Posted tagged ‘West Bank’

The Economist und sein Mauer-Syndrom

12. Dezember 2011

HonestReporting Media BackSpin, 11. Dezember 2011

Die aktuelle Printausgabe der Zeitschrift The Economist bespricht die israelischen Reaktionen zum Wahlsieg der Islamisten in Ägypten. Im Artikel findet sich dieser Schnipsel:

Israels Generäle haben sich bereits darauf vorbereitet. Sie haben den Bau einer riesigen Betonmauer entlang der Grenze Israels  zu Ägypten (240 Kilometer) vorangetrieben und eine weitere Brigade abgestellt, die dort patrouillieren soll.

„Riesige Betonmauer“? Die IDF gibt Auskunft:

Der Zaun ist dazu gedacht, die 240 Kilometer lange israelisch-ägyptische Grenze von Kerem Shalom bis Tabah abzusichern. Ein Teil der Grenze wird aus Absperrungsanlagen bestehen, während der andere Teil des Zauns mit Alarmvorrichtungen ausgestattet sein wird.

Kann  man klarer formulieren, dass diese spezielle Barriere keine lange Betonwand wird – und wie kann der Economist damit aufwarten? Oder ist dies schlicht nur eine Wiederkäuung der verfälschten Medien-Darstellung zu Israels Barriere zur West Bank, die weniger als 3% Betonmauer umfasst?

Hätten Sie’s gedacht?

1. August 2011

HonestReporting Media BackSpin, 1. August 2011

• Im Vorfeld der angestrebten Ausrufung der Eigenstaatlichkeit durch die UNO kündigt die Gewerkschaft des Öffentlichen Dienstes in der Palästinensischen Autonomiebehörde Streiks wegen verspäteter Auszahlung der Gehälter an. Maan News zufolge soll die unbefristete Arbeitsniederlegung am morgigen Dienstag beginnen. Wie kann die Welt die Ausrufung eines palästinensischen Staates in Erwägung ziehen, wenn die PA nicht einmal ihre eigenen Rechnungen bezahlen kann?

• Samir Quntar wurde bei einer Explosion in Beirut verletzt. Die Welt sollte wissen, was Quntar Smadar Harans Familie im Jahr 1979 angetan hatte….

• Last but not least ist Danny Ayalons Video über die West Bank mehr als 240.000 Mal angeklickt worden und hat über 3.000 Kommentare ausgelöst. Wer jemals an der israelischen Regierung herumgenörgelt hat, sie würde schlechte PR betreiben, sollte Ayalon ein großes Kompliment dafür zollen, dass er seine Message verbreitet hat.

Video: Die 10 unbekanntesten Fakten zur West Bank

26. Juli 2011

HonestReporting Media BackSpin, 26. Juli 2011

Sie glauben, dass Sie die West Bank kennen? Falsch gedacht.

Video: Die Wahrheit über die West Bank

19. Juli 2011

HonestReporting Media BackSpin, 19. Juli 2011

Danny Ayalon stellt richtig, was Israels Anspruch auf die West Bank betrifft.

Ändern die Medien ihre Meinung bezüglich Bibi?

6. September 2010

HonestReporting Media BackSpin, 6. September 2010

Es ist schon eine Weile her, dass sich die Medien zu Premierminister Netanyahu mit Begriffen wie „Falke“ oder „Hardliner“ geäußert haben. Und es in der Tat eine Nachfrage wert, wenn sie dazu übergehen, bei Bibi eine Kehrtwende zu vollziehen. Hier einige Beispiele, die meine Antennen ausfahren ließen:

Beleg A: Dan Ephron (Newsweek):

Im Wissen um die Vorteile von Geheimverhandlungen hat Netanyahu während des abgelaufenen Jahres mehrmals versucht, [die] Palästinenser für einen informellen Kanal zu gewinnen, so die Aussage eines israelischen Offiziellen, der an der Seite Netanyahus oft für sein gegenwärtigen Team gearbeitet hat. Insgeheim sah die Strategie Netanyahus so aus, dass er Zugeständnisse anbot und die palästinensische Bereitschaft andererseits austestete – ohne das Risiko einzugehen, seine Koalition aufgeben zu müssen.

Wenn eine Vereinbarung möglich erschien könnte er mit dem Entwurf an die Öffentlichkeit gehen, ihn zur Volksbefragung stellen oder sogar vorgezogene Neuwahlen anstreben. Der israelische Offizielle erklärte mir, er ginge davon aus, dass Netanyahu möglicherweise bereit sein könnte, seine Koalition aufs Spiel zu setzen für den Fall, dass sein Name im Zusammenhang mit einem historischen Friedensabkommen genannt werde. Aber er wäre nicht bereit, es allein deshalb zu riskieren, um die Gegenseite zu vereinnahmen.

