Archive for the ‘Europ. Medien und Nahost’ category

Israel ist nicht schuld: Falsche Foto-Beschreibung korrigiert

19. Juli 2014

Simon Plosker, HonestReporting, 13. Juli 2014

Die folgenden zwei, Hatem Moussa von Associated Press zugeordneten Fotos erschienen in einer Fotomontage des Daily Telegraph:

 Text im oberen Rand:
Israel schickt Truppen in den Gazastreifen, während die Kämpfe weiter gehen: In Bildern

In der ersten Bildbeschreibung wurde das Feuer am Übergang Karni auf den Beschuss zurückgeführt, während die des zweiten Fotos genauer wurde und behauptete, das Frachtterminal sei „von israelischen Panzern beschossen“ worden.

Es ist undenkbar, dass Israel seinen eigenen Übergang angreift, über den Frachtgüter in den Gazastreifen geliefert werden. In der Tat hat die IDF bestätigt, dass das Feuer das Ergebnis einer palästinensischen Rakete war, die zu kurz flog.

Anerkennung an den Daily Telegraph, dass er die Beschreibung sofort änderte, als er von HonestReporting über den Fehler informiert wurde.

UPDATE:

HonestReporting war auch mit AP in Kontakt, die verantwortlich dafür war, dass die Fotos und die Bildbeschreibungen zahlreichen Presseorganen zur Verfügung gestellt wurden. AP hat die Beschreibungen auf den verletzenden Fotos inzwischen geändert.

Gaza Konflikt Tag 6. Hat die Hamas bewusst Ramallah angegriffen?

14. Juli 2014

Pesach Benson, HonestReporing, 13.07.14 (übersetzt von Cora)

Nachdem eine Rakete letzte Nach in Ramallah einschlug, vermutete Patrick Martin vom Globe & Mail, dass die Hamas bewusst auf die PA gefeuert hat.

Der Gedanke, dass militante Palästinenser aus Gaza auf die palästinensischen Behörden in Ramallah feuert, ist sicher eine neue Wendung in dem 6 tägigen Raketenkrieg zwischen Israel und den militanten von der Hamas angeführten Gruppen im Gazastreifen.

Aber es ist nicht unwahrscheinlich. Palästinenserpräsident Abbas hat die Hamas-Führung in dieser Woche zweimal wegen ihrer unverantwortlichen Raketenangriffe auf Israel heftig attackiert.

Der palästinensische Vertreter im UN-Menschenrechtsrat sagte, es gäbe keine Chance für die PLO, erfolgreich irgendwelche Anklagen wegen Kriegsverbrechen gegen Israel vor dem internationalen Gerichtshof vorzubringen. Der Grund dafür sei, dass der Raketenbeschuss der Hamas viel schlimmer sei. Laurie Blank argumentierte in The Hill genauso, aber es ist wirkungsvoller, wenn es Ibrahim Khreishah feststellt. Hier ist großartige Hingucker von MEMRI.

Nach Angaben eines UN Berichts (pdf–Format) über den Gaza–Konflikt, sind 77% der palästinensischen Opfer Zivilisten. Was die Berichterstattung von AFP, BBC und The Independent aber nicht erzählt: Dieses Dokument stellt deutlich fest, dass die meisten der Opfer aus Gaza hätten zuvor eine Warnung erhielten.

In den meisten Fällen wurden die Einwohner von den Israelis entweder durch Anrufe oder durch Warnschüsse kurz vor den Angriffen gewarnt.

Flächenbombardement auf Gaza. Wenn man France24-Korrespondenten glauben würde, müsste die Anzahl an palästinensischen Opfer wesentlich höher sein.

Israel ist nicht schuld! Falsche Fotobechreibung wurde korrigiert. HonestReporting sorgte für die Korrektur.

Israel unter Beschuss: Operation schützende Schneide

9. Juli 2014

Simon Plosker, HonestReporting.com, 8. Juli 2014

Israel sieht sich einmal mehr gezwungen militärisch gegen die Hamas im Gazastreifen vorzugehen. Hier sind einige der Schlüsselpunkte und -Informationen zur Operation Schützende Schneide.

Israel unter Beschuss

Seit Beginn des Jahres 2014 haben Terroristen aus dem Gazastreifen mehr als 540 Raketen auf unschuldige israelische Zivilisten geschossen. Raketenfeuer gefährdet mehr als 3,5 Millionen Menschen, die innerhalb der Reichweite der Raketen des Gazastreifens leben – rund 40% der Bevölkerung Israels. Es hat eine dramatische Eskalation des Raketenfeuers gegeben, da während des vergangenen Monats rund 240 Raketen geschossen wurden und mindestens 40 Raketen das südliche Israel alleine Montagabend trafen.

Wir sind entschlossen den Terrorkapazitäten und -infratstruktur der Hamas einen beträchtlichen Schlag zu versetzen, jede vom Gazastreifen ausgehende Bedrohung der israelischen Souveränität zu eliminieren und die Stabilität in der südlichen Region wiederherzustellen. Terroristen, die Aggression gegen Israel begehen, werden einen persönlichen Preis zahlen und die Folgen ihres Handelns tragen müssen.
Oberstleutnant Peter Lerner, IDF-Sprecher

Die IDF hat die Operation Schützende Schneide eingeleitet, um Israels Zivilisten gegen den Hamas-Terror zu verteidigen

Bei dieser Operation geht es nicht um Bestrafung, wie sie die Schlagzeile von SkyNews unten andeutet. Die Operation Schützende Schneide soll die Raketen stoppen.

Israel bombardiert den Gazastreifen, um das Raketenfeuer zu ahnden

Die Hamas traf die Entscheidung zur Eskalation und wird daher einen schweren Preis dafür zahlen. Israel hat versucht die Lage zu deeskalieren, indem es der Hamas Waffenruhen anbot. Die Times of Israel schreibt:

Die arabische Tageszeitung Al-Hayat berichtet, dass Israel die Hamas und den Islamischen Jihad über Ägypten am Montag warnte, wenn das Raketenfeuer weiter gehe, werde die IDF heftig reagieren.

„Israel wird den Gazastreifen mit harter Hand schlagen, wenn die zwei Bewegungen keine Waffenruhe akzeptieren“, sagte ein hochrangiger offizieller Vertreter Ägyptens Repräsentanten der beiden Organisationen, hieß es von eine palästinensischen Offiziellen.

Die Operation startete Montagabend, als die IDF rund 50 Ziele angriff, darunter Raketenabschusssysteme und versteckte Abschussrampen, Tunnel, Trainingslager, Waffenlager, die Häuser von Hamas-Terroristen und andere Bereich terroristischer Aktivitäten.

Hier können Sie sehen, wie die IDF am Montagabend zwei Terrororte beschießt:

Kein Land der Welt würde eine Situation hinnehmen, in der in den Wochen nach der Entführung dreier israelischer Teenager fast 300 Raketen und Mörser aus dem Gazastreifen auf israelische Bevölkerungszentren geschossen worden sind.

Hamas-Raketen

Seit der Operation Wolkensäule im Jahr 2012 hat die Hamas die Größe und Stärke ihres Raketenarsenals verstärkt. Sie besitzt derzeit 10.000 Raketen und Mörsergranaten, darunter Langstrecken-Raketen wie die FAjr-5. Im IDF-Video unten sehen Sie mehr dazu:

Der Raketenabwehrsystem Eiserne Kuppel hat sich als bemerkenswert effektiv erwiesen. Aber kein Raketenschild dieser Art bietet 100% Schutz. Es gibt auch eine nur eine begrenzte Anzahl der Batterien der Eisernen Kuppel, um die gesamte Region abzudecken. Israelische Opferzahlen sind zwar im Verhältnis zur Zahl der geschossenen Raketen gering gewesen, aber das liegt nicht an fehlender Motivation seitens der palästinensischen Terroristen, die versuchen so viele Tote und Verletzte wie möglich zu verursachen.

Seien Sie vorbereitet auf Pallywood

HonestReporting hat in der Vergangenheit schon viele Beispiele von Pallywood entlarvt, bei denen Fotos oder Videos gestellt oder abgeändert wurden, um den Propagandawert für die Palästinenser zu maximieren. Es ist also einigermaßen erfreulich, dass die BBC endlich zugegeben hat, dass dies ein Problem sein könnte:

Im Verlauf der vergangenen Woche ist der Hashtag #GazaUnderAttack Hunderttausende Male genutzt worden, oft um Bilder zu verbreiten, von denen behautet wird, sie zeigten die Auswirkungen israelischer Luftangriffe auf den Gazastreifen.

Eine Untersuchung von #BBCtrending hat festgestellt, dass viele dieser Bilder nicht aus dem aktuellen Konfliktgeschehen oder auch gar nicht aus dem Gazastreifen stammen. Einige entstanden bereits 2009 und andere in Konflikten in Syrien und dem Irak.

http://www.bbc.co.uk/emp/embed/smpEmbed.html?playlist=http%3A%2F%2Fplaylists.bbc.co.uk%2Fnews%2Fmagazine-28198163A%2Fplaylist.sxml&title=%23BBCtrending%3A%20Are%20%23GazaUnderAttack%20images%20accurate%3F&product=news

Israel gegen Behauptungen übertriebener Gewaltanwendung verteidigen

Palästinensische Raketen sind keine „selbst gebastelten Flugkörper“ – sie sind tödlich und bedrohen eine große Anzahl israelischer Bevölkerungszentren. Der Status Gazas als Terrorbasis ist ebenfalls als Ergebnis der Quantität der verbesserten Waffen verstärkt worden, die aus dem Sudan, Libyen und dem Iran eingeschmuggelt werden und eine noch größere Bedrohung der israelischen Zivilbevölkerung darstellen.

Aufgrund früherer Erfahrungen ist es nur eine Frage der Zeit, bis einige der internationalen Medien Israel wegen der Anwendung „übertriebener“ oder „unverhältnismäßiger Gewalt“ zur Erreichung seiner Ziele kritisieren. Bereiten Sie sich darauf mit unserer folgenden Diashow vor:

http://image.slidesharecdn.com/digdipl-excfrc-17a-111017004444-phpapp01/95/defending-israel-against-claims-of-excessive-force-1-638.jpg?cb=1373525667

Wie Sie helfen können

Das Schlachtfeld in den Medien ist immens wichtig. Israel wird nur dann Spielraum eingeräumt effektiv mit der Hamas im Gazastreifen umzugehen, wenn die Öffentlichkeit in den westlichen Staaten begreift, warum genau Israel handelt und welche Maßnahmen es einsetzt, um zivile Opfer zu vermeiden.

HonestReporting wird Sie mit Eilmeldungen und Meldungen zur Entwicklung auf dem Laufenden halten sowie die Meiden in den kommenden Tagen beobachten.

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Sie können auch dem IDF-Blog folgen sowie vertrauenswürdigen Nachrichtenquellen wie der Times of Israel und der Jerusalem Post.

Lesen Sie auch Krieg im Gazastreifen: 5 Tipps, wie man sich die Nachrichten sortiert und in den sozialen Medien verantwortlich teilt.

Zynische Meinung eines Karikaturisten zur Beerdigung der ermordeten Jugendlichen

3. Juli 2014

Alex Margolin, HonestReporting.com, 2. Juli 2014

Steve Bell, Karikaturist des Guardian und Gewinner eines der Dishonest Reporting Awards von 2012, ist in Bezug auf antiisraelische Einseitigkeit nicht neu. Dennoch ist sein jüngster „Kommentar“ zur Beerdigung der drei von Hamas-Terroristen ermordeten israelischen Teenager grenzwertig und ohne Mitgefühl.

