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Wie wäre es damit, Israels Sicht eine Chance zu geben?

5. Februar 2015

Alex Margolin, HonestReporting, 5. Februar 2015

In einem der empörendsten Intereview-Sendungen der jüngeren Erinnerung unterbrach ein britischer Reporter, der über die Antiterror-Demonstration in Paris berichtete, seinen Gast, eine in Paris lebende Israelin, mit der Behauptung, Palästinenser hätten durch die Hände der Juden enormes Leid erfahren. Als die Frau gegen die Verschmelzung des Terrors in Paris mit den Leid der Palästinenser protestiert, diente der BBC-Reporter Tim Willcox diese herablassen Antwort an: „Sie werden verstehen, dass jeder aus unterschiedlichen Perspektiven gesehen wird.“

Es schockiert, einen scheinbar glaubwürdigen Reporter zu hören, wie er folgert, dass die Terrortaten in Paris irgendwie ihre Wurzel in Israel haben und dass er damit sagt, das sei eine legitime „Perspektive“. Was noch mehr schockiert: Das beschränkt sich nicht nur auf einen der Reporter.

„Willcox ist kein isolierter und abirrender Rassist; seine Sichtweisen sind die Standardmeinung der linken europäischen Mittelklasse“, schrieb Nick Cohen in The Spectator nach dem Interview. „Ich taf sie Tag für Tag in meinem politischen Viertel.“

Lesen Sie mehr in der New York Jewish Week (in Englisch)

Bild: CC BY-SA opensourceway via flickr mit Ergänzungen durch HonestReporting.

Die Untersuchungen der BBC im Fall Tim Wilcox machen Fortschritte

29. Januar 2015

Simon Plosker, HonestReporting 26. Januar 2015 (übersetzt von Cora)

Tim Wilcox von der BBC löste einen Sturm des Abscheus und der Wut in der Folge der Massaker bei Charlie Hebdo und dem koscheren Supermarkt in Paris aus. Die BBC erhielt viele Beschwerden, auch von HonestReporting.

Wir haben die Beschwerden und den Ablauf bei der BBC ständig beobachtet und können nun die entscheidende E-Mail der Beschwerdeabteilung an HonestReporting veröffentlichen.

Durch die große Anzahl der Beschwerden und der aufgeworfenen Fragen hat die Beschwerdeabteilung den Ablauf beschleunigt, indem sie die Eingaben zusammenfasste und eine Zusammenfassung dessen veröffentlicht, was sie untersucht:

  • Dass die Frage, die Tim Wilkox der Interviewten stellte, irreführend war, indem er die Pariser Morde in einem koscheren Supermarkt mit den Geschehnissen im Nahen Osten verknüpfte.
  • Dass die Frage beleidigend und antisemitisch war, weil sie unterstellte, dass alle Juden für die Taten Israels verantwortlich seien.
  • Dass die Frage beleidigend und antisemitisch war, weil sie unterstellte, dass Juden für den Mord an anderen Juden verantwortlich seien.
  • Dass die Frage Vorurteile gegen Israel verbreitet.
  • Dass der Kommentar von Tim Wilcox „Aber man muss alles aus unterschiedlichen Perspektiven sehen“ nahelegt, dass es eine Rechtfertigung für die Morde gibt.
  • Dass die Interviewte nicht mit dem nötigen Respekt behandelt wurde.
  • Dass die Art und Weise, wie sich Tim Wilcox entschuldigte, unzureichend war und nicht genau ausdrückte, worin das Beleidigende seiner Äußerungen bestand.
  • Dass die Veröffentlichung der Entschuldigung auf einem privaten Twitter-Account nicht ausreichend war und sie von der BBC veröffentlicht hätte werden müssen.

Die Beschwerdestelle veröffentlichte dazu die relevanten Richtlinien, welche bei Genauigkeit, Unparteilichkeit, Verletzungen und Beleidigungen berücksichtigt werden müssen (vor allem wenn es um eine Darstellung geht).

Die Richtlinien für Genauigkeit sagen folgendes:

Tim Willcox

Alle Veröffentlichungen der BBC müssen, die zum Thema und dessen Beschaffenheit gehören, auf festem Boden stehen müssen, auf stichhaltigen Beweise gründen, die gründlich geprüft wurden und sie müssen in klarer und präziser Sprache dargestellt sein. Wir sollten offen und ehrlich die Dinge benennen, über die wir nichts wissen und unbegründete Spekulationen vermeiden. Forderungen, Aussagen, materielle Fakten und andere Inhalte, die nicht bestätigt sind, sollen als solche dargestellt werden.

