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Sunday Times wegen beleidigender Karikaturen: Öffentliche Entschuldigung

4. Februar 2013

HonestReporting Media BackSpin, 4. Februar 2013

Die von Gerald Scarfe am Holocaust-Gedenktag veröffentlichte Karikatur in der Sunday Times löste eine Welle nahezu beispielloser Empörung aus. HonestReporting(HR) äußerte sich dazu, zusammen mit vielen anderen Organisationen und Einzelpersonen. Die hier dargestellte Abbildung war nur eine von uns gegebene Antwort.

In The Algemeiner erschien ein Gastkommentar von HR-Chefredakteur Simon Plosker, in dem wir folgende Frage stellten:

Was aber wäre passiert, hätte man diese gleiche Karikatur, die eine verzerrende Karikatur des israelischen Premiers Netanyahu zeigte, wie er eine Mauer baute und dabei Blut von zerquetschten Palästinensern als Mörtel verwendete, an einem anderen Tag als dem internationaler Holocaust-Gedenktag veröffentlicht?

Fairerweise muss man der Sunday Times attestieren, dass sie jedem Leser, der sich bei ihr beschwerte, eine E-Mail geschrieben hatte und eine Entschuldigung veröffentlichte. Da diese nur über eine Pay Wall (zahlungspflichtiger Zugang [bd])abrufbar ist, geben wir sie hier wieder:

Letzte Woche veröffentlichten wir, wie fast  jede Woche seit 1967, eine Karikatur von Gerald Scarfe. Seine Arbeiten sind brutal und blutrünstig intendiert, und seine Meinungen geben nur die eigenen wieder, nicht die dieser Zeitung. Die Sunday Times hat die legitimen Sicherheitsinteressen des Staates Israel immer berücksichtigt und darüber auch berichtet.

Es ist eine Sache, eine politische Führungsperson zu attackieren und zu karikieren – und es ist durchaus legitim, politische Führungspersonen in Israel ebenso zu attackieren wie jede andere Person sonst. Aber es ist etwas anderes, in einer Karikatur – selbst ungewollt* – eine historische Ikonographie zu reflektieren, die Verfolgungscharakter hat oder antisemitisch ist.

Das Bild, das wir vom israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu zeichneten, und ihn dabei zeigte, wie er sich am Blut der Palästinenser zu weiden schien, hat eine rote Linie überschritten. Die Abbildung wäre an jedem x-beliebigen Tag ein Fehler** gewesen, aber die Tatsache, dass letzten Sonntag Holocaust-Gedenktag war, machte den Fehltritt noch schlimmer.

Wir sind uns dessen bewusst, dass wir für eine gravierende Beleidigung mitverantwortlich sind, wenn auch unbeabsichtigt***, die von einem Tag ablenkten, der eines der Übel der Menschheitsgeschichte markiert.

Die Sunday Times verabscheut Antisemitismus und Rassismus jeglicher Art, und wir würden niemals beabsichtigen, das jüdische Volk zu beleidigen – oder irgendeine andere ethnische oder religiöse Gruppe. Die Veröffentlichung der Karikatur in der letzten Woche war ein sehr schwerer Fehler.

Wir entschuldigen uns ohne Wenn und Aber.

Natürlich hoffen wir, dass man daraus gelernt hat – nicht nur bei der Sunday Times und bei den anderen großen Medien. Dieses Ergebnis zeigt unbestreitbar, dass, wenn sich genügend Menschen einschalten, ein Beispiel wie das von HonestReporting ein positives Ergebnis zeitigen kann.

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Nachtrag Medien Backspin:

Für mich (bd) wirkt die Entschuldigung der Sunday Times dennoch halbherzig.

Warum die euphemistische Umschreibung „Fehler“ statt „Unverschämtheit“ oder „Niedertracht“, was eigentlich angebracht gewesen wäre?

*Der Terminus “unbeabsichtigt“ kann meines Erachtens nicht zufriedenstellen, weil er seinerseits schon wieder den Anschein erweckt, es hätte sich um ein Versehen des Karikaturisten gehandelt. Die Zeitung stellt sich hier eigentlich in subtiler Weise hinter den Karikaturisten. Warum kündigte sie ihm (konsequenterweise) nicht die Zusammenarbeit auf, wenn sie nun so „ethisch“ argumentiert?

**Hier wird der Eindruck vermittelt, als sei ein früherer Erscheinungstag der Karikatur nicht so schlimm gewesen. Dem ist aber nicht so!

***Und schon wieder fällt die Bemerkung „unbeabsichtigt“. Und das sicher nicht zufällig. Für mich stellt sich dabei die Frage, ob aus dieser Formulierung nicht die Wertung abgeleitet werden müsste, dass man den Vorfall immer noch herunterspielt, so, als hätten die Sunday Times und der Karikaturist keine ideologischen Schnittmengen. Die Sunday Times hätte niemals eine antisemitische Karikatur geduldet, wenn sie damit nicht selbst ein wenig sympathisiert hätte!

HonestReporting mit drei Medienauftritten in der letzten Woche

21. Januar 2013

HonestReporting Media BackSpin, 21. Januar 2013

Die vergangene Woche war ein Publicity-Ereignis für HonestReporting (HR) in den Medien – mit nicht weniger zwei Gastbeiträgen allein am Donnerstag von HR-Chefredakteur Simon Plosker. Kurz danach hob die Jerusalem Post die NGO HonestReporting lobend hervor wegen ihrer Arbeit und ihrem Ansehen im Ausland.

Ploskers Gastbeitrag in der Times of Israel thematisierte das anfängliche Schweigen der Medien zu antisemitischen Kommentaren von Ägyptens Präsident Mohammed Morsi, bevor er zum Staatspräsidenten gewählt worden war.

Wie können die Medien und letztlich die Öffentlichkeit Meinungsströmungen innerhalb der arabischen Welt richtig einordnen, wenn lediglich über Statements arabischer Politiker berichtet wird, die in englischer Sprache an ein internationales Publikum gerichtet werden? Nur zu oft steht das, was in Arabisch geschrieben oder ausgestrahlt wird, in keinem Verhältnis zu den Verlautbarungen, die speziell für die westlichen Medien gedacht sind.

Ein weiterer Beitrag Ploskers im Commentator enthüllte Trends in der Berichterstattung über Israel als Folge der von den Palästinensern verfolgten Strategie der Low-Level-Gewalt gegen israelische Soldaten und Bewohner in der West Bank.

Schließlich schrieb Jerusalem Post-Kolumnist Barry Shaw über Misserfolge der israelischen Regierung im Bereich Öffentlichkeitsarbeit, und er folgerte, dass unabhängige Organisationen wie HonestReporting dort wesentlich erfolgreicher sind.

Man sehe sich stattdessen private NGO’s an, die gegen die antiisraelischen Delegitimierungs- und Dämonisierungskampagnen kämpfen.

All diese bedeutenden Aktionsgruppen mit ihren jeweiligen Schwerpunkten wurden von Israelis mit englischsprachigem Hintergrund gegründet, weiterentwickelt und extern finanziert.

Darunter befinden sich herausragende Beispiele wie NGO Monitor von Gerald Steinberg, Palestinian Media Watch von Itamar Marcus und HonestReporting von Joe Hyam.

Wir freuen uns auf weitere Medienauftritte in den kommenden Wochen.