Die Karikatur zeigt eine gigantische Waage mit den in Flaggen gehüllten Leichen der drei israelischen Jugendlichen, die eine größere Zahl in Flaggen gehüllt palästinensische Leichen aufwiegen. Impliziert wird, dass Menschen sich zu sehr um „nur“ drei Israelis sorgen, wo doch so viele Palästinenser in dem Konflikt gestorben sind.

Bells Karikatur ist typisch für die Denkweise, die den Palästinensern einfach nur deshalb moralische Punkte gewährt, weil bei ihnen mehr gestorben sind, ohne Berücksichtigung der Umstände. In diesem Fall wurden drei israelische Teenager kaltblütig entführt und ermordet. Zwei von ihnen waren 16 Jahre alt. Sie wurden getötet, als sie von der Schule nach Hause unterwegs waren.

Eine Reihe Palästinenser wurden bei den folgenden Bemühungen die Jugendlichen zu orten und der Razzia gegen die Hamas getötet, die für den vorsätzlichen Mord verantwortlich ist. Diese Palästinenser starben, als sie sich zu aktiven Kombattanten gegen die überlegene Macht der israelischen Armee machten.

Es wäre eine unmoralische Äquivalenz unschuldige Teenager auf dem Weg von der Schule nach Hause auf eine Stufe mit aktiven Kombattanten zu stellen, die sich in einen Konflikt mit einer Armee begeben. Doch Bells Karikatur geht selbst über Gleichsetzung hinaus und legt nahe, dass die Zahlen das wahre Problem sind.

So lange Bells Betrachtungsweise eine Linse bleibt, durch die Menschen den Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern sehen, wird es mehr palästinensische „Märtyrer“ und mehr Gewalt gegen unschuldige Israelis geben. Denn wenn die moralische Überlegenheit nicht von Verhalten oder Bemühungen hin auf friedliche Koexistenz festgesetzt wird, sondern mit den Zahlen der Toten auf beiden Seiten, können die Palästinenser nur von mehr Gewalt profitieren.

Israel trauert um drei ermordete Teenager, Medien veranstalten Sauerei

2. Juli 2014

Simon Plosker, HonestReporting.com, 1. Juli 2014

Israel betrauert den Verlust von Naftali Fraenkel, Eyal Yifrach und Gil-ad Shaar, die von Hamas-Terroristen ermordet wurden. Die Leichen der drei Teenager wurden Montagabend in Halhul, nördlich von Hebron entdeckt. Da wir unseren Sitz in Israel und viele unserer Mitarbeiter eigene Kinder haben, wird der Verlust hier bei HonestReporting gefühlt, wie das in ganz Israel und der jüdischen Welt der Fall ist.

Leider ist ein Teil der Medienberichterstattung mangelhaft. Wir zeigen hier einige er schlimmsten Übeltäter.

Israel will „Rache“

Der Christian Science Monitor veröffentlichte seinen Bericht unter der folgenden Schlagzeile:

Wird sich nach dem Fund dreier toter israelischer Teenager der Kreislauf der Rache verschärfen?

Was den Bericht selbst angeht, so ist er angefüllt mit von Vorurteilen geprägten Äußerungen:

Seit dem Verschwinden der Jungen hat die Westbank die Wiederbelebung der Kollektivbestrafung durch Israel erlebt.

Nach Angaben des CSM geht es bei Israels Operation sie zurückzubekommen also schlicht darum die Palästinenser zu bestrafen.

Der Eindruck israelischer Böswilligkeit und rachsüchtigem Verhalten geht weiter:

Derweil hat die israelische Öffentlichkeit hartes Handeln gefordert. Die jetzt noch stärkeren Kontrollen ihrer Bewegungen und mehr Toten unterworfenen Palästinenser haben geschäumt.

Und in einem weiteren Beispiel für unprofessionellen Journalismus berichtet der CSM unbegründete Gerüchte eines Vorfalls, den es nicht gab:

Es gibt Gerüchte über Mobs an Westbank-Siedlern, die sich versammeln, um Selbstjustiz-Anschläge gegen Palästinenser und palästinensisches Eigentum auszuüben.

Der CSM beginnt dann Opferstatistiken zu zitieren, die sich besonders auf Kinder und Teenager konzentrieren, um zu beweisen, dass es einen „Kreislauf der Gewalt“ und Rache gibt. Nach Angaben des CSM „geht das Töten auf beiden Seiten weiter“. Für nicht relevant betrachtet der CSM jedoch, dass es nur eine Seite in diesem Konflikt ist, die darauf erpicht ist um des Tötens willen zu töten. So wird die vorsätzliche Ermordung von Israelis durch palästinensische Terroristen moralisch dem Tod von Palästinensern bei Antiterror-Operationen der IDF gleichgestellt.

Sie können Ihre durchdachten Kommentare an den Christian Science Monitor schicken: letters@csmontor.com

Raketen werden nicht erwähnt

Nach Angaben der IDF führten nach mehr als 18 Raketen, die seit Sonntagabend auf Israel abgefeuert wurden, Flugzeuge der israelischen Luftwaffe am frühen Dienstagmorgen einen Präzisionsschlag gegen 34 Ziele im Gazastreifen aus.

Aber nirgendwo sind bei Sky News die Raketen auch nur erkennbar; dort wurden Raketenangriffe auf Israel überhaupt nicht erwähnt. Es geht nur um die drei ermordeten Jugendlichen:

Seit der Entdeckung hat es eine Reihe von Luftangriffen auf den Gazastreifen gegeben, darunter einen auf die südliche Stadt Khan Junis.

Eine „angebliche“ Entführung

Die Times of London lässt wissen:

Israel bereitete gestern Abend einen massiven Vergeltungsschlag gegen Gaza und die Westbank vor, nachdem die Leichen von drei Jungen im Teenageralter, die angeblich von palästinensischen Militanten entführt wurden, nach einer dreiwöchigen Suche gefunden wurden.

„Angeblich entführt“? Abgesehen von den Leichen der drei Jugendlichen – wie viel mehr Beweise braucht die Times, bevor sie das Offensichtliche schreibt?

Idiotische Vergleiche

Während Bürgerkrieg und Tod in großem Ausmaß im Nahen Osten stattfinden, wird Paul Whitefield von der Los Angeles Times komplett apokalyptisch:

Haben Sie Sorge wegen des Irak, Syriens oder der Bedrohung durch die ISIS? Nun, Sie sollten Ihrer Liste lieber das hier hinzufügen: eine neue israelisch-palästinensische Auseinandersetzung.

Doch es sieht nach einer Auseinandersetzung aus, die nur von einer Seite initiiert werden konnte – Israel:

Fassen Sie alles zusammen und was haben Sie? Jau, ein Rezept für mehr Kämpfe: ein weiterer israelischer Angriff auf den Gazastreifen, vermutlich, und vielleicht auch noch die Westbank. Ganz zu schweigen von einem weiteren Rückschlag für jegliche Hoffnung nach einer Regelung des lange laufenden israelisch-palästinensischen Konflikts.

Whitefield beschreibt sich selbst in seinem Twitter-Profil als „eine leicht schräge Sicht auf die Nachrichten vertretend“. Direkt aus der Quelle.

Fehlgeleitete Ausrichtung

Mx News, die Nachmittagsausgabe der australischen The Age, scheint sehr schräge Prioritäten zu haben. Was ist wichtiger: Drei ermordete Kids oder Ziegelsteine und Mörser?

Israel reißt Häuser ab

„Bombardierung“ von Häusern

Es ist schon eine wahre Übertreibung aus dem Abriss des Hauses eines Terroristen einem Bomben-Feldzug zu machen, aber Irlands RTE schafft es Bilder von F-16 statt von Bulldozern herbeizuzaubern:

Israels Armee bombardiert Häuser von Verdächtigen der Westbank-Entführung

Palästinensischer Politiker macht Israel für die Morde verantwortlich

Dr. Mustafa Barghouti beweist, dass die Palästinenser nicht in der Lage sind Verantwortung für irgendeinen Terrorakt zu übernehmen und macht auf BBC Newsnight Israel für den Tod der drei Teenager verantwortlich:

Zu allererst denke ich, dass der Hauptverantwortliche für den tragischen Tod, der geschah, Herr Netanyahu selbst ist. Er schickte diese Jungen als illegale Siedler in eine illegale Siedlung und er ist auch für den tragischen Tod von bisher mehr als zehn Palästinensern verantwortlich, die von seiner Armee getötet wurden, einschließlich dreier Kinder.

Sky News: Alles begann, als Israel anfing nach seinen Jungs zu suchen

24. Juni 2014

Simon Plosker, HonestReporting.com, 16. Juni 2014

Der wahrscheinlich zynischste und absolut hässlichste Bericht über die Entführung der drei israelischen Jugendlichen kam von Sky News. Zuerst die Schlagzeile.

Israelische Festnahmen riskieren das Entzünden eines neuen Konflikts

Nach dieser Logik, ist nicht die Entführung von Eyal Yiftach, Gil-ad Shaar und Naftali Frenkel der Funke, der diese Krise entzündet hat, sondern Israels Antwort. Es begann damit, dass Israel damit anfing nach seinen Jungs zu suchen.

Aber das ist erst der Anfang. Im Rest des Artikels beschuldigt Tom Rayner zynisch die Regierung Benjamin Netanyahus die Entführung für eine Politik der Beendigung der Beziehungen mit der Hamas und der Palästinensischen Autonomiebehörde zu nutzen. Natürlich kann die Entführung nicht von der Gesamtpolitischen Lage getrennt werden. Rayner scheint aber die Natur der Hamas beschönigen zu wollen.

Mit der Ausschaltung der Hamas-Führer durch Festnahmen in der Westbank und Luftangriffe auf den Gazastreifen verfolgten sie (die IDF) zwei Ziele.

Das erste ist, alle Handlungsmöglichkeiten der Organisation zu zerstören und durch eine Kriminalisierung ihrer Mitglieder in der Haft ihren „terroristischen“ Charakter zu betonen.

Die Luftangriffe auf den Gazastreifen, die in den letzten Tagen stattgefunden haben, sind die direkte Antwort auf die auf zivile Ziele gerichteten palästinensischen Raketen. Und anstatt die „Hamas Anführer auszulöschen“ haben diese Luftschläge die terroristische Infrastruktur zum Ziel gehabt, weniger die terroristischen Individuen der Hamas oder irgendeiner anderen Terrororganisation.

Und was die „de facto Kriminalisierung“ der gefangenen Hamas Mitglieder angeht: Welche weiteren Beweise braucht Rayner noch für die Kriminalität der Hamas oder ihren „terroristischen“ Charakter? Sind Selbstmordanschläge, Raketen und Schießattacken, abgesehen von Entführungen, nicht genug?

Darüber hinaus, so Rayner:

„Die Hamas für ein Verbrechen zahlen zu lassen, dessen sie beschuldigt wird, mag im israelischen Verständnis Sinn machen, aber das Militär auf eine politische Organisation loszulassen, hat unvermeidlicherweise Auswirkungen auf das Leben der Zivilisten, die mit ihnen und um sie herum leben.“

Das Militär auf eine politische Organisation loslassen? Mit dieser Beschreibung will uns Rayner glauben machen, dass Israel die friedlichen Mitglieder einer Menschenrechtsorganisation zur Zielscheibe macht, statt eine Terrororganisation. Möglicherweise tragen die Gefangengenommenen keine Waffen und bauen auch keine Bomben, aber das heißt nicht, dass die Hamas-Apparatschiks völlig unschuldige Zuschauer sind.

