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Israel und das jüdische Volk sind miteinander verwoben

31. August 2009

HonestReporting Media Backspin, 30. August 2009

David Stavrou ist israelischer Autor mit Wohnsitz in Schweden; er entlarvt die Vorstellung, dass der Ritualmord-Vorwurf durch Aftonbladet nicht so wichtig ist, weil er sich gegen die IDF richtete, nicht gegen Juden im Allgemeinen:

Die Unterscheidung zwischen Juden und Israel ist in diesem Fall, wie in vielen anderen, Wunschdenken vieler. In Wahrheit gibt es keine Unterscheidung. Man mag das mögen oder nicht, aber Israel und das jüdische Volk sind miteinander verwoben; jeder zahlt den Preis dafür, wenn der andere angegriffen wird, jeder steigt und fällt mit den Erfolgen und Fehlschlägen des anderen. Aftonbladet weiß dies natürlich und nutzt das aus. Es kann rassistische Angriffe fahren, die sich als legitimer politischer Journalismus tarnen.

Sein Antisemitismus ist ein traditioneller, der sich auf die Religion gründet (die Juden töteten Jesus). Es ist noch nicht einmal ein moderner Antisemitismus (die Juden sind reich und kontrollieren die Welt). Es handelt sich um einen postmodernen Antisemitismus. Es geht um Bewertungen und ist geschäftsorientiert. Damit lassen sich Zeitungen verkaufen. Niemanden kümmert die Wahrheit, denn die ist ohnehin subjektiv; niemand hat die Zeit für Recherche und man kann definitiv darauf zählen, dass niemand die Verantwortung dafür übernehmen wird. Der Schreiber erhält seine 15 Minuten Ruhm; die Zeitung macht Millionen Gewinn. Und scheiß‘ auf die Konsequenzen.

Stavrou ist eine Ohrfeige für Seth Freedman, der regelmäßig im Bereich Comment is Free des Guardian schreibt und in der IDF diente. Hier seine unerklärliche Reaktion auf Aftonbladet:

Schlechter Journalismus macht jedoch nicht automatisch einen Antisemiten, besonders dann, wenn die Vorwürfe sich gegen die israelische Armee richteten statt gegen das Judentum und seine Bräuche. Hätte der Artikel behautet, dass jüdische Lehre zur Tötung nichtjüdischer Kinder und den Gebrauch ihres Bluts für rituelle Zwecke ermunterte – die klassische Definition des Ritualmord-Vorwurfs und die Herkunft der Redewendung – dann wäre es etwas anderes; aber in diesem Fall wird der Vorwurf eindeutig gegen eine Teilmenge der israelischen Gesellschaft erhoben, nicht gegen Israels per se, geschweige denn die weltweite jüdische Gemeinschaft.

Memo an Freedman: Boström verwies auch auf den Skandal in New Jersey, womit er das Leichengreifen auf die weltweite Ebene ausweitet.

Lesen Sie Stavrous ganze Kolumne (in Englisch).