Posted tagged ‘Time Magazine’

Time-Schlagzeile: Medien warnen mit neuer Fabel

2. September 2010

HonestReporting Media Backspin, 2. September 2010

Israelis geben nichts um Frieden. Das ist die Schlussfolgerung, die Karl Vick vom Magazin Time uns glauben machen möchte, wenn er Zitate zweier Verkäufer (und niemanden sonst) von Eigentumswohnungen in Tel Aviv bringt.

„Die Leute“, sagte Heli, „glauben nicht.“ Eli sucht nach einem Wort. „Die Leute in Israel sind gleichgültig“, entscheidet er. „Es kümmert sie nicht, wenn es Krieg gibt. Es kümmert sie nicht, ob es Frieden geben wird. Es ist ihnen egal. Sie leben in den Tag hinein.“

Ich vermute, dass Vick tatsächlich mit anderen Israelis sprach – die für die verkürzte Version der Internetseite fallengelassen wurden. Time will, dass Sie für das Magazin oder ihre iPad-App zahlen, um die ganze Geschichte zu lesen. Es wird sogar am Ende der Seite gesagt, dass die Story gekürzt ist. Na gut.

Es scheint aber so, dass Time derart viel weggelassen hat, dass der online stehen gelassene Rest die These der ursprünglichen Schlagzeile nicht mehr rechtfertigt:

Hisbollah: Geschichtsklitterung durch Mainstream-Medien

8. Juni 2009

HonestReporting Media BackSpin, 8. Juni 2009

Hätten die Hisbollah und ihre Verbündeten die gestern abgehaltenen Wahlen gewonnen wären wir heute sicher mit jeder Menge Berichterstattung über die Geschichte der Organisation konfrontiert.

Und wenn Time ein verlässlicher Indikator dafür ist, was das eigene Wissen der Mainstream-Medien über die Hisbollah angeht, dann sind wir vorerst von einer Welle ungenauer und revisionistischer Geschichtsschreibung verschont geblieben. Reporterin Alyssa Fetini beschreibt die Hisbollah so:

Ursprünglich eine unbedeutende Guerillaeinheit im Südlibanon, die aus dem Widerstand gegen die israelischer Invasion in den 1980-er Jahren entstand….

In Wahrheit wurde die Hisbollah von den iranischen Revolutionsgarden gegründet, um als Brückenkopf für die in Teheran regierenden Mullahs zu dienen, bald aber zu einem gewissen Grad von den syrischen Oberherren vereinnahmt. Als Heranwachsender wurde der libanesische Journalist Hussain Abdul-Hussain Zeuge der Hisbollah-Etablierung 1982 in Baalbek:

Das war von Anfang an als Islamische Republik konzipiert. Der Hisbollah-Slogan in jener Zeit beschwor die “ islamische Revolution im Libanon.“ Aber das syrische Regime hielt einen Großteil des Libanon unter seiner Kontrolle, darunter auch Baalbek, und betrachtete die iranische Saat in seinem Hinterhof mit Argwohn. In der Folge stachelte Syrien die ihr ergebene Schiitenmiliz Amal zu Kämpfen gegen die Hisbollah an. Diese zog sich bis zum Ende des libanesischen Bürgerkrieges 1990 hin, als der Iran und Syrien ein Abkommen über die (zukünftige) Rolle der Partei erzielten: Die Hisbollah sollte ihre Waffen behalten dürfen, ihre Rolle jedoch auf den ’Widerstand’ beschränkt werden.“

Die Hisbollah entwickelte danach zu einem gemeinsamen iranisch-syrischen Joint Venture und änderte ihren Slogan um in „Der islamische Widerstand im Libanon“ Sie fasste nun Fuß in den politischen Strukturen des Libanon. Später sollte sie zu einem parlamentarischen Block heranwachsen und in allen nationalen Fragen mitsprechen.

Ihre Geschichte ist umgeschrieben worden. Heute gehen die meisten Akademiker davon aus, dass die Hisbollah 1985 in Beirut als Widerstandsbewegung gegen die israelische Besatzung des Südlibanon gegründet worden war. Tatsächlich jedoch wurde die Hisbollah 1982 in Baalbek als Kern einer angestrebten islamischen Republik gegründet.

Abdul-Hussains Artikel können Sie vollständig hier lesen. [In Englisch]

Die Nachricht von der Niederlage der March 8 Coalition stimmt freudig, aber der Stillstand im Libanon wird wahrscheinlich anhalten. Leider wird auch die Herangehensweise der Mainstream-Medien an die Geschichte der Hisbollah so weitergehen wie bisher.

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Israel eine „Katastrophe“ für die Christen in Nahost?

