Antiisraelische Tirade oder antisemitische Verleumdung?

Yarden Frankl, HonestReporting, 3. Mai 2016

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Israelische Handlungen oder Politik zu kritisieren ist nicht antisemitisch.

Israel jedoch in einer hasserfüllten Tirade voller Wörter, die bei keinem anderen Land dieser Welt außer dem jüdischen Staat benutzt werden, zu dämonisieren, könnte sehr wohl antisemitisch sein.

Und das ist genau das, was Rachel Smalley, eine bekannte neuseeländische Journalistin, vor einigen Jahren beim 2014er Gaza-Krieg getan hat. (Dazu komme ich noch.) Jetzt behauptet sie, Beschuldigungen des Antisemitismus würden aus dem Rahmen fallen.

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Rachel Smalley

Sie gab einen Kommentar zu Naz Shah ab, einer britischen Abgeordneten, die vor kurzem für einen antiisraelischen Facebookbeitrag aus der Labour-Partei ausgeschlossen worden war. Und Smalley fragte im New Zealand Herald nach dem Grund:

Warum ist es so, dass Israelkritik so oft als Kritik am jüdischen Glauben ausgelegt wird? Man kann jede Regierung der ganzen Welt kritisieren, jedes Regime, jeden Staat, und es ist ganz normal — außer Israel. Man kann Israel nicht kritisieren, ohne dass man dafür angegriffen wird.

2014 war ich sehr kritisch mit der IDF, als sie eine UN-Schule in Gaza bombardierte, in der 3.000 Zivilisten Zuflucht gesucht hatten — und zwar trotz der Tatsache, dass die UN der IDF die Koordinaten viele, viele Male übermittelt hatte, um sicherzustellen, dass sie nicht zum Ziel wurde.

Trotzdem wurde die Schule bombardiert und Leute wurden getötet.

Und als ich Israel dafür kritisierte, war die Antwort außerordentlich. Die Briefe, die E-Mails, die Beleidigungen sprengten den Rahmen dessen, was ich vorher gekannt hatte — offenbar war ich Antisemitin!

Warum in aller Welt sollte man also denken, dass Smalleys Bemerkungen aus dem Jahr 2014 antisemitisch waren?

Fangen wir mit einem damaligen Facebookbeitrag ihrer Show an:

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Darüber hinaus zitierte das neuseeländische Blog Whale Oil Smalley mit den Worten:

Ich kann über die Lage in Gaza nicht mehr ausgewogen berichten, weil es dort einfach keine Ausgewogenheit mehr gibt. Israels Handlungen sind abscheulich. Das Morden, das Zielen auf Zivilisten, die Kleinkinder und Babys, die jeden Tag sterben. Es zeigt das israelische Regime, wie es wirklich ist — eine herzlose antipalästinensische Mordmaschine.

Israels Konflikt sollte mit der Hamas sein, ist es aber nicht. Der Konflikt besteht mit den Palästinensern. Fast zwei Millionen Menschen leben im Gazastreifen, gefangen und eingesperrt in einem 40 km langen und 10 km breiten Areal. Das Bombardement des Gazastreifens kommt dem Jagen eingesperrter Löwen in Südafrika gleich. Es gibt kein Entrinnen — es gibt nur Terror, während es Bomben und Kugeln regnet.

Die Israelis sagen, sie „bedauern“ es, wenn ein Zivilist getötet wird. Schwachsinn! Sie bedauern nichts. Palästinensisches Leben ist für sie bedeutungslos.

Das ist mehr als Kritik an einem Militärangriff, bei welchem leider auch Zivilisten getötet wurden. Das ist eine wutschäumende Dämonisierung Israels. Die vielsagendste Aussage ihrer gesamten Tirade ist vielleicht ihre Frage:

Gibt es in der heutigen Welt eine arrogantere und feindseligere Regierung?

Trotzdem ist Smalley erstaunt, dass einige Reaktionen auf ihren gehässigen Angriff sich des Antisemitismus beschuldigten.

Vergleichen wir es mit Smalleys Bericht über ein anderes Auslandsthema vor einigen Wochen: über den Konflikt in Syrien („Syrian Conflict Changing Our World„).

Nichts darüber, dass der Islamische Staat oder irgendeine der anderen Gruppen, die für Hunderttausende tote Zivilisten verantwortlich sind, „Mordmaschinen“ wären. Nichts darüber, dass Assads mordlüsternes Regime das „arroganteste und feindseligste der Welt“ wäre. Nichts davon, dass die Akteure in diesem vernichtenden Konflikt „syrisches Leben als bedeutungslos“ sehen würden.

Es ist nicht antisemitisch, dass Smalley Berichte ignoriert hat, wie die Hamas Schulen, Krankenhäuser, Privatwohnungen und Moscheen als Waffenlager missbraucht hat, von dort Raketen verschoss und die genannten Gebäude als Deckung für ihre Tunnel nutzten — dem wahren Grund für die große Zahl palästinensischer Opfer. Das zeigt einfach nur, dass sie schlampig arbeitet.

Aber wenn sie einseitigen, faktisch unwahren Journalismus mit Worten und Phrasen kombiniert, die sie nirgendwo sonst verwenden — das ist es, was den Menschen einen Grund gibt zu hinterfragen, ob sie nicht in Wirklichkeit Antisemitin ist.

Ob Smalley nun die Grenze zum Antisemitismus überschritten hat oder nicht, ihr wie ein Taschenspielertrick anmutender Versuch, ihre irreführenden Anschuldigungen in den Mantel „legitimer Kritik“ zu kleiden, ist unaufrichtig und hinterhältig.

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3 Kommentare - “Antiisraelische Tirade oder antisemitische Verleumdung?”

  1. caruso Says:

    Danach, was hier von Rachel Smalley zitiert wird, ist sie eine waschechte Antisemitin. Daran ist nicht zu ru:tteln.
    lg
    caruso

    • yvainedewinter Says:

      Absolut, ja. Erstaunlich, dass diese Leute persönlich stets die letzten sind, denen das auffällt.


  2. […] Medien-BackSpin: – Voreingenommenheit #2: Unausgewogene Berichterstattung – Freedom Houses verzerrte Bewertung von Israels „Nationalsport“ – Antiisraelische Tirade oder antisemitische Verleumdung? […]


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