Schuldig durch falsche Assoziation: Israel „besonders vermerkt“

Simon Plosker, HonestReporting, 23. Oktober 2019

Antiisrael-Aktivisten werden jede Gelegenheit nutzen Israel als schuldig durch bestehende Verbindung zu Staaten dazustellen, die umstrittenes Verhalten an den Tag legen. Chile erlebt aktuell gewalttätige Straßenproteste, die bisher zu 15 berichteten Toten geführt haben.

Was hat das mit Israel zu tun?

Jede Menge, laut The Independent.

Haben Sie von der Gewalt in Chile gehört? Sie haben wahrscheinlich nicht gehört, dass das Militär dort seine Vorgehensweise von Israel lernt. In den letzten Jahren hat die IDF anscheinend eine Taktik eingesetzt palästinensische Demonstranten zu verstümmeln statt sie zu töten – und das ist etwas, das wir diese Woche in Chile gesehen haben.

Wer ist Benjamin Zinevich?

Benjamin Zinevich

Aber zuerst: wer ist Benjamin Zinevich, der Autor dieser Stellungnahme?

Ist er Akademiker? Experte für israelisch-chilenische Beziehungen?

Nein.

Der Independent versäumt es uns irgendwelche Daten zu Zinevich zu liefern, aber eine einfache Google-Suche offenbart, dass er Student an der New York University ist; dort ist er ein prominente Anti-Israel-Aktivist und Mitglieder der Organisation Students for Justice in Palestine (SJP). Die Anti-Defamation League beschreibt diese als „ein Netzwerk propalästinensischer Studentengruppen aus den gesamten USA, die antiisraelischer Propaganda verbreiten, oft in Verbindung mit aufhetzerischer und manchmal aggressiver Rhetorik. Sie sind eine führende Campus-Organisation von Kampagnen für Boykott, De-Investition und Sanktionen (BDS) gegen Israel und spezialisieren sich auf den Einsatz konfrontatorischer Taktiken wie das Stören von durch proisraelische Studenten betriebene Veranstaltungen und den Bau von Pseudo-„Apartheidmauern“ sowie die Verteilung fingierter „Zwangsräumungs-Anordnungen“, um zu dramatisieren, was sie als israelische Misshandlungen von Palästinensern betrachten.

Zinevich war gerade erst Co-Sponsor einer Resolution seiner NYU-Universität, die einen Boykott des Auslands-Studienprogramms seiner eigenen Schule in Tel Aviv forderte.

Israel „sollte besonders vermerkt werden“

Zinevich schreibt im Independent:

Während das [chilenische] Militär sich brutal gegen Zivilisten durchsetzt, wie man es seit der Diktatur nicht mehr gesehen hat, die Anfang der 1990-er Jahre endete, ist es wichtig die internationalen Verbindungen dieser Brutalität herauszugeben. Die auf  taktischen und Ressourcen basierende militärische Unterstützung durch den Staat Israel für Chile in der Vergangenheit und Gegenwart sollte besonders vermerkt werden.

Warum sollte diese angebliche militärische Unterstützung „besonders vermerkt werden“?

The Global Arms Trade: A Handbook (Handbuch weltweiter Waffenhandel) vermerkt, dass Chile seit 2005 Waffen aus den USA, den Niederlanden, Großbritannien, der Schweiz, Deutschland, Frankreich und Spanien in Besitz genommen hat, ebenso aus Israel.

Es gibt keinen glaubwürdigen Grund dafür, dass Israel „besonders vermerkt“ werden sollte außer die hasserfüllte Agenda von Zinevch und dem Independent.

Dürftige Verbindungen

Zinevich schreibt:

Heute unternehmen weder die Streitkräfte Chiles noch die Israels Versuche ihre Allianzen zu verstecken, zitiert man aus der Internetseite der chilenische Botschaft in Israel die  Ziele der „zunehmenden Verbindungen … mit Israel, um den Austausch von Wissen, Ausbildung und Erfahrungen möglich zu machen.“ Chile und Israel unterzeichneten 2018 eine Vereinbarung, die während des Besuchs des israelischen Generals Yaacov Barak in Chile in dem Jahr von der Ermutigung weiterer „Kooperation in militärischer Bildung, Ausbildung und Doktrin“ sprach.

Tatsächlich gibt es keinen Grund Allianzen zwischen Ländern zu verbergen, die diplomatische Beziehungen haben, insbesondere von zwei Demokratien. Die oben verwendete Wortwahl der Internetseite der chilenischen Botschaft in Israel ist das, was man auf jeder Botschaftsseite des Auslands erwarten würde, die für positive Beziehungen wirbt.

