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Israelische Bauhaus-Architektur: Globaler Stil mit lokalem Aspekt

20. Januar 2022

Lexie Herman, HonestReporting, 13. Juli 2021

Das 20. Jahrhundert erlebte das Aufkommen einer großen Bandbreite an Künstlerbewegungen, die von kleinen und lokalen zu breiten und internationalen reichte. Allerdings hatten nur wenigeso einen bedeutenden und dauerhaften Einfluss auf die Kunst wie das Bauhaus. Heute ist der Einfluss des Bauhauses überall in der Welt zu sehen, wobei die größte Sammlung von Bauhaus-Architektur sich im Zentrum von Tel Aviv in Israel befindet.

Was ist Bauhaus

Bauhaus entstand als deutsche Kunstschule, wurde von Walter Gropius 1919 im Versuch gegründet alle Kunstzweige unter einem Dach zusammenzubringen. Die Schule lehrte eine große Bandbreite an Techniken, einschließlich (aber nicht begrenzt auf) Architektur, Buchbinderei, Grafik und Werbung, Malerei, Metallbearbeitung, Möbeldesign, Skulpturen, Keramik und Fotografie.

Die Bauhaus-Schule gewann schnell internationale Anerkennung für ihre einzigartige Ästhetik. Der Ansatz legt besonderen Wert auf Funktionalität, ausgewogene und abstrakte Formen und verzichtet auf Ornamentik. Die charakteristischen Qualitäten des Bauhaus sind als im „internationalen Stil“ beschrieben worden, da es stark den Kurs moderner und zeitgenössischer Kunst aus aller Welt beeinflusste.

Die Schule entstand in Weimar, aber im Verlauf der Zeit tauchten zwei weitere Standorte in Dessau und Berlin auf. Obwohl jede Kunstform für die Schule von gleicher Wichtigkeit war, wurde besonders Dessau für seine Konzentration auf die Architektur berühmt.

Trotz der Tatsache, dass Gropius zahlreiche Gebäude entwarf, bevor die Bauhaus-Schule begann, wurde die Architektur-Abteilung erst 1927 unter der Leitung von Hannes Meyer eröffnet. Hier bildete Meyer eine Generation weltberühmter Architekten aus, womit er einen internationalen Architekturstil ankurbelte.

Der Einfluss von Meyers Lehren erreichte den gesamten Globus, aber er fällt besonders in Tel Avivs „Weißer Stadt“ auf.

Bauhaus in Israel

Im Verlauf ihrer Entwicklung sollte die Bauhaus-Schule bestimmte politische Ideale einbeziehen und von ihnen geleitet werden. Die Mehrheit der Bauhaus-Künstler nahmen sozialistische und kommunistische Überzeugungen an. Hinzu kam, dass viele Studenten und Dozenten Juden waren.

Daher wurde die Schule, als 1933 die Nazi-Partei an die Macht kam, zwangsaufgelöst, was tausende Künstler zwang Deutschland zu verlassen. Unter diesen war eine Gruppe, die ins Mandat Palästina floh, wo ihre Mitglieder umsetzen sollten, was sie in Europa gelernt hatten.

Obwohl Tel Aviv 1909 gegründet wurde, wurde es erst etwa ein Jahrzehnt später zu einem urbanen Zentrum – während der britischen Herrschaft. 1925 beauftragte die Stadt Tel Aviv Sir Patrick Geddes aus England mit der Planung eines Entwurfs der Stadt. Seine urbane Vision wies große grüne Räume und starke Betonung von Transportwegen auf.

Aber nachdem die Nazi-Besatzung in Deutschland und Österreich zehntausende Juden zwang zu fliehen, nahm die Bevölkerung von Tel Aviv in einem Tempo zu, das Geddes nicht vorhergesehen hatte. Dieser plötzliche Zustrom versetzte den von Bauhaus ausgebildeten Architekten einen starken Schub; sie führten die Erschaffung der „Weißen Stadt“ an, die weiter als geschäftiges Zentrum Tel Avivs dienen sollte.

Bemerkenswerte Bauhaus-Persönlichkeiten

Abgesehen von Walter Gropius und Hannes Meyer hatten die Studenten die Gelegenheit von weltberühmten Künstlern zu lernen.

