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Trotz türkischen Säbelrasselns: Israel kaum „isoliert“

7. September 2011

HonestReporting Media BackSpin, 7. September 2011

Schwarzseherische Bewertungen, die diplomatische Offensive der Türkei würde eine Isolierung Israels bedeuten, sorgen für einschmeichelndes Gruppendenken unter nordamerikanischen Kolumnisten – gestern rührte Roger Cohen die Trommel. Aber ein Blick auf einige Artikel in Zeitungen des östlichen Mittelmeerraums legt nahe, dass Israel nicht so „isoliert“ ist wie behauptet.

Die türkische Forderung nach einer israelischen Entschuldigung und der Anspruch, das Mittelmeer vor „israelischen Muskelspielen“ zu schützen, erweisen sich mehr und mehr als Ausrede, weil man bei der Gewinnung von Offshore-Gasvorkommen mitmischen will. Zypern vereinbarte gemeinsame Seegrenzen mit Israel (was auch der Libanon beabsichtigt) und erhielt ausdrücklich Jerusalems Unterstützung im eigenen maritimen Streit mit der Türkei.


Lesen Sie mal, was türkische Quellen türkischen Medien erzählen.

In Beweisstück A schreibt Hurriyet:

Der Einsatz türkischer Kriegsschiffe zum Schutz von Frachtern, die Hilfslieferungen nach Palästina bringen und das hoheitsfreie Gewässer zwischen der Insel Zypern und Israel beachten, ist – wie Quellen sagen – Teil der umzusetzenden Vorhaben, dass in diesem Gebiet zukünftig häufiger türkische Kriegsschiffe zu sehen sein werden.

Das von türkischen Quellen beschriebene Gebiet war Gegenstand einer kürzlich ausgetragenen diplomatischen Konflikts zwischen der Türkei und dem griechischen Teil Zyperns über das Vorhaben Letzteren, mit Gasbohrungen zu beginnen. Kürzlich vereinbarten Zypern und Israel, gemeinsam mit amerikanischen Firmen die Bohrungen durchzuführen.

Die Türkei betrachtet den Vertrag zur Gasförderung als Abkommen zweier Staaten, die der Türkei gegenüber feindlich gesinnt sind, und sie hat beide Parteien aufgefordert, sich an solch einem Projekt zu beteiligen, bevor nicht eine Lösung in der Zypern-Frage gefunden wird, damit die Stabilität des östlichen Mittelmeerraums erhalten bleibt.

Das bringt uns zu Beweisstück B. In einem Interview mit Zaman warnte der türkische Diplomat Egemen Bağış die griechischen Zyprer vor Erdölbohrungen in türkischen Hoheitsgewässern.

Der griechische Teil Zyperns hat erklärt, dass er ab 1. Oktober mit der Ölförderung im Mittelmeer beginnen will. Was sagen Sie dazu?

Die Vorgänge, die sich in der Vergangenheit ereignet hatten [Die türkische Marine unterband die Ölförderung] wann immer die griechischen Zyprer solche Versuche unternommen hatten, werden sich wiederholen. Das zeigt, wie ernst es die Türkei meint. Das in Gewässern zu tun, wo sie rechtlich nicht zuständig sind, ist illegal. Die Türkei wird sich auf das Internationale Recht stützen, um ihre Rechte in vollem Umfang umzusetzen.

Wird die Marine Schiffe schicken?

Dafür haben wir ja die Marine. Wir haben unsere Marineinfanterie dafür ausgebildet; wir haben die Kriegsmarine zu diesem Zweck ausgerüstet. Alle Optionen liegen auf dem Tisch, alles kann passieren.

Die zyprische Antwort bestand in dem diplomatischen Äquivalent eines „Sich Raushaltens“.


Es lohnt sich also, darüber nachzudenken, ob die Türkei die palästinensische Sache nicht nur als Vorwand nutzt, um sich rücksichtslos ihren Weg zu unerschlossenen Rohstoffreserven im Mittelmeer in Milliardenhöhe zu bahnen.

Ein weiteres Indiz dafür, dass der jüdische Staat nicht wirklich so „isoliert“ ist, zeigt sich in der zunehmend besseren Beziehung zu Griechenland. Am Sonntag besuchte Panos Beglitis als erster griechischer Verteidigungsminister Israel. Er hat bereits ein Sicherheitsabkommen unterschrieben.

Lord Palmerston formulierte auf äußert treffende Weise eine politische Maxime, als er sagte:

„Nationen haben keine dauerhaften Freunde oder Verbündete, sie haben nur dauerhafte Interessen.“

Stark vereinfacht bedeutet es eine Neuausrichtung gemeinsamer Interessen wie das Spiel „Reise nach Jerusalem“. Niemand will zurückgelassen werden, wenn die Musik unterbrochen wird. Ich hätte nichts dagegen, wenn die israelisch-türkischen Beziehungen wieder auflebten, aber ich habe da so meine Zweifel. Die Türkei ist nun ein aggressiverer Spieler, aber auch Israel hat in diesem Spiel Freunde.