Die Wahrheit noch mehr verdrehen: Haaretz und IDF-Untersuchungen bei Soldaten

2. November 2012

HonestReporting Media BackSpin, 2. November 2012

Simon Plosker, Chefredakteur von HonestReporting

Anfang Oktober 2012 brachte Haaretz einen Bericht mit folgender verstörenden Schlagzeile:


Professor Asa Kasher (Abbildung links), israelischer Preisträger und Autor des Code of Ethics der IDF, hätte nach Darstellung von Haaretz den Standpunkt vertreten, dass

…medizinische Experimente an Soldaten wünschenswert und auch gerechtfertigt sind. Kascher erklärte, dass „die Beteiligung von eingezogenen oder Reservedienst leistenden Soldaten an medizinischen Versuchen im militärischen Rahmen zum Zwecke der Schlagkraft oder deren Aktivierung durchgeführt werden muss. Im Fall eines medizinischen Versuchs dürfen nur Gesichtspunkte zur Stärkung der Schlagkraft in Erwägung gezogen werden. Das Ziel eines medizinischen Versuchs muss [allein] dem Wohle der Soldaten dienen.“

Kurze Zeit nach Aufdeckung des unprofessionell und unethischen Stücks Journalismus von Haaretz, das in verfälschender Weise die Ergebnisse einer Umfrage als Beleg für israelische Apartheid uminterpretierte, schrieb Professor Kasher uns (HonestReporting) an, um seine eigenen Erfahrungen mit Haaretz zu schildern:

Vor wenigen Wochen erschien in Haaretz ein „Bericht“ eines gewissen Chaim Levinson, der mir die Behauptung in den Mund legte, dass die IDF Experimente an Soldaten vornehmen würde, wenn es denn zum Wohle des Militärs wäre. Damit zog er sofort die Aufmerksamkeit der Haaretz-Freunde auf sich – auf einer palästinensischen Webseite wurde dies mit einem Foto von Nazi-Medizinern goutiert.

Zunächst wurde dies ohne Rücksprache mit mir veröffentlicht, da Haaretz nicht in der Lage gewesen sei, mich zu kontaktieren, wie sie behaupteten. Das war eine glatte Lüge, da ich, wie üblich, immer leicht zu erreichen gewesen wäre. Ich schickte ihnen eine Richtigstellung zu, die sie nicht veröffentlichten. Nachdem ich protestierte, baten sie mich um eine Stellungnahme und veröffentlichten diese. In meiner Antwort wies ich ihre Behauptungen entschieden zurück und teilte den Lesern mit, dass sie mich bezüglich der Dokumente kontaktieren könnten und selbst nachvollziehen sollten, wie Haaretz lügt. Viele folgten diesem Aufruf und waren schockiert, nachdem sie den riesengroßen Unterschied zwischen [meiner (bd)] Dokumentation und dem „Bericht“ realisierten.

Das Dokument [erhältlich mittels E-Mail-Anfrage an Professor Kasher hier] handelte von einer ethischen Diskussion über medizinische Versuche, die Soldaten miteinschließt. Ich erstellte es auf Antrag eines Bezirksgerichtspräsidenten. Dabei führte ich eine lange Reihe von Bedingungen an, die als Vorraussetzung für medizinische Untersuchungen dienen müssen und den Soldaten ethisch korrektes Verhalten vorschreiben. Die Bedingungen stützen sich auf medizinische Ethik, wissenschaftlich-medizinische Versuche unter ethischen Bedingungen und militärischer Ethik. Mein Dokument listet zahlreiche Voraussetzungen auf.

Der Reporter nahm sich ein Beispiel davon heraus, stellte es verzerrt dar und präsentierte es als Fakt. Ich habe gesagt, dass „zum Wohl des Militärs“ das Wohl der Soldaten in ihrer Individualität betrifft. Und ich erwähnte dies neben den notwendigen Bedingungen. Haaretz stellte dies so dar, als wäre es allein schon ausreichend.

Obwohl mein Dokument seitdem öffentlich einsehbar ist und ich den Bericht zurückgewiesen hatte, haben Haaretz und deren Reporter sich geweigert (Wer ist dort übrigens – nebenbei gesagt – nicht Reporter für medizinische oder militärische Fragen, sondern vielmehr Reporter für Siedlungsthemen…), den Text umzuformulieren und sich selbstverständlich auch nicht entschuldigt.

Im Lichte dieses jüngst offenbarten Verhaltens stellt sich die Frage: „Warum sind wir davon nicht überrascht?“

Raketenbeschuss aus Gaza: Wo bleibt die Berichterstattung?

10. September 2012

HonestReporting Media BackSpin, 10. September 2012

„Wenn in einem Wald ein Baum umfällt und niemand da ist, der es hört, macht es dann ein Geräusch?“

Diese philosophische Frage könnte man auch auf das Verhalten der Medien anwenden, oder auf deren Desinteresse, was eine Berichterstattung über den Raketenbeschuss aus Gaza auf israelische Bevölkerungszentren betrifft.

Während des Wochenendes:

• Samstagnacht und am frühen Sonntagmorgen gingen drei Grad-Raketen in Südisrael nieder, was die Bürgermeister von Beersheba und Ashdod veranlasste, am Sonntag die örtlichen Schulen zu schließen.
• Drei Menschen wurden verletzt, als sie Schutz vor den Bomben suchten, vier weitere wurden wegen Schockzuständen medizinisch betreut.
• Ein Haus in Netivot wurde stark beschädigt, aber ein Bewohner, der sich zum Zeitpunkt des Beschusses im Haus aufgehalten hatte, wurde glücklicherweise nicht verletzt.

Wenn man nicht Israeli ist oder nicht regelmäßig die israelische Presse verfolgt, tendiert die Wahrscheinlichkeit, dass man über die Vorfälle vom Wochenende hört, gegen Null. Obwohl die internationalen Medien anwesend waren, um den Baum im Wald fallen zu hören, gab es keinen Laut, da keine der großen Medien es für nötig erachtete, darüber zu berichten.

Den vollständigen Beitrag von HonestReporting-Chefredakteur Simon Plosker können Sie hier lesen (In Englisch).

Hat die BBC selbst für die Enthüllung ihrer gefälschten Nahostberichterstattung gesorgt?

30. Juni 2012

HonestReporting Media BackSpin, 30. Juni 2012

Ich bezweifle, dass wir jemals herausfinden werden, wie der vertuschte Balen-Report die Berichterstattung der BBC zum israelisch-palästinensischen Konflikt beurteilt hatte. Der Mortimer-Report jedoch – Edward Mortimers Beurteilung der BBC-Berichterstattung zum arabischen Frühling – könnte [indirekt (bd)] für mehr Erhellung in dieser Angelegenheit sorgen.

Unter Zuhilfenahme des Mortimer-Reports unternimmt Simon Plosker den Versuch, zu klären, was Balen gesagt haben könnte. Plosker fasst dies im Commentator so zusammen:

In diesem Israel-zentrierten Universum der BBC werden deren durchschnittliche Konsumenten fälschlicherweise zu der Annahme verleitet, dass Israel die Ursache aller Instabilität im Nahen Osten sei und der einzige Konfliktherd in der Region. Während die arabischen Bevölkerungen unter der Last brutaler Regime leiden, werden alle Ereignisse in Israel zu internationalen Nachrichten der BBC hochgespielt.

Wir werden vielleicht niemals erfahren, welche Schlussfolgerungen Malcolm Balen im Jahr 2004 gezogen hatte. Aber wenn die BBC bereit war, den Mortimer-Bericht herauszugeben, und wenn dieser Bericht Fehler in der Berichterstattung der BBC zu Nahost gefunden hat, dann kann man darauf wetten, dass Balen etwas gefunden hatte, was noch viel schlimmer und bösartiger war.

Vollständiger Kommentar [In Englisch].

The Guardian: Bekennender Israel-Hasser

12. Juni 2012

HonestReporting Media BackSpin, 12. Juni 2012

In Summe brachten die im Jahr 2011 im Guardian veröffentlichten Nachrichten und Kommentare der Zeitung den Dishonest Reporting Award ein. Das britische Blatt hat seinen Vorsprung für eine wiederholte Nominierung in diesem Jahr ausgebaut – und wir schreiben erst Juni.

