Die Rückkehr von Opferzahlen als Moralbarometer?

Alex Margolin, HonestReporting, 13. Oktober 2015

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Beim Gazakrieg 2014 enthielt fast jeder Nachrichtenberich einen Pflichtabschnitt mit der Zahl der im Krieg getöteten Palästinenser und Israelis. Die Zahlen, die eine substantiell höhere Zahl palästinensischer Opfer zeigten als israelischer, dienten letztlich als Rechtfertigung für jene, die unterstellten, Israel sei der wahre Aggressor in diesem Krieg, da so viel mehr Palästinenser getötet wurden.

Es galt nichts, dass die Gewalt erst wirklich begann, als drei israelische Teenager und ein palästinensischer Teenager ermordet worden waren, gefolgt von einem anhaltenden Raketenfeuer durch die Hamas auf israelische Zivilisten. Die blanken Zahlen, ohne jeden Kontext, wurden als die moralische Wahrheit hinter den Schlagzeilen verkauft.

Den Medien galt es auch nichts, dass Israel umfangreiche Maßnahmen zum Schutz seiner Bürger traf, während die Hamas Palästinenser als menschliche Schutzschilde benutzte. Einige Medien präsentierten die Zahlen als „Anzeigetafel“, ähnlich wie für den Punktestand im Sport. HonestReporting bezeichnete das als einen der fünf großen Medienversager im Gazakrieg.

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Bei der gegenwärtigen Terrorwelle scheint man demselben Muster zu folgen. Reuters beispielsweise hat bei seinen Berichten über den Konflikt mit dem Einschluss eines „Todeszählers“ begonnen:

Vier Israelis und 26 Palästinenser, darunter acht angebliche Angreifer und acht Kinder, sind in den 12 Tagen des Blutvergießens gestorben, die schlimmste Straßengewalt seit Jahren, zum Teil angestachelt durch den muslimischen Ärger über zunehmend jüdische Besuche des Geländes der Al-Aqsa-Moschee in Jerusalem.

Der Reuters-Bericht konzentrierte sich hauptsächlich auf die Messerattacken in Tel Aviv und Ra’anana. Die Präsentation der Zahlen verschweigt jedoch mehr, als sie offenbart. Was eindeutig ein palästinensischer Angriff auf unschuldige Israelis ist, sieht plötzlich aus wie israelische Aggression. Warum werden so viel mehr Palästinenser getötet, mag man sich fragen.

Die blanken Zahlen ignorieren die Tatsachen vor Ort. Palästinensische Angreifer werden oft getötet, aber ihre Opfer tragen „nur“ lebensbedrohliche Verletzungen davon und fließen daher nicht in die Zähler. Einige Aggressoren wurden getötet, bevor sie ihre israelischen Opfer erreichen konnten.

Der Verweis auf Kinder ist wohl der verzerrteste Punkt von allen. So wie sie präsentiert werden, erwecken die Zahlen den Eindruck unschuldiger Kinder, die als Kollateralschaden getötet wurden. Aber das ist nicht der Fall. Die Zahl beinhaltet anscheinend einen 15jährigen Palästinenser, der von der Polizei getötet wurde, nachdem er gemeinsam mit einem 13jährigen Palästinenser einen 13jährigen israelischen Jungen, der auf seinem Fahrrad fuhr, niedergestochen und lebensgefährlich verletzt hat. Andere palästinensische Minderjährige waren an der Ausführung der Anschläge beteiligt.

Letztlich verschweigen die Zahlen das Wesentliche — dass Israel einer unbarmherzigen Welle palästinensischen Terrors gegenübersteht. Die höhere Moral gehört nicht der Seite, die mehr Menschen verliert, wenn jene Menschen dabei getötet werden, während sie unschuldige Zivilisten zu ermorden versuchen. Die Medien haben die Verantwortung, die Situation so zu präsentieren, wie sie wirklich ist. Und die bloßen Zahlen getöteter Menschen formen ein verzerrtes Bild.

Bild nutzt Elemente von: CC BY-SA Martin Fisch via flickr mit Beifügungen von HonestReporting

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3 Kommentare - “Die Rückkehr von Opferzahlen als Moralbarometer?”

  1. caruso Says:

    Die Medien sind bezüglich Israel so voreingenommen, wie man voreingenommener nicht sein kann. Eine Schande!
    lg
    caruso


  2. […] – Die Rückkehr von Opferzahlen als Moralbarometer? – NPR interviewt Familie eines „toten“ Palästinensers, der jedoch lebt – […]


  3. […] wir in “Die Rückkehr von Opferzahlen als Moralbarometer” gesagt […]


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