NPR interviewt Familie eines „toten“ Palästinensers, der jedoch lebt

Simon Plosker, HonestReporting, 14. Oktober 2015

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Emily Harris von NPR sollte sich schämen. Dass sie die Aussagen ihrer palästinensischen Interviewpartner nicht hinterfragt, wirft kein gutes Bild auf ihre Professionalität.

In Harris‘ Bericht für die „All Things Considered“-Ausgabe vom 13. Oktober interviewt sie Qassam Badran, den Vater von Ishaq Badran, einem palästinensischen Terroristen im Teenageralter, der nach dem Niederstechen zweier Israelis in Jerusalem angeblich „erschossen“ worden war. Harris befragt Qassam über die Motivation für die Tat:

Badran: (über Dolmetscher) Das Video, das ihn am meisten störte, zeigte eine Frau, die in der Altstadt ihr Kopftuch heruntergerissen bekam, bevor sie getötet wurde. Er zeigte es seiner Mutter und sagte, sieh dir diese feigen Juden an; sieh, was sie unseren Frauen antun.

Badran bezog sich auf ein Video von Shoruq Dwayat, eine Palästinenserin, die auf einen israelischen Juden einstach. Das verwundete Opfer schaffte es, Dwayat anzuschießen. In den palästinensischen sozialen Medien verbreitete sich das unbegründete Gerücht, israelische Siedler hätten Dwayats Kopftuch entfernt.

Harris lässt Badrans Behauptung, Dwayat sei von Israelis getötet worden, unhinterfragt stehen. Nur Sekunden später sagt sie:

Ebenso besuchte ich das Haus der Familie des Mädchens im Video, das Ishaq erzürnt hatte. Shoruq Dwayat ist verletzt und befindet sich in israelischer Obhut.

Das ist korrekt — Shoruq Dwayat ist am Leben, wie von ihrer Familie im NPR-Beitrag bestätigt wird.

Erkennt Harris überhaupt, wie lächerlich sie wirkt? Sie verzichtete auf die Überprüfung von Fakten und vergaß ihre Professionalität.

Aber das ist nicht alles.

VERWANDLUNG VON TERRORISTEN IN OPFER

Israelis sind mit eskalierender Palästinensergewalt konfrontiert. Aus NPRs Schlagzeile zu Harris‘ Bericht geht das jedoch nicht hervor.

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In NPRs orwellscher Welt sind die Palästinenser diejenigen, die mit Angriffen seitens Israel konfrontiert sind. Die palästinensische Opferrolle tritt in Harris‘ Interview mit Badran deutlich hervor:

Harris: Heute ging sein Vater, Qassam Badran, in die Straße, in der sein Sohn getötet wurde. Dort fragte er Ladenbesitzer, was sie gesehen haben. Er glaubt, sein Sohn sei von Israelis belästigt worden, habe ein Messer von einem Saftverkäufer gegriffen, es auf irgendeine Weise eingesetzt und sei erschossen worden. Qassam Badran sagte, sein Sohn habe auf einer guten technischen Schule studiert, sei gerne geschwommen, habe viel ferngesehen und Videos über den kürzlichen Anstieg der Gewalt in Jerusalem angesehen.

(Hier können Sie sich den Radiobeitrag anhören.)

NPR humanisiert nicht nur absichtlich einen Terroristen, sondern verkündet auch die Rechtfertigung des Vaters. Ist es auch nur annähernd glaubhaft, Ishaq Badran habe einfach „ein Messer von einem Saftverkäufer genommen, es auf irgendeine Weise eingesetzt“, und dann von Israelis „erschossen worden“, die ihn belästigt hätten?

Dass Harris vor jeder Beschreibung eines palästinensischen Terroranschlags beständig wiederholt, dass es „die Polizei sagt“, trägt zum Eindruck bei, dass Israel womöglich etwas zu verbergen hat.