Auf palästinensischer Seite wurde das Angebot wiederholt abgelehnt, so die israelische Quelle. Ein palästinensischer Offizieller bestätigte den Bericht….

Beleg B:  Haaretz-Kolumnist Aluf Benn:

Die amtierende Netanyahu-Regierung ist die zahmste, die Israel seit der Ermordung Yitzhak Rabin gesehen hat. Der rechtskonservative Regierungschef zeigt weit mehr Zurückhaltung als seine Vorgänger, was den Einsatz von Armee und den Siedlungsausbau betrifft. Er unterstützt die Errichtung eines palästinensischen Staates neben Israel und kehrt jetzt zu Verhandlungen für ein endgültiges Abkommen zurück.

Beleg C: Wieder Aluf Benn, diesmal in der Washington Post:

Vor 10 Monaten erklärte Netanyahu mir in einem Telefoninterview für die liberale israelische Tageszeitung Haaretz, wo ich als Kolumnist und Redakteur tätig bin: „Ich möchte eine Friedensvereinbarung mit den Palästinensern voranbringen. Ich kann einen Vertrag erreichen.“ Kurz danach schrieb ich ihm, dass ich ihm glaube, um dann dafür spöttische Kommentare von vielen Lesern zu erhalten, die mich als naiv bezeichneten. Aber ich habe meine Ansichten nicht geändert – auch Netanyahu seine nicht.

Beleg D:  Die gestrige Ausgabe der Sunday Times berichtete, dass der Premierminister ernsthaft an ein Referendum über den Rückzug aus der West Bank denke:

„Ein Rückzug aus der West Bank, dem Zentrum des Judentums, ist die schwierigste Entscheidung, die jemals ein israelischer Ministerpräsident getroffen hat“, sagte ein enger Mitarbeiter. „Um dies zu erreichen, muss Bibi [Netanyahu] eine überwältigende Unterstützung seitens der Israelis in Form eines Referendums bekommen.“

Beleg E:  The Independent. Die britische Tageszeitung würde diese Frage nicht umsonst stellen:

Ist Netanyahu bereit, Frieden zu schließen? Dieser Test steht noch aus.

Dazu passend: Is Israeli Prime Minister Netanyahu a „Master Manipulator“?

Kein Medientrick schräg genug für B’tselem

6. Juli 2010

HonestReporting Media BackSpin, 6. Juli 2010

Ein billiger PR-Trick von B’tselem zeigt, dass den Mainstream-Medien keine Masche schräg genug ist.

Die israelische Menschenrechtsorganisation entwarf einen neuen Bericht zu Siedlungsaktivitäten und gab dann eine Pressemitteilung heraus, die auch HonestReporting erhielt – so getimed, dass sie das heutige Treffen zwischen Netanyahu und  Obama im Weißen Haus in den Hintergrund drängte.

Pressemitteilung – keine Veröffentlichung vor dem 6. Juli 2010

Aus den Daten der Armee und der Zivilverwaltung: Ein Fünftel aller Siedlungsareale ist palästinensischer Grundbesitz.

Siedlungen kontrollieren heute 42 Prozent der West Bank (6. Juli 2010), B’Tselem mit der Veröffentlichung “Auf Biegen und Brechen“( http://www.btselem.org/Download/201007_By_Hook_and_by_Crook_Eng.pdf); Israels Siedlungspolitik in der West Bank. Ein Bericht, der die Mechanismen analysiert, die Israel anwendet, um Kontrolle über die West Bank zu erlangen und den Siedlungsbau voranzutreiben…..

Vordatierte Pressemitteilungen sind in der Öffentlichkeitsarbeit nichts Ungewöhnliches: sie sind oft mit einer Sperrfrist versehen, weil zwischen Publizist und Journalist eine Übereinkunft existiert, Informationen nicht vor einem bestimmten Termin zu bringen.

