Israel-„Freunde“ machen BDS-Werbung in der Washington Post

Simon Plosker, HonestReporting, 27. Oktober 2015

statue-denial-regret-trueFace-fightingBDS-770x400

Was macht den Meinungskommentar der jüdischen Akademiker Steven Levitsky und Glen Weyl (die JTA verrät mehr über ihren Hintergrund) in der Washington Post so ungeheuerlich? Die meisten BDS-Unterstützer haben einen außergewöhnlichen und wie besessen wirkenden Hass auf Israel, aber Levitsky und Weyl eröffnen ihren Beitrag mit dem Satz: „Wir sind lebenslange Zionisten.“

Steven Levitsky

Steven Levitsky (Quelle: YouTube/PUCP)

Ihre Enttäuschung über die gegenwärtige Entwicklung Israels auszudrücken ist ihr Recht. Das machen viele Israelis ja auch, und sie verbreiten ihre legitime Meinung und ihre Kritik als Teil einer freien Presse und eines blühenden demokratischen Systems. Es ist jedoch nicht Levitskys und Weyls Prognose, die so problematisch ist — obwohl sie nichts mit der Realität zu tun hat und aus einem akademischen Elfenbeinturm aus betrachtet wird.

Levitsky und Weyl behaupten zwar, sie würden Israel „lieben“, aber sie präsentieren eine Lösung für Israels „Probleme“, die sich in nichts von den eingefleischtesten Israelhassern unterscheidet:

Für Israelunterstützer wie uns sind alle greifbaren Formen von Druck schmerzhaft. Die einzigen Mittel, die Israels strategische Kalkulationen plausibel gestalten könnten, sind ein Aussetzen der Finanzhilfen und der diplomatischen Unterstützung der USA sowie Boykotte und Deinvestitionen der israelischen Wirtschaft. Lediglich Produkte aus den Siedlungen zu boykottieren hätte zuwenig Auswirkungen, um die Israelis zu einem Umdenken des Status quo zu bewegen.

Mit Bedauern, aber fest entschlossen weigern wir uns daher, nach Israel zu reisen; wir boykottieren dort hergestellte Produkte und fordern unsere Universitäten zu einer Deinvestition und unsere gewählten Vertreter zu einem Aufheben der Finanzhilfen für Israel auf. Bis Israel ernsthaft einen Friedensprozess beginnt, der entweder zu einem unabhängigen Palästinenserstaat führt oder den in einem einzelnen Staat lebenden Palästinensern volle demokratische Staatsangehörigkeit gewährt, können wir keine Regierungen fördern, deren Handlungen Israels langfristiges Überleben bedrohen.

Natürlich ist Israel wohl kaum der schlimmste Menschenrechtsverletzer weltweit. Stellt ein Boykott Israels, aber keines anderen rechteverletzenden Staates dann einen doppelten Standard dar? Ja, das tut es. Wir lieben Israel, und wir sind sehr über sein Überleben besorgt. In das Schicksal anderer Staaten sind wir emotional nicht so sehr involviert. …

Wir verstehen, dass einige Boykottforderer von ihrer Opposition (und sogar Hass) gegenüber Israel angetrieben werden. Unsere Motivation ist das exakte Gegenteil: Liebe zu Israel und der Wunsch, es zu retten.

Glen Weyl (Quelle: YouTube/TheStreet)

Glen Weyl (Quelle: YouTube/TheStreet)

Wir brauchen uns nicht über BDS oder die einseitigen Anschuldigungen zu streiten, die von diesen selbsternannten zionistischen Liebhabern Israels vorgebracht werden, die Israel total boykottieren wollen und nicht nur einen „Boykott light“ in Form der Siedlungen betreiben wollen.

David Bernstein (Dank an die Washington Post, dass sie seine kritischen Kommentare veröffentlicht) macht einen wichtigen Punkt bei seinem Beweis, dass Levitsky und Weyl eine winzige Randerscheinung der amerikanischen Juden repräsentieren:

Trotzdem fühlen sich die Post (die diesen Blog hostet) und mehr noch die New York Times von Zeit zu Zeit befleißigt, einen Artikel im Stil von „Ich bin ein linker jüdischer Akademiker und ich habe genug von Israel“ zu veröffentlichen, sogar von Menschen ohne großen Einblick ins Thema jenseits dessen, was man sich von jedem zufällig ausgewählten amerikanischen Juden anhören könnte. Ich bin mir nicht ganz sicher, was ein Jude hier und da, ausgesucht aus 6,5 Millionen, um eine antiisraelische Position in Worte zu kleiden, beweisen soll. Aber offenbar glauben die Meinungsseitenredakteure, für solche Texte gebe es einen signifikanten Markt.

Simon Plosker, der Managing Editor von HonestReporting, fügt hinzu:

Steven Levitsky und Glen Weyl sind das Äquivalent von Kindschlägern, die ihre Kinder zu lieben behaupten, ihnen gleichzeitig aber Prügel verabreichen. Dies ist genau die Art von Liebe, die beiden Seiten schadet.

Indem sie auf den Seiten der Washington Post Werbung für BDS gemacht haben, haben Levitsky und Weyl ihr Recht verwirkt, sich Zionisten oder Israelfreunde zu nennen. Dass sich die Post zu einer öffentlichen Präsentation zweier jüdischer Quoten-BDS-Unterstützer entschlossen hat, zeigt nur, dass sowohl die vorgenannten Akademiker als auch das Blatt selbst wirklichkeitsfern sind.

Wie kann es sein, dass so etwas zur selben Zeit veröffentlicht wird, zu welcher Israel unter einer erbarmungslosen palästinensischen Terrorwelle leidet?

Explore posts in the same categories: Antiisraelismus, BDS, Israel, Medienwelt, Nahost-Konflikt, Weltmedien und Nahost

2 Kommentare - “Israel-„Freunde“ machen BDS-Werbung in der Washington Post”

  1. caruso Says:

    Vor solchen „Freunden“ soll G’tt Israel behüten! Und die beiden sollen
    sich im Grund und Boden schämen. Haben sie überhaupt die winzigste Ahnung, was Liebe — in dem Fall zum Land der Väter und Mütter – bedeutet?
    lg
    caruso


  2. […] – Israel-“Freunde” machen BDS-Werbung in der Washington Post – Der Journalismus liegt blutend in den Straßen – Jahrestag der Balfour-Deklaration […]


Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: