Posted tagged ‘Sderot’

Wo bleibt The Lancet beim Sderot-Trauma?

12. Juli 2011

HonestReporting Media BackSpin, 12. Juli 2011

Dank langjährigem Beschuss durch palästinensische Raketen und Mörsergranaten leiden 70 Prozent aller Kinder in Sderot an Traumata in der einen oder anderen Form, während 23 Prozent der Einwohner Medikamente gegen Depressionen, Angst oder Schlaflosigkeit einnehmen müssen.

Man könnte ein Buch schreiben über die permanente Schlacht Sderots um Gesundheit und Wohlergehen, aber in der medizinischen Fachzeitschrift The Lancet würden Sie darüber sicher nichts lesen. Sderot passt einfach nicht in die alljährliche Israel-Bashing-Agendades Blattes.

UNRWA-Bericht: Bewusst ein düsteres Bild zeichnen

18. Juni 2011

HonestReporting Media BackSpin, 17. Juni 2011

Das Problem mit dem letzten UNRWA-Bericht über Arbeitslosigkeit in Gaza ist mehr dem Timing geschuldet – dem fünften Jahrestag der israelischen Blockade des Gazastreifens, nachdem die Hamas dort die Macht übernommen hatte.

UNRWA-Sprecher Chris Gunness hat es klar genug formuliert:

Man kann schwer die Logik einer von Menschen gemachten Politik verstehen, die mutwillig so viele in die Armut treibt und hunderttausende von potentiell produktiven Menschen zu einem Leben in Not verdammt.

Memo für Gunness: Ziemlich einfach zu verstehen.

Israels Blockade – oder was von ihr übrig blieb – ist die Antwort auf aberhunderte Raketen und Mörsergranaten, die von der Hamas auf Israel abgefeuert worden waren, von in Gaza demokratisch gewählten Führern (na ja – oder so etwas ähnlichem). Die Islamisten weigern sich, Israels Existenzrecht anzuerkennen, sie weigern sich, auf Gewalt zu verzichten, und sie weigern sich, frühere palästinensisch-israelische Vereinbarungen anzuerkennen. Solche Leute muss man in Schach halten.

Außerdem ist eine Blockade nur so stark wie ihr schwächstes Glied, und heutzutage gibt es eine Menge Beispiele dafür. Ägypten hat die Grenze wieder geöffnet. Menschen und Waren, die den Grenzübergang Rafah passieren, werden nicht von israelischen Kameras oder von den EU-Volunteers überwacht, sondern von Hamas-Polizeikräften.

Die Blockade hat nicht der Bau des größten palästinensischen Einkaufszentrums nahe Gaza-Stadt oder einen neuen Wasser-Erlebnispark in Khan Yunis verhindert. Wie viele Arbeitsplätze gingen letztes Jahr verloren, als die Hamas den dämlichen Wasserpark niedergebrannt hatte, weil er zu viel Freude bereiten hätte können?

Während BBC und Reuters auf den UNRWA-Bericht so reagierten, wie man es erwarten konnte, hat NY Times-Büroleiter Ethan Bronner ein Kompliment für Hinweise zu Kontext und Ursache des Wirtschaftswachstums verdient:

Man verglich also auch die zweite Hälfte des Jahres 2010 mit dem gleichen Zeitraum im Jahr 2009, einem üblichen Ansatz für Volkswirtschaften, in denen die Zahl vieler Arbeitsplätze saisonal bedingt ist. Diese Zahl verdeutlicht, dass die Arbeitslosigkeit um 1,09 Prozent sank, also um eine Zahl, die mehr im Einklang steht mit anderen internationalen Analysen zur wirtschaftlichen Situation im Gazastreifen….

Aktuelle Berichte vom Internationalen Währungsfonds und der Weltbank haben übereinstimmend angezeigt, dass Gazas Wirtschaft im Aufschwung begriffen ist. Die von der Vertretungsstelle der Vereinten Nationen herausgegebenen Daten belegen, dass im Jahr 2008 prozentual mehr Arbeitslosigkeit geherrscht hatte als das komplette Jahr 2010 über: 44,9 Prozent versus 43,6 Prozent.

Israelische Offizielle sagten, dass der Bericht dazu bestimmt schien, ein so düsteres Bild wie möglich zu zeichnen. Sie kritisierten auch die Verwendung von sogenannten allgemeinen Beschäftigungszahlen, die die Minderbeschäftigten mit einschlossen, und jene, die nicht mehr nach Arbeit suchten -; umso mehr waren diejenigen Zahlen verwendet worden, die Arbeitssuchende meldeten. Die enger gefasste Zahl zur Arbeitslosigkeit lag 2010 – dem Palestine Central Bureau of Statistics zufolge, bei 37,8 Prozent.