Leseempfehlungen, 1. Februar 2011

1. Februar 2011

HonestReporting Media BackSpin, 1. Februar 2011

• Von allen Artikeln über israelische Sichtweisen, was Ägypten betrifft, hinterlässt Benjamin Kersteins Stück den nachhaltigsten Eindruck. Ansonsten beschreibt Reuters, was gerade aufgrund der Fakten auf dem Spiel steht.

• Zeigt Roger Cohen seinen verborgenen Sharansky?

• Ein Leser aus Seattle wünscht, dass Pesach Benson (HonestReporting Jerusalem) sich des gestrigen Beitrags im Wall Street Journal (Interview mit Bashar Assad) annimmt.

Da man schon darum bat: Assad beherrscht offenbar die Kunst nichtssagender Worte. Aber man kann sagen, dass sein Durchgreifen im Internet ernst gemeint ist: Madame Assads Facebook-Auftritt ist seit einigen Tagen nicht mehr aktualisiert worden.

• Empörung kommt nur auf, wenn Israel beteiligt ist:

Hamas riegelt Gazas Südgrenze ab

• Da nun die Hai-Attacken des Mossad Ägypten erfolgreich demoralisierten, sollte man bei neuen Heimsuchungen dieser Art auf den Bahamas und Cancun misstrauisch sein….

Tom Friedmans Passivrauchen

17. November 2009

HonestReporting Media BackSpin, 17. November 2009

Sieht fast danach aus, als habe Roger Cohen den Qualm von Tom Friedmans angerauchter Zigarette abbekommen:

Obama, der den Nobelpreis schon erhalten hat, sollte die Erwartungen dämpfen. Hört endlich auf, über Frieden zu sprechen. Schlagt euch das Wort aus dem Kopf. Fangen wir an, über Détente zu reden. Das ist es, was Lieberman wünscht; das ist, was die Hamas über seine Vorstellungen sagt; hier ist Netanjah mit seinem Latein am Ende.

Es ist nicht das, was Abbas wünscht, weil er machtlos ist. Shlomo Avineri, ein Politikwissenschaftler, sagte mir, dass „ein gewaltloser Status Quo weit von einem zufriedenstellenden Ergebnis entfernt ist, aber er ist nicht schlecht. Zypern ist keine unbefriedigende Lösung.“

Roger Cohen frisst Kreide

15. Juni 2009

HonestReporting Media BackSpin, 15. Juni 2009

Fox News (via Gateway Pundit) berichtet, dass westliche Journalisten geschlagen werden, und AP sagt, dass das Regime andere Maßnahmen ergriffen hat, wie z.B. die Störung des BBC-Empfangs und Schließung des Al-Arabiya-Büros. Doch das zeigt nur die Spitze des Eisbergs.

Deshalb fordert Hillel Neuer (UN Watch), dass NY Times-Kolumnist Roger Cohen wegen seiner wiederholten Verteidigungen des iranischen Regimes zurücktreten solle. Man muss nicht gleich Cohens Kopf fordern, aber ich stimme daran überein, dass er sein Unrecht einräumen muss.

Und Respekt – Cohen tut genau das. Cohen schreibt nun:

Ich habe für einen Dialog mit dem Iran plädiert und stehe auch heute noch dazu, obwohl angesichts Millionen betrogener Iraner Präsident Obamas freundliche Annäherung eine gewisse zeitliche Unterbrechung erfordert.

Ich habe auch argumentiert, dass die Islamische Republik für die Verhältnisse in dieser Region  trotz ihres repressiven Charakters signifikante Freiräume anbietet. Ich irrte mich, weil ich die Brutalität und den Zynismus eines Regimes unterschätzte, das die Regeln rücksichtsloser Machtausübung beherrscht.

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Roger: Ende der Durchsage

28. April 2009

HonestReporting Media BackSpin, 28. April 2009

Martin Peretz merkt an, dass die NY Times Roger Cohen, dessen Kommentare nun weniger Aufmerksamkeit erregen werden, herabgestuft hat.

Dies hat wahrscheinlich mehr mit der finanziellen Situation der Gray Lady als mit Cohens Inhalten zu tun. Einige von uns haben das kommen sehen.

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Vorrang der Iranpolitik: Täuschung und Siedlungen

26. April 2009

HonestReporting Media BackSpin, 26. April 2009

Roger Cohen spielt israelische Ängste vor einem Iran mit Nuklearwaffen herunter, Walt Rodgers bezeichnet Mahmoud Ahmadinejads Atomambitionen als Bombastik und der Economist unterstellt, dass Israels vorrangig am Iran ausgerichtete Politik ein Ablenkungsmanöver sei, um nicht mit den Palästinensern verhandeln zu müssen.