Die Richtlinien zur Neutralität sagen folgendes:

Die Neutralität ist das Herz des Dienstes an der Öffentlichkeit und der Kern der Verpflichtung der BBC an seinem Publikum. Dies gilt für all unsere Veröffentlichungen und Dienste – Fernsehen, Radio, Online; es ist in unseren internationalen Diensten und kommerziellen Magazinen verpflichtend. Wir müssen umfassend berichten, die weiteren Perspektiven bedenken und sicherstellen, dass die Existenz unterschiedlicher Ansichten gewissenhaft wiedergegeben wird.

Die Vereinbarung, die die BBC Charta begleitet, verpflichtet uns dazu, alles dafür zu tun, dass kontroverse Themen mit der nötigen Neutralität in unseren Nachrichten oder anderen Veröffentlichungen dargestellt werden, ob es sich nun um Dinge des öffentlichen Interesses, oder um eine politische oder wirtschaftliche Kontroverse handelt. Wir gehen sogar so weit, dass wir uns zur Neutralität in allen Dingen verpflichten. Ungeachtet der unterschiedlichsten Anforderungen.

Der Begriff „gebührend“ bedeutet, dass die Objektivität dem Gegenstand angemessen      und angepasst sein muss, den Erwartungen des Publikums entsprechend und keinerlei Hinweis, der diese Erwartungen beeinflussen könnte.

Gebührende Neutralität ist oft mehr als nur der „Ausgleich“ zwischen zwei gegensätzlichen Standpunkten. Ebenso bedeutet es keine absolute Neutralität in jedem Fall und einer Distanziertheit von fundamentalen demokratischen Prinzipien.

Die Prinzipien der Darstellung sagen folgendes:

Unser Ziel ist es, vollständig und fair alle Kulturen und Menschen im Vereinigten Königreich darzustellen. Inhalte können Vorurteile und Benachteiligungen reflektieren, wie sie in allen Gesellschaften weltweit vorkommen, doch wir sollten sie nicht aufrecht erhalten. In manchen Fällen können Hinweise auf eine Behinderung, auf Alter, sexuelle Orientierung, Glaube, Rasse, etc. wichtig für die Darstellung sein. Dennoch sollten wir die leichtsinnige oder beleidigende Übernahme von Stereotypen vermeiden und Menschen nur dann derart beschreiben, wenn es redaktionell gerechtfertigt ist.

(Die wichtigen Richtlinien der Herausgeber können vollständig hier eingesehen werden.)

Uns wurde mitgeteilt, dass die Beschwerdestelle der BBC vorhat, das Ergebnis der Untersuchung am 23. Februar zu veröffentlichen. Wir würdigen die Ernsthaftigkeit mit der die Beschwerdestelle der BBC den Fall behandelt und wir sind auf die Ergebnisse im nächsten Monat gespannt.

BBC Reporter auf dem Pariser Gedenkmarsch: Palästinenser leiden durch jüdische Hände

15. Januar 2015

Simon Plosker, HonestReporting, 12. Januar 2015 (übersetzt von Cora)

Die jüdische Gemeinschaft Frankreichs hatte kaum Zeit den schrecklichen Terroranschlag auf den koscheren Supermarkt in Paris zu fassen, als Tim Wilcox von der BBC am 11. Januar auf der Solidaritätskundgebung in Paris ein Jüdin interviewte. Dabei unterbrach er sie und sagte:

„Viele Kritiker der israelischen Politiker werden darauf hinweisen, dass die Palästinenser unter jüdischen Händen ebenfalls zu leiden haben.“

Beachten Sie, dass Wilcox ausdrücklich „Juden“ sagt statt Israelis, was bedeutet, dass er die französischen Juden und damit alle Juden für die Handlungen Israels verantwortlich macht.

Juden kollektiv für Geschehnisse in Israel verantwortlich zu machen ist Teil der Arbeitsdefinition für Antisemitismus der Europäischen Union beinhaltet, während das amerikanische Außenministerium dazu sagt: „Juden zu beschuldigen für echte oder eingebildete Untaten verantwortlich zu sein, seien sie von einzelnen Juden oder einer Gruppe, dem Staat Israel oder sogar für Taten die von Nicht-Juden verübt wurden.“

Und als Zugabe setzt Wilcox hinzu, als seine Interview-Partnerin nicht zustimmen wollte:

„Aber wir wissen ja, alles wird von unterschiedlichen Perspektiven aus wahrgenommen.“

Das ist nicht das erste Mal, dass Tim Wilcox eine seltsame Haltung zeigt, wenn es um Juden geht. Wie BBC Watch erklärte, war es Wilcox, der erst kürzlich, wie in der BBC Sendung vom November 2014, die Ausdruck von der „jüdischen Lobby“ verbreitete.