Wäre das der UNO und den großen Medien die Herablassung wert, den wirtschaftlichen Einfluss des Terrors auf Sderot zu untersuchen?

Leseempfehlungen 3. Oktober 2010

3. Oktober 2010

HonestReporting Media Backspin, 3. Oktober 2010


S
derot Going Bankrupt: A Hamas Victory?

PA Maintains Refugees in Balata Ghetto

Preacher: My Own Church Uses Charitable Donations In Vendetta Against Israel

Will Abbas, Too, Order Hamas to Carry Out Terror Strikes?

Student’s Summer Internship With the IDF Civil Administration

Speculation on Israeli Involvement in Stuxnet Attack

Blogger Who Visited Israel Faces Execution in Iran

5 Myths About Middle East Peace

A National Economy — Without the Nation

Confront Hezbollah as an Institution, Not as a Community

Sderot ein Jahr nach dem Krieg

16. Dezember 2009

HonestReporting Media BackSpin, 16. Dezember 2009

Bald ist der Ausbruch des Gaza-Krieges ein Jahr vorbei und das bedeutet auch, dass sich etliche Artikel damit befassen, wie es Gaza im abgelaufenen Jahr erging. Das wäre fair, wenn die Mainstream-Medien auch überprüfen würden, wie es den anderen Opfern gegangen ist – in Sderot und im westlichen Negev.

Kompliment an NPR für diesen Bericht aus Sderot: Granaten-Schock des Gazakrieges wirkt bei Israelis nach.

Die Immobilienpreise sind um 30 Prozent gestiegen und es gibt einen Beschäftigungshöchststand in der Stadt.

Aber die Bewohner leiden weiterhin an Traumata und erwarten weitere Raketenhagel:

„Wir haben wirklich sehr, sehr harte Zeiten durchgemacht“, sagt Dahan. „Schließlich habe ich den Schutzraum gebaut. Aber ich weiß nicht ob er hält. Ich befürchte, dass sie in Gaza weiterentwickelte Waffen bauen und der Unterstand mich dann auch nicht schützen wird.“

„Normalzustand“ in Sderot

15. März 2009

HonestReporting Media BackSpin, 15. März 2009

Warum sollte dies hier als „normal“ durchgehen, gleich, welchen Maßstab man anlegt?

Trotz der permanenten Raketenbedrohung hat sich im kriegsgeprüften Sderot eine gewisse Form der Normalisierung des Unnormalen entwickelt. In der Schule haben die Jungen den Song „Höchste Alarmstufe“ erlernt – eine Art Kinderreim, der den Kindern beibringt, was sie tun müssen, wenn die Sirenen heulen, und wie sie die Anspannung danach loswerden.

Leben in Sderot meint auch, mit geöffneten Fenstern zu leben, ob im Winter oder Sommer, bei Regen oder wenn die Sonne scheint – damit man die Alarmsirenen hören kann. Manchmal werden die Raketen nicht geortet und schlagen ohne Warnung ein.

Seit Ende des Gazakrieges haben Palästinenser mehr als 80 Raketen abgefeuert. Geschützte Spielplätze, eine Facebook-Gruppe namens Children of Sderot und dergleichen sind wertvoll wegen der Atempausen und Solidarität, die sie den Bewohnern geben.

Wie aber die NATAL-Studien zu den Sderot-Traumata zeigen, gibt es schlicht keinen Ersatz für die Normalität, wenn es um das Wohlergehen der Kinder geht.

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Sderot rockt

17. Dezember 2008

HonestReporting Media BackSpin, 17. Dezember 2008

Seit einem Jahr lebt Laura Bialis nun in Sderot – als sie beschlossen hatte, einen Film über (Wer hätte das gedacht?) die dortige Musikszene zu drehen.

Aber in diesem Jahr hier habe ich eine untrennbare Beziehung zu diesem Ort aufgebaut. Vielleicht bin ich nur ein Kleinstadtmensch, der die meiste Zeit seines Lebens in einer Großstadt verbracht hat, oder die Künstlerin in mir fühlte sich in ihrer Arbeit von der Filmindustrie in Los Angeles eingeengt. Alles was ich sagen kann, ist, dass ich in diesem 35. Lebensjahr mehr gelernt habe als in allen anderen zuvor.