Wie sehr doch der Guardian verkommen ist! Sein Live-Blog zu Gaza kommt mit einem Beitrag von Nader Elkhuzun daher. Problematisch ist nicht so sehr die im Post dargebrachte Huldigung für die Hamas (weil logisch und voraussehbar, [bd]), sondern die Akzeptanz des Blattes für einen Mann, der, wie bei Harry’s Place nachzulesen ist, offen dazu aufrief, „einen Zionisten zu ermorden“ und in poetischer Manier ein „Blutbad“ beschwor.

Elkhuzundar befindet sich beim Guardian in bester Gesellschaft. Das Gaza-Paket enthielt einen Gastkommentar von Ismail Hanija, dem Hamas-Platzhirsch in Gaza.

Das also sind die durchgeknallten Typen, denen der Guardian Legitimität verleiht, indem er ihnen eine Plattform gibt. All dies ist von enormer Bedeutung, weil der Guardian eine der meistgelesenen Online-Zeitungen weltweit ist und starken Einfluss auf die einflussreichste britische Intelligenz ausübt: Politiker, Journalisten und Akademiker.

Unschwer nachzuvollziehen, dass der Gaza-Live-Blog der sprichwörtlich überlaufende Tropfen ist, der die Haltung von Medien-Watchdogs gegenüber dem Guardian bestimmt. HonestReporting-Redakteur Simon Plosker äußerte in einem Gastbeitrag für Times of Israel ungewöhnlich scharfe Kritik an dem Blatt. Nachdem er ein Beispiel nach dem anderen angeführt hatte, zog Plosker folgendes Resümee:

Obwohl ich während meiner Arbeit für HonestReporting im Laufe der Jahre viele unangenehme Dinge in den Medien wahrnehmen musste, achtete ich immer darauf, auf Nummer Sicher zu gehen, bevor ich irgendwelche Medien als erklärte Feinde Israels kritisierte.

Der Guardian jedoch verdient, als moderne Ausgabe des „Der Stürmer“ bezeichnet zu werden.

BBC oder Norman Finkelstein: Wer ist mehr verabscheuungswürdig?

13. Mai 2012

HonestReporting Media BackSpin, 13. Mai 2012

Schon die einleitende Erklärung zur BBC-Sendung Hardtalk (auf YouTube abrufbar) offenbart die Agenda hinter dem Interview mit dem israelfeindlichen Professor Norman Finkelstein:

Amerikanische Präsidenten sind oft dafür kritisiert worden, weil sie zu lange in Knechtschaft der jüdischen Lobby gehalten wurden. Diese amerikanischen Juden üben Einfluss auf die US-Außenpolitik aus, und das erklärt Amerikas unerschütterliche Unterstützung für Israel.

Beachten Sie die Verwendung des Begriffs „Jüdische Lobby“ – nicht die „Israel-Lobby“, wie vor allem formuliert von Walt und Mearsheimer in ihrer unhaltbaren These. Worauf stützt die BBC also ihr Statement? Kritik dieser Art an amerikanischen Präsidenten kommt aus einer ganz bestimmten antiisraelischen Ecke und ist sicherlich kein allgemein akzeptiertes Mantra.

Darüber hinaus geht die BBC von der Prämisse aus, dass pro-israelische Aktivitäten in den USA ein jüdisches Alleinstellungsmerkmal wären, und man vergisst dabei geflissentlich, dass Millionen amerikanischer Christen Israel unterstützen, ganz abgesehen von einem hohen Maß an Rückhalt für Israel unter den Amerikanern generell.

Nach Art eines subtilen sprachlichen Verwirrspiels geriet die tatsächliche Phrase des BBC-Interviewers in der Sendung zu dem Satz „Die amerikanischen Juden manipulieren die US-Außenpolitik“ und nicht, „dass“ es so [eventuell gewesen] sein könnte. Dabei suggerierte sie [die Phrase (bd)] eine Tatsachenbehauptung, statt bei einer [subjektiven (bd)] Vermutung zu bleiben. Könnte die BBC dieses eine Wort verändert haben, nachdem sie erkannt hatte, welche Schlussfolgerungen man danach ziehen könnte?

Hilfreich zum besseren Verständnis in diesem Zusammenhang der Artikel von HR-Chefredakteur Simon Plosker im Februar dieses Jahres: Finkelstein zu Boykott, Investitionsrücknahme and Sanktionen (BDS): Kult der Unaufrichtigkeit [In Englisch].

Was die Wahl Norman Finkelsteins als Interviewpartner zum Thema der Haltung amerikanischer Juden gegenüber Israel betrifft, war der Gegenstand selbst zweifellos durch den letzten Kommentar Peter Beinarts ausgelöst worden. Beinart aber, ob man mit ihm übereinstimmt oder nicht, ist ein seriöser Interviewpartner. Finkelstein andererseits steht erklärtermaßen gegen Israel und ist völlig ungeeignet, die amerikanischen Juden zu repräsentieren.

Schwer zu entscheiden, wer mehr verabscheuungswürdig ist: Norman Finkelstein wegen seiner extremen Ansichten oder die BBC wegen ihrer vorsätzlichen Irreführung und – wie man sagen könnte – antisemitischen Diktion ihrer Programminhalte.

Friedman an die Palästinenser: „In Israel für moralische Verunsicherung sorgen“

6. April 2012

HonestReporting Media BackSpin, 6. April 2012

Kommentar von Simon Plosker, Chefredakteur HonestReporting

In seinem letzten Gastbeitrag für die New York Times plädiert Thomas Friedman für „gewaltfreien Widerstand“ der Palästinenser:

Wenn sich die Palästinenser einerseits für gewaltfreien zivilen Ungehorsam in der West Bank einsetzen und zum anderen die Karte für eine vernünftige Zweistaaten-Regelung ziehen, übernehmen sie die einzige Strategie, die zur Beendigung der israelischen Besatzung führen wird: den Israelis das Gefühl moralischer Verunsicherung, aber auch strategischer Sicherheit zu vermitteln. Das eherne Gesetz des Friedensprozesses lautet, dass derjenige gewinnt, der die schweigende Mehrheit in Israel wegen der Besatzung moralisch verunsichert, aber auch für strategische Sicherheit Israels sorgt.

Was mir an Friedmans Kommentar am meisten auffällt ist seine Unkenntnis über die Alltagssituation der einfachen Israelis (und ich zähle mich dazu). Seine Vorstellung geht von der falschen Prämisse aus, dass es sich beim so genannten Friedensprozess um die Beendigung der israelischen Kontrolle über die von den Palästinensern umstrittenen Gebiete handele.

Dies kann nicht die Endphase eines Friedensprozesses sein. Die überwiegende Mehrheit aller Israelis und jeglicher politischen Ausrichtung sehnt sich nach echtem Frieden. Wenn Friedman glaubt, dass der Verzicht auf israelisch kontrolliertes Gebiet als gelungenes Ergebnis seiner Vision eines gewaltlosen palästinensischen Widerstands zu bewerten sei, dann täuscht er sich.

Wie sieht es mit dem Frieden selbst aus?

Friedman nennt Ägyptens Anwar Sadat als Beispiel für erfolgreiche Friedensbemühung. Doch war es nicht „moralische Verunsicherung“ oder sogar „strategische Sicherheit“, die den israelischen Mainstream davon überzeugte, den Sinai aufzugeben und einen Friedensvertrag abzuschließen. Es war der einfache Akt Sadats, klar und öffentlich seiner Sehnsucht nach Frieden mit Israel Ausdruck zu verleihen, der die Barrieren des Misstrauens überwand.

Das ist etwas, was die Israelis von der palästinensischen Führung erst noch hören müssten, deren Vorstellung von „gewaltlosem Widerstand“ nicht Friedmans naiver Vision von Sit-ins, Boykottmaßnahmen und Hungerstreiks entspricht, sondern der einer massiven Kampagne zur Delegitimierung Israels, geführt auf diplomatischer, politischer, kultureller und medialer Ebene.

Diese Form des so genannten „gewaltlosen Widerstandes“ eignet sich nicht dazu, die Israelis moralisch zu verunsichern, selbst wenn sie zum Verzicht auf Land bereit wären.