11. Mai 2009

HonestReporting Media BackSpin, 11. Mai 2009

Reporter Andrew Lee Butters behauptet, dass Israel für die Christen in Nahost eine Katastrophe darstelle. Im Nahost-Blog des TIME Magazine schreibt er:

Und während die Unterstützung für die moderne Wiedererweckung des antiken biblischen Volkes unter vielen Christen in Amerika und Europa tief verankert war geriet die Gründung Israels zur Katastrophe für die Christen in Nahost. Viele der palästinensischen Flüchtlinge, die 1948 aus ihren Häusern geflohen waren oder zur Flucht gezwungen – ohne die Erlaubnis, zurückkehren zu können – waren Christen. Die Flut palästinensischer Flüchtlinge in den Libanon führte dazu, dass es dort zwischen Christen und Muslimen zum Bürgerkrieg kam. Und die andauernde Besetzung der West Bank erstickt das Leben jener christlichen Gemeinden, die dort ausgeharrt haben. Ein vor einer Woche veröffentlichter UN-Bericht besagt, dass die palästinensische Stadt Bethlehem in der Westbank, Geburtsstätte Jesu und einer der Hauptorte der Papstvisite, nun fast vollständig von Israel kontrolliert wird.

Und in einem weiteren Artikel bringt er einen zusätzlichen Aspekt ins Spiel, der nochmals aufhorchen lässt:

Diese Kultur der Toleranz ist heute wegen des zunehmenden religiösen Extremismus bedroht. Doch Clash-of-Civilizations-Experten und westliche Führungspersonen wie der Papst übersehen oft, wie der Westen mithalf, solche Intoleranz zu entfachen, besonders durch seine einseitige Unterstützung Israels.

Folgendes ist zu beachten:

* Die größte Katastrophe für die Christen in Nahost ist nicht die Staatsgründung Israels, sondern die Unterdrückung der christlichen Minoritäten in streng religiösen Staaten  wie Iran und Saudi-Arabien und teilweise säkularen Staaten wie dem Irak unter Saddam Hussein.

* Die Flucht der Araber 1948 aus Israel hat nichts mit dem Christentum zu tun. Viele Menschen, die wirklich flohen, fürchteten, zwischen die Fronten zu geraten, während die Mehrzahl wiederum den Versprechen der arabischen Führer glaubte, dass ihre Dislokation nur vorübergehender Natur sei. Es war genauso wenig eine „Flucht der Christen“ wie eine „Flucht der Muslime“ (auch wenn die Mehrheit der Flüchtlinge Muslime war) oder eine „Flucht der Rechtshänder“ (auch wenn die Mehrheit der Flüchtlinge Rechtshänder war).

*Die Christen genießen in Israel mehr Freiheit für die Ausübung ihrer Gottesdienste als in der PA oder in irgendeinem anderen Staat in Nahost.

* Das Einzige, was das Leben in den christlichen Gemeinden in der West Bank und Gaza „erstickt“, ist der islamische Fundamentalismus, der sich der palästinensische Sache bemächtigt hat, sowie die korrupte Gleichgültigkeit der Fatah.

* Was die „einseitige Unterstützung Israels“ durch den Westen betrifft – Sie können sicher sein, dass an dem Tag, nachdem Israel einem endgültigen Friedensschluss zugestimmt hat, der Butters Beifall findet, der islamische Extremismus und die sektiererische Gewalt der Araber in der Region fortbestehen werden.

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Vorrang der Iranpolitik: Täuschung und Siedlungen

26. April 2009

HonestReporting Media BackSpin, 26. April 2009

Roger Cohen spielt israelische Ängste vor einem Iran mit Nuklearwaffen herunter, Walt Rodgers bezeichnet Mahmoud Ahmadinejads Atomambitionen als Bombastik und der Economist unterstellt, dass Israels vorrangig am Iran ausgerichtete Politik ein Ablenkungsmanöver sei, um nicht mit den Palästinensern verhandeln zu müssen.

Doch Joe Klein vom Time Magazine geht noch weiter:

Aber es scheint offensichtlich, dass die wilde Übertreibung der Netanyahu-Regierung bezüglich der iranischen Drohung und ihre Verknüpfung mit dem Fortschritt in der palästinensischen Frage eine Täuschung darstellt, um den weiteren Ausbau der israelischen Siedlungen auf palästinensischem Land in der Westbank voranzutreiben, was letztlich eine Zweistaatenlösung verhinderte.

Im Vergleich dazu war ich vom zurückhaltenden und respektvollen Kommentar in der Baltimore Sun beeindruckt.

Benjamin Netanyahu wird Washington vermutlich im Juni besuchen. Ich kann mir ausmalen, wie das Pressekorps des Weißen Hauses ihn mit Fackeln und Heugabeln empfängt.

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