Verantwortungsvolle Journalisten hinterfragen das Timing solcher Sperrfristen. Im Fall B’tselem konnte den Redakteuren nicht entgangen sein, dass die Veröffentlichung mit dem Treffen im Weißen Haus zeitlich zusammenfiel. Redakteure werden aber auch durch den so genannten „Halo Effekt“ beeinflusst, der von NGOs ausgeht: sie veröffentlichen und zitieren deren Berichte ohne kritische Nachfrage, was

sowohl die journalistische Ethik verletzt und Skepsis sowie unabhängige Überprüfung voraussetzt, als auch die Regeln bei der Übernahme anderer Quellen, selbst jenen von Regierungsstellen. Aber wenn „hoch angesehene Menschenrechtsorganisationen“ wie Amnesty International oder Human Rights Watch (HRW) Erklärungen abgeben, neigen Journalisten dazu, Verdrehungen zu ignorieren und sie als Fakten wiederzugeben.

Eine kürzlich erstellte Harvard Studie zur Berichterstattung über den Libanonkrieg 2006 zeigt, dass die meisten Medien weltweit nicht aufhörten, den Zwischenfall in Qana an den Behauptungen von HRW auszurichten, selbst nachdem die NGO ihre Fehler eingestehen musste. Es gibt mehrere Beispiele dieser Art, nicht nur was Israel betrifft, sondern beispielsweise auch Kolumbien und Irak und wo sonst immer NGOs sich auf „Augenzeugen“ verlassen und  sie über keine unabhängigen Ressourcen verfügen.

Publizisten möchten gerne im Rampenlicht der Medien stehen, aber B’tselems Plan, das heutige Treffen in den Hintergrund rücken zu lassen, ist in krasser Weise offensichtlich.

Wie können die davon ausgehen, dass sie damit so einfach davonkommen?

Es liegt es wohl daran, dass diese Vorgehensweise, die hervorragend zur Denkweise der großen Medien bzgl. des Nahostkonfliktes passt, schreierische Schlagzeilen produziert und einen Keil zwischen Israel und den USA treibt.

B’tselem hat eine Agenda erkennen lassen, die über Menschenrechtsfragen hinausgeht, wenn sie Premierminister Netanyahu während seines US-Besuchs in Schwierigkeiten bringen will. Und die Mainstream-Medien werden nur allzu gern mitspielen.

Leseempfehlungen, 10.01.10

10. Januar 2010

HonestReporting Media BackSpin, 10. Januar 2010

Ägypten wendet PR richtig an
„Ägyptische Offizielle sprechen die knappe und selbstbewusste Sprache der Souveränität.“

Verhältnisse in der West Bank nicht reif für eine neue Intifada
Niemand möchte wirtschaftliche Profite aufs Spiel setzen.

Abbas: Katar-Medien einseitig zugunsten der Hamas
Arabische Presse bringt Abbas mit Gaza-Abriegelung in Verbindung.

Warum nicht “Viva Somalia?”
„Anders als die Somalis können die Palästinenser sich glücklich schätzen, dass sie die Zionisten zu Feinden haben.“

Kann die Hamas an einer Machtergreifung in der West Bank gehindert werden?
Ein israelischer Rückzug aus der West Bank würde das Totenglöckchen für die PA einläuten.

Terror 2009: Die Zahlen

1. Januar 2010

HonestReporting Media BackSpin, 31. Dezember 2009

Ich freue mich, mitteilen zu können, dass die Zahl der Terroranschläge in Israel im Jahr 2009 abgenommen hat*. Von YNet News:

0 Selbstmordanschläge in Israel.

15 Israelis bei Terroranschlägen getötet.

566 Raketen aus Gaza abgefeuert, die meisten im Januar.

22 Feuerüberfälle in der West Bank.

Bei 13davon wurde Sprengstoff eingesetzt.

578 Angriffe in der West Bank, bei denen auch Molotowcocktails benutzt wurden.

Insgesamt 633 terroristische Zwischenfälle in der West Bank.

Dutzende Leute, die vom Sinai kommend in Israel eindringen wollten, identifizierten sich mit dem globalen Jihad.

————-
*Daran war natürlich diese unmenschliche Mauer schuld.

“In der West Bank geht’s uns gut“

1. Juni 2009

HonestReporting Media BackSpin, 1. Juni 2009

Washington Post-Kolumnist Jackson Diehl interviewte Mahmoud Abbas: 

Stattdessen will er passiv bleiben, sagt er. „Ich warte ab, ob die Hamas internationale Vereinbarungen akzeptiert und ich warte ab, ob Israel seine Siedlungstätigkeiten einstellt“, so Abbas. Sonst geht es uns gut…. die Menschen führen ein normales Leben.“ 

Klingt so ein Palästinenser, der auf israelische Zugeständnisse und amerikanische Hilfsmittel  angewiesen ist? 

ShareThis