Ist es nicht an der Zeit, dass Thomas Friedman, statt einer Attacke auf Israel mit nichtmilitärischen Mitteln das Wort zu reden, damit beginnt, sich für einen Friedensprozess einzusetzen, der tatsächlich den Begriff Frieden beinhaltet?

Die Formel Land für Frieden* hat sich angesichts der palästinensischen Reaktionen auf israelische Zugeständnisse als falsch erwiesen. Warum also will Friedman eine Formel „Land für nichts“ unterstützen?

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*Dazu habe ich  zwei Karikatur-Klassiker zum Thema „Land for Peace“ ausgegraben (bd):

http://europenews.dk/files/Land_for_Peace_Doesnt_Work.png

http://www.thejerusalemconnection.us/blog/2011/02/19/cartoon-dry-bones-land-for-peace.html

VIDEO: Simon Plosker zur Medien-Manipulation und Dämonisierung Israels

4. April 2012

HonestReporting Media BackSpin, 4. April 2012

Kürzlich war Simon Plosker (Chefredakteur HonestReporting) im britischen Revelation TV zu sehen.

Er sprach ausführlich darüber, wie gefälschte und fehlerhafte Medienberichte zur Dämonisierung Israels und zunehmendem Antisemitismus beitragen.

Die Sendung wurde am 23. März ausgestrahlt und gestern online gestellt.

Gilad Shalits Heimkehr: Wie die Medien reagierten

19. Oktober 2011

HonestReporting Media BackSpin, 19. Oktober 2011

Nach über fünf Jahren Gefangenschaft wurde Gilad Shalit (IDF-Foto, Bild rechts) auf israelischem Territorium endlich wieder mit seiner Familie vereinigt  – als Teil eines Deals, der hunderten Palästinensern, darunter vielen, die für abscheuliche und mörderische Terrorakte verantwortlich sind, die Freilassung brachte.

Absoluter Tiefpunkt, was ethisch saubere Berichterstattung betrifft

Auf israelischer Seite hatten sich die größten Nachrichtensender darauf geeinigt, über das Ereignis so sensibel und zurückhaltend wie möglich zu berichten, indem sie von Shalits Zuhause Abstand hielten und auf reißerische Fotos verzichteten. Und in der Tat beschränkte sich die allgemeine Berichterstattung im israelischen Fernsehen auf sorgfältig ausgesuchtes Filmmaterial der IDF zur Freilassung Shalits.

Zuvor jedoch, als Shalit in ägyptische Obhut überstellt worden war, lehnte sich der ’ethische’ Journalismus weit aus dem Fenster, als er einen nach 5 Jahren Isolationshaft verwirrten und übermüdeten Shalit präsentierte – konfrontiert mit einer ägyptischen TV-Kamera für ein Interview mit der Nachrichtenjournalistin Shahira Amin.

Amin wurde von Israel wegen der Durchführung ihres Interviews unter diesen Umständen stark kritisiert, was sie zurückwies.

Wurde Shalit genötigt, das Interview zu geben? Nach Amins Auskunft angeblich nicht:

Es stimmt, dass er von bewaffneten Hamas-Leuten reingebracht wurde, aber im Raum selbst befanden sich nur Mitarbeiter des ägyptischen Geheimdienstes. Sie mischten sich nicht ein, auch die Hamas-Leute nicht. Das betone ich mit voller Autorität und aus voller Verantwortung:

Ich fragte Gilad, ob er bereit sei für ein Interview, und er sagte zu. Wenn er das abgelehnt hätte, was er nicht tat, hätte ich das Interview nicht geführt. Klar, er sah blass aus und wirkte erschöpft, aber gleichzeitig schien er froh zu sein, dass er nach Hause kommt, und er gab gute Antworten. Persönlich hätte ich es vorgezogen, dass das Interview in englischer Sprache geführt worden wäre, ohne Übersetzer, aber Gilad zog es vor, in Hebräisch zu sprechen.

Könnte Shalit eventuell einem Interview deshalb so bereitwillig zugestimmt haben, weil sich ein maskierter Hamas-Aktivist im Raum befand?

Lesen Sie mehr von unserem HonestReporting-Chefredakteur Simon Plosker [In Englisch].

Guardian: Fehlerkorrektur absichtlich unterlassen

27. August 2011

HonestReporting Media BackSpin, 26. August 2011

Erst kürzlich hatten wir Harriet Sherwood wieder bei einer weiteren falschen Beschreibung der Westmauer als „heiligste Stätte des Judentums“ ertappt, in der sie gleichzeitig das Narrativ einer palästinensische Oberhoheit über den Tempelberg, die tatsächlich heiligste Stätte des Judentums, hinausposaunt hatte.

Ich [Anm. (bd): Simon Plosker] schickte sofort eine Protest-Mail mit der Forderung nach Korrektur an den Leserbrief-Redakteur des Guardian mit dem Hinweis, dass, auch wenn ich nicht erwartete, dass die Zeitung aufhörte, palästinensische Versionen der Geschichte nachzuplappern, ich doch zumindest Genauigkeit voraussetzte, was Fakten betrifft.

Eine Korrektur zum Artikel wurde dann auch veröffentlicht, aber nicht so, wie sie hätte lauten müssen:

Der amerikanische Moderator Glenn Beck wurde fälschlicherweise in einem Artikel über seinen Plan, in Jerusalem eine Kundgebung abzuhalten, als wiedergeborener Christ bezeichnet. Er ist gläubiger Mormone (Facebook protest over US broadcaster’s Israeli rallies, 24. August, Seite 26).

Dem kann ich nur entnehmen, dass der Guardian entweder einen ganz Blick auf den Artikel hat oder meine Beschwerde als unwichtig abtut. Kann der Guardian bei mir noch mehr Ekel hervorrufen als dies ohnehin schon Fall ist?

New York Times: Es begann damit, dass Israel zurückfeuerte

22. August 2011

HonestReporting Media BackSpin, 21. August 2011

Warum ist die NY Times noch immer nicht in der Lage, moralische Unterschiede zwischen palästinensischem Terror und israelischen Gegenmaßnahmen zum Schutz seiner Bürger machen?

Werfen Sie einen Blick auf diese Schlagzeile und das mitgelieferte Foto der Ausgabe vom 20. August (Zum Vergrößern bitte aufs Bild klicken):

Warum hat die NY Times absichtlich ein emotional aufwühlendes Bild von der Beerdigung eines palästinensischen Kindes eingestellt? Und das ausgerechnet zur gleichen Zeit, als Israel seine Toten beerdigte, die infolge eines Terrorangriffs ums Leben gekommen waren?

Diese Vorgehensweise falscher moralischer Gleichsetzung ist typisch für die NY Times, die zudem behauptet (von unserer Redaktion herausgehoben):

Israel beschuldigte das Volkswiderstandskomitee des Anschlags vom Donnerstag und tötete dessen obersten Befehlshaber während eines Luftschlags am selben Tag unter Nichtberücksichtigung des grenzüberschreitenden Verkehrs nach Monaten relativer Ruhe und einem informellen Waffenstillstand mit der Hamas.*

Wer also hat die Gewalt „ausgelöst“?

Der NY Times zufolge waren es demnach nicht diejenigen, die vergangenen Donnerstag den Terroranschlag verübten, sondern Israel wegen dessen Reaktion darauf. Darüber hinaus impliziert der Terminus „Grenzüberschreitender Verkehr“ wieder eine moralische Äquivalenz zwischen palästinensischen Raketenangriffen auf zivile Ziele in Israel und israelische Reaktionen.

Schicken Sie Ihre Kommentare an die NY Timesletters@nytimes.com -, und vergessen Sie nicht, Ihre Adresse und Telefonnummer anzugeben, wenn Sie wünschen, dass Ihre Zuschrift veröffentlicht wird. [In Englisch natürlich; (bd)].