Außerhalb New York City ist Sderot im wahrsten Sinne des Wortes einer der facettenreichsten Orte, an denen ich mich jemals aufgehalten habe….

Als ich dort das erste Mal ankam, war ich von der Reichhaltigkeit der Musik- und Kulturszene und der enormen Kreativität, die solch eine kleine Stadt hervorbringt, schwer beeindruckt. Es war schwer, eine Auswahl darüber zu treffen, auf welchen Schwerpunkt der Film setzen sollte. Die Menschen hier komponieren, proben und spielen jeden Tag live.

Lesen Sie mehr über Bialis‘ mutigen Schritt und Sderots Musikszene. Weitere Links bei Daled Amos.

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Australischer Blick auf Sderot

27. November 2008

HonestReporting Media BackSpin, 27. November 2008

Die bekannte australische Kolumnistin Janet Albrechtsen besuchte Israel. Ihre Gedanken verweilen in Sderot.

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Sderot leidet: In Zahlen

25. November 2008

HonestReporting Media BackSpin, 25. November 2008

90 Prozent der Bewohner haben den Einschlag einer Kassam gesehen oder gehört.

65 Prozent der Bewohner kennen jemand, der durch eine Kassam verletzt wurde.

48 Prozent der Bewohner kennen Menschen, die durch eine Kassam getötet wurden.

74 Prozent der Kinder zwischen 7 und 12 leiden an Angstzuständen.

28 Prozent der Bewohner leiden an posttraumatischen Störungen.

86 Prozent der Kinder zwischen 12 und 14 leiden an posttraumatischen Störungen.

Ein Drittel aller Schüler zwischen 13 und 18 leidet an Lernstörungen, die durch Traumata bedingt sind.

Quellen: YNet News, Natal

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Leseempfehlungen

12. Mai 2008

honestreporting Media BackSpin, 12. Mai 2008

Der jüdische Staat mit 60. William Kristol schaut zurück auf den Idealismus, die Beharrlichkeit und das Selbstbewusstsein der Gründer, liefert den historischen Kontext und zeigt die Relevanz zu den Bedrohungen heute auf.

Vom Mythos des besetzten Gazastreifens. Gaza ist nicht per Gesetz „besetzt“. Außerdem nutzen Zugeständnisse in diesem Fall der Hamas-Propaganda.

Warum Israel das fröhlichste Land der Welt ist.  „Du musst nicht spinnen, um Zionist zu sein – aber es hilft.“ Ein faszinierender Einblick in diese Haltung. (via Lenny David)

Leben in Sderot. Ein sehr bewegender Blog-Beitrag zum Alltag im Raketenhagel. (Via Solomonia)

Katastrophal, aber keine Apartheid. Der südafrikanische Journalist Benjamin Pogrund entlarvt Vorwürfe, die so genannte „israelische Apartheid“ betreffend.

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Sderot: Der meist bombardierte Ort der Welt

6. Mai 2008

honestreporting Media BackSpin, 5. Mai 2008

Daily Mail:

Wegen seiner Nähe zur Grenze und der großen Anzahl Hamas-geführter Amateur-Bombenbauer auf anderen Seite weist das zivile Sderot eine einzigartige Schadensbilanz auf: Im Verhältnis Rakete pro Einwohner ist es das meistgetroffene Ziel in Israel – und sogar weltweit.

Bitte lesen Sie den vollständigen Artikel.

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Leseempfehlungen

3. April 2008

honestreporting Media BackSpin, 3. April 2008

Iranische Mörsergranaten auf Israel abgefeuert. Schneller und zerstörerischer als die Kassams.

Bringt die Hamas nicht an den Verhandlungstisch. Libanesischer Journalist sagt, dass die Einbeziehung der Hamas zu viele Probleme aufwerfen würde.

Tourismusministerium fördert nur „Positive Bilder“ von Israel. Jemand im Büro des Ministerpräsidenten stellte die Videos 1, 2, und 3 des Mercaz-Massakers* auf YouTube ein, aber Beamte des Tourismusministeriums sagen, sie seien kontraproduktiv. Wer hat Recht?

In Sderot ist Terror die Regel und nicht die Ausnahme. Sderots Bürgermeister Eli Moyal heute Abend in Yale.

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Videos 2 und 3 öffneten sich beim Verlinken nicht.

In der Höhle des Löwen, Teil 2

19. März 2008

 honestreporting.com Communiqué, 19 (3), März 2007

HardTalk auf BBC hat den Ruf, seine Gäste ganz schön ranzunehmen. Klicken Sie auf den Button unten, um zu sehen, wie es Sderots Bürgermeister Eli Moyal während der Sendung bei seinem letzten Besuch in London erging.

