Archive for the ‘Europ. Medien und Nahost’ category

Terroranschlag in Jerusalem: irreführende Schlagzeilen

24. Oktober 2014

Simon Plosker, HonestReporting, 23. Oktober 2014

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Am Mittwochabend fuhr ein Palästinenser sein Auto absichtlich in eine Menschenmenge, die aus einer Jerusalemer Straßenbahn ausstieg, wobei er ein drei Monate altes Baby tötete und mehrere Menschen verletzte. Es handelt sich ganz eindeutig um einen Terroranschlag.

Erste Berichte hatten ausgesprochen irreführende Titelzeilen. Nehmen wir die erste Schlagzeile der Associated Press, die zu breiten Protesten führte:

Israelische Polizei erschießt Mann in Ost-Jerusalem

Israelische Polizei erschießt Mann in Ost-Jerusalem

Dass AP die Schlagzeile noch in derselben Stunde gegen das akkuratere „Palästinenser tötet Baby an Jerusalemer Haltestelle“ austauschte, deutet darauf hin, dass die Presseagentur erkannt hatte, dass sie mit ihrer ersten Schlagzeile falsch lag. Doch AP ist trotzdem verantwortlich für den immensen Schaden, den diese Schlagzeile verursachen kann. Was ist zum Beispiel mit den Medien, die nicht zögerten, die ursprüngliche Schlagzeile zu übernehmen, z. B. die türkische Daily Sabah? (H/T: Richard Behar)

Israelische Polizei erschießt Mann in Ost-Jerusalem

Israelische Polizei erschießt Mann in Ost-Jerusalem

HonestReporting kontaktierte AP Jerusalem direkt und bat um eine Erklärung. Hier die Antwort:

Die fragliche Schlagzeile war kurzlebig und wurde formuliert, als Einzelheiten über die Ereignisse noch knapp waren. Die Schlagzeile wurde nur ungefähr eine halbe Stunde später ersetzt, als AP Updates über den Vorfall, den Fahrer und das Opfer veröffentlichte. Die endgültige Version der Story und seiner Schlagzeile stellte klar, was geschehen war.

AP hat seinen Fehler korrigiert, aber die Berichterstattung der Agence France Presse (AFP) über den Terroranschlag ist im Vergleich womöglich noch schlimmer. Ich schreibe diesen Artikel ganze 17 Stunden nach ihrem Erstbericht, und noch immer hat AFP die folgende Schlagzeile:

Jerusalemer Fahrer erschossen nach Rammen von Fußgängern: Polizei

Jerusalemer Fahrer erschossen nach Rammen von Fußgängern: Polizei

Für die AFP also geht es nur um das Erschießen eines Fahrers statt um die Taten eines Terroristen. Zwar machte die AP einen ähnlichen Fehler, aber dieser wurde wenigstens korrigiert. AFPs Untätigkeit ist bezeichnend für ein Medium, das mit seiner antiisraelischen Einseitigkeit absolut kein Problem hat. Die Form erinnert an eine frühere AFP-Meldung: Vergleichen Sie obige Schlagzeile mit dieser hier, die nach einem Terroranschlag im Juli 2008 entstand, als ein palästinensischer Bulldozerfahrer einen israelischen Bus in Jerusalem rammte:

Jerusalemer Bulldozerfahrer erschossen: Polizei

Jerusalemer Bulldozerfahrer erschossen: Polizei

Ein weiterer Wiederholungstäter ist die BBC. In typischer Manier kann die BBC sich nicht dazu durchringen, einem Palästinenser die Verantwortung für einen Terroranschlag zu geben:

Neun Verletzte, als Auto Fußgänger an Jerusalemer Haltestelle erfasst

Neun Verletzte, als Auto Fußgänger an Jerusalemer Haltestelle erfasst

Selbst als bereits vollkommen klar war, dass dieser Vorfall kein einfacher Verkehrsunfall war, legte die BBC die Betonung auf das Fahrzeug und nicht auf den Fahrer, wobei sie sogar in Frage stellte, ob es sich um eine absichtliche Tat handelte, da sie um das Wort „Anschlag“ Anführungszeichen setzte:

Jerusalemer Auto-„Anschlag“ tötet Baby an Straßenbahnhaltestelle

Jerusalemer Auto-„Anschlag“ tötet Baby an Straßenbahnhaltestelle

Ein Blick auf die vorherige Berichterstattung der BBC über den Bulldozer-Terroranschlag zeigt wie im Fall der AFP einen durchgängigen Trend. Sehen Sie sich die Evolution dieser BBC-Schlagzeilen von März 2009 an:

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Und genau dasselbe gab es schon Wochen zuvor.