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* Hinweis: Die Formulierung Trade Fire in der NYT-Headline lautet ins Deutsche übersetzt Feuerwechsel. Alles klar, oder? (bd).

Britischer Zeitungsskandal: Medien nicht über jeden Zweifel erhaben

13. Juli 2011

HonestReporting Media BackSpin, 13. Juli 2011

Kommentar
Simon Plosker, HR-Chefredakteur

Erinnern Sie sich an die Empörung, als sich herausstellte, dass das Videomaterial vom angeblichen Tod Mohammed al-Duras, verantwortet durch IDF-Kugeln, gründlich manipuliert worden war?

Oder als die Medien sich beim „Massaker von Dschenin“ geirrt hatten? Was ist mit den manipulierten Reuters-Bildern während des Libanon-Konflikts im Jahr 2006?

Sicher erinnern Sie sich an den Zorn, den Sie zusammen mit anderen Unterstützern Israels verspürten, und dass diese Empörung niemals in das Bewusstsein einer breiteren Öffentlichkeit vorgedrungen war, deren nationale Medien verantwortlich waren für eine Berichterstattung, die von schlecht bis zu unverblümter Verleumdung reichte.

Als ehemaliger Brite räume ich ein, dass ich vor vielen Jahren gelegentlich News of the World las, wenn auch nur den Sportteil (Ich verließ mich auf die mehr intellektuelle Sunday Times für „echte“ Nachrichten).

Da es zu weit führen würde, eine Verbindung zwischen dem so genannten „Hacking Skandal“ und der Berichterstattung zu Nahost, speziell Israel, herzustellen, lohnt es sich, darauf hinzuweisen, welche Ereignisse, die mit Rupert Murdochs Nachrichtenkonzern in Großbritannien zu tun haben, signifikant für den Journalismus generell sind.

Ohne in den dunklen Tiefen der Geschichte sowie die politischen und strafrechtlichen Konsequenzen hinabzutauchen, die in den britischen Nachrichten erörtert werden, genügt wohl der Hinweis darauf, dass die meistverkaufte Boulevardzeitung News of the World dabei erwischt wurde, die Mailbox-Nachrichten von Mobiltelefonen mehrerer öffentlicher Personen, Prominenter und selbst Mitgliedern der Königsfamilie gehackt zu haben.

Weit schlimmer aber ist, dass etwa 4000 Menschen der Attacke zum Opfer fielen. Dazu gehörten das Hacken des Mobiltelefons eines ermordeten Teenagers, was die polizeilichen Ermittlungen zu diesem Zeitpunkt unterbrach, oder das Anzapfen von Telefonen von Familienmitgliedern einiger bei den Londoner Terroranschlägen vom 7. Juli 2005 Ermordeten.

Diese letzten Enthüllungen gaben der öffentlichen und politischen Meinung den Rest und veranlassten Werbepartner, sich von News of the World abzusetzen, die am vergangenen Sonntag nach 168 Jahren ihre letzte Ausgabe herausgegeben hatte. Es bleibt abzuwarten, ob andere Blätter im Stall des Nachrichtenkonzerns wie die The Times of London und The Sun ebenso in ethisch fragwürdige und kriminelle Aktivitäten verstrickt sind.


Was können wir daraus lernen bezüglich unserer eigenen Probleme mit der medialen Berichterstattung über Israel?

• Journalisten und Redakteure sind mit Sicherheit nicht unfehlbar. Sie machen nicht nur Fehler, sondern setzen, wie wir gesehen haben, ethisch höchst fragwürdige und potentiell kriminelle Mittel ein, um an ihre Exklusivstories zu kommen.

• Was dies betrifft, dürfen wir uns nicht gedankenlos darauf verlassen, dass Journalisten und Medien „moralisch Unparteiische“ des arabisch-israelischen Konflikt seien. Im Lichte dessen, was in Großbritannien passiert ist und dessen Medien Israel gegenüber immer über Verhaltensnormen sprechen, wäre es scheinheilig seitens dieser Medien, moralische Urteile über Israel zu fällen.

Leider war ausgerechnet der Guardian, eines dieser britischen Blätter, die gegenüber Israel eine „Ich-bin-heiliger-als-du“-Position vertreten, mitverantwortlich für die Aufdeckung unethischer Aktionen eines seiner Medien-Rivalen.

Selbstverständlich sind die Aktionen von News of the World und eventuell weiterer Blätter des Nachrichtenkonzerns unentschuldbar. Aber das verbirgt denen unter uns, die die Medienberichterstattung über Israel beobachten, nicht die Tatsache, dass es hier sozusagen um ein zweischneidiges Schwert geht.

Auch wenn sie nicht immun dagegen sind, von HonestReporting ins Rampenlicht gestellt zu werden, sind Blätter wie The Times am erfolgreichsten, wenn es auf einem besonders feindseligen Markt gegen Israel geht.

Ebenfalls bedenkenswert sind Forderungen im Vereinigten Königreich nach Stärkung unabhängiger Organisationen wie der Press Complaints Commission (PCC), von der erwünscht wird, dass sie die Medien zur Rechenschaft ziehen kann und außerdem befähigt werden soll, echte Sanktionen gegen beleidigende Publikationen zu verhängen. Die Geschichte von Beschwerden an die PCC bezüglich der Berichterstattung über Israel in Großbritannien ist eine betrübliche, weil die meisten Beschwerden nicht erfolgreich waren.

Und die Serientäterin BBC, wenn es um Berichterstattung über Israel geht, besitzt ein internes Beschwerdesystem, das allein dem angeblich unabhängigen BBC-Konzern gegenüber verantwortlich ist.

Vielleicht wird der aktuelle Skandal, der die britischen Medien im Griff hat, zu mehr Regulierung und Rechenschaftspflicht führen. Wird dies irgendwelche Auswirkungen auf journalistische Standards für die Berichterstattung aus Israel haben?

Ich kann es mir nur sehr schwer vorstellen.

Israels Regierungssprecher warnt Flottillen-Journalisten

27. Juni 2011

HonestReporting Media BackSpin, 27. Juni 2011

In seinem Gastbeitrag für YNet am 22. Juni merkte HonestReporting-Chefredakteur Simon Plosker an:

Wir sollten alle sehr über die Ankündigung besorgt sein, dass sich unter denen, die an der bevorstehenden Flottille nach Gaza teilnehmen, Journalisten der Mainstream-Medien befinden, darunter von New York Times, auch Kamerateams von CNN und CBS.

Er sagte auch, dass:

Israel gut beraten wäre, die Journalisten an Bord der Flotte daran zu erinnern, dass sie aktive Teilnehmer am illegalen Versuch wären, eine nach internationalem Recht zulässige Seeblockade zu durchbrechen.

Die israelische Regierung scheint das ähnlich zu sehen. Regierungssprecher Oren Helman schickte an sämtliche ausländischen Medienverteter in Israel einen Brief, in dem er vor Konsequenzen warnt, sollten sie an der Flottille teilnehmen:

Ich möchte Ihnen und den Medien, die Sie vertreten, deutlich machen, dass die Teilnahme an der Flottille eine vorsätzliche Verletzung israelischen Rechts bedeutet und verpflichtend dazu führt, den Teilnehmern für die Dauer von 10 Jahren die Einreise in den Staat Israel zu verweigern, bis hin zur Beschlagnahme ihrer Ausrüstung und weiterer Sanktionen.

Ich bitte Sie inständig, nicht an diesem provokativen und gefährlichen Ereignis teilzunehmen, dessen Ziel darin besteht, Israels Recht auf Selbstverteidigung zu untergraben und wissentlich gegen israelisches Gesetz zu verstoßen.

Anders als in den benachbarten arabischen Staaten, wo ausländische Medien entweder von der Berichterstattung ausgeschlossen sind oder  durch staatliche „Aufpasser“ wie z. B. in Libyen stark eingeschränkt, hat die ausländische Presse in Israel tatsächlich die Freiheit, ungehindert zu berichten, frei von Einschüchterung und Bedrohung.