Von den Interviews mit Palästinensern, die ihre Unschuld beteuern, über die „illegale Siedlung Kiryat Arba“ ohne jegliche qualifizierte Erklärung bis hin zu dem begleitenden Video (die zweite Videobox auf der rechten Seite der Sky News-Seite) machen klar, wo Rayners Sympathien liegen.

Tatsächlich hat Rayner in seinem gesamten Artikel das wichtigste Detail der Krise vergessen – drei israelische Jungs wurden entführt und die IDF tut alles in ihrer Macht stehende, um sie wieder nach Hause zu bringen.

Erfolg: Daily Mail korrigiert Westmauer-Fehler

29. Mai 2014

Simon Plosker, HonestReporting.com, 29. Mai 2014

Die Berichterstattung der Daily Mail zum Papstbesuch in Israel enthielt eine Reihe von Bezugnahmen zur Westmauer in Jerusalem.

  • Papst Franziskus setzte heute seine diplomatische Initiative zur Wiederbelebung des festgefahrenen Nahost-Friedensprozesses mit einer enorm symbolischen Geste neben dem heiligsten Ort des Judentums fort.
  • Papst Franziskus hinterließ in gemäß jüdischer Tradition eine Notiz in einer Spalte der Westmauer, um für Frieden und Verständnis zwischen den drei Religionen zu bitten. Er beugte feierlich sein Haupt an der Stätte, die als heiligster Ort des Judentums gilt.
  • Papst Franziskus besuchte auch die Westmauer, die der heiligste Ort der jüdischen Welt ist.

Das ist jedoch nicht korrekt. In der Tat ist der Tempelberg der heiligste Ort des Judentums. Die Fehlvorstellung der Heiligkeit der Westmauer bestätigt die muslimisch/arabischen Ansprüche auf die alleinige Zuständigkeit über den Tempelberg (das unterstützt, was Yassir Arafat und andere bestreiten: dass der Tempel dort überhaupt existierte) und impliziert eine „extremistische“ Wesensart jüdischen Eintretens für jüdische Interessen oder Rechte dort zu beten.

Je mehr die Medien die arabische und islamische Bindung zum Tempelberg konzedieren und die legitimen jüdischen Ansprüche schmälern, desto mehr trägt das zur Delegitimierung des Zionismus und der Gründung Israels bie.

Nach einer E-Mail an die Daily Mail wurden die folgenden Korrekturen am ersten und zweiten der oben angeführten Zitate vorgenommen:

  • Papst Franziskus setzte heute seine diplomatische Initiative zur Wiederbelebung des festgefahrenen Nahost-Friedensprozesses mit einer enorm symbolischen Geste neben einer der heiligsten Stätten des Judentums fort.
  • Papst Franziskus hinterließ in gemäß jüdischer Tradition eine Notiz in einer Spalte der Westmauer, um für Frieden und Verständnis zwischen den drei Religionen zu bitten. Er beugte feierlich sein Haupt an der Stätte, die wegen ihrer Nähe zum Tempelberg als einer der heiligsten Orte des Judentums gilt.

Der dritte Verweis muss noch korrigiert werden, am wahrscheinlichsten ist, dass sie übersehen wurde, worauf wir die Daily Mail aufmerksam gemacht haben. Wir warten auf eine weitere Änderung des Artikels. Im Übrigen oben wir die Daily Mail dafür, dass sie angemessen handelte und rufen unsere Leser auf, uns bei jedem ähnlichen Fehler zu warnen, den sie in anderen Medienorganen entdecken.

Ariel Sharon: Die Medien-Mythen entlarven

14. Januar 2014

Simon Plosker, HonestReporting.com, 12. Januar 2014

Mit dem Tod des ehemaligen israelischen Premierministers Ariel Sharon haben die Medien eine riesige Zahl an Nachrufen produziert. Sharon ist eine kontroverse Persönlichkeit gewesen und ruft eine große Bandbreite an Emotionen sowohl von Anhängern wie auch Gegner hervor. Das ist jedoch keine Rechtfertigung für falsche Profile oder gewollte Dämonisierung eines der Gründungsväter des modernen israelischen Staates.

Über die Jahre und besonders seit er 2001 zum Premierminister gewählt wurde, haben die internationalen Medien Ariel Sharon mit mehr Giftigkeit und Missbrauch bedient, als jeden anderen demokratisch gewählten Führungspolitiker der zivilisierten Welt. Sharon ist von vielen Medienorganen in wenig schmeichelhaften Begriffen beschrieben worden, die ihn als „Kriegsverbrecher“ und einen „Schlächter“ etikettiert haben – ein Trend, den wir einmal mehr in der heutigen Berichterstattung der Medien erleben.

Medienanalyst Tom Gross trägt vor:

In der Vergangenheit ist ein Großteil der Berichterstattung zu Ariel Sharon in den europäischen und arabischen Medien von unverhohlenem Antisemitismus begleitet gewesen. In Spanien veröffentlichte z.B. am 4. Juni 2001 (drei Tage, nachdem ein palästinensischer Selbstmordbomber 21 junge Israels an einer Disco in Tel Aviv tötete, mitten während einem einseitigen israelischen Waffenstillstand) das linke Magazin Cambio 16 Karikaturen Sharons (mit einer Hakennase, die er nicht hat), der eine Kippa trägt (die er normalerweise nicht trug), der einen mit einem Hakenkreuz in einem Davidstern auf der Brust angab und proklamierte: „Wenigstens hat Hitler mich gelehrt wie ich in ein Land einfallen und jedes lebende Insekt vernichten kann.“

Eine Woche später veröffentlichte El País, Spaniens Äquivalent zur New York Times, eine Karikatur einer allegorischen Figur, die einen kleinen, rechteckig geformten schwarzen Schnurrbart trug und durch die Luft auf Sharons Oberlippe zuflog. Die Bildbeschreibung lautete: „Clio, die Muse der Geschichte, setzt Ariel Sharon Hitlers Schnurrbart auf.“

Karikaturen in der griechischen Presse zeigten Sharon 2004 als Nazi-Offizier. Eine der führenden Zeitungen Italiens, der Corriere della Sera, brachte am 31. März 2002 eine Karikatur, die Sharon zeigte, wie er Jesus tötet. (Die Karikatur, die zeitlich so kam, dass sie mit Ostern zusammenfiel, wurde veröffentlicht, als Israelis wegen des Passah-Massakers drei Tage zuvor in Netanya im Sterben lagen.)

Hunderte ähnliche antisemitische Motive wurden Sharon in den letzten Jahren angedichtet. Das Magazin Economist in London verglich ihn zu Charles Dickens berüchtigtem antisemitischen Stereotyp Fagin.

In den Nachrufen von heute gibt es drei gemeinsame Beispiele für Einseitigkeit, wo fehlender Kontext oder falsche Information eingesetzt werden, um Sharon als „Schlächter“ oder „Kriegsverbrecher“ zu präsentieren.

Sabra und Shatila

Die üblicherweise gegen Sharon erhobene Anklage ist, dass er für das Massaker an Tausenden Palästinensern in den Flüchtlingslagern Sabra und Shatila während des Libanonkriegs 1982 verantwortlich ist.

Schlagzeile: Daily Mail

In Wirklichkeit wurden die Tötungen, wie in Mitchell Bards „Myths & Facts“ genau beschrieben, von der libanesischen Phalange-Miliz verübt (deren Mitglieder immer noch nicht zur Verantwortung gezogen wurden). Israels Kahan-Kommission stellte fest, dass Israel und Ariel Sharon indirekt dafür verantwortlich waren, die Möglichkeit der Phalangisten-Gewalt nicht vorausgesehen zu haben. Sharon trat daher von seinem Posten als Verteidigungsminister zurück.

Myths and Facts erklärt:

Die libanesisch-christliche Phalange-Miliz war für die Massaker verantwortlich, die in den beiden Flüchtlingslagern bei Beirut am 16. und 17. September 1982 verübt wurden. Israelische Truppen erlaubten den Phalangisten Sabra und Shatila zu betreten, um Terrorzellen aufzuspüren, von denen man glaubte, dass sie dort vorhanden sind. Es ist geschätzt worden, dass vielleicht bis zu 200 bewaffnete Männer in den Lagern gewesen sind, die aus den zahllosen Bunkern heraus vorgingen, die von der PLO im Verlauf der Jahre gebaut und mit großzügigen Reserven an Munition ausgestattet wurden.

Als israelische Soldaten die Phalangisten hinausbefahlen, fanden sie hunderte Tote (die Schätzungen reichen von 460 nach Angaben der libanesischen Polizei bis 700-800 von israelischen Informationen kalkulierten). Zu den Toten gehörten nach Angaben der libanesischen Zählung 35 Frauen und Kinder. Der Rest waren Männer: Palästinenser, Libanesen, Pakistanis, Iraner, Syrer und Algerier. Die Tötungen wurden begangen, um die Morde am libanesischen Präsidenten Bashir Gemayel und 25 seiner Anhänger zu rächen, die bei einem Bombenanschlag früher in der Woche getötet wurden.

Israel hatte der Phalange gestattet in die Lager zu gehen; das war Teil eines Planes die Macht an die Libanesen zu übergeben. Israel akzeptierte die Verantwortung für diese Entscheidung. Die von der israelischen Regierung auf Reaktion auf öffentliche Empörung und Trauer gebildete Kahan-Untersuchungskommission stellte fest, dass Israel indirekt verantwortlich war die Möglichkeit der Phalangisten-Gewalt nicht vorhergesehen zu haben. Infolgedessen trat Verteidigungsminister Ariel Sharon zurück und Genral Raful Eitan, Stabschef der Armee, wurde entlassen.

1985 entschied eine amerikanische Jury, dass Sharon vom Time Magazine diffamiert worden war, das zu dem Schluss gekommen war, Sharon habe die Tötung der Zivilisten entweder „bewusst beabsichtigt“ oder „aktiv ermutigt“.

Der Ausbruch der Zweiten Intifada

Eine der am weitesten verbreiteten Mythen, die in den internationalen Medien auftauchen, ist der Vorwurf, Ariel Sharons Besuch auf dem Tempelberg im September 2000 sei verantwortlich für den Ausbruch der palästinensischen Gewalt gegen Israel.

AFP:

Sharon machte einen provokativen Besuch auf dem Spannungsgebiet des Geländes der Al-Aqsa-Moschee in Jerusalems Altstadt, der den Ausbruch der zweiten palästinensischen Intifada entzündete.

Newsweek:

Die Palästinenser behaupten, dass der jetzt folgenschwere Besuch Sharons an dem Ort im September 2000 – wo nach muslimischen Traditionen der Prophet Mohammed in den Himmel auffuhr und wo König Salomo ursprünglich den Tempel baute, der zum heiligsten Ort des Judentums geworden war – die Intifada auslöste.

Aber behaupten die Palästinenser wirklich, dass Sharons Besuch die Intifada begann?

Der palästinensische Kommunikationsminister Imad Al-Faluji in Al-Safir am 3. März 2001 (übersetzt von MEMRI):

Wer immer glaubt, die Intifada brach wegen des Besuchs des verachteten Sharon an der Al-Aqsa aus, liegt falsch… Diese Intifada wurde im Vorhinein geplant, seit dem Moment, als Präsident Arafat von den Camp David-Verhandlungen zurückkehrte, wo er Präsident Clinton die kalte Schulter zeigte.