Kandinsky, Violett, 1923

Zu diesen Berühmtheiten gehörte Wassily Kandinsky, einer der bekanntesten Namen in der modernen Kunstsphäre. Vor der Gründung der Bauhaus-Schule gründete Kandinsky bekanntlich Der blaue Reiter – die Gruppe, die die deutsche Expressionismus-Bewegung verkörperte.

Mit führenden Lehrern wie Kandinsky strebten Studenten aus aller Welt danach von den Meistern der Bauhaus-Schule zu lernen.

Der wohl bedeutendste israelische Bauhaus-Student war Arieh Sharon. Besonders von der Anwendung der Architektur angezogen, schrieb sich Sharon 1926 in die Bauhaus-Schule in Dessau ein. Dort arbeitete er direkt mit Meyer, der ihn irgendwann Vollzeit für sein Berliner Büro anstellte.

Sharons Laufbahn in Deutschland war von kurzer Dauer; bis 1931 war er nach Tel Aviv gezogen und eröffnete sein eigenes Architekturbüro. Seine Kollegen, besonders Genia Averbuch und Ze’ev Rechter, halfen ihm bei der Erstellung der Gebäude für Tel Aviv, was letztlich zum Ergebnis hatte, dass die Stadt 2003 von der UNESCO zur Weltkulturerbestätte ernannt wurde.

Tel Avivs Bauhaus-Zentrum heute

Mit Arieh Sharons Masterplan für Tel Aviv bauten israelische Bauhaus-Architekten von1920 bis 1940 mehr als 4.000 Gebäude, deren Mehrzahl gut erhalten ist. Obwohl jedes Gebäude in seinem eigenen Stil geschaffen wurde, weisen sie alle typischen Elemente der Moderne auf, insbesondere unverzierte Oberflächen, Flachdächer und Außenbereiche.

Wegen der großen Zahl an Mitwirkenden an Tel Avivs Architektur ist die Stadt eine ausgezeichnete Repräsentation der großen Bandbreite künstlerischer Trends, die vom Bauhaus inspiriert wurden. Tel Avivs charakteristische Kultur und Atmosphäre sind offensichtlich. Insbesondere die „Weiße Stadt“ demonstriert die Umsetzung eines europäischen Stils, der verändert wurde, um sich an Tel Avivs mediterranes Klima anzupassen.

Ein solches Gebäude ist Ze’ev Rechters Soskin-Haus. 1933 für den Fotografen Avraham Soskin errichtet, ist das Bauwerk in zwei asymmetrische Flügel geteilt. Der Frontflügel sollte das Heim einer Familie sein und hat ein Flachdach, Fensterreihen und Balkone, die mit horizontalen Lüftungsschlitzen versehen sind. Der hintere, der als Studio genutzt werden sollte, wurde so gestaltet, dass er für Betrachter auf der Straße nicht einsehbar war.

Foto: Jaime Silva/flickr

Die Straße runter befindet sich der Dizengoff-Kreisverkehr, das Herz von Israels Bauhaus-Szene. Der 1938 von Genia Averbuch gestaltete Dizengoff-Kreisverkehr ist der einzige Bauhaus-Platz der Welt. Sein einfaches, aber elegantes Design stimmt mit den umgebenden weißen Gebäuden überein, die alle im Bauhaus-Stil errichtet wurden. Damit wird der Dizengoff-Kreisverkehr trotz seines kräftigen Minimalismus als eine der wichtigsten bestehenden Bauhaus-Konstruktionen betrachtet.

Es gibt in Tel Aviv zwar viele Bauhaus-Bauwerke, aber nur rund die Hälfte davon steht unter Denkmalschutz. In Reaktion darauf wurde 2000 das Bauhaus Center Tel Aviv gegründet, um Bewusstsein für das Bauhaus-Erbe zu fördern und den Erhalt anderer Gebäude sicherzustellen. Zwischen den vom Zentrum zur Verfügung gestellten Ressourcen und der Architektur, die beim einfachen Vorbeigehen zu sehen ist, können Besucher Tel Avivs eine Vorstellung davon bekommen, wie wahrer israelischer Bauhaus-Stil aussieht.

