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Konkurrierende Denkansätze zu wachsender Gewaltbereitschaft

24. März 2011

HonestReporting Media BackSpin, 24. März 2011

Diese beiden Analysen über zunehmende Gewalt könnten gegensätzlicher nicht ausfallen. Welcher soll man zustimmen?

Reuters?

Es gibt keinen offensichtlichen Zusammenhang zwischen der plötzlichen Gewaltzunahme und den Revolutionen in Tunesien, Ägypten, Jemen und Bahrain oder dem Bürgerkrieg der westlichen Intervention in Libyen.

Westliche Diplomaten sagten am Mittwoch, sie wären nicht in der Lage, mit Sicherheit einen ganz bestimmten auslösenden Faktor herauszustellen.

Oder die Daily Telegraph?

Aus Angst davor, von den Volksaufständen, die die Region überrollen, erfasst zu werden, versucht die Hamas, den Zorn ihrer Leute auf einen gemeinsamen Feind zu lenken: Israel.

Leider zieht die Hamas den Krieg mit Israel einer Versöhnung unter den Palästinensern vor.

Nach der Lektüre dieses Textes bei The Media Line muss ich mich über die Leser wundern, die Reuters Quellen so überbewerten:

Update 1: Dennoch führen die meisten Analysten die sich häufenden Anschläge aus dem Gazastreifen eher auf innerpalästinensische Politik statt auf überregionale Strömungen oder Enttäuschung über den Friedensprozess zurück. In den vergangenen Wochen waren sowohl die islamistische Hamas als auch ihre Rivalin Fatah schwer unter Druck gesetzt worden, ihre Spaltung zu beenden….

Update 2: Benny Avni sieht es auch so: Hamas is killing its way out of a political mess.

Analysen analysieren

4. November 2010

HonestReporting Media BackSpin, 4. November 2010

Ich habe eben die Einschätzungen von The Media Line und Newsweek zur Bedeutung der US-Wahlen für Israel und den Friedensprozess zu Ende gelesen.

Für eine oberflächliche Durchsicht eignet sich die Irish Times: die einzige Person, die Michael Jansen für zitierenswert hält, ist Juan Cole….

Todesstrafe für “Journalisten“-Mörder

27. Mai 2009

HonestReporting Media BackSpin, 27. Mai 2009

APP berichtet, dass drei ehemalige Sicherheitskräfte der Fatah schuldig gesprochen wurden, 2007 im Gazastreifen zwei palästinensische Journalisten ermordet zu haben. Aber so eindeutig ist der Fall nicht.

Die Angeklagten Shadi Madhoun, Read Magossi und Shadi Ahmad wurden von einem Militärgericht der Hamas überführt und zum Tode verurteilt.

Sie hatten Suleiman Ashi und Mohamed Abdo ermordet, die beide für Felesteen gearbeitet hatten – eine Zeitung, die als Sprachrohr der Hamas dient. Ashi war für den Wirtschaftsteil des Blattes zuständig, Abdo als Geschäftsführer.

Das wirft einige Fragen auf.

Sollte jemand, der für ein Terroristenblatt arbeitet, Journalist genannt werden?

Zum Beispiel stuft das Committee to Protect Journalists Ashi und Abdo als Journalisten ein. Da bin ich anderer Meinung. Wie die Washington Times einmal unterstrich ist „Jede Organisation, die von einer Terrorgruppe geführt wird – ob sie sich als Wohltätigkeitseinrichtung, Wirtschafts- oder Medienunternehmen ausgibt – ebenso schuldig wie die Terrorgruppe selbst“. Das heißt nicht, dass ihre enge Beziehung zur Hamas den Mord weniger schlimm macht. Aber sie als Journalisten zu bezeichnen ist mehr als fragwürdig.

Werden Menschenrechtsgruppen und Journalistenverbände deutlich hörbar die Todesstrafe verurteilen?

Rechnen Sie besser nicht damit. Jede Kritik wird bestenfalls gedämpft geäußert.

The Media Line liefert ausführliche Informationen zum Fall.

Wird die Hinrichtung der Hamas weitere PR-Punkte bringen, was die Einführung von Law and Order in Gaza betrifft?

Zweifel sind angebracht. Die Gazaner wissen, dass die Hinrichtung politisch motiviert ist und Journalisten sich deshalb keinesfalls sicherer fühlen können.

Eher werden die noch nicht terminierten Hinrichtungen zusätzlich die proislamistischen „Journalisten“ einschüchtern, die Lizenzgebühren entrichten und Medienausweise von der Hamas bekommen haben. Die Medien in Gaza begreifen, dass Widerstand nicht steuerfrei ist. Und die Hinrichtung gibt der Hamas die Möglichkeit, ihre Muskeln spielen zu lassen.

Können Madhoun, Magossi und Ahmad als politische Gefangene bezeichnet werden?

Sie töteten zwei Männer, also wäre jeder Versuch weit hergeholt, in ihnen mehr als Mörder zu sehen. Um für die drei Fatah-Männer Mitgefühl zu entwickeln müsste man davon ausgehen, dass die Tötung der „Journalisten“ ein legitimer Widerstandsakt war. Nun gibt es für NGOs und Journalistenverbände ein schlagendes Argument.

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