Palästinensische Aufwiegelung und Irreführung wird von ausländischen Journalisten unterstützt. Hätte ein palästinensischer Interviewpartner behauptet, die Erde sei eine Scheibe, hätte Harris ihn vermutlich immer noch als glaubwürdige Quelle behandelt.

Emily Harris hat diese Behauptungen nicht hinterfragt und somit die Tatsachen vernebelt.

Und NPR hat unhinterfragten palästinensischen Realitätsverzerrungen eine Bühne geboten.

***

UPDATE

Nachdem es offenbar zu massiven Beschwerden kam, reagierte NPR-Ombudsfrau Elizabeth Jensen in einer Kolumne auf der Website von NPR:

Die E-Mails diese Woche beinhalteten eine große Zahl von Beschwerden über den „All Things Considered“-Bericht von Emily Harris vom 13. Oktober, in welchem sie die Familien zweier palästinensischer Teenager interviewt hat, welchen Angriffe auf Israelis vorgeworfen wurden. Viele der E-Mails scheinen von der Organisation HonestReporting ausgelöst worden zu sein, deren Mission die Verteidigung Israels vor der Voreingenommenheit der Medien ist.

Viele Schreiber bezogen sich insbesondere auf das Interview mit Qassam Badran, dessen Sohn laut dem Bericht des Einstechens auf zwei israelische Zivilisten beschuldigt wurde, die in der Nähe von Jerusalems Altstadt unterwegs waren. Die israelische Polizei tötete später den Sohn.

Im Interview machte Badran (der durch einen Dolmetscher sprach) eine falsche Aussage. Eine Klarstellung, die dem NPR-Bericht hinzugefügt wurde, besagt:

In diesem Bericht wird ein palästinensischer Vater zitiert, der sagte, sein Sohn sei über ein Video mit einer Palästinenserin erzürnt gewesen, die eines Angriff auf einen Israeli beschuldigt wurde und die von der israelischen Polizei getötet wurde. In Wirklichkeit wurde die Frau nicht getötet, wie wir an späterer Stelle im Bericht anmerken. Sie wurde verletzt und befindet sich in israelischer Obhut.

Unser New Yorker Zuhörer Yael Schlenger drückte aus, was auch vielen anderen Schreibern auf der Seele lag: „Ich bin entsetzt über den schlechten Journalismus und den Mangel an journalistischer Integrität, die Emily Harris in dieser Story an den Tag legt. Sie akzeptierte ein völlig falsches Narrativ, welches sie später sogar höchstpersönlich als falsch bewies, als sie berichtete, dass die verwundete Frau nicht getötet wurde, nachdem sie jemanden niedergestochen hat.“

Die Redakteure im Nachrichtenraum sagten mir, der Fehler habe nicht an Harris gelegen. Larry Kaplow, NPRs internationaler Redakteur für den Nahen Osten, sagte, die Falschaussage des Vaters sei bereits im Vorfeld während der Bearbeitung aufgefallen. Kaplow sagte, er habe die Absicht gehabt, einen Produzenten die Falschaussage von der Audiospur des Berichts herunterlöschen zu lassen, damit es bei den Hörern nicht zu Verwirrung kommt, aber er vergaß, auch das Voiceover (die englische Übersetzung aus dem Arabischen) korrigieren zu lassen. Wie die Klarstellung anmerkt, war sich Harris darüber bewusst (und berichtete es auch), dass die Frau am Leben war.

Den Rest von Jensens Kolumne können Sie hier lesen.

Wir begrüßen, dass NPR den Fehler anerkannt hat und eine Klarstellung brachte. Von allen internationalen Nachrichten löst nichts stärkere Gefühle aus als die Berichterstattung über Israel und den Nahostkonflikt. Daher ist es an NPR und anderen Medien, solche ernsten Fehler zu vermeiden.

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One Comment - “NPR interviewt Familie eines „toten“ Palästinensers, der jedoch lebt”


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