Israel-„Apartheid“: Ein Eigentor

27. März 2011

HonestReporting Media BackSpin, 27. März 2011

Beram Kayal (links)

Gestern Abend sah sich HonestReporting-Chefredakteur Simon Plosker Israels Qualifikationsspiel gegen Lettland zur Fußballeuropameisterschaft an. 11.000 Fans im Bloomfield Stadion von Tel Aviv brachen in Jubel aus, als Beram Kayal in der 81. Minute den Siegtreffer zum 2:1 erzielte. Niemand interessierte, dass Kayal arabischstämmiger Israeli ist. Und niemand kümmerte sich darum, weil dies völlig normal ist in einem Land, in dem arabischstämmige Israelis stolz darauf sind, für die israelische Nationalmannschaft und in der höchsten israelischen Liga zu spielen.

Kayal, der bei Celtic Glasgow in der schottischen Premier League unter Vertrag steht, wurde kürzlich im Guardian portraitiert:

„Beram Kayal ist muslimischer Araber, aber ’ich wuchs in Israel auf’“, erklärt er. ’Ich spiele für die Nationalmannschaft. Manche Leute sagen, ich sei Jude. Nein – ich bin Araber. Manchmal können außenstehende Menschen den größeren Zusammenhang nicht erkennen. Sie fragen sich, wie jüdische und arabische Menschen zusammenleben können. Aber es ist in Ordnung so, ich lebte dort [in Israel] und ich habe es genossen, und komme mit den Menschen dort gut aus.

Ich habe jüdische Freunde, und da ich mich nicht zu sehr mit Politik beschäftigen möchte, spielt es für mich beim Sport keine Rolle, ob ich Jude oder Araber bin. Wenn jemand sagt: ’Beram Kayal ist ein israelischer Spieler’, dann reicht das.“

„Jeder in Israel freut sich für mich. Ich bin ein Araber, der unter den Juden in Israel eine Minderheit darstellt. Die Araber und Juden freuen sich, und die meisten meiner Freunde sind Juden. Ich lebe zusammen mit Juden und ich spiele in der israelischen Mannschaft, die aus Juden besteht.“

Beram Kayal ist auch in Zukunft eine Antwort auf diejenigen, die versuchen, Israel mit einem Apartheidstempel zu versehen.

Reuters scheitert an fehlgeschlagenem Terror

14. Dezember 2010

HonestReporting Media BackSpin, 14. Dezember 2010

Reuters listet einige fehlgeschlagene „militante“ Angriffe innerhalb des abgelaufenen Jahrzehnts auf. Haben Sie Lust, die zwei fehlenden Begriffe zu erraten?

Erstens taucht das Wort „Terror“ an keiner Stelle auf. Keine Überraschung. Nach 9/11 schrieb Stephen Jukes seinem Personal ins Stammbuch:

Wir alle wissen, dass des einen Terrorist der anderen Freiheitskämpfer ist und Reuters an dem Prinzip festhält, nicht das Wort Terrorist zu verwenden….

Auch Freiheitsaktionen Terrorangriffe gegen Israel kann man nicht finden. Zahlen und Fakten können nicht den gesamten Inhalt wiedergeben, und fehlgeschlagene Anschläge haften in unserer Erinnerung nicht so wie jene, die zu unserem Leidwesen „erfolgreich“ waren. Aber Israel war, ist und bleibt in besonderer Weise ein Anschlagsziel.

Der für sich betrachtet am meisten in Erinnerung bleibende fehlgeschlagene Terroranschlag war der Versuch, das Treibstofflager Pi Glilot bei Tel Aviv in die Luft zu jagen. Eine an einem Tanklastzug angebrachte Bombe war durch Fernzündung zur Explosion gebracht worden, aber ein automatisches Sprinklersystem und Arbeiter konnten das Feuer löschen und somit einen gigantischen Feuerball verhindern. Die NY Times schrieb damals:

Yaakov Karp, ein weiterer Fahrer, der damals in unmittelbarer Nähe seinen Truck betankte, berichtete, dass sie zum Glück Diesel statt Normalbenzin aufnahmen, da Diesel leichter zu löschen ist. Angestellte des Depots Pi Glilot sagten zudem aus, man habe viel Glück gehabt, dass die Explosion nicht nahe der oberirdisch angebrachten Kraftstofftanks, die etwa 3.000 Tonnen Kraftstoff fassen, ausgelöst worden war. Eine Explosion dort hätte einen Feuerball erzeugt, der in einem großen Gebiet sämtliches Leben und jegliche Infrastruktur zerstört hätte. Eine Katastrophenübung drei Jahre zuvor an selber Stelle beinhaltete die Evakuierung von 20.000 Menschen im Radius von mehr als einer Meile.