In jedem Fall, einschließlich dem letzten, stellen die BBC-Schlagzeilen Terroranschläge in Frage und lenken die Verantwortung auf das Fahrzeug statt auf den Palästinenser hinter dem Lenkrad.

Das oben Angeführte demonstriert, dass AFP und BBC unfähig oder nicht willens waren, ihre ursprüngliche Haltung aufzugeben, selbst dann noch, als weitere Informationen verfügbar waren. Ein weiteres Mal offenbart sich die tiefe antiisraelische Pathologie dieser Nachrichtenagenturen.

UPDATE
Was ist mit den Prioritäten des Independent los? Der Jerusalemer Terroranschlag ist ihnen nur ein paar Zeilen wert, und zwar nach sieben Absätzen in einem Artikel mit dieser Schlagzeile:

Israelische Soldaten gefilmt, als sie ‘einen 11jährigen palästinensischen Jungen, der des Steinewerfens beschuldigt wird, die Augen verbinden und festnehmen’

Israelische Soldaten gefilmt, als sie ‘einem 11jährigen palästinensischen Jungen, der des Steinewerfens beschuldigt wird, die Augen verbinden und ihn festnehmen’

Der Independent sagt, dass der palästinensische Junge, der Lernschwierigkeiten hat, 15 Minuten festgehalten wurde, bevor er seinem Vater übergeben wurde.

Es ist ein trauriges Zeugnis für den Mangel einer moralischen Richtschnur beim Independent, dass die Zeitung die 15minütige Festnahme eines palästinensischen Jungen für wichtiger und nachrichtenwürdiger bewertet als den Mord an einem drei Monate alten jüdischen Baby bei einem palästinensischen Terroranschlag.

Der Telegraph weigert sich Jerusalem in Israel zu verorten

7. Oktober 2014

Simon Plosker, HonestReporting 2. Oktober 2014 (Übersetzung: Cora)

In der Sparte Reisen des Telegraph wurden in einer Diashow die Fotos der 20 ältesten Städte der Welt publiziert. Sie enthält Orte wie „Athen, Griechenland“, „Beirut, Libanon“, „Larnaca, Zypern“ und „Damaskus, Syrien“.

Aber schaut mal auf die Überschrift zu dem Foto von Jerusalem (zum Vergrößern, klicken)

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„Jerusalem, Naher Osten“

Ein Leser von HonestReporting kontaktierte den Telegraph um zu fragen, wie man darauf käme. Dies war die Antwort:

„Da es nach internationalem Recht umstritten ist, griffen wir auf Naher Osten zurück um Streit zu vermeiden. Ost Jerusalem ist durch die UN nicht als israelisch anerkannt. Daher zogen wir es vor, neutral zu bleiben und benutzten Naher Osten.“

Geht man davon aus, dass dies eine Diashow ist, die sich eher mit der geografischen Lage denn mit der Politik dieser 20 Städte beschäftigt, ist es da vom Telegraf wirklich zu viel verlangt, das Offensichtliche festzustellen?

Wir haben es schon erlebt, dass sich die Medien absichtlich damit zurückhielten, Jerusalem als Israels Hauptstadt anzuerkennen. Aber auch noch den Standort nicht anerkennen? Das hat weniger mit Neutralität von seitens des Telegraph zu tun, sondern gehört eher zum Bereich krasser Dummheit.

Wie man eine „Siedlungskrise“ erschafft

4. Oktober 2014

Simon Plosker, HonestReporting, 02.10.2014

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Es ist wie im Film „Und täglich grüßt das Murmeltier“. Der israelische Premierminister Netanyahu trifft sich mit US-Präsident Obama, und die Medien sind voll mit Geschichten über israelischen Siedlungsbau und Verurteilungen sowohl vom Weißen Haus als auch vom US State Department.

Wie kam es also zu dieser „Verkettung unglücklicher Umstände“?

Zuallererst wäre so etwas ohne die vollkommen siedlungsbesessenen Medien nicht möglich gewesen. Ungeachtet all dessen, was in der Region vor sich geht, schließen sich viel zu viele noch immer unhinterfragt dem Narrativ an, der Bau von jüdischen Wohnhäusern (in diesem Fall in einem Stadtteil Jerusalems) sei das größte Friedenshindernis im Nahen Osten.

Rechnen Sie zweitens die symbiotische Beziehung zwischen den Medien und nichtstaatlichen Organisationen (NGOs) mit ein, insbesondere derjenigen, die Israels Politik gegenüber kritisch eingestellt sind. Die Washington Post sieht die Dinge bei ihrem Bericht über die Baupläne für Givat Hamatos in Jerusalem richtig:

Die Siedlungsentwicklung war jahrelang in Planung, befand sich jedoch bis letzte Woche auf Eis. Letzte Woche gab die Regierung eine öffentliche Bekanntmachung heraus, was ihr erlaubte, Angebote entgegenzunehmen und mit dem Bau zu beginnen. Die Bekanntmachung erhielt jedoch keinerlei Aufmerksamkeit, bis die israelische Lobbygruppe Peace Now kurz vor dem Treffen zwischen Obama und Netanyahu eine Pressemeldung über sie veröffentlichte.

