Werden die Medien sagen, was den palästinensischen Protestler wirklich getötet hat?

Simon Plosker, HonestReporting, 11. November 2014
(Übersetzung: Yvaine de Winter)

ziadabuein

Der Tod des Palästinenserfunktionärs Ziad Abu Ein hat viel Aufmerksamkeit bei den westlichen Medien erregt. Natürlich passt er wunderbar in die übliche Rahmengeschichte der Israel-Berichterstattung, denn er weist viele der wichtigsten Elemente auf: ein friedlicher Protest gegen die israelische Besatzung auf palästinensischem Land endet mit dem Tod eines wehrlosen Palästinensers durch die Hand des aggressiven israelischen Militärs.

Zwar wurde gefragt, wie Abu Ein starb, aber viele Medien stellten hierzu nur oberflächliche Fragen und wiederholten papageienhaft dieses spezielle Narrativ. Die Augenzeugenberichte in den anfänglichen Reportagen widersprachen sich. Dort hieß es unter anderem, Abu Ein sei durch das Einatmen von Tränengas gestorben, er sei von einem Gewehrkolben auf die Brust getroffen worden, eine Tränengaskartusche habe ihn auf die Brust getroffen, oder ein israelischer Soldat habe ihn erdrosselt.

Es spricht für den Sky-News-Moderator Tom Rayner, dass er den Zuschauern während der Betrachtung des Filmmaterials klar sagte, was bekannt war und was nicht.

Aber was ist mit Abu Eins Krankengeschichte? Während einige wie z. B. die AP erwähnten, dass Abu Ein laut Familienangehörigen an Diabetes und Bluthochdruck litt, sagten andere wie CNN, LA Times, Reuters, AFP und WSJ (Link in The Australian via Google News), NPR, McClatchy News, Daily Telegraph, Financial Times und The Guardian nichts über Abu Eins Gesundheitsprobleme.

Mit der Freigabe des vorläufigen Autopsieberichts wurde jedoch deutlich, wie wichtig das war. Wie Ynet berichtet:

Der Bericht, angeführt von palästinensischen, jordanischen und israelischen Pathologen, sagte, der Tod sei von einer Blockade in der Koronararterie verursacht worden, und es gebe Anzeichen für leichte innere Blutungen und örtlich begrenzten Druck auf den Hals, zumindest laut der israelischen Version des Berichts, die vom Gesundheitsministerium veröffentlicht wurde.

Der Verstorbene litt an einer Herzkrankheit, und es gab Hinweise, dass Ablagerungen über 80% der Blutgefäße verstopft hatten und dass er in der Vergangenheit Herzinfarkte erlitten hat.

Aber wie viele Medien werden ihre Storys entsprechend modifizieren?

Es scheint, als seien der Stress und der sich daraus ergebende Herzanfall das Resultat aus einer Konfrontation mit israelischen Soldaten gewesen, von denen mindestens einer Abu Ein gemäß dem Filmmaterial an der Kehle gepackt zu haben scheint. Auch dies muss jedoch im Kontext der Ereignisse dieses Tages untersucht werden, ebenso ob der angeblich friedliche Protest wirklich friedlich war. Vielen entging die Behauptung von NPR, es habe „über mehrere Stunden Zusammenstöße zwischen Palästinensern und jüdischen Siedlern im Gebiet“ gegeben.

Und was ist mit Abu Ein selbst? CNN, LA Times, Financial Times und Channel 4 versagten alle darin, Abu Eins Hintergrund zu erwähnen. Die Jerusalem Post schreibt hierzu:

Abu Ein saß mehrere Jahre für seine Beteiligung an einem 1979er Terroranschlag in Tiberias in israelischen Gefängnissen. Eine Gruppe Jugendlicher feierte Lag Ba’omer im Stadtzentrum, als mitten unter ihnen eine Bombe hochging. Zwei 16jährige – Boaz Lahav und David Lankri – wurden getötet und 36 weitere Jugendliche verwundet.

Nach dem Anschlag floh er in die USA. 1981 war er der erste Palästinenser überhaupt, der von den USA nach Israel ausgeliefert wurde.

Ein Jahr später wurde Abu Ein zu lebenslanger Gefängnisstrafe verurteilt, wurde 1985 jedoch im Rahmen des Jibril-Gefangenenaustausches freigelassen. Während der zweiten Intifada befand sich Abu Ein in Administrativhaft.

Obwohl sich die Palästinenser bemühen, Abu Ein als Märtyrer hinzustellen, der durch israelische Hand starb, war er ganz klar kein Heiliger.

Ungeachtet Abu Eins Geschichte der Gewalttätigkeit, die völlig außer Zweifel steht, und trotz der Terminologie von Mahmud Abbas, der den Vorfall einen „Mord“ nannte, setzten die israelischen Kräfte vor Ort nicht-tödliche Methoden zur Zerstreuung von Menschenansammlungen ein und wollten nicht, dass jemand stirbt.

Und wieviel von der rhetorischen Eskalation der Palästinenserbehörde ist ein Resultat der medialen Aufmerksamkeit, die diesem Vorfall gewidmet wird? Der palästinensische Unterhändler und notorische Lügner Saeb Erekat sagte: „In unseren Augen trägt Israel die volle Verantwortung für den Mord an Ziad Abu Ein.“

Selbstverständlich ein bedauerlicher Vorfall. Aber ganz gewiss kein Mord.

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