Wilcox´ Schlussfolgerung, dass der Nahost-Konflikt in jedem Fall Angriffe auf die Juden in Frankreich oder sonst wo auf der Welt erklären kann, ist einfach haarsträubend. Wilcox deutlicher Hinweis auf „jüdische Hände“ ist widerlich und inakzeptabel, denn er deutet an, dass die Juden weltweit für die Taten Israels verantwortlich gemacht werden sollten. Das fällt ganz klar unter die Antisemitismusdefinition der Europäischen Union.

Wilcox hat inzwischen über Twitter um „Entschuldigung“ gebeten:

HR_TimWillcoxBBCtwitter„Bedaure wirklich die Beleidigung in der schlecht formulierte Frage während eines Live-Interviews in Paris gestern – es war absolut unbeabsichtigt.“
– Tim Wilcox (@BBCTimWilcox) Januar 12, 2015

Wilcox Entschuldigung reicht nicht! Die Sache ist mehr als eine „schlecht formulierte Frage“ und sie geht an den Kern dessen, wie die BBC mit Israel und dem Antisemitismus umgeht. In Zeiten wachsenden Antisemitismus und körperlicher Angriffe auf Juden muss die BBC öffentlich das Ausmaß dieses Zwischenfalls eingestehen.

Der CEO von HonestReporting, Joe Hyams, setzt hinzu:

„Wir haben die Medien aufgefordert, die EUMC Definition des Antisemitismus zu übernehmen um derlei Situationen zu verhindern, in die Tim Wilkox verwickelt ist. Es geht nicht länger an Unwissenheit vorzutäuschen und zu behaupten, man habe die Linie zum Antisemitismus unwissentlich überschritten. Es ist höchste Zeit, dass die allgemein akzeptierten Definitionen zum Antisemitismus dem Herausgeberleitfaden der BBC hinzugefügt werden. Die BBC und ihre Reporter müssen endlich erkennen, welche Hetze und welches Leid ihre schäbigen Reportagen mit sich bringen.“

Tim Wilcox muss für sein letztes unverantwortliches Interview haftbar gemacht werden. Der BBC darf nicht erlaubt werden, dies unter den Teppich zu kehren.

HonestReporting Abonnenten müssen sich bemerkbar machen indem sie Beschwerden an die BBC einsenden.

—–

* Bitte beachten Sie, dass das obige Video nicht von HonestReporting veröffentlicht wurde und eine aufbereitete Version ist. Die vollständige Version finden Sie hier

Terroranschlag in der Synagoge: die missglücktesten Schlagzeilen

18. November 2014

Simon Plosker, HonestReporting, 18. November 2014
(Übersetzung: Yvaine de Winter)

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Zwei palästinensische Terroristen betraten am frühen Dienstagmorgen mit Äxten und Pistolen bewaffnet eine Synagoge in Jerusalems Stadtteil Har Nof, brachten vier Israelis um und verletzten sechs weitere. Was waren die anfänglichen Reaktionen einiger internationaler Medien? Für Kanadas CBC News drehte sich alles um die Täter:

Jerusalemer Polizei erschießt 2 nach mutmaßlichem Synagogenanschlag

Jerusalemer Polizei erschießt 2 nach mutmaßlichem Synagogenanschlag

Für die BBC waren nicht zwei palästinensische Terroristen für den Anschlag verantwortlich, sondern die „Jerusalemer Synagoge“:

Anschlag von Jerusalemer Synagoge tötet vier Israelis

Anschlag von Jerusalemer Synagoge tötet vier Israelis

In der Story selbst bezweifelt die BBC, ob die Tat zweier palästinensischer Mörder, die Juden in einer Synagoge ermorden, überhaupt als Terroranschlag bezeichnet werden kann:

Bei einem Vorfall in einer Jerusalemer Synagoge, den die Polizei einen „Terroranschlag“ nennt, wurden mindestens vier Israelis getötet und sieben verletzt.

Bei einem Vorfall in einer Jerusalemer Synagoge, den die Polizei einen „Terroranschlag“ nennt, wurden mindestens vier Israelis getötet und sieben verletzt.