Fehlgeschlagene Terroranschläge geben nur die Unfähigkeit an, Schaden zu verursachen, nicht aber einen Mangel an Absicht. Versuchen Sie einmal, das Reuters zu erklären. Wir alle wissen ja, dass des einen Redakteur der anderen nützlicher Idiot ist.

Tel Aviv und AFP’s billige Synecdoche*

25. März 2010

HonestReporting Media BackSpin, 25. März 2010

*Unter Synecdoche versteht man ein rhetorisches Stilmittel, das einen Teil für das Ganze nimmt oder umgekehrt. Beispiel: „Das Weiße Haus sagte…“ statt die Regierung der Vereinigten Staaten sagte….“ oder: „Die Schweiz hat drei Goldmedaillen gewonnen“ (statt: das Schweizer Skiteam hat drei Goldmedaillen gewonnen).

Üblich für den Synecdoche-Gebrauch unter Journalisten und Bloggern ist beispielsweise der Verweis auf die Hauptstadt eines Landes als dessen Regierung, z.B. „Washington sagte etc…“. Man sollte also davon ausgehen können, dass der Gebrauch dieses Stilmittels eindeutig genug wäre, außer die betreffende Stadt ist nicht Hauptstadt.

Und das wiederum führt uns zu AFP, die das heutige Beispiel für einen absichtlichen Missbrauch des Stilmittels liefert:

Die Verschlechterung der diplomatischen Beziehungen zwischen Großbritannien und Israel tritt zu einem Zeitpunkt ein, wo die historisch engen Bindungen zwischen Israel und den USA wegen Tel Avivs Plänen, neue Siedlungen zu errichten, großen Belastungen ausgesetzt sind.

Man wird mich nicht davon überzeugen können, dass AFP in Wahrheit das Verteidigungsministerium gemeint haben könnte, das sich in Tel Aviv befindet. Alle wichtigen politischen Entscheidungen und diplomatischen Aktivitäten finden in Jerusalem statt. Weiß AFP nichts vom Knesset-Umzug 1949?

Der Gebrauch von „Tel Aviv“ als alternativem Substantiv für „Israels Regierung“ kann nur als Beispiel für den Medienaktivismus gesehen werden, Israels Verbindung zu Jerusalem zu delegitimieren. Oder wie soll man das sonst interpretieren?

Tel Aviv bereitet sich auf die Hundertjahrfeiern vor

18. März 2009

HonestReporting Media BackSpin, 18. März 2009

Die Londoner Times mit einem Beitrag zu Tel Avivs Hundertjahrfeiern, die am 3. April beginnen werden. Beeindruckend, wie weit die Stadt und Israel sich seither entwickelt haben.

Zum Vergrößern bitte auf die Bilder klicken.

Versteigerung der ersten Grundstücke 1909

Die Stadt in ihrer Gründungsphase

Die Bauweise im Stil der Bauhaus-Architektur, welche Tel Avivs „White City“ den Rang eines Weltkulturerbes der UNO einbrachte.


Tel Aviv heute

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Nenne es Hauptstadt

30. März 2008

honestreporting Media BackSpin, 30. März 2008

Tel Aviv diente vorübergehend als Israels Hauptstadt, bis die Knesset 1949 nach Jerusalem umzog. Diese Erkenntnis scheint sich in Schottland am Sonntag nicht herumgesprochen zu haben:

Abbas attackiert Tel Aviv und drängt bei den Arabern darauf, dass sie Friedenstruppen entsenden.

Dazu passend: Wo befindet sich Israels Hauptstadt?