Tatsächlich wurde alles erst zu einer Story, als das hier im E-Mail-Postfach ausländischer Journalisten landete:

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Also hielt Peace Now diese Pressemeldung bewusst für eine ganze Woche bis zu dem Zeitpunkt zurück, von dem sie wussten, dass sie in der Presse maximale Zugkraft haben und Netanyahu auf seiner US-Reise noch mehr Kopfschmerzen bereiten würde. Und dies trotz der Tatsache, dass der Bau in Givat Hamatos schon im Dezember 2012 genehmigt worden war.

Aber z. B. für die Times of London ist das eine brandneue Siedlung und kein Bau in einem bereits existenten Bereich von Jerusalem:

Spaltungen zwischen Israel und den Vereinigten Staaten traten zutage, als Stunden vor einem Treffen zwischen den Oberhäuptern beider Nationen eine kontroverse neue jüdische Siedlung genehmigt wurde.

Es ist keine „neue jüdische Siedlung“, und sie wurde ganz gewiss nicht Stunden vor dem Treffen zwischen Netanyahu und Obama genehmigt.

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Im Bild oben: Givat Hamatos ist rot umrandet, blau sind die jüdischen Stadtteile, braun sind die arabischen Stadtteile.

Was ungeachtet israelischer Medien in der Pressemeldung ebenfalls fehlt, ist die Tatsache, dass die Hälfte der Wohneinheiten in Givat Hamatos für arabische Bewohner bestimmt ist. Bei den Argumenten bezüglich Siedlungen in Jerusalem wird generell missverstanden, dass man arabische Einwohner Jerusalems oder israelische Araber nicht legal davon abhalten kann, Immobilien innerhalb der Stadtgrenzen zu kaufen, zu mieten oder dort zu wohnen.

Also können wir klarstellen, dass Timing und Inhalt der Givat-Hamatos-Story nichts weiter als eine künstlich erschaffene „Krise“ darstellen, die in Wirklichkeit unbeachtet geblieben wäre, wäre da nicht Peace Now gewesen.

Bild: CC BY-SA HonestReporting, flickr/Philip Taylor

Die Berichterstattung im Zeitalter der Bestätigungen

22. September 2014

Alex Margolin, HonestReporting, 10. September 2014 (übersetzt von Cora)

Der Krieg in Gaza hat ungewöhnlich üppige Analysen der Berichterstattung über den Mittleren Osten hervorgebracht, einschließlich eines herausragenden Artikels des ehemaligen AP-Reporters Matti Friedman, der behauptete, dass die Berichterstattung eines Teiles der Medien von einer „feindlichen Bessenheit gegen die Juden“ geprägt war.

Für den ehemaligen Chef des Jerusalemer Büros der New York Times, Ethan Bronner, besteht das Problem nicht darin, wie die Reporter diese Region darstellen, sondern im Verhältnis der Leser zu den Nachrichten. In einem Interview mit dem Magazin Moment, beschreibt Bronner, der von 2008 bis 2012 als Chef des Büros arbeitete, seine Erfahrungen „auf einem der heißesten Stühle des Journalismus“ zu arbeiten.

„Einer der deprimierendsten Schlüsse, die ich ziehen musste, war: Die Leute sind nicht wirklich an Informationen interessiert. Sie wollten lediglich die Bestätigung ihrer eigenen Ansichten. So war die Aufgabe, die wir uns als Journalisten stellten – die Komplexität, die vielen Grautöne der Wahrheit herauszustellen, damit die Menschen verstehen würden, dass das Leben kompliziert ist – für die meisten Menschen nicht von Interesse. Stattdessen wollten sie nur das hören, was ihre eigene Geschichte wiederholte oder was sie bestätigte.“

Bronners Haltung wird von der Untersuchung der Medien, die Shawn Powers für das USC Center of Public Diplomacy und Mohammed el Nawawy, von der Queens University in Charlotte, bestätigt, die schon 2009 veröffentlicht wurde. Übereinstimmend mit dieser Veröffentlichung schreibt der Pacific Standard:

„Powers und el-Nawawy betonen, dass das das in der arabischen Welt während des 1991er Golfkriegs eingeführte Satellitenfernsehen, sowohl die Strukturen des globalen Nachrichtensystems als auch dessen Rolle in Kriegszeiten veränderte. Obwohl diese Erfindung das Potential gehabt hätte, ein wirklich globales Forum kulturübergreifender Kommunikation zu werden, fanden die Wissenschaftler heraus, dass sich die Zuschauer rund um die Welt zunehmend den Nachrichtenstationen nicht zuwenden, um die letzten Neuigkeiten in der Welt zu erfahren, sondern um jene Informationen zu erhalten, die in ihr vorgefertigtes Weltverständnis passen.“