Yassir Arafats Frau Suha sagte Folgendes (von Palestinian Media Watch):

Auf der persönlichen Ebene vermisse ich ihn sehr, sehr stark. Unsere Tochter Zahwa vermisst ihn auch, wie Sie sich vorstellen können. Sie weiß, dass Arafat uns vor der [israelischen] Invasion Ramallahs wegschickte. Er sagte: „Du musst Palästina verlassen, denn ich will eine Intifada durchführen und ich bin nicht bereit mich hinter meiner Frau und meinem kleinen Mädchen zu verschanzen.“ Jeder sagte: „Suha ließ ihn im Stich“, aber ich ließ ihn nicht im Stich. Er befahl mir ihn zu verlassen, denn er hatte bereits nach den Oslo-Vereinbarungen und nach dem Scheitern von Camp David [im Juli 2000] entschieden eine Intifada durchzuführen.

Imad Faluji, PA-Kommnikationsminister:

Wer immer glaubt, die Intifada brach wegen des Besuchs des verachteten Sharon an der Al-Aqsa aus, liegt falsch. Das war nur der Tropfen, der das Fass der Geduld des palästinensischen Volks überlaufen ließ. Diese Intifada wurde bereits geplant, seit Präsident [Arafat] von den jüngsten Gesprächen in Camp David [Juli 2000] zurückkehrte. [private Filmaufnahmen einer Rede von Faluji, 5. Dezember 2000]

Der amerikanische Diplomat Dennis Ross erinnert sich in seinem Buch The Missing Peace, dass die Israelis Washington mit Beweisen anriefen, dass die Palästinenser „massive, gewalttätige Demonstrationen in der gesamten Westbank planten, vorgeblich als Reaktion auf den Besuch Sharons.“ Washington setzte Arafat unter Druck die Gewalt zu dämpfen, aber der Palästinenserführer – wieder über Ross – „rührte nicht einen Finger die Demonstrationen zu stoppen, die die zweite Intifada produzierten“.

Zusätzlich schloss der vom Untersuchungsausschuss übermittelte Mitchell-Bericht, der die Ursachen des Ausbruchs der Gewalt untersuchen sollte:

Der Besuch Sharons verursachte die Al-Aqsa-Intifada nicht.

Mehr Zitate hochrangiger Palästinenser und Medien, die die Verantwortung für die Zweite Intifada eingestehen, findet man bei Palestinian Media Watch.

Wenigstens das Time Magazine hat es begriffen:

Während einige Israelis und Palästinenser Sharon beschuldigten die Gewalt provoziert zu haben, wurde rasch klar, dass Arafat, der die Unruhen anfachte, Streit suchte und jede Rechtfertigung genommen hätte.

Der Angriff auf Qibya 1953

Großbritanniens Channel 4 News berichten:

1953 half er die Einheit 101 zu bilden, eine Einheit, die Vergeltungsschläge für die Ermordung einer israelischen Frau und ihrer beiden Kinder ausführte. Seine Truppen sprengten mehr als 40 Häuser in Qibya, einem Dorf in der Westbank, die damals von Jordanien regiert wurde; 69 Araber wurden dabei abgeschlachtet. Sharon sagte später, er glaubte die  Häuser seien leer.

Sharon wird oft die Verantwortung für den Tode von 69 jordanischen Zivilisten bei einem Kommandoüberfall auf das Dorf Qibya zur Last gelegt. Der Angriff auf Qibya von 1953 war Teil der israelischen Regierungspolitik, wie auf tödliche Terrorangriffe von „Fedajjin“-Terroristen reagiert wurde, die von den benachbarten Jordanien und Ägypten unterstützt wurden. Hunderte israelische Zivilisten waren getötet worden und die Regierung antwortete damit, dass sie Sharons Einheit 101 losschickte, um die Fedajjin, die sie unterstützenden Armeebasen und die sie beherbergenden Dörfer zu treffen. Als die Truppe sich dem Dorf näherte, sahen sie hunderte Einwohner von Qibya fliehen. Die Truppe glaubte, dass alle Einwohner geflohen waren.

Nach Angaben der offiziellen IDF-Enzyklopädie fanden die Soldaten eine junge Frau in einem Haus und einen alten Mann in einem anderen. Diese wurden rasch verscheucht. Kurz darauf sprengten IDF-Pioniere Dutzende Häuser. Niemand wusste, dass 69 Zivilisten sich in diesen Häusern versteckten. Ihr Tod war nicht beabsichtigt, aber das Ergebnis fehlerhafter Informationen und die Militäroperation wurde weithin verurteilt, sowohl in Israel als auch außerhalb.

Reuters erklärt:

Als junger Offizier im Krieg zur Gründung Israels 1948 verwundet, leitete er [Sharon] später Kommandoeinheiten und gestaltete eine Vergeltungspolitik – die auch den Verlust des Lebens von Unschuldigen in Kauf nahm – für grenzüberschreitende palästinensische Guerilla-Angriffe.

Eine „Vergeltungspolitik – die auch den Verlust des Lebens von Unschuldigen in Kauf nahm“ impliziert falsch, dass die israelische Politik tatsächlich darin bestand sich gegen unschuldige Zivilisten zu richten. Das ist nie die Politik der IDF gewesen, die sich sehr bemüht zivile Opfer zu vermeiden.

Weitere Einseitigkeiten

Dass palästinensische und andere arabische Kommentatoren den Medien negative Kommentare geben, überrascht nicht angesichts Sharons Ruf und Image in der arabischen Welt und es ist legitim diese Ansichten zu berichten. Doch was ist mit so genannten Experten, die eine persönliche Agenda puschen, statt objektive Analyse zu bieten?

NPR zitiert Mark LeVine, Professor für Zeitgeschichtliche Nahost-Geschichte an der University of California, Irvine.

Sharons Taten sowohl als Soldat als auch als Politiker spiegeln die innersten Ängste und Wünsche vieler Israelis über den Staat, den sie dort gründen wollten, wo es im wesentlichen eine feindliche Umwelt gab, sagte LeVine.

„Sie wussten, damit Israel Erfolg hat und damit der Zionismus Erfolg hat war es notwendigerweise in einen Konflikt mit der einheimischen Bevölkerung des Landes verwickelt, das niemals geordnet oder angenehm sein würde“, sagte LeVine.

Dass LeVine Israel als Kolonialisten von außen darstellt, der einen Konflikt mit einer „einheimischen Bevölkerung“ führt, überrascht kaum, wenn man bedenkt, dass er ein prominenter Unterstützer der Boykott-, De-Investitions- und Sanktionsbewegung (BDS) ist.

Die Associated Press und die Times of London zitieren Sarah Leah Whitson von Human Rights Watch:

Es ist eine Schande, dass Sharon in sein Grab gegangen ist, ohne sich für seine Rolle in Sabra und Shatila und andere Misshandlungen der Gerechtigkeit gestellt zu haben.

Human Rights Watch ist immer wieder als eine Organisation entlarvt worden, die klar antiisraelische Obsession zur Schau stellt und Sarah Leah Whitson hat eine lange Geschichte antiisraelischen Aktivismus, einschließlich Unterstützung der BDS. So stellte NGO Monitor im Mai 2009 fest: Whitson leitete eine Reise, die in Saudi-Arabien Unterstützung suchte, wo sie HRWs „finanzielle Knappheit wegen der globalen Finanzkrise und der Arbeit zu Israel und Gaza“ betonte, „die HRWs Budget für die Region erschöpfte“. Sie hob HRWs Haltung hervor, dass man „pro-israelischen Interessenverbänden“ Paroli bietet, die – wie sie erklärte – „dem Bericht starken Widerstand leisteten und versuchten ihn zu diskreditieren“.

Dass HRW und Sarah Leah Whitson als glaubwürdige Quellen zitiert werden, bezeugt die ungesunde symbiotische Beziehung zwischen Medien und NGOs und den „Heiligenschein-Effekt“, der so genannte Menschenrechtsorganisationen aufkommen lassen, die als über alle Kritik erhaben angesehen werden.

Der Guardian schließt Israelis, Selbstmordbomber und Ausgewogenheit aus

22. Dezember 2013

Pesach Benson, HonestReporting.com, 20. November 2013

Ein interaktives Feature beim Guardian wirft einen Blick auf Mauern und Barrieren rund um die Welt. Von der Grenze zwischen den USA und Mexiko zur 4.000km lange Grenze zwischen Indien und Bangladesch, darin 99 Mauern, die Belfasts protestantische und katholische Viertel trennen; sie nennen es „Wall-to-wall coverage“ (Berichterstattung von einer Mauer zur nächsten).

Auch Israels Sicherheitsbarriere wird gezeigt.

Harriet Sherwood (mit etwas B’Tselem gut geschriebener Hilfe) hat jede Menge Kommentare, Fotos und Videos von Palästinensern, die darüber reden, wie die Mauer ihr Leben beeinflusst.

Unglücklicherweise vor den Toren des Guardian stehen gelassen sind Israelis, die mitteilen, wie die Sicherheitsbarriere ihr Leben beeinflusst. Das würde bedeuten, man müsste die tödlichen palästinensisch Selbstmordbomber ansprechen, die während der zweiten Intifada in den Straßen von Jerusalem und Tel Aviv Chaos und Verwüstung anrichteten.

Aber warum journalistische Balance ein perfekte Stimmung ruinieren lassen, die Sherwood, B’Tselem und fünf fotogene Palästinenser schufen?

Da der Guardian sich nicht dazu herablässt mit Israelis zu reden, lasse ich stattdessen Ramadan Saleh – weit weniger verlockenden Chef des Palästinensischen Islamischen Jihad – mein Argument vortragen. Die Barriere hält Terroristen fern.

Ein einseitiger Lauf

22. Dezember 2013

Yarden Frankl, HonestReporting.com, 17. Dezember 2013

Ron Levy und Revital Seri, 1984 beim Wandern ermordet.

Jonathan Brown beschreibt in der Irish Times seine Erfahrung als Läufer in dem, was er „Palästina“ nennt. („Laufen ist ein Luxus, mit dem die Palästinenser nichts anfangen können.“) Er schreibt verständnisvoll darüber, dass die Palästinenser derart daran gewöhnt sind vor israelischen Soldaten davonzulaufen, dass sie sich Lauf aus reiner Lust nicht vorstellen können.

Er erklärt den Kontext der Situation nicht ansatzweise, als ob er sagen wollte, die israelischen Soldaten seien nur dort, um zu verhindern, dass die Palästinenser Spaß haben und zur Erholung laufen:

Die auf meine Brust gerichteten Gewehre kristallisiert sich in diesem Moment der wesentliche Unterschied zwischen Laufen in Palästina und fast überall sonst. Der Unterschied besteht zwischen „Laufen“ und „Weglaufen“. Wie Worte auf einer Seite ist es ein kleiner Unterschied. Selbst die physische Aktion ist ähnlich – beide lösten primäre menschliche Instinkte aus. Doch die durch sie eingeflößten Gefühle sind Welten von einander entfernt. Beim einen sind es die Endorphine, beim anderen Adrenalin; die Gewissheit der Sicherheit und die Gewissheit unmittelbarer Gefahr. Ich bin gefangen zwischen diesen Gegensätzlichkeiten, wenn ich erkenne, dass Laufen ein Luxus ist, den ich als selbstverständlich angesehen habe, ein Luxus, mit dem Palästina nichts anfangen kann.

Ich bin Läufer. Und ich leben in dem, was Brown Palästina nennen würde und von dem ich als Judäa spreche. Ich stimme ihm zu, dass es ein wunderschöner und herausfordernder Ort zum Laufen ist.

