Posted tagged ‘Sam Segev’

Medien-Spickzettel 8. November 2011

9. November 2011

HonestReporting Media BackSpin, 9. November 2011

Alles, was Sie zur Medienberichterstattung über Israel wissen sollten.

Zur Dringlichkeit des iranischen Nuklearprogramms….und mehr….

(Abbildung rechts) Israelische Piloten nach dem Angriff auf den Osirak-Reaktor im Irak

• Amir Nachumi, einer der IAF-Piloten, der den Angriff auf den Osirak-Reaktor im Jahr 1981 flog, berichtete Dan Ephron von The Daily Beast, dass ein Angriff auf den Iran riskant sei, aber machbar.

„Ich kann Ihnen sagen, dass 1981 die Entscheidung zum Anflug selbst die schwierigste war. Nicht die Ausführung der Mission ist es, sondern die Entscheidung, diese durchzuführen“, sagte Nachumi in dem Interview. „Ich denke, heute verhält es sich genauso. Die Entscheidung zum entschlossenen Handeln ist viel schwieriger als die Operation selbst. „

• Die Israelis debattieren nicht nur öffentlich darüber, ob man den Iran angreifen soll – sie diskutieren auch darüber, wie man das in der Öffentlichkeit kommunizieren sollte. Wie auch die Absichten der Regierung aussehen mögen, so Kevin Blume von CNN -; die internationale Diskussion rückt das iranische Nuklearprogramm wieder in den Mittelpunkt. Und die LA Times fragt sich, ob die öffentliche Diskussion einen möglichen Angriff komplizieren könnte:

Israel ist besonders stolz darauf, öffentlich geführte Leitlinien bezüglich militärischer Angelegenheiten zu vermeiden, wenn es regelmäßig eine Front gegen die Welt aufbaut, falls es um seine [eigene] Sicherheit geht….

Viele Offizielle sagen, dass solche Fragen nicht Gegenstand öffentlicher Diskussion sein sollten. Israelische Angriffe auf Atomanlagen im Irak im Jahr 1981 und Syrien im Jahr 2007 wurden ohne Vorwarnung durchgeführt.*

Bret Stephens (Klick via Google News) macht sich Gedanken über den Diskurs in der amerikanischen Öffentlichkeit:

Eine solche Debatte muss sich über vier Fakten im Klaren sein:

Erstens muss man die Vorstellung aufgeben, dass es einen dritten Weg gäbe, dem Iran einen Fortschritt zu einem ungehinderten Fortschritt des  Nuklearprogramms zu erlauben bzw. des militärischen Eingreifens, seine Anstrengungen zu stoppen….

Zweitens muss in der Debatte berücksichtigt werden, dass es nicht mehr länger um den Westen geht und auch die Zeit gegen ihn (bd) läuft….

Drittens muss man eine unvermeidliche Debatte anstoßen, die die unbedingt notwendigen Konsequenzen eines militärischen Angriffs gegenüber den vorhersehbaren Folgen eines nuklear bewaffneten Iran in Rechnung stellt….

Letztendlich muss jede Debatte berücksichtigen, was der Westen tun kann, um den Untergang des Regimes zu beschleunigen.

• Laut Sam Segev’s Analyse [nicht zu verwechseln mit Tom Segev, dem israelischen Regierungssprecher (bd)] in der Winnipeg Free Press gingen alle Angriffe auf den Iran nach hinten los, weil Meir Dagan nicht informiert war:

Trotz dieser öffentlich durchgeführten Maßnahmen bestand zu keiner Zeit die Absicht, den Eindruck eines unmittelbar einseitigen israelischen Schlages gegen die iranischen Atomanlagen zu erwecken. Der Zweck dieses Nervenkriegs bestand darin, eine Atmosphäre zu schaffen, die härtere Sanktionen gegen den Iran verhängt. Man hoffte, dass die Aussicht auf einen israelischen Angriff, verbunden mit den Untersuchungsergebnissen der internationalen Watchdogs, Russland und China davon überzeugen würde, schärfere Sanktionen zu unterstützen.