Die Frage ist nun, inwieweit die Verkäufer der Nachrichten bereit sind, den Lesern das zu geben, was sie verlangen. Matti Friedman zeigt die vielen Ironien auf, die auftauchen, wenn man das Objektiv auf den Umgang mit Israel richtet:

„Weiße Menschen in Paris und London, deren Eltern vor nicht allzu langer Zeit in ihren Wohnzimmern in Rangoon oder Algier von dunkelhäutigen Menschen Luft zugefächelt bekamen, verdammen den jüdischen „Kolonialismus“. Amerikaner, die an Orten wohnen, die „Manhattan“ oder „Seattle“ heißen, verurteilen die Juden, die Ureinwohner Palästinas vertrieben zu haben. Russische Reporter verdammen Israels brutale Militärtaktik. Belgier verurteilen Israels Umgang mit den Afrikanern. Als Israel einen Transportservice für die palästinensischen Arbeiter in der besetzten Westbank einrichtete, erfuhren die amerikanischen Nachrichtenleser von Israels „Rassentrennungs-Bussen“. Und es gibt nicht wenige Leute in Europa, nicht zuletzt in Deutschland, die sich darüber freuen, wenn die Juden des Genozids beschuldigt werden.“

Medien-Fehlschüsse zum Zusammenbruch des Gaza-Waffenstillstands

26. August 2014

Simon Plosker, HonestReporting, 20. August 2014 (übersetzt von Cora)

Zum elften Mal hat die Hamas im derzeitigen Konflikt das Waffenstillstandsabkommen gebrochen, diesmal indem sie am Dienstagnachmittag Raketensalven in den Süden Israels schossen. Es ist klar, wer für den Ausbruch der Gewalt verantwortlich ist und die Verhandlungen versenkte, die zu diesem Zeitpunkt noch im Gange waren. Aber die Medien haben es wieder einmal geschafft, es falsch darzustellen.

Als die Nachricht kam, konnte The Guardian nicht anders, als Israel als Aggressor darzustellen

Israel beginnt mit neuen Luftangriffen auf Gaza

Die Überschrift des Daily Telegraph lässt Zweifel an der Schuld der Hamas zu, indem sie Anführungszeichen setzen, die völlig unangebracht sind

Israel schlägt gegen Gaza los, nachdem die Hamas „den Waffenstillstand gebrochen hat“

Der Untertitel vom The Independent sagt, dass „Israel behauptet, Hamas Terroristen brachen die Waffenruhe, indem sie Raketen aus Gaza abschossen“. Dem folgte ein Verweis auf „einen vermeintlichen Angriff am Dienstag“, was die Glaubwürdigkeit Israels ebenso in Frage stellt wie den Status der Hamas Terroristen.

Andere Medienorganisationen zeigen durch eine moralische Gleichsetzung Nachsicht und weisen Israel die gleiche Schuld zu, ungeachtet der Aggressionen durch die Hamas. Als Beispiel dafür der Aufmacher der LA TimesL

Israelische und Gazaner Militante gehe noch vor dem Ende der Waffenruhe erneut aufeinander los

Und Kanadas Globe and Mail:

Der Krieg in Gaza geht mit tödlichen Angriffen und Raketenbeschuss weiter

Oder The Scotsman, der ebenfalls Israelis und Hamas die gleiche Verantwortung für das Scheitern des Waffenstillstands in Rechnung stellt, indem er das Geschehen mit einem „Austausch der Raketen“ beschreibt:

Gaza: Der Austausch von Raketen Ruiniert die Gespräche in Ägypten

Für einige Medien wurden die Raketenangriffe, die den Waffenstillstand brachen, ohnehin aus den Geschichtsbüchern radiert, womit Israel fälschlich als der Hauptverantwortlicher dargestellt wird.

Die BBC, schon länger ein Experte darin, wichtige Zusammenhänge zu verschweigen, fokussiert sich ganz auf die Verfolgung des Anführers der Hamas-Terroristen Mohammed Deif, vergisst aber den Bruch der Waffenruhe durch die Hamas zu erwähnen. Durch den Bericht der BBC kann der Leser nur davon ausgehen, dass Israel der Hauptschuldige für die Gewalt ist.

