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Ungewöhnliche Berichtigung des Boston Globe

15. Juni 2010

HonestReporting Media BackSpin, 15. Juni 2010

Bemerkenswertes Eingeständnis: Der Boston Globe gibt zu, dass er einem Irrtum aufsaß, als er den Freelancer Michael Corcoran mit der Berichterstattung über eine Rede des israelischen Botschafters Michel Oren vor Hochschulabsolventen an der Brandeis University beauftragte.

Die Reportage vom 24. Mai über Proteste bei der Rede Orens an der Hochschule wurde von einem nebenberuflich tätigen Korrespondenten verfasst, der verschwieg, dass er vorher schon mit privaten Beiträgen im Internet die Politik Israels gegenüber den Palästinensern angegriffen hatte. Globe-Redakteure stießen auf diese Blog-Postings anlässlich einer internen Bewertung der Brandeis-Reportage. Das Schweigen des Korrespondenten zu diesem Konflikt hat die Globe-Grundsätze verletzt und er hätte für die Berichterstattung über dieses Ereignis nicht berücksichtigt werden dürfen. Seine Reportage ließ substanzielle Anmerkungen aus, die von Michael Oren, Israels Botschafter in den USA, gemacht worden waren, und er gab keinen Hinweis auf eine Internet-Petition, die Orens Auftritt unterstützte.

Corcorans Originalbericht zur Rede kann hier nachgelesen werden.

Aber ein Blick in die persönlichen Postings, die von Globe beanstandet worden waren, ist gar nicht so einfach. Corcorans Blog ist nur noch geladenen Gästen zugänglich. Und Solomonia weist zudem darauf hin, dass Corcoran auch seine Twitter Feeds bereinigt hat.

Also warum macht Corcoran sich diese ganze Mühe?

Abgesehen von seinem Verschweigen eines persönlichen Interessenkonflikts muss ich mich dennoch über den Globe wundern:

Wie konnte eine Geschichte über eine Rede, von der nicht einmal Zitate berücksichtigt worden waren, grünes Licht von den Redakteuren und Korrektoren erhalten?

Drei wichtige Unterschiede zwischen Paul Martin und Alan Johnston

15. Februar 2010

HonestReporting Media BackSpin, 15. Februar 2010

Der britische Journalist Paul Martin wurde von der Hamas inhaftiert, nachdem er bei einer Gerichtsverhandlung gegen ein Mitglied der Abu Rish Brigaden aufkreuzte, das der Spionage für Israel beschuldigt worden war.

AP zufolge kam Martin, um Unterstützung zu zeigen, weil er den Angeklagten wenige Wochen vorher interviewt hatte. Ich nahm zuerst an, dass Martin ein ausgeflippter linker Filmemacher war, aber die Times of London berichtete mehr über seinen beruflichen Background. Es stellt sich auch heraus, (via Solomonia) dass Martin von der Hamas schon vorher einmal eingebuchtet wurde.

Martins Fall lässt sich nicht mit der Entführung des BBC-Journalisten Alan Johnston im Jahr 2007 vergleichen.

1. Johnston wurde von einer undurchsichtig agierenden Gruppe entführt, die sich selbst Armee des Islam nennt und der Hamas eine gewisse Glaubwürdigkeit bei deren Bestreitbarkeit der Tat verlieh. Martin wurde von der Hamas-Polizei nach Anweisung eines Hamas-Richters eingebuchtet.

2. Johnston war ein weithin bekannter Reporter, der für eines der weltgrößten Nachrichtenmedien arbeitete. Die BBC stellte sich geschlossen hinter Johnston und hielt den Druck auf die Islamisten aufrecht. Martin ist ein weniger bekannter Miteigentümer einer Firma, die Videomaterial an Nachrichtenorganisationen liefert. Das Unternehmen, World News & Features, wird kaum Druck auf die Hamas ausüben können.

3. Johnston wurde zu einem Zeitpunkt entführt, als die Hamas noch dabei war, ihre Macht in Gaza auszubauen. Martin wurde von einer de facto-Regierung eingesperrt, die keine Anstalten machen wird, ihre „Herrschaft“ über Gaza zu teilen.

Das Ziel einer baldigen Freilassung Martins ohne eine geforderte Anerkennung der Hamas wird zu einer heiklen Angelegenheit. Wird das britische Außenministerium das hinbekommen?

Selbstverständlich muss Martins Situation auch im Kontext mit Fragen zur Pressefreiheit in Gaza und in der West Bank gesehen werden, über die ich letzte Woche gebloggt hatte. In jenen Fällen waren die Probleme auf palästinensische Journalisten begrenzt. Martins Inhaftierung ist ein deutliches Signal dafür, dass auch die Auslandskorrespondenten ihren Bewegungsspielraum verlieren.

Anknüpfend an Lorenzo Cremonesi

17. März 2009

HonestReporting Media BackSpin, 17. März 2009

Maariv interviewte Lorenzo Cremonesi, den italienischen Reporter, der zuerst über die aufgeblasenen Verlustzahlen in Gaza berichtet hatte. Schauen Sie bei Solomonia nach, der die Übersetzung von Contentious Centrist bewerkstelligte:

„Nachdem die letzten Journalisten im Gazastreifen eingetroffen waren, dachte ich, dass sie sehr sauer auf mich waren,“ sagte er. Sie fragten mich: „Warum arbeitest du für die Israelis? Was sie störte war nicht die Qualität meiner Informationen, die ich hatte. Ich hatte das Gefühl, dass ihr Zorn und ihr Streben, das palästinensische Leiden hervorzuheben, durch die Tatsache befeuert wurde, dass sie nicht [in den Gazastreifen] reinkommen konnten.“

Im Januar hatte Cremonesi berichtet, dass es nicht mehr als 500 oder 600 palästinensische Todesopfer gegeben habe und dass er gesehen habe, im gesamten Gazastreifen seien viele Krankenhäuser leer gewesen. Die Palästinenser behaupten, es hätte mehr als 1.000 Todesfälle gegeben. Professor Richard Landes gab eine englische Übersetzung des ursprünglich italienischen Berichtes heraus.

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Folter in der Westbank – nicht Israels Schuld

3. Februar 2009

HonestReporting Media BackSpin, 3. Februar 2009

Ich bin erstaunt, dass The Mail on Sunday Menschenrechtsverletzungen in der Westbank untersuchte.

Und noch mehr überrascht es mich, dass nicht Israel dafür beschuldigt wird. Es kommt unglaublich selten vor, dass die westliche Presse sich eingehend mit Folter in der PA befasst.

(Hat tip: Solomonia)

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Leseempfehlungen

25. Juni 2008

honestreporting Media Backspin, 25. Juni 2008

Der Westen muss Teheran schärfer attackieren. Kompliment an Kolumnist Jonathan Freedland (Ja, tatsächlich vom Guardian!), der Israels Angst vor einem nuklear bewaffneten Iran deutlich anspricht.

Israel als Speerspitze der Zivilisation. Must-Read-Impressionen von John David Lewis’ Besuch in Israel. (Via Solomonia)

Überraschung aus Syrien und Israel. David Ignatius zu allen Gesichtspunkten der letzten Friedenbemühungen.

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