Israel hat jedoch das Recht, seine eigenen roten Linien zu ziehen, vor allem, wenn Journalisten an Aktivitäten beteiligt sind, die gegen das Gesetz verstoßen oder die Sicherheit des Staates gefährden. In diesem Fall können diese Mitglieder der Presse, die vorhaben, als „einbettete Journalisten“ mit der Flotte zu reisen, sicherlich nicht behaupten, dass sie nicht gewarnt worden wären.

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UPDATE, 17:25

Zwischenzeitlich hat sich der Wind wieder gedreht: Die Drohung wurde zurückgenommen…; dazu auch der Hinweis (Focus) von Leserin Zahal.

HonestReporting-Kommentar (Flottille): Medien überschreiten rote Linie

23. Juni 2011

HonestReporting Media BackSpin, 23. Juni 2011

Dieser Kommentar von HR-Chefredakteur Simon Plosker wurde zuerst am 22. Juni bei YNet News veröffentlicht. (Übersetzung: BD)

„Wir befinden uns in einer Schlacht, und mehr als die Hälfte dieses Kampfes findet auf dem Schlachtfeld der Medien statt.“ So formulierte es der neue Al-Qaida-Führer Ayman al-Zawahiri im November 2005. Aber was passiert, wenn die Medien versuchen, das reale Schlachtfeld zu beschreiben und aktive Teilnehmer in der Geschichte werden?

Wir sollten alle sehr über die Ankündigung besorgt sein, dass sich unter denen, die an der bevorstehenden Flottille nach Gaza teilnehmen, Journalisten der Mainstream-Medien befinden, darunter von New York Times, auch Kamerateams von CNN und CBS.

Dies ist ein deutliches Beispiel für die symbiotische Beziehung zwischen den Medien und anti-israelischen Agitatoren wie jenen, die die Flottille organisieren. Schließlich waren es nicht so sehr die gewaltsamen Aktionen der Passagiere an Bord der Mavi Marmara, die Israel so viel Schaden zugefügt hatten – es waren die diplomatischen und öffentlichkeitswirksamen Fallouts nach einem Vorfall, der die internationale Presse noch Tage danach beschäftigte.

Das „Martyrium“ von neun türkischen Passagieren wurde für die IHH-Organisation und deren Kohorten zum PR-Erfolg. Offensichtlich besteht der einzige Grund für die Medien, an Bord zu gehen, in der Erwartung darauf, von einer Wiederholung der Story berichten zu können. Gleichermaßen zählen die Flottillen-Organisatoren auf die Medien, um eine Geschichte zu bekommen, deren Handlung bereits geschrieben worden ist, nämlich die über eine Handvoll beherzter „Friedensaktivisten“ beim Versuch, eine brutale und illegale Seeblockade gegen die armen Palästinenser in ihren Freiluftgefängnis zu durchbrechen.

Stellen Sie sich vor, die israelische Marine enterte ein Schiff nach dem anderen und zwänge die Flottille ohne Zwischenfälle, zur Inspektion einen israelischen Hafen anzulaufen. Dies bedeutete das ultimative Scheitern sowohl auf Seiten der Organisatoren, die einen großen Zwischenfall herbeiführen wollen als auch für die an Bord anwesenden Medien, die in den größten Tagesmeldungen live dabei sein wollen.

„Nützliche Idioten“

Nachdem wir also festgestellt haben, dass Flottillenteilnehmer und begleitende Medien einander benötigen, können wir dann wirklich bei New York Times, CNN und CBS sowie anderen „embedded“ Journalisten davon ausgehen, dass sie selbst dann objektiv über die Geschichte berichten werden, wenn sie sich als weniger dramatisch erweisen sollte als sie sich erhoffen?

Oder wird die bloße Anwesenheit der Medien für die „Aktivisten“ als Einladung zu Konfrontation und potentieller Gewaltanwendung und Spielchen für die Kameras dienen? Und was ist mit den Journalisten selbst? Während im Laufe der Jahre einige Reporter versehentlich von der IDF getötet oder verletzt worden waren, können wir [diesmal] nicht erwarten, dass die Soldaten eine Kriegszone betreten, wie es bei der Mavi Marmara der Fall war und die zusätzliche Herausforderung meistern, die Medienleute rauszuhalten, die sich absichtlich ins Kreuzfeuer begeben. Dabei wird nicht nur das Leben der Journalisten aufs Spiel gesetzt, sondern auch das der israelischen Soldaten.

Während der Operation Gegossenes Blei hatte die israelische Regierung für Journalisten den Zugang zum Gazastreifen gesperrt – ausdrücklich zu deren Schutz, und um den IDF-Soldaten zu ersparen, dass auf dem Schlachtfeld ein weiterer Faktor hinzukäme, den sie nicht kontrollieren konnten. Es gab damals ein triftiges Argument, dass dies gegen die Interessen Israels gearbeitet habe.

Die Medien, die auf einem Hügel mit Ausblick auf Gaza Position bezogen hatten, waren sehr aufgebracht und nachtragend, während die Bilder aus Gaza selbst von Al-Jazeera und anderen mehr als unzuverlässigen Quellen verbreitet wurden.

Israel wäre gut beraten, die Journalisten an Bord der Flotte daran zu erinnern, dass sie aktive Teilnehmer am illegalen Versuch wären, eine nach internationalem Recht zulässige Seeblockade zu durchbrechen.

Wir können nur hoffen, dass die Mainstream-Medien sich nicht von den Ideologen und „nützlichen Idioten“ beeinflussen lassen, die die verschiedenen Gruppen an Bord stellen und deren Denken eher vom Hass auf Israel als von der Hingabe für universelle Menschenrechte bestimmt ist. Wir müssen uns darauf verlassen, dass die Professionalität der Journalisten bei der Realität ansetzt – frei von den Vorurteilen, die die Berichterstattung über Israel sonst kennzeichnen.

Aufgrund früherer Erfahrungen sollten wir jedoch nicht zu hohe Erwartungen hegen. Dieser Zug ist abgefahren. Wird Israel an seiner Devise bezüglich der Flottille festhalten, in einem Meer negativer Berichterstattung untergehen oder wird es ein Fischfang in ruhigen Gewässern?

Die Flottille ist ausgelaufen. Man kann sich wieder auf etwas gefasst machen.

Oberst Richard Kemp: Ein wahrer Freund

13. Juni 2011

HonestReporting Media BackSpin, 13. Juni 2011

Gestern Abend hatte Simon Plosker (HonestReporting) das Privileg, den pensionierten britischen Oberst Richard Kemp bei einem Vortrag in Tel Aviv zu hören. Zur Erinnerung: Kemp war eine der ganz wenigen Stimmen, die die Aktionen der israelischen Armee während der Operation Gegossenes Blei verteidigten. Er sagte vor der UN aus, dass, im Gegensatz zum Goldstone-Bericht, in der Geschichte der Kriegsführung keine Armee so viel getan hätte, um zivile Opfer zu vermeiden wie die IDF. (siehe Video unten. Im Bild rechts neben Kemp der Direktor von UN Watch, Hillel Neuer).

Simon Plosker hatte die Gelegenheit, Oberst Kemp darüber zu befragen, welche persönlichen Folgen es für ihn hatte, sich so für Israel einzusetzen. Dieser sagte, dass es in Großbritannien keinen neutralen Standpunkt mehr gibt, was Israel betrifft. Entweder man ist Antizionist oder wird als Spinner mit demonstrativer Verachtung angesehen.

Doch trotz der Gehässigkeiten, denen er ausgesetzt war, erklärte er, dass er Israel unterstützt, weil es der Anstand gebot und richtig war, und dass er stolz darauf sei, von denjenigen kritisiert zu werden, die Israel schaden wollen.