Ebenso fokussiert sich The Times of London ganz auf Mohammed Deif und stellt fest: „Nachdem die Waffenruhe gebrochen wurde, fahren Israel und die Hamas fort, sich zu bekämpfen.“ Gefolgt von: „24-stündige Pause, die bis Mitternacht anhalten sollte, brach gestern Nachmittag zusammen, wofür man sich gegenseitig beschuldigt.

Einmal mehr werden den Lesern nicht alle Fakten und Zusammenhänge geliefert.

Ein Journalist korrigiert eine Lüge aus Gaza mit einer weiteren

24. August 2014

Simon Plosker, HonestReporting, 17. August 2014 (übersetzt von Cora)

HonestReporting hat bereits den New Statesman auf dessen fast 4.000 Worte langen Bericht von Donald Macintyre aus dem Gazastreifen angesprochen, der deutlich die Unzuverlässigkeit der palästinensischen Opferzahlen aufzeigt. Der Bericht enthielt folgenden Absatz:

„Glücklicherweise erlitt Yasser nicht das gleiche Schicksal wie der 10jährige Mohammed Badran, ein anderer Überlebender, der ins al-Shifa-Krankenhaus eingeliefert wurde. Infolge eines israelischen Luftangriffs erblindete er, im Krankenhaus angekommen, schien er noch nicht zu wissen, dass seine gesamte Familie vernichtet wurde, als eine Rakete ihr Haus im Flüchtlingslager Nuseirat zerstört hatte. Da er die Art seiner Verletzung nicht verstand, fragte er das Personal ständig: „Warum habt ihr das Licht ausgemacht?“

Diese blutrünstigen Israelis sind also nicht zufrieden damit Mitglieder einer aufrechten Familie zu verletzen, sie töten auch noch erbarmungslos den Patriarchen, als der sich ganz unschuldig auf das Morgengebet vorbereitete.

Allerdings war Nidal nicht für das Morgengebet in der Moschee. Er traf sich dort um 3:30 Uhr morgens mit zwei weiteren führenden Hamasmitgliedern, wie mein früherer Bericht von heute zeigt. Es ist klar, dass die zerstörte Moschee ein paar Geheimnisse hatte, von denen die Hamas die Reporter fernhalten wollte.

Die drei Terroristen, die in der Moschee getötet wurden waren Nidal Badram(نضال بدران), Maaz Zayed (معاذ زايد) und Tariq Jadallah (وطارق جاد الله).

Auf einmal scheint die Zielauswahl des Badran-Hauses etwas weniger zufällig, oder nicht?

Übrigens haben die arabischen Medien die drei Hamas Mitglieder, die in der Moschee getötet wurden, natürlich als Zivilisten dargestellt. PCHR und AP bezeichneten sie als Kämpfer, allerdings ohne ihre Namen zu nennen.

Macintyre erwähnte Nidal Badrans Tod in einer früheren Geschichte für den Intependent, dort beschreibt er den Angriff so:

An diesem Morgen zerstörte ein israelisches Bombardement eine der größten Moscheen im zentralen Gazastreifen. Dabei wurden drei Palästinenser getötet, die sich auf das Morgengebet vorbereiteten. Einer davon war der Vater eines schwer verletzten 10jährigen Jungen, der bei einem Treffer auf ihr Haus vor einer Woche erblindete.

Zwei Bulldozer wühlen sich durch den Berg von Trümmern, der nach dem F-16-Luftangriff von der Al-Qassam-Moschee im Herzen des Nusseirat Flüchtlingslagers übrig geblieben ist und wo man die vier Männer zuletzt in dem Nebenraum für die übliche Waschung vor dem Gebet gesehen hat, bevor sie die Bombe kurz nach 3 Uhr morgens erwischte.

Unter den drei geborgenen Leichen war auch Nidal Badran (44), der verzweifelt darauf hoffte, dass sein Sohn Mohammed, der zur Zeit mit schwersten Gesichtsverletzungen, durch die er auch das Augenlicht verlor, im Shifa-Krankenhaus liegt, für die notwendigen Operationen nach Europa gebracht werden würde.

Der die getöteten Männer als „Mitglieder einer bewaffneten Gruppe“ beschreibende PCHR-Artikel war zu diesem Zeitpunkt bereits veröffentlicht, also machte sich Macintyre nicht einmal die Mühe die Fakten über den Terroristen Nidal Badran zu überprüfen, bevor er ihn zwei Mal sehr mitfühlend beschrieb.

Macintyre berichtete, dass Israel Warnungen absetzte, bevor es die Moschee zerstörte, aber diese Warnung die Hamasmitglieder nicht rechtzeitig erreichte.

Und es ist nicht so, als hätte Macintyre keine Ahnung gehabt. Er wusste, dass Badran Polizist war und jeder anständige Reporter in Gaza sollte wissen, dass die überwiegende Mehrheit der Polizisten traditionell auch Mitglieder der Al-Qassam-Brigaden sind.

