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Die palästinensische Rückkehrangst

25. August 2010

HonestReporting Media Backspin, 25. August 2010

Die BBC stach, was die palästinensischen Flüchtlinge angeht, in ein Wespennest. Da stellte sich heraus, dass die in Syrien lebenden Flüchtlinge der dritten Generation gar nicht am so genannten „Rückkehrrecht“ interessiert sind; und das sagten sie auch Reporterin Lina Sinjab:

Nachdem Generationen von Palästinensern jetzt in Syrien und an anderen Orten im Nahen Osten gelebt haben, haben sie dort tiefe Wurzeln geschlagen? Zuhause ist da, wo das Herz und das Geld sind.

Aber es kommt bei ihnen selten vor, dass sie diese Ansichten öffentlich zuzugeben.

„Für die Akten, denn es ist politisch inkorrekt, etwas anderes zu sagen: Sie alle würden sagen: ‚Ja, wir würden nach Palästina zurückgehen.‘ Aber setzt man sich privat mit ihnen hin, dann hört man eine ganz andere Ansicht“, sagt der politische Analyst Samit Mubayyed.

„Warum sollte ein Geschäftsmann seine Kuschelecke verlassen? Das Zuhause ist da, wo das Herz und das Geld sind.“

Das wird für Kopfschmerzen sorgen, denn der Libanon gab den palästinensischen Flüchtlingen erst vor kurzem zähneknirschend neue Arbeitsrechte. Und PA-Führer wollen nicht, dass ihr Volk sich in den Gastgeberländern allzu wohl fühlt.

Die Ironie ist unglaublich: Je länger die Palästinenserführer die Friedensbemühungen den Bach runter gehen lassen, indem sie die Karte des Rechts der Forderung nach Rückkehr ausspielen, desto weniger wichtig wird sie für die Flüchtlinge selbst.

Geht das so weiter, dann werden keine palästinensischen Flüchtlinge mehr übrig sein, die irgendwann tatsächlich irgendwo zwischen Jordan und Mittelmeer lebten.

Lesetipp dazu: Experts: No Legal Basis for Palestinian Refugee Demands

Der pragmatische Dreh

5. Mai 2009

HonestReporting Media BackSpin, 5. Mai 2009

In einem Interview, das hauptsächlich darauf abzielte, Präsident Barack Obama eine Botschaft zu übermitteln, beschrieb Hamas-Führer Khaled Mashaal seinen „Friedensplan“ gegenüber der NY Times:

Auf die von den Amerikanern angestrebte Zweistaatenlösung angesprochen, sagte er: „Wir stimmen einem Staat in den Grenzen von 1967 zu – basierend auf einer langfristigen Waffenruhe*. Das schließt Ostjerusalem mit ein, die Auflösung von Siedlungen und das Rückkehrrecht für die palästinensischen Flüchtlinge.“ Nachgefragt, was er mit „langfristig“ meine, gab er 10 Jahre an.

Das hieße, Israel wäre mit allem einverstanden, wenn es als Gegenleistung dafür lediglich 10 Jahre Ruhe bekommt. Kein Unterschied also zu 2006, als, neben anderen westlichen Nachrichtenmedien, die Times of London und AP Ismail Haniyeh pragmatisch genannt hatten und er exakt das gleiche Angebot unterbreitete.

Ich kann’s gar nicht erwarten, bis jemand behauptet, dass Mashaal „pragmatisch“ ist, da er angeblich „seine Haltung mäßigt“.

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*Hinweis (bd):

Man muss exakt zwischen Waffenstillstand und Waffenruhe unterscheiden. Ein Waffenstillstand soll in der Regel zu Friedensverhandlungen führen, eine Waffenruhe bedeutet nach dem islamistischen Selbstverständnis der Hamas und Konsorten, dass sie (arab.: Hudna) im Sinne der wörtlichen Koranauslegung der Sammlung aller Kräfte dient, um später noch härter zuschlagen zu können. Eine Hudna verpflichtet zu nichts.

Verschiedenes zum Konflikt

22. Oktober 2008

HonestReporting Media BackSpin, 22. Oktober 2008

Selbst verursachte Naqba. Die historische Erzählung über Schikanierung der Araber ist nicht stichhaltig.

Palästinensischer „Return-Button“. Das „Recht auf Rückkehr“ ist nicht unverzichtbar.

Die Bombenbräute von Gaza. Zunehmend werden Frauen für Märtyreroperationen rekrutiert.

Hamastan=Afghanistan. Das sagt ein arabischer Experte.

Tunnelgraben nun auch in der Westbank. Vor Ort gibt es Hinweise darauf, dass Terroristen geplant haben, Kontrollpunkte zu umgehen. Im ausgeklügelten Tunnelsystem wurden Sprengsätze gefunden.

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