Foto-Entgleisungen vom Tempelberg

Pesach Benson, HonestReporting, 4. November 2014
(Übersetzung: Yvaine de Winter)

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Wüssten Sie es nicht besser, würden Sie glauben, dieses Foto der Los Angeles Times zeige die israelische Flagge, die provokant auf dem Felsendom weht.

Hier vom Berg Skopus aus gesehen sieht man deutlich den markanten Felsendom, eine der heiligsten Stätten des Islam, in Jerusalems ummauerter Altstadt am 3. November. (Jim Hollander/EPA)

Zum Glück erklärte der Fotograf Jim Hollander auf der Website der European Press Association näher, was man auf dem Foto sieht. Aber wie viele Leser der LA Times klicken da extra drauf?

Hier vom Berg Skopus aus gesehen sieht man deutlich den markanten goldenen Felsendom, eine der heiligsten Stätten des Islam, in Jerusalems ummauerter Altstadt, wie ihn an einem sonst grauen und regnerischen Tag (3. November 2014) die Sonne bescheint. Hinter der Kuppel ist eine sehr große israelische Flagge auf dem Dach eines Wohnhauses im jüdischen Altstadtviertel. Jordaniens König Abdullah schwor, Jordanien würde jeden Versuch Israels widerstehen, den Status quo der heiligen Stätten Jerusalems und insbesondere des Tempelbergs bzw. dem Haram al-Sharif („Nobles Heiligtum“) zu ändern. Der König sagte: ‘Der Boden Jerusalems ist mit dem Blut unserer Toten getränkt. Die heilige Stadt wurde uns anvertraut.’ EPA/JIM HOLLANDER

Es ist fraglich, ob Illusionsfotografie angemessener Fotojournalismus ist. Eine solche Bildgestaltung soll den Eindruck erwecken, nicht miteinander in Verbindung stehende Objekte würden zusammenhängen. Hier wäre es die Flagge „zuoberst“ der Kuppel. Ohne nähere Erläuterung wäre ein solches Foto die Bestätigung der schlimmsten Befürchtungen vieler Araber. Noch viel mehr gilt dies für die sozialen Medien, wo ständig Bilder ohne die dazugehörige erklärende Bildunterschrift die Runde machen.

So gesehen muss das Bild also für sich allein beurteilt werden.

Jerusalem bleibt angespannt, als Netanyahu zu Zurückhaltung aufruft

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Ich beschuldige Hollander keines absichtlichen Täuschungswillens. Seine ursprüngliche Bildunterschrift ist klar und deutlich, also wusste die nächste Instanz in der Medienkette – die Redakteure bei Zeitungen wie der LA Times – darüber Bescheid.

Es liegt an den Redakteuren, geeignete Bilder auszusuchen und sicherzustellen, dass die nötigen Informationen zum Bildmaterial den Leser erreichen.

Ich persönlich hätte dieses Bild nicht als Illustration für Batsheva Sobelmans Artikel gewählt. Aber die Zeitung suchte dieses Foto aus, also hätten die Redakteure den Lesern erklären müssen, was dort zu sehen ist. Zwei schlechte Entscheidungen.

Jerusalem ist angespannt genug. Wir brauchen keine Redakteure der LA Times, die die Situation noch verschlimmern.

UPDATE vom 5.11.: Na wunderbar, jetzt ist das Bild schon bei der BBC.

Zusammenstöße führen kurzzeitig zu Abriegelung wichtiger heiliger Stätte Jerusalems vor Besuchern

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UPDATE vom 6.11.: Die BBC entfernte das Foto, und die LA Times änderte die Bildunterschrift ab:

Hier vom Berg Skopus aus gesehen sieht man deutlich den markanten goldenen Felsendom, eine der heiligsten Stätten des Islam, in Jerusalems ummauerter Altstadt am 3. November. Dahinter weht eine große israelische Flagge auf einem Wohnhaus. (Jim Hollander/EPA)

Die BBC nahm Abstand von dem Foto, nachdem sich Leser beschwert hatten. Ein Sprecher der BBC sagte dem Jewish Chronicle:

„Wir haben schnell gemerkt, dass das Bild missverstanden und einen falschen Anschein erwecken konnte, und anbetrachts der sensiblen Natur der Story haben wir es mit einem anderen Foto ersetzt.“

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