Facebooking mit Jodi Rudoren

Yarden Frankl, HonestReporting, 9. November 2015

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Wir haben die Medien oft für ihre Aufrechnung der Opferzahlen auf beiden Seiten des israelisch-palästinensischen Konflikts bei gleichzeitiger Auslassung wichtiger Zusammenhänge, ohne welche die Statistiken bedeutungslos sind, kritisiert. Wenn man nur die Zahl der Toten auf beiden Seiten sieht, könnte man leicht daraus schließen, dass die Seite mit den höheren Opferzahlen die stärkere moralische Position innehat.

Wie wir in „Die Rückkehr von Opferzahlen als Moralbarometer“ gesagt haben:

Letztlich verschweigen die Zahlen das Wesentliche — dass Israel einer unbarmherzigen Welle palästinensischen Terrors gegenübersteht. Die höhere Moral gehört nicht der Seite, die mehr Menschen verliert, wenn jene Menschen dabei getötet werden, während sie unschuldige Zivilisten zu ermorden versuchen. Die Medien haben die Verantwortung, die Situation so zu präsentieren, wie sie wirklich ist. Und die bloßen Zahlen getöteter Menschen formen ein verzerrtes Bild.

Wir haben sogar eine Bezeichnung für Artikel geprägt, die Opferzahlen als Statistiken behandeln. Wir nannten es „Sportergebnis-Journalismus“, da die tägliche Präsentation von Opferzahlen auf beiden Seiten mehr wie ein Bericht über Sportergebnisse anmutete als wie ein Bericht über einen komplexen Konflikt.

Daher war ich froh über meine Facebook-„Unterhaltung“ mit Jodi Rudoren, Chefin des Jerusalembüros der New York Times, in welcher sie sogar den Begriff „Basketball-Anzeigetafel“ zur Beschreibung der laut ihr „reduktionistischen“ und „realitätsfernen“ Berichterstattung zu beschreiben.

Wir stimmen absolut zu.

Ich habe angedeutet, eine Umfrage, ob Palästinenser Gewalt gegen Israelis unterstützen oder nicht, wäre passend als Gegengewicht zu Rudorens Veröffentlichung der Resultate einer Umfrage, welche die israelische Haltung gegenüber Terroristen zeigt, die von israelischen Kräften „neutralisiert“ wurden.

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Ihre Antwort überraschte mich, aber ihr abschließender Kommentar führte zu einem interessanten Austausch.

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Das Ironische dabei ist, dass es die Artikel der New York Times sind (wie zum Beispiel der in meinem Beitrag erwähnte), die die Zahlen auf eine Basketball-Ergebnistafel reduzieren.

Ja, Hamas-Raketen treffen fast nie ihre Ziele, und Israel hat die Eiserne Kuppel (und Schutzbunker) zur Vermeidung von Opfern. Niemand sagt, dass diese Fakten ignoriert werden sollen.

Aber — was ist mit der Absicht dahinter? Ist die Absicht der Verursachung massenhafter Opferzahlen nicht mindestens ebenso wichtig, wenn nicht sogar wichtiger, als die tatsächlichen Zahlen?

Warum wird das Haus eines palästinensischen Nachbarn abgerissen? Bei diesem Konflikt gab es tatsächlich eine Asymmetrie, aber diese Asymmetrie war die bewusste Gefährdung der Bürger durch die Hamas, indem sie sie als menschliche Schutzschilde benutzte. Die Asymmetrie war Israels Bemühung, Opfer auf beiden Seiten zu reduzieren, und die Versuche der Hamas, sie zu maximieren. Ob nun israelische oder palästinensische Opfer, jedwede Opferzahlen dienten den Zielen der Hamas. Dies nicht zu berichten bedeutet „den Konflikt vor Ort absichtlich misszuverstehen oder falsch darzustellen“.

Was uns zum aktuellen Konflikt bringt. Die Ergebnisse der Attacken einschließlich palästinensischer und israelischer Opfer sollten berichtet werden. Aber das gilt auch für die Absichten der Angreifer.

Im aktuellen Konflikt greifen Palästinenser mit der Absicht an, so viele Juden wie möglich umzubringen. Ihr Mangel an Erfolg aufgrund israelischer Bemühungen vermindert nicht die Absicht hinter ihren Taten.

Wir begrüßen, dass sich Rudoren die Zeit nahm, mit uns diese öffentliche Unterhaltung zu führen, und hoffen, die Berichterstattung der New York Times hält sich künftig vom „Sportergebnis-Journalismus“ fern — denn wir beide stimmen darin überein, dass man dem Leser damit keinen Gefallen tut.

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One Comment - “Facebooking mit Jodi Rudoren”


  1. […] – Facebooking mit Jodi Rudoren – Terror ist Terror — korrekt? – “Schwächliche moralische Gemüter”: Prager […]


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