Also eine weitere Beschönigung der Hamas.

Oh übrigens, schaut euch das mal an:

Der Bruder des Toten, Kemal Badran (45), der für das Informationsbüro des UN-Flüchtlingswerks (UNRWA) arbeitet, sagt, dass sein Bruder seit 20 Jahren als Polizist in Gaza gearbeitet habe.… „Er war ein religiöser Mensch“, setzt er hinzu und dass er regelmäßig früher zum Morgengebet ging, um sich zu waschen und im Koran zu lesen. „Vielleicht wussten (die Israelis) nicht, dass zu diesem Zeitpunkt überhaupt jemand in der Moschee war“, glaubt er.

PCHR wusste natürlich, dass Nidal ein Terrorist war … ebenso wie sein Bruder von der UNWRA.

Man kann nichts von dem glauben, was die Einwohner Gazas den Reportern erzählen. Leider sind die Reporter nur allzu bereit den Lügen Glauben zu schenken.

Medien-Versagen im Gaza-Krieg – die 5 schlimmsten Fälle

23. August 2014

Alex Margolin, Honest Reporting, 20. August 2014

Berichterstattung während Kriegszeiten ist vielleicht die grösste Herausforderung für die Medien. Doch der Konflikt zwischen Israel und Hamas hat, wieder einmal, die ernsthaften Einschränkungen des traditionellen Journalismus gezeigt.

Fünf Medienversagen stechen besonders hervor. Die grössten Bedrohungen für Genauigkeit und Verständnis stammen nicht aus individuellen vorurteilsbehafteten Artikeln, sondern von der Masse von Artikeln, die den
mangelhaften Standards des heutigen Journalismus entsprechen.

1. Opferzahlen als Moralbarometer

Benjamin Disraeli sagte, dass es drei Arten von Lügen gibt: Lügen, verdammte Lügen, und Statistik. Opferstatistiken, die in fast allen Berichten über den Gazakrieg in allen drei Formen geliefert worden. Die Zahlen waren unzuverlässig, der wahre Prozentsatz an Zivilisten ist unbekannt, und ihre Bedeutung ist unklar durch den Mangel an Kontext.

Reporter haben sich oft auf Zahlen verlassen, die sie vom Hamas-gesteuerten Gazanischen Gesundheitsministerium erhalten haben, obwohl die Hamas ein strategisches Interesse daran hat, die Zahlen aufzublasen.

Reuven Ehrlich vom Meir Amit Nachrichten und Informationszentrum hat zu The Media Line gesagt, dass seine Organisation 152 Namen überprüft hat, die sie vom “Gesundheitsministerium der Regierung von Gaza” bekommen haben:

Die Liste war hastig zusammengestellt und später wurden Änderungen angebracht. Es gab eine Anzahl falscher Namen auf der Liste; die Details der Toten waren unvollständig, was eine Identifikation zweifelhaft machte. Es gab Namen, die mehr als einmal vorhanden waren und manche hätten geradesogut von eigenem Feuer umgekommen sein können, nicht zwingend von der israelischen Armee. Die Liste unterschied nicht zwischen Zivilisten und Terrorkämpfern. Alle Toten wurden als “shahids” (Märtyrer) ausgewiesen.

Um die Zahlen interpretieren zu können haben Medienvertreter oft den Prozentsatz der als Zivilisten betrachteten Personen ausgewiesen. Die Zahl war oft bis zu 80% hoch, gemäss Medienberichten.

Aber wie die New York Times bemerkte, als sie sich die Zahlen genauer vornahme, war eine verdächtig hohe Zahl an Getöteten Männer im Alter von 20 bis 29, das primäre Alter der an den Kämpfen beteiligten Hamas-Terroristen.

“Gleichzeitig waren die Frauen und Kinder unter 15, diejenigen, die am wenigsten legitime Ziele sein konnten, die am meisten unterrepräsentierte Zahl, die zwar bis zu 71% der Gesamtbevölkerung ausmachten, aber nur 33% der bekannten Opfer,” sagte der Bericht.

Ein weiteres Element der Verzerrung war die Präsentation der palästinensichen Zahlen neben den israelischen Zahlen, die viel tiefer war, als ob es eine Beziehung gäbe zwischen den Zahlen, wie eine Rangliste bei einem Sportanlass.

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Diese Zahlen, aber, hatten einen moralischen Unterton. Sie implizierten, dass entweder Israel der Aggressor war, weil es so viel mehr Palästinenser tötete, oder dass die Bedrohung für Israel nicht so ernst war, da doch nur so wenige Israelis getötet wurden.