Doch was Brown nicht zu erkennen scheint: Israelische Läufer und Wanderer in diesem Gebiet sorgen sich auch um ihre Sicherheit. Jedes Mal, wenn du deine Laufschuhe oder die Wanderstiefel zubindest, machen auch dir tödliche Angriffe auf Wanderer und Jogger im Hinterkopf zu schaffen.

Erst vor ein paar Wochen feierte die PA die Entlassung von Issa Abed Rabo. Er wurde der am längsten im Gefängnis sitzende Häftling, indem er 1984 Revital Seri und Ron Levy ermordete. Die beiden Studenten wanderten in der Nähe eines Klosters im südlichen Jerusalem, als sie Rabo begegneten. Er fesselte Levy und Seri mit vorgehaltener Waffe, zog ihnen Tüten über den Kopf und tötete beide.

Wenn du also alleine auf einem Trampelpfad unterwegs bist und einen Palästinenser siehst, dann fragt sich ein Teil deines Verstandes, ob es da jetzt ein Problem geben wird.

Doch was geschieht ist dieselbe Reaktion, die zwischen palästinensischen Zivilisten und israelischen Soldaten hunderte Male am Tag abläuft.

Es gibt ein gegenseitiges Zunicken und dann ist der Augenblick vergessen.

Nicht alles ist so voller Dramen wie das von Brown gemalte Bild.

Der Independent baut eine „neue Siedlung“

3. November 2013

Simon Plosker, HonestReporting.com, 28. Oktober 2013

Kein Wunder, dass der uninformierte Beobachter den Eindruck gewinnen könnte, das israelische Siedlungen sich rasend schnell vermehren. Nehmen Sie diesen Absatz eines Artikels im The Independent über die Freilassung palästinensischer Terroristen aus israelischen Gefängnissen:

Um Israelis zu beschwichtigen, die gegen diesen Schritt sind, bei dem Häftlinge freigelassen werden, die an der Ermordung von Israelis beteiligt waren, genehmigte Premierminister Benjamin Netanyahu den Bau einer neuen Siedlung in der Westbank.

Tatsächlich gibt es keinen Plan eine „neue Siedlung in der Westbank“ zu bauen. Wie es schon seit einer Reihe Jahre der Fall ist, hat genehmigtes Bauen innerhalb bestehender jüdischer Gemeinden in der Westbank stattgefunden.

Ob man mit der israelischen Siedlungspolitik nun einverstanden ist oder nicht, die Leser des Independent oder jeder anderen Publikation sollten wenigstens faktisch korrekte Informationen erwarten können.

UPDATE 1:

Wir schrieben dem Independent eine E-Mail mit der Aufforderung den Fehler zu korrigieren. Inzwischen erklärte uns Mark Regev, Sprecher des Premierministers, offiziell, dass der Premier keinen Plan für eine neue Siedlung genehmigt hat.

Erst, nachdem am nächsten Tag eine zweite E-Mail mit der Drohung geschickt wurde Beschwerde bei der Press Complaints Commission einzureichen, kam die folgende Antwort vom stellvertretenden geschäftsführenden Chefredakteur:

Danke für Ihre E-Mail. Ich habe online bereits eine entsprechende Ergänzung der Story vorgenommen.

In der Tat ist der beleidigende Absatz aus dem Artikel entfernt worden.

Das ist zwar willkommen, aber es enttäuscht immer noch, dass der Independent nur Drohungen zu reagieren scheint, statt Korrekturen vorzunehmen, weil das professionelles Handeln wäre.

UPDATE 2:

Wir waren erstaunt einen Folgeartikel zu sehen, der nur Stunden nach der oben beschriebenen Korrektur veröffentlicht wurde. Dieser neueste Text heißt „Israelisch-palästinensische Gespräche gestärkt von Freilassung von 26 Gefangenen – dann sofortiger Rückschlag durch neue Jerusalemer Siedlungspläne“ beginnt wie folgt (Hervorhebung hinzugefügt):

Israel hat einen entschiedenen Schritt Richtung Friedensgespräche mit Palästina unternommen, indem es eine Gruppe von 26 Gefangenen freiließ – und machte den Fortschritt fast sofort wieder zunichte, indem es Pläne zum Bau einer Reihe neuer Siedlungen in Ostjerusalem verkündete.

Der Independent hat sich jetzt von einer „neuen Siedlung“ zu einer „Reihe neuer Siedlungen“ weiter entwickelt, obwohl beides nicht richtig ist!

Eine weitere Beschwerde wurde an den Independent geschickt.

UPDATE 3:

Der Independent reagierte zeitgerechter und gab folgende Korrektur aus:

Israel hat einen entschiedenen Schritt Richtung Friedensgespräche mit Palästina unternommen, indem es eine Gruppe von 26 Gefangenen freiließ – und machte den Fortschritt fast sofort wieder zunichte, indem es Baupläne für Ostjerusalem verkündete.

Israel dämonisieren? Wer, wir?

8. Oktober 2013

Simon Plosker, HonestReporting.com, 6. Oktober 2013

Kaum hatte HonestReporting die Petition gegen die Dämonisierung Israels in den Medien gestartet, da erschien das Problem der Dämonisierung in einem bekannten UK-Medium. Der Independent reagierte mit rechtschaffener Entrüstung auf Schuldvorwürfe eines jüdischen Gemeindeleiters und Journalisten einer rivalisierenden Zeitung, dass der Independent regelmäßig Israel dämonisiere.

Der Independent veröffentlichte dieses Editorial (Hervorhebungen hinzugefügt):

In einer Nebenbemerkung sagte gestern Alex Brummer, City Editor der Daily Mail in der Sendung „Today“ von Radio 4: „Im Vergleich mit dem Guardian und dem Independent, die Israel regelmäßig dämonisieren, und damit die breitere jüdische Gemeinschaft dämonisieren, steht die Daily Mail unmittelbar hinter ihnen.“ Der Guardian kann für sich selbst sprechen. Was den Independent angeht, ist Mr. Brummers Behauptung falsch, kurzsichtig, willentlich ignorant, eine Beleidigung der Integrität unserer Mitarbeiter und eine Beleidigung von Ihnen, unseren Lesern.

Es stimmt, dass der Independent seit seiner Gründung 1986 Werte der Aufklärung hoch gehalten hat; und es hat Zeiten gegeben, in denen das Handeln der israelischen Regierung nicht von aufgeklärtem Denken getrieben gewesen ist.

Unsere Berichterstattung zu Israel wird von unserem vielfach preisgekrönten Nahost-Korrespondenten Robert Fisk geführt. Mr. Risk versteht nach drei Jahrzehnten Berichterstattung über diese Region diese besser als die meisten, die ihn beleidigen, und ist sehr bemüht zwischen Opposition zur israelischen Politik und Antisemitismus zu unterscheiden.

Das wäre dann derselbe Robert Fisk, dem im Oktober 2006 die Titelseite des Independent gegeben wurde, um die Verleumdung zu verbreiten, Israel habe während des Kriegs dieses Sommers im Libanon Waffen auf Uranbasis eingesetzt. Das wurde damals von HonestReporting hinterfragt, gefolgt von einer UNO-Ermittlung, die Israel kurz darauf von den Vorwürfen freisprach, was ebenfalls von offiziellen Vertretern des Libanon bestätigt wurde. HR kritisierte den Independent wegen seines schlampigen Journalismus und weil er keine Richtigstellung brachte.

Bis heute haben Fisk und seine Zeitung es verfehlt den Vorwurf zurückzunehmen.

Könnte diese Art von Verleumdung zur Dämonisierung Israels beitragen? Sicher nicht, folgt man dem Independent.

In der Tat hat Fisk eine lange Geschichte antiisraelischer Schmähungen; er macht Israel für alles verantwortlich, woran die Palästinenser kranken und den Westen für muslimische Verstimmungen. Am Tag nach dem 11. September 2001 trotzte Fisk der zivilisierten Welt und machte Israel, Amerika und sogar die Niederlage des ottomanischen Reichs für den Terroranschlag auf das WTC verantwortlich. Fisk proklamierte:

„… Dies ist nicht der Krieg der Demokratie gegen den Terror, den die Welt in den kommenden Tagen aufgefordert wird zu glauben. Es geht auch um amerikanische Raketen, die in palästinensischen Häusern einschlagen und US-Hubschraubern, die Raketen 1996 in einen libanesischen Krankenwagen feuerten und amerikanische Granaten, die in ein Dorf namens Qana einschlugen und um eine von Amerikas israelischem Verbündeten bezahlte und uniformierte libanesische Miliz, die sich ihren Weg durch Flüchtlingslager hackte, vergewaltigte und mordete.”

Wie kann der Independent – mit völlig gutem Gewissen – tatsächlich Robert Fisk hoch halten und versuchen Vorwürfe zu parieren, die Zeitung dämonisiere Israel?

Das Editorial des Indepentent fährt fort:

Mr. Brummer beging dann zwei intellektuelle Fehler. Erstens misinterpretierte er unsere robusten Ansichten und Skepsis als Dämonisierung; zweitens verschmolz er Opposition zu israelischer Politik mit Antisemitismus. Letzteres ist ironisch angesichts der vielen Juden in Britannien und andernorts, die gegen das Tun aufeinander folgender israelischer Regierungen opponieren.

Vielleicht können wir den Independent an seine berüchtigte und abscheuliche politische Karikatur aus dem Jahr 2003 erinnern:

Die Karikatur stellt Ariel Sharon dar, wie er in das Fleisch eines palästinensischen Babys beißt. Der Hintergrund zeigt Apache-Hubschrauber, die Raketen schießen und die Botschaft trompeten: „Wählt Likud!“

Aber wie könnte diese Art widerwärtiger Darstelllung Israel dämonisieren? Sicher nicht, folgt man dem Independent.

In seinem Editorial scheint der Independet zu argumentieren, dass Opposition zu israelischer Politik mit Antisemitismus zu verbinden, angesichts der Tatsache, dass die israelische Regierungspolitik von vielen Juden nicht geteilt wird, „ironisch“ ist. Statt Alex Brummers Kommentaren ist dies die wahre Beleidigung der Intelligenz.

Niemand legt nahe, das Kritik an Israel automatisch antisemitisch ist. Dass Juden, einschließlich Israelis, und andere sich gegen die Politik israelischer Regierungen stellen, ist ein gesundes Eingeständnis lebhafter Debatte, die nicht auf die Ebenen der Schande absinkt, die vom Independent über Israel ausgekippt wird.

Jüdische Opposition gegen israelische Politik zu nutzen, um aus der Möglichkeit zu entkommen, dass Kritik an Israel die Linie in die Dämonisierung überschreiten kann, ist unredlich.

Der Independet steht auf der Liste der wichtigen internationalen Medienorgane, denen wir unsere Petition schicken werden, mit der wir fordern, dass sie die Antisemitismus-Definitionen des US-Außenministeriums und der EU übernehmen, genau deshalb, damit die Medien wissen, wann sie die Linie überschritten haben.

Helfen Sie uns, indem sie die Petition unterschreien und sie in Ihrer Familie, bei Freunden und Kollegen verbreiten. Der Independent erkennt offensichtlich Dämonisierung nicht. Es ist an der Zeit, dass er das lernt.

Wie man Israel verleumden kann: eine Fallstudie

12. September 2013

Simon Plosker, HonestReporting.com, 11. September 2013

Es ist leicht eine antiisraelische Verleumdung zu schaffen, die dann erst widerlegt wird, wenn der Schaden angerichtet ist. Das wurde in den letzten Tagen anschaulich demonstriert.