Nicht eingeweiht in die Top-Sekret-Verbindungen zwischen den USA und Israel; und schon lange Zeit davor ein Gegner eines einseitigen israelischen Schlages gegen Iran, hat Meir Dagan – ehemaliger Mossad-Chef, Netanyahu und Barak wegen ihres geplantes Abenteuers gegen den Iran scharf angegriffen.

Dagan erklärte gegenüber mehreren Chefredakteuren verschiedener israelischer Tageszeitungen, dass der Iran immer noch Jahre vom Bau einer Atombombe entfernt sei.

Westliche Nuklearexperten erklärten Haaretz  gegenüber, dass der Iran innerhalb weniger Monate in der Lage sei, eine Atombombe zu bauen.

Amir Taheri fragt, ob der Iran wirklich auf den nuklearen Auslöser-Button drücken würde.

Katherine Butler besteht darauf, dass die Auswirkungen des „arabischen Frühlings“ die beste Hoffung für einen Frieden für Israel seien.

– Uri Dromi stellt sich die Frage, was Rabin aus der Situation machen würde. [Ich als Israel-Kommentator setze da bewusst kein Fragezeichen bzw {bd)]. Rabin hätte sich für die SICHERHEIT Israels entschieden und nicht für Wischiwaschi. Punkt!

Professor Andrew Cohen hofft, dass der Iran von seinen nuklearen Ambitionen abgeschreckt werden kann.

Dan Murphy bietet 3 Gründe für und 3 Gründe gegen einen drohenden israelischen Angriff an. (Er bezieht sich dabei hauptsächlich auf eine Titel-Story von Jeffrey Goldberg in The Atlantic aus dem letzten Jahr).

Mary Riddells Dreck zu jüdischer Verschwörungstheorie ziert die Webseite des Daily Telegraph. Vorher bin ich darauf nicht eingegangen. Aber was für eine Verschwendung von Pixels.

Heiliger Strohsack!

Weitere Beiträge zum Friedensprozess, zum Arabischen Frühling und anderen Themen bitte hier lesen. [In Englisch]

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*Dazu auch ein Beitrag von mir (bd) auf Castollux am 19. Oktober 2007.

Die Mainstream-Medien und der Petraeus-Faktor

17. März 2010

HonestReporting Media BackSpin, 17. März 2010

Mark Perry gießt zusätzlich zur belasteten israelisch-amerikanischen Beziehung Öl ins Feuer. Perry, ehemaliger Berater von Yasser Arafat, behauptet, General David Petraeus habe durchgesetzt, dass Washington seine strategischen Überlegungen bezüglich Israel grundlegend geändert habe.

Der Artikel, veröffentlicht in Foreign Policy, befördert das Argument, israelische Siedlungspolitik und ausbleibender Fortschritt hin zu Friedensgesprächen würde die US-Soldaten im Irak und in Afghanistan gefährden.

[…]…eine Gruppe hochrangiger Militärs vom US Central Command (CENTCOM) traf im Pentagon ein, um Admiral Michael Mullen über die neue Lage im israelisch-palästinensischen Konflikt zu informieren. Das Team war vom CENTCOM-Befehlhaber General David Petraeus geschickt worden, um seine zunehmenden Sorgen wegen ausbleibender Lösungen des Problems zu unterstreichen. Die 33 Dias der 45-minütigen PowerPoint-Präsentation versetzten Mullen in Erstaunen. Und die Informanten berichteten, dass sich unter den arabischen  Führern zunehmend die Auffassung durchsetze, die USA könne sich nicht gegen Israel durchsetzen; dass zudem die meisten arabischen Staaten im CENTCOM-Kommandobereich ihren Glauben an amerikanische Versprechen verlören, dass israelische Unnachgiebigkeit im israelisch-palästinensischen Konflikt die USA in dieser Region gefährdeten und Mitchell selbst (wie ein hochrangiger Pentagon-Offizier später unverblümt aussprach), „zu alt sei, zu langsam und zu spät reagiere.“

Die Botschaft konnte nicht platter ausfallen: Israels Unnachgiebigkeit könne amerikanische Leben kosten.