Doch das erzählt nicht die ganze Geschichte. Es zeigt nicht den Aufwand, den Israel geleistet hatte, um seine Zivilbevölkerung zu schützen, und es berücksichtigt nicht, auf welche Art und Weise die Hamas Zivilisten gefährdete, indem sie Wohnzohnen in Kampfzonen verwandelte.

Wie Bret Stephens im Wall Street Journal schrieb:

Der wahre Nutzen der Zählung der Toten ist, dass das den Reportern und Kommentatoren, die sie zitieren, die Chance gibt, implizite Schuld an Israel zu verteilen, während gleichzeitig Fragen ausgewichen werden kann bezüglich der letztlichen Verantwortung für das Töten. Als reine Zahlen präsentiert verdecken die Todeszahlen mehr als sie zeigen.

2. Das “Geschlagene Journalisten”-Syndrom

Aus Gaza zu berichten hat viele Reporter vor Herausforderungen gestellt, und nicht die geringste davon war der dauernde Druck der Hamas, sich an den palästinensischen Erzählstrang zu halten. Selbst Reporter, die nie direkt bedroht wurden, wussten, dass sie auf Territorium operierten, die keinen Schutz für freie Rede gewährte.

Und wenn ihr Leben davon abhing, in Zukunft aus Gaza berichten zu können, dann wussten sie, dass Fakten zu berichten, die die Hamas nicht optimal fand, eine Deportation bedeuten konnte oder zumindest dass sie auf einer schwarzen Liste landeten.

Die Situation war schlimm genug dass die Foreign Press Association (FPA) eine flammende Verdammung des Verhaltens der Hamas gegenüber Journalisten herausgab und eine Reihe von Beispielen zitierte, die während der Wochen der Kämpfe aufgetreten waren.

Selbst die Hamas gab zu, dass sie Reporter eingeschüchtert hat:

Manche Journalisten, die in den Gazastreifen einreisten, standen unter Observation. Selbst unter diesen schwierigen Umständen konnten wir sie erreichen und ihnen sagen, dass das, was sie taten, alles andere als professioneller Journalismus war und dass es unmoralisch sei.

Und trotzdem war überraschenderweise die Antwort von einigen der einflussreichsten Journalisten, die über Gaza berichteten, dass das ganze Problem übertrieben werde. Die Chefin des Jerusalemer Büros der New York Times, Jodi Rudoren, nannte das FPA-Statement in einem Tweet sogar “Unsinn”.

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Warum geht man so weit und spielt etwas herunter, das einen offensichtlichen Einfluss hat auf die Geschichten, die aus einem solchen Konflikt herausgetragen werden?

Vielleicht, wenn Reporter vollständig transparent gewesen wären bezüglich der Herausforderungen, denen sie gegenüberstanden, dann würde das auf die Tatsache hinweisen, dass sie überhaupt nicht aus Gaza hätten berichten sollen.

Wie der Journalist Michael Totten schrieb, im Anschluss der Publikation des Statements der FPA:

Der Gazakrieg war natürlich eine riesen Geschichte, und sie musste abgedeckt werden, aber man hätte darüber geradesogut von der israelischen Seite der Front aus berichten können. Beide Seiten der Geschichte abzudekcen ist natürlich vorzuziehen, wann immer möglich, aber eine ausgeglichene Berichterstattung parallel zu einer zensurierten Berichterstattung aus Gaza zu bringen ist eine Form von schlechter journalistischer Praxis. Hört damit auf.

3. Fehlende Information nicht zu erwähnen

Während viele Journalisten darauf bestanden, dass ihre Arbeit von der Hamas nicht behindert wurde, konnten sie trotzdem nicht glaubhaft erklären, warum es offensichtliche Lücken in ihrer Berichterstattung gab. Am prominentesten waren, beispielsweise, die fehlenden Bilder von Hamas-Kämpfern in Aktion.

Als das Thema von der New York Times aufgebracht wurde, war die Antwort noch
ärgerlicher als die Lücke – die Zeitung hatte schlicht keine Fotos, die sie publizieren könnte. Der Starfotograf der Zeitung, Tyler Hicks, ging noch weiter:

Wenn wir Zugang gehabt hätten zu ihnen [den Hamas Kämpfern], dann hätten wir sie auch fotografiert. Ich habe nie ein einziges Raketenabschussgerät gesehen, das Raketen nach Israel hätte abschiessen können. Es war, als ob sie nicht existieren würden.

Hicks erklärte, dass die Hamas-Kämpfer an den Rändern kämpften, und wenn sie in öffentliche Bereiche gelangten, dann wurden sie sofort das Ziel von israelischen Luftangriffen.

Gut, meinetwegen. Hamas-Kämpfer waren schwer zu finden. Aber es gab keinen Mangel an Fotos von Palästinensern, die auf israelische Luftangriffe reagierten oder die Beerdigungen beiwohnten. Vielleicht, wenn die Fotografen selber an die Ränder gegangen wären, dann hätten sie vielleicht etwas entdecken können.