Ben Phillips, Campagins and Policy Director der Antiarmuts-Organisation Oxfam tweete Folgendes:

Die Blockade des Gazastreifens verhinderte Oxfams öffentlichem Gesundheitsprogramm einen Chlormesser hinzubringen, der helfen sollte die Chlorlevel zur Reinigung von Wasser richtig zu halten.

Es gibt eine symbiotische Beziehung zwischen Nichtregierungsorganisationen (NGOs), den Medien und Antiisrael-Aktivisten. Phillips Tweet weckte das Interesse des Ali Abunimah, der die verbreitete antiisraelische Propaganda-Website Electronic Intifada führt. Dort betrieb man einen Dialog, in dem Phillips erklärte, warum er Israel dafür verantwortlich macht, dass die Wasser-Ausrüstung den Gazastreifen nicht erreichte:

- Sie sollte von einem deutschen Hersteller versandt werden. Dieser nutzt nur diese Route, ja.
- Wir stellten einen Einfuhrantrag. Nach 8 Monaten ohne Vereinbarung mussten wir stattdessen weniger effektive Prozesse nutzen.

Von hier ist es nur ein kleiner Schritt, dass Electronic Intifada einen Story veröffentlicht, mit dem Israel beschuldigt wird zu verhindern, dass Ausrüstung zur Wasserbehandlung im Gazastreifen ankommt und der Phillips‘ Tweets beinhaltet:

Israel hat die internationale Entwicklungshilfeorganisation Oxfam daran gehindert lebenswichtige Ausrüstung in den Gazastreifen zu bringen, die helfen würde Wasser sicher zu machen.

„Die Blockade des Gazastreifens verhinderte, dass Oxfams Programm für öffentliche Gesundheit ein Chlormessgerät hinbringt, das helfen würde die richtigen Chlorwerte zur Reinigung von Wasser einzustellen“, tweetete Ben Phillips, der Campaigns and Policy Director der Organisation heut aus Gaza.

Mehr als 90 Prozent des im Gazastreifen zur Verfügung stehenden Wassers ist für menschlichen Verbrauch nicht geeignet, weil Israel Jahre lang die Abwasser- und Wasser-Infrastruktur bewusst zerstört, weil es die Einfuhr von Ausrüstung verhindert und wegen Verschmutzung und überzogenen Förderung des Grundwassers.

Als Folge davon sind durch das Wasser verursachte Krankheiten weit verbreitet.

Phillips sagte, Oxfam „stellte [in Israel] einen Antrag zur Einfuhr“ dieser Ausrüstung, aber „nach 8 Monaten ohne Vereinbarung mussten wir stattdessen weniger effektive Prozesse nutzen“.

Diese funktionierten offenbar nicht. Die Ausrüstung sollte von einem deutschen Hersteller über Israel geliefert werden, fügte Phillips hinzu.

NGOs und so genannte humanitäre Organisationen profitieren vom „Heiligenschein-Effekt“, durch den sie als jenseits aller Vorwürfe stehend betrachtet werden. Einfach ausgedrückt wird alles, was eine Organisation wie Oxfam gebracht wird, als vertrauenswürdige Information angesehen.

Es dauerte nicht lange und die antiisraelischen Blogs und Internetseiten sich auf die Story stürzten. Ein Screenshot der ersten Seite einer Google-Suche illustriert, wie weit und schnell eine antiisraelische Kampagne sich tatsächlich verbreiten kann:

Zu spät also, um die Story zu löschen, sobald bestätigt war, dass sie völlig unwahr war. Einen Tag später gab Electronic Intifada die folgende Richtigstellung aus:

Eine Story, die Electronic Intifada gestern veröffentlichte, zitierte einen hochrangigen Vertreter von Oxfam damit, Israel habe verhindert, dass Ausrüstung zur Desinfektion von Wasser in den Gazastreifen geliefert wurde.

Electronic Intifada erhielt heute die folgende E-Mail von Alun McDonald, Media and Communications Officer bei Oxfam, die den Fehler erklärte (Hervorhebung hinzugefügt):

Danke, dass Sie die extrem wichtige Frage der Wasserknappheit im Gazastreifen weiter aufbringen. Der Tweet eines Oxfam-Mitglieds allerdings, der zu dem Posting gehörte, war nicht zutreffend.

Ben besuchte den Gazastreifen und es gab eine Fehlübersetzung oder ein Missverständnis in einem seiner Treffen mit Gemeinden vor Ort. In diesem bestimmten Fall lag die Verspätung bei der Lieferung des Chlormessers an Verzögerungen beim Hersteller und Zulieferern, nicht an einer Verzögerung bei der Lieferung über Israel oder an der Blockade.

Der Fehler und das Durcheinander tun mir aufrichtig leid. Ich wäre dankbar, wenn wir eine Richtigstellung der Story bringen könnten.

Die Knappheit an sicherem Wassser ist eine extrem reale und ernste Sache und Oxfam führt weiter seine Kampagne für ein Ende der Blockade, von der wir glauben, dass sie das internationale Recht verletzt und das Leben der Menschen im Gazastreifen verheert hat und die Bewegung von Waren und Menschen gravierend einschränkt. In diesem Fall liegt die Verzögerung beim Empfang der Ausrüstung allerdings nicht an der Blockade.

Eine solche Richtigstellung gibt es selten. Wir können nur spekulieren, was geschehen wäre, hätte Oxfam den eigenen Fehler nicht eingestanden.

Wie lang hätte es gedauert, bevor Journalisten der Mainstream-Medien sich entschieden hätten sich eine Story darüber genauer anzusehen, dass Israelis den Palästinensern wichtige Ausrüstung zur Lieferung von sauberem Wasser verweigern? Hätten die Journalisten sich die Mühe gegeben etwas elementares Faktenchecken zu unternehmen, das darüber hinaus geht sich auf Zitate von – in ihren Augen – einer verlässlichen Quelle von Oxfam zu verlassen?

Doch Millionen waren der Story über antiisraelische Internetseiten und sozialen Medien ausgesetzt, unabhängig davon, ob die Story von Mainstream-Medien veröffentlicht wurde oder nicht. Tweets wie diese gingen zu Tausende an Follower, von denen einige die Story re-tweeteten:


Israel blockiert Lieferung entscheidender Wasser-Desinfektionsausrüstung nach Gaza.


Israel blockiert Lieferung entscheidender Wasser-Desinfektionsausrüstung nach Gaza.

Dieser Vorfall macht auch auf die Beziehung zwischen Oxfam und einer antiisraelischen Hass-Seite aufmerksam. Dank des Internets wird eine Israel verleumdende Story für immer von antiisraelischen Aktivisten recycelt, die entweder keine Richtigstellung gesehen haben oder sie ignorieren.

Das ist seiner der Gründe, dass HonestReportings Material so wichtig ist. Es ist entscheidend, dass ein Gegengewicht geschaffen wird, das ebenfalls online die Wahrheit zugänglich macht und mit dem die regelmäßig gegen Israel gerichteten Anschuldigungen widerlegt werden. Wir hoffen, dass dieser Eintrag von HonestReporting schlussendlich auch in einer Google-Sucher auftaucht, wenn das nächste Mal jemand nach der gefälschten Story sucht, Israel habe den Palästinensern des Gazastreifens Zugang zu sauberem Wasser verweigert.

Palästinensische „Augenzeugen“ erweisen sich als unzuverlässig – mal wieder

28. August 2013

Simon Plosker, HonestReporting.com, 27. August 2013

Jeder Filmfan weiß, wenn eine Bande Krimineller von den Gesetzeskräften festgenommen wird, dann ist das erste, was sie tun müssen, ihre Geschichte auf die Reihe zu bekommen. Unter Befragung durch die Polizei wird dann an Fall rund um die Löcher und Widersprüchlichkeiten in den Geschichten der einzelnen Kriminellen aufgebaut.

Die Geschichten der sogenannten palästinensischen „Augenzeugen“ auseinanderzunehmen ist ein Luxus, den die IDF nicht hat. Auch viele Journalisten können nicht damit belästigt werden sich darum zu kümmern, bevor sie einen Artikel schreiben.

Wie verlässlich (oder unzuverlässig) sind also palästinensische Augenzeugen?

Die Geschichte rund um den Tod dreier Palästinenser während einer israelischen Aktion vor Morgengrauen zur Verhaftung im Flüchtlingslager Qalandiya bei Ramallah illustriert das Problem.

Bedrohung des Lebens von IDF-Soldaten

Die Bedrohung durch Steine oder Schlimmeres werfende Palästinenser wird von den Medien oft heruntergespielt, die erpicht darauf sind, eine vereinfachte Story der Art des David gegen Goliath zu fördern, wobei die Palästinenser die Rolle des David spielen. Einmal mehr vermieden die meisten Medien in dieser Story jegliche grafischen Beschreibungen der palästinensischen Ausschreitungen, wodurch der Eindruck hinterlassen wurde, die IDF habe unverhältnismäßig und willkürlich reagiert.

Zur Berichterstattung der meisten Medien gehörte nur ein kurzes Zitat von IDF-Sprecher Oberstleutnant Peter Lerner: „Scharf geschossen wurde erst, nachdem Soldaten das Gefühl hatten, dass ihre Selbstverteidigung das erfordert“, sagte er. „Mit der großen Zahl an Menschen und der Art, wie Situation sich entwickelte, hatte die Soldaten das Gefühl, dass sie keine andere Wahl hatten als scharf zu schießen.“

Anerkennung daher für den Daily Telegraph und die New York Times, dass sie Beschreibungen der Szene brachten, die ein weit detaillierteres und alarmierenderes Bild zeichneten.

Der Daily Telegraph:

Der Lärm und Tumult brachte eine große Zahl Einwohner aus ihren Häusern, von denen viele auf die Dächer niedriger Häuser kletterten und Wurfgeschosse zu schleuderten, sagten Zeugen dem Telegraph.

Zahlenmäßig unterlegen, forderte die Polizei Hilfe durch die israelische Armee an, die Soldaten in gepanzerten Fahrzeugen und Jeeps einsetzte.

„Es war wie auf einem Schlachtfeld“, sagte Ahmed Lafi (25), ein Journalismus-Student an der Bir Zeit-Universität von Ramallah. „Niemand auf den Dächern sah einfach nur zu.“

Die Leute warfen Steine, Molotowcocktails, Eisenstangen, sogar Satellitenschüsseln.

„Die israelischen Soldaten gerieten in Panik und einige schrien wie Frauen. Einer ihrer Jeeps blieb liegen und ein anderer wurde beinahe abgebrannt. Eine Gruppe Soldaten saß in der Falle. Dann glauben sie, sie hätten einen Soldaten verloren und begangen in Häuser einzudringen, um nach ihm zu suchen.“

Die New York Times:

Herr Lafi beschrieb Menschen, die Soldaten mit Brandbomben, Steinen, Ziegeln, Satellitenschüsseln angriffen – mit allem, was sie in die Hände bekamen. „Wenn die Armee jedesmal auf Widerstand trifft, wenn sie versucht in der Westbank Aktivisten zu verhaften“, sagte er, „dann wird die Armee es nicht wagen weiter Razzien und Verhaftungen durchzuführen.

Wundert es, dass die IDF-Soldaten sich hinreichend bedroht fühlten, um scharf zu schießen?

Wie viel Uhr war es?

Die meisten Medien, einschließlich der BBC, verließen sich auf einen Bericht der Associated Press:

Hatim Khatib, dessen Bruder Yussef bei der Razzia verhaftet wurde, sagte der Associated Press, dass verdeckte Streitkräfte in ziviler Kleidung um 4.30 Uhr morgens an ihrem Haus ankamen und zu seinem Bruder wollten.