Max Boot jedoch zweifelt Perrys Aufrichtigkeit an. Ein Militär, der das Briefing General Petraeus kannte, sagte, dass der General „niemals empfohlen habe, die palästinensischen Gebiete in den CENTCOM-Bereich einzubeziehen.“ Boot fügt hinzu:

Weiterhin befragte ich diesen Offizier, ob er überhaupt gehört hätte, dass Petraeus die Ansicht geäußert habe, die ihm seitens Mark Perry zugeschrieben wird – nämlich dass Israels Siedlungen in der West Bank das größte Hindernis für Friedensvereinbarungen wären und […] eben diese ausbleibenden Vereinbarungen der Grund dafür seien, dass Amerikaner getötet werden. Dieser Offizier erklärte mir, er selbst habe Petraeus sagen gehört, dass „die ausbleibenden Fortschritte im Friedensprozess – aus welchem Grund auch immer – Probleme im Verantwortungsbereich von CENTCOM (Area of Responsibility) verursachten, besonders für die mehr gemäßigten Regierungen,“ und dass das eine Sorge darstelle – eine von vielen – er [aber] nicht davon ausginge, dass Petraeus hauptsächlich Israel und seine Siedlungen für den ausbleibenden Fortschritt dafür verantwortlich mache. Sie sind, so sagte er, „eine von vielen Problemen, darunter auch die fehlende Bereitschaft, Israel anzuerkennen und die Weigerung, gegen die Extremisten vorzugehen, die Israel bedrohen.“

Auch Jay Bookman riecht den Braten. Obwohl er Perrys Glaubwürdigkeit nicht anzweifelt schreibt er in der Atlanta Journal Constitution:

Beim Lesen zwischen den Zeilen von Perrys Beitrag und seinen nachgeschobenen Erklärungen ist ein klares Interesse in höheren Stellen festzustellen – offensichtlich in Kreisen innerhalb des Pentagon – diese Geschichte publik zu machen. Wenn das wahr ist, dann war das Informationsleck eine politische Entscheidung, [nämlich] eine Aktion der Militärs im Pentagon, öffentliche Unterstützung sowohl für die Warnung von General Petraeus als auch für die härtere Linie zu formulieren, die Obamas Regierung als Reaktion darauf [auf die Warnung] eingeschlagen hatte.

Nimmt das Pentagon also einen strategischen Wandel vor?

Sam Segev von der Winnipeg Free Press liefert diese interessante Information:

Gut aufgestellte israelische Quellen enthüllten, dass eine ähnliche Mitteilung vor kurzem dem israelischen Leiter des Generalstabs, General Gaby Ashkenazi, von Admiral Michael Mullen, dem Chef des US-Generalstabs, zugegangen war. Mullen teilte Ashkenazi vor kurzem mit, dass er sich im Januar mit einer Gruppe hochrangiger Offiziere getroffen habe, die im Irak, in Afghanistan und Pakistan kämpfen. Sie erklärten ihm, dass einige arabische Führer Amerika als ein „schwaches“ Land wahrnehmen, das seinen Einfluss in der Region verliere. Die arabischen Führer sprachen von „Amerikas Unfähigkeit, sich gegen Israel durchzusetzen.“

Dazu passend: Bekommen die besonderen Beziehungen Risse?

Was übrigens Mabhouhs Pass betrifft….

24. Februar 2010

HonestReporting Media BackSpin, 24. Februar 2010

Während die Welt wegen des Missbrauchs europäischer Pässe ihre Verachtung auf den israelischen Mossad lenkte, versetzte mich der Pass, den Mahmoud Mabhouh bei der Einreise nach Dubai verwendet hatte, in Erstaunen.

Korrespondent Sam Segev von der Winnipeg Free Press bringt etwas Licht in die Angelegenheit:

Diesmal kam Mabhouh nach Dubai, um eine weitere Waffenlieferung aus dem Iran via Sudan nach Gaza zu organisieren. Mabhouh reiste aus Damaskus mit einem irakischen Pass und falschem Namen in Dubai ein. Der Pass war von den iranischen Revolutionsgarden ausgestellt worden.