Der alternative Gaza-Führer

Emily Gian, HonestReporting, 20. Juli 2016

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Dieser Gastbeitrag stammt von Emily Gian, Medien- und Advokatur-Direktorin der Zionist Federation of Australia.

Am Dienstag, den 12. Juli brachte der australische Sender SBS einen Dateline-Beitrag mit dem Titel „Der Gaza-Überlebensführer„. Der Werbetext für den Beitrag lautete: „Laut der UN wird Gaza im Jahr 2020 unbewohnbar sein. Der Alltag ist bereits jetzt ein Kampf um Nahrung und Unterkunft, aber Dateline findet die Menschen, die dem Überlebenskampf Innovation und Inspiration verleihen.“

Ich war also gespannt zu sehen, welche Art Innovation in Gaza einfloss, da wir ja ständig Negatives über dieses Gebiet zu hören kriegen; ich begrüßte die Aussicht auf einen Bericht darüber, wie die Gaza-Bewohner die von ihnen bewohnte Welt zu einem besseren Ort machen wollen.

Leider versagte die Doku in diesem Punkt und brachte vorhersehbarerweise das, was solche Produktionen üblicherweise zum Inhalt haben — das Leid in Gaza entsteht nur durch Israel, nur durch die Blockade und die Kriege, die dem Volk aufgezwungen werden, und daher ist allein und ausschließlich Israel verantwortlich.

Die gesamte Produktion war voller Unrichtigkeiten und Auslassungen, wodurch sie zu einem ganz subtilen Stück Propaganda wurde.

Die Grundprämisse, Gaza sei möglicherweise unbewohnbar, wird nie richtig untersucht. Weder kriegen wir die üppigen Plazas und Einkaufszentren, die Schwimmbäder und Nachtclubs für die Wohlhabenden und den Mittelstand zu sehen, noch wird uns gesagt, dass ein Großteil der von der Hamas angeführten Herrscherklasse jenseits jeglicher Vorstellung wohlhabend ist, während die große Masse im Elend lebt.

Nachrichtenleute, die „liberal“ oder „progressiv“ zu sein behaupten und sich angeblich an ein gebildetes Publikum richten, gehen normalerweise auf solche Ungerechtigkeiten und Missverhältnisse innerhalb einer Gesellschaft ein, aber nicht wenn es um Gaza geht.

Obwohl die Machtübernahme der Hamas im Jahr 2007 angesprochen wurde (wobei kaum auf das nachfolgende blutige Gemetzel eingegangen wurde), bot der Bericht keinerlei Kontext, wie Gaza überhaupt zu seinem gegenwärtigen Zustand kam. Absolut keine Erwähnung fand der israelische Abzug aus Gaza im Jahr 2005 oder die dreizehneinhalbtausend Raketen, die seither von palästinensischen Terrorgruppen aus Gaza nach Israel abgefeuert wurden und von denen einige eine Reichweite bis hin zu Israels internationalem Flughafen haben.

Palestinian-rockets

Man kann aber schlichtweg nicht über die Kriege mit Israel sprechen, ohne zu erwähnen, warum sie überhaupt geschehen sind.

Wie üblich wurde kaum Federlesen um die Blockade und deren Gründe gemacht noch um die Tatsache, dass Gaza auch zu Ägypten eine Grenze hat und dort ebenfalls eine Blockade besteht, was möglicherweise etwas mit der engen Zusammenarbeit der Hamas mit ISIS in der benachbarten Sinai-Halbinsel zu tun hat…

Warum sieht Israel die Notwendigkeit, die Geschehnisse in und um Gaza genau zu beobachten?

Möglicherweise weil die Hamas jedes Jahr Millionen von Dollar zur Anheizung ihrer Terrorkampagne gegen Israel ausgibt, darunter der Schmuggel von Raketen und anderen Waffen sowie der Tunnelbau. Geld, das in vielen Fällen für die Verbesserung des Schicksals des Volkes eingesetzt werden könnte.

Der Filmemacher wird auf einen Fischfang mit aufs Meer genommen und erwähnt eine 15 km breite Einschlusszone, hinterfragt aber nicht, warum diese aufrechterhalten wird. Vielleicht gäbe es mehr Verständnis hierfür, würde den Zuschauern von den Waffen berichtet, die auf Schiffen gefunden wurden, die nach Gaza fuhren.

HonestReporting ging auf einen wichtigen Punkt ein, der eine Erwähnung wert ist, und beschwerte sich bei SBS. Auf der SBS-Website heißt es zu dem Video:

Die für seine Familie so kostbaren Weidegründe wurden 2009 mit Bulldozern weggeräumt, und nun ist sein Land karg und leer, geschluckt als Teil der tödlichen ‚Pufferzone‘ an der Grenze zu Israel.

Gazas fruchtbarstes Land ist ebenso sein gefährlichstes und wird von automatischen Geschütztürmen überwacht, die Bewegung orten und ohne Warnung schießen.

HonestReporting setzte sich zu dieser Aussage mit der IDF in Verbindung und wurde darüber informiert, dass es keine „automatischen Geschütztürme“ gibt, die „Bewegung orten und ohne Warnung schießen“. Zwar besitzen die Türme Bewegungserkennung, aber es sind Soldaten, denen das Schießen obliegt. Es gibt dort nichts „Automatisches“. Warnschüsse werden in 10 bis 20 Meter Entfernung abgegeben, was den Palästinensern in der Pufferzone ausgiebig Zeit gibt, den Bereich ohne jede weitere Maßnahme zu verlassen. Zudem sind die einzigen Soldaten, die nach der Erlaubnis ihrer Vorgesetzten das Feuer eröffnen dürfen, hochspezialisierte Scharfschützen, die auf die Beine zielen, und zwar exakt aus dem Grund, um Todesopfer zu vermeiden.

COGATAm Ende der Dokumentation wird gesagt, die israelische Regierung verweigere eine Aussage vor der Kamera, und man verweist die Zuschauer auf eine Antwort von COGAT. Diese hinterlistige Methode soll einen Versuch der Ausgewogenheit zeigen, wo in Wirklichkeit keine ist. Sie könnten auf Israels offizielle Antwort in der Doku verweisen, die zeigt, dass Israel Tausende LKWs mit Gütern und Nahrungsmitteln nach Gaza lässt.

Mein Hauptpunkt ist, dass die Produzenten wirklich Leute fanden, die in Gaza großartige Sachen machen, aber statt zur Wurzel des Problems vorzudringen zu versuchen, nahmen sie die faule Option des auf Israel Einprügelns. Natürlich gab es eine beiläufige Erwähnung über die Zurückweisung der zudringlichen Präsenz der Hamas durch viele Leute, aber das scheint mir die wahre Geschichte dabei zu sein — nämlich dass diese großartigen Dinge trotz der Hamas geschehen. Der Beitrag jedoch hinterfragte weder das Hamas-Regime und dessen rassistische Politik gegen Juden noch dessen Drohungen, Israel von der Weltkarte fegen zu wollen.

Hätten die Produzenten wirklich nach einem positiven Ergebnis für die Menschen in Gaza suchen wollen, hätten sie diese Themen bestimmt erforschen wollen.

Als Israel 2005 aus Gaza abzog, hinterließ es eine Infrastruktur, auf welcher die Palästinenser hätten aufbauen können, aber alles wurde von ihnen sofort zerstört. Hamas und andere Gruppen in Gaza haben ebenso wie die antiisraelischen Gruppen außerhalb der Region ein ausgesprochenes Interesse daran, dass das Volk in Gaza weiterhin leidet, und hätte SBS wirklichen Mut, hätte die Story hiervon gehandelt.

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