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Barbara Walters entschuldigt sich für schmutzigen Interessenkonflikt

6. Juni 2012

HonestReporting Media BackSpin, 6. Juni 2012

Barbara Walters gestand im Gespräch mit Daily Telegraph ein, dass ihr im vergangenen Dezember geführtes Interview mit Bashar Assad einem schmutzigen Interessenkonflikt diente.

Im Gegenzug dafür, dass Assads Medienberaterin Sheherazad Jaafari ihr ermöglichte, das begehrte Interview führen zu dürfen, warf die ABC-Reporterin ihre Prominenz in die Waagschale, um Jaafari ein Volontariat bei CNN und einen Studienplatz an der Columbia University zu beschaffen.

Als sie mit den E-Mails konfrontiert wurde, die einer syrischen Oppositionsgruppe zugänglich gemacht worden waren, sprach die 82-jährige ABC-Nachrichtenmoderatorin von einem Interessenkonflikt und äußerte „Bedauern“ für ihr Vorgehen.

Bill Carter schreibt, dass Walters Protektion vergeblich gewesen sei – Jaafari schaffte es nicht an die Columbia University, und CNN nahm nicht einmal Kontakt mit ihr auf.

Jaafari hatte Walters Interview mit Assad nicht gerade leicht gemacht. Die von der Hacker-Gruppe Anonymous zugespielten E-Mails machen deutlich, dass Jaafari ihren Chef Assad so präparierte, dass er die von Walters zu erwarteten Fragen parieren konnte. Nicht zuletzt deshalb bezieht Walters in Foren wie Twitter eine Tracht Prügel:


Twitter-Text oben:

Barbara Wolters entschuldigt sich für einen Interesssenkonflikt. Äh, wie steht es mit der Entschuldigung wegen der Verkuppelung durch eine Beraterin mit einem Massenmörder?

Bevor sie in den inneren Kreis von Assads Spin-Doktoren aufgenommen wurde, arbeitete Jaafari für Brown Lloyd James. Kurz vor ihrer Beschäftigung dort hatte diese PR-Agentur zu Vogues geschmacklosen Portrait des Familienlebens beim syrischen Diktator beigetragen. Assads angeleierte Medienstrategie hatte sich jedoch als Rohrkrepierer erwiesen.

Sicher ist es nicht unanständig, Kontakte zu allen möglichen Wirtschaftsunternehmen aufzubauen und damit Gefälligkeiten auszutauschen. Aber Walters wusste, dass sie eine Grenze überschritten hatte. Der einzige Profiteur bei dieser Kontaktpflege war Baschar Assad. Dazu Carter:

Eine altgediente Führungskraft der TV-Nachrichtenbranche, die darauf bestand, ihren Standpunkt zu einer Kollegin eines konkurrierenden Senders inkognito abzugeben, sagte, dass die Begleitumstände alles andere als ungewöhnlich wären in einem Metier, wo im Zusammenhang mit Kontaktaufnahmen oft um Gefälligkeiten angefragt wird.

„Es hat einen hässlichen Beigeschmack, zu sehen, wie manche Dinge gedeichselt werden, um solch‘ große Interviews zu bekommen“, so der Angestellte; und er fügte hinzu, dass die Gefälligkeiten das Resultat einer Absprache zu einem Interview zu sein schienen und nicht als quid pro quo gälten.

Im Umgang mit Tyrannen sollen Nachrichtenmedien immer ihren Preis für den Zugang zu Kontakten hinterfragen. CNNs Mea Culpa für dessen Beziehung zu Saddam Hussein ist eine Neubetrachtung wert.

Dazu passend: Die PR-Maschinerie zu Nahost: Von Assad zu den Palästinensern [In Englisch].

10 signifikante Artikel des vergangenen Jahrzehnts

3. Januar 2010

HonestReporting Media BackSpin, 3. Januar 2010

Ich belasse es heute ausnahmsweise bei den Originalen [in Englisch]. Einfach zu viel Arbeit. Einige Bilder lassen sich vergrößern. Anklicken reicht!

1) Retraction Required

2) My Beating By Refugees is a Symbol of the Hatred and Fury of This Filthy War

3) Three Bullets and a Dead Child

4) How Two Lives Met In Death

5) Even Journalists Have to Admit They’re Wrong Sometimes

6) Ariel Sharon Eats Babies

7) I Was a Naive Fool to Be a Human Shield for Saddam

8.) The News We Kept to Ourselves

9) Photo Op

10) Reuters Doctoring Photos From Beirut?

Parsis Präzedenzfall

30. November 2009

HonestReporting Media BackSpin, 30. November 2009

In der Huffington Post argumentiert Trita Parsi, dass die Vereinigten Staaten Israel von einem Angriff auf iranische Nuklearanlagen abhalten können und sollen. Selbst diesen Präzedenzfall führt er an:

Am 2. August 1990, knapp ein Jahr nach dem Fall der Berliner Mauer und dem Ende des Eisernen Vorhangs, fiel der Irak in Kuwait ein. Innerhalb weniger Monate schmiedete die George H. W. Bush-Administration sorgfältig eine Koalition von Staaten unter UN-Flagge, besiegte die irakische Armee und setzte Kuwaits Sabah-Königshaus wieder ein. Die Administration von Bush Senior legte Wert auf die Absicherung, dass sich an der internationalen Koalition etliche arabische Staaten beteiligten. Um aber die Araber zum Mitmachen an der Seite der USA gegen eine andere arabische Großmacht zu bewegen, musste Israel von der Koalition ausgeschlossen bleiben.

Dies sollte sich als heikle Angelegenheit herausstellen, besonders dann, als Saddam Hussein vierunddreißig Scud-Raketen auf Tel Aviv und andere israelische Städte abfeuern ließ, mit dem offensichtlichen Versuch, Israel in den Krieg hineinzuziehen….

Ebenso wie eine israelische Vergeltung gegen den Irak 1991 für die USA verheerende Folgen gehabt hätte, würde ein israelischer Präventivschlag gegen den Iran heute eine Katastrophe für die nationale Sicherheit der USA bedeuten.

Die israelische Debatte „Abschreckung versus Schwächung der Koalitionskräfte“ war so zähflüssig wie Parsis weitere Darstellung. Es gab zusätzlich die Ungewissheit – was Parsi nicht eingesteht -, dass Saddams Scud-Raketen mit chemischen oder biologischen Gefechtsköpfen ausgestattet sein konnten. Zum Glück trieb es Saddam Hussein nicht auf die Spitze und startete unkonventionelle Angriffe.

Parsi zeigt keine Besorgnis angesichts der Gefahr, die von iranischen Atomwaffen für Israels nationale Sicherheit ausgeht (natürlich auch für die Palästinenser, wenn wir schon dabei sind).

Wir haben gesehen, dass die israelische Bevölkerung erstaunlich belastbar ist angesichts irakischer Scuds, palästinensischer Kassams und Hisbollah-Katjuschas. Aber Parsis willkürlicher Vergleich fällt in sich zusammen, weil Luftangriffe auf dem Iran dazu dienen würden, ihn von Erwerb und Einsatz nuklearer Waffen abzuhalten.

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