Doch Joe Klein vom Time Magazine geht noch weiter:

Aber es scheint offensichtlich, dass die wilde Übertreibung der Netanyahu-Regierung bezüglich der iranischen Drohung und ihre Verknüpfung mit dem Fortschritt in der palästinensischen Frage eine Täuschung darstellt, um den weiteren Ausbau der israelischen Siedlungen auf palästinensischem Land in der Westbank voranzutreiben, was letztlich eine Zweistaatenlösung verhinderte.

Im Vergleich dazu war ich vom zurückhaltenden und respektvollen Kommentar in der Baltimore Sun beeindruckt.

Benjamin Netanyahu wird Washington vermutlich im Juni besuchen. Ich kann mir ausmalen, wie das Pressekorps des Weißen Hauses ihn mit Fackeln und Heugabeln empfängt.

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Wenn der Iran Israel nuklear beseitigen will….

20. April 2009

HonestReporting Media BackSpin, 20. April 2009

Pesach Benson von HonestReporting in einem Brief an Roger Cohen.

Sehr geehrter Roger Cohen,

Eben las ich Ihre Kolumne Israel, Iran und die Angst. Statt auf die Notwendigkeit hinzuweisen, die Gefahr einzudämmen, die vom Iran für Israel ausgeht, spielen Sie die berechtigte Furcht Israels herunter, drehen den Spieß um und beschuldigen Israel. Sie schreiben:

Ganz abgesehen vom Iran und den langweiligen Nazivergleichen im Zusammenhang damit gibt es eine andere Bedrohung. Wie Gary Sick, der bekannte Nahost-Dozent und Autor mir gegenüber andeutete: „Das größte Risiko für Israel ist Israel selbst.“

Die israelische Politik ist von einem inneren Widerspruch bestimmt. Während es über eine Zweistaatenlösung gesprochen hat – zumindest bis zu Netanyahus Wiederaufleben – hat Israel den Siedlungsbau im Westjordanland fortgeführt, der eine Friedensvereinbarung unmöglich macht, indem er 23 Prozent des Landes atomisiert, das theoretisch für Palästina vorgesehen war.

Israel verhandelte mit Arafat und erhielt nichts anderes als Jahre der Intifada. Israel zog sich komplett aus dem Gazastreifen zurück und erhielt nichts anderes als Hamastan vor seiner Haustür, Hunderte Raketen und einen weiteren entführten Soldaten. Israel spricht mit Abbas, aber der Twist zwischen Fatah und Hamas deutet auf eine Dreistaatenlösung hin.

Wenn die Möglichkeit, dass israelische Juden bei einem iranischen Nuklearangriff umkommen, Sie kalt lässt, denken Sie bitte über die weiteren Konsequenzen nach, die dem Gebiet zwischen Jordan und Mittelmeer daraus erwachsen:

• Die palästinensischen Verluste würden dem Begriff Naqba, einem normalerweise von den Arabern grob missbrauchten Wort, eine neue Bedeutung geben.

• Das Heilige Land wäre unbewohnbar für alle überlebenden Juden und Palästinenser.

• Die Golfstaaten, auf deren Öl der Westen setzt, würden von Teheran eingeschüchtert werden.

Gehe ich richtig in der Annahme, dass Sie sich auf ein Leben mit einer Nullstaatenlösung in der relativen Sicherheit von New York City einrichten wollen?

Hochachtungsvoll,

Pesach Benson

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Den großen Medien Kontra geben

18. März 2009

HonestReporting Media BackSpin, 18. März 2009

NY Times-Kolumnist Roger Cohen flog auf eigene Rechnung nach Los Angeles, um sich mit Exiliranern zu treffen, die sich über seine letzte Kolumne What Iran’s Jews Have to Say aufgeregt hatten. Dazu schreibt Jewish Telegraph Agency (JTA):

Viele der etwa 30.000 jüdischen Exiliraner, die in Los Angeles leben und aus ihrer iranischen Heimat nach der islamischen Revolution 1979 entwurzelt wurden, sagten, dass Cohens Bewertung im besten Fall gefährlich naiv und schlimmstenfalls eine Verhöhnung ihrer eigenen Erfahrungen sei.

Cohen und die NY Times waren mit Briefen und Mails eingedeckt worden, in denen Cohen aufgefordert wurde, nach Los Angeles zu fliegen und mit Kritikern bei Sinai Temple zu sprechen, wo viele Gemeindemitglieder aus dem Iran stammen. Cohen sagte, dass er die Reisekosten selbst aufgebracht habe.

Cohen schrieb auch eine Fortsetzungskolumne, in der er seinen Standpunkt verteidigt….

LA Jewish Journal stellte ein Video von Cohens Debatte ein.

Ein Dialog wieder dieser wäre vor Jahren kaum möglich gewesen. Dank an die Reaktionen in der Blogosphäre, die Cohen auf den Teppich zurückholten. Soziale Netzwerke demokratisieren die großen Medien.

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