ZInevich ingorierte weitere Beispiele positiver israelisch-chilenischer Kooperation wie die ranghohen Vertreter des Magen David Adom, Israels nationaler Notfall- und Blutspende-Netzwerk, das der Stadtverwaltung Providencia in Chiles Hauptstadt Santiago hilft städtisches Sicherheitspersonal als Ersthelfer für medizinische Notfälle auszubilden.

Wir kommen dann zu der dürftigen Verbindung, die Zinevich zu propagieren versucht:

In den letzten Jahren haben die Israelischen Verteidigungskräfte (IDF) anscheinend eine Taktik verwendet palästinensische Demonstranten zu verstümmeln statt tödlich Schüsse auf sie abzugeben. Seit inzwischen mehr als einem Jahr sind palästinensische Zivilisten in Protest gegen die israelische Besatzung auf die Gaza-Mauer marschiert und die IDF hat mehr als 60 Prozent dieser 10.511 Zivilisten in die unteren Gliedmaßen geschossen, wobei mehr als 90 Prozent der Opfer durch scharfe Schüsse entstanden.

Während der letzten Woche ist diese israelische Taktik bei zahlreichen berichteten Gelegenheiten gegen chilenische Zivilisten eingesetzt worden. Eine Frau ist in den Oberschenkel geschossen worden; es heißt, sie befindet sich aufgrund hohen Blutverlustes in kritischem Zustand. Bei einem anderen Vorfall wurde ein 23-jähriger Mann ins Bein geschossen, bevor ein Militärfahrzeug ihn zerquetschte.

Diese ähnlichen Taktiken sind kein Zufall und international ein Teil dessen, was Aktivistengruppen wie die Jewish Voice for Peace „den tödlichen Austausch“ genannt haben.

Zinevich ist zufälligerweise Mitglied der Jewish Voice for Peace (Jüdische Stimme für den Frieden), einer Organisation, die die ADL als „eine radikal antiisraelische Aktivistengruppe“ beschreibt, „die für einen vollständigen wirtschaftlichen, kulturellen und akademischen Boykott des Staates Israel wirbt. JVP lehnt die Ansicht ab, dass der israelisch-palästinensische Konflikt ein tragischer Disput um Land ist, der von einer Gewaltspirale, Angst und Misstrauen auf beiden Seiten perpetuiert worden ist; sie favorisieren die Überzeugung, dass israelische Politik und Handeln von tief verwurzeltem jüdischen Rassenchauvisnismus und religiösem Herrenmenschentum motiviert sind.“

Es scheint so, als habe Zinevich Komponenten des „Der tödliche Austausch“-Kampagne der JVP genommen und auf Chile angewandt. Nach Angaben von Miriam F. Elman von der Syracuse University ist „The Deadly Exchange“ antisemitisch und macht Israel und seine jüdisch-amerikanischen Anhänger fälschlicherweise für das Schüren von diskriminierenden politischen Praktiken gegen Minderheiten in Amerika und die Militarisierung des Herangehens an Verbrechen und öffentliche Proteste verantwortlich. Im Fathom Journal schreibt Elman:

An seiner Wurzel agiert die Kampagne mit antisemitischen Sprachbildern zu jüdischer Macht, um Israel und die amerikanischen jüdischen Organisationen der Verschwörung gegen die farbigen Amerikaner zu beschuldigen. Die Kampagne radikalisiert den Nahost-Konflikt, indem sie Israel und seine jüdisch-amerikanischen Unterstützer als Feinde aufstellt, die amerikanische (und palästinensische) „schwarze und braune Körper“ direkt bedrohen.

Zinevich hat einfach amerikanische „schwarze und braune Körper“ ersetzt durch chilenische „Gruppen der Arbeiterklasse und indigenen Völker wie den Mapuche, die Jahrhunderte kolonialer Unterdrückung erfahren haben“.

So sehen wir, dass Zinevichs gesamte Hypothese auf nichts anderem gründet als seinem eigenen, von Ideologie getriebenen Fanatismus.

Wie traurig, dass der Independent, höchstwahrscheinlich ebenfalls von seiner antiisraelischen Agenda getrieben, Zinevich eine Plattform für seinen Hass geboten hat.

Bitte schicken Sie Ihre durchdachten Kommentare über sein Beschwerde-Formular an den Independent.

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