Auch CNNs erste Schlagzeile ging daneben und erweckte im Leser den Eindruck, dass auch zwei Palästinenser Opfer des Terroranschlags wurden, was die Terroristen und die Opfer auf moralische Augenhöhe stellt:

4 Israelis, 2 Palästinenser bei Synagogenanschlag getötet, so die israelische Polizei

4 Israelis, 2 Palästinenser laut israelischer Polizei bei Synagogenanschlag getötet

Dieser Stil übertrug sich auch auf CNNs Fernsehberichterstattung, wie man hier sieht:

4 Israelis, 2 Palästinenser tot in Jerusalem

4 Israelis, 2 Palästinenser tot in Jerusalem

Während viele Medien ihre mangelhaften Schlagzeilen überarbeiteten, sobald weitere Informationen verfügbar waren, sprach Reuters auch Stunden nach dem Vorfall noch immer von einem „mutmaßlichen palästinensischen Anschlag“:

Vier Tote bei mutmaßlichem palästinensischem Anschlag auf Jerusalemer Synagoge

Vier Tote bei mutmaßlichem palästinensischem Anschlag auf Jerusalemer Synagoge

Foto-Entgleisungen vom Tempelberg

8. November 2014

Pesach Benson, HonestReporting, 4. November 2014
(Übersetzung: Yvaine de Winter)

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Wüssten Sie es nicht besser, würden Sie glauben, dieses Foto der Los Angeles Times zeige die israelische Flagge, die provokant auf dem Felsendom weht.

Hier vom Berg Skopus aus gesehen sieht man deutlich den markanten Felsendom, eine der heiligsten Stätten des Islam, in Jerusalems ummauerter Altstadt am 3. November. (Jim Hollander/EPA)

Zum Glück erklärte der Fotograf Jim Hollander auf der Website der European Press Association näher, was man auf dem Foto sieht. Aber wie viele Leser der LA Times klicken da extra drauf?

Hier vom Berg Skopus aus gesehen sieht man deutlich den markanten goldenen Felsendom, eine der heiligsten Stätten des Islam, in Jerusalems ummauerter Altstadt, wie ihn an einem sonst grauen und regnerischen Tag (3. November 2014) die Sonne bescheint. Hinter der Kuppel ist eine sehr große israelische Flagge auf dem Dach eines Wohnhauses im jüdischen Altstadtviertel. Jordaniens König Abdullah schwor, Jordanien würde jeden Versuch Israels widerstehen, den Status quo der heiligen Stätten Jerusalems und insbesondere des Tempelbergs bzw. dem Haram al-Sharif („Nobles Heiligtum“) zu ändern. Der König sagte: ‘Der Boden Jerusalems ist mit dem Blut unserer Toten getränkt. Die heilige Stadt wurde uns anvertraut.’ EPA/JIM HOLLANDER

Es ist fraglich, ob Illusionsfotografie angemessener Fotojournalismus ist. Eine solche Bildgestaltung soll den Eindruck erwecken, nicht miteinander in Verbindung stehende Objekte würden zusammenhängen. Hier wäre es die Flagge „zuoberst“ der Kuppel. Ohne nähere Erläuterung wäre ein solches Foto die Bestätigung der schlimmsten Befürchtungen vieler Araber. Noch viel mehr gilt dies für die sozialen Medien, wo ständig Bilder ohne die dazugehörige erklärende Bildunterschrift die Runde machen.

So gesehen muss das Bild also für sich allein beurteilt werden.

Jerusalem bleibt angespannt, als Netanyahu zu Zurückhaltung aufruft

Jerusalem bleibt angespannt, als Netanyahu zu Zurückhaltung aufruft

Ich beschuldige Hollander keines absichtlichen Täuschungswillens. Seine ursprüngliche Bildunterschrift ist klar und deutlich, also wusste die nächste Instanz in der Medienkette – die Redakteure bei Zeitungen wie der LA Times – darüber Bescheid.

Es liegt an den Redakteuren, geeignete Bilder auszusuchen und sicherzustellen, dass die nötigen Informationen zum Bildmaterial den Leser erreichen.

Ich persönlich hätte dieses Bild nicht als Illustration für Batsheva Sobelmans Artikel gewählt. Aber die Zeitung suchte dieses Foto aus, also hätten die Redakteure den Lesern erklären müssen, was dort zu sehen ist. Zwei schlechte Entscheidungen.

Jerusalem ist angespannt genug. Wir brauchen keine Redakteure der LA Times, die die Situation noch verschlimmern.

UPDATE vom 5.11.: Na wunderbar, jetzt ist das Bild schon bei der BBC.

