israelische Offizielle gereizt hatte, reagierte Jerusalem, indem es alte Pläne zum Ausbau von E1 aus der Schublade holte. Wir sprechen über ca. 3.000 Wohneinheiten.

Siedlungsaktivität ist ein umstrittenes Thema, auch bei Israelis. Aber lasst uns eines klarstellen:

Der Ausbau von E1 teilt das Westjordanland nicht in zwei Hälften. Er beschädigt nicht den Fortbestand eines künftigen palästinensischen Staates. Selbst wenn Israel diese Pläne weiterverfolgen würde (Und es ist nicht das erste Mal im Laufe der Jahre, dass bürokratische Entscheidungen zu E1 Nachrichten generierten und letztlich auf Eis gelegt wurden), wird das für die Palästinenser verbleibende Land ihnen immer noch den territorialen Grundstock sichern.

Die palästinensische Gürtellinie zwischen Maale Adumim und dem Toten Meer ist etwa 15 Kilometer breit. Dieser Korridor unterscheidet sich also nicht von der entsprechenden geografischen israelischen Engstelle (Nördlich von Tel Aviv [bd]). Und das hat niemals ein Problem für den Fortbestand des israelisch-territorialen Fortbestandes ausgelöst.

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Und dennoch wiederholen und verstärken die Zeitungen heute den gleichen palästinensischen Schwindel. Hier einige Übeltäter:

Los Angeles Times-Korrespondent Ed Sanders:

Der Ausbau auf dem Hügel, bekannt als E1, würde die West Bank-Siedlungsaktivität bei Maale Adumim mit Ostjerusalem zusammenführen und den Zugang zwischen den palästinensischen Städten Ramallah und Bethlehem abschneiden.

AFP:

Die Palästinenser widersetzen sich mit allem Nachdruck gegen das E1-Projekt, da es das besetzte Westjordanland faktisch in zwei Hälften teilt – von Norden nach Süden -, und die Errichtung eines lebensfähigen palästinensischen Staates sehr problematisch macht.

(Man muss AFP zugestehen, dass es eine korrekte Karte verwendete, aber ich frage mich, wie viele Menschen davon Notiz nahmen).

BBC (mit einer sehr ungenauen Karte):

Pläne für den Bau von Siedlungen in diesem Areal, das als E1 bekannt ist, werden von den Palästinensern vehement abgelehnt, die behaupten, dass die Erschließung das Westjordanlandes in zwei Teile aufspalten wird, was die Errichtung eines zusammenhängenden palästinensischen Staates verhindere.

• Und Jodi Rudoren, Büroleiterin der New York Times in Jerusalem, schreibt:

Der Ausbau von E1 im Westjordanland-Gebiet, das Israel im Krieg von 1967 eroberte, würde die große jüdische Siedlung Maale Adumim mit Jerusalem verbinden und das Westjordanland in zwei Hälften teilen.

Ich* habe mit der NY TIMES sowieso ein Hühnchen zu rupfen:

Ihre Headline überzog die fehlerhafte Aufteilung und zeichnete eine Karte, die E1 nicht im Kontext zum Westjordanland zeigte. Eine exakt präsentierte Karte hätte der reißerischen Schlagzeile widersprochen und den Lesern eine eigene Beurteilung ermöglicht:

http://honestreporting.com/wp-content/uploads/2012/12/NYTE1header.jpg

http://honestreporting.com/wp-content/uploads/2012/12/NYTE1map.jpg
Daily Telegraph-Reporter Robert Tait:

Berichten zufolge sollten einige der neuen Wohneinheiten im umstrittenen Gebiet, bekannt als E1, zwischen der Siedlung Maale Adumim und Ostjerusalem gebaut werden, um die nördlichen und südlichen Teile des Westjordanlands voneinander zu trennen.

Washington Post-Korrespondent Joel Greenberg:

Kritiker sagten, dass die geplanten Gebäude nahe Jerusalem die Verbindungen zwischen dem nördlichen und südlichen Westjordanland abschnitten und die Chancen für einen lebensfähigen palästinensischen Staat ernsthaft gefährdeten.

Was für ein idiotisches Geschwätz.

Die öffentliche Diskussion über Siedlungstätigkeit ist sowieso schon genug aufgeheizt. Und die überspitzte Darstellung in den Massenmedien nutzt niemandem.

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*(Anm. der Redaktion [bd]: Pesach Benson, Redakteur von Media Backspin in Jerusalem)

BBC-Journalismus und die “Jüdische Lobby”

11. November 2012

HonestReporting Media BackSpin, 11. November 2012

Wie soll man von dem Auftritt Katty Kays, der BBC-Korrespondentin in Washington, zu den US-Wahlen  in einem Twitter-Interview halten?


Katty Kay kann es nicht lassen, über eine Verschmelzung von “Macht und Geld” zu reden, wenn es um die Motivation der USA bezüglich der Unterstützung Israels geht.

Es ist nicht der sogenannte Israel-Lobby, sondern die “Jüdische Lobby”, von der Kay spricht – eine Phraseologie, die kein Bestandteil von Wörterbüchern irgendwelcher Mainstream-Medien sein dürfte.

Selbst wenn Katty Kay eher gedankenlos statt absichtlich beleidigend gewesen sein sollte, bietet dies dennoch einen verstörenden Einblick in die gelegentliche Denkweise der BBC und anderer Medien.

Der Jewish Chronicle zufolge sagte ein BBC-Sprecher, dass die “primäre Aussage [der Korrespondentin] darin bestand, dass die USA Israel als wichtigsten Verbündeten im Nahen Osten sieht und zudem die Bedeutung und den Einfluss dieser Beziehung hinsichtlich des Wahlverhaltens wahrnimmt”.

Augenscheinlich erkennt die BBC nicht, was an Kays Aussage so beleidigend war. Oder ist es einfach nur leichter, sich das Problem einfach nicht einzugestehen?


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