Er erwähnte andere Vorfälle, in denen westlichen Armeen Fehler begangen hatten, die zu großen Verlusten in der Zivilbevölkerung führten, oder Beispiele von Seeblockaden von anderen Marinestreitkräften, die in ähnlicher Weise durchgesetzt wurden wie die israelische Blockade des Gazastreifens. Doch in keinem dieser Fälle haben die Medien so reagiert, wie wenn Israel beteiligt war.

Kemp sprach auch einen internationalen Komplott zum Zwecke der Delegitimierung Israel an, da seine Feinde nicht in der Lage sind, Israel auf dem Schlachtfeld zu besiegen.

„Hochachtung, Oberst Kemp. Als angesehenes ehemaliges Mitglied der britischen Streitkräfte mit über dreißig Jahren Erfahrung, darunter als Kommandeur britischer Streitkräfte in Afghanistan, hätten Sie es nicht nötig, so viel für Israel zu wagen. Aber Sie haben es getan und zeigen damit, dass Sie ein wahrer Freund sind.“

Israel-„Apartheid“: Ein Eigentor

27. März 2011

HonestReporting Media BackSpin, 27. März 2011

Beram Kayal (links)

Gestern Abend sah sich HonestReporting-Chefredakteur Simon Plosker Israels Qualifikationsspiel gegen Lettland zur Fußballeuropameisterschaft an. 11.000 Fans im Bloomfield Stadion von Tel Aviv brachen in Jubel aus, als Beram Kayal in der 81. Minute den Siegtreffer zum 2:1 erzielte. Niemand interessierte, dass Kayal arabischstämmiger Israeli ist. Und niemand kümmerte sich darum, weil dies völlig normal ist in einem Land, in dem arabischstämmige Israelis stolz darauf sind, für die israelische Nationalmannschaft und in der höchsten israelischen Liga zu spielen.

Kayal, der bei Celtic Glasgow in der schottischen Premier League unter Vertrag steht, wurde kürzlich im Guardian portraitiert:

„Beram Kayal ist muslimischer Araber, aber ’ich wuchs in Israel auf’“, erklärt er. ’Ich spiele für die Nationalmannschaft. Manche Leute sagen, ich sei Jude. Nein – ich bin Araber. Manchmal können außenstehende Menschen den größeren Zusammenhang nicht erkennen. Sie fragen sich, wie jüdische und arabische Menschen zusammenleben können. Aber es ist in Ordnung so, ich lebte dort [in Israel] und ich habe es genossen, und komme mit den Menschen dort gut aus.

Ich habe jüdische Freunde, und da ich mich nicht zu sehr mit Politik beschäftigen möchte, spielt es für mich beim Sport keine Rolle, ob ich Jude oder Araber bin. Wenn jemand sagt: ’Beram Kayal ist ein israelischer Spieler’, dann reicht das.“

„Jeder in Israel freut sich für mich. Ich bin ein Araber, der unter den Juden in Israel eine Minderheit darstellt. Die Araber und Juden freuen sich, und die meisten meiner Freunde sind Juden. Ich lebe zusammen mit Juden und ich spiele in der israelischen Mannschaft, die aus Juden besteht.“

Beram Kayal ist auch in Zukunft eine Antwort auf diejenigen, die versuchen, Israel mit einem Apartheidstempel zu versehen.

Hari schüttet weiterhin Dreck über Israel aus*

7. Februar 2011

HonestReporting Media BackSpin, 7. Februar 2011

Johann Hari, Gastschreiber für den Independent, sollte für HonestReporting-Leser eigentlich kein unbeschriebenes Blatt sein. Nach seinem übel riechenden Kommentar 2008, in dem er Israel mit Exkrementen verglich, schob Hari einen Angriff auf uns (HonestReporting) nach, als er unterstellte, wir würden seine Meinungsfreiheit unterdrücken. Letztes Jahr produzierte Hari eine seiner bösartigsten Kolumnen mit falschen Zitaten, Geschichtsrevisionismus, Verharmlosung des palästinensischen Terrors und Holocaust-Vergleichen.

In seinem neuesten Stück in der Huffington Post beweist Hari einmal mehr seinen irrationalen Ekel bezüglich Israel. Er behauptet:

Von den drei schlimmsten Menschenrechtsverletzern in Nahost – Saudi-Arabien, Israel und Iran -, sind zwei engste Freunde unserer Regierung, überschüttet mit Geld, Waffen und Lob.

Kann man Hari trauen? Als offen bekennender Homosexueller ist er sich völlig bewusst, dass es nur ein Land in Nahost gibt, in dem seine Rechte in vollem Umfang geschützt sind. Wie Präsident Ahmadinejad sagt, gibt es keine Homosexuellen im Iran. Er [Hari, (bd)] weigert sich natürlich, das schreckliche Schicksal jener homosexuellen Männer zu erwähnen, die vom Sicherheitsapparat des Regimes eingekerkert werden – einer Situation also, die den Zuständen in Saudi-Arabien gleicht.

Und wie sieht es mit den Rechten der Frauen, Minderheiten, religiöser Freiheit, Freiheit der Meinungsäußerung und der Medien aus, einer unabhängigen Justiz, demokratischen Wahlen, einer fortschrittlichen Zivilgesellschaft? Auch hier gibt es nur ein Land in Nahost, in dem diese Ideale verwirklicht sind.

Hari behauptet, dass „es allseits bekannt ist, dass Israel den Gazastreifen illegal blockiert“. Ist es wirklich „allseits bekannt“ und ist es „illegal“? Israel ist absolut im Recht, wenn es sich von einem feindlichen Gebiet abschirmt, das in regelmäßigen Abständen Raketen und Mörsergranaten gegen seine Zivilbevölkerung abfeuert. Hari hat diese einfach als „illegal“ erklärt, weil es ihm nicht in den Kram passt.

Zum Gaza-Problem schreibt Hari:

Im Gazastreifen sind 1,5 Millionen Menschen eingesperrt, umzingelt von allen Seiten, und ihnen wird der Zugang zu Gütern des täglichen Bedarfs wie Teigwaren und Zentrifugen für Bluttransfusion verweigert. Sie werden dafür bestraft, dass sie in einer demokratischen Wahl „den falschen Weg“ gewählt haben**. Israelische Beamte beziehen sich darauf mit einem Kichern als „Palästinenser auf Diät setzen“. Damit konfrontiert prahlte die damalige israelische Außenministerin Tzipi Livni : „Ich bin gegen Recht – Völkerrecht im Besonderen und Gesetz allgemein.“

Den Menschen in Gaza wird absolut nicht der Zugang zu Gütern des täglichen Bedarfs verwehrt und es gibt auch keine humanitäre Krise im Gaza. Jeden Tag passieren viele Tonnen Hilfsgüter die Grenze, und nur Waren, die als Dual-Use-Projekte von der Hamas missbraucht werden könnten, um Waffen oder Bunker zu bauen, sind von der Einfuhr ausgeschlossen. Die Menschen in Gaza sind nicht für ihre Stimmen sanktioniert worden, sondern für die Aktionen ihrer Regierung, die sowohl gegenüber Israel als auch ihrer eigenen Bevölkerung feindselig eingestellt ist.

Nachdem er zuvor kein Problem hatte, falsch zu zitieren, kann es kaum verwundern, dass Hari daran geht, „israelischen Offiziellen“ pauschale Zuschreibungen anzudichten und dann seine eigene Interpretation eines unbestätigten Zitats von Tzipi Livni aus einem PaliLeaks-Dokument ohne Zusammenhang zu präsentieren.

Mit Bezugnahme auf Israel behauptet Hari:

Wir verhalten uns bezüglich der Forderungen unseres selbstschädigenden Landes [Anm.: Großbritannien (bd)] und seiner lautesten und zornigsten Lobbyisten hier  so unterwürfig,  dass unsere Regierungen strammstehen.

Ironie am Rande: wo könnte solch eine Polemik möglich sein ohne Hinweis auf die westlichen Regierungen, die unter dem Einfluss einer heimtückischen und allmächtigen „Israel Lobby“ stehen?