Zusammenstöße führen kurzzeitig zu Abriegelung wichtiger heiliger Stätte Jerusalems vor Besuchern

Zusammenstöße führen kurzzeitig zu Abriegelung wichtiger heiliger Stätte Jerusalems vor Besuchern

UPDATE vom 6.11.: Die BBC entfernte das Foto, und die LA Times änderte die Bildunterschrift ab:

Hier vom Berg Skopus aus gesehen sieht man deutlich den markanten goldenen Felsendom, eine der heiligsten Stätten des Islam, in Jerusalems ummauerter Altstadt am 3. November. Dahinter weht eine große israelische Flagge auf einem Wohnhaus. (Jim Hollander/EPA)

Die BBC nahm Abstand von dem Foto, nachdem sich Leser beschwert hatten. Ein Sprecher der BBC sagte dem Jewish Chronicle:

„Wir haben schnell gemerkt, dass das Bild missverstanden und einen falschen Anschein erwecken konnte, und anbetrachts der sensiblen Natur der Story haben wir es mit einem anderen Foto ersetzt.“

Libanon-Grenzvorfall offenbart armseligen Journalismus

17. Dezember 2013

Simon Plosker, HonestReporting.om, 16. Dezember 2013

Shlomi Cohen

Der 31-jährige IDF-Soldat Shlomi Cohen wurde Samstagabend getötet, nachdem ein Scharfschütze der libanesischen Armee das Feuer auf sein Fahrzeug eröffnete, als er nahe Rosh Hanikra entlang der israelischen Seite der libanesischen Grenze fuhr.

Die vollständigen Details des Vorfalls müssen zwar noch bekannt werden, doch einiges an der Berichterstattung lässt viel zu wünschen übrig.

Der Independent erklärte:

Es ist nicht klar, was das Ziel der Schüsse war, obwohl örtliche Medienberichte spekulierten, dass israelische Truppen die Grenze überschritten hatten.

Was genau waren die „örtlichen Medienberichte“? Es waren natürlich keine israelischen, da keine davon etwas anderes berichteten, als den nicht provozierten Angriff von der libanesischen Seite.

The Times of Israel bietet eine mögliche Antwort:

Hisbollahs Nachrichtenagentur Al-Manar behauptete, eine IDF-Patrouille sei in libanesisches Territorium eingedrungen und wurde von libanesischen Streitkräften beschossen.

Es scheint also, dass der Journalist nicht zugeben wollte, dass seine „örtlichen Medienberichte“ vermutlich direkt der Propagandatruppe einer Terrororganisation entnommen wurden statt von einer glaubwürdigen Nachrichtenquelle.

Der Independent ist der „Nachrichtenwäsche“ schuldig – wenn die Quelle seiner Information nicht glaubwürdig ist, warum wird die Information als glaubwürdig gehalten?

Viele Stunden später kann man – mit Berichten eines weiteren Grenzübergriffs unter Beteiligung der IDF und libanesischer Streitkräfte – der BBC vertrauen, dass sie eine Schlagzeile wie diese produziert:

Israel “beschießt zwei libanesische Soldaten”

Ein nur allzu vertrauter Trick, der keinen Zweifel beim Leser hinterlässt, dass Israel der Aggressor ist. Die erste reflexhafte Reaktion der BBC auf die Geschichte demonstriert das System, über das sie Israel betrachtet.

Kurz drauf wurde die Schlagzeile durch die neutralere „Soldaten schossen an israelisch-libanesischen Grenze“ ersetzte, doch die erste Schlagzeile gib einen Einblick in die Denkprozess der BBC.

Volltreffer: BBC korrigiert syrische Propaganda-Headline

10. Mai 2013

HonestReporting Media BackSpin, 10. Mai 2013

Am Montag hatten wir unsere Leser gebeten, wegen dieser Headline eine Beschwerde an die BBC zu richten:


Wir hatten darauf hingewiesen, dass bei der BBC die syrische Propaganda, in der suggeriert wurde, Israel arbeite mit Terrorristen zusammen, im Wortlaut übernommen worden war. Die BBC hat nun mit einer neuen Headline und Korrektur reagiert:

Korrektur (7. Mai 2013): die Überschrift dieses Berichts wurde geändert, um klarzustellen, dass die Behauptung, israelische Luftangriffe wären mit den Rebellen koordiniert worden, von den syrischen Behörden aufgestellt wurde.


Geänderte Headline übersetzt: Syrien behauptet, dass israelische Luftschläge “mit Terroristen koordiniert worden sind”

Auch wenn zu bedauern ist, dass syrische Propaganda als so berichtenswert befunden wurde und wir immer noch sehr unzufrieden sind mit der Berichterstattung selbst, bedeutet die aktualisierte Schlagzeile eine Verbesserung gegenüber dem Original.

Die BBC mag wohl nicht immer so auf Beschwerden reagieren, wie wir uns das wünschten, aber Ihre/Eure Aktionen beweisen, dass sie diese registriert. Gemeinsam können wir viel bewirken.


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