„Nach einer halben Stunde begannen wir Schüsse der Soldaten in unserem Haus zu hören und dann begannen die Leute Steine auf sie zu werfen“, sagte er.

Nach Angaben der Los Angeles Times allerdings sagten

palästinensische Zeugen, die Razzia begann um 3 Uhr morgens als Undercover-Operation zur erneuten Verhaften eines Fatah-Militanten, der erst vor kurzem aus einem israelischen Gefängnis freigelassen wurde.

In starkem Gegensatz dazu schrieb die Washington Post:

Auf der Beerdigung der drei Toten sagten hochrangiger Palästinenserführer und wütende Einwohner, Israel provozierte den Angriff, indem es am Morgen im Flüchtlingslager ankam, als die Menschen zur Arbeit, Schule oder Moschee gingen.

Wie viele Leute gehen um 4.30 Uhr morgens zur Arbeit oder zur Schule? Es ist absolut unwahrscheinlich, dass die IDF erwägen würde eine Undercover-Verhaftungsoperation zu einer Zeit durchzuführen, wenn gewöhnliche Palästinenser sich auf den Straßen bewegen. Das wird nicht gemacht, um sowohl zu vermeiden, dass man entdeckt wird, als auch wegen des Risikos einer Konfrontation. In der Tat – fürs Protokoll – erklärte die IDF, dass die Operation gegen 5 Uhr morgens begann.

Die Festnahme

Der schon erwähnte AP-Bericht, auf den sich zahlreiche Medien verließen, beschreibt aufgrund der Aussage seines Bruders Hatim, wie Yussef Khatib verhaftet wurde.

„Nach einer halben Stunde begannen wird Schüsse der Soldaten in unserem Haus zu hören und dann begannen die Leute Steine auf sie zu werfen“, sagte er.

Yussef wurde verhaftet, als er um 7 Uhr vom Morgengebet zurückkam, sagte er.

Die New York Times zitiert allerdings einen anderen Palästinenser, der behauptet Yussefs Bruder zu sein:

Amer Khatib (27) sagte, israelische Undercover-Kräfte waren gekommen, um seinen Bruder Yusef zu verhaften, der vor zwei Jahren aus einem israelischen Gefängnis entlassen wurde. Yusef entkam in ein Nachbarhaus, doch die Kräfte holten ihn ein und schlugen ihn, sagte sein Bruder.

Offenbar können sich zwei Brüder derselben palästinensischen Familie nicht einigen, was geschah. Was stimmt jetzt? Wurde Yussef Khatib verhaftet, als er von den Morgengebeten kam oder war er bereits Zuhause als die israelischen Sicherheitskräfte kamen, um ihn zu verhaften?

Bedenkt man, dass um 7 Uhr ein groß angelegter Krawall im Lager stattfand, dann erscheint es unwahrscheinlich, dass Khatib lässig von der Moschee zurück zu seinem Haus ging, nur um festzustellen, dass israelische Truppen auf ihn warteten.

Der Daily Telegraph berichtet folgendermaßen:

Nachdem die Polizei Sprengstoff benutzte, um die Tür seines Hauses aufzusprengen, entkam Khattib anfangs in das Obergeschoss, bevor auf die Dächer zweier angrenzender Gebäude sprang. Er wurde schließlich in einem Lagerraum gefasst, nachdem Beamte sich den Zugang zu einem der Gebäude erzwangen.

Tötungsabsicht?

Sehen Sie sich das hier im Guardian an:

Robin al-Abed (32) wurde in die Brust geschossen, als er versuchte von seinem Haus zu seinem Arbeitsplatz zu kommen. Jihad Asslan (20) wurde für hirntot erklärt, nachdem er auf dem Dach seines Hauses angeschossen wurde, wohin er gegangen war, um sich die Zusammenstöße anzusehen, sagte ein Nachbar der Männer, Abu Omar Hammad. Der dritte Tote war Yunis Jahjouh (22), dem ebenfalls in die Brust geschossen wurde.

Hammad (46), der im Lager Süßigkeiten verkauft, sagte, er sei von seinen Kindern um 6 Uhr aufgeweckt worden und stellte fest, dass „Soldaten das Viertel erdrückten“. Er sagte, er sah wie al-Rabed angeschossen wurde, als der versuchte zur Arbeit bei der palästinensischen UNO-Flüchtlingsorganisation UNRWA zu kommen.

„Er warf keine Steine. Die Soldaten öffneten die Hintertür ihres Jeeps und schossen ihm in die Brust. Die Kugel kam aus seinem Rücken heraus und er spuckte Blut. Ich rief einen Krankenwagen, aber es wurde verhindert, dass der in das Lager einfuhr“, sagte er.

Ich habe viele Einfälle in dieses Lager gesehen, aber dieser war anders. Sie kamen, um zu töten.“

Nach Angaben anderer Zeitungen und einem Statement der UNRWA selbst ist „Robin al-Abed“ in Wirklichkeit Rubin Zayed. Vielleicht kann man dem Guardian diesen Fehler vergeben, aber nicht, dass er eine Darstellung vorantreibt, Zayed sei absichtlich ins Visier genommen wordne.

Unter Bezugnahme auf die während des Vorfalls drei getöteten Palästinenser berichtet die New York Times:

Zeugen in Qalandiya sagten, zwei der Toten hätten bei den Ausschreitungen mitgemacht, aber dass Herr Zayed, ein vierfacher Vater, der für die United Nations Relief and Works Agency arbeitete, die palästinensische Flüchtlinge unterstützt, auf dem Weg zur Arbeit zwischen die Steinewerfer und das israelischen Militär geriet.

Diese Darstellung wird auch vom Daily Telegraph wiedergegeben: „auf dem Weg zur Arbeit zwischen die Steinewerfer und das israelische Militär geraten“.

Während sich also die New York Times und der Daily Telegraph auf zahlreiche Zeugen beziehen, entschied sich der Guardian für einen, der behauptet, die IDF „kam um zu töten“.

Schlussfolgerung

Die Vorgänge in Qalandiya bieten uns ein gutes Fallbeispiel dafür, wie palästinensische Augenzeugenberichte zu einer Vielzahl an Versionen einer Geschichte führen können; außerdem dafür, wie unterschiedlich Journalisten und Medienorganisationen sich die Geschichte darzustellen entscheiden.

Eines ist allerdings klar: Die Medien sollten die Unzuverlässigkeit der sogenannte palästinensischen „Augenzeugen“ und Sprecher einkalkulieren, bevor sie ihre Darstellung ohne nachzufragen akzeptieren.

Mitgefühl für die Teufel

19. August 2013

HonestReporting Media BackSpin, 19. August 2013

Abbildung: Mahmoud Abbas feiert Freilassung palästinensischer Terroristen.

Der Economist meint, dass Israel bei der Freilassung von Gefangenen letzte Woche zu knauserig gewesen sei.

Als Maßstab für die Ernsthaftigkeit der Verhandlungen zwischen Israelis und Palästinensern offenbart die Zahl der palästinensischen Gefangenen, die am Vorabend der Gespräche veröffentlicht wurde, düstere Aussichten, so Pessimisten. Als sich beide Seiten vor zwei Jahrzehnten zu Verhandlungen zusammensetzten, entließ Israel nach der Unterzeichnung des Osloer Abkommens im Jahr 1993 in einem einzigen Jahr 2.000 Palästinenser. In den folgenden Jahren ließ Israel durchschnittlich 1.000 Häftlinge pro Jahr frei. Danach sank die Zahl auf ein paar Hundert ab. Und nun, angesichts der neu aufgenommenen Gesprächsrunde, die am 14. August in Jerusalem begann, ließ Israels Ministerpräsident Benyamin Netanyahu nur 26 frei.

Und selbst dies hat in Israel Empörung ausgelöst.

Überrascht, dass sich der Economist so desinteressiert für den Schmerz israelischer Terroropfer zeigt?

Vielleicht ein wenig. Wie man weiß, begab sich das Blatt in genau die gleiche Kalamität, als es Abdelbaset al Megrahis Freilassung aus der Haft im Jahr 2009 verurteilte. Schottische Behörden hatten den Lockerbie-Bomber aus “humanitären Gründen” freigelassen, nachdem bei ihm Krebs diagnostiziert worden war. Megrahi wurde bei seiner Ankunft in Libyen als Held empfangen und lebte noch drei Jahre.

Abbildung: Lockerbie-Attentäter Abdelbaset al-Megrahi als Held empfangen.

Was der Economist dann von sich gab, passt zu den 26 Mördern, die nun ihre unverdiente Freiheit genießen:

Der Grund, Herrn Megrahi aus der Haft zu entlassen, war weniger praktisch als symbolisch – die Gräueltaten, (270 Menschen getötet; 189 von ihnen Amerikaner), deren er schließlich im Jahr 2001 für schuldig befunden wurde. Terrorismus wird manchmal unscharf mit einer Art intellektueller Seriosität in Verbindung gebracht, die bei banaler Gewaltanwendung fehlt. Aber beim Lockerbie-Bombenanschlag handelte es sich um kaltblütigen Massenmord; Megrahis Verbrechen war schlimmer als das jedes anderen Häftlings in Großbritannien. Der Zweck der Haft besteht darin, die Ächtung der Gesellschaft zu bekunden, die Opfer zu rehabilitieren und potentielle Täter abzuschrecken; und aus moralischen Gründen hätte Megrahi bis zu seinem Tod eingesperrt bleiben müssen.

Wie kann man sich das neu entdeckte Mitleid des Economist für die Teufel erklären?

Es ist natürlich viel einfacher, Häftlingsentlassungen zu befürworten, wenn die Terroranschläge nicht in der eigenen Nachbarschaft stattgefunden haben. Falls man noch einen weiteren Beweis dafür braucht, denke man an die Empörung, als ein Diplomat die palästinensischen Häftlinge mit Anders Breivik verglich, der im Jahr 2011 in Norwegen bei einem Amoklauf 77 Menschen getötet hatte.

Entweder so, oder es braucht 270 tote Israelis, um die Aufmerksamkeit des Economist zu bekommen.

Wessen Recht auf ein Referendum?

23. Juli 2013

HonestReporting Media BackSpin, 23. Juli 2013

Auch wenn es nicht allzu viel Optimismus rund um die Ankündigung der Friedensgespräche gibt, scheint die Times of London (Kostenpflichtige Registrierung nötig) mit dieser Schlagzeile – gelinde gesagt – zu früh dran zu sein:


Dort heißt es:

Benjamin Netanjahu, der israelische Premierminister, schien letzte Nacht die Hoffnung auf einen Durchbruch im Nahost-Friedensprozess zu dämpfen, als er sagte, dass jede Vereinbarung Gegenstand einer Volksabstimmung sei…

Vorschläge für Referenden zu Friedensabkommen wurden bisher in der Regel von den israelischen Hardlinern unterlaufen, weil diese nach Hürden Ausschau hielten, um jegliche Konzession bezüglich der Abtretung der von Israel im Krieg annektierten palästinensischen Gebiete zu verhindern.

Ganz anders der Daily Telegraph:

Herr Netanjahu glaubt, dass die Ratifizierung in einer nationalen Volksabstimmung ihm die Möglichkeit eröffnet, den Widerstand der Rechtskonservativen zu überwinden, wenn er einem Friedensvertrag Legitimität durch die Bevölkerung verleiht.