Insgesamt gesehen folgt Haris Stellungnahme seiner Tendenz, die die Verantwortung für den Terrorismus im Nahen Osten auf den Westen und insbesondere die USA abzuwälzen. Nach Hari sind die Menschen im Nahen Osten nicht fähig, ihr eigenes Schicksal im Angesicht der westlichen Welt und der israelischen Stärke zu definieren.

Nachdem er die Möglichkeit bekommen hat, seine Ansichten über eine so große Plattform wie Huffington Post zu verbreiten, warten wir mal ab, ob Hari erneut versuchen wird, uns zu beschuldigen, dass wir ihn zum Schweigen bringen wollen statt ihn auf seine obskuren Meinungen hinzuweisen.

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*Autor: Simon Plosker, Chefredakteur von HonestReporting

Nachtrag von Bernd D.:

**Nett: Genauso gut könnte man sagen, dass die Deutschen ab 1933 dafür bestraft worden seien, dass sie Hitler gewählt hatten [bd]. Schließlich hatten sie ja „nur“ von ihrem Wahlrecht Gebrauch gemacht, kollektiver Hitlergruß inbegriffen.

Wie sagte schon einst Ralph Giordano :  Es war kein Volk von Widerstandskämpfern, sondern ein Volk von fanatischen Anhängern Hitlers und seiner Ideologie. Sehen Sie sich mal dieses sehr interessante Video an (besonders wichtig ab Einstellung 6:40) . Auch Arnulf Baring hatte sich damals vor Daniel Goldhagen schwer blamiert. Für mich eines der besten Zeitdokumente der letzten 30 Jahre….

BBC antwortet auf Beschwerden zur Flotilla-Untersuchung

28. Januar 2011

HonestReporting Media BackSpin, 28. Januar 2011

Dank an Pesach Benson* (BackSpin-Blog für HonestReporting in Jerusalem, [bd]) dafür, das er mir** einen eher persönlichen Ansatz als Chefredakteur zu einigen Topics ermöglicht, die ich in unseren Kommuniqués angesprochen hatte.

Ich möchte auch der BBC dafür danken, dass sie sich selbst ein noch tieferes Loch nach der Kritik von HonestReporting an ihrer voreingenommenen Berichterstattung gegraben hatte. Einer unserer Abonnenten schickte uns freundlicherweise eine BBC-Entgegnung auf seine Beschwerde zu, die ich hier vollständig wiedergeben will:

Dank für Ihre E-Mail. Wir berichteten über die Ergebnisse der Turkel-Untersuchung zuerst hier: http://www.bbc.co.uk/news/world-middle-east-12260983

Diese Geschichte wurde zuerst um etwa 6:30 h am 23. Januar veröffentlicht und blieb auf unserer Webseite, bis sie gegen 16:00 h wegen der türkischen Reaktion erneuert wurde. Wir gehen davon aus, dass den ursprünglichen Ergebnissen viel Aufmerksamkeit gewidmet wurde, bevor eine neue Sichtweise in Umlauf gebracht wurde. Für Webseiten, die rund um die Uhr aktiv sind, ist es normal, Geschichten voran zu bringen und zu erneuern, aber wir erachten als wichtig, den Lesern zu sagen, was Stand der Dinge ist, bevor wir über die Reaktionen darauf berichten.

Wir denken nicht, dass die Identität von Beobachtern essentielle Informationen bereitstellt; die Tatsache, dass sie überhaupt involviert sind, ist ein wichtiger Hinweis. Was das Stück Analyse betrifft, die Sie erwähnen, hat Jon Donnison diesen Report nicht autorisiert, und seine Analyse war auch deutlich so gekennzeichnet. Da unsere Rolle primär darin besteht, über Ereignisse unvoreingenommen zu berichten, stützen wir uns auf die Erfahrung unserer Korrespondenten und Experten, um diese Ereignisse auszuwerten.

Werfen wir also einen Blick auf den Originalbericht, auf den die BBC-Antwort anspielte, und vergleichen wir ihn mit jenem, den wir auseinandernahmen.***

Während die Schlagzeile in der Tat dazu überging, sich auf die negative türkische Reaktion zu fokussieren, um sich auf die negative türkische Reaktion zur israelischen Anfrage zu konzentrieren, wurde der türkische Ministerpräsident Erdogan bereits im Originalbericht zusammen mit negativen Anmerkungen seitens der UNO erwähnt. Und tatsächlich gibt es sehr wenige Änderungen im Text des Berichtes, abgesehen von noch mehr negativer Einstellung Erdogans.

Überprüfen Sie doch einmal den Wechsel zwischen bildlicher Darstellung und Bildbeschriftung. Während der ursprüngliche Artikel ein Foto der Mavi Marmara zusammen mit einer neutralen Bildunterschrift zeigte, arbeitete die upgedatete Version des Videos immer noch mit der Bildunterschrift „Vier Mal in den Kopf geschossen“, die sich auf die Aussage eines Aktivisten beruft. Offensichtlich reichte das Originalfoto zum Schiff nicht aus, Israel in ein schlechtes Licht zu rücken.

Die BBC unterlässt es auch, die Besorgnis unserer Leser anzusprechen, die zu Recht monierten, dass sie (die BBC, [bd]) nicht einmal in der Lage war, den Background der internationalen Beobachter zu erwähnen; besonders überraschend deshalb, weil einer von ihnen, Lord David Trimble, ein prominenter britischer Politiker ist.

Die Antwort der BBC auf die Beschwerde bestätigt und unterstreicht sogar exakt unsere Auffassung, dass der Artikel ein voreingenommenes und wertloses Stück Journalismus ist. Was die Erklärung Jon Donnisons betrifft, möchte ich Ihre Aufmerksamkeit auf seine früher gemachten Bemerkungen zu einer Autobiografie des ehemaligen BBC-Nachrichtensprechers Peter Sissons richten, der die tief verwurzelten linkslastigen  Voreingenommenheiten zu allen Themen generell betrifft:

Die zunehmende Tendenz bei der BBC, ihre eigenen Reporter live zu interviewen, verschlimmert diese Geisteshaltung. Statt sich darauf zu konzentrieren, die maßgebenden Player einer Geschichte zu befragen oder das Netz für eine breitere Öffentlichkeit zu öffnen, entscheidet sich die BBC in diesen Tagen immer wieder dafür, die [Sende-] Zeit für die Weltanschauung ihrer eigenen Korrespondenten zu nutzen. Das Sendeformat dient eigentlich dazu, Fakten zu klären, gleichzeitig verleitet es aber oft dazu, den eigenen Standpunkt zu artikulieren. Wenn dies zutrifft bekommt das BBC-Publikum, statt beide Seiten zu hören nämlich das vorgesetzt, was aus BBC-Sichtweise als Fakt deklariert wird.

Sorry, BBC, aber deine Entschuldigungen sind haarscharf daneben.

Richten Sie weiterhin Ihre Beschwerden an die BBC und lassen Sie sich nicht mit lauwarmen Antworten abwimmeln.

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*Pesach Benson betreut den englischsprachigen Blog Media BackSpin für HonestReporting. Heplev und bd übersetzen für den deutschspachigen Raum. Was gelegentliche Modifizierungen und sprachliche Idiom-Glättungen bzw. eigene notwendige Hinzufügungen betrifft, bitte meine [bd] Anmerkungen auf der Seite „Über Medien BackSpin“ beachten.

**Simon Plosker ist Chefredakteur von HonestReporting.

***Die Abbildungen lassen sich leider nicht deutlicher darstellen.

Simon Plosker bei Rusty Mike Radio

15. April 2010

HonestReporting Media BackSpin, 15. März 2010

Simon Plosker (Chefredakteur von HonestReporting) besprach die neuesten Medienthemen bei Rusty Mike Radio.

Sie können das Interview hier herunterladen.