Verlorene Ruhepause

13. März 2008

honestreporting Media BackSpin, 13. März 2008

Heute Morgen sind mindestens 15 Raketen auf Sderot und den westlichen Negev abgefeuert worden. Haaretz meldet, dass niemand verletzt wurde.

Unbekannte Nachrichten aus Sderot

10. März 2008

honestreporting Media BackSpin, 10. März 2008

Hier eine andere Seite von Sderot, die Sie in Ihrer Tageszeitung nicht finden können.

Ein Betrieb, der 86 Israelis beschäftigt, ist von Sderot weggezogen. Die Firma Hollandia sagt, dass sie seit Beginn des Raketenbeschusses 10 Millionen NIS* in Schadensreparaturen gesteckt hat. Die Hälfte der Belegschaft hat die Firma bereits verlassen und der Betrieb kommt seinen vielen Lieferaufträgen aus aller Welt für Schlafsysteme nicht mehr nach. Ein Problem, mit dem viele Unternehmen im Süden konfrontiert sind:

Die Firmeneigentümer berichten, dass die Versicherungskosten steigen, während die Grundstückspreise, die zur Absicherung der Bankbürgschaft dienen, fallen und Liquiditätsprobleme verursachen.

*NIS: 1 Neuer Israelischer Shekel = 100 Agorot. Währungskürzel: NIS, ILS (ISO-Code).

„Nahtloses Gewalt-Kontinuum“

9. März 2008

honestreporting Media Backspin, 9. März 2008

Der Economist geht noch über „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ hinaus und nimmt uns mit in die unergründlichen Gefilde gefärbter Darstellung, wo „Ursache und Wirkung in ein nahtloses Kontinuum übergehen.“

Die letzten Kämpfe im Gazastreifen zwischen Israel und der Hamas, der palästinensischen islamistischen Bewegung, zeigten, wie purer Zufall Ereignisse außer Kontrolle geraten lassen kann. In den vorausgegangenen Wochen hatten wechselseitiger palästinensischer Raketenbeschuss und israelische Raketenangriffe auf Gaza, in denen Ursache und Wirkung in ein nahtloses Kontinuum übergegangen waren, an Intensität zugenommen.

Es gibt keine wirkliche „Gewaltspirale“ in Gaza. Sie können das an den Intentionen der israelischen und palästinensischen Angriffe ablesen.

Palästinenser feuern wahllos Raketen auf Sderot (nun auch Ashkelon), in der Hoffnung, so viel wie möglich Verluste zu verursachen. Es grenzt an ein Wunder, dass mehr als 2.000 Raketen während der letzten sieben Jahre „nur“ 14 Israelis töteten. Trotz des Aufwandes, den die IDF betreibt, um die Zahl getöteter Zivilisten zu minimieren, sind die Verluste auf palästinensischer Seite höher, weil Bewaffnete und Raketentrupps den Unterschied zwischen traditionellem „Militär“ und „zivilen“ Beteiligten im dicht bevölkerten Gazastreifen verwischen.

Währenddessen erträgt Sderot posttraumatische Belastungsstörungen seiner Menschen, den Zusammenbruch des örtlichen Geschäftswesens, fliehende Bewohner, und lebt mit Tag für Tag mit Terror. Die Stadt wird nie die Aufmerksamkeit erhalten, die sie wirklich verdient – wegen eines kurzsichtigen Mainstream-Mantras, das die Journalisten lehrt, nur auf Effekte abzuzielen:

Hauptsache, es fließt viel Blut.

UPDATE, 9. März: Alan Howe hat’s verstanden.

Ashkelon und Sderot in Zahlen

6. März 2008

honestreporting Media BackSpin, 6. März 2008

28 Schadensersatzansprüche für landwirtschaftliche Flächen und Erzeugnisse.

113 Autos zwischen Samstag und Dienstag durch Raketen beschädigt.

120 befestigte Bushaltestellen aus Beton neu in Sderot errichtet.

200 mm-Rakete in Eigenbau von Ashkelon-Bewohner Moshe Nissimpor entwickelt.

230 Gebäude in Ashkelon alleine zwischen Samstag und Dienstag durch Raketenbeschuss beschädigt.

565 israelische Gebäude insgesamt zwischen Samstag und Dienstag beschädigt.

Quellen: Haaretz, YNet News

Dazu passend: Ashkelon in Zahlen