“Der Gedanke dahinter ist der, dass es nicht um die Hinterfragung der Legitimität oder mangelnder Legitimität [eines Abkommens] geht, weil man die Stimme des Volkes berücksichtigt haben wird”, sagte ein hoher israelischer Offizieller aus dem näheren Umfeld des Ministerpräsidenten. “Unter der Prämisse, dass jegliches Abkommen komplizierte Wahlmöglichkeiten und Kompromisse für Israel beinhaltet, braucht man diese Form der Legitimität, um sie umsetzen zu können.

“Der Premierminister ist auch der Ansicht, dass er als Mann der konservativen Mitte und als Garant für Sicherheit gesehen wird, der in der Lage ist, die Öffentlichkeit auf seine Seite zu ziehen, wenn er ein Abkommen erzielt, hinter dem er steht.”

Ich neige zur zweiten Analyse. Wie kam Catherine Philp von der Times of London zu ihrer Schlussfolgerung? Glaubt sie, dass ein Referendum zu einem Friedensabkommen von israelischen “Hardlinern” [nur] deshalb bevorzugt wird, weil die israelische Öffentlichkeit keinen Frieden wolle?

Obwohl alle Umfragen über viele Jahre hinweg darauf verweisen, dass eine überwiegende Mehrheit der Israelis sich für ein Friedensabkommen und die Zweistaatenlösung ausspricht,  ist dies nicht das erste Mal, dass jemand in den Medien zu Unrecht unterstellt, Israel sei nicht an Frieden interessiert.

In diesem neuesten Beispiel hat Philp gezeigt, dass sie offensichtlich sehr wenig Ahnung von der Komplexität der israelischen Politik und Gesellschaft hat.

Fall „Mohammed al-Dura“: Französisches Gericht spricht Philippe Karsenty schuldig

28. Juni 2013

HonestReporting Media BackSpin, 28. Juni 2013

Ein Pariser Gericht erklärte den französischen Medienanalysten Philippe Karsenty schuldig der Verleumdung des TV-Senders France 2, weil er dessen umstrittene Videoaufnahmen zu  Mohammed Duras Tod penibel untersucht hatte.

Karsenty hatte France 2-Redakteur Charles Enderlin nachgewiesen, dass dieser Rohmaterial eines Videos gefälscht hatte, das beim Tod eines 12-jährigen Jungen während eines Schusswechsels an der Kreuzung Netzarim in Gaza im Jahr 2001 aufgenommen worden war. Das Video wurde damals weltweit ausgestrahlt, und das Bild des an der Seite seines Vaters kauernden Jungen avancierte zur Ikone der zweiten Intifada.

Die Anwälte von France 2 erklärten AP (Associated Press [bd]) gegenüber, dass das Urteil ein Sieg für den Journalismus sei. Karsenty teilte seine Meinung zur Entscheidung gegenüber Algemeiner mit und sprach eine mögliche Anrufung des obersten französischen Gerichtshofes an.

“Ich denke, das ist ein schwarzer Tag für die französische Demokratie und darüber hinaus ein schwarzer Tag für die Wahrheit“, äußerte Karsenty zum Urteil, und er fügte optimistisch hinzu, dass “letztlich die Wahrheit obsiegen wird; ich weiß nicht wann, ich weiß nicht wie, aber ich weiß, dass sie sich durchsetzen wird.”

Hintergrundinformationen zu Karsenty und dazu, wie er zu einer zentralen Figur im Kampf gegen das Filmmaterial von France 2 wurde, kann man bei Q&A mit Karsenty aus dem Jahr 2006 finden. Und Tom Gross nimmt Stellung zum Fragenkomplex, was die Glaubwürdigkeit des Videos zu Mohammed al-Duras Tod betrifft.*

Hier ein Video, das die Situation beim Schusswechsel von damals rekonstruiert und auch deutlich die Winkel anzeigt, aus denen geschossen wurde – und von wem. Zum Abspielen des Videos von Tom Gross alternativ auf die Abbildung klicken. Hinweis: Der israelische Militärposten ist ganz unten rechts zu sehen. Die Schrift (weiß auf hellblau) ist etwas verdeckt.

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——
*Möglicherweise wird vielen Lesern das Thema nicht so geläufig sein, oder sie können den englisch gesprochenen Text im Video nicht richtig verstehen. Deshalb haben wir auf unserer deutschsprachigen Ausgabe von HonestReporting Medien Backspin etliche Texte zu diesem sich schon über etliche Jahre hinweg kontrovers diskutierten Fall übersetzt. Am Ende der Seite – falls erforderlich – bitte auf „ältere Beiträge“ klicken (bd): http://backsp.wordpress.com/?s=al-dura

Der Independent ignoriert Raketen….außer Israel feuert zurück

26. Juni 2013

HonestReporting Media BackSpin, 25. Juni 2013

In einer Geschichte des Independent, in der es hauptsächlich um die Reaktion des israelischen Außenministers Avigdor Lieberman auf eine Raketensalve geht, die aus dem Gazastreifen nach Israel abgefeuert worden war, ist zu lesen (Hervorhebung von mir):

Seine [Liebermans] Kommentare wurden abgegeben, als die israelische Luftwaffe Ziele im Gazastreifen angriff, nachdem von dort am Montagmorgen 6 Raketen auf den Süden Israels abgefeuert worden waren. Niemand wurde verletzt. Es war die erste Verletzung der Waffenruhe seit April.

Abgesehen davon, dass es nicht die erste Verletzung der Waffenruhe seit April war:

Tatsächlich verweist der Independent in seiner Kolumne „Related Stories“ zur gleichen Geschichte mit einen Link (siehe roter Pfeil) auf einen Report, der auf den 19. Juni datiert ist und über drei von Gaza auf Ashkelon abgefeuerte Raketen berichtet!

Und selbst wenn man ignorieren würde, dass es im April eine Serie von Raketen- und Granatenangriffen aus Gaza gab, bleiben immer noch zwei Angriffe mit Mörsergranaten am 2. Mai und 15. Mai, die beide im Bereich der Regionalverwaltung von Eschkol niedergingen.

Selbst wenn diese Raketen glücklicherweise im offenen Gelände gelandet waren und keine Verletzungen oder Schäden verursacht hatten, ist das dann keine Verletzung des Waffenstillstandes? Oder wird ein Waffenstillstand nur dann gebrochen, wenn Israel auf Raketenbeschuss reagiert?

Das glaubte der Independent offensichtlich, wenn man sich auf seine ursprüngliche Headline bezieht, die auf die heftigen Raketenangriffe Bezug nimmt, von denen Avigdor Lieberman gesprochen hatte:

Die Überschrift wurde später geändert, um sie etwas schmackhafter zu machen, aber das Original ist in der Box “Related Artikel“ (markiert mit dem blauen Pfeil) zur Lieberman-Geschichte immer noch zu finden.

In der Vorstellungswelt des Independent bedeuten palästinensische Raketenangriffe „relative Ruhe”, also etwas, das nur durch israelische Gegenschläge gebrochen wird.

Kein Wunder also, dass nur Israel als Aggressor wahrgenommen wird. Man kann Medien wie dem Independent dafür nur konsterniert danken.

’Gemäßigt’ ist in Nahost ein schwammiger Begriff – fragen Sie mal bei Assad* nach

18. Juni 2013

HonestReporting Media BackSpin, 18. Juni 2013

Denken wir zurück an das Jahr 2000, als Baschar al-Assad Präsident von Syrien wurde. Da gab es Schlagzeilen wie diese von AP:


Laut CNN fand Assad Junior Gefallen an Windsurfen und Internet:


Die New York Times bezeichnete ihn als “schüchternen jungen Mediziner”, als einen “Mann der leisen Töne, schlaksigen Bachelor und Computerfreak.”


Heute sind wir schlauer.

Vielleicht sollten die internationalen Medien über die weit verbreitete Beschreibung des neu gewählten iranischen Präsidenten Rohani als “Moderaten” oder “Reformer”, wie bei PBS praktiziert, nachdenken:


Leider handelt es in Nahost bei ‘moderat’ oder ’gemäßigt’ um sehr schwammige Begriffe.

=====
*Dies gilt selbstverständlich auch für Verharmlosungen bei der Beschreibung von Terroristen in der Anti-Assad-Koalition, wenn von Rebellen, Aufständischen oder gar gänzlich euphemisierend Oppositionellen die Rede ist (bd).

BBC gibt Gummi für palästinensische Stänkereien

16. Juni 2013

HonestReporting Media BackSpin, 16. Juni 2013

Man kann immer davon ausgehen, dass jede positive Entwicklung in Jerusalem, ob in den Bereichen Verkehr, Tourismus oder ähnlichem, mit einer negativen palästinensischen Antwort kommentiert wird. Und man kann stets mit der BBC rechnen, wenn es gilt, aus einer positiven Geschichte eine negative zu machen, um palästinensischen Beschwerden Auftrieb zu geben.

So auch bei einer zweitägigen Veranstaltung in Jerusalem, bei der Formel-1-Rennwagen während ihrer Fahrt durch die Straßen von Jerusalem präsentiert wurden, zur Freude von tausenden Zuschauern. Angekündigt als “Peace Road Show” bot es die Chance, Politik einmal als Nebensache zu sehen und Israelis, Palästinensern in Ostjerusalem und Touristen aus aller Welt Gelegenheit zur Entspannung zu geben.

Diese BBC-Schlagzeile erzählt jedoch eine andere Geschichte:


Tatsächlich gab es einige Kontroversen – vor allem wegen der Bedenken weniger Jerusalemer Einwohner bezüglich der Auswirkungen der Sperrung von Hauptverkehrsstraßen im Zentrum, zusammen mit Kosten- und Umweltfragen.

Für die BBC jedoch stellte sich die Kontroverse so dar: “Palästinensische Offizielle betrachteten es [das Formel-1-Event] als israelischen Versuch, die Herrschaft über die umstrittene Stadt zur Schau zu tragen.”

Nach einem Interview mit dem Jerusalemer Bürgermeister Nir Barkat kam die BBC dann zu folgendem Schluss:

“Die Israelis versuchen alles, um ihre eigene Agenda durchzuziehen, unter anderem auch mittels Sport”, sagte der PA-Gouverneur von Jerusalem, Adnan Husseini.

“Sie wollen damit zeigen, dass die Jerusalem-Frage gelöst ist und Frieden sowie Stabilität herrschen. Aber in Wirklichkeit stimmt das nicht. Das ist keine Tatsache.”

Da es sich in Nir Barkat um den gewählten Bürgermeister mit Haushaltsrecht für ganz Jerusalem handelt, stellt sich die Frage, wer dieser „PA-Gouverneur von Jerusalem“ eigentlich ist.

Die BBC unterschlägt den Hinweis, dass es sich bei Adnan Husseinis Titel allein um eine Beifügung handelt, mehr nicht. Die PA übt in Jerusalem keine Macht aus und sein Titel dient lediglich dazu, den Mythos eines palästinensischen Jerusalem weiter zu pflegen.

Die Familienmitglieder des Autors dieses Artikels (Simon Plosker / HonestReporting) waren bei dem Formel-1-Event in den Straßen Jerusalems als Zuschauer anwesend. Während sie die Fahrzeuge fotografierten, machten sie keine Aufnahmen von den vielen Arabern ringsum. Warum nicht? Da es für Israelis offensichtlich ganz normal ist, zusammen mit Arabern in Jerusalem zu leben.

Auch wenn die BBC das gemischte Publikum nicht ausließ: wäre das nicht eher die Aussage einer Wohlfühl-Story gewesen statt eines weiteren Versuchs, alles in der Region durch das schmale Prisma des Konflikts zu sehen?


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