Und vielleicht wurden jene, die es versuchten, von der Hamas gestoppt.

Doch die Medien behandelten das Thema genauso, wie Hicks es sagte – als ob Raketenwerfer und die Leute, die sie bedienten, nicht existieren würden. In einer Fotogalerie aus Gaza nach der anderen, gab es kaum eine Möglichkeit, zu erkennen, dass da zwei Seiten gegeneinander kämpften und nicht nur eine. Die Medienvertreter haben eine Verpflichtung, die Leser wissen zu lassen, was fehlt.

Und wenn sie es nicht mit Bildern belegen konnten, dann hätten sie mehr tun können, zu erklären, dass die Hamas routinemässig aus bevölkerten Zonen feuerte.

Natürlich, als die Kämpfe langsam erstarben, begannen Bilder und Videos von Raketenabschussstellen aufzutauchen, die Fragen aufwarfen, ob die Fotos wirklich unmöglich zu kriegen waren, oder ob Drohungen der Hamas für ihr Fehlen verantwortlich waren.

4. Überbetonung von scheusslichen Kriegsbildern

Während es kaum Bilder gab von Hamas-Kämpfern während der heftigsten Kämpfe in Gaza, gab es keinen Mangel an Bildern von Kindern oder Babies, die durch israelische Luftschläge verwundet worden waren.

Diese Bilder waren besonders vorherrschend in Grossbritannien und anderen europäischen Städten und halfen, die Strassen von Europa und darüberhinaus in Flammen zu setzen, wo antisemitische Wut sich zur Raserei steigerte.

Auch haben sie das Kampfgeschehen übel verfälscht, das im Gazastreifen stattfand. Zusammengenommen mit dem Fehlen von Fotos von Hamas-Kämpfern war die Botschaft klar: Israel ist ein Aggressor, der auf Kinder schiesst.

5. Versagen, die wahren Ziele der Hamas zu nennen

Während der ganzen Wochen der andauernden Kämpfe, und besonders während der Periode der Waffenstillstandsverhandlungen, behaupteten die Medien, dass die Hauptmotivation der Hamas sei, die Blockade um Gaza aufzuheben oder einen Hafen oder Flughafen zu öffnen.

Doch erklärt das wirklich, warum die Hamas die letzten paar Jahre damit verbracht hat, einen Komplex an Tunneln und Bunkern zu bauen, der unter den Grenzen hindurch bis weit nach Israel reichte?

Erklärt das, warum die Terrorgruppe sich dafür entschied, tausende, wenn nicht zehntausende Raketen, die in der Lage waren, das Herz von Israel zu erreichen, zu schmuggeln oder herzustellen? Oder warum sie weitermacht damit, sie auf israelische Zivilisten abzufeuern?

Sucht sie wirklich den Frieden mit Israel, oder eine Erleichterung der Sicherheitsmassnahmen von Israel, nur um das Los der Menschen in Gaza zu erleichtern?

Es wäre ehrlicher, herauszustreichen, dass die Hamas auf die Vernichtung Israels hinarbeitet. Sie hat sogar eine Charta, die das ganz klar sagt.

Wie S.E. Cupp in den New York Daily News schrieb:

Selten wird in einer Nachricht erwähnt, dass das primäre Ziel der Hamas, ihr Hauptziel, was sie wirklich will und wofür ihr militärischer Arm aufgebaut ist und worauf er hinarbeitet, ist die totale Zerstörung von Israel und die Vernichtung der Juden.

Das ist eine entscheidende Komponente, die regelmässig ausgelassen wird in den Nachrichten. Doch jede Geschichte, die das nicht erwähnt als eine der Hauptforderungen der Hamas, ist keine intellektuell ehrliche oder vollständige Geschichte.

Wenige in den Medien scheinen das zu begreifen, und die Wirkung dessen ist, eine hauchzarte und schemenhafte moralische Äquivalenz zwischen Israel und der Hamas zu schaffen, die es nicht wirklich gibt.

Zuzulassen, dass die Hamas ihre Charta behält, aber sie zu ignorieren und der Terrorgruppe zu erlauben, sich als moderate Kraft zu präsentieren, die das Beste für die Menschen von Gaza will, verzerrt die Realität.

Die Medien haben eine Verpflichtung, den Konflikt so darzustellen, wie er ist – die Aggression einer Terroristengruppe, die auf die Zerstörung von Israel hinarbeitet, und dem Bemühen des israelischen Staates, seine Bürger zu beschützen. Einen Kontext aufzubauen, der Israel und die Hamas auf dieselbe moralische Ebene setzt ist ein weiterer Fall von schlechter journalistischer Praxis.


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